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(Thema begonnen von: Niniane am 28. Feb. 2004, 12:29 Uhr)

Titel: Die Goldene Harfe - Archiv
Beitrag von Niniane am 28. Feb. 2004, 12:29 Uhr
Die Goldene Harfe


Im Herzen Talyras, am Ostende des großen Marktplatzes, findet sich die Goldene Harfe, der größte und angesehenste, und auch einer der ältesten Gasthöfe der Stadt. Das Hauptgebäude der "Harfe" ist ein großes, dreistöckiges Haus mit einem gemauerten Fundament, einem Dach aus dunklen Schindeln  und uraltem, silbergrauen Fachwerk, das schon seit vielen hundert Jahren fest und unverrückbar an dieser Stelle steht und wohl seit gut vier Menschenaltern schon ein Wirtshaus ist. Die Nordseite und die Front der Harfe sind über und über von wildem Wein bewachsen, der im Frühjahr und Sommer einen grünen, und im Herbst einen leuchtend roten Mantel aus wispernden Blättern und verschlungenen Ranken um das alte Gemäuer mit seinen dutzenden, tief gesetzten Sprossenfenstern breitet.

Aus den größeren, bleigefassten Fenstern der Großen Gaststube mit ihren gelben Butzenscheiben und dem kostbarem Glas dringt stets warmes Licht und Stimmengewirr, und über der eisenbeschlagenen, einladenden Holztür und dem Vordach mit seinen wuchtigen Schnitzereien baumelt eine vergoldete, gusseiserne Harfe von einer über und über verschnörkelten Halterung. Im Türstock der Harfe findet sich außerdem eine merkwürdige Schnitzerei, ein kleines Zeichen, unscheinbar und für den ahnungslosen Betrachter so gut wie unsichtbar, eingeritzt in den hölzernen Türpfosten: drei kleine Symbole, umeinander angeordnet: Tatze, Kralle und Schwinge. Dem unbedarften Beobachter sagen sie nichts, den richtigen Augen jedoch erzählen sie eine Menge, verraten sie doch, dass hier jeder Sithechjünger willkommen ist, und Obdach und Hilfe findet, so er solches sucht. Vor dem Eingang zum Gasthof liegt ein nicht allzu großer, doch ausreichend Platz bietender Biergarten, schlicht der "Harfengarten" genannt. Im Frühling, Sommer und Herbst sind hier stets wuchtige Tische und Bänke zu finden, und drei junge Linden spenden Schatten und füllen die Luft mit dem Wohlgeruch ihrer Blüten. In den warmen Monden des Jahres finden die Gäste hier unter der Sonne oder des nachts auch unter dem Glanz zahlloser Laternen Bewirtung. Zur Harfe gehören ein stets sauber gefegter, ummauerter Hofplatz mit einem Brunnen, der sich an der Südseite an das Gasthaus anschließt und zahlreiche Nebengebäude wie eine kleine Schmiede, Stallungen, die Platz für etwa zwanzig Tiere bieten, Ställe für das hauseigene Kleinvieh, ein Räucherschuppen, das Waschhaus und so fort. Früher gehörten zum Gasthof auch eine eigene Mälzerei und eine Braustube, doch die wurden längst schon umgebaut und mit Gästezimmern, Wirtsstuben oder Gesindekammern versehen und seit einiger Zeit hat sich noch ein "Neubau" nach Osten hin dazugesellt, da Borgil, der Wirt, für sich und seine wachsende Familie ein Heim direkt anbauen ließ.

Das Innere der Harfe wird ebenerdig fast vollständig von mehreren geräumigen Schankstuben eingenommen – da wären die große Schankstube und das Herz der Harfe mit ihrer gewaltigen, von Schnitzereien verzierten Theke und dem Großen Kamin. Dann gibt es das Ratszimmer, eine ruhiger gelegene, kleine Halle mit holzgetäfelten Wänden und einer gediegenen Tafel, wo adlige Gäste, reiche Kaufleute oder die Stadträte Gelegenheit haben, unter sich zu sein. Desweiteren gibt es die Braustube, die auch heute noch so heißt, obwohl sich auch hier Tische und Bänke für Gäste in Hülle und Fülle und an den Wänden Haken aus Wacholderholz für Umhänge und Mäntel finden, die Jungfernkammer, von der kein Mensch weiß, warum sie so genannt wird, die jedoch ebenfalls ein wenig feiner eingerichtet ist, und schließlich das Wespennest im Südwesterker, der kleinste Nebenraum und eine halbe Etage höher gelegen als der Rest der ebenerdigen Schankstuben im Erdgeschoss der Harfe. Das Wespennest ist wabenförmig und ganz mit honigfarbenem Holz ausgestattet, was ihm seinen Namen eingebracht hat. Die Einrichtung aller Räume ist gediegen, aber nicht protzig, eher zwergisch-schwer und mit geraden, kantigen Formen, doch auch mit viel kunstfertigem Schnitzwerk verziert und immer einladend und gemütlich. Von der großen Gaststube aus führt ein breiter Gang ostwärts in die angrenzenden Räume, die große Küche und weiter zu einer Hintertür in den Hof hinaus und zu Borgils Privatgemächern über der alten Mälzerei. Auch gibt es eine Treppe in die oberen Stockwerke zu den Gästezimmern und hinter der gewaltigen Theke führt ein Felsenganggang in die weitläufigen Kellergewölbe der Harfe hinunter.

Die Harfe verfügt über sechzig Gästezimmer, davon vier Gemächer für reiche oder adlige Gäste und zusätzlich vierundzwanzig einfache Kammern im Dachgeschoss, alles in allem also über hunderte von Betten. Es gibt Räume jeglicher Ausstattung, von der einfachsten Kemenate bis hin zum stilvoll eingerichteten Kabinett, doch sie sind alle sauber und so wohnlich wie nur irgendmöglich ausgestattet. Selbst die einfachste Dachkammer hat ein Bett, einen Waschtisch, eine Truhe oder Kommode und ein Fenster, die edlen Kabinette hingegen lassen kaum einen Wunsch offen. Eine Heerschar von Schankmaiden und Mägden - die meisten von ihnen Menschen, doch es gibt auch einige Mogbars -, Küchenjungen, sowie Pferdeknechten und Botenkindern arbeitet für Meister Borgil, den Wirt, und sorgt sehr gut für das leibliche und sonstige Wohl der Gäste. Schon seit Menschengedenken ist die Goldene Harfe weit über Talyras Grenzen hinaus berühmt und geschätzt für ihre vielgelobte Küche, ihren originellen Wirt, die Bardenwettstreite, die hier fast alljährlich ausgetragen werden, und die sauberen, behaglichen Zimmer, wenn sie auch nicht ganz billig zu haben sind. Nur eines sollte man in der Harfe tunlichst unterlassen, will man nicht mit Borgil oder einem der zahlreichen mächtigen Schutzzauber, die das alte Gemäuer und sämtliche dazugehörenden Gebäude förmlich durchdringen, aneinandergeraten: ohne vorherige Erlaubnis Borgils Magie zu wirken.



Verantwortliche der Harfe:


Borgil Blutaxt, ein Eisenzwerg, seines Zeichens Wirt und Stadtrat Talyras, Meister der Flüsterer und Ohrenbläser, sagenhaft reich, ein ehemaliger Abenteurer, Söldner, Kriegstreiber und Tausendsassa, (SC)
Azra Blutaxt, seine Frau, ein Shebarucmischling, (SC)
Tiuri , Borgils Ziehsohn, ein langes Elend von zwei Schritt und mehr, Ritter Loas und neuerdings waschechter Blaumantel, (SC)

Halla, Oberste Schankmaid der Harfe, eine Mogbar und ein talyrisches Original, (NSC)
Sigrun, eine walkürenhafte Menschenfrau und die weithin berühmte Oberste Köchin der Harfe, (NSC)
Liuda, Birin, Waimer, Köche und Köchinnen der Harfe, (NSCs)
Seam, Oberster Knecht der Harfe, Borgils rechte Hand, ein Mann von sehniger Kraft und wenigen Worten, der die Fünfzig schon erreicht hat, (NSC)
Marthea, eine Menschenfrau mittleren Alters, Mutter einer vielköpfigen Kinderschar, die ebenfalls alle in der Harfe ihr Auskommen gefunden haben, Oberste Zimmermagd des Gasthauses und überaus warmherzig und gastfreundlich, (NSC)
Yasraena, Vieh- und Hofmagd in der Harfe, eine hochgewachsene, sehr blasse und weißhaarige Elbin, (SC)
Grid, eine Schankmaid, Martheas älteste Tochter, (NSC)
Nalla, Hayla, Bria, Aelis, Haud und Mildid - allesamt Mogbarmädchen und Schankmaiden in der Harfe, (NSCs)
Belador, Herannuen, Meliann, Ceri, Myfanwy, Ellyn, Gwen, Nest, Marued - allesamt Menschenfrauen und Mädchen, hübsch und drall, von der Jungfer bis zum gestandenen Weib, Schankmaiden in der Harfe, (NSCs)
Ruthin, genannt die "Alte Ruthin", Wynn, Benbra, Guthra, Enith, Seysild, Heylinn, Lianor, Herleva, Giso – die sorgsamen, fleißigen Mägde der Harfe, (NSCs)  
Gereon, Reol, Lull, der Lange – Knechte der Harfe, (NSCs)  
Ninio, Pferdebursche in der Harfe, ein sechzehnjähriger, verkrüppelter Lausejunge, aber mit dem Herz am rechten Fleck und einem guten Händchen für Tiere, (NSC)
Lo, Artaud, Razo, Taino, Berin – Küchenjungen der Harfe, (NSCs)  


Grundriss der Harfe mit Beschriftung (http://www.rubinrabe.de/graffl/harfe_erdgeschoss_gr.jpg)  

Harfe - 1. Stock (http://www.rubinrabe.de/graffl/harfe_obergeschoss.jpg)

Harfe - 2. Stock (http://www.rubinrabe.de/graffl/harfe_obergeschoss2.jpg)

Harfe - Dachgeschoss (http://www.rubinrabe.de/graffl/harfe_dachgeschoss.jpg)

Eine Übersicht der Harfe und ihrer Stockwerke (http://www.rubinrabe.de/graffl/harfe_stockwerke.jpg)

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Rhordri am 01. März 2004, 08:05 Uhr
Auch in die Harfe eilt ein Knirps, den Rhordri mit einer Botschaft für Borgil hergeschickt hatte. Er findet den Zwergenwirt, den er gut vom Sehen kennt, an einem der hinteren Tische im Gespräch mit dem Maester aus dem Haus der Bücher (die meisten Botenkinder haben ein fantastisches Gesichtergedächtnis und kennen nahezu alle wichtigen Personen der Stadt zumindest vom Sehen). Er überbringt vor Aufregung zappelnd die kurze Nachricht des Kastellans der Steinfaust, hastig auf ein Stück Pergament gekritzelt und darf miterleben, wie Borgil diese Nachricht so freut, daß er ihn fast mit einem freundschaftlichen Schulterklopfen zu Boden geschickt hätte. Der Botenjunge bekommt in der Küche ein saftiges Harfenfrühstück mit allem drum und dran und obendrein fünf glänzende Kupferlinge als Lohn - und entscheidet so ganz nebenbei für sich, daß der Lord Commander ruhig öfters von den Toten zurückkehren könnte. Solche Freudennachrichten zu überbringen ist ein einträgliches Geschäft.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Mala am 01. März 2004, 15:45 Uhr
Zufrieden beendet der Magier sein Mahl mit einem kräftigen Schluck Met. Kaum hat er das leere Trinkhorn von sich geschoben, da gesellt sich Borgil wieder zu ihm an den Tisch. >So, Maester Malakai. Jetzt habe ich hoffentlich etwas Zeit für Euch. Ich will auch ohne Umschweife gleich zur Sache kommen. Ihr habt lange genug gewartet und ich bin für heute mit meiner Geduld am Ende.< Kaum hat der Zwerg seinen Wortschwall unterbrochen landen zwei frische Trinkhörner voller köstlichem Met auf den Tisch. Gemütlich zieht Malakai an seiner Pfeife und wartet voller Spannung auf das Anliegen des Zwerges. Bevor Borgil jedoch etwas dazu sagen kann unterbricht ihm ein fremder Mann. Er überbringt dem Zwerg eine Nachricht vom Lord Commander und klopft ihm mit vollster Zufriedenheit auf die Schulter und schickt ihn zur Küche. Als Borgil ihm schließlich wieder unter vier Augen das Angebot unterbreitet spürt der Magier deutlich, wie seine Kehle plötzlich staubtrocken wird. Vorsichtig befeuchtet er seine Lippen und mustert das alte Gesicht des Zwerges. "Nun das kommt wirklich... überraschend. Anders lässt es sich wohl nicht ausdrücken." Abschweifend blickt der Magier in die Dunstglocke, die sich schon am frühen Abend über alle Köpfe der Harfengäste versammelt hat. Vor seinem geistigen Augen rasen Bilder in rascher Abfolge vorbei. Jede Sekunde erscheint Malakai wie eine quälende Stunde. Doch letztendlich zaubert er ein Lächeln auf sein Gesicht. Seine Entscheidung ist gefallen. "Was wären meine Aufgaben und Pflichten? Ich meine abgesehen vom Haus der Bücher." Mit diesen Worten bläst er zwei dünne Rauchringe zur Dunstglocke empor und sieht abwartend auf Borgil. Was verbirgt sich hinter diesem Zwerg? Malakai vermag ihn nur schwer einzuschätzen. Obgleich sie sich beide schon einige Zeit kennen, weiß er doch recht wenig über seine Vergangenheit.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 03. März 2004, 17:21 Uhr
Der Botenjunge scheint gute Nachrichten gebracht zu haben, zumindest nach dem Gesicht zu urteilen, welches Borgil macht. Und als der Botenjunge in die Küche geschickt wird, um sich ein Frühstück zu holen, hält es Halla vor Neugierde nicht mehr aus und geht selbst in die Küche zu dem Jungen. Mit vollgestopftem Mund erzählt er ihr, welche Botschaft er überbracht hat und ein  breites Lächeln geht über Hallas Gesicht, obwohl sie sich die Worte mehr zusammenreimen muss, als dass sie sie wirklich versteht.

Guter Laune  geht sie wieder in den Schankraum und summt ein Lied vor sich hin. Immer mehr Gäste strömen in die Harfe und jeder erzählt davon, dass sich der Heerbann auf dem Weg nach Talyra befindet und bald eintreffen wird. Doch an diesem Tag erschallen die Hörner noch nicht von den Mauern und  der Heerbann kehrt  nicht zurück. Der nächste Tag zieht sich endlos dahin, jeder der Gäste in der Harfe lauscht immer wieder nach draussen, ob die Hörner nicht bald erschallen. Shenrah zieht seinen Weg über den Himmel und die Hörner bleiben stumm. Die wildesten Gerüchte machen die Runde, warum, das Heer noch nicht da ist und was es aufgehalten hat, von einer weiteren Nargbande wird erzählt und noch andere schauerliche Märchen. Doch Halla schenkt all dem keinen Glauben, und jedem der es wissen will, sagt sie, dass das Wetter sicher an allem Schuld sei.

Die Sonne neigt sich tief gegen Westen und noch hat man nichts von Heerbann gehört. Halla wird nun doch unruhig und die Wanderer, die in der Harfe einkehren, werden mit Fragen gelöchert, ob sie auf ihrem Weg nicht dem Heerbann begegnet sind. Als Halla beginnt die Lichter in der  Harfe zu entzünden und Shenrah alles in goldrotes Licht taucht, kommt endlich die Erlösung. Die Hörner schallen laut von jeder Mauer Talyras. Sofort scharren überall Stühle über den Boden und jeder Gast der Harfe steht auf und greift nach seinem Umhang oder Mantel, innerhalb von wenigen Augenblicken ist die Harfe gähnend leer, und das obwohl um diese Uhrzeit selten noch ein Platz zu bekommen ist. Unruhig geht Hala hin und her und überlegt, was sie tun soll, Borgil ist nirgends zu sehen und da aber auch keine Gäste da sind, entschliesst sich Halla den Mädchen erst einmal frei zu geben, die einen Mann oder Gefährten im Heerbann haben. Dann geht sie zu Sigrun und Grid in die Küche. Die Beiden reden grade auch über die Rückkehr des Heerbannes, sind sich aber sicher nicht in dieses Gewühl zu gehen, was nun am Platz der Händler herrschen wird. Beide sagen Halla zu, dass sie auf die Harfe acht geben werden und da Grid eine ihrer zuverlässigsten Mädchen ist, greift Halla nach ihrem Umhang und macht sich auf, um das Heer gebührend zu empfangen.

Kaum ist sie auf dem Marktplatz hört sie schon das Schlagen der Lanzen der Blaumäntel auf der Mauer. Sie lässt sich von der Menge mitziehen, die auf die Tore zuströmt, alles ist fröhlich und heiter, Lieder werden gesungen und jeder hat ein Lachen auf dem Gesicht.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 04. März 2004, 09:51 Uhr
Als der Zwerg sie sanft eingepackt hatte, dauerte es nicht lange und die Müdigkeit überfiel sie obwohl sie noch über so viele Dinge hatte nachdenken wollen.
Sie weiss nichtmehr wie lange sie geschlafen hatte, doch freudiges Lachen und lautes Rufen reisst sie schlussendlich aus ihrem Schlaf, der diesmal Traumlos geblieben war. Etwas verwirrt hebt sie ihren Kopf und blickt sich um. Niemand ist zu sehen und doch hört man deutlich Jubelschreie und ein lautes hornendes Geräusch das sich in regelmässigen Abständen wiederholt. Vorsichtig setzt sie sich auf den Bettrand und sogleich hat sie das Gefühl auf tausen Nadeln zu sitzen. Dieser blöde Zwerg, mist mist mist ! Ein wenig wütend ist sie schon noch, wenn sie an das Lachen der anderen dekt die zugesehen haben. Dort unten kann ich mich ja nie wieder blicken lassen. Es stellt sich als grausam Tortur heraus, aufzustehen, zu dem Wasser krug hinzugehen und daraus etwas zu trinken. Das nächste mal versohl ich ihm den Hintern, ja genau das werd ich tun, jawohja und Niemand wird mich dran hinder können! Als sie merkt was sie gerade dachte, fängt ssie urplötzlich an zu Grinsen und ein leises Lachen findet seinjen Weg aus ihrem Mund. Als wieder so ein dröhnendes Geräusch ertönt, wird sie neugierig. Ein leichter Husten schüttelt sie zwar, doch will sie wissen was die Horne zu bedeuten haben. Vorsichtig öffnet sie die Türe und schielt auf den Gang hinaus. Niemand zu sehen, gut, dann werd ich michmal weiterwagen. Konzentriert einen Fuss vor den Anderen setzend kommt sie der Treppe immer näher und muss wieder husten. Vielleicht wäre es besser ich würde eine Maid fragen was hier los ist. Der Zwerg wird vielleicht wieder wütend wenn er sieht wie ich so herumlaufe und Recht hat er ja. Sie merkte es nicht selbst, das ihre Art zu handeln und zu denken sich plötzlich verändert hatten, denn das war ein Teil von ihr. Sie bemerkte den Wandel nie, nur Aussenstehende und diese fragten sich dann was los sei.
Als sie in der Mitte der Treppe ankommt, kommt ihr eine etwas festere Schankmaid entgegen und als sie Azra sieht nimmt ihr Gesicht einen wütenden Ausdruck an. Schneller als sie aus dem Zimmer draussen gewesen war, hatte sie die Schankmaid auch schon wieder hineingejagt wie ein Huhn und sie wieder zugedeckt. Dann hätte ich ja gar ncht aufzustehen brauchen... Doch bevor die Maid wieder verschwinden kann fragt Azra in einem Gemisch von Husten und Worten: "Könnt ihr mir sagen was hier los ist? Ich meine all die lauten Rufe und die Horne, was hat das zu bedeuten." Das Mädchen schaut sie zuerst an als könne sie nicht glauben was Azra da fragt, doch dann meint sie, sogar mit einem freundlichen Lächeln: "Der Krieg! Der Krieg ist endlich zu ende! Und die Soldaten sind angekommen, sie sind endlich wieder zu Hause, da wo sie hingehören." Dann verschwindet sie wieder und schliesst dabei die Türe hinter sich. Gedankenverloren dreht sich Azra auf eine nicht-schmerzempfindliche-Seite, was jedoch sehr schwer ist, da sie das Gefühl hat ihre Knochen neu sortieren zu müssen. Die blauen Felcken an ihrem Körper schilllern nun in den verschiedensten Farben wie ein Regenbogen. Ich seh aus, als hätte Jemand auspbrobiert welche Farbe am besten zu einer Anderen passt. Immer noch tönen all die Geräusche zu ihr, doch es würde doch nichts bringen, wenn sie nun auf die STrasse gehen würde, das durfte sie ja nicht einmal. Ob Talyra wirklich anders ist, oder ob der Zweg mich nur beruhigen wollte? Erst jetzt wieder merkt sie, das sie ihre goldenen Haarspangen noch immer in der Hand hält, eisern umklammert als würde Jemand sie stehlen wollen. Lange starrt sie sie nur an, doch es kommen keine Tränen mehr. Ich hab genug geheutl, jetzt ist schluss. Glaub mir Wanderer, ich werde mich ganz bestimmt rächen und ich werde dich auch nie vergessen, aber ch darf nicht merh weinen. Ich darf nicht mehr, denn sonst werde ich ewig trauern. Mit einen kleinen Lächeln steckt sie die Haarspangen ihn ihr schmutiges strähniges Haar und lässt sich dann zufrieden wieder in ihe Kissen zurücksinken. So der Krieg ist also zu Ende. Welchen Krieg hat sie überhauopt gemeint?

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 04. März 2004, 22:01 Uhr
Es ist bei weitem nicht leicht gewesen, den Weg zurück zur Harfe zu gehen, die Strassen sind auch jetzt noch gut gefüllt und überall sieht man Paare Arm in Arm gehen, oft hat der Mann irgendwo einen Verband, humpelt oder hat sonst eine Verletzung, aber in allen Gesichter sieht man die Freude über die Rückkehr in ihre Stadt und zu ihren Familien und Freunden.

Halla atmet erleichtert auf, als sie endlich vor der Tür der Harfe steht und schon hier draussen hört sie trotz der geschlossenen Tür, dass es drinnen nicht mehr so leer ist, wie als sie die Harfe verlassen hat. Mit einem Seufzer öffnet sie die Tür und macht sich in Gedanken auf eine lange Nacht gefasst. Die Harfe ist, genau wie sie vermutet hatte, schon gut gefüllt, rasch entledigt Halla sich ihres Mantels und reicht ihn einer der gerade vorbeieilenden Zimmermädchen, die ihn in Hallas Zimmer bringen würde. Kaum hat Halla ihre Schankschürze umgebunden, trudelt auch schon die nächste Bestellung ein und Halla beginnt damit Bier zu zapfen, Met auszuschenken und Wein in kunstvoll verzierte Gläser zu giessen.

Immer mehr Leute strömen in die Harfe, die bald aus allen Nähten zu platzen scheint, aber das stört an diesem Abend keinen, es liegen sich eh schon fast alle in den Armen, teils fliessen immer noch Freudentränen, weil man gerade einen guten freund wieder getroffen hat, und alle Leute haben eine wundervoll fröhlich ausgelassene Stimmung. Es dauert auch nicht lange und das erste Lied über die ruhmreiche Schlacht klingt von zig Stimmen gesungen durch die Harfe.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jareth am 04. März 2004, 22:10 Uhr
Zufrieden betrachtet Jareth das einladend wirkende Gebäude vor sich. Ein großes Holzschild wankt im Wind über der Eingangstüre und er erkennt darauf eine mit Goldfarbe gemalte Harfe. Er kratzt sich das Kinn und zieht ein letztes Mal den wollenen Umhang enger um sich, dann lenkt er das Gespann nach links durch das Tor, das offensichtlich in den Hof des Wirtshauses führt.

Sofort lässt der Wind nach und somit auch die beißende Kälte, als die Mauern des Hofes sich um den Planwagen schließen. Jareth atmet erleichtert auf, zügelt das Pony und bringt den Wagen schließlich gänzlich zum Stehen. Ein Knecht eilt herbei und greift in die Zügel. "Spann ihn ab und Heu und Wasser bitte." Der Knecht nickt und macht sich daran das Gespann fort zu führen, nachdem Jareth vom Bock gesprungen ist. Er beobachtet den Knecht noch einige Augenblicke lang, aber dieser ist bereits emsig in seine Arbeit vertieft. Jareths Pony ist zudem nicht das einzige im Hof; etliche Pferde stehen bereits hier und allem Anschein nach wird hier heute etwas gefeiert, denn immer wieder strömen Menschen in das Gasthaus und Jareth folgt zwei Zwergen direkt auf den Fuß hinein ins Gebäude.

Drinnen ist es warm, stickig, eng und laut. Wenn schon auf den Straßen viel Volk unterwegs war, dann scheint sich jetzt ein Großteil von ihnen hier versammelt zu haben. Jareth hat einige Mühe sich zur Theke vorzuarbeiten, aber schließlich schafft er es sich zwischen zwei Elfen vorbeizuzwängen und wartet nun darauf, dass ihm einer von den Bedienenden Gehör schenkt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 04. März 2004, 22:31 Uhr
Als gerade ein wenig Luft ist und keines der Schankmädchen wegen einer Bestellung an der Theke steht, drängt sich ein Halbelf zwischen zwei Elfen an die Theke, Halla kann gut sehen, das es kein Elf ist, denn die Falten in seinem Gesicht verraten, dass menschliches Blut in seinen Adern fliesst. Sein braunes Haar sieht seltsam aus, teils ist es von Zöpfen durchzogen und teils hängt es in langen verkrausten Strähnen herunter.  Der Elf blickt sie und Grid, die ihr an der Theke hilft, an, aber Grid ist gerade damit beschäftigt ein Tablett mit Weingläser fertig zu machen. So geht Halla die paar schritte zu dem Elf hinüber, richtet ihren Blick nach oben, da der Halbelf um einige Köpfe grösser ist als sie, und lächelt ihn freudig an.

" Seid gegrüsst und Willkommen in der Goldenen Harfe, was wünscht ihr zu trinken oder habt ihr Hunger?" Der Halbelf scheint kein Kind von Traurigkeit zu sein, was die Lachfältchen um seine Augen deutlich zeigen. Halla ist sich sicher ihn noch nicht in Talyra gesehen zu haben.Wenn er erst heute angekommen ist, dann lernt er Talyra gleich von seiner schönsten und fröhlichsten Seite kennen. Und er sieht auch gleich, das die Talyrer verstehen Feste zu feiern, wie sie gerade fallen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jareth am 04. März 2004, 22:55 Uhr
Jareth lächelt dem Mogbarmädchen freundlich zu, das ihn trotz des Trubels so nett begrüsst. "Wenn Ihr so fragt, dann habe ich beides, Hunger und Durst, denn ich habe eine lange Reise hinter mir und bin noch dazu völlig durchgefroren." Wie um seine Worte überflüssigerweise zu verstärken reibt er sich die Arme und die deutlich von der Kälte gerötete Nase und grinst dann, denn hier im Inneren ist es wirklich mehr als warm. Jareth blickt in die Runde und dann fragend zu dem Mogbarmädchen, die ein deutliches Stück kleiner ist als er und somit zu ihm aufsehen muß. "Was wird denn hier gefeiert?" Obwohl er schon gründlich überlegt hat mag ihm kein Feiertag oder ein anderes Fest einfallen, das Anlaß zu solcher Ausgelassenheit geben mag. Dann errinnert er sich an ihre eigentliche Frage und lächelt entschuldigend. "Und wenn es recht ist, dann hätte ich gerne das, was auf der Tageskarte steht und dazu ein starkes Bier."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 04. März 2004, 23:13 Uhr
Halla lächelt und nickt zu der Bestellung. "Kommt so schnell es geht, das Bier wird allerdings schneller da sein als das Essen." Ein Grinsen zeigt sich kurz auf ihrem Gesicht, dann holt sie einen Humpen Bier aus dem Regal und füllt es mit frischem schäumendem Verder Dunkel und stellt den Humpen dann vor den Halbelf hin. Einem Schankmädchen, das gerade an der Theke auf ihre Bestellungen wartet, sagt sie kurz, sie solle bei Sigrun in der Küche einmal das Tagesgericht bestellen, dann wendet sie sich wieder an den Halbelf.

Die Bestellungen lassen langsam ein wenig nach, da alle mittlerweile versorgt sind und auch nicht mehr viele neue Gäste hinzukommen, weil einfach kein Platz mehr für neue Gäste ist. So hat Halla einen Moment Zeit um dem Elf seine Frage nach dem Grund des Feierns zu beantworten."Ihr wollt wissen, was gefeiert wird? Nun, das ist schnell erzählt, das Heerbann ist heute Abend nach erfolgreicher Schlacht in die Stadt zurück gekehrt, und nun feiern alle den Sieg über die Narge, die Talyra und das Umland bedroht haben. Und wenn das kein Grund ist ausgelassen zu feiern, dann weiss ich nicht, was man sonst feiern sollte." Ein breites Lächeln zieht über Hallas Gesicht. "Aber nun nehmt erst einmal einen kräftigen Schluck und dann wird auch das Essen bald fertig sein."

Halla hat den letzten Satz kaum ausgesprochen, als Sigrun die Bestellung aus der Küche bringt und am Rand der Theke abstellt. Halla geht hinüber und nimmt das Tablett mit der dampfenden Schüssel, aus der es köstlich riecht. Wintergemüseeintopf mit viel Schweinefleisch, herzhaft gewürzt und eine dicke Scheibe frisches Brot mit Butter bestrichen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jareth am 04. März 2004, 23:30 Uhr
Das Mogbarmädchen hat nicht sofort Zeit ihm zu antworten, aber das zu erwarten wäre bei dem Betrieb in der Goldenen Harfe auch ein recht dreistes Ansinnen. Und so wartet er geduldig, sieht ihr zu, wie sie das Bier einfüllt und den Krug vor ihm auf den Thresen stellt. Der Schaum läuft über und auf die Tischplatte hinunter. Jareth wischt mit dem Finger über den Krug und kostet und grinst zufrieden. Wenn das Bier hält, was der Schaum verspricht, dann wäre dies genau das, was er nach der langen und unbequemen Fahrt bräuchte. Es ist furchtbar eng und ein ums andere Mal bekommt Jareth einen Ellbogen ab, aber es geht darüber hinweg; es ist unmöglich auszuweichen.

Schließlich findet das Mogbarmädchen wieder Zeit und beantwortet ihm seine Frage. "Der Heerbann? Aber natürlich! Warum bin ich nicht selbst darauf gekommen. In ganz Ildorien wird von nichts anderem gesprochen und dann kommt einer wie ich daher und fragt auch noch so dumm." Jareth legt entschuldigend die Stirn in verzweifelte Falten, folgt aber dann ihrer Aufforderung. Er setzt an und nimmt einen tiefen Zug vom Bier, wischt sich dann mit dem Handrücken über den Mund und setzt den Krug wieder hart auf dem Thresen ab. Es schmeckt tatsächlich köstlich. Und kaum, dass er das festgestellt hat, steht auch schon das Essen vor ihm und es duftet köstlich und herzhaft.

"Habt vielen Dank. Und ich weiß noch nicht einmal, bei wem ich mich bedanken muss." Er streckt ihr über den Thresen hinweg die Hand hin. "Mein Name ist Jareth, Wollhändler aus Laigin." Er hofft, sie nicht allzu sehr von der Arbeit abzuhalten, aber sie ist ihm sympathisch und er beginnt sich in der Gaststätte wohlzufühlen. Irgendwo wird Gesang angestimmt und den Stimmen ist deutlich anzuhören, dass die Sänger weit mehr als ein Bier intus haben. Und tatsächlich fließen Bier, wein und Met in Strömen, doch es herrscht Hochstimmung, die alsbald auf jeden überzugehen scheint.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 05. März 2004, 08:53 Uhr
Als Jareth ihr die Hand entgegen hält, muss Halla breit grinsen, da schlägt wohl das menschliche Blut in ihm durch, denn ein Elb hätte mir niemals die Hand gereicht. Ehe sie Jareths Hand ergreift, wischt sie sich ihre Finger an ihrem Tuch ab, das sie immer in der Schürze stecken hat. Sie will Jarehts Hand nicht unbedingt mit Bierschaum füllen. Sein Händedruck ist fest, aber nicht unangenehm, er scheint harte Arbeit gewöhnt zu sein und als Händler muss man sicher so manche Kiste schleppen, wenn man keinen Lehrling oder Gesellen hat, der einem hilft.

"Mein Name ist Halla, " antwortet sie Jareth, als sie seine Hand wieder loslässt. Kurz wird sie von einem Zwerg abgelenkt, der sich durch das Gewühl drängelt und lauthals eine grosses Horn Met verlangt. Halla schmunzelt kurz, da von dem Zwerg vor der Theke nicht vielmehr zu sehen ist als Nase und Augen, aber seine Stimme übertönt fast alle anderen Geräusche. Rasch hat sie ein grosses Horn mit Met gefüllt und schiebt es dem Zwerg entgegen. Der Zwerg reicht ihr etwas umständlich das Geld über die Theke und verschwindet dann, laut ein Lied mitgröllend, wieder in der Menge.

Halla wendet sich wieder zu Jahreth, der in der zwischenzeit begonnen hat, sein Abendmahl zu sich zu nehmen. Sie wartet noch einen Moment , spült Gläser und gibt Getränke heraus, bis der Halbelf den Teller von sich schiebt. Sie nimmt den Teller von der Theke und drückt ihm einem der Küchenjungen in die Hand, der gerade eine neue Bestellung in den Schankraum bringt. Als sie zu Jarehth zurückkehrt, lächelt sie wieder. "Ich hoffe es hat euch geschmeckt und es war genug für euch. Ihr sagtet er wäret Wollhändler aus Laigin, also wollt ihr hier in Talyra Geschäfte machen? .... und was für Wolle führt ihr mit euch?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jareth am 05. März 2004, 12:51 Uhr
Satt und mit einem zufriedenen Seufzen schiebt Jareth den Teller von sich und spült die Reste mit einem großen Schluck Bier hinunter. Halla ist sehr aufmerksam und so ist sie zur Stelle, um das Geschirr an sich zu nehmen und an einen Küchenjungen weiterzureichen.

"Halla, ich versichere Euch, ich führe die feinste Wolle zwischen Talyra und dem Ostmeer mit mir." Er setzt eine Miene auf, als müsse er seinen härtesten Verhandlungspartner von der Qualität seiner Ware überzeugen, nimmt den Worten aber dann mit einem Lächeln die Ernsthaftigkeit. "Meine Familie züchtet Schafe und stellt auch Wolle her. Ich weit weg von der Heimat um die Preise im Land auszutesten und auch, um hier und dort Schafsrassen zu begutachten, die es sich vielleicht lohnt zu kaufen. Talyra ist eine reiche Stadt und ich bin mir sicher, dass ich hier den einen oder anderen Handel tätigen kann. Aber kommt Zeit, kommt Geschäft." Er unterbricht und leert seinen Bierkrug. "In erster Linie würde mich nun interessieren, wo reisende Händler in dieser Stadt eine Unterkunft finden. Gibt es im Wirtshaus Zimmer zur Miete oder muss ich mich woanders umsehen?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 05. März 2004, 20:54 Uhr
Halla wirft einen kurzen Blick auf das Schlüsselbrett hinten an der Wand, die Harfe hatte in letzter Zeit viele Gäste aufgenommen und vielleicht waren ja in ihrer Abwesenheit noch neue hinzugekommen. Aber die zwei Schlüssel der freien Zimmer hängen noch an ihren Haken. Sie dreht sich wieder um und lächelt Jareth an."Ihr habt Glück, es sind noch zwei Zimmer frei und eins davon könnt ihr gerne haben. Habt ihr euren Wagen und die Pferde schon hier im Stall untergestellt? Wenn nicht, dann könt ihr sie nachher dahin bringen."  Sie geht hinüber zum Schlüsselbrett und holt den Schlüssel, des etwas grösseren Zimmers und überreicht ihn dann dem Halbelf und erklärt ihm , wo das Zimmer liegt.

Dann überlegt Halla einen Moment, sie wollte in den nächsten Tagen Wolle kaufen, weil sie sich vorgenommen hatte Pullover für ihre viel zu schnell wachsenden Geschwister zu stricken. Eigentlich hatte sie für so etwas keine Zeit, aber manchmal abends wenn sie ihren freien Tag hatte, da setzte sie sich gerne hin und machte Handarbeiten, das beruhigte sie immer, und sie konnte in Ruhe nachdenken. " Wenn es morgen etwas ruhiger ist und ich ein wenig Zeit habe, würdet ihr mir eure Wolle dann einmal zeigen? Vielleicht kauf ich euch ja etwas ab und wenn die Wolle gut ist, kann ich euch weiter empfehlen." Halla setzt ein verschmitzes Lächeln auf, während sie ein Glas Wein einschenkt und es auf das Tablett stellt, das Grid ihr hinhält.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jareth am 05. März 2004, 23:05 Uhr
Freudig nimmt Jareth den Schlüssel entgegen und prägt sich Hallas Beschreibung ein. "Das scheint mein Glückstag zu sein heute. Mein Pferd und der Wagen stehen bereits im Hof und ein Knecht hat das Pony hoffentlich mit allem Nötigen versorgt." Mit der Rechten sucht Jareth nach seiner Geldkatze, die unter dem wollenen Mantel verborgen liegt und begleicht mit einigen schimmernden Münzen seine Schuld für Speis und Trank, ehe er den Lederbeutel wieder sorgfältig unter den Falten seiner Kleidung verschwinden lässt.

"Ich bin sicher, dass ich brauchbares Material auf dem Wagen habe. Und Ihr könnt versichert sein: bessere Wolle bekommt Ihr in ganz Ildorien nicht." Er erwidert ihr Lächeln ebenso verschmitzt. "Ich werde mich morgen früh etwas in der Stadt umsehen und dann um die Mittagszeit hier sein, damit Ihr euch meine Ware in Ruhe ansehen könnt."

Die Stimmung in der Goldenen Harfe nähert sich währenddessen einem ausgelassenen Höhepunkt und der mehr schlechte als rechte Gesang hat mittlerweile ohrenbetäubende Ausmaße erreicht, was nicht zuletzt daran liegt, dass beinahe alle Gäste darin eingestimmt haben. Jareth schmunzelt still in sich hinein. Es gefällt ihm hier, aber er hofft dennoch, dass der Lärm nicht bis in sein Zimmer dringen würde. Er will in dieser Nacht endlich einmal ruhig und auf einem weichen Lager schlafen ohne mit einem Auge auf seine Warenladung achten zu müssen. Allzu oft hatte er in der letzten Zeit im Freien übernachtet, wenn wider Erwarten keine Stadt oder wenigstens ein Gehöft am Ende seiner täglichen Fahrt zu erreichen war. Dann fällt ihm noch etwas ein. "Halla, ist meine Ware in dieser Nacht auf dem Wagen sicher? Und wisst ihr möglicherweise einen Ort, wo ich sie für's Erste einlagern könnte? Die ewige Kälte und Feuchtigkeit tut ihr auf Dauer nicht allzu gut."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 06. März 2004, 09:32 Uhr
Es kostet Borgil alle Selbstbeherrschung, die er aufbringen kann, nicht augenblicklich auf den Tisch zu springen und den Magier zu einem kleinen Freudentänzchen zu nötigen. Olyvar am Leben und sein Geist unversehrt! Das Heer auf dem Weg nach Hause und nicht mehr weit entfernt... Borgil hätte auf den Schreck und die Erleichterung ein ganzes Faß Met leeren können. Er bezwingt sich mit funkelnden Augen, schickt den Botenjungen in die Küche und wendet sich dann wieder dem Magier zu. >Nun das kommt wirklich... überraschend. Anders lässt es sich wohl nicht ausdrücken.< Jetzt ist es an Borgil, überrascht eine Augenbraue hochzuziehen. Andere Männer hätten vielleicht auf genau ein solches Angebot spekuliert, es sich sogar erhofft. Immerhin hatte der Magier im Haus der Bücher seine Gelehrsamkeit auch für Talyra unter Beweis gestellt und die uralte Bibliothek war schon zu lange ohne fähige Leitung. Sicher, die Priesterschüler der Tempel versehen dort Dienst, pflegten die alten Werke und kopieren sie eifrig, doch es fehlt an einer bestimmenden Hand, an jemandem, der all das koordiniert, leitet und verwaltet. Der Stadtrat war sich in seiner letzten Sitzung sehr sicher, daß Malakai von Serathie genau der richtige Mann dafür war - und von seinem großen Wissen über die Vergangenheit, die Immerlande, immerlandsche Geschichte und Magie konnte letzten Endes ganz Talyra nur profitieren. Wenn er denn hier bleiben und das Angebot annehmen würde. Ein Sitz im Rat der Stadt ist zweifellos eine große Ehre - eine sehr große Ehre - und eine gute Versorgung obendrein. Abgesehen davon könnte er im Haus der Bücher leben wie ein Trüffelschwein im Eichenwald. Borgil läßt Malakai Zeit, das Angbot abzuwägen, aber irgendwann kann er ein kleines Funkeln im Auge des Zauberers erkennen und lächelt unter seinem Bart. >Was wären meine Aufgaben und Pflichten? Ich meine abgesehen vom Haus der Bücher.<
"Nun," brummt er. "Ihr müßtet Euren Platz im Rat der Stadt wahrnehmen, natürlich, und Euer Wissen, Euer Geschick und Eure Treue Talyra verpflichten. Und es wird Euch vielleicht freuen zu hören, daß ein Ratssitz mit einer angemessenen jährlichen Zuwendung an Gold verbunden ist..." Er grinst in sich hinein und leert sein Methorn. "Ihr werdet mithelfen, diese Stadt zu regieren und wichtige Entscheidungen für Talyra zu treffen - und Ihr müßtet Euch natürlich um das Haus der Bücher kümmern.... und um jene, die das Wissen der Bibliothek nützen möchten."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Mala am 07. März 2004, 12:29 Uhr
Malakai wiegt jedes Wort des Zwerges und deren Wert ganz genau ab. >Ihr werdet mithelfen, diese Stadt zu regieren und wichtige Entscheidungen für Talyra zu treffen - und Ihr müßtet Euch natürlich um das Haus der Bücher kümmern.... und um jene, die das Wissen der Bibliothek nützen möchten.< Nachdenklich zieht der Magier an seiner Pfeife und entlässt einige Rauchringe aus seinem Mund. Das Haus der Bücher unter meiner Verwaltung. Das klingt nach einer sehr verlockenden Aufgabe, die sogar noch, wenn ich das so sagen darf obendrein gut bezahlt wird. Vergnügt und guter Dinge hebt er sein Methorn auf Kopfhöhe hoch. "Einverstanden. Ich denke wir sind uns also einig. Ich trinke auf das Wohl Talyras und ihrer Einwohner." Malakai leert das Horn in einem Zug und wischt sich etwaige Honigweinperlen, die seinem Mund entweichen konnten, von seinem Bart ab und streicht ihn glatt. "Wird von mir ein Schwur erwartet oder gilt mein Wort in dieser Sache?" Der Wein entfaltet langsam seine Wirkung und ein leichtes lähmendes Gefühl legt sich über seine Zunge.
Eine große Bibliothek, reich an Wissen und alten Werken steht ihm nun offen und harrt seiner Erkundung und Verwaltung. Was wird wohl der Rat in Serathie dazu sagen? Wenn alles Hand und Fuß hat, dann sollte ich ihnen eine Nachricht schicken, die mein Fortbleiben rechtfertigt und erklärt. Oder sollte der Magier gar selbst nach dem Rechten sehen? Die Möglichkeit mit dem Bruchstück vom "Ring des Sil" nach Serathie zu reisen besteht durchaus. Malakai verdrängt diese Gedanken fürs erste und lauscht wieder den Worten des Wirtes.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 07. März 2004, 20:50 Uhr
Halla wird wieder von einigen Gästen abgelenkt, die lauthals nach einer Runde Met verlangen. Während sie die Hörner füllt und auf die Theke stellt, überlegt sie wo Jareth seine Wolle unterbringen könnte. Die Gäste bezahlen und Halla steckt die Münzen in ihre Geldkatze, dann geht sie rüber zum Spülstein, der genau bei Jareth steht.

"Morgen mittag wäre eine gute Zeit, dann kann ich mir eure Wolle ansehen. Was das lagern angeht, hmmm... am Hafen gibt es einige grosse Lagerhäuser, die auch angemietet werden können, aber die wären mit Sicherheit zu gross und ob die Feuchtigkeit, die ständig vom Ildorel hochzieht für die Wolle gut ist, wage ich zu bezweifeln. Am besten fragt ihr mal im Handwerkerviertel nach, dort hat sicher einer der Handwerker etwas freien Lagerplatz und kann euch etwas davon vermieten." Halla bemerkt, dass der Humpen Bieer leer vor dem Halbelben steht, sie nimmt ihn an sich und spült ihn kurz durch. "Soll ich ihn noch einmal füllen, oder wollt ihr lieber zur Ruhe gehen, nach der langen Reise?"

Die Stimmung in der Harfe hat ihren Höhepunkt langsam überschritten und einige Gäste verlassen gut angetrunken und müde die Harfe, trotzdem ist sie noch sehr voll und es wird sicher einige Unverbesserliche geben, die vor dem Morgengrauen kein Ende finden werden.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 07. März 2004, 21:23 Uhr
Schwur? "Hummhomm," brummt Borgil, der nunmal ein Zwerg ist. Und für Zwerge haben Eide eine noch ungleich tiefere Bedeutung als für Menschen. Schwört ein Zwerg einmal etwas, so wird er daran festhalten, bis die Gebeine der Erde zu staub zermahlen in der Leere zwischen den Sternen kreisen oder aber dabei sterben. "Ich nehme an," erwidert er schließlich bedächtig, "daß Ihr Talyra die Treue schwören sollt - sofern Ihr nicht anderweitig gebunden seid, heißt das. Habt Ihr Eure Treue bereits Serathie oder einer Stadt Eurer kalten Heimat verschworen, so könnt Ihr kaum Talyra die gleiche Hingabe versprechen. Das werden die Stadtväter entscheiden, sobald sie von Eurem Einverständnis erfahren und Euch in Amt und Würden setzen, denke ich mir. " Er hebt sein Horn und trinkt mit dem Magier auf das Wohl der Stadt - und denkt dabei an seinen kleinen Schützling oben in einer der Gesindekammern, wo er hoffentlich schläft, das Bett hütet und seinen Wunden Gelegenheit gibt, zu verheilen. Ich muß bald nach ihr sehen...keine Sorge, Mädel. Dich bringen wir in Talyra auch noch irgendwo unter... "Heute in sieben Tagen erwartet man Euch und Eure Entscheidung im Kleinen Rat, Maester Malakai. Und nun, seid mir nicht böse, aber entschuldigt mich. Ich habe noch einiges zu erledigen und wie ich eben hörte, auch einen Grund, zu feiern."
Auf einen Wink Borgils wird dem Magier noch ein Methorn gebracht und der Zwerg verabschiedet sich mit einem kurzen Nicken, ehe er eilig in der Küche verschwindet. Er läßt die Köchin ein Tablett mit leichtverdaulichen, nahrhaften Speisen wie gebratenem Hühnchen, geröstetem Weißbrot, ein wenig Reis, Gemüse und einem Krug leichtem Bier zusammenstellen und schickt ein Mädchen damit nach oben zu seinem Sorgenkind. Kaum ist die Magd verschwunden, stapft er selbst die Treppen hinauf bis unters Dach und zu dem Zimmer der Blutelbin. Seine Mogbarmagd hat das Essen gerade heraufgebracht, die Tür ist noch offen und so tritt er ein und findet sie zu seinem Erstaunen sogar wach vor. "Na, Mädel? Wie fühlst du dich? Besser?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 07. März 2004, 22:16 Uhr
Sie starrte eine ganze Weile die Decke an und zählte sogar die Schneeflocken, welche vor dem Fenster hinunterrieselten, doch irgendwann wurde ihr langweilig und vorsichtig setzte sie sich auf und sass, als die Magd mit den Essen hereinkommt, mit angezogenen Beinen auf dem Beet, mit dem Rücken gegen die Wande gelehnt und zuckte leicht erschrocken zusammen. Das Mädchen balancierte ein Tablett auf ihrer linken Hand und stiess mit der rechten die Türe auf. Schnell schnappte Azra sich die Decke und legte sie sich über ihren Körper. Ihr blick folgte dem Mädchen,bis es mit einem Kopfschütteln wieder nach draussen getreten war, nicht ohne Azra vorher einen komischen Blick zuzuwerfen, den sie nicht ganz einschätzen konnte. Das Essen steht verführerisch auf dem kleinen Tischchen neben dem Bett und Azra fällt ein das sie schon lange nichts mehr gegessen hat. Wenn ich recht überlege, sind das jetzt drei bis vier Tage... Ja das ist lang! Vorsichtig rutscht sie ein STückchen weiter nach vorne und hustet fest, als sie plötzlich Schritte hört nd einen Moment später der Zwerg mit dem roten Haar in der Türe steht. Schnell rutscht sie wieder an die Wand zurück und zieht die Decke bis zum Kinn: "Ja...ähm.. danke.. es geht mir schon wieder besser.. ich.. also... "Nochmals wirft sie einen Blick auf das Essen, doch irgendwie hat sie keinen Hunger mehr. "Was ist denn los dort draussen auf den Strassen? Warum feiern die Leute? Welcher Krieg ist denn nun zu Ende?" Leicht krümmt sie sich zusammen als ein leichter SChmerz wieder in ihre Lungen fährt: "Es ist nicht mehr schlimm, die Medizin der Frau hat sehr gut geholfen." Sorgsam blickt sie demZwergen ins Gesicht und versucht daraufs zu lesen, doch es geht nicht. Als sie wieder einen Blick auf das Essen wirft, zaubert sich plötzlich ein Lächeln auf ihr Gesicht und freundlich meint sie: "Ich danke euch für das Essen, es riecht hervorragend!"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 07. März 2004, 23:10 Uhr
"Na, das will ich meinen, daß das hervorragend riecht, meine Köchin ist schließlich die beste von ganz Talyra! Versuch das Hühnchen, du hast seit Tagen nichts gegessen und mußt wieder zu Kräften kommen." Er zieht sich einen Schemel heran und setzt sich. >Was ist denn los dort draussen auf den Strassen? Warum feiern die Leute? Welcher Krieg ist denn nun zu Ende?< Offenbar hatte sie den Tumult draußen mitbekommen und jetzt fragt sie sich natürlich, was da unten los war. Borgil grinst über das ganze, narbige Gesicht. "Na, der Krieg ist vorbei und unsere Männer sind wieder zu Hause," verkündet er. "Hast wohl unterwegs mit deinem Wanderer nicht viel mitbekommen von den Geschehnissen im Sommer und im Herbst im Larisgrün, was? Also das war so, weißt du..."
er beginnt vom Auftauchen der ersten Nargbanden im westlichen Grenzland im Spätsommer des letzten Jahres zu berichten, wie sie sich zu einem Heerbann zusammengerottet und überall Angst und Schrecken verbreitet hatten. "Der Frostweg hinauf nach Immerfrost war nicht mehr sicher, das Verdland bedroht und unsere eigenen Wälder in Gefahr. Haben alle Grenzhöfe überfallen, ganze Dörfer dem Erdboden gleich gemacht und alle abgeschlachtet, die sie erwischt haben. Also ist der Lord Commander der Stadtgarde mit fünfhundert Männern ausgezogen, um sie zu bekämpfen und sie haben gesiegt. Waren fast den ganzen Winter fort, unsere Jungs. Üble Sache. Hunderte Tote. Aber wir haben gewonnen und unser Land verteidigt und soweit ich gehört habe, sind die Narge alle tot. Mausetot, verrotten irgendwo im Westen im Tal von Liam Cailidh. Auch was wert. Jetzt sind die Blaumäntel wieder hier, deshalb ist die ganze Stadt auch etwas aus dem Häuschen. Heute nacht wird es kaum mehr Ruhe geben. Alles tanzt auf den Straßen, die Harfe unten wird immer voller und jedes Hur... ahm... Freudenhaus der Stadt wird klingeln." Er schmunzelt und seine Gedanken schweifen zu einem gewissen Pfirsich, bei dem er schon lange nicht mehr war. Was soll's - in den nächsten Tagen brauchte er Dancy gar nicht besuchen - sie hätte auch ohne ihn genug um die Ohren. Er mustert das Mädel vor ihm auf dem Bett und beäugt kritisch ihre Erscheinung. Zeit für ein Bad. Aber allerhöchste Zeit. "Wenn du gegessen hast, schick ich dir ein paar Mägde, die dir ein Bad richten und dir beim Waschen helfen. Du öhm... riechst nicht gerade nach Verbenen," erklärt er freundlich. Die Nase eines Zwergen ist gewiß nicht leicht zu beleidigen, aber das Mädel kann seit Wochen kein heißes Wasser mehr zu Gesicht bekommen haben und der Geruch nach Schwäche und Blut haftet immer noch an ihr. Mit anderen Worten: sie stinkt göttererbärmlich.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jareth am 08. März 2004, 08:06 Uhr
Jareth lauscht Hallas Ausführungen über die Lagerhäuser am Ildorel und ihren Rat im Handwerkerviertel nachzufragen. "Ihr habt recht, die Wolle soll ja aus der Feuchtigkeit heraus und unter den Voraussetzungen könnte ich sie gleich auf dem Wagen lassen." Sie nimmt seinen Krug an sich, fragt nach, ob er noch etwas wolle und sieht ihn abwartend an. "Hmm... ich denke, es ist das Beste, wenn ich noch einmal draussen nach dem Rechten sehe und dann werde ich das Zimmer aufsuchen und mich zur Ruhe begeben. Das heute war ein langer Tag. Habt Dank Halla, und seid versichert, ich werde morgen Mittag hier sein, damit Ihr Euch meine Ware besehen könnt." Er lächelt der kleinen Mogbarfrau zu und wünscht ihr eine gute Nacht. Den Zimmerschlüssel verbirgt er in den Falten seines Gewands.

Es kostet weit weniger Mühe die Goldene Harfe wieder zu verlassen als sie vorhin zu betreten. Es ist spät und auch, wenn einige der mittlerweile stark angetrunkenen Gäste sicher noch lange feiern würde, so ist doch ein großer Teil von ihnen schon verschwunden. Draussen stolpert Jareth fast über einen völlig betrunkenen Gnom, der am Boden neben dem Tor zum Hof liegt und seinen Rausch ausschläft. Als Jareth mit dem Fuß gegen den Körper stösst, brabbelt die kleine Gestalt Unverständliches, rappelt sich dann hoch und torkelt von dannen, nur um am nächstgelegenen Baum innezuhalten und den Inhalt seines Magens gegen dessen Stamm zu entleeren. Das Pony im Stall scheint gut versorgt und der Planwagen steht unter einem Überdach, wo er vor dem schlimmsten Wetter geschützt wäre.

Zufrieden kehrt Jareth in das Gasthaus zurück und als er die recht steile Treppe nach oben gestiegen ist findet er sein Zimmer auch rasch. Es ist klein und die Decke und Wände dachschräg, so dass er sich an manchen Stellen beinahe bücken muß, aber es ist warm, sauber und gemütlich. Er nimmt sich die Zeit einige Dinge auszupacken, dann wäscht er sich den gröbsten Reiseschmutz vom Gesicht und liegt alsbald leise schnarchend unter weichen Decken im Bett.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 08. März 2004, 10:37 Uhr
Halla nickt dem Halbelfen noch einmal zu, ehe dieser aufsteht. "Wir sehen uns dann morgen, habt eine angenehme Nachtruhe." Dann wird sie auch schon wieder abgelenkt von zwei Blaumänteln, die schon weitaus mehr Met zu sich genommen haben, als ihnen gut tut. Der eine hat einen Verband um die Hand, und der andere humpelt leicht. Doch sie scheinen die Verletzungen schon gar nicht mehr zu merken. Halla muss sich anstrengen um aus den Worten herauszuhören, dass die Beiden noch ein Horn Met wollen. Sie wirft beiden einen skeptischen Blick zu, füllt dann aber die Hörner erneut, die sie ihr schwankend entgegenhalten.

Die Harfe leert sich zusehends und Mitternacht ist schon lang überschritten, trotzdem befinden sich noch gut 50 Leute in der Harfe, einige sind schon am Tisch, mit dem Kopf auf selbigem, eingeschlafen und die Schnarchgeräusche geben den Takt für das nächste Lied an, das einer der unverwüstlichen Immerfroster Zwerge anstimmt. Seine Stimme ist schon heiser und klar singen kann er auch nicht mehr, aber das stört niemanden in der Harfe. Der Refrain wird sofort aufgenommen und mitgesungen, schief und so falsch, dass es sich mehr nach Katzenmusik anhört, als nach einem Lied. Halla muss etwas kichern, als der Zwerg nun auch noch auf den Stuhl steigt und lauthals weitersingt. Der Stuhl und auch der Zwerg schwanken ziemlich und Halla wartet nur darauf, dass sie zur Seite kippen und somit den Anlass für Gelächter geben, aber so sehr der Zwerg auch schwankt, er kann sich immer noch gerade retten und kippt nicht um.

Endlich ist das Lied zu Ende und ein wenig Ruhe kehrt in die Harfe ein. Das Stimmengewirr ist zwar noch sehr laut, aber leise im Verhältnis zu dem Gesang. Ein Blaumantel schleift gerade seinen Kameraden zur Tür hinaus, gerade noch rechtzeitig damit sich der Mageninhalt nicht auf dem Harfenboden wiederfindet, sondern draussen im Schnee vor der Harfe. Halla denkt schon mit Grauen daran, wenn sie später mit Borgil und den anderen Schankmädchen die Schnapsleichen aus dem Schankraum entsorgen muss, und noch schlimmer wird es dann morgen früh werden, wenn das grosse Aufräumen beginnt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 08. März 2004, 17:16 Uhr
"Na, das will ich meinen, daß das hervorragend riecht, meine Köchin ist schließlich die beste von ganz Talyra! Versuch das Hühnchen, du hast seit Tagen nichts gegessen und mußt wieder zu Kräften kommen." Doch, ihr Magen fängt schon an zu rebellieren, kaum das sie nocheinmal auf das Essen schaut. Jetzt hab ich so lange nichts gegessen und wenn ich dann endlich etwas kriege, wird mir beinahe schlecht. Ich werde es später essen, es ist bestimmt auch noch gut wenn es abgekühlt ist...Schnell blickt sie wieder zu dem Zwergen hin, der nun einen Schemel zu dem Bett gezogen hat und sie anlächelt. Seine Narbe verzieht sich komisch und plötzlich sieht sein Gesichtsausdruck krotesk aus, was ihr das Lächeln jedoch nicht aus dem Gesicht wischen kann. Mit grossen Augen folgt sie den Schilderungen des Zwergen, der seine Worte zusätzlich mit Gesten unterstreicht und schliesslich klappt ihr Mund auf, ohne das sie es merkt. Als er geendet hat verzieht sich ihr Gesicht nachdenklich und einige Falten zeigen sich auf ihrer Stirn: "Nun, ich habe wirklich nicht viel mitbekommen, denn mein Wanderer und ich sind von der Rubinenküste heraufgekommen. Wir haben manchmal einiges vernommen, doch es klang nie schlimm." Schnell senkt sie den Blick: "Wisst ihr, ich war beinahe schon überall in den Immerlanden, hoch oben im Norden, auch im Westen und im Osten. Die Rubinenküste haben wir oft gemieden bis zum letzten jahr. Daher ist es hoffentlich verständlich das ich nicht viel gehört habe über den Krieg. Ihr sagt, ihr hätte viele Tote zu beklagen, wie kann man dann feiern?" Es war eine idiotische Frage und doch sah sie es nicht ein: "Ich mein, ihr feiert den Sieg, doch was ist mit jenen die Jemanden verloren haben? Die sehen bestimmt keinen Grund zum feiern, oder?"
Als er sie plötzlich kritisch beäugt, blickt sie verwirrt an sich herunter und erschrickt beinahe bei seinen Worten:"Wenn du gegessen hast, schick ich dir ein paar Mägde, die dir ein Bad richten und dir beim Waschen helfen. Du öhm... riechst nicht gerade nach Verbenen,". Mit zitternden Finger klammert sie sich fester an die Decke und meint kläglich: "Aber ich habe nichts zum anziehen, alles was ich habe ist das was ich anhabe und die goldenen Haarnadeln." Leicht weist sie mit der Hand auf die Nadeln, welche nun in ihrem Haar stecken. "Was soll ich denn anziehen?" Sie wusste, sie musste schrecklich stinken, doch be dem Gednken das Jemand ihr beim Baden zusehen würde, behagte ihr überhaupt nicht. Nicht einmal der Wanderer hatte sie jemals ohne Kleidung gesehen, ausser als sie noch ein Kind war. Nocheinmal wickelt sie sich fester in die Decke und senkt den Blick. Alle was ich hatte, ist in Brioca, vielleicht haben sie es auch verbrannt...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Thay-Lee am 08. März 2004, 21:27 Uhr
Zitternd und durchgefroren steht Thay-Lee das zweite mal vor den Türen der goldenen Harfe. Viel gebracht hat ihr der Ausflug nicht, ausser dass sie nun den Marktplatz ein wenig besser kennt.
Noch während sie mit hungrigen Augen die Stände auf dem Platz angeschaut hatte, hatte sie um sich herum mitbekommen, wie die Stimmung sich verändert hatte, bei der freudigen Nachricht, das das Heer zurückkehre. Lee hatte das seltsam unberührt gelassen, sie hatte gar nichts gewusst über diesen Krieg, nichts Konkretes, sicher, sie hatte mal hier und da etwas aufgeschnappt, gross interessiert hatte es sie aber nicht.  Und die Nachrichten, die sie über das Waisenheim bekommen hatten, mussten auch nicht immer der Wahrheit entsprechen.
Aber dann stand sie mitten in der Masse, die wahre Freudentänze aufgeführt hatte,  nur war sie von der Stimmung keineswegs mitgerissen worden.
Schon draussen vor der Harfe bekommt man mit, dass es drinnen gut gefüllt ist, die Laustärke ist direkt ohrenbetäubend. Lee kann sich vorstellen, was da drinnen vor sich geht. Lauter betrunkene, die das Ende des Krieges feiern.
Ich werde mein erstes eigenes Geld genauso feiern, nimmt sie sich in diesem Augenblick vor und bei dem Gedanken muss sie ein klein wenig grinsen. Und dann kommt ihr plötzlich ein weiterer Gedanke, der verlockend ist. Vielleicht gibts da drin jemanden, der lust hat, Karten zu spielen oder Würfel dabei hat! Abzocken dürfte ich in den letzten Stunden kaum verlernt haben! Mit einem fast verschlagen wirkenden Lächeln, öffnet sie die Tür und geniesst die Wärme, von der sie augenblicklich umgeben wird.

Drinnen lässt Lee ihren Blick einmal durch den Raum schweifen. Fast jeder einzelne Platz ist besetzt, die Bediensteten haben im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände voll zu tun. Borgil ist nicht zu sehen. Schade aber nicht weiter tragisch für Lee. Der wird schon wieder auftauchen. Langsam lässt sie den Blick weiter schweifen, auf der Suche nach einem ansprechenen Gesicht, jemand, der so wirkt, als wäre er für ein Spiel zu gebrauchen, etwas angetrunken aber nicht zu sehr. Das wäre genau die richtige Mischung. Angetrunken sind wohl die meisten, einige auch schon wirklich recht abgefüllt.
Sie macht einige Schritte tiefer in den Raum hinein, schaut sich weiter um, nicht zu auffällig, dabei kommt ihr plötzlich die junge Blutelbe oben im Zimmer in den Sinn. Ob die wohl spielen kann? Aber als sie an die letzte Szene zurückdenkt, in der sie Chayla gesehen hat, vergeht ihr dieser Gedanke wieder. Die wird froh sein, wenn sie überhaupt erst wieder sitzen kann...
Dann trifft Lee's Blick genau auf zwei rehbraune Augen, die ihren neugierigen Blick direkt erwiedern. Diese Augfen gehören zu einem jungen Mann, mit einem recht ansehnlichen Gesicht, das zum Teil von einer Kapuze verdeckt wird. Die Haut scheint sonnengebräunt zu sein und eine einzelne Haarsträhne fällt ihm ins Gesicht, braun.
Lee zögert, aber der junge Mann schaut sie weiter direkt an, wendet nicht die Augen ab, als sich ihre Blicke treffen. Sein rechter Mundwinkel zuckt, als würde er sich ein Lächeln verkneifen. Auch Lee wendet den Blick nicht ab. Was hab ich schon zu verlieren, mehr als nein sagen und mich verjagen kann er nicht. Also tritt sie entschlossen und festen Schrittes zu seinem Tisch und fragt forsch, ihre Unsicherheit überspielend: "Darf ich mich hersetzen? Alle anderen Tische sind schon voll...." Der junge Mann streicht sich bedächtig die Haarsträhne aus dem Gesicht, und macht dann lächelnd eine einladende Geste auf den Stuhl ihm gegenüber auf der anderen Tischseite. Vor ihm steht ein halbvoller Bierkrug.
Lee sieht ihn kurz abschätzend an, dann rückt sie den Stuhl nach hinten und lässt sich darauf nieder, ohne den Mann aus den Augen zu lassen.
"Ich heisse Thay-Lee."
Der junge Mann stellt sich als Hawas Mutor vor und schaut Lee abwartend an. Wiederum springt sie innerlich über ihren eigenen Schatten. "Hast du lust Karten zu spielen?" Hawas zieht den linken Mundwinkel etwas in die Höhe, so das ein ein schiefes Grinsen entsteht, und zuckt die Schultern. "Jetzt?" Er blickt auf seinen Krug hinab. "Nein, jetzt will ich was trinken. Du nicht?" Seine Stimme hat einen angenehmen, warmen Klang und er strahlt eine wohltuende Ruhe aus. Lee braucht nicht lange, um sich in seiner Gegenwart wohl zu fühlen. Die Frage ist, ob er sich in meiner Nähe auch wohlfühlt... Sie ist sich bewusst, dass sie seit Tagen kein Wasser gesehen hat. Hawas lässt nicht durchblicken, ob er sich abgestossen fühlt, statt dessen ruft er einer vorbeieilenden Magd kurz etwas zu, woraufhin diese ihm ebenso kurz zunickt und weiter Richtung Tresen läuft.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 08. März 2004, 22:35 Uhr
"Hmmm," brummt er. "Wenn du nicht in den Herzlanden unterwegs warst, dann ist es wirklich nicht verwunderlich, wenn du nichts von dieser Nargengeschichte weißt. Aber zum Glück ist sie ja nun ausgestanden," ein schiefes Lächeln erscheint unter seinem Bart, verschwindet aber bei ihrer nächsten Frage und macht einem nachdenklichen Ernst Platz. >Ich mein, ihr feiert den Sieg, doch was ist mit jenen die Jemanden verloren haben? Die sehen bestimmt keinen Grund zum feiern, oder?<
"Ach Mädel," seufzt er und sein Blick richtet sich in die weiten Fernen der Vergangenheit. Eine ganze Weile schweigt er und starrt aus dem Fenster und als er schließlich fortfährt ist seine Stimme leise, nicht mehr als ein ruhiges Brummen. "Das Überleben, Kleines. Man feiert das eigene Überleben... und glaub nicht, daß wir die Toten darüber vergessen würden. Viele der Männer, die bei Liam Cailidh gefallen sind, habe ich selbst gekannt. Odo. Und den Kleinen Petyr... ein Riese von einem Mann, der einzige Mann, den ich kenne, der noch größer ist, ist der Bluthund. Und Falcon, Lord Silberstern und die Templer. Manche der Gefallenen habe ich gekannt, seit sie Botenjungen bei der Stadtgarde waren, habe gesehen, wie sie erwachsen wurden und das Blau angelegt haben... und ich kenne ihre Familien, ihre Frauen und Kinder, weißt du? Aber wir sind noch am Leben und unsere Stadt wird nicht von sechshundert Nargen belagert - und das haben wir nicht zuletzt auch ihnen zu verdanken. Nein, wir werden sie bestimmt nicht vergessen..."
Erst ihre nächsten Worte reißen ihn aus seinen Gedanken und bringen ihn ins Hier und Jetzt zurück. "Oh... oh ahem...." er räuspert sich, als sie sich plötzlich an die Decke klammert, als wolle er sie ihr gleich abnehmen. "Nun ja, deine Kleider brauchen dringend das Waschen. Und das Flicken auch. Du bist zwar nicht sehr groß, aber..." er fährt sich bedächtig über seinen narbigen Kopf. "In ein Gewand einer meiner Mägde wirst du trotzdem kaum passen. Nun, wir werden etwas finden. Vielleicht könntest du einstweilen ein Hemd von mir anziehen. Es wird dir zwar am Leib schlottern, aber besser wie nichts, oder?" Ein schalkhaftes Glitzern geht durch seine schwarzen Augen, als er aufsteht. "Ich lasse dir etwas heraufbringen."
Auf der Treppe nach unten kommen ihm die ersten Mädchen mit den Kupferkannen voll heißem Wasser bereits entgegen und ein Knecht rollt den hölzernen Badezuber in Chaylas Zimmer. Borgil schickt eine weitere Magd mit einem sauberen Hemd und einem geflochtenen Ledergürtel nach oben und stapft dann hinter seinen Tresen zurück. Beim Baden würde ihn sein widerspenstiger kleiner Schützling kaum brauchen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 09. März 2004, 11:16 Uhr
Ihre Frage scheint den Zwergen irgendwie berührt zu haben, denn beinahe traurig wendet er seinen Blick ab und starrt aus dem Fenster. Als er zu reden beginnt kann sie ihn kaum verstehen, darum hört sie beinahe auf zu atmen. Erst als er sich plötzlich reuspert zuckt sie leicht zusammen und weiss einen Moment nicht was los ist, bis der Zwerg ihr mit einem Lächeln mitteilt das sie eines seiner Hemden haben könnte, fürs erste. Skeptisch zieht sie eine Augenbraue hoch und lasst ihren Blick über seinen Körperbau schweifen. Schlottern?! Ich glaub das ist eine leichte Untertreibung. Trotzdem ist es besser als Nichts. Sein Lächeln als er sich schliesslich erhebt erwiedert sie und als er die Türe aufmacht will sie gerade noch etwas sagen, hält sich jedoch im letzten Moment zurück. Wenn ich ihm jetzt sage das mein Name nicht die Wahrheit war, wird er bestimmt wieder wütend... Das ist gemein aber ich habe es mir selbst zuzuschreiben. Vorsichtig rutscht sie bis zur Bettkante, da hört sie plötzlich ein rumpelndes Geräusch und im nächsten Moment kommt ein Knecht durch die Tür, einen hölzernen Zuber vor sich herrolend, der, kaum hatte er einen Blick auf sie geworfen, schnell wieder verschwindet. Sie fühlt sich mehr als unwohl und hat keine Ahnung wie sie jetzt reagieren soll. Die Mägde traeten ein und schütten Wasser in den Bottich und eines der Mädchen trit auf Azra zu und meint freundlich: "Ihr müsst euch schon ausziehen das ihr baden könnt, mit den Kleidern geht das nicht so gut." Die Worte scheinen ernsthaft freundlich gemeint zu sein und, trotzdem nur zögerlich, lässt Azra die Decke zu Boden gleiten und steht auf. Sie muss die Tränen unterdrücken da ihr jede Bewegung Schmerzen bereitet, besonders an einem gewissen Punkt an den sie lieber nicht denken will. Langsam und so gut es geht, zieht Azra ihre Pluderhose unter dem Kleid aus und wischt schnell die Tränen weg, welche durch das Bücken entstanden sind. Als der Bottich voll ist mit Wasser schliesst die Magd die Türe, tritt einfach hinter Azra und fängt an ihr Kleid aufzuknöpfen. Erschrocken fährt  Azra herum und hält ihr Kleid fest, die Magd ängstlich anschauend. Diese scheint nicht weniger erschrocken zu sein, doch als sie den Ausdruck auf Azra's Gesicht entdeckt lächelt sie freundlich und meint ruhig: "Ihr müsst keine Angst haben, ich will euch nur helfen zu baden, eure Haare waschen zum Beispiel. Ich bin auch die Einzige, welche hierbleibt ihr müsst euch also keine Sorgen machen." Azra ist immer noch skeptisch, doch schliesslich wendet sie der Magd wieder ihren Rücken zu und diese knöpfte das Kleid vollends auf. Da sie seit Tagen nichts mehr gegessen hatte, ist ihr auch das Kleid zu gross und fällt ohne viel Federlesen einfach hinunter. Schnell versucht sie ihre Blösse mit ihren dünnen Armen zu verdecken und tritt näher zum Waschzuber heran und dann so schnell wie möglich hineinzusteigen, wieder das Gefühl habend, ihre Knochen neu sortieren zu müssen. Doch als sie erst in das warme, beizuweilen heisse, Wasser einsinkt, entspannt sie sich vom einten Moment auf den Anderen.Das ist schön... Endlich mal wieder, ich hab mich ja kaum selbst mehr riechen können. Freudig spritzt sie sich Wasser ins Gesicht und als die Magd ihr eine Bürste reicht fängt sie an sich zu schrubben. Erst jetzt merkt man richtig wie schmutzig sie eigentlich ist. Unter einer leichten braunen Schicht auf ihrer Haut kommt plötzlich etwas weisses zum Vorschein, die richtige Farbe und schon nach kurzer Zeit merkt man sehr gut wo sie sich bereits gewaschen hat und wo nicht. Die Magd unterdessen plappert freudig vor sich hin und meint plötzlich: "Und jetzt Augen zu." Etwas verdutzt will Azra nach dem Grund fragen, als sich bereits ein Kübel wasser über ihrem Kopf entlerrt. Prustend un hustend versucht sie das Wasser wieder aus ihren Augen zu kriegen und lacht dann: "Das war dringend nötig." Sie merkt nicht wie die Magd ihr vorsichtig die Spangen aus dem Haar nimmt und und dann eine gut riechende Flüssigkeit darauf verteilt und anfängt ihr das Haar zu waschen. Noch dreimal muss sie die Augen schliessen um kein Wasser, und jetzt besonders auch nichts von der Flüssigkeit, in die Augen zu kriegen. Doch dann, nach einer Weile tritt die Magd ein paar Schritt zurück und meint lachend: "Ja, so ist es gut, jetzt sieht man wenigstens wieder wie ihr richtig ausseht." Schnell packt das Mädchen ein Tuch und hält es Arza entgegen, welche bereits aus dem Zuber gekrochen kommt. Der nächste Waschgang darf ruhig auf sich warten lassen, ohja... so.. schnell.. muss das nicht mehr sein! Eigentlich hat sie es total genossen, nur das hineinsteigen und hinaussteigen, waren im Moment so ziemlich das Schlimmste was man vorn ihr verlangen konnte! Lächelnd trocknet sie sich ab und schlüpft anschilessend in eines von Borgils Hemden. Wie gesagt, schlotternd war untertrieben, wahrscheindlich hätten 6 von ihr da hinein gepasst, doch es ist ein warmer wohliger grauer Stoff, und er gibt warm. Die Magd hilft ihr die Aermel zurückzuschlagen und den Gurt anzulegen. Als Azra schlussendlich an sich herabsieht, hat sie das Gefühl ein viel zu kurzes Kleid zu tragen. Das Hemd geht ihr bis etwas in die Mitte der Oberschenkel und die Armel, hätte die Magd sie nicht aufgerollt, wären sicher einen halben Fuss über ihre Hände hinausgehangen. Lachend dreht sie sich einmal um die eigenen Achse, torkelt dann plötzlich ein wenig und hustet leicht. Vielleicht sollte ich das noch unterlassen und wieder isn Bett kriechen. Derweil hat die Magd die Türe aufgemacht und etwas gerufen. geschwind erscheinen zwei weitere Mägde und fangen an Wasser aus dem Zuber zu fischen, damit man diesen danach wieder wegbringen konnte. Vorsichtig lässt Azra sich wieder auf die Bettkante nieder und schaut dem Treiben zu, bis schliesslich wieder ein Knecht kommt und den Zuber mitnimm. Jetzt ist nur noch die Magd, da welche ihr geholfen hat sich zu waschen. "Danke für die Hilfe. Es hat Spass gemacht.." Die Magd zwinkert ihr leicht zu und huscht dann in den Gang hinaus, die Türe hinter sich schliessend. Gemächlich steht Azra wieder auf, geht zu dem Fenster hin und lässt die kühle Luft durch ihr, nun endlich wieder, beinahe weisses Haar streifen. Die decke hat sie fest um sich gewickelt damit sie nicht friert und so dastehen schaut sie mit einem Lächeln dem strahlenblauen Himmel entgegen und lauscht den Geräuschen, welche zu ihren Ohr dringen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Mala am 09. März 2004, 16:17 Uhr
Malakai lächelt Borgil zu als der Zwerg sich verabschiedet und beäugt kritisch das randvolle Horn. Nachdenklich beisst der Magier sanft auf dem Mundstück seiner Pfeife. >Heute in sieben Tagen erwartet man Euch und Eure Entscheidung im Kleinen Rat, Maester Malakai.< Der Magier nimmt das Horn und leert es in einem langen Zug. Mit dem Met schluckt Malakai auch alle Zweifel und Sorgen hinunter die ihn plagen. So soll es sein. Es wird Zeit Leathel und Corak einen Besuch abzustatten. Einige Goldstücke landen sorgfältig abgezählt auf dem Tisch eher sich Malakai erhebt. Sorgfältig streift er mit seinen Händen etwaige Falten von seiner Robe und glättet sie. Mit einem nachdenklichen Blick und Sorgenfalten im Gesicht verlässt Malakai die Harfe. Erst draussen, in der Kühle der Nacht verhüllt der junge Mann sein Gesicht wieder unter seiner Kapuzenrobe und verschwindet auf den Straßen der Stadt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jareth am 10. März 2004, 15:32 Uhr
Der Ausflug ins Handwerksviertel war mehr ein angenehmer Spaziergang als ein nützlicher Ausflug gewesen. Immerhin weiß Jareth nun, dass er sich den Weg hätte sparen können und direkt beim Wirt der Goldenen Harfe, Borgil, nach einem Lager und auch nach einem Haus hätten fragen können. Und so kehrt er zurück in die Taverne, um den Zwergenwirt persönlich aufzusuchen.

Im Gastraum herrscht mäßiger Betrieb und weder Halla, der er seine Wolle zeigen wollte, noch Borgil sind zu sehen. Und so setzt er sich an die Theke und bestellt sich erst einmal einen Krug Bier von der selben Sorte wie am Vorabend. Es ist bereits später Nachmittag und Jareth hofft, dass Halla nicht, wie abgesprochen, zur Mittagszeit vergeblich auf ihn gewartet hat.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 10. März 2004, 16:58 Uhr
Die Nacht war lang geworden, genau wie es Halla vermutet hatte. Die letzten Gäste der Harfe waren irgendwann mehr oder weniger gegangen, als der Himmel im Osten über dem Ildorel schon ein zartes Rot annahm. Halla und die Mädchen hatten nur noch kurz über die Tische gewischt und die Stühle gerade gerückt, zu viel mehr wären sie auch nicht fähig gewesen. Einige der letzten Gäste hatten die Schankmädchen dann auch noch mit Dancys Pfirsichen verwechselt, bis es Halla dann irgendwann zu bunt geworden war, und sie diese Gäste vor die Tür gesetzt hatte. Müde war sie nach oben in ihr Bett gegangen und war, nachdem sie sich ihr Nachtgewand angezogen hatte, wie ein Stein ins Bett gefallen.

Als sie die Augen öffnet, scheint die Sonne hell in ihre kleine Kammer unter dem Dach, und der Stand der Sonne verrät ihr, dass sie ihren höchsten Stand schon überschritten hat, also musste es schon Nachmittag sein. Hastig springt sie aus dem Bett. Verdammt, verdammt, verdammt, ich hab verschlafen, warum hat mich denn auch keiner geweckt. So schnell es geht ordnet sie ihre widerspenstigen Haare und flicht sie zu einem dicken Zopf. Eine Katzenwäsche muss heute morgen, vielmehr nachmittag reichen und nur wenig später geht sie leise vor sich hinfluchend die Treppen hinab. Grid ist schon unten und lächelt ihr entgegen. Doch Halla vergeht das Lächeln schnell, als sie Jareth an der Theke sitzen siehtvier oder fünfmal verdammt, ich hoffe bloss er hat nicht seit Stunden auf mich gewartet.

Mit hochroten Wangen grüsst sie Jareth kurz und deutet ihm an, dass sie gleich zu ihm kommt. Dann wendet sie sich zu Grid und zischt leise: "Warum hat mich keiner geweckt, ich hätte doch die Frühschicht gehabt!" Ein breites Grinsen zieht über Grids Gesicht. "Borgil meinte wir sollten alle, die gestern bis zum Schluss da waren, schlafen lassen, und dass die Mädchen, die gestern frei hatten, die Frühschicht übernehmen sollten." Erleichtert atmet Halla auf, wenigstens würde es keinen Ärger mit Borgil geben. Dann seufzt sie noch einmal kurz und geht dann hinüber zu Jareth.

"Entschuldigt bitte, ich hatte euch nicht vergessen, ähm.., nur hat man mich schlafen lassen, nochmals Entschuldigung, wenn ich euch hier hab warten lassen." Für einen Moment steigt wieder Röte in ihr Gesicht, die aber bald darauf wieder verschwindet. Nun traut sie sich auch Jareth in die Augen zu blicken."Habt ihr denn jetzt Zeit , mir eure Ware zu zeigen? Noch habe ich etwas Zeit ehe meine Spätschicht anfängt."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jareth am 10. März 2004, 20:26 Uhr
Der Meister Borgil scheint im Augenblick unauffindbar und so ist er eben sitzengeblieben um sein Bier in Ruhe zu trinken und abzuwarten, ob einer der beiden Gesuchten noch erscheinen würde. Und tatsächlich muß Jareth keine Viertelstunde warten, ehe wenigstens Halla erscheint. Sie wird rot, als sie versucht ihr zuspätkommen zu erklären und es lässt sie mit einem mal sehr jung wirken. "Macht Euch keine Gedanken darum, ich bin selbst erst vor kurzer Zeit zurückgekommen", erwidert er, nachdem er sie begrüsst hat. "Lasst uns sogleich hinausgehen und dann wollen wir sehen, ob ich etwas auf dem Wagen habt, das Euren Vorstellungen entspricht." Er leert den Rest Bier mit einem tiefen Zug und folgt Halla dann nach draussen.

Im Hof angekommen hilft er ihr über die hintere Trittleiter den Planwagen zu betreten, der noch immer im Schutz des Überdaches steht. Sie finden sich auf der Ladefläche inmitten von etlichen Truhen und Kisten wieder, die allesamt sorgfältig versiegelt und verschlossen sind. Jareth deutet auf eine schwere Truhe aus dunklem, polierten Holz. "Da drin sind meine Schätze." Er zwinkert ihr zu um zu zeigen, dass er weder Schmuck noch Edelsteine meint. Dann zieht er eine Kette unter dem Gewand hervor, die er die ganze Zeit um den Hals getragen hat. Halla kann daran eine handvoll kleiner, fein gearbeiteter Schlüssel erkennen und mit einem davon öffnet Jareth nun die Truhe und schlägt den schweren Deckel zurück, so dass Halla erkennen kann, dass eine Unzahl naturfarbener Wollknäuel darin liegen. "Bitte sehr. Schaut Euch selbst an, ob hier etwas für Euch dabei ist."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von ginga am 10. März 2004, 21:04 Uhr
Der Tag ist bereits weit fortgeschritten, als Aurian den Gasthof erreicht. Einladend sieht er aus und das beklemmende Gefühl in ihrer Magengrube lässt etwas nach.

Gedankenverloren spielt sie mit der Kette um ihren Hals, wie so oft wenn sie unsicher ist. Die schwarzen, langen Haare, die normalerweise einen seidigen Glanz haben, hängen strähnig herunter. Das bleiche Gesicht wirkt durch den Staßenstaub noch etwas blasser und dadurch treten die grünen Katzenaugen noch mehr zu Tage. Auch ihrer Kleidung ist deutlich anzusehen, dass sie schon lange unterwegs ist.

Wie schon in den vergangenen Tagen und Stunden stellt Aurian sich die selbe Frage: Ist das richtig, was ich tue? Wegzugehen von den Zieheltern und hinaus ins Ungewisse zu ziehen auf der Suche nach der Herkunft?
Hier in der Stadt hofft sie, einige Antworten zu finden, über ihre Eltern und über sich selbst. Das es nicht leicht werden wird, dessen ist sie sich mehr als bewusst, denn von irgendetwas wird sie ja auch leben müssen. Aurian hat sich schon die ganze Zeit darüber den Kopf zerbrochen, denn lange werden die Ersparnisse nicht reichen. Aber als was kann sich ein Bauernmädchen in der Stadt schon verdingen? Kommt Zeit, kommt Rat, sagt sie sich und betritt zögernd den Schankraum.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 10. März 2004, 21:10 Uhr
Man kann deutlich sehen, dass Halla ein kleiner Stein vom Herzen purzelt, als sie hört, dass Jareth auch noch nicht lange in der Harfe ist. Er bietet ihr auch sofort an, ihr seine Ware zu zeigen. Halla greift noch nach ihrer eigenen Geldkatze und  folgt Jareth dann hinaus. Höflich hilft er ihr in den Wagen, was sie überhaupt nicht gewohnt ist, und sie kommt sich fast vor wie eine der feinen Damen. Ein kleines Grinsen erscheint auf ihrem Gesicht, das sie aber schnell wieder verschwinden lässt. Der Wagen ist gut gefüllt mit den verschiedensten Kisten und Jareth deutet auf eine besonders schöne Kiste, die er dann mit einem Schlüssel öffnet. Als er den Deckel aufschlägt, verschlägt es Halla erst einmal die Sprache. Wunderschön gefärbte Wollknäuel liegen vor ihr. Die Farben sind gleichmässig in der Wolle verteilt und nirgends , wie oft bei minderwertiger Ware, sind Farbunterschiede in den Knäueln zu erkennen.

"Darf ich?", fragt sie Jareth, denn sie würde zu gerne einmal eins dieser Knäuel in die Hand nehmen. Mit einem Lächeln nickt Jareth  und sie wischt sich ihre Hände an ihrem Kleid ab, ehe sie eines der Knäuel herausnimmt. Die Wolle fühlt sich wunderbar an, nicht so kratzig und rauh, wie die Wolle hier oft ist, und man sich den ganzen Tag jucken muss, wenn man sich aus solcher Wolle einen Pullover macht. Halla ist wirklich beeindruckt, doch mit etwas traurigem Gesicht legt sie das Wollknäuel wieder zurück in die Kiste. "Es ist wirklich eine sehr gute Qualität und die Farben sind einfach wundervoll, als wenn jemand einfach die Farben aus der Natur genommen hätte und sie in diese Wolle gebracht hat. Aber so eine gute Ware kann ich mir nicht leisten, sie ist sicher unheimlich teuer und mehr als ein paar Silberlinge kann ich nicht ausgeben und das ist schon fast zuviel für meinen Geldbeutel, aber was tut man nicht alles für seine jüngeren Geschwister." Sie seufzt kurz auf und blickt ihn dann an."Habt ihr noch andere Wolle anzubieten, die zwar auch gute Qualität hat, aber nicht so teuer ist?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jareth am 10. März 2004, 23:05 Uhr
"Nicht doch, Halla. Ich würde Euch die Wolle nicht zeigen, wenn sie unerschwinglich wäre für Euch. Allein Euer Versprechen mich weiter zu empfehlen wiegt doch mehr als Gold in meiner Tasche." Er zwinkert ihr zu und zieht mehrere Knäuel des feinen und sauber verarbeiteten Materials heraus. " Ich weiß nicht, welche Farbe Ihr bevorzugt. Aber dieses dunkle Blau hier ist sicher recht dankbar, auch was Schmutz angeht. Und die Farbe hält, darauf könnt Ihr Euch verlassen. Für einen Überwurf, einen Umhang oder einen Mantel werdet Ihr vielleicht ein gutes Dutzend benötigen und ich überlasse sie euch für einen Silberling das Knäuel. Was sagt Ihr? Eine Hand wäscht die andere." Der Preis, den er nennt, ist nicht zu billig aber auch nicht unerschwinglich. "Und unter uns gesagt: schlechteres Material würde ich Euch auch nicht verkaufen", fügt er dann noch hinzu.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Taran am 10. März 2004, 23:58 Uhr
Die Schänke ist wie immer beinahe bis auf den letzten Platz gefüllt, als Taran die schwere Tür aufdrückt. Pfeifenrauch und Essensdüfte schlagen ihm entgegen und hängen in dicken Schwaden unter den schweren dunklen Deckenbalken. Neben vielen Fremden, offensichtlich Reisenden, die hier Quartier nehmen, sieht der Schmied auch einige bekannte Gesichter und nickt einer Gruppe von Handwerkern zu, die an einem Fenstertisch bei einem Humpen Bier sitzen und den neuesten Klatsch und Tratsch austauschen. Von Halla und Borgil ist im Augenblick keine Spur zu sehen. Taran nimmt den Mantel aus Wolfsfellen ab, der ihm in der stickigen Luft der Schänke schnell zu warm wird, und späht über das Meer aus Köpfen hinweg nach einem freien Platz. Nachdem es keinen einzigen unbesetzten Tisch mehr gibt, quetscht er sich nach einigen höflich gemurmelten Worten zu einer kleinen Reisegruppe Arduner Händler an den Tisch, die gerade beim Essen sitzen, und bestellt bei einer der vorbeihastenden Schankmädchen einen Krug Bier und eine Schüssel Eintopf.  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 11. März 2004, 08:20 Uhr
Als Borgil von seinen Eintragungen in die Bücher und der raschen Inspektion der Vorratskeller wieder in den Schankraum kommt, sieht er gerade noch Halla mit diesem blondzopfigen Langbein aus der Harfe verschwinden. Muss der Wollhändler aus Laigin sein, von dem die Mägde alle schwärmen. Könnte meinen, die haben alle noch nie einen Mann gesehen... hmmmpf! Er wuchtet das kleine Eichenfäßchen mit kostbarem Ilucar durch die Bodenluke nach oben, verschließt sie sorgfältig und versperrt ihre drei Schlösser mit quietschenden Schlüsseln, wobei er unablässig etwas in seinen Bart murmelt. Das kleine Faß wird von einem Knecht sorgsam in weiches Leder eingeschlagen und mit einem kurzen Schreiben versehen unter Bewachung zweier Roßknechte zum Lord Commander in die Steinfaust geschickt. Entweder Olyvar trinkt es, wenn er wieder bei Kräften ist, oder er verkauft es, sollte er knapp bei Kasse sein (was Borgil sich nicht vorstellen kann). Ein ganzes Faß mit Rubinwein, wenn auch ein kleines, ist pures Gold wert.  Er entdeckt Taran im sich zusehends füllenden Schankraum, spornt seine Mädchen an, die allesamt hüpfen und springen und klopft dem Schmied im Vorbeigehen gut gelaunt auf die Schulter. Borgil nimmt sich Zeit für jeden Tisch: er hält einen kleinen Schwatz hier und da, tauscht die neuesten Gerüchte (jedenfalls jene für die Allgemeinheit) mit den Wißbegierigen, dunkle Blicke mit den ewigen Schwarzsehern, optimistische Prognosen für Handel, Wetter, Schwalbenflug und Ernte mit jenen, die sich nichts vermiesen lassen, und vor allem und mit allen immer wieder Hochrufe und Trinksprüche auf die siegreich heimgekehrten Blaumäntel. Als er wieder bei Taran ankommt, tritt er fast einem schmalen, schwarzhaarigen Mädel mit grünen Katzenaugen auf die Füße. "Oh! Humm, tut mir leid, Kleines," brummt er und weicht aus, dann wendet er sich noch einmal an Taran. "Ist Halla etwa immer noch mit diesem Laiginer Wollhändler da draußen?" Raunt er verschwörerisch zwinkernd.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aurian am 11. März 2004, 09:07 Uhr
Der Schankraum ist gestopft voll, kein freier Platz. Das flaue Gefühl in Aurians Magen nimmt wieder zu. Sie ist so viele Leute einfach nicht gewohnt. In der Schenke ihres Heimatdorfes war zwar auch immer viel los, aber wenigstens kannte sie da einen großen Teil der Leute, zumindest den Wirt und seine Frau.

Während sich Aurian noch in dem Raum umsieht und versucht, ihre Unruhe unter Kontrolle zu bekommen, tritt ihr beinahe ein rotharriger Zwerg auf die Füße. Er ist ihr schon beim Eintreten aufgefallen und an seiner Art, wie er mit jedem redet, glaubt sie, in ihm den Wirt zu erkennen. Er scheint bei den Gästen beliebt zu sein.

Er brummt ihr eine Entschuldigung zu und steuert dann auf einen jungen Mann mit braunen, schulterlangen Haar zu und beginnt ein Gespräch mit diesem Gast. Aurians Antwort "Nichts passiert!" scheint der Wirt nicht zu hören.

Aurian sieht sich unschlüssig um. Eigentlich hat sie Hunger, Durst und müde ist sie außerdem. Eigentlich hat sie gehofft, hier ein Zimmer zu bekommen. Aber an wen am besten wenden? Nach einem weiteren fragenden Blick in die Runde beschließt sie, den Wirt anzusprechen sobald er sein Gespräch beendet hat.  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Taran am 11. März 2004, 09:38 Uhr
In der Schankstube herrscht ein Gewimmel wie in einem Ameisenhaufen, in den jemand mit einem Stock herumgerührt hat und während Taran auf Bier und Essen wartet, schaut er mit einem leisen Schmunzeln in den Mundwinkeln dem regen Hin und Her aus Schankmaiden, Gästen, Reisenden und Servierjungen zu, die die Schänke füllen. Mittendrin in dem lebhaften Treiben wirkt Borgil wie ein unerschütterlicher Fels in der Brandung und Taran kann sich wie so oft nur über dessen stoischen Gleichmut wundern, mit dem er seine Gäste bei Laune und seine Schankmädchen auf Trab hält. Eine von ihnen setzt ihm eben einen Krug mit schäumendem Bier vor die Nase und nuschelt etwas davon, dass das Essen noch einen Moment dauern würde, bevor sie mit ihrem vollbeladenen Tablett wieder Richtung Tresen verschwindet. Doch Taran ist's zufrieden und begnügt sich mit dem frischgezapften Bier und gelegentlichen hungrigen Blicken zu den dampfenden Tellern seiner Tischnachbarn.

Als Borgil zum zweiten Mal an seinem Tisch vorbeikommt und eine verschwörerische Bemerkung über Halla macht, grinst der Schmied nur vielsagend und meint: "Nun gönnt Euren Mädchen doch auch mal etwas Abwechslung - und wenn es nur ein kurzes Stelldichein mit einem Laiginer Wollhändler ist. Und Halla sei es wirklich vergönnt", fügt er schmunzelnd hinzu, "mit ihr habt Ihr sicher das fleissigste Wesen unter Shenrahs Auge als Eure rechte Hand, aber das werdet Ihr wohl wissen. Ich wünschte, ich könnte behaupten, dass ich einen ebenso rührigen Gehilfen hätte." Bei dem Gedanken an den fehlenden Helfer umwölkt sich seine Stirn allerdings vor Unmut und sein Ansinnen fällt ihm wieder ein.

"Borgil, ich müsste mit euch sprechen", sagt er geradeheraus und richtet den Blick offen auf den schnaufenden, kupferbärtigen Zwerg. "Es geht um die Gilden und die Handwerkerzunft hier in der Stadt. Ich weiss wohl, dass Ihr wenig Zeit habt, aber es wäre mir wichtig." Über die breite Schulter des Zwerges fällt Tarans Blick auf eine schmale Gestalt, die unschlüssig in der Wirtsstube steht und Borgil aus grünen Augen fixiert. "Vielleicht nachher, wenn sich die Schänke ein wenig geleert hat, ich hab's nicht eilig", schlägt der Schmied vor und deutet mit einem kaum merklichen Kopfnicken auf die schwarzhaarige Frau hinter Borgil. "Und diese junge Dame dort scheint wohl auch mit Euch sprechen zu wollen."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 11. März 2004, 10:06 Uhr
Hallas Augen werden riesengross und ein breites Grinsen zieht sich über ihr Gesicht. Sie hatte zwar damit gerechnet, dass Jareth ihr ein günstiges Angebot machen würde, aber so günstig hätte sie nun auch wieder nicht gedacht. Sie grübelt eine Weile, wieviel Geld sie ausgeben kann und wieviel Knäuel Wolle sie braucht, um mindestens drei Pullover zu stricken. Aber wie sie es dreht und wendet, mehr als zehn Knäuel Wolle kann sie sich beim besten willen nicht leisten und dann würden ihre Geschwister die Pullover auch erst zu ihren jeweiligen Geburtstagen bekommen und nicht zwischendurch. Nicht das Hallas Lohn in der Harfe schlecht wäre und sie nicht genug Trinkgeld bekommt, aber ein Grossteil ihres Geldes wandert nach Hause zu ihrer Mutter, die immerhin noch drei hungrige Mäuler zu stopfen hat und selbst nicht mehr arbeiten kann. Und das Geld, was Vater mit seinen dubiosen Geschäften verdient, ist nicht wirklich viel und meist bekommt er auch nur unregelmässig Geld.

Halla kramt in ihrer Geldtasche und sucht zehn Silberlinge zusammen. "Ich nehme vier Knäuel von der blauen Wolle, drei von der feuerroten und drei von der dunkelbraunen. Für mehr reicht mein Geld nicht und ich denke für drei kleine Mogbarpullover wird die Wolle reichen." Zum Glück sind ihre Geschwister nicht so gross und Mogbars sind ja eh nicht gross und somit müsste die wolle reichen. Sie hält Jareht die blinkenden Münzen hin und setzt ein betrübtes Gesicht auf, das hatte noch immer gewirkt, vielleicht liesse sich der freundliche Wollhändler ja doch noch dazu hinreissen ein oder zwei Knäuel obendrauf zu legen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Thay-Lee am 11. März 2004, 18:22 Uhr
Als das erledigt ist, dreht sich Hawas wieder Thay-Lee zu. "Erzähl, was bringt dich dazu, einfach fremde Männer anzusprechen und vorzuschlagen, Karten zu spielen?" Seine Miene ist dabei ernst und so sehr Lee hofft, ein Zwinkern zu entdecken, da ist nichts. "Nun.... ich... nun.... wenn ich nicht frage.... mich fragt auch keiner, also muss ich ja den ersten Schritt machen....." Sie ist sich bewusst, dass sie einen ziemlichen Unsinn zusammenstammelt, was Hawas wohl kaum mehr von ihr überzeugen wird. Gerade setzt er an, etwas zu erwiedern, als die Magd an den Tisch tritt und nach seinen Wünschen fragt. Er wirft einen kurzen Blick auf Lee, auf seinen Krug und antwortet dann: "Ich hääte gern noch einen Krug Bier für die junge Dame hier." Die Magd nickt kurz und ist auch sogleich wieder verschwunden. Und wenn ich nun gar keins gewollt hätte...? Aber Lee hütet sich, etwas gegen seine Entscheidung einzuwenden. Bier ist besser als gar nichts!
Kurz darauf wird die Bestellung gebracht und Hawas hebt lächelnd seinen Krug: "Prost!" Thay-Lee prostet ihm ebenso zu und trinkt dann hastig, zu hastig. Nachdem sie den Krug fast zur Hälfte auf einen Zug geleert hat, meldet sich ihr leerer Magen und sie hat das Gefühl, nicht nur einen halben, sondern mindestens drei Krüge getrunken zu haben. anmerken lassen will sie sich das natürlich nicht. Hawas hat sie nicht beachtet, und wenn doch, dann so, das sie es nicht gemerkt hat.
"So, wie du aussiehst, geht's dir momentan nicht gerade gut, was ist passiert?" Hm, der redet nicht lange um den heissen Brei.... Lee stellt betont langsam ihr Bier ab, schaut ihn fest an und nuschelt:"Bin abgehauen. Vor zwei... drei Tagen, vielleicht ist es auch länger her.... Ich hatte keine lust mehr, mich verprügeln zu lassen." Hawas hat den Kopf etwas schief gelegt und schweigt. Thay-Lee lässt ihren Blick müßig durch die Gaststube schweifen. Ah, der schöne, unbekannte ist mal wieder da. Welch netter Anblick. Doch so etwas wie Freude fühlt Lee nicht. Sie beobachtet, wie Borgil mit verschiedenen Leuten redet, sie sieht eine junge Frau, die etwas unentschlossen und unsicher wirkt, sie schaut zu, wie Halla sich mit einem Mann unterhält und geniesst das Gefühl, wie ihr Kopf langsam schwerer zu werden scheint. Das Bier schlägt schnell an.
"Was lächelst du jetzt?" kommt die Frage von Hawas. Lee geht nicht darauf ein, sondern kontert mit der Gegenfrage: "Was ist jetzt, spielen wir?" Hawas zögert kurz, dann nickt er. "Dann zeig mal deine Karten her!" Die liegen immer noch im Waisenheim.... wenn sie da noch liegen. Mist! "Hast du keine?" Hawas schüttelt nur stumm den Kopf.
"Also dann... vielleicht beim nächsten Mal. Und.... nimm es mir nicht übel, Mädchen, aber du solltest dringend mal deine Kleidung wechseln und dich waschen!"
Er erhebt sich, wirft einige Münzen auf den Tisch, winkt Lee kurz zu, lächelt knapp und geht zur Tür.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jareth am 11. März 2004, 18:44 Uhr
"Abgemacht." Jareth ignoriert die Münzen, die Halla ihm hinhält und zieht stattdessen aus einem Jutesack einen weiteren, kleineren hervor, in den er die gewünschte Anzahl Wolle legt und nach kurzem Überlegen noch ein elftes Knäuel der roten Wolle obendrauf. Er zieht den Sack zu und reicht ihn Halla, erst dann nimmt er das Geld an sich und lässt die Münzen klingend in seiner Geldkatze verschwinden. "Ich bin sicher, Ihr werdet vollauf zufrieden sein. Die Rote war die letzte, die ich dabei habe und Ihr habt sozusagen auch noch Glück gehabt." Dann schließt er die Truhe und sperrt sie sorgfältig auch wieder zu. "Bis zum Winter ist es lange hin und bis dahin habt Ihr mehr als genug Zeit zu stricken, was immer Ihr möchtet. Und falls Ihr Nachschub braucht..." Er lächelt mit dem Unterton geschäftsmäßiger Zufriedenheit. "Und nun müßt Ihr mir noch einen Gefallen tun mir sagen, wo ich Borgil, den Wirt finde. Mein kleiner Spaziergang durch das Handwerkerviertel war vergebens, fürchte ich. Aber man sagte mir dort, dass Borgil sicherlich etwas Passendes für mich haben würde." Jareth bietet Ihr seine Hand an, damit sie bequem aus dem Planwagen steigen kann. "Denn als Geschäft taugt dieses Gefährt nicht wirklich auf Dauer."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 11. März 2004, 21:07 Uhr
Ein weiches Lächeln zieht über Hallas Gesicht, als sie sieht, dass Jareth noch ein weiteres rotes Wollknäuel in den Beutel gibt, ihn ihr dann reicht und das Geld entgegen nimmt. Die Aussage warum er dies getan hat lässt sie schmunzeln. Wirklich ein netter Kerl. Als er sie nach Borgil fragt, kann sie nur mit den Achseln zucken."Leider weiss ich nicht wo er ist, ich habe ihn heute noch nicht gesehen, ihr wisst ja ich habe verschlafen!" Sie zwinkert Jareth kurz zu und lacht ein wenig.

Sie verlassen den Wagen und Jareth bietet ihr wieder die Hand an, um ihr die Stufen hinunter zu helfen, ihr Schmunzeln wird noch ein wenig breiter und sie versucht so würdevoll, wie es ihre  kurzen Beine zulassen, die Stufen hinunter zu steigen. Unten angekommen verbeugt sie sich leicht und lächelt schelmisch. "Ich danke euch mein Herr.  Vielleicht finden wir Borgil ja in der Schankstube und sonst weiss sicher eines der Mädchen, wo er sich gerade aufhält."

Als sie den Schankraum betreten, hat er sich schon gut gefüllt und Halla fragt sich, wie lange sie wohl weg gewesen ist, dass sich die Harfe in so kurzer Zeit gefüllt hat. An einem der Tische erblickt sie Borgil und Taran. Die Blicke und das Grinsen, welche die beiden ihr zuwerfen, sprechen Bände. Am liebsten würde sie den Beiden die Zunge rausstrecken, aber sie lässt es, sie hebt nur ihren Kopf ein wenig , streckt die Nase in die Luft und macht sich noch etwas grösser als sie ist.  Dann geht sie mit Jareth an die Theke. Dort angekommen zieht sie sich die Schürze an und beginnt damit ein Glas zu spülen. "Borgil scheint im Moment noch beschäftigt und auch das Mädchen, das dort steht scheint mit ihm reden zu wollen, aber er hat sicher gleich Zeit für euch. Darf ich euch zu einem Glas Bier einladen, sozusagen als Entgelt für das Knäuel Wolle extra, das ihr mir gegeben habt?" Sie lächelt ihm wieder kurz zu und nimmt schon einmal einen Humpen vom Regal und füllt es mit Verder Dunkel.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aurian am 12. März 2004, 06:30 Uhr
Aurian steht noch immer unentschlossen im Raum. Der Schankraum füllt sich immer mehr. Die wenigen freien Plätze, die bei Aurians Eintreten noch vorhenden gewesen waren, sind mittlerweile auch besetzt. Eben ist ein Mogbarmädchen gemeinsam mit einem jungen Mann in die Bar gekommen. An ihrem Verhalten ist deutlich erkennbar, dass sie hier arbeitet.

Aurian ist sich sicher, dass jeder in diesem Raum ihre Unsicherheit merken muss, aber sie ist einfach zu müde, um die Fassade der Selbstsicheren aufrecht zu erhalten. Die Reise war lang und anstrengend, und nicht immer waren alle freundlich. Manche Leuten scheinen wohl zu spüren dass irgendwas an ihr ist, dass doch etwas anders ist. Oder war sie schon überempfindlich geworden und ihre gespannten Nerven spielten ihr einen Streich?

Unbewußt hatte Aurian den Wirt mit ihren grünen Katzenaugen fixiert, den nun machte sein Gesprächspartner, der dunkelhaarige Mann, ihn mit einem leichten Kopfnicken auf sie aufmerksam.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jareth am 12. März 2004, 09:51 Uhr
Jareth folgt Halla in die Goldene Harfe und dort führt sie ihn an die Theke. Ihm entgeht nicht, dass zwei Männer, ein Mensch und ein Zwerg, Halla irgendwie wissend angrinsen, aber weiß nicht recht, was er damit anfangen soll und ignoriert diesen Umstand einfach. Erst als Halla Borgil erwähnt wird Jareth klar, dass es sich bei dem Zwerg eben um den Wirt handeln muß und er wirft nochmals einen schnellen Blick zu dem Tisch hinüber. Und tatsächlich steht dort auch eine Frau, ein Mädchen mit langem schwarzen Haar, die aussieht, als würde sie auf irgendetwas warten und offensichtlich handelt es sich dabei um den Wirt Borgil. "Scheint so, als müsse man viel Geduld mitbringen, wenn man von Meister Borgil etwas möchte." Er grinst, um seinen Worten die Ernsthaftigkeit zu nehmen. "Aber das Bier nehme ich gerne an." Das Getränk scheint Jareth eine angenehme Art, sich die Wartezeit zu verkürzen. Jareth ist etwas verwundert, wie voll es in der Taverne schon wieder ist. Die Goldene Harfe schien wirklich eine Goldgrube für ihren Besitzer zu sein. "Und Ihr Halla, wohnt Ihr hier im Haus oder bei Eurer Familie in der Stadt?" Nach kurzem Überlegen fügt er hinzu: "Falls Euch diese Frage nicht zu aufdringlich erscheint."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 12. März 2004, 19:28 Uhr
Als Jareth erklärt, dass er das Bier gerne annimmt, zapft Halla den Humpen voll und stellt ihn vor Jareth auf die Theke. Mit einem Grinsen antwortet sie auf Jareths erste Frage. "Borgil ist ein viel beschäftigter Geschäftsmann und ja man braucht immer ein wenig Zeit, wenn man mit ihm reden möchte." Rasch wirft sie einen Blick hinüber zu Borgil und Taran, und Halla meint unter Borgils Bart noch immer das Grinsen zu sehen. Rasch dreht sie ihren Kopf wieder weg und blickt Jareth wieder an, der eine erneute Frage stellt. Während Halla weitere Krüge füllt und auf ein Tablett stellt, kichert sie etwas, ehe sie Jareth antwortet.

"Sicher dürft ihr eine solche Frage stellen, es ist kein Geheimnis, wo ich wohne, die Harfe ist sozusagen mein zweites zu Hause." Noch einmal muss sie kurz lachen." Ich wohne die meiste Zeit hier in der Harfe und wenn Borgil im Stadrat ist, vertrete ich ihn hier. Ich habe eine kleine Kammer unter dem Dach, sie ist recht gemütlich. Ab und an, jenachdem wie es die Zeit zulässt gehe ich nach Hause, aber da muss ich mir das Zimmer mit meinen Geschwistern teilen, da bleibe ich lieber in meinem ruhigen Zimmer hier. Nicht dass ich meine Geschwister nicht mag, aber sie sind um einiges jünger als ich und können einem schon mal den letzten Nerv rauben." Halla verdreht leicht die Augen bei den letzten Worten. Sie liebt ihre Geschwister wirklich, aber besonders die beiden Jungs sind richtige Rabauken und haben nur Flausen im Kopf. Und jedesmal wenn Halla zu Hause ist, haben sie eine Überraschung für sie bereit. Es sind nie böse gemeinte Streiche, aber manchmal schlagen sie auch über die Strenge.

"Habt ihr auch Geschwister? Wenn ja dann wisst ihr sicher wovon ich rede.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jareth am 13. März 2004, 09:54 Uhr
Sich auf eine längere Wartezeit einstellend, zieht Jareth einen Hocker heran. Er muß lachen, als Halla von ihren Geschwistern erzählt. "Aber sicher kenne ich das. Ich habe drei Geschwister, einen Bruder und zwei Schwestern, eine davon jünger als ich. Aber bei den Göttern, ich vermisse sie! Mein älterer Bruder hat den Betrieb meiner Eltern weitgehenst übernommen, als mein Vater zu alt wurde, um alles allein zu meistern. Das ist auch der Grund, warum ich mich entschloß Laigin zu verlassen und mehr von der Welt zu sehen." Jareth wartet, während Halla mehr Bier zapft und alles auf ein Tablett stellt, welches sie an einen anderen Mogbar weiterreicht. "Sagt, Halla, wart Ihr schon immer hier in Talyra? Oder hat es Euch jemals verlangt mehr von der Welt sehen?" Er versucht sich vorzustellen, wie es sein muß, sein ganzes Leben an einem einzigen Ort zu verbringen, immer in der Nähe der Familie und eigentlich muß es wirklich schön sein. Er versucht zu schätzen, wie alt Halla sein mag, aber es mag ihm nicht recht gelingen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 13. März 2004, 22:28 Uhr
Die Harfe füllt sich zusehends, nachdem Borgil seine Runde gedreht hat und zu einem kleinen Schwatz bei Taran stehengeblieben war - und auch Halla und ihr Blondzopf lassen nicht lange auf sich warten. Borgil tauscht einen grinsenden Blick mit seiner Obersten Magd und lacht mit seinem Zwergenbaß ein brummendes Lachen, als sie sich zu ihrer vollen Größe aufrichtet und mit soviel Würde, wie sie aufbringen kann, an ihm und Taran vorbei in Richtung Tresen rauscht. Auch das Langbein blickt kurz zu ihnen herüber, widmet sich dann aber wieder Halla und dem Bier, das sie ihm ausschenkt.  >Nun gönnt Euren Mädchen doch auch mal etwas Abwechslung - und wenn es nur ein kurzes Stelldichein mit einem Laiginer Wollhändler ist.< "Gönn ich ihr doch, gönn ich ihr," beeilt sich Borgil dem Schmied zu versichern und fügt dann hinzu: "Ich weiß wohl, was ich an meiner Halla habe - und glaubt mir, ich danke sämtlichen Göttern Abend für Abend für das Prachtmädel."  Nur warum muß sie sich ausgerechnet so ein langes Elend aussuchen, wenn ihr der Sinn nach einem Kerl steht? Wollhändler...pff! Unter seinen buschigen Brauen beobachtet er aufmerksam Hallas Unterhaltung mit dem Laiginer am Tresen und hört nur noch mit einem halben Ohr zu - bis Taran von Gilden und Zünften anfängt. Einen Moment lang erstarrt Borgil. Die einzigen namhaften und einflußreichen Gilden Talyras sitzen allesamt in der Unterstadt. Natürlich gibt es auch rechtschaffene Handwerker und Händler, die sich zu losen Bünden zusammengeschlossen hatten, aber wirkliche Handwerkszünfte kann man das kaum nennen. Er sieht den Schmied lange und nachdenklich an und nickt dann. "Ja, später," murmelt er, während er sich kurz umblickt und das schmale, dunkelhaarige Mädel mit den Katzenaugen hinter sich findet. "Gut, esst und trinkt einstweilen, Taran, ich nehme mir nachher soviel Zeit für Euch, wie Ihr benötigt, versprochen." Er nickt dem Schmied noch einmal zu und dreht sich dann um. Bevor er jedoch seinen neuesten Gast begrüßt, winkt er kurz Thay-Lee an einem der hinteren Tische. Ein Botenmädel ist genau das, was er jetzt braucht. Das Schwarzhaarige Mädchen vor ihm sieht recht verschüchtert aus, und angenehmerweise ist sie kaum größer als er - aber Borgil weiß wohl, daß der Eindruck auch täuschen kann. Ihre Kleidung ist gut, aber einfach - soweit er erkennen kann ist sie keine Hochgeborene. "Du siehst aus, als suchtest du den Wirt, Mädchen. Der bin ich," setzt er freundlich hinzu. "Kann ich dir irgendwie weiterhelfen?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aurian am 13. März 2004, 22:52 Uhr
 "Kann ich dir irgendwie weiterhelfen?"
Mit diesen Worten hat der Wirt sich an Aurian gewandt. Für einen Zwerg ist er erstaunlich groß, nur ein kleines Stück kleiner als sie selbst. Zuerst ist sie etwas erschrocken, als sie die markante Narbe in seinem Gesicht sieht. Seine Stimme aber ist freundlich und sie spürt, das sie ihm trauen kann. Das unsichere Gefühl nimmt wieder etwas ab. Es tut gut, nach den vielen Unbillen der Reise einmal wieder ein freundliches Wort zu hören.
"Verzeiht die Störrung Herr Wirt, ich wollte Euer Gespräch nicht unterbrechen. Mein Name ist Aurian und wollte fragen, ob ihr in eurem Gasthof noch ein Zimmer für mich habt. Ich habe eine lange Reise hinter mir und ich bin schrecklich erschöpft." Nach einer kurzen Pause fügt sie noch rasch hinzu: "Ich kann auch bezahlen."

Aurian weiß, dass diese Aussage auf den Wirt vielleicht etwas seltsam wirken muss, aber ihre erlebnisse auf der Reise haben sie gelehrt, dass ihre einfache Kleidung mitunter Mißtrauen hervorruft. außerdem fühlt sie sich dermassen schmutzig und abgerissen, dass si sich selbst wohl auch mistraut hätte, wenn sie ein Wirt wäre.

Erst jetzt fällt ihr auf, dass sie die ganze Zeit mit der Kette spielt und schnell zieht sie ihre Hand zurück. "Ein bischen besser beherschen sollte ich mich schon. Es muss ja nicht jeder gleich merken, wie unsicher und hilflos ich mich fühle" ärgert sie sich über sich selbst.

Fragend blickt sie den Zwerg, der sich als Wirt des Gasthofes entpuppt hat, an, in der Hoffnung, in einem der Gastzimmer endlich etwas Ruhe zu finden. Unglücklicherweise gibt gerade jetzt ihr Magen einen Knurrlaut von sich, als würde ein Wolf im Schankraum stehen, ein deutliches Signal dafür, dass er sein Recht auf Nahrung fordert. Aurian errötet leicht hinter der Staubschicht auf ihrem Gesicht.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 13. März 2004, 22:53 Uhr
Halla hat alle Hände voll zu tun, um mit dem Zapfen und Einschenken nachzukommen, doch da Jareth sich direkt vor dem Ausschank an die Theke gesetzt hat, muss sie das Gespräch nicht unterbrechen, während sie ihrer Arbeit nachgehen kann. Zumal sie ständig die Blicke sieht, die Borgil ihr zuwirft, will sie lieber nicht nichtstuend hinter der Theke stehen.Ich frag mich was diese Blicke sollen, sonst ist Borgil doch immer froh, wenn seine Gäste unterhalten werden.  Als gerade alle Bestellungen fertig sind und die Mädchen die Tabletts zu den Tischen bringen, hat sie wieder einen Moment Zeit. Sie schenkt sich selbst ein Glas Brunnenwasser ein und nimmt einen Schluck.

"Ich bin immer hier in Talyra gewesen, hier geboren und aufgewachsen. Die weiteste Reise, die ich gemacht habe, ist nach Verd gewesen, dort haben wir Verwandte besucht. Aber mir macht es nicht viel aus, die Immerlande noch nicht gesehen zu haben. Ich lebe im Herzen der Immerlande und hier in der Harfe hört man so viele Berichte und Geschichten aus den unterschiedlichsten Gebieten, dass ich weiss, wie es dort aussieht." Für einen Moment unterbricht Halla ihren Redefluss und schenkt erneut einige Gläser Wein ein. Als sie damit fertig ist, lächelt sie Jareth an und spricht weiter. "Es wäre sicher schön, all jene Orte einmal zu sehen, von denen ich immer gehört habe. Aber Borgil braucht mich hier und er würde mit Sicherheit Zeter und Mordio schreien, wenn ich ihm sagen würde, ich würde auf Wanderschaft gehen. Aber vielleicht mach ich eines Tages einmal eine Reise. Ich würde gerne einmal Vinnar sehen oder Ildala....." Halla wird von Grid abgelenkt, die fragt, ob eine bestimmte Sorte Wein vorrätig ist. Halla zeigt ihr die Flasche und Grid bedankt sich. Borgil hat sich inzwischen dem jungen Mädchen zugewendet, das ihn zu sprechen wünscht, und Taran widmet sich seinem Essen, so dass Halla diesmal von neugierigen Blicken verschont bleibt, als sie sich wieder Jareth zuwendet.

"Seid ihr denn schon weit gereist oder ist dies eure erste Reise weg von zu Hause, und wie ist es so alleine zu reisen?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 13. März 2004, 23:10 Uhr
"Na, na, dein armer Magen knurrt ja lauter als ein Bär," grinst er, als er das vernehmliche Brummeln hört. "Keine Sorge, da können wir Abhilfe schaffen, denke ich," zwinkert er dann. "Hast mein Gespräch nicht unterbrochen, Mädel. Unser Schmied hier," er wedelt mit dem Daumen hinter sich, wo Taran am Tisch sitzt, "bekommt ohnehin erstmal seinen Eintopf. Ja, Zimmer hab ich frei, nicht mehr viele, aber eine saubere, gemütliche Kammer nach Osten hätte ich, genau das Richtige für dich. Kostet eine Handvoll Kupferlinge für die Nacht mit Frühstück, wenn du Mittag und Abendmahl auch haben willst, natürlich mehr. Um deine Wäsche werden sich meine Mägde kümmern und falls du ein Bad brauchst, sag ihnen nur Bescheid." Er nimmt das Mädel mit zum Tresen, wo er ihr den Kammerschlüssel aushändigt und dabei kurz Halla über die Schultern späht, die mit fliegenden Händen für die Schankmädchen die bestellten Getränke bereit hält und es dabei immer noch schafft, sich nett zu unterhalten. Taran hat schon Recht. Ohne Halla wäre ich manchmal ganz schön arm dran hier... Die kleine Mogbar geht ihm gerade bis zur Schulter, aber das hindert sie nicht daran, flink wie ein Wiesel zu sein. Und hübsch obendrein. Er tätschelt ihr im Vorbeigehen zufrieden den Arm (obwohl sich auch ein anderer Körperteil angeboten hätte) und wendet sich dann wieder an das schwarzhaarige Mädchen. "So, hier ist der Schlüssel. Es ist das vierte Zimmer im ersten Stock auf der linken Seite, wenn man die Treppe heraufkommt."  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Thay-Lee am 14. März 2004, 00:02 Uhr
Als Thay-Lee begreift, was gerade vorgefallen ist, ist Hawas schon zur Tür hinausgestürmt.
Ärgerlich und gedemütigt schaut sie auf die paar Münzen auf dem Tisch. "Verdammt!" brummelt sie in sich hinein. Dann hebt sie den Blick und schaut in der Gaststube umher. Es ist voll und zwar brechend.
Als ihr Blick gerade Borgil streift, sieht sie, das er ihr zuwinkt.
Hm, was will er denn? Zögerlich erhebt sie sich und geht in seine Richtung.
Noch bevor Borgil Gelegenheit erhält, sich ihr zuzuwenden, sagt sie kurz:" Borgil, es ist spät, ich bin so müde, ich hab seit Tagen nicht richtig geschlafen, gegessen oder getrunken. Ich möchte mich nur noch hinlegen! Alles, was ihr mir sagen wollt, muss zeit haben bis morgen, ja? Und morgen früh brauche ich als erstes, als allererstes ein Bad...."
Sie schaut ihn noch einen kurzen Moment lang an, wartet jedoch keine Antwort von ihm ab, nickt ihm noch einmal mit einem gequälten Lächeln zu und wendet sich dann Richtung Treppe.
Die steilen Stufen muten ihr an wie ein Berg, den sie besteigen muss aber die Vorstellung von Ruhe und Schlaf treibt sie mit letzten Energiereserven voran. Dann hat sie endlich die Zimmertür erreicht, betritt den Raum, schliesst die Tür hinter sich und schläft fast, noch ehe sie richtig liegt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ukko der Gnom am 14. März 2004, 00:21 Uhr
Ist Ukko mit weitausladenden Gnomenschritten  in die Stadt gelaufen verlangsamt sich sein Gang auf den letzten Metern zur Harfe. Je mehr er wieder in dieser Gegend ist, desto präsenter kehrt Vergangenes und Erlebtes in sein Gedächtniss zurück.
Unwohl sieht er sich selbst nocheinmal in den Misthaufen fliegen und einen hochroten, Spucke verschleudernden und schreienden Borgil mit einer Riesenaxt auf sich zu stürmen.

" Humbug" redet er sich selbst Mut zu  " Das ist sicher alles Jaaaaaahre her und bestimmt  vergessen  und ich bin ja auch ein anderer Gnom, ein Held ein Ritter...er braucht nur mal Croni fragen, der kanns bestätigen."


Ukko schiebt die Tür zur Harfe auf, sie geht immer noch so schwer wie früher auf. Borgil muss das wohl mit Absicht gemacht haben, nur damit kleine Leute wie er nicht so leicht reinkommen. Aber denkste. Ukko ist stark geworden, bei dem ganzen Gekämpfe mit den Nargen sind seine Muskeln so gewachsen, dass selbst Croni vor Neid erblassen würde , würde Ukko nur mal so zum Spass sein Hemd lüften...und Niniane wäre sicher hin und weg ......und da hat Ukko auch die Harfe betreten. Er blickt  immer noch verunsichert und späht nach einer Lücke zwischen den Beinen der Gäste  um sich zur Theke vorzudrängeln und das erste "Heimatbier" zu sich zu nehmen.  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aurian am 14. März 2004, 07:30 Uhr
Eine Handvoll Kupferlinge! Aurian hatte mitweitaus mehr gerechnet, immerhin war das hier ja eine Stadt. Die freundliche Geste, mit der der Wirt ihr Magen knurren quittiert hat, schenkt ihr weiteren Mut und die Aussichten auf etwas zu essen, ein Bett und zur Krönung ein Bad beleben Aurians Lebengeister.

Als Borgil ihr den Schlüssel aushändigt, huscht ein kleines Lächeln über ihre müden Gesichtszüge. "Danke Meister. Ich werde wohl wirklich meinen Magen zu seinem Recht komen lassen. Das hat er ja mittlerweile deutlichst eingefordert." In einer Ecke hat sich gerade ein Gast von seinem Platz erhoben und steuert auf die Tür zu. Aurian lässt sich auf dem nun freien Stuhl nieder und seufzt erleichtert. Bei einer vorbeihastenden Magd bestellt sie eine Portion Eintopf und einen Humpen Bier.

Während Aurian auf ihr Essen wartet, sieht sie sich etwas in der Gaststube um. Eben geht eine junge Frau die Treppen zu den Gastzimmern hinauf. Sie scheint nicht viel größer als sie selbst zu sein und ihre blonden Haare sind mit einem Stirnband zusammengehalten. Der Schmied, mit dem der Wirt sich bei ihrer Ankunft unterhalten hat, sitzt über seinem Eintopf und nun stellt auch ihr die Magd einen gut gefüllten Teller hin. "Verzeiht," spricht Aurian diese an, "wäre es vielleicht möglich, dass ich eine Schüssel mit Wasser zum Waschen auf mein Zimmer bekomme?" Die Magd nickt. Ein richtiges Bad werde sie morgen nehmen, beschließt Aurian. Heute ist  sie einfach zu müde.
Der Eintopf schmeckt herrlich und endlich beginnen auch ihre angespannten Nerven sich etwas zu beruhigen.  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aurian am 14. März 2004, 11:01 Uhr
Als Aurian fertig gegessen hat, fühlt sie sich besser. Eine wohlige Schläfrigkeit breitet sich in ihr aus (sicher hat da auch das Bier seinen Teil dazu getan). Aus den Augenwinkeln sieht sie eine Gnom hereinhuschen und sich seinen Weg zur Schank bahnen, schenkt ihm aber keine weitere Beachtung. Stattdessen trinkt Aurian den letzten Schluck ihres Bieres aus, legt einige Münzen auf den Tisch und geht Richtung Treppe, die ins Obergeschoß und somit zu ihrer Kammer führt. Eine der Mägd ruft ihr noch zu, dass sie sich um ihre Kleider kümmern würde und sie diese nur vor die Tür zu legen brauche. Aurian nickt ihr dankbar zu.

das vierte Zimmer im ersten Stock auf der linken Seite, wenn man die Treppe heraufkommt." hatte der Wirt gesagt und als Aurian die Tür öffnet steht sie in einer sehr gemütlichen Kammer. Eine der Mägde hat ihr eine Schüssel mit Wasser hingestellt und so kann sie sich noch eine schnelle Wäsche gönnen, ehe sie ins Bett sinkt und sofort in einen tiefen, traumlosen Schlaf fällt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 14. März 2004, 12:18 Uhr
Borgil redet mit dem jungen Mädchen und kommt dann hinüber zur Theke und blickt ihr über die Schulter. Etwas, was Halla gar nicht leiden kann, sie hat es nicht gerne wenn man ihr so auf die Finger sieht und wird dann meist nervös. Doch Borgil tätschelt ihr nur die Schulter und ein Lächeln schleicht sich auf Hallas Gesicht. Anscheinend war er ihr wohl doch nicht böse, dass sie sich mit dem Halbelben unterhielt, und wieso sollte er auch, schliesslich ist dies Teil ihres Berufs.

Nachdem Borgil dem Mädchen den Schlüssel ausgehändigt hat, tritt Thay-Lee zu Borgil, der sie zu sich gewunken hatte, wegen einem Botendienst. Doch als Halla hört, was Thay - Lee Borgil sagt, bleibt ihr die Spucke weg. Hab ich mich da jetzt gerade verhört!! Die ist gerade mal einen Tag im Dienst und hat noch nichts getan und jetzt sagt sie sie ist zu müde? Borgil scheint genau so verdutzt zu sein, doch ehe er Thay - Lee antworten kann, ist diese schon die Treppe hinauf geschlichen, zu ihrem Glück wird Borgil von dem abgelenkt, was da gerade durch die Eingangstür stolziert. Ist Halla eben nur die Spucke weggeblieben, bleibt nun auch ihr Mund offen stehen und sie reibt sich die Augen, um heraus zu finden, dass dies keine Illusion ist, die da durch die Tür kommt. "Bei allen zwölf Göttern, ich glaube nicht was ich sehe!", entfährt es ihr, als Ukko sich ganz unbekümmert und mit Stolz geschwellter Brust zur Theke vorarbeitet.

Halla hatte zwar Gerüchte gehört, dass Ukko angeblich beim Feldzug gewesen war und an Crons Seite gekämpft und Cron dabei sogar das Leben gerettet hatte, allerdings nicht durch seine Taten sondern durch sein Gequatsche. Allerdings ist Halla nicht sonderlich davon überzeugt, dass dies Borgil friedvoll stimmen würde, besonders nicht, nachdem was Thay - Lee sich gerade geleistet hatte. Borgil war immer gut zu seinen Angestellten, aber Arbeitsverweigerung, auch wenn man müde war, konnte er nicht leiden, auch Halla mag dies nicht. Und wenn nicht ein Wunder geschehen würde, so würde Thay - Lee wohl die längste Zeit hier gearbeitet haben. Aber Borgil steckt oft voller Überraschungen und reagiert manchmal anders als Halla es erwarten würde. So harrt sie einfach der Dinge, die da kommen, bleibt aber bereit Borgil möglicherweise von einer Dummheit abzuhalten, so wie sie es schon einmal getan hatte. Sie mochte Borgil einfach viel zu gerne, als dass sie ihn etwas tun lassen würde, wo selbst der Stadtrat  kein Auge mehr  zudrücken konnte.

Jareth ist im Moment ganz aus ihren Gedanken verschwunden und ohne grossartig hinzusehen, zapft sie eine Humpen bier, natürlich schäumt er über und eilig schliesst Halla den Hahn und ärgert ich über sich selber.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jareth am 14. März 2004, 12:38 Uhr
Die Geschehnisse in der Goldenen Harfe zu verfolgen erscheint Jareth ungleich spannender als ein Besuch auf dem Jahrmarkt. Er möchte Halla antworten, doch er muß einsehen, dass das während ihrer Arbeitszeit ganz offensichtlich ein schwieriges, wenn nicht gar vergebliches Unterfangen ist. Borgil und die seltsame, schwarzhaarige Frau kommen nun heran zu ihnen und der Zwerg übergibt ihr einen Schlüssel, der dem gleicht, den Halla Jareth am Vortag übergeben hatte. Ein neuer Gast also, denkt Jareth bei sich, und sein Blick bleibt an ihrem langen, schwarzen Haar und dann ein Stück tiefer hängen, als sie sich umdreht und einen Sitzplatz an einem nahegelegenen Tisch sucht.

Doch dann wird Jareths ganze Aufmerksamkeit von einem Gnom in Anspruch genommen, der sich zwischen den Beinen der anwesenden Gäste hindurch bis zur Theke und somit Borgil und Halla vorarbeitet. Ihm fällt Hallas Gesichtsausdruck ein, dass ihr der Mund beinahe offensteht, während sie den kleinen Kerl beobachtet, der stetig auf sie und Borgil zukommt. Was jetzt wohl passieren mag? Jareth nimmt seinen Bierkrug und macht es sich auf dem Barhocker gemütlich um der Dinge zu harren, die nun folgen mögen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 14. März 2004, 13:14 Uhr
Borgil hatte zwar gehofft, daß Thay-Lee etwas für ihn erledigen könne, aber daß das Mädel kaum noch auf den Füßen stehen kann, sieht sogar er und so schickt er sie ohne weitere Fragen nach oben. Hat das Bier wohl nicht vertragen... Wie auch immer, an Botenkindern mangelt es ihm nicht, er würde eben jemand anderen schicken. Als er Hallas ungläubiges Gesicht sieht, grinst er nur.
Borgil steht immer noch hinter der Theke neben Halla, als er etwas kleines, grünes und unglaublich hässliches mit langen Ohren und schmuddeliger Fellweste zwischen den Tischen und Gästen auftauchen sieht. Im ersten Moment glaubt er, seinen Augen nicht zu trauen, doch da steht er: Ukko der Gnom, in voller Lebensgröße, in Überlebensgröße (nun ja, soweit man bei einem Gnom von Größe sprechen kann). An Borgils Stirn beginnt eine Ader zu pochen. Er hatte die Geschichten über Ukko und den Feldzug schon gehört, wie wohl jeder in der Stadt, sie aber als Geschwätz abgetan und war erst gestern mit einem Blaumantel, der vehement behauptet hatte, er habe den Gnom mit eigenen Augen Seite an Seite mit dem Tronjer kämpfen sehen, darüber fast in Streit geraten. Der Gnom und kämpfen, lächerlich! Das einzige, mit dem die grüne Rotznase je gekämpft hatte, war sein großes Maul und sein Hosenbund, wenn er die Schnüre vor lauter Suff mal wieder nicht aufbekam. Wie immer der Gnom nach Liam Cailidh gelangt sein mochte, zweifellos hatte er sich während der Schlacht irgendwo versteckt, in die Hosen gepisst und gekreischt wie ein Bierweib. >Bei Sils rotem Bart und Schmiedehammer!<  Hatte Borgil gedonnert. >Ihr wollt mir doch wohl nicht erzählen, daß der stinkende Hundsfott in der Schlacht mitgekämpft hat. Als nächstes höre ich noch, daß er die sechshundert Narge allein verjagt hat!< Die Blaumäntel hatten etwas betreten gelacht und ihm versichert, daß Ukko zwar eine entsetzliche Landplage und ein fürchterliches Großmaul war und auch keineswegs allein die sechshundert Narge mit seinem Dolch  verjagt hatte - Ukkos Version der Geschichten dürfe man schließlich nicht glauben - aber nichtsdestotrotz wirklich und wahrhaftig gekämpft hatte (bei der Ehre ihrer Mütter!) und wenn er ihnen nicht glaube, könne er ja gern den Tronjer fragen. Den Tronjer fragen, den Tronjer fragen! Hatte Borgil die Stadtgardisten in Gedanken nachgeäfft und immer noch gehofft, sie erlaubten sich einen faulen Witz mit ihm, seine äh... Sympathie für Ukko war ja allgemein bekannt in der Stadt. Das letzte, was er will, ist den Tronjer fragen, Sil-an-seiner-Schmiede-nochmal! Ukko ein Kriegsheld, das ist... das ist ja.... das ist einfach.... so.... so... ja genau. Genau das ist es! "Halla, kneif mich und sag mir, daß das nicht wahr ist," murmelt er in seinen Bart, aber ob seine Oberste Magd ihn hört, kann er beim besten Willen nicht sagen. Er weiß nur, daß sie gespannt wie eine Sprungfeder neben ihm steht, wahrscheinlich, um dem kleinen Misthaufen auch ein zweites Mal das Leben zu retten, sollte er sich auf ihn stürzen. Was immer Ukko bei Liam Cailidh getan hatte, irgendwie - und wie das möchte Borgil ja nur zu gerne wissen! - steht er wohl unter dem Schutz des Tronjers, das dringt sogar durch die roten Wutschleier hinter seinem narbigen Zwergenschädel. Noch mehr als diese Tatsache jedoch beschützt Ukko Borgils Wissen, daß der Tronjer irgendwie mit Niniane verbandelt ist - und was sie dazu sagen würde, wenn sie Gnomenfrikasse auf ihrer Türschwelle fände, will Borgil wirklich nicht wissen. Daß er Niniane damit höchstwahrscheinlich einen großen Gefallen täte, kann er ja nicht wissen. Gallenbitter schluckt er seinen rechtschaffenen Zorn auf das stinkende Ekel hinunter und erstickt fast daran. Du darfst ihn nicht umbringen, du darfst ihn nicht umbringen, du darfst die kleine Mistkröte nicht anfassen, das ist nur ein lächerlicher Gnom, aber er steht wohl unter dem Schutz des Tronjers, du darfst ihm kein Haar krümmen... denk an Niniane und laß ihn unversehrt... gaaaaaaaaaaaaanz ruhig, Borgil. Pfirsich. Grün. Pfirsich. Grün. Einatmen. Ausatmen, komm schon. Sil, Zwergenvater und all deine Archonen, ich brauche einen Schluck Feuerwein, und zwar plötzlich! Gut, also schön. Er würde Ukko am Leben lassen - vorerst. Aber niemand, kein Tronjer und keine Niniane der Welt, mag er ihr noch so viel schulden, würde ihn dazu bringen, freundlich zu der hässlichen Kröte zu sein. "Halt's Maul, Ukko," knurrt er also folglich und knallt dem Gnom einen Humpen Bier vor die Nase. "Wie jeder, der gekämpft hat, bekommst du etwas ausgegeben. Aber bilde dir ja nicht ein, daß du nach dem einen Krug noch weiter auf meine Kosten saufen kannst!"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 14. März 2004, 13:45 Uhr
Halla ist verdutzt über Borgils Reaktion auf Thay - Lee, aber gut vielleicht weiss er mehr als Halla und müde sah das Mädchen wirklich aus. Doch dann erblickt Borgil Ukko, der gerade auf einen der Stühle vor der Theke klettert, direkt neben Jareth. Ukko stinkt zum Himmel her nach diesem fürchterlichen Kraut, das er in seiner Pfeiffe raucht, und fast wird Halla schlecht bei dem Geruch, doch sie kann sich beherrschen. Immer wieder wandert ihr Blick von Ukko zu Borgil. In Borgils Gesicht kann man lesen wie in einem offenen Buch, er versucht sich mit aller Macht zu beherrschen, und als er Halla leise fragt, ob sie ihn mal kneifen könnte, ist sie fast versucht es zu tun, doch dann hält sie ihre Hand zurück, es würde nichts nützen, der Gnom würde sich nicht einfach in Luft auflösen, nur weil sie Borgil in den Arm kneift. Dem Gnom scheint es überhaupt nichts auszumachen das Borgil ihn mit vor Zorn und Wut sprühenden Augen ansieht.

Halla greift nach einer Flasche Feuerwein, die sie unter der Theke versteckt hält. Sie weiss, dass es das einizige Getränk ist, dass Borgil beruhigen kann, wenn er überschäumt vor Wut. Borgil braucht eine ganze Weile ehe er sich soweit im Griff hat, um Ukko etwas zu sagen und was er sagt erstaunt Halla an diesem Tag ein zweites Mal. Borgil gibt diesem grünen Ungeheuer sogar noch einen Humpen Bier aus. Halla hätte sich fast auf ihren Hosenboden gesetzt so verblüfft ist sie. Aber aus welchen Beweggründen Borgil dies macht, er wird schon wissen wa er tut. Die Ader auf Borgils Stirn ist mittlerweile feuerrot und pocht wie ein Schmiedehammer auf dem Amboss. Schnell schenkt Halla dem Zwerg ein grosses Glas Feuerwein ein und schiebt es ihm herüber. "Hier Borgil trinkt das, " flüstert sie ihm leise zu, "und ignoriert diesen Wicht einfach, er ist es nicht wert, das man sich an ihm die Finger schmutzig macht und das im wahrsten Sinne des Wortes. "

Halla wirft einen kurzen Blick zu Jareth, der das ganze aufmerksam verfolgt und sie verdreht leicht die Augen und deutet dann auf Ukko, der seinen penetranten Geruch verströmend, grinsend auf seinem Hocker sitzt und den Humpen Bier vor sich betrachtet. Was immer dieser Gnom auf dem Feldzug auch gemacht hat, anscheinend war es etwas, was Borgil davon abhält, ihm hier gleich auf der Stelle den Hals umzudrehen. Aber Halla ist sich sicher, dass sie nicht mehr lange warten müsste, bis Ukko in einem unheimlichen Lügengebilde, seine Version der Schlacht zum Besten gibt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ukko der Gnom am 14. März 2004, 14:32 Uhr
Ukko sieht Borgil und Borgil sieht Ukko. Und dann passiert.......nichts. Borgils Zornesfalten und die pulsierende Ader auf seiner Stirm glätten sich wie die See nach einem überstandenen Orkan.  Ukko hatte vorsorglich ein Bein nach hinten gesetzt um im Notfall wie ein Wiesel davonwuseln zu können, aber es war nicht nötig. Nichts war nötig. Der böse alte vierschrötige Borgil ist auf einmal zum barmherzigen Samariter mutiert. Er lächelt sogar, wenn auch gequält. Und  als das I-Tüpfelchen schlechthin, stellt er Ukko sogar ein Bier vor die Nase, ein "Freibier"  wie er zwischen seinen Walrossbarteln hervornuschelt. Und wie es so ist, gibt man Ukko den kleinen Finger ist nicht nur die Hand sondern der ganze Arm in Beschlag genommen.
Der eben noch ängstliche Ukko erfährt einen Schub von Grössenwahn in nie gekanntem Ausmass. Verflogen ist jede Angst und dazu noch jeder Respekt. Wer jetzt nicht schleunigst die Beine in die Hand nimmt, der wird gleich Zeuge einer epischen Lügengeschichte die seines gleichen sucht.

Ukko nimmt wie selbstverständlich das Bier entgegen, umklammert den Krug wie ein Ertrinkender den rettenden Baumstamm und nimmt einen Zug, bei dem jedem Säufer die Luft wegbleiben würde, blickt gewichtig in die Runde und sagt nur fünf Worte: " Die Stadt ist wieder sicher"!

Er wartet drei Sekunden bevor er weiterredet und fühlt sich so feierlich, als habe man ihn gerade zum König von Talyra gekrönt: " Es war eine kalte Nacht, schwarz wie ein Grab und es stank nach Nargen. Ich und Cron kommen wie die Leibhaftigen aus dem Nebel gesprungen. Ich werfe Cron meine Axt zu, denn er hatte seine Zu Hause vergessen weil Niniane sie ihm nicht eingepackt hatte, Frauen eben, ha! Ich habe also nur noch den Dolch, doch es reicht mir, damit bin ich gefährlicher als ein Wolfsrudel das Tollwut hat.  Ich also vorneweg, Cron direkt hinter mir,  also da wo es am sichersten ist . Ich schwinge meinen Dolch zerfetze Achillesfersen und Kniekehlen, hinter mir kann Cron die Reste von der Platte putzen.  Dann komt Olyvar von Tarascon auf mich zu gerannt, er blutet, aber er steht. Ich sage noch " reisst euch zusammen Lord Commander, Fleischwunden habe ich genauso",Narben machen einen Mann  erst zum Mann ...oder Gnom.... "Die Schlacht ist verloren" hör ich ihn verzweifelt sagen   " Ukko mein Freund, wir werden sterben"  " Nein das werden wir nicht mein Lord" erwidere ich "solange diese Muskeln, dieser Geist in diesem meinem Körper lebt und pulsiert werde ich kämpfen. " Cron" schreie ich " nimm mich auf deine Schultern, wir lassen die Hölle los"  und wir taten es, wir hackten, wir zerfleischten, wir rissen wir vernichteten..wir ..... "

Ukko schwitzt mittlerweile wie einer der gerade 10 Hektar Land mit einer Gabel gepflügt hatte.  Jeden Schlag, jeden Stich macht er mit der Hand nach, seine Augen sind ganz glasig geworden, als hätte er den Kampf genauso vor sich, als würde er ihn noch einmal durchmachen.

Er nimmt noch einen tiefen Schluck aus dem Becher , lässt sich zurücksinken und hört sein Herz pochen.

" Ja so wars ......es war die Hölle es war das Armageddon..."

"Ich und Cron, Waffengefährten, Brüder im Geiste .... ich bin  Ukko von Tronje"

Ukko blickt sich despotenhaft um, gleich muss Beifall auf ihn herabstürmen, er hatte alle hier im Raum gerettet und ihre Familien, das Land und überhaupt die ganze Welt


" Na das ist doch noch ein zweites Bier wert, oder nicht" grinsend schiebt er seinen leeren Krug über die Theke  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jareth am 15. März 2004, 08:59 Uhr
Gebannt blickt Jareth zwischen Borgil und dem Gnom, den er Ukko nennt, hin und her und es mehr als deutlich, dass der Zwerg den Gnom nicht ausstehen kann. Insgesamt geben die beiden ein köstliches Bild ab, während Halla sichtlich gespannt daneben steht, als müsse sie Schlimmeres verhindern. Der Gnom erzählt in einer Lautstärke, als müsse er die ganze Harfe unterhalten, davon, wie er die Nargschlacht entscheidend beeinflußt habe und während er spricht, scheint er eine ganze Elle größer zu werden. Jareth rümpft die Nase ob der deutlichen Ausdünstungen Ukkos und mit einiger Sorge betrachtet er die deutlich pochende Ader an Borgils Schläfe. Er sollte sich um eine Bleibe kümmern ehe der Zwerg explodierte oder sonstwie in die Luft ginge. Zu allem Überfluß verlangt der Gnom jetzt auch noch nach einem zweiten, offensichtlich ebenso kostenlosen Bier.

"Verzeiht, wenn ich mich einmische, aber so ein Held wie Ihr, mein Freund, das muß gefeiert werden. Euer nächstes Bier soll auf meine Rechnung gehen." Jareth bringt ein aufrichtiges Grinsen zustande, während er den Zwerg nicht aus den Augen lässt. Er hofft durch seine Einladung das Schlimmste offensichtlich Anstehende verhindern zu können und vor allen Dingen endlich mit dem Zwerg sprechen zu können. "Meister Borgil, ich bin zwar kein Krieger aber ich habe dennoch ein Anliegen an Euch. Könnt Ihr einige Momente Eurer Zeit für mich erübrigen?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Linea am 15. März 2004, 16:02 Uhr
Linea betritt mit zaghaften Schritten die Goldene Harfe und sieht sich um. Die Menschen unterhalten sich und scheinen sie gar nicht zu beachten. Manchmal streift sie ein fremder Blick. Sie geht zu einem leeren Tisch, der in der hinteren Ecke steht und setzt sich. Ihre Tasche legt sie auf den Sessel daneben. Lange sieht sie sich die veschiedenen Leute an. Da steht Borgil vor. Sie bestellt ein Glas Quellwasser. Als sie es bekommt, nimmt sie gleich einen Schluck und stellt es wieder vor sich auf den Tisch.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aurian am 15. März 2004, 20:05 Uhr
Wovon Aurian plötzlich aufwacht, weiß sie nicht. Draußen ist es dunkel und der Mond schaut nur verstohlen hinter einem Wolkenfetzen hervor. Durch die Tür dringen gedämpft die Geräusche der Gaaststube herauf, aber diese können sie auf keinen Fall geweckt haben.
Einen Augenblick lang fehlt ihr die Orientierung. Dann fällt es ihr wieder ein: Sie ist in Talyra, am Ende ihrer Reise und am Anfang ihrer Suche nach ihrer Herkunft und vielleicht am Beginn ihres neuen Lebens. Ein leichter Anflug von Heimweh überkommt Aurian und eine einzelne Träne rinnt verstohlen über ihr Gesicht. Sie wischt sie nicht weg. Hier in der Einsamkeit der Kammer schämt sie sich ihrer nicht. Aber gleichzeitig wandern ihre Gedanken auch zurück zu jenem schicksalhaften abend in der Schenke ihres Dorfes und sie sieht wieder die schwarzen, stechenden Augen der Alten vor sich, hört ihr hämisches Lachen und immer wieder die Worte, die sich wie Branntzeichen in ihr Herz, in ihre Seele gebrannt haben:"Findelkind, Bastard".
Bei dem Gedanken daran rinnen immer mehr Tränen über ihr Gesicht. Ihr Leben, wie es bisher war, ist vorbei. Die blicke, mit denen sie seit diesem Tag bedacht wurde, waren einfach nicht zu ertragen.
Draußen auf dem Gang sind Schritte zu hören. Ein weiterer Gast hat wohl den Schankraum verlassen und sich in sein Zimmer begeben. "Hoffentlich hat er mein Geschniefe nicht gehört, " denkt Aurian bei sich, obwohl sie sich manchmal jemanden wünscht, dem sie ihr Herz ausschütten kann. Aber einfach auf jemanden zugehen und ihr Leid klagen, nein, dazu fühlt sie sich zu verletzlich und davor hat sie auch zu viel Angst. So versucht sie den Rest der aufsteigenden Tränen zu unterdrücken und beißt in die Decke um nicht aufzuschluchzen. "Bitte Schlaf, komm wieder zu mir zurück", fleht sie in Gedanken.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 15. März 2004, 20:35 Uhr
Es ist so wie Halla vermutet hat, Ukko lügt das sich die Balken biegen und das Blaue vom Himmel herunter. Sie glaubt ihm zwar, dass er bei der Schlacht war, das hatte sie von genügend anderen schon gehört, aber dass ausgerechnet dieser eklige Gnom den Lord Commander gerettet haben soll, das würde sie selbst dann nicht glauben, wenn die Hölle zufriert. Sie schüttelt bloss immer wieder den Kopf,  und je mehr Ukko erzählt, um so harrsträubender werden die Geschichten. Halla verdreht die Augen und auch Borgil kann sich das Gesülze nicht mehr anhören und scheint kurz davor zu sein, dem Gnom doch noch etwas anzutun.

Jareth hingegen scheint amüsiert den Geschichten des Gnoms zuzuhören, Halla weiss nicht wieviel er dem Gnom glaubt, schliesslich kennt Jareth Ukko und seine blühende Phantasie nicht, zumindest scheint Jareth so beeindruckt zu sein, von Ukkos Erzählungen, dass er ihm das nächste Bier ausgibt. Halla stöhnt leise auf, sie hatte gehofft, dass sich der Gnom verziehen würde, wenn er kein Bier mehr bekäme und er mit seinem widerlichen Geruch endlich von ihrer Theke verschwinden würde, aber keiner der Götter schien ihre Gebete gehört zu haben.

Ukko strahlt über das ganze Gesicht und sein Mund reicht fast von einem bis zum anderen seiner grossen Ohren, als Halla ihm unwillig das Bier vor die Nase stellt. Sie beugt sich zu Jareth hinüber und flüstert ihm etwas zu, so das Ukko es trotz seiner grossen Ohren nicht hören kann. "Ich hoffe ihr wisst, was ihr gerade getan habt, ich habe die Befürchtung jetzt werdet ihr sein bester Freund sein und ihn so schnell nicht mehr los werden. Gnome können unheimlich anhänglich sein."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ukko der Gnom am 16. März 2004, 00:15 Uhr
Ukko blickt sich beleidigt um. Er hatte doch etwas mehr Beifall erhofft. Halla und Borgil stehen da wie zwei Salzsäulen, dem einen pocht die Ader auf der Stirn wie eine Kuckucksuhr die kleine Mogbardame roll die Augen gen Himmel als würde sie ein Eingreifen der Götter erflehen wollen.

" Als ob iiiiiiiiiiihr dabeigewesen wärt " zetert Ukko wie eine Elster:"....könnt ihr doch gar nicht wissen ob das nicht stimmt, denn es stimmt, weils ja stimmt, aber wie Großvater Bukko schon richtig gesagt hat, der Prophet gilt eben nichts in seinem Vaterland, auch wenn er dieses unter dem Einsatz seines Lebens ......"  es folgt ein ellenlanger Vortrag über die Ungerechtigkeit Gnomen gegenüber und  die schlechte Behandlung von  Leuten die eben nicht plumpe Riesengeschöpfe darstellen sondern von filigranem Wuchs sind wie Gnome eben........bis Halla allen ernstes in Erwägung zieht dem Gnom doch noch ein Freibier auszugeben damit wenigstens diese unsägliche Selbstbemitleidung ein Ende hat, die war nämlich noch schwerer auszuhalten als Ukkos Lügengeschichten. Doch ein Gast, den Halla Jareth nannte, kommt ihr zuvor und spendiert Ukko einen weiteren Humpen Schwarzbier, ob ehrlich beeindruckt oder köstlich amüsiert über das Geschwafel des Gnoms bleibt allerdings sein Geheimniss.

" Na also wenigstens einer, der es zu würdigen weiss, wenn man ihm Haut und Haar gerettet hat ......und denkt immer daran, die Narge, wenn sie denn Talyra erreicht hätten, hätten die Harfe hier in einen Trümmerhaufen verwandelt...und wenn Borgil noch so sehr mit seiner Axt rumgefuchtelt hätten, denn es waren tausende...der ganze Horizont wimmelte von ihren schwarzgeschuppten Leibern......." Ukkos Stimme bekommt langsam diesen lalligen Unterton

" deswegen meine liiiiiiiiiebste Halla, tut das was ihr am besten könnt und das was euch für immer in meinem Herzen wohnen lässt ." säuselt Ukko schielenderdings.........." SCHENKT MIR EIN......bis zum Rand"

Ukko dankt dem edlen Spender mit einem mehr oder weniger millitärischen Gruss, in dem er zwei Finger an die Ohren legt.

" Damke mein Freund, Ich bin übrigens Ukko ......Ukko von Tronje ......aus Tronje ....TRONJE....kennt ihrs nicht?

Es ist zu bezweifeln, dass Ukko selber weiss, was oder wo Tronje ist , aber wenn Croni diesen Namen angenommen hat, dann wird es schon seinen Sinn haben und warum sollte Ukko nicht auch das tun, was Croni tat?  Croni war ja sein Freund.


Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Mistress Neun am 16. März 2004, 11:16 Uhr
Als sie die Tür öffnet, schlägt ihr die abgestandene Luft wie eine Mauer entgegen. Es riecht wie immer nach gutem Essen und nach viel Alkohol. Auch der Geräuschpegel ist wie üblich hoch und so hört keiner, wie die Tür wieder schwer in die Angel fällt. Kurz bleibt sie an der Tür stehen um sich einen Überblick zu verschaffen und sich in der fast überfüllten Harfe einen kleinen Platz zu suchen. Und tatsächlich, am Fenster sind sogar noch zwei, drei Plätze frei. Da hab ich ja mal Glück.
Vorsichtig bahnt sie sich mit ihrem Korb einen Weg durch die Tische und Bänke. Der ein oder andere Blick eines grinsenden Mannes bleibt ihr nicht verwehrt, doch schließlich erreicht sie den Tisch, schiebt den Korb unter die Bank und nimmt mit einem Seufzer Platz. Borgils Mädchen arbeiten gut, direkt steht eine der kleinen Mogbars neben ihr und fragt nach der Bestellung. Sie gönnt sich eine Schale des guten Eintopfs und ein Kelch verdünnten Wein. Sofort eilt die Bedienung davon und verschwindet in der Küche. Vom Tresen her hört sie eine laut quiekende Stimme, und als sie es schafft, über die Köpfe der Leute hinweg einen Blick in die Richtung zu erhaschen, sieht sie nur ein kleines, grünes Etwas, das wild mit den Armen gestikuliert. Sie schafft es nicht, sich ein Schmunzeln zu verkneifen. Leute gibt es.

Doch sie wird schon abgelenkt von dem Spektakel. Die kleine Mogbardame steht wieder neben ihr und stellt ihr die Schale und den Kelch hin. Und noch bevor sie sich bedanken kann ist sie auch schon wieder verschwunden. Kein Wunder, das Borgils Geschäft so gut läuft. Wenn alle so schnell sind.
Während sie genüsslich den Eintopf löffelt, beobachtet sie die ein oder anderen Leute im Raum. Das sie selbst von einigen Seiten schief angeschaut wird, merkt sie nicht, oder will es nicht merken.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aurian am 16. März 2004, 16:05 Uhr
Der Schlaf ist aber alles andere als gnädig zu Aurian und so wälzt sie sich von einer Seite zur anderen. Hellwach ist sie nun. Schließlich hat sie genug. Der Tränenstrom ist wieder versiegt und so beschließt sie, nochmal in den Schankraum hinunter zu gehen und etwas die Leute zu beobachten, am Geschehen teilzuhaben und sich so von ihren Sorgen abzulenken.
Die Mägde haben ihre Kleider noch nicht geholt und so schlüpft sie in ihre Hosen, nachdem sie den Staub aus dem Fenster gebeutelt hat (hoffentlich stand da gerade niemand). Aus ihrer Tasche kramt sie daqs sauberste Hemd, fährt sich durch ihr Haar und wischt schnell mit einem Tuch die letzten Tränenspuren aus ihrem Gesicht.
Ein Blick in den kleinen Spiegel an der Wand sagt ihr, dass sie zwar blass, aber ansonsten halbwegs akzeptabel aussieht.
Mit einem Seufzer verlässt sie ihr Zimmer und geht die Stufen wieder hinunter.
An der Bar gestikuliert der Gnom, dessen Eintreten sie vorhin flüchtig wahrgenommen hat heftigst und scheint dem Gast neben ihm auf das geauerste eine Begebenheit zu schildern wobei er Hände und Füße zu Hilfe nimmt. Aurian glaubt in diesem Mann den zu erkennen der sie vorhin, als Borgil ihr den Schlüssel ausgehändigt hat, genau gemustert hat. Aber was solls.
Zwei Plätze sind noch frei und auf einen lässt sie sich fallen und bestellt bei einem der Mädchen ein Glas Quellwasser. Alkohol hat sie heute schon genug gehabt, außerdem ist sie ihn nicht gewohnt und dann würde sie womöglich hier vor allen Leuten zu heulen beginnen. Während sie den Becher zwischen den Händen dreht, blickt sie sich um, lässt die Stimmung auf sich wirken und hofft ihren Kopf wieder von den triesten Gedanken frei zu bekommen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 16. März 2004, 17:20 Uhr
Lange steht Azra einfach am Fenster und lässt alle Geräusche auf sich wirken welche zu ihren Ohren dringen. Erst als sie leicht zu frösteln beginnt, wendet sie sich ab und ihr Blick fällt auf das essen, welches immer noch auf dem Tischchen neben dem Bett steht. Der Zwerg wird bestimmt wütend, wenn ich das Essen nicht aufgegessen habe.. Aber.. Schnell schaute sie woandershin, denn sie merkte bereits wie ihr Magen sich seltsam zusammenzog. Die Kammer in welcher sie sich befand war klein und doch hatte sie etwas anziehendes an sich. Diese Gemütlichkeit, Feundlichkeit... Es war wie ein kleines Zuhause. Lächelnd wendet sich Azra von diesem Anblick ab und begibt sich zur Türe. Sie hasste es lange herumzustehen und einfach zu warten. Vielleicht konnte sie in der Küche irgendwie helfen oder so. Leich ustete sie und stütze sich schnell am Türrahmen ab. Ich hasse es nichts tun zu können, das geht mir gehörig auf den Geist! Leise öffnet sie die Türe und tritt heute zum Zweitenmal auf den Gang hinaus. Die kühlen Bretter unter ihr, lassen sie spüren wie warm sie selbst hat. Leicht zerrt sie an dem hemd das sie anhat, damit auch Niemand etwas sieht. Es war eh schon ziemlich kanpp. bücken durfte sie sich nun wirklich nicht. Nochmals hustet sie, fester als zuvor und schleicht sich zur Treppe und diese schliesslich auch hinunter. Von der untersten Treppenstufe aus, versucht sie Halla auszumachen um diese zu fragen, ob sie ihr irgendwie in der Küche behilflich sein könnte. Gleichzeizig stützt sie sich so an der Wand ab, das Niemand ein Blick auf ihe Ohren und den Grösstenteil ihres Gesichtes werfen kann. Als eine Schankmaid vorbeiläuftm hält Azra sie am Aermel fest und fragt schnell, ob sie Halla hierher holen könnte. Das Mädchen schien erst skeptisch zu sein, nickt dann jeodch leicht, bevor sie wieder in der menge verschwindet. Schnell huscht Azra zwei Treppenstufen weiter hinauf um Fremden nicht neugierig zu machen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 16. März 2004, 20:44 Uhr
Die Harfe füllt sich immer mehr, erst betritt eine zierliche, rothaarige Person die Harfe, die sich ganz still und leicht verängstigt an einen der Tische plaziert, dann erscheint von oben die dunkelhaarige Frau wieder, die eigentlich erst eben zum schlafen hochgegangen ist, und kurz darauf betritt auch Mistress Neun, die Goldschmiedin, die Harfe. Riechen die alle, dass es hier was besonderes gibt? Naja wäre gut möglich, der Gnom verströmt ja genug Gestank. Ukko erzählt weiter irgendwelche Lügengeschichten und unterhält damit fast die ganze Harfe, die meisten Gäste, die mitbekommen, was Ukko vom Stapel lässt, grinsen nur , weil sie wissen wie sehr Gnome übertreiben können, aber in einigen anderen Gesichter sieht Halla ungläubiges Staunen und sie hofft das Ukkos Geschichten nicht allzuviel Glauben geschenkt wird, ansonsten kocht die Gerüchteküche Talyras bald über.

Als Ukko ihr erklären will sie wüsste nichts über kleine Leute, kann sie nur lachen, sie selber ist gerade mal 1.20 m gross und weiss genug über kleine Leute. Aber sie antwortet Ukko nicht, jedes Wort an diesen Gnom wäre verschenkt. Dann wird Halla von einem der Schankmädchen angesprochen und zur Treppe hinüber gebeten, weil dort ein Gast sie zu sprechen wünscht. Halla blickt zur Treppe hinüber, die halb im Dunklen liegt und kann nichts entdecken, ausser ein paar sehr hellhäutigen Beinen und dem unteren Teil eines Hemdes. Das wird doch wohl nicht dieses Blutelbengör sein. Wenn die jemand hier sieht, jetzt wo die Harfe so voll ist und ' Held Ukko' auch noch hier ist. Ich darf gar nicht daran denken, was alles passieren könnte. Ohne sich weiter um Ukkos Gezetere zu kümmern, wirft sie Borgil nur einen kurzen Blick zu und deutet mit dem Kopf zur Treppe. Dann ist sie auch schon hinter der Theke verschwunden.

Als sie die Treppe erreicht, bestättigen sich ihre Befürchtungen. Die Blutelbe steht dort nur mit einem Hemd bekleidet , zwar schmiegt sie sich ins Dunkle trotzdem besteht die Gefahr, dass sie gesehen wird. "Könnt ihr mir mal sagen, was ihr hier unten macht und dann noch in diesem Aufzug, was ist wenn euch jemand sieht, seid ihr so heiss darauf am nächsten Baum aufgeknüpft zu werden. Lasst uns in euer Zimmer gehen und zwar hurtig, ehe noch etwas geschieht und ihr gesehen werdet." Halla packt die Blutelbin am Arm, nicht fest aber äusserst energisch und geht mit ihr die Treppe hinauf in das Zimmer, in dem die Elbin wohnt. Als beide im Zimmer stehen, schliesst sie die Tür. "Was gibt es so dringendes, dass ihr fast in einen überfüllten Schankraum lauft ? Habt ihr immer noch nicht begriffen, dass sich die Leute langsam an euch gewöhnen müssen und erst einmal die Vorurteile gegen euch abbauen müssen, das geht nicht von heute auf morgen. Ihr müsst vorsichtiger sein." In Hallas Stimme klingt der Vorwurf deutlich heraus, aber auch der Unterton der Sorge, um das Leben der Blutelbin, ist deutlich zu hören.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 16. März 2004, 21:03 Uhr
Sie versucht ein Lächeln hervorzubringen, als sie sieht wie sich die Mogbrafrau ihren weg zu ihr bahnt, doch bevor Azra etwas sagen kann spricht die kleine frau bereits auf sie ein. Etwas erschrocken lässt sie sich hochziehen, zurück ins zimmer. Dann hätte ich auch gleich hier bleiben können... Irgendwie schaff ich es nie über die Treppe hinaus.. Mit ängstlichen Augen hört sie der Mogbarsfrau zu und senkt dann ihren Kopf: "Ich wollte wirklich nicht... also.. Ich möchte euch keine Schwierigkeiten bereiten, und zur Last fallen will ich euch schon gar nicht... Aber... Ich wollte doch nur fragen ob ich vielleicht in der Küche helfen könnte, dort würde mich auch Niemand sehen und.. "Eine Husten unterbricht ihre lauter werdende Stimme und zuerst muss sie Atem holen:" Glaubt ihr wirklich, die Leute könnten sich an eine Blutelbin gewöhnen?" Mit einem leisen Aechzen setzt sie sich auf den Bettrand, verschränkt ihre Hände und schaut die Frau fragen und doch lächelnd an: "Ich bin nur hinuntergkommen, damit ich fragen konnte ob es nichts zu tun gibt. Wisst ihr, ich kann nie lange still sitzen."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Linea am 16. März 2004, 21:06 Uhr
Linea sieht dem Treiben in der Harfe gespannt zu. Sie greift ein letztes Mal zu ihrem Glas und trinkt auch noch den letzten Schluck aus. Sie nimmt ihre Tasche, welche sie auf den Sessel neben sich gelegt hatte und geht bei den ganzen fremden Personen vorbei. Sie fühlt ein paar Blicke, so scheint noch immer nicht wirklich beachtet zu werden.
Sie geht zur Schank, wo der Wirt Borgil steht und bittet ihn um ein Zimmer für eine, oder auch mehrere Nächte. Nachdem sie den Schlüssel bekommen hatte, und er ihr den Weg in das Zimmer erklärte, gibt sie ihm ein paar Münzen für das Glas Quellwasser und geht die Treppen hinauf, die zu den Zimmer führen.

Nachdem sie sich das Zimmer teils eingerrichtet hatte, geht sie mit einem mittelgroßen gelben Zettel und ihrer beigen Umhängetache aus Leder und beigen Stoff, aus der Harfe.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 16. März 2004, 21:32 Uhr
Halla ist im ersten Moment nicht sicher Azras Worte richtig verstanden zu haben, aber als sie zum Schluss noch einmal wiederholt, dass sie gerne etwas tun würde, bestätigen sich die ersten Worte. "Ähm..." entfährt es Halla, eher ungewollt. "Ihr wollt mit diesem Gehuste in der Küche arbeiten? Entschuldigt, aber Sigrun, die Köchin, würde euch keinen Fuss in die Küche setzen lassen, so lange ihr noch nicht gesund seid. Hmmm, ihr wollt arbeiten, hmmm...., hmmm....., in der Schankstube könnt ihr auch nicht arbeiten, da würden euch zu viele Leute sehen. Die Stallknechte sind einfache Burschen und würden sich sicherlich vor euch fürchten. Mädel, das ist alles nicht so einfach, wie ihr euch das vorstellt. Vielleicht könntet ihr den Zimmermädchen hier oben zur Hand gehen, aber jetzt sind schon alle Zimmer gerichtet, das wird morgens erledigt, wenn die Gäste die Zimmer verlassen haben, dann würden euch auch nicht so viele Leute sehen. Allerdings muss ich das noch mit Borgil absprechen, ich kann keine Leute einstellen, das macht er. Heute Abend habe ich wirklich nichts, was ihr tun könntet, es tut mir leid."

Hallas Blick fällt auf den noch vollen Teller mit dem Essen. "Ihr habt noch nichts gegessen? Das solltet ihr, wenn ihr arbeiten wollt. Die Arbeit hier ist kein Spaziergang, sonden Schufterei, da braucht man ein gutes Essen."


Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 16. März 2004, 21:43 Uhr
Durch Die Worte der kleinen Frau ein wenig enttäuscht schnauft sie vernehmlich auf. Irgendwie würde sie sich bewegen müssen, sonst würde sie noch wahnsinnig werden. Doch dann umspielt wieder ein Lächeln ihre Lippen: "Ich.. Also.. Das Essen ist bestimmt gut, aber.. "Wenn sie schon nur daran denkt spürt sie das mulmige Gefühl im Magen und schüttelt leicht den Kopf: "Ich mag nicht essen. Es wird mir schon nur beim ansehen schlecht davon, i..ich.. weiss auch nicht woher das kommt... Aber.. Also.. " Sie hat keien Ahnung wie sie erklären soll, das ihr einfach schlecht wird, wenn sie das Essen ansieht. Kleinlaut setzt sie hinzu: "Ich mache euch nur SChwierigkeiten. Ich ärgere mich selbst darüber. Und jetzt stehl ich euch schon wieder Zeit, wo ihr doch bestimmt unten im Schankraum gebraucht werden würdet." Schnell wickelt sie die Decke um ihre Schultern und starrt mit glasigen Augen gerade aus. Reden, was bringt es... Ich könnte ihnen also amMorgen helfen? Vielleicht wäre das eine gute Idee. Dann fällt ihr plötzlich etwas ein. "Also ich will hier nicht als Angestellte arbeiten, ich möchte nur meine Schulden abarbeiten, ich meine... Für Alles was ihr für mich getan habt... Dafür will ich arbeiten. Ich kann leider nicht sagen, das ich viel von Arbeit verstehe, ich meine.. Wie lautet eigentlich euer Name?" So blitzschnell lenkt sie vom Thema ab, das sie beinahe selbst nicht folgen kann und einen Moment später würde sie sich am liebsten selbst ohrfeigen. Das war jetzt wirklich zu auffällig..

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 16. März 2004, 22:01 Uhr
Halla merkt wie ernst es dem Mädel ist, und sicher macht sie ihnen Arbeit, aber das macht jeder Gast in irgendeiner Form, der eine mehr der andere weniger, und wenn sie an den Gnom da unten denkt, der macht ihnen weitaus mehr Arbeit, und Ärger als dieses Mädel, das dort auf dem Bett hockt. Als das Mädel plötzlich ganz rasch das Thema wechselt und Halla nach ihrem Namen fragt, kann Halla nicht anders und prustet los. Als sie sich ein wenig beruhigt hat, spricht sie mit immer noch kleinen Lachern in der Stimme. "Mein Name ist Halla und was ihr können müsst, das bringen euch die Mädchen schon bei. Martha, das oberste Zimmermädchen, hat schon viele hier angelernt und sie wird euch schon sagen, was ihr zu tun habt. Aber selbst wenn ihr nicht als Angestellte hier arbeiten wollt, so muss ich trotzdem Borgil fragen, ob ihr so eure Schulden hier abarbeiten könnt. Er ist nun einmal der Besitzer hier und ich kann so etwas nicht entscheiden, schliesslich ist es sein Geld und nicht meines."

Halla geht hinüber zu dem Tisch auf dem das Essen steht und nimmt das Tablett hoch. "Seid ihr vielleicht anderes Essen als dieses gewöhnt? Wenn ja, sagt was ihr gerne esst, vielleicht kann Sigrun ja etwas zubereiten. Denn ihr müsst essen, ihr seht jetzt schon so aus, als könnte der Wind ein Lied auf euren Rippen pfeiffen. Und verhungern lassen werden wir euch sicher nicht, das würde dem Ruf der Harfe schaden, in der Harfe ist nämlich noch keiner verhungert und sie ist berühmt für ihr gutes Essen. Wie sähe das denn aus, wenn dann jemand hier nichts essen würde und vom Fleisch fällt."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ukko der Gnom am 16. März 2004, 22:20 Uhr
Einige Schaulustige haben sich um den Gnom gescharrt, halten sie ihn doch für eine Art Possenreisser, der anscheinden vom Harfenwirt angeheuert worden ist um für etwas Unterhaltung zu sorgen.

" Hässlich ist er ja, aber seine Geschichte ist wirklich spannend" murmelt einer der Zuschauer zu seinem Kollegen neben ihm.

" HÄSSLICH? ....." Ukkos grosse Ohren, sonst taub für jedes vernünftige Wort dass an ihn gerichtet wird hat diese Beleidigung seiner hochwohlgeborenen Person wie eine Radarantenne aufgefangen.

" Hast du eine Ahnung" krakeelt er durch den Raum..."Ich und Hässlich, das kenn ich aber anders,  ich habe mehr Burgfrolleins in den siebten Himmel ge***** als  du Haare im Bart hast."  
Derjenige der  Ukko seiner Meinung nach tödlich beleidigt hatte, trägt eine stattliche Gesichtsbehaarung.

" Wenn Croni hier wär.....der würde dich für solche Beleidigungen in den Hintern treten, du bärtiger Esel!"

Es kommt zu einem kleinen Tumult, da Ukkos Bezeichnungen nun doch ein bestimmtes Nievau unterschritten hatte. Vor allem weil der Gnom sich, noch ganz  von seinen titanischen Kräften überzeugt, auf den Kerl mit dem Bart stürzen will,  der  wiederum nicht die Lust hat sich mit einem langohrigen Hufträger vergleichen lassen zu wollen.
Dass es wirklich zum äussersten kommt, wird aber durch die nun noch zahlreicheren Zuschauer verhindert, die so dicht gedrängt stehen, das weder Ukko noch der bärtige Kerl aneinander an die Gurgel gehen konnten. Glück für Ukko, denn der Mann war einer der Müllergehilfen und wer täglich Mühlsteine schleppt, der wird kein Problem damit haben eine halbe Portion von einem Gnom an die Wand zu klatschen.
Die Stimmung in der Harfe ist ausgelassen ,weil die meissten glauben , das alles gehöre zu einer Show und Ukko sowie der Bärtige seien ein eingespieltes Duo.
Nach einigen wütenden Worten und Faustgeschüttel des Müllergehilfen und ein paar unanständigen Fratzen von Ukko, hat sich die Lage wieder beruhigt. Man stellt Ukko sogar noch einen neuen Bierkrug hin, weil ihm der alte bei der ganzen Aufregung auf die Hose gekippt war und Ukkos Gewänder nun nicht nur nach Stall und Stinkekraut, sondern auch nach Bier zu müffeln beginnen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Taran am 17. März 2004, 09:40 Uhr
Gesättigt lehnt Taran sich zurück und schiebt die leere Eintopfschale beiseite, um einen letzten Schluck aus seinem Bierkrug zu nehmen. Während er mit seiner Mahlzeit beschäftigt war, hat sich die Wirtsstube noch mehr mit Gästen gefüllt und droht mittlerweile aus allen Nähten zu platzen. Auch Halla ist in Begleitung eines hochgewachsenen, blondbezopften Mannes wieder aufgetaucht, von dem der Schmied annimmt, dass es sich um den Wollhändler handelt, von dem Borgil gesprochen hat. Seufzend wirft Taran einen Blick zu dem rotbärtigen Wirt hinüber, doch der scheint heute ein recht gefragter Mann zu sein und wird gleich von mehreren Seiten belagert. Es sieht nicht so aus, als würde er an diesem Abend etwas Zeit erübrigen können. Gerade im Augenblick debattiert er mit einem grünen Etwas, offenbar einem Gnom oder Troll, der wild gestikulierend auf ihn und den Wollhändler einredet, während Halla sich um ein junges Mädchen kümmert, das eben die Stiege herabkommt.

Tarans durch die Menge schweifender Blick offenbart ihm, dass ohnehin ungewöhnliche viele junge Frauen allein und ohne Begleitung in der Schankstube sitzen und er schüttelt verwundert den Kopf. Dort eine Rothaarige, dort eine bleiche Schwarzhaarige und auf der schmalen Stiege geht es zu, als wäre es eine Ameisenstraße und keine Treppe in einem Gasthaus. Während die Rothaarige stumm nach oben verschwindet, zwängt sich an ihr eine andere junge Frau mit verheulten Augen nach unten. Misstrauisch zieht Taran die Brauen zusammen. Was tun all diese Mädchen hier? Borgil wird doch nicht heimlich dem Pfirsich Konkurrenz machen wollen? Nach einer Weile des Wartens und einem zweiten Krug Bier gibt er es für diesen Tag dann jedoch endgültig auf und winkt eines der Schankmädchen herbei, um seine Zeche zu bezahlen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Shyada am 17. März 2004, 10:16 Uhr
Das die Harfe voll sein würde, damit hat Shyada gerechnet, aber nicht in diesem Maße. Der Schrankraum scheint überall mit Leuten ausgefüllt zu sein. Dort wo mal eine Lücke im Gewühl entsteht, drängen sich gleiche neue Harfengäste beisammen. Irgendwo in diesem ganzen Gewühl scheint Shyada eine ihr bekannte Stimme zu hören. Eine Stimme die ihr, auch wenn sie sie bisher nur aus der Entfernung gehört hatte, schon im Feldlager gehörig auf die Nerven gegangen war. Wie auf ein geheimes Signal hin, teilt sich die Menge vor ihr und Shyada sieht die Ursache der Stimme. Ein kleines grünes Etwas, um das sie eine Traube Schaulustiger versammelt hat. Worüber der Gnom erzählt, kann sich Shyada leibhaft vorstellen und darauf hat sie ganz gewiß keine Lust.
Sie will sich wieder der Tür zuwenden, als ihr ein breiter Mann den Weg versperrt. "Na Kleines? Du willst uns doch nicht schon wieder verlassen oder?" Shyada beschließt dass ihr Essen wartet müsste. Sie hatte solange ohne ausgehalten, da würde es auf ein wenig länger auch nicht drauf ankommen. Die Amazone funkelt den bärtigen Mann wütend an, aber entgegen der sonstigen Reaktionen ihr Gegenüber, scheint dies dem Mann eher zu Gefallen. Shyada erinnert sich an ihre Aufmachung und das in ihr wohl niemand eine Amazone sehen würde.
"Geht mir aus dem Weg!" Ihre Stimme schwankt leicht, da ihr der Gestank des Mannes und der Lärm zu Kopf steigt, aber etwas in der Stimme muss den Mann wohl doch davon überzeugen, dass sie sich nicht so einfach mit zu seinem Tisch zerren lassen würde, so dass er doch bei Seite tritt und sie misstrauisch beäugt. Shyada wirft einen letzten Blick in die überfüllte Harfe. Da immer wieder neue hungrige Gäste in die Harfe stürmen, gelingt es der Amazone nicht gleich nach draußen zu kommen und mehr als nur einmal stößt jemand gegen sie. Die Berührungen am linken Arm bemerkt sie nicht, die gegen ihre Schulter und das rechte Bein schon.
Gepeinigt von allerhand neuen Schmerzen, erreicht Shyada endlich die Tür und kann die Harfe verlassen.

Als die schwere Holztür zufällt, bleibt der Lärm und die Gerüche dahinter verschlossen, aber der kurze Moment in dem Gebäude war zuviel für Shyada. Mit einer Hand stützt sie sich an die Wand und geht einige Schritte weiter, um nicht unmittelbar im Eingangsbereich zu stehen. Verdammt... das hast du jetzt davon...
Vor ihrem Kopf dreht sich alles und auch ihr Magen rumort, obwohl er noch immer leer ist. Shyada atmet mehrmals tief durch und nur langsam lassen sich Übelkeit und Schwindelgefühl zurückdrängen. Bloß nicht auffallen und jetzt stehst du hier, als wenn du einen über den Durst getrunken hast.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Linea am 17. März 2004, 13:23 Uhr
Schon nach kurzer Zeit kommt Linea wieder in die Harfe. Als sie die schwere Holztür öffnet merkt sie, dass in der Zwischenzeit viele Leute gekommen sind. Die Luft besteht wahrlich nur aus Rauch. Ein Geruch von Alkohol und Essen steigt ihr in die Nase. Dabei vergeht ihr der Appetit auf eine kleine Mahlzeit auch gleich wieder. Doch sie hat Durst und darum will sie bleiben. Langsam kann sie sich durch die Menschenmasse drängen. Schritt für Schritt geht sie an den verschieden Gestalten vorbei. Sie sieht sich um, ob sie einen Tisch findet, doch nichts ist zu sehen. Jeder Tisch ist besetzt. Somit beschließt sie, sich zur Schank zu stellen. Obwohl dort auch sehr viele stehen, findet sie noch ein Plätzchen.
Die Männer, neben ihr stehen, waren auch schon zuvor in der Harfe. Sie hat sie vorher schon beobachtet. Einen Bierkrug nach dem anderen leeren sie und scheinen auch noch nicht damit aufhören zu wollen. Anscheinend reden sie von ihren Frauen, doch genaueres kann und will Linea gar nicht hören. Sie beschließt sich nun ein Glas Quellwasser zu bestellen. Sie schaut hinter die Schank und entdeckt den Wirt, der eifrig neue Bierkrüge anfüllt. Verzweifelt versucht sie seine Aufmerksam auf sie zu richten, doch es gelingt ihr nicht wirklich. Doch nach einigter Zeit kann sie ihre Bestellung endlich abgeben. Die Männer neben ihr reden sehr laut und daraum beschließt sie sich mit ihrem Glas kaltem Quellwasser irgendwo anders hin zu stellen. Doch da entdeckt sie einen kleinen Tisch in der hinteren Ecke, der gerade leer geworden ist. Mit schnellen Schritte geht sie hin und setzt sich. Erschöpft nimmt sie einen Schluck aus ihrem Glas und sie lässt ihre Tasche auf den Boden neben sich fallen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Dolmin am 17. März 2004, 13:29 Uhr
Einmal war ich hier erinnert sich Dolmin, als er die goldene Harfe, Talyras "populärstes" Wirtshaus betritt. Nein, er mag Menschenhaufen nicht, aber Hunger bricht wohl die Prinzipien und nach außen hin ausdruckslos, innerlich aber grummelnd und auch etwas nervös setzt sich Dolmin an einen der Tische um auf eine Bedienung zu warten.

Inzwischenzeit werden Gretel und Mechthild wohl essen. Ich verstehe immernoch nicht, wie sie diesen beruf nur ein Leben lang ausüben können. Fleischer. Aller Werke gereichen dir zu Ehren, ich weiß, doch bin ich froh, dass ich für eine andere, höhere Aufgabe ausgewählt wurde.

Dolmin schaut sich im Raum um, der eigentlich gemütlich wirkt, doch gleichzeit auch so wirtshäusisch-abschreckend. Seine Beine beginnen unter dem Tisch leicht zu zittern, doch sein Blick bleibt konzentriert. Er murmelt wenige Worte in den Raum, leise und nicht zu hören und das Zittern der Beine legt sich, genauso die Nervosität. Ich muss vorsichtig sein, das darf ich nicht vergessen... ein falscher Schritt und es geht mir wie Dolthe.

Der Tag ist sonnig und ein Lichstrahl trifft den Tisch unmittelbar vor ihm. Shenrahs Geschenk, denkt er verächtlich, pah! Der Tisch an dem er sitzt zeigt schon viele Spuren der Nutzung. Kerben, Flecken, kleine Risse. Wie viele Menschen oder was auch immer saßen hier schon und schlugen sich die Bäucher voll, fraßen um ihre Gier zu befriedigen. Ich muss demnächst unbedingt in diese Unterstadt gelangen. Talyra ist nicht die einzige Metropole, die ein solch unterirdisches System besitzt, aber aufgrund der Offenheit der Stadt gegenüber Händlern und Ausländern, dürften hier besonders listige Wesen eine Heimat gefunden haben. Irgendjemand muss mir doch helfen... auch wenn ich nicht mit Münzen bezahlen kann. Ich habe andere Dienste anzubieten, von nicht minderem Wert. Emotionslos starrt Dolmin aus dem Fenster.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Elthyryr Elruin am 17. März 2004, 14:08 Uhr
Bevor sich Elthyryr auf den Weg zum Ufer des Ildorel begibt beschließt einen kleinen Abstecher in die Harfe zu machen um dort eine Kleinigkeit zu essen und das flaue Gefühl in seinem Magen loszuwerden. Wegen des schönen Wetters ist der Harfengarten komplett besetzt mit allerlei Elben, Zwergen und Menschen die vergnügt aus ihren Humpen und Kelchen trinken, lachen und tratschen. Also begibt er sich in die Harfe, knartzend öffnet sich die schwere Holztüre und scheppernd und klingend tritt er ein. Auch hier ist es schon recht voll und viele Blicke richten sich auf ihn als er sich lautstarck zu einem der wenigen freien Tische begibt. Vergnügt zündet er sich seiner Pfeife an  während er sich eine Kleinigkeit zu essen bestellt und dazu ein Wasser. Neben ihm am Tisch bemerkt er einen recht grimmig dreinschauenden Menschen der scheinbar recht angestrengt nachzudenken scheint. Als sich ihre Blicke kurz treffen nickt Elthyryr ihm freundlich zu.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Dolmin am 17. März 2004, 14:21 Uhr
Wie zu erwarten brauch die Bedienung Ewigkeiten und lässt auf sich warten. Draußen ist es absolut überfüllt und Dolmin beobachtet die hektisch hin und her rennenden Schankmaiden. In seiner jetzigen Situation würde Dolmin es nie schaffen, auch nur irgendetwas über die Gefangenschaft Dolthes zu erfahren. Wenn ich nur wüsste, wo ich anfangen soll? Ich kann schließlich nicht in den Tempel gehen und fragen. Zum einen würde man mich unmittelbar für verrückt oder gefährlich aufgrund der Frage erklären, zum anderen könnten die Priester mich bemerken... das, was ich bin. Resigniert lässt Dolmin den Kopf sinken. Als Kind hätte er jetzt geweint, wie immer, wenn er nicht weiter wusste, aber nach Dolthes Ausbildung verstand er es, sich zu kontrolieren und immer nur so viel von sich Preis zu geben, wie er es wollte. Kontrolle und Schauspielerei, eine Mischung die es ihm ermöglichte, umherzuziehen, ohne erkannt zu werden.

Dolmin hatte den Elben nicht bemerkt, der die harfe betreten hatte, doch als sich dieser einen Tisch neben ihn setzt und ihm zunickt, als sich ihre Blicke kreuzen, registriert er ihn. Elben. Dolthe hatte mir gesagt, ich soll sie meiden und fürchten, obwohl er selbst einer war. Die sind habgierig, unberechenbar und haben kein Ehrgefühl. Das hat er auch gesagt. War es nicht sein Volk, dass ihn verstoßen hatte? Der König über den Wald, der läuft selbst? Vorsichtig sieht Dolmin noch einmal zur Seite. Der Elf lächelt. Der sieht nicht wirklich gefährlich, niederträchtig und gemein aus. Andererseits, so muss er zugeben, hat er auch nicht viel Elben gesehen, bislang. Diesmal nickt Dolmin zurück und nimmt etwas von der Spannung aus seinem Gesicht.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aurian am 17. März 2004, 16:07 Uhr
Nachdem Aurian am vergangenen Abend noch eine Weile des Treiben in der Harfe beobachtet hat, war die müdigkeit erneut zu ihr zurückgekehrt. Zwar war ihr nicht so ganz wohl bei dem Gedanken in die Einsamkeit ihrer Kammer zurückzukehren, aber sie konnte ja nicht ewig hier sitzen bleiben und für ihr Vorhaben brauchte sie ihre gesamte Kraft. So hatte sie den Schankraum nach einiger Zeit erneut verlassen und diesmal hatte der Schlaf Erbarmen mit ihr.

Als sie am nächsten Tag erwacht, scheint die Sonne und sie steht auch schon ziemlich hoch am Himmel. "Verdammt, verschlafen!" brummt Aurian vor sich hin und springt aus dem Bett. Wie der Wirt, im Laufe des Abends hat sie herausgehört, dass er Borgil heißt, versprochen hat, hat sich jemand um ihre Kleider gekümmert und diese liegen nun frisch auf der Schwelle ds Zimmers. Hastig schlüpft sie hinein, gönnt sich eine Katzenwäsche (in Gedanken verschiebt sie das Bad ein weiteres Mal) und hastet die Stufen hinunter. Eigentlich hat sie vorgehabt, Borgil zu fragen, wer in der Stadt ihr bei ihrer Suche nach ihrer Herkunft weiterhelfen könnte und ob er vielleicht auch jemanden wüsste, der ihr Arbeit als Botin oder ähnliches gibt, aber als sie sieht, wie voll die Schenke ist, verwirft sie diesen Gedanken. Ihr Anliegen lässt sich kaum zwischen Tür und Angel klären.
Am Tresen sitz wieder (oder noch immer ) der Gnom und unterhält die Gäste. Er scheint schon etwas über den Durst getrunken zu haben. Aber was kümmert sie das. Aurian bahnt sich ihren Weg durch die Menge und spürt sehr wohl die zum Teil anzügigen Blicke der männlichen Harfenbesucher. "Jetzt nur nicht rot werden!" denkt sie bei sich und beeilt sich, hinter einer jungen Frau, die gut einen Kopf größer ist als sie, die Schenke zu verlassen. Einen breitschultrigen Mann der versuchen will, sie zu seinem Tisch zu zerren, wirft sie einen bitterbösen Blick zu, vorauf dieser von seinem Vorhaben absieht.
Die frische Luft tut gut und Aurian beschließt, sich auf Entdeckungsreise zu machen. Aber wohin? Unschlüssig blickt sie sich um. Sie ist ja doch noch nie aus ihrem Dorf herausgekommen!

In der Nähe des Eingangs steht wieder die Frau, hinter der sie die Schenke verlassen hat. Sie sieht blass aus und macht irgendwie den Eindruck als ob sie gleich zusammenbrechen würde. Eben in der Schenke hat sie noch so stark gewirkt.
Ihrer hilfsbereiten Art folgend, geht Aurian auf sie zu und spricht sie an:"Kann ich euch helfen?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 17. März 2004, 21:15 Uhr
Abwehrend schütelt Azra mit den Händen und seufzt dann leise: "Ich weiss nicht... Ich.. Mir wird einfach schlecht, obwohl ich doch schon so lange nichts mehr gegessen habe. Ich weiss nicht woran das liegen mag." Leicht zittert sie und schlägt daher die Decke fester um ihre Schultern. Ein eher kräftiger Husten lässt sie beben und schnell senkt sie ihren Kopf: "Halla... Nun.. das ist ein schöner Name. Ich habe ihn noch nie gehört." Leicht grinst sie in die Decke hinein. Halla ist wirklich ein schöner Name, ob er wohl eine Bedeutung hat? Ohne jeglichen respeckt fragt sie einfach drauflos, alles vergessen habend was sie bei dieser Frau angestellt hat: "Hat euer Name eine Bedeutung Halla? Und seid ihr schon lange hier angestellt? Ist es nicht manchmal schwer für euch hier zu arbeiten?" Einen Moment später läuft Azra's anonsten beinahe weisses Gesicht putterrot an und nocheinmal vergräbt sie sich tiefer in der Decke: "Entschuldigt... das.. Ach, ich weiss einfach nicht was ich sagen soll. Ich komme mir hier vor wie eingesperrt!" Als sie merkt wie man diese Worte verstehen könnte sieht sie Halla erschrocken an und meint stotternd: "Also.. das.. ich.. ahc.. das.. sollte.. sollte nicht wegen euch gemeint sein. Entschuldigt, das war nicht so gmeint wie ihr es villeicht verstanden habt. Ihr sperrt mich natürlich nicht ein, es.. es ist nur weil ich es gewohtn bin jeden taglange zu laufen und ich jetzt.. naja.. " Wieder muss sie husten und ihr Hals brennt leicht. Ich sollte aufhören so viel zu reden.. das schadet mir nur.. warum muss ich jetzt auch so viel plappern. Habs vorher auch ohne geschafft. Was Halla bloss von mir denken wird... Leer schluckend zieht sie die Beine an ihren Körper und macht sich klein wie ein Päckchen. Sie weiss überhaupt nicht mehr was sie denken soll, kein bisschen. Wieder fühlt sich ihr Kopf an wie ein Ameisenhaufen, ach was, wie ein Wespennest.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 17. März 2004, 21:33 Uhr
Halla schmunzelt vor sich hin, als sie die vielen Fragen hört. Wie soll ich mir die den alle merken. Sie stellt das Tablett noch einmal auf den Tisch und geht zu dem Bett hinüber, auf dem die Blutelbin nun sitzt, und sich wie ein kleines Paketchen zusammengeklappt hat.

"Ihr habt viele Fragen, mal sehen wie viele ich beantworten kann. Also, ob Halla eine spezielle Bedeutung hat, weiss ich gar nicht, darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Und hier in der Harfe bin ich seit dem ich arbeiten kann, meine Mutter hat schon für Borgil gearbeitet und hat mich als kleines Kind oft hierhin mitgenommen. Als ich dann alt genug war um arbeiten zu gehen, hat mich Borgil hier angestellt  und meine Mutter hat mir alles beigebracht, was sie über ihren Beruf wusste. Als meine Mutter dann krank wurde und nicht mehr arbeiten konnte, habe ich ihre Stelle übernommen und bin hiergeblieben. Und nein, mir fällt es nicht schwer hier zu arbeiten. Ich mag Borgil und die anderen Mädchen, die hier arbeiten, obwohl man manchmal streng mit ihnen sein muss. Ich mag es auch mit den Gästen zu reden und die neusten Geschichten aus den Immerlanden zu hören, ich möchte nirgendwo anders arbeiten, hier gibt es immer was Neues."

Halla steht wieder auf und nimmt sich das Tablett. Der Abend ist schon spät geworden und von unten dringen Geräusche herauf, die nach einem Wortgefecht klingen und wenn sie sich nicht täuscht ist die Stimme des Gnoms die Lauteste. "Ich muss nun wieder nach unten, ich lass euch ein wenig Brühe hochbringen, die ihr trinken solltet, egal ob euch übel wird oder nicht. Ich denke euer Magen verhält sich so, weil er eben schon zu lange nichts Eßbares gesehen hat. Dann solltet ihr ein wenig schlafen, damit ihr wieder zu Kräften kommt und bis morgen habe ich auch sicherlich mit Borgil geredet, was ihr hier machen könnt. Also Kopf hoch Mädchen, das wird schon werden."

Sie nickt der Blutelbin noch einmal zu und geht dann zur Tür, doch ehe sie diese öffnet, dreht sie sich noch einmal um. "Jetzt wisst ihr meinen Namen, aber euren habt ihr mir noch nicht verraten." Sie blickt auf das Häufchen, das dort im Bett sitzt und wieder hustet.Anscheinend hat das Mittel der Heilerin nicht wirklich gewirkt, seltsam das sie auch nichts da gelassen hat, was die Blutelbin einnehmen muss. Wenn es nicht besser wird, sollte ich vielleicht einmal nach Morgana schicken, sie müsste jetzt ja wieder in der Stadt sein, aber erst einmal warten wir ab.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Shyada am 18. März 2004, 09:09 Uhr
Mit jedem tiefen Atemzug den Shyada nimmt, scheinen sich die Schleier um ihre Augen zu verziehen und auch ihr Magen beruhigt sich allmählich. Ich sollte zusehen, dass ich zur Steinfaust zurückkomme. Gerade will sich Shyada komplett aufrichten, als jemand zu ihr tritt und ihr Hilfe anbietet. Shyada blickt in das Gesicht eines schwarzhaarigen Mädchens, welches zwar ein Stück kleiner als sie selber ist, aber nur unwesentlich jünger scheint. Im rsten Moment nimmt Shyada an, dass sie jemand anderes sie meint. Als sich Shyada jedoch etwas verwirrt umsieht, bemerkt sie, dass niemand anderes in ihrer Nähe ist. Durch das Kopfbewegen verschwimmt alles jenseits der Augenränder. Shyada fasst mit der rechten Hand an ihren Kopf und lässt sich dann gegen die Wand fallen. Sie braucht einen Moment um sich wieder zu beruhigen und sieht dann wieder zu dem jungen Mädchen.
"Nein, ich glaube nicht. Es geht schon." Shyada versucht soetwas wie ein normales Gesicht zu machen, aber stattdessen wird es eher zu einer Grimasse. Sie wird dir auch bestimmt glauben, dass es dir gut geht! Shyada merkt, wie sie wütend wird. Wütend, weil sie tatsächlich geglaubt hatte, dass es ihr nach so kurzer Zeit schon wieder besser geht. Mit einem unbewußten Blick sieht sie zu ihrer Schulter. Das war Magie, hierbei hilft dir keine Magie.

Shyada bemerkt, dass sie eine ganze Weile schweigend dargestanden hat und dass das Mädchen mit den grünen Augen noch immer vor ihr steht. Auch wenn die Gestalt vor ihr einen recht sicheren Eindruck macht, glaubt Shyada auch etwas wie Unentschlossenheit in ihren Augen zu sehen. In Gedanken mutmaßt Shyada, dass sie nie angesprochen wäre, wenn sie mit ihrer üblichen Kleidung bekleidet wäre. Was hat mir Morgana nur angetan.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Elthyryr Elruin am 18. März 2004, 10:56 Uhr
An Tagen wie diesen muss man sich selbst in der Harfe in Geduld üben, denn die Bediensteten haben alle Hände zu tun die ganze Kundschaft nicht allzulange auf ihre Bestellungen warten zu lassen. Am Tischen gegenüber sitz grummelnd (obwohl man sich nicht ganz sicher sein kann ob es nicht auch sein Bauch ist der so derartige Geräusche von sich gibt) und fluchend ein Zwerg der anscheinend auch schon länger zu warten scheint. Eilig flitzen die Bediensteten zwischen den Tischen umher und auch Borgil, der Wirt der Harfe, saust hinter seinem Thresen hin und her und zapft Unmegen Bier.

Als sein fremder Tischnachbar ihm ebenso zunickt und einwenig seines grimmmig angespannten Gesichtausdruck zurücknimmt begnet Elthyryr ihm mit einem Lächeln und dreht seinen Stuhl etwas mehr in seine Richtung. "Seid mir gegrüßt mein Herr, ist es nicht herrlich das der Frühling nun endlich auch nach Talyra gefunden hat? Die Sonne, die Vögel, die knospende Natur... wundervoll, wundervoll...!" Nach einem wahren brausenden Buchstaben- und Wortwasserfall gibt Elthyryr dem Fremden endlich die Chance auch etwas zu sagen. Normalerweise ist er Fremden gegenüber nicht ganz so sehr aufgeschlossen und spricht normalerweise auch nicht so viel mit ihnen, aber der Alkoholgeist des letzten Abends scheint immer noch einige Nebenwirkungen zu haben und so plappert er munter weiter. Während des Gesprächs bringt ein Schankbursche Elthyryr das gewünsche Essen und Wasser und eilt hastig weiter zu den anderen Tischen die noch bedient werden wollen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aurian am 18. März 2004, 11:48 Uhr
"Nein, ich glaube nicht. Es geht schon."
Die Grimasse, zu der der Versuch eines normalen Gesichtsausdrucks, wird und die gesamte Körperhaltung der Fremden strafen ihre Worte Lügen. Aurian mustert sie und ist sich nicht ganz sicher, ob sie sich an die Worte der Frau halten soll oder auf ihr Gefühl vertrauen. Das sagt ihr nämlich ganz deutlich, das die Fremde Hilfe braucht. "Wahrscheinlich ist sie es ebenso wenig gewohnt wie, dass jemand einfach nur frundlich ist. Wahrscheinlich schlägt sie sich auch allein durchs Leben. Nur hat sie wahrscheinlich mehr Erfahrung damit., denkt  Aurian bei sich.
Schließlich entschließt sie sich, doch auf ihr Gefühl zu vertrauen und spricht die Fremde erneut an: "Es wäre kein Problem für mich euch dahin zu begleiten, wo ihr hinwollt. Im Gegenteil, damit wäre auch mir geholfen. Ich bin neu in der Stadt und kenne mich überhaupt nicht aus. Wenn ich euch geleiten dürfte, wären meine Chancen, mich zu verlaufen, entschieden kleiner, als wenn ich allein loszöge." Mit diesem Angebot würde die Fremde ihren Stolz, den sie zweifelsohne hat, waren können und müsste doch nicht auf Hilfe verzichten. UNd Aurian könnte wirklich etwas Orientierungshilfe gebrauchen.
Um die Aufrichtigkeit ihres Angebots weiter zu unterstreichen, lächtelt sie der Fremden aufmunternd zu und hofft, dass diese das richtig deuten würde.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Shyada am 18. März 2004, 13:19 Uhr
Ganz wie Shyada es befürchtet, geht das Mädchen nicht einfach seines Weges, sondern ersinnt sogar einen Vorschlag, der für beide gewisse Vorteile bringen würde. Doch etwas an der Sache will Shyada nicht sorecht gefallen. Zum einen, dass sie so jemand einem Gefallen tun würde, den sie absolut nicht kennt und zum anderen, dass sie schon wieder auf Hilfe anderer angewiesen ist, wenn sie nicht irgendwo auf der Strasse liegen bleiben wollte.
Mit einem Seufzer schließt Shyada die Augen und lässt sich den Vorschlag noch einmal durch den Kopf gehen. Tief in ihrem Inneren macht sie sich selber das Versprechen, dass sie alles tun wird, um ihren Arm wieder funktionstüchtig zu bekommen und sei es jemanden dafür zu morden oder verbotene Dinge zu tun. Auf alle Fälle würde sie es nicht lange ertragen, ständig mitleidvolle Blicke von Fremden zugeworfen zu bekommen. "Also gut," murmelt sie schließlich und kaum hörbar.

Shyada öffnet wieder die Augen und sieht in ein ihr zulächelndes Gesicht, bei der Amazone selber stellt sich allerdings kein Lächeln ein. "Ich muss in den Westen der Stadt, bis zur Stadtmauer..." Shyada wollte vorerst nichts von der Steinfaust sagen. Warum weiß sie selber nicht so genau, vielleicht aber einfach auch nur, weil es unnötig viel von ihr preisgeben würde. Shyada stößt sich von der Wand ab und taumelt einen Schritt zur Seite. Die junge Frau zuckt neben Shyada zusammen und will zu hinspringen, doch hält die Amazone die rechte Hand hoch, um zu zeigen, dass nichts weiter ist.
"Laßt uns gehen." Wie zufällig geht Shyada dabei zur linken Seite der Fremden, doch steckt mehr als nur der Zufall dahinter. Da Shyada nicht von der schwarzhaarigen Frau gestützt werden will, gehen beide nur sehr langsam und kommen dementsprechend auch nur voran. Dazu kommen die Kauflustigen auf dem Markt, denen sie ständig ausweichen müssen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Dolmin am 18. März 2004, 23:07 Uhr
"Ja. Ganz wundervoll", antwortet Dolmin und beobachtet den fremden Elf aufmerksam. Die knospende Natur... ich wusste ja, dass Elben Baumliebhaber sind, aber das hier grenzt eindeutig an Fanatismus. Die Natur dient auch nur einem Zweck: die Menschen zu nähren. Endlich kommt der Schankjunge und bringt ihm einen Krug Met. Mehr, als er eigentlich trinken sollte in einer Mittagspause, aber das spielt nun auch keine Rolle mehr. Der Fremde trägt wertvolle Kleider und viel Schmuck, das Haar ist lang und schimmert seiden im Licht. Was macht einer vom schönen Volke in diesem schäbigen Großraumwirtshaus? Dolmin muss zugeben, dass er wirklich wenig Erfahrung mit Elben hat und nichts Gutes von Dolthe gehört hat, doch auch durch seine Kindheit sind einige Vortsellung geprägt, naiver Natur und ohne wirkliche Beweise für ihre Richtigkeit. Dennoch - es erscheint Dolmin eigenartig, einen so gut gekleideten Mann hier zu sehen; einen so gut gekleideten Mann, der ihn - tatsächlich mehr als dürftig ausschauend - anspricht. Über das Wetter in Talyra. Und knospende Bäume. Oder so jedenfalls. "Ihr... seid auf der Durchreise, Herr?" Dolmin legt nach seinen Überlegungen Stärke und Ausdruck in seine Stimme, die melodiös und weich klingt. Eine kleine Trickserei denkt er innerlich lächelnd, nach außen hin einen leicht neugierigen Blick aufgesetzt, mit großen Augen und Interesse heuchelnd.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 19. März 2004, 07:15 Uhr
Halla's Worte entlocken ihr ein kleines Lächeln und leise meint sie: "Ich.. Mein Name?" Ja ihr Name! Was sollte sie jetzt sagen? Weiterlügen, bis schliesslich Jemand herausfand wie sie wirklich hiess? Nein. Wütend über sich selbst schüttelt sie den Kopf und flüstert leise: "Ich habe bis jetzt gesagt mein Name sei Chayla, aber.. das.. Ich habe gelogen, weil ich Angst hatte." Um Verzeihung bittend blickt Azra Halla an: "Mein wirklicher Name ist Azra, aber zuvor habe ich gesagt das ich Chayla heisse." Noch mehr krümmt sie sich zusammen, als ob sie sich so unsichtbar machen könnte. Hmm.. Eine Brühe wird vielleicht besser sein. Ja, vielleicht klappt das. In ihren Augen spiegeln sich Tränen, doch schnell wischt Azra sich mit ihrem Handrücken darüber. Morgen, wenn sie den Mädchen helfen könnte, sich wieder bewegen könnte, dann würde die Welt schon ganz anders aussehen. Mit einem leisen Seufzen sieht sie noch einmal zu der kleinen Frau: "Ja, ich bitte euch darum; Besprecht dies mit Borgil, dann kann ich zumindest sagen, ich hätte keine Schulden mehr. Eure Brühe werde ich ganz bestimmt essen, es... es tut mir leid um das gute Essen.. Wirklich!" Vorsichtig legt sie sich auf die Seite, nicht ohne wieder leicht zu husten und zieht die Decke bis zu ihrer Nasenspitze hoch. Ja, vielleicht war es wirklich besser sie würde noch eine Weile schlafen, denn schon nach kurzer Zeit spürt Azra wie ihr die Augen zufallen und sie langsam aber sicher in das Reich der Träume versinkt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jareth am 19. März 2004, 09:15 Uhr
Irgendwie will es Jareth nicht gelingen die Aufmerksamkeit des Wirtes auf sich zu ziehen. Entweder überschreit ihn der Gnom oder irgendjemand will etwas von Borgil, so dass Jareth, obwohl er sonst keine Probleme hat auf sich aufmerksam zu machen, irgendwann entnervt aufgibt. Halla selbst hat auch gut zu tun und so beobachtet Jareth das Treiben im Gasthaus noch eine Weile ehe er seine Rechnung begleicht und die Goldene Harfe durch die schwere Holztür verlässt. Irgendwer in dieser Stadt mußte ihm doch bei der Suche nach einem Haus helfen können.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Elthyryr Elruin am 19. März 2004, 21:44 Uhr
Der Teller vor ihm ist nun leer und sein Magen hat sich wieder einigermaßen von den Strapazen erholt. Sichtlich erleichtert lehnt er sich zurück und wendet sich wieder dem Femden zu der nun etwas von seiner Verschlossenheit abgelegt hat und anscheinend interessiert den Ausfürhrungen des Elben folgt. "Nun mein Herr, auf der Durchreise bin ich nicht, nein, nicht mehr. Ich gedenke schon einige Zeit hier zu verbringen, es gibt noch so vieles was ich nicht gesehen habe, wisst ihr, udn gerade jetzt, zur Frühlingszeit erstrahlt die Stadt in einem ganz anderen Glanz." Nach einer kurzen Pause und einem Schluck Wasser fährt er fort. "Und ihr mein Herr, wohnt ihr hier oder seid ihr ein Reisender der nur beschlossen hat kurz Rast zu machen um dann wieder eilig aufzubrechen?" Schnell fügt er noch hinzu "Ach, und dürfte ich euren Namen erfahren? Ich bin Elthyryr Elruin, aber ihr dürft mich gerne Elthyryr nennen, sofern ihr das wollt". Ein verlegenes grinsen legt sich in sein Gesicht.

Er schlägt die Beine übereinander und beugt sich einwenig vor, wobei jede Bewegung von einem leisen klingeln der zahlreichen Glöckchen an seinem Gewand begleitet wird. Was tue ich eigentlich hier, so kenne ich mich gar nicht, ich glaube ich sollte nicht so oft Met trinken, einfach einen Fremden ansprechen... noch dazu einen recht finstren...aber irgendwie... hat er etwas geheimnisvolles an sich... und sieht etwas kränklich aus, der Arme... Die Gedanken schnell aus seinem Kopf verbannend schaut er dem Fremden neugierig in die Augen während er ab und zu an seiner Pfeife zieht und kleine Rauchringe an die Decke steigen lässt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Galrin am 19. März 2004, 22:08 Uhr
Befreit von der Last der diversen "Wocheneinkäufe", die in der Tausendwinkelgasse und auf dem Wochenmarkt getätigt wurden, betreten Jolanthe und Galrin das Gasthaus. Seit dem Abend, an dem sie sich hier kennengelernt haben, scheint sich nichts verändert zu haben. Der Geruch des Holzes und der Speisen, die Geräuschkulisse... all das erinnert die beiden Verliebten an ihren gemeinsamen Abend hier und das, was daraus erwachsen ist.

Gerade erhebt sich ein Fuhrknecht und ein reicher Handelsherr von einem Tisch am Fenster. Dies kommt Galrin und seiner Liebsten recht, denn so haben sie einen gemütlichen Platz ganz für sich allein.
Während Jolanthe eine der Mogbarbedienungen herbeiwinkt und für sich und ihren Verlobten das Mittagessen sowie einen Krug Süßmost und zwei Gläser ordert, blickt Galrin sich im Gasthaus um. Der krakeelende Gnom an der Theke, der soeben einen tiefen Zug aus seinem Bierkrug nimmt, entlockt dem Schiffsbauer ein Grinsen. Mochten die Götter wissen, welchen Narren der Tronjer an diesem Wicht gefressen hatte, daß er ihn nicht schon lange davongejagt hatte.
Während die Halbelfe und der Nordmann auf ihr Essen warten, unterhalten sie sich leise, sprechen von ihrer bevorstehenden Hochzeit und dem daraus entstehenden Fest, überlegen, wer geladen werden solle und necken sich gegenseitig mit den Füßen unter dem Tisch, wie es Verliebte manchmal zu tun pflegen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Linea am 19. März 2004, 22:19 Uhr
Linea sieht dem Treiben in der Harfe gespannt zu. Viele fremde Leute gehen ein und aus. Die schwere Holztür öffnet und schließt sich sehr oft.
Diese Gaststätte muss sehr beliebt sein. Hier ist auch immer etwas los.

Linea trinkt den letzten Schluck von ihrem Glas Quellwasser, welches nicht mehr so frisch schmeckt. Es ist schon lauwarm und hat keinen ansprechenden Geschmack mehr. Sie stellt das Glas wieder auf den Tisch und atmet einmal tief durch. Sie wird einmal zur Anschlagtafel am Marktplatz gehen und sich verschiedene Arbeitsangebote ansehen. Linea hat von ihrer Tante, bei dir sie aufgewachsen ist, viel gelernt. Nähen, Backen und schulische Dinge wie Rechnen, Lesen und Schreiben lehrte ihr ihre Tante. Oft hat sie es gehasst, doch jetzt ist sie darüber froh.
Sie steht auf und sieht sich nochmal um. Es waren nun zwar weniger Leute hier, aber es herrschte trotzdem reges Treiben. Mit langsamen Schritten schreitet sie zur schank und legt wieder eine  Münze hin, der Wirt gleich nimmt. Daraufhin geht sie die schmalen Treppen hinauf, und öffnet die Tür von ihrem Zimmer. Erst hier fällt ihr auf, welche verrauchte Luft im Gastzimmer war. Sie legt ihre Tasche auf den kleinen Sessel neben dem Bett und legt sich selbst unter die Decke.
Nach einem kurzen Schläfchen entschließt sie sich endlich zur Anschlagtafel zu gehen. Als sie im Gastzimmer war, merkte sie, dass wieder neue Leute hinzugekommen sind. Und wieder drang ein Geruch von Essen, trinekn und Rauch in die Nase, dass es ihr leicht übel wird. Sie hat auch schon lang nichts mehr gegessen, doch sie hat nun keine Zeit. Sie öffnet die schwere Tür und als Linea draußen war, bekommt sie durch die frische Luft wieder Farbe ins Gesicht und es geht ihr auch gleich wieder besser.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 20. März 2004, 10:19 Uhr
Mit einem leichten Lächeln auf dem Gesicht hört Halla Azra zu.Na Mädel, merkst du langsam, dass wir dir hier wirklich nichts Böses wollen. Ich hoffe das bleibt so und Ehrlichkeit währt eben doch am längsten. Halla nickt dann nur noch zu Azras letzten Worten und ehe sie die Tür hinter sich schliesst, scheint die Blutelbe schon eingeschlafen zu sein. Die Brühe scheine ich nicht mehr nach oben bringen zu müssen. Schlaf tut ihr sicher gut.

Langsam, das Tablett balancierend, geht Halla die Treppe hinunter in den Schankraum, über das Essen würde sich einer der Küchenjungen freuen, Sigrun würde es ihm noch einmal kurz aufwärmen, denn verkaufen konnten sie es nicht mehr. Halla bringt den Teller in die Küche und tritt dann wieder an die Theke. Der Schankraum hat sich noch weiter gefüllt, mit teils ihr Unbekannten. Anscheinend strömen wieder Fremde nach Talyra, jetzt wo die Bedrohung durch die Narge vorbei ist und auch von Westen wieder Fremde nach Talyra gelangen können.

An einem der Tische am Fenster entdeckt sie Galrin, den Schiffsbauer, und seine Geliebte, deren Namen sie noch nicht kennt. Die Beiden wirken wie zwei Turteltauben und ein Lächeln huscht über Hallas GesichtMan merkt das der Frühling in Talyra Einzug gehalten hat, überall wird geturtelt was das Zeug hält. Ukko lamentiert immer noch und erzählt seine Lügenmärchen, Jareth allerdings ist verschwunden. Halla wendet sich an Borgil, der gerade einige Humpen Met füllt. "Ich war gerade oben bei der Blutelbin, sie würde gerne ihre Schulden hier abarbeiten. Ich habe ihr gesagt, sie könnte den Zimmermädchen zur Hand gehen, oben wird sie nicht so viel gesehen wie hier unten, und in die Küche lass ich sie mit dem Husten nicht. Sigrun würde mir die Hölle heiss machen, wenn Blut in ihrem guten Essen landen würde, weil die Elbin wieder einen ihrer Hustenanfälle bekommt. Was sagt ihr dazu, kann ich ihr morgen sagen, das dies in Ordnung geht?" Hallas Blick fällt wieder auf Ukko, der laut tönt und wild gestikuliert und dann auf den Platz neben ihm ,wo eben noch Jareth gesessen hat. "Wo ist denn der Wollhändler hin?" , fragt sie mit einem absolut unschuldigen Lächeln.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Bianca am 20. März 2004, 10:57 Uhr
Als Jolanthe zusammen mit Galrin die Goldene Harfe betritt steigen alte schöne Erinnerungen in ihr auf. Damals war alles anders gewesen, sie war bettelarm, hatte, ihr wertvollster Besitz war ihre Flöte gewesen. Doch dann hatte sie Galrin kennengelernt und es hatte sich mit einem Schalg alles verändert.
Doch was sie auch nicht vergessen hat, ist die Freundlichkeit, mit der man ihr hier entgegen gekommen war. Damals waren ihre Kleider alt und verschmutzt und es war eher normal, dass man sie mit Schimpfworten davon gejagt hatte.
Umso mehr war sie über die Freundlichkeit der Leute hier in der HArfe überrascht und erfreut gewesen.

Jolanthe entdeckt Halla und erinnert sich diese schon gesehen zu haben, wie sie das erste Mal hier war. Als Halla ihr zulächelt lächelt sie zurück und winkt ihr zu.
Dann fällt ihr Blick auf Borgil, den etwas grummelig aussehenden Wirt. Bei ihm hatte sie damals Arbeit gesucht.
Und da kommt ihr eine Idee:"Meinst du nicht, wir sollten auch Borgil einladen? Ohne seine "Goldene Harfe" wären wir uns schließlich gar nicht begegnet!"
"Ich weis noch genau, was für eine Melodie du damlas gespielt hast", flüstert sie zärtlich und beginnt die wohlbekannte Melodie leise vor sich hinzusummen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Dolmin am 20. März 2004, 12:53 Uhr
Er will meinen Namen wissen... fragt sich nur welchen, der vielen? Dolmin beugt sich leicht nach vorn und spricht mit leiser Stimme: "Dolmin, so heiße ich." Dann lehnt er sich wieder ein seinen Stuhl zurück und betrachtet kurz seine Hände, die er etwas dreht und wendet um sie dann auf den Tisch zu legen. "Elthyryr ist euer Name?" Ein Lächeln huscht über sein Gesicht, dann fährt er fort: "Nein, ich bin nicht auf der Durchreise. Talyra war das Endziel. Habe Arbeit gesucht. In den Dörfern... ziehen viele in die Städte." Dolmin macht eine ernsthafte Miene. Als sich Elthyryr bewegt, fangen wieder seine Glöckchen an zu klingen. Wie kann man das nur den ganzen Tag aushalten? fragt sich Dolmin, der mit seinen schlichten, aber zweckmäßigen Kleidern gar nicht mehr so unzufrieden ist. Dieser Schmuck würde mich krank machen. Dolmin nimmt einen kräftigen Schluck aus seinem Metkrug und merkt sofort, dass ein schummriges Gefühl sich in ihm ausbreitet. Und das obwohl ich gleich arbeiten muss. In der Harfe wird es immer voller, die Schankjungen und -maiden laufen von Tisch zu Tisch, scheinbar völlig munter, doch irgendwie kann Dolmin das nicht glauben. Er hatte von Gretel gehört, dass dieses Wirtshaus einem Zwergen gehört, der sogar im Stadtrat sitzt und viel Einfluß in dieser Stadt inne hat. Die Sonne hat ihren Höchstpunkt nun überwunden und Dolmin schaut blinzelnd in den großen, glühenden Ball am Himmelszelt. Dann dreht er sich zu Elthyryr um. "Wie lange lebt ihr schon in dieser Stadt?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Galrin am 20. März 2004, 13:18 Uhr
Mit einem Lächeln nickt der Schiffsbauer seiner Liebsten zu.

"Das ist eine gute Idee, mein Herz. Ohne Borgil und sein Gasthaus wären wir uns wohl nie über den Weg gelaufen. Gewissermaßen war er das Zwergzeug... oh, verzeih... ich meinte natürlich das Werkzeug Inaris, das uns zusammengebracht hat."

Galrins breite Pranke tastet sich über den Tisch zu Jolanthes feingliedriger Hand hinüber, streicht behutsam darüber und blickt seine Verlobte mit Augen an, die vor Glück strahlen und glänzen. Es mag daran liegen, daß da Licht in der "Goldenen Harfe" etwas schummrig ist, wenn man es mit dem hellen Sonnenlicht draußen vergleicht. Jolanthes Gesichtszüge wirken viel weicher als noch vor wenigen Tagen. Und Galrin verehrt sie dafür.

Behutsam hebt der Nordmann die Hand der Halbelfe an seine Lippen und haucht einen keusch-verliebten Handkuß darauf. Und wie von fern klingt seine Stimme leise an Jolanthes Ohr: "Ich liebe Dich, mein Herzblatt."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ukko der Gnom am 20. März 2004, 21:56 Uhr
Ukko betrachtet die kleine Mogbarfrau von oben herab. Auf seinem Hocker überragt er nämlich Halla um etliches und fühlt sich dabei wie ein König auf seinem Thron.  

" Wolle? ......Hier geht es um Krieg, Blut, Schweiss und Tränen .........aber unsere kleine Halla hat nur Wolle im Kopf........" er lacht sich kaputt über die Doppeldeutigkeit seiner Worte bevor er weiterredet....."

"Meine liebe Halla ...was immer ihr auch meint, zerbrecht euch nicht euer Köpfchen, sondern schenkt mir weiterhin ein .....meine Kehle ist rauh und durstig und noch habe ich die spannendsten Stellen gar nicht erzählt .......jeder der eine schwache Blase hat, der sollte sie schnellstens entleeren, denn jetzt folgen detailgenau Schilderungen wie ich jeden Narg einzeln zerlegt habe, wie ich ihnen das Fleisch mit meinen flinken Fingern von den Knochen geschabt habe.....ich gebe zu, ich war im Blutrausch und nicht mehr Herr über mich selbst, also...........reizt mich nicht, denn ein Gnom in Wut..........ha, dagegen ist selbst der Unnennbare eine Elfe mit spitzen Brüstchen....." Mit einem Mal es still um den Gnom herum, einige Leute schlagen schnell ein Schutzzeichen vor der Brust und auch Ukko verstummt für einen Moment. Mit der Bemerkung hat er sich vielleicht doch etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt, deswegen wechselt er urplötzlich das Thema und erzählt lieber über die rauschende Siegesfeier nach der Schlacht, wie man ihn besungen hatte und wie jede der Anukisnovizinnen ihn küssen wollte und natürlich auch durfte.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 20. März 2004, 22:12 Uhr
Die Harfe platzt - im wahrsten Sinne des Wortes - an diesem Tag aus allen Nähten, und irgendwann weiß selbst Borgil, der wirklich nicht leicht den Überblick verliert, nicht mehr, wohin er sich zuerst wenden soll. Seine armen Mädchen rennen wie die Hasen, um all den Bestellungen nachzukommen, oder sie würden es jedenfalls, wenn sie im Gedränge nur könnten. "Man könnte meinen", brummt er irgendwann, während er mit fliegenden Fingern einen um den anderen Bierhumpen füllt,"man könnte meinen, es gäbe kein anderes Gasthaus in der Stadt als meines!" Ukko krakelt vor dem Tresen herum, bis ihm der Wollhändler ein weiteres Bier ausgibt und sich dann an Borgil wendet, doch der kann im Moment nur Nicken und den Mann auf später vertrösten. Halla eilt nach oben, um ihren blutspuckenden Schützling wieder in ihre Kammer zu verfrachten und Borgil rotiert hinter seinem Tresen wie ein bärtiger Kreisel.Dann legt sich der Gnom, um den sich mittlerweile eine gröhlende Truppe Blaumäntel versammelt hat, prompt mit einem Müllersgehilfen an, doch wie durch ein Wunder kommt es dann (sehr zu Borgils Mißfallen) doch nicht dazu, daß der Mann den Gnom geradewegs zu den Purpurnen Flüssen hämmert. Die zechenden Stadtgardisten schirmen den kleinen Rotzlöffel viel zu gut ab. >Wenn Croni hier wär.....der würde dich für solche Beleidigungen in den Hintern treten, du bärtiger Esel!<

PAH! Wenn dein "Croni" hier wäre, würde er dich ungespitzt in den Boden rammen, du Salaud, du kleiner, stinkender Hundsfott,du... du... du Crottin auf zwei Füßen!
Dafür schnappt Borgil sich im Vorbeigehen den fröhlich das nächste Bier hinunterstürzenden Gnom und zischt ihm warnend in eines seiner langen Eselsohren: "Treib es ja nicht zu bunt, sonst verpacke ich dich in eine rote Schleife und schenke dich meinem Vetter Nurio. Der hat eine Vorliebe für Gnome mit kleinen, runden Hintern!" Leider macht Borgil den Fehler, dabei einzuatmen - und Ukkos Gestank wirft selbst ihn fast um. Dann kann er sich jedoch beim besten Willen nicht mehr damit aufhalten, den Gnom zu beleidigen - denn ein Dutzend Schankmaiden rattern ihre Bestellungen herunter und ein ganzer Schankraum voller Gäste verlangt sein Recht (von denen gut die Hälfte aus feiernden Blaumänteln und Kriegsheimkehrern besteht). Im Gewühl entdeckt er kurz das Gesicht der Amazone Shyada, doch sie ist bald darauf wieder verschwunden, ebenso wie Taran, zu dem er es einfach nicht geschafft hatte. Galrin Ragnarsson, der Nordmann, taucht mit der kleinen Halbelbin Jolli, Jolla...Yolanda...nein, Jolanthe! auf und wird von den versammelten Stadtgardisten (a.D.) mit lautem Hallo, trommelnden Füßen, derben Scherzen und begeistertem Jubel empfangen. Wenigstens an seinem Tisch lassen sie ihn und sein Turteltäubchen dann aber in Ruhe und Borgil grinst feixend, während er hastig ein neues Fäßchen Rum aufmacht und die Becher füllt.

Wenn das mal keine Verlobung wird da hinten, falls es noch keine ist, dann bin ich ein Riese! Plötzlich taucht Halla wieder neben ihm auf, während er fluchend mit einem Krug Met und zwölf widerspenstigen Bechern kämpft. >Ich war gerade oben bei der Blutelbin, sie würde gerne ihre Schulden hier abarbeiten. Ich habe ihr gesagt, sie könnte den Zimmermädchen zur Hand gehen, oben wird sie nicht so viel gesehen wie hier unten, und in die Küche lass ich sie mit dem Husten nicht. Sigrun würde mir die Hölle heiss machen, wenn Blut in ihrem guten Essen landen würde, weil die Elbin wieder einen ihrer Hustenanfälle bekommt. Was sagt ihr dazu, kann ich ihr morgen sagen, das dies in Ordnung geht?<

"Sie hustet immer noch?!" Um ein Haar hätte er alles stehen und liegen lassen und wäre nach oben geeilt - oder noch besser - in die Tausendwinkelgassen, um diese Heilfrau notfalls an den Haaren herzuschleifen - und diese Reaktion erstaunt ihn dann doch. Himmelherrgott, es ist doch nur ein Mädel! Reg dich ab, Alter. "Diese Heilerin!" Knurrt er erbost. "Ich dachte, sie hätte ihr einen HEILTRANK gebraut, Scharlatanin! Und nach ihr sehen wollte sie auch, aber war sie hier? Nein!HMPF! Wir müssen Morgana holen, wenn es dem Mädel nicht besser geht, Halla. Und von Schulden abarbeiten will ich nichts hören, aber wenn sie drauf besteht, kann sie ja ein paar Betten machen oder so..." Endlich stehen die Becher, wie sie sollen und der Met fließt auch so wie er soll. >Wo ist denn der Wollhändler hin?< erkundigt sich Halla mit Unschuldsmiene. "Welcher Wollhändler?" Borgil stellt den Metkrug ab und fischt zwei Handvoll saubere Krüge aus dem kalten Klarwasser neben dem Spülstein. "Ach der!" Seine Brauen sträuben sich angriffslustig, aber dann grinst er entschuldigend. "Den hab ich glatt vergessen, tut mir leid. Der wollte irgendwas von mir, aber ich habe keine Ahnung, was. Ach Halla, was immer Ragnarsson, du weißt schon, der Schiffbauer, verzecht, das geht auf's Haus. Gefällt dir wohl, das Langbein, hm?"  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aileika am 20. März 2004, 22:27 Uhr
Die Türe zur Goldenen Harfe wird aufgestossen und eine junge Elbenfrau kommt herein. Die schwarze Kapuze hat sie noch immer tief ins Gesicht gezogen, doch schnell war diese streift sie diese vom Kopf.  Ihr Blick schweift suchend durch den Raum. Als sie einen leeren Platz entdeckt, bahnt sie sich einen Weg durch die Menge und setzt sich und stellt ihren großen Beutel auf den Boden.
Sie ist müde von der langen Reise und ihre Wangen sind leicht gerötet. Auch ihr Bauch knurrt, doch Aileika kann sich jetzt noch nicht um das Essen kümmern. Die Elbenfrau hatte von jemandem erfahren, dass hier ein Zwerg sei, der ihr bestimmt helfen kann eine Wohnung mit Laden zu finden. Als sie zum Tresen schaut, sieht sie rotes Haar aufleuchten, dessen Besitzer ein grimmig aussehender Zwerg ist, der sich gerade unterhaltet. Schnell steht die Elbe auf und geht zu ihm hin. "Bitte entschuldigt werter Herr. Seid ihr Borgil der Wirt?" ein Lächeln huscht über ihre Lippen und ihre Wangen röten sich noch etwas mehr, als sie schon waren.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ukko der Gnom am 20. März 2004, 22:31 Uhr
"Langbein?"
Ukko hatte schon wieder nicht weghören können. Auf der einen Seite hält er die Leute um sich herum bei Laune, indem er ständig neue Darstellungen der Schlacht liefert, auf der anderen Seite verfolgt er interessiert die Machenschaften von Borgil und Halla hinter dem Tresen, die, so weiss er jetzt ganz genau , keine Macht mehr über ihn haben. Hinter ihm stehen die zwei Meter Muskelmasse eines schwertschwingenden Nordländers, der, obwohl jener seine Massen wohl gerade im Hausbaum bei Niniane einsetzt, doch irgendwie allgegenwärtig erscheint , da ihn Ukko in jedem zweiten Satz erwähnt... sei es mit einem " Croni mein Freund...." oder " Croni und ich...." . Croni hatte sogar schon Grossvater Bukko  in punkto "Erwähnungshäufigkeit" abgelöst.

Als Borgil ihn einmal kurz am Kragen gepackt hatte, weil der Gnom eben schon wieder so einen derben Spruch vom Stapel gelassen hatte, konnte sich Ukko nur  damit  vor einem neurlichen Rausschmiss auf den Missthaufen retten, in dem er jammerte, dass Croni das ganz und gar nicht gefallen würde, wie man mit seinem Waffenbruder umging.  Borgils Gesicht glich  einer gegrillten Tomate, aber er liess den Gnom doch wieder los.




Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 20. März 2004, 22:52 Uhr
Halla  schnappt kurz nach Luft und will dem Gnom ein paar passende Worte sagen, doch sie lässt espah, von so einem grünen Etwas lass ich mich nicht provozieren. Ich bin grösser als er, so ein..... So dreht sie sich von dem Gnom weg und hört Borgil weiter zu. Als auch er meint man solle Morgana holen, nickt sie nur. Ukko lässt erneut etwas vom Stapel, und Halla befürchtet einen Moment jetzt wäre es um Ukko geschehen, doch Borgil lässt ihn wieder los und kümmert sich weiter um die zu füllenden Gläser. Halla hilft Borgil,  und die zwei arbeiten Hand in Hand. Es bedarf keiner Worte, jeder Handgriff geht fliessend in den anderen über.  Sie nickt wieder nur kurz, als Borgil erwähnt, dass alles was Galrin bestellt auf Rechnung der Harfe geht. Als Borgil das 'Langbein' erwähnt, und fragt ob sie Gefallen an ihm findet, unterbricht sie kurz die Arbeit und schaut den Zwerg an, und eine leichte Röte ist auf ihre Wangen geKrochen ohne das sie es wollte. "Ähm...., nein Gefallen nicht,... er ist nett..... und überhaupt wie stellt ihr euch so eine Beziehung vor, alleine schon von der Grösse her?" Ein kurzes Grinsen und ein Augenzwinkern begleiten Hallas letzte Worte.

Und dann mischt sich der unsägliche Gnom schon wieder in das Gespräch ein. Und nun kann Halla sich nicht mehr zurückhalten. "Mischt euch nicht in andere Leute Gespräche ein, erzählt lieber weiter eure Lügenmärchen, aber passt auf, das dabei eure Beine nicht noch kürzer werden, als sie jetzt schon sind, denn Lügen haben bekanntlich kurze Beine!" Halla dreht sich wieder von dem Gnom weg, dem eine weiterer Blaumantel einen Humpen Bier zuschiebt. Sie will noch etwas zu Borgil sagen in Bezug auf den Wollhändler, weil Halla weiss, weswegen Jareth Borgil sprechen wollte, doch Borgil wird von einer Fremden angesprochen und so kümmert sich Halla weiter um die Bestellungen, die heute einfach kein Ende nehmen wollen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 21. März 2004, 08:17 Uhr
Es gelingt Borgil wirklich nur mit allergrößter Willensanstrengung, den Gnom nicht im nächsten Faß zu ersäufen und er arbeitet grummelnd und kochend vor Wut mit Halla weiter. Seine Oberste Magd plappert fröhlich drauflos, so, als wäre rein gar nichts erwähnenswertes geschehen und Borgil dankt ihr insgeheim dafür... die Kleine Halla wußte schon, wie sie ihn am besten ablenkt und auf andere Gedanken bringt, als sie ein siebenjähriger Dreikäsehoch war. Beziehung? Er füllt einen Krug mit Apfelmost und schluckt die äh... gelinde gesagt derbe Bemerkung, die ihm schon auf der Zunge liegt, wieder hinunter. "Pah! Mädel, wenn du einen richtigen Kerl brauchst, dann such dir einen... aber nicht so ein langes Elend. Haben kein Durchhaltevermögen, diese Menschen," grinst er frech. Er hätte noch mehr gesagt, wäre Halla nicht von Ukko abgelenkt worden und er von einer fremden, dunkelhaarigen Elbin. >Bitte entschuldigt werter Herr. Seid ihr Borgil der Wirt?< Haucht sie lächelnd und wird dabei doch tatsächlich rot. "Humph!" Macht Borgil - das zwergische Äquivalent eines "Ja".  "Wer seid Ihr und was kann ich für Euch tun?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Bianca am 21. März 2004, 09:04 Uhr
Jolanthes Herz pocht aufgeregt und sie hat viele kleine Schmetterlinge im Bauch, als Galrin so liebevoll und zärtlich zu ihr ist. Es ist ein wunderbares Gefühl, sie könnte sich kein besseres vorstellen!
Sie beugt sich über den Tisch und streichelt ihrem Verlobten liebevoll die Wange.
"Und du weißt nicht, wie sehr ich dich liebe!", flüstert sie und gibt ihm einen leichten Kuss auf den Mund. Wie ein Schmetterling im Frühling, der nur ganz kurz auf einer Blüte landet, um von ihrem Nektar zu kosten.
Sie spürt die Blicke einiger anderer Gasthausbesucher, welches sie doch ein wenig hemmt. Die Harfe ist brechend voll.
Jolanthe bedauert dies. Gerne hätte sie sich ein wenig mit Borgil dem Wirt oder Halla unterhalten. Doch beide haben wahrlich genug zu tun.

Sie beobachtet, wie eine Elbin Borgil anspricht. Sie ist noch jung, doch was Jolanthe an ihr auffällt, ist ihr Benehmen. Sie wird rot, als sie Borgil anspricht, ein Zeichen von Schüchternheit, wie Jolanthe erkennt. Die Elbin benimmt sich ähnlich wie sie selber, als sie hier ankam.
Sie sieht symphatisch aus, ich würd sie gern kennenlernen, denkt sie, doch ich bin mit Galrin hier, sie lächelt ihn an, und außerdem... sie wird mich wohl für aufdringlich halten, ich kann doch nicht einfach fremde Leute ansprechen!
Ihre eigene Schüchternheit hält sie zurück, doch behält sie die Elbin im Auge und versucht etwas von dem Gespräch aufzuschnappen, aber es ist einfach zu laut in der Harfe.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aileika am 21. März 2004, 09:37 Uhr
Auf die Frage des Zwerges verbeugt sich die Elbe leicht. "Mein Name ist Aileika und ich bin erst seit wenigen Stunden in dieser wundervollen Stadt. Ich habe gehört, dass Ihr mir helfen könnt." sie macht eine kleine Pause und streicht sich eine schwarze Haarsträhne aus dem Gesicht. "Ich bin auf der Suche nach einer Wohnung und einem Laden, denn ich möchte gerne ein Kreuter- und Gewürzgeschäft eröffnen." mit festem Blick schaut die junge Frau den Zwerg an. Man merkt ihr an, wie entschlossen sie ist, ihren Traum zu erfüllen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ukko der Gnom am 21. März 2004, 16:04 Uhr
"Lügen haben kurze Beine?" Ukko lacht sich scheckig. Das Bier war ihm schon lange zuvor in den Kopf gestiegen, so dass es für den Gnom langsam Zeit wird, etwas langsamer zu trinken und sich dafür aber  in sinnlosen Disskussionen und Debatten zu verstricken und als Opfer hatte er dafür die arme Halla auserkoren.......... " Glaubt ihr etwa noch an solche Märchen, liebste Halla?... Seid  lieber froh,dass ihr nicht bei den Ruinen von Liam Cailidh dabei wart, soll ich euch mal verraten, was Narge mit kleinen Mogbardamen machen wenn sie zufällig mal eine in die Finger kriegen?" Ukko zuckt vielsagend mit den Augenbrauen und lacht dreckig.......dann schliesst er seine Augen und fährt süffisant fort..." Auch wenn ihr es nicht glauben würdet, ich hätte euch beschützt, denn ihr seid ja ein ganz bezauberndes Wesen."  Ukko verdreht die Augen und fährt sich mit der Zunge über die aufgequollenen Lippen. Der Gnom hatte jetzt den Zustand erreicht in dem er unverhohlen alles angraben würde, was mindestens  halbwegs  als Frau durchgehen könnte. So kommt es, dass die arme Halla, sobald sie aus irgendeinem Grund dem Tresen den Rücken zudreht  Ukkos stierenden Blick wie eine Klinge im Rücken spüren muss.

"Und was die Sache mit dem Langbein angeht....es gibt ein Sprichwort bei uns Gnomen ...je kürzer die Beine desto grösser der Schwengel ..hick... dürfte euch das Antwort genug sein liiiiiiiiiiiebste Hallaa  alalaa ?" ...Ukko krallt sich am Tisch fest, aber man merkt, dass der Gnom nun seinen   entgültigen Pegelstand erreicht hat.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 21. März 2004, 16:32 Uhr
Als Ukko sich halb tot lacht über den Ausdruck 'Lügen haben kurze Beine', verdreht Halla nur die Augen. Doch es kommt noch viel schlimmer und Halla stellen sich alle Nackenhaare auf, als Ukko mit säuselnder Stimme erklärt, das er sie beschützt hätte, wenn sie in Liam Cailith gewesen wäre. Halla kann fast nicht glauben, was sie gerade hört. Sie wirft einen hilfesuchenden Blick auf Borgil, doch dieser ist noch mit der Fremden beschäftigt. Bei allen zwölf Göttern, jetzt versucht er auch noch mit mir zu flirten. Halla muss sich bei dem Gedanken schütteln, dass dieser stinkende, dreckige, grüne Gnom sie auch nur irgendwie berühren könnte.  Sie ist froh, dass die Theke es verhindert, sonst hätte sie sicherlich längst eine Hand dieses ekelhaften Wesens auf einem ihrer Körperteile gehabt. Eine Gänsehaut läuft ihr kurz über die Arme.

Als Ukko dann auch noch anfängt Vergleiche zwischen der Grösse eines Mannes und der Grösse eines gewissen Körperteils zu erläutern, reicht es Halla entgültig. Der Gnom kann kaum noch gerade auf seinem Stuhl sitzen und könnte er sich nicht an der Theke festhalten, so wäre er längst auf dem Boden gelandet. Langsam fängt sie sich wieder und sie lächelt den Gnom honigsüss an und klimpert mit ihren langen shcwarzen Wimpern. " Liebster Ukko, ihr könntet das letzte Männliche Wesen der Immerlande sein, selbst dann würde ich euch nicht einmal mit einer Zange anfassen." Ihr Lächeln bleibt honigsüss, als sie stolz den Kopf hebt, die Nase in die Luft streckt und sich dann anderen Gästen zuwendet.Egal welcher der zwölf Götter mich grad hört, einer von euch soll ihn endlich vom Stuhl fallen lassen, damit ihn jemand nach draussen bringen kann, sonst mach ich mir selbst doch noch die Finger schmutzig. Ich hätte Borgil damals nicht davon abhalten sollen ihm den Schädel zu spalten. Das hab ich nun davon.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ukko der Gnom am 21. März 2004, 17:24 Uhr
>"Liebster Ukko, ihr könntet das letzte Männliche Wesen der Immerlande sein, selbst dann würde ich euch nicht einmal mit einer Zange anfassen"<

Diese  Abfuhr an Ukko löst bei dem Gnom allerdings nicht die von Halla  erwartete Reaktion aus. Ganz im Gegenteil, Ukkos   versoffenes Gesicht strahlt ihr penetranter denn je entgegen.

" Liiiiiiiiiebste Halla ...... so lasst denn die Zange beiseite und fasst mich an, wo und womit immer ihr wollt....!"

Die Blaumäntel um Ukko herum  pfeifen zweideutig, der eine oder andere hält sich grinsend die Hand vor den Mund und dies spornt den Gnom zusätzlich an.....

" Wann habt ihr eigentlich Dienstfrei? Wir könnten uns ja danach noch ein Bier  gönnen und  dann holt Ukko den Hammer raus...."  

Die Meute um den Gnom gröhlt. Und Ukko blickt sich  grinsend um.

" Findet ihr nicht auch, dass heute eine Nacht zum Helden zeugen ist ?  Allerdings kann nur ein Held einen Held zeugen ......aber ich bin ja Held Ukko, ihr seht, meine Kleine, das Problem wäre gelöst ....!"

Ukko giert Halla an, wie eine Spinne, in deren Netz sich gerade eine unschuldige Fliege verhäddert hat. Der Gnom hat einen seiner schmutzigen Schuhe auf den Tresen gestellt und macht Anstallten über die Theke zu krabbeln.  Die ebenfalls angetrunken Blaumäntel um Ukko herum feuern den Gnom  an.

" Habe ich nicht einen Kuss verdient, liebe Halla?....Ich hab auch euren Hals gerettet, als ich meine Leben beim Kampf gegen die Narge aufs Spiel gesetzt habe !"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kea am 21. März 2004, 17:31 Uhr
Als Ierás und Kea bei der Harfe ankommen, bringen sie die Pferde erst mal in den angrenzenden Stall wo sie für die Dauer von Keas und Ierás' Harfenbesuch bleiben können. Edanwen lässt es sich wie immer nicht nehmen die Ohren anzulegen und seitlich zu den anderen Pferden hin etwas hinüber zu zwicken als sie durch die Stallgasse gehen. Ein Stallbursche will den beiden ihre Pferde abnehmen, doch Kea wiederrum lässt es sich nicht nehmen ihr Pferd selbst anzubinden.
So haben wir beide unsere Eigenheiten. Lächelnd streicht sie dem Hengst über das rote Fell und durch die schwarze Mähne ehe sie den Stall verlässt und sie sich in den Schankraum begeben.
In der Harfe ist wie immer eine Menge los und Kea lässt schaut erst mal durch die Runde während sie sich langsam durch die vollen Tische zu einem Platz drängen, wobei sie Ierás Hand nicht los lässt.
Borgils Mägde laufen wie immer fleißig zwischen den Tischen hindurch und nehmen in windeseile Bestellungen auf und auch Borgil selbst ist im Schankraum vertreten. Da er sich aber gerade unterhält heben sie nur die Hand zum Gruß und die Mundwinkel zu einem freundlichen Lächeln und setzen sich schließlich an einen Tisch.
Mit einem Grinsen bemerkt Kea den Gnom an der Theke der die arme Halla anstarrt, dabei aber auch schon kaum mehr am Sessel sitzen kann ohne sich am Tresen fest zu krallen. Ierás verfolgt Keas amüsierten Blick zu dem Gnom und muss ebenfalls kopschüttelnd lachen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 21. März 2004, 17:53 Uhr
Hallas Wangen glühen rot, aber nicht aus Scham über das was Ukko gerade laut verkündet, sie hat schon weitaus derbere Aussprüche hier in der Harfe gehört. Was sie vielmehr ärgert ist, das Ukko nun auch noch versucht auf die Theke zu klettern. Einige der Bierkrüge wackeln bedenklich, als Ukko sich umständlich mit Hilfe einiger grölender Blaumäntel auf die Theke hievt.  Als er endlich wackelnd dort steht, seine Lippen zu einem Kuss formt und doch tatsächlich wohl auch noch erwartet das Halla dem 'Held' Ukko freudig einen Schmatzer auf diese drücken wird, kann Halla nicht mehr anders. Ansonsten ist sie wirklich die Ruhe in Person, doch das schlägt nun dem Fass den Boden aus. Keiner der Männer in der ganzen Harfe erweist sich als Gentlemen und holt den Zwerg von der Theke, nicht einmal die Götter scheinen Hallas Gebete erhört zu haben.

Da sie von keiner Seite aus Hilfe erwarten kann, muss sie wohl selbst zur Tat schreiten. Mit einem lieblichen Lächeln nähert sie sich Ukko, der sich in Ewartung eines Kusses zu ihr herunter beugt. Doch was er sich einhandelt ist mit Sicherheit kein Kuss, sondern eine schallende Ohrfeige. Im selben Augenblick greift Halla mit der anderen Hand nach einem der schwankenden Gnomenbeine und zieht mit voller Kraft daran. Dem schwankenden Gnom bleibt nichts anderes übrig als hinterrücks von der Theke zu purzeln. Gröhlendes Gelächter breitet sich in der Harfe aus und einige helfende Hände fangen Ukko, sehr zum Bedauern von Halla, auf, so dass er nicht auf den Boden stürtzt und sich sämtliche Knochen bricht. Mit einem breiten Grinsen wischt sich Halla ihre Finger an einem Tuch ab und macht sich dann daran weitere Humpen mit Met zu füllen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ukko der Gnom am 21. März 2004, 18:32 Uhr
Es klatscht laut und vernehmlich. Statt eines süssen Gefühls auf den Lippen  hat der Gnom plötzlich ein brennendes Gefühl auf der Wange. Doch er  kommt gar nicht dazu sich lange Gedanken zu machen. Auf einmal dreht sich die Harfe, die Theke, die Besucher, überhaupt alles, denn Ukko stürzt kopfüber nach hinten und sieht den  Harfenboden immer näher kommen. Glücklicherweise haben starke Hände um ihn herum reagiert und packen den Gnom an seinen Hosen und Stiefeln, bevor sich der Unglücksrabe auf den Fließen die Nase plattdrückt.

Ukko krabbelt benommen auf seinen Hocker zurück. Die ganze Harfe lacht sich kaputt und Ukkos Gesicht glüht vor Scham und überstrahlt den rote Fleck auf seiner linken Backe.
Er sieht Hallas Gesicht, die ihm keck zuzwinkert, sich demonstrativ die Hände an ihrer Schürze abwischt und dann mit schwingenden Hüften zum Bierfass geht.

Da durchfährt es Ukko wie eine Welle warmen Wassers.  Er lächelt verträumt und nuschelt: " Ich glaub sie liebt mich...das war die schönste Ohrfeige die ich je bekommen habe ..diese Stelle wasch ich nie mehr."

Plötzlich wird die Sicht auf Halla durch ein bärtiges Zwergengesicht blockiert.  Zwei Reihen von blitzend weissen Zähnen die jedem Haifisch Tribut gezollt hätten , öffnen sich vor Ukko und Borgils Schrei fegt dem armen Gnom fast die Mütze vom Kopf. Der Zwergenwirt hatte wohl mitbekommen, das Ukko mit seinen dreckigen Schuhen auf die Theke geklettert war und darüberhinaus die gute Seele von Halla mit obszönen Gesten gepiesackt hatte. Das diese dem Gnom eine gelangt hatte, ist eine wahre Genugtuung. Wenn er schon diesem kleinen Lumpen nicht ans Leder durfte, dann hatte Halla wenigstens sein sehnlichsten Wunsch erraten und dem Gnom  endlich mal das Grinsen aus der Fresse geschlagen ...aber dass er jetzt auch noch Schuhabdrücke auf dem Tresen hat, die nach weiss Gott was müffeln-Ukko ist die schnellste Abkürzung zur Harfe gegangen, die er kannte, und zwar  durch jede Pfütze und jeden Acker- lässt den Wirt bis ins Gekröse erbeben.

Ukko merkt gleich, dass hier weder die Erwähnung von Croni noch von Grossväterchen Bukko etwas ausrichten kann, also verdrückt er sich ausnahmsweise doch noch vor Sperrstunde.

An der Tür schreit er allerdings noch einen Abschiedsgruss  zu Halla, der von Borgil mit dem Wurf eines Bierhumpens in seine Richtung quittiert wird. Ukko quiekt und macht sich schleunigst aus dem Staub, als er sieht, wie Borgil nach einem weiteren Humpen greift und schon Maß nimmt ....

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Bianca am 22. März 2004, 08:32 Uhr
Jolanthe und Galrin beobachten das merkwürdige Geschehen zwischen Ukko und Halla.
Als Halla schließlich dem hässlichen gnom eine Ohrfeige gibt, kann Jolanthe nicht umhin, sie dafür zu bewundern. Sie selbst hätte sich das nie getraut.
Wie Ukko dann von der Theke fällt, kann auch sie sich das Lachen nicht mehr verkneifen und lacht mit den anderen mit. Kopfschüttelnd beobachtet sie Ukkos Hartnäckigkeit.
"Die arme Halla, sie hat wirkliches was Besseres verdient!", meint sie zu Galrin.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Galrin am 22. März 2004, 09:38 Uhr
Als der Gnom von der Theke purzelt, lacht Galrin schallend mit den anwesenden Blaumänteln und seiner Verlobten. Die Ohrfeige war nicht von schlechten Eltern und beschert dem kleinen Wichtigtuer hoffentlich eine Zeitlang ordentliche Kopfschmerzen. Bedauerlicherweise war der Schiffsbauer in sein Gespräch mit Jolanthe vertieft gewesen und hatte so die unzüchtigen Avancen Ukkos nur am Rande mitbekommen, sonst hätte er sich zu gern des "kleinen Problems" angenommen.

Daß der Gnom das Maul aufreißt, sodaß man ohne Probleme einen Rudernachen darin unterbringen kann, stört Galrin nicht weiter. Ein jeder Mensch oder Elb, der halbwegs bei Verstand ist, weiß, was man von derartigem Gnomengeschwätz zu halten hat.
Aber die Tatsache, daß der elende Wicht die Frechheit besitzt, den Namen Cron von Tronjes in doppelter Hinsicht in den Schmutz zu ziehen, ist selbst für den sonst recht gemütlichen Schiffsbauer zuviel. Und die gute Halla, normalerweise ein Ausbund an Liebenswürdigkeit und Ehrlichkeit, derart vor den Leuten bloßzustellen, setzt den Frechheiten des Gnoms die Krone auf.

So nimmt der Nordmann sich im Stillen vor, den Gnom bei sich bietender Gelegenheit ordentlich zu vertobaken, bevor er ihn wieder zu "Croni" zurückschickt. Mochte der Tronjer Galrin dafür auch zur Rechenschaft ziehen, dem Schiffsbauer wäre es die Sache wert.

>Die arme Halla, sie hat wirkliches was Besseres verdient!<, läßt sich Jolanthe vernehmen und der Schiffsbauer nickt grimmig. "Der Gnom hat auch etwas Anderes verdient. Aber das empfängt er noch früh genug.", knurrt der Nordmann, während das widerlich-grüne Etwas soeben von Borgil unsanft aus der Harfe hinaus komplimentiert wird.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 22. März 2004, 10:12 Uhr
"Kräuter und Gewürzladen, was? Trifft sich gut, sowas fehlt hier in Talyra noch ein wenig... braucht man mal eine Prise Safran oder Kräutertee gegen Sa...ha ähem irgendwas, muss man immer gleich in die Tausendwinkelgassen." Während Borgil von dem Geschehen um ihn herum abgelenkt mechanisch weiter Bier, Wein, Rum, Feuerwein, Met und Hippokras ausschenkt, geht er in Gedanken die Häuser und leerstehenden Gebäude durch, die ihm gehören und versucht gleichzeitig, die junge Elbin vor ihm einzuschätzen. War sie wirklich Willens und fähig, ein solche Aufgabe auf sich zu nehmen? Er kann es nicht sagen. Irgendwann zuckt er mit den Schultern. "Wie wäre es, wenn Ihr Euch für heute Nacht erst einmal ein Zimmer hier nehmt und Euch morgen die Gebäude anseht, die in Frage kämen? Ich hätte da ein oder zwei Häuser, die für Eure Bedürfnisse passend wären, aber jetzt mitten in der Nacht könnt Ihr sie Euch kaum ansehen. Eines ist gleich am Marktplatz, aber unten in der Nähe der Pranger - nun ja, hat man gute Laufkundschaft, das andere auch nicht weit in der Straße zum Seeviertel.... Ihr.... entschuldigt mich!" Zischt er, als Ukko Anstalten macht, zudringlich zu werden. Als Halla den Gnom ohrfeigt, hätte Borgil seine oberste Magd am liebsten im Kreis geschwenkt und geküßt. Als er jedoch auch noch die schlammigen Fußabdrücke auf seiner glänzend polierten Theke entdeckt, ist es endgültig aus  - Ukko fliegt raus, Tronjer hin oder her und selbst der Gnom kapiert bei Borgils Wutbrüllen, was die Stunde geschlagen hat, denn er versucht nicht einmal mehr, sich irgendwie rauszureden. Borgil wirft ihm krachend das nach, was er gerade zur Hand hat, in dem Fall ist es ein Bierkrug, der klirrend am Türsturz der Harfe bricht. Die Blaumäntel haben ihr Gejohle eingestellt und verdrücken sich lieber ein wenig - schließlich hatten sie keine Anstalten gemacht, Ukko abzuhalten, im Gegenteil, und mit einem wütenden Borgil, dem dieser Umstand am Ende noch einfallen könnte, will sich keiner von ihnen anlegen. Kaum ist Ukko draußen, atmet Borgil auf. Der Anblick des rennenden Grünlings mit den wehenden Ohren hat ihm enorm Auftrieb gegeben und auch Halla sieht aus, als wäre sie äußerst zufrieden mit sich. Borgil kehrt mit dämonischem Grinsen hinter seine Theke zurück, schickt einen Servierjungen Scherben und Bierpfützen an der Tür aufzuwischen und schenkt zwei kleine Becher Feuerwein voll. Einen schiebt er Halla hin, den anderen nimmt er selber. "Prost Mädel," erklärt er fröhlich. Als er sich umdreht, ist die Elbe immer noch da. "Na," röhrt er, "was haltet Ihr von meinem Vorschlag?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aileika am 22. März 2004, 11:18 Uhr
Begeistert hört Aileika dem Wirt zu. Ihr Herz klopft noch ein wenig schneller als zuvor und ihre Augen strahlen glücklich. Die junge Elbe will dem Zwerg gerade antworten, als dieser plötzlich mit Bierkrügen nach einem Gnom wirft. Erst jetzt realisiert Aileika, was um sie herum alles passiert und sie muss lachen.
Als der Zwerg sich wieder ihr zuwendet, nickt sie aufgeregt und ihre Augen glänzen wie zwei Sterne. „Ja, sehr gerne würde ich mit Ihnen am morgigen Tag die Häuser ansehen. Ich freue mich wirklich über Ihre Freundlichkeit werter Herr.“ Sie verbeugt sich leicht, obwohl sie dem Zwerg am liebsten um den Hals fallen möchte. „Können Sie mir zeigen, in welchem Zimmer ich  die heutige Nacht verbringen kann?“  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 22. März 2004, 11:25 Uhr
Zum Glück hat Halla Ukkos genuschelte Worte nicht verstanden, sonst wüsste sie, was in der nächsten Zeit wohl auf sie zukommt. Borgil war die ganze Zeit beschäftigt mit der Fremden und bekommt erst wirklich etwas von der ganzen Situation mit, als Halla Ukko die Ohrfeige gibt, als er dann auch noch Ukkos schmierigen Fussabdruck auf der Theke sieht, ist auch bei Borgil das Mass voll. Halla befürchtet schon, dass Borgil es sich jetzt nicht nehmen lassen würde, den Gnom auseinander zu nehmen, doch diesmal scheint Ukko bewusst zu sein, dass er den Rahmen überspannt hat und flüchtet aus der Harfe. Borgil wirft ihm noch einen Bierkrug hinterher und für einen Moment kehrt Stille ein in der Harfe, die bald darauf durch Gemurmel abgelöst wird und das Scharren der Füsse der Blaumäntel, die sich rasch ausserhalb von Borgils Reichweite begeben.

Normlerweise hätte Halla sich jetzt eine Standpauke von Borgil anhören müssen, wenn es sich um einen anderen Gast als Ukko gehandelt hätte, obwohl Halla sich schon etwas mehr erlauben darf als die anderen Schankmädchen. So aber schenkt der Zwerg Halla ein Gläschen Feuerwein ein, welches Halla mit einem breiten selbstzufriedenen Grinsen entgegen nimmt. Auch sie prostet Borgil zu und zwinkert  verschmitzt einmal kurz mit den Augen, ehe Borgil das Glas in einem Zug leertrinkt und sie es ihm gleichtut.

Der Wein rinnt brennend die Kehle herab und einen kurzen Augenblick muss Halla sich schütteln, doch dann breitet sich eine angenehme Wärme in der Magengegend aus. Sie stellt das Glas zu dem anderen Spül hin und geht Borgil weiter zur Hand immer noch ein Grinsen auf dem Gesicht, das für den Rest des Abends nicht verschwindet. Borgil hat sich wieder der Fremden zugewendet, zapft aber gleichzeitig weiter Humpen voller Bier. Die Blaumäntel haben sich von Borgils kleinem Ausbruch erholt und bestellen eifrig weiter Bier, Met und Wein und diskutieren, lachen und gröhlen noch immer über das eben erlebte. Manch einer wirft einen kecken Blick auf Halla, doch sie ignoriert alle Blicke, fürs erste hat sie die Nase von Verehrern voll. Wenn alle Kerle so sind, wie die, die sich hier in der Harfe aufhalten, sollen sie ihr alle gestohlen bleiben. Borgil hatte schon recht, hier würde sie kaum jemanden finden. Aber im Grunde hat Halla für so etwas gar keine Zeit. Die meiste Zeit verbringt sie in der Harfe zusammen mit Borgil und den anderen Mädchen, und kommt selten aus ihr heraus. Wie sollte man da einen vernünftigen Mann kennenlernen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Mistress Neun am 22. März 2004, 11:45 Uhr
Als sie fertig ist mit essen, schiebt sie ihren Teller etwas weg und legt ihren Kopf in ihre aufgestützten Hände. Von ihrem Platz am Fenster hat sie eine gute Position um alles im Raum zu beobachten, was sie auch eine ganze Weile tut. Irgendwann ist Galrin, der Kapitän der "Windkind" mit seiner Gefährtin aufgetaucht und haben sich nur ein paar Tische weiter ebenfalls am Fenster niedergelassen. Der Gnom an der Theke ist mittlerweile zur Ruhe gebracht worden. Von wem hat sie nicht mitbekommen, aber das ist ja auch egal, Hauptsache er ist ruhig. Immer wieder schweift sie mit ihren Gedanken ab und lässt sich treiben.

Leise lässt sie einen Seufzer los. Es bringt alles nichts, du kannst nicht ewig hier sitzen. So winkt sie nach einer der Mogbarmädchen, die inzwischen immer mehr beschäftigt sind. Und es dauert auch eine Weile ehe eine der kleinen Wesen neben dem Tisch auftauchen und ihre Münzen für das Essen und den Wein entgegennimmt.
Vorsichtig zieht sie ihren Korb unter der Bank hervor und steht auf. Es ist voller geworden im Schankraum, immer wieder muss sie aufpassen, das sie mit ihrem Korb niemanden anrempelt. Langsam bahnt sie sich so einen Weg durch die Tische richtung Tür. Nur im Vorbeigehen nickt sie dem Kapitän und der kleinen Halbelfe freundlich zu. An der Tür verharrt sie für einige Wimpernschläge, doch dann zieht sie die schwere Holztür auf und tritt hinaus in die frische Frühlingsluft.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ieras am 22. März 2004, 12:30 Uhr
Noch während Kea und Ierás das Geschehen am Tresen der Harfe verfolgen, setzt es für den Gnom Ohrfeige und Borgil tritt auf den Plan. Eben noch in ein ruhiges Gespräch mit einer Elbin vertieft, fährt der Zwerg herum und brüllt Ukko ins Gesicht, dass diesem die Ohren schlackern. Urplötzlich herrscht, bis auf das Zwergengebrüll Stille in der Harfe und erst als ein Bierkrug klirrend an der Tür, durch die der Gnom gerade noch verschwunden ist, zerbirst stellen sich langsam wieder die Gespräche ein.
Eine der Mogbarmägde kommt schließlich an ihren Tisch und sie geben ihre Bestellung auf. Mit wehendem Rock eilt die Magd weiter und Ierás greift nach Kea´s Hand. Beide lassen für einige Momente ihre Blicke durch die Harfe streifen, ehe sie sich wieder einander zu wenden und sich leise unterhalten.
Wenig später kommt ihr Essen, zwei dicke Scheiben vom Schweinebraten in sämiger Soße und genug Brot um allein davon satt zu werden. Sie beide hatten sich für verdünnten Wein entschieden und Ierás ist froh darüber, ist ihm doch noch immer die Nacht vor der letzten Inarinacht in Erinnerung geblieben. Das letzte Jahr ist so rasend schnell vergangen.. Während des Essens schweigen sie die meiste Zeit und während Kea irgendwann den Teller von sich schiebt, ist Ierás noch damit beschäftigt seinen Teller mit dem Brot von der Soße zu reinigen. Schließlich lehnt auch er sich zurück und wirft einen Blick aus dem Fenster. "Hm, das war jetzt gut."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kea am 22. März 2004, 13:44 Uhr
Das Essen ist wieder ein Beweis für das Talent der Köche und Köchinnen in der Harfe und die Menge mal wieder eher auf Riesen eingerichtet. Trotzdem essen sie so viel wie möglich weil keiner der beiden so kochen kann und auch Wein haben sie so gut wie nie daheim der aber dem ganzen Essen eine besondere Note gibt. Als Kea glaubt jeden Moment zu platzen schiebt sie mit den Teller von sich und legt die Hände auf ihren Bauch als wolle sie prüfen ob er nun so rund ist wie er sich anfühlt und Kea aus der Harfe, einem Fass gleich, aus der Harfe rollen kann. Ierás ist immer noch mit seinem Teller und dem letzten Brot beschäftigt und Kea lächelt über seine konzentrierte Art so viel Soße wie möglich auf die Brotreste zu bekommen.
Schließlich lehnt er auch er sich zurück und sieht sie an, die Hände genauso über der Magengegend gefaltet wie Kea. >Hm, das war jetzt gut.<
Kea nickt und wirft noch einen Blick auf den noch nicht ganz leeren Teller, zum Reden fühlt sie sich zu voll. Sie fährt mit der Zungenspitze über ein kleines Stück der Oberlippe und der Geschmack von zurück gebliebener Soße lässt sie noch einen Versuch starten weiter zu essen, doch sie scheitert am Weg zum Besteck und das Brot scheint noch weiter entfernt.
Die Geräusche in der Harfe untermalen die aufkommende Müdigkeit Keas, die die Schmiedin öfters am frühen Nachmittag ereilt, doch nie mit Schlaf belohnt wird. Kea öffnet die Augen zwanghaft, unterdrückt ein Gähnen und setzt sich gerade hin obwohl ihr Magen dagegen rebelliert.
Kea und Ierás sitzen noch einige Zeit um vollends zu verdauen und die letzten Reste ihres verdünnten Weines zu trinken. Sie bezahlen noch ihre Mahlzeit und verlassen dann wieder Hand in Hand die Goldene Harfe in Richtung Stall wo sie Edanwen und Nigrés holen, die je ein Bein entlastet vor sich hin dösen und auf ihre Reiter warten.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Elthyryr Elruin am 22. März 2004, 18:49 Uhr
Das Gedränge in der Harfe scheint sich nun wieder einwenig zu lichten und eine Schankmaid kommt an Elthyryrs Tisch um zu fragen ob er noch irgendetwas wünscht und räumt nebenbei schnell den Tisch ab. Nach kurzem überlegen bestellt er sich einen Beerenwein, "Aber nur einen kleinen, Verehrteste" fügt er mit einem quieckenden lachen hinzu. Dann wendet er sich wieder Dolmin zu und streicht sich mit einer Hand die Haare aus dem Gesicht. "Dolmin heißt ihr also, wahrlich ein netter Name" nach einer kurzen Pause fügt er hinzu "Euer Endziel sagt ihr? Und war Eure Suche nach Arbeit erfolgreich?"

Währenddessen bringt die junge Schankmaid Elthyryr den gewünschten Wein, mit einem freundlichen lächeln und einem nicken bedankt er sich und hebt den kleinen Kelch um mit Dolmin anzustoßen. "Nun, ich lebe schon einige Monate hier und arbeite zur Zeit in der Schmiede vom ehrenwerten Taran, gleich hier am Marktplatz, ein netter junger Mann, sehr nett, jaja... Nun, doch trotz der schon recht langen Zeit kenn ich wohl noch recht wenig hier aus, deswegen wollte ich heute ein wenig die Gegend erkunden, aber ich denke, das werde ich wohl verschieben, die Sonne ist schon zu weit am Himmel gereist als das sich noch lohnen würde... und Ihr? Wie lange seit Ihr schon hier? Ich kann mich nicht erinnern euch schon einmal gesehen zu haben"

Unruhig rutscht Elthyryr nach seinem Redeschwall auf seinem Stuhl hin und her um eine bessere Sitzposition zu finden, denn auf Dauer sind die hölzernen Stühle der Harfe wenig bequem. Mit einem gekniffenen Grinsen schaut er dann wieder zu Dolmin nachdem er eine einigermaßen angenehme Position gefunden hat.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Dolmin am 22. März 2004, 19:05 Uhr
Dolmin beobachtet Elthyryrs Bewegungen und versucht sie, irgendwie in ein altbekanntes Bewegungsmuster einzuordnen, doch dieser Elf scheint keinem prinzip zu folgen und dreht und wendet sich, wie ihm gerade der Sinn dannach steht. Das Gedrehe und Gewende macht Dolmin gereizt und als Elthyryr endlich eine für ihn scheinbar angenehme Position zum Sitzen gefunden hat, entspannt sich Dolmin wieder etwas.

"Ja, ein Endziel, Arbeit, genau." antwortet er ein Nicken andeutend. "In einer Fleischerei. Schlachten. Blut, viel Blut und manchmal Tieraugen", sagt er und fügt hinzu, "aber daraus wird zumeist Suppe gemacht." Am liebsten würde Dolmin jetzt gerne laut loslachen und sich die Hände reiben, doch bleibt er eisern und gibt sich so, als sei diese Arbeit für ihn die Erfüllung schlecht hin. Dolmin ist es satt, immer von Tisch zu Tisch zu sprechen und greift daher zu seinem Krug und setzt sich an den Tisch des Fremden. Dann lehnt er sich gemütlich in seinen Stuhl zurück und beobachtet den Elbenmann einige Zeit.

Diese feinen Gesichter, alles scheint nur der Schönheit Willen geschaffen sein, doch Schönheit ist vergänglich und die Elben werden des Lebens müde... nun, dieser vielleicht nicht gerade. Dolmin weiß, dass Elben unsterblich sind und nicht altern, dies jedenfalls, hatte man ihm erzählt. die Menschen sind die Geschöpfe die weitaus kräftiger als die Elben sind und sich mehren und den Kontinent, sowie alles darüber hinaus bevölkern. Ihr seid schwach und vergeht mit der Zeit bis nichts mehr bleibt, außer eure Namen.

"Ich bin seit drei Monden hier!" entfährt es Dolmin dann plötzlich und unerwartet. Er legt ein leises Lächeln auf seine Lippen und er streicht sein dunkles, leicht strähniges Haar aus dem Gesicht. "Ich kenne mich leider nicht sehr gut aus hier und bin sehr wissbegierig, doch leider ist es nicht einfach, an die... Informationen... zu gelangen, die man benötigt." Die letzten Worte flüstert er vielmehr, als dass er sie noch spricht. "Wisst ihr... Elthyryr, wo man die kleinen Geheimnisse der Stadt erfahren kann?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Elthyryr Elruin am 22. März 2004, 19:43 Uhr
Während Dolmin berichtet welcher Arbeit er hier nachgeht klammert sich Elthryry fest an seinen Kelch mit Wein. Seine Augen sind weit aufgerissen und sein Mund beginnt sich halb zu öffnen Schlachten? Blut, sogar viel Blut? Tieraugen? Suppe? Ein schaudern geht ihm über den Rücken an den Gedanken an eine Suppe aus denen ihm die Augen eines Rindes oder Schweines oder wer weiß was noch für andere Augen, in die seinen schauen. Und Blut, nein, Blut kann er erst recht nicht sehen, schon der Gedanke daran löst ein ein leichtes Ekelgefühl in ihm aus. Wie kann einem so eine Tätigkeit Spaß machen? Nun gut, er ist ein Mensch, die sind wohl sowieso ein bisschen seltsam aber... Tieraugen... Suppe... Schnell verdrängt er den Gedanken an Tieraugen und Blut und trinkt einen kräftigen Schluck des Weines während sich Dolmin an seinen Tisch setzt. "Einen... netten Beruf habt ihr da..." Ringend sucht er nach passenden Worten um nicht unfreundlich zu wirken"...besser als nichts würde ich sagen" spricht er mit zögernder Stimme und rutscht mit seinem Stuhl ein wenig nach hinten und streicht nervös an seinem Gewand herum was wiederrum ein klingelndes Geräusch verursachte. Dann sitzt er still da.

Beide schauen sich in die Augen, für einen Moment  bemerkt Elthyryr ein merkwürdiges Glitzern in denen seines Gegenübers. Merkwürdiger Kauz, was er wohl gerade denkt? Hoffentlich nicht an Suppe... Dann plötzlich spricht Dolmin weiter. "Kleine Geheimnisse? Was meint ihr damit? Also für Informationen kann ich Euch Borgil vorschlagen, er ist der Wirt dieses Gasthauses und dürfte so einiges wissen über diese Stadt. Doch was meint ihr mit den kleinen Geheimnissen?" Leicht nach vorn gebeugt spricht er die letzten Worte genauso flüsternd leise aus wie Dolmin.

Als er sich wieder zurücklehnt kommt an dem Tisch ein junger Elb vorbei, schlank, groß und in grünes Gewand gehüllt. Ruckartig dreht er sich um, starrt dem Elben nach und flüstert leise zu sich selbst irgendetwas von "hübsch" und "Prachtkerl"... Hab ich eben laut gedacht?. Nachdem er wieder zur Besinnug gekommen ist dreht er sich wieder zu Dolmin und lächelt verlegen. "Ähm, von Geheimnissen weiß ich nichts, zumindest weiß ich nicht, das von dem was weiß das dies Geheimnisse wären, weder kleine, noch große."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ieras am 22. März 2004, 21:26 Uhr
Sie holen die beiden Pferde aus dem Stall, wobei Ierás Kea und Edanwen mit einem kleinen Lächeln beobachtet. Die beiden verstehen sich wirklich gut. sacht streicht er seiner Stute über die Nüstern. Er weiß, dass sie nicht gut auf Senden reagiert und so bleibt ihm lediglich die normale Kommunikation zwischen Reiter und Pferd, doch Kea und ihren Hengst zu beobachten ist immer eine Wohltat.
Das Essen hatte länger gedauert als sie beide gedacht hatten und so werden bereits die ersten Nachtfeuer entzündet, als sie die Pferde am langen Zügel führend aus dem Stall treten. "Was meinst du, wollen wir vielleicht noch rasch bei mir zuhause vorbeischauen, vielleicht ist meine Mutter ja da." Ierás versucht zu grinsen, doch langsam gewinnt die Sehnsucht nach seiner Mutter die Oberhand und das Grinsen wird reichlich schief. Er hatte Kizumu wochenlang nicht gesehen und auch wenn er in diesen Wochen eher sporadisch an sie gedacht hatte, dazu hatte er viel zu viel damit zu tun an Kea zu denken, so vermisst er ihre Anwesenheit dennoch. Kea scheint das zu spüren und mit einem Lächeln willigt sie ein, noch bei ihm vorbeizuschauen. Er hilft ihr aufs Pferd, auch wenn er weiß, dass sie dies eigentlich nicht nötig hat, doch er hatte es bei einigen edlen Herren gesehen und es hatte ihm imponiert. Kea hat Edanwen bereits antreten lassen und Ierás folgt ihr, nachdem er sich auf Nigrés Rücken gezogen hat.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 23. März 2004, 11:07 Uhr
Ihnen? Was soll denn das sein "Ihnen"? Als typischer Zwerg der Weltenstadt und Geschöpf der Immerlande kennt Borgil sich zwar mit dem Ihrzen hervorragend aus, schließlich ist er ein Mann von Rang und Namen, aber vom Siezen hatte man in dieser Welt noch nirgends gehört - und daher ist es nicht weiter verwunderlich, wenn er ihre Anrede überhaupt nicht begreift. Dann realisiert er, daß die Elbin offenbar denken muß, er würde ihr die Häuser zeigen und nachdem der Gnom entlassen, mit Halla der Sieg beprostet und die nächste Runde Bier und Wein für die Schankmädchen bereit gestellt ist, wendet er sich noch einmal an seinen neuesten Gast. "Äh...nein, meine Dame. Ihr scheint mich mißverstanden zu haben. Ich werde Euch sagen, wo die Häuser sind und Euch die Schlüssel dafür aushändigen, damit ihr sie auch von Innen ansehen könnt. Ich kann Euch gern einen meiner Knechte mitgeben, falls Ihr das nicht alleine tun wollt, aber ich kann hier nicht weg, um Euch durch die Stadt zu führen, tut mir leid." Er dreht sich um und nimmt von einem langen Bord hinter der Theke einen verschnörkselten Eisenschlüssel, an dem ein kleines Holztäfelchen mit der rotgeprägten Nummer 14 darauf baumelt. "Hier, Euer Zimmer für heute Nacht. Es ist das siebte auf der linken Seite den Gang hinab gleich im Oberen Stock. Einfach die Treppe hinauf und dann zu Eurer Linken. Und nun entschuldigt mich wirklich, Ihr seht ja selbst, was hier los ist. Wenn Euch eines der Häuser zusagt, dann gebt mir Bescheid und wir können einen Kauf - oder Pachtkontrakt aufsetzen, ganz wie es Euch beliebt."  Er entdeckt kurz Ieras und sein Mädel im Gewühl, augenscheinlich schon wieder auf dem Sprung und winkt ihnen kurz zu (Schwanger? Ja, wo denn? Die ist ja immer noch so schlank wie ein Weidenzweig!), dann kommt schon die nächste Schar schnatternder Schankmägde, die ihm eine neue Runde von Bestellungen um die Ohren knallt und er ist wieder in seinem Element.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aileika am 23. März 2004, 11:59 Uhr
Aileika nickt, nimmt den Zimmerschlüssel und die beiden anderen Schlüssel der Häuser an sich und verabschiedet sich mit einem Lächeln. Zurück an ihrem Platz, packt sie den Beutel und kämpft sich durch die Menge, bis hin zur Treppe. Mit müden Schritten schleppt sich die Elbenfrau hinauf und sucht nach dem Zimmer, in dem sie die kommende Nacht verbringen wird. Bei dem Zimmer angekommen, steckt Aileika den Schlüssel in das Loch und dreht zweimal. Die Türe öffnet sich knarrend und Aileika betritt das kleine Zimmer. Es ist sehr gemütlich eingerichtet und die Elbe fühlt sich sofort wohl. Sie entzündet eine Kerze und packt nach und nach ihren Beutel aus. Schnell entledigt sie sich ihrem Umhang und dem schwarzen Kleid und zieht das weisse Nachtgewand an. Bevor sie sich ins Bett legt, nimmt sie einen schönen Apfel und ein Stück Brot aus dem Beutel und verzerrt alles in einem Heidentempo. Nach dem Schmaus, legt sich die Elbe ins weiche Bett und schläft schnell ein.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Dolmin am 23. März 2004, 15:22 Uhr
Mit zusammengekniffener Stirn betrachtet Dolmin seinen gegenüber. Hatte er da gerade richtig gehört? Der Elb hatte nur gemurmelt, doch Dolmin schnappte das Wort "Prachtkerl" auf, als der Elb beinah wie in Trance einem ebenfalls elbischen Jüngling hinterherrstarrte. Ich wusste ja, Elben sind komisch... aber das sie so seltsam sind, hätte ich nicht gedacht. Ich muss noch einiges lernen, in Bezug auf diese eigenartige Rasse. Noch kurz bevor Elthyryr sich umdreht wirdt Dolmin ihm einen verächtlichen Blick zu, setzt in rechter Sekunde jedoch wieder sein schmales Lächeln auf.

Elthyryr hat augenscheinlich nicht bemerkt, dass Dolmin seine sonderliche Bemerkung gehört hat und Dolmin entschließt sich, auch nicht nachzufragen. Er hatte ohnehin nicht vorgehabt, mit jemandem ein Gespräch zu beginnen, doch dem kann er sich nun nicht mehr entziehen. "... zumindest weiß ich nicht, das von dem was weiß das dies Geheimnisse wären, weder kleine, noch große." beendet Elthyryr seine Antwort auf Dolmins Frage.

Du bist wirklich zu gar nichts zu gebrauchen. stellt Dolmin fest und antwortet: "Zu schade... aber ihr seht auch nicht aus, wie jamand, der dies wissen könnte, mit euren feinen Klamotten und dem schönen Schmuck." Schöner Schmuck... unütze Klunker sind das. Wer die Wahrheit findet, wird feststellen, dass Diamanten und Edelsteine nicht von wirklichem wert sind. Dolmin hebt seinen Krug und trinkt einen letzten kräftigen Schluck. "Von welchem Elbenvolk stammt ihr ab? Ich kannte mal... einen Smaragdelb, aus dem Süden..." Dolmins Blick senkt sich unmerklich. "Und... ich weiß, es klingt dumm, aber ich bin doch nur ein einfaches Menschenkind - wie alt seid ihr?" Wichtig zu fragen, ansiehen tut man's dem Pack ja nicht. Ich stell mich lieber dumm und bekomme dafür eine Antwort.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Elyrina Tinuviel am 23. März 2004, 20:50 Uhr
Nachdem Elyrina nun den Zettel an der Anschlagtafel aufgehangen hat macht sie sich auf den Weg in die Harfe. Sie hat lust auf einen guten Becher Wein und vielleicht etwas Gesellschaft. Und wenn sie auch nicht mit den Leuten um sie herum sprechen kann, so erlebt sie wenigstens die Gespräche der anderen, in dem sie zuhört oder zuschaut.
Gut gelaunt betritt sie den Schankraum und schaut sich um. Gerade erhebt sich ein Elb um sich an den Nachbartisch zu setzen, so dass e in Platz an einem Tisch frei wird. Schnell schlängelt sie sich durch die Menge und setzt sich auf den frei gewordenen Stuhl.
Na also! Das hat doch schon mal funktioniert Sie lächelt etwas und winkt dann eine der Mogbar heran. Sie bestellt einen Becher Wein und legt dann ihren Mantel ab.
Dann erst kommt sie dazu sich weiter im Raum umzusehen. Es ist voll, aber das ist es hier schließlich immer.
Als der Wein kommt bezahlt sie ihn sogleich und trinkt dann einen genüsslichen Schluck daraus.
Dann lehnt sie sich zurück, und genießt die Unruhe der anderen Gäste im Schankraum.

Elyrina trinkt bald schon ihren Becher aus, erhebt sich dann und legt ihren Mantel wieder um.
Im vorbeigehen bezahlt sie ihr Getränk bei einer der Mogbar und macht sich dann auf den Weg nach Hause.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aurian am 24. März 2004, 20:13 Uhr
Wie immer ist die Harfe gesteckt voll. Viele Gäste lassen den Tag im ersten Gasthaus der Stadt ausklingen. Erleichtert stellt Aurian fest, dass der Gnom, der heute vormittag noch große Worte geschwungen hat, nicht da ist. Hat der doch einmal genug bekommen.Überhaupt wirkt die Stimmung etwas ruhiger als am Vortag und Aurian blickt sich suchend nach Borgil oder seiner ersten Magd um. Sie fühlt sich so viel sicherer, jetzt da sie weiß, wie es weitergehen wird.

Eigentlich verträgt mein Geldbeutel noch ein gutes Essen, überlegt Aurian und setzt sich an einen freien Platz nahe der Schank. Einer vorbeieilenden Bedienung ruft sie ihre Bestellung zu und wenig später steht diese vor ihr. Das Essen schmeckt genauso gut wie es riecht und da Aurian mal wieder den ganzen Tag nichts gegessen hat, langt sie ordentlich zu. Gleichzeitig lässt sie aber den Tresenbereich nicht aus den Augen, um Borgil oder hAlla nicht zu verpassen.  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Galrin am 25. März 2004, 07:10 Uhr
Nach der gemurmelten Drohung, dem Gnom bei sich bietender Gelegenheit die frechen Worte ins Maul zurückzuschlagen, wendet sich Galrin wieder seinem Essen zu. Das Ragout schmeckt ausgezeichnet und sogar für den hungrigen Magen eines normandischen Schiffsbauers ist die Portion groß genug.
Als der Nordmann schließlich eine der Bedienungen herbeiruft, um seine Zeche zu bezahlen, eröffnet man ihm freundlich, daß die genossenen Speisen und Getränke heute auf Rechnung des Hauses gingen. Der Kapitän stutzt und sieht dabei aus wie ein verdutzter Seelöwe, dem soeben der leckere Fisch vor der Nase verschwunden ist. Doch dann bedankt er sich und nickt der Mogbardame freundlich zu.

Nachdem er Jolanthe galant den Stuhl zurückgezogen und ihr ihren Umhang umgelegt hat, begibt Galrin sich gemeinsam mit seiner Verlobten noch einmal hinüber zum Tresen, um dem Wirt für die Einladung zu danken und sowohl ihn als auch Halla zur Hochzeit einzuladen.

"Auf ein Wort, Maester Borgil.", ruft der Schiffsbauer, woraufhin der Zwerg sich umdreht und sein breites, warmes Zwergenlächeln sehen läßt. Daraufhin fährt der Kapitän fort: "Ich wollte mich für Eure Einladung bedanken. Das Essen war eines Königs würdig, die Getränke ebenso und die Bedienung tadellos. Wie ich es von Eurem Hause gewohnt bin. Dennoch möchte ich nicht versäumen, Euch, werter Borgil und, wenn Ihr wollt, auch Euch, liebe Halla, ebenfalls eine Einladung auszusprechen.
Wie Ihr vielleicht wißt, haben Jolanthe und ich uns vergangenen Sommer in der "Harfe" kennengelernt und möchten in Kürze heiraten. Es wäre uns eine Ehre, Euch beide, quasi als Initiatoren dieser Liebe, an unserer Tafel willkommen zu heißen."

Nach diesen Worten blickt Galrin zu Halla und verneigt sich kurz vor ihr: "Bitte verzeiht mir, daß ich nicht rechtzeitig zur Stelle war, um den elenden Gnom zur Rechenschaft zu ziehen. Als ich ihn bemerkt habe und seine lästerlichen Reden gehört habe, war es leider schon zu spät, um ihm ein paar Maulschellen mit auf den Weg zu geben. Ich verspreche Euch jedoch, das noch beizeiten nachzuholen."

Mit einem Lächeln auf den Lippen bleibt der Nordmann neben dem Zwerg und der Mogbar stehen, den linken Arm um die Hüfte seiner zukünftigen Frau gelegt und wartet auf eine Antwort der Beiden.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Elthyryr Elruin am 25. März 2004, 20:04 Uhr
Achherje, hoffentlich hat er das von eben nicht gehört... er schaut mich so komisch an... und nun lächelt er...ach, alles quatsch, er hats sicher nicht gehört... ich sollte vorsichtiger sein damit laut zu denken, jawoll

Mit leicht zickigem Unterton antwortet er Dolmin "Wie kommt ihr zu der Annahme das ich auf Grund meiner Kleider und meines Schmuckes, der wirklich schön, wie ich finde, jaja.. ähm, also wie kommt ihr darauf das ich keine Geheimnisse kenne? Hätte ich euch es nicht gesagt dann wüsstest ihr das jetzt auch nicht" Als ob er mehr wissen könnte in seinen lumpigen zerschlissenen Teilen... Menschen, tz, immernoch ein seltsames Volk...

Nachdem er sich wieder einwenig gefangen hat spricht er mit freundlichem Ton weiter "Nun, ich bin ebenso ein Smaragdelb, wie ist oder war denn der Name dieses Elben? Vieleicht kenne ich ihn ja..." Er greift zu dem Kelch und trink den letzten Schluck des Weines aus. "... und mein Alter wollt ihr erfahren?" Tz, wie dreist, fragt einfach nach dem Alter, sowas macht man doch nicht, ungehobelter Menschentölpel... "Nun, ich bin wohl mittlerweile recht alt wenn man nach den menschelichen Maßstäben geht, 429 Frühlinge hab ich bis jetzt miterlebt... und Ihr, Dolmin, wie alt seid ihr, ihr seht noch recht jung aus..."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Thay-Lee am 25. März 2004, 20:24 Uhr
Langsam erwacht Thay-Lee aus einem tiefen Schlaf. Irgendetwas hat sie geträumt aber das ist mit dem Aufwachen sofort vergessen.
In dem Zimmer ist es dunkel, und Lee braucht einen Augenblick, um sich zu erinneren, wo sie ist. Jedes Zeitgefühl ist verschwunden.
Allmählich dämmert es ihr, dass sie in der Harfe ist. Es muss nachts sein, nach der Dunkelheit zu schliessen. Ihr Magen knurrt.
Kurzentschlossen setzt sie sich auf, schüttelt die Benommenheit ab und geht dann, nach kurzem Überlegen auf die Tür zu.
Kaum hat sie diese geöffnet, als sie auch schon den inzwischen bekannten Geräuschpegel ausmachen kann, der aus der Schankstube zu hören ist. Einige Türen weiter liegt die Blutelbe. Wie es der wohl geht? Thay-Lee beschliesst, am nächsten Tag mal nach ihr zu sehen.
Mit diesem Gedanken wendet sie sich der Treppe nach unten zu.
Ohne zu zögern aber auch nicht zu eilig begibt sie sich in den Schankraum und versucht, mit einem Zeichen, Borgil auf sich aufmerksam zu machen, als sie ihn entdeckt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 27. März 2004, 08:27 Uhr
Und weiter geht es.... Der Abend nimmt auch kein Ende... Borgil zapft ein neues Faß an, als der Schiffsbauer, die zierliche Halbelbin bei sich, ihn anruft. Seine Art, sich auszudrücken, läßt Borgil leicht schmunzeln, was er aber unter seinem dichten Bart und einem breiten Grinsen meisterhaft versteckt. Als er dann auch noch blumig bei Halla um Verzeihung heischt, daß er nicht zur Stelle gewesen wäre, um Ukko hinauszubefördern, muß Borgil sich auf die Zunge beißen. Du lieber Himmel... ein Galan in Nordmannspelz... Galrin, Galrin, Ihr hättet Spielmann werden sollen. Die reden auch immer so gewählt daher...  Halla wird so rot wie ihr Schnürmieder und murmelt etwas von "Aber... nicht nötig... danke... schon in Ordnung..." und wischt sich verlegen die Hände an der Schürze und Borgil schnalzt mit der Zunge. "In der Tat, wenn Ukko bei Euch noch ein oder zwei Maulschellen gut hat, dann gebt ihm eine von mir mit, die hat er wirklich verdient. Salaud! Crottin! Kleiner, stinkender Schw..." Borgil erinnert sich gerade noch rechtzeitig an die Anwesenheit von Damen in Hörweite und verstummt. Die Einladung Galrins läßt ihn jedoch Ukko und alle vermaledeiten Gnome dieser Welt (welcher Gott hatte sich eigentlich diesen faulen Witz mit Roha erlaubt?) sehr rasch vergessen. Was zum Henker ist ein Initia...Initato...Inititier... was auch immer...? Na egal, jedenfalls scheint es nichts verkehrtes zu sein. "Ihr wollt Hochzeit halten? Na das sind mal erfreuliche Nachrichten!" Er strahlt die beiden an und diesmal geht sein seltenes Zwergengrinsen von einem narbigen Ohr zum anderen. "Und wir sind eingeladen?" Er tauscht einen Blick mit Halla. "Hum... wir kommen natürlich gern. Sehrrrr gerrrn." Ein wahrhaft gerührter Zwerg rollt das "R" noch viel stärker, als sie es mit ihrem Akzent ohnehin alle tun. "Wann soll es denn so weit sein? Und wo soll die Hochzeit stattfinden?" Hinter Galrin sieht Borgil Thay-Lee winken und nickt ihr zu. Sieh an, unserer Schlafmütze ist auch wieder wach. Das Mädel hatte doch glatt eine halbe Nacht, den ganzen Tag und noch eine halbe Nacht durchgeschlafen wie ein Stein. Ab und an hatte eine der Mägde nach ihr gesehen, aber sie war wohl einfach nur vollkommen erledigt gewesen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 27. März 2004, 10:03 Uhr
Halla hat nicht viel Zeit über die Sache mit Ukko nachzudenken, denn die Harfe brummt noch immer wie ein Bienenstock im Frühling. Humpen auf Humpen Verder Dunkel verlassen die Theke und die Methörner sind ständig in Gebrauch. Allerdings hat sich die Harfe ein wenig geleert, so dass jetzt 'nur' noch alle Tische besetzt sind und die Theke noch von einigen schon recht angetrunkenen Blaumänteln belagert wird.

Irgendwann tritt Galrin zu ihnen, seine Gefährtin im Arm. Als er sich bei Halla entschuldigt, dass er nicht eingegriffen hat als Ukko seine Annäherungsversuche startete, schiesst Halla das Blut in die Wangen und sie murmelt etwas von < war nicht nötig und Danke.> Doch dann kommt Galrin zu dem Eigentlichen, warum er an die Theke geteten ist. Halla wusste, das er und seine Gefährtin, Jolanthe heisst sie wohl, sich hier in der Harfe getroffen haben, doch sie ist mehr als überrascht als Galrin auch sie einlädt. Dass Borgil eingeladen wird, war für sie selbstverständlich, schliesslich ist er eine bekannte Persönlichkeit in Talyra. Aber dass man auch sie einlädt, das ist wirklich.... doch schnell schlägt sie sich das wieder aus dem Kopf, Borgil würde sie sicher nicht gehen lassen ,wenn er selbst dahin ging, wer sollte denn auf die Harfe aufpassen.

Das zweite Mal, innerhalb von kurzer Zeit, schiesst Halla das Blut in die Wangen, und nun glüht sie fast wie eine reife Tomate, als sie Borgils Antwort hört.<wir kommen natürlich gern. Sehrrrr gerrrn. > Zuerst glaubt sie sich verhört zu haben, besonders das wir klingt noch eine Weile in ihren Ohren nach. Sie ist so verblüfft, das sie Galrin nur mit einem Grinsen zunicken kann und somit die Einladung auch von sich aus noch einmal zusagt.

Bei allen Zwölfen, ich geh auf eine Hochzeit, keine kleine so wie die im Mogbarviertel, nein eine richtig grosse von einem angesehenen Bürger der Stadt.  Du meine Güte, was soll ich da bloss anziehen, für so etwas habe ich keine Kleider und überhaupt, wie verhält man sich da. Bei allen Göttern, ich werde Borgil Löcher in den Bauch fragen müssen, damit ich nicht wie ein dummes Huhn da stehe. Sie bekommt gar nicht mehr mit, dass Borgil noch fragt wann die Hochzeit ist. Erst eine ganze Weile später wird sie von einem Blaumantel aus ihren Gedanken gerissen, als er lauthals nach einem weiter Humpen Verder Dunkel verlangt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Thay-Lee am 27. März 2004, 11:02 Uhr
Als Lee bemerkt, dass Borgil ihr zunickt, stiehlt sich ein Lächeln auf ihr Gesicht. Ist doch mal etwas ganz anderes, ein freundliches.... hm... freundlich? Unter diesem Bart kann man gar nicht erkennen, ob er eigentlich freundlich guckt... Egal, bis jetzt war doch alles bestens.... Oh, wenn mien Bauch doch nicht so..... Sich den knurrenden Bauch haltend, ohne es wirklich zu merken, geht Lee langsam in Richtung des Zwerges, der mit Halla und zwei anderen da steht und sich unterhält.
Meine Güte, wie lange hab ich denn schon geschlafen, es kann sich doch nicht nur um 1, 2 Stunden handeln..... Ich werd doch nicht... den ganzen Tag..... hoffentlich nicht!
Etwas angespannt, weil sich ein unsicheres Gefühl zu dem rasenden Hunger, wie sie jetzt langsam bemerkt, gesellt hat, stellt sie sich in die Nähe der kleinen Gruppe. In diesem Moment, wendet sich Halla jemandem zu, der nach etwas zu trinken verlangt.
Abwartend schaut Lee auf ihre Füsse. Dabei entgeht ihrem Blick zwangsläufig auch ihre vor Schmutz starrende Kleidung nicht.
Wie unangenehm! Hoffentlich riech ich nicht auch so, wie ich aussehe.... Der Wirt wird sich das sonst noch anders überlegen mit mir...
Peinlich berührt, wagt Lee es nicht, den Kopf wieder zu heben.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kyoko am 27. März 2004, 19:01 Uhr
Am späten Abend erreicht Kyoko die goldene Harfe. Um das Gasthaus zu finden, ist sie stundenlang durch ganz Talyra geirrt. Zu allem Überfluss hat die Sucherei dazu beigetragen, dass sie schlechte Laune hat.
Sie schaudert vor Kälte und wickelt ihren Umhang fester um ihren Körper. Die junge Reisende kann es kaum erwarten endlich in ein warmes Haus einzutreten und sie wird auch nicht enttäuscht, als sie die Tür öffnet und sogleich von der Wärme durchflutet wird. Aufmerksam durchforscht sie den Raum nach dem möglichen Gasthausbesitzer, aber es ist gar nicht mal so einfach ihn zwischen all den Gästen zu erspähen.

Der Rabe auf ihrer Schulter krächzt leise auf und gibt ihr damit zu verstehen, dass die Harfe nach seinem Geschmack zu überfüllt ist. Kyoko lässt sich von der Unzufriedenheit ihres Begleiters nicht entmutigen, statt dessen geht sie auf eine freundlich aussehende Frau zu, die von einem Gast gerade eben mit „Halla“ angesprochen wurde.
„Guten Abend, gnädige Frau“, stammelt sie etwas unbeholfen und mit einem Akzent, aus dem man schließen kann, dass sie nicht aus dieser Gegend ist. „Ich brauche ein Zimmer für zwei Nächte. Könntet Ihr mir da weiterhelfen?“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Dolmin am 28. März 2004, 01:28 Uhr
Einen kurzen Moment verliert Dolmin seine Konzentration und sein Gesicht verzieht sich, doch kurz darauf fängt er sich wieder und seine Mimik wirkt so versteinert wie immer. Ein Smaragdelb. Er ist ein Smaragdelb. Das widerlichste aller Elbenvölker... Dolthe hat mich gewarnt. Aber wie kann dieser juwelenbehangene Mann so durchtrieben und hinterlistig sein, wie er es doch gemäß seiner Natur sein müsste? Das ist unvorstellbar... oder ein Trick.

Dolmin mustert seinen gegenüber noch einmal ganz genau, doch so unauffällig wie möglich (insofern dies zu machen ist). Nein, Elthyryr schaut wirklich nicht so aus, wie Dolmin sich einen Smaragdelben vorgestellt hatte. Elthyryrs Alter überrascht Dolmin nicht im geringsten, obwohl er nicht einmal ein Viertel so alt ist. Dolthe selbst ist weitaus älter und man sagt, der König der Smaragdelben sei schon auf Erden, als die Elben noch nicht auf den Immerlanden lebten. Ob das stimmt, kann Dolmin jedoch nicht sagen.

Er geht auf die Frage, ob er den Namen seines elbischen Freundes nennen könne, nicht ein. Sie haben ihn verbannt... seitdem er mit dem Sohn des Königs im Streit lag und sich der Wahrheit angeschlossen hatte, der Dunkelheit, welche das wirkliche Licht birgt. Wenn ich ihm sage, dass ich Dolthe kenne, dann riskiere ich mehr als mein Leben. Andererseits ist diesem Taugenichts zuzutrauen, dass er Dolthe nicht einmal kennt.

"Ich bin  fünfundzwanzig Winter alt. Natürlich kein Vergleich zu eurem Alter... aber dies ist wohl der Unterschied zwischen unseren Völkern. Zur Zeit habe ich ein Zimmer im Kupferkessel", sagt er, um das Gespräch in eine andere Richtung zu verlagern, "bei diesem Kobold... Euron... genau, so heißt er. Ein seltsamer Kauz, aber durchaus gastfreundlich, insofern man das beurteilen kann."

Er spielt ein bisschen mit dem leerem Krug herum und fährt sich dann mit seiner rechten Hand durch sein Haar. Langsam frage ich mich, ob es klug war, ein Gespräch zu beginnen. Ich hoffe, er bemerkt wirklich nicht, wer ich bin. Ich hoffe, er bemerkt meine Nervosität nicht. Mit den Lippen deutet Dolmin einige wenige Worte an, weder zu hören, noch wirklich zu sehen und sofort fühlt er sich ruhiger. Den Beruhigungsspruch hatte er während der letzten Tage oft aufsagen müssen und dieser Umstand gibt ihm zu denken. Ich werde doch wohl meine Berherrschtheit nicht wegen einer dümmlichen Fleischerin und einem Elbgesindel verlieren?

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 28. März 2004, 12:21 Uhr
Hallas Hände sind vom ständigen spülen der Humpen und Hörner schon ganz aufgeweicht, doch ändern kann sie nichts daran, denn noch immer ist die Harfe gut gefüllt. Dem Blaumantel, der sie eben aus ihren Gedanken gerissen hatte, hat sie sein Bier schon hingestellt und kaum, dass sie seine Münzen entgegen genommen und sie in ihre Geldkatze getan hat, wird sie erneut angesprochen. Halla muss gut zuhören, denn die junge Frau spricht mit starkem Akzent und bittet um ein Zimmer.

Halla wirft einen raschen Blick auf das Schlüsselbrett, die Harfe ist fast vollkommen belegt und nur noch wenige Schlüssel hängen dort. Dann wendet sie sich der jungen Frau zu, die ziemlich durchgefroren scheint. Die Nächte sind noch kalt, obwohl der Frühling langsam Einzug in Talyra hält. "Mit einem Zimmer kann ich euch dienen." Halla nimmt einen der Schlüssel von dem Brett und überreicht ihn der jungen Frau. Sie erklärt wieviel das Zimmer zusammen mit dem Frühstück kostet und wo es sich befindet. "Kann ich sonst noch etwas für euch tun? Etwas zu trinken oder zu Essen?" Mit einem warmen Lächeln sieht Halla die Fremde an und grübelt woher sie wohl stammen mag, da sie die Allgemeinsprache nur schlecht spricht.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kyoko am 28. März 2004, 20:13 Uhr
Kyoko ist überglücklich, gleich ein Zimmer angeboten zu bekommen. Und obwohl der Preis nicht gerade niedrig ist nickt sie mit einem zufriedenen Lächeln und nimmt den Schlüssel entgegen. „Sehr schön. Das Zimmer nehme ich.“ Kyoko will es sich gar nicht erst ansehen, sie ist schon so froh wenigstens ein Dach über dem Kopf zu bekommen. Die Aussicht auf ein Frühstück vertreibt ebenfalls ihre schlechte Laune und seit langer Zeit atmet sie erleichtert auf. „Ich würde nur gerne etwas warmes trinken“, antwortet sie Halla. Sie hält den Schlüssel wie einen Schatz in ihren Händen. „Ein Tee wäre da gut“ fügt sie noch schnell hinzu. Ihr Akzent ist zum Glück nicht so stark, dass man sie gar nicht verstehen könnte trotzdem versucht Kyoko erst einmal wenig zu sagen um Halla nicht zusätzlich zu verwirren.

Die junge Fremde sieht sich im Raum nach einem freien Platz um, nachdem Halla mit der Bestellung verschwunden ist und findet tatsächlich einen Tisch in der Ecke. Solche Schattenplätze hat Kyoko am liebsten. Erst jetzt, wo sie die erste Etappe hinter sich gebracht hat fühlt sie die Müdigkeit, die sich in den vergangenen Tagen angesammelt hat. Es scheint, als würde jede Kraft sie verlassen haben. Langsam geht sie auf den Tisch zu und ist froh, als sie ihn ohne unangenehme Zwischenfälle erreicht und sich endlich setzten kann.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 28. März 2004, 20:54 Uhr
Die Fremde spricht langsam und versucht ihren Akzent soweit es geht zu unterdrücken. Sie wirkt müde und so als hätte sie eine lange Reise hinter sich. Aber so sehen die meisten aus, wenn sie gerade in die Stadt gekommen sind. Viele Fremde zieht es immer wieder nach Talyra, das ein Schmelztiegel der unterschiedlichsten Rassen geworden ist und von dem es heisst, hier könne jeder sein Glück versuchen. Halla lächelt, als die Fremde eine warme Tasse Tee verlangt Sie sieht wirklich aus als hätte sie diese bitter nötig.

Halla stellt den Krug Bier, den sie gerade gefüllt hat auf das Tablett, nimmt sich eine der Teeschalen vom Board und geht damit in die Küche um heisses Wasser zu holen und den Tee aufzubrühen. Nachdem die Blüten des Frühlingstees durchgezogen sind, betritt sie wieder in den Schankraum. Die junge Frau steht nicht mehr an der Theke und Halla schaut sich einen Moment suchend um. Jemanden in dem Gewühl der Harfe zu finden, besonders wenn man so klein ist wie Halla, ist nicht gerade einfach. Ein Blaumantel, der gerade seinen Umhang geschnappt hat und zur Tür schwankt, macht die Sicht frei und Halla entdeckt die junge Frau an einem der hinteren Tische. Halla schlängelt sich, die Teeschale balancierend durch das Gewühl und gelangt schliesslich ohne einen Tropfen zu vergiessen zum Tisch der Fremden.

"Hier euer Tee, er ist noch ganz heiss, also seid vorsichtig beim trinken. Ich habe eines der Zimmermädchen angewiesen in eurem Zimmer eine Kohlepfanne aufzustellen, damit ihr es gleich warm habt, ihr wirkt durchgefroren." Halla lächelt die Fremde noch kurz an und wird dann fast von einem der Blaumäntel angerempelt, der torkelnd nach dem Ausgang der Harfe sucht. Halla wirft einen entschuldigenden Blick zu der Fremden und bugsiert dann den Schwankenden Blaumantel zur Tür. Als sie die Tür öffnet, schlägt ihr eiskalte Nachtluft entgegen. Der Himmel ist sternenklar und um den Mond herum hat sich ein leichter silbrig schimmernder Hof gebildet. Für einen Moment bleibt Hallas Blick an Faeyris Antlitz hängen, ehe sie die Tür der Harfe wieder schliesst und die Kälte der Nacht draussen aussperrt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 29. März 2004, 12:27 Uhr
Borgil zwinkert Thay Lee zu, als diese naserümpfend an sich selbst hinabsieht. "Na, Mädel? Wieder unter den Lebenden? Falls ja, ich hätte da einen kleinen Auftrag für dich... aber äh... heute wohl nicht mehr." Der Abend ist weit fortgeschritten mittlerweile. Die letzten betrunkenen Blaumäntel torkeln hinaus, Galrin und seine Verlobte hatten sich längt mit dem Versprechen, ihnen bescheid zu geben, verabschiedet und auch die spät in der Nacht noch angekommenen Gäste sind versorgt und haben ihre Zimmerschlüssel erhalten. "Morgen früh gleich nach dem Morgenmahl kannst du für mich einiges erledigen und bis dahin äh.... laß dir von den Mägden ein Bad richten und gib deine Sachen ruhig zum Waschen. Auf die paar Stücke Stoff mehr kommt es auch nicht an..."

Irgendwann geht dann sogar diese Nacht zu Ende und in der Harfe verlöscht das letzte Licht bis zum nächsten Hahnenschrei. Wie immer beginnt der Tag in der Harfe lange vor dem Sonnenaufgang. Die Knechte schlurfen in den Stall, um die Pferde der Gäste und Borgils eigene Tiere zu versorgen, die Köchin tritt ihren Dienst an, um für all das Gesinde - zählte man auch die Spüljungen und Kammermägde mit, dann waren das bestimmt drei Dutzend Mogbars, Menschen und Kinder - ein Morgenmahl zu bereiten, die Mägde beginnen zu scheuern und zu putzen, was das Zeug hält und irgendwann erscheint auch Borgil, der mit der Sonne wieder Tür und Tor seines Gasthauses für die Stadt öffnet. Da am Vormittag fast nur Stammgäste hier sein würden, hat er Zeit, seine Bücher durchzusehen, Löhne auszuzahlen, Einträge zu machen und Einkaufslisten zu schreiben - irgendetwas gibt es immer zu besorgen. Halla erscheint und meldet, daß zwei Mädchen mit Husten und rotgeschwollenen Augen krank wären, also müssen die Schichten neu verteilt werden, in der Küche neigen sich Salz, Safran und Zimt dem Ende zu, ein neues Wasserschiff für den Herd muß her und zwei Herdklappengriffe sitzen ebenfalls locker. Abgesehen davon braucht Borgil für die neu hergerichteten Zimmer im zweiten Obergeschoss gußeiserne Ziffern - und das ist Feinschmiedearbeit.

Während Halla sich darum kümmert, für die beiden kranken Mädchen Ersatz zu finden und ein Geschwader von Scheuermägden in den Harfengarten schickt, um die Tische und Bänke dort frühlingsgemäß herrichten und die Laternen wieder in die Bäume hängen zu lassen, schnappt Borgil sich Thay-Lee, die mit dem restlichen Gesinde pünktlich zu Rosinenlaibchen, warmer Milch und Hafergrütze erschienen war. "Morgen, Mädel. Wie versprochen habe ich gleich einen ganzen Rattenschwanz an Aufträgen für dich. Als erstes möchte ich, daß du zu Taran, dem Schmied gleich hier am Marktplatz gehst. Bestell ihm einen Gruß von mir, sag ihm, ich hätte ihn nicht vergessen und bitte ihn her, wir brauchen einen Schmied hier. Der Herd braucht ein neues Wasserschiff und einige Griffe sind locker, er soll sich das mal ansehen. Wenn du ihn nicht antriffst, dann mach das hier irgendwo an seiner Tür fest, da steht alles drauf." Er reicht ihr eine dünne Pergamentrolle. "Dann suchst du die Goldschmiede von Mistress Neun auf und bittest sie, Ziffern wie diese hier anzufertigen - " hier reicht er Thay-Lee da kleine Muster einer filigran geschmiedeten 8 - " und zwar die Nummern 13, 14, 15, 1 6, 17, 18, 19 und 20. Triffst du die Schmiedin nicht an, hinterläßt du ihr diese Nachricht - aber ohne das Muster bitteschön. Da drin steht, daß sie zur Harfe kommen soll, ich hätte einen Auftrag für sie." Eine weitere dünne Pergamentrolle mit dem goldenen Harfensiegel darauf wandert von Borgils in Thay-Lees Hände. "Auf dem Rückweg gehst du am Markt beim Gewürzhändler Saffron vorbei und kaufst vier Pfund Salz, ein halbes Pfund Safran und ein viertel Pfund Zimt." Er reicht ihr einen kleine, lederne Geldkatze mit klingelnden Münzen. "Das sollte auf jeden Fall reichen, sag Saffron aber unbedingt, daß du von mir, also Borgil, kommst, sonst verkauft er dir nur minderwertiges Salz. Laß dich nicht übers Ohr hauen und besorg die wertvollen Gewürze erst auf dem Rückweg, ja? Ach ja, und wenn du schon auf dem Markt bist, halt die Augen offen, ob dieser Wollhändler noch da ist. Der aus Laigin."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 29. März 2004, 15:03 Uhr
Halla hat sich noch nie so sehr den Feierabend herbeigesehnt, wie an diesem Abend. Sie hatte das Gefühl, wenn sie noch mehr Humpen, Gläser und Hörner spülen müsste, würden ihr Schwimmhäute zwischen den Fingern wachsen. Dazu kam noch, dass sie sich nicht mehr wirklich konzentrieren konnte, dauernd schwirrte ihr die Einladung zu der Hochzeit durch den Kopf und zig unausgesprochene Fragen darüber, wie man sich zu verhalten hatte, was sie anziehen sollte und ob sie überhaupt dorthin gehen sollte, weil sie dort sicherlich vollkommen fehl am Platz war.

Halla kann es kaum glauben aber schliesslich verlässt der letzte Gast wankend und schwankend die Harfe und Borgil schliesst die Tür. Sie reicht ihm noch ihre Geldkatze und murmelt ein "Gute Nacht", ehe sie in ihr Zimmer unter dem Dach geht. Sie kleidet sich rasch aus und fällt in Unterkleider wie ein Stein ins Bett. Wie lange sie geschlafen hat weiss sie nicht, aber der Hahn draussen kräht unermüdlich und weckt Halla aus einem wunderschönen Traum, der aber rasch vergessen ist, als eines der Mädchen anklopft und ihr mitteilt, das Aiyla und Marga krank sind. Rasch steht sie auf und geht in die Schankstube. Borgil ist nicht da sondern sicher in seinem Zimmer um die Bücher zu kontrollieren. Sie geht rasch zu Sigrun in die Küche schnappt sich ein warmes Rosinenweckchen und grüsst die anderen Mägde und Burschen, die in der Küche versammelt sind.

Kauend geht sie den Weg zu Borgils Zimmer und vor der Tür angekommen schluckt sie schnell den letzten Bissen hinunter. Sie erklärt ihm kurz, dass die beiden Mädchen krank sind und dass sie den Dienstplan umstellen muss. Borgil nickt nur und meint man solle den Harfengarten herrichten, wenn die ersten Sonnenstrahlen rauskämen müsse alles bereit sein. Halla brennen jede Menge Fragen wegen der Hochzeit auf der Zunge, doch sie sieht wieviel Arbeit Borgil hat und so schluckt sie sie hinunter später, später ist sicherlich Zeit.

Halla verlässt Borgils Zimmer mit einem kurzen Nicken und macht sich daran, die Mägde, Zimmermädchen und Burschen zu scheuchen. Die Tische im Harfengarten müssen vom Moss befreit werden, das sich dort über den Winter gebildet hat, und noch vieles mehr. Der Vormittag vergeht schnell und als sie in den Schankraum tritt findet sie Borgil vor, der der neuen Botin Thay- Lee Aufträge erteilt. Als er damit fertig ist, tritt sie zu ihm hin und räuspert sich. Borgil sieht sie fragend an und nun fällt Halla keine einzige Frage ein. "Ähm,....also hmmm,  ..... es geht um diese Hochzeit von Galrin..... Ich...., nicht das ich nicht gerne dahin gehen würde, .... aber ich glaube ich gehöre da nicht hin und anzuziehen habe ich auch nichts für so ein Fest....ähm, also ich glaube ich bleibe lieber in der Harfe.." Ihr Gesicht ist leicht gerötet, eigentlich würde sie ja gerne dorthin gehen und eigentlich ist Halla auch alles andere als schüchtern oder leicht einzuschüchtern, aber unter so vielen hohen Herren und Damen, die sicherlich zu so einer Hochzeit kommen würden, da passt sie einfach nicht hin. Solange diese Leute in die Harfe kommen ist es ihr egal, dort fühlt sie sich wohl und heimisch, das ist ihr Reich, aber ausserhalb der Harfe, ist sie nicht mehr als ein einfaches Mogbarmädchen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kyoko am 29. März 2004, 16:51 Uhr
Am frühen Nachmittag verlässt Kyoko wieder in voller Frische ihr Zimmer. Sie hatte schon lange nicht mehr so gut geschlafen und obwohl sie vorher befürchtet hatte, dass sie sich erkälten würde, fühlt sie sich munter und durchaus gesund. Sie streckt sich noch einmal, dann schließt sie ihr Zimmer ab und steigt die Treppen hinunter. Solange sie geschlafen hatte ist hier schon die Arbeit in vollem Gange wie in einem Bienenstock. Zimmermädchen und Burschen laufen aus einem Zimmer in das andere, stoßen gelegentlich zusammen und scheinen dennoch genau zu wissen, was sie zu tun haben. Alle wirken natürlicherweise etwas verschlafen und die Müdigkeit lastet auf den Lidern. Ein Bursche geht mit eiligem Schritt an Kyoko vorbei und murmelt etwas wie: „Immer dieser Frühjahrsputz...!“

Die junge Frau sieht dem Burschen nach, will ihn aber nicht unnötig aufhalten. Ich würde zu gern wissen, wo sich die freundliche Frau von gestern aufhält. Ich glaube wenn ihr Tee nicht wäre, würde ich jetzt  mit einer Grippe im Bett liegen. Leider muss Kyoko feststellen, dass Halla nirgendwo zu sehen ist und da sie an diesem Tag eine Menge zu tun hat, will sie sich auch nicht länger aufhalten. Sie schreibt eine kurze Nachricht:

Sehr geehrte Halla,
Das Zimmer ist sehr gut und ich bedanke mich.
Ich werde heute erst spät wieder kommen und bitte Euch,
mir noch einen Tee hinzustellen.


Kyoko schreibt noch die Nummer ihres Zimmers auf, damit Halla auch weiß, von wem das Schreiben stammt, dann faltet sie den Zettel zweimal und legt ihn auf die Theke zusammen mit dem Geld für den Tee und die erste Übernachtung.
Dann verschwindet Kyoko auch schon. Sie möchte sich Talyra an diesem Tag richtig ansehen oder wenigstens einen kleinen Teil.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Thay-Lee am 29. März 2004, 20:10 Uhr
Das erste mal seit Tagen fühlt sich Thay-Lee wieder so richtig munter, ausgeschlafen, sauber und wohl.
Sie hatte ein Bad, ein richtiges, wundervolles Bad,  sie ist gewaschen, ihre Haare sind sauber und glatt gekämmt und sie trägt frische Kleidung.
Sie hatte ein wunderbares Frühstück und nun hat sie auch endlich etwas zu tun.
Und sie hat etwas erfahren, was ihr bisher vollkommen unbekannt war: Vertrauen.
Dankbar und überwältigt schaut sie Borgil einen Moment lang einfach nur mit grossen Augen an.
Dann nickt sie hastig und stammelt einige Dankesworte, bevor sie fast überstürzt die Harfe verlässt. Das dabei ein strahlendes Lächeln auf ihrem Gesicht zu sehen ist, ist ihr gar nicht klar.

Kaum haben sich die Türen der Harfe hinter ihr geschlossen, wird ihr klar, dass sie keine Ahnung hat, wo sich die Schmeide von Taran befindet....


Na, macht nichts, direkt am Markt hat er gesagt, ich frag mich einfach durch, das ist kein Problem. Hmmm.... soviel zum Thema Vertrauen... Ja, natürlich bin ich aus Talyra! Klar! Wieso hab ich ihn eigentlich belogen?

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 29. März 2004, 21:11 Uhr
Thay Lee strahlt ihn an, nimmt die diversen Pergamentröllchen und die Geldkatze an sich und flitzt dann los, ihre Aufträge auszuführen. Borgil blickt ihr einen Moment grinsend nach und widmet sich dann wieder seinen Eintragungen. Kaum ist sie gegangen, tritt Halla an ihn heran und Borgil sieht erneut von seinen Büchern auf.
"In der Harfe bleiben?" Echot Borgil ungläubig und traut seinen Ohren nicht. "Was soll das denn heißen? In der Harfe bleiben?" Er sieht Halla an, als habe sie gerade von fliegenden lila Kühen am Himmel gesprochen.  "Aber warum das denn? Ich dachte, du freust dich, mal etwas anderes zu sehen, Mädel? Und gerade hast du doch gesagt, du würdest gern hingehen!" Halla sieht so betreten aus, daß Borgil für einen Moment wirklich sprachlos ist. Er hat kein Wort von ihrem Gerede geglaubt, sie würde dort nicht hingehören - und wieso auch nicht, schließlich brauch sie sich weder ihres Namens noch ihres Standes zu schämen und obendrein war sie ausdrücklich eingeladen. Dann dämmert ihm etwas anderes und seine Brauen sträuben sich. "Ah... ist es wegen mir? Willst nicht mit einem narbigen Zwergen als Begleitung aufkreuzen, was? Nun, ich bin vielleicht kein Schönling, wie dieses wollhandelnde laiginer Langbein, aber ich bin weder fett noch hässlich," erklärt er indigniert und klappt vernehmlich die ledergebundenen Bücher zu. "Und in meiner Stadtherrenrobe mache sogar ich eine passable Figur!" Zwerge haben einen ausgeprägten Sinn für Ästhetik, aber da in ihrem eigenen Volk nun mal keine Frauen vorkommen, erstreckt sich dieses Schönheitsempfinden weitgehenst auf andere Rassen. (Aus irgendeinem Grund schwärmen die meisten Zwerge tatsächlich für weibliche Trolle oder kleinwüchsige Menschenfrauen. Mit allem, was groß und dünn ist, können sie in der Regel wenig anfangen.)

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Elthyryr Elruin am 29. März 2004, 21:13 Uhr
Freundlich lächelnd beobachtet Elthyryr seinen Gegenüber Wirklich ein seltsamer Kauz... was er wohl die ganze Zeit so denken mag? Er schaut mich manchmal so komisch an...seltsam... hab ich etwa etwas im Gesicht? Ist der Puder vieleicht verschmiert? Oder ist irgendwas mit meiner Frisur? Er streicht sich vorsichtshalber durch das rötliche Haar und rückt die Zöpfe zurecht während Dolmin weiterredet.

"Nun, dann seid ihr ja wahrlich auch für einen Menschen noch jung" 25? Ich hätte ihn älter geschätzt... er sollte mal mehr in die Sonne gehen, diese Blässe ist ja schon fast erschreckend, als ob er jahrelang in einem Kellergewölbe gehaust hätte, der Arme... und er sieht krank aus, macht aber einen recht fidelen Eindruck... wo er wohl herkommen mag? hm... "Im Kupferkessel sagt ihr? Nun, dieses Gasthaus kenne ich noch gar nicht, wo befindet es sich denn, werter Herr Dolmin?" Dann fügt er noch schnell hinzu "Und, entschuldigt wenn ich es überhört haben mag, aber wie war doch gleich der Name eures Elbenfreundes?" Er ist meiner Frage ausgewichen, glaube ich, aber welchen Grund sollte das haben? Nein, sicher hab ichs nur überhört...

Doch bevor Dolmin auch nur einen Ton herrausbringen kann springt Elthyryr hysterisch kreischend auf, rennt mit den Armen wild rudernd um den Tisch und versteckt sich hinter dem Stuhl von Dolmin, an den er sich jetzt geklammert hat und immer noch wie wild quiekt "EI... EIN... EINE SP-SP-SPINNEEEEEE, SPINNE SPINNE SPINNE... " Als Elthyryr noch vor wenigen Momenten Dolmin antwortete seilte sich eine kleine Spinne von der Decke der Harfe herab und kreuzte auf dem Weg nach unten Elthyryrs Gesicht und 8 kleine schwarz glänzende Augen schauten in die Seinen.

Ängstlich späht  er hinter dem Stuhl hervor während sein Herz wie wild Purzelbäume schlägt sodass ihm fast schwindlig wird und man befürchten könne er würde jeden Augenblick in Ohnmacht fallen. "Tuuuuu siiiiiie weeeeeg,mach sie tot, dieses Mistvieh, tu tu tu tu sie WEEEG!!!" Ein weiteres erschauderndes kreischen entfährt dem Elben welches Glas hätte splittern lassen können. Die gesammte Kundschaft der Harfe blickt verdutzt an den Tisch der beiden, bis lautes Gelächter die dabei herrschende Stille jäh unterbricht.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Dolmin am 29. März 2004, 22:15 Uhr
Es scheint, als habe Elthyryr nicht bemerkt, wie nervös Dolmin eigentlich ist und es scheint auch, als habe er seinen Beruhigungszauber nicht bemerkt. Im Gegenteil. Der Smaragdelb wird nun selbst unruhig und zupft sich leicht verkrampft in den Haaren herum, seinen Blick seltsam verdreht und Dolmin ganz und gar unbekannt. Ganz schön eitel, diese Elben. Nun ja, ist ja auch kein Wunder, bei dem Ganzen Schmuck und Gold und feinen Kleidern. Doch Dolmin fährt fort, so tuend, als bemerke er Elthyryrs leicht irritierten Blick nicht.

"Nun, dann seid ihr ja wahrlich auch für einen Menschen noch jung", antwortet der Elb ihm als er sein Alter nennt. Jung... pah... ihr lebt ewig, ihr wisst doch gar nicht was jung sein und alt werden für uns Menschen bedeutet. Doch Dolmin lässt sich seinen Unmut nicht anmerken, im Gegenteil, er lächelt wieder, der Beruhigungsspruch hatte Wirkung gezeigt. Doch so leicht würde er sich von einem Smaragdelben nicht ins Boxhorn jagen lassen. Mittlerweile geht Dolmin zwar nicht mehr davon aus, in seinem Gegenüber eine ernste Gefahr sehen zu müssen, doch hatte er gelernt, auch den Vertrauten immer mit Vorsicht zu begegnen, egal wie altbekannt sie auch sein mögen. Auch seinen Gleichgesinnten würde er niemals ohne Zurückhaltung und Abstand begegnen.

Dolmin ist ernsthaft verwundert, dass der Elb den Kupferkessel nicht kennt, besinnt sich dann aber wieder auf seine Nüchternheit und stellt fest, dass er bisher keinen solch eitlen Menschen... Elben... was auch immer dort gesehen hatte. Euron selbst geht dem Gasthaus mit leuchtendem Beispiel voran und ist trotz seines (wie man munkelt) Reichtums, bodenständig und liebenswürdig koboldisch-verschroben geblieben. Doch direkt nachdem Elthyryr auf  den Kupferkessel eingeht, kommt auf der Dolthe zurück. Dolmin will gerade antworten (wenn auch ohne recht zu wissen, was er sagen würde, doch mit der Absicht, zu lügen), als Elthyryr wild gestikulierend aufspringt und sich regelrecht hinter Dolmins Stuhl schmeißt, an welchen er sich klammert.

Eine Spinne... Eine Spinne... bei dem Einzigen... es ist nur eine verfluchte Spinne! Noch während das gesamte Wirthaus sich über die Beiden kaputt lacht und in schier unbändige Kicher- und teils auch Kreischorgien verfällt, packt Dolmin die Spinne und zerdrückt sie mit der Faust. "Wenn mir noch einer erzählt, Elben seien Wald- und Natur- und Tierfreunde, dann werde ich ihn rösten und selbst verspeisen!" entfährt es Dolmin, doch niemand hat es gehört - auch Elthyryr nicht, der noch immer hinter dem Stuhl hockt. "Nun kommt schon hervor, wollt ihr Wurzeln schlagen?" Das erste Mal an diesem Aben lächelt Dolmin wirklich und ohne vorher den Beschluss gefasst zu haben, es zu tun. Dolmin reicht Elthyryr seine Hand und hilft ihm wieder hoch.

Im Gasthaus wird immer noch gelacht. "Was glotzt ihr so blöd?" brüllt Dolmin mit einer ganz ungewohnten rauen und lauten Stimme, welche mit seiner sonst melodischen und stillen Art zu sprechen rein gar nichts mehr gemein hat. Seine Augen glühen leicht und innerhalb von wenigen Sekunden legt sich das Gemurmel. "Die haben nichts besseres zu tun, als sich über andere zu unterhalten, zu tratschen und zu tuscheln. Wie ich solches Pack verachte!", schimpft er, "doch dachte ich bisher, dass nur Weiber Angst vor Spinnen haben?" Er grinst und seine weißen Zähne kommen zum Vorschein.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 29. März 2004, 23:06 Uhr
Halla wird puterrot und merkt sofort, dass sie die ganze Sache falsch angegangen ist und Borgil sie auch irgendwie falsch verstanden hat. Als er sein Buch zuklappt zuckt sie kurz zusammen und blickt betreten zu Boden, sie wollte doch gar nicht damit sagen, das sie nicht mit ihm dorthin gehen will, doch dann regt sich ihr Stolz und auch ein wenig ihr Kampfgeist. Im Grunde hat Borgil ja recht mit dem was er gesagt, ausser das mit dem Langbein.

"Nein, nein, ... ihr habt mich da irgendwie falsch verstanden. Ich möchte schon gerne dort hingehen und auch sehr gerne mit euch."Hallas Wangen werden noch ein wenig roter, falls das überhaupt noch möglich ist. Sie hat das Gefühl das sie schon jetzt glühen wie zwei heisse Kohlen. " Es ist nur so, ich habe kein einziges Kleid, was für so eine Feier angemessen wäre und ich habe auch nicht die leiseste Ahnung, wie man sich auf so einem Fest verhält, dass mit Sicherheit ganz anders ist, als eine Mogbarhochzeit im Viertel. Davon abgesehen wäre es sogar eine Ehre für mich an eurer Seite dort zu erscheinen." Im Moment traut sie sich nicht den Zwerg anzusehen. Sie mag Borgil schon seit dem sie ein kleines Kind war und mit ihrer Mutter in die Harfe kam. Sie hat in ihm nie den brummigen Zwerg gesehen, den er immer und gerne mimt. An seiner Seite zu so einer Hochzeit zu gehen, das hätte sie sich in ihren kühnsten Träumen nicht vorzustellen gewagt und vielleicht fühlt sie sich auch deshalb so unwohl, weil sie ein wenig Angst hat, sie könnte ihn blamieren.

Auf der anderen Seite ärgert sie sich über sich selberBei allen Zwölfen, was stehst du hier eigentlich rum wie eine dumme Gans, was kann dir besseres passieren als mit Borgil dorthin zu gehen, du stehst dir grad selbst im Weg, sonst bist du doch nicht so, warum ausgerechnet jetzt?Sie grübelt eine Weile darüber nach kommt aber zu keinem befriedigenden Ergebnis.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 29. März 2004, 23:24 Uhr
Durch Borgils schwarze Augen geht ein belustigtes Funkeln. So ist das also... um ein Haar hätte er das Spielchen noch ein wenig weiter getrieben - nur um Halla noch einmal erröten zu sehen. Sie ist ja so schon recht hübsch, aber wenn sie verlegen wird, dann glühen ihre Wangen wie reife Pfirsiche (und die hat Borgil schon immer gemocht, sowohl als Obst, als auch in der zweibeinigen Ausführung) - und das sieht zum Anbeißen aus. "Das Kleid laß mal meine Sorge sein," schnalzt er und räumt die Bücher weg. "Und was das Verhalten angeht... nun, solange du niemanden dort Bier servieren oder ein Zimmer andrehen möchtest, kannst du gar nichts falsch machen," grinst er. "Ich war doch selber noch nie auf einer Nordmannenhochzeit... ah doch. War ich. Aber das ist lange her. Sie haben einen netten Brauch da, das Bette... äh wirst du schon sehen. Wie auch immer, es wird bestimmt ein lustiges Spektakel. Zerbrich dir lieber den Kopf darüber, was ich ihnen schenken soll... darin war ich noch nie gut," er glättet seinen Bart und brummt nachdenklich vor sich hin. "Und was dein Kleid angeht..." Er steht auf, umkreist das Mogbarmädel, das ihm gerade bis zur Brust geht und inspiziert Halla so anerkennend, wie ein Bauer einen vielversprechenden Medaillenkandidaten bei der allherbstlichen Kürbisparade. "Blau würde dir gut stehen, glaube ich." Halla blickt betreten auf ihre Schuhe. "Ach, Mädel, es wird ohnehin höchste Zeit, daß du auch andere Kleider bekommst, als nur die Schankmaidentracht, oder?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 29. März 2004, 23:44 Uhr
>Und was das Verhalten angeht... nun, solange du niemanden dort Bier servieren oder ein Zimmer andrehen möchtest, kannst du gar nichts falsch machen...< Ein kurzes Kichern steigt in ihr auf, als sie Borgils Worte hört. "Nein, nein, seid unbesorgt, das werde ich sicher nicht machen, hoffe ich zumindest." Ein kleines schelmisches Grinsen zeigt sich auf ihrem Gesicht. Doch dann verschwindet das Grinsen wieder und die Röte steigt erneut in ihr Gesicht als Borgil aufsteht und sie mustert, als wäre sie eine von Dancys Pfirsichen. Doch der letzte Satz ist das allerschlimmste, am liebsten wäre sie jetzt gerne weit weg und der ansonsten so schlagfertigen Halla fehlen einfach die Worte. Halla hatte sich selbst nie als etwas anderes gesehen als das, was sie eben ist, eine Schankmaid, die ihren Beruf versteht und die sich lange harte Jahre nach oben gearbeitet hatte aber eben nicht merh oder weniger ist, als eine Schankmaid, auch wenn sie sehr gut ist.

Was meint er nur mit anderen Kleidern, ich hab andere Kleider, aber eben alles einfache Kleider und nichts für ein Fest und warum sollte ich andere Kleider bekommen? Sie versteht bei weitem nicht, was gerade hier geschieht, und ihr schwirrt der Kopf voll mit seltsamen Gedanken, die sich mit Träumen eines jungen Kindes mischen, zumal es ihr Meister ist mit dem sie hier redet und dem sie Respekt zollt und den sie auch ein kleines bisschen verehrt, aber das würde sie ihm nie sagen, nie im Leben, da würde sie lieber im Boden versinken oder einem stinkenden Gnom einen Kuss geben.

Es dauert eine Weile ehe sie sich wieder fängt und die Röte langsam aber sicher aus ihrem Gesicht verschwindet. "Blau mag ich sehr gerne als Farbe und Danke", ist das einzige was über ihre Lippen kommt, am liebsten wäre sie Borgil ja um den Hals gefallen, weil ihr langsam aber sicher wirklich klar wird, dass sie mit einem neuen Kleid und mit Borgil als Begleitung auf die Hochzeit von dem Nordmander gehen wird.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Galrin am 30. März 2004, 10:24 Uhr
Nachdem Galrin die Hochzeit für die Frühjahrstage angekündigt und dem Zwergen und der Mogbar fest versprochen hat, ihnen rechtzeitig Bescheid zu geben, widmet sich der Nordmann wieder seiner Verlobten. Indem er vorschlägt, weiter die Stadt zu erkunden und die nahegelegenen Tempel zu besuchen, trifft er genau Jolanthes Geschmack.

Mit freudestrahlendem Gesicht hakt sich die Halbelfe wieder bei ihrem Liebsten unter und die Beiden verlassen, noch einmal zu Borgil und Halla hinüberwinkend, das Gasthaus. So mancher Blick streift dabei das Paar und einige der anwesenden Blaumäntel schlagen dem Nordmann anerkennend auf die Schulter, denn ein Kampfgenosse, dem das Glück hold ist, auch noch eine schöne Frau an der Seite zu haben, fordert Späße und sanften Spott nur so heraus.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jareth am 31. März 2004, 07:19 Uhr
Jareth fährt den Planwagen, der über den holprigen Marktplatz wackelt als führe er über rohe Eier, direkt in den Hof der Goldenen Harfe, wo er das Pferd direkt einem Stallknecht überlässt. Eine blinkende Münze wechselt den Besitzer, was dem Wollhändler ein dankbares Lächeln und das Versprechen einbringt, dass das Pferd hier geradezu königlich versorgt werden würde. Jareth grinst und macht sich dann daran die Ladung zu sichern, die Kisten auf ihre Verschlossenheit zu überprüfen und schließlich nimmt er die gut gefüllte Geldkatze und lässt den Wagen Wagen und das Pferd Pferd sein. Ja, er ist wirklich zufrieden mit der Ausbeute des heutigen Tages. Und so hofft er auch, dass seine Glückssträhne sich fortsetzen würde und der Wirt heute endlich ein offenes Ohr für ihn fände.

Frohen Mutes betritt er den Gasthaus durch die Hoftür und hält auch sogleich Ausschau nach dem roten Bart des Zwergs.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 31. März 2004, 09:41 Uhr
Dieser Tag in der Harfe verläuft sehr viel ruhiger als der gestrige, worüber nicht nur Borgil selbst, sondern auch alle eine Schankmädchen froh sind und insgeheim drei Schutzrunen schlagen. Er hatte die Eintragungen in seine Bücher in Ruhe zu Ende gebracht, Halla irgendwie davon überzeugt, daß sie ganz bestimmt gut in jedwede Gesellschaft passen würde und noch dies oder jenes andere  erledigt. Der Harfengarten blinkt und blitzt und harrt des schönen Wetters und der Gäste, die mit ihm kommen würden, um draußen im Schein der Sonne oder später der Laternen unter den Bäumen zu sitzen und Thay-Lee ist noch immer unterwegs. Nun, damit hat er gerechnet, schließlich hatte die Kleine einen Rattenschwanz von Dingen zu erledigen und wer weiß, wie sie wo aufgehalten wurde. Von Taran oder der Goldschmiedin hat er noch nichts gehört, aber als er jetzt aus seinen Gemächern in die Schankstube hinübergeht, läuft ihm das Langbein über den Weg, das geradewegs vom Hof hereinkommt. "Ah, der Wollhändler!" Brummt er. "Trifft sich gut, daß Ihr hier seid - wenn Ihr noch auf dem Markt gewesen wärt, hätte ich Euch glatt einen Besuch abstatten müssen."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 31. März 2004, 13:12 Uhr
Irgendwie hatte es Borgil geschafft Halla davon zu überzeugen, dass sie auf die Hochzeit gehen sollte, wie genau weiss Halla nicht mehr zu sagen, als sie wieder in der Schankstube hinter der Theke steht. Borgil schafft es eigentlich immer sie von irgendetwas zu überzeugen, aber ihre Gedanken werden abgelenkt, als die ersten Gäste in die Harfe kommen. Das Wetter hat sich geändert, war gestern noch ein grauer Tag gewesen so scheint heute die Sonne und wärmt Talyra. Gegen Mittag ist der Harfengarten endlich soweit in Ordnung gebracht, dass Halla zufrieden ist, und kaum dass der letzte Putzeimer weggeräumt ist, trauen sich auch schon die ersten Gäste in den Harfengarten. Halla teilt Grid und zwei andere Mädchen für den Dienst draussen ein, sie selber bleibt in der Harfe.

Gläser müssen poliert werden, Flaschen aufgefüllt und noch vieles mehr. Am Rande bekommt sie mit, das Jareth die Harfe betritt und Borgil mit ihm redet. Sie wirft ein zwei verstohlene Blicke auf die beiden, ruft sich dann aber selbst zur Ordnung, sie würde zwar zu gerne wissen was Borgil mit Jareth zu besprechen hat, aber sie weiss auch gut, dass es sie eigentlich nichts angeht. So kümmert sie sich weiter um ihre Arbeit. Langsam neigt sich der Tag wieder dem Abend zu und die Gäste aus dem Garten strömen nun in das innere der Harfe, denn sobald Shenrahs sein Antlitz versteckt, wird es wieder empfindlich kühl. Es ist eben noch kein Sommer, der Frühling hat gerade mal Einzug gehalten in Talyra.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jareth am 31. März 2004, 14:45 Uhr
"Meister Borgil, ich will kaum glauben, dass es mir wirklich endlich gelingt Euch persönlich zu sprechen, aber ganz offensichtlich ist mir Soris an diesem Tage hold. Und wenn Ihr etwas kaufen möchtet: Scheut Euch nicht, mein Laden ist im Augenblick zu jeder Stunde geöffnet. Und genau deswegen wollte ich Euch aufsuchen." Halla taucht in diesem Moment auf und beginnt hinter der Theke geschäftig zu werden. Als sie kurz zu ihm und Borgil herüberblickt nickt Jareth zu ihr hin und lächelt, dann wendet er sich wieder dem Zwerg zu. "Vielleicht habt Ihr einige Minuten und wir können uns setzen, auf dass ich Euch mein Anliegen vorbringen kann. Und Ihr das Eurige, versteht sich." Der Harfengarten hat offensichtlich schon geöffnet, doch jetzt, in der Kühle des frühen Abends, strömen die Besucher nun ins Innere der Taverne. Jareth beeilt sich an einen leeren Tisch zu treten und dem Zwerg einen Stuhl anzubieten.

Als der Wirt sich gesetzt hat, lehnt Jareth sich vor: "Es wird gemunkelt, dass Ihr der Richtige wärt an den es sich zu wenden gilt, wenn man auf der Suche nach einem Haus oder einer Unterkunft in Talyra ist. Wie Ihr seht, meine Ware befindet sich derzeit auf der Ladefläche meines Wagens und, die Götter mögen mir gnädig sein, es ist ein Wunder, dass noch nichts gestohlen wurde. Ihr seht die Problematik: Ich benötige dringend ein Lagerhaus und so sehr ich die Dienste der Goldenen Harfe schätze, so würde ich es begrüssen auch ein eigenes Dach über dem Kopf zu haben. Wie sieht es aus, gibt es ein Objekt, über das wir reden könnten?" Innerlich betet Jareth zu sämtlichen Göttern, die ihm einfallen, dass er nun, wo er Borgil endlich erwischt hat, auch Erfolg haben würde.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 31. März 2004, 15:34 Uhr
Lange hatte sie geschlafen, war zwischendûrch immer wieder durch den Husten geweckt worden und dann unruhig hin und her gewälzt bis sie schliesslich wieder eingeschlafen war. Erst durch das flinke Huschen von eiligen Füssen wird sie schliesslich ganz wach und und sitzt mit einem Schlag aufrecht im Bett, worauf ein kurzer Husten folgt. Habe ich etwa wieder so lange geschlafen? Der Wirt wird sich ganz schön ärgern... Ich schlafe und trinke und esse, ohne überhaupt etwas zu bezahlen.. Hat diese Halla nicht gesagt ich könnte helfen? Wie der Wind will sie aufstehen, sitzt jedoch einen Moment später wieder auf der Bettkante. Ihre Beine fühlen sich seltsam leicht an. Zum Glück ist ihr Hintern nicht mehr ganz so schlimm und tut nur noch leicht weh. So gut es geht, erhebt sie sich und stützt sich gleich an der Wand ab, das Zittern, welches sie erfasst, versuchend zu unterdrücken. Vorsichtig greift sie nach der Decke und Ohren zum Vorschein kommen. So würde sie sich ja wohl draussen auf dem Flur zeigen können und mit leicht tappsendem Schritt kommt sie bis zur Türe und öffnet sie. Genau im richtigen Augenblick, denn gerade huscht da eine Schankmaid vorbei und mit einem leisen Rufen von Azras Seite, macht sie auf dem Absatzt kehrt und fragt ein wenig verdutzt: "Was wünscht ihr?" Für einen kurzen Moment muss Azra überlegen und hustet wieder leicht. Ja, was wollte sie überhaupt? Doch dann fällt es ihr ein und freundlich, jedoch ohne ein Lächeln fragt sie nach ihren Kleidern. Das Mädchen überlegt kurz, nickt dann jedoch und kaum einige Momente Später kommt sie bereits wieder zurück mit Azras Kleidung auf dem Arm. Wenn man das überhaupt noch Kleidung nennen konnte. Doch es würde fürs erste genügen, so wie es das immer getan hat. Mit einem leisen Danke schliesst sie die Türe und begibt sich mit zittrigen Beinen wieder zu dem Bett zurück, wo sie sich hinsetzt und anfängt sich umzuziehen. Das blaue Kleid jedoch ist so zerrissen und abgeschabt, das es keinen Nutzen mehr gehabt hätte. Vielleicht macht es ihm nichts aus wenn ich sein Hemd noch eine Weile trage... Ich hoffe es. Sie würde ihm irgendwann eine Entschädigung dafür geben, doch momentan hat sie nicht die Möglichkeit dazu. So schlüpft sie also in ihre Pluderhosen und legt flink ihren Schal um ihren Kopf, so das wieder nur ihre Augen zu sehen sind. Mit den beiden goldenen Haarklammer befestigt sie den Schal an dem Hemd und sieht schnell an sich selbst hinunter. Dann keucht sie auf und wieder hustet sie.Vielleicht wirkt die Medizin erst nach längerer Zeit... Sie hat ja schon geholfen, also... Das wird schon... So wieder vor neugierigen Augen geschützt, jedoch ohne Umhang geht sie aus dem Zimmer hinaus und die Treppe hinunter. Niemand würde unter dem Schal und der Kleidung erkennen wer sie ist, so muss sie auch keine Angst haben Jemanden in Gefahr zu bringen. Noch nicht viele Leute scheinen anwesend zu sein, sie kann nur Borgil und einen schlanken Mann an einem Tisch ausmachen, und Halla, welche hinter der Theke werkelt. Wieder fährt sie leicht zusammen und unterdrückt einen Hustanfall.. Wenn sie dem Wirt helfen will, dann durfte sie nicht husten. Flink tritt sie neben Halla und fragt leise und mit leicht gesenktem Blick: "Es tut mir leid, das ich schon wieder so lange geschlafen habe, das wollte ich eigentlich nicht. Hat der Wirt euch gesagt was er davon hält, das ich meine Schulden abarbeiten werde?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 31. März 2004, 15:58 Uhr
"Hmph," macht Borgil, als Jareth bemerkt, wie schwierig es war, ihn zu Gesicht zu bekommen - das heißt, zu Gesicht bekamen ihn eigentlich alle, mit ihm sprechen ist schon manchmal schwierig, daß weiß er. "Hmph, ich weiß, ich weiß, ich bin ein vielbeschäftiger Mann - na, Ihr habt ja selbst gesehen, was in den letzten Tagen in diesem Gasthaus los war. Daran ist nur dieser vermaledeite Feldzug schuld - nicht, daß ich den Sieg bedauerte, wissen die Götter, beileibe nicht, aber ein siegreich heimgekehrtes Heer macht einen  Haufen Arbeit." Wie es im Pfirsich in den letzten Tagen ausgesehen haben mochte, daran will er gar nicht denken. Wahrscheinlich gehen Dancys Mädchen inzwischen alle obeinig und klingeln bei jedem Schritt. Jareth beeilt sich, die Gelegenheit beim Schopf zu packen - offenbar hat er ein dringendes Anliegen. Borgil setzt sich mit ihm an einen freien Tisch, mit dem Rücken zur Theke, so daß er nicht sehen kann, wie sein kleiner Schützling bewaffnet mit Pluderhosen, seinem Hemd und Schal zu Halla tritt -  und der laiginer Wollhändler rückt auch sogleich mit der Sprache heraus. "Soso, wird das gemunkelt, ja?" Borgil mustert sein Gegenüber, aber in seinen schwarzen Augen liegt ein leises Lächeln. Er ist nicht so uneitel, als daß er nicht ein wenig stolz darauf wäre, ein so reicher Zwerg zu sein. "Hmmm, ja, ich sehe Eure Problematik, klar. Ihr wollt wirklich hier ansässig werden, was? Gut, gut..." im Geiste kramt Borgil bereits alle Häuser und Läden durch, die möglicherweise in Frage kämen - und die ihm gehören. "Hm... nicht zu groß und nicht zu klein, nehme ich an. Ihr braucht ein trockenes, luftiges Gebäude, wo Ihr die Wolle lagern könnt, eine kleine Werkstatt vielleicht, einen Verkausfraum und ein eigenes Dach über dem Kopf... Mann, Mann, Mann... gar nicht so einfach...." Dann fällt ihm etwas ein. Es gehört zwar nicht eigentlich ihm, aber er war in der Position, da etwas einzufädeln. "In der Gasse der Webstühle wäre genau das Richtige für Euch. Ist die Spinnerei vom alten Leofren. Er hat keinen Nachfolger und grauenhaft die Gicht, sucht schon lange jemanden, an den er verkaufen kann. Gehört ein hübsches Fachwerkspeicherhaus dazu und ein kleiner Garten, naja, sooo klein auch wieder nicht. Leofren hatte acht Kinder mit seiner guten Irmin, aber alles Mädels und vier davon sind an der Lähmung gestorben. Eine ist bei mir als Magd, die anderen drei sind allesamt mit Blaumänteln verheiratet und haben beim besten Willen nichts mehr mit einer Spinnerei zu tun. Wenn Ihr im Untergeschoss des Hauses ein paar Ladenräume einrichtet, dann hättet Ihr eigentlich genau das, was Ihr wolltet. Und die Schneider in der Gasse der Webstühle dürften begeistert sein, Laiginer Wolle bei Euch zu bekommen. Ihr solltet Euch überlegen, auch mit Tombelainer Spitze und Linnen aus Port Ia zu handeln, das geht hier bestimmt weg wie warme Semmeln. Das Problem ist nur... also das Haus und die Spinnerei gehören nicht mir. Ich kenne Leofren natürlich - alle seine Töchter haben mal bei mir gearbeitet - und ich könnte sicher etwas für euch einfädeln. Wenn Ihr interessiert seid, dann bitte ich ihn her und Ihr könntet mit ihm handelseinig werden."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 31. März 2004, 16:56 Uhr
Als Halla aufblickt und ihr Blick wieder ganz rein zufällig zu dem Tisch herüberwandert an dem Borgil und Jareth sitzen, blickt auch Jareth zu ihr herüber und lächelt ihr zu. Halla kommt sich einen Moment vor wie ein Kind, das mit dem Finger im Honigtopf erwischt wurde, und sie merkt wie schon wieder leichte Röte auf ihre Wangen zieht. Sie erwidert das Lächeln des Wollhändlers aber und macht sich dann sofort eifrig wieder daran, die Gläser zu polieren. Bei allen Göttern, was ist nur los mit mir, dauernd werde ich rot, bald seh ich aus, wie eine Tomate und laufe mit ständig roten Wangen herum. Ob es am Frühling liegt? Halla runzelt erst ein wenig die Stirn und muss dann über sich sellber lachen. Aus den Kinderschuhen war sie mittlerweile herausgewachsen, naja nicht ganz, schliesslich sind iher Füsse nicht so gross und passen immer noch in menschliche Kinderschuhe, aber sie ist eben nicht mehr das junge Mogbarmädchen, das vor Jahren hier ihre Lehre begann und warum sollte sie nicht anfnagen sich für Männer zu interessieren. die meisten ihrer Freundinen aus dem Mogbarviertel waren schon verheiratet und hatten sogar schon Kinder.

Als sie sich immer noch schmunzelnd herumdreht, erstarrt sie einen Moment als sie Azra sieht, die in einen Schal gehüllt vor ihr steht.
Rasch blickt sie sich in der Harfe um, aber keiner der anwesenden Gäste schenkt dem Mädchen einen Blick. Halla atmet erleichtert auf, stellt die Gläser aufs Bord und geht dann zu Azra hinüber. Sie hört sich an, was diese zu erklären hat. Ein leichtes Lächeln zieht über ihr Gesicht, als sie Azra am Arm nimmt und ein wenig abseits führt, so dass sie vor neugierigen Blicken geschützt sind.

"Borgil meinte über Geld solltet ihr euch mal keine Gedanken machen, das wäre seine Sache, aber wenn ihr unbedingt etwas tun möchtet, könnt ihr das gerne machen. Meldet euch bei Winifred, dem obersten Zimmermädchen, sie wird euch sagen, ob ihr heute noch etwas helfen könnt. Vielleicht könnt ihr etwas in der Waschküche tun, obwohl ich glaube der Dampf dort täte eurem Husten gar nicht gut. Wie geht es euch eigentlich, ist der Husten besser geworden?" Falls sich überhaupt keine Besserung einstellt, würde Halla Azra zu Morgana schicken, dieser Kitty traut Halla nicht ganz über den Weg.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 31. März 2004, 17:06 Uhr
Halla scheint nicht sonderlich glücklich über ihr Erscheinen zu sein, doch was soll sie sonst tun. Den ganzen Tag oben in dem Zimmer warten? Das war nicht ihre Art und besonders will sie nicht die Lage ausnutzen, so lauscht sie aufmerksam Hallas Worten und überlegt kurz, schüttelt dann jedoch den Kopf und meint mit einem leisen Lachen: "Nein, mir geht es gut.. wirklich.. der Husten... ach .. das wird schon.. Sie hat mir ja die Medizin gegeben, also wird das schon gehen..." Sie weiss selbst das es nicht ganz so stimmt, aber sie hat keine Lust wieder in dem Zimmer zu landen. Jedoch als ob man ihre worte Lügen strafen will merkt sie gerade jetzt wie es in ihrer Lunge kitzelt und woill schon leer schlucken, als sie bereits hustet. Sogleich sieht sie Halla in die Augen und meint energisch: "Das geht schon. Der Husten ist nicht mehr schlimm... wirklich... Das geht schon..." Sogleich will sie sich abwenden, besinnt sich dann aber eines Anderen und fragt leise: "Wies meinte der Zwerg ich soll mir keine Gedanken über Geld machen? Ich wohne hier auf seine Kosten und er will kein geld?" Ein leicht verdutzter ausdruck tritt in ihre Augen. Mein sie das ernst? Aber.. warum? Das kann er doch nicht ernst meinen.. Für einen Moment schwenkt ihr Blick zu dem Zwergen hinüber und bleibt eine kurze Zeit dort ruhen...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 31. März 2004, 17:18 Uhr
Ahja, dir geht es gut, genau so hört sich der Husten auch an, so etwas stures ist mir noch nicht begegnet."Der husten hört sich nicht an als würde er schon besser sein und es nützt nichts wenn du dich hier nützlich machen willst und dann die frisch gewaschene Wäsche mit Blut voll hustest." Hallas Worte klingen keinesfalls barsch sondern eher besorgt. Diese komische Heilerin war mir von Anfang an suspekt, verspricht noch einmal nach dem Mädel zu sehen und lässt sich seit Tagen nicht hier blicken, noch nicht einmal eine Nachricht hat sie geschickt.

"Wenn du wirklich etwas tun willst, dann geh zu Morgana, sie ist, so weit ich informiert bin, im Moment in der Steinfaust zu finden. Lass dir von ihr etwas gegen diesen Husten geben, dann sehen wir weiter. Lass dir aber von keinem unter den Schal gucken. Am besten nimmst du einen der Botenjungen von hier mit, wenn man sieht das es einer der Botenjungen der Harfe ist, beachtet dich vielleicht keiner." Halla betrachtet die GEstalt vor ihr genauer, sie scheint leicht zu schwanken und sieht wirklich nicht gesund. Was würde es ihr nutzen wenn sie hier arbeitet und nachher umkippt, nein das wollte Halla einfach nicht riskieren.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 31. März 2004, 17:33 Uhr
Sie ärgert sich leicht über diesen vermaledeiten Husten senkt dann jedoch den Kopf und hört zu was Halla zu ihren Worten meint. Morgana... Ist das auch eine Heilerin? Nocheinmal Jemand der helfen könnte... Gut, wenn der Husten dann vielleicht aufhört, dann ... Kurz nickt sie Halla zu und meint mit jedoch eher ängstlichem Blick: "Nun gut, wenn ihr meint. Aber.. hmm.. diese Morgana... Also, ich meine.. Gut, ich nehme einen Botenjungen mit, aber was soll ich tun wenn doch Jemand fragt?" Dann jedoch schüttelt sie leicht den Kopf und wirft sofort ein: "Ach was. Das wird  schon, ich werde sie schon finden ohne Jemanden umbringen zu müssen, weil er zuviel weiss.." Es hätte eigentlich lustig klingen müssen, doch da bereits ein weiterer Husten im anmarsch war, hatte der Satz mehr Ernsthaftigkeit abbekommen, als Azra es gewollt hat. Mit einem leisen Dankeschön, wendet sie sich um und läuft so schnell es ihr möglich ist, wieder die Treppe hinauf um ihren Umhang zu holen. Sorgsam bindet sie ihn um und zieht die Kapuze über den Kopf, auch die Handschuhe vergisst sie nicht und so ausstaffiert erschieint sie nach einer Weile wieder unten in dem Schankraum, wo bereits ein Botenjunge auf sie wartet. Mit einem leichten Nicken in richtung Halla folgt sie dem Jungen hinaus, sich dabei immer wieder leicht an Stühlen oder Tischen abstützend um ja nicht gleich wieder in die Knie zu gehen. Bevor sie aus der Türe verschwindet, wendet sie sich nocheinmal schnell um und spricht genug laut das es Halla versteht: "Danke für eure Hilfe.. Irgendwann werde ich es euch zurückzahlen können." Dann veschwindet sie endgültig aus der Harfe und tritt in das helle Sonnenlicht hinaus, der Botenjunge wartetebereits leicht nervös wie es scheint.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jareth am 31. März 2004, 18:20 Uhr
Aufmerksam lauscht Jareth dem Zwerg. Götter, der redet ja mehr als ich. Auf jeden Fall aber für einen Zwerg außergewöhnlich viel, aber wenn er verschwiegen wäre wie ein Stein, dann hätte er es wohl auch nicht so weit gebracht. Er verkneift sich ein Schmunzeln, denn irgendwie ist ihm dieser rotbärtige Zwerg sympathisch. Jareth hatte ja schon früher mit Zwergen zu tun gehabt und er weiß, dass sie harte Verhandlungspartner sind aber ebenso fair und allein schon deswegen schätzt er sie.

"Acht Kinder!" entfährt es Jareth schließlich ungewollt, "das Haus muss wirklich groß sein. Hmm.." Der Händler reibt sich das Kinn und eine Magd, die sich nach seinen Wünschen erkundigt, verschafft ihm etwas Bedenkzeit. "Hmm also... das klingt vorzüglich, wirklich vorzüglich. Aber", Jareth beugt sich weit vor und spricht leiser weiter, "aber ich habe Bedenken, ob ich soviel Gold zur Verfügung habe. Wißt Ihr, Meister Borgil, es ist nach wie vor gefährlich auf den Straßen... ich könnte lediglich eine Anzahlung anbringen und den Rest nach und nach abbezahlen. Meint Ihr denn, dieser Leofren wäre bereit sich darauf einzulassen?" Nachdenklich kratzt er sich am Kopf und zieht eine der geflochtenen Strähnen in die Länge, während er die Tischplatte anstarrt, als wolle sie ihm die Lösung für dieses Problem verraten. Die Magd taucht auf und mit ihr das georderte Bier, welches Jareth dankend über den Tisch zu sich herzieht. Der Krug hinterlässt eine feuchte Spur auf dem Holz und schließlich auch um Jareths Mund, der zügig einen ersten, tiefen Schluck nimmt. Nachdem er den Schaum mit dem Handrücken entfernt hat, fährt er fort: "Also Meister Borgil, nicht, dass ich meine Ihr könntet meine Situation und Bedürfnisse nicht richtig einschätzen, aber ich glaube, etwas Kleineres täte es für den Anfang auch. Ja, doch, ich glaube schon. Ein kleines Häuschen, ein Wohnraum, ein Geschäftsraum und einer zum Lagern, das sollte für den Anfang genügen, selbst wenn mir natürlich viel daran liegt, baldmöglichst mit den Händlern dieser Stadt in Kontakt zu treten."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 31. März 2004, 20:56 Uhr
Da Borgil mit dem Rücken zur Theke sitzt, bekommt er von Azras - vermeintlich Chaylas - Unterhaltung mit Halla wirklich nichts mit und von ihrem Verschwinden aus der Harfe auf der Suche nach Morgana noch weniger - sonst wäre er vermutlich aufgesprungen und hätte sie schnurstracks wieder nach drinnen befördert. So aber ist er ganz in das Gespräch mit dem Laiginer vertieft und mustert den Mann vor sich unauffällig dabei. Jareth sieht man seine Herkunft wirklich an: helles Haar, helle Haut, die in der Sonne überraschend bronzedunkel wird, hochgewachsen und kräftig. Von den Laiginer sagte man: wenn es das Uisge Beatha nicht gäbe, besäße Laigin längst die Weltherrschaft. Ob das der Wahrheit entspricht, kann Borgil nicht sagen, aber sein eigenes Volk, die Zwerge des Wolkenthrons, handelten gern mit dem stolzen,  lauten, aufbrausenden, sangesfreudigen, eigenbrötlerischen, liebenswerten, abergläubischen und wilden Menschen der grünen Hügel- und rauhen Hochlande Laigins. Ein altes Zwergensprichwort sagte nicht umsonst: Wenn schon ein Langbein, dann eins aus Laigin. Da kannst du sicher sein, daß dein Gold geschätzt und dein Bier getrunken wird. Daß Jareth Soria, die Glücksmaid, erwähnt, verwundert den Zwergen etwas. In Laigin hatte der Zwölfgötterglaube sich kaum verbreiten können, das Land ist noch heute, was den Glauben betrifft, fest in druidischer Hand - jedenfalls soweit er weiß. Na auch egal, er kann beten, zu was er will, oder? Außerdem hat er auf seinen weiten Reisen als Händler sicher das eine oder andere aufgeschnappt. Zuerst scheint dem Mann die Spinnerei zuzusagen, aber dann besinnt er sich mit Hilfe eines Bieres doch auf etwas Kleineres und Borgil zuckt mit den Schultern. "Mir ist's einerlei. Wenn Euch etwas Kleineres auch genügt, ich hätte da vielleicht noch was. Wollte es eigentlich an eine Elbin verscherbeln, die einen Kräuterladen aufgemacht hat, aber die hat sich dann doch etwas größeres ausgesucht. Ist am Südende des Marktplatzes... zwar in der Nähe der Pranger, aber zu nah auch wieder nicht und man muß praktisch denken: das sorgt für Laufkundschaft. Ganz früher hat es mal einem Mädel gehört, die hat auch mit Kräutern und Tee gehandelt. Allia oder so ähnlich. Ist ein hübsches kleines Häuschen mit Laden. Ihr könnt es euch ja mal ansehen."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jareth am 31. März 2004, 22:48 Uhr
"Pranger?" Jareth zieht theatralisch eine Augebraue Richtung Haaransatz, grinst aber dann. "Laufkundschaft, da mögt Ihr recht haben, Meister Borgil. Und die Hauptsache ist, es hat einen hübschen Verkaufsraum, das Wohnzimmer ist mir eigentlich fürs Erste recht gleichgültig, hauptsache ein Lager, wie gesagt." Daraufhin genehmigt sich Jareth noch einen Schluck Bier, der den Krug auch beinahe leert. "Ich denke, wir sind im Geschäft. Nur den Preis müsst Ihr mir noch nennen und natürlich würde ich das Haus gerne sehen, ehe ich einschlage, versteht sich. Und dann, ja, dann könnt Ihr natürlich immer noch gern einen Blick auf meine Waren werfen, Meister Borgil. Das Weibsvolk ist heut wie eine Schar Krähen über meine Stoffe hergefallen, viel ist nicht mehr übrig." Jareth zwinkert bei diesen Worten, aber Borgil hätte ihn auch so verstanden, da ist er sicher. "Und danke für Euren Hinweis auf das Linnen und die Spitze. Ich denke, das sollte ich im Angebot haben, wenn mich nicht alles täuscht. Als dann, auf gute Geschäfte!" Und mit diesen Worten findet der Restbestand Bier endgültig sein Ende. Jareth ist jetzt endgültig davon überzeugt in Gestalt dieses Zwerges einen aufmerksamen und - hoffentlich - fairen Geschäftsfreund vor sich zu haben und solche Kontakte konnten sicherlich niemals schaden. Die von Borgil beschriebene Lage des Hauses scheint Jareth fürs Erste auch goldrichtig, denn immerhin hatte er sich ja selbst davon überzeugen können, dass der Marktplatz ein viel besuchter Platz ist und dass hier selbst allein mit einem fahrenden Geschäft durchaus die ein oder andere Münze zu machen ist. "Wann glaubt Ihr können wir einen Blick darauf werfen?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 01. Apr. 2004, 15:06 Uhr
>Ich denke wir sind im Geschäft!<  Ha! Borgil schenkt seinem Gegenüber ein breites Grinsen. "Das freut mich doch zu hören! Der Preis ist recht annehmbar. Das Häuschen ist nicht sonderlich groß, aber für Eure Ansprüche ausreichend, nur ein wenig Arbeit müsstet ihr wohl hineinstecken. Dach, Fundament und Mauerwerk sind selbstverständlich in Ordnung, aber es sind allerhand kleinere Sachen Instand zu setzen. War lange nicht mehr bewohnt, wißt Ihr." Er erhebt sich, bedeutet Jareth, kurz zu warten und eilt in seine Privatgemächer im Nordflügel der Harfe. Kurz darauf kehrt er mit zwei größeren und einem kleineren Eisenschlüssel zurück. "Das hier ist der Hofschlüssel, der Hausschlüssel und der kleine ist für eine Kellerluke, die sich in der Küche befindet. Wenn Ihr es euch gleich ansehen wollt, Ihr könnt es nicht verfehlen. Geht über den Marktplatz in Richtung Süden, bis ihr zu Eurer Rechten die Pranger sehen könnt. Das Häuschen liegt zwei Grundstücke links neben dem Stadthaus der von Roßsteins, aber die sind wohl alle zur Zeit ausgeflogen... ich kann hier leider nicht weg, versteht Ihr." Er schiebt dem Wollhändler die Schlüssel zu und nickt. "Ich setze einstweilen einen Kontrakt und die Besitzurkunde auf, und wenn Ihr zufrieden seid, dann könnt Ihr unterzeichnen. Die Steuern für den Grund werden, da Ihr Händler seid, erst im nächsten Jahr fällig, steht dann alles im Vertrag. Ach ja... wenn ihr indigofarbene Seidenwolle in Eurem Bestand hättet, die nehme ich. Und zwar genug, um daraus einen hübschen Umhang weben zu lassen, äh... für jemanden, der ungefähr einen guten Kopf kleiner ist, als ich. Ich habe leider keine Ahnung, wieviel Wolle man dafür genau braucht. Ach ja, und wenn ihr ein reines Lämmervlies zufällig irgendwo in Eurem Wagen findet, das nehme ich auch - aber es muß von ausgezeichneter Qualität und wirklich seidenweich sein. Es ist ein Geschenk für ein äh... Neugeborenes. Die Kosten dafür können wir dann gleich mit dem Kaufpreis für das Haus verrechnen, wenn es Euch genehm ist." Borgil nennt Jareth noch seinen Preis und rät dem Wollhändler, sich das Häuschen erst einmal anzusehen, ehe er sich aufs Handeln verlegt. Feilschen, gerade bei solch größeren Summen, ist ein allseits beliebtes Ritual unter Händlern jedweder Art, wobei als Faustregel stets gilt, immer drei Nummern dicker aufzutragen, als man es gerade noch für erträglich hält. Und da Borgil als Kunden nun selbst einen Kaufmann vor sich hat, freut er sich schon diebisch auf eine harte Partie gekonnter Feilscherei mit einem Mann vom Fach.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jareth am 01. Apr. 2004, 17:14 Uhr
"Seidenwolle und ein Lämmervlies... hmm, lasst mich einmal überlegen." Jareth kratzt sich am Kopf, dann strahlt er Borgil an, als sei ihm die Erleuchtung gekommen und unterlegt seine Antwort mit einem erhobenen Zeigefinger. "Ich denke, ich müsste da einmal nachsehen, draussen, auf dem Wagen. So genau habe ich meinen Warenbestand gerade nicht im Kopf. Aber wie auch immer, da lässt sich sicherlich 'was machen." Jareth nimmt die Schlüssel an sich, die Borgil ihm über den Tisch hinschiebt und begutachtet sie, als wolle er sich genaustens einprägen, wofür nun welcher eigentlich wäre. Den Preis, den Borgil ihm nennt, nimmt er gelassen und mit einem leisen Schmunzeln auf - allein der Einschub, die Waren könnten mit dem Preis abgegolten werden, verrät Jareth, worauf der Zwerg hinaus will. "Also gut, Meister Zwerg, das Haus jetzt, der Handel später. Und ich glaube, ich werde es mir sofort einmal ansehen, solange es noch hell ist. Und nachher brauche ich unbedingt ein herzhaftes Mahl aus der Küche dieses Hauses." Wie um seine Worte zu unterstreichen knurrt Jareths Magen vernehmlich. Mit einem entschuldigenden Lächeln erhebt er sich, deutet eine Verbeugung an und greift sich sein Bündel um die Goldene Harfe schließlich pfeifend zu verlassen.

Die goldene Abendsonne, die sich ihren Weg zielsicher durch die Wolken sucht, scheint ihm ins Gesicht und Jareth ist schon jetzt davon überzeugt, dass das Haus mit Sicherheit perfekt wäre.. nein, perfekt sein musste. Wohlgelaunt wendet er sich nach links, dem südlichen Ende des Marktplatzes zu.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Thay-Lee am 01. Apr. 2004, 19:50 Uhr
Die Türen der Harfe werden energisch geöffnet und Thay-Lee stürzt atemlos und verschwitzt herein. Sie schaut sich um und sieht sogleich Borgil sich unterhaltend mit einem Gast.
In diesem Moment fällt ihr ein, was sie vergessen hat. Sie sollte doch noch nach irgendjemandem Ausschau halten, wer war das noch? Irgendein Händler.... Nun, selbst, wenn sie noch daran gedacht hätte, hätte sie doch vergessen, nach wem sie fragen sollte.

Gefasst geht sie Borgil entgegen, ein Grossteil der Zeit des Tages ist tatsächlich auf dem Marktplatz vergangen, er hat jedes Recht, wütend zu sein.

Tief Atem holend macht sie sich auf eine Strafpredigt gefasst und schaut Borgil unbehaglich entgegen.


Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Elthyryr Elruin am 01. Apr. 2004, 20:31 Uhr
Nach der Heldentat von Dolmin (möge es in Frieden ruhen, das arme 8 beinige Ding) traut sich Elthyryr wieder hinter dem Stuhl hervor nachdem er sich vergewissert hat das die Spinne sich auch wirklich auf ewig im Spinnenhimmel befindet, falls es einen solchen gibt, obwohl eine Spinnenhölle seiner Meinung nach besser angebracht wäre. Dankbar nimmt er die helfende Hand von Dolmin und richtet sich wieder auf. Sorgfälltig  putz er sein Gewand ab und streicht es glatt bevor er sich wieder auf seinen Stuhl traut. Nun fällt ihm auch das schallende Gelächter auf das die Harfe schier zum erzittern bringt. Als er gerade den  Mund aufmachen will brüllt Dolmin auch schon in die Menge, mit bestimmend harter Stimme, die Elthyryr staunen lässt. Das Gelächter findet ein jähes Ende und ein Raunen zieht sich durch die Schenke bis schließlich alle wieder ihren Gesprächen und Unterhaltungen nachgehen.

Mit einem kritischen Blick zur Decke setzt sich Elthyryr vorsichtig hin. "Danke, werter Herr Dolmin, ein herzliches Danke, und entschuldigt wenn ich euch mit meinem Ausbruch eben in Verlegenheit gebracht habe, aber dieses kleine Mistvieh... widerlich, ich kann sie nicht ausstehen, diese... Spinnen, diese achtbeinigen Ungeheuer mit ihren vielen Augen und diesen klebrigen fäden an denen sie sich auf unschuldige und nichtsahnende Elben herabseilen.... schauderhaft. Und diese hat mich sogar angegrinst, zumindest hätte sie es wenn sie einen Mund hätte..." Nach einigem zedern und fluchen beruhigt sich Dolmin wieder. "Darf ich euch etwas spendieren mein Herr und edler Retter? Noch einen Wein? Oder lieber ein Bier? Oder etwas festes für den Magen?" Auf die Bemerkung mit den Weibern geht er nicht weiter ein. Ich hab halt eine ausgeprägte feminine Art... tzä... und Spinnen sind numal widerlich... jawohl, das isnd sie und bleiben sie Vorsorglich ruft er eine der Bediensteten herbei.

Ich hätte nicht gedacht das ein solcher Mann so eine Stimme haben könne... wirklich ein seltsamer und interessanter Zeitgenosse, wahrlich, und freundlich kann er auch sein... doch irgendwas ist da noch, irgendetwas, was er versucht zu verstecken... ach, geht mich ja auch nichts an... Noch ein paar kritische Blicke zur Decke und Elthyryr hat sich ganz beruhigt und lächelt wieder wie gewohnt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 01. Apr. 2004, 22:36 Uhr
Kaum ist das Langbein aus Laigin - an dem Ausdruck hat Borgil irgendwie einen Narren gefressen - aufgestanden und mit den Schlüsseln in der Hand aufgebrochen, sein mögliches neues Heim zu begutachten, platzt Thay-Lee herein - und tritt dann vorsichtig näher. Borgil winkt gerade einer Magd, flüstert ihr etwas ins Ohr und entdeckt dann das Mädel. "Himmelgötternochmal, wo warst du den halben Tag? Hab mir schon langsam Sorgen gemacht. Jetzt setz dich erstmal und erzähl. Wie ist es gelaufen? Hast du Taran erreicht und die Goldschmiedin? Und die Gewürze? Wieso siehst du so zerfleddert aus, hast du dich gerauft?" Borgil grinst und winkt einem anderen Schankmädel. "Gib Thay-Lee hier erst einmal ein Mittagsmahl, das hat sie sich verdient. Ach ja, und hier." Er nestelt einen kleinen Beutel von seinem Gürtel los und wirft ihm dem Mädel zu, das verlegen an seinem Tisch Platz genommen hat. "Dein Botenlohn."  An einem weiter entfernten Tisch sorgt ein seltsamer Elb für Aufregung, indem er wie von der Tarantel gestochen aufspringt, und im selben Moment hat Borgil sich schon halb erhoben, die breite Axt in der Hand - bereit, sich den vermeintlichen Angreifern, Trunkebolden, Assassinen oder sonstigem Pack in seiner Harfe zu stellen. Wie sich herausstellt, war der Feind nur eine Spinne, die vom Tischnachbarn des Elben sehr schnell erledigt wird und Borgil setzt sich kopfschüttelnd und entgeistert wieder. Tssss... Spitzohren gibt es.... Die Magd, dier er vorhin weggeschickt hatte, bringt ihm aus seinen Gemächern eine dicke Ledermappe und während vor Thay-Lee eine dampfende Schüssel Kaninchenragout mit Gemüse und frischem Brot landet, beginnt er in seinen Unterlagen zu wühlen wie ein Trüffelschwein im Eichelwald - bis er die Besitzurkunden für das kleine Haus gefunden hat. Ah... wußt ich's doch.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Thay-Lee am 02. Apr. 2004, 08:47 Uhr
Thay-Lee sitzt plötzlich an einem der Tische, ohne genau mitbekommen zu haben, wie eigentlich.
Die erwartete Standpauke von Borgil hat noch nicht eingestzt, im Gegenteil, er sorgt dafür, das sie als erstes mal etwas zu essen bekommt und mehr noch..... zu Lee's allergrösstem Erstaunen, nestelt Borgil einen kleinen Beutel los, den er ihr hinwirft. "Dein Botenlohn."
"Ah..... Borgil.... ich glaube.... ihr habt da... das ist ein Irrtum!" wagt Lee einzuwenden, jedoch Borgil ist gerade abgelenkt und auch Thay-Lee bricht ab und wendet sich einer aufspringenden Person in der Harfe zu. Borgil hat sofort seine Axt in der Hand, wie Lee am Rande mitbekommt, was ihren ohnehin schon recht grossen Respekt vor dem Zwerg, noch ein wenig erhöht.
Glücklicherweise stellt sich heraus, das der vermeintliche Angreifer nur eine Spinne ist. Lee macht sich gar nicht erst die Mühe, ihr breites, schadenfrohes Grinsen zu verbergen. Weder vor Borgil noch vor dem hysterischen Elfen.
Dann hindert sie schnellstens Borgil am Weglaufen, der, wie immer geschäftig und nur in Bewegung ist.
"Wartet einmal kurz, bitte, Borgil. Ich muss euch was sagen." Auf seine gewohnte Art brummelt der Zwerg weiter vor sich hin, Lee glaubt etwas von Spinnen zu verstehen aber dann hat sie endlich seine Aufmerksamkeit.
Verlegen spielt Lee mit dem Beutelchen herum. Dann hält sie es Borgil entgegen. "Ich bekomme keinen Lohn von euch, ich arbeite hier, um von meinen Schulden bei euch wieder herunterzukommen. Immerhin bin ich jetzt seit einigen Tagen hier, habe gegessen, getrunken und bewohne eines eurer Zimmer."
Lee legt das kleine Beutelchen vor sich auf den Tisch.
"Trotzdem danke! Ich wollte euch noch berichten, das ich den Schmied, Taran," an dieser Stelle stockt sie, kaum hörbar, räuspert sich dann und fährt fort, "angetroffen habe und er sagte, er wolle am Abend vorbeikommen. Naja, wenn er es schafft, sonst morgen früh. Das ist wohl wahrscheinlicher. Bei der Goldschmiede habe ich das Schreiben gelassen, weil ich mich etwas eilen wollte. Ähm... dann auf dem Markt.... ähm.... ich hab leider vergessen, nach wem ich da gucken sollte, dieser Händler.... darüber kann ich euch also keine Auskunft geben aber die Gewürze. Die habe ich bekommen. Da... ist auch noch etwas Geld übrig, es war etwas zuviel." Thay-Lee holt die Geldkatze hervor, die sie von Borgil bekommen hatte und reicht sie ihm. "Ja, ich glaube das war es", schliesst sie, hoffend, das Borgil nicht weiter, nach ihrem Aussehen fragt. Und sollte er das doch tun, könnte sie mit gutem Gewissen abstreiten, sich gerauft zu haben. Vollkommen harmlos lächelt sie Borgil an.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Uuma am 02. Apr. 2004, 10:03 Uhr
Uuma steckt die beschwingte Art von Mistress fast an und auf ihre Frage sprudelt es geradezu aus ihr heraus. "Uuma  kommen in Stadt weil Uuma müssen tauschen schönen Stein in Münzen. Uuma haben nur noch wenig Münzen in Wegesend in Lederbeutel. Uuma finden Dixie-Mädchen auf Marktplatz und tauschen mit Mädchen auf Platz der Händler Stein für viel Münzen. Uuma seien riesenglücklich über Tausch und wollen nehmen in Goldener Harfe Zimmer für Nacht und Uuma auch wollen trinken heiße Milch und essen gutes Essen aus Harfe."

Uuma hätte noch so viel zu erzählen, sie möchte ihr von dem Hund erzählen, wie sie ihn gefunden hat, von dem Boot, das sie gerne bauen möchte und daß ihr die Stadt, seit sie mit Dixie zusammen war, irgendwie ganz anders vorkommt als vorher. Merkwürdig.... aber stimmen, seid Uuma seien zusammen mit Dixie, Uuma haben Freude hier.... und auch Mistress haben Freude, seien fröhlich... Stadt nichtmehr seien düster....

Dann fällt ihr wieder die Frau des Wirtes in Wegesend ein, wie sie Wolle von einem Schaf mit einem Holzrad zu einem Faden gesponnen hat und daraus, wenn die Wolle lange genug gelegen hat, wie sie ihr erzählte, Sachen gestrickt hat und eine Tochter von ihr hatte ein kleines Holzgestell und hat Stoff darauf gemacht, weil sie nur Gewänder mit Blumen drin haben wollte... und daß Uuma gerne das Stricken mit den zwei langen Holzstäbchen lernen würde...

Über all die Sachen würde sie gerne mit Mistress sprechen und sie kann es kaum abwarten, doch erstmal bringen sie MoM in den Stall, denn sie haben mittlerweile die Goldene Harfe erreicht und Uuma findet zu ihrem und MoMs Glück den alten Stallknecht dort vor, der ihr MoM mit seiner ruhigen Art in die alte Box führt, wo sie sich von ihm verabschiedet. "MoM seien ruhig, Uuma morgen kommen wieder!" und streichelt ihren treuen Gefährten, den Hund packt sie unter den Arm und nimmt ihn lieber mit. Wer weiß, was kleiner Hund machen, wenn er bleiben in Stall...? Und so betreten die beiden Frauen die Goldene Harfe, dabei folgt Uuma Mistress, die schon in der offenen Türe des Schankraumes steht und auf sie wartet.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Mistress Neun am 02. Apr. 2004, 14:33 Uhr
An der Harfe angekommen, bringt Uuma ihr Pony in den Stall. Währenddessen schlendert sie gemütlich schon mal an die schwere Holztür, öffnet sie und wartet dann dort auf ihre Begleiterin. An den Rahmen der Tür gelehnt, genießt sie die Wärme, die vom Schankraum heraus strömt. Nur der Geruch nach Alkohol und diversen Tabaksorten lässt sie etwas die Nase rümpfen.

Es dauert nicht lange und Uuma kommt mit dem kleinen Hund unter dem Arm angehumpelt. Sie hält ihr die Tür auf und lässt sie vorbei, so das sie das Bein nicht unnötig belasten muss. Drinnen bleiben sie einen Moment stehen und schauen sich um. In einer Ecke wird gerade ein Tisch frei, schnell gibt sie Uuma ein Zeichen und so bahnen sie sich einen Weg durch die Menge. Sichtlich froh lässt Uuma sich auf die Bank fallen und setzt den kleinen Hund neben sich hin. Sie nimmt den Beiden gegenüber Platz und kaum das sie sitzen steht auch eine Mogbar neben ihnen. Sie lässt Uuma die Bestellung machen, schließlich ist sie ja eingeladen. Nur anstatt der Milch bestellt sie sich lieber einen Kelch Wein.
Als die Bedienung gerade gehen will, hält sie sie sachte am Arm fest und spricht leise zu ihr. "Sagt Meister Borgil, die Goldschmiedin sei da. Er hatte nach mir geschickt." Die Mogbardame nickt und eilt dann davon.

Dann wendet sie sich wieder mit einem Lächeln an Uuma. "So, nun erzählt mir mal, wo ihr diesen goldigen kleinen Kerl her habt." und deutet auf das kleine Bündel neben Uuma.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Uuma am 02. Apr. 2004, 15:23 Uhr
Uuma ist froh, daß Mistress so schnell ein gemütliches Plätzchen findet und läßt sich auch gleich nieder, mitsamt dem kleinen Hund, den sie auf das zusammengeklappte Kanninchenfell setzt. So kleiner Hund nicht machen schmutzig Bank mit erdigen Pfoten, denn auch wenn die Harfe recht robust aussieht, so wollte sie doch keine Hundeabdrücke auf der Bank hinterlassen.
Uuma bestellt das Wildgulasch mit Kartoffeln, das die Mogbar ihnen empfiehlt und freut sich schon auf das Essen, denn von den regelmäßigen Mahlzeiten, die sie in Wegesend bekam ist ihr Körper arg verwöhnt und auch Mistress scheint sich darauf zu freuen, denn sie nickte zustimmend.
Als Mistress jedoch den Namen Borgil bei der Mogbar erwähnt und daß er nach ihr geschickt hat bekommt Uuma einen leisen Schrecken. Die paar Tage, die sie hier geschlafen hatte, war ihr der Wirt nur einmal stirnrunzelnd über den Weg gelaufen, aber weil sie nicht besonders gut drauf war hat sie nicht mitbekommen, ob es ihr galt oder etwas anderem, aber trotzdem schien er ihr recht grimmig drein zu schauen und so ist sie einen Moment überrascht, daß Mistress so normal über ihn spricht. Was wollen Wirt von Mistress?... überlegt sie kurz, doch dann lenkt sie die Frage der jungen Frau auf den kleien Kerl neben ihr.

"Uuma sitzen auf Hälfte Weg von Wegesend nach Talyra und haben Kanninchen über Feuer gelegt, da Uuma hören Rascheln in Busch bei Bach und kleiner Hund kommen angerobbt. Uuma erst nicht glauben, was Uuma sehen, aber kleiner Hund gleich waren ganz lieb und hören, was Uuma sagen, sehr klug seien kleiner Hund." Uuma kann nicht verbergen, daß sie richtig stolz ist auf den Kleinen und daß er ihr in den paar Stunden schon ordentlich ans Herz gewachsen ist. "Uuma nicht wissen, wem gehören kleiner Hund? Vielleicht er laufen weg?" Uuma guckt Mistress fragend an. "Kleiner haben Wunde an Pfote, aber Uuma denken Wunde bald heilen, wenn Hund haben Essen und Schutz vor Wildnis, denn Uuma nicht fühlen Dorn in Pfote."

Liebevoll streichelt sie den kleinen Hund der interessiert und mit schräg gestelltem Köpfchen abwechsend zu Mistress und Uuma guckt, als würde er verstehen, daß es um ihn geht und Uuma muß leise lachen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 02. Apr. 2004, 20:09 Uhr
"Häh?" Ist  Borgils erste Antwort an Thay-Lee, als das Mädel ihm die Geldkatze mit den paar Kupferling Botenlohn wieder in die Hand drückt. Er ist wirklich vollkommen verständnislos, als sie etwas von "Schulden abarbeiten, Zimmer bewohnen, Essen essen und keinem Lohn" faselt. "Elch mit Sosse!" Knurrt er dann und schiebt ihr die Geldkatze zurück. "Es bringt Unglück, ein Botenkind nicht zu entlohnen! Willst du vielleicht, daß ich den Zorn aller Snarks und Grumkins und Pookas auf mich herablade?! Die würden glatt mein Bier sauer werden lassen!" Damit ist für ihn die Angelegenheit erledigt - er würde das Geld auf gar keinen Fall zurücknehmen - und nur für alle Fälle, notiert er im Geist, daß Halle an diesem Abend lieber zwei Schüsselchen mit warmer Milch auf die Türschwelle stellen sollte. Zur Sicherheit. Thay- Lee berichtet von ihren Aufträgen und wie es ihr ergangen war, und Borgil nickt nur hin und wieder. Das Restgeld vom Gewürzkauf nimmt er wieder an sich und lächelt dabei insgeheim in sich hinein. Thay-Lee hatte bisher zu seiner vollsten Zufriedenheit gehandelt. Als sie erwähnt, daß sie den Wollhändler vergessen hatte, winkt er ab und brummt etwas von "war ohnehin gerade bei mir". Ihr abschließendes Lächeln allerdings ist so durch und durch unschuldig, daß sämtliche borgilschen Alarmglocken losschrillen. A-ha. Da war doch noch was auf dem Markt, oder ich bin ein Riese! Er betrachtet ihr aufgelöstet Haar und das kaum sichtbare Funkeln in ihren Augen. Entweder, es liegt an Tarans sträflich gutem Aussehen oder aber sie hatte eine anderweitige Marktbekanntschaft... Borgil ist nicht erst seit Vorgestern aus dem Steingarten gekrochen - und außerdem hat er es schon sein halbes Leben lang mit Mädchen und Frauen jedweden Alters zu tun: mit seinen Schankmaiden und deren Töchtern, seinen Mägden und Köchinnen und sonstigen weiblichen Bediensteten. Wenn jemand in Talyra sich einigermaßen mit Weibervolk auskennt, dann er. In welche Richtung Thay-Lees "Marktbekanntschaft" gegangen war, davon hat er - zum Glück! - keinerlei Ahnung. Wie auch, er ist schließlich Wirt und kein Hellseher. Und wenn er auch nur den Hauch einer Ahnung gehabt hätte, daß das Mädel versucht hatte, einen Dieb zu bestehlen (und was im Folgenden aus dieser Begegnung geworden war) dann hätte er sie schnurstracks übers Knie gelegt.

Er will gerade freundlich etwas zu ihrem so auffällig harmlosen Lächeln bemerken, als die echsenhauttragende Jägerin, die schon einmal sein Gast gewesen war, hereinschneit - dicht gefolgt von Mistress. "Ah, da war offenbar auch dein zweiter Botengang erfolgreich," raunt er Thay Lee zu. In Gedanken wundert er sich jedoch einen Augenblick. Daß die Goldschmiedin diese kleine Wilde kennt, überrascht ihn dann doch. Ach ja, Talyra... du und dein Charme... hier treffen immer wieder Wesen aufeinander, die sich sonst niemals über den Weg laufen würden... Die beiden so ungleichen Frauen, die sich nichtsdestotrotz gut zu verstehen scheinen, suchen sich einen Platz und es dauert keinen Augenblick, bis eine Schankmaid Borgil bestellt, daß die Goldschmiedin da sei. Er läßt sich von Thay-Lee das Schmiedemuster der Ziffer wiedergeben, daß diese rasch aus ihrem Gürtel kramt, zwinkert ihr zu und geht dann an den Tisch der Schmiedin hinüber. "Mistress," er neigt leicht den Kopf und nickt dem Echsenmädel kurz zu. "Wie ich sehe, habt Ihr meine Botschaft erhalten." Wie es Borgils Art ist, kommt er ohne Umschweife zur Sache. "Ich hätte da einen Auftrag für Euch," meint er und legt die geschmiedete Ziffer auf den Tisch. "Alle meine Zimmer haben solche Nummern und ich bräuchte für einige neue Unterkünfte welche, die genauso aussehen. Und zwar die Zahlen dreizehn bis zwanzig. Ihr könnt das Muster gern mitnehmen, wenn Ihr es als Vorlage braucht." Das Schankmädel bringt den beiden am Tisch ihre Bestellungen und hatten sich offenbar gerade über den kleinen Hund unterhalten, den das Echsenmädel neben sich sitzen hat. Den kenn ich doch... "Ist das nicht der Hund vom Schellentommit?" Er neigt den Kopf zur Seite, um sich das Fellbündel genauer anzusehen, doch der Hund hat nur Augen für die Tischplatte. "Wie bist du denn an den gekommen?" Schellentommit war ein Gaukler und Feuerschlucker aus Brioca, der den ganzen Sommer und Herbst über in  Talyra aufgetreten war. Aber Borgil hatte ihn bestimmt seit dem Blätterfall nicht mehr in der Stadt gesehen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Thay-Lee am 02. Apr. 2004, 22:16 Uhr
Na sowas, na sowas! Da ist doch dieser bodenständige Zwerg abergläubisch, das gibt's doch gar nicht!! Kopfschüttelnd kann Thay-Lee überhaupt nicht fassen, was sie da gerade erlebt.
Aber so genau kann sie Borgil schon einschätzen, der wird das Geld nie und nimmer wieder annehmen. Verlegen lächelnd kratzt sich Lee am Hinterkopf, betrachtet Borgil dabei mit einem leisen Lächeln. Lass ihn bloss nicht merken, das dich das amüsiert, wer weiss, welches Schicksal dich dann ereilt....
Also räuspert sich Lee und hält Borgil's Blick stand, der irgendwie prüfend wirkt.
Es macht den Anschein, als wolle der Zwerg noch etwas sagen, doch da geht die Tür der Harfe auf und zwei Frauen kommen herein.
Eine von beiden muss die Goldschmiedin sein, da Borgil noch etwas von einem erfolgreichen, zweiten Botengang raunt, bevor er sie nach dem Muster fragt, was er ihr für diesen Auftrag mitgegeben hatte.
"Ach ja, das hätt ich beinah vergessen, euch wiederzugeben!" Thay-Lee beeilt sich, das Muster hervorzukramen und gibt es Borgil zurück.
Der geht dann auch zu den beiden Frauen, die sich mittlerweile einen Tisch ausgesucht haben.

Wahnsinn! Ich hatte recht, es IST der beste Tag meines Lebens! Erst hab ich den Schmied kennengelernt, auch wenn er mich wohl ziemlich dumm fand, naja, und dann dieses Riesenglück mit Garrett und jetzt hab ich sogar noch Geld bekommen, was ich gar nicht verdiene!!!
Lee muss sich gewaltig zusammenreissen, nicht laut aufzujauchzen, sie umklammert die neue Geldkatze inbrünstig und strahlt zu Borgil hinüber, der ins Gespräch vertieft ist.
Wenn er mich öfter was erledigen lässt, kann ich mir was zusammensparen und dann.... dann.... endlich mal was für mich holen, nur für mich! Das ist... überwältigend! Jetzt noch etwas Glück mit den Würfeln oder Karten und es wäre ein perfektes Leben.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lystrato am 03. Apr. 2004, 00:22 Uhr
Nach getaner Arbeit und eifrigem Geld zählen beschließt Lystrato noch einen Met in Borgils Harfe zu sich zu nehmen. Die Sonne hat sich für heute fast verabschiedet und schickt ihre letzten Sonnenstrahlen gen Talyra und hinterlässt lange Schatten von der umliegenden Häusern. Fröhlich pfeifend stolziert er mit Hinternwackelnd über den großen Marktplatz wo sich das rege Getümmel des Tages nun langsam zu legen scheint. Hier und da nickt zwinkert er bekannten Personen zu, während er in der rechten Hand mit einer Münze spielt und sich mit der linken mit einem Fächer kühle Luft zufächert, denn es war ein warmer Tag heute, ungewohnt nach dem kalten Winter und dem bislang durchwachsenen Wetters des Frühlings.

Als er die Harfe erreicht öffnet er die große Holztür, es knarzt und knirzt als sie auf- und wieder zuschwingt. Langsam und mit beschwingtem Gang bewegt er sich auf einen der wenigen freien Tische zu. Borgil ist anscheinend gerade beschäftigt weshalb er entschließt gleich Platz zu nehmen. Er zieht ein weißes kleines Tuch aus seiner linken Tasche seiner Gewandes und wedelt damit über den Stuhl, um sicher zu gehen sich und seine Kleider nicht irgendwie zu veschmutzen. Nach eingängiger Prüfung der Sitzgelegenheit nimmt er platz und schaut sich im Schankraum um.

Mit seiner gewohnt quickigen hohen Stimme ruft er nach einem Schankburschen "Bürschchen!? ... Ja du, Schankbursche, bring mir einen des besten Mets den ihr habt, und macht schnell, Zeit ist Geld..." verdutzt blickt ihn einer der Bediensteten an. "Na hopp hopp, was schaut ihr wie ein Eichhörnchen wenn es blitzt, husch, ab mit euch, bringt mir den Met" Leicht verwirrt verschwindet der Bedienstete. "Hach, so hübsch und jung  aber doch so wenig Grips, schade eigentlich ... tjaja. Und ach, hier könnte auch mal wieder saubergemacht werden, nichts getan seit meinem letzten Besuch hier." Nachdem er sein Selbstgespräch zu Ende gebracht hat wirft er noch kurz einen Blick zu Borgil um zu sehen ob dieser ihn denn schon bemerkt hat, aber er scheint noch immer in seine Unterhaltung vertieft zu sein "Ach, dieser Zwerg, sieht mich wieder nicht, tzä"

Nachdem der Schankbursche eilig zurückkam und ihm einen großen Krug Met auf den Tisch stellt  zwinkert Lystrato ihm zu (was aber wohl kaum zu sehen ist, denn die Augen waren recht klein und umgeben von seinem dicken Gesicht waren sie kaum mehr als 2 kleine, anscheinend auch noch geschminkte, Schlitze) und steckt ihm einen Silberling zu. "Danke, bist ein guter Bursche. Sei doch so nett und richte Borgil einen schönen Gruß von mir, Lystrato, aus, ja?" Nickend eilt der Schankbursche zurück und Lystrato schaut ihm noch eine Weile grinsend nach. Nach Prüfung der Sauberkeit des Kruges nimmt er einen kleinen Schluck und lehnt sich in dem Stuhl zurück und fächert sich kühle Luft in sein Gesicht.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 03. Apr. 2004, 01:16 Uhr
Während Borgil mit Jareth gesprochen hatte und dann mit der zurückkommenden Thay Lee, hatte sich die Harfe zusehends gefüllt. Die Tötung der Spinne hatte Halla nur am Rande mitbekommen und darüber nur lächelnd den Kopf geschüttelt . Die Gläser waren alle poliert und funkelten nun auf dem Bord im Schein der Lampen. Mistress Neun kommt mit dieser kleinen Wilden herein und Borgil gesellt sich alsbald zu ihnen. Halla hätte immer noch einige Fragen an den Zwerg und sie würde zu gerne wissen, was er mit Jareth besprochen hatte, aber das kann und muss jetzt noch warten. Als sie daran denkt, dass Borgil ihr ein Kleid besorgen würde glühen ihre Wangen wieder kurz auf und so schiebt sie den Gedanken rasch wieder beiseite.

Halla füllt einige Humpen mit  Verder Dunkel und reicht sie an Grid weiter, die damit zu einem Tisch geht, an dem sich einige Händler versammelt haben und eifrig diskutieren was sie jetzt im neu anbrechenden Frühling für Preise für ihre Waren nehmen könnten, insbesondere für die, welche jetzt heiss begehrt sein würden. Die Harfentür öffnet sich und eine  kleine rundliche Gestalt schiebt sich in die Harfe.Bei allen Göttern, der hat heute hier wirklich noch gefehlt. Lystrato ist Halla gut bekannt und sie weiss, dass er mal wieder über alles und jeden meckern würde. Die Tische wären ihm sicher wieder einmal nicht sauber genug, obwohl sie gerade erst gewischt worden sind, dass Essen würde wohl mal wieder nicht genug sein, das Bier zu warm oder der Wein zu kalt. Halla verdreht die Augen als sie sieht wie Lystrato ein Tuch hervorholt und damit über den Stuhl wischt, als würde dieser vor Dreck nur so strunzen.

Halla weiss genau, dass sie keines der Mädchen zu ihm schicken braucht und ehe sie einem der Schankjungen Bescheid geben kann, hat sich Lystarto schon den jungen Kevin geschnappt und gibt bei ihm die Bestellung auf. Als Kevin mit der Bestellung zurückkehrt, flüster sie ihm leise etwas ins Ohr :"Pass bei Lystrato auf, du musst sehr zuvorkommend sein und höflich und schau zu das du nichts verschüttest, naja du weisst schon was ich meine."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Uuma am 03. Apr. 2004, 11:21 Uhr
Uuma lacht noch leise, weil der kleine Hund so ulkig den Kopf schräg stellt, als plötzlich der kleine Wirt mit den breiten Schultern bei ihrem Tisch auftaucht und Mistress anspricht.
Als er kurz zu Uuma nickt bekommt Uuma einen mächtigen Schrecken, auch wenn er nicht grimmig geguckt hat, aber seine Augen scheinen irgendwie alles zu durchdringen und so sitzt sie ganz still da und bekommt nicht wirklich mit, was er mit Mistress bespricht, während sie eine Hand auf dem Rücken des kleinen Hundes hält, als wollte sie verhindern, daß auch er sich rührt.
Das kann Uuma jedoch vergessen, denn gerade in diesem Moment kommt die Schankmagd mit dem herrlich duftenden Essen und stellt zwei üppig gefüllte Teller auf ihrem Tisch ab und die kleine Hundenase schnüffelt aufgeregt Richtung Tischkante, aber wie schon beim Feuer, er bleibt brav auf seinem Platz sitzen.
Als der Wirt sich plötzlich dem kleinen Hund zuwendet ist Uuma hellwach und die Jägerin bricht in ihr durch, bereit, jeden Moment ihren kleinen Schützling zu verteidigen...,  doch der Wirt wirkt eher verwundert und spricht etwas von einem Schellentommit und fragt sie, wo sie ihn herhat. "Uuma finden kleinen Hund auf Straße von Wegesend nach Talyra, in Hälfte von Weg, als Sonne stehen oben..."  Schellentommit... Schellentommit... geht es durch Uumas Kopf.
"Wirt kennen Besitzer von kleinem Hund?" fragt sie neugierig, denn wenn der Hund jemandem aus der Stadt gehört müsste sie ihn wohl zurückgeben, auch wenn der Gedanke sie betrübt, denn sie mag den Kleinen, er ist so lieb und anhänglich und er tut ihr irgendwie gut. Seid Uuma haben kleinen Hund, Menschen seien freundlich mit Uuma. Kleiner Hund bringen Uuma Glück.... Mit bangem Herzen blickt sie zu dem Wirt und soetwas wie Mitgefühl scheint ihr kurz von ihm entgegen zu kommen. Sie schaut aus ihren großen grünen Augen, als erwarte sie den nahenden Abschied von ihrem neuen kleinen Gefährten...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lystrato am 03. Apr. 2004, 12:10 Uhr
Nachdem Lystrato den Krug geleert hat erblickt er Halla die sich gerade mit dem Schankburschen, der ihn eben noch bedient hat, unterhält. Quieckend ruft er zu ihr hinüber "Halla, meine Gutste, wie geht es euch? Lange nicht gesehen Teuerste. Lasst mir doch von dem entzückend netten Burschen noch eine Kleinigkeit zu essen bringen, und einen Krug Bier, aber husch husch, ihr wisst ja Gnädigste wie das so ist mit der Zeit und dem Geld" Mit einem dicken Grinsen winkt er befehlend mit seinem Fächer zu den beiden hinüber.

Die Harfe hat sich nun gut gefüllt und ein dicker Dunst liegt in der Luft, ein Gemisch aus Rauch, Essensduft, Bier und Met und noch anderer Düfte. Allerlei normales und seltsames Volk ist hier in kleinen Grüppchen versammelt. Mit kritischen Blicken beobachtet Lystrato das Getümmel während er auf den Schankburschen wartet. Sein Blick fällt auf einen recht auffälligen Elben der zusammen mit einem eher kränklichen und finstrem Zeitgenossen ein paar Tische weiter sitzt. Was haben wir denn da entzückendes!? Solch eine Augenfreude an diesem Ort hätte ich nicht erwartet Mit seinen mehr oder minder gelungenen lasziven Blicken scheint er den Elben geradezu zu durchbohren. Dieser ist aber so in seine Unterhaltung vertieft das Lystrato sich die Augen aus dem Kopf glotzen könnte und der Elb würde es nicht bemerken.

Als er sich wieder herumdreht sieht er schon den Schankburschen zu seinem Tisch eilen. Während Halla unbeeindruckt von seinen Scheuchereien langsam und gemütlich hinterhergeht, quieckt er auch schon wieder los "Ahhh, da seid ihr ja wieder, kommt nur, hopp hopp, mein Magen fängt schon an zu rumoren, und meine Kehle ist von dieser... Luft hier drinnen schon ganz trocken, sofern man dazu noch Luft sagen kann" Demonstrativ wedelt er etwas stärker mit dem Fächer vor seinem Gesicht herum und verdreht die Augen nach oben während sein Bauch seltsame Geräusche von sich gibt, die entfernt an das brummen eines Bären erinnern, als hätte er seit Tagen nichts mehr gegessen. Dabei hat er erst vor wenigen Stunden eine kleine Mahlzeit zu sich genommen, wobei das Wort klein bei Lystrato ein sehr dehnbarer Begriff sein kann.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 03. Apr. 2004, 14:12 Uhr
Da Borgil noch beschäftigt ist und Lystrato wohl kein anderes Opfer gefunden hat, ruft er zu Halla hinüber, dass sie doch bitte etwas zu Essen bringen soll. Na wunderbar, das hat mir noch gefehlt, gestern durfte ich mich mit einem Gnom rumschlagen und heute mit diesem Kerl, mir bleibt auch gar nichts erspart. Sie blickt zu Lystrator hinüber, und setzt ein Lächeln auf, als würde sie sich unendlich freuen ihn und 'nur' ihn bedienen zu dürfen. Innerlich verflucht sie alle Götter, die ihr das angetan haben. Sie mag diesen feisten Kerl überhaupt nicht, aber da er im Stadtrat sitzt und eine Menge Einfluss in der Stadt hat, macht sie eine fröhliche Miene zu dem Spiel, das ihr überhaupt nicht behagt. Halla kann sich gut verstellen, aber es liegt ihr im Grunde nicht, jemanden den sie nicht mag auch noch mit Freundlichkeit und Höflichkeit zu überschütten, zumal sie weiss, dass sie dafür noch nicht einmal einen Dank erhalten wird. Einzig die Aussicht auf ein Silberstück extra, lässt sie sich hinter der Theke hervorarbeiten und mit ruhigen gemächlichen Schritten auf Lystrato zugehen.

Dieser beobachtet grade die beiden seltsamen Gestalten , die eben mit der Spinnentötung für Aufregung sorgten Zum Glück war Lystrato da noch nicht hier, er hätte sicherlich wieder gemeckert, wie unsauber es doch hier wäre, wenn sogar schon die Spinnen über die Tishce krabbeln. Den Blick den Lystrato einem der beiden zuwirft, findet Halla mehr als widerlich. Es scheint fast als würde er ihn mit Haut und Haaren verschlingen wollen, naja wohl nicht verschlingen eher etwas anderes, aber das will Halla sich gar nicht vorstellen.

Als sie am Tisch von Lystrato ankommt, setzt sie ein honigsüsses Lächeln auf und beginnt mit leicht säuselnder Stimme zu sprechen. " Maester Lystrato, es ist wie immer eine Freude euch hier zu sehen, was darf ich euch denn heute an Köstlichkeiten servieren? Wir hätten einen sehr guten Schweinerostbraten, mit Röstkartoffeln und jungem Frühlingsgemüse anzubieten, das dürfte doch eurem Geschmack entsprechenbesonders dem nach jungem Gemüse" Die letzten Worte wären Halla fast doch noch herausgerutscht und sie kann sie gerade noch mit einem Hüsteln herunterschlucken, dass sie dann mit einem entschuldigenden Blick kaschiert.

Als sie sieht wie Lystrato wild mit dme Fächer fuchtelt um die ach so shclechte Luft in der Harfe zu vertreiben, blickt Halla sich rasch im Schnakraum um, aber alle Tische am Fenster sind besetzt. "Es tut mir aufrichtig Leid, das ihr euch diesem Rauch hier aussetzen müsst, ich würde euch mit Freude einen der Tische am Fenster anbieten, aber wie ihr selber sehen könnt, sind diese alle besetzt, soll ich euch einen freihalten, wenn einer der Gäste den Tisch verlässt?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Mistress Neun am 03. Apr. 2004, 20:51 Uhr
Kaum sind sie eine Minute alleine, erscheint auch schon der Wirt neben ihnen. Sie ist ja schon gespannt, welches Anliegen der Wirt hat, das er sogar nach ihr schickt. Oft kommt sowas nicht vor. "Meister Borgil" erwidert sie mit einem Lächeln seine Begrüßung. Und wie sie Borgil kennt, macht er keine großen Umschweife und kommt direkt zur Sache. Er legt ihr ein Muster einer Zahl hin und sie nimmt sie auch gleich auf und dreht sie in der Hand ein paar Mal, während er ihr erklärt wo sie her ist. "Zimmernummern?" sagt sie mit einem Schmunzeln. "Das dürfte kein Problem sein. Bis wann benötigt ihr die Neuen? Und ja, das Muster behalt ich gerne."

Auch ihr Essen kommt schon, heute sind Borgils Mädchen wirklich fleißig. Hungrig schaut sie auf das leckere Gulasch, doch sie beherrscht sich. Sie wird warten bis auch Uuma anfängt und die scheint aber gerade ganz von Borgil eingenommen zu sein. Er scheint den kleinen Begleiter von Uuma zu kennen, was Uuma sichtlich nicht behagt. Sie scheint schon sehr an dem kleinen Hund zu hängen. Vielleicht könnte sie ihn ja doch behalten. Mal sehen.
Sie nimmt schon mal einen Schluck Wein, der warm und angenehm die Kehle hinunter läuft. Interessiert beobachtet sie die Zwei, wie sie sich über den Hund unterhalten. Uuma scheint es nicht wirklich zu gefallen, das der Wirt sie nach dem kleinen ausfragt, aber sie gibt ihm Antwort. Zwar etwas ängstlich wie es ihr scheint, aber ehrlich und offen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 03. Apr. 2004, 21:54 Uhr
>Wirt kennen Besitzer von kleinem Hund?< "Ärmh," macht Borgil und erinnert sich an die komische Sprechweise des Echsenmädels - gleichzeitig mit ihrer Vorliebe für warme Milch (etwas das Borgil nicht einmal halbtot zu sich nehmen würde). Dann guckt ihn die Kleine an, als habe er ihr gerade das Bonbonglas vor der Nase weggeschnappt und Borgil zuckt mit den Schultern. Wieso hat sie denn jetzt Angst? Ich will den Hund bestimmt nicht haben! "Härmh," macht er noch einmal. "Ja, den kenn ich. Aber den kennen eigentlich alle... seit Herbst war er allerdings nicht mehr in Talyra. Wissen die Götter, wo der alte Halunke abgeblieben ist."
In diesem Moment schwebt Lystrato in die Harfe, der Münzmeister der Stadt und wie Borgil selbst, Mitglied im Rat Talyras - und lenkt Borgil kurzzeitig ab. Falls der Mann Füße hat - worüber sich Borgil noch nie sicher war - sind sie nicht zu sehen und so beleibt er ist, er schwebt tatsächlich. Überaus teuer und überaus elegant wie stets gekleidet, zusätzlich in eine süß duftende Wolke gehüllt und bewaffnet mit einem monströsen Fächer, läßt er sich an einem der Tische nieder - und verschlingt als allererstes den Elben mit der Spinnenangst mit seinen Blicken - doch der sieht nicht hin. Borgil unterdrückt ein Grinsen und tauscht einen augenverdrehten Blick mit Halla. Seine findige Oberste Magd schickt Lystrato von Ildala wie immer einen der Servierjungen - und Borgil runzelt wie immer mißbilligend die Stirn. Stadtrat hin oder her, Lystrato würde seine gepuderten Patschehändchen schön bei sich behalten. Halla kümmert sich um den unerwarteten, hohen Gast und Borgil wendet sich wieder den beiden am Tisch vor ihm zu. "Wo war ich... ach ja..."
Die Goldschmiedin rettet ihn davor, in seinem Gedächtnis noch weiter nach Schellentommit graben zu müssen (was ihm sowieso nicht gelungen wäre) und nimmt zu seiner Freude den Auftrag sofort an. Er schiebt ihr das Muster zu und meint dann. "So schnell es geht natürlich - aber abhetzen müßt Ihr Euch auch nicht. Die Zimmer werden spätestens zum Inarifest im nächsten Mond fertiggestellt sein und bis dahin hätte ich natürlich auch gern Ziffern an ihren Türen. Wünscht Ihr eine Anzahlung oder genügt Euch mein Wort? Ansonsten bezahle ich bei Lieferung - bar und in gutem Silber versteht sich. Wieviel verlangt Ihr für alle zusammen?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Uuma am 03. Apr. 2004, 23:32 Uhr
Uuma ist sichtlich erleichtert, als der Wirt nur nachdenklich berichtet, daß der ursprüngliche Besitzer nicht mehr in Talyra ist und wohl niemand weiss, wo er sich zur Zeit aufhält.  Aber was seien, wenn Schellentommit wieder kommen in Stadt? Mann sicher wollen zurück kleinen Hund...?!

Während der Wirt sich wieder an Mistress wendet und sie das feine Essen vor sich dampfen sieht und ihr das Wasser im Mund zusammen läuft wird ihr klar, daß es das Beste wäre, sie würde sich in dieser Stadt ein kleines Häuschen suchen, sie hatte noch genug Edelsteine und auch die beiden großen, von denen ihr Großvater sagte, daß sie sich von einem alleine ein großes Haus in der großen Stadt kaufen könnte..., die sie besonders gut in ihrer Echsenkleidung versteckt hält.
Wenn Mann von kleinem Hund kommen zurück, Mann können finden Hund und Uuma haben Heim für lernen alle Sachen und haben Platz für bauen kleines Boot... und für MoM, wo können MoM frei laufen..., Sie stellt sich ein kleines Haus mit viel Wiese am Bach vor, dann hätte sie ein Heim, wo sie ihre Sachen lassen könnte, die sie braucht, wenn sie lesen und schreiben lernt, denn das will sie unbedingt und auch stricken möchte sie lernen und so ein Holzrad, wie die Frau des Wegesendwirtes eines hat, möchte sie haben, mit dem sie aus den Haaren von Schafen lange Fäden zum Stricken machen kann...

Uuma ist durch die viele Ruhe in Wegesend voller Tatendrang und kann es gar nicht abwarten, all die Dinge zu tun, doch ein Knurren ihres Magens ruft sie von ihrer Träumerei in die Schankstube zurück und nach einem kurzen Blick zu Mistress und dem Wirt, der über irgendwas für seine Zimmer mit der jungen Frau spricht und der ihr jetzt gar nicht mehr bedrohlich erscheint, langt sie zu und genießt das köstliche Essen, wobei sie ab und zu unauffällig dem kleinen Hund ein Stückchen Fleisch auf das Kanninchenfell legt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jareth am 04. Apr. 2004, 10:53 Uhr
Beschwingt und zuversichtlich ob seiner Zukunft in Talyra betritt Jareth abermals und zum zweiten Mal an diesem Tag den Schankraum der Goldenen Harfe, die Schlüssel des Steinhäuschens in der rechten Hand. Ein Blick durch den Raum verrät ihm, das Borgil abermals von Kundschaft belagert wird. Diesmal handelt es sich um zwei .. nun ja, Frauen. Eine davon schlank und aufrecht und Jareths Blick verfängt sich eine kleine Ewigkeit im rotbraun ihrer Locken und dem Weiß ihres schmalen Halses. Neben ihr sitzt eine junge Frau, fast noch ein Mädchen, die selbst so exotisch wirkt wie die Kleidung, die sie trägt. Als käme sie direkt aus dem Wald, schießt es Jareth durch den Kopf bis er sich besinnt, dass es unschicklich ist, zwei Frauen so offen anzustarren. Er überlegt einen Moment, ob er herantreten soll - immerhin hat er Geschäftliches mit dem Zwerg zu besprechen - andererseits wäre das mindestens ebenso unhöflich wie seine Starrerei und außerdem hatte die Angelegenheit ja nun auch etwas Zeit, zumal Jareth sich bereits entschieden hat.

So begibt er sich an den Thresen und lässt seinen Blick über den Raum wandern. Bei einer der Mägde ordert er einen Humpen Bier, der trotz des regen Betriebs auch alsbald serviert wird und Jareth die Wartezeit verkürzen würde.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 04. Apr. 2004, 16:46 Uhr
Tausende von Gedanken schiessen Azra durch den Kopf, angefangen bei *Wie wird Halla reagieren?* bis *Ich bin einfach zu blöd*. Trotzdem ist sie froh wieder hier zu sein, wieder in das kleine Zimmer zu können, wo sie sich sicher gefühlt hat. Und irgendwie ist sie auch froh wieder bei diesem Zwerg zu sein, der ihr doch bis jetzt immer geholfen hat. Naja, fast immer.. Kurz muss sie dabei an ihren Hintern denken, doch dann nehmen wieder ganz andere Dinge ihre Konzentration in Anspruch. Nach Luft schnappend kommt sie irgendwie mit Hilfe der Heilerin völlig heil bei der Goldenen Harfe an und als die Frau die Türe öffnet, versucht Azra sich gleichzeitig zumindest ein bisschen aufzurichten um nicht gleich wie das Elend selbst hereingestolpert zu kommen. So ganz gelingen will ihr der Versuch jedoch nicht, denn sie hat das Gefühl Beine aus Watte zu haben und muss sich schon nur zusammennehmen um nicht gleich mit der Tür ins Haus zu fallen. Irgendwie schafft sie es dann doch, mehr schlecht als recht an der Frau vorbeizukommen und in die Harfe zu treten, wo sie sich sogleich als erstes zur Theke hangelt um sich dort abzustützen. Verschwommen sieht sie einige Gestalten in der Schankstube sitzen und stehen, doch wer wer genau ist, das vermag sie nicht mehr zu sagen. Halla? Herr Zwerg... . Je mehr sie jedoch versucht etwas zu erkennen, desto mehr lässt ihre Sicht nach und umso fester krallt sie sich an dem Holz fest um nicht gleich umzufallen wie bei ihrem ersten Besuch. Doch sie will wissen das der Zwerg da ist, will einfach wissen ob er hier ist und darum fragt sie einfach leise, ohne zu achten wohin sie es sagt: "Herr .. Zwerg?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Thay-Lee am 04. Apr. 2004, 18:27 Uhr
Thay-Lee sitzt immer noch an ihrem Tisch, die Geldkatze in den Händen, die allerdings erstmal vergessen ist, und begutachtet verächtlich diesen von sich eingenommenen, vor Reichtum strotzenden, dicklichen Mann, der das Personal der Harfe herumscheucht.
Ihre Augen sind zu Schlitzen zusammengezogen und sie hat Mühe nicht aufzuspringen und ihm ihre Meinung an den Kopf zu brüllen.
Was bildest du dir eigentlich ein, du....
Je länger Lee ihn beobachtet, desto grösser wird ihre Aggression.
Jedoch Halla scheint ihn gut im Griff zu haben und wer ist Thay-Lee, das sie sich so etwas herausnehmen könnte? Die Leute der Harfe müssen selber sehen, wie sie mit solchen Gästen fertig werden. Aber ich wette, er gibt noch nicht mal zum Dank etwas von seinem Geld Halla extra. Und er könnte es sich doch leisten.
Kopfschüttelnd registriert Lee am Rande, dass sich die Türen der Harfe wieder einmal öffnen und weil sie nicht weiss, wie lange ihre Beherrschung noch andauert, lässt sie sich davon gerne ablenken.
Missmutig dreht sie den Kopf, um zu sehen wer eintritt (niemals würde sie sich eingestehen, das dieser Blick mit einer unterschwelligen Hoffnung begleitet ist) und hat das Gefühl, ihre Augen treten aus den Höhlen.
Wer da zur Tür hereinkommt, eher hereintorkelt, ist niemand anders, als diese Blutelbin, mit der sie sich unterhalten hatte.
Das kann doch nicht wahr sein, was macht die denn hier? Ich denke, die liegt oben im Zimmer und erholt sich....
Und Erholung scheint es zu sein, was diese selbstmörderische junge Frau am meisten braucht. Wie auch schon das erste mal, als sie hereinkam, ist sie mehr tot als lebendig.
Ohne es selber mitbekommen zu haben, ist Thay-Lee aufgesprungen und zur Theke geeilt. Sie versucht sie zu stützen, wobei allerdings die Heilerin im Weg ist.
"Den Göttern sei Dank, das ihr sie hergebracht habt! Wieso ist sie denn nicht in ihrem Bett, wo kommt sie denn her?" raunt sie Kitty zu.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Garrett am 05. Apr. 2004, 01:01 Uhr
Kurz nachdem die Blutelbe Borgils "Harfe" betreten hat, kehrt auch Garrett in das Gasthaus ein. Immerhin hat Thay-Lee darum gebeten, er möge sie hier aufsuchen und da die junge Frau gesagt hat, er möge sie "dieser Tage" besuchen und "heute" ebenfalls einer "dieser Tage" ist, nutzt der Dieb die Gelegenheit.

Als der Halbelf durch die Tür in die gut besuchte Wirtsstube kommt, zuckt er kurz zusammen. Die anwesenden Blaumäntel beunruhigen ihn und mehr als nur einmal blickt er zum Ausgang, als wolle er sich vergewissern, daß niemand seinen möglichen Fluchtweg versperrt.
Doch dann entdeckt Garrett Thay-Lee, die an der Theke steht und sich gemeinsam mit einer anderen Frau um eine verhüllte Person kümmert, die sich auf den Tresen stützt und augenscheinlich starke Schmerzen hat. Um nicht zu stören, setzt der Dieb sich in der Nähe an einen Tisch, bestellt bei einer Bedienung einen Krug Süßmost und wartet ab, ob die junge Frau, der er seine Hilfe angeboten hat, seiner gewahr wird.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Mistress Neun am 05. Apr. 2004, 11:21 Uhr
"Wieviel?" Gute Frage denkt sie sich und überschlägt im Kopf schnell die Kosten. Dann nennt sie dem Wirt einen wirklich guten Preis für alles, das sie wahrlich nur für besondere Kunden macht. "Ich denke, ich werde nicht allzu lange dafür brauchen. Und eine Anzahlung brauch ich nicht, euer Wort reicht mir vollends." Zwar mit einem zustimmenden leichten Nicken, aber innerlich doch etwas überrascht schaut sie den Zwerg vor ihr an. Eine Anzahlung? Von einem der bekanntesten Personen in der Stadt? Klingt schon seltsam.

Aus einem Augenwinkel beobachtet sie, wie Uuma sich hungrig über das Essen hermacht, aber nicht ohne dem kleinen Hund neben ihr auch etwas von dem zarten Fleisch abzugeben. Der Anblick der beiden entlockt ihr ein Schmunzeln. Zu liebevoll geht sie mit dem kleinen Wesen um, wie eine Mutter mit ihrem Kind.

"Da alles geklärt ist, möchte ich euch nicht länger aufhalten. Scheinbar werdet ihr schon von einem anderen Kunden erwartet." meint sie etwas belustigt und schaut an Borgil vorbei auf einen jungen Mann an der Tür der unübersehbar zu ihnen herüber stiert. Sie hat ihn heute schon mal in der Harfe gesehen, daher ist sie sich fast schon sicher, das er zum Herrn des Hauses möchte.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kitty am 05. Apr. 2004, 12:18 Uhr
Kaum sind Kitty und Die Blutelbin in die Harfe eingetreten, kommt auch schon Thay-Lee auf sie zugestürzt und hilft Kitty beim stützen der Kranken.
Die beiden bringen sie bis zur Theke und Thay-Lee raunt Kitty etwas zu. "Nun, ich traf sie zufällig auf der Straße und habe sie mitgenommen. Eigentlich wollte ich sie in  meinem Haus behandeln, aber sie wollte unbedingt hierher zurück. Wenn ich nur wüsste was in dieses Mädel gefahren ist, das sie sich so in Gefahr bringt. Es ging ihr doch gut hier und ich habe ein paar Silberlinge dagelassen um Halla nicht in Unkosten zu stürzen wegen ihr! Und diese Elbin steht einfach auf und geht! Es ist echt zum weinen, die Medikamente die ich ihr gab kosten doch auch etwas! Sie wäre gesund geworden, hätte sie sich nur ein wenig Ruhe gegönnt... Aber was nützt uns das schwätzen hier..."
Kitty geht um die Theke herum und spät in die Küche der Harfe. Dort arbeiten einige Aushilfskräfte, doch von Halla oder Borgil gibt es keine Spur. "Hey, Mädchen, ruf uns doch bitte schnell Halla oder Borgil hierher!"
Wieder tritt sie zurück zu Thay-Lee und der Blutelbin. "Also warten wir noch einen Augenblick bis Borgil wieder hier ist. Ansonsten bringe ich sie auch alleine nach oben ins Zimmer." Sie legt einen Arm um sie Elbin und streicht ihr behutsam über den Rücken. "Du weißt hoffentlich das wir uns hier alle um dich Sorgen? Du musst unbedingt oben im Zimmer bleiben, du wirst bald gesund werden, ich verspreche dir das, aber du musst auch mir versprechen im Bett zu bleiben, ja?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lebo am 05. Apr. 2004, 12:43 Uhr
Auch Lebo betritt kurze Zeit später die goldene Harfe und setzt sich leise und unauffälig an einen kleinen Tisch in der hinteren Ecke. Von hier aus beobachtet er Kitty und die Frau von der Straße, die nun an der Theke stehen. Eine weitere Frau stützt nun das scheinbar kranke Mädchen und unterhält sich mit Kitty. aha, scheinbar kennen sich die beiden schon. Naja, ich werde sehen wie es hier weitergeht und ob ich Kitty noch einmal alleine zu Gesicht bekomme.
Als eines der Schankmädchen an seinen Tisch kommt bestellt Lebo einen Krug Met und etwas zu essen. Erwartungsvoll macht er es sich an dem kleinen Holztisch bequem und legt seinen Mantel ab. Das Geschenk stellt er neben sich auf einen freien Stuhl.
Als das Mädchen mit seiner Bestellung zurückkommt reicht er ihr einige Silberlinge und noch ein paar Münzen extra. Dann beginnt er zu essen und beobachtet die Szene an der Theke.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jareth am 05. Apr. 2004, 17:08 Uhr
Jareths Aufmerksamkeit hat sich erst auf die roten Locken der Frau an Borgils Tisch gerichtet, dann hatte er sich voll und ganz seinem Bier gewidmet, in dem Bewußtsein, heute noch den Grundstein für sein zukünftiges Leben legen zu können. Und darauf wollte er anstoßen, wenn auch zunächst nur mit sich selbst. Und dann auf einmal schleppt sich eine Frau, nein, ein Mädchen herein, das gerade so mit Mühe und Not die Theke erreicht. Doch just in dem Moment, in dem Jareth sein Bier beiseite schieben will um nach ihr zu sehen stürzen zwei andere Frauen heran. Jareth schüttelt den Kopf. Und noch mehr als die eine davon einen Bogen an ihm vorbei um die Theke herum macht um in die Küche zu spähen. Göttermutter, ist hier der Wahn ausgebrochen? Er schielt zu Borgil hinüber, der noch immer ins Gespräch vertieft am Tisch sitzt und sucht dann nach Halla, die er aber in diesem Augenblick aufgrund des Gedränges nicht ausmachen kann. Wortfetzen fliegen zu ihm herüber, etwas von "gesund werden" und "im Bett bleiben" und Jareth fragt sich nun ernstlich, welches Leiden dieses verhüllte Mädchen haben muß, dass sie wie eine Betrunkene kaum mit viel Kontrolle in eine öffentliche Gaststätte stolpert. Auch andere Gäste sind nun auf die drei Frauen an der Theke aufmerksam geworden, wie Jareth mit einem Schmunzeln feststellt. Noch immer ist er versucht zu helfen oder wenigstens seine Hilfe anzubieten, aber der Umstand, dass dieses Mädchen offensichtlich irgendeine Krankheit mit sich herumschleppt, hält ihn zurück.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 05. Apr. 2004, 18:38 Uhr
Hollaho! Der Preis, den Mistress ihm schließlich nennt, ist wirklich ausgesprochen entgegenkommend - er hätte für gute Arbeit auch wesentlich mehr bezahlt. Einen Moment rätselt er, ob das vielleicht an seiner Person oder schlicht an ihrer Auftragslage liegen könnte, aber dann zerbricht er sich nicht weiter den Kopf darüber - und in der Harfe geschehen (einmal mehr) zuviele Dinge auf einmal. Er ist gerade dabei, sich von der Goldschmiedin zu verabschieden, hat sich schon halb erhoben und nickt den beiden Frauen zu, als diese Tausendwinkelscharlatanin eine verhüllte - und Borgil nur allzu bekannte - Gestalt hereinschleppt. Daß Jareth wiedergekommen war, um den Vertrag wegen des Häuschens und Ladens endgültig zu besiegeln, oder aber ihr Geschäft doch noch platzen zu lassen, hat Borgil am Tisch von Mistress gar nicht mitbekommen - aber als sich die allgemeine Aufmerksamkeit in der Schankstube nun auf sein schwankendes kleines Sorgenkind und diese seltsame "Heilfrau" an der Theke richtet, auch Thay-Lee war sofort zu ihnen geeilt, fällt ihm der Laiginer auf. Er sieht aus, als wolle er sich ebenfalls gleich einmischen, hält sich aber noch zurück.

Bei Sil und all seinen Archonen, das darf doch nicht wahr sein! Borgil murmelt hastige Abschiedsworte und drängt sich rücksichtslos durch eine gemischte Horde von Servierjungen und Mogbarhändlern, die gerade von ihrem Tisch in Richtung Tür aufbrechen. Halla kann er nirgends entdecken, aber er sieht die kleine Blutelbin gefährlich schwanken und hat jetzt beim besten Willen keine Zeit, sich darüber den Kopf zu zerbrechen, wie zum Henker sie nur überhaupt aus der Harfe gekommen war. Hatte Halla nicht Morgana holen wollen? Er erreicht die drei Frauen an der Theke, schiebt Jareth mit einer gemurmelten Entschuldigung ein wenig beiseite, scheucht die starrenden Gäste und Schankmaiden weg, und schnappt sich dann die - vermeintliche Chayla. "Was machst du nur für Sachen Mädel? Wie zum... ach, jetzt auch egal." Er hebt sie mühelos hoch und sie hält sich so vertrauensvoll an ihm fest, daß es ihm sein steinernes Zwergenherz ganz zerbröselt. "Thay-Lee, geh voraus und mach die Zimmertür auf. Und Ihr, Heilfrau, kommt am besten auch gleich mit." Grollt er in Richtung Kitty. "Und Ihr anderen alle, was glotzt ihr so? Noch nie eine Verletzte gesehen? Dem Mädel hier geht's nicht gut, das ist alles. Hier gibt's gar nichts zu sehen!"

Im Stillen betet er zu sämtlichen Göttern, die er kennt, darum, daß der verschleiernde Schal der Blutelbin an seinem Platz bleibt. Einen Aufstand in der Harfe kann er jetzt so gut gebrauchen wie ein Furunkel am Hintern. "Jareth, seid so gut, und setzt Euch," ruft er noch über die Schulter. "Ich komme gleich zu Euch! Ach ja, und wenn Ihr Halla seht, sagt ihr bitte, die Wildkatze ist wieder da und ich will sie sofort sprechen!"
Er trägt die Blutelbin die Treppen hinauf, wobei Thay-Lee ihm voraneilt und die Heilerin ihm folgt und bringt sie zurück in die kleine Kammer, die sie seit ihrem Hiersein bewohnt - der Schal bleibt wo er ist, Sil sei Dank. Sie ist leichter als ein Kind, obwohl sie fast so groß ist, wie Borgil und er legt sie sehr behutsam auf das weiche Federbett. "Hol ein wenig Honigwasser, Thay-Lee. Die Schankmädels sollen dir welches geben." Dann dreht er sich um und funkelt die Heilfrau an. "Wo wart Ihr bloß? Wolltet Ihr nicht nach ihr sehen? Euer Heiltrank hat kaum etwas geholfen, sie hat immer noch gehustet wie verrückt." Er befreit das Mädel so vorsichtig aus Schal und Umhang, als sei sie aus Glas und steckt sie dann mit spitzen Fingern unter die wärmenden Decken. "Ich habe keine Ahnung, was sie da draußen auf den Straßen gemacht hat, aber Ihr wart jedenfalls nicht hier bei ihr, wie Ihr es versprochen hattet. Wir haben tagelang auf euch gewartet."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Thay-Lee am 05. Apr. 2004, 19:07 Uhr
Thay-Lee nickt Borgil kurz zu und macht dann, das sie wieder nach unten kommt, vor Schreck über den Zustand der Blutelbin ist jegliches Blut aus ihrem Gesicht gewichen.
Sie jagd die Treppe hinunter und in den Schankraum, ab hinter die Theke, auf die nächste Schankmaid zu.
"Schnell, ein wenig Honigwasser brauchen wir.... " Die Schankmaid, deren namen Lee nicht kennt, schaut sie einen Moment lang entgeistert an, dann dreht sie sich um und eilt in die Küche, Thay-Lee hinterher.
Ungeduldig wartend tritt Lee von einem Fuss auf den anderen, bis sie das bestellte Honigwasser gereicht bekommt. Sie lächelt knapp, bedankt sich, und wendet sich wieder zum Gehen.
Dieses Mal lässt sie sich ein wenig mehr zeit, um ja nichts zu verschütten.
Als sie wieder zum Tresen tritt, schaut sie kurz auf, um niemanden umzulaufen und ihr Blick streift....
Hm....?
Sie stockt, schaut ein zweites mal, genauer und tatsächlich. Garrett!
Das ging aber schnell.....
Sie lächelt in seine Richtung, bleibt aber nicht stehen, sondern geht gezielt wieder zur Treppe und diese hinauf.

Sie bringt das Honigwasser ins Zimmer und gibt es Borgil.
"Hier, bitte. Ich .... muss nochmal eben schnell nach unten. Ich schau später nochmal 'rein."

Sie guckt zwischen Borgil und Chayla hin und her, dann schüttelt sie einmal den Kopf aber da der Zwerg und die Heilerin da sind, gibt es wohl keinen Grund zur Sorge.
Sie lächelt beiden zu und geht, diesmal langsamer wieder hinunter.

Ein Schmunzeln liegt auf ihrem Gesicht, als sie auf Garrett zusteuert.
"Na sowas, schon hier? Freut mich!"
Mit diesen Worten setzt sie sich zu ihm an den Tisch.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 05. Apr. 2004, 19:10 Uhr
Irgendwie versucht Azra an etwas zu kommen, an welchem sie sich festhalten kann denn die säuberliche geputze Thekenoberfläche bietet so viel halt wie ein poliertes Glass. Fest zuckt sie zusammen als plötzlich Jemand vor ihr steht und sie sogleich stützt, was auch Notwendig ist, da sie sonst direkt rückwärts auf dem Boden gelandet wäre. Irgendwelche gemurmelten Worte dringen an ihr Ohr, doch sind es nicht mehr als Laute, die Bedeutung bleibt unklar. Sie spürt wie ein Arm um sie gelegt wird und diese Brührung gibt ihr Sicherheit. Immer mehr gleicht ihre Umgebung der von einem farbenprächtigen Mischmasch, so wie im Herbst, wenn einem alle diese Farben entgegenleuchten. Plötzlich wird sie sanft hochgehoben und ohne zu sehen weiss sie wer es ist. Fest krallt sie sich an des Zwergen Hemd fest, will ihn gar nicht mehr loslassen und auch wenn sie nicht versteht was er sagt, so fühlt sie sich augenblicklich wohl, in Sicherheit. Kleine schwarze Flecken spielen vor ihren Augen und so gut es geht kneifft sie die Augen zusammen um sie wieder wegzubringen, doch sie tanzen weiter höhnisch vor ihren Augen herum und umso fester drängt sie sich an ihren Träger und murmelt leise irgendwelche unverständlichen Worte. Erst als sie plötzlich eine weiche Unterlage unter sich spürt und merkt das der Zerg sie loslässt regt sie sich so gut es geht und greift suchend nach des Zwergen Hand. Sie will nicht das er jetzt weggeht, will sich ganz sicher sein, das er bei ihr ist. Das "warum" weiss sie nicht, doch immer wenn er in ihrer Nähe ist fühlt sie sich sicher, kann anders denken und anders handeln. Plötzlich fühlt sie etwas, Jemand nimmt ihr sanft den Schal und den Umhang ab, und so schnell es geht greift sie nach der Hand, und hält diese einfach fest. "Herr.. Zwerg.." Eigentlich sollte es eine Frage sein, doch der fragende Klang verliert sich in einem fürchterlichen Gehuste. Wieder versteht sie seine Worte nicht und ärgert sich selbst darüber. Nimm dich zusammen Azra! Los! Diese Leute hier wollen dir helfen und du willst doch hier bleiben?! Sie braucht diese Worte um sich selber zu mahnen, nicht einfach hinzuliegen und einzuschlafen. Die Heilerin war ja auch noch da, wenn Azra es nicht ganz falsch mitbekommen hatte. Sie hielt sich jedoch einfach weiter fest an dem Zwerg und versuchte krampfhaft wachzubleiben und die schwarzen tanzenden Flecken nicht überhand nehmen zulassen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Uuma am 05. Apr. 2004, 20:27 Uhr
Überrascht schaut Uuma von ihrem Teller auf als sich der Wirt  eilig von Mistress verabschiedet und davonstürmt. Da sie mit dem Rücken zur Theke sitzt und nur eine kleine hintere Ecke des Wirtsraumes im Blickfeld hat, bekommt sie in dem allgemeinen Lärm nicht mit, was im großen vorderen Teil der Wirtsstube geschieht.  Als sie dem Wirt etwas verwundert hinterher schaut bemerkt sie einige Aufregung bei der Theke, aber da es nichts mit ihr zu tun hat wendet sie sich wieder ihrem Essen zu und schlürft von der heißen Milch, die in dem tönernen Krug noch immer schön warm ist.

"Mistress auch schmecken Essen gut?" fragt sie, nachdem Mistress nun auch zu essen begonnen hat. "Uuma haben großen Hunger..." Da Mistress noch an ihrem Bissen kaut fragt sie gleich weiter: "Was Mistress machen letzten Mond?, die vielen Tage, wo Wetter seien kalt und Eiswind jagen über  Land?"
Während Uuma wieder herzhaft zubeißt und wartet, daß Mistress ihr antwortet, schaut sie die junge Frau an und bemerkt plötzlich in dem flackernden Licht eine Strieme an ihrem Hals und starrt erschrocken dort hin. "Oh! Mistress haben Wunde am Hals! Wie kommen Wunde dahin?" Mit aufrichtigem Mitgefühl sieht Uuma zu ihrem Hals. Ob auch Mann überfallen Mistress in großer Stadt...?

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kitty am 05. Apr. 2004, 20:28 Uhr
Kaum nachdem Kitty ihr letztes Wort mit der Blutelbin gewechselt hat, stürmt ein wütender Borgil auf sie zu. Hastig packt er Chayla und bringt sie hinauf in die kleine Kammer. Thay-Lee und Kitty folgen den beiden.
Oben im Zimmer angekommen schickt Borgil Thay-Lee gleich wieder hinunter um etwas Honigwasser zu holen. Borgil brummelt einige wütende Bemerkungen in Kittys Richtungen und dreht sich dann wieder zu der Blutelbin hin. Kitty blickt ihn erbost an. Welch wüste Behauptungen hier aufgestellt werden! Das ist echt nicht die Möglichkeit!.
"Borgil, ich glaube darüber sollten wir einmal in Ruhe reden. Ich möchte mich jetzt nicht aufregen und nicht beleidigen lassen. Ich hatte lediglich versprochen in ein paar Tagen nach ihr zu sehen, und ich war eben auf dem Weg zum Markt und dann hierher. Dieses Mädel hat mich fast über den Haufen gerannt. Niemand hatte mir außerdem davon berrichtet das mein Medikament nicht gewirkt hätte. Es hat gewirkt, aber sie musste sich ja unbedingt selber als gesund erklären. Wie ist sie überhaupt hier herausgekommen?! Ich hatte darum gebeten das jemand bei ihr bleibt. Scheinbar ist niemand hier gewesen, also kann man mich nicht für ihr Schicksal verantwortlich machen. Und nun lasst mich hier arbeiten, diese Aufregung mach Chayla sicher auch nicht gesünder. Seit mir nicht böse Borgil, geht wieder hinunter in den Schankraum und seit bei euren Gästen. Ich weiß was hier weiter zu tun ist, ich werde schon allein zurechtkommen, wenn etwas ist, dann komme ich hinunter." Kitty hat sich etwas beruhigt und ihre Wut ist fast verflogen. Sie geht hinüber an das Bett der kranken Blutelbin und beugt sich über sie. "So, nun sag mir noch einmal was du für beschwerden hast im Moment." ruhig und gelassen blickt sie die kranke Chayla an und tupft ihr vorsichtig mit einem feuchten Schwamm das Blut aus dem Gesicht.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Mistress Neun am 05. Apr. 2004, 20:51 Uhr
Kaum ist Borgil im Trubel verschwunden, macht sie sich über das Essen her. Ihr Magen knurrt schon so laut, das man meinen könnte, ein Bär treibe sich im Schankraum herum. Genüsslich kaut sie auf einem Bissen des herrlichen Gulaschs, als Uuma sie mit Fragen überschüttet. "Ja, das Essen ist sehr gut. Danke." sagt sie mit halbvollem Mund. Doch als Uuma nachfragt, was sie die letzte Zeit gemacht hat und dann noch nach ihrem Hals fragt, hält sie einen Moment beim Essen inne. Schwer schluckt sie den Bissen herunter und spült nachdenklich mit einem Schluck Wein hinterher.

"Letzten Mond ... habt ihr von den Nargen gehört? Es gab einen Feldzug gen Westen ... ich habe mich freiwillig als Hilfe gemeldet." Ohne es zu merken fährt sie mit der freien Hand über die Striemen. Doch dann setzt sie ein etwas gedrücktes Lächeln auf und schaut Uuma an. "Es ist nicht so schlimm. Mehrere Narge sind durchgebrochen und waren plötzlich im Lager."
Immer noch schaut Uuma sie mitfühlend an. Leicht schüttelt sie den Kopf und lächelt Uuma offen und ehrlich an. "Kein Angst. Es ist wieder gut, ihr müsst euch keine Sorgen machen."
Wieder wendet sie sich dem Essen zu und schnell leert sich der Teller auch. Ab und zu wandert auch von ihrem Teller ein Fleischstück zu dem kleinen Hund hinüber. Und als er vollends leer ist, und auch der letzte Rest Soße mit einem Stück Brot weggeputzt ist, schiebt sie den Teller von sich und lehnt sich zurück.
"Das war wahrlich ein gutes Mahl, meint ihr nicht auch?" und schaut zu Uuma hinüber, die genüßlich die warme Milch trinkt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Taran am 05. Apr. 2004, 22:27 Uhr
Es ist nun doch Abend geworden, als Taran endlich das Schmiedehaus zusperren kann, um die Harfe aufzusuchen. Aber schon bevor er die schwere Tür zum Schankraum öffnet, ahnt er, dass es vielleicht doch besser gewesen wäre, früh am Morgen aufzutauchen, denn die Wirtsstube ist wieder einmal so überfüllt, dass es schon fast keine Stehplätze mehr gibt, geschweige denn freie Sitzplätze. Die Luft ist zum schneiden dick und die Geräuschkulisse erinnert eher an einem turbulenten Jahrmarkt als an ein Wirtshaus. Gelächter und laute Rufe schallen hin und her und inmitten des ganzen Tumults keuchen die Schankmädchen von einem Tisch zum anderen und kommen trotzdem kaum mit dem Austeilen der Bestellungen hinterher.

Kopfschüttelnd betrachtet Taran das Spektakel, wobei er in der Menge den rotbraunen Lockenschopf der Goldschmiedin und noch einige andere bekannte Gesichter erspäht. Doch von dem rotbärtigen Zwerg oder Halla dagegen kann er keine Spur entdecken. Ich bin auch nicht zum zechen oder zum tratschen hergekommen, sondern zum arbeiten, sagt er sich und wendet sich schulterzuckend der Küche zu, um nach dem kaputten Herd zu sehen.

In der riesigen Küche herrscht eine Hitze wie in einem gewaltigen Schmelzofen; auf unzähligen Herdfeuern köchelt und brutzelt es und Tarans Magen zieht sich vor Hunger schmerzhaft zusammen bei all den leckeren Gerüchen. Ganze Heerscharen von Mägden und Küchenjungen sind damit beschäftigt, Kartoffeln zu schälen, Kohl und Rüben zu schnippeln, die zahllosen Kessel und Pfannen zu beaufsichtigen, Essen auf vorgewärmte Teller zu schaufeln oder in großen Zubern das schmutzige Geschirr zu spülen. Von einer der Köchinnen, einer pausbäckigen Rothaarigen, die aussieht, als könne sie mit Leichtigkeit gleich mehrere Mehlsäcke auf einmal schleppen, lässt Taran sich den kaputten Herd zeigen. Sie scheint ihn schon ungeduldig erwartet zu haben, denn während er skeptisch das löchrige Wasserschiff und die losen Griffe begutachtet, stemmt sie die mehlverschmierten Fäuste in die Hüften und weicht keinen Schritt von seiner Seite, wobei sie es schafft, gleichzeitig eine Schar Mägde herumzuscheuchen und ihnen Anweisungen zu geben und ihm ihr Leid wegen des kaputten Herdes zu klagen, der den ganzen Küchenbetrieb durcheinanderzubringen droht. Erst als Taran ihr versichert, sich so schnell wie möglich des Schadens anzunehmen, entlässt sie ihn aus ihrem Refugium und er ist froh, diesen brodelnden Hexenkessel von Küche wieder verlassen zu können.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jareth am 06. Apr. 2004, 00:31 Uhr
"Jareth, seid so gut, und setzt Euch", ruft Borgil dem Wollhändler zu, während er das verhüllte Mädchen nach oben trägt. Jareth kratzt sich am Kopf und fragt sich abermals, ob in einer Taverne oder in einem Tollhaus gelandet ist. "Verletzte Mädchen, ein Tumult wie auf dem Jahrmarkt, tzz..." murmelt er vor sich hin, während er noch dem Zwerg nachsieht, der schon lange nach oben verschwunden ist.  Vielleicht sollte ich mich einfach hinsetzen, etwas essen und einfach warten, denkt Jareth und er kommt nicht umhin zu bemerken, dass sein Magen vernehmlich knurrt. Immerhin ist er seit dem Morgen auf den Beinen und hat noch nicht wirklich viel zu sich genommen. Und vielleicht sollte sich Borgil einen Sekretär einstellen, der Termine bei ihm vergibt, fügt er säuerlich grinsend in Gedanken hinzu, sieht sich aber dann im Schankraum um auf der Suche nach einem freien Platz. Allerdings ist seine Suche von wenig Erfolg gekrönt, aber er kann genauso gut am Thresen essen. Einen Moment lang ist er versucht sich irgendwo dazu zu setzen und vielleicht endlich auch einige Kontakte in der Stadt zu knüpfen, aber weder die Gruppe Zwerge am Kamin noch der düster wirkende Fremde oder die beiden Frauen, die jetzt selbst wieder in eine Unterhaltung versunken sind, machen den Eindruck, als wäre es ein Leichtes ins Gespräch zu kommen. Resigniert wendet sich Jareth der Küche zu, sucht mit den Augen nach Halla, dem einzigen vertrauten Gesicht ausser Borgil, aber er kann sie noch immer nicht entdecken. Eine Magd läuft mit Tellern an ihm vorbei: auf dem einen häufen sich grüne Bohnen und Pökelfleisch und dem Duft nach zu urteilen frisches Brot, auf dem anderen dampfendes Gulasch. Jareth läuft das Wasser im Mund zusammen, als der Geruch ihm in die Nase steigt, und er spült den plötzlichen Heißhunger mit einem Schluck Bier hinunter. Schließlich entdeckt er die oberste Magd der Harfe an einem Tisch, den ein... nun ja, Mann besetzt. Jareth zieht die Augenbrauen nach oben und legt die Stirn in Falten. Der Kerl ist gepudert und geschminkt und in ganz offensichtlich in teuerste Seide gekleidet und legt selbst ein Gebahren an den Tag, als sei er der König Talyras persönlich. Und um der ganzen Erscheinung die Krone aufzusetzen, fuchtelt er auch noch mit einem Fächer herum, als säße er am heißesten Sommertag mitten auf dem Marktplatz in der Sonne. Jareth wendet sich ab. Solche Leute anzustarren ist weder seine Sache noch sonderlich schicklich.

Schließlich gibt er bei einem Bediensteten seine Bestellung auf - grüne Bohnen mit Pökelfleisch - und malt sich in Gedanken aus, wie der Laden in dem kleinen Haus alsbald aussehen würde, wenn er nur endlich den Vertrag unterzeichnen und das Häuschen sein Eigen nennen könnte. Es würde nötig sein einen Boten nach Laigin zu schicken; immerhin hatte er bei seinem letzten Besuch zu hause versprochen sich alsbald zu melden und das war mittlerweile auch viele Monde her. Morgen würde er sich in der Stadt umhören, wo es Botenraben zu versenden gäbe, denkt er bei sich, während sich die noch leeren und staubigen Regale des Geschäfts sich vor seinem geistigen Auge mit den feinsten Stoffen Ildoriens füllen. Und Möbel bräuchte er wohl auch, zumindest einen Schrank für die Schlafkammer, wo er sein Hab und Gut unterbringen könnte. Ein Schreiner, ich darf nicht vergessen Borgil oder Halla nach einem Schreiner zu fragen, sinniert er noch, als eine Magd ihm einen gut gefüllten Teller hinstellt. Jareths Augen leuchten, als er sich über das Mahl hermacht, das genauso köstlich schmeckt wie es riecht: grüne Bohnen in Öl und mit Speck und selbst das salzige Fleisch mundet vorzüglich.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Uuma am 06. Apr. 2004, 02:36 Uhr
Uuma vermutet erst, daß Mistress einen kleinen Knochen verschluckt hat, als sie schwer schluckt und den Bissen mit Wein runterspült, aber dann merkt sie, daß es doch etwas andres sein muß.
Narge...? Feldzug nach Westen...? und sie erinnert sich an den Abend in einem der Zimmer hier oben vor einem Mond... "Uuma hören dumpfen Klang in Erde und glauben, Uuma hören, wenn viele Menschen und Pferde verlassen große Stadt und in Schenke Uuma hören Männer sprechen von Feldzug..." antwortet sie auf ihre Frage. Uuma kennen Tiermenschen...und sehen was Nargen machen... Dabei erinnert sie sich an ihre Reise, als sie mit MoM die Berge runter kam und aus sicherer Entfernung welche beobachtet hatte...
Sie kann es kaum glauben, daß Mistress bei diesem Feldzug dabei war und ein solches Wesen sie angegriffen hat, doch sie schweigt und sieht sie nur immer wieder mit großen verwunderten Augen an, weil ihr scheint, daß Mistress nicht gerne daran denkt.
So ißt sie schweigend weiter und auch der kleine Hund wird ein zweites Mal an diesem Tage richtig satt, denn auch Mistress gibt ihm hin und wieder ein Stückchen Fleisch, so daß der Kleine bald zufrieden  seinen kleinen Kopf zwischen seine Pfoten legt und vor sich hin döst, während seine Ohren ständig aufmerksam in alle Richtungen gehen und er ab und zu durch halb geöffnete Augen zu ihnen hoch blinzelt.
Obwohl Mistress nach ihr mit dem Essen begonnen hat, ist sie vor ihr fertig und Uuma vermutet, daß sie noch größeren Hunger hatte als sie und sie nickt lächelnd als Mistress meint, daß es ein gutes Mahl war. "Ja, Essen waren köstlich..."
Während Mistress von ihrem Wein trinkt nimmt sie die letzten Schlucke warme Milch und merkt, wie sie langsam müde wird und so lehnt sie sich auf der Bank zurück und genießt das zufriedene satte Gefühl. Uuma sehen aus wie kleiner satter Hund... geht es ihr mit einem Schmunzeln durch den Kopf und sie kann sich noch gerade eben ein Kichern verkneifen. Eigentlich wollte sie über so viel mit Mistress reden, aber auch Mistress wirkt etwas müde und so nimmt sie sich vor, morgen noch einmal ihr Haus am Bach aufzusuchen, wenn sie vom Platz der Händler kommt, denn den möchte sie noch einmal in aller Ruhe durchstreifen, bevor sie wieder zum Gasthaus Wegesend zurück reitet.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Garrett am 06. Apr. 2004, 07:44 Uhr
Mit einem Lächeln registriert der junge Halbelf, daß Thay-Lee ihn bemerkt, und er hebt die Augenbrauen, um ihr zu zeigen, daß er sie ebenfalls entdeckt hat. Dann verschwindet das Mädchen die Treppe hinauf und aus seinem Blickfeld.

Was für ein hübsches Geschöpf., denkt der Dieb versonnen, während er etwas Süßmost aus dem Krug in seinen Becher gießt. Sicherheitshalber ordert er bei der Bedienung, die soeben vorbei kommt, einen weiteren Becher und füllt auch diesen.

Kurze Zeit später enthält ihm die Treppe Thay-Lee nicht mehr vor. Die junge Frau geht... nein, schwebt fast die Stufen herab und kommt zu ihm herüber.
>Na sowas, schon hier? Freut mich!<, sagt sie mit einem Lächeln und Garrett genießt den Anblick mit allen Sinnen. Das leichte Timbre in ihrer Stimme, die winzigen Grübchen auf ihren Wangen und der leicht geneigte Kopf... zum Verlieben. Doch dann ruft er sich zur Raison.

"Nun... Ihr hattet gesagt, ich solle mich 'dieser Tage' einmal bei Euch umsehen. Warum also nicht heute? Außerdem, das will ich nicht bestreiten, war ich neugierig, was Ihr hier tut und wie Ihr Eure Arbeit betreibt. Darum bin ich hier."

Und weil Du sie gern hast, Du Narr., sagt eine kleine, dünne Stimme in Garretts Kopf, Weil Du Dich nach ihr gesehnt hast, weil Du sie wiedersehen wolltest und weil Du, aber das wirst Du ihr nie sagen, dieses Mädchen anziehender findest, als Du Dir selbst eingestehen willst.

Mit einem kurzen Augenzwinkern bringt Garrett die leise Stimme zum Verstummen und schiebt Thay-Lee den Becher mit Fruchtmost hin.

"Hier. Ihr werdet durstig sein, nach Eurer Arbeit."

Bei diesen Worten läßt der Halbelf absichtlich offen, ob er damit das Schleppen der Waren für Borgil oder ihren kleinen Diebstahlsversuch meint.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Thay-Lee am 06. Apr. 2004, 07:54 Uhr
Noch während sich Thay-Lee an den Tisch setzt, noch während der Bewegung kommt ihr eine Idee...
Garrett will ansetzen, etwas zu sagen aber Lee fällt ihm ins Wort.
"Schön, das ihr da seid. so früh hätte ich es zwar gar nicht erwartet aber es freut mich," wieder holt sie noch einmal. "Das passt wirklich gut, ich hab da einen wunderbaren Einfall gehabt!"

Thay-Lee beobachtet, innerlich hibbelig, wie Garrett seinen Krug anhebt und trinkt, wobei er sie nicht aus den Augen lässt.
"Also.... seht euch unauffällig hier um, einige Tische weiter sitzt ein.... Mann, oder vielmehr .... er könnte aussehen, wie ein Mann aber er scheint...." - Die Tür der Harfe öffnet sich und Thay-Lee lässt, wie schon fast zur Gewohnheit geworden, ihren Blick zu dem Neuankömmling wandern - selbstverständlich ohne jegliche Hintergedanken!
Dann realisiert sie, das gerade Taran, der Schmied hereingekommen ist. Sie gibt einen unterdrückten Laut von sich, so fühlt sich das also an, wenn einem das Herz stehenbleibt schiesst es ihr, selbstironisch und wütend über sich selber, wegen dieser Reaktion, durch den Kopf.
Dennoch kann sie nicht anders und folgt ihm mit Blicken, als er, nachdem er einmal prüfend durch den Raum geschaut hat, in die Küche geht.
Ah, sein Auftrag.

Urplötzlich erinnert sich Lee, dass immer noch Garrett ihr gegenüber sitzt und vermutlich darauf wartet, das sie ihren Satz beendet....
Ein verlegenes Räuspern und ein schneller Seitenblick zu Garrett, der sie ruhig und amüsiert anschaut, zumindest erscheint es Thay-Lee so, treiben ihr die Röte ins Gesicht.
Wunderbar, Lee, du hattest deinen Spass, könntest du jetzt bitte wieder.... verhalt mich wie ein....
Ärgerlich, von Garrett ertappt worden zu sein, presst Lee die Lippen zusammen, dann beugt sie sich ein Stück weiter zu Garrett vor.
"Also, wie ich schon sagte, dieses Etwas da, mit seinem Fächer. Ich denke, eine Lehrstunde für mich wäre gar nicht schlecht. Lasst uns warten, bis er fertig ist und ihm dann nach draussen folgen. Und dann...... er zieht doch den Jäger zur Beute, wie ein Misthaufen die Fliegen, oder etwa nicht?? Schaut ihn euch an!" Leise und eindringlich versucht Lee, Garrett zu überzeugen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Garrett am 06. Apr. 2004, 09:26 Uhr
Garrett hat den Blick, den Thay-Lee dem Schmied zugeworfen hat, wohl bemerkt, sagt jedoch nichts dazu. Stattdessen legt er den Kopf einmal mehr schräg und lächelt die ihm gegenüber sitzende Frau verschmitzt an.

Nachdem er sich zu Thay-Lee hinüber gebeugt hat, flüstert er leise: "Ich sehe ihn. Eine fette Gans. Aber ob wir sie rupfen sollen, erscheint mir zweifelhaft. Das ist Lystrato, der Münzmeister. Ein arroganter Flegel, aber leider auch nicht ohne Einfluß in der Stadt. Als Übungsobjekt nicht unbedingt geeignet."

Mit einem behaglichen Knurren lehnt sich der Dieb erneut zurück und sieht dabei erneut zu dem Münzmeister hinüber.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Thay-Lee am 06. Apr. 2004, 19:36 Uhr
Die Antwort gefällt Thay-Lee nicht. Grüblerisch starrt sie ein Loch in die Luft, dann beginnt sie wieder zu sprechen, genauso leise, wie vorher der Dieb.
"Einfluss? In der Stadt? Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Nur weil er Einfluss hat, ist er nicht davor geschützt, das sich jemand anderer nimmt, was er so zur Schau stellt. Ich finde, er schreit regelrecht darum, erleichtert zu werden! Wenn ich soviel hätte, wie er, würde ich mich schämen, es so zu machen.
Ausserdem... will ich ja nur, das ihr mir zeigt, wie es geht, ich will da nicht selber ran. Ich bin nur wütend über die Art, wie er mit anderen umgeht, nur weil er vor Geld stinkt, hat er kein Recht, diejenigen, die weniger haben als er und das auch trotz harter Arbeit, wie minderwertige Arbeitstiere zu behandeln. Soll er doch mal derjenige sein, der sich ärgert über die Ungerechtigkeit der Welt."
Abwartend blickt Lee Garrett an, unterdrückter Zorn funkelt in ihren Augen.
"Aber.... nun gut, selbst wenn ihr das nicht wollt, lasst uns gleich mal hier rausgehen. Hier ist schlechte Luft, es ist laut und hektisch. Langsam bekomme ich Kopfschmerzen. Draussen wird es sicher besser gehen. Wir können uns auch im Laufen unterhalten.  Austrinken dürft ihr natürlich erst noch," endet sie mit einem Schmunzeln.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 06. Apr. 2004, 20:23 Uhr
Beleidigen? Borgil glaubt, seinen Ohren nicht zu trauen und starrt Kitty aus schwarzen Augen an. In Anbetracht der Tatsache, daß sich die kleine Blutelbin jedoch an ihm festklammert wie eine Ertrinkende an ein Stück Treibholz, unterläßt er es, der Heilerin Paroli zu bieten und knurrt so ruhig er kann: "Ich habe Euch nicht beleidigt. Ihr wart es doch, die gesagt hat, sie wolle nach ihr sehen. Gekommen seid ihr einmal und dann nicht mehr. Und daß Euer Trank kaum geholfen hat, das seht Ihr ja wohl selbst. Wie sie hier herausgekommen ist, weiß ich nicht, aber sie ist schließlich nicht meine Gefangene, oder? Das hier ist ein Gasthaus. Wir haben wissen die Götter so gut auf sie geachtet, wie wir können, aber wir sind keine Heiler. Das seid Ihr. Selbstverständlich mache ich Euch für ihr Gesunden verantwortlich!"  Seine letzten Worte gehen fast in einem fürchterlichen Hustenfall Chaylas unter und er zieht fürsorglich die Decken um sie fest. "Schon gut, schon gut."
> Und nun lasst mich hier arbeiten, diese Aufregung mach Chayla sicher auch nicht gesünder. Seit mir nicht böse Borgil, geht wieder hinunter in den Schankraum und seit bei euren Gästen...< "Bei Sils rotem Bart, jetzt reicht es aber! Ich bewege mich hier keinen Sekhel fort - abgesehen davon kann ich gar nicht." Er deutet mit der freien Hand auf seine Rechte, die die Blutelbin eisern festhält. "Keine Sorge, Kleines. Ich lasse dich bestimmt nicht allein, aber könntest du meine Finger nicht gerade blau quetschen?" Er kann nicht sagen, ob Chayla ihn gehört hat, aber immerhin lockert sich ihr Schraubstockgriff etwas. Kräftiges kleines Kerlchen. Gut. Wenn sie noch so stark ist, wird sie das hier vielleicht auch überleben. Er verfolgt mit finsteren Blicken, wie Kitty näher an das Bett tritt, das Blut von dem erschreckend blassen Gesicht tupft, kaum mehr als ein milchiger Fleck auf den Laken unter dem verstrubbelten Haar - und dann fragt die Heilerin doch ernsthaft, nach den Beschwerden. "Seid Ihr nun eigentlich eine Heilerin oder nicht? Sie kann kaum atmen, ohne daß sie an Husten fast erstickt. Wie soll sie Euch in diesem Zustand denn irgendetwas erzählen?" faucht er. Die Hälfte seiner Aufgebrachtheit geht auf den Zustand seines kleinen Schützlings zurück - die andere Hälfte auf das Benehmen dieser seltsamen Heilfrau. Erst ließ sie sich hier tagelang nicht blicken, verabreichte Medizin, die nicht wirkte und dann waren auch noch alle anderen schuld, aber keineswegs ihre Fähigkeiten und nun muß er sich auch noch sagen lassen, er hätte sie beleidigt! Ha!

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kitty am 06. Apr. 2004, 20:37 Uhr
Kitty möchte sich nicht weiter mit Borgil streiten, denn sie weiß durchaus wozu er in der Lage ist. In ruhigem Ton spricht sie zu ihm "Ich habe es nicht so gemeint Borgil, es tut mir Leid... Ja ich weiß ich bin nicht hier gewesen, aber für mich wär es auch einfacher sie wäre in meinem Behandlungsraum und nicht hier, dort hätte ich sie selbst stätig unter Kontrolle. Aber wie ihr seht hängt sie scheinbar sehr an eurer Gesellschaft."
Nun gut, dann schaun wir mal was ich noch für sie tun kann.
Aus ihrem Arztkoffer entnimmt sie die kleine Holzschale mit dem Deckel und öffnet diese. Ein wenig wasser bräuchte ich noch.. "Ach hier." Gleich neben dem Bett auf einem kleinen Tischchen steht eine Kanne Wasser und ein Becher. Kitty mischt die Paste aus der Dose mit dem Wasser und flößt den Trank vorsichtig der Elbin ein.  "Ich denke eigentlich das das helfen sollte, es muss eigentlich. Bisher hat es immer geholfen und es ist eigentlich das letzte was ich für sie tun kann. Ich kann sie ja nicht einfach aufschneiden und sehn was mit ihr los ist. Wir können alle nur hoffen das der Saft ihr helfen wird. Ich werde dann hier bei ihr bleiben, obwohl ich eigentlich nicht kann, aber das ist nicht so wichtig jetzt. Ist zufällig eine Botin hier, die einen Auftrag für mich erledigen könnte? Ich bezahle sie natürlich ausreichend dafür, Borgil. Es wäre sehr freundlich, weil ich bleibe jetzt wirklich lieber hier bei Chayla, bevor noch etwas daneben geht." Behutsam streicht sie der nur noch schwach hustenden Chayla über die Stirn. "Ich hoffe es wird dir bald besser gehen, kleines. Ich bleibe jetzt hier bei dir, ich gehe nicht mehr weg. Hab keine Angst..."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 06. Apr. 2004, 21:28 Uhr
Halla hat von dem kleinen Aufruhr den Azra verursacht hat, nicht viel mitbekommen, eher gar nichts, denn ihre ganze Aufmerksamkeit gehört dem Münzmeister der Satdt. Der sich wieder einmal nicht entscheiden kann,  auf welches Essen er denn nun heute Appetit hat.  Innerlich wird Halla unruhig und sie sieht mit halbem Auge, wie Borgil die Treppen nach oben geht, irgendetwas tragend. Ein ungutes Gefühl befällt sie, doch ihre Miene bleibt gegenüber Lystrato unverändert katzenfreundlich. Als der gute Herr, immer noch wild mit seinem Fächer herumwedelnd, sich immer noch nicht entschlossen hat, gibt Halla auf."Entschuldigt Maester Lystrato, aber wie ihr seht, gibt es hier jede Menge Arbeit, gebt eure Bestellung bei dem Schankjungen auf, vielleicht finde ich später noch einmal Zeit, für ein angeregtes Gespräch mit euch." Halla bittet jeden der zwölf Götter darum, dass dies nicht der Fall sein möge und sie den ganzen Abend so viel zu tun hat, dass sie sich nicht mehr um diesen feisten Kerl würde kümmern müssen. Sie nickt Lystrato noch einmal äusserst freundlich zu und geht dann hinüber an die Theke. Ein breites Lächeln huscht über ihr Gesicht, als sie dort den Wolllhändler sitzen sieht, der gerade sein Mahl beendet hat.

"Es freut mich euch zu sehen Jareth. Ihr wirkt sehr zufrieden, liefen eure Geschäfte erfolgreich und habt ihr ein Lagerhaus gefunden? Ach und noch etwas, wisst ihr was da eben vorgefallen ist?" Halla schenkt ihm ein breites Lächeln und füllt dann seinen Krug Bier auf, den Jareth soeben leer auf die Theke gestellt hatte. Langsam kriecht in ihr die Befürchtung hoch, dass Borgil Azra nach oben gebracht hat. Ich hätte sie nicht alleine wegschicken sollen, aber ich konnte doch hier nicht weg und Morgana so einfach aus der Steinfaust holen, bei den vielen Verwundeten dort....

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Davio am 06. Apr. 2004, 22:47 Uhr
Schließlich betritt er die Goldene Harfe und lässt seinen Blick über die vielen Gäste schweifen die hier inzwischen eingetroffen sind. Er bahnt sich einen Weg auf die Theke zu und passt dabei auf, dass er niemanden anrempelt. Immerhin spricht der volle Schankraum für diese Taverne. Er erreicht die Theke und nickt Jareht, der neben ihm steht, lächelnd zu. Dann wendet er sich noch immer lächelnd an Halla.

''Ich grüße euch, sagt hättet ihr für einen durstigen Wanderer, der eben erst in der Stadt angekommen ist auch ein kühles Bier?''

Seinen Rucksack, der ihm in der Taverne nun doch etwas zu spärlich ist, stellt er nun vor seinen Füßen ab um ein bisschen mehr Bewegungsfreiheit zu haben.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Garrett am 07. Apr. 2004, 08:51 Uhr
Ohne zunächst weiter auf Thay-Lees Verärgerung einzugehen, nickt Garrett lächelnd, bezahlt seinen Krug mit Süßmost und erhebt sich. Zusammen mit der jungen Frau begibt er sich zum Ausgang und hält ihr auch galant die Tür auf, während er sich noch einmal im Haus umsieht und auch Lystrato einen Blick zuwirft.

Keine Sorge, mein guter Mann, über kurz oder lang kriege ich Dich und Dein Gold. Verlaß Dich darauf.

Mit diesem Gedanken huscht Garrett zur Tür hinaus.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 07. Apr. 2004, 13:50 Uhr
Gerade als Jareth antworten will, tritt ein neuer Gast an die Theke. Grüne Augen blicken Halla freundlich an und ein Schmunzeln erscheint auf ihrem Gesicht, als der Fremde höflich nach etwas zu trinken fragt. "Sicherlich gibt es hier Bier für einen durstigen Wandersmann, schliesslich sind wir in einer Schänke hier, " fügt Halla noch mit einem breiten Grinsen hinzu. Sie füllt einen Humpen mit schäumendem Verder Dunkel und schiebt es dem Fremden über die blankpolierte Theke zu. "Ich hoffe dies wird euren Durst stillen, wenn nicht sagt Bescheid, ihr sitzt hier nahe an der Quelle." Mit einem Lächeln nickt sie dem Mann noch einmal zu und wendet sich dann an Jareth.

"Nun erzählt schon Jareth, ich platze gleich vor Neugier." Sie zwinkert Jareth kurz mit einem Auge zu und blickt ihn dann erwartungsvoll an. Das ungute Gefühl von eben macht sich wieder in ihr breit, zumal Borgil noch nicht wieder von oben herunter in die Schankstube gekommen ist. Wäre es nur ein angetrunkener Gast gewesen, hätte Borgil ihn ohne viel Federlesen in eines der Betten verfrachtet und wäre wieder nach unten gekommen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 07. Apr. 2004, 14:09 Uhr
Irgendwo treibt sie in einem Meer aus bunten Farben, das immer wieder von zuckenden Blitzen durchzogen wird. Kleine rote Punkte hüpfen auf einem dunklen Braun herum und graue Linien schlängeln sich quer vor ihren Augen hindurch. Welch schönes Spiel... Doch immer wenn das Farbenmeer versucht ihr Bewusstsein völlig einzunehmen, dringen plötzlich schrille oder hallende Stimmen zu ihr durch, zerreissen die Idylle und holen sie zurück in die Wirklichkeit. Irgendwie schafft es ein Teil von ihr wach zu bleiben, weiter klar zu denken, die Schmerzen nicht überhand nehmen zu lassen. Etwas was wohl dazu beiträgt, das sie nicht vollends die Kontrolle verliert ist diese warme Hand in der ihren, die ihr das gefühlt einer festen Brandung im Meer gibt. Einfach nicht loslassen, einfach nicht loslassen... Herr Zwerg... Kurz erhaschen ihre Augen eine freie Sicht durch das Verwirrende Schauspiel und einige Wortfetzen dringen an ihr Ohr. Zu fest? Ich halte ihn zu fest... Ich muss loslassen... Irgendwie schafft sie es diesen Gedanken weiter zu leiten und fühlt wie ihre Hand sich ein wenig von der Wärme und der Sicherheit löst, jedoch nur wenig. Sie will nicht mehr hergeben, ist diese Hand doch wie eine Schnur die aus diesem Labyrinth von Farben hinausführt.

Plötzlich schmeckt sie eine süssliche Flüssigkeit im Mund, der ein bitterer Untergeschmack beiliegt. Eigentlich will sie nicht schlucken, doch ihre Zunge verheddert sich irgendwie und schon ist das Getränk ihren Hals hinabgerutscht. Leicht hustet sie und wieder taucht sie für einen Moment aus der Traumwelt auf und starrt direkt in das Gesicht der Heilerin, welche ihr sanft mit der Hand über die Stirne fuhr. Sie helfen mir... Se sind nicht wütend... Das Mittel welches die Heilerin ihr gegeben hat, hat eine seltsame Wirkung. Es ist ihr als würde ihre ganze Brust merklich abkühlen und sie die Luft wieder freier einatmen lassen, auch wenn sie immer noch husten muss und dabei Blut spuckt. Es macht sich jedoch keine Müdigkeit breit, nur die Farben gewinnen wieder überhand und keuchend dreht sie sich von der einen Seite auf die Andere und schüttelt leicht den Kopf, als ob sie sich damit endgültig von dieser unnatürlichen Sicht trennen könnte. Murmelnde Worte kommen über ihre Lippen, auch wenn sie selber nicht weiss das sie sie spricht: "Farben... weg.. hier bleiben... Herr Zwerg... Morgana hat... Hilfe.." Doch dann verliert sich ihre Zunge wieder in unverständlichem Gebrabbel und schliesslich beruhigt sie sich wieder. Ihr Atem geht immer noch keuchend, auch schwächere Husten kommen noch, doch das Blut scheint verschwunden, als hätte man das Loch zugestopft. Zitternd hält sie sich weiter an dem Zwerg fest, denk nicht einmal im Traum daran ihn loszulassen, ihn auch nur einen Meter gehen zu lassen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kitty am 07. Apr. 2004, 14:31 Uhr
In Chayla scheint seltsames vorzugehen nachdem Kitty ihr den Saft eingeflößt hat. Der starke husten verschwindet nach ein paar kräftigen Atemzügen udn sie keucht nur noch schwach. Auch der Blutfluss scheint auf einmal gestillt und Kitty tupft ihr vorsichtig das letzte Blut aus den Mundwinkeln.
Die Blutelbin dreht sich kraftlos auf die andere Seite des Bettes und wieder zurück. Immernoch klammert sie sich an Borgils Hand. "Borgil, ihr scheint ihr zu helfen. Auch wenn ihr sie nicht heilen könnt, scheint sie euch für ihre Genäsung genauso zu brauchen wie mich als Heilerin." Vorsichtig nimmt Kitty am Fußende des Bettes platz. Chayla murmelt einige Worte die kaum einen Zusammenhang ergeben. "Ist schon gut, ruh dich doch erst einmal aus. Du brauchst keine Angst zu haben, wir sind dir schon nicht böse. Es war vielleicht nicht besonders intelligent einfach zu verschwinden, aber jetzt wird alles gut, das kannst du uns glauben."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Davio am 07. Apr. 2004, 15:21 Uhr
Er nimmt den Krug voll Bier dankend entgegen und als sich Halla wieder einer Unterhaltung mit dem Gast neben ihm widmet, dreht er sich in Richtung Schankram um und nimmt einen ersten großen Schluck Bier. Ja hier gefällt es ihm und langsam aber sicher weicht die Anspannung und Erschöpfung der Wanderung aus seinem Körper, was wohl auch zum Teil am Bier liegt. Er nimmt noch zwei weitere große Schlücke, bevor er den Krug erst einmal auf die Theke stellt und sich an jene anlehnt. Nachdenklich blickt er durch eines der Fenster hinaus auf den großen Marktplatz.

Ich sollte mich bald um Arbeit und eine Bleibe kümmern...nur vom Wandern wird man auch nicht glücklich

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jareth am 07. Apr. 2004, 16:48 Uhr
Jareth legt gerade das Besteck weg, als ertönt neben ihm die Stimme Hallas und erfreut wendet er sich um. Er will eben antworten, wird aber ungewollt von einem Fremden unterbrochen, der ein Bier bestellt, welches Halla ihm auch prompt einschenkt und serviert. Jareth erwidert ihr Zwinkern und lächelt ihr dankbar nickend zu, als sie seinen leeren Bierkrug erneut auffüllt. "Oh Halla, zufrieden ist gar kein Ausdruck. Dank Borgil habe ich das perfekte Haus gefunden. Es ist zwar nicht groß, aber ideal, um in Talyra Fuß zu fassen. Drückt mir die Daumen, dass mein Vorhaben von Erfolg gekrönt ist. Habt Ihr einen Moment Zeit? Dann setzt Euch doch kurz zu mir." Er deutet auf den leeren Hocker neben sich. "Was hier vorgefallen ist, hm." Jareth kratzt sich am Kopf. "Ich weiß nicht so recht. Das Mädchen, das in dem Umhang, sie kam hier herein, als wäre sie zu trunken um noch alle Sinne beisammen zu haben, torkelte bis zur Theke und dann waren auch schon diese beiden anderen bei ihr. Fragt mich nicht, was genau mit ihr war, aber offensichtlich ist sie nicht ganz gesund, wenn ich mich nicht verhört habe. Seltsames Volk treibt sich herum. Kennt Ihr sie denn oder fragt Ihr aus Neugierde?" Aus den Augenwinkeln mustert er den Neuankömmling, der neben Halla Platz genommen hat. Er ist noch recht jung und seine Augen blicken neugierig und wohlwollend in die Welt. Jemand, der einem auf den ersten Blick sympathisch ist, denkt Jareth und als sich ihre Blicke zufällig kreuzen, prostet Jareth ihm zu. Dann fällt ihm noch etwas ein und er beugt sich vor, damit Halla seine gesenkte Stimme verstehen kann: "Und Ihr verratet mir, wer dieser gepuderte Paradiesvogel dort drüben ist, der mit dem Fächer." Er deutet mit dem Kinn und einem unübersehbaren Grinsen in die ungefähre Richtung, verzichtet aber darauf direkt hinzusehen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 07. Apr. 2004, 17:19 Uhr
Halla blickt sich kurz in der Harfe um, als Jareth sie bittet, sich doch kurz zu ihm zu setzen. Lystrato hat mittlerweile einen dampfenden, übergrossen Teller mit Köstlichkeiten vor sich stehen und wedelt nun wild mit dem Fächer, damit sein Essen schneller abkühlt und er es geniessen kann. Alle anderen Gäste scheinen auch versorgt und so lässt sich Halla hinreissen und setzt sich einen Moment neben Jareth. Sie weiss nicht wieso, aber der Wollhändler ist ihr überaus sympatisch und sie freut sich für ihn, dass er anscheinend das passende Haus gefunden hat. Ein warmes Lächeln zieht über ihr Gesicht, was allerdings einem eher entsetzten Gesichtsausdruck weicht, als Jareth berichtet, was eben hier geschehen ist.Verdammt ich hab's geahnt, na da werde ich mir sicher gleich was von Borgil anhören dürfen. Obwohl es sie eigentlich innerlich hochzieht zu dem Zimmer indem Borgil jetzt sicherlich mit der kleinen Bluthalbelbin ist, bleibt sie noch bei Jareth sitzen, so kann sie die Strafpredigt von Borgil wenigstens noch ein wenig hinauszögern.

Jareth fragt nach dem seltsam gekleideten Mann und Halla kann sich ein lautes Lachen grad noch so verkneifen." Wenn ihr in der Satdt was werden wollt, müsst ihr euch mit solchen Leuten wie ihm gut stehen. Das ist Maester Lystrato, er ist der Münzmeister der Stadt, sitzt im Stadtrat und ist recht reich und auch seltsam. Wenn ich ehrlich bin mag ich ihn nicht besonders, er mäkelt ständig an irgendetwas herum und nichts scheint ihm gut genug zu sein, ausser vielleicht, die netten Schankjungen hier in der Harfe." Halla schlägt sich mit der Hand auf den Mund, den letzten Satz hätte sie nicht laut sagen sollen, aber nun ist er raus und eine leichte Röte zieht über ihr Gesicht. Zwar machte Lystrato selbst kein grossen Hehl darum, welches Geschlecht er bevorzugt, aber dass musste Halla ja nun nicht jedem auf die Nase binden. Sie sieht Jareth kurz an und nimmt die Hand wieder vom Mund. "Entschuldigt ich tratsche und das sollte ich nicht. Ich freue mich aber sehr für euch, dass ihr ein Haus gefunden habt, welches euren Ansprüchen genügt und wenn ihr zu allen Kunden so freundlich seid und gute Preise macht, wie ihr es bei mir getan habt, denke ich, dass ihr hier bald ein gut florierendes Geschäft haben werdet."

Ihr Blick wandert unruhig zur Treppe, die zu den Gästezimmern führt. Für einen Moment hatte sie Azra aus ihren Gedanken verbannen können, doch nun kehren sie zurück zu dem kranken Mädchen. Ob sie wohl gar nicht bei Morgana gewesen ist, ich hätte sie nicht alleine gehen lassen sollen, aber ich kann sie doch auch nicht wie eine Gefangene behandeln.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Thay-Lee am 07. Apr. 2004, 19:19 Uhr
Draussen lächelt Thay-Lee Garrett erleichtert zu. Hier ist es zwar kühler als drinnen aber wesentlich besser zu atmen und auch nicht so trubelig.
Dann fällt ihr noch etwas ein. Chayla. Eigentlich würde sie gerne noch einmal nach ihr sehen, nur um sicher zu sein, das alles in Ordnung ist.
Ihre Gedanken spiegeln sich darin wider, dass sie nach einigen Schritten wieder stehenbleibt und zur Harfe zurückschaut.
Garrett schaut sie fragend an, sagt aber erstmal nichts. Lee spürt eine innere Unruhe. Ich hatte gesagt, ich komme nochmal wieder hoch. Das sollte ich, bevor ich irgendwohin gehe. Aber Borgil und diese Heilerin sind bei ihr, sie ist also in guten Händen.

Lee seufzt, dann ringt sie sich zu einer Entscheidung durch. "Garrett.... da ist noch etwas, was ich erledigen möchte. Habt ihr noch einen kleinen Moment Geduld und könnt hier auf mich warten? Es wird nicht lange dauern."

Nachdem Garrett seine Zustimmung bekundet hat, dreht sich Lee auf der Stelle um und läuft die paar Schritte zurück zur Eingangstür.
Sie öffnet sie und stellt sich dem typischen Anblick der Harfe. Hier drin könnt ich nicht arbeiten wird ihr klar. Aber das soll sie ja auch nicht.

Ohne zu zögern und mit gesenktem Kopf geht Lee zügig auf die Treppe zu den Gästezimmern zu, diese hinauf und dann in das Zimmer, in dem nun wieder Chayla liegt.

Borgil sitzt am Bett und hält die Hand der Blutelbin, die Heilerin sitzt daneben und redet gerade leise und beruhigende Worte, die Lee nur teilweise mitbekommt. Chayla hustet nicht mehr so fürchterlich, sie gibt eher ein stetes Keuchen von sich, was sich auch nicht gut anhört aber doch immerhin besser, als dieser grausame Husten, der sie immer zu verschlingen scheint.

Lee nähert sich vorsichtig dem Bett. "Geht es ihr besser? Kann ich noch etwas tun, braucht sie noch was?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kitty am 07. Apr. 2004, 19:26 Uhr
Plötzlich tritt Thay-Lee in das kleine Zimmer hinein um sich noch einaml nach dem Befinden Chaylas zu erkundingen. "Ich denke es geht ihr besser. Aber sie braucht jetzt Ruhe und Schlaf. Ich werde mit Borgil bei ihr bleiben, du brauchst dir keine Sorgen machen Lee."
Kitty dreht sich wieder um und blickt die schwach atmende Blutelbin an. Dann spricht sie noch einmal zu Thay-Lee die schon fast wieder die Tür hinter sich zugezogen hätte. "Ob du noch etwas tun kannst? Nun ja, vielleicht könntest du mir einen kleinen Gefallen tun, selbstverständlich werde ich dich dafür auch bezahlen."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Thay-Lee am 07. Apr. 2004, 19:31 Uhr
Mit einem merkwürdigen Gefühl der Erleichterung, über das sich Thay-Lee selber wundert, will sie das Zimmer wieder verlassen, immerhin wartet draussen noch Garrett.
Doch da spricht sie die Heilerin noch einmal an und bittet um einen Gefallen.
Und auch noch bezahlt. So kann es weitergehen.
Nickend  dreht sie sich zu Kitty. "Ja, sicher kann ich das. Um was geht es?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kitty am 07. Apr. 2004, 19:37 Uhr
Scheinbar ist Lee recht glücklich über Kittys angebot und dreht sich lächelnd wieder in der Tür um. "Nun Lee, ich habe mich in der Schwertkampfschule angemeldet und versprochen am heutigen Nachmittag dort meine erste Stunde zu nehmen. Leider schaffe ich dies nun nicht und ich würde dich daher bitten dort vorbeizugehen. Lady Wolfen, die Besitzerin ist eine gute Frau, sagt ihr einfach ich werde in ein paar Tagen vorbeikommen, ich muss hierbleiben und mich um eine Verletzte kümmern. Sicher wird sie das verstehen. Kommt her Lee, damit ich euch ein paar Silberlinge für euren Dienst geben kann." Kitty erhebt sich von der hölzernen Bettkante und tritt auf Thay-Lee zu. Aus ihrem Samtbeutel zieht sie ihre kleine Geldkatze und will der lächelnden Frau einige Silberlinge in die Hand drücken.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jareth am 07. Apr. 2004, 19:37 Uhr
Halla scheint in Gedanken mit einem Mal völlig woanders zu sein, nachdem Jareth ihr berichtet hat, was er gesehen und gehört hat. Er legt den Kopf schräg und beobachtet sie, doch nur Augenblicke später ist der Eindruck verschwunden und Jareth fährt fort, noch lachend über ihren Versprecher.

"Der Münzmeister also... so so." Abermals wandert Jareths Blick hinüber zu dem schrulligen Kerl in Seide und mit Fächer und er muß sich eingestehen, dass ihm so einer noch selten untergekommen ist. "Sieht also so aus, als sollte ich meine Vorurteile über Board werfen und mich mit ihm gutstellen. Drückt mir die Daumen, Halla, dass das gelingen mag, auch wenn ich kein knackiger, junger Bursche mehr bin." Er grinst schief und es ist deutlich, dass ihn dieser Umstand in keiner Weise reut. Abermals wandert Hallas Blick zur Treppe und Jareth folgt ihm. "Ist es das Mädchen, das Euch sorgt? Was ist mit ihr.. ich meine... an welcher Krankheit leidet sie? Es scheint Euch sehr zu beschäftigen." In Gedanken revidiert Jareth seinen Eindruck von einem sturztrunkenen Gör am frühen Abend, aber er kann sich auf Hallas offensichtliche Besorgnis keinen Reim machen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 07. Apr. 2004, 19:49 Uhr
Nun kann Halla doch nicht mehr an sich halten und prustet los."Na also, auch in eurem so hohen Alter seht ihr noch recht gut aus." Sie kichert noch eine Weile, doch als Jareth fragt, was mit Azra los ist, wird sie wieder ernst. Sie schaut den Wollhändler einen Augenblick an und überlegt, wie viel sie ihm erzählen kann. Das Azra eine halbe Blutelbe ist, wird sie auf keinen Fall sagen. "Hmmm, ich weiss selber nicht genau was dem Mädchen fehlt, ich hab sie zu Morgana geschickt, aber entweder war sie gar nicht dort, oder Morgana konnte ihr nicht helfen, was ich allerdings bezweifele. Was genau mit ihr passiert ist, weiss wohl keiner so genau, es hat den Anschein, als wäre sie zusammengeschlagen worden, sie ist störrisch und wollte sich anfangs überhaupt nicht helfen lassen und diese andere Heilerin, die bei ihr war, hat ihr zwar ein Mittel gegeben, das aber so gut wie gar nicht geholfen hat. Sie hustet Blut und ist recht schwach. Ich hätte Morgana holen sollen, anstatt dieses Mädel alleine zu ihr gehen zu lassen."

Halla spricht ziemlich leise und man merkt ihr an, dass sie sich ein Stück schuldig fühlt, doch es erschien ihr richtig Azra dorthin zu schicken. Sie seufzt kurz auf und blickt Jareth noch einmal an. "Ich schätze mal Borgil wird nicht sehr erfreut sein, dass ich sie habe alleine weggehen lassen, aber sie ist nur Gast in diesem Haus und kein Gefangener...." Halla verstummt wieder und richtet den Blick wieder auf die Treppe. "Ich glaube ich sollte einmal sehen, was dort oben los ist."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Thay-Lee am 07. Apr. 2004, 19:53 Uhr
Bei dem Wort Silberlinge bekommt Lee grosse Augen. Ich muss mich verhört haben, das ist doch viel zuviel, nur dafür das ich jemanden ausrichte, dass sie nicht kommen kann....

Zögernd geht Thay-Lee auf die Heilerin zu, die sogleich ihren Worten Taten folgen lässt und eine Geldkatze hervorzieht. Plötzlich wird Lee ganz kribbelig, vor Freude natürlich über das schnell und einfach verdiente Geld aber auch vor Unbehagen.

Dann steht sie vor der Heilerin, die sich erhoben hat und ihr einige Münzen hinhält.
Vor Verlegenheit und um zeit zu gewinnen, kratzt sich Lee an ihrer Hand, dann schaut sie der Heileirn in die Augen, innerlich mit sich kämpfend, einfach das dargebotene zu nehmen oder abzulehnen.
Das hast du nicht verdient, sie kann hier nicht weg, weil sie Chayla helfen will und dafür sollte sie kein Geld bezahlen müssen. Aber ich brauch das Geld so nötig, mehr als alles andere doch...
Und als ihr dann der Gedanke kommt, es der Heilerin eines Tages einfach wiederzgeben, hellt sich ihr Gesicht auf und sie bekommt ein Strahlen in die Augen.
"Ist gut, ich werd so schnell ich kann zur Schwertkampfschule laufen und es ausrichten. Das ist wirklich kein Problem! Ich mach das gerne. Hauptsache, es geht Chayla bald wieder gut," endet sie, leiser werdend.
Dann nimmt sie die Münzen entgegen, bedankt sich von ganzem Herzen und will loslaufen.
"Ah..... einen Moment noch.... ich... kenne euren Namen gar nicht, was soll ich ausrichten, wer kann nicht kommen?"
Sie erfährt Kitty's Namen und läuft nun wirklich zufrieden los.

Wieder draussen vor der Harfe angekommen, setzt sie Garrett in Kenntnis, das sie jetzt gleich zur Schwertkampfschule muss und überlässt ihm die Entscheidung, ob er sie begleiten möchte.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 07. Apr. 2004, 19:53 Uhr
"Ääääh..." macht Borgil und gibt den letzten, vorsichtigen Versuch auf, seine Finger aus dem Griff der Blutelbin zu befreien. Was bei Sils rotem Bart und Hammer soll er denn jetzt nur machen? Kitty flöst ihr noch einen Trank ein und Chaylas Husten verstummt darauf hin tatsächlich... allerdings gibt sie bis auf ein paar wirre, unzusammenhängende Worte nichts von sich. Borgil kann nur mit großer Mühe und viel Phantasie die Wörter "Morgana" und "Hilfe" heraushören. Ja, ist das Mädel etwa von hier bis in die Steinfaust marschiert, um zu der Heilfrau zu kommen? Sie hustet noch einmal, aber sie spuckt kein Blut mehr und hält sich einfach nur an ihm fest. Es rührt ihn ja ganz schrecklich (auch wenn er das im Leben nie zugeben würde), aber andererseits brennt ihm Jareths Anwesenheit in der Schankstube unter den Zehennägeln. Verdammt... was mach ich bloß? Zunächst einmal gar nichts, außer dem bibbernden Mädel im Bett beruhigend mit der freien Hand übers Haar zu streichen. >Borgil, ihr scheint ihr zu helfen. Auch wenn ihr sie nicht heilen könnt, scheint sie euch für ihre Genesung genauso zu brauchen wie mich als Heilerin.<
"Was? Aber..." er klappt den Mund zu, öffnet ihn wieder, um etwas zu erwidern und hält dann brummelnd die Klappe. Ich und ein Heilmittel? Das kann gar nicht sein!
Thay-Lee rettet ihn, indem sie ihren Kopf zur Tür hereinstreckt, um nach Chayla zu sehen und prompt von Kitty mit einem kleinen Botengang beauftragt wird - und Chayla entspannt sich unter den Decken zusehends. Ihr Körper wird weich und ihr Atem geh tiefer - und nach einer kleinen Ewigkeit, wie es scheint, schläft sie so tief, daß Borgil es wagen kann, seine Finger zu befreien. Einmal regt sie sich, aber er tätschelt ihr beruhigend die Schulter und brummt, er sei hier und so erwacht sie nicht wirklich. Auf Zehenspitzen schleicht er zu Kitty hinüber, die gerade Thay-Lee bezahlt und flüstert. "Bleibt bei ihr. Ich lasse Euch etwas zu Essen heraufbringen und löse Euch nachher ab. Ich muß etwas erledigen, wird nicht lange dauern. Falls sie aufwacht könnt Ihr mich jederzeit holen."
Ebenso leise, wie er zu der Heilerin geschlichen war, verläßt er den Raum und kehrt in die Schankstube zurück, wo Jareth hoffentlich noch auf ihn wartet. Tatsächlich - da sitzt der Laiginer mit Halla an einem Tisch. Als er zu ihnen tritt, hört er gerade noch ihre letzten Worte. "Sie schläft," erwidert er und wirft seiner oberste Magd einen kurzen, strengen Blick zu. Er ist wirklich nicht sonderlich begeistert davon, daß Halla die Blutelbin hatte gehen lassen, andererseits weiß er genau, daß sie das nie getan hätte, hätte sie hier weg gekonnt und so kann er ihr kaum einen Vorwurf machen.  "Nun, Jareht, habt Ihr das Haus angesehen, sagt es Euch zu?" Borgil ist mit seinen Gedanken noch immer am Krankenlager des Mädels. Sie rührt ihn, mehr, als sie ihn rühren sollte und das gefällt ihm ganz  und gar nicht. Trotzdem will es ihm nicht recht gelingen, sie wenigstens fürs Geschäftliche aus seinen Gedanken zu verbannen. Er übertüncht seine Sorgen mit einem Lächeln und sieht den Laiginer fragend an.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kitty am 07. Apr. 2004, 20:07 Uhr
Nachdem Kitty das Geld in Thay-Lees Hand gelegt hat erkundigt diese sich noch auf halbem Weg nach draueßn nach ihrem Namen "Kitty, Kitty Rivendell." dann verschwindet Lee sichtlich glücklich mit einem strahlenden Lächeln auf den Lippen. Das freut mich ja das sie über das bisschen Geld so glücklich ist denkt Kitty schmunzelnd.
Auch Borgil erhebt sich nun und bietet einen urkomischen Anblick als er auf Zehenspitzen auf Kitty zuschleicht und ihr leise zuflüstert bei Chayla zu bleiben, die nun eingeschlafen sein muss, denn sonst Hätte sie die großen Finger des Zwerges wohl niemals losgelassen. "Natürlich Borgil, geht nur nach unten. Ich werde auch über Nacht hier bleiben und auf sie acht geben. Wie ihr ja gesehen habt, ist Thay-Lee unterwegts um mein Treffen mit der Schwertmeisterin zu verschieben. Ich habe vorerst keine weiteren Termine, also werde ich hier bleiben. Schickt mir vielleicht Halla nachher einmal hoch, wenn ihr nicht slebst kommen könnt, dann kann ich das weitere mit ihr besprechen." Dankbar blickt sie in das Gesicht des Zwerges und lächelt ihm zu. "Nun geht nach unten, ich sehe doch das euch da etwas unter den Fingespitzen brennt. Danke für das Essen, ich nehme es gerne an. Chayla wird wohl noch nichts festes zu sich nehmen könne. Vielleicht hapt ihr ein paar zerstampfte Kartoffeln mit etwas milch für sie? Das wäre gut, denke ich. Alles weitere müsste sie kauen und ich glaube das würde sie jetzt zu sehr schwächen. Nun geht erstmal." Borgil dreht sich um und schließt hinter sich die Tür der kleinen Kammer.
Kitty tritt zurück an das Bett Chaylas, die eben im Traum nach einer Hand greift die die ihre drückt. Schnell streckt ihr Kitty ihre eigene Hand hin. Vielleicht hilft dir ja auch meine Hand kleines. Der Zwerg musste gehen, aber er kommt sehr bald wieder zurück zu euch. Besorgt schaut Kitty das kranke Elbenmädchen an das nun doch sehr friedlich zu träumen scheint.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jareth am 07. Apr. 2004, 20:09 Uhr
Morgana? Jareth versucht den Namen einzuordnen, kann aber so recht nichts damit anfangen. Halla erwähnt eine 'andere Heilerin', weswegen Jareth nun davon ausgeht, dass diese Morgana ebenso eine sein muß. Halla sieht betrübt aus und Jareth möchte sie trösten, findet aber keine Worte, die das wirklich vermögen und so legt er ihr lediglich vorsichtig die Hand auf den Arm. "Was immer das Mädchen hat, Ihr habt weder die Verantwortung noch die Schuld. Und wenn es Euch hilft, dann solltet Ihr hinaufgehen und nachsehen."

Jareths Aufforderung bleibt allerdings im Raum stehen, denn Borgil steht auf einmal neben ihnen. Jareth kann Borgils strengen Blick nicht ganz deuten und so runzelt er lediglich die Stirn, insgeheim dankbar dafür, dass Borgil das Thema wechselt. "Oh, Meister Borgil, ich bin - gelinde gesagt - begeistert. Es ist perfekt!" Seine Worte werden begleitet von unterstreichenden, eher ungewollten Gesten. "Gebt mir den Vertrag und ich will noch heute unterschreiben. Umso eher ich meine Schäfchen, ich meine, meine Wolle im Trockenen habe, umso besser. Allerdings", er beugt sich etwas zu Borgil vor und senkt die Stimme, ehe er weiterspricht, "würde ich gern noch einmal auf Euer Angebot zurückkommen den Preis zum Teil mit Waren abzugelten. Wie gesagt: Mein Weg hierher war weit und recht kostspielig. Vielleicht könnten wir uns vorerst auch auf einen Pachtvertrag einigen, bis ich die Mittel habe, Euch bar auszulösen. Was meint ihr?" Innerlich sendet Jareth ein Stoßgebet zum Himmel: Ein Wort von Borgil und alles wäre perfekt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Davio am 07. Apr. 2004, 20:33 Uhr
Als ihm der Mann neben ihm zuprostet reißt er seinen Blick vom Marktplatz los, nimmt seinen Krug und prostet lächelnd zurück. Die Leute hier scheinen ziemlich nett zu sein, um so besser für ihn...unfreundliche Menschen hatte er schon oft genug in seinem Leben getroffen. Jetzt wo er den Krug wieder in der Hand hält nimmt er auch wieder zwei große Schlücke und geht im Kopf noch einmal seinen Geldbetrag durch um zu wissen, wie lange er noch ohne einen Beruf auskäme. Wirklich lange bleibt er aber nicht bei seinen Überlegungen, denn unweigerlich bekommt er die Gespräche des Mannes und der Bedienung mit. Er versteht nicht alles, aber anscheinend geht es um irgendein Haus...nun anscheinend war der andere Mann auch noch nicht so lange in der Stadt, er sollte sich wohl gleich einmal vorstellen, alles andere wäre wohl unhöflich. Schließlich gesellt sich auch noch ein Zwerg zu den beiden. Kurz wirft er einen neugierigen Blick zur Seite.

Das muss der Besitzer der Taverne sein. Wie hieß er noch? Bor...Borgil? Ja Borgil!

Er war zwar erst gerade in der Stadt angekommen, aber von dem Zwerg hatte er trotzdem schon gehört. Da die Drei aber gerade in einem wichtigen Gespräch zu sein scheinen, will er aber nicht sofort stören und widmet sich erst einmal wieder seinem Bierkrug.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Garrett am 07. Apr. 2004, 20:42 Uhr
"In Ordnung.", nickt Garrett lächelnd, als Thay-Lee ihm offenbart, daß sie zur Schwertkampfschule geschickt worden ist, "Ich begleite Euch, wenn es Euch nichts ausmacht."

Mit leicht wehendem Mantel geht der Halbelf neben Thay-Lee her. Dabei sieht er zu ihr hinüber und ein Mundwinkel verzieht sich zu einem spitzbübischen Lächeln: "Wer weiß... vielleicht findet sich ja doch noch unterwegs ein Anschauungsobjekt, das nicht sofort die gesamte Stadtgarde auf den Plan ruft, wenn man es um ein paar Geldstücke erleichtert."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 07. Apr. 2004, 20:51 Uhr
Als Jareth ihr die Hand sacht auf den Arm legt, blickt Halla ihn dankbar an und nickt nur zu seinen Worten, doch dann werden sie durch Borgil unterbrochen, der ziemlich überraschend für Halla neben ihnen steht. Den Blick den Borgil ihr zuwirft, kennt Halla nur zu gut und sie macht sich auf ihrem Stuhl noch ein wenig kleiner als sie schon ist. Borgil sagt nur knapp, dass das Mädel nun schläft und Halla nickt nur kurz.

Borgil wendet sich nun Jareth zu und da es nun um Geschäfte geht, die Halla nichts angehen, lächelt sie Jareth noch einmal kurz zu und steht dann auf um wieder hinter die Theke zu gehen. Ein Zimmermädchen kommt mit einem Tablett aus der Küche, auf dem Essen steht und irgendein seltsames Gepampe, was sie schliesslich als Kartoffelbrei identifiziert. Sie fragt für wen das sein soll und nimmt dann dem Mädchen das Tablett ab, sie würde es selber nach oben bringen und wenn Azra wach wäre sich um sie kümmern, das war sie ihr schuldig. Halla weiss ja nicht, dass Kitty noch bei ihr ist  und so stapft sie die Treppe nach oben und tritt ohne anzuklopfen in das Zimmer.

Halla ist erstaunt die Heilerin hier zu sehen.Soso, hat sie den Weg nach hier doch noch gefunden, hat ja auch lang gedauert. Halla nickt Kitty nur kurz zu und stellt das Tablett ab."Ich denke, das ist für euch, was ihr allerdings mit dem Kartoffelbrei wollt, ist mir ein Rätsel. Die kleine wird das Zeug kaum schlucken können und Milch ist normalerweise nicht gut bei Husten, aber ihr seid die Heilerin und werdet wohl wissen was ihr tut." Halla tritt an das Bett heran und betrachtet die Blutelbe, die sich unruhig im Schlaf bewegt. Ihr Atem ist immer noch rasselnd, aber anscheinend nicht mehr ganz so schlimm. Ausgemergelt wirkt das Mädchen und Halla kann sich auch vorstellen warum, sie muss seit Tagen nichst mehr gegessen haben, selbst die Suppe hatte sie nicht angerührt, kein Wunder das sie nun so schwach ist.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 07. Apr. 2004, 20:59 Uhr
Aaaaaaaahja... soso, ein Pachtvertrag... hm... Offenbar war der Wollhändler wirklich nicht so flüssig mit Silber, wie er es gern wäre... obwohl ihm sein Aufenthalt in Talyra schon einiges in die Kassen gespült haben mußte. Aber immerhin scheint er mehr als interessiert an dem Haus - und Borgil wäre es endlich los. Leerstehende Gebäude schlucken nur Silber und bringen nichts ein, und gerade dieser Laden steht schon leer, seit ihn die kleine Kräuterhexe verlassen hat, um auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden. Jareth hat sich verschwörerisch raunend vorgelehnt und Borgil zwinkert, bevor er ebenso leise meint: "Natürlich wäre pachten auch eine Möglichkeit, aber ich habe eigentlich schon genug Pächter, wißt Ihr? Ich sage Euch etwas. Ihr überlasst mir die indigofarbene Wolle und das Lämmervlies und wir einigen uns auf eine faire Anzahlung. Ferner pachtet Ihr das Haus von mir für ein Jahr zu einem guten Preis, sagen wir ahm..." Er überlegt kurz und nennt Jareth dann eine absolut überschaubare Summe, " plus fünfzehn Prozent eurer Einnahmen monatlich," hier geht ein eindeutig gerissenes Lächeln über Borgils Gesicht, aber das zeigt er mit voller Absicht. "Wenn Ihr zu Geld kommt, könnt Ihr jederzeit einen größeren Betrag vom restlichen Preis abstottern, wenn Ihr in Talyra nicht heimisch werdet..." Borgil zuckt mit den Schultern, "nun, dann eben nicht. Entweder Ihr kauft das Haus nach Ablauf der Pachtzeit oder wir verlängern den Vertrag. Ihr habt natürlich Vorkaufsrecht - aber bis zum endgültigen Verkauf bleibt es mein."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jareth am 07. Apr. 2004, 21:42 Uhr
Jareth sieht Halla nach, wie sie sich aufmacht nach oben zu gehen. Seltsame Wesen, diese Mogbars... Hin und wieder hatte Jareth natürlich mit ihnen zu tun gehabt - kein Wunder, bei dem weiten Weg, den er quer durch die Immerlande hinter sich gelassen hatte - und allesamt waren sie ihm als freundliche, aufgeschlossene Personen gegenüber getreten. Die Heiterkeit schien ihnen angeboren und Jareth hatte sich oft genug gefragt, ob sie Sorgen und Problemen genauso gegenübertraten oder ob auch sie "menschliche" Züge an sich hatten, die ihm bislang verborgen gebliben waren. Dann besinnt er sich wieder auf Borgil, der gerade dabei ist ihm ein durchaus nicht uninteressantes Angebot zu machen. Es klingt gut, wenn Jareth ein normaler Pachtvertrag dennoch wesentlich lieber gewesen wäre. Das Haar in der Suppe sind allerdings die fünfzehn Prozent. Das würde er vor allem am Anfang schmerzlich zu spüren bekommen, da ist sich Jareth sicher. Auch, wenn die Stoffpreise in Talyra mit Sicherheit weitaus höher waren als woanders - hier war schließlich ganz offensichtlich auch der Lebensstandard höher, das hatte die prächtigen Häuser in manchen Stadtvierteln eindrucksvoll bewiesen. Jareth grübelt, dreht und wendet in Gedanken und schürzt die Lippen. So lange, wie er gerade meint es sich erlauben zu können. "Meister Borgil, ich denke wir sind im Geschäft. Ihr bekommt die Ware, die geforderte Anzahlung und einen Zwanzigsten der Einnahmen. Außerdem denke ich, dass ein gutgehendes und gepflegtes Gasthaus wie dieses sicher immer Bedarf an Bettwaren und anderen hochwertigen Textilien hat. Ihr versteht?" Die Frage ist so überflüssig wie ein Kropf, aber das weiß Jareth auch selbst. Ebenso wie er weiß, dass er hier einen Verhandlungspartner ist, bei dem er auf der Hut sein  mußte, wenn es nötig sein sollte.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 07. Apr. 2004, 22:06 Uhr
Borgils Antwort ist ein schallendes Gelächter. "Guter Mann, ich kann rechnen," erklärt er vergnügt und wischt sich tatsächlich zwei Heiterkeitstränchen aus den Augen. "Netter Versuch, wirklich. Ich bekomme die Ware, die geforderte Anzahlung und mindestens... sagen wir...nun gut, dreizehn Prozent Eurer Einnahmen in einem Mondlauf, mein langbeiniger Freund," Borgil läßt mit beeindruckendem Haifischgrinsen die Zähne blitzen. "Aber nur, weil Ihr es seid. Und im Gegenzug zu diesem großzügigen Entgegenkommen garantiert Ihr mir einen guten Preis für Linnen und andere Stoffe, wenn Ihr sie denn aus Laigin hierherbringt. Den Zwanzigsten, also wirklich!" Er schüttelt den Kopf und winkt einer Schankmaid - und kurz darauf haben sie beide zwei beinahe überschwappende Bierkrüge mit köstlichem, kühlem, würzigen Verder Kupferbier vor der Nase. "Ah, so läßt es sich verhandeln! Nun, was sagt Ihr? Dreizehn Prozent?"
Diesmal ist es an Jareth, in Erheiterung auszubrechen und Borgil rümpft mit gespieltem Entsetzen die Nase. "Was denn, wollt Ihr etwa meine Großzügigkeit vollkommen erschöpfen?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jareth am 07. Apr. 2004, 22:22 Uhr
Jareth grinst breit wie ein Kater, der vor einem gefüllten Futternapf sitzt. "Also gut, einverstanden, einen Zehnten und einen kleinen Preisvorteil für die Goldene Harfe und wir sind im Geschäft." Jareths Augen blitzen siegessicher. "Wolle aus Laigin, Linnen aus Sûrmera und Dornheimer Spitze, obwohl", Jareth wirft einen vielsagenden Blick auf die Statur des Zwergs, "obwohl ich mir gerade jetzt nicht vorstellen kann, dass Ihr Bedarf dafür habt. Ooohoooh doch", korrigiert er sich dann sofort, "ich kann mir gut vorstellen, dass sich Eure Liebste sicher über ein kostbares Stück Spitze freuen würde. Handgewebt versteht sich." Jareth hebt seinen Krug und verschwindet einen Augenblick lang hinter einem riesigen Bierschaumberg, gerade lang - oder kurz - genug, um dem Zwerg Zeit zum Überlegen zu geben.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kitty am 08. Apr. 2004, 07:20 Uhr
Als plötzlich die Tür von außen geöffnet wird, steht Halla im Zimmer und blickt Kitty erstaunt an. Mit einem Tablett auf dem Arm kommt sie an das Bett und ist sich unsicher was Kitty nun mit dem Kartoffelbrei vorhat. "Nun Halla, seid gegrüßt erst einmal. Ja der Kartoffelbrei ist für Chayla, etwas anderes als Brei und Suppe kann sie vorerst nicht zu sich nehmen. Macht euch keine Sorgen, ich weiß das die Milch bei Husten nicht gut ist, aber das Mädchen hat keinen normalen Husten. Das waren innere Blutungen, vermutlich ein Riss der Lunge oder etwas vergleichbares. Ich habe ihr nun ein anderes Mittel verabreicht das ich bei meinem letzten Besuch nicht mitgeführt hatte. Auch ich ging erst einmal davon aus das sie nur husten hat, aber das mit dem Blut war nicht normal. Ich habe ihr einen Saft eingeflößt und er hat scheinbar schon Wirkung gezeigt, wie ich es erwartet habe. Ihr Husten ist deutlich schwächer geworden und sie blutet nicht mehr, das ist das beste, denn sie hätte noch an ihrem eigenen Blut ersticken können. Nun soll sie erst einmal schlafen und sich ein wenig ausruhen. Ich werde hierbleiben, ich habe im Moment keine weiteren Patienten und Thay-Lee hat einen kleinen Botengang für mich übernommen."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 08. Apr. 2004, 09:29 Uhr
Borgil nimmt gerade einen tiefen Zug aus seinem Bierkrug und hätte das Gebräu beinahe prustend über den ganzen Tisch verteilt. Meine... wer? Machte sich das Langbein vielleicht lustig über ihn? Nein, Jareth sieht zwar durch und durch feilschwütig aus, aber keineswegs hinterlistig. "Meine Liebste ist die Axt, Jareth," kontert er und tätschelt das Handbeil an seinem Gürtel. "Und der steht Spitze nicht, glaubt mir das." Er stützt das Kinn auf die Fäuste, fixiert den Laiginer mit schwarzen Augen, läßt sich sein Angebot noch einmal durch den Kopf gehen und faßt rasch einen Entschluß. Doch Borgil wäre nicht Borgil, wenn er es nicht wenigstens versuchen würde. "Zwölf Prozent und einen kleinen Preisvorteil für die Goldene Harfe."
"Zehn!" kontert Jareth und prostet ihm freundlich zu.
"Also schön, also schön, also schön," Borgil kommt der beunruhigende Gedanke, daß er sich nur so weit hatte herunter handeln lassen, um so schnell wie möglich wieder bei Chayla zu sein. Das würde dem Faß den Boden ausschlagen! Trotzdem läßt sich der Gedanke nicht abschütteln.
"Zehn Prozent von Euren Einnahmen im Mondlauf und der Rest, den wir vereinbart haben - und wir sind im Geschäft." Er läßt sich die Ledermappe bringen und holt dann den aufgesetzten Pachtvertrag hervor. Die Einzelheiten, die Jareth mit ihm ausgehandelt hatte, werden eingetragen, die Fälligkeiten genau festgehalten, ebenso wie die vereinbarten Fristen und dann setzt Borgil seine schnörkellose, gerade Unterschrift darunter. Jareth tut es ihm gleich, der Vertrag wird besiegelt und Jareth erhält eine saubere Abschrift - somit hat Borgil einen neuen Pächter und der Wollhändler einen Laden.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Mistress Neun am 08. Apr. 2004, 09:39 Uhr
Auch Uuma steht die Müdigkeit ins Gesicht geschrieben und wie sie die kleine Frau so sitzen sieht, kann sie sich ein leichtes Gähnen nicht verkneifen. Die Harfe ist wieder sehr voll, wie fast immer um diese Tageszeit. Manchmal denkt sie, die Stadt lebe erst nachts richtig. Aber es bringt nichts, sie muss in ihr Bett, sonst würde sie hier und jetzt gleich einschlafen.

"Verzeiht, aber ich glaube, ich muss euch verlassen. Meine Augen verweigern langsam ihren Dienst." Ein entschuldigendes Lächeln huscht über ihr Gesicht.
Sie nimmt das Muster von Borgil, das noch immer auf dem Tisch neben ihrem Teller liegt und verstaut es in dem kleinen Lederbeutel an ihrem Gürtel. Schwerfällig und träge, durch das gute und reichliche Essen, erhebt sie sich von ihrem Platz. "Nehmt ihr euch hier ein Zimmer?" fragt sie die kleine Frau. Die antwortet direkt mit einem Nicken. "Dann bedank ich mich für die Einladung. Es war schön euch nach der langen Zeit mal wieder zu sehen. Ich hoffe, das nächste Mal dauert nicht wieder so lange." fügt sie mit einem Augenzwinkern und einem Schmunzeln hinzu.
"Ich wünsche euch eine angenehme Nachtruhe." Mit den Worten verabschiedet sie sich von Uuma und macht sich daran einen Weg nach draussen zu bahnen.

An der Tür angekommen, sieht sie aus einem Augenwinkel Borgil an einem Tisch mit einem Mann sitzen. Es ist der Mann der sie vorhin so angestarrt hat. Und sie hatte recht, er scheint sehr mit ihm in Verhandlungsgespräche verstrickt zu sein. Und es scheint ihm zu gefallen, das sieht man dem Zwerg an. Amüsiert über den Anblick der Zwei, verlässt sie schließlich das Gasthaus und tritt in die kühle Nachtluft hinaus.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jareth am 08. Apr. 2004, 10:19 Uhr
Jareth strahlt wie ein Honigkuchenpferd und hält Borgil die Hand hin, auf dass er auf das Geschäft einschlagen kann. Und als Jareth schließlich in geschwungenen, wohl einstudierten Lettern seinen Namen auf das Vertragspapier setzt, fühlt er sich wie ein kleines Kind an Weihnachten. Er stößt abermals mit Borgil an und hat wirklich das Gefühl ein gutes Geschäft gemacht zu haben. "Die Waren sollt Ihr in den nächsten Tagen bekommen, sobald ich den Wagen leergeräumt und alles einsortiert habe. Nun entschuldigt mich, Meister Borgil. Es war mir eine Freude mit Euch Geschäfte zu machen." Jareth steht auf, deutet eine Verbeugung an und verschwindet nach oben in sein Zimmer.

Es ist noch nicht spät am Abend, aber er will am nächsten Tag im Morgengrauen direkt damit anfangen, das Haus herzurichten, seine Waren einzuräumen und sehen, was er noch alles benötigen würde. Und so liegt er alsbald im Bett und nichts ist mehr zu hören als ein leises, seliges Schnarchen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Uuma am 08. Apr. 2004, 11:41 Uhr
Uuma blickt von dem kleinen Hund auf, den sie gerade verträumt streichelt, als Mistress gähnt und ihr mitteilt, daß sie in ihr Bett muß. Uuma muß bei Mistressens Anblick leise lachen und als sie von einem Wiedersehen spricht funkeln ihre Augen fröhlich, aber Uuma erzählt nicht, daß sie Mistress schon am nächsten Tag wieder besuchen möchte und nickt ihr zu. "Uuma auch gleich gehen schlafen. Wirtshaus sicher haben Zimmer für Uuma...", das hofft sie jedenfalls, denn sie würde schon wieder lieber in einem Bett schlafen, als draußen im Wald, obwohl es für sie kein Problem in ihrer Echsenlederkleidung wäre und auch mit MoM, der sie schon warnen würde, wenn sich irgendwer oder irgendwas in der Nacht ihnen nähert. Sie wundert sich kurz über ihren verwöhnten Wunsch und kichert leise in sich hinein. Uuma seien langsam wie Menschen in Stadt, Uuma schlafen lieber in Haus in weichem Bett...

Langsam erhebt sie sich von ihrer Bank und nimmt liebevoll den kleinen Hund wieder unter den Arm und bewegt sich mit kleinen Schritten durch die Schankstube, damit ihr Humpelbein nicht so auffällt, denn meistens starren sie die Leute schon so genug an, aber es nützt nichts. Dieses Mal jedoch gilt dem kleinen Hund die Aufmerksamkeit, denn eine bunt gemischte Gruppe von Bürgern entdeckt den Kleinen und Uuma bemüht sich, so gut sie kann ihre Fragen zu beantworten und zu erzählen, wo sie den Kleinen gefunden hat und wann, und wie - und und und...
Vielleicht besser Uuma nicht erzählen alles...? Aber dann schiebt sie den Gedanken wieder fort, denn schließlich sagte der Wirt ja, daß er einem Schellentommit gehörte und solange der nicht den kleinen Hund zurück haben wollte, würde sie ihn niemandem geben.

Nach einer kleinen Ewigkeit an der Theke angekommen trifft sie dort auf einen Mann, der da seinen Krug hütet und ihr fällt ein Sack aus Stoff auf dem Boden auf, der wohl ihm gehört und blickt ihn kurz grübelnd an, denn so einen Stoffsack hatte sie schon einmal gesehen.... aber wo nur? Uuma mustert kurz nachdenklich den jungen Mann, dessen Gesichtszüge ausgesprochen angenehm auf sie wirken und blickt dann schnell wieder zur Theke als er seinen Kopf zu ihr hinwendet und schaut sich nach der kleinen Frau um, die ihnen das Essen gebracht hatte, denn Uuma möchte das Essen bezahlen und gerne ein Zimmer für die Nacht.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Davio am 08. Apr. 2004, 14:14 Uhr
Als der Mann neben ihm das Gespräch mit dem Zwerg beendet zu haben scheint, will er sich ihm gerade zuwenden, doch in dem Augenblick scheint der Andere beschlossen zu haben, dass es Schlafenszeit ist und steigt eine Treppe hoch die, wie Davio vermutet, zu den einzelnen Zimmern führt. Er zuckt nur mit den Schultern und wendet sich wieder seinem Krug zu in dem nur noch wenige Schlücke Bier sind.

Ich werde noch genug Gelegenheiten haben um mich mit ihm zu unterhalten...

Er will gerade seinen Krug endgültig leeren, als er aus den Augenwinkeln bemerkt, dass er beobachtet wird. Er stutzt kurz, leert seinen Krug und wendet sich dieser Person nun endgültig zu, doch die schaut schon wieder woanders hin. Er mustert die kleine Frau vorsichtig und interessiert, denn trotz seiner Wanderungen war er noch nie auf solch einen Menschen gestoßen, besonders auffällig war ihre Kleidung aus Echsenleder. Er räuspert sich leise und tritt näher an sie heran, da sie anscheinend nach etwas zu suchen scheint.

,,Verzeiht falls ich euch störe, aber ich habe vorhin euren Blick bemerkt, so wie ihr bestimmt auch meinen nicht übersehen konntet.'' er lächelt sie freundlich an.
,,Aber ich habe mich ja noch gar nicht vorgestellt, mein Name ist Davio.''

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Uuma am 08. Apr. 2004, 15:23 Uhr
Während sie noch ihren Blick durch die Schankstube schweifen läßt spürt sie den Blick des Fremden neben sich nun auf sich ruhen und ist überrascht, als er sie anspricht, und das so direkt und nicht unfreundlich. Doch als er einen Schritt auf sie zu macht, weicht sie spontan etwas zurück, doch der kleine Hund auf ihrem Arm schnüffelt nur mit dem Schwanz wedelnd zutraulich in seine Richtung und als Uuma seine Worte hört beginnen ihre Augen fröhlich zu funkeln, denn er hatte nicht nur angenehme Gesichtszüge...

"Oh!" kommt es erstmal nur über ihre Lippen, doch dann besinnt sie sich. "Da-vi-o." Aha... "Uuma," und dabei deutet sie mit der freien Hand auf sich und neigt leicht den Kopf, "Uuma kommen aus Dunkelwald und Uuma nicht sprechen gut Sprache von Land hier."
Ihr Blick geht wieder zu dem Sack auf dem Boden und plötzlich schießt es ihr durch den Kopf, wo sie so einen Sack schonmal gesehen hat...
"Uuma gucken vorhin mehr auf Sack als auf Da-vi-o" entgegnet sie ihm ein wenig schummelnd und nun ganz unbefangen, "denn Uuma auch waren in prächtiger Stadt am großen Wasser," denn nur in Fa´Sheel, in der riesigen Stadt am Meer hatte sie je solche Säcke bei den Männern gesehen, die von Bord eines großen Schiffes gingen auf dessen Heck eine Fahne mit dem Wappen der Stadt lustig im Wind flatterte. Sie hatte es gewundert, daß so viele Männer den gleichen Sack trugen, sowas hatte sie vorher, und auch später nie wieder gesehen.


Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Darius_Bengir am 08. Apr. 2004, 21:51 Uhr
Darius tritt mit schnellem scheinbar zielstrebigen Schritt in Die goldene Harfe ein. Kurz lässt er mit einem zufriedenen Ausdruck auf seinem Gesicht seinen Blick durch die Schankstube schweifen. Suchen tut er scheinbar nichts, er schaut jediglich fröhlich lächelnd in die Runde. Viele Leute hier.. Schauen wir einfach mal was diese Stadt so alles zu bieten hat.. Ich war ja ewig nicht mehr hier.. Kurz räuspert er sich, ob seiner Krankheit und maschiert dann Richtung Tresen.
Oha.. Kurz schaut er einer hübsches Dame hinterher, da passiert es. Er rennt mit voller Wucht gegen Davio..

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Davio am 08. Apr. 2004, 22:11 Uhr
Er sieht sie noch immer freundlich an und streckt vorsichtig eine Hand aus.

,,Ich darf ja?'', fragt er und streichelt vorsichtig über den Kopf des kleinen Hundes den sie auf den Armen hält. Die kleine Frau ist im sympathisch und dazu ist sie auch noch durchaus ansehnlich...
,,Nun schön dich kennen zu lernen Uuma, so schlecht sprichst du gar nicht unsere Sprache, ich habe schon Mitbürger gesehen, die es schlechter konnten.'', er grinst sie an und seine Augen strahlen noch etwas mehr als sie auf Fa'Sheel zu sprechen kommt.
,,Ihr wart schon einmal dort? Wie kommt ein Bewohner des Dunkelwaldes dorthin? Und wie lebt es sich überhaupt in diesem wald?'', plötzlich lächelt er leicht verlegen. ,,Entschuldigt wenn ich euch mit meinen Fragen aufhalte, aber jetzt bin ich schon interessiert.''

Plötzlich rennt von der Seite jemand in ihn rein und er stolpert zur Seite. Rechtzeitig kann er sich noch an der Theke abfangen und sieht nun auch den Fremden schmunzelnd an, er nimmt es ihm keineswegs übel. ,,Hmm bei der Frau dort hat sich der Blick gelohnt was?'', er grinst spitzbübisch und zwinkert Uuma zu.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Darius_Bengir am 08. Apr. 2004, 22:22 Uhr
Darius starrt zuerst ein wenig überrascht gen Davio.
Als er dann jedoch das lächeln auf Davios Lippen siehst und dazu seinen neckischen Satz vernimmt weicht dieser Ausdruck so schnell wie er gekommen war auch schon wieder aus seinem Gesicht.
"Ohja hat er." Er grinst ihn freundlich wie verlegen an, was seine Lachfalten an seinen Augen noch tiefer erscheinen lässt. "Verzeiht mein auftreten hier. Ich war etwas.. uhm.. abgelenkt." Darius reicht ihm fröhlich lächelnd die Hand und schüttelt sie kräftig.
"Nunja, ich wäre nicht ich wenn ich das nicht wieder gut machen würde." Er überlegt kurz. "Kommt einfach, wenn ihr hier fertig seid", er nickt Uuma ebenso freundlich lächelnd zu, "zu mir herüber an die Theke. Ich lade euch auf ein Bier ein." Er schätzt seinen Gegenüber kurz ein und klopft ihm dann mit seiner Hand auf die Schulter.
"Oder auch zwei." Grinsend geht er mit festem Schritt an die Theke und bestellt sich, nachdem er es sich auf dem Hocker gemütlich gemacht hat ein Bier und einmal das Tagesgericht. In freudiger Erwartung auf das heisse Essen, das köstliche Bier und einen netten Plausch mit dem Kerl von eben, grinst er, sich wieder im Raum umguckend in sich hinein.
Das fängt doch schonmal gut an

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Uuma am 09. Apr. 2004, 01:03 Uhr
Zustimmend nickt Uuma zu Davios Frage, ob er den Hund streicheln darf und der Kleine genießt es sichtlich, als er jedoch erwähnt, daß er andere die Landessprache hat schon schlechter sprechen hören, wandert eine ihrer Augenbrauen unmerklich nach oben...
"Uuma reisen erst in große Stadt am großen Wasser und dann nach Talyra. So seien Weg leichter aus Dunkelwald," erklärt sie ihm gerade, als ein anderer Gast des Wirtshauses Davio anrempelt und das Gespräch ungewollt beendet.

Während die beiden jungen Männer sich unterhalten entdeckt Uuma die Schankmagd und wendet sich an die kleine Frau. Schnell hat sie das Essen und das Zimmer für die Nacht bezahlt und geht dann mit einem freundlichen Nicken an den Beiden vorbei und verläßt das Gasthaus. Draussen läßt sie den kleinen Hund noch ein bischen herumlaufen und erst als sie sicher sein kann, daß der Kleine ihr keine Scherereien macht geht sie wieder hinein und direkt auf ihr Zimmer.
Müde läßt sich Uuma auf das Bett fallen, denn der Tag war lang und anstrengend, doch kaum liegt sie und deckt sich mit ihrer kuscheligen Felldecke zu, schwubs... springt der kleine Hund auch schon zu ihr aufs Bett. Erst als sie den kleinen Kerl zweimal vom Bett runter geworfen hat, weil er jedesmal vom Fußende zu ihr hochgerobbt kam, bleibt er beleidigt neben ihren Beinen liegen und zwei Atemzüge später liegt Uuma in tiefem Schlummer.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Davio am 09. Apr. 2004, 12:30 Uhr
Inzwischen ist Davio klar, dass ihn der Fremde wirklich nicht mit absicht angerempelt hat, außerdem scheint er ja ganz nett zu sein und als er ihm nun die Hand reicht schüttelt sie Davio mit einem Schmunzeln.

,,Ihr müsst euch nicht entschuldigen, so etwas ist mir auch schon mal passiert, leider hatte der Kerl einen schlechten Tag gehabt.'', er zwinkert und nickt dann erfreut als ihm der Andere den Vorschlag mit dem Bier macht. ,,Nun auf dieses Angebot komme ich gerne zurück, manchmal lohnt es sich ja angerempelt zu werden. Bestellt euch schon mal etwas, ich komme gleich nach.'', er nickt ihm noch einmal zu und will sich wieder Uuma zuwenden, doch die verschwindet gerade nach oben und er blickt ihr noch eine Zeit hinterher.

Hmm ich hoffe sie ist jetzt nicht beleidigt, dass unser Gespräch so plötzlich unterbrochen wurde. Ich werde mich morgen bei ihr entschuldigen...hoffentlich treffe ich sie dann noch.

Mit einem letzten Blick auf die Treppe wendet er sich nun der Theke zu. Mit dem Rucksack in einer Hand lässt er sich auf einem Stuhl neben dem anderen Mann nieder. ,,Wir haben uns noch gar nicht vorgestellt, mein Name ist Davio.''

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 09. Apr. 2004, 12:32 Uhr
Halla blickt die Heilerin mit einem skeptischen Blick an, verkneift sich dann aber jeglichen Kommentar, er wäre wohl nicht sehr nett ausgefallen. Kurz betrachtet sich Halla noch einmal das Mädchen, das die Hand der Heilerin festhält und schwer atmet. Hoffentlich hilft die Medizin wenigstens diesmal, dass Letze Mal, war sie nicht sehr erfolgreich. Halla blickt kurz noch einmal zu Kitty. "Ich lasse euch dann mal alleine mit ihr, wenn ihr etwas braucht sagt einem der Mädchen Bescheid." Irgendwie kann sich Halla mit dieser Heilerin nicht anfreunden, woran es genau liegt , weiss sie nicht zu sagen.

Halla nickt Kitty noch einmal kurz zu und verlässt dann das Zimmer. Sie fühlt sich jetzt ein wenig besser nachdem sie sich überzeugt hat, dass es Azra gut geht. Langsam steigt sie die Treppen herunter. Ein kurzer Blick in den Schankraum zeigt ihr, dass Jareth schon gegangen ist. Sie ist ein wenig enttäuscht, da sie sich gerne noch ein wenig mit dem Wollhändler unterhalten hätte. So geht sie dann hinter die Theke und füllt wieder Hörner, Humpen und Gläser. Der Gastraum ist noch immer gut gefüllt. Seitdem das Heer zurück ist, ist kein Abend vergangen an dem nicht jeder Tisch der Harfe voll besetzt ist. Viele neue Gesichter sind unter den Gästen und Halla wundert sich ein weiteres Mal was nur in Talyra los ist, dass nun so viele Neue in der Stadt erscheinen. Sicherlich Talyra war schon immer eine beliebte Stadt für allerlei Volk, weil man sich von Talyra erzählt, das jeder hier sein Glück finden kann. Aber im Moment scheint eine wahre Schwemme neuer  Leute zu kommen. Halla grübelt noch eine Weile darüber nach, kann aber zu keinem wirklichen Ergebnis kommen.  Ihre Augen suchen kurz nach Borgil, doch sie kann ihn in dem Gewühl nicht ausmachenAuch gut, so wird sich die Strafpredigt noch um eine Weile verschieben.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Uuma am 09. Apr. 2004, 13:56 Uhr
Nach einem unruhigen Schlaf wacht Uuma auf und gleich kommt der kleine Hund vom Bettende ein Stück zu ihr hochgerobbt, aber Uuma legt nur ihre Hand auf sein Köpfchen. "Na du Kleiner.." Auch wenn es draussen noch dunkel ist so spürt sie, daß das erste Grau des neuen Tages nicht mehr fern sein kann.
Ihre andere Hand geht gedankenverloren außen zu ihrem Bein, wo ein Stück über dem Knie ihre Wunde sich zwar schon gut geschlossen hat, aber das Fleisch dort immernoch zusammenwächst, was an diesem Morgen mehr weh tut als die Tage zuvor. Uuma Bein noch nicht dürfen so viel bewegen, geht es ihr durch den Kopf und sie nimmt sich vor, vorsichtiger zu sein, aber zum Platz der Händler muß sie einfach und ein kleines Haus am Bach suchen muß sie auch und kichernd läßt sie sich wieder rückwärts in ihr Bett fallen.
Eine Weile liegt sie noch so da, dann entzündet sie die kleine Lampe auf dem Nachtisch neben dem Bett und beginnt in ihrem Lederbeutel zu kramen. Den kleinen, prall mit Goldmünzen gefüllten Beutel, den ihr der Händler für den Stein gegeben hat nimmt sie raus und gibt nur einige wenige Goldmünzen in ihren Beutel, den sie immer an ihrem Gürtel hängen hat; sie möchte nicht bei dem Gewimmel auf dem Platz der Händler ihre vielen Goldmünzen an einen Dieb verlieren, denn sie könnte ihn mit ihrem Humpelbein kaum verfolgen, was ihr vorher keine Mühe gemacht hätte.
Seufzend befestigt sie den kleinen Beutel an ihren Beinlingen und schiebt ihn hinein, daß er an ihrer nackten Haut zu liegen kommt und verläßt ihr Zimmer im ersten Grau des neuen Tages, das durch das kleine Kammerfenster von dem Beginn eines neuen Tages kündet.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Darius_Bengir am 09. Apr. 2004, 14:46 Uhr
Als Davio sich neben ihn setzt, hat er gerade den letzten Löffel des ach so köstlichen Mahles in seinem Mund und verschluckt sich beinahe als er versucht es schnellsmöglich herunterzuschlucken um sich vorzustellen. Als er endlich ausgehustet hat, nimmt er einen langen Zug aus seinem nun schon zweiten Bier und wischt sich den Schaum vom Mund.
"Mein Name ist Darius. Schön euch kennen zu lernen. Nur irgendwie komisch unter welchem Umstand ich das Vergnügen hatte. "
Er grinst ein wenig verschmilzt.
"Nunja, es war ja keine Absicht. Aber wie schon vorher bemerkt, es hatte sich gelohnt." Er kommt aus dem grinsen nicht mehr heraus und die kleinen Falten aussen an seinen Augen werden immer tiefer.
"Ich bin neu hier in der Stadt.. oder viel mehr es ist schon sehr lange her das ich hier war. Ich wollte nicht sofort schon Ärger haben bei meiner Ankuft.  Soris sei dank seid ihr nicht einer von diesem Gesindel das nur auf Ärger und Hauereien aus ist. Solche Leute mag ich nicht.."
Nach kurzer Überlegung bestellt er, die Schankmaid anlächelnd, nochmal zwei Bier. Als das Bier vor den beiden auf dem Tresen steht nimmt er sich seinen Krug, wendet sich zu Davio und erhebt ihn zum anprosten.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Davio am 09. Apr. 2004, 15:25 Uhr
Als die Schankmagd die Bierkrüge vor ihnen abstellt ergreift er einen der Krüge, prostet Darius lächelnd zurück und nimmt dann einen ersten großen Schluck bevor er den Krug wieder auf den Tresen stellt.

,,Nun das Letzte worauf ich aus bin ist Streit.'', er schmunzelt kurz. ,,Ich bin selber erst neu in der Stadt und kann es mir kaum leisten mir jetzt schon Feinde zu machen...zudem mag ich es nicht Feinde zu haben, von denen habe ich in meiner Heimat schon genug. Wisst ihr ich komme aus Fa'Sheel aber dort ist man mir wegen einiger...'', er stockt kurz, ,,Vorkomnisse nicht mehr sehr gut gesonnen. Deshalb bin ich auf Wanderschaft gegangen, die mich schließlich hierher geführt hat. Aber erstmal genug von mir, was führt euch hier in die Stadt Darius?''

Er sieht seinen Gegenüber interessiert an, greift wieder nach seinem Krug und nimmt wieder einen großen Schluck Bier. Es fing ja schon einmal gut an, er war gerade erst in der Stadt angekommen und hatte schon zwei Kontakte geknüpft...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Darius_Bengir am 09. Apr. 2004, 20:15 Uhr
Er dreht sich auf dem Hocker in Richtung Schwankstube, sodasss er sich nun mit dem Rücken an den Tresen anlehnt. Ein weiterer genüsslich langer Zug aus seinem Krug folgt und er lächelt knapp einer Dame zu, mit deren Blick er zufällig zusammenstößt. Dann dreht er seinen Kopf gen Davio und beginnt zu erzählen..
"Wisst ihr.. mein Vater ist vor kurzem gestorben.." er lächelt schief in den Raum hinein. Er hat mir einiges Hinterlassen, allerdings ist davon nicht mehr viel übrig.
Ich bin nicht der Gebildetste, wisst ihr?" Etwas geknickt und räumütig schaut er gen Boden. "Ich habe mir früher nie viel daraus gemacht Schreiben oder Rechnen zu können, selbst lesen kann ich nicht sehr gut...
Aber mein Vater, ja.. Mein Vater war sehr redegewandt und er konnte Briefe und Bücher schreiben. Oja, das konnte er.." Er nimmt noch einen kräftigen Zug aus seinem Bier und träumt ein wenig seinen Erinnerungen an seinen Vater hinterher. Nach einem tiefen seufzen erzählt er dann weiter. "Nunja.. jedenfals verfasste er eine Schrift für nach seinem Tod. In dem stand wirres Zeug, sehr kompliziert.. Moment ich denke ich weiss den Wortlaut noch.. Achja, genau.
Mein Sohn zünde an die Vergangenheit, lass sie lodern in der Flamme des Vergessens und beginne neu in der Asche der Widergeburt..
Nunja ich habe dies wohl in meiner Trauer falsch ausgelegt.. So habe ich die Hütte meines Vaters, mein zu Hause, draussen in den Sonnenhügeln, einfach angezündet." Er lacht lautstark bei diesem Satz und Gäste drehen sich zu ihm um, denken sich aber nichts weiter dabei. Die kleine Träne die bei ihm fast geflossen wäre konnte er damit aber unbemerkt unterdrücken.
Einen langen Schluck noch aus seinem Krug und er ist leer. "Naja nun suche ich Arbeit und eine Bleibe.."
Mit diesen Worten beendet er sein Plädoyer und stellt seinen Krug, ein wenig schwerfällig wirkend, auf den Tresen zum nachschenken.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Davio am 09. Apr. 2004, 22:41 Uhr
Genau wie Darius hat er sich sich auf dem Hocker in Richtung Schankraum gedreht, und sieht gerade einer Schankmagd die vorbeikommt hinterher, als ihm Darius die Geschichte mit der Hütte und den Worten in der Todesschrift erzählt. Auch er muss lachen, was er sich nicht verkneift, da Darius ja anscheinend selber darüber lachen kann. Kurz sehen einige andere Gäste zu diesen beiden Gestalten rüber, die ja allem Anschein nach schon ein oder zwei Krüge Bier zu viel hatten. Grinsend leert er seinen Krug und stellt ihn zum Nachfüllen auf den Tresen.

,,Es tut mir leid für euch, dass euer Vater gestorben ist. Aber wenn es euch tröstet: Ich selber bin auch nicht sehr gebildet, es reicht gerade mal zum lesen, schreiben und ein bisschen rechnen.'', er seufzt leise. ,,Deshalb male ich mir auch nicht die besten Chancen aus hier einen Beruf zu kriegen, obwohl ich einen suche. Wisst ihr in meiner Heimat war ich bei der Marine, da lernt man nicht sehr viel. Und nachdem ich dort dann Fahnenflucht begangen habe, deshalb bin ich dort auch unerwünscht, habe ich mir auf meiner Wanderschaft ein paar Handwerks- und Naturtalente angeeignet...nun ja ein bisschen hat mir schon mein Vater beigebracht, er war Schiffsbaumeister wisst ihr.''

Er nickt kurz in Gedanken versunken, als dann zwei neu gefüllte Krüge vor sie hingestellt werden nimmt er sofort wieder einen großen Schluck.

,,Ihr sucht also auch eine Wohnung hm? Nun wie wäre es wenn wir uns gemeinsam auf die Suche machen?''

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Darius_Bengir am 10. Apr. 2004, 15:05 Uhr
"Vielen Dank für euer Mitgefühl.."
Er antwortet nur knapp und leert dann in einem grossen Zug seinen Krug. Nachdem er seinen Mund mit dem Handrücken abgewischt hat dreht er sich vollends zu Davio. Er schaut ihm in die Augen und schätzt ein letztes Mal seinen Gegenüber ab.
"Ich glaube euch kann man trauen." Stellt er dann fest.
"Nunja.. Da das nun geklärt ist will ich euch mal meine Pläne für die Zukunft offenbaren.." Leicht grinsend fährt er fort: "Ich wollte mir eigentlich für die ersten Tage hier ein Zimmer nehmen, allerdings würde ich dieses wohl nicht lange bezahlen können. Mein Geld reicht wohl nur für höchstens vier bis fünf Tage.. Es kommt mir daher sehr gelegen, dass ich euch kennen gelernt habe. Ich denke mal ihr habt auch noch keine Bleibe. Wir könnten uns doch ein Zimmer zusammen nehmen."
Er gibt Davio einen kleinen Moment darüber nach zu denken bevor er dann fortfährt.
"Um Arbeit können wir uns dann Morgen kümmern, denkt ihr nicht?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Davio am 10. Apr. 2004, 15:44 Uhr
Langsam leert er auch seinen zweiten Krug und stellt auch diesen mit einem zufriedenen Laut auf den Tresen. Dann wendet er sich zu Darius.

,,Wahrscheinlich habe ich noch weniger Geld als ihr und könnte mir ein Zimmer gerade mal für drei Tage leisten. Deshalb finde ich die Idee gar nicht so übel, dass wir uns ein Zimmer teilen...so lange ich auf getrennte Betten bestehen darf'', er grinst Darius an, steht auf und sieht sich nach einer Schankmagd um, bei der er zahlen und ein Zimmer mieten kann. Während er weiter sucht fängt er wieder an zu reden. ,,Heute würden wir wahrscheinlich sowieso niemanden mehr finden der Arbeit für uns hat. Als was wollt ihr eigentlich arbeiten? Als Jäger oder so etwas?'', er blickt ihn kurz fragend an.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 10. Apr. 2004, 20:04 Uhr
Wieder stand sie vor der Türe eben jenes Gasthofs und blickte mit angstvoll aufgerissenen Augen zu dem Messingbeschlag auf welchem steht Zum tanzenden Bären. Ihre Eingeweide werden seltsam schwer und irgendetwas schnürt ihr die Luft ab. Sie will wegrennen, sich irgendwo in einem stillen dunklen Eckchen verkriechen, doch ihre Füsse wollen sie nicht von diesem Ort wegtragen. Wie angeheftet steht sie vor dieser Tür und starrt unaufhaltsam auf den Namen. Plötzlich dringen Stimmen zu ihr, welche merkwürdig klingen. Irgendwoher kennt sie diese Stimme, doch es ist nicht möglich. Weit klappt ihr Mund auf als sie erkennt das es ihre Stimme ist, welche aus der Taverne zu ihren Ohren dringt. Sie versteht den Sinn ihrer gesprochenen Worte nicht vom Hören, doch sie kennt den Satzlaut auswendig. Ohne einen Ton, einfach nur mit den Lippen spricht sie die Worte nach, weiss genau, was kommt. Und je weiter sie spricht, desto mehr Angst kriegt sie, desto schwerer fühlt sich ihr Bewusstsein an. Bald würde dieser Mann ihr den Schal herunterreissen, bald würde er sie wieder bedrohen und dann... NEIN! Das wollte sie nicht hören, nicht noch einmal erleben. Energisch versucht sie sich aus dem kalten Griff der Angst zu befreien damit sie wegrennen kann. Sie will es nicht hören, will es nicht... "Lass mich in Ruhe. Es soll verschwinden... Aufhören!!"

Wild wälzt sich Azra im Schlaf hin und her, verdreht die Augen, stöhnt laut auf und hält die Hand der Heilerin eisern fest. Manchmal dringen zischende Worte zwischen ihren Lippen hervor, Worte aus ihren Traum und Schweissperlen treten auf ihre Stirn, bis sie plötzlich die Augen aufschlägt und sogleich kerzengerade im Bett sitzt. Mit ungläubigen weissen Augen starrt sie die Heilerin an, welche immer noch ihre Hand festhält und versucht zu realisieren, was geschehen war. Kaum einen Augenblick später krümmte sie sich hustend zusammen, wie ein Embryo und verharrte in dieser Stellung, die Luft röchelnd einatmend. Die Schmerzen waren immer noch da. Nicht mehr so schlimm wie zuvor, aber sie waren noch da. "Wa..was... Wo... Herr Zwerg?.." Erst jetzt bemerkt sie, das die Hand in der ihren nicht zu dem Zwerg sondern zu der Heilerin gehört und für einen kurzen Moment nimmt ihr Gesicht einen leicht verängstigten Gesichtsausdruck an: "Der Herr Zwerg... wo ist er?" Er war doch eben noch bei ihr gewesen. Fest krümmte sie sich zusammen. War er etwa weggegangen?

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kyoko am 11. Apr. 2004, 22:29 Uhr
Diesmal fällt es Kyoko leichter, das Gasthaus zu finden. In diesem Stadtteil ist ihr Orientierungssinn fester geworden. Sie betritt die Harfe mit einem zufriedenen Lächeln und wirkt gar nicht mehr so unsicher, wie erst vor einigen Tagen. Wieder ist das Gasthaus bis hin zur Decke überfüllt, aber das scheint hier nichts Neues zu sein. Soll sie sich nun in diesen zusammengewürfelten Haufen Fremder stürzen? Sie sieht sich schon förmlich in der Menschenmasse zerquetscht, aber sie erinnert sich daran, dass sie ja eigentlich einen bestimmten Herren sucht. Hier müsste er ja irgendwo sein. Und wehe, ihre Mühe ist umsonst! Sie bahnt sich einen Weg durch die Menschenmasse, was gar nicht mal so einfach ist, aber schließlich erreicht sie doch die Theke, wo sie vorher Halla für einen kurzen Moment gesichtet hatte. Von allen Anwesenden ist Hallas Gesicht das einzige, das sie kennt. "Seid gegrüßt, Halla...Wie geht es Euch?" Kyoko sieht die Frau freundlich an. Ob sie den Herren kennt, den sie hier sucht?

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 12. Apr. 2004, 09:50 Uhr
Die Harfe ist mal wieder zum Bersten voll, so wie an fast jedem Tag, seitdem des Heer zurück war. Halla hat alle Hände voll zu tun und kommt überhaupt nicht dazu über Azra oder andere Dinge nachzudenken. Ein um den anderen Humpen Bier füllt sie und stellt sie den Mädchen aufs Tablett. Die Mädchen versuchen irgendwie heil mit ihrer Last zu den Tischen zu kommen, was bei dem Gedränge wirklich ein Kunststück ist. Es passiert zwar nicht oft , aber schon drei Krüge sind kaputt gegangen, allerdings war es nicht die Schuld der Mädchen gewesen, sondern, ein Ellbogen eines Gastes oder ähnliches.

Halla bemerkt gar nicht, das die junge Frau an die Theke getreten ist und erst als sie Halla anspricht wird sie ihrer gewahr und blickt auf. Sie lächelt kurz und füllt den Humpen zu Ende und stellt ihn auf das Tablett von Grid, die gleich darauaf in der Menge verschwindet. "Wie ihr seht ist hier viel zu tun, da fragt man sich selber selten wie es einem geht." ein Schmunzeln liegt auf Hallas Lippen. "Kann ich etwas für euch tun, etwas zu essen oder zu trinken?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Linea am 12. Apr. 2004, 12:15 Uhr
Linea betritt die Harfe und sieht, dass sehr viele drinnen sind. Fast an jedem Tisch sitzen sie eng andeinander gedrängt. Auch an der Schank stehen einige Leute und Halla ist sehr beschäftigt damit, immer wieder neue Krüge einzuschenken. Rauch- und Essensgeruch liegt in der Luft. Linea muss sich erst an das etwas gedämpfte Licht gewöhnen. Sie sieht sich nochmals um und endeckt auch einige Leute, die sie hier schon einmal gesehen hatte.  Alle sind in ein Gespräch bertieft oder essen gerade etwas.
Sie geht mit langsamen Schritten durch die Harfe und setzt sich wieder an den kleinen dunklen Holztisch in der hinteren Ecke der Harfe. Dort legt sie ihre Tasche auf den Sessel neben sich und überlegt, ob sie etwas essen sollte. Sie hat schon lange Zeit nichts mehr gegessen und so ist Linea auch sehr hungrig.
Nachdem sie einige Zeit überlegt hat, hebt sie die Hand um auf sich aufmerksam zu machen. Als endlich eine Bedienung zu ihrem Tisch kommt, bestellt sie eine Schüssel Gemüseeintopf und ein Glas Brunnenwasser.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kyoko am 12. Apr. 2004, 13:28 Uhr
Kyoko sieht sich flüchtig nach allen Seiten um, dann wendet sie sich wieder zu Halla. Es ist so laut, dass sie teilweise ihr eigenes Wort nicht versteht, deswegen spricht sie etwas lauter. "Nein, vielen Dank, aber vielleicht könnt Ihr mir weiterhelfen. Ich bin auf der Suche nach einem gewissen..." Kyoko wirft einen kurzen Blick auf ihren Handrücken, auf dem sie einen Namen aufgeschrieben hat "...einem gewissen Darius Bengir. Ist er ein Gast hier in der Goldenen Harfe?" Die letzte Frage hält sie selbst für eher überflüssig, da sich ganz Talyra  in der Harfe aufzuhalten scheint. Vielleicht liegt es an der besonderen Eigenart der Stadt, dass so viele Reisende antrudeln. Geduldig wartet Kyoko auf Hallas Antwort. Es könnte doch sein, dass sie heute unverschämtes Glück haben wird.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kitty am 12. Apr. 2004, 19:25 Uhr
Auch Kitty war für einen Moment eingeschlafen, als die Blutelbin plötzlich fest ihre Hand drückt und dann, schwer hustend und bleich im Gesicht, kerzengerade im Bett sitzt. "Was ist denn passiert? Hast du schlecht geträumt?" Chayla stammelt etwas vor sich hin und fragt dann wo Borgil hingegangen wäre. "Der Zwerg ist unten, er ist wieder an die Arbeit gegangen, aber ich bin doch bei dir und er kommt sicher bald wieder hierher um nach dir zu schauen." Mit dem feuchten Tuch das neben dem Bett liegt fährt sie der Elbin vprsichtig über die schweißnasse Stirn. "Es wird alles gut werden, ich gebe dir noch ein wenig von dem Saft, er hat dir gutgetan." Vorsichtig flößt sie Chayla noch ein wenig von dem Saft ein den sie zubereitet hatte. Die Blutelbin schluckt ihn dankbar und legt sich dann wieder zurück in das Bett, immernoch umklammert sie Kittys Hand.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 12. Apr. 2004, 20:38 Uhr
Halla unterbricht ihre Arbeit für einen Moment und runzelt nachdenklich die Stirn "Darius Bengar....., Darius Bengar....., nein tut mir leid der Name sagt mir im Moment gar nichts. Aber es sind in den letzten Tagen auch sehr viele neue Gesichter hier in Talyra aufgetaucht und sie müssen nicht alle hier in der Harfe absteigen." Halla lächelt kurz und blickt die junge Frau an. "Die beiden Männer dort drüber sind zum Beispiel auch neu, " dabei deutet sie mit dem Kopf an den Tisch, an dem die zwei Männer kräftig dem Bier zu sprechen, "aber ob einer von den beiden der Gesuchte ist, kann ich euch nicht sagen."

Grid kommt mit einem Tablett mit leeren Gläsern und lässt es krachend auf die Theke fallen, das die Gläser und Humpen nur so scheppern und murmelt etwas von ' Unverschämtheit' und 'sowas muss ich mir nicht gefallen lassen.' Halla runzelt erneut die Stirn und entschuldigt sich bei der jungen Frau oder vielmehr ist es noch ein Mädchen und geht hinüber zu Grid. "Was ist denn passiert, dass du dich so aufregst?" Grid erzählt mit hochrotem Kopf, dass es einer der Gäste nicht sein lassen kann und jedesmal wenn sie an ihm vorbeigeht eine seiner Hände auf ihrem Gesäss landet. Hallas Augen funkeln kurz auf und Grid zeigt ihr besagten Gast. "Warte hier Grid, das ist schnell erledigt." Halla bindet sich die Schürze ab, die sie hinter der Theke immer trägt und als sie hinter der Theke hervortritt, mit vor Zorn funkelnden Augen, braucht sie sich nicht mehr durch die Menge zu bahnen, denn die meisten Gäste kennen Halla und wissen, wenn sie den Blick in ihren Augen hat, sollte man ihr nicht zu Nahe kommen.

Als sie an dem Tisch ankommt, sieht Halla einen alten Bekannten vor sich.  Garwig ist dafür bekannt, dass er seine Finger nicht bei sich behalten kann und grad wenn es so voll ist, meint er, dass es nicht weiter auffällt, wenn mal eine seiner Hände zufälliger Weise auf einem Körperteil landet, das nicht seins ist. Halla baut sich vor Garwig auf, was nicht besonders gross ist, aber seine Wirkung trotzdem nicht verfehlt.  Sie stemmt die Hände in die Hüften und funkelt Garwig an. "Konntet ihr eure Hände mal wieder nicht bei euch behalten? Ihr wisst genau, dass dies hier nicht der Pfirsich ist und ihr so etwas hier gefälligst zu unterlassen habt. Sollte ich noch eine einzige Beschwerde an diesem Abend über euch hören, werde ich euch eigenhändig vor die Tür setzen. Ich hoffe wir haben uns verstanden!" Garwig macht den Mund auf um etwas zu erwidern, aber der Blick von Halla und die rasche Handbewegung, die sie macht, lassen ihm seine Worte im Hals steckenbleiben und er klappt den Mund wieder zu. Halla dreht sich auf dem Absatz herum und marschiert zurück zur Theke. Dort bindet sie sich wieder ihre Schürze um und lächelt Grid kurz zu. "Sollte er noch einmal etwas machen, dann sag Bescheid, dann setz ich ihn vor die Tür." Sie zwinkert Grid zu und macht sich dann wieder daran Gläser zu spülen und Bier zu zapfen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Shanarahad am 12. Apr. 2004, 23:22 Uhr
Aus der Nässe und Kälte heraus betritt eine Gestalt die Schenke. Sie ist von mittelgroßer Statur und in einen schwarzen, völlig durchnässten Umhang gehüllt. AUch die Kaputze die das Haupt fast ganz verdeckt trieft vor Nässe und ein Niesen ist darunter zu vernehmen. " HATSCHIE! VERDAMMT" kommt es wie in einem Atemzug. Dann zieht sie sich mit einer schlanken Hand die Kaputze vom Kopf. Zum Vorschein kommt eine junge bleiche Frau, deren GEsicht scharf geschnitten ist und exzentrisch wirkt.
Ihr Körper wird von dem weiten Vorhang größtenteils verdeckt.
Hohe Augenbrauen, darunter blasse, graue Augen und ein knöchender Nasenrücken und schmale Lippen.
Das Wasser des Winters, des getauten Schnees läuft ihrüber das Gesicht und so durchnässt wie sie aussieht, wird sie dessen alleine nicht Herr werden.

Einen Moment lang lässt sie ihren Blick über die Anwesenden streifen, bevor sie mit festen, schnellen Schritten zum Tresen geht und darauf wartet jemanden zu entdecken den sie ansprechen kann.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Darius_Bengir am 14. Apr. 2004, 00:34 Uhr
URGS tut mir so leid das ich mich nicht gemeldet habe, aber mein pc ist über die Feiertage abgeschmiert.. komplett :(
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Darius kratzt kurz sein Kinn bevor er bginnt zu erzählen.
"Nunja wisst ihr mein Vater war Falkner, meine Mutter Dirne. Nun ratet mal für was ich mich entschieden hatte."
Er lacht herzhaft und laut und muss sich kurz räuspern.
"Nunja ich habe natürlich den Falkner genommen. Aber nicht weil ich keine andere Wahl gehabt hätte.. Nein,nein. So jemand bin ich nicht. Zu jener Arbeit gehört mehr als nur ein wenig hin und her fliegen lassen seiner Vögel. Es ist eine Lebensaufgabe die man nicht so gern ablegen möchte. Ich denke ihr versteh mich wenn ich euch sage, dass ich nichts lieber wäre als ein Falkner.. wie mein Vater." Er macht eine kurze Pause und schaut Davio angestrengt in die Augen. "Achja wenn ihr wüsstet wie schön es damals war. Die Vögel die er hatte.. So anmutig schwebten sie durch die Luft. Falken, Milane sogar mal einen Bussard. Er wollte sich sogar einem Adler anvertrauen. Aber daraus wurde ja nichts, da er ja dann verstarb.." Er schaut längere Zeit in die Leere, seine Augen als wäre er weit weit weg. Es ist nciht schwer für Davio zu erkennen das er an seinen Vater und die früheren Zeiten dachte. Ganz plötzlich erzählt er weiter, seine Augen wieder ganz klar als wäre nie etwas gewesen.
"Mein Vater hat mich auch im Jagen ausgebildet wisst ihr? Wir wohnten ja nah am Wald, da war die Gelegenheit günstig. Ich beherrsche nicht viele Waffen. Nur den Kurzbogen, das Messer und den Vogel." Bei dem letzgenannten grinst er ein wenig verstohlen.
"Habt ihr je einen Raubvogel jagen sehen?"

Plötzlich hällt er inne. Er deutet kurz mit dem Kopf Richtung Halla, die sich gerade ihren Weg durch die sich praktisch von alleine teilende Menge vom Männern, Frauen, Alten und Jungen und grinst breit als sie sich vor dem Mann am Tisch aufbäumt.
"In seiner Haut möchte ich nun nicht sein.." Murmelt er ganz leise zu Davio.
Er lehnt sich genüsslich an die Theke zurück und beobachtet das Schauspiel. Er muss lachen als er sieht wie dem Mann die Sprache geraubt wird mit einer simplen Handbewegung und einem eiskalten Blick.
Nachdem Halla wieder hinter der Theke ist wendet er sich ihr zu.
"So ist's Recht. Diesen Leuten sollte man immer so kommen, dann verstehen sie wenigstens was gemeint ist." Er nickt ihr freundlich lächelnd zu. "Allerdings muss ich zugeben ich hätte nicht gerne mit ihm getauscht." Er lacht laut und herzhaft, was einige Leute um ihn herum ansteckt. "Wo ihr doch gerade schon hier seid", sagt er schliesslich,"könntet ihr mir, Darius Bengir und meinem Freund Davio..  -Ähm Davio ein Zimmer geben? Wir suchen Obhut für die nächsten Tage." Leicht schmunzelnd fügt er dann ncoh hinzu: "Aber bitte mit zwei getrennten Betten."
Er klopft Davio lachend auf die Schulter.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Linea am 14. Apr. 2004, 21:38 Uhr
Während Linea bei ihrer Schüssel Gemüseeintopf sitzt, sieht sie demTreiben in der Harfe zu. Es regnete draußen und die Leute kommen meist durchnässt herein. Aus ihren Mänteln tropft das Wasser. Der Boden der Harfe ist dadurch auch schon feucht, der Schmutz verschmiert sich.
An anderen Tisch ist wiederum sehr gute Laune spürbar. Die Leute plaudern recht fröhlich.
Dort ist es kaum zu spüren, dass der Frühling auf sich warten lässt, auch wenn er schon längst dem Kalender nach angefangen hatte. Selten lassen sich die Strahlen der Sonne blicken.
Nach diesem Gedankengang schaut Linea wieder in ihre Schüssel. Sie ist schon fast leer. Linea hat kaum noch Hunger, doch sie will nichts stehen lassen. Somit löffelt sie weiter.
Schön langsam muss sie sich nach Arbeit umsehen. Sie hat zwar noch Geld, doch wenn sie damit nicht sehr sorgvoll umgeht, ist es auch gleich weg.
Ich muss heut noch einmal zur Anschlagtafel am Marktplatz gehen. Von selbst kommt niemad zu mir. Einen Platz zu schlafen hätte ich jetzt ja. Mir ist es egal, welche Arbeit es ist, hauptsache ist, dass ich ein bisschen Geld dabei verdiene!
Nun hat sie den Eintopf endlich weggegessen. Sie greift sich mit der rechten Hand auf den Bauch, sie ist nun satt, sehr satt. So viel hab ich auch schon lang nichts mehr gegessen.
Sie legt den Löffel vorsichrig in die Schüssel und schiebt sie etwas von ihr weg. Dann nimmt sie einen kräftigen Schluck aus ihrem Glas Brunnenwasser, welches sie somit leert. Sie lehnt sich zurück und versinkt in Gedanken. Linea muss gähnen, sie hat schon länger nicht mehr geschlafen. Och, ich bin schon sehr müde, doch bevor ich jetzt hinauf in mein Zimmer gehe, werde ich nochmal zur Anschlagtafel am Marktpkatz gehen. Hoffentlich finde ich dort etwas passendes. Schön langsam verliere ich den Mut.
Als sie plötzlich ein Klappern hört, erwacht sie aus ihrem Tagtraum. Eine Bedienung räumt gerade ihre Schüssel und ihr Glas weg. Linea greift schnell nach ihrer Tasche und gibt ihr ein paar Münzen in die Hand. "Danke, es war sehr gut!"
Sie bleibt noch kurze Zeit sitzen, dann erhebt sie sich und geht die Treppen hinauf in ihr Zimmer. Sie muss sich noch ihren Mantel holen, sonst würde sie noch sehr nass werden. Zuvor, wie sie gekommen ist, hat es noch nicht so stark geregnet. Nach dem sie die knarrenden Treppen hinauf und wieder heruntergegangen ist, hängt sie sich ihren Mantel um und geht hinaus. Die schwere Holztür fällt hinter ihr mit einem Knall ins Schloss.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Shanarahad am 15. Apr. 2004, 10:06 Uhr
Shanarahad spricht schließlich Halla an, dies tut sie laut und deutlich, damit sie über den Lärm der nunmal in so Schankstuben herrscht hinwegkommt.
" Entschuldigung. Ich hätte gern ein Bier und was zu essen. Am liebsten was mit Fleisch. Habt ihr da was?"
Sie blickt die Wirtin fragend an, ihre Augen sind von einem hellen, ja fast fahlen grau und wirken dadurch seltsam. Klar und doch weit entfernt vom Diesseits.
Das schwarze Haar tropft vor Nässe und klebt an ihrem bleichen, exzentrischen Gesicht.
" Achja und vielleicht ein Zimmer für die Nacht?"
Sie wirkt hoffnungsvoll und bemüht freundlich zu sein.
Pllötzlich kneifft sie die Augen zusammen und hält sich die Hand vors Gesicht. Schon erklingt ein " HATSCHIE" hinter der Hand und man kann froh sein, dass die Hand da war.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 15. Apr. 2004, 13:01 Uhr
Ehe Halla dazu kommt Darius zu antworten, wird sie von einer Frau angesprochen, die eher aussieht wie eine Katze, die man gerade aus einer Regentonne gezogen hat. Halla war es gar nicht aufgefallen, dass es regnet, aber das passierte ihr meistens, wenn sie in der Harfe arbeitete. Sie wirft Darius einen entschuldigenden Blick zu und wendet sich dann an die junge Frau, während sie ihr schon einmal einen Krug Bier auf die Theke stellt. " Das Bier könnt ihr sogleich haben. Was das Essen angeht, wird es einen Moment dauern. Ich könnte euch entweder Spiessbraten anbieten oder wenn ihr es lieber kalt habt, etwas Verder Schinken mit Brot." Sie lächelt der Frau kurz zu, deren Augen einen seltsamen Ausdruck haben, aber bei weitem nicht so ungewöhnlich sind, wie manch andere Augen, die Halla schon hier in dre Harfe gesehen hat, wie zum Beispiel die von dem seltsamen Gefährten von Morgana.

Doch dann schüttelt Halla die Gedanken weg und blickt der Frau offen ins Gesicht. "Ein Zimmer für die Nacht?" Halla wirft einen raschen Blick auf das Schlüsselbrett und überlegt kurz. Die Harfe ist schon fast bis unters Dach voll und nur noch wenige Zimmer sind frei und das sind eher die kleineren Zimmer und Darius und sein Begleiter wollten auch noch ein Zimmer. Wenn weiter so viele Gäste kommen, sollte Borgil sich überlegen anzubauen. "Ich glaube es ist noch eins frei, es ist ein kleineres Zimmer, aber alle anderen sind schon belegt." Halla greift nach einem der Schlüssel und reicht ihn der Frau, während sie ihr den Weg zum Zimmer erklärt und was es mit Frühstück kosten würde.

Als ihr Blick wieder zu Darius und seinem Bekannten Davio fällt, ist Davio von der Theke verschwunden. Halla hatte nicht mitbekommen, dass er gegangen war, aber die Münzen, die auf der Theke liegen, zeigen eindeutig, dass er die Harfe wohl verlassen hat. Halla zuckt kurz die Schultern und streicht die Münzen dann von der Theke und lässt sie in ihrer Geldkatze verschwinden.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 15. Apr. 2004, 14:20 Uhr
Vorsichtig schluckt sie Schub für Schub des bitteren Gebräus und legte sich anschliessend wieder hin. Wieder breitet sich diese angenehmen Kühle aus und Azra holt tief Luft. Es ist als würden ihre Lungen gelüftet und beinahe bringt sie ein Lächeln zustande, dann jedoch krümmt sie sich wieder zusammen und schliesst die Augen. Ihre Lippen sind beinahe weiss von dem Druck, wie sie sie zusammenpresst. Schliesslich jedoch legte sich der Schmerz wieder und erneut holt sie leicht keuchend Luft. Dieser Traum. E war anders gewesen als der Letzte und doch... Wieder die gleiche Erkenntnis, sie konnte ihm nicht helfen, sie hatte die Türe nicht öffnen können. "Ja, ein Alptraum...aber... Es ist schon gut..." Sie weiss nicht, wie sie es der Heilerin erklären soll und hält sich einfach weiter an ihrer Hand fest. "Ist Halla... böse..?" Natürlich ist sie wahrscheinlich wütend, wie idiotisch war es auch von ihr gewesen plötzlich wegzulaufen vor dieser Morgana und das nur weil diese Heilerin erkannt hatte was sie war. Halla hätte sie bestimmt nicht dorthin geschickt wenn sie sich nicht sicher gewesen wäre, das Morgana ihr nichts tun würde. Wimmernd kringelt sie sich zusammen und zieht die Decke über ihren Kopf, ohne die Hand loszulassen. Ich hatte doch nur Angst.. Ich wollte doch gar nicht weglaufen, eigentlich wollte ich dort bleiben.. Aber ich hatte.. nein , habe Angst... Was soll ich denn machen... War es nicht verständlich, das sie Angst hatte? nachdem was geschehen war. Ja natürlich, doch als Azra nachdenkt sieht sie ein das es die Meisten der Wissenden auch begreifen. Niemand hier hat ihr gesagt das sie es nicht verstehen würden, wenn sie Angst hat.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kitty am 15. Apr. 2004, 15:41 Uhr
Die Blutelbin nimmt schluck für schluck von dem Trank den Kitty für sie gemsicht hat und hustet und keucht danach noch ein wenig. Kurze Zeit später liegt sie wieder ruhig im Bett und erklärt Kitty einen Alptraum gehabt zu haben, es wäre aber alles in Ordnung. Hmh... sicher ist nicht alles in Ordnung, ich sehe dir doch an das du Angst hast kleine, ich weiß mehr als du denkst... Ich bin Wahrsagerin, aber das weißt du ja nicht. Hm... aber Leid tust du mir, ja das tust du, viel zu viel schlimmes hast du erleiden müssen in deinem bisherigen Leben. Chayla möchte von Kitty wissen ob Halla böse mit ihr ist. Es entsteht eine kurze Pause in der Chayla sich hinlegt und die Bettdecke bis fast ganz über den Kopf zieht. Kitty überlegt was sie ihr sagen soll. "Also... ich habe nur kurz mit Halla sprechen können. Sie hat sich ziemlich um dich gesorgt, aber böse ist sie nicht, glaube ich..." Kitty blickt zu Boden und dann wieder in das erwartungsvolle gesicht der Blutelbin. "Sie ist böse auf mich... auch der Herr Zwerg, Borgil, er ist auch böse auf mich... Sie haben ja Recht... es ist meine Schuld das du weglaufen musstest um zu Morgana zu gehen... ich bin nicht hier gewesen, weil ich auch noch etwas anderes zu erledigen hatte. Ich bin auch nur ein Mensch und auch ich muss Essen und Schlafen. Ich war einkaufen, hier, siehst du?" Kitty zeigt Chayla den kleinen Korb in dem sie ihre Lebensmittel vom Markt aufbewahrt hat. "Ich habe sogar vergessen sie zu Hause stehen zu lassen als wir dort waren... Ich war ja auf dem Weg zu dir... aber... naja... ich weiß auch nicht was ich nun machen soll. Ich hoffe du wirst nun ganz schnell wieder gesund und ich hoffe auch, dass Halla und Borgil mir verzeihen werden..." Traurig schaut Kitty aus dem Fenster.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 15. Apr. 2004, 15:54 Uhr
Borgil? Wer war das? Doch plötzlich geht Azra ein Licht auf, Borgil kann nur der Zwerg sein. Borgil.. hmm.. lustiger Name.. Doch als die Heilfrau ihr erzählt, das Halla und Borgil auf SIE wütend wären, weil sie nicht sofort gekommen war, machte Arza ein ehrlich verdutztes Gesicht. Diese Frau konnte doch auch nicht ihre ganze Zeit bei ihr verbringen und das sie zu Morgana hatte gehen müssen, nun das war ja wohl nicht der Entscheid der Heilfrau gewesen. Als Kitty's Augen plötzlich einen traurigen Ausdruck annehmen, versetzt es Arza einen Stich. Sie hätte nicht so viel Unsinn anstellen sollen und einfach im Bett liegen bleiben sollen, dann hätte der erste Trank vielleicht auch gleich gewirkt. Leicht verstärkt Azra den Druck auf die Hand der Frau und schafft es irgendwie sie anzulächeln: "Sie dürfen nicht böse auf euch sein.. es ist nicht eure Schuld. Ich hätte nich so viel aufstehen und herumlaufen sollen. Dann hätte das erste Gebräu welches ihr mir gabt vielleicht auch gleich gewirkt." Kurz huscht ihr Blick zu dem Einkaufskorb und dann wieder suchend zurück zu den Augen der Frau: "Wie seid ihr eigentlich Heilerin geworden?" Währendem alldem was sie gesagt hat, veränderte sich ihre Liegestellung überhaupt nicht und die Decke liegt immer noch bis beinahe über ihren Kopf. Macnhmal schweifen ihre Augen jedoch ab und bleiben für einen kurzen Moment an der Türe haften, in der Hoffnung der Herr Zwerg würde gerade eintreten, doch die Türe bleibt zu, genauso wie jene aus dem Traum und plötzlich durchfährt ein Zittern ihren Körper als sie energisch versucht diese Gedanken loszuwerden.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kitty am 15. Apr. 2004, 16:25 Uhr
Entrüstet blickt Chayla Kitty an als diese fertig ist ihr ihr Herz auszuschütten. Liebevoll lächelt die Blutelbin sie auf einmal an und versucht sie etwas zu beruhigen. "Ach, Chayla... so schlimm ist es ja eigentlich garnicht, weißt du. Aber ich habe eh relativ wenig zu tun hier in Talyra, obwohl doch so viele Verletzte in der Steinfaust sein sollen, habe ich zumindest gehört. Morgana muss all diese Patienten allein behandeln. Was heißt sie muss... sie muss ja nicht einmal. Aber sie hat wohl noch nicht von mir gehört und scheinbar auch sonst niemand in der Stadt. Es ist nicht einfach sich hier einen Namen zu machen Chayla. Ich möchte den Menschen helfen und das kann ich auch, aber nicht wenn sie sich nicht an mich wenden... Ich weiß noch nicht wie ich weitermachen soll... ich werde schon eine Lösung finden, aber wenn Halla und Borgil so schlecht über mich sprechen, ja dann wird niemand zu mir kommen wollen, davor habe ich Angst, verstehst du? Ich bin halt auch eine ganz normale junge Frau und mir machen auch so viele Dinge Angst Chayla, du bist damit nicht allein....
Du fragst wie ich zu diesem Beruf gekommen bin? Nun, also meine Mutter war ebenfalls Heilerin und sie lehrte mich und bildete mich aus. Schon als kleines Mädchen nahm sie mich mit in den Wald und den kleinen Garten der zu unserem Haus gehörte und zeigte und erklärte mir die Heilkräfte der Pflanzen die dort zu finden waren. Ja... so war das damals..."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kyoko am 15. Apr. 2004, 20:24 Uhr
Kyoko beobachtet die beiden Männer, die Halla gemeint hat, eine Weile aus sicherer Distanz. Die zwei scheinen in ein angeregtes Gespräch vertieft zu sein, was ein höchst unpassender Zeitpunkt für sie ist. Ein paar Minuten später erheben sie sich auch schon und verschwinden plötzlich in der unübersichtlichen Menschenmenge. Vielleicht ist der Kerl wirklich nicht hier. Es gibt also doch kein Leben mehr auf diesem Planeten Enttäuscht dreht sie sich zur kehrt, und quetscht sich erneut durch den zusammengewürfelten Haufen Gäste. Kyoko versucht so geschickt wie möglich voran zu kommen, um dem unerträglichen Lärm am schnellsten zu entgehen.
Die Freude ist groß, als sie unversehrt die Tür erreicht. Die junge Frau verschwindet so schnell, wie sie aufgetaucht war.
Draußen herrscht ein Unwetter, das die Herzen aller Regenliebhaber höher schlagen lassen würde. Kyoko allerdings hat diesmal für Regen nicht das Geringste übrig. Was für ein Tag...was für ein wunderbarer Tag...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 16. Apr. 2004, 10:32 Uhr
Gebannt lauscht Azra den Erzählungen der Heilerin und senkt dann leicht rot den Kopf: "Ich.. also... Wisst ihr, mein Name... Also..." Komm schon, ist ja nicht so schwer, sie wird dir schon nicht gleich den Kopf abreissen. Schnell schluckt Azra den Knoten hinunter, welcher versucht sich in ihrem Hals einzunisten: "Mein Name ist nicht Chayla, sondern Azra." Ganz fest konzentriert sie sich darauf an die Decke zu starren, damit sie auch ja nicht in das Gesicht der Heilerin sehen muss. Ohne es zu merken beginnt sie die dunklen Flecken auf dem Holz zu zählen und erst als sie schliesslich bei der Zahl 20 angekommen ist stockt sie. Hm... weiter als 20 bin ich nie gekommen. Was kommt da wohl danach? Kurz hellt sich ihr Gemüt auf und sie richtet ihren Blick wieder auf die Heilerin: "Eure Mutter hat es euch also beigebracht. Ich bin sicher das der Herr Zwerg und Halla nicht schlecht über euch reden werden, ihr habt mir ja auch geholfen und es geht mir ja schon viiiiiiiell besser als zuvor." Die Decke rutscht langsam ein Stück weiter hinunter und hurtig wischt Azra sich einige Strähnen ihres weissblonden Haares aus dem Gesicht: "Könnt ihr mir vielleicht auch so etwas beibringen? Ich meine so mit den Kräutern umzugehen?" Sie hatte in ihrem ganzen Leben nie etwas gelernt ausser ein wenig zu schreiben, zu lesen und bis 20 zu zählen. Wären ihre Augen nicht bereits weiss so würden sie jetzt aufleuchten: "Vielleicht könnt ihr mir sagen was für eine Zahl nach 20 kommt, ich bin nämlich nicht mehr weitergekommen."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kitty am 16. Apr. 2004, 10:43 Uhr
Plötzlich blickt Chayla an die Decke und vermeidet es Kitty auch nur ein wenig in die Augen zu sehen. "Wieso hast du uns denn einen falschen Namen genannt? Das bringt doch rein garniemanden etwas. Nagut, Azra also. Ich weiß nicht ob du meinen Namen bisher gewusst hast, aber ich bin Kitty. Kitty Rivendell."
Als Azra beginnt Kitty weiter nach ihrer Mutter zu fragen, versetzt dies Kitty einen stechenden Schmerz in der Brust. Das ist alles nicht einfach gewesen... aber wenn sie das nun wirklich alles hören möchte... vielleicht werde ich ihr das einmal erzählen können...
"Nun Azra, ich hoffe auch sehr das Borgil und Halla nicht schlecht über mich reden werden, aber vielleicht solltest du ihnen das alles erklären. Ich meine, dir werden sie wohl eher glauben das es dir gut geht und das du nicht findest das ich mich nicht um dich gekümmer hätte. Naja..." Langsam zieht Azra die Decke wieder ein Stück aus ihrem zarten, von weißblondem Haar umrundeten Gesicht.
"Ob ich dir etwas beibringen kann? Nunja, wenn du wieder Gesund bist könnte ich es gerne versuchen. Wenn du dich gut anstellst, dann darfst du auch meine Helferin werden. Ich habe noch immer eine kleine Kammer in meinem Haus frei, dass könnte ein schönes Zimmer für dich werden!" Lächelnd blickt sie der Blutelbin in die nun strahlenden Augen. "Aber erstmal musst du mir jetzt ganz gesund werden, in Ordnung?" Sie zwinkert Azra zu. "Übrigends, nach zwanzig kommt die Zahl einundzwanzig." Kitty fühlt sich plötzlich richtig wohl in der Gesellschaft der Blutelbin die sie nun staunend anblickt und einige Male die neu gelernte Zahl wiederholt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 16. Apr. 2004, 10:58 Uhr
"kitty Rivindell.. Kitty... Das ist ein hübscher Name, sogar sehr hübsch. Hab ihn noch nie gehört." Kurz studiert sie ob das auch der Wahrheit entspricht und nickt dann bekräftigend. Als Kitty erzählt, das sie ihr die Dinge schon beibringen könnte und ihr auch noch einen Wohnplatzt anbieten könnte werden Azra's Wangen von einen blassen rosa überhuscht: "Das.. das.. das meint ihr doch nicht ernsthaft? Ich meine.. ähm.. also...öh.." Das würde doch nie gut gehen. Wenn sie dieser Frau helfen würden, wie würden dann wohl die Leute reagieren wenn plötzlich sie, Azra, im Zimmer auftauchen würde? Das wäre doch absurd. Nein, das geht nicht und leicht traurig schüttelt sie den Kopf: "Nein, das geht nicht... Ich kann nicht eure Helferin werden, ich meine... Die Leute, die zu euch kommen würden die hätten doch nur Angst vor mir und das würde euch bestimmt auch nicht so viel bringen. Nein nein... Das geht nicht." Sie würde das Angebot, wer weiss, gerne annehmen, doch sie ruft sich in Erinnerung, wie gewisse Leute auf ihre Erscheinung reagiert haben und ein leichtes Zittern durchfährt sie. Nein, das geht nicht.
Soso, nach der Zahl 20 kommt also die Zahl 21! "Ein-un-zwanzig... Einun-zwanzig... Einun-zwanzig.. Einunzwanzig... Einunzwanzig, einunzwanzig... Nach zwanzig kommt einunzwanzig... Geht es da noch weiter oder hört es auf?" Begierig darauf mehr zu erfahren, schiebt Azra die Decke vollständig von sich und setzt sich leicht auf, wobei ein kurzer Husten sie schüttelt und sie dann entschuldigeng in Richtung Kitty guckt und sofort wieder unter die Decke rutscht.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kitty am 16. Apr. 2004, 11:07 Uhr
"Aber natürlich kannst du dann bei mir unterkommen, Azra. Was sollen denn die Leute gegen dich haben?! Sie sollen Gesund werden, darum geht es. Und sie werden dich schon akzeptieren, da bin ich mir sicher, dafür werde ich schon sorgen, Azra. Wir werden es versuchen, dann wirst du schon sehen das es klappt, und wenn nicht, dann finde ich auch etwas anderes das du tun kannst, sei unbesorgt!" Lächelnd blickt sie in das wieder etwas traurig wirkende Gesicht der Blutelbin.
"Nun, nach 21 geht es noch viel viel weiter musst du wissen. Und mit den ganzen Zahlen da kannst du dann auch Rechnen. Das kann ich dir dann auch beibringen wenn du möchtest! Wir fin den schon etwas für dich, ja davon bin ich überzeugt, weißt du. Ich glaube in naher Zukunft wirst du sehr glücklich werden Azra, und mir kannst du das glauben. Ich bin nämlich auch Wahrsagerin. Diese Gabe habe ich von meinem Vater geerbt, er war ein großer Magier oben im hohen Norden. Aber er lebt leider nicht mehr..."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 16. Apr. 2004, 11:28 Uhr
Diese Frau... Sie war auch noch Wahrsagerin. Völlig verdutzt blickt Azra Kitty an und kann nicht verhindern, das ihr Mund leicht aufklappt: "Wahrsagerin? Ihr meint so wirklich die Zukunft sehen? Und das habt ihr von eurem Vater einem starken Magier? Was konnte er denn noch alles ausser die Zukunft sehen?" Sie hatte einmal eine Wanderin getroffen, eine uralte Frau und die hatte ihr auch gewisse Dinger erzählt. Pha, aber von Brioca hat sie nichts gesagt.. Lügnerin. Genauso schnell wie sich ihre Miene erhellt hatte, wurde sie auch schon wieder finster: "Ich glaube nicht an Wahrsagerei, das ist doch alles nur Lug und Trug. Das tut ihr doch nur um Geld zu verdienen, für nichts anderes. Ich werde niemals wirklich glücklich werden, es wird immer wieder Leute geben die mich hassen weil ich bin wie ich bin." Mochten die Worte auch hart sein, es war ganz einfach Azra's Zorn der aus ihr sprach. Diese alte Frau damals hatte auch gesagt, das sie glücklich werden würde und dann... Meinte sie etwas DAS mit glücklich. Schniefend zieht sie die Decke wieder höher und vergräbt sich darunter. Ihre Stimme ist unter der Decke hervor kaum noch zu hören: "Und welche Zahl kommt nach einun-zwanzig? Und was ist Rechnen eigentlich? Zähle ich nicht gerade?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kitty am 16. Apr. 2004, 11:42 Uhr
"Ja... nun..." Kitty weiß nicht recht was sie Azra sagen soll. "Nun du musst ja auch nicht an die Wahrsagerei glauben, aber ich tue es schon. Ich sehe es ja... Naja, aber ob es immer so kommt wie ich es sehe... fast immer... aber ich mache es eh nur so für mich. Die Leute haben Angst vor übersinnlichen Fähigkeiten denke ich..." Kitty fährt sich durch die langen dunklen Haare und grübelt ein wenig. "Nun, ich möchte nicht das die Leute Angst vor die haben, und ich hatte zum Beispiel keine Angst vor dir... aber wenn du nicht unter die Leute kommen möchtest, dann finden wir sicher noch etwas anderes das du tun kannst. Warte ab." Azra scheint nicht wirklich zufrieden sondern eher wütend über ihr eigenes Aussehen und darüber das die Leute sie so nicht aktzeptieren würden. Scheu verkriecht sie sich wieder unter der Decke und murmelt vor sich hin. Kitty muss schon ein wenig näher mit dem Kopf an sie herangehen um überhaupt zu verstehen was sie da sagt.
"Ja, also du zählst gerde. Rechen ist noch etwas anders. Das ist... äh, das musst du dir zum Beispiel so vorstellen:" Aus ihrem Korb nimmt sie zwei Äpfel. "Hier habe ich in der linken Hand ein Apfel und in der Rechten habe ich noch einen. Also habe ich zwei Äpfel. Nun, das war jetzt sehr einfach, aber das kann man noch alles mit viel Größeren Zahlen machen, das ist dann schon nicht mehr so einfach." Kitty muss lachen, als sie daran zurückdenkt, wie ihr Vater ihr früher verzweifelt dasselbe beibringen wollte und sie es erst einmal nicht verstanden hatte.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Shanarahad am 16. Apr. 2004, 16:18 Uhr
Die junge, tropfende Frau nimmt sowohl den Schlüssel alsauch den Krug mit Bier mit einem dankendem Nicken auf " Habt Dank für das Zimmer. Ihr seit meine Rettung!Ich hätte gern Spießbraten wenns geht" sie lächelt schmal. Dieses Lächeln wirkt ein wenig künstlich. Auch lauscht sie noch während sie sich den Weg zu ihrem Zimmer erklären lässt.
Dann sucht sie sich einen freien Platz in der Schankstube und kann doch tatsächlich zwischen all den fremden noch einen ergattern.
Rasch stellt sie ihr Bier ab, bevor wieder ein lautes "HATSCHIE!" erklingt und sie sich mehrmals schniefend endlich niederlassen kann.
Na, endlich hab ichs warm und was zu essen gibts auch gleich. Alles was ich mir im Moment wünsche, aber ich könnte noch ein Pfeiffchen rauchen während ich auf das Essen warte denkt sie bei sich und gesagt getan.
Irgendwo unter ihrem Mantel kramt sie eine kleine PFeiffe und ein Tabaksdöschen hervor. Oh Wunder, der Tabak ist noch trocken und mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck beginnt sie die Pfeiffe zu stopfen.
Kurz darauf entflammt sie sie schon an einer Kerze und nimmt gemütlich paffend einige Züge Ahhh, das tut gut
Aufmerksam lässt sie ihren Blick über die Anwesenden schweifen während sie raucht, ab und an einen schluck Bier nimmt und auf ihr Essen wartet.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 16. Apr. 2004, 20:49 Uhr
Erst als  Kitty über das rechnen anfängt zu sprechen, kommt Azra wieder neugierig unter iher Decke hervorgekrochen und schaut der Frau konzentriert zu wie sie das Beispiel mit den Aepfeln zeigt. Für einen Augenblick versinkt sie in Gedanken  und meint dann völlig ernst: 2Also heisst das wenn man Dinge zusammenzählt, also nicht nur ein Gegenstand zählt, sondern mehrer zusammen, dann heisst das Rechnen? Wie nicht auch zählen, man zählt dann doch einfach alles zusammen, als ein Aüfel und nocheinmals ein Apfel, das sind dann, eins, zwei Aepfel." Mit grosen Augen blickt Azra die Frau an, begierig zu wissen, ob sie das richtige gesagt hat. Dabei lächelt sie fröhlich vor sich hin, wie ein Kleines Kind das soeben ein Bonbon in die Hände gedrückt bekommen hat. "Könnt ihr mir noch mehr solche Zählungen beibringen?" In ihern Beinen kribbelt es richtig, so gerne möchte sie endlich wieder etwas tun, doch sogleich muss sie wieder husten und dämpft ihre Freude ein wenig. Das wird schon wieder... Und mit dem Herr Zwerg muss ich auch reden... Kitty kann ja überhaupt nichts dafür... Gar nichts,... "Ich werde mit dem Herr Zwerg reden, es war ja nun wirklich nicht eure Schuld, aber ich bin froh das sie nicht wütend sind auf mich." Sie versucht ein angestrengtes Gesicht zu ziehen und murmelte dann ein bisschen leise: "Doch, ich glaube eigentlich schon an übernatürlich Dinge, aber halt eben nicht an Wahrsagerei, das ist alles. Jegliche andere Art von Magie ist mir wohl bekannt." Sie will Kitty nicht verletzten, aber immer noch schiebt sie die SChuld jenes Abends in gewissem Sinn der alten Frau in die Schuhe, welche auch behauptet hat es würde alles Friede Freude Eierkuchen werden.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kitty am 17. Apr. 2004, 08:38 Uhr
Als Kitty ihr das Rechenbeispiel mit den Äpfeln vorführt, schielt Azra doch wieder unter der Decke hervor und möchte begierig neue Dinge erlernen.
"Habt geduld, ich werde euch noch mehr Beibringen Azra, ich muss einmal wenn ich wieder zu Hause bin in meinen Bücherschrenk sehen. Vielleicht habe ich noch ein paar nützliche Dinge von früher aufgehoben."
Kitty grübelt einige Sekunden wie sie Azra das Rechnen beibringen soll.
"Also, zählen und rechnen ist nicht dasselbe. Zählen ist das was du eben getan hast, also eins, zwei, drei, vier, fünf... und so weiter, dass kannst du ja schon, aber rechnen ist anders. Du musst dabei lernen im kopf zusammenzuzählen, und das möglichst schnell und auch mit großen zahlen, von daher darfst du nicht immer bei eins anfangen, sondern bei der Zahl die dir genannt wurde, aber das muss man eben lernen."
Freundlich blickt sie Azra an die dann das Thema wieder auf Magie und Wahrsagerei lenken will.
"Nun, ich verstehe das wenn du nicht an Wahrsagerei glauben möchtest, das ist in Ordnung Azra, aber ich tue es. Ich denke das ist schon in Ordnung so, ich nehme dir das nicht übel, keine Sorge."
Es entsteht eine kleine Pause.
"Ja, und wenn du mit Borgil darüber sprechen würdest, dass ich dir nun geholfen habe, dann wird er sicher sehr froh sein. Er macht sich bestimmt Sorgen um dich, kleine, jedenfalls sah es so aus. Viele denken immer Borgil wäre jemand der keine Gefühle zeigen könnte, aber ich meine schon in seinen Augen diesen Ausdruck von Schmerz und Sorge gesehen zu haben. Er wird sich sehr freuen wenn du bald wieder auf die Beine kommst, also ich meine natürlich erst dann, wenn du wieder Gesund bist!"
Lächeld blickt sie Azra an.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lebo am 17. Apr. 2004, 20:43 Uhr
Während Kitty noch immer oben in der Harfe zu sein scheint, sitzt Lebo unruhig an seinem kleinen Tisch in einer der hinteren Ecken der Harfe.
Es herrscht reger Betrieb und um ihn herum wuseln junge Schankdamen und angetrunkene Gäste die scheinbar gerade aus der Harfe geworfen werden. Zufrieden fährt Lebo sich mit einer Hand über den Bauch.
Das Essen ist wirklich sehr gut und reichhaltig hier, und auch der Wein ist köstlich. Ich frage mich, wo ich mich hier niederlassen werde, wenn ich es überhaupt schaffe, und meinen Beruf wieder ausüben kann. Einen guten Met- und Honighersteller wie mich, findet man auch nicht überall, ich glaube hier in der Stadt könnte ich gut leben.
Interessiert beobachtet Lebo das geschehen in der Harfe und lauscht den Gesprächen am Nachbartisch. Die Männer scheinen schon einiges getrunken zu haben, lachen laut und reißen einen Haufen unanständiger Witze. Lebo schüttelt lächelnd den Kopf als einer der Männer ihn bemerkt und ihn zu sich an den Tisch einladen will.
Lieber nicht, ansonsten werde ich nur unachtsam.
Wieder späht er zurück zur Treppe, in der Hoffnung, dass Kitty bald hinab kommen würde.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 18. Apr. 2004, 14:37 Uhr
Als Borgil endlich Zeit findet, sich aus dem wie immer seit diesem vermaledeiten Feldzug völlig überfüllten Schankraum davonzustehlen und mit einem Tablett nahrhafter Brühe, frischem, weißem Brot, kaltem Hühnchen, ein wenig überbackenem Gemüse, süßen Eierkuchen und einem Krug Bier zu seinem widerspenstigen Schützling zurückkehrt, findet er die kleine Kratzbürste erstaunlich wach, erstaunlich munter und in einem erstaunlich angeregten Gespräch mit der Heilerin vertieft. "Ah, wie ich sehe bist du wach. Vielleicht habt ihr Hunger." Er überläßt es der Heilerin... oder was immer die Frau auch sein mag... die beiden Holzteller, die Becher und kurzen Mundmesser zu verteilen. Wie auch immer, diesmal scheint ihr Heiltrank jedenfalls geholfen zu haben - wesentlich besser als der erste. So lebendig hatte er das kleine Blutelbenmischmädel überhaupt noch nicht gesehen. Ihre Augen glänzen, ihr weißes Haar steht ihr so wuschelig und widerspenstig wie die Borsten eines empörten Stachelschweinchens vom Kopf, aber er erinnert sich noch daran, wie es sich angefühlt hat, so weich und fein wie der Flaum eines Kükens. "Wie lange muß sie jetzt das Bett hüten?" wendet er sich an die Heilerin mit dem eindeutigen Versprechen im Tonfall, daß er diesmal höchstpersönlich dafür sorgen wolle, daß Klein-Chayla sich keinen Millimeter unter ihrer Decke hervorbewegen würde. "Damit Eure... Medizin wirkt, meine ich." Er registriert geistes abwesend, daß die Blutelbin noch immer sein Hemd trägt und notiert in Gedanken, daß sie frische Kleidung brauchen würde. Eine der Mägde kann sich darum kümmern, jetzt muß sie erstmal essen. Und diese Heilfrau oder was auch immer auch. Er mag über Kitty bis jetzt nicht das allerbeste denken, aber sie war die ganze Zeit hiergeblieben und hatte sich wirklich um ihren Schützling gekümmert, da kann er ihr nicht das Geringste nachsagen - und Chayla scheint mit der Heilerin mittlerweile wunderprächtig auszukommen. Er sieht die beiden an, die fast vertraulich die Köpfe zusammengesteckt haben und fühlt sich einen Moment lang in seinem eigenen Gasthaus wie ein Eindringling. Ach, was, mein Alter! Du wirst langsam senil...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 18. Apr. 2004, 18:01 Uhr
Sie will gerade leicht verlegen antworten, als sich pötzlich die Türe öffnet, und die langersehnte Erscheinung eintritt: "Herr Zwerg!" Freudig leuchten ihre Augen auf und ein Lächeln stiehlt sich auf ihr Gesicht bevor sie es verhindern kann. Der Herr Zwerg scheint Essen mitgebracht zu haben, doch wieder steigt in Azra's Magen statt einem Bauchknurren Uebelkeit auf und schnell wendet sie den Blick von dem Essen ab und sieht dem Zwergen in die kleinen schwarzen Augen. Als er das Tablett neben ihrem Bett abstellt, greift sie flink nach seiner Hand, wobei sie nicht vorhat sie so schnell wieder loszulassen. In Windeseile hat sie sich aufgesetzt und hört nun dem Zwergen und der Heilerin zu und kommentiert seine Frage schliesslich mit einem ärgerlichen Grummeln: "Von wegen Bettruhe. Der Trank war wirklich gut, es tut kaum noch weh und das der der erste Trunk nicht gewirkt hat, war ja wohl meine Schuld. Ich hätte nicht so viel herumlaufen sollen, dafür kann Kitty nichts." Bekräftigend nickt sie mit dem Kopf, was erneut einen leichten Husten auslöst, doch sogleich hebt sie ihren Kopf wieder und sieht Borgil begierig an: "Könnt ihr auch Rechnen Herr Zwerg?" Doch er scheint nicht sonderlich angetan zu sein davon hier zu bleiben. "Ihr geht doch nicht schon wieder oder?" Der enttäuschte Unterton ist kaum zu überhören und ihre Mundwinkel fallen so schnell wieder hinunter, wie sie hinaufgezuckt sind. Sie hatte sich so gefreut wieder in der Harfe zu sein und bei Halla und dem Herr Zwerg. Hatte sie sich jetzt umsonst gefreut? Iher zweite Hand, welche nicht die von Borgil umklammert hält, krallt sie fest in die Decke.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kitty am 18. Apr. 2004, 20:15 Uhr
Mitten im Gespräch betritt Borgil die kleine Kammer.
Azras Augen leuchten sofort hell auf und sie strahlt über das ganze Gesicht. Freudig blickt auch Kitty Borgil an.
"Schön das ihr da seit, Azra hat schon nach euch gefragt, Borgil. Sie scheint wieder sehr munter, aber ein weilchen wird sie noch im Bett bleiben müssen, nicht wahr Azra?"
Liebevoll blickt sie die Blutelbin an.
Ich habe sie richtig gerne muss ich feststellen...
Wieder wendet sie sich zu Borgil "Ich denke auch, dass der Trank dieses Mal Wirkung zeigen wird, ich hatte schon überlegt was ich ihr sonst geben könnte, aber diesmal war es wohl genau das richtige. Danke übrigends für das Essen, es sieht köstlich aus, aber das bin ich von der Harfe auch gewohnt. Schon damals als ich hier gewohnt habe war es köstlich. Mal sehen ob unser Schützling auch etwas hinunterbekommt."
Als Borgil sich scheinbar wieder zum gehen wendet, packt Azra schnell seine Hand um ihm noch zu erzählen das sie Kitty nicht für schuldig hält. Natürlich lässt sie es sich auch nicht nehmen, den Zwerg noch nach seinen Rechenkünsten zu befragen. Kitty verkneift sich munter ein breites grinsen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Davio am 20. Apr. 2004, 21:21 Uhr
Er betritt wieder die Harfe und sieht sich schnell im Schankraum um. In dem ganzen Trubel versucht er Darius ausfindig zu machen, doch ist ihm das unmöglich zwischen den vielen Leuten. Wie schon beim ersten Mal zwängt er sich zwischen den Leuten her, bis er schließlich am Tresen angelangt. Er muss einige Zeit warten, da die Schankmägde wie immer schwer beschäftigt sind, doch schließlich kommt eine zu ihm und fragt, was er bestellen wolle. Doch er beschreibt ihr nur Darius und fragt sie, ob sie ihn gesehen hätte. Tatsächlich hat sie ihn gesehen und zwar auf der Treppe zu den Schlafräumen. Er bedankt sich lächelnd und hechtet die Treppe hoch.
Hmm hoffentlich ist er nicht zu sauer auf mich. Ich werde mich wohl entschuldigen müssen., denkt er sich während er am oberen Treppenabsatz ankommt und den Flur entlangschreitet, bis er an ihrem Zimmer angelangt. Leise klopft er an die Zimmertür.
,,Darius? Bist du da?'', fragt er und öffnet dann die Tür.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 21. Apr. 2004, 16:06 Uhr
Die tropfnasse Frau setzt sich an einen der Tische und Halla gibt die Essensbestellung weiter in die Küche. Ein Niesen ist von dem Tisch zu hören und Halla schüttelt lächelnd den Kopf Kein Wunder wenn sie sich erkältet hat, so nass wie sie ist. Die Harfe ist immer noch sehr voll und Borgil ist eben die Treppe hinaufgegangen, als es einen freien Moment gab, Halla weiss, dass er nach dem kleinen Schützling Azra sieht, die er trotz aller Widerspenstigkeit anscheinend ins Herz geschlossen hat. Bei diesen Gedanken erscheint ein stilles Lächeln auf ihrem Gesicht.

Das Essen für die junge Frau wird nach draussen gebracht und Halla nimmt es entgegen. Sie geht hinüber zu dem Tisch der Frau und stellt das dampfende , köstlich duftende Essen vor sie hin. "Lasst es euch gut schmecken und falls ihr nachher ein warmes Bad wollt, sagt mir Bescheid, dann lasse ich euch eins herrichten. So nass wie ihr seid müsst ihr ja vollkommen durchfroren sein und da täte euch ein Bad mit einigen Kräuterölen sicher gut." Halla nickt der Frau noch einmal freundlich zu und wird dann von einem anderen Gast abgelenkt, der lauthals behauptet schon vor ewigen Zeiten ein Horn Met bestellt zu haben, es aber noch nicht bekommen hat, und deshalb schon halb am Verdursten ist. Allerdings sieht er nicht gerade wie ein Verdurstender aus und die Fahne, die Halla entgegen weht, sagt ihr, dass er wohl schon einige Hörner Met getrunken hat. Sie beruhigt den Gast und verspricht ihm sich sofort darum zu kümmern.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Thram am 22. Apr. 2004, 20:03 Uhr
Feierabend. Bäckermeister Thram zieht es in die Goldene Harfe. Im Harfengarten hatte er Asrai ausmachen können, doch da diese mit einigen Freunden an einem Tisch sitzt, will Thram sie nicht stören. Irgendwann wird sie schon von selbst wieder in die Bäckerei schauen. Und heute abend will ich mich entspannen.

Er sucht sich einen freien Platz an einen Tisch und lehnt sich zurück. Beim überblicken der Harfe hat er wieder kein bekanntes Gesicht entdecken können. Höhstens jemanden, der schon einmal in der Bäckerei eingekauft hat, aber das macht ihn noch nicht zu einem Bekannten oder gar Freund. Freunde fehlen ihm, das weiß Thram, aber er weiß nicht, wie er das ändern kann. Die Arbeit in der Bäckerei nimmt ihn voll ein und er hat kaum Zeit für andere Dinge. Sicher, die Arbeit macht ihm Spaß und er verdient gutes Geld, aber was bringt das, wenn er kaum dazu kommt, dies auszugeben. Heute wird er sich seine ganzen Sorgen wegspülen, das weiß er und sogleich bestellt er sich Horn Met. Vielleicht würde er später auf Wein umsteigen, aber das weiß er noch nicht.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 23. Apr. 2004, 14:42 Uhr
Chayla - die vermeintliche Chayla, denn davon, daß das gar nicht ihr wahrer Name ist, weiß Borgil noch nichts, strahlt ihn an, als habe jemand eine ganze Kiste Kerzen entzündet. >Herr Zwerg?< Eine von Borgils buschigen Brauen rutscht halb fragend, halb spöttisch nach oben und keinen Herzschlag später, kaum daß er das Tablett mit Essen abgestellt hat, findet er seine Rechte in ihrem Klammeräffchengriff wieder. "Äh..." macht er leicht hilflos und Kitty unterdrückt ein Kichern. Als sie jedoch sofort und ohne jede Ausflucht sämtliche Schuld für ihre Nicht-Genesung auf sich nimmt, hätte er sich beinahe verschluckt vor Überraschung.  >...und das der der erste Trunk nicht gewirkt hat, war ja wohl meine Schuld. Ich hätte nicht so viel herumlaufen sollen, dafür kann Kitty nichts.< "Geht's dir gut?" Fragt er mit gespieltem Entsetzen und fühlt auf ihrer Stirn, ob sie vielleicht fiebert, doch das amüsierte Funkeln in seinen schwarzen Augen verrät, daß er sie nur aufziehen will. "Du bist noch nicht betrunken oder? Wieviel Bier hattest du? Wo ist die kleine Kratzbürste hin, eh?" Er stupst ihr den knorrigen Zeigefinger seiner freien Linken vor die Brust und hätte sie allein damit fast hintenüberkippen lassen. Oha. Von wegen keine Bettruhe! "Du kannst unmöglich dasselbe Mädel sein, also was hast du mit ihr gemacht?" Einen Moment lang sieht sie aus, als wolle sie ihm die Zunge rausstrecken. "Ah... ich wußte doch, daß sie da noch irgendwo sein muß," erklärt er mit breitem Grinsen. >Könnt Ihr rechnen Herr Zwerg?< Er öffnet gerade den Mund, um ihr zu antworten, als sie übergangslos weiter fragt, ob er gleich wieder gehen wolle. Das blasse, hübsche Gesichtchen unter dem strubbeligen Haar zieht dabei einen so entzückenden Schmollmund, daß er ihr beruhigend die Finger tätschelt, die seine so festhalten wie ein kleiner Schraubstock. "Na,na, ein wenig Zeit hab ich schon übrig. Die Harfe führt sich nur nicht von allein, weißt du? Und irgendwie müssen wir es ja wohl hinbekommen, daß du dich in Talyra frei bewegen kannst, schließlich kannst du dich nicht ewig verstecken." Und das, bei allen Göttern, wird ein hartes Stück Arbeit werden... "Und zum Rechnen, natürlich kann ich rechnen. Schon mal einen Zwerg gesehen, der kein Verständnis für Zahlen hatte? Außerdem bin ich Wirt, wäre ja noch schöner, wenn ich nicht wüßte, was ich einnehme, oder?" Er schnalzt mit der Zunge, als er bemerkt, daß die Heilerin zwar mit gesundem Appetit zugreift, Chayla aber keinen Bissen nimmt. Und dann fällt ihm noch etwas auf. Azra. Aha. "Du mußt etwas essen, wenigstens ein bißchen Brühe. Nein, komm mir jetzt nicht damit, dir wäre so schlecht, du bist nur noch Haut und Knochen, ich kann jede einzelne Rippe sehen. Azra. Oder Chayla. Oder wie auch immer. Iß etwas."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Dschelada am 23. Apr. 2004, 18:26 Uhr
Kaum ist die junge Frau in die Schankstube eingetreten ist sie schon vom Bier und Schweissgeruch umnebelt. Zu dieser Tageszeit ist das Gasthaus gut besucht und es herrscht reges Treiben.
Dschelada versucht sich durch die Menschenmasse zu schieben und steuert an einen freien Tisch in der Ecke des Raumes zu. Nach einem bekannten Gesicht zu suchen faengt sie erst gar nicht an, denn kennen tut sie, ausser Dror,Pfeff,Teeblatt und Liselle sowieso niemand.
Am Tisch angekommen zaehlt sie ihre Geldmuenzen, von denen leider nicht viele uebrig sind! Ach fuer einen Becher Met wird es schon reichen Kaum ist sie mit dem Zaehlen fertig kommt eines der Schankmaedchen auf sie zu: "Was kann ich euch bringen?" fragt sie in einem etwas gestressten Ton. Dschelada kann ihr keine Schuld geben, die Maedchen sind im Moment wirklich ueberfordert, denn der Strom an eintretenden Gaesten reisst nicht ab.
Nachdem sie sich einen BEcher Met bestellt hat schaut sie sich schuechtern in der  Schankstube um ,so ganz alleine fuehlt sie sich hier nicht wohl. Es scheint ihr als ob sie hier nie Freunde finden wuerde, zu gross ist Talyra fuer die junge Frau.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 23. Apr. 2004, 18:39 Uhr
Seine theatralische Geste, ob sie denn noch gesund sei oder ob sie zuviel Bier getrunken hätte, quittiert sie mit gespielter Entrüstung: "Ich habe nur Wasser getrunken." Die Augen des Zwergen blitzen leicht schelmisch auf und einen Moment später merkt Azra das sie in die Falle getappt ist. Zuerst scheint sie verdutzt bis leicht beleidigt, doch dann lacht sie, wie schon lange nicht mehr: "Ihr könnt also auch Rechnen? Könnt ihr mir das auch beibr..." Für einen Augenblick stockt sie denn wieder schüttelt ein leichte Husten ihren dürren Leib, erst dann spricht sie weiter, leise keuchend: "Kitty kann auch Rechnen und sie will es mir sogar beibringen, könnt ihr mir es auch beibringen? Dann lerne ich zweimal so schnell!" Das ist Logik in ihrem Sinn. Beinahe fällt sie nach hinten, als der Herr Zwerg sie leicht mit seinem Finger anstubbst und ein leichtes Schwindelgefühl erfasst sie. Für kurze Zeit schliesst sie die Augen, doch dann ist es wieder weg, und teif holt sie Luft.
Schliesslich verfinstert sich ihr Ausdruck als er meint: < "Und irgendwie müssen wir es ja wohl hinbekommen, daß du dich in Talyra frei bewegen kannst, schließlich kannst du dich nicht ewig verstecken."> Sie kann sich noch immer nicht vorstellen wie es gehen soll. Wenn sie an die kalten oder gar erschrockenen Gesichter zurückdachte, welche sie gesehen hat, dann scheint es ihr ein Ding der Unmöglichkeit: "Und wie wollt ir das anstellen Herr Zwerg? Ich meine... Was wollt ihr denn tun?" selbst glaubt sie nicht sonderlich fest daran, das es dem Zwerg gelingen wird, die Leute in dieser Stadt von ihrer guten Seite zu überzeugen, hatte es der Wanderer in den Anderen doch auch nicht geschafft. Und wenn dann noch das Andere kommt, werden sie mir doch nicht mehr glauben.
Einen Augenblick später hat sie sich bereits wieder unter Kontrolle und versucht das gleiche Lächeln aufzusetzen wie zuvor, was ihr aber angesichts der Tatsache, das der Herr Zwerg von ihr verlangt zu essen, nicht so recht gelingen will. Stur schüttelt sie den Kopf, der jedoch unverkennbar eine rote Farbe angenommen hat: "Ich habe aber keinen Hunger und dünn bin ich schon gar nicht." Natürlich, der Zwerg kannte ihren wahren Namen noch nicht. Immer noch den Kopf gesenkt murmelt sie leise etwas von: Azra.. nicht Chayla.... Wagt es jedoch nicht aufzusehen, denn sie wird von einem ziemlich schelchten Gewissen geplagt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kitty am 24. Apr. 2004, 13:49 Uhr
Belustigt beobachtet Kitty die Szene die sich da vor ihren Augen abspielt.
Die zierliche Blutelbin und der kräftige Zwerg Borgil...
Borgil scheint immer noch ein wenig überrascht von so viel liebenswürdigkeit die ihm das Elbenmädchen entgegenbringt. Zärtlich hält sie ihn noch immer am Finger fest und fragt auch ihn nach seinen Rechenkünsten aus.
Natürlich könnte auch Borgil ihr das Rechnen beibringen, schließlich tut er dies jeden Tag... im Gegensatz zu mir... wann mache ich schon einmal gebrauch vom Rechnen...
Gespannt lauscht sie der Unterhaltung, jedoch genießt sie dabei weiterhin das gute Essen das Borgil gebracht hat.
"Sag Azra, du hast wirklich gar keinen Hunger? Das Essen hier in der Harfe ist wohl das beste in ganz Talyra musst du wissen!" schmunzelnd blickt sie zu Borgil und dann wieder zu dem Elbenmädchen auf dem Bett.
"Wenigstens die Suppe hier musst du probieren. Nicht viel, aber ein wenig. Du willst doch schnell wieder auf die Beine kommen, also musst du auch ein wenig dafür tun."
Flink schiebt sie die Schüssel Suppe und den Holzlöffel zu Azra die keinerlei Anstalten macht dies entgegen zu nehmen. "Hier!" sagt sie und drückt ihr den Löffel einfach in die Hand. "oder soll ich dich füttern?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Shanarahad am 26. Apr. 2004, 10:29 Uhr
Shanarahad nimmt ihr Essen mit einem vorfreudigen Lächeln entgegen und nickt Halla dankend zu, bevor sie anfängt zu essen. Nicht wirklich ziemend schaut es aus wie sie das Essen in ihren Mund schiebt, kaut und mit Bier nachspült. Zu hungrig ist sie als dass sie sich über irgendwelche Manieren GEdanken machen würde.

Schließlich hat sie den Teller ratzeputze in Rekordzeit leer gemacht und wischt sich mit einem Zipfel ihres Umhangs über den Mund.

Mit geschickten, raschen Bewegungen leert sie wieder ihre Pfeiffe und stopft sie neu. Während sie sie an einer Kerze entflammt und einige Züge pafft mustert sie Dschelada und nickt ihr zu.
" Setzt euch doch zu mir , wenn ihr wollt. Ich bin eben erst angekommen und weiss nichts über diese Stadt, vielleicht wollt ihr mir ein wenig erzählen?"

Sie ist immernoch nass, auch wenn ihr schwarzes, schulterlanges Haar langsam trocknet.
Das scharfkantige Gesicht der jungen Frau wirkt nun zufrieden, wenn auch sehr blass.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 26. Apr. 2004, 22:50 Uhr
>Und wie wollt ir das anstellen Herr Zwerg? Ich meine... Was wollt ihr denn tun?< Von der kindlichen Begeisterung über Rechnereien und Zahlen in Azras Gesicht bleibt im Nachhall dieser Frage nicht viel übrig. Wie ein welkendes Blümchen läßt sie den Kopf hängen und Borgil läßt sich neben sie auf das ächzende Bett fallen. "Ach, das laß mal meine Sorge sein," brummt er. "Doch, du bist zu dünn. Hör auf die Heilerin, du solltest wenigstens etwas Brühe versuchen. Hat dir schon mal jemand gesagt, daß Gerippe nicht besonders anziehend sind?" Ein leises Funkeln geht durch Borgils schwarze Augen, aber dann wird er übergangslos wieder ernster. "Na, sieh mal, Talyra hier, unsere Stadt war schon immer ein Schmelztiegel für die verschiedensten Wesen und Rassen Rohas. Keiner weiß, warum eigentlich, aber es war schon immer so. In dieser Stadt triffst du jedes bekannte Wesen der Immerlande, vom Aurochmagr bis zum Zentauren. Doch wirklich, war alles schon da. Einmal, vor ein paar Jahren, hat sogar eine leibhaftige Dämonin hier gelebt. Andariel Aeyolscaer, ein Prachtwei..mädel, auch wenn die Flügel ein wenig seltsam waren," er zuckt mit den Schultern. "Natürlich wurde sie auch gefürchtet, aber die meisten hatten sich nach einer Zeit an sie gewöhnt und irgendwann... naja, irgendwann hat sie zu dieser Stadt gehört wie alle anderen auch. Dann war da die Seharim, Tian Shi, ein wundervolles Wesen, ganz anders, aber nicht minder ungewöhnlich. Hier in den Wäldern lebt ein Werwolf, und wenn man mich fragt, ein ziemlich durchgeknallter, aber Niniane wird schon wissen, was sie tut, wenn sie ihm erlaubt, im Larisgrün zu bleiben und ich habe von einem Wargjungen gehört, der in der Steinfaust als Späher Dienst tut. Einen waschechten Vampir soll Olyvar neuerdings auch in Eid und Pflicht genommen haben, ist zwar ein Sithechjünger, aber trotzdem ein Vampir. Und wenn Dämonen, Warge, Werwölfe und Vampire, letzten Jahrestanz sogar ein Vathyrn, was immer das genau sein mag, hier in Talyra Fuß fassen können, dann sollte es ein kleiner Blutelbenmischling erst recht. Ich sage nicht, daß es ein Spaziergang wird, aber machbar ist es auf jeden Fall."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kitty am 27. Apr. 2004, 20:58 Uhr
Interessiert lauscht Kitty den Worten Borgils.
Ich bin ja schon vielen Menschen und Kreaturen hier in der Stadt begegnet, aber das es hier auch einen Werwolf und sogar einen echten Vampir gibt und einen Dämon... da sollte eine Blutelbin doch wirklich auch kein Problem dastellen...
"Ja Azra, du hörst was Borgil dir sagt, iss ein wenig Suppe."
Vorsichtig reicht sie der Blutelbin den Löffel, damit sie allein Essen kann.
"Und was dein Leben hier in Talyra angeht bin auch ich zuversichtlich, wo hier doch so viele verschiedene Gestalten wohnen. Du weißt ja was ich dir versprochen habe, dass du bei mir wohnen darfst, wenn du das gerne möchtest. Wir werden dir schon helfen hier Fuß zu fassen, Azra. Borgil und mir kannst du vertrauen und auch Halla ist dir wohl gesonnen."
Vorsichtig lächelt Kitty das Elbenmädchen an.
Ich hoffe das wird auch alles so verlaufen wie wir es uns vorstellen...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 27. Apr. 2004, 21:42 Uhr
Als Borgil sich hinsetzt rutscht sie schnell zur Seite um ihm ein wenig Platz zu machen, klammert sich jedoch weiter an seiner Hand fest. Sie weiss das es ihr nicht zugute kommt, wenn sie nichts isst, doch noch immer steigt in ihr eine leichte Uebelkeit auf und ohne zu antworten, lässt sie den Löffel auf die Decke sinken und hört stattdessen überaus aufmerksam den Erzählungen des Zwergen zu. Vampir? Ein Wargjunge? Eine DäMONIN? Langsam fragt sich Azra wieso die Leute sich überhaupt vor ihr fürchteten? Die hatten doch genug andere Wesen vor denen sie Angst haben konnten. Nachdenkich starrt sie auf den roten Bart des Zwergen bis sie schliesslich beinahe alle Einzelheiten dieses Wuchses hätte aufzählen können, doch noch immer sagt sie kein Wort. Ihre Gedanken drehten sich einzig und alleine darum ob sie an seine Worte glauben soll oder nicht. Schliesslich wird sie von Kitty aus den Gedanken gerissen und leicht verwirrt blickt Azra sie an: "Was?" Schnell wird ihr gewahr, das sie kein Wort verstanden hat und erst als die Heilerin weiterspricht, kann Azra ihren Worten folgen. Ihr Kopf sinkt immer mehr in richtung ihrer Brust, bis man schliesslich nur noch unter einigem Mühen ihre augen unter dem nach vorne gefallenen Haar entdecken kann: "Ja, ihr seid mir alle wohl gesonnen... aber.. bitte entschduldige... ich kann nicht einfach vergessen... was.. was alles geschehen ist." All die Drohungen, verletzenden Worte, Fäuste und Beleidigungen welche ihr an den Kopf geworfen worden waren, all das konnte sie nicht einfach so vergessen. Und die Geschehnisse in Brioca erst recht nicht. Sie wollte nicht weinen, wollte nicht mehr daran denken und schnell packte dsie Borgil's ganzen Arm und drückte ihr Gesichtchen an seine breite Schulter. Nicht mehr daran denken, nie mehr... Aber Vergessen war eine Kunst, welche nur selten Jemand beherrschte.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 28. Apr. 2004, 20:01 Uhr
Als Azra so lange und nachdenklich auf seinen Bart starrt, fragt er sich, ob vielleicht einer der breiten Goldringe darin verrutscht ist. Bei seinen und Kittys Worten jedoch, sinkt Klein-Azra immer mehr in sich zusammen, bis sie sich schließlich an seinen Arm klammert wie an einen Rettungsanker. "Nananana..."Borgil kann nichts weiter tun, als der ziemlich verschreckten Azra beruhigend die Schulter zu tätscheln. "Du sollst auch nicht vergessen. Irgendwann wirst du es vielleicht nicht mehr so schwer nehmen. Die Leute meinten nicht dich, Azra, sondern das, was sie sehen: die Blutelbin. Ich würde ja gern sagen, sie sind besser als ihr Ruf, aber das sind sie nun mal nicht. Du mußt damit leben, Kleines. Und wenn du hier leben willst, dann muß dir klar sein, daß es anfangs vielleicht eine harte Zeit wird. Die Leute werden dir mit Mißtrauen begegnen, wahrscheinlich auch mit offener Ablehnung. Gewalt hast du nicht zu befürchten, wenn ich einige Leute über dich in Kenntnis setze, aber leicht wird es nicht werden. Aber nach einer Zeit werden sie sich beruhigen, du wirst sehen...."
Borgil wird von einem schmutzigen Botenjungen unterbrochen, der nur kurz anklopft, ins Zimmer huscht, dem Zwergen lange und ausführlich etwas ins Ohr flüstert und dann so schnell und lautlos wieder verschwindet, wie er hereingekommen war. Borgils buschige Brauen sträuben sich wie angriffslustige, fette Raupen bei dem, was er da zu hören bekommt, ansonsten bleibt sein Gesicht unbewegt. "Kitty, Azra... ich muß etwas erledigen." Er windet seinen Arm sanft, aber nachdrücklich aus den Händen der Blutelbin und verspricht, später noch einmal nach ihr zu sehen. "Und iß etwas!" Meint er nachdrücklich, dann ist er auch schon aufgestanden und zur Tür hinaus.

Unten in der Harfe eilt er in seine eigenen Gemächer, holt eine Phiole mit einer glasklaren Flüssigkeit hervor und kritzelt damit hastig verschiedene Nachrichten auf kleine Pergamente, die im Sonnenlicht merkwürdig grüngelb schimmern. Anschließend ruft er ein halbes Dutzend Botenjungen zu sich, steckt ihnen die Nachrichten zu und schickt sie in alle Himmelsrichtungen davon, die Stirn nachdenklich umwölkt.  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kitty am 28. Apr. 2004, 20:41 Uhr
Eindringlich hallen die Worte des Zwerges durch die kleine Kammer, auch Kitty lauscht ihm aufmerksam.
Gut das Borgil hier fast alles und jeden kennt. Azra wird es schon schaffen, davon bin ich überzeugt.
Als ein schmutziger kleiner Botenjunge den Raum betritt und Borgil etwas ins Ohr flüstert, bemerkt Kitty einen traurigen Blick auf Azras Gesicht. Als der Zwerg sich dann auch noch sofort von ihnen verabschiedet um etwas zu erledigen scheint Azra den Tränen schon wieder sehr nah.
Liebevoll nimmt Kitty sie in den Arm um sie zu trösten.
"Borgil hat auch noch seine Arbeit zu verrichten, Azra. Er wird ja wiederkommen. Du hast ihm doch gerade aufmerksam zugehört, wir werden es schon schaffen das du hier in Talyra in Frieden leben kannst. Borgil kannst du das glauen, er kennt jeden Stein hier in der Stadt und wird schon dafür sorgen das dir niemand auch nur ein Haar krümmt."
Sie lächelt Azra zu und streicht ihr liebevoll über das weißblonde Haar.
"Nun komm, jetzt musst du wirklich ein wenig Suppe essen. Dann wirst du schnell gesund, und das wollen wir doch alle Azra."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 28. Apr. 2004, 22:00 Uhr
Die durchnässte Frau reagiert überhaupt nicht auf Hallas Frage und das Angebot eines Bades, sondern beginnt sofort mit grossem Heisshunger ihre Speise zu essen, Halla wartet noch einen kurzen Moment, doch da die Frau nicht reagiert, dreht Halla sich schulterzuckend um und verlässt den Tisch.Wer nicht will, der hat wohl schon, soll sie sich nur nicht nachher beschweren, wenn sie sich wirklich erkältet. Halla geht zurück zur ihrem Platz hinter der Theke und bearbeitet einige Bestellungen, als sie kurz darauf wieder zu der Frau blickt, sieht sie wie diese sich eine Pfeife stopft und dann mit einer anderen Frau spricht. Eine Frau die Pfeife raucht, das hab ich auch noch nicht gesehen und mit anderen unterhält sie sich, aber eine Schankmagd ist wohl nicht gut genug für sie.

Halla kommt aber gar nicht dazu länger darüber nachzudenken, denn Borgil kommt die Treppen hinunter und an seinem Gang und seinem Gesicht kann sie deutlich erkennen, dass irgendetwas geschehen sein muss, was wichtig ist. Borgil verschwindet in seinen Gemächern und kurz darauf sieht Halla mehrere Botenjungen eilig die Harfe verlassen. Wie immer platzt sie fast vor Neugier, was da wohl geschehen sein mag. Es scheint auf jeden Fall etwas sehr wichtiges und dringliches zu sein. Vielleicht wäre später Zeit um mit Borgil darüber zu reden, obwohl sie sich keines Falls sicher ist, das Borgil es ihr erzählen wird. Borgil entgeht kaum etwas, was in dieser Stadt geschieht und auch nur sehr wenig, was 'unter' der Stadt geschieht. Überall hat er seine Informanten sitzen und Halla fragt sich manchmal, wie er dies erreicht hat. Doch noch längst nicht alles, was Borgil erfährt, ist für alle Ohren bestimmt und auch sie erfährt noch lange nicht alles, was in Talyra geschieht, obwohl auch sie selber oft mehr weiss als andere.

Aber auch dieser Gedankengang wird von Grid unterbrochen, die eine ellenlange Bestellung abgibt, die der Tisch Händler bestellt hat, und so macht sich Halla daran und zapft Bier, giesst Met und Wein in Hörner und Gläser und füllt Grids Tablett, bis kein einziges Glas mehr Platz auf diesem hat.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Mistress Neun am 29. Apr. 2004, 06:25 Uhr
Einen Moment schaut sie Uuma noch nach, die sofort in die erklärte Richtung ihres Hauses verschwindet. Dann wendet sie sich um und geht schnellen Schrittes zur Harfe hinüber. Schließlich möchte sie die kleine Frau nicht allzulange warten lassen.

Als sie nach einigen Minuten endlich das Gasthaus betritt, ist es mal wieder bis zum letzten Platz belegt. Aber das interessiert sie im Moment nicht wirklich. Kurz hinter der Tür bleibt sie stehen und schaut sich suchend um. Borgil kann sie unter all den Leuten nicht ausmachen, nur Halla hinter der Theke entdeckt sie. Zielstrebig geht sie auf die Mogbardame zu und lehnt sich vor ihr leicht über die Theke um nicht so laut reden zu müssen.
"Seit gegrüßt. Sagt, ist Meister Borgil zu sprechen?"
Hoffentlich ist er da und hat auch einen Moment Zeit für mich.
Erwartungsvoll schaut sie Halla an, die gerade damit beschäftigt ist, ein Tablett mit so viel wie möglich Gläsern und Hörnern zu bestücken. Hinter ihr ertönt lautes Gelächter von einem der Tische und erstaunt dreht sie sich um. An dem Tisch scheinen einige Männer ausgiebig zu feiern. Es entlockt ihr ein Lächeln, das den Leute in der Stadt wieder zu feiern zu mute ist. Aber nur kurz abgelenkt von ihren Anliegen, wendet sie sich wieder der kleinen Frau hinter der Theke zu.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 29. Apr. 2004, 21:10 Uhr
Borgil tritt gerade hinter den Tresen, als Mistress sich an Halla wendet und so hört er ihre letzten Worte.  >Seid gegrüßt. Sagt, ist Meister Borgil zu sprechen?<
"Er ist," erwidert er prompt und tritt vor, sich die weiße Schürze fest um den stämmigen Leib bindend. Er umrundet das Thekenende und hakt dabei den breiten Ledergürtel zu, an dem wie immer alle möglichen Schlüssel und eine tiefe Geldkatze baumeln und in dem das Handbeil steckt. "Ihr seid doch nicht etwa schon fertig mit den bestellten Ziffern? Wenn doch, dann ging das aber schnell." Ein kurzes Lächeln huscht unter seinem gewaltigen Schnurrbart über seinen harten Zwergenmund, aber die nachdenkliche Sorge vertreibt es nicht aus seinen Augen. Dann schüttelt er den Kopf, als wolle er ungewollte Gedanken vertreiben - was ihm seine kleinen Vögelchen heute geflüstert hatten, waren wirklich nicht gerade das, was man gute Nachrichten nennt - und sieht die Goldschmiedin an. Er kann sich nicht helfen, aber es will ihm einfach nicht gelingen, sich die junge Frau mit schwerem Lederschurz, Handschuh, Zange und Hammer vor einer glühenden Esse und am Amboß vorzustellen.  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Yori am 29. Apr. 2004, 21:42 Uhr
Mit gestrafften Schultern und einem Lächeln im Gesicht greift Yori nach dem Türgriff und betritt die Taverne.
Kaum das beide Füße im Schankraum stehen, merkt Yori, dass die Kiepe auf ihrem Rücken hinderlich sein könnte. Wie immer herrscht dichtes Gedränge. Suchend sieht sich Yori um und beschließt sich gleich neben der Tür an einen Tisch zu setzen, da dort gerade eine Person aufsteht und somit die Chance auf einen Platz recht günstig ist. So würde sie zudem niemanden mit der Kiepe bedrängen und würde es sich auch ersparen überall aufpassen zu müssen. Sie nickt dem alten Mann, der sich dort bereits seinem Essen widmet freundlich zu und stellt die Weidenkiepe dann neben dem Tisch ab und schiebt sie anschließend noch ein Stück darunter. Hoffentlich stört sie dort niemanden. Ein freudiges Kribbeln breitet sich in Yoris Inneren aus und lässt die junge Frau ein wenig auf dem Stuhl herumzappeln, was der Mann mit einem zweifelnden Blick quittiert.
Yori macht ein lautloses "Oh." und sitzt während sie auf eine Bedienung wartet unnatürlich still. Nur ihr Kopf folgt dem Geschehen in der Taverne und einige Gesprächsfetzen dringen an ihr Ohr. Bekannt Personen sieht sie keine, dafür erkennt sie aber Halla an der Theke und schenkt der kleinen Mogbardame ein kurzes Lächeln, als Yori glaubt, dass sie in ihre Richtung guckt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 29. Apr. 2004, 22:10 Uhr
Halla will Mistress Neun gerade antworten und hat den Mund schon geöffnet, als die ihr nur zu gut bekannte Stimme von Borgil hinter ihr ertönt und ihr die Worte aus dem Mund nimmt. Sie klappt ihren Mund wieder zu und grinst breit zu Mistress. Borgil tritt weiter nach vorne und obwohl er sich bemüht, die Sorge, die ihm ins Gesicht geschrieben steht zu verbergen, gelingt es ihm nicht ganz. Jemand der Borgil nicht genau kennt, würde es vielleicht nicht einmal bemerken, doch Halla kennt Borgil viel zu lange und es muss schon etwas schlimmeres sein, wenn er so ein Gesicht macht. Borgil wendet sich nun ganz Mistress zu, nachdem er seine Schürze umgebunden hat und Halla räumt ein Tablett leerer Gläser ab, die ein Schankmädchen gerade gebracht hat.  Ein frischer Luftzug weht durch die Harfe, als sich die Tür öffnet und Yori eintritt, die, soweit Halla weiss, bei Meister Lembrand arbeitet. Sie hat eine recht unhandliche Kiepe dabei, und ergattert sich einen Platz an einem der vorderen Tische. Da alle Schankmädchen gerade beschäftigt sind und Halla ausser dem Spülen der leeren Gläser gerade nichts zu tun hat, bleibt ihr Blick einen Moment auf der jungen Frau haften. Auch Yori blickt in ihre Richtung und lächelt kurz.

Halla sieht sich schnell in der Schankstube um, es ist zwar voll, doch die Mädchen arbeiten fleissig und so hätte Halla einen Moment Zeit um sich selber um Yori zu kümmern. Als Grid mit dem leeren Tablett zurückkehrt, sagt Halla ihr, sie solle hinter der Theke bleiben und ausschenken. Grid nickt kurz und Halla drängt sich dann durch die Menge, was ihr recht leicht fällt, da man ihr meist bereitwillig Platz macht. Als sie vor Yori steht lächelt sie und wirft dann einen Blick auf die Kiepe, die nun unter dem Tisch steht." Seid gegrüsst Yori, wie geht es Meister Lembrandt? Aber bevor ihr antwortet, mit was kann ich euch dienen, etwas zu trinken oder ein kleiner Happen zu Essen?" Yori wirkt ein wenig aufgekratzt, aber Halla fragt erst einmal nicht danach, sie würde es schon erzählen, wenn sie wollte, so lächelt Halla nur ein wenig spitzbübisch und wartet auf Yoris Antwort.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Dschelada am 30. Apr. 2004, 05:05 Uhr
Dschelada zuckt ein wenig zusammen, als die fremde Frau sie anspricht, denn hier in der doch etwas anonymen Gaststube haette sie es am wenigsten erwartet, dass sie jemand anspricht. Noch  dazu weil sie eine unscheinbare Person ist verwundert sie es umso mehr.
Dschelada schaut in das Gesicht der Frau, doch ihre Zuege werden durch eine schwarze Kapuze verdeckt und nur durch den Klang der Stimme der Fremden kann Dschelada ausmachen, dass diese eine Frau ist.
Eingeschuechtert geht sie auf die Frage der Frau ein:"Ja gerne setze ich mich zu euch." Doch auch die Fremde merkt, dass die verschreckte junge Frau eher widerwillig zu der vermummten Gestalt an den Tisch sitzt

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Mistress Neun am 30. Apr. 2004, 09:27 Uhr
Gerade will Halla ihr antworten, als auch schon Borgil neben ihr erscheint. Er nimmt es ihr ab und wendet sich direkt an sie. Obwohl ihm ein kurzes Lächeln über sein Gesicht huscht, meint sie etwas Sorge in seinen Augen zu sehen. Sorge, hoffentlich war nicht wieder etwas in der Stadt oder der Umgebung geschehen. Denn wenn einer darüber Bescheid weis, dann sicher Meister Borgil. Aber das ist eine andere Geschichte. Kurz lächelt sie auf seine Frage, ob sie denn schon fertig sei.

"Für einen Kunden wie euch bin ich immer besonders schnell." meint sie mit einem Zwinkern und beginnt, das Paket vor dem Wirt auf der Theke zu entfalten. Das Muster, das er ihr gegeben hat, hat sie auch dabei und zieht es aus ihrem Gürtel. Sie legt es extra etwas abseits, damit nichts durcheinander kommt. Dann tritt sie eine Schritt zurück und lässt Borgil einen Blick auf die Ziffern werfen.
"Bitte sehr. Ich hoffe es entspricht euren Vorstellungen."
Den kritischen Blick, den der Zwerg ihr mal wieder zugeworfen hat, ignoriert sie gekonnt. Viel zu oft hat sie so einen Blick schon gesehen, als das sie sich noch groß drüber aufregt. Vielleicht sollte ich ihn mal in meine Werkstatt einladen. Dann sieht er wie eine Frau arbeiten kann. Sie versucht sich das Schmunzeln bei dem Gedanken zu verkneifen, aber so recht will es ihr wohl nicht gelingen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 30. Apr. 2004, 21:10 Uhr
>Bitte sehr. Ich hoffe es entspricht euren Vorstellungen.<
Mistress breitet ihre Werkstücke sorgfältig vor ihm aus, rückt sie ins rechte Licht und tritt dann beiseite, um ihn einen ersten Blick darauf werfen zu lassen. Was er sieht, überrascht ihn nicht wirklich, schließlich weiß er, daß sie eine ausgebildete Goldschmiedin ist, aber die Qualität der Arbeit und ihre sorgfältige Ausführung läßt ihn dennoch leise und anerkennend durch die Zähne pfeifen. Schließlich ist er ein Zwerg. Mag er auch Krieger gewesen sein und jetzt Wirt, Geschäftsmann und noch so einiges andere... eine gute Schmiedearbeit erkennt jeder Zwerg auf zehn Schritt. Und diese hier ist erstklassig. "Donnerhimmel," raunt er verschwörerisch. "Das ist mal ein schönes Stück Feinschmiedekunst." Er fasst Mistress scharf ins Auge. "Seid Ihr sicher, daß Ihr kein Zwergenblut in Euch habt? Sehr groß seid Ihr nicht... nein?" Er sieht ihr belustiges Kopfschütteln und zuckt mit den Schultern. "Keine Frage, daß ich Euch das abnehme." Er nestelt an seinem Gürtel die Geldkatze los und zahlt Mistress den vereinbarten Preis an Silberlingen aus, ehe er die Ziffern wieder sorgsam einschlägt und sie dann einer Schankmagd anvertraut, die er damit in seine Gemächer schickt. "Dann werden meine neuen Räume ja doch noch pünktlich zu den Inarifeiern fertig. Die Harfe ist jetzt schon vollkommen ausgebucht für den nächsten Mond." Er streicht sich seufzend über den Bart und fährt sich über den narbigen Schädel. "Wo war ich? Ach ja!" Seine zahlreichen Gedankengänge geraten schon wieder in kosmische Auflösung. "Meine Empfehlung, Silasorcha, es sei denn, ich kann noch etwas für Euch tun?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 01. Mai 2004, 16:50 Uhr
Als der Botenjunge plötzlich ins Zimmer tritt und zu Borgil schleicht, ahnt Azra bereits das er gehen muss. Ein verdriesslicher Ausdruck macht sich auf ihrem Gesicht breit und noch fester klammert sie sich an ihn, doch es bringt überhaupt nichts. Einen Moment später hat er seinen Arm schon ihrem Griff entwunden und verlässt eiligs das Zimmer mit einer fadenscheinigen Erklärung. Beinahe kommen Azra die Tränen, doch sogleich nimmt die Heilerin sie sanft in den Arm und Azra vergräbt ihr Gesicht in ihren Armen. Leise hört man wie sie nuschelt: "Ja, ich weiss... Er hat immer viel zu tun.... schade, ich mag ihn... " Sachte kuschelt sie sich an die Heilerin, wie ein kleines Kind, doch sie fühlt sich so wohl. "Ich hab aber keinen Hunger," meint sie mit bestimmter Stimme und zieht eine Schnute: "Ich will nicht essen." Wie zum Beweis, vergräbt sie sich so tief in den Armen der Heilerin, das ihr Mund nicht mehr zu erreichen ist und nur noch leises hört man ihre Worte: "Könnt ihr mir noch mehr vom Rek... Ruc.. Echnen erzählen?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kitty am 01. Mai 2004, 20:38 Uhr
Azra kuschlelt sich liebevoll und ängstlich zu gleich an Kitty. "Ach Azra, ich mag Borgil auch, aber das tun nun mal viele und Borgil kann sich nicht nur um dich kümmern jetzt. Die Harfe scheint komplett vermietet zu sein, schließlich ist bald Inarifest habe ich gehört, und auch unten im Schankraum ist wahrhaft die Hölle los. Und du gib mir jetzt nicht schon wieder Wiederworte!" sagt Kitty belustigt. "du musst etwas Essen ansonsten erzähle ich dir nichts mehr übers Rechnen! Es ist doch garnicht so viel, nur etwas Suppe, bitte Azra."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Thram am 01. Mai 2004, 21:31 Uhr
Eine ganze Weile sitzt Thram nun schon allein an seinem Tisch. Mittlerweile wirkt er schon recht angetrunken und beginnt, vor sich hin zu reden, teilt den Leuten um sich herum Dinge mit, die sie gar nicht interessieren, spricht von Kalin und von den Erlebnissen mit ihm und seine Zunge wird langsam immer schwerer und er beginnt zu lallen. Er bekommt gar nicht mit, wie daneben er sich benimmt. Seine Gedanken sind weit fort und kehren immer nur wieder zurück, um sich erneut ein Glas Wein oder einen Krug Met zu bestellen. Diejenigen, die in seiner Nähe sitzen, versuchen ihn zu ignorieren, was ihnen zur Zeit scheinbar auch noch gut gelingt, denn sobald Thram bemerkt, dass sie sich von ihnen weg drehen, wird er wieder etwas ruhiger.

"Kalin, mein alter Freund, ach Kalin. Wie schön war das damals, als wir hier noch zusammen saßen und den Feierabend genossen.", murmelt er vor sich hin. "Du warst immer zu Scherzen aufgelegt. Wir waren wie kleine Jungen." Thram beginnt zu Schluchzen, aber nur für einen Moment, dann fängt er sich wieder und beginnt leise ein Lied zu summen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Linea am 02. Mai 2004, 19:25 Uhr
Linea kommt erschöpft wieder in die Harfe. Wie jedes Mal tritt ihr ein stickiger Geruch von Rauch, Alkohol und Essen in die Nase. Ohne einen wirklich Gruß huscht sie die knarrenden Treppen hinauf und vreschwindet in ihr Zimmer. Sie will am nächsten Tag munter und ausgeschlafen sein, wenn sie mit ihrer Arbeit beginnt.
Lang kann sie an diesem Abend nicht einschlafen, weil sie schon so aufgeregt ist, doch irgendwann gewinnt das Land der Träume die Überhand.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Yori am 02. Mai 2004, 20:29 Uhr
Das Essen das Yori nach ihrer Bestellung von einem Mogbar serviert bekommt, dampft eifrig und verströmt einen köstlichen Geruch. Yori hört ihren Magen leise knurren, doch geht dieses Geräusch im Tumult der Harfe unter. Ein wenig zu schnell schlingt Yori das Essen herunter und spült immer wieder mit verdünntem Wein nach. Der Mann an ihrer Seite sieht sie mehr als einmal fragend an, muss aber über die Art des jungen Mädchens lachen, was diese erschrocken aufblicken lässt.
"Nichts für ungut, mein Kind." Kopfschüttelnd sieht der Mann wieder weg. Yori sieht ihn noch einen Moment irritiert an, aber genießt dann die letzten Bissen ihres Mittagmahles. Als auch der letzte Krümel vom Teller verschwunden ist, schiebt Yori den Teller ein Stück von sich weg und ein kleiner Rülpser entschlüpft ihr. "Huch." Verlegen sieht sich Yori um, doch scheint niemand etwas mitbekommen zu haben. "Puh..." erleichtert nimmt Yori davon Notiz und winkt dann eine Bedienung zu sich, als diese gerade in ihrer Nähe um einige Tische herumläuft.
Die Bedienung erhält die Münzen für das Essen und zieht dann mitsamt dem dreckigen Geschirr von Yori und ihrem Tischnachbarn von dannen.

Nur einen kleinen Moment noch genießt Yori die Atmosphäre der Harfe und zerrt dann ihre Kiepe unter dem Tisch hervor. Wegen des Gedränges dürfte es schwer fallen, die Kiepe sich in der Taverne auf den Rücken zu schnallen, so dass Yori erst nach draußen geht, wo sie den Weidenbehälter auf einen niedrigen Zaun abstellt und dann die Arme durch die Riemen schlingt. Während sie das tut suchen ihre Augen bereits den Markt nach Holzverkäufern ab, doch scheint von hier aus jeder Stand dem nächsten gleich zu sein.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 03. Mai 2004, 20:45 Uhr
Trotzig steckt sie ihren Kopf nur noch tiefer in Kitty's Arme und nuschelt leise: "Ich mag nicht, ich habe keinen Hunger, warum muss ich denn essen?" Mit leicht vorwufsvollem Blick richtete sie sich wieder auf und sieht der Heilerin mit ihren weissen Augen in die Ihren. Plötzlich jedoch zuckt sie zusammen und ein neuer Husten schüttelt sie. Es vergeht eine Weile bis sie es schliesslich wieder schafft ihrem Atem zu beruhigen, bleibt jedoch gekrümmt auf dem Bett liegen und starrt teilnahmslos zur Türe, ohne darauf zu hoffen, das der Herr Zwerg sogleich wieder auftaucht: "Was glaubt ihr ist los, das er so dringend weg musste? Er schien verärgert oder irgendwie nervös. Hab ich mir das nur eingebildet?" Ohne Vorwarnung setzt sie sich auf und schwingt die Beine über die Kante: "Ob ich ihn fragen gehen soll?". währendem sie spricht, richtet sie ihren Blick in Richtung Kitty und sieht sie erwartungsvoll an. Ein neuer Husten bemächtigt sich ihrer und verhindert für einen Moment, das sie der Heilerin zuhören kann.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Mistress Neun am 04. Mai 2004, 07:55 Uhr
Zufrieden nimmt sie sein Pfeifen hin. Hat sie es mal wieder geschafft, den Zwerg zum staunen zu bringen. Ein glückliches und auch etwas stolzes Lächeln huscht ihr über das Gesicht.
Das freut mich aber, wieder ein zufriedener Kunde mehr.

Und wie man den Wirt der Harfe kennt, begleicht er auch gleich seine Rechnung. Schnell ist die vereinbarte Summe abgezählt und wandert nun in ihren Münzbeutel. Die Ziffern hingegen verschwinden wieder in dem Leder und dann in den Händen einer Schankmagd, die auch gleich damit verschwindet. Es scheint ihr, als hätte es Borgil sehr eilig heute. Auch das er sich gleich bei ihr verabschiedet, spricht dafür, das er wohl viel zu tun hat zur Zeit.
"Nein, mein Anliegen ist erfüllt." Leicht verbeugt sie sich vor dem Zwerg. "Es hat mich gefreut ..." Doch kaum hat sie bereits den ersten Satz gesagt, verschwindet Borgil mit einem etwas abwesenden Kopfnicken und lässt sie an der Theke stehen. Im ersten Moment ist sie schon etwas verwundert, aber übel nimmt sie es ihm sicher nicht. Wie er schon sagte, ist bereits jetzt schon wegen dem Inarifest ziemlich viel los in der Stadt und sie will nicht wissen, was Meister Borgil alles um die Ohren hat.

Einen Augenblick lässt sie ihren Blick noch einmal durch den Schankraum schweifen, ehe sie ihren Lederbeutel mit den Münzen darin kontrolliert und sich in Richtung Tür macht.
Uuma wird sicher schon warten. Und so verlässt sie die Harfe und macht sich zum Fluss auf.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Thay-Lee am 05. Mai 2004, 11:18 Uhr
Schwungvoll stösst Thay-Lee die Eingangstür der Harfe auf. Wie erwartet, begrüssen sie verrauchte Luft, Essensdüfte und lautes Stimmengewirr.
Kurz spielt Lee noch mit dem Gedanken, noch etwas zu trinken, bevor sie sich nach oben in ihre kleine Kammer begibt aber das verwift sie dann schnell, nach der Abendluft draussen ist es hier drin nicht sehr erfrischend.
In Thekennähe sieht sie Borgil und Halla stehen. Sie kneift kurz die Augen zusammen, während sie überlegt, ob sie sich zurückmelden soll, entscheidet sich aber auch dagegen und steuert auf die Treppe zu.
Für die kommende Nacht wird Borgil nichts mehr brauchen und morgen früh wird Lee eh wieder zur Stelle sein.

Also hastet sie die Stufen hinauf, ohne rechts und links zu gucken, nur noch mit dem Gedanken an eine gemütliche Schlafstätte.
Oben im Zimmer angekommen, verkriecht sie sich dann auch sogleich ins Bett und lässt ihre Gedanken schweifen. Die verweilen eine Zeitlang bei Garrett. Sehr nett, sehr gutaussehend, sehr hilfsbereit. Warum er ihr allerdings heute so zur Seite gestanden hat, fragt sie sich immer noch.
Dann kann sich Lee sogar noch kurz freuen, hier einen warmen und sicheren Unterschlupf gefunden zu haben, sich noch viel kürzer über die Zufunft sorgen, bevor sie einschläft.


Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Deliah am 05. Mai 2004, 13:01 Uhr
Deliah ist nicht so sehr von Ukkos Vorschlag begeistert in der Goldenen Harfe nach essen zu bitten. Sie kann sich nicht vorstellen, dass irgendjemand dort so nett ist, einem verlotterten Straßenmädchen und einem tollpatschigen Gnom mit einer Mahlzeit zu versorgen. Schon gar nicht der Herr Zwerg, den Deliah als habgierig, egoistisch, knauserisch, großkotzig ... einstuft. Sie könnte diese Auflistung ewig fortsetzen.
Das Mädchen begegnet grundsätzlich jedem Menschen, sei es ein Zwerg oder sonst was für ein abnormales Wesen, mit Argwohn, wenn sie ihn nicht kennt. Außerdem hegt sie das Vorurteil, dass jeder für eine milde Gabe zu Stolz ist und es für unter seiner Würde empfindet jemanden Hungernden oder Leidenden etwas Gutes zu tun.
Aber da ihr Hunger sie mittlerweile seit gestern Nachmittag quält, lässt sie sich, wenn auch widerwillig, vom Gnom mit ziehen. Ein Versuch kann schließlich nicht schaden und in Betteln hat Deliah immerhin gute Erfahrungen, sollten sie nicht auf Anhieb etwas bekommen.  Die Beiden schlagen wohlwissentlich ein Umweg ein, um nicht von Vorne an die Harfe zu gelangen, wo sie unweigerlich von allen Marktbesuchern gesehen werden können. Ukko führt das Mädchen zielsicher durch die Straßen und sabbert genießerisch vor sich hin, in der Vorfreude auf eine reichhaltige Mahlzeit.
Noch immer skeptisch fragt sie den Gnom: "Bist du dir sicher, das wir dort etwas bekommen? Gerade die Goldene Harfe finde ich absolut ungeeignet um dort betteln zu gehen. Die werden dort alle zu Arrogant sein, um uns etwas zu geben."  Dann kommt ihr ein Gedanke. "Außer wir mischen uns unauffällig unter die Gäste und plündern ihre Taschen. Dann hätten wir genug Geld um uns richtig satt essen zu können." Natürlich würde Deliah dort durch ihr heruntergekommenes Aussehen sofort auffallen, aber daran will sie momentan nicht denken, zu sehr verlockend ist die Vorstellung auf einen erfolgreichen Raubzug unter den Gästen.
Schließlich erreichen die Beiden die Harfe und Deliah überlässt Ukko den Vortritt, da sie keinen Schimmer hat, wo es zum Hintereingang geht.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ukko der Gnom am 05. Mai 2004, 13:31 Uhr
Ukko strahlt Deliah an

" Du kannst den Zwerg auch nicht leiden, nicht wahr?  Ich auch nicht und einmal ist die Lage so eskaliert, dass ich und Borgil uns in einem Schlammringkampf gemessen hatten ....ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass ich gewonnen  habe. Zuerst habe ich den schwerfälligen dicken Zwerg umrundet, dann habe ich ihm in den Hintern getreten , dass er mit dem Gesicht im Schlamm gelegen ist und dann habe ich ihn immer wieder in die Pfütze getaucht, bis er nur noch jammern konnte " Ukko  , lieber Ukko ..grosser unbezwingbarer Ukko ..lass mich frei, lass mich leben, ich geb dir alles was du willst .... "

Ukko stellt den angeblichen Kampf so plastisch wie möglich dar, indem er seine Faust schüttelt und auf und abhüpft , dass seine Ohren nur so durch die Gegend fliegen.

" Heee da Bettlerpack...schleicht euch vom Hof"!

Eine Magd durch das Geschrei und Gehüpfe von Ukko aufmerksam geworden, hatte die Arme in die Hüften gestemmt und funkelt das ungleiche Paar misstrauisch an.

" Ich bin Ukko von Tronje und ich möchte mit Halla sprechen, sag ihr das so !" zischt Ukko genauso böse zurück.

" Sollst mal sehen wie das klappt" flüstert Ukko Deliah gleichzeitig zu.


Die Magd wirkt verunsichert.  Der Name Tronje gilt etwas in der Stadt und fast jede Magd schwärmte insgeheim von dem riesigen, gut aussehenden  Cron von Tronje, dem verwegenen Nordmann und Gefährte von Niniane.
Allerdings wirkte Ukko in seiner schmutzigen Kleidung und bei nur 1 Meter Grösse nicht gerade wie ein direkter Abkömmling des Tronjergeschlechts ...aber trotzdem in jeder Familie gab es wohl das eine oder andere schwarze Schaf.

" Gut ich werde Halla holen.." meint die Magd nun  etwas freundlicher.  Sollte sich doch Halla  um diese beiden kümmern und gegebenenfalls verjagen. Wenn dieser Knirps wirklich ein Tronjer war, dann würde Halla Probleme kriegen und nicht sie, die  Magd.

"  Hab ichs nicht gesagt, mein Name öffnet Tür und Tor"

Ukko klopft Deliah beruhigend auf den Arm.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 05. Mai 2004, 16:23 Uhr
Halla hatte auf Yoris Antwort nicht warten können, denn es waren neue Gäste gekommen, die eifrig über irgend etwas diskutierten und lachten. Sie kümmert sich selbst um die Gäste und erfährt nebenbei über was sie reden. Es hatte Aufsehen gegeben auf dem Marktplatz, als ein Gnom in einem Eierstand gelandet war und Halla braucht nicht lange um zu wissen, wer dieser Gnom war. Sie hatte die Bestellung aufgenommen und war dann zur Theke gegangen. Dort hatte sie die Gläser gefüllt und Grid das volle Tablett zugeschoben, weil schon eine neue Bestellung eingetrudelt war.

Dann herrscht einen Moment Ruhe und sie nimmt sich ein Glas Wasser und stellt sich an die Theke gelehnt hin und lauscht den Gesprächen der Gäste. Plötzlich steht eine der Mägde neben ihr und erzählt ihr was von einem abgerissenen kleinen Mädchen und einen komischen grünen Etwas, das behauptet ein Tronjer zu sein und die draussen auf dem Hof stehen und nach Halla verlangen. Halla seufzt tief auf, sie weiss genau wer oder was das komische grüne Etwas ist und sie erinnert sich noch zu gut an die letzte Begegnung, die mit einer schallenden Ohrfeige für Ukko geendet hatte. Sie hat wirklich keine grosse Lust auf den Hof zu gehen, doch sie geht, da sie befürchtet ansonsten könnte Borgil den Gnom als erstes sehen und das wollte sie vermeiden.

Sie ruft Grid kurz zu sich, sagt ihr, dass sie dringend auf den Hof muss und verschindet dann in der Küche und von dortaus zum hinteren Ausgang. Wie sie vermutet hat, steht Ukko in voller Lebensgrösse und mit einem breiten Grinsen auf dem Hof und neben ihm steht ein Mädchen, dessen Alter Halla wegen dem ganzen Schmutz, der an ihr und in ihrem Gesicht klebt, nicht einschätzen kann. Sie holt noch einmal tief Luft und macht sich auf alles gefasst und geht dann mit energischem Schritt auf den Gnom zu. "Sag mal, glaubst du eigentlich ich hätte nichts besseres zu tun, als zu springen wenn ein kleiner stinkender Gnom nach mir ruft, und auch noch behauptet er wäre ein Tronjer? Und das ich überhaupt hier draussen bin, liegt nur daran, dass ich nicht will, dass Borgil irgendetwas tut, was ihm nachher vielleicht leid tut. Also sag schnell was du willst Ukko und dann verschwinde von hier. Wenn mich nicht alles täuscht, sucht sicherlich schon die ganze Stadtgarde nach dir, nachdem was du auf dme Markt wieder angerichtet hast!"

Sie hat sich richtig gehend in Wut geredet und ihre Wangen glühen in einem gefährlichen Rotton und auch in ihren Augen scheinen kleine Funken zu sprühen.  Am liebsten würde sie einen der Blaumäntel rufen, die gerade in der Harfe ein Mahl zu sich nehmen und dann wäre es um Ukko geschehen, aber sie tut es nicht, der Gnom würde sicher verschwunden sein, ehe sie mit den Blaumänteln zurück ist. So funkelt sie ihn nur an und bittet jeden der zwölf Götter darum, dass sie schnell wieder in die Harfe kann und dem fürchterlichen Gestank entkommt, den Ukko auf dem Hof verbreitet.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Deliah am 05. Mai 2004, 22:32 Uhr
Von oben herab sieht sich Deliah mit verschränkten Armen an, wie Halla Ukko beschimpft und ihn auffordert schleunigst wieder zu verschwinden. Rasch sieht sie sich unauffällig um, ob jemand auf das Geschrei aufmerksam geworden ist und Deliah und der Gnom deswegen in Schwierigkeiten kommen. Als die kleine Frau den Gnom wegen dem Dilemma auf dem Markt zurechtweist, meint Deliah sich einmischen zu müssen, da sie selber nicht ganz unschuldig an Ukkos Missgeschick gewesen ist. Schließlich hat sie den Gnom dazu aufgefordert seine Diebeskünste vor ihren Augen unter Beweis zu stellen.
Deswegen versucht sie Ukko gerechterweise zu verteidigen. Außerdem ahnt sie, das sie ihr Essen getrost vergessen können, wenn die kleine Frau -  Deliah nimmt an, dass dies Halla sein muss – weiterhin in dieser Stimmung ist. Also versucht sie beschwichtigend auf sie einzureden.
"Was da auf dem Marktplatz geschehen ist" , sagt sie ruhig, "ist doch gar nicht so schlimm. Das Ganze war sozusagen nur ein kleiner Unfall. Ich finde das ist kein Grund Ukko die ganze Schuld in die Schuhe zu schieben. Der Herr, mit dem der Gnom kämpfen musste, hat nicht gerade dazu beigetragen die Situation auf friedliche Art und Weise zu lösen." Deliah findet, das man diese Version von dem Geschehen auf dem Platz ebenso gut als Wahrheit akzeptieren kann, als das, was in Wirklichkeit geschehen ist. Schließlich gab es keine Verletzte, weswegen man vielleicht bei der Wahrheit hätte bleiben müssen.
Herausfordernd sieht sie Halla an und bereitet sich darauf vor, auf Widerspruch zu stoßen. Sie gibt dem Gnom einen kleinen, unauffälligen Schubs, um ihn aufzufordern ihre Geschichte zu bestätigen und Halla endlich auf ihre Mahlzeiten anzusprechen. Halb rechnet sie damit, das auch hier der Gnom wieder versagen wird.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kitty am 06. Mai 2004, 15:07 Uhr
Erneut klammert sich Azra an Kitty und vergräbt ihre kleinen Händchen tief in dem schweren Samtstoff von Kittys Kleid.
"Aber, aber Azra. Du musst wirklich essen! Du willst doch wieder gesund werden. So ein kleines bisschen Suppe wird dir gewiss nicht Schaden. Ich bin doch die Heilerin hier und ich kann dir versprechen Azra, die Suppe wird dir gut tun. Und denk doch nur daran wie stolz der Herr Zwerg auf dich sein wird wenn er zurückkehrt und sieht, dass du die Suppe gegessen hast."
Trotzig starrt Azra an die Decke des kleinen Raumes. Ab und zu schielt sie zur Tür, als ob diese jeden Moment wieder auffliegen würde und Borgil ins Zimmer kommen würde.
"Ich kann dir doch auch nicht sagen wo Borgil hin ist, Kleines. Ich denke er wird etwas interessantes mitgeteilt bekommen haben als dieser Junge hier drin war und desswegen musste er so schnell weg. Wenn du ihn nachher fragst, vielleicht sagt er dir dann wo er war, aber bis dahin solltest du deine Suppe gegessen haben, wir wollen doch beide nicht das Borgil böse wird, oder?
Vorsichtig hebt Kitty Azras Beine zurück auf das Bett.
"So, bleib jetzt liegen, oder besser, setz dich auf, hier hast du ein Kissen."
Mit flinken Händen schiebt sie Azra ein Kissen in den Rücken als sie sich im Bett aufsetzt.
"So, in dieser Position wird dir das schlucken der Suppe leichter fallen Azra. Iss sie bitte. Ansonsten wirst du bald große Schmerzen bekommen, wenn du etwas Essen möchtest, weißt du."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ukko der Gnom am 06. Mai 2004, 16:57 Uhr
" Kleiner Unfall, da hörst dus...... !" bejaht Ukko. Er hatte sich, nachdem Halla augenscheinlich nicht besonders erfreut über sein Auftauchen war ein bisschen hinter Deliah versteckt und lukte unter einem Fetzen ihres Kleides hervor.
Aber nachdem Deliah so Partei für ihn ergriffen hat, wird er wieder mutiger und tritt aus Deliahs Schatten heraus.

" Und überhaupt bin ich nur hier...weil ...weil...dieses arme Kind hier Hunger und Durst hat. Das arme Kind, sieh doch nur, es hat schon seit Tagen nichts mehr gegessen und getrunken. Sie ist ja so arm, ihre Eltern sind während der Nargkriege gefallen. Denk dir, sie musste zuschauen, wie die Narge ihre Großeltern verspeissten, roh und im Stück ...glaubst du nicht, du könntest dich erbarmen und ihr etwas zu essen geben ...es ihr schenken und wenn du schon dabei bist..." Ukko grinst : " ....könntest du mir auch etwas bringen, liebste Halla, ich werds dir irgendwann irgendwie vergelten!"

Ukko setzt seinen berühmten Hundeblick auf. Die gelogene Story über Deliahs verspeisste Eltern hat ihm direkt die Tränen in die Augen getrieben, aber Ukko konnte sowieso auf Knopfdruck heulen,  denn es war sein  bevorzugtes Mittel um Leute anzuschnorren oder um Prügel auszuweichen, denn wer schlug schon gern ein kleines heulendes Etwas, da machte man sich nur unnötig die Hände naß.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 06. Mai 2004, 20:05 Uhr
Erst schaut Halla das Mädchen an, dem anzusehen ist, dass es eins der Strassenkinder ist, die sich mit betteln und kleineren Diebstählen über Wasser halten, was sie von dem Vorfall auf dem Markt erzählt, lässt Halla einen Moment stutzen, als Ukko sich dann aber aus seinem sicheren Versteck hinter dem Mädchen hervortraut und laut tönt, dass es genauso gewesen ist, weiss Halla, dass es eben nicht so war. Das Mädel sieht aus, als könnte es wirklich etwas zu Essen vertragen, doch dass sie mit Ukko zusammen ist und das wohl auch noch freiwillig, lässt Halla skeptisch bleiben.

Allerdings ist ihre Stimme nicht mehr ganz so laut als sie spricht und sie blickt dem Gnom dabei in die Augen, die sie angucken, als könnte er kein Wässerchen trüben. "Soso, es war also mal wieder alles die Schuld der anderen und der arme kleine Ukko konnte gar nichts dafür. Das könnt ihr Grossvater Bukko erzählen, der glaubt euch das vielleicht, aber ich bestimmt nicht. Und da eure Aktion auf dem Marktplatz keine Früchte getragen hat, was mich nicht weiter wundert, denn wann hat Ukko jemals etwas vernünftiges zu Stande gebracht, wollt ihr nun hier euer Glück versuchen?" Halla schütelt den Kopf und sie kann nicht verhindern das sich ein breites Grinsen auf ihrem Gesicht zeigt.

"An was hattet ihr denn so gedacht? An eine Scheibe Schweinebraten, die in Sosse schwimmt, ein paar Klösse dazu und etwas frisches Frühlingsgemüse? Vielleicht auch noch eine Flasche erlesenen Wein?" Halla kann sich gard noch zusammenreissen um nicht laut los zu prusten, als sie sieht, wie Ukko das Wasser im Mund zusammen läuft. Doch sie lässt ihn nicht lange in seinen Träumen.

"Ukko schlag es dir aus dem Kopf. Ich werde sehen, ob Sigrun noch ein paar Reste von gestern hat, die wir keinem Gast mehr anbieten können, aber bevor ich das mache musst du mir etwas versprechen , ein hoch und heiliges Gnomenehrenwort, auf die Ehre von Grossvater Bukko. Wenn ihr etwas zu Essen habt, verschwindet ihr wieder von hier und zwar auf dem schnellsten Weg, du weisst was passiert, wenn Borgil dich hier erwischt und dann kannst du noch zehn Mal sagen du wärst ein Tronjer." Halla weiss immer noch nicht welcher Teufel Cron geritten hatte, als er sich Ukko an den Hals gehangen hat. Aber das war nicht ihre Sache. Sie sieht den Gnom erwartungsvoll an und wirft auch einen raschen Blick auf das Mädchen. Sie glaubt nicht, dass sie viel Scherereien machen würde, aber wenn jemand mit Ukko zusammen ist, muss man auf alles gefasst sein.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ukko der Gnom am 06. Mai 2004, 20:59 Uhr
Beim Aufzählen  der Leckereien, die Halla ihnen bringen wollte, läuft Ukko das Wasser im Mund zusammen und er kann nicht anders als Deliah ständig am Hemd zu ziehen und zu flüstern : Siehst du, siehst du ...hab ichs nicht gesagt..!"

Aber Hallas Gelächter reisst Ukko aus seinen Fressträumen und lässt ihn nun doch an ihrer angeblichen Liebe zu ihm zweifeln. Wenn man jemanden liebte, dann gab man ihm doch keine Reste zu essen...jedenfalls nicht immer.

" ...aber Reste sind besser als gar nix!" meint Ukko  zu Deliah. Und einem "Gourmet" wie Ukko war es sowieso egal was er aß....jemand der Stinkekraut  rauchte und gerne mal an der Latrine schnupperte, dem mangelte es gewiss auch am feinen Gaumen.

" Jaja und ich schwöre auf Großvater Bukkos Ehre und auf die Ehre aller Gnome und überhaupt...!"  
Ukko hatte nicht vorgehabt länger zu bleiben als bis er  und Deliah etwas gegessen hatten...nachdem sich das Debakel auf dem Marktplatz  anscheinden schon bis zur Harfe durchgesprochen hatte erst recht nicht länger. Auch wenn Ukko manchmal schwer von Begriff war, hatte er doch kapiert, dass die Eiergeschichte nicht ganz so harmlos aufgefasst wurde wie er bis jetzt gedacht hatte.  Und Erinnerungen an die Prangerzeit vor 12 Monden werden wieder wach.
Auf der anderen Seite, ist es auch nicht schwer auf Großvater Bukko zu schwören, der  ist nämlich selber , obwohl angeblich schon seit einem halben Jahrhundert sterbenskrank und und an Heim und Höhle gefesselt,  eine Aufschneider und unehrenhafter Kerl.  Und wer auf einen Lump schwört ist selber ein Lump und da ist es mit Ehre und Versprechen  nicht weit her  und ein Bruch des Schwurs zu erwarten.

Ukko macht das Gnomenschwurzeichen, indem  er mit  einer Hand an ein Ohr greift, die andere  Hand zwischen seine Beine hält und den Gnomenschwur aufsagt:

" Ich schwöre....von den Ohren zum bohren, zum Sack zack zack......."

Mit diesem  Sprüchlein und  dieser obszönen Geste hätte er sich und Deliah fast um die Mahlzeit gebracht, da sich Halla nur stöhnend und angeekelt abwenden kann.

" Haaaaaalt der Schwur ist  noch nicht fertig ich muss doch noch ..."
Aber Halla scheint kein Interesse mehr daran zu haben an welche Stellen Ukko noch Hand anzulegen hat um den Schwur geltend zu machen, so schnell wie sie wieder in die Harfe zurück stürmt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 06. Mai 2004, 21:30 Uhr
Wenn Halla gewusst hätte, was sie heraufbeschwört, wenn man einen Gnom, und besonders wenn er Ukko heisst, schwören lässt, sie hätte es ein gelassen. So starrt sie nur einen Moment auf Ukko, verzieht dann wirklich angwidert das Gesicht und dreht sich auf dem Absatz herum. Während sie zur Harfe zurückstapft, fallen ihr sämtliche Flüche ein, die sie dem Gnom am liebsten an den Kopf geworfen hätte, doch bei den eindeutig mehrdeutigen Bewegungen von Ukko, hätte dies wohl eher wieder dazu geführt, dass Ukko geglaubt hätte, sie würde etwas von ihm wollen, was sie nun aber überhaupt nicht will. Immer noch vor sich hin schimpfend, erreicht sie die Küche und erntet von Sigrun einen skeptisch fragenden Blick.

"Frag mich nicht Sigrun, ich erzähl es dir später, gib mir jetzt nur schnell etwas von den Resten von gestern, die ansonsten auf dem Müll landen würden." Der Blick von Sigrun wird noch eine Spur skeptischer, doch Halla winkt mit der Hand ab und sagt nur: "Ppäter." Sigrun fragt auch nicht weiter, weil sie weiss, dass sie aus Halla jetzt keinen Ton herausbringen würde, so geht sie hinüber zu dem Korb in dem sie die Reste sammelt, die dann auf den Abfallhaufen in der hintersten Ecke vom Hof landen würden. Sie packt etwas davon in ein weisses Leinetuch, das auch schon bessere Tage gesehen hat, und überreicht es Halla. "Ist das genug?" Halla nickt nur, nimmt das Tuch entgegen und stapft wieder hinaus in den Hof. Sie blickt den Gnom überhaupt nicht an, sondern wendet sich an das Mädchen.

"Es ist nicht viel und wenn ich dir einen Rat geben darf, dann sieh zu, dass du genug davon abbekommst, dieser Gnom ist sehr verfressen. Und noch einen Rat will ich dir geben, sieh zu, dass du ihn wieder los wirst, er wird dir kein Glück bringen, sondern nur Scherereien und irgendwann landest du dann in der Steinfaust. So und nun verschwindet beide von hier, ehe Borgil noch mitbekommt, wer sich hier auf dem Hof herunmtereibt." Sie würdigt dem Gnom keinen Blick mehr, bleibt aber auf dem Hof um sicher zu gehen, das Ukko sich wirklich von ihm entfernt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Deliah am 06. Mai 2004, 22:42 Uhr
Der Anblick den Ukko bei seinem Schwur bietet und darauf Hallas entsetzter Gesichtsausdruck, lässt Deliah breit grinsen. Die Widerlichkeiten, die den Gnom ab und an überfallen, findet das Mädchen, so pervers sie auch sind, gerade deswegen schon wieder komisch.
Geduldig warten die Beiden auf Hallas Rückkehr und in Gedanken muss sich Deliah eingestehen, das Ukko diesmal wenigsten nicht versagt hat. Auch wenn er es mit seinem Schwur beinahe wieder vermasselt hätte.
Schließlich nimmt Deliah schweigend den Beutel entgegen, den ihr Halla reicht und hört sich mit unbewegtem Gesicht ihre Ermahnungen über den Gnom an. Verärgert dreht sie sich um, und wendet sich zum gehen. Sie kann es absolut nicht leiden, wenn man ihr sagt wie sich zu verhalten hat und welche Gesellschaft sie meiden soll, auch wenn es nur ein gut gemeinter Ratschlag ist. Aber sie kann sehr wohl auf sich selber aufpassen und meint zu wissen, was gut für sie ist und was nicht. Ukko vor sich her schiebend verlässt sie den Hof, doch dann zögert sie und dreht sich noch einmal zu der kleinen Frau um. Sie hebt die Hand mit dem Beutel hoch und sagt leise: "Danke…Halla."
Dann dreht sie sich wieder um und verlässt endgültig den Hof auf der Suche nach einem Stillen Plätzchen in den Straßen der Stadt, wo sie das Essen mit Gnom gerecht teilen wird. Wenigstens dieser Rat von Halla bezüglich Ukkos Verfressenheit, weis Deliah zu schätzen.
"Also Ukko, wo wollen wir schmausen?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 07. Mai 2004, 16:22 Uhr
Leicht schmollend nimmt sie schliesslich den Teller auf die Knie und taucht den Löffel hinein, jedoch nicht ohne Kitty beinahe vorwurfsvoll anzublicken. Wenn sie doch keinen Hunger hat, wieso muss sie dann essen. Das ist doch absurd. Als sie den würzigen Geschmack der Suppe auf der Zunge schmeckt, dreht sich ihr Magen augenblicklich um und nur mit allergrösster Anstrengung ist es ihr möglich, zu verhindern, dass das Essen in hohem Bogen wieder hinausfliegt. Würgend schluckt sie die Brühe hinunter und blickt mit gequälter Miene auf den randvollen Teller vor ihrer Nase. Der Ausdruck auf Kitty's Gesicht zeigt ihr jedoch ganz klar, dass sie nicht darum herumkommen wird zumindest die Hälfte der Suppe zu essen. So langsam wie nur möglich, um das Unvermeidliche doch noch ein wenig hinauszuzögern, nimmt sie wieder ein wenig Suppe auf den Löffel und führt ihn zum Mund. Zu ihrer Verblüffung jedoch, wehrt sich ihr Magen nicht sogleich wieder dagegen, sondern hinterlässt bloss ein leicht mulmiges Gefühl. Hat Kitty etwa recht? Mit etwas aufgehellter Miene löffelt Azra einen weiteren Schluck und geniesst den Geschmack einen Moment länger auf der Zunge und wieder geschieht nichts mehr.
Still isst sie so vor sich hin, doch auch wenn ihr das Essen selbst kaum mehr Mühe bereitet, wird doch bald ersichtlich, das es anstrengender ist, als es scheint. Schliesslich legt sie leise seufzend den Löffel neben sich auf die Decke und schiebt den Teller weg, von welchem noch nicht einmal die Hälfte gegessen ist. Eine bleierne Müdigkeit hat von ihren Muskeln Besitz ergriffen, welche nur manchmal noch im Schauer eines schwächlichen Husten's erzittern. Sacht lässt Azra sich in Liegestellung zurückgleiten und kuschelt sich in die Decke, nicht ohne zuvor noch nach Kitty's Hand zu greifen: "Vielleicht ist es hier doch nicht so schlimm, ihr seid ja schon ganz nett und auch der Herr Zwerg.. Ja, vielleicht gibt es noch mehr von euch..."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kitty am 07. Mai 2004, 22:32 Uhr
Kitty beobachtet mit strenger Miene wie Azra einige Löffel der Suppe zu sich nimmt. Ab und an hätte Kitty ihr am liebsten doch den Löffel aus der Hand genommen, denn scheinbar hat Azra weiterhin Schmerzen. Kitty scheint es wie ein kleines Wunder, dass sie die Suppe nicht gleich wieder ausspuckt.
Ich bin überrascht das sie doch so viel von der Suppe gegessen hat... Das hätte ich ihr nicht zugetraut nachdem sie sich so gesträubt hat...
Langsam sinkt der Löffel nach unten und mit letzter Kraft schafft Azra es noch den Teller auf den Beistelltisch zu stellen. Dann sinkt sie langsam zurück auf das Bett und dreht sich mit dem Gesicht zur Wand.
"Ach Azra, wenigstens hast du ein bisschen gegessen. Ich bin stolz auf dich! Ruh dich jetzt ruhig aus, dass hast du dir verdient."
Das Elbenmädchen dreht sich wieder zu Kitty und greift ihre Hand.
>Vielleicht ist es hier doch nicht so schlimm, ihr seid ja schon ganz nett und auch der Herr Zwerg.. Ja, vielleicht gibt es noch mehr von euch< sagt Azra und schließt die Augen.
"Ja... hier in Talyra gibt es sicher noch einige Leute die so sind wie wir..."
behutsam nimmt Kitty die kleine Hand der Blutelbin wieder in die ihre und hält sie fest. An den Bettpfosten gelehnt schläft auch Kitty für ein paar Minuten ein...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 09. Mai 2004, 20:15 Uhr
Halla lächelt und nickt leicht mit dem Kopf, als sich das Mädchen bei ihr bedankt und mit Ukko im Schlepptau den Hof der Harfe verlässt. Halla atmet einmal tief ein und wieder aus.Das ist ja noch einmal einigermassen gut gegangen. Ich versteh nur nicht wie man sich mit so jemandem wie Ukko abgeben kann. Sie schüttelt noch einmal leicht den Kopf und geht dann, als sie nichts mehr von den Beiden sieht, zurück in die Harfe.

Der Schankraum ist noch immer gut gefüllt und jede Menge Arbeit wartet schon auf sie, nachdem soweit alles erledigt ist und wieder alles in normalen Bahnen läuft, geht sie kurz zu Sigrun in die Küche. Sigrun blickt von einem ihrer Töpfe auf und blickt Halla fragend an. "Nun erzähl schon Halla, was war da eben los?" Halla erzählt ihr kurz, was auf dem Hof geschehen ist und Sigrun schüttelt den Kopf. "Für diesen Gnom wären die Reste noch fast zu schade, so wie ich ihn kenne ist das sogar noch ein Festschmaus für ihn. " Halla kann sich ein Lachen nicht verkneifen. "Da wirst du wahrscheinlich recht haben Sigrun, aber kannst du dir vorstellen was auf dem Hof los gewesen wäre, hätte ich ihm nichts gegeben? Und das Mädel, das bei ihm war, tat mir irgendwie leid. Wenn sie sich schon mit sojemandem wie Ukko abgeben muss, um etwas zu essen zu bekommen. " Hallas Blick wird für einen kurzen Moment ernst, doch dieser Moment verfliegt sehr schnell, als Sigrun antwortet sie hätte das schon richtig gemacht und es ein Glück sei, dass Borgil das Ganze nicht mitbekommen hat. Halla nickt Sigrun verschwörerisch zu. "Ich hoffe auch er erfährt es nicht. "Sigrun zwinkert Halla kurz zu. "Da kannst du auf mich zählen, von mir erfährt er es nicht."

Nachdem Halla noch etwas von dem köstlichen Eintopf gekostet hat, verlässt sie die Küche wieder und geht zurück zur Schankstube, um ihren Platz hinter der Theke wieder einzunehmen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ukko der Gnom am 09. Mai 2004, 23:20 Uhr
Halla kommt sehr schnell mit einem verschnürten Bündel zurück.  Ukko nickt zufrieden und seine Augen hängen wie hypnotisiert  an dem schwankende Bündel und Hallas Ermahnungen und Drohungen verhallen ungehört und unverstanden in Ukkos großen Ohren.

" Gib mir das Bündel..... gib mir das Bündel....! "  
zetert Ukko und grabscht danach , aber die kleine Mogbardame, einen Kopf grösser als der Gnom, denkt gar nicht daran hält es höher als Ukko greifen kann und reicht es demonstartiv dem Straßenmädchen, woraufhin Ukko ungehalten die Nase rümpft.

Ukko will sich lautstrak beschweren, aber Deliah der das Glitzern in Hallas Augen gar nicht gefällt, zieht den Gnom hinter sich her bevor der sich auf eine Diskussion einlässt die er hundertprozentig verlieren würde.

> Also wo wollen wir schmausen<

fragt Deliah Ukko nachdem sie die den Hinterhof der Harfe verlassen hatten.

" Hier ......hier ....sofort hier....ich sterbe vor Hunger!" Ukko lässt eine blasse Zunge über seine Lippen gleiten und verdreht voller Vorfreude die Augen. Er zieht Deliah  in eine Lücke zwischen zwei Häusern und zerrt eine kleine kaputte Holzkiste herbei, die in einem Winkel vor sich hin moderte. Er häuft links und rechts davon einen kleinen Hügel aus dem Straßensand auf, klopft sich die Hände an der Hose ab und macht eine einladene Geste.

" Ein Tisch ....und hier  und hier ...zwei Stühle ......haaaaahaaaaa  ein Speisezimmer nach Gnomenart. Nun lass uns doch mal sehen, was uns die liebe Halla alles eingepackt hat... achja ..sie hat so vielTemperament, aber sie gibt mir doch immer was zu futtern!"

Ukko grinst, aber Deliah ist sich nicht so ganz sicher ob  der Gnom gut daran tut sich in nächster Zeit bei Halla blicken zu lassen. Ihr Temperament schien sich jedenfalls eher darauf zu beschränken,  sich den lästigen Gnom  so weit wie möglich vom Leib zu halten.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kitty am 11. Mai 2004, 09:51 Uhr
Als Kitty wieder erwach wird es langsam dunkel draußen. Vom Bett her ertönt friedliches schnarchen. Kitty erhebt sich und schaut nach Azra, die zufrieden aussieht und tief schläft. Langsam verlässt sie den Raum und geht nach unten in die überfüllte Schankstube.

Hinter der Theke erblickt sie Halla und steuert direkt auf sie zu.
"Hallo Halla. Wie geht es euch? Azra schläft tief und fest, deswegen dachte ich mir, ich komme eine Weile nach hier unten."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Thram am 12. Mai 2004, 15:46 Uhr
"Bäckermeister?" Thram kommt langsam zu sich, aber eben nur langsam. Als er die Augen aufmacht, kann er vor sich einen Baum sehen. Mh, nein, das kann nicht sein. Er reibt sich den Schlaf aus den Augen und nun sieht er auch, dass eines der Mogbarmädchen etwas schüchtern an seinem Tisch steht.

"Bäckermeister? Entschuldigt bitte, aber Ihr wart eingeschlafen und ich ... ich dachte, Ihr solltet lieber woanders schlafen. Außerdem habt Ihr noch nicht gezahlt." Den letzten Satz bringt sie mit festerer Stimme hervor. Ja ja, Borgil bringt seinen Mädchen nur das Wichtigste bei, denkt der Bäckermeister bei sich und rappelt sich schwerfällig hoch. Er räuspert sich, seine Stimme klingt kratzig.

"Schon gut, wieviel bin ich Euch denn schuldig?" Das Mogbarmädchen nennt ihm eine Summe, die er an einem guten Tag in seinem Bäckerladen verdienen würde, und Thram begleicht etwas verdutzt die Rechnung. Habe ich soviel getrunken? Mein Gott! Nachdem das Mädchen verschwunden ist, steht Thram auf, schwerfällig und wie ein nasser Sack wirkend. Er muss sich erst an der Tischkante festhalten, um nicht gleich wieder zusammenzuklappen ... Restalkohol. Die Harfe dreht sich, er kommt sich vor wie auf einem Jahrmarkt, die Bilder um ihn herum spielen Wagenrennen. Und es dauert einige Minuten, bis der Bäckermeister es endlich geschafft hat, die Tür der Harfe zu erreichen, von den Blicken vieler amüsierter Gäste begleitet.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 14. Mai 2004, 21:21 Uhr
Halla denkt immer noch über Ukko und das junge Mädchen nach, doch dann schweifen ihre Gedanken ab und sie überlegt was noch alles zu tun ist. In ein paar Tagen würde das Inarifest sein und dann ging es in der Harfe und auf dem Marktplatz und auch in der ganzen Stadt hoch her. Für Halla bedeutete es, dass sie alle Hände voll zu tun hatte. Da Borgil im Stadtrat sein würde und sie sich um den Anteil der Harfe am Essen auf dem Marktplatz kümmern müsste. Gleich morgen früh musste sie eine Bestandsaufnahme machen, damit sie wusste, was man noch einkaufen musste, damit beim Fest alles reibungslos lief und auch nichts ausgehen würde. Getränke waren dabei nicht ganz so wichtig, weil an diesem Tag hauptsächlich der Inariwein getrunken wird, den die Inaripriesterinnen ausschenken würden. Trotzdem mussten genug Fleisch, Gemüse, Kartoffeln und vieles mehr vorhanden sein, sie seufzt kurz auf und wird dann aber aus ihren Gedanken gerissen, als Kitty sie anspricht.

Halla lächelt erleichtert, als sie hört, dass es Azra gut geht oder zumindest besser. Die Kleine war zwar stur und ein richtiger Wildfang, aber sie hatte wohl auch schlimmes durchgemacht und für halbblutelbisches Blut konnte sie im Grunde nichts. "Es freut mich, dass es ihr besser geht. Sie wird es noch schwer genug haben, aber normalerweise findet in Talyra jeder seinen Platz, egal welcher Rasse und Herkunft er ist." Bei dem Gedanken, dass Kitty auch eine Heilerin ist, fällt ihr auch Morgana ein, die man in der ganzen Stadt sucht und noch nicht gefunden hat. Halla hofft, dass man sie doch noch findet, aber zumindest würde Talyra nicht ohne Heilerin sein, auch wenn Halla noch ein wenig an Kittys können zweifelt. Aber das war damals bei Morgana nicht anders. Die Leute gingen lieber zu dem alten blinden Ballabar, anstatt zu Morgana, einfach weil ihnen das Vertrauen fehlte. Aber die Heilerin hatte nicht aufgegeben und schliesslich hatte sie es geschafft und die Bürger Talyras bekamen Vertrauen zu ihr. Halla reisst sich wieder aus ihren Gedanken und blickt Kitty an. "Habt ihr Hunger oder Durst? Oder habt ihr oben schon etwas gegessen. Ihr seht auch müde aus, so eine Patientin kann einen schon ziemlich viel Zeit kosten." Sie lächelt Kitty verschwörerisch zu. Sie kannte es von ihren Geschwistern wenn die krank waren, damals hiess es dann auch ständig, Halla bring mir das, erzähl mir eine Geschichte, ich hab Durst oder Hunger.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kitty am 15. Mai 2004, 11:30 Uhr
"Ach ja, ein wenig Durst hätte ich schon Halla."
Halla scheint die ganze Zeit ein wenig abwesend zu sein, scheinbar hat sie sehr viel zu tun das ihr durch den Kopf geht.
"Nun, ja Azra ist schon ein ziemlich anstrengender Patient, aber das schaffe ich auch schon, zur Zeit habe ich ja auch nicht weiter etwas zu tun. Es ist nicht so einfach hier in Talyra, die meisten Leute gehen nur zu Morgana und kommen nicht zu mir, aber ich kann es ihnen nicht verbieten, Morgana ist ihnen schon vertraut, ich dagegen noch nicht. Aber auch für Morgana wäre es doch von Nutzen wenn sie ein wenig mehr Zeit für sich hätte und man sich die Arbeit teilen könnte. Naja, ich werde sie einmal aufsuchen müssen um mit ihr persönlich zu sprechen. Das letzte mal als ich sie besuchen wollte war sie gerade bei dem Feldzug gegen die Narge und ich habe nur mit ihren beiden Vertretern sprechen können."
Kitty blickt sich um und grübelt ob sie wohl lieber wieder nach oben zu Azra gehen sollte, überlegt es sich dann aber anders als sie plötzlich Lebo in einer der dunklen Ecken der Harfe entdeckt der sich gerade mit einigen Männern m Nebentisch unterhält.
Na, das ist aber eine schöne Überraschung, dir werde ich noch was erzählen Freudchen... was macht er hier blos... hoffentlich sieht er mich nicht gleich.
"Ähm... Halla, wann ist denn eigentlich das diesjährige Inarifest geplant? Ich freue mich schon so lange darauf! Das große Feuer unten am Fluß und den vielen Spaß den man hier in der Stadt haben kann."
freundlich lächelt sie Halla an.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Dschelada am 16. Mai 2004, 05:09 Uhr
Forschend blickt Dschelada in das GEsicht der Fremden, jedoch scheint diese auf einmal kein Interesse an der jungen Frau mehr zu haben, denn die Fremde wendet sich von Dschelada ab! Zwar kann sie deren Augen nicht erkennen und weiss so nicht ob die vermummte Gestalt  sie immernoch anblickt, jedoch verraet ihre Koerperhaltung alles.
Der Kopf leicht in die entgegen gesetzte RIchtung gedreht,die Schultern zeigen Richtung Dschelada und kein Wort kommt aus dem Mund der Fremden! Was ist mit der Fremden los?Warum redet sie nicht mehr? Das macht keinen Sinn, als erstes  laedt sie mich an ihren Tisch ein und jetzt ignoriert sie mich Dschelada beginnt sie unwohl in ihrer Haut zu fuehlen. Sie versucht mit Muehe eine Konversaton anzufangen, wie z.b. "Woher kommt ihr" oder "wie gefaellt euch Talyra?" DOch jeglicher Versuch wird von der Fremden abgeblockt!Kein Ton kommt aus ihrem Mund! Unruhig rutscht Dschelada auf ihrem Stuhl herum, das ungute Gefuehl laesst sie nicht mehr los. Schliesslich steht sie auf und spricht mit leiser Stimme: "Entschuldigt mich, es wird spaet, ich sollte mich nach Hause begeben!" DOch die Unbekannte ruehrt keine Miene, zwar kann Dschelada ihr Gesicht nicht erkennen, aber nicht mal die Koerperhaltung ihres Gegenueber veraendert sich. Ob sie ueberhaupt bemerkt hat, dass Dschelada sich entfernt kann niemand ausmachen, denn die Fremde scheint in ihrer eigenen Welt zu sein!
Leise schleicht sich Dschelada aus der immernoch vielbeschaeftigten Schankstube in Richtung zu Hause - die Faranden

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 16. Mai 2004, 14:22 Uhr
Halla nickt kurz und stellt Kitty dann ein Glas mit etwas verdünntem Wein auf die Theke, der rot in dem Glas funkelt. Sie hört Kitty weiter zu während sie einige Gläser spült. "Ihr werdet euren Platz in Talyra auch noch finden. Wenn sich herumspricht, dass ihr gute Arbeit leistet, dann werden die Leute auch zu euch kommen." Die Gläser sind gespült und eine neue Bestellung trudelt ein, die Halla rasch fertig macht. Kitty fragt nach dem Inarifest und ein breites Grinsen zieht über Hallas Gesicht. Sie liebt dieses Fest, wie wohl fast jeder andere Bürger Talyras auch, auch wenn es für sie jede Menge Arbeit bedeutet.

"Ende des nächsten Siebentag wird das Fest beginnen. Es wird einen Jahrmarkt auf dem Platz der Händler geben, einen Festumzug, ein grosses Festessen mit Tanz, hier auf dem Marktplatz und dann Abends natürlich die Inarifeuer und das grosse Feuerwerk unten am Ildorel. Ich bin schon gespannt, was Meister Zaubererschreck sich hat einfallen lassen, er hat dieses Jahr die Aufgabe übernommen, das Feuerwerk zu gestalten." Ein kleines Funkeln liegt in Hallas Augen, auch wenn sie selber nicht viel von dem Fest hat, so wird sie meist doch von der guten Laune und dem Geist des Festes angesteckt. Und das Feuerwerk ist immer wieder ein Erlebnis für sie, weil es so schön ist , diese bunte Farbenpracht am Himmel zu sehen und sie nicht weiss, wie das bewerkstelligt wird.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kitty am 16. Mai 2004, 15:44 Uhr
Dankend nimmt Kitty das Glas Wein entgegen und lauscht aufmerksam Hallas Erzählungen über das Inarifest.
"Also ich freue mich auch schon sehr dieses Jahr dabei zu sein. Im letzten Jahr war ich während des Festes hoch oben im Norden in den Wäldern um nach neuen Heilkräutern zu sammeln. Dieses Jahr werde ich diese Reise ein wenig verschieben. Nun ja, aber hier in der Nähe Talyras finde ich nicht so viele wirksame Dinge wie dort, wo ich aufgewachsen bin.
Ja, das Inarifest, das wird schon eine schöne Zeit werden für uns alle hier, ich überlege noch immer mit wem ich mir wohl das Feuerwerk am Ufer des Ildorel anschauen werde..."
Verstohlen blickt sie zu Lebo hinüber.
"Seht ihr den Herrn dort hinten in der Ecke? Der, der sich dort mit den Männern unterhält? Er kam zu mir als Patient und um ehrlich zu sein habe ich mich ein wenig in ihr verliebt... aber ich weiß nicht so Recht, was er von mir hält, denn plötzlich war er einfach weg als ich eines Morgends aufwachte und mit ihm verschwand auch ein wertvolles Schmuckstück von mir... Nun ja... ich werde ihn wohl zur Rede stellen müssen, aber ich denke nicht das er mir meinen Schmuck gestohlen hat... aber, nun ja, ich würde sehr gerne den Abend mit ihm am Flußufer verbringen."
Belustigt zwinkert sie Halla zu, die gerade eine weitere Bestellung entgegennimmt.
"Sagt Halla, ist das Festessen hier auf dem Marktplatz für alle Bewohner Talyras frei zugänglich? Und muss ich noch weiteres beachten an diesen Tagen? Bleiben alle Geschäfte geschlossen? Ich denke doch, oder? Entschuldigt meine vielen Fragen, aber ich weiß es halt nicht besser."
Freundlich und erwartungsvoll wartet sie Hallas Antwort ab.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 16. Mai 2004, 20:40 Uhr
Still lauscht Halla Kittys Ausführungen über den Hernn am Tisch etwas weiter weg. Ein leichtes Grinsen zieht sich über ihr Gesicht, als die Heilerin so ganz offen über Liebesdinge erzählt, das geschieht sonst meistens nur, wenn sich jemand aus Liebeskummer den zehnten Krug Met an den Hals setzt und sich dann bei Halla ausheult, seltener oder fast nie ist es so wie gerade bei Kitty. "Nun wenn euch soviel daran liegt mit ihm zum Ildorel hinunter zu gehen, dann solltet ihr vielleicht in seiner Nähe sein, wenn er das erste Glas Inariwein trinkt. Dieser Wein hat eine ganz besondere Wirkung, wie ihr sicherlich wisst." Sie zwinkert Kitty zu und lächelt verschwörerisch.

Kitty stellt noch mehr Fragen und Halla beantwortet sie so gut sie kann. "Das Festessen auf dem Marktplatz ist für alle Einwohner Talyras frei, und niemand braucht an diesem Tag dafür zu bezahlen. Jeder kann kommen und nach Herzenslust essen und trinken, nur die Stadthalle und das Festessen dort, ist den hohen Herren und Damen Talyras vorbehalten. Ansonsten solltet ihr wenn ihr noch ledig seid eure Fusssohlen mit roter farbe färben und barfuss gehen, dann weiss jeder, dass ihr noch zu haben seid." Halla zwinkert wieder mit den Augen und lacht  zu Kitty hinüber. Bei dem Gedanken an das Festessen fällt ihr ein, dass sie Borgil noch fragen muss, ob die Botenjungen hschon mit den Einladungen zum Festessen in der Stadthalle unterwegs sind, oder noch nicht. Ansonsten wäre es das erste was sie morgen früh erledigen müsste. Die Einladungen lagen shcon seit zwei Tagen hier gut verwahrt und sollten von den Boten der Harfe verteilt werden. Da Borgil im Stadtrat sitz, hatte er diese Aufgabe übernommen, so wie er es jedes Jahr bisher gemacht hatte.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kitty am 16. Mai 2004, 22:25 Uhr
Interessiert lauscht Kitty Hallas Worten.
"Aha, also soll ich zusehen das er möglichst viel von diesem Inariwein trinkt?"
Verschwörerisch blickt sie Halla an.
"Nun gut, und warum färben sich die unvergebenen Frauen die Füße rot? Das klingt ja nach einer sehr interessanten Tradition! Vielleicht sollte ich das dann auch tun... Nun, also ich werde mal sehen ob ich es schaffen kann an dem Essen auf dem Marktplatz teilzunehmen. Ich weiß noch garnicht was ich mit Azra in dieser Zeit machen soll, immerhin kann sie doch nicht ganz alleine gelassen werden. Tja, dass muss ich mir noch überlegen ob ich sie vielleicht mitnehmen kann, oder ob sie hier in der Harfe bleiben sollte."
Wieder blickt sie hinüber zu Lebo, der seine Unterhaltung gerade zu beenden scheint.
"Nun Halla, ich glaube ich werde jetzt zu dem Herren dort hinüber gehen und mal ein paar Worte mit ihm wechseln, er scheint seine Unterhaltung gerade beendet zu haben."
Kitty verabschiedet sich für den Moment und wendet sich schon zum gehen als ihr noch etwas einfällt.
"Danke für den Wein Halla, hier habt ihr euer Geld. Ich gehen dann jetzt mal hinüber und danach sehe ich zu, dass ich wieder nach Oben komme um nach Azra zu sehen, vielleicht ist sie dann schon wieder wach."
Selbstbewusst und stolz geht Kitty nun direkt auf Lebo zu. Insgeheim überlegt sie was sie nun zu ihm sagen soll...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 17. Mai 2004, 12:04 Uhr
>Nun gut, und warum färben sich die unvergebenen Frauen die Füße rot? Das klingt ja nach einer sehr interessanten Tradition! Vielleicht sollte ich das dann auch tun.< Halla muss wieder grinsen Sie scheint sich mit den Archonen der Göttin nicht auszukennen. "Der Brauch ist abgeleitet von der Archonin Lalaid, sie ist die Archonin des Tanzes, der Freude, dem Humor und dem Lachen. Sie dient Inari und sie geht immer barfuss und ihre Sohlen sind rot gefärbt. Da am Inarifest immer sehr ausgelassen getanzt wird, besonders von den ledigen Mädchen, um die Männer zu beeindrucken, hat man irgendwann angefangen, dass sich diese Mädchen auch die Füsse rot färbten." Kitty erzählt noch etwas, dass sie sich nun um den Herrn kümmern würde und Halla lächelt ihr noch kurz zu. Halla ist schon den ganzen Tag auf den Beinen und langsam wird sie müde, als ihre Ablösung kommt, geht sie kurz noch zu Borgil, um mit ihm abzurechnen und zu fragen, ob die Boten die Einladungen schon verteilt haben. Borgil verneint die letzte Frage und Halla bietet sich an, das morgen zu erledigen. Unter dem Bart des Zwergen erscheint ein kurzes Lächeln und er nickt zu dem Angebot. Borgil hat genau soviel zu tun, wie Halla auch, so kurz vor dem Fest. Kurz nach dem Gespräch zieht sich Halla auf ihr Zimmer zurück und ist kaum, dass sie ihr Nachtgewand anhat und im Bett liegt auch schon eingeschlafen.

Als der erste Hahnenschrei erklingt ist Halla hellwach. Rasch wäscht sie sich, flicht ihre Haare wieder zu einem dicken Zopf, kleidet sich an und huscht in die Schankstube hinunter. Sigrun ist schon in der Küche und Halla hört das Klappern von Töpfen und Pfannen. Sie selbst macht sich daran die Theke aufzuräumen und alles für die ersten Gäste vorzubereiten. Die Sonne strahlt hell in die Schankstube und es verspricht ein schöner Tag zu werden. Nachdem alle Angestellten ihren Dienst angetreten haben und alles vorbereitet ist, ruft Halla die Botenjungen und -mädchen der Harfe zu sich und verteilt die Einladungen, kurz darauf machen sich zehn Mädchen und Jungen auf den Weg, um die Einladungen zum Festessen am Inaritag in der Stadthalle zu verteilen.So das wäre auch erledigt, jetzt bleibt nur noch, die Bestandsaufnahme und das Bestellen der Waren. Halla nimmt sich eine grossen Bogen Pergament und einen Kohlestift und geht in die Vorratsräume, die im Keller unter der Harfe sind, dort ist es recht kühl und auch im Sommer hält sich das Gemüse und Fleisch hier recht gut.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 18. Mai 2004, 10:12 Uhr
Es ist schon Nachmittag und der Harfengarten hat sich dank des schönen Wetters gut gefüllt und in der Schankstube selber sind nur noch einige unverbesserliche, die lieber hier im Schatten sitzen, als draussen in der Frühlingssonne. Durch die offene Tür zum Harfengarten dringt warme Luft herein, die Blütenduft mit sich trägt. Halla hatte den ganzen Morgen im Keller der Harfe verbracht und alle Bestände aufgenommen, nun hat sie eine lange Liste von Dingen, die noch besorgt werden müssen. Grid arbeitet draussen mit einigen anderen Mädchen und Jungen. Halla selbst bleibt drinnen, weil die Botenjungen und Mädchen sicherlich bald zurückkehren würden. Kaum hat sie diesen Gedanken gefasst, als auch schon das erste Mädel erscheint und verkündet, dass alle Einladungen, die sie abzugeben hatte, abgegeben waren. Halla lächelt und nickt kurz und sagt dem Mädchen dann, es solle zu Sigrun in die Küche gehen und sich dort etwas zu Essen holen.

Halla weiss zwar, dass die meisten Boten auch etwas zu essen bekommen, aber Hunger hatten die Boten eigentlich immer und Feierabend konnten sie noch nicht machen. Sobald sie gegessen hatten, müssten sie die Bestellungen wegbringen, damit auch alles da ist, wenn das grosse Fest steigt. Nach und nach trudeln alle Boten ein, essen was und werden dann von Halla gleich weitergeschickt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lebo am 20. Mai 2004, 10:58 Uhr
Eben noch in das Gespräch mit den Männern am Nebentisch vertieft, springt Lebo plötzlich erschrocken auf und stößt sich dabei das Knie am Tisch, als Kitty auf einmal, wie aus dem nichts aufgetaucht, vor ihm steht.
Hilfe, was nun, damit habe ich jetzt nicht gerechnet, ich habe sie garnicht kommen sehen...
Erschrocken stammelt er einige unverständliche Worte und versucht sich wieder zu beruhigen.
"Hallo Kitty, was machst du denn hier? Ich habe garnicht damit gerechnet dich hier anzutreffen."
Sagt er etwas zu übertrieben.
"Setz dich doch hier zu mir, wenn du magst!"
Was erzähle ich denn hier eigentlich.... ich sollte aufspringen und weglaufen... wieso musste ich ihr auch hierher folgen?!
Röte steigt in sein Gesicht, es ist ihm sichtlich peinlich, dass Kitty nun auf ihn aufmerksam geworden ist und er sich so in ein Gespräch hat vertiefen lassen. Zögernd wartet er ab was Kitty ihm nun zu sagen hat.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Asrai am 21. Mai 2004, 10:06 Uhr
Ihr erster Weg führt Asrai nicht ins Haus von Roßstein, sondern in die Harfe, denn sie spürt, wie ihr Magen knurrt. Zudem will sie noch nicht so früh zu Henry und Orga, sondern wenigstens bis Mittag warten, denn sie weiß nicht, wie lange die beiden schlafen und ob sie nicht eine Menge zu erledigen haben. Der Harfengarten ist ihr etwas zu windig, also betritt sie das große Gebäude in dem wohl auch schon die Vorbereitungen zum Inari-Fest begonnen haben. Asrai sieht immer wieder einige Leute geschäftig herumlaufen.
Hoffentlich taucht Sethai noch vor dem Fest wieder auf, sonst werde ich mir die Feierlichkeiten wohl allein ansehen müssen.

Asrai setzt sich an einen freien Tisch und sieht sich in der Harfe um. Auf den ersten Blick kann sie kein bekanntes Gesicht entdecken, aber es ist auch nicht sehr übersichtlich. Sie bestellt sich etwas zu essen und zu trinken und wartet dann geduldig und geht in Gedanken nochmal die Liste mit den Dingen, die sie heute noch erledigen will, durch.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kitty am 21. Mai 2004, 18:51 Uhr
Wütend und zu gleich etwas irritiert setzt Kitty sich auf den freien Stuhl neben Lebo. Ihre Augen funkeln ihn böse an.
"Sag Lebo, was ist denn eigentlich in Euch gefahren? Auf einmal wart ihr verschwunden und... und... ich habe nach euch gesucht."
Zerstreut blickt sie umher und bemerkt dann, das sie ihr Glas Wein an der Theke hat stehen lassen. Schnell steht sie auf und holt es zu sich an den Tisch. Nachdem sie einen großen Schluck genommen hat, fühlt sie sich gleich etwas mutiger.
"Also, es ist mir etwas unangenehm euch dies zu fragen, aber als ihr verschwunden seit, verschwand auch ein sehr wertvolles Schmuckstück von meinem Nachttisch... ich meine... habt ihr vielleicht... also ähm, ich möchte euch nicht beschuldigen Lebo denn ich habe euch wirklich sehr gerne, aber ihr wart der einzige in meinem Hause..."
Vorsichtig blickt sie in seine dunklen Augen, aber sein Gesicht verrät rein garnichts.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lebo am 21. Mai 2004, 18:57 Uhr
Kitty scheint wirklich sehr erbost als sie sich zu ihm an den Tisch setzt.
"Nun... es ist mir wirklich unangenehm Kitty.... Ja, ich habe den Schmuck genommen... ich wollte ihn, nun ja, als eine Art Erinnerung an euch... Ich weiß nicht was in mich gefahren ist als ich in dieser Nacht an eurem Bett stand... aber hier ist der Schmuck, ich habe ihn immer bei mir gehabt."
Vorsichtig zieht er das edle Collier aus der Tasche.
"Darf ich?" fragt er vorsichtig und legt Kitty das Collier wieder um den Hals.
"Es steht euch wirklich hervorragend! Ihr seht noch bezaubernder damit aus als ihr es sonst schon tut."
Peinlich berührt wandern seine Hände zurück auf den Tisch und umfassen den Krug Bier der noch vor ihm auf dem Tisch steht.
"Kitty, es tut mir Leid wenn ich euch jetzt so damit überrenne, aber die Männer am Nebentisch erzählten mir eben, dass in diesen Tagen ein großes Fest hier in Talyra stattfinden würde, zu ehren der Göttin Inari. Ich dachte, ihr hättet vielleicht Lust mit mir gemeinsam zu feiern?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Asrai am 21. Mai 2004, 21:10 Uhr
Das warme Essen tut ihr gut und als sie fertig ist, fühl sie sich kräftig genug, diesen Tag anzugehen. An einem anderen Tisch kann sie Kitty, die Heilerin sehen, doch da sie beschäftigt zu sein scheint, spricht Asrai sie nicht an. Irgendwann würde sie Kitty noch besuchen kommen, wie sie es versprochen hat, als sie Morgana in der Kräuterkate vertrat.

Eine Weile bleibt Asrai noch sitzen um sich auszuruhen. Doch dann hört sie am Nebentisch, wie begeistert von den Festlichkeiten auf dem Platz der Händler gesprochen wird.
Das kann ich mir noch ansehen, bevor ich zu Henry und Orga gehe. Asrai bezahlt, legt sich ihren leichten Umhang um die Schultern, nickt Kitty freundlich zu, als sie an deren Tisch vorbei kommt, und verlässt die Harfe.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kitty am 22. Mai 2004, 19:11 Uhr
Überrascht blickt Kitty Lebo an als dieser ihr gesteht, den Schmuck mitgenommen zu haben. Anders als erwartet ist sie plötzlich doch nicht so böse.
Ich finde es schon sehr schmeichelnd was er da sagt... ob er es wirklich nur als Erinnerung mitgenommen hat..?
Schüchtern lächelt sie Lebo an, als dieser ihr zögernd das Collier wieder um den Hals legt.
"Lebo, ich, also ich finde es ist sehr ehrlich von euch das ihr mir das Collier zurückgegeben habt. Ich danke euch zutiefst."
Zaghaft beugt sie sich zu Lebo hinüber und gibt ihm einen zarten Kuss auf die Wange.
"Und ich danke euch für die lieben Komplimente..."
sagt sie verlegen.
"Mir scheint als lege euch wirklich sehr viel an mir und um ehrlich zu sein seit ihr mir auch wirklich nicht unsympathisch Lebo. Daher... ja, ich würde sehr gerne das Inarifest mit euch zusammen verbringen. Ich muss nur noch nach einer meiner Patientinnen hier sehen, es geht ihr schon ein wenig besser, sie schläft im Moment, glaube ich, aber ich kann jetzt nicht einfach so verschwinden ohne noch einmal nach ihr gesehen zu haben und es Halla mitzuteilen wo ich dann hingehen werde, wartet bitte einen Moment, bis ich zurück bin, ja?"
Kitty will gerade aufstehen als Asrai an ihrem Tisch vorbeigeht und sie freundlich grüßt.
Lächelnd winkt Kitty zurück.
Zu Asrai sollte ich auch einmal wieder gehen, ich hoffe ich komme dazu wenn das Inarifest vorrüber ist...

Kitty entfernt sich vom Tisch und geht hinüber zu Halla die an der Theke steht.
"Halla, ich habe eine kleine Bitte. Ich würde nun gerne zum Inarifest gehen und kann dann nicht nach Azra sehen. Ich werde jetzt noch einmal zu ihr nach oben gehen um zu gucken wie es ihr geht und ob sie noch etwas braucht. Sobald das Inarifest vorrüber ist, werde ich wieder hier sein, aber ihr gesundheitlicher Zustand ist schon so gut, dass ich sie ein wenig alleine lassen kann. Nun, wenn etwas passieren sollte, dann könnt ihr mich natürlich am Marktplatz oder unten am Flußufer finden, ich komme sofort wieder wenn ihr mich braucht. Wäre das in Ordnung?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kitty am 24. Mai 2004, 14:10 Uhr
Halla nickt Kitty kurz zu und verabschiedet sich dann eilig um auf den Marktplatz zu kommen.

Gut gelaunt steigt Kitty die Treppe empor um nach Azra zu sehen. Sie öffent vorsichtig die Tür und schielt in die kleine Kammer hinein.
Alles ist ruhig, wie schön. Sie schläft also.
Vorsichtig zieht Kitty die Tür wieder zu und geht wieder hinunter in den überfüllten Schankraum zu Lebo.

"Nun Lebo, es ist alles in Ordnung mit meiner kleinen Patientin." sagt sie lächelnd.
"Wenn ihr dann soweit seit können wir gehen, ich freue mich schon richtig!"


Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 24. Mai 2004, 19:03 Uhr
Lange hat sie geschlafen, die Anstrengung des Essens schien Tribut zu fordern, obwohl es nicht sonderlich viel war. Azra spürt nicht das Kitty leise den Raum verlässt, sie schläft ruhig und entspannt ohne sich wie zuvor wild von einer Seite auf die andere zu werfen. Es ist der gleiche Traum, immer wieder dringt er in ihr Bewusstsein ein, versucht sich ihres Verstandes zu bemächtigen, doch kaum das sie die bekannte Türe sieht, welche das Unheil bringt, wendet sie sich schon ab und spricht laut, damit sie auch sich selbst überzeugen kann: "Es ist nicht wahr!" Vielleicht hat sie auch im Schlaf ein wenig gemurmelt, ein paar mal diesen Satzt wiederholt, doch da Niemand in dem Zimmer anwesend ist, bekommt auch Niemand ihren innerlichen Kampf mit, welchen sie ausfechtet. Nach einer Weile jedoch, ändern sich die Träume, werden immer bruchstückhafter, bis sie sich schliesslich beim besten Willen nicht mehr erinnern kann, wie die Türe ausgesehen hatte, oder gar wie die Stimme des Wanderes geklungen hat. Verloren in den Nebeln und Wirren des Schlafes, verblassen die Erinnerungen an jenen Abend, Stück für Stück, langsam aber sicher. Ihr Atem zeugt von der Veränderung, er wird ruhiger und ausgeglichener, spricht nun von einem gesunden und tiefen Schlaf. Als Kitty nach einer Weile für einen kurzen Moment hineinblickt und nach ihr sieht, dringt ein Lufthauch in das Zimmer, der sachte über ihre Wange streichelt und sie im Schlafe lächeln lässt. Eine Art schnurrender Laut dringt aus ihrer Kehle und wohlig von der Wärme der Decke, kringelt sie sich wieder zusammen und kuschelt sich in dem Bett ein, ihr Haar steht zersaust nach allen Seiten.
Es ist das Knarren einer Diele, welche sie schliesslich beinahe sanft aus ihren Träumen zieht, behutsam wieder zurück in die Realität aus der Traumwelt hinaus trägt. Ihre Augenlieder schlagen auf und schliessen sich beinahe im gleichen Moment wieder. Die strahlende Sonne, welcher durch das Fenster eindringt, scheint direkt auf ihr Gesicht und für einen Augenblick müssen sich ihre Augen an das helle Tageslicht gewöhnen, auch wenn es leicht schmerzt. Woher sie Schmerzen kommen, ist ihr nicht bekannt, vielleicht liegt das an ihrem blutelbischen Blut, oder aber daran, das sie oft in der Nacht gewandert war. Schliesslich packt sie das Kissen und stülpt es sich über den Kopf, einen leicht seufzenden Ton ausstossend. Der Schlaf war angenehm gewesen und hat ihr viel Erholung gebracht. Mit einem leisen Grummeln bugsiert sie ihre dünnen Beine über den Rand hinaus und sucht nach Halt, ohne jedoch das Kissen vom Kopf zu nehmen, als ob sie nicht einsehen will das der köstliche Schlaf beendet ist. Schliesslich haben ihre Füsse den Boden endlich gefunden und ächzend richtet sie sich auf, das Kissen immer noch festhaltend. Für eine Weile sitzt sie einfach so da, die Schultern hängen lassend, versuchend das Gleichgewicht nicht sogleich wieder zu verlieren und noch immer das Kissen über ben Kopf gestülpt. Schliesslich jedoch sieht ihr Bewusstsein ein, dass der Schlaf sich endgültig verflüchtigt hat und das Kissen fliegt mit einem leisen Ploff an die Wand, von wo aus es auf das Bett zurückfällt. Ihre weissen Augen mit dem dunklen Ringen, stehen zwar offen doch durch den leeren Blick ist noch immer nicht so ganz klar, ob sie auch schon wirklich vollständig wach ist oder eher noch auf dem Grad dazwischen wandelt. Gemächlich recken sich ihre Arme in die Höhe und ein Gähnen dringt aus ihrem Mund. Genüsslich streckt sie ihre Glieder, bis ein kleiner Stich sie zusammenzucken lässt, mehr jedoch aus Gewohnheit als das der Schmerz wirklich so gross gewesen wäre. Nun gut, vielleicht ist die innere Wunde wirklich noch nicht vollständig verheilt, Azra jedoch hat keine Lust mehr, nochmals eine solche Prozedur durchmachen zu müssen und lässt daher das Gähnen und Strecken bleiben. Stattdessen erhebt sie sich auf leicht wackeligen Beinen, als ob sie gerade gehen lernt,  und spürt das ihre Kehle seltsam trocken ist, was wohl von dem langen Schlaf herstammt. Ihr Blick fällt auf den Wasserkrug und mit einigem Aechzen schafft sie es schliesslich ihn hochzuheben und an ihre Lippen zu bringen. Er mag wohl ansonsten nicht schwer sein, doch Azra hat das Gefühl, als würden ihre Arme aus Pudding bestehen. Ein leises Krachen ertönt, als ihr der Krug plötzlich aus den Händen rutscht und auf dem Boden aufschlägt, das ganze kühle Wasser spritzend um sich verteilend. Erschrocken blickt Azra auf das heillose Desaster hinunter und auch auf das Hemd, welches der Herr Zwerg ihr gegeben hat. Es ist völlig durchnässt. Ratlos, was sie nun tun soll, hebt sie vorerst einmal den Krug auf und stellt ihn zurück auf den kleinen Tisch, das Wasser auf dem Boden sucht sich derweil einen Weg durch die Ritzen des Holzes. Schnell nach einer Lösung suchend blickt Azra sich um und zieht anschliessend einfach die Decke von dem Bett und legt sie über die Wasserlache. Die Decke würde bestimmt wieder trocknen, hofft sie auf jeden Fall. Schnell huschen ihre Augen zu der Türe und aus Angst es könnte gleich Jemand eintreten, kniet sie flink nieder und saugt alles Wasser mit der Decke von dem Boden auf. Ihr Haar hängt ihr immer wieder wirr ins Gesicht und als sie schliesslich aufsteht und die nasse Decke mit den Händen von sich hält, hängen ihr einige Strähnen ins Gesicht, so das ihre Augen zu tränen beginnen. Schnell legt sie die Decke wieder auf das Bett zurück und streicht ihr Haar wieder weg, damit sie freie Sicht hat, doch anscheinend hat es sich durch das Waschen wieder leicht gelockt und ist jetzt noch schwerer zu bändigen als zuvor. Die Decke lässt sie vorerst wo sie ist und setzt sich daneben. In dem Krug ist kein Wasser mehr vorhanden und sie fragt sich ob sie es wagen kann einfach auf den Gang hinaus zu treten, oder ob Halla und der Herr Zwerg wieder etwas dagegen hätten. Hatte der Herr Zwerg nicht gesagt, das er mit gewissen Leuten reden würde damit man sie hier akzeptierte? Ein fröhliches Lächeln schleicht sich auf ihre kindliche Züge, als sie daran denkt und sie hofft bald wieder einmal aus dem heimeligen Zimmer hinauszukönnen. Hinaus auf die Strasse an die frische Luft, jedoch ohne Schal und Umhang, so wie jeder Andere auch, frei und unbeschwert. Da erinnert sie sich an ein Lied, das sie einst von fahrendem Volk gelernt hatte, ein Lied über die Fröhlichkeit, den Tanz und das Leben. Für einen Augenblick versucht sie sich krampfhaft daran zu erinnern, wie der Text geht, gibt schliesslich jedoch auf und fängt an die Melodie vor sich hinzusummen, so wie sie es noch in Erinnerung hat. Gemächlich legt sie sich wieder hin, verschränkt die Arme hinter dem Kopf und blickt zu dem Fenster hinaus, wobei sie ihre Augen leicht zusammenkneift.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lebo am 24. Mai 2004, 20:48 Uhr
Freudig blickt Lebo Kitty entgegen, als diese die Treppe hinunter und auf ihn zu eilt.
Am liebsten hätte er sie sofort in die Arme geschlossen und an sich gedrückt, aber darauf hätte sie in diesem Moment wohl nicht so gut reagiert, denkt er.

"Ja, nun, natürlich können wir dann losgehen Kitty. Wo möchtet ihr denn als erstes hin?" fragt er lachend und nimmt zaghaft ihre Hand in die seine.
Als wenn er ihre Antwort nicht abwarten könnte, läuft er los und zieht sie einfach liebevoll mit sich, hinaus aus der Harfe und in den prächtig geschmückten Garten in dem sich schon sehr viele Leute an den kleinen, runden Tischen versammelt haben.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 01. Juni 2004, 00:11 Uhr
Viele Geräusche drangen an ihr Ohr, welche sie an Festlichkeiten erinnerten. Doch hier wusste sie sie nicht einzureihen, oder gar zu verstehen worum es ging. War gerade ein Fest im Gange, so klang es zumindest. Neugierig erhebt Azra sich und versucht einen Blick aus dem Fenster zu erhaschen, woher Lachen und Musik dringt, doch es liegt zu weit oben, als das es klappen würde. Schliesslich gibt sie ärgerlich auf und wendet sich der Türe zu, eine der Schankmädchen wird doch sicherlich wissen, was da draussen im Gange ist, besonders so spät abends. Vorsichtig öffnet sie die Türe, welche ein leises Knarren von sich gibt, das verräterisch wirkt. Scheu streckt Azra ihren Kopf vor und lässt ihren Blick schnell umherhuschen, doch Niemand ist zu sehen. Auch ist es hier plötzlich um einiges leiser als sonst und dies verwunder Azra umso mehr. Schliesslich wagt sie sich ganz auf den Flur hinaus und reckt ihren Kopf in alle Richtungen, lauschend nach Schritten welche die Treppe hochsteigen. Jedoch ist davon gar nichts zu hören und leise atmete sie auf, bevor sie sich schliesslich daran macht zur Treppe zu laufen, jedoch mitten im Schritt stockt, als plötzlich eine Türe aufgeht. Gerade will sie sich hastig umdrehen und wieder in ihrem Zimmer verschwinden, wo sie in Sicherheit wäre, als sie die Person erkennt, welche aus dem Zimmer tritt. Das Mädchen, welche schon bei ihrer Ankunft dabei war, ebenso wie im Zimmer. Thay-Lee! Azras Ausdruck verdüstert sich von einem auf den anderen Augenblick, trotzden bleibt sie stehen und betrachtete Thay-Lee einfach. Schliesslich kommen einige, leicht stockende Worte über ihr Lippen, nebenbei versucht sie ein Lächeln aufzusetzten. Das letzt was sie jetzt brauchen könnte wäre Steit, was sie eigentlich auch gar nicht will und daher versucht sie über den Gedankengang von Borgil's Strafe hinwegzusehen: "... H...Hallo..."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sethai am 01. Juni 2004, 14:46 Uhr
Ein wenig erschöpft betritt Sethai die „Goldene Harfe“. Nachdem er Aileikas Laden wieder verlassen hatte war von den Wogen des Inarifestes mitgerissen worden. Ungewöhnlich viele Leute waren zu ihm gekommen oder hatten ihn einfach so angesprochen um sich ihre Zukunft von ihm darlegen zu lassen. Meist kamen sie zu zweit, entweder um zu erfahren ob die neu geknüpfte Beziehung halten würde oder aber ob ihr Zusammentreffen in dieser schicksalsträchtigen Nacht Folgen haben würde die eine Beziehung notwendig machen würden. Eigentlich waren ihm Vorraussagungen dieser Art zuwider, sollten die Leute sich doch überraschen lassen davon. Gerade die Frage danach ob die frische Liebe gedeihen würde... So nehmen sie sich doch jede Überraschung.... Außerdem ist der Fluss der Gefühle gerade in dem Bereich so unstet das eine Vorrausage besonders schwer ist. Aber im Moment brauchte er das Geld. Nicht nur das Asrai jede Münze eine große Hilfe sein würde, auch für seine eigenen Pläne würde er einiges an Geld benötigen.
So hatte er auch die letzten Tage des großen Festes fast durchweg auf den Strassen verbracht um zu arbeiten. Während die meisten anderen Bewohner der Stadt sich vergnügten war er auf den Beinen gewesen. Aber es hatte sich gelohnt. Sein Geldbeutel ist nun gut gefüllt und er musste sich sogar einen Zweiten zulegen der nun in den Tiefen seiner Tasche lag.
Seine Kräfte hatten ihm bisher geholfen die lange Zeit der Aktivität zu überstehen. Nur wenige Stunden schlaf waren ihm in den letzten Tagen vergönnt gewesen und nun braucht er dringend etwas von dem guten Essen der Harfe...

Die Harfe scheint wirklich immer Zulauf zu haben..., geht es ihm schmunzelnd durch den Kopf als er die Tür wieder hinter sich schließt. Langsam manövriert er sich durch den Schankraum und setzt sich dann schließlich an einen Tisch neben dem Aufgang zu den Zimmern. Er spürt wie einige der Gäste dort oben in tiefen Träumen liegen, andere sich Gedanken über ihre Zukunft machen oder auch nur was der nächste Tag wohl bringen mag.
Schnell ordert er eine was er üblicherweise zu sich nimmt wenn er hier zu Gast ist: Eine heiße Suppe, einen Laib Brot, einen Becher und einen Krug heißes Wasser. Die Schankmaid bringt es ihm schnell und er entlohnt sie mit einem großzügigen Trinkgeld. Sicher ist die Frau auch schon sehr lange im Dienst und kann das Geld auch brauchen.
Nachdem sie wieder entschwoben ist um sich um andere Gäste zu kümmern greift er in seine Tasche und holt den kleinen Beutel mit den speziellen Kräutern heraus die er für seinen Tee braucht. Als auch das erledigt ist bricht er ein Stück von dem Brot und lässt sich die Suppe genüsslich schmecken. Er genießt das Gefühl der warmen und nahrhaften Flüssigkeit die ihn langsam wieder revitalisiert und seinen erschöpften Gliedern neue Kraft gibt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 01. Juni 2004, 16:42 Uhr
Irgendwann war auch für Halla das Fest vorbei gewesen. es hatte bis lange in die Nacht gedauert, ehe die letzten den Marktplatz verlassen hatten. Zum Schluss hatte noch ein betrunkener Zwerg versucht bei ihr zu landen, aber selbst wenn Halla gewollt hätte, wäre sie viel zu müde gewesen, und das erste Mal wollte sie die Inarinacht sicher nicht mit einem sturztrunkenen Zwerg verbringen. Müde war sie ins Bett gefallen und früh wieder aufgestanden, um beim Aufräumen des Marktplatzes zu helfen.

Die nächste Woche vergeht mit geheimnisvollen Vorbereitungen für irgendein Fest, welches Borgil mit arrangiert hat. Borgil hatte fürchterlich geheimnisvoll getan und Halla hatte nur mitbekommen, dass es sich um irgendein Festbankett am Smaragdstrand handeln würde. Sie hatte so gut es ging geholfen und doch noch versucht heraus zu bekommen um was es ging, aber Borgil war eisern geblieben. Aber auch dies war nun vergessen und der normale Alltag kehrte in die Harfe ein.

Halla fühlt sich heute ausgeruht und der Sonnenschein der durch die Fenster der Harfe dringt lässt ihre schon gute Laune noch ein bisschen besser werden. Die Gäste zieht es eher nach draussen in den Harfengarten und hier drinnen ist es, im Gegensatz zu sonst, recht ruhig. An einem der Tische entdeckt sie den Seher, den sie schon lange nicht mehr in der Harfe gesehen hatte. Wenn Halla sich recht erinnert, war seine Gefährtin vor einigen Tagen alleine in der Harfe gewesen , was sie schon da gewundert hatte, weil die Beiden ansonsten unzertrennlich waren. Und heute sitzt der Seher alleine hier. Halla liebt es zu spekulieren, und sie grübelt einen Moment darüber nach, ob die beiden sich wohl getrennt haben, aber dann schüttelt sie den Kopf, das wäre sicher schon bis zu ihr durchgedrungen. Viel weiter kommt Halla aber auch gar nicht mit ihren Überlegungen, denn Grid kommt mit einer grossen Bestellung aus dem Garten zurück und die beiden machen sich daran die Getränke fertig zu machen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jareth am 01. Juni 2004, 22:04 Uhr
Es ist Abend, als Jareth schließlich in die Goldene Harfe zurückkehrt. Der Magen knurrt ihm und erst das lässt ihn bemerken, dass er den ganzen Tag noch nichts gegessen hat. Der Schankraum ist beinahe leer; bei diesem Wetter bevorzugen die meisten Gäste ganz offensichtlich den Garten der Goldenen Harfe. Jareth setzt sich diesmal an einen Tisch und nicht wie sonst an den Tresen. Von Borgil kann er nichts entdecken, aber vielleicht ist Halla ja irgendwo und hatte Zeit für ein Pläuschen.

Es dauert nicht lange, bis eine Schankmagd seine Bestellung aufnimmt. Zufrieden streckt Jareth die Beine von sich und verschränkt die Hände auf dem Bauch, während er aus halbgeschlossenen Augen unauffällig die anderen Gäste mustert. Eine Gruppe Reisender sitzt am Nebentisch und die Männer machen den Eindruck als würden sie weit aus dem Osten stammen. Interessiert lauscht Jareth ihrem Gespräch über den unmöglichen Zustand der Handelstrassen und den guten Geschäften, die das Inarifest eingebracht hat, während auch schon sein Dunkelbier serviert wird.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ypsen am 01. Juni 2004, 22:47 Uhr
Als die Türe der Schenke sich öffnet, steht da ein stämmiger Zwerg. Seiner Kleidung sieht man die lange Reise an. Er schaut sich um und geht gerade auf die Theke zu und spricht die Schenkenmagd dahinter an. „Hoooo, einen schönen Tag wünsche ich Euch. Ypsen, Bewahrer der Schmiederunen aus der nördlichen Zwergenschmiedengilde der Ewig glühenden Esse, und Wanderer unter Tags“ stellt er sich umständlich aber nach nordischer Zwergenart vor.
„Ich hoffe ihr habt noch eine Mahlzeit und ein Fass Bier übrig. In meiner Kehle ist mehr Staub und Sand als in allen Wüsten zusammen. Dazu hab ich einen Riesenhunger. Ich bin ja bald so dünn wie ein Elf.“ Was natürlich masslos übertrieben ist, bei seiner stämmigen Zwergenpostur.

Er geht auf einen freien Tisch zu, stellt seinen Rucksack und seine grosse Doppelaxt neben sich, setzte sich und streckte seine Füsse. „Ohhh, ohhh“ stöhnte er, als er endlich eine bequeme Stellung auf dem viel zu grossen Menschenstuhl findet. Obwohl Ypsen reisen und marschieren gewöhnt ist, ist er doch zufrieden nun etwas ausruhen zu können. Der Weg war lang und ein grossen Stück musste er rennend zurück legen. Verdammte Wölfe denkt er und schaut grimmig drein.

Sein Gesichtsausdruck hellt sich jedoch gleich auf, als die nette Magd ihm einen grossen Krug Bier hinstellt. „Wartet“ murmelt er, während er den Krug in einem Zug leert. „Gleich nochmals auffüllen, bitte“. Denn Staub aus seiner Kehle gespüllt, schaut sich nun Ypsen in der Schenke um. Scheint eine nette Stadt zu sein. Die Bewohner hier starren mich nicht so misstrauisch an wie in der letzten Stadt. Wie war doch gleich wieder ihr Name? Ach, sollen ihnen das Erz ausgehen und die Öfen erlöschen, ich kann mich nicht mal mehr an den Namen erinnern, so schnell wollte ich sie wieder verlassen. Hier könnte ich doch etwas länger bleiben. Hoffentlich hat es hier eine gute Schmiede mit einem Schmied der sein Handwerk schätzt. Zu oft habe ich nun schon so Eisenverschwender gesehen, die es nicht mal wert waren Schmied genannt zu werden.

Der Duft des feinen Braten vor sich und der neue Krug mit Bier, vertreibt seine Gedanken. Mit einem „Dankeschön“ macht er sich sogleich über das Essen her.
Nach dem Mahl breitet sich eine wohlige Wärme sich in seinem Körper aus. Entspannt entledigt er sich seiner Lederweste und kramt aus seinem Rucksack eine Pfeife hervor. Seinen starken Armen, sowie den unzähligen Brandnarben, sieht man sogleich an, dass es sich hier wohl um einen Schmieden handeln muss. Spätestens wenn man die beiden Tätowierungen sieht die links und rechts seine Oberarme schmücken, ist jedem in der Schenke bewusst, das hier ist ein Schmied. Denn rechts trägt er das Wappen seines Clans die Ewig glühende Esse und links den Hammer und Amboss, den ihn als ausgebildeten Schmieden auszeichnet. Genüsslich steck Ypsen seine Pfeife an und lehnt sich behaglich in dem Stuhl zurück. Schliesst die Augen und schwelgt im Nichtstun, was Zwerge nur selten machen.Ich muss nur noch den Wirt fragen, ob er ein Zimmer frei hat und wo eine Schmiede meine Hilfe gebrauchen könnte. Aber erst mal die Pfeife in Ruhe zu Ende rauchen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jareth am 01. Juni 2004, 22:57 Uhr
Irgendwann zwischen Dunkelbier und Hauptgang öffnet sich die Türe und ein Zwerg tritt ein, geht schnurstraks zur Theke und donnert der Schankmagd einen Gruß nach Zwergenart hinüber. Jareth beobachtet amüsiert, wie der Zwerg, nun an einem freien Tisch in unmittelbarer Nähe angekommen, einen stattlichen Bierkrug in einem Zug leert und spätestens als er sofort Nachschub verlangt grinst Jareth mehr als breit. Würde jemand ein Schriftstück mit Zwergen bebildern wollen, dann hätte er hier eine Vorlage wie sie im Buche steht.

Etwa zeitgleich beenden Jareth und der Zwerg ihr Mahl und der Tuchhändler lässt sich ebenfalls noch ein Bier kommen. "Zum Wohl, Herr Zwerg!" Jareth hebt den Tonkrug und prostet dem Fremden zu, der genüsslich an seiner Pfeife nuckelt, die irgendwo inmitten des dunkelblonden Barts in seinem Gesicht verschwindet.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 01. Juni 2004, 23:06 Uhr
Es war das Knarrzen der Treppe, welches sie auf der Stelle herumfahren liess, doch schnell hatte sich ihr rasender Puls wieder beruhigt, als eine der Shankmaiden heraufkam. Azra konnte sich nicht mehr an den Namen erinnern, glaubte jedoch, das eher noch junge Mädchen schon einmal gesehen zu haben. Es schien leicht verwirrt zu sein, Azra hier zu sehen, senkte dann leicht den Blick und machte auf dem Absatzt kehrt. Was habe ich ihr denn getan? Nichts hatte sie getan, ausser sie anzublicken. Einen Moment lang blieb Azra erstarrt stehen, doch dann hastete sie dem Mädchen hinterher, erreichte sie jedoch nicht mehr rechtzeitig und stoppte mitten auf der Treppe, denn der SChankraum schien schon wieder ziemlich voll zu sein. Von hier aus konnte sie noch nicht viel sehen, doch als sie ihren Blick schweifen liess um nochmals eine der Schankmaiden zu erwischen fiel ihr Blick auf eine wohl eher dürre Gestalt, welche in der Nähe der Treppe sass und genüsslich das Essen der Goldenen Harfe kostete. Dies seltsame Haut des Wesens, sprang ihr ins Geicht und ebenso noch etwas anderes. Arkane Zeichen auf einem der Armrücken, die wunderschön und überaus mystisch aussahen, leuchentd in ihrer Farbe. Sie bemerkte nicht, dass sie auch die restlichen Stufe noch hinuntergestiegen war und erst auf der letzten Stufe stockte ihr Gang plötzlich. Zum Glück waren Halla oder Borgil gerade nicht da, was dies wohl wieder hervorgerufen hätte. Der Elb, sie hatte nun seine spitzen Ohren gesehen, sass mit dem Rücken zu ihr und schien sie noch nicht bemerkt zu haben. Was auch immer anzog, das Wissen darum was geschehen würde, wenn andere Gäste sie entdecken würden, war zu ängstigend, als das sie es wagen würde, sich ihm noch mehr zu nähern. Ihre Hände zupften an dem Hemd herum, welches der Zewrg ihr gegeben hatte und sie musste der Versuchung wiederstehen den Elben einfach anzusprechen. Sein Aussehen faszinierte sie, war sie noch nie einem solchen Elben begegnet und da ihr Borgil auch von einer Dämonin und einem Vampir erzählt hatte, fragte sie sich ob dieses Wesen hier vor ihr auch wirklich ein Elb war.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ypsen am 01. Juni 2004, 23:11 Uhr
"Zum Wohl, Herr Zwerg!" Ypsen öffnet sein rechtes Auge. Oh da prostet ihm doch ein Bewohner der Stadt zu. Wirklich eine nette Stadt.
"Auf eure Gesundheit, werter Herr. Gestatten Ypsen, Bewahrer der Schmiederunen aus der nördlichen Zwergenschmiedengilde der Ewig glühenden Esse, und Wanderer unter Tags. ... Wie war doch gleich euer werte Namen?“
Besänftigt durch den vollen Magen, ist Ypsen bereit sich mit dem netten Herrn ein wenig zu unterhalten.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jareth am 01. Juni 2004, 23:20 Uhr
...Schmiederunen aus der nördlichen Zwergenschmiedengilde der Ewig glühenden Esse.... Gute Götter. "Ihr könnt mich Jareth nennen, Jareth aus Laigin", antwortet er und kommt sich auf einmal so furchtbar unbedeutend vor. "Du meine Güte, Meister Ypsen, wenn Ihr Zwerge Euch alle so kompliziert vorstellt, dann mag ich mir nicht denken wie lange das Aufeinandertreffen zweier ganzer Zwergensippen dauert." Jareth verbeißt sich ein Lachen und hofft, dass der Zwerg soviel Humor besitzt um ihm diesen Kommentar nicht übel zu nehmen. Jareth hatte dann und wann auf seinen Reisen mit Zwergen zu tun gehabt und sie waren allesamt harte Handelspartner mit einem oftmals derben Humor. "Wie auch immer, Ihr scheint von weither zu stammen. Was verschlägt Euch in diese schöne Stadt?" Die 'schöne Stadt' unterstreicht Jareth mit einer ausholenden Geste. "Ihr habt doch hoffentlich nicht das Inarifest verpasst?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sethai am 01. Juni 2004, 23:23 Uhr
Kaum hat Sethai sein Mahl beendet – die Suppe ist verspeist und von dem Brot ist nur wenig noch übrig – spürt er eine Präsenz in seinem Rücken. Er kennt dieses Gefühl gut; wenn man gemustert wird, wenn die Augen sich vor Faszination nicht von seiner Gestalt wenden können. In der Vergangenheit war es meist die Faszination der Abscheu die er gespürt hat doch in diesem Fall scheint es anders zu sein. Den Besitzer dieses Augenpaares erfüllt Neugier und Interesse. Langsam und vorsichtig lässt er seine Gedanken schweifen, greift aus nach dem Geist des Wesen... der Frau... Azra... … die dort steht. Er spürt genau Ihre Hemmungen, spürt das sie ihn ansprechen möchte, das etwas sie zurückhält, spürt ihre Furcht vor Borgil, dem Besitzer der „Goldenen Harfe“, und vor Halla.
Ein wenig tiefer noch wagt er sich vor und ein Lächeln umspielt seine Lippen, ein Lächeln das das Mädchen nicht sehen kann, da er fast mit dem Rücken zu Ihr sitzt.

...das verspricht eine interessante Bekanntschaft zu werden... Wieder greift er aus nach Ihr, doch diesmal verbirgt er nicht seine Präsenz, diesmal spricht er zu Ihr, sendet seine Gedanken aus zu dem Mädchen auf der Treppe.

Du darfst mich ruhig ansprechen Azra... ich beiße nicht.... zumindest nicht so schnell... und vielleicht werde ich Deine Fragen beantworten...
Gespannt wartet er Ihre Reaktion ab. Aber in seiner Konzentration auf Azra bemerkt er nicht das der Kontakt mit Ihrem Energiefeld sich auch auf ihn auswirkt. Kleine Funken züngeln über die Runen seines Handrückens und seinen arm hinauf, Funken wie sie schon seit Monaten nicht mehr ausgebrochen waren...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ypsen am 01. Juni 2004, 23:43 Uhr
... Du meine Güte, Meister Ypsen, wenn Ihr Zwerge Euch alle so kompliziert vorstellt, dann mag ich mir nicht denken wie lange das Aufeinandertreffen zweier ganzer Zwergensippen dauert ... Ypsen schaut auf einmal Jareth ganz ernst an. Man sieht es Jareth an das ihm dabei nicht mehr so ganz wohl ist, verstohlen schielt er auf die grosse Axt neben dem Zwerg. Aber der fängt lauthals zu lachen an. "Darum ... werden wir... Zwerge ja auch ... so alt" stammelt er zwischen seinen Lachanfällen. Als er sich wieder beruhigt und die Tränen aus den Augen wischt ruft er schon der Schankmaid zu "noch zwei Krüge Bier, für Jareth aus Laigin und mich." Er schaut Jareth wieder an und meint "wir sind so klein, da müssen wenigstens unsere Namen gross sein." Wieder schlägt sich der Zwerg auf die Oberschenke und lacht schon wieder los.

Als sich Ypsen wieder beruhigt erklärt er Jareth aber "sagt sowas besser nur zu Zwergen mit vollem Bauch, dann hat unsereins mehr Humor."

"Ich bin ein fahrender Waffenschmied. Begierig darauf in diesem Handwerk ein Meister zu werden. Naja ein Meister unter Zwergenschmieden. Die Meisterschmiede der Menschen können oftmals weniger als die lernenden Zwerge. Wir haben ja auch viel mehr Zeit. "
Ypsen nimmt einen kräftigen Schluck Bier. "So reise ich nun seit einigen Jahrzenten von Schmiede zu Schmiede um mein Können zu vervollständigen. Nun ich hoffe es gibt hier ein paar anständige Schmieden die fleissige Hände gebrauchen können. ... Ihr benötigt nicht per Zufall eine gute Klinge?"

Nach einem kurzen Augenblick fährt Ypsen fort "Das Inarifest habe ich leider verpasst. Gab sicher üppige Speisen und viel Bier."


Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 01. Juni 2004, 23:52 Uhr
Wie vom Blitzt getroffen weich Azra zurück, stolpert und fällt... landet jedoch nicht unsanft auf der Treppe, wie es eigentlich hätte sein sollen, sondern wird von zwei Armen aufgefangen, welche ihren Fall flink verhindern. Erstarrt schweift ihr Blick langsam in Richtung ges Gesichts, welches auf sie herabsieht und einen Moment später nehmen die zwei spiegelglatten goldenen Seen sie gefangen, bannen ihre Aufmerksamkeit, als gäbe es nichts anderes im Saal. Erst eine ganze Weile danach, bemerkt sie, dass das Wesen sie noch immer hält und löst sich schon beinahe ruckartig von ihm, huscht einige Treppenstufen hinauf und wendet sich erst dort wieder um, einen erschrockenen, ja schon beinahe ängstlichen Ausdruck in den farblosen Augen. Doch die Augen welche zurückblicken sind nicht weniger seltsam und das ganz allein hindert Azra daran direkt Reisauss zu nehmen und wieder in ihrem Zimmer zu verschwinden. Nein, ganz im Gegenteil, statt das ihr unwohler wird in der Gegenwart dieses Wesens, spürt sie plötzlich etwas vertrautes, wenn sie auch nicht einreihen kann, um was für eine Art von Vertrautheit es sich handelt, doch der eisige Schauer welcher ihr über den Rücken läuft spürt sie eindeutig. Mit einem Male fallen ihr die kleinen Funken auf, welche sich über die auffälligen Muster an seinen Armen winden. Es ist ein atemberaubendes Spiel und ihr Mund öffnet sich leicht, klappt unmerklich auf und zu, als ob sie etwas sagen wollte, doch mehr als ein Lufthauch dringt nicht aus ihrer Kehle.
Stufe für Stufe nähert sie sich dem Wesen wieder, lässt den Blick nicht von dem Funkenspiel gleiten und bleibt erst kurz vor dem Elben stehen. "Was ist das?" Ihre Stimme ist sonderlich leise, ein Flüstern ohne Halt. Irgendwie zieht es sie dazu die Hand auszustrecken und diese Muster und die Funken zu berühren, doch unterbindet sie diesen Gedanken und blickt nun direkt zu dem Wesen auf, in den goldenen Spiegeln nichts erkennend, was ihr hätte weiterhelfen können.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sethai am 02. Juni 2004, 00:14 Uhr
So schnell die Funken gekommen sind, so schnell verschwinden sie auch wieder als Sethai sich ihrer gewahr wird. ...unvorsichtig von mir... ich hätte wissen müssen das das passiert... sie ist meinem Blut zu nahe... ich darf meine Fähigkeiten in ihrer Nähe nicht so unbedarft und ohne Vorbereitung einsetzen...
„Das ist ein Elf... das bin ich und ich bin Sethai. Und ich bin erfreut Eure Bekanntschaft zu machen Azra... aber wollen wir hier auf der Treppe stehen bleiben? Entweder wir setzen uns an meinen Tisch und Ihr teilt einen Tee mit mir oder wir gehen auf Euer Zimmer falls Ihr fürchtet das Eure Anwesenheit im Schankraum Euch Probleme bereiten könnte. entscheidet Ihr doch bitte... Und ja... ich bin wirklich ein Elf...“
Jetz wo er spricht kann Azra auch seine Stimme hören. Das scheint nicht die Stimme eines normalen Wesens zu sein. Sie klingt falsch, fehl am Platze, so als sei sie nicht hier, würde sie nicht dieser Welt entstammen sonder von leicht „um die Ecke“ her kommen. Doch so beunruhigend diese Stimme auch ist, sie wirkt irgendwie auf eine seltsame Art weich und sanft. Auch das Lächeln des Elfen wirkt freundlich und ehrlich, wie er so da steht, die Hände zu einer einladenden Geste geformt, wartend auf Ihre Antwort...

Ich habe sie erschreckt... gut... das bringt mir auf jeden Fall Ihre Aufmerksamkeit... und ihre Faszination ist deutlich spürbar. Ich denke sie wird bald etwas von Ihrer Scheu ablegen.

Während sie gebannt seiner Stimme zu lauschen scheint betrachtet er ihren Geist eindringlich aus seinen unergründlichen Augen.

Nach einem kurzen Schockmoment nickt ihm Azra leicht zu und wendet sich nach oben. Sethai folgt Ihr die Treppe hinauf und in Richtung auf Ihr zimmer. Scheinbar ist Ihr das Risiko zu groß im Schankraum auf den grimmigen Wirt zu stoßen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Thay-Lee am 02. Juni 2004, 08:44 Uhr
Thay-Lee entschliesst sich eben, ihr Bett für heute abend doch noch einmal zu verlassen, welches sie seit der vergangenen Nacht kaum verlassen hat, weil sie sich einfach nicht wohl fühlte.
Jedesmal, wenn sie aus einem unruhigen Schlaf hochgeschreckt war, hatte sie das Gefühl, irgendetwas ist anders.
Jetzt, wo ihre Gedanken langsam wieder klar werden, erkennt sie es. Es war zu still!
Eine Erkältung kristallisiert sich heraus, nichts, womit sie nicht fertig werden könnte, also ist es nun endlich zeit, dem Raum hier den Rücken zuzukehren und nachzusehen, was in der Harfe passiert ist.

Sie öffnet leise die Tür und da ist es auch schon vorbei mit leise und unauffällig. Ihr gegenüber steht Chayla.
Sie hat es tatsächlich überlebt, ist das erste, was Lee durch den Kopf rast.
Zu überrascht, um etwas zu sagen, schaut sie Chayla an, bis sie endlich begreift, das diese sie gegrüsst hat....

Es kommt nicht oft vor, das Thay-Lee um Worte verlegen ist, genau jetzt in diesem Moment allerdings hat sie das Gefühl, das dort, wo sonst das Gehirn sitzt, nur jede Menge Stroh oder dergleichen zu finden sein muss.
Also quetscht sie auch sie ein verunglücktes "Hallo!" heraus und ärgert sich gleichzeitig, das all die Fragen, die ihr irgendwo hinter den Lippen herumschwirren, da auch bleiben. Als wenn ich die Fähigkeit zu sprechen verloren hätte...

Chayla mustert sie noch kurz und dreht sich dann der Treppe zu.
In diesem Augenblick, das bekommt Thay-Lee noch mit, will eine der Schankmaiden nach oben kommen, dreht sich allerdings beim Anblick von Chayla und ihr eilig wieder um und läuft in die entgegengesetzte Richtung.
Lee hätte so etwas gar nicht persönlich genommen, sondern sich gedacht, das ihr wohl eingefallen ist, das sie etwas verghessen hat, Chayla jedoch, nach einem Schreckmoment, läuft ihr nach.

Thay-Lee folgt ihr langsam. Es scheint ihr wieder richtig gut zu gehen, das ist unglaublich! Sie war mehr tot las lebendig, als ich sie das letzte mal sah....

Am unteren Drittel der Treppe stockt Chayla dann wieder, Thay-Lee nimmt sich jedoch keine zeit, um den Grund herauszufinden.
Mit einer gemurmelten Entschuldigung quetscht sie sich an ihr vorbei und wirft einen erstaunten Blick in den Schankraum.
Leer!

Naja, nicht ganz leer aber im Gegensatz zu sonst.... Nur einige, wenige Gäste sitzen im Raum, Borgil und Halla sind nicht zu sehen.
Das ist interessant!
Mit einigen, schnellen Schritten durchquert Lee den Raum, mustert kurz die anwesenden Gäste, senkt dann aber wieder den Blick und ist erleichtert, die Tür erreicht zu haben.
Beim Hinausgehen dreht sie sich noch einmal um, um zu sehen, ob sie Halla oder Borgil vielleicht übersehen hat, was scheinbar aber nicht so ist.
Dann schliesst sie die Tür.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jareth am 02. Juni 2004, 12:22 Uhr
Jareth mag seinen Ohren nicht ganz trauen, als der Zwerg nach seinen Worten in schallendes Gelächter ausbricht und schließlich muß er selbst mitlachen. "Ein Waffenschmied seid Ihr also. Aber ich fürchte, ich benötige keine Klinge oder Ähnliches. Ich bin lediglich ein Wollhändler, der versucht in dieser Stadt Fuß zu fassen. Wäre ich länger hier, dann könnte ich Euch vielleicht weiterhelfen bei Eurer Suche nach einer Schmiede." Belustigt beobachtet Jareth wie Ypsen von seinem Bier trinkt. Dieser Zwerg ist ihm mit seiner ruppigen Art durchaus sympathisch.

"Üppige Speisen, Bier und noch mehr Wein, das kann ich Euch versichern, das alles gab es auf dem Fest." Jareth errinnert sich ein paar Tage zurück, als das Inarifest seinen Höhepunkt erreicht hatte und er selbst, dem der Sinn wenig nach Feiern stand, hatte die meiste Zeit versucht den Menschenmengen aus dem Weg zu gehen, wenn er nicht gerade seine Waren an den Mann - oder besser: an die Frau - gebracht hatte. "Einträglich war es auf jeden Fall. Beinahe meine ganzen Waren haben sich wie von selbst verkauft. Dabei sollte man meinen, dass gerade am Inarifest wenig Bedarf an bedeckenden Textilien besteht." Ein süffisantes Grinsen begleitet seine Worte, auch wenn er keine Ahnung hat, auf welchen Grad sich das Interesse eines Zwerges an fleischlichen Gelüsten beläuft.

Immer wieder sieht sich Jareth im Schankraum um, ob Halla irgendwo zu sehen ist, denn zu gern hätte er wieder einmal ein Paar Worte mit ihr gewechselt, aber von Borgils oberster Schankmagd ist weit und breit nichts zu sehen. Währenddessen durchquert eine kleine, dunkelblonde Person den Raum, nur um auch gleich wieder aus der Türe zu verschwinden. Jareth fragt sich, wieviel Gäste die Goldene Harfe auf Dauer beherbergen mußte, von denen er bislang so gut wie überhaupt nichts mitbekommen hatte.

"Und Ihr", wendet er sich dann wieder an Ypsen, "habt Ihr schon eine Unterkunft oder gedenkt Ihr die Dienste dieser wunderbaren Taverne in Anspruch zu nehmen?" Jareth berichtet dem Zwerg anschließend recht ausführlich über die Vorzüge der Goldenen Harfe (besonders die kulinarischen). "Aber lange werde ich hier nicht mehr Gast sein. Ich konnte vor Kurzem ein Häuschen erstehen und sobald meine Möbel fertig sind, werde ich wohl dort einziehen." Er beendet den Satz mit einem Schluck Dunkelbier.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ypsen am 02. Juni 2004, 12:49 Uhr
"Lediglich Wollhändler?" wiederholt Ypsen. "Das ist doch ein anständiger und währhafter Beruf. Zudem, wenn das Geschäft so gut läuft, sicher eine wahre Freude. Nur leider kann ich mit Wolle nichts anfangen. Stellt euch vor ein strickender Zwerg." Darauf fängt der Zwerg schon wieder an zu lachen. "Ihr seid ein lustiger Geselle, Jareth, Wollhändler aus Laigin. Eure lustige Art, ist eine Wohltat nach Wochen der Einsamkeit auf der Strasse."

Ypsen bemerkt wie Jareth sich schon wieder im Schrankraum umschaut. Der sucht wohl noch ein paar Käufer denkt er sich.

"Hmmmm, die Harfe macht mir einen guten Eindruck. Falls es noch ein Zimmer frei hat und der Preis stimmt, werde ich wohl ein paar Tage hier übernachten. Zumal es hier so lustige Gäste hat." schmunzelt Ypsen.

"Ich beglückwünsche euch zu eurem eigenen Heim. Aber ich hoffe ich treffe euch dann das eine oder andere Mal zu einem Krug kühlen Bier hier in der Harfe, oder in einer anderen Schenke. Falls ich bis dahin noch keine Beschäftigung in einer Schmiede gefunden habe, helfe ich euch gerne mit den Möbeln. Ich war so lange unterwegs, dass ich glatt vergessen habe was richtige Arbeit ist" und blässt einen grossen Rauchring in die Luft.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jareth am 02. Juni 2004, 14:15 Uhr
Jareth grübelt einen Moment lang. "Ich danke Euch, aber bei den Möbeln brauche ich wohl keine Hilfe. Der Schreiner, dem ich die Dinge in Auftrag gab, machte mir einen recht fähigen Eindruck." Er schmunzelt bei den Worten, denn der Schreiner hatte zu Anfangs eher einen verkaterten als fähigen Eindruck gemacht. "Aber vielleicht kann ich Euch weiterhelfen, falls Ihr tatsächlich keine Arbeit finden solltet. Ich hoffe, das mein Geschäft in Kürze eröffnet werden kann und ich habe noch niemanden, der mir im Lager und bei den Einkäufen zur Hand geht. Vielleicht ist das nicht von Interesse für Euch, aber es wäre eine Option, die Euch offensteht, so lange die Stelle frei ist. Ich habe bereits vor einigen Wochen einen Aushang gemacht aber bislang hat sich niemand gefunden, der für diese Arbeit geeignet wäre." Der Zwerg macht den Eindruck, als könne er ohne Probleme kräftig zupacken und als Schmied hatte er sicherlich vom Einkauf und auch vom Handeln genügend Ahnung. Die Vorstellung von einem strickenden Zwerg ist dennoch herrlich. "Vielleicht kann Euch auch der Baumeister helfen, der mein Haus instand gesetzt hat. Dror Silberbart ist sein Name, ebenfalls ein Zwerg. Möglicherweise weiß er mehr über die örtlichen Handwerksbetriebe. Sicher aber kann Euch Meister Borgil weiterhelfen, der Wirt. Der ist aber offenbar heute nicht im Haus."

Mittlerweile ist Jareths Bierkrug zur Gänze geleert und er muß sich eingestehen, dass das Abendmahl etwas zu üppig gewesen ist. "So lässt es sich leben. Ein starkes Bier, ein gutes Essen und warme Füsse. Aber nun müsst Ihr mich entschuldigen, Meister Ypsen. Es war ein langer Tag und ich werde jetzt nach oben gehen. Auf Bald und einen schönen Abend noch." Jareth erhebt sich, streicht sich das Hemd glatt und reicht dem Zwerg zum Abschied die Hand.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ypsen am 02. Juni 2004, 14:41 Uhr
„Ich danke euch für diese nützlichen Informationen und euer Angebot. Ich werde darauf zurückkommen, falls es sich so ergibt“. Damit ergreift er die Hand von Jareth zum Abschied. Wohl etwas zu stark wie er am kurzen verziehen der Mundwinkel erkennt. „Ich wünsche euch eine angenehme Nachtruhe Meister Jareth. Ich werde hier wohl noch auf Meister Borgil warten und die Zeit mit ein paar Freunden verbringen. Damit meine ich ein paar Krüge Bier.“

Ypsen setzt sich wieder hin und raucht weiter Pfeife, während er zurück denkt.
Wenn nur der Wirt oder die Wirtin bald auftauchen. Ein warmes Bad und danach ein ebenso warmes Bett würde die Krönung dieses besonders guten Tages sein. Endlich in der Stadt, eine vorzügliche Mahlzeit, ein paar Biere und mit dem netten Wollhändler gelacht.

Etwas müde schaut sich Ypsen im Raum um, ob er den Wirt oder die Wirtin entdecken kann.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 02. Juni 2004, 17:21 Uhr
Mag sie noch so fasziniert sein von seinem Wesen, dass die Funken plötzlich verschwinden und er ihrer Frage ausweicht wir selbst ihr klar in diesem Moment. Statt jedoch gleich nachzufragen nickt sie nur kurz und wendet ihm dann den Rücken zu. Unten im Schankraum sitzen und fröhlich mit Jemandem reden? Dazu käme ihr nicht einmal der Gedanke, wenn sie darüber nachdachte was wohl geschehen würde, wenn der Herr Zwerg es sähe. Wohl oder übel sitzt sie hier fest, vielleicht nicht gar so schlimm wie zu Beginn, jedoch trotzdem...
Das Gefühl der Vertrautheit ist sammt den züngelnden Flammen verschwunden und nun ist sie sich kaum mehr im klaren darüber was sie dem Elf gegenüber überhaupt hatte sagen wollen. Schliesslich im Zimmer wendet sie sich um, ihr Blick schweift über seine ganze Erscheinung und bleibt wieder an den arkanen Zeichen auf der seltsamen Haut hängen, bei denen nun jedoch diese Anziehung fehlt. Trotzdem ist es alles in allem eine wahrhaft seltsame Erscheinung und leise atmet sie ein. Ob es aus Verlegenheit oder sonstwas ist, begreift sie selbst nicht, doch immerwährend zupft sie an dem Saum einer der Aermel herum, ohne zu sehen das er langsam beginnt auszufransen: "Ich habe nicht gefragt was IHR seid, sondern was dies für seltsame Funken auf euren ebenso komischen Zeichen waren? Und Woher wusstet ihr meinen Namen und das ich Fallen würde?" Dies ist ihr ebenfalls aufgefallen, dass er schneller von seinem Platzt weg gewesen war, als das er hätte erahnen können, dass sie vor Schreck umfiele.
Klang ihre Stimme bisher auch leicht skeptisch ist sie nun nur noch neugierig: "Sagt ihr mir was ihr für ein Elf seid? Solch einer Art wie euch bin ich noch nie begegnet." Hoffentlich fasst er es nicht als Unverschämtheit auf...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sethai am 02. Juni 2004, 18:32 Uhr
„Fangen wir doch mit dem Einfachsten an, woher ich wusste das Ihr fallen würdet und wieso und woher ich euren Namen kannte. Ich bin ein Seher, jemand dem das zufliegt was anderen versteckt ist. Ich sehe einen Teil der Zukunft wenn ich will und was sie bereit hält... und ich sehe die Gedanken aller Wesen. Dadurch ist es mir ein Leichtes so etwas wie einen Namen zu ergründen. Er liegt weit oben in den Gedanken und ist leicht herauszufischen aus dem Strom derselben.“
Sethai macht eine kleine Pause um das bisher Gesagte von Azra erst mal verdauen zu lassen. Sicher begegnet sie nicht jeden Tag jemandem für den die Grenzen der Gedanken kein Hindernis darstellen. Das Folgende würde weit weniger einfach zu erklären sein...

...Was für eine Art Elf bin ich denn?... Ich weiß gar nicht ob es darauf überhaupt eine Antwort gibt...

„... Was die Zeichen auf meinem Arm betrifft, darauf kann ich Euch leider keine Antwort geben. So lange ich mich zurückerinnern kann waren sie dort und mir wurde gesagt das sie schon bei meiner Geburt dort prangten. Sie gehören scheinbar zu meiner Herkunft wie alles andere auch, meine Stimme, meine Haut, meine Augen.... und bevor Ihr fragt, ich bin blind... ich kann nicht sehen was Ihr seht. Ich kann nicht sagen welche Farbe der Stuhl dort drüben hat oder welche Farbe oder Musterung Eure Kleider haben. Euer Antlitz ist mir auch verborgen. Ich sehe Euch lediglich wie Ihr Euch in der Anderen Welt präsentiert, sehe den Fluss Eurer Gefühle, die Gedanken an der Oberfläche spiegeln sich für mich wie Ihr die Bilder an der wand sehen könnt....
...Ich hoff Ihr versteht was ich Euch hier erzähle...

Geduldig steht er noch immer vor Ihr, weiterhin das freundliche und warme Lächeln auf seinem ungewöhnlichen Gesicht. Mit der linken Hand zieht er seine Lumpen, denn nichts anderes ist es das er anhat, so zurecht das sie die Runen auf seinem rechten Arm beinahe ganz verdecken. Kein Fünkchen ist mehr zu sehen.

„... Die kleinen Flammen die Ihr gesehen habt sind eine Eigenart meines Bluterbes.... wenn ich mich den Quellen meiner Herkunft nähere oder etwas was damit verwandt ist, dann zeigen sie sich manchmal... ein Nebenprodukt meins Erbes.... Lasst Euch davon nicht beunruhigen, es ist ungefährlich solange es unter Kontrolle ist....“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ypsen am 02. Juni 2004, 19:23 Uhr
Die Magd stellt gerade den fünften Krug Bier, seit Jareth gegangen ist, vor Ypsen auf den Tisch. Die Pfeife liegt schon lange kalt auf dem Tisch. Auch lässt langsam die besäntigende Wirkung des vollen Bauchs nach.

Ob dieser Jareth nicht ein bisschen übertrieben hat mit dem Lob auf die Harfe. Nun ja das Essen war gut. Das Bier kühl und die Krüge sauber. Aber es erstaunt, dass es den Wirt oder die Wirtin nicht kümmert, was in seinem Geschäft vorgeht. Naja sicher so elfische Taugenichtse. Die  einfach keine richtigen Geschäftsleute sind. Nur ihren Zauber-Firlefanz oder Bäume im Kopf.

"Hmmmm" brummelt Ypsen, "nach dem Bier seh ich mal nach, ob es hier in der Stadt nicht noch andere Schenken gibt" murmelt er mürrisch in seinen Bart und leert den halben Krug mit einem grossen Schluck.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 02. Juni 2004, 20:56 Uhr
Da es in der Harfe selber recht ruhig ist und Grid den Garten gut alleine bewältigen konnte, ist Halla zu Sigrun in die Küche gegangen, um mit ihr über den Plan für die nächste Woche zu sprechen, welche Tagesgerichte sie anbieten wollten und noch vieles andere. Wie es üblich ist, hatte sie dann mit Sigrun noch über allerlei Tratsch und Klatsch geredet.  Nun aber ist alles besprochen und Sigrun beginnt auch damit das Essen für heute Abend vorzubereiten. Der Eintopf blubbert schon im Kessel über der grossen Feuerstelle an der hinteren Wand und nun macht Sigrun sich daran, das etwas aufwendigere Essen für die reicheren Gäste zuzubereiten, die Kanninchen drehen sich schon seit einer Weile über dem Spiess, aber die Beilagen sind noch nicht fertig und so geht Halla zurück hinter die Theke.

Ihr fällt sofort ein Zwerg ins Auge, der an einem der Tische sitzt und in einen Krug Bier starrt.Oh, ein neuer Zwerg in Talyra, dass wird Borgil sicher freuen, wenn er von der Hochzeit zurück ist. Sie grüsst den Zwerg mit einem Nicken, als er einen Blick zu ihr wirft, und gibt dann einem der Schankmädchen, die Anweisung die Tische endlich einmal leer zu räumen. Sie spricht nicht laut, aber ihr Tonfall lässt das Mädchen rasch ihre Beine in die Hand nehmen und dreckiges Geschirr und leere Krüge einsammeln, die schon längst abgeräumt hätten werden müssen. Halla schüttelt leicht den Kopf und murmelt etwas unverständliches vor sich hin, das sich anhört wie: "Kann man nicht einmal einen Moment weggehen." Dann kommt Grid in die Harfe mit einem grossen Tablett leerer Krüge, Hörner und Gläser und bringt auch eine grosse Bestellung mit. Halla hilft ihr schnell dabei und macht sich dann daran die Krüge zu spülen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ypsen am 02. Juni 2004, 21:13 Uhr
Die kleine Frau welche gerade die Schenkenstube betritt, scheint, nach dem Verhalten der Mägde, die Wirtin des Hauses zu sein, erkennt Ypsen freudig. Endlich ein Zimmer, falls eines frei ist. Er geht sofort auf die kleine Mogbarfrau zu und spricht sie sogleich an. „Einen guten Tag Frau Wirtin. Ich bin ein weit gereister, müder Zwerg, der gerne mal wieder in einem warmen Bett unter einem Dach schlafen will. Sag, habt ihr noch ein Zimmer frei, in eurer wunderbaren Schenke und was würde es kosten?“ Da Ypsen in der Zwischenzeit doch recht müde ist, stellt er sich auch nicht mehr so förmlich vor.
„Ein Bottich Wasser wäre auch eine gute Idee. Wenn ich morgen in der Schmiede um Arbeit frage, soll ich ja nicht wie ein Zwergenkrieger nach einen Krieg gegen Riesen aussehen.“

"Ach ja übrigens, ich hoffe es gibt eine oder mehrere Schmieden hier in der Stadt? Naja ihr oder eine euer Mägde können mir ja morgen den Weg beschreiben. Ich sollte wohl mal wieder ein paar Stunden am Stück schlafen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 02. Juni 2004, 21:34 Uhr
Halla kann sich ein Lachen verkneifen, aber ein Grinsen nicht. Der Zwerg, der dort vor ihr steht, könnte gar nicht mehr Zwerg sein, hätte Halla noch nie einen Zwerg gesehen, dann hätte sie sich ihn so vorgestellt. Ihr Grinsen verwandelt sich zu einem Lächeln, während sie ihm erklärt, wieviel das Zimmer kostet, mit und ohne Frühstück, dass er gerne einen Zuber haben könne, und dass es genug Schmieden in der Stadt gibt und er sicherlich eine Anstellung findet. Allerdings sagt sie ihm direkt, dass Taran, der Schmied am Marktplatz, momentan nicht da ist, da er auf eine Handelsreise gegangen sei. Dann nimmt sie einen Schlüssel von dem Brett hinter sich und schiebt ihn dem Zwerg zu. "Ich hoffe euch gefällt das Zimmer, ich werde gleich einer der Mägde Bescheid geben, dass sie euch ein Bad richten sollen, wenn sonst noch etwas ist, sagt mir Bescheid." Sie lächelt dem Zwerg noch einmal zu und denkt sich im Stillen, dass er wirklich ein Bad gebrauchen könnte. Als eines der Mädchen die Treppe hinunter kommt, erteilt sie schnell die Anweisungen und kurz darauf schleppen einige junge Burschen mehrere Eimer warmes Wasser die Treppen hinauf.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ypsen am 02. Juni 2004, 22:22 Uhr
Zufrieden eine Unterkunft gefunden zu haben, nimmt der Zwerg den Schlüssel entgegen.  "Hmmm, ja Zimmer mit Frühstück, aber bitte ein Frühstück, dass den Hunger eines Zwergen stillt, nicht der einer Fee." Kann er sich trotz seiner Müdigkeit doch nicht verkneifen. Ist ja auch nicht gerade billig, naja eine Stadtschenke halt.

Er verpackt seine Pfeife nimmt Sack und Axt und macht sich auf den Weg in sein Zimmer. Natürlich erwischt er zuerst die falsche Türe. In dem Zimmer sind zwei Elfen, welche nicht gerade sehr gesund aussehen.  Das kleine Elfenmädchen sieht ihn ängstlich an. Naja es polltert schon wenn ein müder Zwerg ins falsche Zimmer reinstürmt.
"Ohhh, ohhh entschuldigung verehrte Elfen. Ich habe mich wohl in der Tür geirrt. Keine Angst ich esse keine Elfen" will er die kleine Elfin beruhigen, die einen sehr furchtsamen Eindruck macht. "Ich habe schon gegessen." lacht er und meint zum Abschied "Übrigens Essen, es gibt hervorzüglichen Braten. Ihr seht aus als ob ihr beide was vertragen könnt. Wünsche eine gute Nacht und bitte nochmals um Verzeihung."

Schon ist er aus dem falschen Zimmer verschwunden. Endlich steht er im richtigen Zimmer. Das Badewasser ist schon dampfend bereit.
Schnell nimmt Ypsen ein Bad und wäscht sich den Staub von Wochen auf der Landstrasse ab.

Kaum ist er fertig mit Baden als auch schon, Mägde und Burschen räumen das Wasser samt dem Staub darin weg.

"Gute Nacht" verabschiedet Ypsen die Bediensteten. Nimmt einen kleinen Kasten aus Metal aus dem Rucksack. Mit einer komplizierten Reihenfolge an Knöpfen öffnet sich der Kasten. Hinein legt Ypsen das Reisegeld zu seinem restlichen Barem. So nun kann ich beruhigt schlafen denkt er und erinnert sich an die Diebe die schon alle Fingerkuppeln beim öffnen des Kastens verloren haben. Keine Magie aber eine ausgeklügelte Mechanik, hat schon so manchen Dieb zur Verzweiflung gebracht.

Danach kriecht Ypsen unter die Decke. Kurze Zeit später ist das Schnarchen weit hörbar.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 02. Juni 2004, 23:53 Uhr
Ein Seher? Ein Seher der dazu noch blind ist und Gedanken lesen kann, so einfach mal eben? Was ist das bloss für ein Wesen? Mit einem Male fällt ihr auf, dass das was sie gerade denkt, also für ihn sichtbar ist, er kann also erkennen, dass sie  momentan daran denkt, dass er sieht was sie wiederum denkt. Mit einem Male schwirrt ihr Kopf und überaus verwirrt über diesen äusserst komplizierten Gedankengang schwankte sie einen Schritt zurück, greift sich dann an die Stirn und versuchte die Tatsache, das er mehr sieht, obwohl er nichts sieht, einfach erstmals zu verdrängen. Wenn dem wirklich so ist, kann sie es nicht verhindern, auch wenn sie nicht behaupten kann, dass sie sich nun besser fühlt in seiner Gegenwart. als zuvor. Die Bewegung jedoch, als er seine "Kleidung* so zurechtzupft, dass man kaum mehr etwas von den Runen erkennen kann, lässt sie aufblicken und in ihren Augen schimmert Misstrauen, was für ihn wohl in ihren Gedanken mit den Fragen: Woher diese Zeichen... Was ist er?... Die Funken?... zusammen offen darliegt.
Bei seinen letzten Worten jedoch wird ihr ansonsten schon schneeweisses Gesicht, noch um eine Spur bleicher, unmerklich, doch der Gefühlsumschwung ist wohl unverkennbar.

wenn ich mich den Quellen meiner Herkunft nähere oder etwas was damit verwandt ist, dann zeigen sie sich manchmal...

Was hat dies zu bedeuten? War Jemand unten im Schankraum gewesen, welcher mit ihm verwandt gewesen war? Doch wenn sie zurückdenkt, fällt ihr Niemand ein, der irgendwie komisch genug gewesen wäre um mit diesem Elf verwandt zu sein, soweit sie sich erinnern kann, waren da gar keine weitern Elfen, doch darauf will sie sich nicht verlassen. Dann plötzlich werden ihre Gedanken klarer und ihr Augen weiten sich für einen Moment. Bin... ICH das etwa? Schliesslich vermag sie nicht mehr an sich zu halten, doch der nächste Satzt ist wie ein Tritt und sie muss Luft holen um nicht zu husten. Diese Funken können also gefährlich sein? Warum hat sie gerade bei deren Anblick eine Vertrautheit gespürt, wenn sie doch Schaden anrichten können? Wieso macht dieser Elf überhaupt so komische Andeutungen? Gerade will sie ihn fragen, als plötzlich die Tür mit einem Krachen auffliegt und ein Zwerg eintritt. Zuerst denkt sich Azra noch, dass es der Herr Zwerg ist, doch schon im nächsten Augenblick sieht sie das dem nicht so ist und blickt den Eingetretenen ängstlich an. Dieser jedoch scheint ebenso verwirrt, entschuldigt sich und faselt noch irgend etwas von einem guten Essen, bevor er wieder verschwindet und die Türe hinter sich schliesst. Stocksteif steht Azra da, fühlt wie ihr But langsam wieder beginnt durch ihre Adern zu rinnen, doch ihre Beine wollen nicht mehr sonderlich und schnell lässt sie sich auf der Bettkante nieder, den Elf jedoch nicht aus den Augen lassend. Sie muss zuerst ihre Stimme suchen bevor sie wieder anfangen kann zu sprechen: "Was soll das bedeuten, diese Funken treten nur zutage, wenn verwandtes Blut in der Nähe ist? Sprecht ihr von mir? In welche Weise?" Das Misstrauen ist verschwunden, die Neugierde zurückgekehrt, ebenso wie die Faszination. Die Vertrautheit jedoch bleibt verschwunden, als ob sie nie existiert hätte.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sethai am 03. Juni 2004, 03:38 Uhr
Das Eindringen des Zwerges entlockt Sethai ein amüsiertes Lächeln. Das Volk der Zwerge hatte ihm schon immer gut gefallen. Ihre Offenheit, ihre Direktheit und Ihr Genuss der schönen dinge des Lebens – zumindest das was sie als schön empfinden; man weiß einfach woran man bei ihnen ist, selbst ohne sich auf ihre Gedanken zu konzentrieren. In der Nähe von Zwergen konnte er bisher meist relaxen. Das auch dieser Zwerg da keine Ausnahme darstellt vermittelt schon der klare Geruch nach Alkohol. Er scheint so viel davon zu sich genommen zu haben das er die Zimmernummern sogar schon verwechselt.
So schnell er gekommen ist, so schnell verschwindet er auch wieder als er seinen Fehler bemerkt. Nicht jedoch ohne Azra gegenüber einen Satz fallen zu lassen der ihn wiederum Schmunzeln lässt.
„Ich wünsche Euch eine erholsame Nacht, Herr Schmied.“, ruft Sethai ihm noch leise hinterher, bezweifelt jedoch das der Zwerg das noch gehört hat.
Azra selbst hat das Eintreffen des ungebetenen Gastes – auch wenn er nur kurz blieb – anscheinend noch ein wenig mehr verwirrt und in ihren Gefühlen ist ein kleiner Schrecken darüber spürbar.
Beiden jedoch scheint der Besucher auch geholfen zu haben. Die Blutelbin konnte sich wieder sammeln und Sethai spürt genau wie sie sich wieder fasst und Ihr Herzschlag sich auch wieder um einige Nuancen beruhigt – leider scheint sie ihm nun zu misstrauen – und er selbst hatte einige Sekunden mehr Zeit sich die richtigen Worte zurecht zu legen.
Ebenso ruhig wie vorher spricht er weiter.

„Ich merke schon dies wird wohl ein längeres Gespräch werden... aber vorher, ich hoffe Ihr gestattet das ich mich setze. Hier die ganze Zeit so zu stehen ist nicht so gut fr meine müden Knochen... ich bin seit langer Zeit schon auf den Beinen und da Ihr auf dem Bett Platz genommen habt ist dieser Stuhl sicherlich bereit mich zu tragen.“
Langsam geht der Elf zu dem soliden Holzstuhl, der wie alles in der Harfe schon mehrere Jahre sicher auf dem Buckel hat und wohl auch noch mehrere weitere erleben wird. Die Einrichtung scheint, wie es sich für eine Taverne gehört die von einem Zwerg geführt wird, für die Ewigkeit gemacht zu sein. Als er sich gesetzt hat nimmt er noch seine Tasche von der Schulter und legt sie auf den neben stehenden Tisch. Die einfache Ledertasche, die er zuvor an einem Riemen um die Schulter getragen hat, scheint prall gefüllt mit allerlei Zeugs. Zu oberst ragen ein paar Bündel Kräuterstauden unter der Lasche hervor die die Tasche verschließt und Regen und anderes Unliebsames daran hindert in das Innere zu gelangen.

„Wo war ich stehen geblieben... ach ja... mein Blut. Seht Ihr... das Blut meiner Familie ist auf beiden Seiten äußerst alt und äußerst stark. Die Blutlinie meiner Mutter lässt sich bis weit in die Geschichte der Elfen zurückverfolgen. Alle Ihre Vorfahren waren mächtige Heiler und Beschwörer. Sie setzten ihre Kräfte zum Guten und zum Wohl aller ein und vor allem um das Böse in der Welt einzudämmen. Sie ist eine der ältesten Blutlinien Ihres Hauses.
Die Blutlinie meines Vaters hingegen ist so ziemlich das Gegenteil davon. Zwar ist aus seine äußerst alt, doch waren seine Vorfahren mächtige Schwarzmagier und Nekromanten. Zusätzlich stammt ein beachtlicher Teil seines Blutes auch aus der Anderen Welt und stellt eine direkte Verbindung dorthin dar.
Viele versuchten meinen Eltern die Heirat damals auszureden, denn nicht nur das es gegen den Willen der Familien war, nein, vor allem fürchteten sie das eine solche Verbindung nur Unglück bringen konnte. Aber sie ließen sich nicht abhalten. Mit den anderen jedoch wollten sie nichts mehr zu tun haben. Sie zogen tief in die Wälder und lebten dort ein abgeschiedenes Leben.“

„Eines Tages schließlich wurde ich dann geboren... und in mir floss all das zusammen was sie beide ausmachte. Ich habe alles geerbt... die dunkle Seite der Vorfahren meines Vaters und die helle mütterliche Seite. Ständig wandle ich auf dem Grat zwischen diesen beiden Blutlinien. Ihnen verdanke ich meine Gaben, die Hellseherei, das Geistwandeln und die damit verbundene Reise durch die Zeiten, und die dunkleren Kräfte.... aber auch meine Blindheit, mein Aussehen und die anderen Unterschiede in meinem Aussehen und meinem Körper sind eine Folge daraus.
Ich habe mit den Jahren gelernt damit umzugehen. Ich habe gelernt es zu akzeptieren, damit zu leben und das Beste daraus zu machen. Und ich habe gelernt es unter Kontrolle zu halten. Die kleinen züngelnden Blitze die Ihr vorhin gesehen habt, seit Monaten sind sie nicht mehr aufgetreten und vor einem Jahr noch sind sie fast ständig aufgetreten wenn ich ein wenig emotionaler wurde. Aber inzwischen gelingt es mir fast immer sie gänzlich zu unterbinden. Und Schaden habe ich schon seit Jahren nicht mehr mit ihnen angerichtet...“

...das stimmt nicht ganz... das weißt Du, aber ich muss ihr nicht unbedingt noch mehr Angst machen...

„Der Kontakt zu Euch, die Sendung die ich in Euren Geist projeziert habe – wie es alle Elfen können - vorhin als Ihr auf der Treppe gestanden habt und mich beobachtet habt, dadurch wird fast immer eine wechselseitige Verbindung herbeigeführt. Und so ist ein wenig Eures... sagen wir Eurer Energie auf mich übergegangen. Und da euer Erbe dem meinen nicht ganz fremd ist wurde so eine meiner beiden Blutlinien angeregt und aktiv... daher die Entladung. Ich hoffe Ihr konntet mir folgen...“

Aufmunternd schaut der blinde Elf in Azras Richtung. Er hofft ein kleines bischen von der Vertrautheit wiederzufinden die er zu Anfang gespürt hat.
[Hoffentlich habe ich sie nicht zu sehr verschreckt.... sie ist jung... sie weiß noch nichts...[/i]

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ypsen am 03. Juni 2004, 11:31 Uhr
Ein neuer Morgen. Ypsen erwacht, ganz nach Zwergenart früh. „Uaaahhhhh“ gähnt er und setzt sich auf. Schnell den Staub aus der Kleidung klopfen, öffnet er dazu das Fenster. Gestern war er einfach zu müde dazu. Die Kleider angezogen, Haar und Bart gekämmt überlegt er sich was er heute so alles mitnehmen soll. Hmmmm, Axt wohl kaum. Hier gibt es ja eine anständige Stadtwache hab ich gestern gesehen. Das restliche Gesindel vertreib ich wenn ich genügend böse schaue und lärme. Schmiedewerkzeug ... nein. Muss mich erst mal in der Stadt umschauen. Sehen was es hier so alles gibt. Bares ... ja, die Harfe wird wohl nicht die einzige Schenke hier sein.
So öffnet Ypsen seine sichere Geldschatule mit ein paar geübten Handgriffen und nimmt ein paar Silber- und Kupfermünzen raus.
Betritt den Flur, schliesst die Zimmertüre ab und macht sich auf in den Schankraum. Frühstück freut er sich schon wieder hungrig.

Der Schankraum ist so früh morgens fast leer. Er bestellt sein Frühstück bei der erst besten Magd die ihm über den Weg läuft „Brot, Käse, Wurst, von allem reichlich und eine Kanne Ziegenmilch bitte.“ Ungewöhnlich,  ein Ziebenmilch trinkender Zwerge. Aber das wurde zu einer seiner Gewohnheit, die er von der einfachen, menschlichen Landbevölkerung übernommen hat. Ein wenig gesund Leben, hat noch keinen Zwerg umgebracht denkt Ypsen amüsiert. Es ist ein Wunder, schon lange war er nicht mehr über eine so lange Zeit guter Laune. Die Stadt tut mir gut und beschliesst, sich heute erst mal die Bewohner anzusehen und die Stadt zu erkunden. Und alle Schenken ergänzt, der immer durstige Zwerg, in Gedanken.

Schon steht das Frühstück vor ihm. Wo rauf er sich anschickt, das es schnell weniger wird.

Nach dem das Frühstück bis zum letzten Krümmel in des Zwergen Magen verschwunden ist, verlässt Ypsen die Harfe.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 04. Juni 2004, 12:57 Uhr
Es ist ihr beinahe schon peinlich als der Elf nach einem Stuhl fragt, doch auf eine Weise auch zu verstehen, dass sie ihm keinen angeboten hat. Sie weiss noch immer nicht was sie von dem Elf halten soll. Ich hätte ihn auf der Treppe einfach nicht so anstarren sollen, dann wäre ich jetzt nicht hier, so einfach wäre das gewesen, aber ich mags ja kompliziert, ich könnts ja nicht einfach mal über mich bringen meine Finger vonirgendwas zu lassen... Kurz huschen ihre Augen zu der Tasche hinüber, welche er von seiner Schulter streift und bleiben an dem Gewächs haften, welches hinausragt. Ob er vielleicht auch noch Heiler ist? Nach alldem was er bis jetzt erzählt hat, wäre es bestimmt möglich. Langsam traut Azra dem Elfen so ziemlich alles zu, er sieht schliesslich mehr, obwohl er nichts sieht, da kann doch alles möglich sein.
Mit ruhiger Stimme beginnt er zu sprechen, beginnt bei seinen Eltern und je mehr er erzählt, desto tiefer sinkt Azra in sich zusammen, krallt sich in der Decke fest und schluckt leer. Die Heirat war also nicht gern gesehen, gutes und böses Blut, wenn man dies so ausdrücken konnte und das Kind war dafür seltsam. Nun, seltsam ist wohl noch untertrieben, aber ich glaube das sollte ich vorerst einmal so belassen wie es ist.
Ihr Blut ist dem Seinen also nicht allzufremd und wenn Azra an seine Lebensgeschichte zurückdenkt glaubt sie ihm dies auch sofort, obwohl ihr dadurch immer noch nicht geholfen ist. Gehören diese Funken nun denn zu der Blutlinie seines Vaters, die der grossen Schwarzmagier, oder zu der seiner Mutter? Es schaudert ihr als sie selbst einsieht, welche Linie damit wohl gemeint ist, fühlt sich jedoch gleichzeitig auch gedemütigt, auch wenn der Elf wie schon gesagt, nichts für die Funken konnte. Es ist also ihre Herkunft, welche die Funken hervorgerufen hat und so wie sie es einschätzt ist es das Blut ihres Vaters, des Blutelben und nicht das der Mutter, einer Menschenfrau. Das Halbblut kennt die Geschichte ihrer Eltern nicht, sie weiss lediglich das was der Wanderer ihr erzählt hat. Er hat ihr erzählt wie ihm ihre Mutter voller Angst ein Kind gab, mit den Worten es gut zu beschützen vor allen die ihm etwas zu Leide tun wollten. Auch hatte sie noch einige hastige Worte über den Vatr, einen Blutelben verloren und das sie nicht wisse wie es ihm ginge. Ein wenig hatte sich der Wanderer auch noch an das Aussehen ihrer Mutter erinnert und von dem was Azra alles über reinblütige Blutelben erfahren hatte, hatte sie sehr viel von ihrer Mutter. Mehr jedoch ist ihr nicht bekannt. Sie weiss nicht was aus ihrem Vater wurde, weiss nicht einmal ob sich ihre Eltern liebten, doch was kümmert es sie. Die Vergangenheit immer wieder hinaufzubeschwören hat ihr noch nie geholfen, sie versank bloss immer mehr in Einsamkeit.
Wenn sich meine Eltern geliebt haben, dann wird es bestimmt auch viele gegben haben, die diese Verbindung nicht gerne sahen. Eine Menschenfrau und ein Blutelb, das Ergebnis; Ein Kind ohne Eltern. Manchmal fragte sie sich ob sie ihre Eltern dafür hassen sollte, schüttelte den Gedanken dann jedoch schnell wieder ab. Ihre Mutter hatte sie gerettet, sie sollte ihr zumindest dankbar sein.

"Ihr meint damit einfach, dass die Blutlinie eures Vaters in euch, auf die Meinige als Blutelbin aufmerksam wurde, oder verstehe ich das falsch?"
Das Gefühl zwei unterschiedliche Erben in sich zu tragen ist nicht immer leicht zu ertragen. Der Elf scheint damit umgehen zu können, doch Azra ist sich bewusst was geschieht wenn ihre väterliches Blut zu Tage tritt. Schon manches mal hat sie den Hass gespürt, der sich plötzlich in Zorn verwandelt hat und sogleich verspürt sie Erleichterung, dass es scheinbar gerade zu rhen scheint. Vielleicht schaff ich es auch und es kommt nie wieder, wer weiss. Er hat es ja auch geschafft, warum dann nicht ich? Plötzlich fällt ihr ein Satzt von seiner Seite auf, der sie neugierig macht: "Ihr sagtet: Alle Elfen könnten Gedanken übertragen. Ich habe dies heute zum ersten Mal erlebt, also meint ihr wohl nicht wirklich alle Elfenrassen oder?" Sollte er es wirklich so meinen, wie er es gesagt hatte? Allle? Das würde ja heissen sie könnte dies auch, doch bisher war ihr nicht aufgefallen das sie so etwas auch konnte. Zögerlich hebt sie den Blick, sieht direkt in seine goldenen Augen und versucht völlig naiv die Gedanken dahinter zu ergründen, bricht jedoch schon nach kurzer Zeit ab und schüttelt den Kopf. Unbewusst hat sie angefangen mit dem Oberkörper hin und her zu wippen, was das Bett mit leisen knarrenden Geräuschen kommentiert. Schliesslich schloss sie die Augen und seufzte leise, ihre Gedanken drifteten noch einmal zu dem Zwergen ab und insgeheim fragte sie sich, wenn schon ein Zwerg nicht sah was sie war, ob es dann wirklich so schwer werden sollte, wie sie es sich vorgestellt hatte? Vielleicht lag es auch ganz einfach an ihr, durch ihre Vergangenheit sah sie die Dinge oft zu pessimistisch, was auch nicht zu verurteilen war, doch vielleicht sollte sie ihre Ansichten wirklich einfach einmal über den Haufen werfen und neu beginnen. Zaghaft versucht sie ein Lächeln aufzusetzen und ihrer Stimme einen neugierigen Ton zu verleihen: "Was seid ihr denn von Beruf, wenn ihr ja schon so viele Talente besitzt?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sethai am 04. Juni 2004, 18:40 Uhr
„Ich will Eure letzte Frage zu erst beantworten...“, spricht Sethai sanft, nachdem sie geendet hat und ihn nun erwartungsvoll ansieht. „Mein Beruf ist Seher.... ich verdiene mein Geld indem ich den Menschen auf der Strasse und in Tavernen und Gasthäusern Ihre Zukunft deute... sie kommen zu mir und haben eine oder mehrere Fragen, manchmal auch nur eine Ahnung. Und ich gebe ihnen dann Antwort oder helfe ihnen auf andere Weise... Bezahlen lass ich mich mit dem was sie entbehren können. Wenn sie nichts haben, dann nehme ich auch nichts. Sie tun mir dann vielleicht mal irgendwann einen Gefallen wenn ich ihn benötige. So komme ich ziemlich gut über die Runden, auch wenn in letzter Zeit viele Wahrsager die Stadt zu ihrem Heim gemacht haben. Irgendwie kommen die Leute trotzdem noch zu mir. Sie scheinen zu wissen das meine Vorraussagen eintreffen werden... Ich habe mir, so kann man sagen, einen guten Ruf gemacht. Dennoch fürchten sie mich noch immer. Mein Aussehen, meine Augen, meine Stimme.... ich werde immer jemand sein den sie lieber in der ferne nur sehen. Aber das stört mich nicht.... „

„Was Eure erste Frage betrifft, meines Wissens nach beherrschen alle Elfen das Senden. Wahrscheinlich hat es Euch einfach niemand beigebracht.... Ihr seid bei einem Menschen aufgewachsen. Dieser Mann hatte sicher keine Ahnung davon, so konntet Ihr es gar nicht lernen. Aber es ist nie zu spät um so etwas noch zu lernen.
Aber... nun da ich Euch so viel von mir erzählt habe, berichtet mir doch auch etwas von Euch. Ich würde auch gerne mehr über Euch erfahren... und wenn Ihr Euch nun fragt warum ich frage, warum ich mir nicht einfach nehme was ich wissen will, wo ich doch die Fähigkeiten besitze es Euch einfach zu entreißen. Nun.... so bin ich nicht. Ich versuche nicht ungefragt in die Gedanken anderer vorzudringen. Die Oberflächengedanken nicht zu lesen ist fast unmöglich für mich, aber um tiefer liegendes Wissen zu erfassen muss ich aktiv versuchen dorthin zu gelangen. Und das vermeide ich so lang es nicht zwingend notwendig ist.
Also... erzählt mir doch bitte etwas... „

Ruhig wartet Sethai nach diesen Worten darauf das sie ihm Auskunft gewähren wird. Und auch auf ihre Gegenfragen bereitet er sich schon einmal vor. Dabei sitzt er noch immer still da und schaut sie an... oder schaut er sie überhaupt an?....

"Früher einmal...", fährt er plötzlich fort, "...habe ich eine Augenbinde getragen um die Menschen nicht mit meinen Augen zu verunsichern. Inzwischen habe ich diese Angewohnheit abgelegt. Es war immer ein Stück weit Selbstverleugnung. Ich bin wie ich bin und niemand hat das Recht nur nach meinem Äußeren zu entscheiden... entweder man akzeptiert mich wie ich bin oder man lässt es..."
Die letzten Worte wirken wie aus dem Zusammenhang gerissen, aber es scheint nicht so als hätte er sie nur so vor sich hin oder gar von Sinnen gesprochen. An seiner Haltung oder seinem Tonfall hat sich dabei nämlich nichts verändert....

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Shanarahad am 06. Juni 2004, 12:47 Uhr
Lange, lange war Shanarahad in Gedanken versunken. Die Pfeiffe war über diesen gedanken kalt geworden, die junge Frau die sie ansprach vergessen.
Doch nun erwacht sie wieder aus ihrem Traum und macht sich daran zu zahlen. Das Zimmer welches sie wollte war kurzfristig von ihren Gedanken vertrieben worden und so hat sie vergessen, dass sie danach fragte und eben nachdem sie bezahlt hatte, maschiert sie entschlossen zum Ausgang und verschwindet für eine lange Weile in den Gassen der Stadt.
(ooc:Entschuldigung. Ich hab lange nicht geschaut. Nun muss ich mich wieder ganz neu einfinden)

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 06. Juni 2004, 16:33 Uhr
So, er verdient sein Geld also damit anderen die Zukunft vorherzusagen, wie schön. Warum lassen die Menschen ihre Zukunft nicht einfach auf sich zukommen? Warum sind sie immer so neugierig und wollen mehr wissen, als sie wissen sollen. Wenn dieser Elf mir anbieten würde, für mich in die Zukunft zu sehen, würde ich es dann wollen? Sie versucht ernsthaft diesen Gedanken zu vollziehen, kommt jedoch immer darauf, dass sie schlichtweg Angst davor hätte zu wissen, was ihr ihre Zukunft bringt! Nicht immer bleiben ihre Augen auf den Elf gerichtet, sondern schweifen durch das Zimmer, wie auf der Suche nach einem Gegenstand, an dem sie festhlaten können. Die Augen des Elfen bereiten ihr keine Abscheu oder gar Angst, sie sind wie sie sind und rufen in ihr in etwas das gleiche Gefühl hervor, als wenn sie im Wasser ihre eigenen Augen erblickt. Mit einem Male fällt ihr ein was der Elf gesagt hat, dass er ja blind ist, also kann er gar nicht sehen, das ihre Augen ebenfalls anders sind als die Norm.

...Mein Aussehen, meine Augen, meine Stimme.... ich werde immer jemand sein den sie lieber in der ferne nur sehen. Aber das stört mich nicht....

Ein spöttisches Lachen entringt ihrer Kehle, doch verstummt sogleich wieder. Es hätten doch direkt auch iher Worte sein können, welche dem Elf über die Lippen gelangen. Es ist seltsam anzuhören, wenn Jemand Fremdes genau das spricht, was man selbst auch sagen würde über sich selbst. Unbewusst nesteln ihre Finger an dem Hemd herum das sie trägt, als ob sie nervös ist, doch seltsamerweise spürt sie nicht einmal den geringsten Anflug von Nervosität.
Als er vom dem Senden spricht, horcht sie auf. Alle Elfen sollen es beherrschen? Sie etwa auch? Naja, vielleicht sind ihre menschlichen Gene zu stark und sie ist zu wenig elfisch, als das sie es ebenfalls erlernen könnte. Sie will gerne etwas erwiedern, doch mit einem Male verfinstern sich ihre Züge und tief zieht sie die Luft ein, welche leicht nach Gebratenem riecht. Zuerst will sie etwas einwerfen, doch dann lässt sie es bleiben und presst stattdessen ihre Lippen fest zusammen, so dass das Blut verwschwindet und sie noch bleicher werden als gewöhnlich. dDu dringst also nicht tiefer in meine Gedanken vor, wenn es nicht unbedingt sein muss, wie? Lügner! Woher weisst du denn jetzt, dass ich bei einem Menschenmann aufgewachsen bin? Das liegt sicher nicht allzu offen in meinen Gedanken!! Das ist einfach un... Als er plötzlich abbricht sieht sie ihre Chance ihm das was sie denkt an den Kopf zu werfen, verstummt jedoch sogleich wieder, als er weiterspricht und sie damit mehr verwirrt, als das er es bisher gekonnt hätte. Was soll dieser kleine Einwurf? Hat sie ihm auf irgendeine Weise gezeigt, das seine Augen sie stören? Nein, das tun sie nicht, es ist eher eine Faszination welche von ihnen ausgeht! Als er fertig gesprochen hat, erhebt sie sich und tritt zum Fenster, oder besser gesagt darunter und lauscht den Klängen welche zu hören sind. Ihre aufgekeimte Wut ist urplötzlich wieder verschwunden, in den Tiefen ihres Bewusstseins vergraben. Warum, sie weiss es nicht. Dieser Elf symphatisiert ihr zum einen, zum anderen ist er so fremd wie kein anderes Wesen, dass jemals ihre Wege gekreuzt hat. Schliesslich fährt sie ruckartig herum, was sie bereits einen Moment später bereut, denn ein kleiner Stich jagt durch ihren Oberkörper und leicht keuchend stützt sie sich schnell von der Wand ab, versucht wieder zu Atem zu kommen und nennt sich selbst eine dumme Gans, weil sie nicht vorsichtig genug ist. Schliesslich lässt sie sich mit dem Rücken der Wand entlang hinabgleiten, bis sie auf dem harten Boden zu sitzen kommt und dort ihre dünnen Beine anzieht und ihren Kopf darauf legt. Die Schmerzen sind bereits wieder weg, nur eine kleine Strafe für das plötzliche wenden und Azra nimmt sich vor noch mehr Acht darauf zu geben.
"Eure Augen sind nicht anders als Alle. Natürlich, sie entsprechen nicht dem normalen Bild von Augen, doch das tun meine ebensowenig. Ich weiss was ihr meint, dass die Leute einem lieber auf Abstand halten wollen, ich kenne dieses Gefühl gut, was ihr aber wahrscheinlich bereits wisst. Ihr sagtet ihr würdet nur das Nötigste lesen und trotzdem habt ihr so tief in meinen Gedanken gegraben, das ihr wusstet das ich von einem Menschenmann aufgezogen worden bin? Nun muss ich mich fragen, ob ihr einfach ein Lügner seid, oder aber der Gedanke an den Wanderer und meine Geschichte so weit oben in meinem Bewusstsein liegt, das beinahe jeder sie sehen könnte?"
Sanft beginnt sie vor und zurück zu wippen, sich fest zusammenziehend. Bereits macht sich wieder bleierne Müdigkeit breit, auch wenn Azra noch nicht gewillt ist ihr nachzugeben. Jetzt noch nicht, vielleicht später, aber nicht jetzt im Moment. Doch sie spürt den Nebel in ihrem Kopf deutlich, denn plötzlich wird es schwer die Worte, welche sie gerne sprechen will, von ihren Verstand in Richtung Zunge zu lenken und auch noch auszusprechen: "Ihr wollt etwas über ... mich wissen? Nun.. ich glaube ich könnt euch viel erzählen und die Hälfte wüsstet... ihr bereits. Aber ihr habt mir auch eure Geschichte erzählt, dann liegt es nun wohl an mir, meine zu...erzählen. Ich weiss nichts, rein gar nichts über die Ge.. Geschichte meiner Eltern, ich weiss nur, dass mein Vater ein Blutelb und meine Mutter eine Menschenfrau ist,... die mich kurz nach meiner Geburt an einen jungen Fremden... weitergab.. der mich dann aufzog. Schon früh lernte ich was es heisst, zwei Erben in sich zu tragen, die nicht gegensätzlicher hätten... sein können. Von den Blutelben werde ich verachtet weil ich ein Mensch bin und von den anderen Wesen, eingenommen den Menschen werde ich verachtet....... weil ich eine Blutelbin bin. Auch mein ....Aussehen schreckt ab, hindert viele Wesen daran, sich mir zu nähern und Jahrelang dachte ich, das es Niemanden ausser ...dem Wanderer..... geben würde, der mich aufnimmt, obwohl ich bin.... was ich bin. Ich weiss selbst nicht was ich bin, manchmal glaube ich mehr Elb.... als Mensch und dann wieder mehr Mensch als Elb. Das Blut meines.... Vaters regt manchmal Zorn in mir an, das meiner Mutter beschwichtigt es wieder. Ich weiss nicht.... wie lange es nun her ist, seitdem man mir jenen Menschen genommen hat, der mir ein Vater war, es ist...noch nicht allzulange her. Damals war der Zorn am grössten, nahm mich ein, liess mich nicht mehr los. Mit diesem Rachewunsch im Herzen kam ich nach Taylra, sah alles was mir begegnete in.... einem Zustand des Wahnsinns. Doch.... hier, hier bei dem Herr Zwerg... hier wares plötzlich anders. Plötzlich waren.... da Leute die sich um mich kümmerten, sich um meine Verletzungen sorgten und da sprach das .....Blut meiner Mutter zu.... mir. Manchmal glaube ich.... das der Zorn wiederkehrt.... und.... vielleicht wird er das.... auch wieder.... einmal, doch ich hoffe..... nicht ....allzubald, erst wenn.... ich es.... WILL!" Die letzten Worte kommen nur noch mühsam über ihre Lippen, ihre Zunge scheint beinahe verknotet, doch sie ist noch nicht fertig und will sich nicht unterkriegen lassen. Ihre Hände zittern leicht, doch auch das lässt sie kalt, ebenso wie das schmerzhafte Atmen: "Ihr scheint...wirklich..nicht..viel anders.. zu sein.. als... ich. Blut..blutelben..gilten als ..böse... Darum hat euer ..Blut.. angeschlagen.. oder? Daher... diese.. Fu.. Funken. " Ihre Augenlieder werden schwer und schliesen sich beinahe wie von selbst, doch ncoh immer ist sie wach, kämpft dagegen an völlig in den Schlaf zu sinken und streicht sich einige helle Strähnen aus dem nun sehr bleichen Gesicht, auf welchem sich kleine Schweissperlen abzeichnen. Das Zittern ihrer Hände ist stärker geworden und es gelingt ihr erst nach dem dritten Versuch, ihre Hände wieder vor ihren Beinen zu verschränken. Nocheinmal holt sie Worte auf ihre zunge, kaut sie kurz durch um sie auch richtig auszusprechen: "Ihl..ihr.. sagtet.. das jeder... Ef..elf.. das Send..Senden lernen ..könnte. Gilt... dass au..auch für Halb..elfen?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lorne am 06. Juni 2004, 19:19 Uhr
Lorne betritt die Goldene Harfe und sieht sich einen Moment lang um. Schließlich zupft sie eines der Schankmädchen am Arm und fragt sie nach einem Zimmer. Die junge, etwas füllige Frau verweist sie an jemanden der ihr weiterhelfen kann und lässt sie dann alleine.

Also trägt Lorne ihr Anliegen ein zweites Mal vor, diesmal wird ihr geholfen. Es gibt noch freie Zimmer und sie erklärt, dass sie gerne eines für eine Freundin haben würde. "Ich hole sie gleich", erklärt sie und eilt davon.

Sie läuft aus der Harfe hinaus und winkt Shanarahad zu sich. "Sie haben noch ein Zimmer. Komm." Sie hält der schweigsamen Frau die Tür auf und lässt sie eintreten. Da sie bereits gemerkt hat, das Shana offenbar nicht möchte, dass sie sie stützt, während sie die Harfe betritt, bleibt sie nur in ihrer Nähe, um aufzupassen, dass sie nicht stolpert oder von jemandem angerempelt wird und stürzt.

Als sie sieht, dass die Schankmaid von eben sich nähert und Shana fragt, was sie etwas für sie tun kann, und ob sie ihr behilflich sein soll. Nickt Lorne der jungen Frau zu und erklärt: "Ich gehe dann mal besser. Ruh dich gut aus, nicht das du krank wirst." Sie winkt Shanarahad noch einmal zu. "Wir sehen uns bestimmt mal wieder. Ich bin immer irgendwo auf der Straße unterwegs", ruft sie ihr noch augenzwinkernd zu, dann huscht sie aus der Harfe und hinaus auf die Straße zurück. Wo sie sich wieder ins rege Getümmel stürzt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Shanarahad am 06. Juni 2004, 22:01 Uhr
Shanarahad blickt dem Mädchen ziemlich verdutzt hinterher, zuckt dann aber die Schultern und wendet sich fragend und leise zu der Bedienung " Etwas warmes zu essen und ein Zimmer und diesmal wirklich!"
Sie lächelt ein bisschen entschuldigend, aber vermutlich wird man sich kaum mehr an sie erinner.

Doch sie sieht deutlich schlecht aus. Ihr schmales, scharfkantiges Gesicht ist von Dreck beschmiert. Schweiss steht ihr auf der Stirn und ihr Körper zittert sichtbar während sie dasteht und es schwer hat sich aufrecht zu halten.

Genau deshalb hält sie mit verstohlenem Blick nach einem Stuhl oder einer Bank ausschau, wo sie einstweilen Platz nehmen kann während sie auf Essen und Zimmer wartet.

Gleichzeitig nervös und schwächlich wischt sie sich den Schweiss von der STirn während sie steht und wartet.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sethai am 08. Juni 2004, 01:21 Uhr
Ruhig beobachtet Sethai wie Azra am Fenster steht und wieder einmal ihren Gedanken über das was er gesagt hat nachgeht. Fast jede seiner Aussagen scheint in Ihr die ein oder andere Tür zu öffnen zu einer Erinnerung, einem Erlebnis oder einem Gedankengang. Un die Kraft Ihrer Gedanken ist derart stark das diese sie in dem Moment fast vollständig einzunehmen scheinen.
Wie es kommt das ich das weiß? Mädchen... Deine intensiven Gedankenströme sind für mich genauso als würde jemand vor Dir alles mit metergroßen Lettern auf eine Hauswand schreiben. Du schreist all das geradezu heraus. Aber das kann ich Dir nicht sagen... irgendwann wirst du es merken und irgendwann wirst du lernen Dein Gedanken besser zu schützen... Es gibt andere die so ei wissen gegen Dich verwenden könnten. Ich bin nicht der Einzige der das vermag... und vielleicht bin es sogar ich dem Du eines Tages gegenüberstehen wirst. Aber all das kann ich Dir nicht sagen, ich kann es Dir nicht verraten. Du musst all das selber lernen; auf die harte und schmerzhafte, auf die einzige Art und Weise die nachhaltig ist.
...also schweigt Sethai und hört Ihr weiter zu. Inzwischen ist sie am Fenster zusammengesackt. Das Sprechen scheint Ihr schon schwer zu fallen, zu groß ist die Erschöpfung die Ihre Verletzungen verursachen. Aber Sethai sitzt noch immer auf dem Stuhl, beobachtet sie. Nur seine Hände sind inzwischen in das Innere seiner großen Tasche verschwunden. Von dort holt er nacheinander und während Azra spricht einige Gegenstände hervor. Eine hölzerne Tasse, ein kleines Fläschchen, eine Trinkblase die anscheinend mit einer Flüssigkeit gefüllt ist und einige kleine Beutel. Ruhig und scheinbar gewissenhaft, jedoch ohne seine Augen von Azra zu nehmen, füllt er die Tasse mit dem Wasser und gibt dann nach und nach die anderen  „Zutaten“ in verschiedenen Mengen hinzu. In manchen der Beutel sind Pulver, in anderen anscheinend Blätter und Wurzeln. All das findet seinen weg in die Tasse. Schließlich öffnet er das kleine Fläschchen durch vorsichtiges Abziehen des wächsernen Korkens. Sofort scheint ein stechender Geruch den Raum zu erfüllen. Dann lässt er zwei kleine Tropfen ebenfalls in die Tasse träufeln und verschließt den Behälter sofort wieder mit dem Korken.
Unterdessen ist Azra am Ende Ihrer Rede angekommen und schaut ihn nur fragend an. Besonders die Kunst des Senden scheint sie zu interessieren. Sethai erhebt sich und geht bis zu Ihr an die Wand. Vorsichtig beugt er sich zu Ihr nieder. Urplötzlich steigt Wasserdampf aus der Tasse auf und das Mädchen kann die Wärme der Flüssigkeit spüren, obwohl der Inhalt offensichtlich vorher noch kalt gewesen sein musste. Ein leicht süßlicher und irgendwie verlockender Geruch steigt Azra in die Nase.
„Ich werde mich gleich bemühen Eure weiteren Fragen zu beantworten, aber nun trinkt, danach werdet Ihr Euch besser fühlen.“

Sethai setzt die Tasse vorsichtig an Azras Lippen. In Ihrem jetzigen Zustand kann sie sich kaum dagegen wehren. Nach wenigen Sekunden merkt sie das die Flüssigkeit die nun Ihre Kehle hinab läuft äußerst schmackhaft ist und genau die richtige Temperatur hat das es nicht zu heiß, nicht zu kalt und wunderbar entspannend ist. Schnell ist die Tasse gelehrt und die Wärme erfüllt sie auf angenehme Art und Weise.

Der fremdartige Elf spricht unterdessen weiter. „Ich weiß, Ihr denkt ich sei ein Lügner, aber der Gedanke an Euren Ziehvater, den Mann den Ihr den Wanderer nennt, ist so intensiv das es fast unmöglich ist ihn nicht aufzunehmen. Glaubt mir, ich bin noch nicht in eure Gedanken eingedrungen – außer um zu senden – und ich kenne noch keines Eurer Geheimnisse.
Euer Blut zu kontrollieren, das solltet Ihr allerdings wirklich lernen, wie Ihr schon richtig erkannt habt. Wenn man sein Erbe kennt und beherrscht kann es nicht nur äußerst nützlich sein, man vermeidet dadurch auch Gefahren und erspart sich unliebsame Ausbrüche. Ich habe das auf die harte Weise gelernt und das werdet Ihr auch noch, denn es ist niemals leicht die Kontrolle darüber zu erlangen. Wenn Ihr es versuchen wollt und wenn der Zeitpunkt der Richtige ist biete ich mich Euch gerne als Führer an auf diesem schweren Weg. Aber bevor Ihr diesen Weg beschreitet müsst Ihr erst viele kleinere hinter Euch bringen. Einer davon wird sicherlich sein das sogenannte Senden zu erlernen. Bei Halbwesen hängt es meist davon ab wie stark das Blut des elfischen Elternteils in dem Kind ist. Aber ich verrate Euch das ich glaube das Ihr das erlernen könntet. Genau weiß ich es jedoch erst wenn ich Euch sondieren darf. Doch dafür müsst Ihr mir Eure Einverständnis geben denn dabei kann ich Dinge finden in Euch von denen Ihr vielleicht nicht wollt das ich sie wissen soll.
Aber überlegt Euch das in Ruhe... vielleicht nach dem Schlaf in den Ihr gleich fallen werdet. Der Trunk den ich Euch gegeben habe wird dafür sorgen. Ihr merkt sicher schon wie Eure Glieder müde werden und Ihr Eure Augen kaum noch offen halten könnt. Aber was Ihr auch merkt ist das der Schmerz und die Beschwerden von Euch gewichen sind. Ihr werdet gleich so ruhig schlafen wie schon lange nicht mehr. Die Wirkung des Trunkes wird ungefähr einen Tag lang anhalten und in dieser Zeit werdet Ihr kaum Beschwerden haben. Aber Ihr werdet auch eine lange Zeit schlafen. Im Schlaf heilt man schneller...
Wenn Ihr wieder erwacht werde ich wieder hier sein und wir können unser Gespräch fortsetzen. Ich weiß Ihr werdet dann wütend auf mich sein das ich Euch dies hier „angetan“ habe, aber glaubt mir, es ist zu Eurem Besten.... und glaubt mir wirklich, denn ich weiß es genau.“

Nach diesen Worten des Sehers fällt Azra fast augenblicklich in einen tiefen Schlaf. Sethai nimmt sie sanft auf seine Arme und trägt sie langsam und vorsichtig, wie einen kostbaren Schatz, hinüber zum Bett. Dort legt er sie ab, deckt sie leicht mit der Decke zu und verringert das Licht im Zimmer indem er die Lampe abdunkelt. Dann setzt er sich wieder auf den Stuhl, räumt seinen Beutel wieder ein und holt schließlich noch eine kleine Box mit seinen Karten hervor. Ruhig und geduldig beginnt er damit sie zu legen. Momentan hat er großes Interesse daran die Zukunft zu befragen...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 08. Juni 2004, 14:29 Uhr
Das Gebräu welches er ihr gibt schmeckt süsslich und ist wohlig warm und auch wenn sie es unbedingt nicht hätte schlucken wollen, so hätte sie in ihrem derzeitigen Zustand nicht viel verhindern können. Stattdessen lindert der Trank ihre Schmerzen beinahe augenblicklich und mit einem zaghaften Lächeln legt sie den Kopf in den Nacken und schliesst die Augen. Die Worte des Elfen dringen zu ihr, werden mit der Zeit jedoch immer undeutlicher und sie fragt sich bereits warum dies so ist, als er ihr gesteht, dass dieser Trunk sie auch in Schlaf versetzten wird. Liebend gerne wäre sie aufgesprungen, wütend über seine Entscheidung ihr ein solches Gebräu ohne Vorwarnung zu geben, doch ihre Muskeln spielen nicht mehr mit. Sekunde für Sekunde werden sie schlaffer und eine dunkle Leere breitet sich in ihr aus. Nicht jedoch eine ängstigende, sondern eine freundliche, sanfte, welche Azra behutsam umfängt und ins weite Reich der Träume begleitet.

Klares blaues Wasser umspült ihre kleinen Füsse und jedesmal wenn es bis zu ihren Knien kommt zieht sie ihre Beine jauchzend zurück. Unter dem Schal jedoch hört man es nur dumpf, denn das Meiste der ausgrdrückten Freude verschlingt er. Trotzden ist das bleiche Mädchen glücklich, lässt quitschend den feinen Sand durch ihre Fingerchen gleiten und wirft ihn dann lachend in die Luft, wie goldene Regentropfen die auf sie hinabrieseln. Die Sonne sieht am Horizont aus wie eine blutende Scheibe, welche langsam dem scheidigem klaren Blau des Wassers weicht. Im Osten sieht man einige grauen Wolken, welche schnell näherkommen, doch die kleine Halbelfe kümmert sich nicht darum, spielt weiter mit den Wellen und baut ihre Sandburgen. Plötzlich jedoch sirrt ein Stein knapp an ihrem Kopf vorbei, trifft einen der Türme der Burg, welche sie gerade mühsam erbaut hat und lässt ihn in sich zusammensacken. Erschrocken dreht sich das Mädchen um und starrt auf eine Gruppe jugendlicher Menschenkinder, die meisten davon männlich welche über das Geschehene lachen. Instinktiv spürt die Kleine, dass es nun besser ist wenn sie geht, doch irgendetwas hält sie zurück. Vielleicht die Erinnerung an das letzte mal als sie davon gerannt ist. Als Feigling war sie damals abgestempfelt worden, diese Spass würde sie dieser Gruppe nicht bereiten. Mit gestreckten Schultern erhebt sie sich und spürt einen schmerzhaften Stich, als ein zweiter dahergeflogener Stein sie an der Schulter trifft und dabei mit einer scharfen Kannte ihre Haut anritzt. Wut glimmt in ihr auf und ohne das es diese Menschenjungen bemerken, hat sie eine scharfe Muschel fest in ihre Faust geschlossen und hält diese nun hinter ihrem Rücken versteckt. Einem dritten Stein weicht sie aus und lachte auf, als ob es nichts Lustigeres auf der Welt gäbe. Das Gesicht eines pummeligen Jungen verfinstert sich, er hat geworfen, und laut ruft er: "Dumme Kuh. Das war noch nicht alles!!!" Die Gruppe, es sind fünf, aber das weiss die Kleine nicht, bewegt sich langsam auf sie zu und mit jedem Schritt den sie machen, umklammert sie die glänzende, blaue Muschel fester, so das die Kante bereits in ihr Fleisch schneidet. Die Mädchen der Gruppe, es sind zwei, halten sich zurück, doch die drei Jungen kommen immer näher, lachend und mit einem bösen Grinsen auf den Gesichtern. Bereits macht sich das Kind darauf gefasst, mit der Muschel nach allem zu stechen, was sich ihr in den Weg stellt, als plötzlich ein langer schwarzer Schatten über sie fällt und ein grossgewachsener, schlanker Körper ihr die Sicht verdeckt. Verwirrt blickt sie auf und erkennt einen Moment später am roten Haarschopf das es der Wanderer ist, der vor ihr steht und die Jungen mit einem kalten Blick, aus den sonst so gütigen blauen Augen, abschätzig mustert. Auch seine Stimme ist so kalt, wie Azra es selten erlebt hat und erst nun keimt Angst in ihr auf und fest krallt sie sich in seinem dunkelbraunen, wollenen Umhang fest. "Verschwindet ihr Rabauken und lasst das Mädchen in Frieden, sonst lernt ihr Gehorsam von meiner Hand!" Mit jedem Wort drückt sich die kleine Halbelfe näher an sein Bein, umklammert es wie einen Rettungsring und hätte ihn wohl für nichts auf der Welt momentan wieder losgelassen. Für einen Augenblick blickt er auf sie hinab, sanft, liebevoll, so wie sie es von ihm kennt und streicht ihr über den Schal, welcher ihr ganzes Gesicht verdeckt, ausser den Augen. Dann wendet er sich wieder den Jungen zu und sogleich spannt sich wieder jeder Muskel in seinem Körper an. Die Jungen scheinen für einen Moment zu überlegen, ob sie es nicht trotzdem wagen sollen, doch bereits kommt ein zweiter Mann angelaufen, eine Hühne von Mensch, mit zersausten, rabenschwarzen Haar, in dessen Augen purer Zorn lodert. Als die Jugendlichen ihn erblicken, drehen sie sich auf der Stelle um und rennen dem Strand entlang zum Hafen zurück, von wo sie gekommen sind. Der Hüne schreit ihnen noch einige unfreundliche Worte hinterher, droht ihnen mit der Faust und meint dann in Richtung Wanderer "Du musst mehr auf sie acht geben, sonst wird noch viel Schlimmeres passieren." Der junge Mann mit den blauen Augen senkt für einen Moment den Kopf, geht dann in die Knie und blickt Azra ernst an, doch schliesslich siegt die Freude und liebevoll nimmt er sie in die Arme und drückt sie an sich. Einen Moment kreischt sie erfreuft, als er sie hoch in die Luft wirbelt und danach wieder auffängt. Der Hühne lacht ebenfalls ruft dann einige Worte, worauf sogleich eine graziele Gestalt erscheint mit einem prächtigen kupferroten, wild gelockten Haarschopf. Madrinah! Eine junge Frau, die leichtfüssig über den Strand geht, schon beinahe shwebt und dem Wanderer die kleine Azra aus den Armen nimmt und sie lächelnd an sich drückt, als ob es ihr eigenes Kind wäre. Azra schlingt ihre dünnen Aermchen um ihren Hals und legt ihren Kopf auf die gelenkige Schulter, wobei sie kurz danach die Augen schliesst und in einem tiefen glücklichen Schlaf versinkt.

Auf dem Bett räkelt sich Azra, wendet sich einige Male hin und her und tastet mit ihrem Händen nach einer Frau, welche nur noch in ihren Träumen existiert. Das Fehlen dieses Körpers, an den sie sich so oft ängstlich und lachend geschmiegt hat, als sie noch klein war, lässt sie die Augen aufschlagen und sich einen Moment lang suchend umblicken. Es ist wie ein Schlag ins Gesicht, als sie merkt, dass es wieder nur ein Traum war, keine Alptraum zumindest, doch nur ein Traum. Sie liegt noch mit dem Gesicht zur Wand, bemerkt daher den Elf nicht, welcher noch immer in dem Zimmer sitzt und schwelgt stattdessen für einige Augenblicke noch in Erinnerungen. Ja, es gab sicher auch schöne Momente in ihrem Leben und Azra ist sichtlich froh, dass sie sich auch noch an Solche zu erinnern vermag. Die junge Frau, Madrinah war die Tochter des Hünen gewesen, dessen Namen Azra jedoch vergessen hat. Manchmal war sie eifersüchtig gewesen, weil der Wanderer nur Augen für die grünäugige Schönheit gehabt hatte, doch die Eifersucht war immer so schnell verschwunden wie sie aufgetaucht war, denn dse hatte Madrinah ebenso gemocht. Madrinah hatte zum fahrenden Volk gehört, ebenso wie ihre drei Brüder und ihre Eltern. Der Wanderer und Azra waren eine ganze Zeit lang mit ihnen gereist ,  ihr fällt momentan beim besten Willen nicht ein, warum sie ihre Freunde verlassen hatten. Nun es ist auch schon eine ganze Weile her, cirka 10 Jahre wie sie schätzt, das ist eine lange Zeit, in der viel passiert ist, so dass nicht immer Zeit blieb um grossartig über Vergangenes nachzudenken. Leise seufzend erhebt Azra sich aus dem Bett, will gerade die Beine über die Bettkante schlagen, als sie mitten in der Bewegeng innehält und den Elfen mit einem leicht verwirrten Ausdruck im Gesicht anblickt. Wer ist er? Sie braucht einen kurzen Moment um sich wieder zu erinnern und dann sinken ihre Mundwinkel rapide hinab. Grimmig setzt sie sich auf, schnappt sich die Decke und legt sich diese über ihre Schultern, denn irgendwie scheint es ihr, als wäre die Temperatur im Raum gesunken. Der Schmerz jedoch bleibt verschwunden und sie fühlt sich ausgeruht und kräfigt, genau das was der Elf versprochen hat. Trotzdem ist sie wütend, weil er ihr nicht gesagt hat, das er Trank sie einschläfern würde. ER hatte ja selbst gesagt sie würde wütend werden, also woll sie ihn nicht enttäuschen und öffnet bereits ihren Mund, stockt jedoch dann und lässt ihren Mund wieder zuklappen. Er hat bereits gewusst das sie wütend werden würde, also würde es ihn auch nicht grossartig kümmern wenn sie es nun wirklich tun würde. Stattdessen lenkt sie ihren Blick auf die Karten welche auf dem Tisch vor ihr liegen und versucht sich an seine Worte, welche er vor ihrem Einschlafen gesprochen hatte, zu erinnern. Mit neugieriger Stimme, ohne jeglichen wütenden Unterton, fragt sie schliesslich: "Was bedeutet sondieren?" Durch was auch immer, ihre kindliche Wut ist verraucht, vielleicht weil sie eingesehen hat, das es ihr nichts bringt und stattdessen keimt ihr alter Wssensdurst wieder auf.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sethai am 08. Juni 2004, 20:01 Uhr
„Das bedeutet das ich in Eure Gedanken und Euer Innerstes eintauche. Ich wäre sozusagen für eine kurze Zeitein Teil Eurer Gedankenströme.“, spricht der Elf während er weiter die Karten vor sich legt. Die ganze zeit die Azra geschlafen hat saß er hier. Unbemerkt hat er zwischenzeitlich selbst einige Stunden geschlafen, war jedoch rechtzeitig wieder erwacht so das das Mädchen nichts davon mitbekommen hat.
Es hat schon seine Vorteile wenn man seinen Geist so unter Kontrolle hat...
Auch er hatte geträumt. Jedoch nicht seinen eigenen Traum. Selbst zu träumen ist ihm nur sehr selten vergönnt und auch meist nur an Orten äußerster Isolation; auf hohen Gipfeln oder in tiefen Wäldern. Dort wo gar keine oder kaum andere vernunftbegabte Wesen leben. Sein Traum ist der Traum der Stadt gewesen. Er hat Teile der Träume von Hunderten von Bewohnern der Stadt in dieser Nacht gesehen, so wie es ihm jede Nacht ergeht. Teilweise waren es Träume die vor langer Zeit in diesem Zimmer geträumt wurden, zum Teil Träume die erst noch geträumt werden. Der Traum des Zwerges aus dem Nachbarzimmer, der am Vortag so abrupt ins Zimmer gestolpert war hatte ihn besonders amüsiert und so war er eine Zeit lang bei diesem verblieben. Denn auch im Schlaf ist Sethai bei vollem Bewusstsein. Es ist nur sein Körper der die regelmäßigen Ruheperioden braucht, sein Geist ist in der Zeit frei zu tun was immer ihm beliebt. Meist verbringt er die Zeit dann bei den Träumen der anderen oder wandert durch die geisterhafte Stadt. Manchmal entfernt er sich auch von ihr und lässt sich mal hier, mal dorthin treiben, ohne jedoch unaufmerksam zu sein, denn der Weg zurück ist nicht immer einfach zu finden.
„Auf diese Art kann ich alles sehen wozu Ihr vielleicht in der Lage seid, alles worauf ich mich konzentriere... ich bin jedoch nicht in der Lage mich dann komplett gegen alle anderen Gedanken und Erinnerungen abzuschotten die ich dabei vielleicht finde. So könnte ich möglicherweise über etwas stolpern von dem Ihr nicht wollt das es jemand anderes erfährt oder sogar über etwas von dem ihr nicht mal mehr wisst das ihr es wisst. In den Tiefen des Geistes sind alle Dinge verborgen die wir jemals erlebt haben... Manches davon haben wir verdrängt, Vielleicht zum Schutz damit wir nicht mit den Schmerzen konfrontiert werden die eine solche Erinnerung uns zufügen kann, vielleicht auch einfach nur weil wir es vergessen haben. Deshalb kann... darf ich nicht einfach so zu einem solchen Schritt greifen. Ihr müsst Euch dessen bewusst sein was oder das ich etwas finden könnte und es mir erlauben.“

Die Karten auf dem Tisch vor Sethai, die er schon seit längerer Zeit legt, sehen seltsam aus. Zwar hat Azra schon andere Wahrsager in ihrem Leben wohl gesehen, doch kein anderer hat bisher Karten aus Metall benutzt die mit solch seltsamen Symbolen verziert sind. Meist sind Bilder auf den Karten eines Wahrsagers, hier jedoch scheint es sich um Runen zu handeln, Runen die ganz ähnlich denen auf dem Arm des Elfen sind. Wenn sie versucht sich länger auf eine der Runen zu konzentrieren dann ist es Ihr als würde sie ihre Form ändern, würde versuchen ihr wahres Wesen, das was sie bedeutet, vor Azra zu verbergen. Die Linien verschwimmen dann oder versuchen eine neue Form zu erlangen, ganz unähnlich der die sie vorher hatten. Sie wirken fast wie kleine Schlangen die sich winden um den Blick zu entgehen... goldene Schlangen, denn das ist Ihre Farbe. Aber es ist nicht das leuchtende Gold der Goldschmiede und der Juwelen die die reichen Frauen tragen. Dieses Gold scheint eine verborgene, eine dunkle Qualität zu besitzen, so als würde es von kommendem Verderben künden, als wäre es befleckt und der schönen Aura seiner Vettern beraubt.
Auch die Farbe und Art des Metalls scheint eher ungewöhnlich. Azra ist sich sicher so ein Metall noch nicht gesehen zu haben in ihrem jungen Leben. Der Ton ist ein wenig wie die Hautfarbe Sethais, nur dunkler und kräftiger. Die Oberfläche schient, von den Runen abgesehen, so glatt wie ein Stein den die Jahre im Fluss abgewaschen haben. Kanten besitzen die Karten nicht. Sie runden sich ab und erhöhen so noch den Eindruck des abgespült Seins.

„Wisst Ihr...“, spricht Sethai weiter, “ ...Karten sind schon etwas eigenartig Faszinierendes. Eigentlich sagen sie nichts aus, genau wie die Kristallkugeln, die Steine und Knochen und der Satz des Tees. Der eigentliche Grund das Wahrsager diese Gegenstände benutzen ist um dem Kunden etwas zu geben das er wirklich sehen kann. Die Zukunft liegt in keinem dieser Dinge verborgen, sie manifestiert sich nicht in so etwas profanem wie einem Gegenstand, doch versucht man den Menschen ohne diese Hilfsmittel die Zukunft darzulegen so glauben sie einem nicht. Der Mensch muss immer etwas Greifbares haben sonst vertraut er nicht darauf. Einfach zu glauben liegt nicht in der Fähigkeit der Meisten.“

Diese letzten Worte sind schon wieder komplett aus dem Zusammenhang gerissen. Sie scheinen überhaupt nicht auf den Rest des Gespräches zu passen. Und wie um dem noch die Korne aufzusetzen fährt er in ruhigem, fast gemütlichem Ton fort, diesmal jedoch wieder im ursprünglichen Kontext.
„...Ob Ihr also wollt das ich versuche zu ergründen ob Ihr andere Fähigkeiten besitzt als die welche Ihr schon kennt solltet Ihr Euch gut überlegen. Manchmal lohnt es sich zu warten bis sie sich von selber zeigen. Denn wenn sie sich zeigen bedeutet es meist das man wirklich reif genug ist um sie zu erlernen und vielleicht sogar zu meistern...“

An diesem Punkt scheint er nun auf eine Antwort zu Ihr zu warten, denn er lässt von seinen Karten ab und schaut sie direkt an. Dann beginnt er langsam damit die gerade gelegten Karten wieder zusammenzuschieben und auf einen kleinen Stapel zurück zu den Übrigen zu heben. Dabei nimm er jede Karte einzeln auf so als sei sie ein zerbrechliches Kleinod.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Shanarahad am 16. Juni 2004, 19:32 Uhr
Mittlerweile fast ein wenig verzweifelt lässt sich Shanarahad auf die Ecke einer Bank sinken
Ich wünschte ich hätte es nicht getan. Jetzt hab ich genug Geld, aber ich fühl mich dreckig und ich weiss noch nicht mal ob ein Zimmer frei ist. Oh bitte finde doch endlich Zeit"
Mit zitternden Fingern holt sie ihre Pfeiffe hervor und beginnt sie zu stopfen, wobei einiges daneben geht.
Einiger Tabak rieselt auf den Boden und die Kerze welche Shanarahad verwendet um ihre Pfeiffe zum glühen zu bringen, zeigt deutlich an der Flamme wie sehr das Mädchen schon zittert.
Schweiß steht ihr auf der blassen Stirn und die fahlen Augen werden trüb.
Einige Züge von ihrer Pfeiffe pafft sie und sieht sich nach wie vor nach der Bedienung um die ihr sagen kann ob ein Zimmer frei ist.
Zwar beruhigt sie der Tabak aber an ihrem Zustand ändert er nichts und eigentlich ist es unvernünftig, denn er macht alles nur noch ein Quäntchen schlimmer.
Ich hasse es, ich hasse es! Sie ist einfach davongelaufen. Wie alle, wie alle lassen sie einen immer im Stich. Es ist so normal. Niemanden schert es. Wie ich es hasse.
Eingehüllt in eine Rauchwolke sitzt sie da und versucht sich zu beruhigen, dabei will sie nur schlafen. Nur...schlafen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Shanarahad am 17. Juni 2004, 14:08 Uhr
Nun endlich dauert es gar nicht so lange bis Halla endlich zwischen all den Gästen Zeit findet sich um Shanarahad zu kümmern und deren Bitte um ein Zimmer nach einem kurzen Blick beantwortet.
"Ja es ist mindestens noch ein Einzelzimmer frei. Nicht besonders pompös, aber ein einfaches Bett und alles was man braucht."

Die zitternde Shanarahad nickt dankend und erhebt sich nachdem sie ihre Pfeiffe ordentlich ausgehen hat lassen.
" Ich danke euch"
Aus einem Beutel nimmt sie das entsprechende Geld. Es ist ein bisschen zuviel, aber das scheint die junge Frau in diesem Moment nicht zu kümmern.
"Ich hoffe das reicht, wenn ihr mir rasch sagen würdet wo ies genau ist?"

Eine kurze Wegbeschreibung folgt und Shanarahad kann dankbar den Weg zu ihrem Zimmer beginnen.
Langsam und sich an der Wand haltend tut es die geschwächte junge Frau

Endlich, endlich schlafen. Ich brauche es zu dringend. Ruhe. Endlich ruhe und morgen. Morgen ist ein neuer Tag

Schon bald hat sie ihr Zimmer erreicht und noch bevor sie sich um irgendetwas auch nur Gedanken machen kann, löst sie mit bebenden Fingern die Schnürrereien ihrer Stiefel und lässt sie auf den Boden fallen. Ebenso erleichtert sie sich von ihrem Mantel und ihrem Rucksack.
Aber noch mit schmutziger Kleidung fällt sie einfach ins Bett, kriecht unter die Decke und sinkt in einen erschöpften Schlaf.

Lange wird sie schlafen und hoffentlich nicht allzuschlecht träumen....

Nach etlichen Stunden erst erwacht sie. Es ist mindestens eine Nacht und ein halber Tag vergangen, bevor sie die Augen auftut.

Zunächst bleibt sie eine Weile liegen, bevor sie sich mühevoll aus dem Bett windet und ihre Kleidung wechselt.

Ein Bad täte mir sicher nicht schlecht denkt sie bei sich.Und meine Kleidung braucht eine Wäsche

Da meldet sich ihr Magen zur Wort. Frühstück. Ja das klingt auch gut. Mal sehen womit ich beginne

Nach wie vor ganz in Schwarz gekleidet, aber um einiges sauberer, klatscht sie sich Wasser aus einer Waschschale ins Gesicht und verlässt dann mit gepackten Sachen wieder ihr Zimmer.
Unten bei Halla meldet sie sich noch kurz ab um und sorgt dafür, dass sie nicht zuwenig Zeche bezahlt hat.
Dankbar und sich schon wieder um einiges besser fühlend verlässt sie dann die Goldene Harfe und tritt auf den Marktplatz.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Galrin am 22. Juni 2004, 07:46 Uhr
Es ist ein wunderschöner Tag, die Vögel zwitschern in den Bäumen rings um die Harfe und weiße Schäfchenwolken ziehen über einen sonst strahlend blauen Himmel. Um die Mittagszeit herum betritt ein Mann den Schankraum, in dem eine Bedienung einen Knecht von Galrin Ragnarsson erkennt.

Eine untadelige Verbeugung des Nordmannes treibt eine zarte Röte auf das Gesicht der Mogbar, als Gunnar sie begrüßt und nach Borgil oder Halla fragt. Die Bedienung erwidert, daß beide leider derzeit unabkömmlich seien, sie jedoch gern etwas ausrichten würde.
Der Knecht nickt und überreicht der Mogbar ein versiegeltes Dokument. Überdies läßt er ausrichten, sein Herr, Galrin Ragnarsson, lade den Herrn Borgil und die Dame Halla zu seiner Hochzeit ein, welche über die Dauer von drei Tagen bei der Schiffswerft am Ildorel stattfände.

Nachdem Gunnar diese Botschaft überbracht hat, verabschiedet er sich, dreht sich um und verläßt die Harfe wieder, wobei ein frischer Sommerwind die würzig nach Blüten duftende Luft zur Tür hereinträgt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 22. Juni 2004, 15:58 Uhr

Soso, er würde also herausfinden ob sie das Senden würde erlernen können, doch konnte er dabei auch auf Dinge stossen, welche sie selbst ihm nie erzählen würde, oder bereits vergessen oder verdrängt hat. wie seltsam dieser Elf doch ist, so ruhig, geheimnisvoll und doch verständlicher als man anderes Wesen, dem Azra jemals begegnet ist. Er strahl eine unheimliche Weisheit aus, obwohl er es nicht drauf anzulegen scheint und Azra ist sich nicht sicher ob er vielleicht nicht gar noch mächtiger ist, als das er es zeigt. Wieder kehrt das Bild der Blitze auf seinem Arm wieder und das vertraute Gefühl schleicht sich wieder ein. Ja, weil ihr Blut ähnlich sei, hat er gesagt, doch welche Seite, das scheint er unbeantwortet lassen zu wollen. Vielleicht ist es auch besser so, zuviel Wissen ist nicht immer gut und es scheint nicht das letzte Mal zu sein, das Azra mit ihm zu tun haben würde, vielleicht würde er ihr irgendwann mehr erzählen. Jetzt gerade fällt es ihr jedoch nicht einmal im Traum ein ihn danach zu fragen, zu fasziniert scheint sie von den Karten zu sein, welche der Seher vor sich hinlegt, wieder wegnimmt, die Position verändert um dann wieder einen Moment innezuhalten und dann von Neuem zu beginnen. Ihr fällt die alte Frau ein, die am Wegrand in einem Zelt gesessen hat und behauptet hat in ihrer Glaskugel die Zukunft sehen zu können. Wenn die Worte des Elfen stimmen, dann hätte die Frau die Kugel überhaupt nicht gebraucht. Weiterhin ruht ihr Blick ruhig auf den Utensilien, bis er schliesslich zu den Händen des Elf wandert und dort an den Säumen seiner alten Kleidung hängen bleibt. Innerlich spürt sie irgendwie den Drang, die seltsamen Zeichen auf seiner Haut noch einmal zu betrachten, doch einmal das Gefühl zu spüren, das ihr eine solche Sicherheit gab. Doch sie vermag sich zurückzuhalten, krallt ihre Finger stattdessen in die Decke, welche sie noch fester um ihre Schultern zieht und wendet ihren Blick von ihm ab. Hat sie wirklich einen ganzen tag lang geschlafen? Vielleicht, sie weiss es nicht, über die Tage hinweg, die sie hier in diesem Zimmer verbracht hat, ist die Zeit aus ihrem Bewusstsein verdrängt worden. Flink streicht sie sich einige widerspenstige Strähnen aus dem Gesicht, überlegt wie lange sie überhaupt schon hier ist, versucht sich an den ersten Tag zu erinnern und setzt plötzlich einen bösen Ausdruck auf, als sie sich an ihren versohlten Hinter vor der Menge erinnert. Ein leichter Hauch von rosa, beweiss, das ihre Gedanken dort gewesen sind, doch schnellstens verscht sie diese Erinnerung zu verdrängen und schüttelt dann den Kopf: "Nein. Ich will nicht das ihr herausfindet ob ich das Senden erlernen kann. Meine tiefsten Gedanken, Gefühle und Erinnerungen sollen mein Eigen bleiben und nicht von Jemandem gelesen werden können. Vielleicht werde ich es irgendwann lernen, vielleicht bin ich zuviel Mensch, damit ich dies kann, wer weiss das schon..." Plötzlich stockt sie und ein leises Lachen dringt aus ihrem Mund. Ihre weissen Augen mustern den Elfen kurz bevor sie grinsend meint: "Na ja, wer weiss das schon ausser ihr, wenn ihr es wissen wollen würdet, was ihr ja vielleicht auch schon bereits tut... " So recht trauen kann sie dem Wesen immer noch nicht, auch wenn es keine bösartige Skepsis ist, mehr eine natürliches Misstrauen, weil sie so Jemandem noch nicht begegnet ist.
Das Knarren der Dielen vor der Türe, lässt sie aufhorchen, doch das Geräusch zieht an dem Eingang vorbei und Azra's Schultern sacken wieder hinab. Innerlich hat sie sich bereits gefreut den Herrn Zwerg wiederzusehen, doch es scheint als wäre dieser momentan äusserst beschäftigt. Was er wohl alles zu tun hat? Da fällt ihr plötzlich noch etwas ein und fragend wendet sie sich an den Elfen: "Könnt ihr mir sagen, was auf den Strasse los war? Ich hörte immerzu Lachen und Musik, als wäre ein Fest im Gange..."
Wenn ja, was es wohl für ein Fest gewesen ist? Leicht verärgert, darüber das sie immer noch hier festsitzt stampft sie leicht mit dem Fuss auf, seufzt leise und fängt an auf ihrer Oberlippe herumzubeissen und zum ersten Mal seit langem verspürt sie Hunger, ohne das gleichzeitig Übelkeit in ihr aufsteigt. Ob ich nach Halla fragen soll? Oder kann ich auch eine der andere Schankmaiden fragen? Und plötzlich ist das noch ein anderes Gefühl, dass sie schon eine ganze Weile im Unterbewusstsein an ihrem Gewissen genagt hat. Sie lebt hier einfach so von dem Essen, den Trinken und den Häuslichkeiten des Herr Zwerg, ohne etwas dafür zu bezahlen oder zu arbeiten, was ihr so überhaupt nichts passt. Sie ist Anderen nicht gerne etwas schuldig und es ärgert sie, dass sie dem Herr Zwerg nichts zahlen kann für alles was er für sie getan hat. Trotzdem scheint es ihr unklug, jetzt schon auf die offene Strasse hinauszutreten, immer noch erinnert sie sich an Borgils Worte. Keine zehn Schritte bevor Jemand Blutelbin schreit... "Ist meine Rasse hier wirklich so unbeliebt wie es der Herr Zwerg gesagt hat oder hat er übertrieben? Ich meine, ich fühl mich hier wohl, keine Frage, doch nun bin ich schon sehr lange in diesem Zimmer und würde gerne wieder einmal nach draussen. Ich vermisse die frische Luft, den Duft der Bäume... " Ein wehmütiger Ausdruck tritt in ihre Augen und ihre Schultern sinken noch ein stück weiter hinab, als das sie es schon sind. Dann kommt noch dazu ob Kitty es ihr überhaupt erlaubt schon durch die Stadt zu streifen, oder ob sie noch länger ruhen muss. "Glaubt ihr ich darf von meiner Gesundheit her auch schon wieder hinaus? Es geht mir schon wieder viel besser..." Ganz lieb lächeln blickt sie den Elfen an, als ob er es auch sehen könnte.




Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Yori am 23. Juni 2004, 17:23 Uhr
Wie Yori feststellen muss, hat Shenrah fast seinen Höchststand erreicht, so dass die junge Frau darüber nachdenkt, sich irgendwo in der Stadt etwas zu essen zu besorgen. Für den morgigen Tag beschließt Yori, dass sie selber kochen will, auch wenn ihre Fähigkeiten darin sehr begrenzt sind. Das Bündel mit den Garnknäuel und dem Stoff wieder an die Brust gedrückt und mit beiden Armen umschlungen, dreht sich Yori in Richtung der Goldenen Harfe, da diese am dichtesten liegt und Yori auch keinen Hunger auf Fisch hat. Zum Pfirsich könnte sie zwar auch gehen, aber das erinnert sie dann doch zu sehr an einen Gnom, der ihr immer wieder zu Nahe gekommen war.
Mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck schlendert Yori gemütlichen über den Markt zur Taverne und sieht dem bunten Treiben auf dem Platz zu. Ein bisschen kommt das Gefühl von Freiheit zurück, denn die nächsten Tage würde sie keinem Zeitplan unterliegen und kann endlich mal wieder tun und lassen, was sie möchte.

"Ich sollte mit Yuna und Ludd vielleicht mal einen Ausflug machen. Bestimmt freuen sie sich darüber." spricht sie zu sich, während die ein letztes Mal zu Shenrahs goldenem Augen aufsieht und dann die Taverne betritt.
Da angehende Mittagszeit ist, herrscht entsprechender Betrieb in der Taverne, doch ist sicher nicht nur die Tageszeit daran Schuld. Yori weiß wie gut das Essen hier schmeckt und darum kommt sie immer wieder gerne hier hin. Sich auf Zehenspitzen stellend sucht Yori nach einem Sitzplatz, wo nicht allzu viel Gedränge herrscht und gibt ein "Ah." von sich, als sie einen solchen Ort findet.
Das Bündel vor sich auf den Tisch gelegt, nimmt Yori auf einem Stuhl Platz und legt ihr Bündel, dann auf einen anderen Stuhl, damit sie beim Essen nicht ausversehen darauf kleckert.
Als eine Bedienung nach ihren Wünschen fragt, bestellt sich Yori verdünnten Wein und eine Portion des heutigen Mittagsessen.
Während die junge Frau auf ihr Essen wartet, sieht sie sich die Gäste an, wobei ihr das eine oder andere Mal ein belustigtes Grinsen über das Gesicht huscht, und erklärt sich immer wieder, wie zufrieden sie mit ihren neuerworbenen Dingen ist. Hoffentlich bringt der Tag noch mehr schöne Dinge.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Yori am 23. Juni 2004, 22:26 Uhr
Das Essen welches ihr gebracht wird, riecht köstlich und lässt Yoris Magen leise knurren. Mit einem verlegenen Lächeln bedankt sich die junge Frau bei der Bedienung und sieht erfreut auf den Teller, der gut gefüllt vor ihr steht. Auf dem ausgehüllten Holzstück sind gebratene Kartoffeln und Braten mit einer ordentlichen Portion Soße angeordnet. In Vorfreude auf diesen Gaumenschmauß greift Yori schnell nach dem Besteck und genießt dann ausgiebig ihr Essen. Ihr Blick bleibt weiterhin auf die Gäste gerichtet und so belauscht Yori auch das ein oder andere Gespräch ungewollt. Was die Leute zu bereden haben, scheint aber von keinerlei Belang für die ehemalige Diebin und auch nicht für die Yori, die sie jetzt ist.
Während sich ihr Magen allmählich füllt, fällt Yori ein, dass sie ja noch etwas kaufen muss, was sie morgen zum Mittag zubereiten könnte. Sicherlich waren Brot und dergleichen immer irgendwie vorhanden, wenn auch manchmal schon nicht mehr so taufrisch, aber wenn sie nicht auf einem alten Kanten Brot herumlutschen möchte, sollte sie sich jetzt schon überlegen, was sie noch kaufen muss.
Am besten sehe ich erstmal zuhause nach, was ich überhaupt alles dahabe.

Zufrieden und gesättigt lehnt sich Yori auf dem Stuhl zurück und genießt das Völlegefühl. Bei ihren Eltern hatte es oft Zeiten gegeben, wo sie hungrig ins Bett gehen mussten, doch seit Yori ihr Dorf verlassen hatte, hatte sie immer etwas gefunden um ihren Magen friedlich zu stimmen. Als die Bedienung sich wieder ihrem Tisch nähert, winkt Yori die Frau heran und trinkt noch hastig den letzten Schluck des verdünnten Weines. Auf Yoris Frage hin, nennt die Schankmaid den Preis für die Kost und Yori reicht ihr entsprechend die Münzen.
"Einen schönen Tag noch!" ruft Yori ihr hinterher, doch wahrscheinlich hört die Frau ihre Worte in dem Tumult der Harfe gar nicht mehr. Einen Moment bleibt Yori noch sitzen, ehe sie nach ihrem Stoffbündel greift und dann die Taverne verlässt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kitty am 24. Juni 2004, 13:02 Uhr
Nachdem Kitty die Fleischerei verlassen hat, wendet sie ihre Schritte in Richtung der goldenen Harfe um nach ihrer kleinen Patientin zu sehen die sicher schon seit gestern auf sie wartet.
Borgil und Halla sind nicht zu sehen und so geht sie direkt hinüber zur Treppe und steigt sie empor.
Langsam geht sie auf die Tür von Azras Zimmer zu und klopft einmal kurz bevor sie dann den Kopf durch die Tür steckt um zu sehen ob Azra schläft.
Im Zimmer erblickt sie nicht nur Azra, nein, eine weitere Person ist bei ihr. Erst als sie in das Zimmer tritt und die Tür hinter sich schließt erkennt sie den Seher.
"Sethai, seit gegrüßt. Schön euch hier zu treffen!" sagt sie freundlich und wendet sich dann zu Azra.
"Na Azra, wie geht es dir? Ich hoffe doch gut, oder fühlst du dich wieder schlechter?" fragt sie vorsichtig, in der Hoffnung, Azra wäre nun endlich soweit wieder auf den Beinen, dass sie einen kleinen Spaziergang mit ihr wagen könnte.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 24. Juni 2004, 16:21 Uhr
Nachdem Halla mit Borgil, in dessen Räumen, die Pläne und Bestellungen für die nächste Woche durchgegangen ist, die Schichten eingeteilt und sonstiges besprochen hatte, kehrt sie in den Schankraum zurück. Der Harfengarten platzt aus allen Nähten, dafür ist es in der Schankstube selber ungewöhnlich leer. Halla stört dies allerdings wenig, sie hat genug damit zu tun , die eintrudelnden Bestellungen aus dem Garten zu bearbeiten und die Schankmädchen mit schwer beladenen Tabletts wieder in den Garten zu schicken. Als es einen Moment ruhiger wird, überreicht ihr eins der Mädchen ein Pergament, von dem Halla nicht die geringste Ahnung hat, was es sein soll, aber ihr Name steht drauf und der von Borgil, also  kann sie es wohl öffnen, was sie auch sofort tut, weil sie sonst vor Neugierde geplatzt wäre.

Das Pergament ist innen mit schönen Verzierungen geschmückt und die Handschrift ist geschwungen und Halla braucht eine ganze Weile ehe sie alles entziffert hat. Sie kann zwar lesen, aber hauptsächlich die Wörter, die sie in der Harfe braucht, alles andere fällt ihr doch recht schwer. Bei Zahlen wäre es etwas anderes , mit denen kann sie gut umgehen. Als sie alles gelesen hat, starrt sie einen Moment lang auf das Papier. Meine Güte die Hochzeit, die habe ich ja ganz vergessen und Borgil wohl auch. Ich hab noch kein Kleid und überhaupt. Halla sagt einem der Mädchen Bescheid und eilt in Borgils Räume um ihm die Einladung zu übergeben. Borgil blickt überrascht auf, als Halla erneut in seinen Raum tritt, die Wangen leihct gerötet und ihm das Pergament überreicht.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lucida am 27. Juni 2004, 18:12 Uhr
Etwas unsicher betritt Paulina die Goldene Harfe und sieht sich fragend um. 'Sieht eigentlich ganz gemütlich aus...', denkt sie und mustert alles genau.
Sie wartet nicht großartig auf eine Bedienung an der Theke, sondern setzt sich schulterzuckend an einen leeren Tisch, wo sie sich zurücklehnt und tief durchatmet.
'Was mich hier wohl erwartet? Ich weiß wirklich nicht, warum ich alles in Briocca augegeben habe und hierhergekommen bin... obwohl... was alles? Ich hatte doch gar nichts. Ich hatte nur meinen Körper, die Kleidung, die ich am Leib trage, uns sonst nichts. Und hier kann ich ganz von vorne anfangen. Ich kann mir Arbeit suchen, kann eigenes Geld verdienen und mir vielleicht sogar ein eigenes Häusschen pachten. Hoffentlich finde ich hier auch Freunde... das wäre was. So richtige Freunde, wie man sich in den Geschichten erzählt....
Aber für was habe ich Briocca aufgegeben? Es war meine Heimat, ich habe dort Leute gekannt, bei denen ich mir ab und an Geld verdienen konnte. Für die Freiheit? Ja.. für die Freiheit. Und für die Möglichkeit, ein neues Leben zu beginnen, das ganze Leid hinter mir zu lassen....'

Diese und ähnliche Gedanken beschäftigen Paulina, während an ihr vorbei ab und zu Bedienstete mit leeren oder vollen Tabletts eilen. Ein seliges Lächeln macht sich auf Paulinas Lippen breit, während sie darüber sinnt, welche Chancen ihr hier in Talyra offenstehen.
Paulina seufzte schwermütig. Sie könnte sie nicht entscheiden, was besser war, das hier oder das damals. Trotzdem.. sie war nun hier, im jetzt, und vor allem musste sie sich anpassen.
Sie hält nocheinmal Ausschau nach jemandem, der sie bedienen würde, und wartet...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 27. Juni 2004, 21:17 Uhr
Borgil hatte nur kurz von seinen Aufzeichnungen aufgesehen, grummelnd die Einladung durchgelesen und gesagt sie würden später darüber reden. Halla hatte genickt und war dann wieder in die Schankstube gegangen.

Dort angekommen, entdeckt sie als erstes ein ihr vollkommen unbekanntes Gesicht und es fällt besonders auf, da der Schankraum aufgrund des guten Wetters eher dürftig besucht ist, weil sich die meisten Gäste doch lieber im Harfengarten aufhalten. Halla geht zu der Frau und lächelt freundlich. "Seid mir gegrüsst und herzlich Willkommen in der Harfe. Was darf ich für euch tun, etwas kühles zu trinken, oder ein leckeres Mahl oder benötigt ihr ein Zimmer für die Nacht?" Freundlich blickt Halla der Fremden ins Gesicht, die anscheinend schon darauf gewartet hat, von jemandem angesprochen zu werden, aber die Mädchen und Jungen hatten wohl so viel im Garten zu tun gehabt, dass ihnen der neue Gast hier drinnen gar nicht aufgefallen war.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lucida am 27. Juni 2004, 21:28 Uhr
Erfreut sieht Paulina auf und der (offensichtlich hier) bedienenden Frau ins Gesicht. "Einen schönen Tag auch. Etwas kühles zu trinken wäre sehr gut. Und zu einer Kleinigkeit zu essen würde ich auch nicht nein sagen. Könnt ihr mir irgendetwas empfehlen?", fragt sie sie und sieht ihr Gegenüber freundlich an. "Und, bevor ich es vergesse, ein Zimmer für die Nacht bräuchte ich tatsächlich. Wenn es geht aber keines von den teuren...", fügt sie verlegen lächelnd hinzu. 'Die sieht recht freundlich aus... Vielleicht kann ich ihr nachher noch ein paar Fragen über die Stadt stellen. Ich müsste unbedingt wissen, wo ich hier eine Unterkunft herkriege. Schließlich kann ich nicht wochenlang in einem Gasthaus leben, so nett es hier auch sein mag.'

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 29. Juni 2004, 10:45 Uhr
Halla muss leicht schmunzeln, als die Fremde erwähnt sie hätte gerne ein Zimmer, aber keines von den teuren. "Da wird sich schon etwas passendes für euch finden, allerdings gibt es nicht mehr allzuviele Zimmer. Was das Essen angeht so kann ich euch die grüne Suppe empfehlen, oder einen deftigen Frühjahrsgemüseeintopf, oder etwas Käse, Schinken und Brot, je nachdem worauf ihr Lust habt. Und was zu trinken hättet ihr denn gern, etwas frischen kühlen Sommerwein, oder lieber Met oder ein helles Kupfer oder ein Verder Dunkel? Oder vielleicht etwas ohne Alkohol, einen kalten Früchtetee oder etwas klares Wasser, kalt und frisch aus dem Brunnen?"

Während Halla der Fremden alles anbietet und ihr dann noch die Preise für die Zimmer mit Frühstück aufzählt, wischt sie kurz über den Tisch, mit dem Tuch, dass immer an ihrem Gürtel hängt. Die Fremde scheint aus den Herzlanden zu stammen, denn sie spricht ohne jeglichen Akzent, also dürfte sie nicht von sehr weit her kommen, obwohl das relativ ist, denn die Herzlande erstrecken sich rund um dne ganzen Ildorel und es dauert Tage, wenn nicht sogar Siebentage ehe man vom Westufer ans Ostufer gelangt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lucida am 29. Juni 2004, 13:50 Uhr
"Ein kühles Wasser, bitte. Und dazu nehme ich etwas Brot mit Schinken und Käse.", bestellt Paulina und sieht die Wirtin freundlich an. Außerdem bestellt sie sich das billigste Zimmer, von denen, die sie schon genannt hat. Paulina nickt ihr noch einmal bestätigend zu, dann kramt sie in dem Beutel, in dem sie ihr Geld aufbewahrt. 'Nicht mehr viel übrig...', denkt sie. 'Ich muss mir dringend eine Arbeit suchen... vielleicht frage ich mal die Wirtin, sie kennt sich hier sicher aus.'
Bevor die Wirtin gehen kann, spricht Paulina sie noch einmal an. "Könnt ihr mir vielleicht sagen, wo ich hier Arbeit finde?", fragt sie hoffnungsvoll, fügt dann aber gleich hinzu: "Natürlich erstmal nur eine kleine Arbeit, damit ich etwas Geld verdiene. Ihr kennt euch doch sicher hier aus, oder? Nun, könnt ihr mir einen Tip geben?" In ihrem Gesicht spiegelt sich wirkliche Freundlichkeit, sie hofft inständig, dass die Wirtin ihr weiterhilft. 'Selbst wenn es irgendeine schmutzige, harte Arbeit ist... damit hatte ich ja noch nie Probleme. Also wird sich ja noch etwas finden lassen.'
Sie ist zwar erschöpft, kann aber doch nicht zur Ruhe kommen und will sich durch diese Gedanken selber beruhigen. Falls sie nichts fand, sah es schlecht aus. Sehr schlecht. 'Bloß nicht die Nerven verlieren, nicht jetzt. Es wird schon gut gehen...', redet sie sich selbst in Gedanken wieder zu, doch so ganz sicher ist sie nicht...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 29. Juni 2004, 15:54 Uhr
Halla nimmt die Bestellung der Fremden entgegen, verschwindet kurz in der Küche, um Sigrun die Bestellung durchzugeben, und kehrt dann mit einem Glas Wasser und einen irdenen Krug an den Tisch zurück, und stellt das Glas und den Krug vor der Fremden auf den Tisch. Diese fragt Halla dann nach einer Arbeit und Halla grübelt einen Moment, ob ihr etwas einfällt oder sich jemand bei ihr nach Aushilfen erkundigt hat. Aber auf die Schnelle fällt Halla niemand ein.

"Hmmm, also im Moment fällt mir niemand ein, aber direkt auf dem Marktplatz gibt es ein Anschlagbrett auf dem oft Gesuche stehen, dort solltet ihr euch einmal umsehen, vielleicht findet ihr dort etwas. ..." Plötzlich hört sie zu sprechen auf, als ihr Yohn Humperknie einfällt. "Hmmm, da wäre was, was mir gerade einfällt, fragt mal im Perlenhafen im 'grünen Aal' nach, ich glaube Yohn hat vor kurzem noch nach Angestellten gesucht, vielleicht ist die Stelle ja noch frei, oder sprecht mal bei Euron im Kupferkessel vor, in Gasthäusern gibt es meist eine freie Stelle." Halla lächelt kurz und geht dann in die Küche um der Fremden die Platte mit Käse, Verder Schinken und frischem Brot zu bringen. "Wenn ihr fertig seid kommt an die Theke, dann gebe ich euch den Schlüssel für euer Zimmer. Es ist die Treppe hoch, dann den Gang entlang und dann das letzte auf der rechten Seite. Ein kleineres Zimmer aber durchaus gemütlich."

Sie zwinkert der Fremden noch einmal zu ehe sie sich wieder ihrer Arbeit widmet und darauf wartet das Borgil erschient und ihr sagt, wie es nun mit der Hochzeit aussieht. Noch immer ist Halla sich überhaupt nicht sicher, ob sie dort überhaupt hingehört, aber wenn Borgil sagt sie solle ruhig mitkommen, dann würde das sicher in Ordnung gehen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lucida am 29. Juni 2004, 19:41 Uhr
"Danke...", sagt Paulina noch etwas abwesend, da sie nun in Gedanken ist. Yohn.. den Namen muss ich mir merken. Und Euron vom Kupferkessel. Hoffentlich kann ich dort arbeiten. Obwohl mir Fischerei ersteinmal lieber wäre als in einem Gasthaus zu arbeiten. Mit einem kleinen Seufzer führt sie ihre Gedanken weiter. Aber man kann es sich bekanntlich nicht aussuchen. Hauptsache ich kann mir noch ein paar Tage das Zimmer hier leisten und etwas zu Essen.
Während sie das Brot mit dem Käse belegt, sieht sich Paulina um. Ziemlich leer hier. Ist den meisten wohl zu warm, die haben sich sicher in den kleinen Garten da hinten gesetzt. Aber hier drinnen ist es auch gemütlich...

Nachdem sie alles aufgegessen und sich so ihre Gedanken gemacht hat, nimmt Paulina ihre Tasche, erhebt sich und geht zur Theke. "Könnt ihr mir bitten den Schlüssel geben?", fragt sie freundlich die Wirtin, sobald sie diese sieht. Sie unterdrückt ein Gähnen und sehnt sich schon nach einem Bett...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 29. Juni 2004, 22:47 Uhr
OT: Halla ist ingame mit diesem Post noch am Abend und dem Morgen bevor sie mit Borgil zu Galrins Hochzeit fährt

Als die Fremde fertig ist mit dem Essen kommt sie an die Theke und fragt nach dem Zimmerschlüssel. Halla überreicht ihr diesen mit einem freundlichen Lächeln und wünscht ihr eine angenehme Nachtruhe. Kurz darauf erscheint Borgil und bittet Halla morgen früh in seine Räume zu kommen, damit sie ihm den Bart flechten kann, für die Hochzeit des Kapitäns. Halla nickt nur und ihre Wangen röten sich leicht. Sie will Borgil noch nach dem Kleid fragen, dass er besorgen wollte, aber Borgil wird schon wieder von Gästen abgelenkt. Der Abend vergeht mit viel Arbeit und Halla ist froh, als sie schliesslich in ihre Kammer gehen kann. Allerdings währt ihr Schlaf nicht lange und mit dem ersten Hahnenschrei ist sie vollkommen aufgeregt wach und kleidet sich schnell an.

Borgil ist ebenfalls schon wach, las sie in seine räume kommt, und sie flicht ihm kleine Zöpfe in den Bart, schert ihm den Kopf und hilft ihm beim Ankleiden. Dann sieht sie an sich selber herab und als sie wieder aufblickt, hält der Zwerg ein wunderschönes blaues Kleid in den Händen, dass für sie sein soll. Mit hochroten Wangen nimmt sie es entgegen und verschwindet dann mit einem Danke auf den Lippen aus seinen Räumen um sich selber für die Hochzeit fertig zu machen. Es dauert nicht lange und sie erscheint wieder im Schankraum und geht dann zusammen mit Borgil hinaus zu der Sänfte , die dort auf sie wartet.




Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sethai am 30. Juni 2004, 16:06 Uhr
„Dann werde ich Euren Wunsch respektieren und Euch nicht verraten welche verborgenen Fähigkeiten noch in Euch schlummern.“, spricht Sethai nachdem Azra geendet hat. Dabei lächelt er zufrieden. Die Reaktion des Mädchens lassen auf das Potential innerer Weisheit schließen, auch wenn die Worte die sie spricht eher von Misstrauen und gesunder Selbsterhaltung künden. „..ich denke Ihr habt damit die richtige Wahl getroffen. Nehmt Euer Leben selbst in die Hand anstatt Euch von anderen führen zu lassen. Bewahrt Euch diese Worte.... sie werden Euch sicherlich noch einmal von Nutzen sein.
Aber auch Eure anderen fragen will ich beantworten. Die Laute die von Außen an Euer Ohr drangen waren das Inari-Fest. Es wird auch das Sommerfest genannt. Die ganze Stadt befindet sich in den festlichen Tagen in einem Rausch der sich in der großen Inari-Nacht entlädt. Ihr habt durch Eure Verletzungen viel verpasst. Die ganze Stadt ist geschmückt und überall sind Schausteller und Attraktionen zu sehen. Aber grämt Euch deshalb nicht... das Fest findet wie gesagt jedes Jahr statt und Ihr werdet genug Gelegenheit haben an ihm teilzunehmen in der Zukunft. Übrigens ist das Inari-Fest auch das Fest der Liebenden.... ein großer Teil der nächsten Generation wird in dieser Nacht gezeugt....“
Die Worte die er an Azra richtet berühren ihn selber tief in seinem Inneren, doch ist er zu sehr Meister seiner selbst um auch nur ein kleines Zeichen davon nach Außen dringen zu lassen. Es war die zweite Inari-Nacht gewesen die er ohne Asrai verbringen musste. Irgendwann würde er Ihr berichten warum das so sein musste, warum er in dieser Nacht nicht bei Ihr sein konnte auch wenn sie es sich so sehr wünscht. Irgendwann....

“…aber nun zu der Frage die Euch sicher am brennensten berührt: Warum ist Dein Volk so unbeliebt? Das Volk Deines Vaters – oder Shebaruc wie es sich selber nennt – hat schwere Schuld vor den anderen Völkern auf sich genommen.... Es hat sich der Finsternis angeschlossen und seine Brüder und Schwestern ihr zu Ehren hingeschlachtet. Das alles ist schon vor langer Zeit geschehen, doch bis heute hat dieses Volk sich nicht von seinen dunklen Wegen abgewand. Noch immer praktiziert es die Dunkelheit und verehrt sie.... Deshalb werden sie Euch ob Eures Erbes schlecht behandeln.... Mein Rat an Euch wäre es sie durch eure Taten eines Besseren zu belehren, aber es ist ganz eure Wahl....“

Dann wartet Sethai erst mal mit Weiterem. Sicherlich braucht es seine Zeit bis sie die Information über die Vergangenheit ihres Volkes verdaut hat... Vielleicht würde Ihr sogar etwas Ablenkung dabei helfen und Sethai muss lächeln als kurz darauf die Tür zum Zimmer sich öffnet und Kitty eintritt. Der Elf beugt zum Gruß den Kopf vor Ihr. Wie immer verschwendet Kitty keine Zeit und wendet sich nach einem kurzen Gruß an ihn direkt an Ihre Patientin. Sethai bleibt sitzen, räumt langsam seine Karten weg und beobachtet die beiden interessiert.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 01. Juli 2004, 22:30 Uhr
Es ist also ein Fest gewesen das sie verpasst, hat, doch scheint es nicht unbedingt so als würde sie dies bedauern. Eher ist sie froh darum, nicht auf den Strassen gewesen zu sein, bei all den Menschenmengen die sich da wohl befunden haben. Schon alleine bei dem Gedanken läuft es ihr kalt den Rücken hinab, erinnert sie sich an den Weg zu Morgana und zurück, der mehr als nur ein Alptraum war.
Schnell schüttelt sie den Gedanken ab und lauschte den Worten des Sehers, welche nun in gewählter Form von ihrem Volk berichten, so wie es bereits der Zwerg ihr erzählt hat... Jenem Erbe, das sie in sich trägt, obwohl sie es niemals gewollt hätte. Plötzlich bemerkt sie, das sich ihre Finger in der Bettdecke verkrallt haben und Tränen über ihr Gesicht laufen. Wieso denn das plötzlich? Sie hat es nicht bemerkt, spürt jedoch den Zorn der in ihr schwelgt, obgleich dieser Gemeinheit, sie wegen etwas zu hassen, wofür sie nichts kann. Doch diesmal setzt sie dieser kalten Glut, welche langsam entfacht nichts entgegen, nein, die lässt sie aufflammen und nun verziehen sich ihre Züge zu einem eisigen Ausdruck.
Als die Türe plötzlich aufschwingt und Kitty hineintritt, hat sich Azra bereits in den hintersten Ecken ihres Bettes zurückgezogen und starrt die Heilerin nun an, jedoch nicht freundlich und froh wie zuvor sondern mit einer blinden Wut, die sie selbst nicht mehr zu stoppen vermag. Schnell zieht sie die Knie an, vergräbt ihr Gesicht in ihren Armen und schielt Kitty über den Rand hinweg, wie eine hungrige Raubkatze an, die gleich ihre Beute anfällt. Plötzlich jedoch krampft sie sich zusammen, keucht leise auf und zieht sich dann zu einem noch kleineren Paket zusammen. Ihre Fingerknöchel treten weiss hervor, und man hört ihr gepresstes Atmen, als ob sie Mühe hätte etwas zu unterdrücken. Würde man ihre Gedanken in diesem Moment lauschen, wäre man wahrscheinlich leicht verwirrt, über die vielen Ansichten, welche sich in ihr Verstricken und wieder zu lösen versuchen.
<<Du wirst also bloss gehasst, weil du eine halbe Shebaruc bist, ohne das man dir die Chance lässt dich zu beweisen.>>
<<Das ist nicht wahr!! Jeder hier ist freundlich und hilft mir!!>>
<<Ach ja?! Lüg dich nicht an, erkennst du nichtihr fadenscheiniges Getue, wie sie dich ködern wollen um dir dann nur noch grössere Schande zu bereiten?!!>>
<<Nein! Nein! Das ist nicht wahr, das tun sie nicht. Sie meinen es ehrlich, ich kann ihnen ver...>>
<<Vertrauen? Das ich nicht lache... Du kannst ihnen nicht vertrauen, ihnen nicht, diesem seltsamen Elfen und der Heilerin? Und dem ZWergen, der dich geschlagen hat? Ja, denk daran, er hat dich geschlagen!!>>
<<Aber doch nur, weil ich nicht gefolgt habe.. Es war me..>>
<<ACH? Jetzt nimmst du schon alle ihre Schuld auf deine SChultern? Du vertraust also blindlings und läufst schon in die erste Falle? Wer hat den Wanderer getötet? Na, wer war es?!! Waren es nicht...>>
<<Sei still!!>>
<<... wie er und Menschen wie diese Heile...>>
<<Halt den Mund, lass mich in Ruhe!! Geh weg, geh weg!!!>>

Betrachter können un sehen wie sie wild mit der Hand nach etwas schlägt, als würde sie etwas von sich drücken, eine Last die zu schwer auf ihr liegt.
Ihr Haar fliegt wild herum, als sie heftigst den Kopf schüttelt und sich dann wieder vor Anstrengung dem Hass nicht noch mehr Platzt zu gewähren zusammenzieht.  
Doch er brennt, lichterloh und frisst sich langsam zu ihrem Verstand, was jedoch kaum für Jemanden sichtbar ist, nur das Wechselspiel in ihren Augen, zwischen verzweifelt und zornerfüllt lässt sehen, was in ihr geschieht, warum ihre Arme immer fester um ihre Knie schlingen, als wolle sie sich selbst davon abhalten etwas zu tun, was sie nicht will und trotzdem den Drang dazu verspürt. Ein Drang dem sie nicht nachgeben will obwohl er stärker ist, als ihr Bewusstsein.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kitty am 02. Juli 2004, 10:07 Uhr
Sethai nickt Kitty zum Gruße freundlich zu. Kitty verneigt sich ebenfalls leicht und hockt sich dann neben Azra`s Bett.
Die kleine Blutelbin funkelt sie böse an.
Kitty blickt zurück zu Sethai, doch der scheint Azras Blick nicht bemerkt zu haben. Als die Elbin dann plötzlich wütend um sich schlägt, weicht Kitty erschrocken zurück und fällt dabei fast Sethai in die Arme.
"Was ist denn plötzlich mit dir los, Azra?" fragt sie bestürzt.
"Sethai, war sie die ganze Zeit schon so wütend? Was ist denn passiert?"
Ohne seine Antwort abzuwarten tritt sie wieder an das Bett und versucht Azra aus ihrer Verkrampfung zu lösen, doch die Blutelbin klammer die Arme so fest um ihre Beine, dass Kitty alleine nichts ausrichten kann.
"Bitte Azra, was soll das denn? Ich habe dir doch nichts getan. Die ganze Zeit habe ich dir nichts getan und ich habe dir geholfen, dass weißt du doch. Hast du etwa wieder Schmerzen?" fragt sie vorsichtig.

Einige Minuten später beginnt Kitty in ihrem Beutel nach einer Medizin zu suchen.
"Vielleicht hat ihr Körper eine erhöhte Temparatur..."
murmelt Kitty vor sich hin und lässt den Beutel wieder zu Boden sinken um sich dann neben Azra auf das Bett zu setzen.
Vorsichtig legt sie die rechte Hand auf die Stirn der Blutelbin, die tatsächlich sehr heiß ist.
"Nunja, dann habe ich etwas für dich. Dies hier ist Hirtentäschelkraut, es wird deine hohe Körpertemparatur senken und außerdem hilft es, die letzten Blutungen in deiner Lunge zu stoppen."
sagt sie, während sie aus dem Beutel am Boden eine kleine Glasflasche holt in der sich einige getrocknete Kräuter befinden.
Dann wendet sie sich wieder zu Sethai.
"Ich habe leider nicht viel Zeit, ein weiterer Patient wartet auf mich. Vielleicht könntet ihr dafür sorgen, dass die Kräuter zu einem Tee aufgebrüht werden und sie es dann trinkt. Das wäre wirklich sehr freundlich von euch."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sethai am 02. Juli 2004, 14:08 Uhr
Worte, Berührungen, Schmerzen.... eiskalte Wut oder gar Hass. All das spürt sie tief in ihrem Innern und kämpfte dagegen an den Verstand augenblicklich zu verlieren, vergräbt ihre Nägel in ihrem eigenen Fleisch, um damit den Schatten zu vertreiben, der mit seinen gierigen Händen nach ihr langte. Ein seltsames Schauspiel, welches sich den Anwesenden bietet. Manchmal krampft sich ihr Körper zusammen, dann fallen ihre Schultern wieder erschöpft nach vorne, bevor sie sich erneut anspannen und man ein leises Keuchen hört. Es geht, vielleicht schafft sie es, ja, vielleicht wird es ihr gelingen, vie...
Es ist die Hand, welche sich sanft auf ihre Stirn legt, das Fühlen von Haut auf Haut, welches sich wie Feuer in ihr ausbreitet, durch ihre Nerven läuft und mit einem Schlag ist die Mauer, welche sie zuvor zurückgehalten hat nicht, mehr da. Nichts mehr steht zwischen ihr und diesem Abgrund, der schmale Steg unter ihren zittrigen Füssen ist eingebrochen und nun fällt sie, den Nebel der schwarzen Dunkelheit um sich spürend, welcher sie verschlingt.
Mit einem Male schnellt sie vor, stößt die Heilerin von der Bettkante, fällt hinterher mit einem furchtbaren Ausdruck im Gesicht, die Hände erhoben, die Finger ausgestreckt um die Heilerin zu treffen...

... doch sie erreicht Kitty nicht. Zwischen den beiden schiebt sich mit einem dunklen Blitz eine schwarze, wabernde Wand aus dunkelster Energie in diese Welt. An der Stelle im Raum wo sie erscheint wirkt es als würde die Realität selbst sich falten um etwas Platz zu machen das auf keinen Fall hierher gehört. Schaut man es an meint man von irgendwo kreischende Stimmen zu hören die nach dem Blut der Lebenden verlangen. Azra, die direkt auf die schräg im Raum stehende Fläche gefallen ist, taucht kurz in die Energien ein, spürt eine tief verwurzelte Verwandtschaft zu diesen; dann wird sie zurück aufs Bett geworfen. Die Energien stoßen sie weg und sie landet in den Laken der Nacht. Kitty liegt unterhalb und schaut es hindurch auf Azra. Der Ausdruck im Gesicht des Mädchens zeugt erst von auf Kitty konzentrierter Mordlust, dann von Verwirrung....

Dann verschwindet die dunkle Erscheinung wieder, faltet sich zurück dorthin woher sie gekommen ist. Wie eine Tasche öffnet sich die Welt um das wieder einzulassen was vorher aus Ihr gewachsen ist. Einen kurzen Blick kann man erhaschen auf eine Dunkelheit dahinter, dann ist die Welt wieder wie zuvor, keine Spur von Dunkelheit, kein Laut zu hören außer dem Keuchen der Anwesenden. Sethai jedoch sitzt nicht mehr auf dem Stuhl, von dem er alles beobachtet hat, er steht jetzt im Raum, die Hand erhoben, auf die stelle zeigend an der die Dunkelheit entstanden ist. Goldene Blitze zucken um seine Gestalt und fahren zu Boden wo sie sich erden und kleine schwarze Rußflecken hinterlassen. Seine Augen leuchten wie von einem inneren, jedoch dunklen, Feuer erfüllt.
Als die Wahrnehmung um das was gerade geschehen ist langsam wieder die Realität einholt wissen die beiden Frauen was geschehe ist. Kurz bevor das Mädchen Kitty erreicht hat sprang Sethai plötzlich auf, erhob seine Hand und sprach etwas in einer unbekannten Sprache, worauf die Erscheinung anscheinend beschworen wurde...

Langsam lässt er nun den Arm wieder sinken, die blitze werden weniger bis sie schließlich fast gänzlich verschwinden. Nur vereinzelt zuckt noch der ein oder andere über die Runen auf seine Arm, die nun hell strahlen. Dann tritt er auf Kitty zu. reicht Ihr die Hand um Ihr vom Boden aufzuhelfen.
„Ich glaube Ihr solltet besser gehen.“, er hebt die Flasche mit der Medizin, die glücklicher Weise nicht zerbrochen ist,“...Azra ist im Moment nicht sie selbst und glaubt mir es gibt nichts was Ihr tun könnt. Ich weiß Ihr wollt es, aber es gibt einfach nichts. Wenn Ihr es wünscht werde ich Ihr die Medizin später verabreichen...“
Die Stimme des Elfen klingt anders als sonst. Anscheinend hat die Anrufung dieser Dunkelheit auch dort Ihre Spuren hinterlassen. Erwartungsvoll scheint er die Heilerin anzuschauen. Seine Sinne jedoch sind fast vollständig auf das Mädchen auf dem Bett konzentriert, die nun zusammengerollt ort liegt, schluchzend, weinend....

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kitty am 02. Juli 2004, 16:54 Uhr
Kitty versteht nicht was um sie herum geschieht.
Eine starke Energie scheint von Azra auszugehen und auch der Seher scheint dies Bemerkt zu haben.
Kitty weiß nicht was mit ihr geschieht, jedoch hat sie sich geschworen die Macht der Wahrsagerei nie wieder zu nutzen, doch das was hier geschehen ist, macht ihr Angst.
Vorsichtig weicht sie von den Beiden zurück, ihr Blick ist starr auf die Blutelbin gerichtet, die weinend auf dem Bett liegt und sich krümmt.
Kitty weiß zwar noch nicht was hier vorgegangen ist, doch sie wird es herausfinden können, wenn sie es will.
Geschwächt von dieser Energie die scheinbar in diesem Raum ist, nickt sie Sethai nur kurz auf seine Frage hin zu.
"Wenn ihr meint Sethai... dann... dann ist es nicht gut wenn ich länger hier bleibe. Bitte sucht mich in meinem Hause auf, wenn ihr die Zeit dazu habt. Ich muss dringend mit euch reden."
Nur sehr leise hat Kitty dies Sethai mitgeteilt.
Schnell bewegt sie sich zur Tür, ihr letzter Blick fällt auf die Blutelbin und irgendetwas sagt ihr, dass hier einiges im Unreinen ist, dann schließt sie die Tür hinter sich und verlässt die Harfe auf den schnellsten Wege.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Shyada am 02. Juli 2004, 20:37 Uhr
Ohne auf ihre Umgebung zu achten und sich den Weg notfalls auch mit Hilfe von Ellenbogen frei zu machen, stürmt Shyada geradewegs am Harfengarten wobei und schlägt die Tür wütend auf. In ihrer Wut bemerkt sie ihren schmerzenden Körper nicht, aber nachdem sie fürs erste verraucht wäre, würde ihr jeder einzelne Muskel weh tun.
Zu sehr mit sich beschäftigt, bemerkt Shyada weder Morgana und Phelan noch Borgil mit seiner obersten Magd. Ihr Gesicht spricht Bände und jeder, der einen Blick darauf wirft, tritt hastig bei Seite.

Das Innere der Harfe ist wieder Erwarten mäßig gefüllt, aber für Shyadas Geschmack dennoch zu voll. An der Theke angekommen ist nicht sofort jemand zur Stelle, was Shyada nur noch ungeduldiger macht. Als sich jemand, der zu tief in sein Bierkrug geguckt hat, zu ihr gesellt, faucht Shyada den Mann wütend an, so dass dieser ein wenig blass um die Nase ohne Umschweife wieder an seinen Platz zurückkehrt.
Dem Nächsten der mich anspricht dreh ich den Hals um.
Endlich lässt sich jemand von der Taverne am Tresen blicken und fragt mit höflichen Worten nach Shyadas Wünschen.
"Ein Zimmer. Für wie lange weiß ich nicht." knurrt die Amazone und sieht die Mogbardame dabei mit wild funkelnden Augen an. Auch wenn das kleine Wesen nichts dafür kann, so scheint Shyada jeder Recht, um sich an demjenigen abzureagieren. Dennoch versucht Shyada nicht ihre ganze Wut auf die Bedienung zu übertragen, da sie hier ja immerhin ein Zimmer mieten will und auch noch einen axtschwingenden Zwerg am Hals zu haben, ist das Letzte was Shyada jetzt möchte.
Zögernd wird Shyada ein Zimmerschlüssel hingehalten und eine kurze Wegbeschreibung gegeben.

Shyada greift sich den Schlüssel, lässt einige Münzen auf den Tresen fallen, die als Zimmervergütung für einige Tage reichen sollten, und verlässt dann den Schankraum, um sich in ihr Zimmer zu begeben. Während sie die Treppe hinaufgeht, flucht sie ununterbrochen und knallt ihre Zimmertür endlich angekommen laut ins Schloss.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Shyada am 03. Juli 2004, 23:03 Uhr
Wann auch immer ihre Gedanken wieder zur Ruhe kommen, flüstert ihr eine leise gehässige Stimme die drei Worte Varins im Kopf. Wie ein eingesperrtes Raubtier läuft Shyada das kleine Zimmer immer wieder auf und ab und kann es nicht fassen was dieser Blaumantel damit alles ausrichtet.
Noch nie hatte ihr jemand gesagt, dass er sie liebt. Begehrt hatten sie viele und besitzen wollen sie wissen die Götter auch genug, doch niemand war soweit gegangen, wie es Varin getan hatte. Verdammter Scheißkerl!
Voller Wut tritt Shyada gegen das Bett, zuckt aber aufgrund der darauf folgenden Schmerzen im Fuß zusammen.

Unruhig steht Shyada mal am Fenster, von wo aus die zahlreiche verliebte Pärchen herumlaufen sieht, so als wollen sie die Amazone verspotten, läuft durch das Zimmer, sitzt auf dem Stuhl oder aber auf dem Bett. Je länger sie sich selber in diesem Zustand bewußt wahrnimmt, umso unwirklicher scheint es ihr, was Varin mit ihr angestellt hat.
Sie war schon oft wütend gewesen. Unzählige Male, aber bisher hatte es mehr als nur einfache Worte gebraucht. Immer wieder hört Shyada Varin in ihrem Kopf. Unsicherheit mischt sich zu ihrer Wut und lässt Shyada langsam aber sicher an sich zweifeln.
Wie kann mich dieser Narr lieben!

Doch je länger sich Shyada einzureden versucht, dass Varin den Verstand verloren hat, umso mehr tauchen seltsame Fragen in ihrem Kopf auf. Fragen die sich die Amazone noch nie in ihrem ganzen Leben gestellt hat. Kann man sie lieben? Kann sie überhaupt lieben?
Alles was Shyada in jungen Jahren erfahren hat, waren die kühle Distanz und Erhabenheit ihrer Stammesangehörigen. Da war keine liebende Mutter und kein Vater, die sich um sie gekümmert hatten. Die sie in den Arm genommen und getröstet hatten, wenn sie als kleines Mädchen gefallen oder durch etwas erschreckt worden war. Für viele Bewohner der Immerlande ist Shyada genau zu dem geworden, was sie als kleines Kind verabscheut hatte, da man ihr Herz zu Stein werden ließ.
Und nun sollte ausgerechnet ein Mann, der vielleicht was Gefühle anderer nicht mal viel besser als sie selber ist und der auch ihr Geheimnis kennt, was sonst kein weiteres Lebewesen der ganzen Immerlande weiß, ausgerechnet sie lieben?

Auch wenn sie sich jetzt nicht mehr unter Kontrolle hat, so ist Shyada froh, dass ihr es noch gelungen war, als Varin ihr die Worte gesagt hatte. Ihr Schreck war ihr in keiner Sekunde anzusehen. Umso hilfloser fühlt sich Shyada jetzt, da sie seit langer Zeit vor einem Problem steht, dass sich scheinbar nicht einfach lösen lässt.
Morgana... geht es ihr plötzlich durch den Kopf, als ihr absurderweise in dem Moment bewußt wird, dass sie zu Maester Ballabar nicht mehr gehen kann.
In sich zusammengesunken sitzt Shyada auf ihrem Bett. Jetzt würde sie sich nicht hinauswagen, aber vielleicht nach einem Mittagsmahl unten in der Taverne.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Marius am 04. Juli 2004, 11:09 Uhr
Die Reise ist lang und anstrengend für Marius gewesen, sodass er sich nun erst einmal eine Pause gönnen will – ebenso wohl dem Pferd, dass er vor dem Gasthaus, von dem er hofft, dass er dort eine gewisse Ruhe finden wird, an einem hölzernen Balken festband.

Marius betritt das Gasthaus. Seine Gestalt fällt hier wohl weniger auf, denn öfter verkehrten hier Männer, die ihr Gesicht nicht zu Erkennen geben.
Doch, damit keine neugierigen Blicke ihn verfolgen, streift er mit einem leisen, ja, fast kümmervollen Seufzer, die Kapuze des schwarzen Umhanges, der dicht an seinem schlanken Leibe ruht und jenen gezielt gewollt verdeckt, vom Kopf.
Das kupferrote, fast schulterlange Haar, ist im Nacken zu einem Zopf gebunden, der von einem schwarzen, etwas älteren Lederband gehalten wird.
Die Augen des fremden sind von einer grünen, fast unnahbaren Farbe.

Kurz nur blickt Marius sich um.
Seltsam ist es hier … in diesen, mir so fremden Landen denkt er bei sich und lässt sich, nachdem er ein kurzes, dennoch grüßendes Nicken angedeutet hat, in einer Ecke an einem freien Tisch nieder.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Shyada am 04. Juli 2004, 20:34 Uhr
Als Shyada sich wieder unter Kontrolle hat ist ihr Gesicht wieder zu jener regungslosen Maske erstarrt, die es Fremden und auch Bekannten schwer macht, etwas darin zu lesen. Auf der letzten Treppenstufe verharrt Shyada einen Moment und lässt ihren Blick durch den Schankraum gleiten. Niemand auffälliges ist zu sehen und, was Shyada besonders wohlwollend aufnimmt, kein einziger Blaumantel.
Da sie in keinerlei Gespräche verwickelt werden will, setzt sich Shyada an einen Tisch der glücklicherweise noch von keinen anderem Tavernenbesucher vereinnahmt wurde und der zudem noch etwas abseits vom Haupttrubel liegt.
Ihre Haare hat sie, so gut es geht und die zahlreichen Zöpfe zulassen, um ihren Hals gelegt, so dass man die Verfärbungen nur bei genauerem Hingucken oder von Nahem sehen kann.

Kaum das sich Shyada gesetzt hat, kommt ein Mann auf ihren Tisch zu und fragt mit einem anzüglichen Grinsen im Gesicht, ob er sich zu Shyada setzen darf. Ein Blick aus ihren grünen Augen reicht und der Mann verschwindet leise vor sich hinmurmelnd. Shyada folgt den Mann mit Blicken, um sicherzugehen, dass er auch wirklich zu seinem Platz zurückkehrt. Männer sind das Letzte, was sie jetzt in ihrer Nähe haben will.
Die Bedienung ist glücklicherweise eine Frau und dazu noch eine Mogbardame, von der Shyada reinweg nichts zu befürchten hat. Immerhin etwas.
Als Shyada gefragt wird, was man ihr denn bringen kann, will sie schon zu einer Antwort ansetzen, als ihr einfällt, dass ihrem Hals eine unbedachte Wahl missfallen könnte.
"Irgendeine Suppe und verdünnten Wein."
Auch wenn ihr überhaupt nicht nach Suppe ist und sie aufgrund der letzten Tage, wo sie ohnehin schon kaum etwas gegessen hatte, lieber etwas anderes genommen hätte, kann sie sich damit noch eher anfreuden als mit Brei.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Marius am 06. Juli 2004, 15:35 Uhr
Marius’ Blick schweift hier und dort hin, nicht wirklich suchend, oder doch? Ein leises Seufzen entweicht seinen Lippen, als sein Blick für einen Moment an Shyada hängen bleibt. Mh, denkt er bei sich, was … ? Doch in diesem Augenblick bringt die Bedienung, bei der er soeben einen Krug Wasser bestellt hat, eben jenes zu seinem Tisch hinüber, sodass sein Blick im Nichts versiegt.

Er lehnt sich gemütlich zurück, nachdem er das Wasser entgegen genommen hat, und schließt für eine winzige Sekunde die Augen. Ruhe … das bräuchte er nun. Doch wie würde er es wirklich bekommen? Mit dieser Frage im Kopf, der gleich einem nicht verdrängbaren Geist in diesem herumspukte, trinkt er einen großen Schluck von dem klaren Getränk.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Shyada am 06. Juli 2004, 19:46 Uhr
Der Teller der vor Shyada mitsamt dem Wein abgestellt wird, verströmt einen wesentlich angenehmeren Geruch als matschiger Brei und sieht auch wesentlich angenehmer auf.
"Laßt es Euch schmecken." hört Shyada die Bedienung sagen und sieht in ein freundlichen lächelndes Gesicht, als sie ihren Blick kurz vom Teller hebt.  Shyada erwidert nichts. Aber scheinbar wurde auch nichts andere erwartet, denn die Bedienung wendet sich gleich dem nächsten Tisch zu, wo die Männer schon seit einigen Minuten nach mehr Met verlangen.

Mit dem Löffel rührt Shyada immer wieder durch die Suppe. Nicht etwa um sie abzukühlen, sondern einfach um zu sehen, was sich alles darin befindet. Sie mag gar nicht daran denken, was sich alles darin befunden hätte, wenn sie zum "Grünen Aal" gegangen wäre und fischt infolge dessen den ersten Löffel voll aus der Brühe.
Das Fleisch ist so zerkocht, dass es ein leichtes für die Amazone ist, es zu schlucken. Der Geschmack entspricht dem, was der Geruch verspricht und so löffelt Shyada langsam die Suppe komplett aus dem Teller.
Stell dich nicht so an. Du hast schon weitaus schlimmeres gegessen.

Während Shyada isst, würdigt sie die anderen Tavernenbesucher keines einzigen Blickes und hofft inständig, dass kein weiterer den Versuch unternimmt, sich zu ihr zu setzen. Das sie ihrerseits nicht beachtet wird, scheint Shyada unmöglich. Das hatte allein schon der Mann vorhin bewiesen, aber trotzdem hat sie nicht das Gefühl geradewegs angestarrt zu werden.
Den Teller zu leeren dauert nicht lange und mit einem letzten Schluck aus dem Weinkelch ist auch dieser leer und steht abholbereit auf dem Tisch. Da es aufgrund der Mittagszeit nun doch recht voll geworden ist, eilen die Bediensteten der Harfe eilig hin und her und versuchen das Chaos so gut es geht zu bewältigen. Shyada ist wieder in Überlegungen versunken, als sie eine freundliche Stimme aus ihren Gedanken reißt.
Anderen wäre ein "Wie?" herausgerutscht um den anderen dadurch zu bitten, die letzten Worte zu wiederholen. Nicht so Shyada, sie blickt stumm zu der Frau und reicht ihr wortlos einige Münzen, die für die Mahlzeit ausreichen sollten. Auch wenn Shyada nicht großartig mit Geld umgehen kann, weiß sie trotzdem, dass die Summe mehr als genug ist und winkt ab, als die Bedienung etwas sagen will.
Behaltet den Rest, immerhin müsst ihr mich jetzt eine ganze Weile aushalten. Hätte sie die Worte ausgesprochen, so wäre keine Belustigung in ihrer Stimme gewesen. Stattdessen hätte man sie eher als eine Drohung auffassen können.
Wortlos erhebt sich Shyada von ihrem Platz, als einige neue Gäste auf ihren Tisch zuhalten.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Marius am 07. Juli 2004, 15:41 Uhr
Nun, da Shyada sich erhebt, hat er einen freien Blick auf sie. Nur ab und zu gehen einige Menschen – oder andere Wesen – vor seinem Tisch vorbei, sodass Marius nur einige Sekunden still verbringen muss, um diese Frau wieder zu beobachten.
„Was tue ich eigentlich hier?“, flüstert er zu sich selbst, schüttelt kurz den Kopf und neigt jenen leicht zur Seite. Für einen Moment schließen sich seine Augen, damit er jene Gedanken, die durch seinen Kopf rasen, bändigen kann, und jene Ruhe finden kann, die er sich versprochen hat.

Erst, als der Lärmpegel in der Taverne ein wenig gesunken ist – oder ist jener nur aus seinem Kopf entschwunden? – öffnet er wieder die Augen und blinzelt leicht.
Kurz lächelt der junge Mann, ehe er das Bein leicht anwinkelt. Es schmerzt schon seit ein geraumer Zeit … vielleicht sollte er bald etwas dagegen unternehmen.
Hastig trinkt er einen Schluck des Wassers. Bald würde er sich auf den Weg machen … nur, wohin?

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Thram am 08. Juli 2004, 10:32 Uhr
Thram ist froh, dass Elia nicht böse zu sein scheint. Auf die Frage, ob es ihm draußen zu kalt sei, antwortet er: "Ich denke, wir gehen lieber rein. Ich möchte auch nicht, dass du dich vielleicht verkühlst und ich denke, für den Harfengarten ist es schon recht spät." Er weiß nicht, wie lange die Harfe im Schnitt geöffnet hat, aber da von drinnen noch Stimmen nach draußen tönen, offnet er die Tür und Elia und Thram treten ein. Es ist nicht voll und Elia scheint das zu erleichtern. Thram schaut gar nicht erst, ob er bekannte Gesichter entdeckt. Die Zeiten sind einfach vorbei. Es kommt ihm vor, als würde er niemanden mehr in Talyra kennen.  

Beide suchen sich ein etwas Abseits liegenden Tisch, weil Thram sich denken kann, dass es Elia unangenehm ist, so angestarrt zu werden. Es ist ihm schon aufgefallen, dass vor allem die Männer sie komisch ansehen und auch Thram ist das unangenehm. Er hofft, dass das mit der Zeit nachlassen wird.  

Bei einer Bedienung bestellt Thram zwei Gläser Wein und er hofft, dass er genug Geld eingesteckt hat. Wieder Geld, das ich Asrai irgendwie zurückzahlen muss, denkt Thram bedrückt. Asrai hat sich immer auf ihn verlassen können und nun darf sie ihm nicht einmal mehr vertrauen.  
Zwischen Elia und Thram herrscht wieder ein Moment der Stille. Thram überlegt, wo sie bei den heißen Quellen mit dem Gespräch aufgehört haben und als ihm einfällt, dass es um eine Wohnung und eine neue Arbeit für Elia ging, möchte er dieses Gespräch eigentlich ungern wieder aufnehmen.
     

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Elia am 08. Juli 2004, 12:58 Uhr
Elia seufzt erleichtert aus, als sie bemerkt, dass die Harfe doch um einiges leerer ist, als sie erwartet hätte. Jedoch blicken doch einige Männer zu ihr nach drüben, als sie sich mit Thram in einer Ecke niederlässt.
Thram bestellt zwei Gläser Wein und Elia protestiert nicht, obwohl sie eigentlich nicht so gerne Alkohol trinkt.
Heute wird sie sich doch mal ein Gläschen gönnen.

Als die Bedienung mit den beiden Gläsern zurück an den Tisch kommt, bemerkt Elia, dass sie doch ein wenig Hunger zu haben scheint. Obwohl es schon spät ist bestellt sie sich noch einen Teller Gemüseeintopf.
"Entschuldigung..."
sagt sie zu Thram. Ich bin gerade wahnsinnig hungrig muss ich sagen..."
als die Bedienung mit dem Eintopf kommt, zahlt Elia sofort für den Eintopf und die beiden Gläser Wein, denn es ist ihr unangenehm sich immer von Thram einladen zu lassen.
Thram guckt zwar etwas bestürzt doch Elia beruhigt ihn.
"Lass nur Thram, das ist schon in Ordnung, du tust genug für mich und ich verdiene auch ein wenig Geld um es mir leisten zu können dich einzuladen."
sagt sie liebevoll und legt ihre Hand auf sein Knie.
"Das essen ist hier wirklich immer köstlich."
sagt sie lächelnd.
"So gut ist es nicht bei uns im Pfirsich."
sie merkt das dieses Thema Thram nicht sehr gut gefällt und so wechselt sie es schnell wieder.
"Du sagtest vorhin, die Bäckerei gehört dir garnicht. Ich dachte... wie kam es dazu, dass du trotzdem der Bäckermeister dort bist?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Thram am 08. Juli 2004, 14:25 Uhr
Einerseits erleichtert es Thram, dass Elia bezahlt, doch andererseits ist es ihm nicht so recht. Klar verdient Elia auch Geld, doch sie ist diejenige, die eine neue Wohnung möchte.

Er selbst ist nicht hungrig. Wenn er in der Backstube arbeitet, dann nascht er immer von allem ein wenig, so dass er nach der Arbeit nicht noch großartig was essen muss. Sein Bauch verrät ein wenig, dass er sich nicht gesund ernährt und dass er gern zum Bier greift.

"Einen guten Appetit wünsche ich dir.", sagt er lächelnd zu Elia und streicht über ihre Hand, die auf seinem Knie liegt. Dann beantwortet er ihre Frage: "Viele denken, dass die Bäckerei mir gehört, doch eigentlich gehört sie Asrai, einer Wasserfee und Flothemil, einem Elf. Beide haben mit der Backkunst nicht viel am Hut und so haben sie mir die Leitung der Bäckerei übertragen. Ich verdiene so recht gut Geld, habe aber auch eine Menge Arbeit. Ich muss mich auch um die Buchführung kümmern und den Mitarbeitern ihren Lohn zahlen. Flothemil hat vor einiger Zeit Talyra verlassen und seit dem 'kümmer' sich nur noch die Wasserfee um die Bäckerei. Sie sieht immer wieder nach dem Rechten und ist Ansprechpartnerin für mich, wenn es Probleme gibt oder ich Fragen wegen der Leitung habe." Thram seufzt. "Ich glaube, manchmal vergisst sie, dass ich auch nur ein Mensch bin und auch ein Privatleben habe. Es ist schwer, Mitarbeiter für die Bäckerei zu finden. Eine junge Frau wollte mir in der Backstube behilflich sein, aber sie hat sich nicht wieder gemeldet und ich habe einfach nicht die Zeit, ihr hinterher zu rennen." Man merkt Thram an, dass er zur Zeit sehr unter dem Stress in der Bäckerei leidet. "Früher war es nicht so anstrengend in der Bäckerei. Damals war Kalin noch da. Mein bester Freund. Er war damals Bäckermeister und ich sein Lehrling. Aber er ist gestorben. Er war schon sehr alt." Mit einem mal sieht Thram richtig traurig aus. "Ich bin dann Bäckermeister geworden und seitdem fehlt mir jemand, der mir hilft, die Arbeit dort zu bewältigen."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Elia am 08. Juli 2004, 15:02 Uhr
Traurig streicht Elia Thram über das Knie.
"Du hast es wirklich nicht leicht Thram... da ist ja mein Leben im Pfirsich ja fsat leichter als das alles was du machen musst."
Traurig blickt sie ihn mit ihren blauen Augen an.
"Vielleicht sollte ich doch zu dir in die Bäckerei kommen. Ich kann auch beides machen, ich meine, im Pfirsich werde ich eh erst am Abend gebraucht. Vormittags kommt fast niemand. Da könnte ich dir dann doch ab und zu ein wenig behilflich sein wenn du mir es erklärst. Ich kann zwar gut kochen, aber backen kann ich nur ein paar verschiedene Kuchen... das habe ich alles nebenbei im Pfirsich gelernt. Ich habe der Köchin oft zusehen können wenn sie gearbeitet hat."
versucht Elia ihn zu trösten.
"Das mit eurem Bäckermeister tut mir schrecklich Leid Thram... es ist immer so schwer wenn man sehen muss das liebe Menschen alt werden und dann sterben..."
was sie sagt muss sich für Thram sicher albern anhören, doch es fällt ihr nichts besseres ein.
"Aber Gonjeil ist doch auch noch in der Bäckerei, oder hilft er nicht gut? Ist er echt so faul?"
fragt sie etwas spöttisch.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lucida am 08. Juli 2004, 15:29 Uhr
Paulina betritt das Gasthaus und sucht mit den Augen den gesamten Schankraum nach Halla ab. Sie geht zum Thresen und fragt dort nach ihr oder Borgil, damit sie ihr Zimmer, welches sie bis morgen zwar noch behalten will, aber dann entgültig verlässt, bezahlen kann.
Morgen werde ich früh aufstehen müssen, damit ich noch zum Schneider komme. In den alten Kleidern kann ich ja nicht zur Arbeit erscheinen. Und wäre es anders hätte mich Yohn nicht dort hingeschickt.
Paulina ist schon gespannt auf ihre Arbeit und tippelt wieder einmal ungeduldig mit dem Fuß herum. Zwar wartet sie noch keine Minute, trotzdem ist sie ungeduldig und möchte diesen unangenehmen Teil schnellstens hinter sich bringen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Thram am 08. Juli 2004, 16:33 Uhr
Bei Elias Angebot muss Thram lächeln. Doch er möchte nicht, dass sie so viel Arbeit hat. "Nein, es ist schon ok, Elia. ich werde schon jemanden finden, der mich in der Bäckerei unterstützt. Ich denke, du hast im Pfirsich genug Arbeit." Er sieht kurz auf, als eine magere junge Frau die Harfe betritt, doch dann wendet er sich wieder Elia zu. "Gonjeil ist ein guter Junge. Aber er hilft mir nur beim Verkauf im Laden. Jock, ein Straßenjunge arbeitet auch bei mir. Er liefert die Waren aus. Ebenfalls ein guter Junge. Mir fehlt halt nur jemand für die Backstube. Dass sich die Frau noch nicht wieder gemeldet hat ist wirklich sehr schade."

Thram versucht ein Gähnen zu unterdrücken, doch es gelingt ihm nicht ganz. "Verzeih mir. Momentan bekomm ich leider nicht so viel Schlaf, da bin ich dann schnell müde." Sanft streicht er ihr noch einmal über die Hand, die noch immer auf seinem Knie liegt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Elia am 08. Juli 2004, 16:39 Uhr
"Gut, wenn du meinst dass du das schafst Thram. Ich meine du musst wissen, was du schaffen kannst und wenn du sagst du hast noch einige Gehilfen... Hm... wieso hängst du dein Gesuch nicht an die Anschlagtafel am Marktplatz? Vielleicht meldet sich doch jemand."
Thram gähnt nun schon zum wiederholten Male und auch Elia wird langsam Müde.
"Vielleicht sollten wir langsam aufbrechen Thram, es ist schon spät und du musst früh wieder zur Arbeit."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Orga am 08. Juli 2004, 19:47 Uhr
Orga hatte Asrai zur Stadthalle begleitet und ihr schweigend zur Seite gestanden, denn Asrai hatte sich mit selbstbewußter Haltung durchgefragt, bis sie zuletzt an Borgil verwiesen wurde; sicher hatte ihre Anwesenheit eine gewisse Wirkung und man zollte ihr Achtung und Respekt, was sie aber nur still in sich hinein schmunzeln lies und sie einzig wegen Asrais Anliegen begrüßte, denn in ihrer Begleitung würde es sicher keiner wagen, ihr Anliegen nicht ernst zu nehmen.

Orga hatte Asrai noch überreden können, die Villa aufzusuchen und auf einer Pergamentrolle, die sie mitsamt einem Kohlestift noch schnell an einem Stand kauften, die verschiedenen Stockwerke mit den Zimmern skizzenhaft aufzuzeichnen, damit sie etwas in der Hand haben, falls der Stadtrat an dem Projekt Interesse zeigen sollte.
So kommen die beiden Frauen nun schon etwas müde auf den Beinen und auch etwas hungrig bei der Goldenen Harfe an, als die Laternen schon ihren sanften Schein vom Harfengarten auf den Marktplatz werfen. Da sie jedoch Borgil persönlich sprechen wollen betreten sie die Schankstube, obwohl es  sicher angenehmer wäre im Harfengarten an der frischen Luft zu sitzten, der jedoch zu voll war, um in Ruhe mit Borgil sprechen zu können.

Asrais Aufregung steigert sich wieder, als sie sich der Harfe nähern, als sie sich jedoch drinnen an einen Tisch setzten und Orga dem Mogbarmädchen sagt, daß sie Borgil zu sprechen wünschen und Wein und Wasser bestellen, wird sie wieder ruhiger. "Ich bin ja auch  gespannt, wie Borgil reagieren wird, wenn er von eurem Anliegen hört," wendet sie sich an Asrai.
Die Mogbar bringt die Getränke und huscht durch eine Tür davon und Orga lächelt Asrai wieder aufmunternd zu. "Ich sehe Borgil immer als den Schankwirt, der er ja ist und er mag ja reich und einflußreich sein, sogar Mitglied im Stadtrat, aber für mich ist er einfach eine starke Persönlichkeit als Mensch, huch!" Orga fährt mit den Fingerspitzen zu ihrem Mund, als hätte sie etwas Schlimmes gesagt,  - "Zwerg," berichtigt sie sich spitzbübisch lächelnd.
Orga lacht wieder leise auf. "Für mich sind Zwerge irgendwie Menschen, mir fällt es immer wieder schwer, sie als Zwerge zu bezeichnen, aber sicher wären sie zutiefst entrüstet, würde ich es in ihrer Gegenwart erwähnen." Orga muß wieder lachen, aber da die meisten draußen in der abendlichen lauen Sommerluft sitzen, sind nur wenige in der Schankstube - und auch alle mit sich beschäftigt - und ihre schalkhafte Fröhlichkeit lockert Asrai ein wenig auf.

Orga ist letztendlich froh, daß es Borgil in seiner Funktion als Stadtratsmitglied ist, der sich darum kümmern soll, denn er hatte sicher das Herz auf dem richtigen Fleck. Wenn  einer geeignet wäre die Sache richtig zu bewerten, dann ein Mann,  der etwas von Unterkünften und Verpflegung versteht, uns auch von den nötigen Mitteln.
"Asrai habt ihr Hunger? Ich könnte eine Suppe vertragen, eßt ihr eine mit? Alleine schmeckt es mir nie so recht, es sei denn ich wäre halb verhungert." Orga muß wieder leise lachen und schaut die junge blonde Frau fragend an.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Thram am 09. Juli 2004, 00:53 Uhr
"Ich habe schonmal ein Gesuch an die Tafel gehängt und daraufhin hat sich diese Frau gemeldet. Ich werde es wohl einfach nochmal versuchen müssen." Thram seufzt. Als Elia dann meint, dass es das beste wäre jetzt aufzubrechen, stimmt er ihr zu. Er hat noch immer das Gefühl, den Abend verdorben zu haben und möchte Elia wenigstens noch zum Pfirsich bringen, damit sie nicht allein durch die Straßen laufen muss.

Da Elia schon gezahlt hat, können sich die beiden einfach auf den Weg machen. "Ich bringe dich noch nach hause.", sagt Thram bestimmend und duldet keine Widerrede. "Und dann wird es wirklich Zeit für mich. Viel Schlaf wird mir nicht mehr bleiben." Nach einem Blick in Elias schuldbewusstes Gesicht, fügt er noch hinzu: "Aber es wird reichen. Ich brauche nicht so viel Schlaf." Er lächelt sie an und küsst sie zärtlich auf dem Mund. Da es nun wirklich recht kühl geworden ist, hängt er seine Jacke über ihre Schultern, damit sie nicht frieren muss. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg zum Pfirsich.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Asrai am 09. Juli 2004, 01:09 Uhr
Orgas Einfall, noch vor dem Besuch beim Wirt und Stadtrat die Villa grob zu skizzieren, zaubert bei Asrai erst ein Stirnrunzeln aufs Gesicht. Als sie von Orga dann aber auch die Begründung dafür erklärt bekommt, stimmt sie ihr lächelnd zu. "Daran habe ich gar nicht gedacht gehabt." Schnell sind Pergamentpapier und Kohlestift auf dem Markt gekauft und schon kann es losgehen. Es ist gar nicht so einfach, alle Zimmer und Stockwerke so detailgenau wie möglich aufs Papier zu bekommen, doch die beiden Frauen geben sich größte Mühe und bald ist es geschafft.

Als sie schließlich bei der Harfe ankommen, beginnt es bereits zu dämmern und Asrai fühlt sich erschöpft und durstig. Sie ist froh, dass Borgil in einer Schankstube arbeitet und die beiden Frauen sich dort von ihrem, nun doch etwas größerem Spaziergang bei einem Glas Wein erholen können. Der Harfengarten ist den beiden zu voll und sicher würde es dort auch bald recht kühl werden und Asrai hat nur ihren leichten Umhang dabei, der sie wohl nicht efektiv genug vor dem frischen Wind schützen würde. Daher betreten die beiden die Harfe und setzen sich dort an einen Tisch. Asrais Aufregung, die vor der Harfe gestiegen ist, beruhigt sich nun langsam wieder. Orga bestellt Wein und Wasser und Asrai lehnt sich in ihrem Stuhl zurück.
Asrai muss schmunzeln, als Orga Borgil versehentlich als Menschen bezeichnet. Sie selbst kennt den Wirt kaum. Sie hat ihn einige Male gesehen, als sie hier zu Gast war, aber das ist momentan auch alles, an das sie sich so spontan erinnern kann. Sie weiß nicht, wie sie den Zwerg einzuschätzen hat. Ihr sind auch allgemein noch nicht viele Zwerge begegnet. "Wie ist Borgil so? Als Zwerg wäre er ganz sicher sehr entrüstet, würdet ihr ihn in seiner Gegenwart als Mensch bezeichnen. Soviel weiß ich von Zwergen. Aber das ist auch schon so ziemlich alles. Kennt ihr ihn sehr gut?" Asrai verbirgt ihre Neugierde nicht. Sie hofft, sich durch Orgas Informationen schon vor dem Gespräch ein besseres Bild von Borgil machen zu können, damit sie weiß, wie sie ihn einzuschätzen hat.

Als Orga sie fragt, ob sie auch einen Teller Suppe mit ihr essen würde, sagt sie nicht nein. Es ist nun schon wieder eine Weile her, seit sie den Kuchen gegessen hat und so ein langer Spaziergang macht ziemlich hungrig.
"Ein Teller Suppe wäre nun genau das Richtige.", sagt Asrai daher lächelnd.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Elyrina Tinuviel am 09. Juli 2004, 01:31 Uhr
Elyrina betritt erwartungsvoll den Schankraum. Sie ist etwas überrascht. Es ist längst nicht so voll wie sie gedacht hatte, aber bei dem Wetter sitzen sicherlich die meisten Leute draußen.

Sie geht langsam durch den Schankraum und wählt einen freien Tisch an einem der Fenster, die weit geöffnet sind.
Sie muss eine Weile warten ehe sie bedient wird, denn sie Schanmaiden haben viel zu tun, mit den Gästen die sich auf den Harfengarten undd en Schankraum verteilen.
Aber als dann nach einer Weile eine das Schankmaiden an ihren Tisch kommt bestellt sie einen Becher roten Wein und zahlt diesen auch sogleich.
Sie wirft einen Blick aus dem Fenster. Der Mond steht am Himmel und ruft die Worte , die sie heute in dem Buch wieder in ihre Erinnerung.

Wenn ich mich nur wirkich etwas bemühen würde könnte ich so einiges schaffen. Dann könnte ich auch ein solches Buch kaufen und mich dann wirklich nach dem Mond richten. Ich sollte mit Chenyas darüber sprechen, ob es Sinn hat  soetwas zu tun. er könnte mir da sicher helfen.
Ihre Gednaken schweifen um den Elben, der so weise auf sie wirkt. Er scheint so viel zu wissen und erlebt zu haben. nicht wie sie, nur ein kleiner Mensch, der nur seine Kindheit hat, und kein langes Leben, keine großartigen Erinnerungen und erlebnisse auf die man zurück blicken kann. Wie sehr sie Elben bewundert.

Sie wird aus ihren Gedanken gerissen als die SChankmaid den Wein bringt. Sie bedankt sich und trinkt dann einen genüsslichen Schluck aus dem Becher. Der Wein schmeckt gut, und ist sein Geld wert. Oder weiß sie nur ncihts von guten Weinen? Wenn sie sich hier so umschaut sind so viele Wesen im Raum und im Garten denen ein langes Leben beschert ist, die so viel mehr wissen als sie.

Ihre gute Stimmung ist längst verflogen. Zwar kann sie noch immer mit einem Lächeln an den Tag denken, der seich gerade seinem Ende neigt, aber irgendwie ist sie nun nicht mahr so gut gelaunt.
Ich hötte doch sofort nach Hause gehen sollen. Nun bin ich aber hier, und ich werde mich nciht von meinen Ängsten einholen lassen. Sie nickt bestimmt und nimmt dann noch einen Schluck Wein. Schließlich kann sie sich zurück lehnen und die Leute beobachten die die in ihrem Blickfeld sitzen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Orga am 11. Juli 2004, 21:23 Uhr
"Ich? Borgil kennen?" Orga blickt Asrai mit belustigten Augen an. "Ich habe ihn beobachtet, wenn ich hier war und ...belauscht," antwortet Orga mit geheimnisvoll blickenden Augen und muß im nächsten Moment darüber lachen. "Ich muß ehrlich zugeben, daß Henry mir viel von ihm erzählt hat, als ich ihn nach dem Zwerg ausfragte, denn er fiel mir schon beim ersten Besuch als energische und starke Persönlichkeit auf. Nein, ich nicht, aber Henry, er war früher viel hier, als er und mein Onkel noch in dem Haus von Roßstein alleine lebten. Sie hatten zwar einen guten Koch, aber Henry liebt trotz seines stillen Wesens Gesellschaft.."
Orga wird erst in diesem Moment bewußt, daß Henry, seitdem sie in Talyra ist, sogut wie gar nicht mehr in die Harfe geht und sie stockt kurz innerlich einen Moment, was aber nicht auffällt, weil sie gerade das bestellte Essen bekommen.

Genüßlich beginnen sie die Suppe zu löffeln, als Orga Elyrina sieht, die gedankenverloren an ihnen vorbei geht und sie nicht zu bemerken scheint. "Oh schaut Asrai, Elyrina! Sie sieht uns gar nicht!" Die junge Frau setzt sich so ans Fenster, daß sie sich fast umdrehen müsste, wenn sie sie sehen wollte und Orga überlegt, ob sie es dabei belassen soll, weil Asrai ja doch ein recht persönliches Gespräch mit Borgil führen will, wenn er denn mal auftauchen würde. Vielleicht wartet er auch, bis wir gegessen haben. Mit satten Menschen spricht es sich immer angenehmer. Orga traut es dem Zwerg zu, daß er sie schon längst gesehen hat und muß schmunzeln. Ich bin ja mal gespannt, wie das Gespräch verlaufen wird..., fragt sie sich mit wachsender Neugierde.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 13. Juli 2004, 15:59 Uhr
Der denkwürdige Tag von der beinahe Hochzeit des Nordmanns und ihrem kleinen Weingelage anschließend im Harfengarten endet für Borgil damit, daß er - zurück vom Roßsteinschen Anwesen, wo Morgana und Phelan geblieben sind um sich um Uuma und ihr Pony zu kümmern - kaum wieder in der Harfe sofort von einer Heerschar Botenkindern überfallen wird. Seine täglichen Berichte treffen ein, ein paar offizielle Nachrichten des Stadtrats und unter anderem eine Botschaft von Olyvar mit dem Inhalt, daß Seagulls Kopf in Teer getaucht über dem Händlertor zu bewundern wäre und Shyada den Dienst der Steinfaust verlassen hatte. Aha. Jetzt weiß ich auch, warum meine armen Türen als Sündenböcke herhalten müssen. Warum die Amazone den blauen Umhang nicht mehr trägt, wird mit keinem Wort erwähnt, aber Borgil nimmt sich vor, wenigstens ein halbes Auge auf das Treiben Shyadas zu werfen, falls er es erübrigen könnte.

Der Rest des Nachmittags vergeht über Büchern und Listen, Lohnauszahlungen und ähnlichem wie stets am Anfang eines neuen Monds und vor allem damit, wieder halbwegs nüchtern zu werden. Ab und an schweifen seine Gedanken zu der kleinen Wilden in Morganas Obhut, während seine schwieligen Zwergenpranken sich mit zierlichen Griffeln, Wachstäfelchen und Pergamentrollen abmühen. Als er wieder seinen Platz hinterm Tresen einnimmt, ist es schon beinahe abend und der Harfengarten noch immer gut gefüllt. So ist's recht. Sauft und schmaust und zecht, ich will all Euer Silber... Borgil wäre kein Zwerg, würde er beim Anblick klingender Münze nicht frohlocken. Andererseits ist er beinahe froh, daß in der Harfe selbst zwar guter, aber nicht überfüllter Betrieb herrscht. Halla schläft sturztrunken den Schlaf der Gerechten und zwei weitere Mädchen sind schon seit ein paar Tagen ausgefallen, da hätten die anderen rennen müssen wie die Hasen, um das aufzuholen und er selbst hat nach dem langen Tag auch mehr als genug.

Er entdeckt ein paar bekannte Gesichter im Schankraum, plaudert hier ein wenig mit ein paar durchreisenden Briocaern, grüßt ein paar ihm bekannte Halblingsseiler, die auf einen Feierabendtrunk hereinschauen, nickt einem verschüchtert dreinblickenden Mädel mit riesigen grünen Augen aufmunternd zu - und wird dann von einem der Mädchen an einen Tisch gebeten, an dem er im dämmrigen Licht der Kerzen und Öllampen Orga von Roßstein in Begleitung einer Frau ausmachen kann, die er vom Sehen her sofort erkennt. Das ist diese Asrai oder ich bin ein Riese. Er kennt sie zwar nicht persönlich, aber er hat sie einige Male schon gesehen und von der Nymphe - wenn es denn eine ist - schon so einiges gehört, und seine dicken Brauen, fett wie haarige Raupen, sträuben sich neugierig bei ihrem Anblick. Sie wirkt sehr blass, die Haut durchscheinend wie Perlmutt und irgendetwas an ihr trägt den kühlen Hauch der Unterwasserwelt mit sich. Er stapft also zu den beiden hinüber, die gerade zwei hölzerne Suppenschalen von sich schieben, nickt ihnen zu und zieht sich einen wuchtigen Stuhl heran. Aus der Nähe potenziert sich der Eindruck von den Tiefen des Meeres, von schimmernder Stille und geheimnisvollen Strömungen unter der Oberfläche, den er von Asrai hat, noch um ein Vielfaches - und er kommt sich schrecklich deplaziert vor. Borgil kennt seinen eigenen Wert, aber er ist nun einmal alles andere als zart, fein oder gar anmutig - und in der Gegenwart eines solchen Wesens wirkt er noch gröber, als er ohnehin schon ist. Als hätte jemand einen ungehobelten Eisenholzklotz neben ein geschnitztes Elfenbeinfigürchen gestellt. Na bravo! "Mylady Roßstein, Asrai. Das Mädel sagt, Ihr wollt mich sprechen?"  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lucida am 13. Juli 2004, 18:58 Uhr
Da Halla dem Anschein nach verhindert ist, und Borgil wohl auch zu tun hat, spricht Paulina einfach eines der Dienstmädchen an und fragt sie, wieviel es kosten wird. Den genannten Preis holt sie dann aus dem Geldbeutel und überreicht ihn der Bedienung. Während diese das Geld klimpert wegpackt, nickt ihr Paulina noch einmal zu und begibt sich dann zu ihrem Zimmer.
Unfähig vor Freude noch einen klare Gedanken zu fassen, lässt sie sich auf das Bett sinken und fängt kurz darauf an, ruhig und tief zu schlafen, wobei sie von ihrem bevorstehenden ersten Tag im Grünen Aal träumt.

Am nächsten Morgen wacht Paulina früh auf, wie sie sich vorgenommen hatte, und packt in Windeseile all ihre Sachen zusammen. Als sie fertig ist sieht sie sich nochmal in allen Ecken um, versichert sich, dass sie nichts zurückgelassen hat und streicht nochmal das schon gemachte Bett glatt. Ein letzter, prüfender Blick streicht über das gesamte Zimmer, dann wendet sich Paulina ab, verlässt den Raum und schließt sorgsam die Tür hinter sich.
Unten im Schankraum angekommen verabschiedet sie sich von Halla, Borgil oder einem anwesenden Dienstmädchen und verlässt frohen Mutes die Goldene Harfe. 'So. Ein Stückchen mehr Freiheit, so kommt es mir vor. Jetzt muss ich erst einmal zu einem Schneider, mal sehen, was sich finden lässt.', überlegt sie sich und begibt sich auf die größeren Straßen, wo sie hofft, eine Schneiderei zu finden.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Orga am 13. Juli 2004, 21:14 Uhr
Orga hat gerade ihre Suppe ausgelöffelt, als Borgil plötzlich neben ihnen auftaucht, sich einen Stuhl zu ihnen heranzieht und sie begrüßt. Orga blickt zu Asrai, die wohl von Borgils plötzlichem Erscheinen überrascht ist und nickt ihr kurz zu, daß sie den Anfang macht. Während eine Schankmagd die leeren Suppenschüssel abräumt wendet Orga sich lächelnd an den Harfenwirt.

"Seid gegrüßt Stadtrat Borgil!" beginnt sie, was ihn gleich erkennen lassen wird, daß sie ihn als Mitglied des Stadrates aufsuchen. "Der Stadtschreiber hat uns zu euch geschickt." Orga holt die Pergamentrolle hervor und rollt sie auf dem Tisch auf, wozu sie die Weinbecher kurzerhand zur Seite schiebt.

"Das ist der Plan der Villa, die Asrai von ihrem Bekannten geerbt hat und aus dem sie ein Armenhaus machen möchte." Orga ist sich sicher, daß Borgil weiß um welches Anwesen es sich handelt. "Asrai möchte sicher gehen, daß sie mit ihrem Vorhaben nicht gegen die Interessen der Stadt handelt."

Orga lächelt Asrai aufmunternd zu, die sich wieder gefangen zu haben scheint und zustimmend nickt und deren Augen auf ihre gemeinsam erarbeitet Skizze gleiten und dann auf Borgil. Orga lehnt sich bewußt zurück und blickt zu Borgil, dessen Blick über das Pergament schweift, während Asrai sich vorbeugt und sich offensichtlich darauf vorbereitet, sich für ihr Armenhaus einzusetzten.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 14. Juli 2004, 09:33 Uhr
Weswegen auch immer die beiden Frauen ihn zu sprechen wünschen, sie laßen ihn nicht lange im Dunkeln über ihre Absichten. Ein Plan auf einem Pergament wird vor ihm ausgerollt, dessen Enden kurzerhand mit Weinbechern beschwert und über das Gewirr dunkler Linien hinweg wird ihm beschieden, daß ein leerstehendes Anwesen in ein Armenhaus umgewandelt werden soll. "Ääährm," macht Borgil und beugt sich zunächst einmal über die Skizze vor seiner Nase, während in seinem Kopf die Worte Orgas von Roßstein kreiseln. Die Frau hat eine angenehm tiefe Stimme, aber mit ihren hochgeschlossenen Gewändern und dem hochgesteckten Haar wirkt sie so streng wie eine Schweigende Schwester. "Arrm, hum... nun ein Armenhaus?" Dankenswerterweise gibt es in Talyra ein gutes Gleichgewicht der Stände, denn die Stadt ist reich und keiner der zahlreichen Tempel würde Bettler, Straßenkinder oder Obdachlose von der Tür weisen - aber natürlich gibt es in einer so großen Stadt wie in jeder anderen auch den Bodensatz der Gesellschaft, der meistens entweder in der Unterstadt oder aber irgendwann tot in der Gosse endet. Borgil schnalzt mit der Zunge wie eine empörte Mogbarshausfrau. "Also gegen die Interessen der Stadt wird mit einem solchen Anliegen kaum verstoßen," brummt er schließlich bedächtig. Es sei denn, die Stadt soll das alles bezahlen, du lieber Himmel, Lystrato spuckt Gift und Galle! Er weist auf den Plan. "Das ist das alte Anwesen Flothemil Eornindos. Seid Ihr sicher, daß ihr ein Armenhaus daraus machen wollt?" Ein enervierend blauer Blick richtet sich auf ihn. "Schon gut, schon gut! Also, wie habt Ihr Euch das genau vorgestellt? Eine Speisung einmal am Tag? Unterkünfte? Oder wollt Ihr versuchen, die Bettler und Straßenkinder auch wieder auf eigene Beine zu stellen?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Asrai am 15. Juli 2004, 22:56 Uhr
Asrais Aufregung steigert sich wieder, als sich der Zwerg zu ihnen an den Tisch setzt und sie hofft, dass er es nicht bemerkt. Auch hofft sie, auf all seine Fragen eine Antwort zu haben. "Ich habe wirklich viel über dieses Unternehmen nachgedacht. Ich weiß, dass es nicht unbedingt wenige Obdachlose in Talyra gibt und auch der Krieg hat wohl sein übriges dazu getan. Sogar in meiner Bäckerei arbeitet ein Junge ohne Heim. Ich denke, das ist auch ausschlaggebend für meinen Plan, aus der Villa meines Freundes ein Obdachlosenheim zu machen. Ich habe in den letzten Monaten einiges an Geld angesparrt." Diese Information findet Asrai wichtig, denn sie möchte nicht, dass das Projekt daran scheitert, dass Borgil glaubt, die Stadt würde viel Geld dazu zahlen müssen. "Ich denke, jedenfalls für den Umbau müsste es reichen. Auch gibt es in der Villa noch viele schöne Möbelstücke, die verkauft werden könnten. Ich möchte viele Betten in das Haus stellen, damit die Leute dort übernachten können. Auch zu essen sollen sie bekommen. Man könnte im großen Garten Gemüse anbauen. Der Boden ist dort sehr gut." Asrai steigert sich so langsam in ihre Pläne rein. "Wer dort essen möchte und übernachten, der müsste halt auch ein wenig im Garten arbeiten. Ich denke, das wäre das geringste Problem. Vielleicht könnte man es regeln, dass ihnen jemand lesen und schreiben beibringt, damit sie bessere Möglichkeiten haben, eine Arbeit zu finden. Man könnte dann eben auch versuchen, ihnen kleine Aushilfsarbeiten zu vermitteln, damit sie so langsam aus ihrer misslichen Lage heraus kommen. Bis sie eine Arbeit gefunden haben, leben sie dann im Armenhaus, damit sie nicht auf der Straße übernachten müssen." Asrai hofft, dass ihre Pläne gut genug ausgearbeitet sind und sieht Borgil fragend und gleichzeitig bittend an.  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 15. Juli 2004, 23:50 Uhr
Borgil lauscht den Ausführungen der Wasserfee, Nymphe, Meeresbewohnerin, was auch immer schweigend und zwirbelt dabei nachdenklich eine Flechte seines langen Bartes. Noch immer sind darin die prächtigen Zöpfe, die Halla ihm am Morgen dankenswerterweise geflochten hatte. "Euch ist schon klar, wieviel Arbeit Ihr Euch damit aufhalst, oder?" Fragt er schließlich. "Ich sehe schon, Ihr habt Euch viele Gedanken gemacht, aber ist Euch klar, was damit auf Euch zu kommt? Es ist ja nicht damit getan, ein paar Möbel hinauszuwerfen und ein paar Betten dafür hineinzustellen. Ihr braucht Leute, die Euch helfen, Strohmatratzen, Decken, Laken, Geschirr, Waschzuber, ein paar Novizen aus den Tempeln oder noch besser ein paar Heiler, die regelmässig nach den Leuten sehen, und vergesst nicht die Kosten für das Essen und derlei mehr. Sicher, wenn Ihr Gemüse anbaut, dann könntet Ihr Euch zum Teil selbst versorgen, aber dafür braucht Ihr eine ausgearbeitete Haushaltsführung und vor allem Vorratshaltung." Da könnte Orga ihr helfen... schließlich ist sie die Herrin eines großen Anwesens und mit solcherlei Belangen bestens vertraut, möchte ich meinen. "Ich würde Euch Kleinviehaltung empfehlen... aber ich weiß nicht, wieviele Leute Ihr irgendwann aufnehmen wollt... unbegrenzt könnt Ihr ihnen Tür und Tor auch nicht aufsperren. Und Ihr müßt unbedingt dafür Sorge tragen, daß euch die Leute keine Seuchen anschleppen... die rote Ruhr, Typhus, Cholera, am Ende noch den schwarzen Tod. Vergeßt auch nicht die Läuse, die Krätze, die Flöhe und so fort... da hilft nur die Fetzen verbrennen und alle gründlich waschen. Denkt auch an die laufenden Kosten - und für die müßt Ihr das Geld erst einmal hereinwirtschaften." Eine Weile überlegt Borgil schweigend, kratzt sich zweifelnd den narbigen Schädel, studiert den Plan, bestellt noch einen Krug Wein für alle - und sich gleich mit - und fährt dann bedächtig fort. "Lesen und Schreiben beibringen, Vermitteln... humhomhrrrmtschanu, das klingt mir mehr nach der heiligen Rhiap als nach einem Armenhaus," unter seinem Bart zeigt sich etwas, das der Anflug eines Lächelns sein könnte, aber Asrais himmelblauer Blick bringt ihn für einen Moment fast aus dem Konzept. Silverdammtnochmal, du wirst alt, mein Guter! "Versteht mich nicht falsch - wenn Ihr Euch das zutraut, dann soll's mir Recht sein. Ich kann Euer Anliegen bei der nächsten Stadtratssitzung vorbringen... vielleicht - aber nur vielleicht - schaffe ich es sogar, Lystrato weichzuklopfen, damit die Stadt ein wenig... nun ja, Silber zuschießt. Aber versprechen kann ich Euch nichts."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Orga am 16. Juli 2004, 08:55 Uhr
Orga verfolgt jedes Wort der Beiden mit Spannung. Asrai hat ihre Schüchternheit abgelegt und wählt ihre Worte recht geschickt und es steigt in Orga Bewunderung für die sonst immer so zurückhaltende junge Frau auf.
Borgils Argumente und Erklärungen, die voll dem Leben entstammen, aber offensichtlich nur gutgemeint alle auf einem Haufen Asrai aufgetischt werden, scheinen sie jedoch nicht zu entmutigen. Orga hat sogar den Eindruck, als würde Asrai noch grader und aufrechter sitzten und zeigen wollen, daß sie weiß, daß es nicht leicht wird.

Orga geht in Gedanken die Dinge mit durch, die Borgil anspricht, wobei die Erwähnung der Krankheiten sie aufhorchen läßt, denn auf dem Gut hatten sie solche Probleme nicht. Diesbezüglich ist sie dem brummbärigen Zwerg richtig dankbar für seine Ausführungen, denn sie hätte die Reinlichkeit sicher nicht vernachlässigt, aber aus Borgils Mund wird ihr bewußt, wie resolut sie in diesem Punkt sein mußten.  
Aber noch etwas anderes fällt ihr ein, sie wollte Asrai das Buch für die Einnahmen und Ausgaben geben, daß noch in ihrem Salon unten im Kleiderschrank liegt, doch Borgils Bemerkung über eine Heilige lenkt sie wieder ab und läßt sie mit einem warmen Lächeln Asrai anblicken.

Die Erwähnung, Asrais Anliegen bei der nächsten Stadtratssitzung vorzulegen und vielleicht sogar finanzielle Unterstützung vom Schatzmeister zu bekommen läßt Orga sich wieder vorbeugen und das Wort ergreifen. "Asrai wird sämtliche Ausgaben und Einnahmen in ein Buch eintragen, daß dann jederzeit dem Schatzmeister vorgelegt werden kann und auch zeigt, wie gut das Armenhaus läuft," denn das es gut anlaufen würde was die Kosten betrifft, dafür würde sie selber zur Not sogar sorgen, denn sie fühlt, seit sie das Gut in Verd verlassen hat, eine wirkliche Herausforderung bei Asrais Vorhaben und sie schenkt dem Harfenwirt ein hintergründiges Lächeln bei ihren Worten.


Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Asrai am 17. Juli 2004, 12:09 Uhr
Es ist gut, dass Borgil ihr noch einmal vor Augen führt, wieviel Arbeit das Unternehmen machen wird, doch Asrai ist sich sicher: Sie will aus der Villa ein Armenhaus machen. Sicher würde es noch einiges zu überdenken geben, doch Asrai weiß, dass sich für alles eine Lösung finden wird.
"Ich werde meine ganze Zeit in dieses Projekt investieren. Ich gehe keiner Arbeit nach, wäre also auch nicht abgelenkt. Wieviele Menschen man in der Villa unterbringen kann, das müsste man noch ausrechnen. Die Villa ist wirklich sehr groß. Es werden sich sicher Möglichkeiten finden lassen, an Geld zu kommen. Vielleicht kann man in der Villa auch etwas herstellen, was sich verkaufen lässt. So hätten die Leute dort Beschäftigung und müssten nicht irgendwo herumlungern. Ich denke, wenn man da nochmal in Ruhe drüber nachdenkt, wird sich sicher etwas finden lassen. Vielleicht lassen sich auch Sachspenden auftreiben." In Asrais Kopf wimmelt es vor Ideen. "Es wäre wirklich sehr freundlich von euch, wenn ihr mein Anliegen bei der nächsten Ratssitzung vorbringen könntet. Ich bin wirklich fest entschlossen, alles zu tun, damit aus der Villa ein vernünftiges Armenhaus wird." Asrais entschlossener Blick unterstützt diese Aussage noch.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 17. Juli 2004, 17:17 Uhr
Borgil gibt ein sehr zwergisches Geräusch von sich, das man am ehesten mit "Wrzlprmmpft!" wiedergeben könnte, stiert weiterhin auf den Plan, schiebt ihn ein wenig in seinen schwieligen Zwergenpranken hin und her und nuschelt dann  etwas von "Könnte ja einige alte Wäsche und Leinenzeug spenden, aber das habt Ihr nicht von mir!" Nach mehrmaligem Räuspern und schwarzfunkelnden Blicken, ob auch ja niemand in der Nähe diesen Anfall von Nächstenliebe mitbekommen hat, verspricht er noch einmal, Asrais Anliegen mit dem Armenhaus dem Rat vorzutragen, betont aber, daß er wirklich nicht sagen könne, was die anderen Stadtväter davon halten würden. "Der Gedanke an sich ist mit Sicherheit nicht verkehrt. Würde die Tempel entlasten. Ihr seid Euch aber klar darüber, daß Ihr es nicht nur mit armen unschuldigen Bettelkindern zu tun haben werdet oder? Ihr müßt aufpassen, wen Ihr aufnehmt." Er kann sich gerade noch davon abhalten, Asrai väterlich die Hand zu tätscheln. "Solltet vielleicht nach jemandem Ausschau halten, dem Ihr vertrauen könnt und der Euch im Bedarfsfall die Halsabschneider vom Hals hält. So, aber jetzt muß ich weiter, da will ein Mädel was im Harfengarten, nach der muß ich noch sehen. Ich schicke Euch ein Botenmädel, sobald ich weiß, was bei der Stadtratssitzung herausgekommen ist, aber die ist erst in ein paar Tagen. Am dreiundzwanzigstens des Monds, wenn ich mich nicht irre. Meine Empfehlung an den Herrn Gemahl, Mylady Roßstein. Wein und Suppe gehen auf's Haus. Asrai... ich wünsche Euch viel Glück bei Eurem Vorhaben." Mit einer kleinen Verbeugung verabschiedet sich Borgil vom Tisch der beiden Frauen und eilt in den Harfengarten, wohin ihn eine hastig winkende Schankmagd zitiert hat.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Orga am 17. Juli 2004, 17:56 Uhr
Orga hört, was Asrais über das Geldverdienen in der Villa sagt und ihr kommt spontan der Gedanke, daß die dort wohnenden Arbeitstauglichen, wenn sie ordentlich gekleidet und gut genährt dort wohnen, als Tagesarbeiter nach Bedarf von den Handwerksmeistern oder Bauern geholt werden könnten und ihr Lohn, solange sie im Armenhaus wohnen, dann auch dem Armenhaus zufließt, bis sie eine feste Anstellung finden und sich dann ein eigenes Heim leisten können. Ja, das wäre sicherlich eine ordentliche Einnahmequelle, überlegt sie, denn sie weiß, wenn Leute sauber und gepflegt aussehen, bekommen sie meistens problemlos eine Arbeit und die, die querschießen müssten das Haus wieder verlassen und das wäre nur gerecht.
Während sie noch über diese Dinge nachdenkt erwähnt der Harfenwirt diesen Punkt mit anderen Worten. Als hätte ich seine Gedanken gelesen, schmunzelt Orga und sie verabschieden sich kurze Zeit später von Borgil, weil an anderer Ecke jemand nach ihm verlangt. Orga lächelt höflich und dankt für den  Gruß an Henry und die köstliche Suppe, nebst Wein und freut sich für Asrai für die doch recht erfreulichen Aussichten für ihr Armenhaus.

Orga ergreift Asrais Hände und drückt sie. "Ich freue mich so für euch Asrai, eurem Armenhaus steht nun nichts mehr im Wege," und schüttelt Asrais Hände. Am liebsten würde sie Asrai umarmen, doch plötzlich erscheint Yohn am Tisch und spricht sie leise an.

Orga sagt ihm, er solle sich setzten und dann berichtet ihr Yohn mit wenigen Worten, was auf dem Anwesen vorgefallen war und Orga wird blaß vor Schreck. "Bei den Göttern - Yohn!" stößt sie aus und erhebt sich rasch und überlegt, es ist schon sehr spät! "Bitte Yohn, begleite Asrai doch zu ihrem Haus, ich möchte nicht, daß sie alleine durch die nächtlichen Gassen geht," und sieht Asrai bittend an, daß sie ihren Wunsch nicht ablehnt. "Bitte Asrai, ich wohne gleich einen Steinwurf entfernt, laßt euch von Yohn begleiten, ich muß heim," und schon wirbelt sie herum und eilt aus der Harfe und erreicht mit fliegendem Rock das Gartentor und eilt zur Eingangstüre.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Asrai am 17. Juli 2004, 19:05 Uhr
Asrai ist überglücklich, Borgil überzeugt zu haben. Sogar spenden will er etwas. Jetzt dürfte ihrem Projekt wirklich nichts mehr entgegen stehen. "Ich danke euch vielmals.", verabschiedet sich Asrai von Borgil, der auch sogleich im Harfengarten verschwindet. "Euch danke ich auch für eure Hilfe, Orga.", strahlt Asrai die Frau neben ihr an.

Kurz darauf kommt Yohn in die Harfe gestürmt und Orga bittet ihn, sich zu setzen. Mit wenigen Worten berichtet Yohn, was geschehen ist und Asrai fühlt mit Orga mit, die mit einem Mal ganz bleich wird. "Ja, ich werde mich von Yohn nach hause bringen lassen.", verspricht sie Orga und fügt hinzu: "Ich werde mich in den nächsten Tagen wieder bei euch melden." Dann ist Orga auch schon aus der Harfe verschwunden. Asrai legt sich ihren Umhang um und macht sich dann mit Yohn schnell auf den Weg nach hause, denn sie möchte nicht, dass Yohn so lange vom Gut fern bleibt. Sicher wird dort seine Hilfe benötigt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sethai am 17. Juli 2004, 21:21 Uhr
Die Mauer... So dünn, so zerbrechlich, gemacht aus den guten Erfahrungen, der Liebe ihres Wanderers, der Zuneigung und den freundlichen Blicken von fremden Personen... Und dagegen an schlug eine geballte Macht von Hass, Wut, und ihrem eigenen Willen.  Sie kämpft, fechtet gegen sich selbst und deutlich wird die Mauer aus weissen Fäden fester, der harte Stein klagt jämmerlich, schreit erbost das er nicht durchkommt, verschwindet langsam in einer schattenhaften Gegend ihres Ichs.
Doch plötzlich, eine zarte Berührung, sanfte Worte der Heilerin und die schützende Mauer zerbricht unter der Wucht des Schlages, die der Stein, genährt durch blinden Hass ausgeführt hat.
Alle ihre Sinne spannen sich an, konzentrieren sich auf nur einen Punkt in ihrem Innern, die kreischende Stimme, welche sie ruft, verlangt... Rache!

Mit einem Male kippt die Situation, das zitternde Bündel auf dem Bett schnellt vor, stösst Kitty vom Bett und springt mit einem wahnsinnigen Ausdruck in den Augen hinterher. Ihr ganzer Körper gehorcht der Stimme in ihrem Innern, die schreit und kreischt, zusieht wie die schwächere Seite in ihrem Blut unterliegt und erdrückt wird von Dunkelheit.
Doch bevor sie die Heilerin erreicht taucht vor ihr  plötzlich eine schwarze wabernde Wand auf, geführt von einem goldenen Blitz. Azra spürt wie sie in etwas einsinkt. Es ist kalt, es ist weich, es ist.... sie weiß genau, es ist böse... und es ist vertraut; als würde sie nach Hause kommen, aber in ein Zuhause das sie niemals haben wollte, ein Zuhause das nur Schmerz und Hass bereithält, das aber nichts desto trotz nach Ihr ruft, nach Ihr verlangt und versucht sie wieder zurückzuholen. Doch nur kurz ist dieses Gefühl, dann stößt es sie wieder zurück. Ihre Hände lösen sich von dem Hindernis – fast wie feuchte tote Haut fühlt es sich an, Haut die schon eine Jahre in Formaldehyd gelegen hat, die eingeweicht und konserviert ist; und dennoch, dennoch spürt sie genau das Pulsieren des Lebens in Ihr, jedoch eines falschen Lebens -  und mit einem leisen Keuchen, herausgepresst durch den Schlag der Landung, fällt ihr Körper auf das Bett zurück. Dort bleibt sie liegen, zitternd, die Luft gepresst aus und einatmend, einen Moment erinnert sie sich.... Die schwarze Wand, das Gefühl der Heimat, das Gefühl des Zugehhörens und... Ihr Wiederstreben darin zu versinken. Ein leiser Schrei, hoch, schrill und kurz, wie die vielen Stimmen in ihrem Kopf, von denen sie nicht weiss, welchen Ursprung sie haben... Feen die einen Todestanz mit ihrer hohen Stimme begleiten, so hört es sich an. Falsche Schönheit und doch so erwünscht, ein Kinderlied aus alter Zeit...
Ein Zucken und der kindliche Körper krümmt sich zusammen, jeder Muskel ist angespannt, immer wieder durchläuft ein Zittern das Mädchen und Tränen treten aus weit geöffneten Augen. Leere Augen, jegliches Leben scheint sich verflüchtig zu haben. Was um sie herum geschieht scheint sie nicht mehr zu begreifen, in einer Welt gefangen die für Andere nicht erreichbar ist, ihr eigenes Ich.
Eis bedeckt den Boden, Berge daraus umragen das kleine Tal, welches von eisigen Winden heimgesucht wird und in dem man vor lauter Schneefall die eigene Hand kaum erkennen kann. Tiefste Dunkelheit herrscht vor, bedrückend, schwer... Und da, in der Mitte des Tales zwei Wesen die sich gegenüberstehen, einander so unähnlich und doch miteinander auf ewig verbunden.
Da steht ein kleines Mädchen, vielleicht gerade mal sechs Jahre alt, weißblondes glattes Haar fällt ihr über den Rücken hinunter, ihr Gesicht ist blass mit vielen kleinen Sommersprossen. Ein einfaches weißes Leinenkleid hängt ihr bis zu den Knien, ihre Füße sind nackt... und trotzdem scheint ihr die Kälte nichts auszumachen. Nein, ihre großen braunen Augen sind vielmehr angstvoll aufgerissen auf eine weiteres Wesen gerichtet, welches hoch aufgerichtet vor ihr steht und mit einem boshaften Glitzern in den rot glühenden Augen auf sie herabblickt. Sein strähniges schwarzes Haar hängt ihm bis zum Rücken hinunter, seine Haut scheint beinahe noch bleicher als die Ihre und die schwarze Robe welche er trägt, verstärkt diesen Ausdruck umso mehr. Auch ihm scheinen Schnee und die Kälte nichts auszumachen, seine dünnen Lippen zieren sogar ein boshaftes Lächeln und als er nun seinen Mund öffnet erklingt eine höhnische, tiefe Stimme die dem kleinen Mädchen bis ins Mark dringt:
„Was habe ich dir gesagt! Fühlt es sich nicht gleich viel besser an dem Drang nachzugeben, ihn sogar zu verstärken? Hast du die Macht nicht gespürt, welche ich dir geben konnte?“
Das Mädchen zuckt unter seinen Worten zusammen und der junge Blutelb lacht schallend auf:
„Immer noch Angst? Du scheinst noch immer so schwach... so wie damals, nicht wahr? Da konntest du auch nichts tun! Du warst zu schwach du hast...“
„Das ist nicht wahr, ich war nicht schwach!!! Ich habe alles versucht, ich habe versucht ich...“, dringt die weinerliche Stimme des Mädchens durch den eisigen Wind, bevor der Blutelb sie wieder unterbricht:
„Du hast versagt! Weil du meine Hilfe nicht annehmen wolltest! Es ist deine Schuld, ganz alleine deine Schuld!!!“
Das Mädchen beginnt zu weinen, schüttelt den kleinen blonden Schopf und senkt dann den Blick zu Boden. Langsam tritt der Blutelb auf sie zu, hebt ihr Kinn, so das sie zu ihm hochsehen kann und spricht gefühllos weiter:
„Ja, siehe deine Schuld ein, vielleicht wirst du dann zur Besinnung kommen, vielleicht siehst du dann den Zweck meines Daseins ein. Ich beschütze dich doch bloß vor Jenen welche dir schaden wollen. Wenn du mit mir kommen würdest, könnte Niemand dir mehr etwas tun, Niemand könnte dir mehr schaden...“
Da hallt ein Donner durch das Tal. Der Widerhall lässt einige der Eisspitzen zerbersten und sie fahren krachend zu Tal. Dort wo eben noch Nichts war steht nun eine Gestalt; in Form und Statur einem Blutelben nicht unähnlich, doch ansonsten völlig anders. Goldenes Licht umrandet die Konturen und Hunderte kleiner Blitze erden sich im Eis, es schmelzend dort wo sie auftreffen. Die Augen leuchten in einem dunklen Gold, gefährlich und trostspendend zugleich. Erst steht sie nur dort, die beiden anderen begutachtend, dann ertönt eine Stimme, hallend und sanft zugleich.
„Das ist eine Lüge. Es wird immer jemanden geben der stärker ist, immer jemanden der Dir etwas tun kann.... egal was Du auch bist, es gibt immer eine noch stärkere Macht.“
Der Blutelb schreckt herum, als das Eis den Boden berührt und dort zu Tausenden von Teilen zerbricht, blickt mit argwöhnischem Blick in jede Richtung bis sein Augenmerk auf eine schemenhafte Gestalt und wendet sich dieser mit einem Funkeln zu. Was hat es hier zu suchen, Niemand gehört ansonsten hierher, Niemand hat die Erlaubnis dazu. Doch der Klang der Stimme lässt ihn zusammenfahren. Eine Weile ist nur noch das Pfeifen des Windes zu hören, bis er wieder anfängt zu lachen, sich langsam hinter das Mädchen stellend, welches die Augen nun fest geschlossen hält.
„Was suchst du hier? Es ist nicht der Ort für deine Anwesenheit Fremder. Mische dich nicht in Dinge ein, welche du nicht verstehst. Du scheinst nicht zu begreifen von welcher Macht ich spreche... Nicht die körperliche Macht, welch niederer Gedanke.. Nein, die Macht zu vergessen, nicht darüber nachzudenken was man tut, kein Gefühl mehr zu hegen.  So ist sie geschützt, so muss sie keine Qualen mehr ertragen, das ist die Macht die ich ihr geben werde. Verschwinde von hier Fremder. Verschwinde in deine eigene Welt...“ Dabei legt er sanft die krallenartigen Hände auf die Schultern des Mädchens.
„Aber kannst Du Ihr diesen Schutz wirklich gewähren? Oder ist das was Du Ihr versprichst auch wieder nur eine Lüge?... Bist du so stark wie du hier vorgibst? Beweise es.... kannst du sie vor mir beschützen... hier in Ihrer, in Deiner eigenen Welt?“
Mit diesen Worten streckt die Gestalt Ihre Hand in die Höhe. Goldene Energien, aus dem Nichts entstehend fließen in ihr zusammen, formen eine pulsierende Kugel; dann holt sie aus und schleudert sie auf das Mädchen zu. Ein langer Blitz schnellt auf sie zu, schwarz umrandet wie die finsterste Nacht und begleitet von dem wahnsinnigen Kreischen im Blutrausch befindlicher Monstren. Kurz vor Ihr schlägt der Blitz in den Boden und feine Adern breiten sich fächerartig durch das Eis aus. Mit einem Knacken bricht es an den Stellen. Sowohl an dem Blutelben wie auch an dem Mädchen klettern Ausläufer empor und versengen die Haut.
Ein starkes Zittern fährt durch den Boden, das eis bricht immer mehr auseinander und Ganze Stücke brechen aus dem Grund hervor. Der Blutelb versucht an das Mädchen, an sich, heranzukommen, doch als ein weiteres Beben durch den Boden fährt, stolpert er zurück und fällt der Länge nach hin. Seine Züge sind vor Zorn und Wut verzerrt, in einen Augen leuchtet die Lust zu töten, doch er hält sich zurück und kreischt stattdessen dem Mädchen zu:
„Siehst du!!! Siehst du, was habe ich dir gesagt!!! Sie sind Allesamt schlecht, sie wollen dir nur Böses!!! Hör auf  das gute in ihnen zu sehen, töte sie!!! Lass sie verschwinden und denk nicht darüber nach!! Dann werden sie dir nichts mehr tun können!!“
...Wieder hebt  die Gestalt die Hand, wieder sammeln sich Energien und wieder schlägt ein Blitz in die nun schon sehr instabile Eisdecke auf der sie stehen. Ein lautes Knacken ertönt und Selbige zersplittert. Unter der Eisschicht lauert nichts als dunkle Schwärze und sowohl das Mädchen wie auch der Blutelb fallen hinab, der Dunkelheit entgegen. Mit einer blitzschnellen Bewegung schnellt die Hand des Blutelben vor, bekommt den Rand der Eiskante noch zu fassen. Langsam zieht er sich hoch. Als er mit dem Oberkörper schon wieder fast auf dem Eis ist spricht die Gestalt noch einmal.
„Lass sie selbst herausfinden ob Deine Worte stimmen... bis dahin wirst Du nicht eingreifen... dafür sorge ich....“
Mit diesen Worten schlägt eine weiter Blitz ein, diesmal direkt in den Blutelben. Die Energien heben ihn in den Himmel empor. Die Blitze zucken über seine Haut. Immer mehr werden es, immer dichter wird das Netzwerk aus pulsierenden Blitzschlägen um ihn, bis es einen dichten Kokon formt indem seine Präsenz eingesperrt wird. Dann verschwindet die Gestallt wieder in einem Donnerhall, so wie sie erschienen ist. Nur die  goldene Kugel die dort schwebt zeugt von ihrer Anwesenheit.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 17. Juli 2004, 21:45 Uhr
Ruhe herrscht in dem Zimmer vor, man vermag sogar die Stimmen aus dem Schankraum zu vernehmen, so leise ist es hier. Der Elf steht noch immer an der gleichen Stelle wie zuvor, um seine Augen zucken kleine Blitze und Azra liegt noch immer zusammengekrümmt auf dem Bett, wie zu Eis erstarrt... Bis sie plötzlich kerzengerade im Bett sitzt, ihr Brustkorb sich in schnellen Stößen  auf und ab bewegend. Auf ihrer Stirn glänzen Schweißtropfen und ihr Blick fliegt umher, obwohl sie nur leicht verschwommen zu sehen vermag. Ohne nachzudenken, die Augen weit aufgerissen, erhebt sie sich ruckartig. Den Elf beachtet sie nicht, sie scheint nicht wahrzunehmen das er noch anwesend ist, ebenfalls spürt sie die Schmerzen auf ihrer Haut nicht, dort wo sich leicht rötliche Adern entlangziehen.
Mit einer Hand greift sie noch nach ihrem Umhang, der über der Stuhllehne liegt, mit der Anderen bereits nach dem Türknauf.
Ein Sturm tobt in ihrem Innern, die Angst, vor dem was geschah, was noch geschehen wird, die Dunkelheit, welche sie umschlossen hat bei dem Fall. Was wenn er wieder kommt? Was wenn sie wieder Jemanden angreift? Oder WAS wenn er recht hat? Auf dem Gang wirft sie sich den Umhang über, zieht die Kapuze bis tief ins Gesicht und wäre beinahe die Treppe hinunter gestolpert, so schnell hastet sie Diese hinunter. Ihr Atem geht keuchend, noch immer scheint sie zu zittern. Der Schankraum ist wieder voll, abends, natürlich... Doch sie bemerkt nichts davon, sie sieht keinen der Anwesenden... Ihre Augen erblicken sogleich die Türe, welche hinaus führt.. Hinaus, dorthin wo sie vielleicht sicher ist, vielleicht ist er dort ja nicht. Sie prallt noch mit einer jüngeren Frau zusammen, die sie erschrocken anblickt, jedoch durch die Kapuze nur wenig erkennen kann. Ohne etwas zu sagen, drängt Azra sie zur Seite, öffnet die Türe schwungvoll, so das Diese noch leicht gegen den Rücken eines Gastes schlägt, bevor Azra auf die Strasse hinausrennt, den Umhang fest an den Schultern haltend. Blindlings läuft sie durch die Gassen, den Weg vor sich kaum erkennend.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sethai am 18. Juli 2004, 00:00 Uhr
Sethai folgt dem Mädchen geistig ein kurzes Stück, nimmt wahr wie sie die Treppe hinunterstürmt und zur Tür hinaus wirbelt ohne sich ihrer #Umgebung wirklich bewußt zu werden. Dann löst er sich von Ihr... ... fast. Ein Teil wird ständig bei ihr verweilen, so lange bis sich der Käfig öffnet in den er einen Teil ihres gespaltenen Selbst gesperrt hat. Er lächelt wissend als sie am Horizont seiner Wahrnehmung verschwindet. In einem kurzen Augenblick hat er alles gesehen was Ihr noch bevorsteht. Er weiß genau das er Ihr noch einmal über den Weg laufen wird. Der Gedanke an dieses Wiedersehen lässt ihn leicht auflachen, nur leise, kaum hörbar. Dann verlässt er das Zimmer in dem er nun fast 24 Stunden verbracht hat. Langsam geht er die Treppe hinab, noch immer etwas erschöpft von den Kräften die er gerade entfesseln musste. Hoffentlich hat Borgil nichts davon mitbekommen... der Zwerg rammt mich sonst ungespitzt in den Boden...
Im Schankraum angekommen setzt er sich an den der Treppe nächsten Tisch, seine Wahrnehmung völlig nach innen gekehrt um Kräfte zu sparen. Seit fast einem tag hat er nun nichts mehr gegessen und jede Anrufung der schwarzen Kunst verbraucht Unmengen an Energie. Sofort, ohne sich umzusehen, ordert er ein deftiges Mahl bei einer der Schankmaide und sogar ein Bier – für Sethai eine Premiere in der Harfe.
.. ich brauche die Kraft des Alkohols jetzt.... er wird mir helfen das unter Verschluss zu halten was besser verschlossen bleiben sollte....

Bald schon wird ihm das Essen gebracht, und auch das Bier, und all jene die Sethai kennen würden bei dem Anblick wie er das Gebrachte in sich reinstopft den sonst so zurückhaltenden und reservierten Elfen nicht wiedererkennen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Orga am 19. Juli 2004, 08:49 Uhr
Orga hatte mit Spannung das Heben der nicht gerade kleinen Truhe beobachtet, die mit zwei dicken Schlössern fest verschlossen war und sich nicht öffnen lies. Nachdem sie von einem der Mädchen mit einer Wurzelbürste gereinigt war schleppten die Männer sie in die Küche, wo sie bleiben sollte, bis Henry zurück ist, denn Orga mußte los. Ihr fiel nämlich siedendheiß ein, daß Asrai noch nichts von ihrer kleinen Reise wissen konnte und Henry sie und ihren Gefährten dazu einladen wollte und so verläßt sie eiligen Schrittes das Anwesen und als sie zur Harfe rüber blickt meint sie, die junge Frau gerade durch die Harfentüre in das Gasthaus verschwinden zu sehen und eilt ihr nach.

Drinnen schaut sie sich suchend um, doch anstelle von Asrai erblickt sie Asrais Begleiter neben der Treppe, die nach oben führt, an einem Tisch sitzend.  Zielstrebig geht sie auf den Tisch zu und bleibt vor Sethai stehen und spricht ihn an, der offensichtlich sein Mahl beendet hat. Es ist ein merkwürdiges Gefühl, neben ihm zu stehen, doch kann sie nicht ergründen woher dieses Gefühl kommt.

"Ich hoffe ich störe nicht," beginnt sie mehr als Einleitung, als aus der Befürchtung heraus ihn wirklich zu stören. "Ich meinte Asrai in die Harfe gehen zu sehen, aber der Zufall läßt mich euch finden, und ich bin froh euch hier zu sehen." Ein Lächeln huscht über Orgas Gesicht, hatte sie doch von Asrai erfahren, daß sie oft tagelang nicht wußte, wo ihr Gefährte ist. Da sie die stille Art des Mannes kennt verliert sie keine Zeit mit Förmlichkeiten, denn sie müsste noch zu Asrai und hatte auch noch einiges zu erledigen, wenn sie am nächsten Tag in Luft stechen wollten und Orga muß leise lachen bei dem Gedanken.
"Sicher überfalle ich euch jetzt damit, aber auch ich wurde von der Nachricht überrumpelt." Orga seufzt leise, aber glücklich und dämpft ihre Stimme, denn sie möchte nicht, daß rundherum jeder davon erfährt. "Henry hat für morgenfrüh mit dem Kapitän des Windschiffes eine Hochzeitsreise vereinbart und ihr seid mit Asrai herzlichst dazu eingeladen." Orga schüttelt unmerklich den Kopf und erinnert sich, was Sethai ist. "Aber was sage ich, sicher wißt ihr es schon und wartet nur darauf, daß ich hier erscheine," und muß bei ihrer Wortwahl schmunzeln, als wenn sie ein Geist wäre, der plötzlich aus dem Nichts erscheint.
Orga läßt sich nun doch auf einem der Stühle nieder, schüttelt aber den Kopf, als die Schankmagd zu ihr herüberblickt, denn sie will gleich weiter. Dann kommt ihr der Gedanke, daß Sethai vielleicht Asrai damit überraschen könnte, aber sie spricht es nicht aus.  Mal sehen, ob er mir anbietet, es Asrai zu sagen, denkt sie schmunzelnd und wartet auf eine Reaktion des Sehers.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sethai am 20. Juli 2004, 12:59 Uhr
„....und Ihr möchtet nun das ich Euch ein wenig entlaste und es Asrai selbst sage, nicht wahr?“
Sethai schmunzelt ebenfalls als er das sagt. Sein Mahl hatte er beendet bevor Orga erschienen war und nun steht nur noch der Rest eines Tees vor ihm den er nach dem Bier noch bestellt hatte. Die Rechnung war auch gleich von ihm beglichen worden. Durch die Arbeit während und nach dem Inari-Fest hat er so viel eingenommen das er sich in nächster Zeit keine großartigen Geldsorgen machen muss.
...aber das Meiste davon ist für Asrai... sie kann sicher jede Münze brauchen...
„...Das werde ich gerne für Euch machen. Ich bin sicher Asrai wird hocherfreut über die Einladung sein, genau wie ich es bin. Ich bedauere sehr das ich nicht auf der Hochzeit anwesend sein konnte aber... es ist mir etwas dazwischen gekommen....“
Die letzten Worte des Elfen klingen für Orga so als verbirgt sich hinter ihnen mehr als nur „etwas“. Doch gleichzeitig spürt sie das er auch auf Nachfrage wohl nicht offenbaren wird was es ist.
„Ich werde Eure Bitte also erfüllen. Ich denke die Reise wird schön für uns werden. Entspannung wird allen Beteiligten sicher gut tun.“

Dann erhebt Sethai sich und reicht Orga die Hand zum Abschied. Er wartet bis sie es ihm gleichtut. „...und da Eile geboten ist und Ihr sicher noch sehr viel zu tun habt werde ich sogleich zur tat schreiten und euren kleinen Auftrag ausführen. Außerdem sollte ich mich besser mal wieder bei Asrai sehen lassen. Ich denke ich werde dabei auch eine wohl verdiente Standpauke erhalten. Aber da muss ich jetzt durch. Ich wünsche Euch einen schönen Tag und bis Morgen.“
Er verbeugt sich noch kurz, dann verlässt er, noch immer lächelnd, die Harfe.

In seinem Inneren jedoch sieht es anders aus. Die Begegnung mit Asrai und die Anwendung der dunklen Kräfte haben ihn in eine Art inneren Aufruhr gestürzt in dem er nun um die Kontrolle ringt. Seine aufgesetzte Fröhlichkeit überspielt dies nur für die Außenwelt. Die Aussicht Asrai wieder zu sehen tut ein weiteres. Zwar freut er sich sehr darauf, gleichzeitig jedoch ist er sich bewusst das er Ihr in der letzten Zeit einiges angetan hat. Zwar unbewusst – oder eher unbedacht – doch macht es das dadurch nicht besser....
So in Aufruhr und in Gedanken betritt er die Strassen die ihn zu Asrais Heim führen...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Orga am 20. Juli 2004, 13:27 Uhr
Orga fällt beinahe der Kinnladen herunter, als Sethai so direkt auf ihre Gedanken antwortet, rappelt sich dann aber wieder auf und lächelt. Sie ist wirklich erleichtert und ihre Freude über seine Bereitschaft ist echt und sie nickt zu seinen Worten, als er jedoch von der Reise spricht hat sie das Gefühl, daß sie sich noch gar nicht wirklich darauf einstellen konnte, wenn sie an dieses riesige Etwas denkt, daß über die Stadt geschwebt ist und schnell verdrängt sie die Vorstellung, damit ihr nicht noch mulmig wird.

Orga erhebt sich ebenfalls, als Sethai sich zum Gehen anschickt und reicht ihm die Hand und ist doch etwas überrascht, daß er ihr seine Gedanken anvertraut, was Asrai betrifft, aber dann wird ihr klar warum, er weiß, daß wir darüber gesprochen haben, und obwohl sie weiß, daß er ein Seher ist, verwirrt es sie kurz etwas.
Orga braucht einen Moment und als sie sich wieder besinnt hat Sethai die Harfe schon verlassen und Orga folgt ihm gedankenverloren, vergißt aber nicht der Schankmagd am Thresen zum Abschied freundlich zuzulächeln. Mit wenigen Schritten ist sie wieder bei ihrem Anwesen und drückt das Tor auf, wobei sie gewahr wird, daß sich Wolken über die Stadt schieben, die nichts Gutes verheißen und einen Moment später hört sie aus der Ferne schon das erste Grollen.


Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Chris Ruby am 20. Juli 2004, 23:38 Uhr
Rubelli hat nach einigem Suchen schließlich die sogenannte "Goldene Harfe" erreicht. Es grummelt schon unheilvoll und so beeilt sich Rubelli ins Innere des Gasthauses zu kommen.
Beinahe rennt er dabei zwei herauskommende Gäste um. Mit einem Lächeln auf den Lippen und einem hastig gemurmelten Verzeihung schlüpft er an den beiden vorbei ins Innere des Gasthauses.
Es ist leidlich besucht und Rubelli kommt sich wie immer fehl am Platze vor, wenn er in seiner vollen Schaustellerausrüstung in den gemütlich warmen Raum einer Gaststube hineinstolpert.
Zwar hört man die Glöckchen an seinen Armen und Füßen kaum, weil der Geräsuchpegel hier drinnen laut genug ist, aber sein bunt bemaltes Gesicht und die zahlreichen Federn, die aus seinem Haar stehen, zeichnen ihn eindeutig als jemand aus, der kein ehrbarer Bürger ist.
Doch Rubelli überwindet - wie stets - schnell seine anfängliche Scheu und benutzt seine Maskerade als Schutzschild.
Auffallend lässt er sich auf einen der freien Stühle fallen und verlangt nach einem Krug Bier, als eine der Schankmaiden an ihm vorbei kommt.
Die Vorführung hat ihn durstig gemacht und so will er sich erst einmal mit etwas flüssigem Stärken, bevor er seine Lage hier genauer in Augenschein nimmt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Marius am 21. Juli 2004, 11:02 Uhr
Er weiß nicht genau, wohin er gehen soll, und das steht ihm wohl deutlich ins Gesicht geschrieben. Trotz allem trinkt er sein Wasser, bis der Krug nicht mehr als Leer enthält, erhebt sich und schlendert zu einer der Bediensteten hinüber, um zu bezahlen.
Marius schüttelt leicht den Kopf, als sein Blick erneut über jene Wesen streift, die sich in dem Gasthaus befinden. Nein, hier würde er sicher keine Arbeit finden.
Er seufzt leise, nickt der Kellnerin noch einmal zu, bei der er – ein paar Groschen mehr – bezahlt hat und verlässt das Wirtshaus.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Elyrina Tinuviel am 22. Juli 2004, 06:30 Uhr
Elyrina hat ihren Wein ausgetrunken. Sie erhebt sich wendet sich Richtung Ausgang.
Geschickt schlendert sie durch die noch verbliebenen Gäste hindurch, bis ihr Blick auf ein angemaltes und mit Federn geschmücktes Wesen fällt. Sie muss instinktiv grinsen. Ein Schausteller.. geht es durch ihren Kopf und sie schaut ihm hinterher, wie er durch das Gasthaus geht. Und passt dann nicht auf als sie das Gasthaus verlässt und den Mann, der gerade vor ihr hinausgegangen anrempelt, und selbst dabei ins stolpern gerät. Gerade bevor sie völlig das Gleichgewicht verliert, kann sie sich doch noch fangen und steht dann wieder aufrecht. "Entschuldigt bitte, ich wollte Euch nicht anstoßen, och hoffe ich habe Euch keinen Schmerz zugefügt. Wenn dem so sein sollte, entshuldige ich mich dafür." Sie schaut ihn schüchtern an. Diese Augen... Sie kann nciht anders und schaut ihm mit großen schüchternen Augen in die seinen, diese mekrwürdigen Augen faszinieren, sie, so dass sie ihren Blick nur schwer abwenden kann.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Marius am 22. Juli 2004, 09:52 Uhr
„Oh …“
Auch er kann sich gerade noch auf den Beinen halten, da er viel zu sehr in Gedanken war, um mit dem kommenden Unheil zu rechnen oder es gar abzuwenden.
Dennoch lächelt er und streicht mit einer überschwänglichen Bewegung seinen Umhang, einen stetigen Begleiter seiner Wege, zu Recht.
„Es ist nichts passiert, My Lady, und es gibt nichts zu verzeihen. Schließlich hätte auch ich ein wenig aufpassen können und nicht mit jeglichen Gedanken im Kopf blind durch die Welt laufen.“
Das Lächeln verschwindet plötzlich, als er merkt, wie die junge Frau ihn mustert, besonders sein Gesicht. Dass ihre Aufmerksamkeit seinen Augen gilt, merkt er nicht, denn oft hat er schlimme Erfahrungen mit solchen Situationen gehabt. Er räuspert sich kurz und streift, mit einer raschen Bewegung seiner rechten Hand, die Kapuze hinauf. Die Narbe über seiner rechten Augenbraue macht ihm schwer zu schaffen, besonders, wenn er unter so vielen Menschen ist. Er schweigt – was soll er auch sagen? Er weiß sich einfach keinen Rat.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Chris Ruby am 22. Juli 2004, 11:53 Uhr
Während Rubelli auf seinen Krug Bier wartet, kramt er aus seinem Beutel zwei der ledernen Bälle heraus, die noch von Timothy stammten.
Ihre raue, bunte Oberfläche fühlt sich so vertraut an, dass er gedankenverloren an seine ersten Übungsstunden mit ihnen zurückdenkt. Timothy hatte ihm viel abverlangt, doch die ganze Arbeit hatte sich gelohnt. So schnell kann ihm heute niemand mehr das Wasser reichen.

Als der Krug schließlich vor ihm abgesetzt wird, bezahlt er die Schankmaid gleich mit ein paar der erworbenen Münzen, bevor er den Krug an seine Lippen setzt.
Nahezu unbewusst fängt er an die kleinen Bälle mit der linken Hand in die Luft zu wirbeln. Eine alte Konzentrationsübung, die vor allem bei Kindern immer wieder maßloses Staunen auslöst; hier jedoch nur die Aufmerksamkeit der anderen Gäste, bzw. des Wirts selbst auf ihn ziehen soll.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Elyrina Tinuviel am 22. Juli 2004, 14:39 Uhr
>"Es ist nichts passiert, My Lady, und es gibt nichts zu verzeihen. Schließlich hätte auch ich ein wenig aufpassen können und nicht mit jeglichen Gedanken im Kopf blind durch die Welt laufen."<
"Oh, nein, Ihr tragt keine Schuld, ihr habt schließlich keine Augen im Hinterkopf." Noch immer schaut sie in sein Gesicht, doch als er die Kapuze aufzieht, merkt sie wie unhöfliche es gewesen sein muss ihn anzustarren.
"Verzeiht, dass ich Euch so angestarrt habe, aber Eure Augen faszinieren mich. Ihre Farbe, ich habe noch etwas dergleichen gesehen. Genauso wie ich Euch noch ncie hier gesehen habe, Seid ihr neu in der Stadt?" Sie erwähnt die Narbe nicht, weil sie ihr nciht aufgefallen ist, Solche Dinge fallen ihr selten auf, denn sie selbst hält soetwas für nebensächlich.


Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Marius am 22. Juli 2004, 17:18 Uhr
Er jedenfalls tut es nicht. Er ist stets in dem Glauben aufgewachsen, ein Mann zu sein, der von seiner Vergangenheit gezeichnet worden ist, und eben dieser Gedanke liegt ihm schwer auf dem Herzen. Er seufzt leise und nickt kurz.
Meine Augen, natürlich … Daran habe ich überhaupt nicht gedacht.
Er vergisst es immer wieder, dieses eine Wunder an ihm. Die Schönheit seiner Augen – er hat es von seiner Mutter, sie hat auch solche wunderschöne Augen gehabt, in denen er sich als kleines Kind oftmals verloren hat. Vielleicht liegt ihm die Mutter deshalb so am Herzen … ?
Er schüttelt den Kopf, so die Gedanken vertreibend, die jenen beherrschen. Er zwingt sich ein schwaches, dennoch freundlich wirkendes Lächeln auf die Lippen und nickt leicht.
„Meine Augen. Ja, ich vergesse es immer wieder, verzeiht.“
Er räuspert sich kurz und atmet tief ein – mit der Zunge befeuchtet er seine trocken gewordenen Lippen. Es ist schon lange her, dass er das letzte Mal mit jemandem über so etwas gesprochen hat.
„Ja, ich bin sozusagen neu hier. Ich kenne hier niemanden … leider.“
Er sieht sich einen Moment lang um und blickt sie dann an.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Elyrina Tinuviel am 22. Juli 2004, 19:17 Uhr
Elyrina ist schon sichr etwas flasches gesagt zu haben als Maruis doch noch antwortet
>"Meine Augen. Ja, ich vergesse es immer wieder, verzeiht."<
Sie ist verwirrt, "Wie könnt ihr Solche Augen nur vergessen?" Es ist seltsam. Jeder andere der so verwunderliche Augen hat, würde sich ihrer erinnern wann immer jemand hinein schaut. Wie viele sind wegen weniger schöner Dinge arrogant und eingebildet geworden. Aber er.. wieheißt er eigentlich? denkt sie bei sich.

>"Ja, ich bin sozusagen neu hier. Ich kenne hier niemanden ? leider."<
Sie lächelt etwas, diese Ausage passt so gut zu ihren Gedanken. "Oh das lässt sich schnell ändern: Ich höre auf den Namen Elyrina Tinuviel, ich bin Besitzerin eines Antiquitätenladens, unweit von hier. Damit kennt Ihr nun die erste Person in der Stadt." Sie lächelt ihm aufmunternd zu, denn er wirkt als könne er das gebrauchen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Marius am 23. Juli 2004, 09:16 Uhr
„Na ja …“
Er grinst kurz und streicht sich über die Stirn.
„Ich sehe diese Augen nicht jeden Tag und deshalb vergesse ich es immer wieder sehr schnell. Wenn ich jeden Tag in sie sehen würde, würde ich sie sicherlich nicht so schnell aus meinen Gedanken verbannen können, doch ich sehe nur durch sie, leider.“
Ich kenne diese Augen nicht. Jedenfalls nicht so, wie ich sie gerne kennen würde. Ich habe sie einfach von meiner Mutter geerbt, ich wollte sie überhaupt nicht …
Er schüttelt den Kopf und seufzt leise.
„Elyrina Tinuviel? Oh, ein wunderbarer Name, My Lady. Mich nennt man einfach nur Marius. Ich besitze zwar einen längeren Namen, aber Marius erscheint mir da noch ziemlich einfach und kurz.“
Er nickt leicht.
„Ja, eine Person von so vielen hier. „
Er denkt einen Moment über ihre Worte nach.
Ein Antiquitätenladen?
„Mh … ein Antiquitätenladen? Sicher ein schöner Beruf,  dort zu arbeiten, oder?“


Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Elyrina Tinuviel am 23. Juli 2004, 20:36 Uhr
Elyrina blickt den MAnn an, er wirkt so traurig auf sie. Aber sie weiß nciht so recht was sie machen soll um ihn glcklicher zu machen.
"Oh ja das ist wirklich eine schöne Arbeit. Ich habe es als Kind schon immer gliebt durch die Regale im Laden meines Vaters zu gehen und mir die Sachen an zu sehen." Sie weiß nciht so recht was sie erzählen soll. "Vielleicht habt Ihr ja lust einmal vorbei zu sehen. Ich freue mich immer wenn jemand kommt. " Sie ist etwas unsicher.
"Habt Ihr denn eine Bleibe gefunden? Wenn Ihr noch nciht so lange in der Stadt wohnt? Vielleicht hier in der Harfe? Ich kann sie nur empfehlen, die Zimmer sind sauber und gemütlich."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Marius am 24. Juli 2004, 09:46 Uhr
„Ich wollte eine längere Bleibe suchen, schließlich habe ich vor, hier länger zu … leben. Aber, so lange ich nichts gefunden habe, …“
Er zuckt die Schultern.
Ja, warum eigentlich nicht? Genug Geld habe ich, um mir hier ein Zimmer zu leisten … aber, ich wollte doch eigentlich etwas größeres, in dem ich mich frei bewegen kann,  wie damals, zu Hause …
Er runzelt leicht die Stirn, verwirrt von seinen eigenen Gedankengängen. Letztendlich lächelt er sie an und nickt.
„Gerne würde ich Ihr Geschäft einmal besuchen kommen, ich bin bei meiner Reise selten auf solche Dinge gestoßen, wisst Ihr? Ich habe die Stadt gemieden, größere Dörfer auch. Es war einfach zu merkwürdig für mich, mich unter Leuten aufzuhalten.“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Elyrina Tinuviel am 25. Juli 2004, 01:14 Uhr
>"Ich wollte eine längere Bleibe suchen, schließlich habe ich vor, hier länger zu ? leben. Aber, so lange ich nichts gefunden habe, "<
Elyrina sieht ihn nur etwas unsicher an. Sie überlegt einen Augenblick, ob sie ihm anbieten soll diese Nacht in ihrem Haus zu verbringen, aber dann kommt ihr der Gedanke, dass sie ihn la noch gar nicht kennt, und dass er ja sonst was machen könnte wenn er in ihrem Haus ist und sie schläft. Wenn sie aber die Räume abschließt...
>"Gerne würde ich Ihr Geschäft einmal besuchen kommen, ich bin bei meiner Reise selten auf solche Dinge gestoßen, wisst Ihr? Ich habe die Stadt gemieden, größere Dörfer auch. Es war einfach zu merkwürdig für mich, mich unter Leuten aufzuhalten."<
"Hattet Ihr Gründe die Stadt zu meiden? Was habt Ihr gegen andere Leute? Entschuldigt, wenn ich Euch zu nahe trete, aber das hört sich so an, als sei in Eurer Vergangenheit etwas geschehen, dass Euch die Städte hat meiden lassen." Elyrina weiß, dass es als unhöflich angesehen werden kann, was sie jetzt gerade getan hat, aber ihre Neugier ist einfach zu groß.
"Oh, und wenn Ihr eine Bleibe sucht, dann kann ich Euch vielleicht für diese eine Nacht aushelfen. Ich könnte Euch ein Bett und etwas zu essen bieten. Ihr werdet es mir vielleicht nachsehen, dass ich den Laden und meinen Schlafraum verschließe, weil ich Euch nicht kenne, aber es wäre vielleicht, besser als Geld für die Harfe auszugeben. Ich weiß ja nicht wie es um Eure Finanzen steht." Den letzten Satz sagt sie ganz vorsichtig, um ihm nicht zu nahe zu treten.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Marius am 25. Juli 2004, 10:55 Uhr
„Ich habe nichts gegen andere Leute“, versucht er, auszuweichen. Gerade, als er antworten will, drängeln sich hinter ihm laut schwatzende Gäste vorbei, sodass seine weiteren Worte im Tumult untergehen. Er seufzt leise.
Ich kann doch jetzt nicht einfach einer Fremden von meiner Vergangenheit erzählen – oder doch? Ist es vielleicht das, was mir fehlt? Nein, ich kann doch nicht einfach. Nein, nicht hier. Woanders vielleicht, aber doch nicht hier …
Er schüttelt den Kopf und lächelt sie an.
„Ich möchte wirklich keine Umstände bereiten. Aber, wenn Ihr mich in Euer Haus, wenn auch nur für eine Nacht, aufnehmt, würde mir das natürlich weiterhelfen. Ich bezahle gewiss auch für diese Nacht. Vielleicht erzähle ich Euch dann von meiner Vergangenheit und warum ich Dörfer meide – aber ich kann Euch nichts versprechen. Verzeiht.“
So sehr die Lady auch neugierig ist, Marius ist in dieser Richtung schon immer eine schwer zu knackende Nuss gewesen. So schnell würde er nichts erzählen, was er nicht erzählen will. Wenn, würde er den ersten Schritt gehen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Chenyas am 25. Juli 2004, 14:44 Uhr
Schon von draußen kann Chenyas deutlich hören, dass die Harfe alles andere als leer ist, denn ein stetiges Stimmengewirr dringt an seine Ohren und sein feines Gehör vernimmt überdies die zarten Töne einer Flöte, die in dem allgemeinen Gebrumme allerdings unterzugehen scheinen. Die Fenster sind gefönnet, der Geruch nach frischem Essen, Bratenfleisch und Schmorgemüse, steigt ihm in die Nase. Mit einem leichten Schulterzucken drückt er die Türe zur Schankstube auf und betritt den dämmrigen Raum, der von Kerzen auf den Tischen und an den Wänden erhellt wird. Der Kamin ist kalt, es ist schließlich Sommer und alles andere als kalt.

Er lässt seinen Blick kurz über die Gäste gleiten, nicht alle Tische sind besetzt, doch dies würde sich im Verlaufe des Abends sicherlich noch ändern, die Sonne ist schließlich noch nicht untergegangen. Ohne die Gestalten an den Tischen jedoch eines eindringlicheren Blickes zu würdigen, rückt er das Buch unter seinem Arm zurecht und geht auf den Tresen zu, hinter dem sich einige der Bedienungen und ein beleibter Zwerg, die mit dem Polieren von Gläsern beschäftigt sind, Geschirr zusammenräumen oder einfach nur dastehen und die Gäste zu betrachten scheinen. Er nickt den Mädchen kurz zu und macht dann den Zwerg auf sich aufmerksam, indem er die Stimme über den Geräuschpegel erhebt und ihn mit dessen Namen anspricht. Ausgerechnet ein Zwerg, denkt er zerknirscht, aber es könnte schlimmer sein. Chenyas ist zwar ein Elb und daher von Natur aus nicht der beste Freund der Zwerge, doch hat er inzwischen gelernt, einen Menschen individuell zu beurteilen und nicht von Vorurteilen und Gerüchten gegenüber einer Rasse auf alle ihre Mitglieder zu schließen.

Der Zwerg weist gerade eines der Mädchen an und deutet mit der Hand in eine Richtung, dann löst er sich aus dem Gespräch und tritt zu Chenyas an den Tresen, mustert diesen eindringlich.

"Seid gegrüßt, Freund Zwerg; mein Name ist Chenyas. Mir ist zugetragen worden, ich könnte bei Euch ein Zimmer erhalten. Ich bräuchte eine kleine Kammer, lediglich Bett, Waschgestell und eine abschliebare Truhe sollten genügen." Er zwinkert dem Zwerg vertraulich zu und seine Stimme nimmt dann einen etwas ernsteren Ton an, als er fortfährt.
"Und ich habe noch ein zweites Anliegen .. ich habe gehört, ich sollte mich ebenfalls an Euch wenden, so ich denn ein Gebäude suchte. Vielleicht könnt Ihr mir helfen; ich möchte ein kleines Theater eröffnen, dazu bräuchte ich ein passendes Haus, eigentlich nur drei Räume - einen großen für das Publikum, einen kleineren daneben für die Schauspieler und Requisiten. Und dann noch ein Zimmer für mich privat. Da ich nicht damit rechnen können, ein Haus mit Bühne zu finden, werde ich diese selbst anfertigen lassen." Er endet und schaut den Zwerg abwartend an, seine Hände zittern leicht, doch dies merkt der Zwerg nicht. "Und es sollte möglichst zentral gelegen sein", fügt Chenyas nach kurzem Nachdenken noch hinzu, "das ist wichtig. Könnt Ihr mir ein solches oder vergleichbares Gebäude bieten?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Chris Ruby am 25. Juli 2004, 22:36 Uhr
Rubelli trinkt sein Bier, während er weiterhin mit den beiden Bällen seine Übung macht. Mit den Augen sucht er das Innere des Gasthauses ab, um abschätzen zu können ob es sich hier lohnt eine kleine Darbietung abzuliefern.
Doch scheinbar ist as Interesse der Gäste nicht sonderlich hoch, denn kaum einer beachtet ihn. Und diejenigen, die einen Blick auf den bunten Gesellen werfen, schauen meist recht schnell wieder weg, wenn Rubelli ihre Aufmerksamkeit spürt.
Seufzend fängt Rubelli schließlich beide Bälle auf und schaut nach draußen. Er überlegt sich gerade ob er nicht gehen sollen - denn für ein Essen hatte er heute wahrlich nicht genug Geld verdient - als ein besonderes Exemplar der Elbenrasse in den Schankraum trat.
Rubelli schluckt schwer, denn das lange schwarze Haar und die nahezu weißen Augen irritieren ihn. Er ist fein, aber nicht aufdringlich gekleidet und versprüht für Rubelli einen ganz eigenen Charme.
Zielsicher steuert der hochgewachsene Elb die Theke an und spricht scheinbar mit dem Wirt des Hauses.
Da er seine Stimme über den allgemeinen Lärm erhebt, um sich verständlich zu machen und Rubelli nicht allzu weit entfernt sitzt, kann ein paar Wörter auschnappen.

Theater! Bühne?! ... Daran habe ich noch nie gedacht.

Rubelli nimmt seinen Beutel auf, stopft die beiden Bälle hinein und schnappt sich seinen Krug.
Die Glöckchen an seinen Armen und Beinen klingen leicht, als er sich zur Theke durchboxt und in der Nähe des Elben auf einem Hocker Platz nimmt.

Mal sehn! Vielleicht lohnt sich dieser Abend doch noch ... auf die ein oder andere Weise.

Ein schelmisches Lächeln zeigt sich auf Rubellis bunt bemalten Zügeln, während er dem Gespräch der beiden Herren weiterhin lauscht.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Chenyas am 25. Juli 2004, 22:50 Uhr
Borgil nimmt sich einige Augenblicke Zeit, um mit einem Geräusch, das wohl ein Räuspern darstellen soll, über des Elben Worte nachzudenken, da wird Chenyas von einem Mann abgelenkt, der sich unmittelbar zu seiner Rehcten an der Theke niederlässt. Aus dem Augenwinkel heraus erhascht er einen Blick auf etwas sehr leuchtend Buntes und da es ihn interessiert, was das ist, wendet er den Blick ab von Borgil und blickt den Mann an. Bei dessen Anblick verbreitert sich das Lächeln auf Chenyas Gesicht, denn der Fremde - Er wird wohl Schausteller oder Spielmann sein - ist in grellbunte Farben gekleidet und sein schwarzes Haar steht ihm in Büscheln und Strähnen vom Kopf ab, geschmückt von hölzernen Perlen und ebenso butnen Federn. Er nickt dem Mann lächelnd zu und behält dabei den Zwerg auf der anderen Seite der Theke im Auge. Es wäre nicht gut, wenn dieser nun dächte, ich hätte schon das Interesse an seinen Worten verloren, schwebt es dem Elben im Kopf herum.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Chris Ruby am 25. Juli 2004, 23:09 Uhr
Als der Elb Rubelli unerwartet kurz seine Aufmerksamkeit schenkt, läuft der junge Schausteller leicht rot an; dank seiner vielen Schminke mögen dies aber nur sehr scharfe Augen erkennen.
Ganz im Gegensatz zu seiner schrillen, verwirrenden Aufmachung, schenkt Rubelli dem Elben ein höfliches und vornehmes Kopfnicken, das diesem Respekt entgegen bringen soll.
Das Wort richtet er in diesem Moment nicht an ihn, denn der Wirt würde sich sicherlich aufregen, wenn er einen potenziellen Kunden ablenkte. Und die Ablehnung des Wirtes kann sich Rubelli beim besten Willen nicht leisten, wenn er zukünftig hoffte hier ein paar Mahlzeiten erspielen zu können.
Um seine Verlegenheit zu überspielen, nimmt er einen tiefen Schluck aus seinem Krug und leert ihn damit. Um nicht tatenlos herumzusitzen, bestellt er sich bei einem der Schankmädchen einen zweiten Krug. Für recht viel mehr würde das Geld ohnehin nicht mehr reichen; er war es gewohnt hungrig ins Bett zu gehen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Elyrina Tinuviel am 26. Juli 2004, 22:46 Uhr
Elyrina winkt ab: "Ihr würdet mir sicher keine umstände machen. Ich bin froh, wenn ich helfen kann!" Und nciht alleine sein muss fügt sie in Gedanken noch hinzu.
"Ich würde mich freuen, wenn ich Euch einen Gefallen tun kann." Sie weiß selbst nciht wrum sie so ist. Ist es nur die Einsamkeit in der Großen Stadt?
"Was Eure Vergangenheit angeht, so erwarte ich ncihts, wozu Ihr nicht bereit seid. Ich kenne es selbst, dass mannciht zu jeder Zeit und mit jeder Person über solche Dinge sprechen möchte."
Sie schaut in den Himmel. "also, wenn Ihr das Angebot annehmen möchtet, dann könnt Ihr das gerne tun, nur müsste ich jetzt so langsam aufbrechen, denn ich  habe schließlich den Laden der morgen wieder geöffnet werden muss." Sie lächelt etwas verlegen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Marius am 30. Juli 2004, 15:17 Uhr
Marius weiß in diesem Moment wohl selbst nicht, weshalb er auf das Angebot der jungen Lady eingeht. Dennoch nickt er leicht, schultert seinen Rucksack und blickt sie auffordernd an, schließlich kennt er diese Stadt noch nicht so, wie er es gerne würde.
Während er auf eine Reaktion von ihr wartet, kreisen all mögliche Gedanken durch seinen Kopf. Er hat von Heinrich gelernt, niemals jemandem, gleich, wie freundlich er sein möge, zu vertrauen oder ihm sein schutzloses Leben in die Hand zu legen. Er hat gelernt, sich alleine durchzuschlagen und oftmals ist er stolz, aber auch froh darüber gewesen. Es gibt eben Zeiten, da wünscht man sich die Einsamkeit herbei – aber es gibt auch jene Augenblicke, da wünscht man sich weit fort von dieser.
Marius seufzt leise und lächelt kurz.
„Falls Ihr Hilfe benötigen solltet - zögert nicht, mich zu fragen.“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Elyrina Tinuviel am 30. Juli 2004, 16:19 Uhr
Elyrina lächelt als Marius nickt. "Wunderbar, dann folgt mir einfach." setzt sie hinzu als er seinen Rucksack wieder auf dem Rücken trägt. Dann geht sie los. Sie schaut sich immer wieder um, selten ist sie so spät am Abend unterwegs. Und noch seltener mit einem fremden Mann im Schlepptau, dem sie eine Bleibe für die ANcht angeboten hat. Ihr Vater hat das früher bei Reisenden öfter getan, aber ihr Vater konnte sich auch verteidigen. Sie hatt zwar keine Angst. Aber dennoch weiß sie dass das hier leichtsinnig ist. Aber andererseits kann sie den Mann verstehen, sie selbst war nicht wirklich anders al sie hierher gekommen ist. es hat auch lange gedauert ehe sie jemanden richtig kennengelernt hat. Dabei fällt ihr Die situation in der Schneiderei wieder ein, und dabei auch, dass ihr Kleid dort noch immer auf ihre Abholung wartet. Sie macht sich eine Notitz in ihrem Kopf zu machen, dass sie morgen irgendwann zur SChneiderei geht und das Kleid mal abholt.
>"Falls Ihr Hilfe benötigen solltet - zögert nicht, mich zu fragen."<
"Hilfe meint Ihr im Laden?" Sie schaut etwas verwirrt drein. Sie weiß jetzt nicht so ganz was er damit meint. Hilfe kann vieles sein.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 31. Juli 2004, 09:14 Uhr
(OT: Sorry, ich hab das hier einfach übersehen, tut mir leid, daß ihr so lange warten mußtet :ups:)

Borgil zerbricht sich immer noch den Kopf, was bei allen Neun Höllen in seiner Harfe eigentlich falsch ist heute, als ihn über die Köpfe einiger Gäste hinweg ein Elb anspricht. Das erste, das Borgil an dem Spitzohr auffällt, ist seine Reibeisenstimme, das zweite, das er wohl ein Problem mit seinem Auge zu haben scheint, das ekstatisch zuckt. Nachdem Borgil ihn im Halbdunkel des Gastraums einen Moment gemustert hat - wobei ihm auffällt, daß das Langbein gar kein rechtes Langbein ist, jedenfalls für elbische Verhältnisse - fallen ihm die seltsamen Pupillen des Elben auf. Über all das und die ganze unalltägliche Erscheinung zuckt der Harfenwirt nach einem Augenblick jedoch nur mit den Schultern. Noch immer plagt ihn das ungute Gefühl, in seiner Harfe liege irgendetwas völlig im Argen und er weiß einfach nicht, was. Er hatte die Vorratskeller, die Küche, seine Privatgemächer, den Stall samt Hof, die Abtritte und so unauffällig wie möglich die Schankstube inspiziert und alles dort ist sauber und geht seinen gewohnten Gang - weit und breit nichts ungewöhnliches. Dennoch  weiß er, daß hier etwas nicht so ist , wie es sein soll und dieses Wissen gepaart mit der Unfähigkeit, herauszufinden was, macht ihn rasend. Jetzt reiß dich mal zusammen, Alter, das Spitzohr will ein einfaches Zimmer hier und schwafelt außerdem von zentralen Häusern und.... was beim Henker ist ein Theater?
Da Borgil keine Ahnung hat, wovon der Silberelb da spricht, besteht seine erste Reaktion nur aus einem verwirrten: "Häh?" Aber dann rattern in seinem Hirn dir Wörter Bühne und Publikum doch irgendwie zusammen. Was genau ein Theater ist, weiß er damit zwar immer noch nicht, aber es muß irgendetwas mit Schaustellerei zu tun haben, soviel ist sicher. Derart abgelenkt vergißt er für ein paar Augenblicke sogar seine nagenden Sorgen. "Hmhmhmhm..." nachdenklich kratzt er sich den narbigen Schädel und furcht sich dann mit den Fingern durch den Bart - wobei er prompt in den Zöpfen hängen bleibt, die Halla ihm hineingeflochten hat. "Hrrrrga!!" Entnervt entwirrt er die Flechten und brummt dabei eine unverständliche Entschuldigung an sein Gegenüber. "Zentral ja? Haus mit drei Räumen... na ich weiß nicht, direkt am Marktplatz ist alles besetzt.... obwohl... na am Südrand des Marktes hätte ich vielleicht etwas für Euch. Schon ein wenig älter und äh... man muß es herrichten. Aber von der Größe her passend. War mal ne Weberei. Hat einen großen, hohen Raum, wo die Webstühle standen und 'n paar Nebenräume. Irgendwo neben dem roßsteinschen Anwesen... aber das wird Euch nichts sagen... egal. Wenn Ihr es ansehen wollt, dann sagt mir bescheid. Und das mit Eurem Zimmer sollte kein Problem sein."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Chenyas am 31. Juli 2004, 09:29 Uhr
"Eine Weberei, sagt Ihr? Das klingt nicht übel." Der Elb hatte den Wirt keinen Moment lang aus den Augen gelassen und ihm war auch nicht entgangen, dass dieser anscheinend recht gereizt ist und sich immer wieder umblickt, gerade so, als halte er nach irgendetwas Ausschau. Na, er als Wirt muss ja auch darauf achten, dass hier alles seinen gewohnten Gang nimmt; was wäre er für ein Besitzer, der seine Schankstube völlig dem Zufall überlässt.

"Dass Ihr ein Zimmer für mich frei habt, ist im Moment erst einmal das Wichtigste. Wenn es Euch recht ist, würde ich es gern gleich beziehen, nachdem wir die preislichen Modalitäten geklärt haben. Heute ist ed sicher zu spät, um in dem Gebäude noch viel sehen zu können, denke ich; aber wenn es Euch morgen möglich ist, dann würde ich die Besichtigung gern verschieben." Abwartend blickt Chenyas zu Borgil und dann kurz zu dem Narren, der noch immer nahe der zwei am Tresen sitzt und sich alle Mühe gibt, nicht als heimlicher Zuhörer zu wirken, was ihm allerdings nicht gelingt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 01. Aug. 2004, 14:52 Uhr
Borgil bemerkt am Rande, wie aufmerksam der Elb ihn mustert und ist in Gedanken schon wieder bei seiner Harfe und dem unguten Gefühl, daß hier etwas gar nicht so ist, wie es sein soll. Insgeheim ist er froh, die Weberei, die er schon Jareth dem Wollhändler hatte unterjubeln wollen, nun doch noch loszuwerden... was will er als Harfenwirt auch mit dem Gebäude, er kann ohnehin nichts damit anfangen. Die vornehme Redeweise des Elben entlockt ihm ein belustigtes Grinsen.  Preisliche Modalitäten...soso, grinst er in sich hinein. "Ihr habt eine gewählte Ausdrucksweise, mein Herr Elb," erwidert er mit amüsiert glitzernden Augen, aber durchaus freundlich. "Ich bin geneigt, Eurem Gesuch Gehör zu schenken. Das bedeutet: ja," fügt er mit einem seltsam grollenden halben Lachen hinzu. "Und sicher ist morgen der bessere Zeitpunkt, um Euch die Weberei anzusehen." Er stapft hinter seinen Tresen und holt einen Schlüssel von dem langen, bronzebeschlagenen Bord an der Wand. "Hier, die zweite Kammer im zweiten Stock. Einfach, aber sauber und mit einem netten Blick über den Marktplatz. Fünf Kupferling die einfache Übernachtung, sechs mit Morgenmahl, acht wenn Ihr alle Mahlzeiten hier einnehmt und einen weiteren im Siebentag für Eure Schmutzwäsche. Meine Mägde werden sich gern darum kümmern. Und noch etwas: falls Ihr Magier, Zauberer, Hexer oder etwas ähnliches seid, muß ich Euch bitten, unter meinem Dach keinen Gebrauch von solchen Kräften zu machen. " Abwartend blickt er den Elben an, schwenkt einladend den Schlüssel unter dessen Nase und beschließt, dann Halla aus dem Bett zu werfen, die dort noch immer ihren Rausch ausschläft und mit ihr über seine Unruhe bezüglich der Harfe zu reden.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 01. Aug. 2004, 15:15 Uhr
Halla hat überhaupt keine Ahnung wie lange sie geschlafen hat und als sie erwacht fühlt sich ihr Kopf an als hätte ein Ackergaul mit seinen Hufen auf ihm herungetrampelt. Mühsam öffnet sie die Augen und stellt mit Entsetzen fest, dass es wohl schon später Nachmittag, wenn nicht schon Abend ist. Als sie eilig aufstehen will, straft ihr Kopf dieses Vorgehen sofort und das ganze Zimmer beginnt sich zu drehen. "Verdammt und zugenäht, wie soll ich denn mit diesen Kopfschmerzen vernünftig arbeiten. Nie wieder Alkohol, das schwöre ich bei allen zwölf Göttern."

Irgendwie schafft sie es schliesslich doch, steht auf und schafft es sogar sich vernünftig anzukleiden und ihre Haare zu einem einigermassen ordentlichen Zopf zu flechten. Ihr ist übel und wenn sie den Kopf zu shnell bewegt, dreht sich immer noch alles, aber da muss Halla nun durch, sie war es schliesslich selber schuld und Borgil würde kaum Mitleid mit ihr haben. Langsam geht sie die Treppe zur Schankstube hinunter und der Lärm und der Geruch tragen nicht gerade dazu bei, dass die Kopfschmerzen besser werden. Halla kneift kurz die Augen zusammen und öffnet sie dann wieder und begegnet Borgils Blick, aber was dieser sagt, vermag sie nicht wirklich zu deuten, Sorge liegt darin und etwas anderes. Der Zwerg steht bei einem Elben, einem Silberelben wie Halla erkennt als sie etwas näher kommt. Da sie die beiden aber nicht stören will, geht sie erst einmal in die Küche und lässt sich von Sigrun einen Tee aufbrühen, der ihre Kopfschmerzen hoffentlich lindern wird. Das wissende Grinsen von Sigrun ignoriert Halla gekonnt und als der Tee fertig ist, nimmt sie die Tasse und geht wieder hinaus in die Schankstube und hinter den Tresen. Dort braucht sie einige Momente ehe sie wieder den Überblick hat und beginnt dann damit die eingehenden Bestellungen fertig zu machen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Chenyas am 01. Aug. 2004, 21:44 Uhr
Chenyas resgistriert das grollende Lachen des Wirtes mit einem verhaltenen Grinsen und lässt diesen auch weiterhin keine Sekunde aus den Augen, als er ihm plötzlich einen Schlüssel präsentiert und dem Elben die Preise und Konditionen der Übernachtung aufzählt. Chenyas lauscht Borgil geduldig; da er noch nicht weiß, ob das ihm versprochene Gebäude seinen Vorstelklunbgen gerecht werden oder er es überhaupt nehmen wollen wird, ist er sich schon sicher, für mindestens einen Siebentag das Zimmer zu mieten.

"Sehr gut, Meister Borgil", spricht er dann mit leiser Stimme; er hat zwar keine großen Geheimnisse, dennoch ist er der Auffassung, nicht jeder müsse mitbekommen, was er mit dem Wirt zu regeln hat. "Ich werde das Zimmer für vorerst einen Siebentag nehmen, habt vielen Dank. Entlohnen werde ich Euch auf der Stelle; ich denke, das ist hier so Sitte, wo doch allenthalben Diebe und Halunken ihr Unwesen treiben." Noch während er spricht, löst er die lederne Börse vom Gürtel und zählt die Münzen auf den Tresen, legt noch zwei Kupferlinge dazu und nimmt von dem Zwerg mit einem Lächeln den ihm angebotenen Schlüssel entgegen.

"So denn", spricht er, nun wieder in normaler Lautstärke, "ich werde Euch morgen aufsuchen und mit Euch alles Weitere besprechen, was die Besichtigung des Gebäudes anbelangt. Ich wünsche Euch einen geruhsamen Abend - zumindest, sofern das in dieser Schankstube möglich ist." Er schenkt dem Zwerg ein wissendes Lächeln und wendet sich dann von ihm ab, lässt sich in der Nähe des Narren, der nachwievor am Tresen sitzt, an einem kleinen Tischchen nieder und bestellt einen Kelch Wein bei einem der Mogbar-Mädchen. Mit einem Nicken in Richtung des Fremden gibt er diesem daraufjin zu verstehen, sich doch zu ihm zu gesellen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Chris Ruby am 01. Aug. 2004, 22:56 Uhr
Rubelli hat scheinbar ruhig an seinem zweiten Bier gesessen, während er sich bemüht hatte nicht zu offensichtlich zu lauschen; was ihm allerdings kläglich misslungen sein musste, wie er in den Augen des Elben lesen musste.

Als der Elb ihn nun schließlich mit einer deutlichen Geste auffordert sich zu ihm an den Tisch zu setzen, überzieht seine geschminkten Wangen abermals ein zartes Rot und wiederum dankt er dem Schicksal, dass seine Maske ihn verbirgt.
Denk an die Maske Rubelli! Denk an sie - sie ist wie ein zweites Ich; ein stärkeres Ich, das dich immer beschützen wird.
Timothys Worte geistern in Rubellis Gedanken herum, während er - sich seiner ganzen Ausstattung wieder bewusst werdend - nach seinem Beutel bückt und mit seinem Bierkrug in der Rechten sich dem Elben nähert.
Schwungvoll stellt er den Krug auf den Tisch, bevor er sich selbst auf den freien Stuhl fallen lässt.
Seine stahlblauen Augen blitzen spöttisch auf, als er sich dem Elben zuwendet. Im Gegensatz zu seiner äußeren Erscheinung, spricht Rubelli dem Fremden mit einer äußerst  gepflegten Ausdrucksweise an: "Verzeiht meine so offensichtliche Neugier, aber das Wort Theater und Bühne lockt jeden Artisten an."
Er schenkt dem Elben ein breites Grinsen, bevor er sich vorstellt: "Wenn ich mich vorstellen darf: Rubelli ist mein Name. In den Immerlanden als einer der besten Jongleure bekannt."
Kurz erhebt er sich und macht eine galante, ausladende Verbeugung vor den Elben, bevor er sich - begleitet von dem leisen Klingen zahlreicher Glöckchen - wieder auf seinen Stuhl sinken lässt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Chenyas am 01. Aug. 2004, 23:40 Uhr
Kaum hat Chenyas dem Schausteller am Tresen zugenickt, sitzt dieser auch schon kurz darauf bei dem Elben am Tisch und stellt sich als Rubelli vor. Die Art des Fremden ist Chenyas von Beginn an sympathisch, fast gleichzeitig bringt die Bedienung bereits den bestellten Wein und Chenyas bedankt sich mit ausdruckslosem Gesicht bei dem Mädchen, das mit leicht irritiertem Blick wieder verschwindet. Nachdem der Elb vom Wein gekostet hat, stellt auch er sich vor.

" Khel'Anar, Freund Rubelli, mein Name ist Chenyas. Ich stamme aus dem Volke der Silberelben." Der Narr nickt vorsichtig, anscheinend scheint ihm das Land der Silberelben ein Begriff zu sein, und so fährt Chenyas fort.

"Ich verzeihe Euch gar nichts, denn da gibt es nichts, was ich verziehen könnte; jeder Freund von Bühne und Schauspiel ist auch mein Freund." Er lächelt dem Mann gegenüber von ihm freundlich zu nimmt einen weiteren Schluck aus seinem Kelch. Daraufhin legt er seinen roten Mantel ab und hängt diesen vorsichtig über die Lehne des Stuhls, ehe er weiterspricht.

"Ihr werdet sicherlich mein Anliegen vernommen haben; ich möchte ein Schauspielhaus eröffnen. Das, was ich bisher von dieser Stadt gesehen habe, ist bunt, vielschichtig, vollkommen lebendig; aber leider ohne jegliches Interesse an den Künsten, wie mir scheint. Stellt Euch das nur vor: Eine Bühne, auf der sowohl professionelle Schauspieler wie auch Laien ihre Stücke präsentieren und die Bürger erfreuen können! Eine Stätte der Schaustellerei, ein Ort voller Fantasie und Lust an der Verstellung!" Um nicht allzu sehr ins Plaudern zu verfallen, greift Chenyas nach seinem Kelch und nimmt einige tiefe Schlucke. Gespannt blickt er sein Gegenüber an, was dieser dazu wohl sagen mag. Wenn es um etwas geht, was mich begeistert, kann ich reden und reden und kein Ende finden. Ich muss aufpassen, wieviel ich rpeisgebe, denkt er ruhig und starrt seine auf dem Tisch ruhenden Hände an.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 02. Aug. 2004, 11:42 Uhr
Borgil hatte sein Gespräch mit dem Silberelben beendet und dieser hatte sich dann zu dem Gaukler gesellt, der Halla schon eben aufgefallen war, und bald scheinen die Beiden in einem Gespräch vertieft zu sein. Borgil geht durch die Schankstube, grüsst hier und da jemanden und sieht fast so aus wie ein Spürhund, der nach etwas sucht und es nicht finden kann. Irgendwas scheint nicht zu stimmen und auch Halla beschleicht ein ungutes Gefühl. Sie geht im Geist alle Gäste durch, die vielleicht Unruhe stiften könnten, oder vielleicht Magie angewendet haben. Magie ist etwas was Borgil in seiner Harfe nicht duldet und normalerweise hält sich jeder daran.

Halla will beim Besten Willen nicht einfallen, was so komisch ist und sie grübelt noch eine Weile, dann fällt ihr Azra ein, das Blutelbenmischlingsmädchen, und das sie schon längere Zeit nicht nach ihr gesehen hatte, die Hochzeit, und einige andere Dinge hatten sie davon abgehalten. So beschliesst Halla jetzt zumindest einmal kurz nach dem Mädchen zu sehen. Die Gäste sind so weit alle versorgt und Halla bindet sich die Schürze ab, sagt Grid kurz Bescheid und steigt die Treppe hoch zum ersten Stock, wo Azras Zimmer ist. Leise klopft Halla an die Tür an und wartet ob eine Reaktion kommt. Als nichts geschieht öffnet sie vorsichtig die Tür und schaut ins Zimmer.

Ihre Augen werden gross, als sie sieht, dass das Bett leer ist und sich auch sonst im Raum nichts von Azra finden lässt. Eilig schliesst sie die Tür wieder und sucht im ersten Stock nach dem Mädchen, doch nirgendwo ist sie zu finden, auch die Zimmermädchen wissen nichts. Nur eine meint, sie hätte das Mädchen unten in der Schankstube gesehen und dann wäre sie mit dem Seher wieder nach hier oben gekommen, allerdings wüsste sie nicht was danach geschehen wäre. Halla schüttelt den Kopf und grübelt nach, sucht dann die restlichen Zimmer ab, aber nirgendwo ist auch nur eine Spur von der Blutelbin zu finden.

Halla wird immer aufgerregter und schliesslich läuft sie die Treppen wieder hinunter in die Schankstube und eilt zu Borgil. Etwas ausser Atem bleibt sie vor ihm stehen und holt einmal tief Luft, ehe sie anfängt zu erzählen. "Ich wollte grad nach der kleinen Blutelbin sehen, aber sie war nicht in ihrem Zimmer und auch sonst ist sie nrigendwo in der Harfe. Ich hab alle Räume oben abgesucht, nichts von ihr zu finden und hier unten wird sie kaum sein, das hätte eines der Schankmädchen bemerkt. Ich hab keine Ahnung wo sie hin ist, aber bei allen Zwölfen, ich hoffe sie war nicht so dumm und ist in die Stadt gelaufen, dann gibt es sicher bald eine Hetzjagd auf sie und sie baumelt am nächsten Baum oder ähnliches."

Halla waren die Worte nur so aus dem Mund gesprudelt und an Borgils Gesichtsausdruck kann sie deutlich sehen, dass ihm gar nicht gefällt was er gerade hört. "Was machen wir jetzt?", fragt Halla Borgil aufgeregt, das einzige was ihr einfällt, wäre die Stadtgarde zu informieren.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Chris Ruby am 02. Aug. 2004, 17:16 Uhr
Rubelli ist von dem außergewöhnlichen Silberelben fasziniert. Nicht nur seine nahezu weiß schimmernden Pupillen und das glänzende, schwarze Haar ziehen ihn auf magische Weise an, sondern auch seine berauschende Überschwenglichkeit.
In der Gewissheit endlich mal wieder jemanden gegenüber zu sitzen, der das Leben eines Schaustellers wenigstens ansatzweise nachvollziehen kann, löst sich Rubellis sprungbereite Haltung ein wenig.
Ein visionäres Funkeln spielt in seinen Augen, als er dem zukünftigen Theaterbesitzer grinsend antwortet: "Das klingt ganz nach einem Ort nach meinem Geschmack. ... Ich bin früher einmal mit einigen Schaustellern gereist und ich habe ihre Darbietungen immer nahezu verschlungen. Und es gibt nichts besseres, als unbescholte Bürger, die sich auch einmal auf der Bühne versuchen wollen."
Ein wissendes Lächeln spielt um seine Lippen, bevor er auf sich selbst zu sprechen kommt: "Aber wenn ihr auch Artisten in eurem Haus willkommen heißen wollt, dann denkt an mich."
Er zwinkert dem Elben verschwörerisch zu, bevor er einen weiteren Schluck aus seinem Bierkrug nimmt. Sein Magen fängt langsam an dagegen zu protestieren und ein leises Knurren lässt wohl darauf schließen, dass er schon länger nichts mehr gegessen hat, aber wie immer in solchen Fällen ignoriert ihn Rubelli einfach.
"Solltet ihr zuvor eine Kostprobe von mir brauchen, dann findet ihr mich zweifelsohne auf dem Marktplatz."
Die Doppelzüngigkeit geht Rubelli leicht von den Lippen, während er seinen Kopf so dreht, dass man seinen funkelnden Ohrring erkennen kann. Wäre der Elb einer von ihnen, dann würde er es - zusammen mit dem kleinen goldenen Stern an seinem Ohr - schon richtig verstehen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Olyvar von Tarascon am 02. Aug. 2004, 21:12 Uhr
Nachdem er zweimal quer durch die Stadt geritten ist und nicht mehr wirklich nässer werden kann, als ohnehin schon, beschließt Olyvar, zu Borgil in die Harfe zu gehen. Er glaubt zwar nicht wirklich daran, Kizumu hier zu finden, aber möglich war ja es durchaus. Die Harfe liegt mitten am Marktplatz und Borgil kennt jeder - ein naheliegender Gedanke, in einem Gasthaus Schutz zu suchen, wenn einen ein Unwetter auf den Straßen überrascht. Er reitet direkt in den gepflasterten Hof der Harfe und übergibt Bayvard einen eilfertig aus dem Stall lugenden Knecht, dann beeilt er sich fluchend endlich aus dem Regen heraus ins Trockene zu kommen und benutzt gleich den Gesindeeingang. Ein Schwall warmer, mit  Tabaksrauch, Essensdüften und Bier geschwängerter Luft schlägt ihm entgegen, ebenso wie Stimmengewirr, Geschirrklappern und Gläserklirren. Er tritt durch den kurzen, nur von Öllampen in Wandhalterungen erhellten Flur mit seinen dunklen Holzbalken und Wandvertäfelungen in die Schankstube, reicht seinen tropfenden Umhang einer Schankmagd und sucht sich einen Platz nahe dem Kamin. Es ist voll in der Harfe, wie immer, aber den Göttern sein Dank nicht überfüllt und hier in der Nähe des prasselnden Feuers hat er gute Chancen, daß seine Hosen bald trocknen. Er kommt allerdings gar nicht dazu, sich ein Horn Met, einen Krug Bier oder etwas ähnliches zu bestellen, denn kaum sitzt er, erscheint Borgil an seinem Tisch und der Zwerg sieht aus, als hätte er gerade eine Elritze verschluckt. "Lieber Himmel, Borgil, was ist passiert?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Chenyas am 02. Aug. 2004, 21:26 Uhr
Chenyas ist der Artist durchaus sympathisch, dieser scheint ein sehr lebenslustiger Zeitgenosse zu sein. Oder aber er versteht es lediglich vorzüglich, Fremden etwas vorzugaukeln, denkt der Elb mit einem Hauch von Bedenken, den er jedoch rasch wieder zur Seite scheibt.

"Möchtet Ihr etwas essen?", fragt er Rubelli daraufhin mit einem verschmitzten Lächeln, "Ihr scheint Euren Bauch etwas zu vernachlässigen, und gerade das sollte jemand Eures Faches nicht tun, fehlt ihm dadurch doch die nötige Energie." Ein Winkern unterstreicht seine Worte und abermals greift er nach seinem Kelch, um einen großen Schluck daraus zu nehmen und sich auf seinem Stuhl zurückzulehnen.

"Ihr redet - oder vielmehr tue ich es ebenfalls -, als sei all dies schon ebschlossene Sache. Nun, ein vermögender Mann bin ich nun auch nicht, der Preis des Gebäudes muss stimmen. Aber da sind so viele Pläne, die vage durch meinen Kopf schwirren und sich doch nicht recht menifestieren wollen. Was man nicht alles mit einer Bühne anfangen kann, stellt Euch nur vor: Märchen- oder Puppenspiele, Artistik, Schauspiel, Tanz ... die Möglichkeiten sind groß!" Abermals gerät er ins Schwärmen, seine Pupillen zittern leicht und schnell schlägt er die Augen nieder und gibt den messingfarbenen Ring an seinem Finger zu betrachten vor in der Hoffnung, es werde Rubelli nicht auffallen.
So vergehen einige Momente, in denen niemand von den zweien etwas sagt, für kurze Zeit verwandelt sich der Tisch zu einer ruhenden Insel inmitten des Treibens. Langsam öffnet der Elb seine Augen wieder und blickt den Narren direkt an.

"Sagt, was hat Euch in diese Stadt geführt?" Etwas verlegen fügt er schnell hinzu: "Entschuldigt meine Neugierde, aber alsbald ich einem Fremden gegenübersitze, so interessiert mich seine Geschichte. So ist es mit vielen Dingen und beinahe allen Menschen, deren Geschichte reizt mich einfach." Sein Blick ruht auf dem Gesicht des Mannes, die Schminke ist vom Schweiß leicht verwischt, doch das fällt dem Elben weiter gar nicht auf, für ihn ist der Mensch unter seiner Hülle ein wahrer Mensch.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Chris Ruby am 02. Aug. 2004, 21:56 Uhr
Rubelli ist es peinlich, dass Chenyas ihn auf seinen knurrenden Magen anspricht und überspielt es zunächst einfach, in dem er ihm auf seine letzte Frage antwortet: "Träume! Ja ... wie auch euch führten mich Träume nach Talyra. Während ihr von eurem Theaterhaus träumt - und ich wünsche euch, dass er in Erfüllung geht - träume ich von Scharen von Zuschauern, die mich bewundern und mir wenigstens etwas Geld in die Taschen befördern."
Ein breites Grinsen zieht über sein Gesicht.
"Allerdings hatte ich heute mit dem Wetter etwas Pech und so hat es heute für nicht viel mehr als zwei Krüge Bier gereicht. ... Aber das bin ich gewohnt. Ich hatte gehofft hier noch etwas meiner Kunst darbringen zu können, aber mir scheint dafür ist kein rechter Zeitpunkt."
Damit schaut er hinüber zu dem unruhigen Zwerg, der sofort auf den hochgewachsenen Mann zugestürmt war, der erst vor kurzem die Harfe betreten hatte.
"Egal!" winkt Rubelli ab, als er sich wieder dem Elben zuwendet, "Morgen wird ein besserer Tag sein; so Gylrian will."
Es ist ihm durchaus bewusst, dass der Elb ihm angeboten hatte sein Essen zu zahlen, doch Rubelli blieb jemanden ungern etwas schuldig - erst recht wenn er sein Gegenüber noch kaum kannte.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 02. Aug. 2004, 21:58 Uhr
"WAS?!" Borgils Augenbrauen, fett wie rote Raupen, rutschen fast bis zur Mitte seines narbigen Schädels, als Halla ihm hektisch gestikulierend erklärt, Azra sei in der ganzen Harfe nicht aufzufinden. Die Gestalt im Umhang, die mich heute fast umgerannt hat im Harfengarten! Schießt es ihm durch den Kopf. "Verdammt! Verdammt, verdammt und dreimal verdammt, das darf doch nicht wahr sein!" Poltert er los, senkt dann aber hastig die Stimme und quetscht die arme Halla aus wie eine azurianische Zitrone, ob sie da und dort und hier und überall wirklich nachgesehen hatte - aber es ist und bleibt wie sie sagt, Azra ist verschwunden. Er weiß es - und das ist es auch, was ihn so beunruhigt hat. Eine Reihe so götterlästerlicher Flüche, daß selbst Halla, die einiges gewöhnt ist, die Ohren klingeln müssen, kommt unter dem feuerroten Gewirr seines Bartes hervor, allesamt gedämpft und halblaut, aber deshalb nicht weniger zornig. Im Geiste geht er schon durch, was er alles mit der kleinen Blutelbin anstellen würde, sollte er sie finden. Aber erst einmal mußte er sie finden, genau das war das Problem - schließlich kann er keinen Anschlag auf dem Marktplatz anbringen. >Was machen wir jetzt?<

Er weiß keine Antwort auf Hallas Frage, auch wenn es ihm das Herz wärmt, daß sie "wir" gesagt hatte - schließlich war das ganze sein Problem. Er tätschelt beruhigend ihre Hand, blickt aber ziemlich ratlos drein - bis seine Rettung in Gestalt eines pitschnassen Lord Commanders geradewegs zur Tür hereinschneit. Potzblitzunddonnerwetter! Keinen anderen hätte ich mir jetzt hergewünscht! Oh Sil, Vater aller Zwerge und mächtigster der Schmiede, du hast was bei mir gut! Versprochen! Borgil hastet um den Tresen, bahnt sich resolut seinen Weg durch eine Schar zechender Tuchhändler und landet schneller am Tisch des Lord Commanders, als der auch nur >Borgil!< sagen kann. Allerdings sieht Olyvar von Tarascon ihm auch an der Nasenspitze ab, daß hier etwas ziemlich im Argen liegt und hastig erklärt Borgil im Flüsterton seine mißliche Lage und - im Groben - was dahintersteckt. Er erzählt, wie Azra vor Wochen hier angekommen war, daß er sie seitdem versteckt hält, von ihren Verletzungen und allem, was sie hatte durchmachen müssen und daß er einfach nicht weiß, was vorgefallen war, daß sie zur Flucht getrieben hatte - und natürlich, daß sie weg war, in die Stadt gelaufen, die Götter allein wissen, wohin. Olyvar starrt ihn an, als rede er von fliegenden Kühen und Borgil nickt ungedudlig. "Jaja, ich weiß, ich weiß. Ich hatte vor, bei der nächsten Stadtratssitzung von ihr zu sprechen und um freies Geleit für sie zu bitten, sie ist wirklich in Ordnung, armes kleines Ding. Und jetzt ist sie mutterseelenallein da draußen, wo ihr Sil weiß was alles passieren kann und dieser ganze Dunghaufen ist meine Schuld, weil ich sie nicht Tag und Nacht bewacht habe! Götterverdammtnochmal," rauft er sich den Bart, "ich könnte mir selbst den Schädel einschlagen dafür. Wir müssen sie finden, Olyvar. Unbedingt, bevor es der Pöbel tut."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Chenyas am 03. Aug. 2004, 11:01 Uhr
"Da mögt Ihr wohl Recht haben", murmelt Chenyas und lenkt seinen Blick ebenfalls auf den Zwerg, der über irgendetwas offenbar sehr erbost zu sein scheint, "man sollte in der Höhle des Nargen nicht allzu laut schreien, wenn man seines Lebens auch weietrhin sicher sein möchte." Ausdruckslos ist das Gesicht des Elben, während er einige Momente einfach nur dasitzt und den Zwergen sowie dessen Gesprächspartner beobachtet, ehe er leicht den Kopf schüttelt und sich wieder abwendet.

"Ich denke", spricht der Elb dann weiter und wirkt dabei mehr oder weniger teilnahmslos, "ich werde gleich noch etwas spazieren gehen. Dieser Tag war anstrengend genug, etwas Nachtluft wird mich sicher abkühlen. Außerdem will ich das Buch hier wegschließen." Er nickt in Richtung des schweren Lederfolianten, der neben ihm auf dem Tisch liegt, und streicht vorsichtig, fast liebevoll mit der Hand über den Buchdeckel, fährt behutsam die eingravierten Lettern mit den Fingerspitzen nach. "Vielleicht kann ich das Haus finden, von dem Meister Borgil gesprochen hat; es ist zwar dunkel, doch einen Blick auf das Gebäude kann ich sicher erhaschen." Wie um sich selbst Recht zu geben, nickt er kaum merklich, er befindet sich bereits in Gedanken und nicht mehr mit dem Narren am Tisch, so wie es ihm oft passiert. Er kann seine Gedanken einfach nicht auf einen Punkt fixieren, viel zu oft schweifen sie ab.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Marius am 03. Aug. 2004, 14:40 Uhr
„Im Laden, natürlich. Wo denn sonst?“, fragt er nach einiger Zeit und hebt, ein wenig überrascht, eine Braue.
Er weiß überhaupt nicht, was er davon halten soll. Er ist kaum mehr als ein paar Stunden in dieser Stadt und schon hat er eine Unterkunft – wenn auch nur für eine Nacht, aber das genügt ihm. Einesteils.
Er seufzt leise. Morgen, ja morgen würde er sich auf die Suche nach einer geeigneten Unterkunft machen. Er hat zwar nicht sehr viel Geld, aber für etwas Bescheidenes wird es schon reichen.
Ab und an sieht er sich in der Stadt um, schließlich hat er jene in Gedanken schon zu seiner neuen Heimatstadt erklärt. Er ist gespannt, was für Abenteuer ihm hier über den Weg laufen werden.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Chris Ruby am 03. Aug. 2004, 22:29 Uhr
Rubelli merkt wie ihm die Aufmerksamkeit des Elben abhanden kommt und er fühlt sich dabei schmerzlich an Timothy erinnert. Auch er hatte sich bisweilen nicht auf seinen Gesprächspartner konzentrieren können, wenn er in Gedanken bereits wieder bei einer seiner großartigen Ideen gewesen war.
Etwas unschlüssig sitzt Rubelli deshalb an dem Tisch und weiß nicht so recht ob er gehen oder noch einmal versuchen soll ein Gespräch aufzubauen.
Schließlich entscheidet er sich für letzteres und meint vorsichtig mit einem Blick auf das Buch: "Wo wollt ihr in dieser Stadt etwas so offensichtlich wertvolles wegschließen? Noch dazu mitten in der Nacht und bei diesem miesen Wetter."
Hören kann Rubelli es nicht, aber die Kleidung desjenigen Mannes, der sich mittlerweile angeregt mit dem Wirt unterhielt, zeigt ihm deutlich, dass es draußen in Strömen gießen muss.

Und hier in diesem Gasthaus würde ich lieber nichts verstecken wollen. Man weiß nie was für Gesindel sich hier rumtreibt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Olyvar von Tarascon am 03. Aug. 2004, 22:59 Uhr
Olyvar kann nicht glauben, was er da von Borgil zu hören bekommt und um ein Haar hätte er den schönen heißen Met, den ihm eine aufmerksame Schankmaid dankenswerterweise in die Hand drückt, quer über den Tisch geprustet. "Was?" Zischt er ungläubig und starrt den Harfenwirt mit einer Mischung aus Erschrockenheit und aufkeimendem Zorn an. Eine Blutelbin in der Stadt hat ihm jetzt gerade noch zu seinem Glück gefehlt - dieser Tag ist eine einzige Katastrophe und setzt allen vorangegangenen eindeutig die Krone auf. Nicht nur, daß Shyada den Dienst quittiert und der Vampir soviel Ärger gemacht hatte und eines seiner Botenmädchen brutal überfallen und niedergestochen worden war - heute war auch noch ein Narg am Tor erschienen, Ukko im Verlies gelandet, auf ihn warten im Morgengrauen zum zweitenmal drei Hinrichtungen in dieser Woche und seine Frau ist nicht aufzufinden - und jetzt auch noch das. "Borgil," knurrt er, "sagt mir, daß das nicht wahr ist. Was bei allen Höllen habt Ihr Euch dabei eigentlich gedacht?!" Der sonst so unerschütterliche Zwerg übergeht seinen Einwand und erklärt hastig und ziemlich aufgewühlt von seinem Gast, bis Olyvar schließlich irgendwann götterergeben nickt. "Also schön. Also schön. Ich lasse nach ihr suchen. Unauffällig," schnaubt er. "Und Ihr und alle Eure kleinen Vögelchen werden auch nichts anderes tun. Himmelgötternochmal!" Er fährt sich mit den Händen durch das feuchte Haar, löst das Lederband, das es im Nacken zusammenhält und leert seinen Metkrug.  "Ich hoffe nur, daß es nicht schon zu spät ist und wir eine tote Blutelbin irgendwo in der Gosse finden," faucht er ungeduldig und verärgert und kramt nach ein paar Kupferlingen für seinen Met. "Ich setze ein paar Späher und ein paar Männer auf sie an und  ich will tägliche Berichte, ob sie irgendwo gesehen worden ist. Ihr habt Eure Augen und Ohren doch ohnehin überall, Borgil. Verdammt nochmal, das hat mir gerade noch gefehlt und in zwei Wochen steht das Sommerfest vor der Tür!" Seine noch immer nassen Beinkleider und den noch nässeren Umhang ignorierend steht er auf, wirft die Münzen auf den Tisch und stapft hinaus - für heute hat er genug schlechte Nachrichten und Ereignisse verdauen müssen. Er will nur noch Kizumu finden und die letzten zwei Wochen einfach vergessen. Bayvard ist wenig begeistert, den trockenen, warmen Stall der Harfe gegen die verregnete, kalte Nacht einzutauschen, aber Olyvar ist nicht mehr in der Stimmung für Mätzchen gleich welcher Art und der Hengst fügt sich kleinlaut. Er hat bereits die halbe Stadt abgesucht, aber im Nordviertel bei Morgana oder noch weiter bei Niniane war er noch nicht, also schlägt er den Weg dorthin ein.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Chenyas am 04. Aug. 2004, 14:20 Uhr
Instinktiv zieht Chenyas den Folianten näher zu sich heran, die Worte Rubellis hallen dumpf in seinem Kopf nach und er wendet den Kopf und schau sich die übrigen Gäste an. Er hat Recht, denkt er, es regnet draußen in Strömen. Wie man doch alles andere um sich herum vergisst, wenn man ein Dach über dem Kopf hat. Gedankenverloren streicht er sich einige Haarsträhnen aus dem Gesicht, die ihm in die Stirn hängen, und wendet dann dem Gaukler wieder seine Aufmerksamkeit zu.

"Ihr sprecht wahr, Rubelli; mir war gar nicht bewusst, dass draußen solch ein Wetter tobt. Nun, dann werde ich meinen Spaziergang wohl verschieben müssen oder einfach das Fenster über Nacht offen stehen lassen." Er lächelt verhalten und überlegt, wie er das Gespräch mit dem Artisten wieder vorantreiben kann, da fällt ihm plötzlich etwas ein, worüber er sich vorhin bereits sehr gewundert hatt.

"Der Wirt", beginnt er zu sprechen und seine Pupillen wandern in Richtung Borgils, der nicht unweit von ihrem Tisch entfernt steht, "er hat mich vorhin darum gebeten, jegliche Art von Zauberei und Magie unter seinem Dach zu unterlassen. Es scheint wohl in naher Vergangenheit einige Zischenfällt in dieser Richtung gegeben zu haben, ansonsten würde er dies wohl nicht so ausdrücklich betonen." Er fährt sich mit dem Handrücken über den Mund und wirft einen raschen Blick auf das Buch, dann spricht er weiter. "Obwohl, vielleicht will er dadurch auch nur sichergehen, dass seine übrigen Gäste nicht geängstigt werden. Ich kann über diese Stadt nichts sagen, aber Magie scheint allgemein reichlich argwöhnisch betrachtet zu werden. Mir dünkt, die Menschen haben großen Respekt vor etwas, was sie sich mit ihrem Denken nicht erklären können. Und welcher Bauer ist schon in die Gesetze von Wissenschaft und Zauberei eingeweiht?!"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Narwain am 09. Aug. 2004, 01:49 Uhr
Es ist spät geworden.  Seit ein paar Stunden erst ist Narwain in der Stadt, aber die Reise nach Talyra war anstrengend und viel hat sie noch nicht gesehen.  

Die Stadt ist noch viel schöner als alle erzählen ... soviele unterschiedliche Wesen, denkt sie sich als sie endlich vor der Goldenen Harfe ankommt.
Sie hatte sich doch verlaufen und das obwohl die Händlerfamilie mit denen sie nach Talyra gereist war, ihr mehrmals den direkten Weg erklärt hatte. Narwain lächelt als sie an die zahlreichen gestenreichen Wegbeschreibungen denkt.  

Unverzüglich betritt Narwain das Wirtshaus.  Trotz der fortgeschrittenen Stunde tummeln sich noch zahlreiche Gestalten in der auf den ersten Blick sofort gemütlich wirkenden Stube.  Sie läßt einen kurzen Moment ihren Blick schweifen und setzt sich dann an den noch freien Tisch direkt neben der Eingangstüre.  
Hoffentlich hat der Wirt noch ein Bett frei für die Nacht ... aber erstmal einen Augenblick entspannen
Narwain legt ihre Beine quer auf die Eckbank und schaut sich abermals Gedankenverloren in der Wirtsstube um.


Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Chris Ruby am 10. Aug. 2004, 12:40 Uhr
"Keiner!" ist Rubellis schlichte Antwort, der nur allzu gut nachempfinden kannt was der Elb meint.
"Viele von ihnen halten schon die magischen Tricks der Zauberer unter uns Ausstellern schon für Magie.  Das macht ihnen nicht unbedingt Angst, aber sie fühlen sich minderwertig, weil ihnen eine solche Gabe nicht in die Wiege gelegt worden ist. ... Wie oft haben sie uns deshalb schon aus ihren Städten gejagt."
Rubelli stößt einen langen Seufzer aus und scheint kurz in weniger angenehmen Erinnerungen gefangen zu sein, bevor er nach seinem Krug greift und einen tiefen Schluck daraus nimmt. Als er ihn wieder absetzt, meint er nachdenklich: "Ich kann es dem Wirt also nicht verübeln, wenn er Magie unter seinem Dach nicht zulässt. Allerdings frage ich mich wie er es bemerken, geschweige denn verhindern will, wenn sich mal jemand nicht daran hält."

Und wie steht es mit ihm? Kann er wirklich zaubern? Dem Buch nach könnte es durchaus möglich sein ... es sieht ziemlich alt aus. Aber muss es deswegen gleich ein magisches Buch sein?

Rubelli kann es nicht sagen, denn es gelingt ihm nicht den verschlungenen Linien auf dem Buchdeckel eine Bedeutung zuzuordnen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Chenyas am 10. Aug. 2004, 13:29 Uhr
Der Elb schnaubt verächtlich, als Rubelli das Beispiel mit den Zauberern anführt. Allzu bekannt ist ihm diese Haltung der Menschen den Schaustellern gegenüber, schließlich hat er auf seiner Reise nach Talyra genug Zeit gehabt, um sich ein Bild davon zu machen.

"Ihr sagt es! Da kleidet sich ein Mann in weite Gewänder und schon munkelt man, er könne zaubern. Und sobald er dann auf einer Kiste vor der Menge steht und ein paar Münzen verschwinden lässt - und das nicht, weil er zaubern kann, sondern nur, weil er seine Hände geschick und flink zu nutzen weiß! - ja, da staunen die Zuschauer und laute Ahs und Ohs schwirren von Mund zu Mund! Die Menschen lassen sich nur allzu schnell täuschen, viel einfacher noch sind sie zu verwundern. Und dabei kommt ihnen jegliche Fantasie abhanden - sie glauben nur das, was sie vor sich sehen, und selbst der einfachste Handgriff eines Säckelschneiders kann sie in reges Erstaunen evrsetzen." Chenyas lässt die Hand langsam sinken, mit der er seinen Worten Nachdruck verliehen hatte, und blickt den Artisten an wie einer, der ihn schon lange kennt. Der Schausteller ist ihm sympathisch, denn anscheinend scheinen sich ihrer beider Lebensnsichten recht nahe zu sein, geht man von dem aus, was der Elb bisher von Rubelli erfahren hat. Beiläufig greift er nach seinem Kelch und leert ihn in zwei Zügen, mit zufriedenem Lächeln stellt er ihn wieder auf den Tisch und beugt sich dann vor, um seinem Gegenüber näher zu sein, ehe er mit leiser Stimme und halbgeschlossenen Augen spricht.

"Was den Wirt betrifft ... Zwerge haben von Natur aus nichts mit Magie am Hut, wenn es stimmt, was man sich erzählt. Dieser hier scheint mir bodenständig zu sein, ein ehrbarer Zeitgenosse, der sich lieber auf Verstand und Stärke verlässt, als einem Zauber Glauben zu schenken."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 13. Aug. 2004, 11:39 Uhr
Zum Glück erscheint kurz nach Hallas Gespräch mit Borgil Olyvar von Tarascon, und Borgil eilt direkt zu ihm und erzählt ihm von dem Verschwinden der kleinen Blutelbin. Halla atmet erleichtert auf, Olyvar wüsste schon was zu tun ist und wenn erst mal alle Blaumäntel wissen, dass sie gesucht wird, wird man sie sicher schnell finden. so begibt Halla sich wieder hinter den Tresen und macht sich daran, das Chaos, das mittlerweile dahinter herrscht, aufzuräumen. Der Elb hat sich wohl mit dem Schausteller angefreundet und die Beiden sind in ein Gespräch vertieft, das Halla auch nicht unterbrechen möchte. Als sie nach einigen Augenblicken wieder aufsieht, entdeckt sie ein neues Gesicht in der Harfe und zwar ein ganz neues, das sie hier noch nicht gesehen hat.

Die Frau, die recht klein wirkt, hat einen langen Zopf, der ihr über die Schultern fällt. Obwohl sie klein ist wirkt sie nicht zierlich, eher so wie Halla selbst, nämlich etwas kräftiger. Halla wischt sich die Hände an ihrer Schürze ab und geht dann auf den Nauankömmling zu. Oft ist die Harfe der erste Anlaufpunkt für Neulinge in der Stadt und viele suchen hier nicht nur eine Unterkunft, sondern auch Auskünfte über die Stadt. Mit einem freundlichen Lächeln auf dem Gesicht tritt Halla an den Tisch der Frau und freut sich, dass sie nicht aufblicken muss, um ihr ins Gesicht zu sehen. "Seid Willkommen in der Goldenen Harfe, darf ich euch etwas bringen?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Narwain am 16. Aug. 2004, 08:55 Uhr
Fast bereits in einen verträumten Schlaf gefallen, schreckt Narwain unverzüglich auf, als sie dicht neben sich eine Stimme vernimmt.  Vor ihr am Tisch steht eine kleine Frau.  
„Eine wirklich gemütliche Stube trotz des Getümmels, so war ich fast eingeschlafen“ lächelt sie die Magd etwas beschämt an.
„Ich bin ich auf der Suche nach einer Unterkunft ... auch wenn nur für eine Nacht. Es ist etwas kurzzeitig aber man sagte mir ich würde hier vielleicht fündig..?" Ohne eine Antwort abzuwarten fügt sie noch zügig hinzu:  "Zudem nehm ich einmal das Tagesgericht und einen Becher Wein".  
Narwain hält hastig inne. Wie sie es hasste, wenn sie ohne Halt drauflos schweifte wie ein Wasserfall, aber sie war nach Zeiten der Reise einfach zu erschöpft und unkonzentriert, voller sehnsüchtiger Erwartung auf eine Kammer mit einer Schlafmöglichkeit, die nicht den Launen der Natur ausgesetzt war.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 16. Aug. 2004, 09:58 Uhr
Halla muss sich ein Schmunzeln verkneifen, als die Frau aus ihrem Halbschlaf aufschreckt und so wird Hallas Lächeln nur ein wenig breiter. Die Frau redet schnell, aber das ist Halla gewöhnt und sie hört ruhig zu bis die Frau geendet hat.

"Ein Zimmer haben wir noch und ihr habt Glück, wenn die Karawane kommt und das Sommerfest beginnt, würdet ihr wohl kein Zimmer mehr bekommen." Halla erklärt der Frau dann noch wie teuer das Zimmer ist, wo es liegt, und dass sie ihr den Schlüssel dann gleich mitbringt, wenn sie den Wein bringt.Halla lächelt noch einmal kurz und geht dann in die Küche um die Bestellung durchzugeben, dann zur Theke um den Becher Wein fertig zu machen und den Schlüssel für das Zimmer vom Bord zu nehmen.

Halla nimmt den leichten Sommerwein der rosefarben in dem Becher funkelt, als sie diesen zurück zu dem Tisch bringt , an dem die Frau sitzt. Dort stellt sie den Becher vor die Frau ab. "Das Essen dauert noch einen Moment, wenn sonst noch irgendetwas ist, sagt mir oder einem der Mädchen Bescheid." Ein weiteres warmes Lächeln umspielt Hallas Mund, ehe sie sich wieder der Theke zuwendet, an der sich gerade ein paar Handwerker eingefunden haben und lauthals nach etwas verlangen, das ihre ausgetrockneten Kehlen befeuchtet.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Chris Ruby am 16. Aug. 2004, 12:28 Uhr
"Ich habe auf meinen vielen Reisen noch nie einen Zwerg gesehen, der nicht bodenständig gewesen wäre."
Auf Rubellis Gesichtszügen zeigt sich ein breites Grinsen und ein spitzbübisches Funkeln stiehlt sich in seine geschminkten Augen. Er hätte nicht gedacht, dass er - nach den letzten Tagen einfacher Arbeit auf dem Marktplatz - in dieser Stadt tatsächlich mal einen Gesprächspartner finden würde, der ihm wirklich gefiel. Tatsächlich ist es eher selten der Fall, dass sich Rubelli mit jemanden auch nur ansatzweise anfreundet, weil seine Lebensweise nur wenigen gefiel.

"Und unser gemütlicher Gastgeber ist - wie ihr bereits sagtet - mit Sicherheit auch jemand, der sich nicht so leicht aus dem Konzept bringen lassen wird."
Damit dreht er seinen Kopf wieder soweit, dass er den Zwerg im Blickfeld hat. Dem Elben sein Profil zeigend, meint er halb grinsend, halb besorgt: "Insofern sehe ich heute ein Novum. Ich habe einen Zwerg wohl noch nie so aufgebracht gesehen. Ich hoffe mal, dass wir uns deswegen keine Sorgen machen müssen."
Rubellis gewählte Worte und der nun gut sichtbare goldene Ohrring scheinen Rubellis grellen Aufzug irgendwie nicht gerecht zu werden, aber in der Hektik des sich füllenden Gastraumes würde es wohl nur einem konzentrierten Beobachters wirklich auffallen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nguyen am 19. Aug. 2004, 07:13 Uhr
Nachdem er gut die halbe Stadt durchlaufen hat erreicht der Wanderer das Gasthaus mit dem Namen „Goldene Harfe“. Die alten Mauern des Gebäudes wirken einladend auf ich, da sie ihn durch den wuchernden wilden Wein ein wenig an seine Heimat erinnern. Auch das Strohgedeckte Dach wirkt vertraut. Vor dem Eingang, schweren Holztüren auf denen in goldener Farbe eine Harfe dargestellt ist, sieht er einen kleine Grünfläche auf der sogar ein paar Bäume stehen. Bänke und Tische befinden sich hier ebenfalls und auf ihnen haben sich einige Leute niedergelassen die dort ihr Mahl einnehmen, trinken und sich unterhalten. Lächelnd geht er weiter vor und schaut sich noch immer alles genau an.

Bald öffnet er die Türen, die obwohl sie schwer und solide wirken gut geölt und leicht zu öffnen sind. Er tritt in das Innere der Harfe und geht sofort bis zur Theke vor. Dort bestellt er sich erst mal einen guten Wein und ein deftiges Mahl, denn nach der langen Reise verlangt es seinen Magen einmal wieder nach Erlesenem. Die selbstgekochten Karnickel und das Essen der Gasthäuser entlang der Südstrasse war zwar nicht schlecht, aber vergleichbar mit dem was seine Nase ihm nun schon verkündet ist es sicher nicht.

Während er noch auf das Essen wartet und sich schon einmal an dem Wein erfreut, klärt er noch mit dem Mann hinter der Theke die Zimmerfrage ab. Fast hatte er befürchtet zu dieser Zeit und mit dem schon begonnenen Sommerfest kein Zimmer mehr zu bekommen, doch der Mann beruhigt ihn. Dadurch das ein Gast schwer erkrankt ist und zu einem der lokalen Heiler verlegt wurde ist noch genau ein Zimmer frei. Sodann überlegt er nicht lang und mietet sich erst einmal für die Zeit des Sommerfestes und die darauffolgende Woche die Räumlichkeit im ersten Stock des Gebäudes. Zwar bedauert er es insgeheim das keine Zimmer auf Bodenhöhe zu Verfügung stehen, doch das muss reichen. E bezahlt direkt im voraus, nimmt den Schlüssel entgegen und setzt sich dann, da auch schon das Essen gebracht wird.

Nachdem er mit dem wirklich opulenten Mahl fertig ist, begibt er sich erst einmal hoch auf das Zimmer um sich ein wenig, vielleicht für ein Stündchen oder zwei, auszuruhen. Kaum hat er die Robe abgelegt, den Stab in die Ecke gestellt, direkt neben seinen großen Rucksack, und sich kurz aufs Bett gesetzt, da sackt er auch schon auf demselben zusammen und schläft fast auf der Stelle ein. Das weiche Bett nach Tagen des Schlafens im Wald auf hartem Boden hat seinen Körper davon überzeugt die Gelegenheit doch beim Schopfe zu packen...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Yasmina am 19. Aug. 2004, 14:10 Uhr
Nachdem sie sich von Varin verabschiedet hat, steigt Yasmina die Treppe hinauf zu jenem Raum den der Wirt heute nachmittag noch zur Verfügung hatte.
Sie öffnet die Tür, die in die winzige Kammer führt und die Hitze, die sich unter dem Dach besonders sammelt, schlägt ihr entgegen.

Sie öffnet das kleine Fenster, um etwas Frischluft in den Raum zu lassen. Als sie hinaus blickt, sieht sie den Ildorel und durch das geöffnete Fenster hört sie die Geräusche der Stadt.

Felian hat sofort das Bett besetzt und gedenkt nicht es zu teilen, doch Yasmina schiebt ihn ein Stück zur Seite.
Sie zieht ihre Kleider aus und legt sich hin.
Von unten hört man das geschäftige Treiben, das von den Vorbereitungen für das morgige Fest kündet, und das mit Sicherheit noch andauern wird. Trotzdem schläft Yasmina recht bald ein und erwacht erst am Morgen wieder.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Chenyas am 19. Aug. 2004, 21:13 Uhr
"Nein, nein, Sorgen werden wir uns deshalb sicherlich keine machen müssen, das versichere ich Euch." Er schnekt Rubelli ein Lächeln und lehnt sich entspannt auf seinem Stuhl zurück, lässt seinen Blick einige Momenten über das rege Treiben schweifen, in dessen Mitte sie noch immer sitzen. Während er so dasitzt, kommen ihm die merkwürdigsten Gedanken - er sinniert über seine Pläne für die kommenden Tage und auch über den Artisten auf dem Stuhl gegenüber, der ihm gerade wieder einen evrstohlenenn, aber keineswegs unfreundlichen Blick zuwirft. Wüsste der Elb es nicht besser, er nähme an, Rubelli wolle sich an ihn halten. Ach, dieser Gedanke ist lächerlich!, schießt es ihm durch den Kopf, ein Schausteller kann auf sich selbst achten, ansonsten wäre er bisher nicht weit gekommen.

Es vergehen Minuten ohne Unterhaltung, ab und zu treffen sich ihre Blicke wie zufällig; der Elb ahnt, dass dieses Gespräch langsam am Ende angelangt ist, doch eigentlich möchte er die Gesellschaft Rubellis nicht allzu schnell verlassen. Daher denkt er angestrengt darüber nach, was er nur sagen könnte, doch ihm will so recht nichts einfallen. Säße ihm gegenüber nun ein Magier, jemand, der bewandert ist in Belangen der Zauberei, dann könnte er versuchen, das Gespräch auf das Buch zu lenken - natürlich unmerklich und vorsichtig, Verdacht dürfte er keinen erwecken, zumindest noch nicht zu diesem frühen Zeitpunkt. So aber bleibt ihm dieses Gesprächsthema verwehrt, abermals lässt er seine Fingerspitzen über den Einband des Buches gleiten, fährt mit geschlossenen Augen die Konturen und Gravuren nach, die Maserung, die Struktur der Seiten; und doch fühlt er sich unwohl in dieser Stille.

Mit einem Ruck schiebt er seinen Stuhl mit dumpfem Geräusch zurück und erhebt sich, eine Hand nachwievor auf dem Buch ruhend. "Freund Rubelli", spricht er den Artisten mit fester Stimme an, "ich danke Euch für die Unterhaltung, ich habe Eure Gesellschaft genossen. Haltet mich nun bitte nicht für unhöflich, aber ich muss an die frische Luft, dieses Wirtshaus engt mich ein mit seinen krummen Gestalten." Verstohlen blickt er auf einen Tisch neben dem ihrigen, an welchem eine Gruppe Kobolde soeben mit einem rüden Würfelspiel begonnen hat, dann spricht er weiter. "Vielleicht wollt Ihr mich begleiten? Es lässt sich womöglich freier miteinander sprechen, so wir unter uns sind." Fragend blickt er auf den Schausteller hinab, welcher etwas verblüfft dreinschaut ob dem plötzlichen Abbrechen der Unterhaltung.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nguyen am 20. Aug. 2004, 12:36 Uhr
Als Nguyen wieder erwacht steht die Sonne schon weiter am Himmel. Da er am Tag zuvor die Vorhänge nicht zugezogen hat fällt das Licht direkt auf das Bett und auf sein Gesicht. Leise murmelnd erwacht er dadurch, reibt sich die Augen und versucht sich schnell daran zu erinnern wo er ist und was er hier tut. Talyra.... das Sommerfest... genau...
Noch die Trägheit des Schlafes, der eigentlich viel zu kurz gewesen ist, in den Gliedern erhebt er sich und geht, nach etwas ausgiebigem Strecken um auch den letzten Winkel des Körpers daran zu erinnern das nun wieder Aktivität angesagt ist, zum Fenster um die einen ersten Blick nach draußen zu erhaschen.

Als er auf die Strasse etwas unterhalb des Fensters blickt sieht er das alles außer ihm auf den Beinen zu sein scheint um das Sommerfest und den dazugehörigen Shenramarkt, von dem er am Tag zuvor schon einige Eindrücke sammeln konnte, zu begehen.
Hastig eilt zu einem bereitgestellten Wassertrog, wohl noch vom Vorbesitzer des Zimmers geordert, um sich für den Tag frisch zu machen. Besonders die Haare nehmen eine Zeit in Anspruch. ..und das wo ich es eilig habe hinaus zu kommen... Nachdem das dann vollbracht ist packt er seinen Reiserucksack aus und legt die beiden anderen sich in ihm befindenden Roben auf das Bett.

Er wählt die weiße Robe für den heutigen Tag aus. Schließlich ist es seine Festrobe. Sie ist in einem hellen, fast leuchtenden Weiß gehalten und aus der feinen Seide gemacht für die seine Familie so berühmt ist. Die Ränder und Säume der Robe sind mit einem breiten schwarzen Streifen versehen auf dem in Weiß eine Runenschrift steht. Den Rücken der Robe ziert das Wappen seiner Familie, ebenfalls in reinem Schwarz gehalten. Schnell zieht er sich an, betrachtet sich kurz im Spiegel und korrigiert dann deren Sitz an einigen Stellen noch etwas nach.

Dann eilt er nach unten in die Gaststube, nicht ohne vorher die Tür zum Zimmer zu verriegeln, registriert das es hier einigermaßen leer ist, und durch selbige hindurch auf die Strasse, die im Gegensatz zum Schankraum einem Bienenstock gleicht. Für ein Frühstück, für das es eigentlich auch schon zu spät ist, hat er jetzt keine Zeit. Zu viel des Morgens ist schon vergangen und sicherlich gibt es auf dem Markt genug Essbares zu ergattern. Innerlich verflucht er das er so lange geschlafen hat. Sicherlich wird ihm am Abend genau diese Zeit fehlen.

Leise murmelnd tritt er auf die Strasse und fügt sich in den Strom der Menschen ein. Fast natürlich wird er so zum Shenramarkt getrieben und schon von Weitem riecht und hört er diesen Ort.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 20. Aug. 2004, 23:47 Uhr
Knurrend und schwitzend taucht Borgil aus den Kellern unter der Schankstube auf, wo er sich vergewissert hat, dass der Wein die richtige Temperatur hat und alles für das Fest morgen bereit ist. Noch während er die ausgetretenen Steinstufen hochkeucht, teilt er schon Kommandos an das Küchenpersonal und die Mägde aus und sein kritischer Blick unter den unmutig gesträubten Augenbrauen schweift durch die Schankstube wie der eines Feldherren, der sein ausrückendes Heer begutachtet, das in die Schlacht zieht.  
"Seid ihr allein draußen im Harfengarten oder sind da noch mehr von euch Hühnern? Ich kann die Gäste bis hierher nach Met brüllen hören!" blafft er eines der Mädchen an, die nur mit hochrotem Kopf nicken kann und ihr schwer beladenes Tablett nach draußen balanciert. Borgils wache Augen unter den struppigen Brauen funkeln beim Anblick seiner vollen Harfe, ausgebucht bis auf die allerletzten Schlafrolle auf dem Heuboden. Doch gleich drauf wird seine Aufmerksamkeit von einem ganzen Schwung neuer Gäste angezogen, die durch die Tür in die frisch gewienerte Schankstube drängen. Borgil wischt sich die nassen Hände an der Schürze ab, stapft um den Tresen herum und schiebt die Neuankömmlinge, eine Gruppe Gaukler, energisch wieder nach draußen. "Die Harfe ist voll", grunzt er, "wir haben kein einziges Zimmer mehr frei, gute Leute, sogar die Dachkammern sind belegt - versucht Euer Glück in einem anderen Gasthaus oder sucht Euch einen Heuschober, hier passt keine Maus mehr herein!"  

Murrend ziehen die Leute ihres Weges, während Borgil wieder hinter seinen Tresen rauscht. Im Moment hat er andere Sorgen, als sich mit einer Truppe Gaukler aufzuhalten und es gibt weitaus wichtigere Dinge, die den Zwergenwirt beschäftigen - das morgige Festmahl, das Sommerfest ganz allgemein und vor allem sein entfleuchter Schützling. Zweifelnd mustert er das Innere der Harfe - mittlerweile ist sie auf Hochglanz poliert, feierlich geschmückt, und auch der Garten draußen ist bereit für die Gäste, die bald eintreffen werden. Mit einem tiefen Seufzen wendet sich der Zwerg wieder den Bierfässern zu. Durch eines der offenen Fenster fällt sein Blick auf ein nur allzu bekanntes Gesicht draußen im Harfengarten und er nimmt sich vor, rasch zu Olyvar hinauszugehen, sobald er sich hier würde losreißen können. "Hallaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa! Wo steckst du zum Donnerdrummel? Sind die Servierjungen alle draußen bei den Ochsenspießen? Himmeldonnerernochmal, ich weiß bald nicht mehr, wo mir der Kopf steht! Hier, du da, lauf und sag Grid bescheid, ich brauch fünf weitere Mädchen für morgen und zwar in der Frühe. Ist mir egal, wo sie sie auftreibt!" Er eilt hinter seinem Tresen hervor und nestelt sich dabei seine Schürze ab. "Hier, halt das mal, ich bin gleich zurück!" Wenn er jetzt nicht hinaus zu Olyvar ginge, würde er den Lord Commander den ganzen Abend nicht mehr zu Gesicht bekommen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 21. Aug. 2004, 11:38 Uhr
Halla ist gerade oben im ersten Stock, wo sich zwei Gäste um ein Zimmer streiten, da sie meinen sie hätten beide dasselbe gebucht. Marthea, hatte nach Halla rufen lassen, da sie die beiden nicht beruhigen konnte. Halla war mit rollenden Augen nach oben gestampft, als wenn sie nichts anderes zu tun hätte an so einem Tag. Die beiden Gäste stehen sich wie zwei Kampfhähne gegenüber und blitzen sich aus wütend funkelnden Augen an. Halla stellt sich zwischen die Beiden, die jeweils zwei Köpfe grösser sind, als Halla selber, und stemmt die Hände in die Hüften. "Würden sie so freunlich sein und mir bitte beide einmal ihre Schlüssel zeigen?" Ihr Ton ist noch feundlich, aber ihr Gesichtsausdruck zeigt, dass sie keinen Widerspruch dulden würde. Die beiden Gäste überreichen ihr murrend die Schlüssel. Halla schaut kurz auf die kleinen Schilder, die an ihnen hängen und sieht das beide eigentlich ihr richtiges Zimmer gefunden haben.  Allerdings hatte der eine Zimmer 9 und der andere Zimmer 6 und da die beiden wohl  soviel von Zahlen verstanden, wie eine Kuh vom Schwimmen, war es zu diesem Streit gekommen. Mit ruhigen Worten erklärt Halla dies den Beiden und gerade als sie ihnen die Schlüssel wieder übergibt ertönt von unten ein langezogenes ' HAAAAAAAALLLLLLLLLAAA'. Die Stimme ist unverkennbar die von Borgil. Halla seufzt kurz auf entschuldigt sich bei den Gästen mit den Worten: "Ich denke es ist alles nun geklärt, wie sie hören habe ich noch etwas anders zu tun, wenn sie dann jetzt in ihre Zimmer gehen würden, wäre es sehr nett. Ich wünsche ihnen ein schönes Sommerfest." Dann verschwindet sie rasch wieder die Treppe hinunter und kann gerade noch sehen wie Borgil in den Garten eilt.

In der Schankstube steht ein verdattert dreinblickendes Schankmächen, das Borgils Schürze in den Händen dreht. Halla geht zu ihr hinüber und holt sie aus ihren Träumereien. "Würdest du mir bitte Borgils Schürze geben, ehe du sie ganz  zerknuddelst und Borgil sie nicht mehr anziehen kann, und dann mach dich wieder an die Arbeit, du siehst doch was hier los ist!" Eilig überreicht das Mädchen Halla die Schürze und macht sich sofort daran, die leeren Gläser abzuräumen. Halla schüttelt kurz den Kopf und geht dann hinüber zum Tresen, wo eigentlich ihr Platz ist, wenn Borgil nicht da ist. Die Harfe ist dermassen überfüllt, das Halla bald nicht mehr weiss, wo sie ihre Hände als erstes hintun soll. Ohne Pause zapft sie grosse Humpen Bier, füllt Hörner mit Met und feine Gläser mit Wein. Der Uisge Beatha fliesst in Strömen und die Gäste werden immer ausgelassener. Mindestens zehn Neuankömmlinegen muss Halla sagen, dass noch nicht einmal ein Plätzchen auf einer der Bänke frei wäre um hier zu nächtigen und verweist sie an den Aal, Pfirsich oder Kupferkessel.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Chris Ruby am 21. Aug. 2004, 13:53 Uhr
Auch Rubelli war etwas in Gedanken abgedriftet, aber das Schweigen zwischen dem Elben und ihm hatte ihn nicht gestört; was ihn tief in seinem Herzen gewundert hatte, denn es gab nur wenige mit denen man ohne das drängende Gefühl nach Worten zusammen sitzen konnte.
So schreckt er leicht hoch, als der Elb ihn wieder anspricht, aber sein Lächeln kehrt schnell zurück.

Freier sprechen? ... Inwiefern freier sprechen? Und worüber?

Rubelli wird hellhörig und das Funkeln in seinen grauen Augen verstärkt sich. Von Natur aus neugierig, angelt er nach seinem Beutel und schiebt seinen Stuhl zurück.
Noch während er seinen Beutel schultert, meint er mit einem Nicken: "Gerne werde ich euch ein Stück des Weges begleiten. Ich muss ohnehin die Stadttore erreichen, bevor sie geschlossen werden, denn mein Wagen steht vor den Toren der Stadt."
Mit einer leicht spöttisch anmutenden Geste, winkt er dem Elben voraus zu gehen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 22. Aug. 2004, 11:19 Uhr
Wenn Borgil die Aussicht, morgen lange vor Sonnenaufgang aufstehen zu müssen schon halbwegs wieder zu sich gebracht hatte - die Tatsachen, daß er mit Halla in einem Gewirr von Armen und Beinen in sein Bett kippt, ihm ein steinharter Schädel unter lavendelduftenden Locken hart vor die Brust schlägt und er den Rand ihres Mieders samt dessen entzückenden Inhalt plötzlich keinen Sekhel mehr entfernt vor seiner Nase hat, lassen ihn augenblicklich so nüchtern werden wie ein Schwein im Eichenwald. Halla starrt ihn an, starrt auf ihren Ausschnitt, starrt wieder in sein Gesicht, auf dem sich langsam ein wahrhaft dämonisches Grinsen ausbreitet und läuft vom Dekolleté bis zu den Ohrenspitzen knallrot an. "Aber Halla... ein Anschlag auf meine Tugend und das in meinem Zustand?" Lautloses Lachen erschüttert seine Brust und bringt damit auch Halla ins Wanken. Sie stammelt etwas von "Verzeihung! Tut mir so leid, Meister Borgil... Entschuldigung, huch... ach... Missgeschick" und so fort und versucht recht erfolglos, sich hastig aufzurappeln - dummerweise haben sich ihre Röcke jedoch zum Großteil unter seinen Beinen verfangen und er ist nicht mehr wirklich in der Lage, sich auch nur einen sekhelbreit von der Stelle zu rühren. Abgesehen davon hält er sich geistesabwesend immer noch an ihr fest und gewisse andere Körperteile scheinen vom Uisge weit weniger betroffen, als sein umnebelter Verstand und entwickeln ein bedenkliches Eigenleben - kein Wunder schließlich liegen die Rundungen, von denen er im Harfengarten noch so geschwärmt hatte, der Länge nach auf ihm. Allerdings ist er dazu nun beim besten Willen nicht mehr in der Lage - genaugenommen ist er zu überhaupt nichts mehr in der Lage. Und Halla hat wissen die Götter etwas besseres verdient als mich. Irgendeinen jungen, hübschen Bengel, der ihr ordentlich den Hof macht und beizeiten... Himmelgötternochmal, das Mädel ist ja noch Jungfrau. Denke ich doch. Hoffe ich doch. Doch. Irgendwie. Heilige Radegund, was für ein Hintern! Zeitgleich mit dieser Erkenntnis senken sich seine Hände auf der Suche nach einem Schlafplatz gnadenlos auf  ebenjenen Teil ihrer Anatomie und Borgil sinkt mit leerem Blick und einem breiten, entzückten Grinsen im verträumten Gesicht in die tiefe Bewußtlosigkeit eines mittleren Uisge Beatha-Komas.

Das Krähen der Hähne und das Scheppern von Töpfen wecken ihn am nächsten Morgen kurz vor Tagesanbruch in einem Zustand gänzlicher Verwirrung. Er besinnt sich vage darauf, daß irgendetwas nicht stimmt, weiß aber beim besten Willen nicht mehr, was. Er setzt sich jäh auf, aber da die Bewegung seinem Kopf alles andere als wohltut, verfällt er sogleich wieder in Reglosigkeit. Sein Hemd und seine Hosen hat er noch an, ebenso sein Wams, nicht aber mehr seine Stiefel und ein paar lose Weiberröcke liegen quer über seinen Beinen. "Häh?! Die gehören Halla oder ich bin der Riese Ungersvar." Mühsam wälzt er sich aus dem Bett, hält den brummenden Schädel mit beiden Händen fest und wäscht sich mit eiskaltem Wasser, verzweifelt bemüht, das Mysterium um Hallas Röcke in seinem Bett zu lösen. Nachdem er seinen ganzen narbigen Schädel samt Gesicht, Bart und allem einmal komplett in ein Fass mit kaltem Quellwasser gesteckt hat, gewinnt er schockiert sein Bewußtsein wieder. Der Lord Commander! Der Uisge! Der Eselskarren! Halla! Prustend und wasserspuckend taucht er wieder auf, starrt einen Moment die Wand an, wobei er alles im Umkreis von einem Schritt um ihn her volltropft und bricht dann in kicherndes Gelächter aus - was sich bei Borgil in etwa so anhört, als kratze eine Eisensäge durch Steinholz. Erheitert und immer noch glucksend trocknet er sich ab, kleidet sich an, legt den schweren, breiten Ledergürtel mit den Goldmedaillons und den zahlreichen Schlüsseln, Taschen, Beuteln für Geldkatzen und dem kurzen Handbeil an und stapft dann mit einem gefährlichen Glitzern in den Augen in seine Schankstube hinüber.

Am Morgen des Sommerfestes  ist die Harfe leer, die Gaststube und der Schankraum sind mit Blumenkränzen und Gebinden und funkelnden Messingsonnen geschmückt und Borgil hofft nur, daß nicht einige - so wie letztes Jahr - das Sommerfest mit der Inarinacht verwechseln würden. (Das hatte ihn letztes Jahr zwei Tische gekostet, auch wenn es zur allgemeinen Hochstimmung in der Harfe nur beigetragen hatte...) Als er vor die Tür tritt, in die Morgensonne blinzelt und sich rasch vergewissert, daß der Harfengarten ebenso hergerichtet und bereit ist, wie alles andere, fällt sein Blick auf den Marktplatz. Obwohl er schon viele Sommerfeste erlebt hat, und weiß, was ihn erwartet, erstaunt ihn dieser Anblick doch jedes Jahr aufs Neue. Der Tag bricht strahlend und hochsommerlich an, ganz so, als hätte selbst die Sonne ein Einsehen gehabt und den Regen der vergangenen Tage heute zu Ehren Shenrahs verscheucht und Borgil besieht sich mit zufriedenem Grinsen im Gesicht das, was gestern noch der Marktplatz gewesen war und nun anmutet wie ein riesiges Festbankett in einem Blumenmeer mit zahllosen Tischen unter sacht im Wind wehenden Sonnensegeln. Er wirft sich ein weißes Tuch über die Schulter und macht sich auf die Suche nach seiner Obersten Magd, die zweifellos irgendwo auf dem Festplatz bei irgendwelchen letzten Vorbereitungen sein dürfte. Vielleicht will sie ja ihre Röcke wiederhaben.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Yasmina am 23. Aug. 2004, 14:48 Uhr
Yasmina erwacht mit den ersten Strahlen der aufgehenden Sonne. Sie räkelt und streckt sich ausgiebig, erhebt sich und wäscht ihr Gesicht und den Körper.
Nach dieser Katzenwäsche werde ich wohl heute noch in ein Badehaus gehen, dann fühle ich mich etwas wohler.

Sie kleidet sich an und beschliesst etwas essbares zu sich zu nehmen. Während sie in ihre Kleider steigt, bemerkt sie deren Zustand.
Ich muss in der Stadt auch nach neuen Kleidern Ausschau halten. Diese hier müssen gereinigt werden.

Sie beschließt, ihr Frühstück in der Stadt zu erstehen und schlendert über den Marktplatz. Dabei fällt ihr die Schmückung desselben auf und sie hat ein wenig Mühe, sich durch die engen Tischreihen durchzuzwängen.


Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ancoron am 24. Aug. 2004, 00:35 Uhr
Durch das schöne Wetter draußen und das Sommerfest ist in der Goldenen Harfe selbst so gut wie nichts los. Nur eine gelangweilte Mogbar - offensichtlich hat Borgil eine Schwäche für Leute in Zwergen- oder noch geringerer Größe - steht hinter dem Tresen, während ein Knecht den Boden mit einem Reisigbesen fegt.

Diese träge dahintreibende Idylle wird vom Auftauchen des Elben jedoch jäh unterbrochen. Als Ancoron die Tür öffnet und mit Nevermore auf der Schulter und Aelinor neben sich die Schankstube betritt, zuckt die Mogbar zusammen und reißt die Augen auf, bis sie nahezu Untertassen gleichen.

"Aber... aberaber... was ist geschehen?", fragt sie stotternd.
"Ich wünschte, ich könnte es euch sagen.", erwidert Ancoron mit leiser Stimme, "Das Kind ist mir im Wald begegnet und bat mich darum, seiner Mutter zu helfen. Ich solle sie hierher in die Goldene Harfe bringen, dort wisse man Bescheid." Mit stoischem Gesichtsausdruck legt der Jäger die immer noch teilnahmslos wirkende Frau auf eine Bank und bettet ihren Kopf auf ein Kissen, welches der Knecht rasch herbeigebracht hat. Dann wendet sich der Elb wieder der Mogbar zu: "Wo ist euer Herr, der Besitzer dieses Gasthauses?"
Die Frau deutet mit zitterndem Finger auf die Tür der Goldenen Harfe und flüstert: "Draußen, auf dem Marktplatz."
Auf diese Antwort hin nickt Ancoron: "Holt ihn her. Wenn jemand diese Frau kennt und mir sagen kann, wie wir ihr helfen können, dann ist es wohl er." Dann wandert der Blick des Elben wieder zu Aelinor: Oder gibt es jemanden anderen, nach dem oder der ich schicken soll?

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 24. Aug. 2004, 10:01 Uhr
In der Harfe angekommen, bestätigt sich, daß es tatsächlich Nevermore und Aelinor sind, hereingebracht von einem schlanken, blonden Elben, der gekleidet ist wie ein Waldläufer, Jäger oder Pirscher. Borgil nickt ihm nur kurz zu und drückt dann die Kleine an sich. "Aeli! Was treibt ihr nur für Sachen! Wo kommt ihr denn her bei Sils Schmiedeamboß! Ist euch etwas passiert, geht's euch gut? Was ist mit deiner Mutter?" Aelinor klammert sich an seinem Bart fest, als ginge es um das liebe Leben - auf den Gedanken, das Kind könnte ihn nach mehr als einem Jahr nicht mehr erkennen, kommt er gar nicht. Die Hälfte ihres kleinen Lebens hatte das Mädchen in der Harfe mit Bauklötzchen und Stoffpuppen verbracht, in der Küche oder im Hof, im Harfengarten oder unter den Tischen spielend, während seine Mutter gearbeitet hatte. Alle seine Mägde waren völlig vernarrt gewesen in die Kleine, von der dicken Köchin und ihm selbst einmal ganz zu schweigen. Sein Blick trifft den des Elben. "Ihr habt sie hergebracht? Wo habt Ihr sie gefunden? Hat Nevermore irgendetwas gesagt?" Dann dreht er sich zu seiner Schankmagd um. "Steh da nicht rum und halt Maulaffen feil! Richte eine der Mägdekammern her, ein heißes Bad, ein paar frische Kleider, etwas zu Essen, na hopp! Aeli, hast du Hunger?" Er kann sich noch daran erinnern, daß Nevermores kleine Tochter kaum gesprochen und sich viel mit Senden verständigt hatte. Aber so groß wie sie geworden war, sollte sie eigentlich wenigstens ein paar Sätze sprechen können.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ancoron am 24. Aug. 2004, 10:18 Uhr
Bekümmert schüttelt der Elb den Kopf, als Borgil ihn danach fragt, ob sich die Frau in irgendeiner Weise geäußert hat: "Sie hat nichts gesagt, den ganzen Weg über nicht. Ich hätte ebensogut eine Schlafende tragen können. Draußen, bei der hohlen Eiche, habe ich sie gefunden, nachdem Aelinor mich zu ihr hin geführt hat. Hätte sie noch länger im Wald gelegen..."

Ancoron führt den Satz nicht fort. Das braucht er auch gar nicht, der Zwerg weiß auch so, was er sagen will. Doch als der Zwerg Aelinor anspricht, meldet der Elb sich abermals zu Wort: "Ich fürchte, sie kann euch nicht antworten. Sie beherrscht offenbar nur die geistige Kommunikation. Zumindest hat sie ausschließlich auf diese Weise mit mir gesprochen und ich habe nicht erlebt, daß auch nur ein artikulierter Laut über ihre Lippen gekommen wäre. Und... Bitte verzeiht, wenn ich euch zu nahe trete. Daß sie Hunger hat, ist deutlich zu sehen. Leider hatte ich nichts Eßbares dabei, doch ich wäre euch dankbar, wenn ihr sowohl dem Kind als auch der Frau etwas Nahrhaftes zukommen lassen könntet. Ich werde es euch selbstverständlich bezahlen, wenn ihr wünscht."

Ancoron hebt bedauernd die Schultern, weil er dem Zwergen nicht mehr Auskünfte erteilen kann, so gerne er es möchte.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 24. Aug. 2004, 18:24 Uhr
Nevermore merkt nichts davon, wie der Elb sie in die Harfe gebracht hat, und wie dort nach ihrer Ankunft hektische Betriebsamkeit ausbricht. Ihr Geist bewegt sich in einer Phantasiewelt, in der Reed mit der kleinen Aelinor spielt, als wäre sie sein eigenes Kind, und der Traumwächter nachts Aelinor vor Alpträumen beschützt...

Aelinor ist furchtbar müde. Nur zum Essen hält sie noch die Augen offen, und Borgil, der entschlossen zu sein scheint, sie heute nicht mehr aus seinem Arm zu lassen, muss sie füttern und später ins Bett bringen. Für's Erste sind sie in Sicherheit, und bald wird Nevermore geholfen werden...

Danke, Ancoron. Wir werden euch eure Hilfe nie vergessen! Bitte sagt Borgil auch in Mamas und meinem Namen danke. Ihr müsst entschuldigen, ich habe mir nie die Mühe gemacht, verbal sprechen zu lernen... Diesen Körper besitze ich erst seit 3 Jahren und bis jetzt kam ich immer gut so zurecht.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ancoron am 24. Aug. 2004, 19:57 Uhr
Der Elb bleibt noch eine Weile bei Nevermore und Aelinor. Schließlich ist er sich sicher, daß es der Frau und ihrem Kind gut gehen wird.

Auf die Sendung Aelinors hin lächelt Ancoron und nickt:
Gern geschehen, Aelinor. Ich hoffe, daß deine Mutter sich bald erholt. Wir werden uns sicher bald wiedersehen. Und vielleicht sollte es dir doch ein Anliegen sein, sprechen zu lernen. Es erleichtert dir den Umgang mit den Leuten um dich herum.

Nach diesen Worten, die außer Aelinor niemand mitbekommen hat, wendet sich der Elb nochmals an Borgil: "Es scheint, als kämet ihr gut zurecht, Herr Borgil. Ich soll euch im Namen Aelinors für eure Hilfe danken und füge meinen Dank hinzu. Wenn es euch recht ist, werde ich in den kommenden Tagen wieder vorbei schauen, um zu erfahren, wie es den beiden geht. Bitte gebt gut Acht auf sie. Die Götter mit euch."

Der Jäger reicht dem Zwergen die Hand und drückt sie kurz, bevor er sich umdreht und, nach einem kurzen Zwinkern zu Aelinor, die Harfe wieder verläßt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 24. Aug. 2004, 22:22 Uhr
"Bezahlen? Papperlapapp! Zufällig kenne ich das Mädel und die Kleine auch," brummt Borgil leicht gereizt in seinen Bart. Seine Ungeduld zielt jedoch in irgendeine andere Richtung und hat nichts mit dem Elben vor seiner Nase zu tun. "Ihr tretet mir nicht zu nahe, aber ich kümmere mich schon um die beiden. Laßt Euch etwas zu Essen geben, wenn Euch selbst hungert und danke, daß Ihr sie hergebracht habt. Das Mädel hat mal bei mir gearbeitet." Damit ist für Borgil hinreichend klar, daß sowohl Nevermore als auch Aelinor in seine Verantwortung fallen und hier selbstredend Obdach finden würden. Von der lautlosen Kommunikation zwischen Aelinor und dem Elben bekommt er wenig bis gar nichts mit, aber das Kind und er hatten sich auch ohne jedes Wort bisher immer ganz gut verständigen können, also würde das auch diesmal klappen. Der Elb verabschiedet sich, noch während Borgil die Kleine auf seinem Schoß in der Schankstube mit eingetunktem Kuchen in warmer Honigmilch füttert und der Zwergenwirt kann ihm nur mit kleinen Verrenkungen die Hand reichen. "Seht vorbei, wann immer Ihr wollt, aber wenn es irgendwie geht nach dem Sommerfest," erwidert Borgil mit trockenem Lächeln. "Und natürlich achte ich gut auf sie, schließlich kenne ich die beiden schon eine ganz Weile. Wissen die Götter, wo sie nur gesteckt haben!" Seufzend streicht er dem kleinen Mädchen auf seinen Knien durch die schwarzen Locken. Nach dem Kuchen wandert eine erkleckliche Anzahl frisch gestrichener Honigbrötchen in den kleinen Mund und bald klebt nicht nur Aelinor übers ganze Gesichtchen, sondern Borgils Hände ebenfalls und dazu das Haar, das Leibchen und die Beine der Kleinen. "Du brauchst ein Bad, Dreckspatz," brummt er, doch das Mädchen ist so müde, daß ihm bereits auf seinem Schoß die Augen zufallen. Die Mägde richten derweil eine der Gesindekammern unter dem Dach her und der Knecht trägt die erschöpfte Nevermore irgendwann hinauf, wo sie ins mit einer kupfernen Kohlenpfanne angewärmte Bett gesteckt wird. Borgil hält Aelinor so lange, bis die Magd ihr wenigstens Hände und Gesicht gewaschen hat und bringt sie dann selbst hinauf zu ihrer Mutter, mit der Anweisung an sein Gesinde, ihn zu holen, sobald Nevermore aufwachen würde.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 25. Aug. 2004, 12:07 Uhr
Endlich vergeht eine Nacht, in der Aelinor ihre Mutter nicht bewachen muss, sondern sich ausschlafen kann. Hätte sie nicht Hunger bekommen, wäre sie sicher nicht mal vor Mittag aufgewacht.

Aelinor krabbelt aus dem weichen, warmen Bett, öffnet die Zimmertür und schaut in den Flur hinaus. Zum Glück läuft gerade eine Magd durch den Gang, die die Kleine schnell mit einem strahlenden Lächeln um den Finger wickeln kann. "Na Kleines, bist du ganz allein hier?" Aelinor schüttelt den Kopf und zeigt ins Zimmer auf ihre Mutter, die im Bett liegt und von hier aus aussieht, als würde sie schlafen - was sie natürlich immer noch nicht tut. "Und du kleine Maus hast wohl Hunger?" Jetzt nickt Aelinor heftig. Die Magd überlegt kurz; sie kann doch kein Kind ohne Wissen der Mutter in den Schankraum hinunterbringen... "Warte hier. Ich bringe dir Frühstück nach oben." Das quittiert Aelinor mit einem breiten Grinsen.

Kaum 10 Minuten später balanciert die freundliche Magd ein Tablett mit Brötchen und allem, was das Herz begehrt, ins Zimmer. Leider gelingt es Aelinor nicht, sie am Betreten des Zimmers zu hindern. Eigentlich sollte sie Nevermore so nicht sehen... Und wie nicht anders zu erwarten, stürmt die Magd beim Anblick des ausdruckslosen Gesichts völlig panisch aus dem Raum und die Treppe hinunter.

Aelinor ist zufrieden. Vermutlich schickt sie Borgil nach oben, und der wollte ja informiert werden. Für's Erste bedient sie sich schon an den Brötchen und steckt mal sich, mal Nevermore einen Bissen in den Mund. Diese kaut auch brav. In der Welt, in der ihr Geist weilt, ist es Reed, der ihr die besten Bissen zusteckt...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Pandora-sama am 26. Aug. 2004, 03:33 Uhr
Ikarus betritt den Schankraum der Goldenen Harfe. Es ist am Abend doch es scheint trotzdem  nicht allzuviel los zu sein.
Ob das mit der Mnschenmenge auf dem Marktplatz zu tun hat? Habe ich die Stadt etwa zeitgleich mit einem Fest erreicht?
Er setzt sich an einen der Tische und schaut sich um.
Hier wird man mir sicher einige Fragen beantworten können
Er sieht eine der Mägde aufgeregt nach unten stürmen, denkt sich aber weiter nichts dabei. Er ist noch vollkommen fastziert vo den Eindrücken die ihm die Satdt bisher geboten hat. Die letzten Wochen hatte er in absoluter Wildnis verbracht und dementsprechend wirken nun auch die gewaltigen Bauten auf ihn. Außerdem hat er noch nie soviele verschiedene Rassen an einem Ort gleichzeitig erlebt. Er vertieft sich immer mehr in seine Gedanken und zuckt ein wenig zusammen, als eines der Mädchen nach seinem Wunsch fragte.
"Was? Oh, ja, natürlich. Ein Met und eine Auskunft."
Das Mädchen verschwindet und Ikarus sieht ihr kurz nach.
Wen sie jetzt wohl holen wird?
Der hochgewachsene Mann lehnt sich auf dem Stuhl etwas zurück und wartet.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 01. Sept. 2004, 22:02 Uhr
Seit der Ankunft Nevermores und ihrer Tochter in der Harfe haben Borgil und seine Mägde nach dem großen Aufräumen ihre Energien darauf konzentriert, die beiden ordentlich rauszufüttern. Und körperlich ist ihnen der Erfolg schon jetzt anzusehen. Man kann die Rippen nicht mehr durch die Kleidung hindurch zählen, und sie haben wieder etwas Farbe im Gesicht. Doch in Nevermores Fall hat sich sonst nichts geändert. Es ist nicht zu erkennen, ob sie ihre Umgebung überhaupt wahrnimmt, zumindest reagiert sie nicht auf Ansprache, kaut nur stumm, wenn Aelinor ihr einzelne Bissen zureicht.

Wir brauchen einen Heiler. Es kann so nicht weitergehen... Aelinor verlässt unbemerkt das Zimmer, schleicht durch den Schankraum - das ist kein Problem, da sie die Kante der Theke nicht überragt - und macht sich auf in die Stadt, um jemanden zu suchen, der die seelischen Wunden ihrer Mutter heilen kann.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Thram am 13. Sept. 2004, 23:35 Uhr
Nachdem er sich von Elia verabschiedet hat, macht sich Thram mit hängendem Kopf auf den Weg zur Harfe. Er weiß, dass er ihr gesagt hat, dass er nach hause gehen würde, aber was würde sie von ihm denken, wenn er ihr sagen würde, dass er vor hat, sich in der Harfe zu betrinken. In seinem Leben scheint einfach alles schief zu laufen und während er durch die Straßen der Stadt marschiert, fragt er sich, was wohl im Leben der Leute schief gelaufen ist, die hier nun auf der Straße betteln müssen. Ob er vielleicht einfach zu blöd ist, sein Leben auf die Reihe zu bekommen? Auf dem Marktplatz sieht er nach, ob sein Aushang dort noch hängt. Als er ihn findet, wird sein Blick noch ein wenig trauriger. Er hatte gehofft, der Zettel wäre vielleicht fortgeweht und nur deshalb würde sich niemand melden, aber scheinbar ist der Beruf des Bäckers nicht mehr so gefragt wie zu seiner Zeit.

Mit hängenden Schultern betritt er die Goldene Harfe. Diese ist gut besucht und Thram hat es nicht leicht, einen Platz für sich zu finden. Doch letztendlich findet er einen und setzt sich. Es ist schon wieder eine Weile her, dass er hier war. Damals hatte er draußen gesessen und Elia hatte ihn angesprochen. Elia. Er liebt sie, von ganzem Herzen und doch hat er das Gefühl, dass sie ihm das Leben wahnsinnig schwer macht. Das ist nicht einmal ihre Schuld. Er hat durch sie einfach noch weniger Zeit für sich und dass er ständig an sie denken muss, führt dazu, dass er sich nicht mehr anständig konzentrieren kann und ihm bei der Arbeit ständig Fehler unterlaufen. Bei einer der Mogbardamen bestellt er einen großen Krug Bier, denn den hat er jetzt bitter nötig.

Morgen würde er endlich Asrai aufsuchen. Er müsste das in seiner Mittagspause schaffen können. Und wenn sie dann wieder nicht zuhause ist, dann würde er sein Vorhaben in den Wind schießen. Schon lange nicht mehr hat sich Thram sich schrecklich und allein gefühlt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nguyen am 14. Sept. 2004, 02:25 Uhr
                                    ~Am Morgen nach dem Sommerfest~

Kurz nach Anbruch der ersten Morgenstunde trifft Nguyen wieder in der „Goldenen Harfe“ ein. Er öffnet die Tür mit der Rechten, die Linke birgt das dreckige Katzenknäul. Völlig verängstigt und zusammengekauert hockt es auf seiner Handfläche, von der selben sicher geborgen. Zusätzlich hat es dir Krallen leicht in die Haut versenkt, gleichsam aus Panik wie aus dem Reflex sich festzuhalten. Doch die Kraft ist nicht mehr groß genug um die Hautschicht zu durchstoßen. Zu erschöpft ist es von der Konfrontation mit den Ratten und sicherlich von einem mehrere Tage währenden Nahrungsmangel.

Als er in den Schankraum tritt ist dort nur sehr wenig los. Kaum einer ist auf den Beinen, denn allen sitzt das fest vom vorherigen Abend, das große Shenrafest noch in den Knochen und, noch manifester, im Schädel. Es ist sehr viel Bier, Wein und auch Härteres geflossen und so manch einer hat sicherlich keine Erinnerung mehr an den vergangenen Abend, oder zumindest an Teile dessen was er getan hat. In wenigen Fällen ist das auch sicher gut so.

Nguyen selber wird im Moment jedoch von Erinnerungen an den Abend und vor allem die Nacht verschont. Zwar wollen sie auf ihn einstürzen, die Sorge um das Kätzchen jedoch, diese neu gewählte Aufgabe, schütz ihn etwas davor, verhindert das sie sein Bewusstsein sofort erreichen. Sicherlich werden sie bald durch diese neue dünne Mauer brechen, aber nicht jetzt, nicht in diesem Augenblick.

Festen Schrittes, den Blick der Schankmaid die um diese Zeit schon auf den Beinen ist auf seine blutigen Kleider ignorierend, tritt er auf die Frau zu und bestellt sich ein Frühstück auf sein Zimmer, sowie einen gut gefüllten Wascheimer und einen zweiten, Kleineren, für das Kätzchen. Auch denkt er daran bei der Zusammenstellung des Frühstücks ein kleines Schälchen und etwas rohes Fleisch zu ordern. Dann wendet er sich der Treppe zu, steigt sie hinauf und öffnet schließlich die Tür zu seinem Zimmer.

Das Zimmer ist noch immer in dem Zustand in dem er es am Morgen zuvor verlassen hat. Auf dem Bett liegen seine Roben, die beiden Übrigen, ordentlich hingelegt damit die Seide nicht leidet,  noch von dem Auswahlverfahren stammend das er für das fest durchlaufen hat. Seine restlichen Habseligkeiten sind noch in seinem geräumigen Wanderbeutel, der im offenen Schrank steht. Er weiß nicht ob in diesem Gasthaus die Schankmägde auch durch die Zimmer gehen um sauber zu machen oder aufzuräumen. Falls dies jedoch der Fall ist, so war noch keine hier gewesen. Auf dem Markt wurde sicher jede Hand benötigt.

Kaum hat er den Raum betreten und sich etwas umgesehen, seine Gedanken ansatzweise geordnet, da tritt auch schon jemand ein um ihm das Bestellte zu bringen. Die beiden Zuber, der große und der kleine, werden in die Ecke gestellt, das Essen auf den Tisch. Bevor die beiden Burschen die es gebracht haben wieder gehen drückt er ihnen noch jeweils eine kleine Münze in die Hand, dann schließt er die Tür hinter ihnen.

Als Erstes nimmt er dann den kleinen Bottich auf de Tisch, legt ein kleines Handtuch bereit und beginnt das Kätzchen zu reinigen. Die erste Berührung mit dem Wasser jedoch scheint neue Lebensgeister in dem Fellknäul zu wecken und es versucht, zwar eher schwach und kraftlos aber doch mit erstaunlicher Energie, aus der Hand des Magiers und der Nähe des Wassers zu flüchten. Doch der Griff Nguyens sitzt fest und sicher und es gelingt dem Tier nicht ihm zu entgleiten, auch wenn es sich alle Mühe gibt und sich fast schon wie ein Aal windet.

So muss es schließlich die Wäsche über sich ergehen lassen, wenn auch unter lautstarkem Protest und einigen weiteren versuchen den Magier zu beißen und zu kratzen. Das Wasser brennt auf den Wunden die er bisher erlitten hat, doch der immer weiter abfallende Schmutz und das zum Vorscheinkommen des wahren Kätzchens entschädigen schnell dafür und lenken gut davon ab. Schnell wird offenbar das es sich um ein rot-getigertes Tierchen handelt, dessen Fell bei richtiger Pflege sehr schön zu sein verspricht. Das Gesicht ziert eine rosa Nase und unterhalb des Mundes und an den Backen ist das Fell sogar weiß. Zwar wird mehr als eine Wäsche nötig sein um es wirklich erstrahlen zu lassen, aber sicherlich wird es bald schon wieder erstrahlen, falls das Tier die nächsten Tage überlebt. Denn wie Nguyen schon erahnt hat ist es fast nur noch Fell und Knochen.

Und es ist sehr jung. Wahrscheinlich ist seine Mutter früh verstorben und es musste sich seitdem wohl alleine durchs Leben schlagen. Und etwas anderes kommt nun auch zum Vorschein. Augenscheinlich handelt es sich bei dem Tier um einen kleinen Kater, ein Männchen. Nguyens Augen werden während der Waschung immer sanfter und jemand der ihn kennt wüsste ganz genau was das zu bedeuten hat. Der Magier hat schon entschieden. Er wird das Kätzchen behalten, falls es überleben sollte. Gute Chancen dafür bestehen jedenfalls, das hat die Energie gezeigt über die der Kleine noch verfügt.

„Izir..“, kommt es ihm über die Lippen. „So wirst du nun heißen, mein Kleiner. Noch hasst Du mich sicher, aber ich werde gut für Dich sorgen... und vielleicht merkst Du ja bald das es bei mir gar nicht so schlecht ist...“

Inzwischen hat der Kleine jede Gegenwehr aufgegeben und lässt alles über sich ergehen. Fast jede Energie hat er nun verbraucht und als Nguyen die Waschung beendet hat und den kleinen Izir trocken rubbelt und schließlich auf dem Handtuch ablegt, schläft er fast sofort erschöpft ein. Der Halbelb stellt ihm noch ein Schälchen voll Wasser hin und einige Brocken frischen Fleisches, dann beginnt er damit sich selbst zu waschen.

Als er auch damit fertig ist isst er selbst noch etwas, dann schlüpft er selbst unter die Laken seines Bettes, nicht bevor er jedoch alle Fenster geschlossen hat damit der Kater nicht entfliehen kann, und  schläft bald ein. Die vergangene Nacht hat nicht genug Schlaf gesehen und einige Stunden davon holt er jetzt nach.

Aber der Schlaf wird nicht traumlos sein. Einige Bilder der lezten Nacht verfolgen ihn und werden ihn einholen noch bevor er erwacht.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Feranc am 14. Sept. 2004, 09:21 Uhr
Feranc kommt bei der Goldenen Harfe an und steigt von seinem Pferd, welches scheinbar erleichtert schnaubt und nach dem weiten Weg sicherlich auch am Ende seiner Kräfte angekommen ist. Feranc tätschelt lächelnd den Hals des Tieres und betrachtet einen Moment lang die dunklen, aufmerksamen Augen. "Ich sollte dir endlich deine wohlverdiente Ruhe gönnen, alter Freund".
Dann führt er den Hengst zum Ostflügel der Harfe und übergibt ihn einem munteren Stallburschen, welcher sich um das Pferd kümmert und es in dem Stall unterbringt. Währenddessen begibt sich Feranc in den Harfengarten und betritt das Gasthaus durch die große Holztür; drinnen ist es noch recht leer, nur einige Gäste nehmen ihr Frühstück zu sich, und wie immer kennt Feranc keinen von ihnen. Er blickt sich einen Moment um, doch da sich nichts geändert zu haben scheint bestellt er bei Borgil einen Krug Kupferbier und etwas Brot, und nimmt dann an einem Einzeltisch Platz, um endlich zur Ruhe kommen zu können.

Während er auf Bier und Brot wartet, fragt er sich ernsthaft ob er wirklich zum Faranden Daryie zurückkehren sollte; Liselle würde wohl eher nicht begeistert sein, nachdem er nichts mehr von sich hat hören lassen. Er überlegt ob er sich irgendwelchen Streß gerade jetzt wirklich antun sollte, oder ob er vielleicht doch besser einen weiteren Tag abwartet. Noch unschlüssig, stellt ihm eine Schankmaid einen Krug Kupferbier und einen Teller mit Brotscheiben auf den Tisch. Seufzend füllt er seinen Humpen und trinkt davon. Er nimmt sich vor, dennoch zum Faranden Daryie zu gehen, denn er will die Fragen aus der Welt schaffen und sein Verschwinden erklären.

Er ißt sein Brot und verbannt für einige Minuten jeden Gedanken aus seinem Kopf; nun da er Essen und Trinken zu sich nimmt, fühlt er sich auch schon um einiges besser. Er erinnert sich, wie Morgana und Schilama ihm damals geholfen hatten, als er verletzt genau an diesem Platz der Schänke gesessen hatte; auch sein Versprechen den Aufwand seiner Heilung zu bezahlen würde er noch einlösen müssen. Doch nicht heute und nicht morgen...
Jedesmal wenn sich die Tür zur Harfe öffnet und neue Gesichter das Gasthaus betreten, hört Feranc wie draußen die Stadt immer mehr zum Leben erwacht, und als sein Bierkrug bereits geleert und das Brot verspeist ist erhebt er sich schließlich, bezahlt bei Borgil und verläßt die Harfe wieder. Draußen herrscht mittlerweile lautes Geschehen auf dem Marktplatz, doch Feranc läßt sich nicht abbringen und holt Bren wieder aus dem Stall. Während Feranc dem Pferd das Geschirr um den Kopf und die lange, blaue Decke über den Rücken legt, beobachtet er schweigend die vielen Menschen auf dem Marktplatz, wie sie ihrem täglichen Leben nachgehen und zumeist glücklich sind mit dem, was sie haben.
Als Feranc auch den Sattel festgezurrt hat, nimmt er die Zügel zur Hand und steigt auf sein Pferd auf, um den Marktplatz wieder zu verlassen und den Weg zum Faranden Daryie zu nehmen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nguyen am 14. Sept. 2004, 21:14 Uhr
Nach einigen Stunden erwacht Nguyen. Geweckt durch ein schepperndes Geräusch erhebt er sich von seinem Lager und schaut, nach einer kurzen Orientierungszeit in der er abklärt wer er ist und wo er ist, in die Richtung aus der das laute Geräusch seinem Verständnis nach kommt. Und schon erspäht er sowohl die Ursache als auch den Verursacher. Die Schale mit dem Wasser die er für Izir dort kurz vor dem Einschlafen abgestellt hat liegt nun auf dem Boden, kopfüber, und deren Inhalt ist einem kleinen See gleich auf demselben verteilt. Der Kater selber lugt hinter dem Waschbottich, der auch noch auf dem Tisch steht, hervor. Wahrscheinlich hat er die Schale solange nach vorne geschoben bis der Tisch zu ende war und ist dann von dem Geräusch des aufschlagenden Geschirrs verschreckt hinter die nächste Deckung geflohen.

Nguyen lächelt die kleine Kreatur an, ihre ängstlichen Augen glitzern im Licht der abendlichen sonne die durch das Fenster fällt. Langsam erhebt er sich, vorsichtig um dem Kleinen nicht noch mehr Angst zu machen, streckt sich kurz und geht dann auf den Tisch zu. Erst verkriecht Izir sich wieder hinter dem Bottich, dann jedoch schaut er wieder hervor und kommt Tapsen für Tapsen, sich vorsichtig umschauend auf die Hand des Magiers zu, in der er nun einen der kleinen Fleischbrocken hält und ihm dem Katerchen anbietet. Es dauert fast eine kleine Ewigkeit bis es am Fleisch angekommen ist, denn je näher es rück, umso langsamer, pirschender wird es, fast als befürchte es in eine Falle zu laufen. Dann schließlich geht es blitzschnell als sich die kleinen Zähne in das verlockend duftende Futter schlagen und Izir einem Blitz gleich vom Tisch auf den Stuhl hüpft und unter dem Schrank verschwindet, seine „Beute“ in Sicherheit bringend, ängstlich das sie ihm jemand wieder abnehmen könnte.

Der Halbelb kann sich ein Lachen nicht verkneifen als er den Vorgang beobachtet. Bald schon schaut die rosa Nase wieder neugierig unter dem Möbel hervor, forschend ob weitere Leckerbissen dargeboten werden. Und wirklich hält die Hand erneut etwas duftendes für ihn bereit. Der Vorgang wiederholt sich einige Male, dann bleibt der kleine Kater unter dem Schrank, zusammengerollt und in diesem „sicheren“ Versteck schlafend.

Nguyen ist sich sicher das es mindestens eine Woche dauern wird bis Izir ihm soweit vertrauen würde das er das Futter nicht mehr in Sicherheit bringen wird. Aber die Zeit wird er gern investieren. Schon jetzt weiß er das er es nicht bereuen wird den Kater aufgenommen zu haben. Er hofft nur das es ihm nicht gelingt vorher aus dem Raum zu entweichen.

Dann jedoch entdeckt er eine kleine Lache in einer Zimmerecke und als er sich ihr nähert steigt ihm ein beißender Geruch in die Nase. „Stubenrein, das musst du noch werden....“, murmelt er in Richtung Schrank und macht sich daran mit den Utensilien des Morgens das kleine „Missgeschick“ zu beseitigen.

Dann erst wäscht er sein Gesicht und zieht vorsichtig ein weiteres Hemd aus dem Schrank, ohne Izir zu wecken. Schnell zieht er sich an, legt das vom Blut ruinierte Hemd auf das Bett und nimmt dann seine Wanderrobe hervor und legt auch diese an. Als er dazu übergehen will seine Haare wieder zusammen zu binden bemerkt er schließlich das anscheinend sein Haarband fehlt. Ich muss es bei Selket vergessen haben...

Durch diesen Gedanken strömen all die Erinnerungen und dazu noch der Traum des Schlafes wieder auf ihn ein und er hält sich an einem der Bettpfosten fest. Eine kleine Träne droht in seinem Auge zu erscheinen, doch er verbietet es sich nun zu weinen, nicht einmal im Ansatz. Nein... das lasse ich nicht zu. Es war ein Abenteuer. Nicht mehr. Vergiss sie, sie wird Dich auch vergessen...
So gern er dieser stimme glauben will, irgendwie lässt ihn das Gefühl, einer Ahnung gleich, nicht los das er noch lange die Bilder der letzten Nacht sehen wird.

Nun jedoch verdrängt er es, ruft sich einige Lehrsätze aus seiner Ausbildungszeit ins Gedächtnis zurück und fährt fort sich weiter anzukleiden. Aus einer Tasche seines Gürtels zieht er ein weiteres Seidenband mit dem seine Haare schließlich doch gebändigt und wieder zu einem Zopf verbunden werden. Dann schreitet er Richtung Tür, öffnet sie, vorsichtig und darauf achtend das der Kater nicht entkommt, und tritt auf den Gang hinaus. Schließlich schließt er noch ab.

Im Schankraum angekommen überlegt er kurz hier drinnen etwas zu essen, entschließt sich jedoch dagegen und tritt hinaus in den Harfengarten.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 17. Sept. 2004, 17:30 Uhr
Das Shenrahfest war vorbei und Halla war froh, dass es ohne weitere Zwischenfälle zu Ende gegangen war. Der heutige Morgen fällt ihr allerdings schwer, sie hat Kopfschmerzen und die sogar recht heftig. Da sie nie Kopfschmerzen hat, folgert sie daraus, dass es an dem Alkohol gelegen haben muss, die beiden Mogbarjungen hatten sich nach der Schlägerei nur noch einmal kurz blicken lassen und waren schliesslich unverrichteter Dinge wieder abgezogen, was Halla nicht im Mindesten gestört hatte. Irgendwann würde sie die Zwei noch einmal zwischen die Finger kriegen und es ihnen heimzahlen, dass sie versucht haben sie betrunken zu machen. Halla schüttelt noch einmal den Kopf und ärgert sich über sich selber, dass sie auch noch darauf hereingefallen ist.

Nun steht sie aber wieder in der Goldenen Harfe scheucht die Schankmädchen hin und her, damit wieder alles seine Ordnung hat, lächelt den Gästen zu, die gerade die Harfe betreten und trinkt etwas von dem Weidenrindentee, den Sigrun, die Köchin, ihr aufgebrüht hat, wegen der Kopfschmerzen. Zum Shenrahfest sind einige neue Gesichter in der Harfe aufgetaucht, sowohl Neue als auch Alte. Heute morgen ganz früh hatte sie den Magier gesehen, der neu in die Stadt gekommen ist und von dem Sigrun ihr beim Frühstück erzählt hatte. Er hatte etwas seltsam ausgesehen, aber das ist wohl bei Magiern so üblich, sie hatten immer schon ein unheimliches Gefühl in Halla geweckt. Ausserdem ist Feranc in der Harfe gewesen, den man schon lange nicht mehr in der Stadt gesehen hatte.

Allerdings hat Halla noch nichts von Nemo gesehen und die kleine Aelinor, ist ihr auch noch nicht über den Weg gelaufen. Doch dann wird Halla von ein paar Gästen abgelenkt, die ihr Frühstück in der Harfe einnehmen wollen, ehe sie den Rückweg in ihre Heimat antreten. In den Gesichtern der Gäste sieht man, dass sie irgendwoher aus dem Süden kommen müssen, und auch das sie gestern wohl noch lange gefeiert haben. Halla bedient die Gäste, bringt ihnen das Bestellte und geht dann wieder zurück hinter die Theke, um dort Ordnung zu schaffen. Borgil hatte sie den ganzen Morgen noch nicht gesehen, was Halla im Grunde recht war. Er würde sie sicher wegen gestern aufziehen und sie würde wieder mit einem Gesicht wie eine Kirsche durch die Gegend rennen. Warum muss ich auch immer so rot anlaufen und immer nur bei ihm, sonst bei keinem egal wie derbe die Sprüche und Scherze sind. Halla grübelt noch eine Weile darüber nach, kommt aber zu keinem Ergebnis.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 28. Sept. 2004, 15:49 Uhr
Einen Teil der Strecke lief Aelinor voran, dann beschlossen beide, es gehe schneller, wenn Sethai das Kind auf den Arm nimmt und sie ihm die Richtungshinweise sendet. So fanden die beiden sich schnell in die Goldene Harfe, wo Nevermore unverändert apathisch in ihrem Bett liegt und ihren leeren Blick an die Zimmerdecke heftet. Aelinor lässt sich auf dem Bett absetzen und hält die Hand ihrer Mutter fest, dann schaut sie Sethai erwartungsvoll an. Nun kann sie nichts weiter tun als beobachten, was er für Nevermore tun kann.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sethai am 30. Sept. 2004, 23:46 Uhr
Sethai lässt sich von dem Mädchen Aelinor bis zur „Goldenen Harfe“ führen und dann dort in eines der Zimmer. Es mutet fast komisch an wie der hochgewachsene Elb von dem kleinen Mädchen bei der Hand geführt wird, doch haben auch diesmal wieder die meisten Leute zu viel mit sich selbst zu tun um sich darüber Gedanken zu machen oder darauf zu achten. Nur die Leute im Inneren der Harfe schauen den beiden mit etwas mehr Interesse nach, dann jedoch wenden sie sich wieder ihrem Bier, ihrem Essen und den eigenen Gesprächen zu. Die einzigen die ihn erkennen sind das Personal der „Harfe“. Denn ihre Augen sind geschult und ihr Geist nicht abgelenkt durch Wein, Weib oder Anderes. Außerdem kennen sie Sethai, da er recht häufig hier ist.

Kurz geht ihm ein Gedanke durch den Kopf der den Elfen einen Augenblick lang abschweifen lässt. Mehr als zwei Jahre nun schon weilt er in Talyra, aber Borgil, den Wirt des Gasthauses hat er in der ganzen langen Zeit nicht ein einziges Mal getroffen. Oh, ja... er hatte ihn „gesehen“ wie er Bier ausschenkt und sein Etablissement führt, aber kein einziges Wort hat er bisher mit dem Zwerg gewechselt.

Seltsam, welche Wege manchmal das Schicksal geht....

Dann jedoch ist er wieder ganz bei der Sache, genau in dem Moment als sie die Tür des Zimmers erreichen hinter dem sich die Mutter des Mädchens aufhält, Nevermore. Also öffnet er leise die Tür. Zwar wird sie ihn kaum bemerken in dem Zustand in dem sie sich befindet, doch gebietet es sein Sinn für Höflichkeit nicht einfach hineinzustürmen. Sogar geklopft hat er vorher leise, was dem Mädchen Aelinor fast ein Kichern entlockt hätte wäre sie nicht so von Sorge getrieben.

Die Frau liegt auf dem Bett, ihr Blick starr an die Zimmerdecke gerichtet. Zwar kann Sethai nicht sehen das ihre Augen dem entsprechen was man allgemein als leer bezeichnet, doch spürt er ihre innere Zerissenheit, Leere, den Wahnsinn der sie ergriffen hat.

Aelinor ist sofort zu ihrer Mutter gestürzt als sie im Zimmer angekommen sind und hält nun ihre Hand, sie sanft streichelnd.  Hilfesuchend, fast flehentlich schaut sie ihn an und hinter diesem Blick kann er deutlich ihre drängenden Gedanken lesen. Also tritt er vor, ans Bett, und spricht sie mit leiser, freundlicher Stimme an.
„Aelinor, tritt bitte zurück. Setz Dich dort auf den Stuhl und bitte, komm dem Bett und Deiner Mutter und im Besonderen mir nicht zu nahe. Ich werde Deiner Mutter helfen, aber falls Du mir dabei zu nahe kommst wirst Du vielleicht verletzt und ich glaube das möchte niemand hier, nicht sie, nicht ich und auch Du nicht.“
Um seine Worte zu unterstreichen löst er schließlich noch ihren Griff von der Hand ihrer Mutter und drückt sie liebevoll aber drängend weg und in Richtung des Stuhls.

Dann legt er seine Hand auf die Stirn der ausgezehrten Frau und dringt in ihren Geist vor. Machtvoll fließt seine psychische Präsenz in die Ihre über und ein Ruck geht durch den Körper Nevermores als er in ihre Erinnerungen ausgreift um zu erfahren was mit ihr geschehen ist. Während goldene Blitze über seinen und ihren Körper zucken, dabei Teile ihrer Kleidung versengen, erfährt er in wenigen Augenblicken alles aus ihrem Leben. In diesem Moment kann er nicht sanft und selektiv vorgehen und nur das nötigste herausfiltern, da sie schon viel zu lange dem Wahnsinn verfallen ist und jede weitere Stunde die Gefahr näherrückt das sie gar nicht mehr zu heilen ist.
Als er so erfahren hat was er wissen muss, wendet er seine Wahrnehmung kurz wieder Aelinor zu um nachzuschauen ob sie seine Weisung befolgt hat. Er will nicht weitermachen bevor er nicht weiß das das Mädchen in sicherem Abstand ist.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 01. Okt. 2004, 00:12 Uhr
Zuerst ist Aelinor drauf und dran, Sethai in die Hand zu beißen, als er sie in die Ecke verbannt. Sie muss Nevermore doch beistehen... Doch als sie die Blitze über die Körper Sethais und ihrer Mutter zucken sieht, ist ihr die Ecke plötzlich nicht mehr weit genug entfernt, und sie kriecht so nah wie möglich an die Wand. Sethais Kontrollblick in ihre Richtung hätte es nach diesem Schauspiel nicht mehr bedurft.

Es fühlt sich für Nevermore so an, als würde ihr Gehirn aus ihrem Kopf genommen und gelesen, durchgeblättert wie ein Buch. Gleich darauf ist diese erste bewusste Empfindung seit Monaten wieder unterbrochen, als Sethai sich nach Aelinor umblickt. Es gibt schmerzliche Erfahrungen in ihrem Leben, die sie selber gern aus ihrem Geist löschen würde, und sie ist dementsprechend empört und verletzt, als der Seher hergeht und mir nichts, dir nichts jeden Moment ihres Lebens entblößt. Doch es nützt nichts, denn ihr Zustand erlaubt es nicht, dass sie darauf reagiert. Immerhin hat sie dadurch einen Augenblick lang wieder Kontakt zur wirklichen Welt.

Der brenzlige Geruch von Nevermores Kleidung sticht Aelinor in die Nase, und es überrascht sie, dass der Körper ihrer Mutter weiterhin ruhig liegen bleibt, als wäre nichts geschehen. Tränen stehen dem kleinen Mädchen in den Augen, und nicht nur von dem Brandgestank. Ich bin bei dir, Mutter!

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sethai am 01. Okt. 2004, 01:09 Uhr
Kaum hat Sethai registriert das Aelinor seiner Weisung folgt, da konzentriert er sich auch schon wieder ganz auf die Frau vor ihm. Aus dem was er in ihrem Leben gesehen hat entnimmt er schnell die Quelle ihres Wahnsinns. Seit einer Begebenheit in der Traumwelt hat sie die Fähigkeit eingebüßt zu träumen. Dadurch ist Nevermore immer mehr in den Wahnsinn abgeglitten da ihr Unterbewusstsein nicht mehr in der Lage ist die Erlebnisse des Tages im Schlaf zu verarbeiten wie es bei anderen der Fall ist. In seinem ganzen bisherigen Leben, das immerhin schon fast 2 Jahrhunderte währt, ist dem Seher och kein derartiger Fall untergekommen, doch vermutet er schon wo die Blockade liegt die Ihr das Träumen unmöglich macht. Wieder greift er also aus in den Geist der Frau, wieder waschen die Blitze über Körper und Geist und er dringt tiefer in sie vor als noch Augenblicke zuvor.

Und bald schon, im hintersten Winkel fast ihrer psychischen Präsenz findet er wonach er gesucht hat. Dort hat sich ein kleines Fragment der Traumwelt eingenistet, blockiert durch seine Anwesenheit den eigenen Traumfluss Nevermores. Und nicht nur das. Als er es näher untersucht, vorsichtig antastet und seine Beschaffenheit zu erspüren sucht, findet der Elf heraus das diese Fragment noch ein wenig mehr ist. Es blockiert nicht nur die Träume Nevermores sondern fungiert gleichzeitig auch noch als eine Art Verbindung direkt in die Traumwelt hinein. Nicht nur das ihre eignen Träume sie nicht mehr erreichen, nein, die Träume anderer drängen Nacht für Nacht auf die Frau ein und steigern ihr Leiden noch dadurch das sie mit Bildern und Empfindungen konfrontiert wird die sie gar nicht einordnen kann, eben weil sie nicht von ihr sind.

Gleichzeitig spürt er auch das seine Befürchtungen grausame Wahrheit scheinen. Nevermores Wahnsinn ist so weit fortgeschritten. Das Fragment so sehr verankert in ihrem Geist, das eine Heilung beinahe nicht mehr möglich ist. Und Zeit für vorsichtiges vorgehen bleibt auch nicht. Würde er all die Sorgfalt walten lassen die er normalerweise an den Tag legt wäre es für die Frau schon längst zu spät. Deshalb zapft er, wie er es vor einiger Zeit schon bei Azra getan hat, die dunkle Energie in seinem Inneren an um seine Fähigkeiten zu stäken. Die goldenen Blitze die sie beide umzucken bekommen daraufhin erst schwarze Sprenkel, dann werden sie ganz schwarz und wirken eher mehr wie die Abwesenheit von Licht. Es verursacht Kopfschmerzen länger als nur einen Augenblick hinzusehen. Auch entsteht nun kein versengender Geruch mehr, doch dennoch scheint es als würde Kleidung und Bettdecke dort wo sie von ihnen berührt werden zu Asche verfallen.

Im Inneren manifestiert sich vor Sethais geistiger Gestalt eine kleine schwarze Kugel. Er greift nach dieser und schleudert sie mit einem kleinen Impuls genau auf das störende Fragment. Die Energie schlägt mit einem dumpfen Zischen ein und breitet sich flackernd über die Oberfläche des „Fremdkörpers“ aus. Als er komplett eingehüllt scheint, sickert sie dann langsam in ihn ein, durchsetzt das ganze Fragment mit ihrer Essenz und bläht es dann langsam auf. Einige lange Augenblicke vergehen in denen gar nichts geschieht, dann scheint es regelrecht zu implodieren und sich selbst zu verzehren. Das einzige Überbleibsel ist ein kleiner schwarzer Fleck, Restenergie von Sethais dunklen Kräften. Er hofft das dies keine weiteren Auswirkungen auf Nevermore haben wird als gelegentliche Alpträume, denn was die Dunkelheit einmal berührt hat, das lässt sie nicht mehr los. Diese Wahrheit ist schon lange Teil seiner Welt. Zur Sicherheit schickt er noch einen kleinen Impuls hinterher der das Dunkel mit einem Käfig aus Gold umgibt.

Dann zieht er sich schließlich wieder zurück, entfernt sich aus ihrem Geist, und kehrt zurück in die physische Welt. Das Lager auf dem Nevermore liegt sieht furchtbar aus. Überall hat die Decke große Löcher, reingebrannt von Gold und Dunkel, von der Kleidung der Frau ist so gut wie nichts mehr übrig geblieben, und im ganzen Zimmer riecht es schwielig.. Sie selber jedoch ist unverletzt, hat nicht einmal einen einzige Brandwunde. Was Sethai jedoch erschöpft aber freudig lächeln lässt ist das er spürt das er erfolgreich war. Die Frau kann nun wieder normal schlafen und in diesem Moment zwinkert sie als würde sie aus einem tiefen Traum erwachen und schaut ihm direkt in seine goldenen Augen. Zwar kann er ihren Gesichtausdruck nicht sehen, aber er spürt genau wie verwirrt sie ist.

„Hallo...“, sagt er leise. „Willkommen zurück in Deinem Leben. Bedanke Dich bei Deiner Tochter für alles.“ Und mit diesen Worten erhebt er sich und tritt zurück damit Aelinor ihre Mutter in die Arme schließen kann. Denn solange er am Bett steht wird sie sich das sicher nicht trauen nach dem was sie gerade gesehen hat. Deutlich war zu spüren das es sich um dunkle Kräfte handelte die er benutzt hat. Und während Mutter und Tochter so nun endlich wieder vereint sind, wappnet der Seher sich schon einmal für das Unvermeidliche das bald kommen würde.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 01. Okt. 2004, 09:03 Uhr
Es zerreißt Aelinor fast das Herz, das grausam scheinende Schauspiel zu beobachten. Wie wild sendet sie ihrer Mutter beruhigende Worte, die jedoch wegen ihrer eigenen Panik völlig wirkungslos bleiben, und verflucht ihre Faulheit, dass sie nie sprechen gelernt hat. Gerade jetzt wünscht sie sich nichts sehnlicher, als "Mama" rufen zu können.

Ihre Mutter bäumt sich auf und windet sich unter Sethais Behandlung wie im Fieber. Es scheint Stunden zu dauern, bis der Seher Aelinor das Zeichen gibt, dass sein Werk beendet ist und sie ihre Ziehmutter wieder in die Arme schließen darf. Dann tritt er vom Bett zurück, um den beiden eine lange Umarmung und etwas Ruhe zu gönnen. Nevermores Augen, die ihre Farben eingebüßt hatten, schimmern nun zumindest wieder matt zwischen braun, grün und grau; alle lebendigeren Farben, die sie für gewöhnlich annehmen würden, scheinen wegen ihrer großen Erschöpfung nur unter der Oberfläche zu schwimmen. Doch ihre Arme halten Aelinor so fest, dass dem Kind die Luft wegbleibt. Es würde der Kleinen jedoch in diesem Moment nicht einfallen, sich darüber zu beschweren.

Ein mattes "Danke" und ein Händedruck sind alles, das Nevermore Sethai erst einmal zum Dank bieten kann. Sie wird später herausfinden müssen, wo er lebt und sich dann etwas mehr einfallen lassen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 03. Okt. 2004, 16:49 Uhr
Kaum ist Borgil mit der Sänfte an der Harfe angekommen und hat die verletzte Azra nach drinnen befördert, kann er sich nicht wie gehofft um sie kümmern, sondern wird von einer Schar aufgebracht schnatternder Schankmaiden in Empfang genommen, die ihm berichten, Aelinor habe ganz alleine Sethai, jenen merkwürdigen und immer ein wenig unheimlichen Seher in die Harfe geholt und der sei jetzt oben bei Nevermore, und in den oberen Fluren rieche es verbrannt. "Himmeldonnerwetternochmal was ist das eigentlich für ein Scheißtag! Heiliger Schmiedehammer, kann ich nicht ein einziges Mal meine Harfe verlassen, ohne daß hier gleich Goth und Pejora herrscht?!" Normalerweise wäre Borgil nicht so übergeschnappt, aber der Stress der letzten Tage, die Sorge um Azra, das, was mit ihr geschehen war, ihr ganzer Zustand und vor allem die Tatsache, daß er sich ganz allein die Schuld daran gibt, daß ihr das überhaupt hatte passieren können bringen das Faß zum Überlaufen.

"Du, du und du, ihr richtet in meinen Gemächern ein Gästebett her. Schafft mir Halla her und zwar sofort! Hier," er übergibt das Blutelbenmädchen zwei seiner Knechte. "Legt sie in meine Gemächer auf das Lager, das ihr die Mädchen machen, bringt ihr Wasser und Essen und laßt sie nicht aus den Augen. Und wenn sie wieder anfängt, zu zischen wie ein Dämon, dann brat ihr eins über den Schädel, wenn's sein muss oder hol mich, aber um aller Götter Liebe Willen, sie geht nicht hinaus. Schafft die Gäste raus, alle, heute ist die Harfe geschlossen." Jetzt erntet er völlig entgeisterte Blicke. "Mach den Mund zu, du siehst aus wie ein Idiot. Na wird's bald jetzt!" Noch immer Flüche vor sich hinbrummend stapft Borgil die Treppen hinauf in Nevermores Kammer, doch was er dort vorfindet, verschlägt sogar ihm für einen Moment die Sprache.

Nevermore hockt splitterfasernackt in ihrem Bett, das aussieht, als habe jemand eine Kohlenpfanne darüber ausgeleert, sieht schrecklich aus und wiegt ihre Tochter hin und her und mitten im Raum steht ein sichtlich erschöpft dreinblickender Sethai. "Was ist hier los? Ihr schon wieder! Habt Ihr etwa unter meinem Dach mit Eurem Schwarzhokuspokus herumgespielt? Wie oft soll ich Euch eigentlich noch sagen, daß ich das nicht dulde? Das war das letzte Mal, Freund Seher, laßt Euch das gesagt sein, Freund von Morgana hin oder her," schnappt Borgil und winkt dann entnervt ab. "Jaja, ich sehe selbst, es hat gewirkt. Besten Dank auch - und das meine ich ehrlich. Ich bin heute nur nicht mehr in der Verfassung für Höflichkeiten. Wenn Ihr hier äh... fertig seid, dann kommt mit hinunter und ich übernehme die äh... Kosten für das hier, wenn Ihr Euch schon als Heiler versucht." Er wirft dem Seher einen durchdringenden Blick zu und ruft dann über die Schulter nach einem seiner Mädchen. "Bleib hier bei Nevermore, wenn sie sich etwas erholt hat und bring ihr alles, was sie braucht. Als erstes wohl ein Bad und Essen, also setz gleich Wasser auf. Ach ja und äh... kümmere dich um das Bett. Und pass auf, daß nichts mehr äh... glüht. Eine abgebrannte Harfe ist das allerletzte, was ich jetzt gebrauchen kann. Und ich, mit Verlaub, ich hol mir jetzt einen Krug voll Feentau und empfehle mich. Himmelnochmalwasistdaseigentlichfüreintagheute..."  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Raven am 03. Okt. 2004, 22:47 Uhr
Der Nachmittag neigt sich seinem Ende zu, als Mottenfaenger und Raven das Ende der schmalen Gasse und damit den Marktplatz erreichen. Gemächlich schlendern sie am Rand des weiten, gepflasterten Platzes entlang und weichen einem Pferdefuhrwerk aus, das eilig über die buckligen Steine holpert. Die meisten Händler räumen schon ihre Waren zusammen und verschließen ihre Stände und nur noch einige letzte Passanten, die vor Einbruch der Dunkelheit schnell noch Einkäufe erledigen wollen, sind unterwegs. Vor der Goldenen Harfe, die groß und behäbig an der Ostseite des Platzes thront, bleiben die beiden stehen und Raven weist mit dem Daumen einladend auf die schwere Eingangstür: "Wollen wir? Nachdem wir heute so fleißig waren, haben wir uns einen Krug Met redlich verdient, finde ich."

Als sie durch den Harfengarten auf den Eingang zugehen, kommen ihnen erstaunlich viele Gäste entgegen, die gerade das Wirtshaus verlassen, allen voran eine Gruppe äußerst übelgelaunter Zwerge, die so missmutig dreinblicken, dass die beiden ihnen eilig aus dem Weg gehen, bevor sie Gefahr laufen, von ihnen einfach umgerannt zu werden. Die Zwerge sind jedoch nicht die einzigen, die murrend die Schänke verlassen - in ihrem Kielwasser folgen ihnen einige Bauern und Handwerker, eine kleine Gauklertruppe und eine Handvoll weiterer Gäste. Verwirrt zieht Raven die Brauen zusammen und sieht ihnen nach, wie sie in der anbrechenden Dämmerung verschwinden, bevor sie den Blick fragend auf ihren Gefährten und dann wieder auf die Harfe richtet. In der hellerleuchteten Eingangstür steht Grid, eine der Schankmägde, und redet heftig gestikulierend auf einen Gast ein, offenbar um ihm klarzumachen, dass auch er die Schänke verlassen muss, was er zuerst nicht so ganz einzusehen scheint.

Als sie näherkommen, wird ihnen allmählich auch der Grund für dieses recht sonderbare frühe Schließen des Gasthauses klar, denn aus seinem Inneren ist lautstark und nicht zu überhören ein dröhnender Zwergenbass zu vernehmen, der die Harfe in ihren Grundfesten erzittern und die arme Grid entnervt mit den Augen rollen lässt. Der Gast, der sich zuerst nicht abwimmeln lassen will, schaut ob des Donnerwetters, das ihm plötzlich durch Türen und Fenster entgegenbrandet, ziemlich entsetzt und sucht dann fluchtartig das Weite, während Mottenfaenger und Raven einen grinsenden Seitenblick tauschen.

"Da scheint jemand besonders gute Laune zu haben", kichert die Diebin und lauscht auf die derben Flüche, die Borgil zum Besten gibt. So klein der Zwerg an Körpermaßen ist, so gewaltig ist seine Stimme und amüsiert verfolgen sie den grollenden Bass, der sich erst in der Wirtsstube austobt und sich dann - für einen Moment leiser werdend - die Treppen hinaufwindet, um im oberen Stockwerk in gleicher Lautstärke weiterzuschreien. "Ich schätze, wir kommen heute wohl ungelegen", feixt Raven, "lass uns lieber ein andermal wiederkommen." Der armen Grid schenken sie noch ein aufmunterndes Lächeln, bevor sie durch den Garten wieder zurück auf den Marktplatz treten und sich dann schließlich doch auf den Heimweg machen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 03. Okt. 2004, 22:50 Uhr
Halla war von einem der Knechte nach draussen gerufen worden, da es einige Unstimmigkeiten bei einer Lieferung gab, und der Knecht dies nicht alleine entscheiden wollte. Es gab ein langes hin und her mit dem Händler, da bei der Lieferung einige Dinge fehlten, die sie nach dem Sommerfest in der Harfe dringend brauchten. Irgendwie waren sie sich dann doch einig geworden und der Händler hatte versprochen, die fehlenden Sachen noch binnen eines Siebentages zu liefern, obwohl ihm dass seinen ganzen Plan durcheinander brachte, was Halla aber nicht im geringsten beeindruckt hatte und sie darauf bestanden hatte, die Sachen so schnell wie möglich zu bekommen. So war es Halla auch vollkommen entgangen, was sich in der Harfe selbst abspielte und da dass Zimmer von Nevermore auf den Markt hinaus ging, hatte sie den Brandgeruch auch nicht bemerkt.

Als sie nun durch die Küche kommend in die Schankstube geht, will sie ihren Augen nicht trauen, weil dort gerade alle Gäste hinauskomplementiert werden. Halla will schon loszetern und fragen was das soll, als sie den Brandgeruch riecht und eine Magd sagt, Borgil habe umgehend nach ihr verlangt. Kaum ist man mal eine Weile nicht im Haus, schon geht alles drunter und drüber und ich kann mir jetzt sicher anhören, warum ich das alles nicht vermieden habe, aber ich habe leider nur zwei Hände und kann mich nicht an zwei Orten gleichzeitig aufhalten.

Halla will gerade die Treppe hinauf gehen, weil sie Borgil dort vermutet, als dieser auch schon die Treppe hinunter gestampft kommt, und schon an seinem Gesicht kann Halla sehen, dass Borgils Laune den Tiefpunkt wohl schon unterschritten hat. Das einzige was in solchen Situationen bei ihm hilft, ist Feentau und so dreht sie sich herum und eilt hinter die Theke um einen Krug mit Feentau zu füllen, der dann schleunigst auf die Theke wandert und im Moment dort steht als Borgil die Theke erreicht.

Halla sagt nichts, sondern sieht Borgil mit einem Blick aus leichtem Trotz, einer Entschuldigung und auch ein wenig Angst über eine Standpauke an. Wenn sie jetzt etwas sagen würde, wäre es wohl eh das Falsche, denn Borgils Blick und sein Gesicht sind alles andere als hoch erfreut. Die letzten Gäste verlassen gerade murrend die Harfe und der Knecht schliesst die Tür lautstark und dreht den Schlüssel geräuschvoll um, was Hallas Blick zur Tür wandern lässt, der dann aber wieder zu Borgil zurückkehrt und diesmal ist ihr Blick nur fragend.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 05. Okt. 2004, 14:21 Uhr
Nachdem Borgil Sethai gehörig den Kopf gewaschen hat, sitzen der Seher, Nevermore und Aelinor gleichermaßen bestürzt auf dem ruinierten Bett und vermeiden es, sich gegenseitig in die Gesichter zu sehen. So hocken sie einige Minuten lang. Schließlich krabbelt Aelinor vom Bett, grinst alle an, holt ein Handtuch aus einer unversehrten Ecke des Zimmers und gibt es Nevermore, damit diese ihre Blöße bedecken kann. Nevermore ist erleichtert, dass Aelinor den ersten Schritt tut. Ein bisschen wackelig steht sie auf und zieht die völlig verdorbene Bettwäsche herunter. Das Bett an sich ist nur versengt worden, aber noch brauchbar, und so legt Nevermore sich schnell wieder darauf, als die Schwäche sie übermannt. Aelinor rafft die Reste der Bettwäsche zusammen und wirft sie auf den Flur. Wenn Halla oder eine andere Magd das nächste Mal vorbeikommt, wird sie sie abfangen und versuchen, neue Bettwäsche zu bekommen.

Während Aelinor auf dem Flur wartet, verharren Sethai und Nevermore im Zimmer nun wieder in verlegenem Schweigen, Nevermore ständig zupfend und zerrend bemüht, sich mit dem viel zu kleinen Handtuch so gut wie möglich zu verhüllen. Warum, weiß sie auch nicht so genau, denn dass Sethai im üblichen Sinne blind ist, hat auch sie schon bemerkt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Chenyas am 07. Okt. 2004, 12:38 Uhr
Durch das fenster kann Chenyas schon die Nacht dunkeln sehen, als er in seinem Zimmer langsam aufwacht und die Augen öffnet. Sofort ist er hellwach, ein unangenehmer Geruch hat ihn aus den Träumen gerissen. Instinktiv schaut er sich sofort in der Kammer um, doch hier scheint alles in Ordnung zu sein; auch der Schlüssel steckt noch im Türschloss, beruhigt atmet er tief durch und will sich eben wieder hinlegen, als ihm einfällt, woher er den Geruch kennt: Ein Brand!, schießt es ihm durch den Kopf, das ist Feuer!. Hastig schlägt er die Decke zurück und schlüpft in seine ledernen Stiefel, ehe er auf die Tür zuhastet und diese aufschließt.
Auf dem Flur blickt er sich um, doch dieser ist bis auf ihn leer. Gedankenlos eilt er zur nächsten Türe und legt sein Ohr an diese um zu lauschen, doch dahinter ist alles still, kein Geräusch zu hören. So läuft er zur Treppe und folgt dieser hinunetr in den ersten Stock. Vor einem der Zimemr sieht er ein kleines Kind sitzen, das ihn aus großen Augen heraus anschaut. Schnell ist er bei der Kleinen und wirft einen abwertenden Blick auf die verkohlten Stofffetzen, die neben dem Kind auf dem Boden liegen. "Kleine, was ist geschehen?" Er blickt das Mädchen erwartungsvoll an, doch dieses gibt keine Antwort. "Wo sind deine Eltern?" Abermals erhält er keine Antwort. Er verdreht fast unmerklich die Augen und braucht nicht lange nachzudenken, sondern tritt rasch zu der Türe und klopft dreimal fest gegen das Holz. "Ist alles in Ordnung da drinnen?", fragt er mit Nachdruck. Wie er vor der Türe steht und auf Antwort wartet, bemerkt er, dass der Brandgeruch hier ebsonders intensiv ist. Noch einmal wirft er einen Blick auf die Lumpen auf dem Boden, dann kommt ihm ein schlimmer Verdacht. Und er klopft noch einmal, diesmal stärker und mit einem angstvollen Pochen im Kopf.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 07. Okt. 2004, 12:54 Uhr
Aelinor weiß nicht, wie sie die Einmischung des Elben zu nehmen hat, und reagiert erstmal gar nicht auf seine Fragen. Bettwäsche wird er ihr wohl kaum organisieren können, und abgesehen davon wüsste sie nicht, wie er ihr helfen könnte.

Doch als er an die Tür klopft, sieht sie sich zu einer Reaktion gezwungen. Sie springt auf, läuft hinüber und zieht an seinem Rockzipfel. Es ist alles in Ordnung da drinnen. Wir brauchen nur neue Bettwäsche. Ihre großen Augen beschwören den hochgewachsenen Mann, nicht das Zimmer zu betreten. Diese Peinlichkeit möchte sie ihrer geschwächten Mutter unbedingt ersparen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Chenyas am 07. Okt. 2004, 13:02 Uhr
Chenyas schaut das Mädchen etwas verblüfft an, als es plötzlich aufspringt und zu ihm läuft. Aufgeregt schaut es ihn an - und Chenyas ist noch mehr überrascht, als er plötzlich vernimmt, was ihm das Mädchen mitteilen will. Deshalb hatte es mir keine Antwort gegeben, leuchtet es ihm ein, es unterhält sich durch Gedanken. Darauf hätte ich früher kommen sollen! Er schlägt sich in Gedanken vor den Kopf und beugt sich dann hinunter zu der Kleinen, um ihr zu antworten. Aber was ist denn passiert, wieso riecht es hier so brenzlig? Soll ich jemanden holen gehen, wartest du auf jemanden? Das Mädchen scheint nachzudenken und bevor es Chenyas noch antworten kann, fügt er noch hinzu: Mein Name ist übrigens Chenyas.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 07. Okt. 2004, 15:29 Uhr
Und der meine ist Aelinor. Vergebt mir, ich weiß, ich sollte endlich sprechen lernen... Ihr Blick wird nun milder, und ein Lächeln spiegelt sich kurz in den grünen Augen; Chenyas möchte sicher nur helfen, das hat sie begriffen. Da drin liegt meine Mutter, und sie möchte gerade nicht gesehen werden. Es sei denn, ihr könntet ein Kleid besorgen... Sie ist recht klein, vielleicht weiß Halla, die oberste Magd, eine Möglichkeit? Wenn Chenyas sich nützlich machen will, dann hat er hiermit die Gelegenheit.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Chenyas am 07. Okt. 2004, 15:41 Uhr
Ein Kleid, sagst du? Sicher kann ich nach Halla schauen. Ich bin gleich wieder da. Er richtet sich wieder auf und will sich schon zum Gehen wenden, als sein Blick abermals auf die verkohlten Lumpen fällt. Mit einem Lächeln in Aelinors Richtung meint er nur knapp: "Eigentlich ist das nicht meine Aufgabe, aber was soll's", und packt die Fetzen zusammen. Dabei achtet er darauf, dass seine Robe möglichst wenig verschmutzt wird, was ihm jedoch nicht ganz gelingt, und so verzieht er das Gesicht. Er nickt dem Mädchen noch einmal kurz zu und steigt dann die Treppe hinab, um sich auf die Suche nach Halla zu machen.

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Er findet diese in der Schankstube, wo sie mit dem Harfenwirt am Tresen steht. Dieser schweigt, doch sein Blick spricht Bände und Chenyas erkennt sofort, dass er vorsichtig sein muss, um Borgil nicht vollends an die Decke springen zu lassen. Dasselbe hatte ihm auch einer der Knechte gesagt, den er nach Halla gefragt hatte. Danach war er hastig verschwunden; vielleicht, um sich nicht der Laune seines Arbeitsgebers aussetzen zu müssen?

Erst steht er einige Augenblicke nur am Treppenaufgang herum und überlegt, wie er nun am besten vorgehen solle. Schließlich entschließt er sich aber dafür, einfach auf Halla zuzugehen und ihr sein Gesuch vorzutragen. Er geht also los und gibt dabei Acht, dass der Ruß auf den Laken den Fußboden nicht allzu sehr verschmutzt.

"Frau Halla?", spricht er Borgils zweite Hand mit fester Stimme an, "diese Laken hier lagen vor dem Zimmer von Aelinor und ihrer Mutter. Ich bin durch den Brandgeruch aufgewacht und wollte nachsehen, ob denn auch alles in Ordnung ist. Das Mädchen sagte, ich solle nach einem Kleid oder etwas Ähnlichem für ihre Mutter fragen." An dieser Stelle zieht Chenyas die Brauen hoch und senkt die Stimme etwas, obwohl außer ihnen niemand mehr im Raum ist. "Ich will mich da in nichts einmischen und was dort geschehen ist, eght mich nichts an. Aber merkwürdig kommt mir das Ganze schon vor, wenn ich das so sagen darf."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sethai am 07. Okt. 2004, 15:48 Uhr
Kaum hat Borgil dem Seher seine kleine Standpauke gehalten, da ist er auch schon wieder auch dem Zimmer Nevermores verschwunden, noch bevor Sethai ihm mitteilen kann das er kein Geld verlangen wird. Was er gerade getan hat hätte er auch für jeden Anderen gemacht. Wie immer erwartet er für seine Arbeit nur das was die Menschen ihm freiwillig geben wollen.

Nevermore ist von den ganzen Wirren die sie durchlebt hat noch ziemlich mitgenommen und schaut nur verwirrt in den Raum. Doch bevor sie noch Zeit hat sich zu sammeln klopft es auch schon an der Tür und eine Stimme erkundigt sich danach ob Hilfe gebraucht wird. Flugs läuft das Mädchen Aelinor zu ihm und verblüfft ihn durch ihre klaren und so gar nicht ihrem Alter entsprechenden Sendungen.

Da Sethai selbst hier nicht mehr gebraucht wird, wendet er sich Richtung Tür. Beim Verlassen des Zimmers sendet er der Frau auf dem Bett noch einen letzten Gedanken.
Falls Ihr wieder meine Hilfe benötigt, ruft mich nur... ich werde dann kommen...
Der kleinen Aelinor klopft er noch einmal ermuternd auf die Schulter, dann ist er auch schon auf den Flur getreten und verlässt die Harfe schnellen und sicheren Schrittes.

Draußen angekommen setzt er sich dann allerdings auf eine der Bänke im Harfengarten. Das Gasthaus hat heute zwar geschlossen, aber Asrai weiß davon nichts und er hat Ihr versprochen hier auf sie zu warten.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 07. Okt. 2004, 15:59 Uhr
Nachdem sowohl Chenyas als auch Sethai verschwunden sind, stürzt Aelinor wieder ins Zimmer und kuschelt sich eng an Nevermore. Endlich hat sie ihre Mutter wieder, und egal wie schwach sie ist oder wie wüst das Zimmer aussieht, Nevermore ist wach und erkennt sie - das ist alles, was im Moment zählt. Glücklich halten sich beide in den Armen und warten auf Halla oder eine andere Magd mit den Sachen.

Aelinor bewegt jedoch noch eine Sache: zu oft hat sie in letzter Zeit einen Nachteil dadurch gehabt, dass sie nie sprechen gelernt hat. Sie muss das unbedingt nachholen. Nicht auszudenken, was aus ihrer Mutter geworden wäre, wenn kein telepathisch begabter Ancoron zufällig ihres Weges gekommen wäre!

Von Nevermore unbemerkt, bewegen sich ihre Lippen, während sie versucht, Laute zu bilden. Doch außer einem "mmmmmmmm" bringt sie nichts hervor.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 08. Okt. 2004, 20:38 Uhr
Borgil ist gerade dabei, Halla gebührend anzufunkeln ob ihres fragenden Blickes und dem Feentau den Garaus zu machen, als sich das Silberelbenspitzohr, das seit ein paar Wochen in der Harfe logiert, anschleicht. Borgil macht einen Satz fast auf die andere Seite seiner Theke und hat das Handbeil schon halb in der Hand, ehe er realisiert, daß es nur Chenyas ist. >Frau Halla...diese Laken hier lagen vor dem Zimmer von Aelinor und ihrer Mutter. Ich bin durch den Brandgeruch aufgewacht und wollte nachsehen, ob denn auch alles in Ordnung ist. Das Mädchen sagte, ich solle nach einem Kleid oder etwas Ähnlichem für ihre Mutter fragen...<
"Potztausend!" Entfährt es Borgil. "Ich hatte doch die Magd zu ihr geschickt! Ja, muss man hier eigentlich alles selber machen oder funktioniert die Harfe vielleicht auch mal ohne daß ich ständig allen hinterherrenne wie ein Gododdinesel..." er stürzt seinen Krug Feentau hinunter und unterdrückt ein Rülpsen, das die Harfe vermutlich auf der Stelle eingeäschert hätte. "Äh... macht Euch keine Sorgen wegen des Brandgeruchs," wendet er sich schon halb im Gehen an den besorgten Silberelben. "War kein Feuer, nur ein ahm... ausgekommener Zauber. Mit den Magiern und ihrem Mana ist es offenbar wie mit gebackenen Bohnen. Zuviel davon und... äh...na, Ihr wißt schon. Jedes Böhnchen gibt ein Tönchen... oder kennt ihr Elben etwa gar keine? Auch recht. Immer schön nach Jasmin und Ambra duften. Riecht auch besser. Halla, sei so gut und schaff die Laken fort, die lohnen das waschen nicht mehr. Ich gehe hoch und sehe nach Nevermore und der Kleinen. Wo war ich? Ach ja... GRIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIID!" Er stapft die Treppe hinauf und fühlt sich dabei wie der Überlebende eines schweren Drachenangriffs. "Wo zum Donnerdrummel steckt das Bad für Nevermore, das ich dir zu richten befohlen hatte? Und schaff ein Kleid her, aber plötzlich!" Im Gang zu Nevermores Kammer angekommen, trifft er endlich seine schwitzende zweite Magd an, die sich redlich bemüht, in einer Truhe ein passendes Kleid zu finden und schließlich einiges zu Tage fördert, das sie dem verdatterten Borgil kurzerhand in die Arme drückt: ein langes, vanillegelbes und mit Spitze gesäumtes Leinenhemd, ein paar Unterröcke aus feinerem Leinen, ein taubenblauer Rock und ein etwas dunkleres Mieder, dazu blaugestreifte Strümpfe und ein paar einfache, aber gute Lederschuhe. "Häh?" Grid schüttelt nur den Kopf, murmelt etwas von übergekochtem Kessel und schwimmender Küche und eilt wieder davon. "Agh! Mir bleibt nichts erspart. Nein, nein, nein, nein..." Borgil hantiert leicht hilflos mit einem Berg aus Wolle, Leinen und dünnen Strümpfen, der nicht für seine schwieligen Hände geschaffen ist und ihm obendrein die Sicht nimmt und tastet sich fluchend über den Gang zu Nevermores Zimmer vor. An der Tür angelangt, fällt ihm gerade noch ein, doch besser zu klopfen, als einfach hereinzupoltern - seine Harfe hin oder her, seines Wissens nach ist Nevermore immer noch nackt. Nicht, daß das kein entzückender Anblick gewesen wäre, nur für sie war die ganze Angelegenheit wohl eher weniger entzückend. "Hier ist Borgil." Ruft er durch die geschlossene Tür. "Bring' ein paar Kleider. Und das Bad ist auch gleich soweit." Hinter ihm ächzen derweil zwei Knechte mit der Kupferwanne nach oben und Borgil überlegt ernsthaft, sich nicht von ein paar Zwergenhandwerkern Rohre in der Harfe verlegen zu lassen. Hinter den Knechten reiht sich eine Schar Mägde mit dampfenden Eimern in jeder Hand ein und im Gänsemarsch kommt alles den Gang herab. "Genaugenommen steht das Bad gerade vor der Tür."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Chenyas am 08. Okt. 2004, 21:48 Uhr
Die Augen des Elben weiten sich voller Entsetzen, als der Harfenwirt seine Hand nach dem Beil ausstreckt und er tut instinktiv einen Schritt zurück, als Borgil dann plötzlich aufspringt und den Elben mit einem regelrechten Wortschwall überflutet. Dann stürmt dieser nach oben, wobei Chenyas die hingeworfenen Sticheleien allerdings keineswegs entgehen. Typisch Zwerg, denkt er nur und schüttelt im Stillen das Haupt, verlieren viel zu schnell den Kopf und schaffen es nicht, Herr der Lage zu werden. Er hört den Wirt die Stufen hinauftrampeln und oben im Flur nach einer Magd brüllen, dann wird es still über ihm. Er blickt Halla ruhig und mit reserviertem Gesichtsausdruck an, dann empfiehlt er sich höflich und geht zurück auf sein Zimmer, wobei er noch einmal einen raschen Blick auf das Geschehen im Flur wirft, als er dort vorbeikommt. Beim Anblick Borgils, der einen Berg feinster Wäsche auf seinen Armen balanciert, muss Chenyas leise lachen und bevor daraus ein lautes Lachen werden kann, verschwindet er im zweiten Stock und dann in seinem Zimmer.

Dort kleidet er sich neu an, wäscht sich kurz und bürstet sich die Haare, ehe er seine Tasche nimmt und die Harfe wieder verlässt, um sich auf den Weg in die Tausendwinkelgasse zu machen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 11. Okt. 2004, 14:54 Uhr
Die Badewanne wird auf Nevermores Zeichen hin ins Zimmer gezerrt und gefüllt, danach lassen die Mägde und Knechte sie und Aelinor allein. Die Beiden seifen sich fröhlich gegenseitig ab und kümmern sich nicht darum, wieviel Wasser oder Seifenschaum danebengeht - das Zimmer ist ohnehin renovierungsbedürftig, da kann eine kleine Überschwemmung wirklich nicht mehr schaden. Lange Zeit hört man nur ausgelassenes Plantschen, Kichern und Quieken durch die Zimmertüre dringen. Erst als das Wasser kalt ist, steigen Aelinor und Nevermore aus dem Bad. Die Kleine lässt sich zuerst in ein weiches, duftendes Handtuch einmummeln und sieht dann zu, wie ihre Ziehmutter sich ebenfalls abtrocknet. Für Aelinor hat noch niemand neue Kleidung aufgetrieben, doch die zerfetzten Reste ihrer alten Sachen würden wohl schon vor Dreck selbst stehen, und so bleibt sie vorerst in das Handtuch gehüllt. Nevermore kleidet sich währenddessen in die für sie neuen Gewänder. Staunend betrachtet Aelinor das Ergebnis; sie findet ihre Mutter wunderschön und verwandelt. Einzig die verfilzte, nun nach dem Bad aber immerhin wieder rote Lockenmähne entstellt das Bild noch. Sie ist, ebenso wie Aelinors schwarzer Wuschelkopf, weder durch hartnäckiges noch vorsichtiges Kämmen zu retten.

Nach langem Überlegen greift Nevermore zu einem Brotmesser, das noch vom Frühstück auf dem Tablett am Boden liegt, wäscht es im Badewasser ab und beginnt, ihr Haar zu kürzen, wobei ihr Tränen die Wangen herunterlaufen. Als sie fertig ist, kringeln sich etwa fingerlange kupferne Locken um ihr Gesicht und rahmen es sehr niedlich ein; sie sieht nun aus wie höchstens 15, aber der Anblick trocknet immerhin die Tränen, auch wenn sie den Verlust ihrer langen Haare bedauert. Als nächstes ist Aelinor dran, doch ihr macht die Prozedur nichts aus. Während Nevermore mal hier säbelt, mal da schnippelt, spielt die Kleine kichernd mit den schwarzen und roten Strähnen, die zu Boden gefallen sind.

Schließlich knotet Nevermore Aelinor so in ihr Badetuch ein, dass es eine Art Toga bildet, hebt das barfüßige Mädchen hoch und geht mit ihr hinunter in den Gastraum, um zu frühstücken. Auf dem Weg die Treppe herunter übt Aelinor wieder: "Mmmmmmmmmmmmmmm...maa....mmm..."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 11. Okt. 2004, 22:08 Uhr
Nach dem Frühstück hat Nevermore Halla aufgesucht und sich von ihr eine ausrangierte Lederschürze, eine starke Nadel, eine Wachskerze und dickes Garn geben lassen. Aus diesen Materialien hat sie im Laufe des Vormittags etwas gebastelt, das mit einigem guten Willen als Schuhe für Aelinor durchgehen kann. Es ist ihr wichtig, auch die Kleine einzukleiden, damit sie mit ihr in die Stadt gehen kann. Nevermore erinnert sich an eine leerstehende Mühle, in die sie und Reed vor langer Zeit erwogen einzuziehen, und sie möchte nun unbedingt schnellstmöglich Erkundigungen nach dem Eigentümer, falls es einen gibt, und dem Kaufpreis einholen. Jedoch verschiebt sie dies auf morgen, denn noch erlaubt ihre körperliche Verfassung keinen Stadtbesuch.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Pasqua am 15. Okt. 2004, 13:50 Uhr
Hinter dem Knecht, der die große Truhe mit ihrer Habe in den Schankraum schleppt, betritt Pasqua die "Goldene Harfe".
Etwas verunsichert ist sie nun doch... ihre Hand hällt Bjarns Halsband im festen Griff.
Sie tritt zur Theke und wartet auf den Wirt, um ein Zimmer zu  mieten und eine Speise zu bekommen, eine Schüssel Wasser und einen guten, heißen Kräutertee mit einem Schuß drinnen, der ihr Herz erwärmen soll.

Der Knecht trägt derweil die Truhe zu den Zimmern, unter ordentlichem Keuchen und Ächtsen.

Pasqua bedeutet Bjarn sich hinzulegen, was dieser auch tut... naja, zumindest setzt er sich... schließlich muß man in der Fremde jederzeit auf der Hut sein.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 15. Okt. 2004, 14:30 Uhr
Die Decke ist war, mümmelt sie fest ein und lindert so das Zittern ihres Körpers ein wenig. Ohne zu wissen, dass sie dies wirklich tut, starrt sie zur Decke hoch, nimmt sie jedoch nicht wahr. Eine braune verschwommene Fläche, nichts weiter, denn in ihren Inneren ziehen andere Bilder vorbei, Bilder welche sie selbst nicht begreift, angefangen bei dem Herr Zwerg, der in das kalte Steinzimmer dieses Blaumantels stürmt, der alte Mann, welcher sich zurückzieht, wieder Borgil, ja, daran kann sie sich alles erinnern… Am wie um der Götter Willen sie in dieses Zimmer des Blaumantels, mit den steinernen Wänden gekommen ist, ist ihr schleierhaft. Gerade eben hat sie doch noch gesehen, wie Liselle von einem fremden Mann zu Boden geschlagen wurde, und das war im Wald geschehen.  Weit ab von der Stadt, wie kann also plötzlich Borgil bei ihr sein, wie kann sie plötzlich in einem Bett liegen und warum verflucht nochmals, ist sie derart verletzt?

Ein erneutes Beben geht über ihre Lippen, welche sie sogleich fest zusammenpresst, und einen Moment später, das Gesicht schmerzhaft verzieht. Ihr ganzer Leib schmerzt, sie wagt es kaum eine Hand zu bewegen, denn schon dann fahren Wellen von glühenden Schmerzen durch ihren Arm. Daher liegt sie starr da, weiterhin die decke betrachtend und noch einmal die inneren Bilder zurückverfolgend um vielleicht einen Hinweis darauf finden zu können, was wirklich geschehen ist.
Ein ersticktes Keuchen kommt aus ihrem Mund, als sie an einem Punkt angelangt, der ihr einen eisigen Schauer über den Rücken jagt und sie regelrecht zusammenzucken lässt. Als Borgil sie hierher in die Harfe gebracht hatte, war da nicht der Name… dieses Sehers gefallen, Sethai?
Soll dieser seltsame Elf etwa hier sein? Hier in der Harfe, in ihrer Nähe? Was tut er schon wieder hier? Ein Wimmern dringt aus ihrer Kehle, als sie das Gefühl hat, wieder von neuem die Schmerzen zu spüren, welche er ihr zugefügt hat. Adern von Feuer hatten sich über ihre Haut gezogen, und waren eine lange Zeit zu spüren gewesen. Warum hat er dies getan? Hatte sie ihm denn wehgetan? Nein, also, warum?
Das er hier sein könnte macht ihr Angst, soviel das sie sich dazu durchringt die schmerzen so gut es geht zu ignorieren und zur Türe zu blicken, welche sie gerade noch verschwommen zu erkennen vermag. Doch nicht nur das, nein, auch eine Person steht dort, vielleicht ein junger Mann? Wo ist der Herr Zwerg? Er hat sie zwei seiner Knechte übergeben, doch wo ist er jetzt? Da geht plötzlich die hölzerne Türe auf und der zweite Knecht, der sie in sein Gemacht gebracht hat, tritt ein, auf den Armen ein Tablett und einen Krug balancierend. Der Zweite, nimmt es ihm schnell ab und scheint sie dann noch einmal anzuschauen, genau kann sie dies nicht sagen, zu sehr ist sie noch darauf konzentriert, sich endlich zu entscheiden, welche Farbe denn nun sein Gesicht bekommen soll, welches immer wieder mit seinem Hemd und dann wieder mit der Wand hinter ihm verschmelzt. Als er jedoch näher kommt, kriegt auch er endlich eine gesunde rosa Farbe, wenn auch mit einem leichten Grünstich von Seitens seiner Weste, doch schon alleine, das sie endlich erkennen kann wie er ungefähr aussieht, lässt sie schon ruhiger werden. Angestrengt versucht sie ihre Lippen zu bewegen, dabei ihre Augen schliessend, um die Schmerzenstränen zu verbergen, welche sich darin sammeln. Doch trotzdem schafft sie es nicht, einen wirklich als Wort identifizierbaren Laut zu formen, nur kehlige Geräusche sind das Ergebnis. Ihre Finger krallen sich in die Laken ihres Bettes und angespannt probiert sie noch einmal dem Knecht mitzuteilen was sie denn sagen will. Dieser hat bei ihrem seltsamen Gebaren frühzeitig halt gemacht, und blickt sie nun misstrauisch an, als wäre es ihr möglich sogleich jeden Moment fauchend aus dem Bett zu springen und ihm an die Kehle zu fahren.
Warum sollte sie das üvberhaupt tun? Hat sie jemals so etwas getan? Wieder wird ihr bewusst, das sie sich an viele Dinge nicht erinnern kann. Fragen über Fragen häufen sich bei ihr und diese zwei Knechte werden sie ihr wohl kaum beantworten können, denn die Beiden scheinen sowieso auch noch Angst vor ihr zu haben, wozu es momentan, so eingebunden wie sie ist, rein überhaupt gar keinen Grund gibt.
„Sssweg….zssserg…. hfff...“ Müdigkeit machte sich breit, doch wenn sie nun einschlafen würde, wäre der Seher vielleicht immer noch in ihrer Nähe und dieser Gedanke ist wie ein Stich in ihre frischen Wunden. „zs…Zwweg… Zswergh…“ Der Knecht, scheinbar verstehend, das sie lediglich versuchte etwas zu sagen, hatte sich etwas zu ihr hinabgebeugt, jedoch weit genug entfernt, dass sie ihn auch ja nicht beissen konnte. Nun scheint er für einen Moment zu überlegen, was sie gemeint haben könnte, und sieht seinen Kumpanen fragend an. Dieser zuckt jedoch nur mit den Schultern und meint schliesslich mit einer Geste: „Vielleicht sollten wir Herrn Borgil holen, möglicherweise versteht er was sie will.“
Wenn sie Beiden auch nicht verstanden haben, was Azra ihnen versucht hat mitzuteilen, so läuft es doch aufs Gleiche hinaus, und mit einem Schlucken lässt sie sich wieder entspannt zurücksinken, so gut dies auf jeden Fall möglich ist. Das Bett ist äusserst weich und das Land der Träume zieht an ihrem Bewusstsein, doch sie weiss nicht, was sie dort erwartet. Träume vielleicht? Und wenn ja, was für Träume? Nein, zuerst fragen was geschehen ist und ob der Seher noch immer hier verweilt, das war wichtig, sonst würde ihr Schlaf bestimmt unruhig werden.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 15. Okt. 2004, 19:38 Uhr
Von einer Katastrophe in die nächste gestürzt und von Nevermore vollkommen ignoriert, hatte Borgil den mißratenen Tag, nachdem er der jungen Frau ihre Kleider gebracht hatte, endgültig in Feentau ertränkt - und ist am nächsten Morgen entsprechend verkatert. Feentau ist ein wahrlich übles Gesöff, bestens geeignet, selbst den härtesten Zwergenschädel in ein summendes Hornissennest zu verwandeln - und entsprechend ist seine Laune, als die Harfe mit Sonnenaufgang wieder ihre gewohnte Geschäftigkeit beginnt und Tür und Tor für Reisende und Gäste aller Art öffnet. Die Mägde unter Hallas Regiment - eine erklärte Feindin jeglichen Müßiggangs - hatten den gestrigen Abend mehr oder weniger freiwillig damit verbracht, die Küche, den Tresen und die Gaststube gründlich zu wienern, so daß das gesamte Erdgeschoss der Harfe glänzt wie ein neuer Kupferling. Borgil, übellaunig und von höllischem Kopfschmerz geplagt, steht grummelnd und fluchend und bei jedem lauteren Geräusch zusammenzuckend hinter seinem Tresen und der Tag vergeht zur Hälfte recht ereignislos, wofür er ausnahmsweise einmal dankbar ist. Gegen Mittag fällt eine Heerschar durchreisender Steinmetze aus Sûrmera in die Harfe ein und mietet sich für die Nacht den halben Ostflügel, doch nichteinmal die klimpernden Silberlinge der Händler vermögen auf das mürrische Zwergengesicht einen freundlicheren Ausdruck zu bringen. Borgils armes Hirn ist nichts als infernalistisches Dröhnen und bimmelnde Zimbeln, nicht einmal vier rohe Eier und eine kräftige Prise azurianischer Pfefferschoten haben etwas ausrichten können. Er ist so elend, daß er nur noch sterben möchte und wenn ein Narg hereinspaziert wäre und angeboten hätte, ihm den Kopf von den Schultern zu trennen, hätte er dankend angenommen. Am Nachmittag eilt einer der Knechte zu ihm und gibt ihm Bescheid, das Mädchen sei endlich aufgewacht und rede wirres Zeug, er müsse kommen und Borgil ist eben dabei, seine allgegenwärtige Wirtsschürze abzunehmen, als eine junge Frau mit einem großen Hund hereinschneit. Sie ist nicht sonderlich groß mit glänzend braunem Haar und lebenslustigen, grünen Augen, einer zierlichen Nase mit tausend Sommersprossen darauf und Grübchen in den Wangen... und mit einer Figur, die Borgil noch auf dem Totenbett dreimal hätte hinsehen lassen. Und zum ersten Mal an diesem Tag zeigt sich so etwas wie ein Lächeln unter dem roten Zwergenbart. Die junge Frau tritt an die Theke, blickt sich suchend um und Borgil räuspert sich. "Ich nehme an, Ihr wollt zu mir - dem Wirt. Und wie ich sehe, gedenkt Ihr, Euch hier ein Zimmer zu nehmen." Er nickt in Richtung des Knechtes, der eine Truhe unter leisem Fluchen die Treppe hochwuchtet. "Eine kleine, einfache, aber saubere Dachkammer, oder lieber etwas Geräumigeres?" Er mustert sein Schlüsselbord mit einem abschätzenden Blick - die Harfe ist zwar nicht voll belegt, aber gut gefüllt und bis zum Winter, wenn sehr viel weniger Reisende unterwegs sein würden, würde sich daran auch nicht groß etwas ändern.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Pasqua am 15. Okt. 2004, 22:22 Uhr
Pasqua lächelt den Zwergen freundlich an... immerhin, ein Zwerg der sie überragt...
"In der Tat, ein Zimmer hätte ich gerne, und die Dachkammer soll mir genügen, ich brauche nicht viel Platz.
Auch eine Mahlzeit würde ich gerne zu mir nehmen, die Reise war lang... eine Schale Wasser und eine Tasse Tee wären schließlich vollständige Erquickung.
Ich hoffe, Meister Wirt, der Hund darf bei mir bleiben... nur ungern würde ich ihn im Stalle unterbringen, ist er mir doch Freund und Schutz, aber ich richte mich selbstverständlich nach Euren Geboten."
Sie errötet leicht... manchmal sollen weniger Worte mehr sein, sagte zumindest ihre alte Mutter immer. Nun ja, der Wirt scheint freundlich zu sein, und sein Blick ruht wohlgefällig auf ihr, sicher nimmt ers ihr nicht krum.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 15. Okt. 2004, 23:09 Uhr
Tee?Borgil tauscht einen kurzen Blick mit dem Knecht, der immer noch mit der Truhe zugange ist, und bei dem Wort "Dachkammer" grummelnd die zweite Treppe in Angriff nimmt und nickt dann. "Äh... Tee, in Ordnung. Kräutertee wird sich irgendwo in meiner Küche finden. An Mahlzeiten hat die Harfe alles Übliche zu bieten - außerdem sind Wildwochen und es gibt frische Pilze. Steinpilze, Pfifferlinge, Wiesenchampignons - sind heute morgen erst gesammelt worden... na, darum werden sich dann die Schankmädchen kümmern. Ihr findet alles auf der Karte. Die Dachkammer kostet Euch eine Handvoll Kupferling am Tag mit Morgenmahl. Eure Wäsche könnt Ihr getrost den Mägden anvertrauen, die werden sich darum kümmern." Borgil nimmt einen kurzen Eisenschlüssel mit dickem Bart vom Schlüsselbord, an dessen Griff ein kleines Holzschild mit der aufgeprägten Ziffer 7 baumelt und reicht ihn der jungen Frau. "Euer Hund? Selbstverständlich, ich hab' nichts gegen Hunde, solange er die Gäste in Ruhe läßt und nicht in der Küche bettelt, kann er sich hier frei bewegen. Bitte. Sucht Euch einen Tisch aus und bestellt bei einem der Mädchen. Ich muss weiter, man sieht sich bestimmt, solange Ihr hier wohnt." Er nickt der jungen Frau noch einmal zu und überläßt sie dann der Fürsorge Hallas oder einer der anderen Schankmädchen und Servierjungen. Azra war aufgewacht, wie es scheint - und offenbar noch immer nicht wieder bei klarem Verstand.

In seinen Privatgemächern im Nordflügel der Harfe angelangt, findet er seinen verwundeten Schützling tatsächlich wach vor, wenn ihre Augen allerdings noch ein wenig blutunterlaufen und glasig vor Erschöpfung sind. Borgil nähert sich dem Krankenlager so vorsichtig, als laufe er über Drachenglas und setzt sich zu ihr. "He, wen seh ich denn da? Na...bist aufgewacht, Mädel. Nein, nein, nicht bewegen, bleib ganz ruhig liegen. Warst ziemlich weggetreten die letzte Zeit. Bist wieder in der Harfe und in Sicherheit auch. Musst dir keine Sorgen mehr machen. Hier... Brühe und frisches Brot. Und Wasser. Du mußt was essen und viel trinken hat Maester Ballabar gesagt."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Pasqua am 16. Okt. 2004, 00:24 Uhr
Pasqua nimmt den Schlüssel vorsichtig entgegen... ein Zimmer zum Abschließen, was für ein Luxus!
Dann schaut sie dem Zwerg nach, der davonwuselt. Anscheinend hat sie hier einen artverwandten Gesellen gefunden... er kann genauso schnell reden wie sie.

Sie winkt einer Schankmaid und bittet um eine Schüssel Wasser, um sich erst einmal zu reinigen, dann steigt sie die Treppe hinauf und beschaut sich das Zimmer.
Mit den Fingerspitzen streicht sie über die warme Bettdecke und das untergeschlagene Laken... sauber, anscheinend keine Mitbewohner.
Anschließend betrachtet sie den kleinen Tisch mit der kleinen, rot-weißen, Tischdecke in der Mitte und den einfachen Holzstuhl, dann die kleine Kommode, deren Schubladen mit Stoff sauber ausgelegt sind. Zufrieden nickt sie.

"Nun machen wir es uns ein wenig gemütlicher, was Bjarn?" Sie lächelt, als dieser leicht mit der Rute auf den Boden klopft und öffnet die Truhe.
Zuerst nimmt sie ein Schaffell heraus und legt es am Fußende des Bettes auf den Boden, als Lager für den Hund.
Ein Kissen mit einem Bezug aus Wollstoff legt sie als Polster auf den Stuhl, damit es gemütlicher wird.
Auf den Tisch stellt sie eine kleine, hölzerne Statue der Göttin Amirati, die ein Füllhorn in Händen hällt aus dem die  Symbole ihrer Archonten rinnen, Blüte, Ähre, Apfel, Traubenrebe und der Baum. Davor plaziert sie ein kleines, durchbrochenes Kupferdöschen, dem ein angenehmer, heimeliger Geruch entströhmt.
Zu guter Letzt holt sie hellblaue Stoffbahn, Hammer und zwei kleine Nägel aus dem Koffer. Schnell ist der Stoff so an den schmalen Fensterrahmen genagelt, dass er wie ein Vorhang sanft an den Seiten herunterwallt.

"So gefällt es uns, Bjarn" murmelt sie in Richtung des Hundes, der es sich auf seinem Fellplatz gemütlich gemacht hat.
Ein leises Klopfen an der Türe kündigt die Magd an, Pasqua öffnet ihr dir Türe und nimmt dankend das warme Wasser entgegen, und stellt es auf dem Tisch ab.
Die staubigen Reisekleider werden abgelegt und in einen Wäschebeutel gepackt, ein beiger Rock und eine naturweiße Bluse herausgelegt. Mit einer wohlriechenden Kräuterseife verschwindet schnell auch die letzte Erinnerung an die lange, unbequeme Reise.

Ordentlich gekleidet und sich wieder wie ein Mensch fühlend, kommt Pasqua in den Schankraum hinunter um zu speisen. Den Wäschebeutel übergibt sie einer Magd, Bjarn hat sie oben zurückgelassen.
Zuerst einmal bestellt sie einen Tee mit Schuß, dann widmet sie sich der Speisekarte. Pilzpfanne und frisches Brot, dazu ein Krug Dünnbier, finden ihre Zustimmung, immerhin, der erste Tag hier in Talyra ruft nach einem Festmahl. Für Bjarn fragt sie nach Abfällen und Knochen, die in einem solchen Gasthaus ja immer anfallen.

Während sie auf ihr Essen wartet, schaut Pasqua sich um, mustert die anderen Gäste und versucht einige Gesprächsfetzen aufzuschnappen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 16. Okt. 2004, 10:21 Uhr
Halla hatte nicht viel mit Borgil geredet und ihn nur weiter mit Feentau versorgt. Und sie hatte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, da die Harfe nun bar jeder Gäste war, eine Grundreinigung vorzunehmen. Sie hatte zwar an den enttäuschten Gesichtern der Mägde gesehen, dass ihnen das gar nicht gefiel, da sie auf einen freien Tag gehofft hatten, aber Halla war stur geblieben und hatte alle gescheucht bis auch der letzte Winkel der Harfe glänzte wie bei der Eröffnung. Zufrieden hatte sie sich spät abends zu Bett begeben und war morgens munter und gut ausgeruht wieder im Schankraum erschienen, ganz im Gegensatz zu Borgil, den sie auf Grund seines fürchterlichen Katers, vollkommen in Ruhe gelassen hatte.

Der Tag hatte sich dahingezogen wie jeder andere Tag in der Harfe, ausser das Borgils 'Kater' überall zu spüren ist, was Halla aber nicht wirklich stört, denn sie kennt den Wirt der Harfe schon viel zu lange, um sich davon aus dem Konzept bringen zu lassen. Das erste Lächeln schleicht sich auf Borgils Gesicht als ein neuer Gast an die Theke tritt. Die junge Frau hat fast dieselbe Figur wie Halla und sogar fast auch ihre Grösse, allerdings ist sie eindeutig menschlich. Halla muss etwas schmunzen als sie Borgils leicht bewundernden Blick über die Frau gleiten sieht. Nachdem der Schlüssel übergeben ist, wird Borgil allerdings in seine Zimmer gerufen, da Azra wohl erwacht ist.

Die junge Frau geht auf ihr Zimmer und kommt nach einer Weile gewaschen und frisch gekleidet wieder in den Schankraum und gibt ihre Bestellung bei Grid auf. Als Sigrun die Pilzpfanne nach vorne bringt, ist Grid grad mit ein paar Händlern aus dem Süden beschäftigt, die ihre hochnäsige Art an Grid ausprobieren wollen, was diese aber geschickt nicht zulässt. So nimmt Halla sich die Pilzpfanne und bringt sie der jungen Frau an den Tisch. Sie lächelt freundlich als sie die Pfanne abstellt und begrüsst die Frau." Auch ich möchte euch noch in der Harfe begrüssen, sollte etwas nicht zu eurer Zufriedenheit sein, dann wendet euch an mich, ich heisse Halla. Und nun lasst es euch schmecken."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 16. Okt. 2004, 11:48 Uhr
Sie muss nicht lange warten und solange sie dies tut, schliesst sie ihre Augen und versucht die Schmerzen welche sie heimsuchen so gering wie möglich zu halten. Gleichzeitig probiert sie auch die Angst nicht übergreifen zu lassen, das würde jetzt weder ihr noch dem Herr Zwerg viel bringen. Da fällt ihr plötzlich ein das der Seher dies wissen wird, warum ist er also dann hier? Legt er es drauf an? Oder kennt er den Herr Zwerg gar? Der Gedanke lässt ihren Magen auf der Stelle eine Kehrtwendung machen und ihr ganzer Körper spannt sich an. Mit grossen Augen starrt sie in die Leere und versucht zu begreifen was dies denn bedeuten würde. Würde der Herr Zwerg ihr denn glauben, wenn sie ihm erzählen würde, was der Seher getan hätte? Oder sind sie gute Freunde und Borgil wird nur denken, das sie im Fiebertraum daherrede?
Panik versucht sich in ihr breit zu machen und ein Stöhnen dringt aus ihrem Mund als sie sich zur Seite wendet um die Türe im Blickfeld zu haben.

Lange muss sie sie nicht anstarren wie eine seltene Rarität, denn schon wird sie vorsichtig geöffet und ein feuerroter Bart zeigt sich im Türspalt. "He..Szzerg..." Wie von selbst zucken ihre Mundwinkel leicht in die Höhe und es ist ihr, als würde ein schwerer Stein von ihrem Herzen genommen werden. Die eindrückliche Gestalt ihres Beschützers füllt sie mit einer wohligen Wärme, welche sie seit ihrer überstürtzen Flucht nicht mehr gefühlt hatte. Langsam kommt er näher, irgendwie zu langsam, aber das ist nicht wichtig, denn schliesslich ist es lediglich von Bedeutung das er in ihrer Nähe ist, was schon genug für sie ist. Mit einem kindlichen Lächeln auf dem bleichen Gesicht, grinst sie ihn leicht verzerrt an, da die Schmerzen sich trotzdem auch hier und jetzt bemerkbar machen.

"He, wen seh ich denn da? Na...bist aufgewacht, Mädel. Nein, nein, nicht bewegen, bleib ganz ruhig liegen. Warst ziemlich weggetreten die letzte Zeit. Bist wieder in der Harfe und in Sicherheit auch. Musst dir keine Sorgen mehr machen. Hier... Brühe und frisches Brot. Und Wasser. Du mußt was essen und viel trinken hat Maester Ballabar gesagt."
Essen? Trinken? Ja, das ist vielleicht keine schlechte Idee, denn ihre Kehle fühlt sich an wie mit Sand ausgewaschen. Doch jetzt ist Wichtigeres zu bereden, wenn sie auch selbst noch nicht genau weiss, wie sie es ihm erzählen soll, ohne dabei ihre Zunge zu verschlucken. Für einen Augenblick sieht sie hilflos zu ihm auf, bevor sie sich konzentriert und dann versucht die Worte, welche in ihrem Kopf herumgeistern über ihre Lippen kommen zu lassen: "D.. Sssehrr.. haff.. Sseeher.. nohhch... hier?... Ehr.. war da..." Es ist ihr als würden wieder Bahnen von glühendem Feuer über ihre Haut laufen und sie zuckt leicht zusammen. Sie kann nicht einmal ihre zierliche Hand heben um nach den Fingern des Zwergen zu greifen, was sie vor Angst keuchen lässt.
Nocheinmal zittern ihre Lippen, als sie erneut zum Sprechen ansetzt: "Ehhr.. warda... ehhr.. haft... ... ... Angsssst... maht... und... SChmerssen..." wieder folgt eine mehr oder minder lange Pause in der sie wieder ein wenig Luft zu bekommen versucht um ihm auch noch mittzuteilen das dies der Grund für ihre Flucht war, doch irgendwie scheint sich ihre Zunge verfangen zu haben und nur noch ein unverständliches Gebrabbel dringt aus ihrem Mund. Mit starrem Blick sieht sie ihn an, versucht ihm alleine durch die Angst welche sie empfindet mittzuteilen was an dem Tag ihrer plötzlichen Flucht geschehen ist.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Pasqua am 16. Okt. 2004, 14:03 Uhr
Pasqua reicht der Magd freundlich die Hand "Pasqua Narabi, Baderin aus Verd am See"
Nachdem die Hand geschüttelt wurde wendet sie sich der Pilzpfanne zu und schnuppert. "Das riecht sehr lecker", lobt sie die Speise.
Mit dem Löffel und Brot zum tunken rückt sie den Pilzen, Zwiebeln und Speckstücken zu Leibe, immer wieder unterbrochen von einem wohligen Seufzen oder lobenden Nicken in Richtung der Mägde... was für eine Leckerei!
"Meine Mutter," zwischen zwei Bissen, "Meine Mutter, Sithech möge freundlich zu ihr sein," formt mit einer Hand schnell das Zeichen des Totengottes, "machte die Pilze fast genauso.... nur den Speck mußte man daheim suchen."
Schnell ist die große Portion verputzt und das Dünnbier getrunken, Pasqua verschränkt die Hände über dem Bauch und strahlt glücklich.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Asrai am 20. Okt. 2004, 16:29 Uhr
Ein wenig schade findet Asrai es schon, dass sie und Eade ihr Gespräch wegen des Mädchens, das unten gewartet hat, unterbrechen mussten, aber sie weiß auch, dass das gut ist. Das Treffen mit Eade hat sie sehr mitgenommen und auch für Eade wären zu viele Informationen über deine Vergangenheit sicher auch nicht gut. Sie würde ihn ganz langsam, Stück für Stück mit Erinnerungen eindecken und vielleicht würde das helfen. Liade... Auf gewisse Weise ist ihr dieser Name unheimlich. Sicherlich, weil so viel verlorene Zeit damit verbunden ist.

Lächelnd verabschiedet sich Asrai von Eade und verlässt den Pfirsich. Noch immer spürt sie seine zarte Hand auf ihrer Wange und denkt daran, wie er ihr die Tränen aus dem Gesicht gewischt hat. Es erscheint ihr alles wie ein Traum.
Draußen wird es langsam dunkel und es ist inzwischen so kalt geworden, dass Asrai sich eng in ihren Mantel einwickeln muss. Vom kalten Wind bekommt sie eine rote Nase, doch sie merkt es gar nicht. Ob Sethai meinen wirklichen Namen kennt? Viele verschiedene Gedanken kreisen in ihrem Kopf umher, so dass sie gar nicht anders kann, als komplett durcheinander zu denken.

Als sie endlich an der Harfe ankommt, sieht sie verwundert, dass Sethai im Harfengarten sitzt. "Ist es dir hier draußen nicht zu kalt?", fragt sie ihn lächelnd, als sie an ihn herantritt und ihn umarmt. "Ich hoffe, du wartest noch nicht lange."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sethai am 20. Okt. 2004, 16:49 Uhr

Einige Zeit schon sitzt Sethai vor der Harfe, als er schließlich spürt wie seine Gefährtin sich ihm nähert. Auf den Klang ihrer Stimme dann erhebt er sich und schließt sie in eine herzliche Umarmung. Sanft fahren seine Hände durch Ihr wundervolles Haar und verweilen dann auf ihrem Rücken wo er sie an sicher hält. Noch bevor er irgend etwas erwidert küsst er sie sanft auf die Lippen. Dann erst spricht auch er. „Mein kleiner Stern, ich warte noch nicht so lange und ich hätte auch noch weit länger gewartet. Und hier draußen warte ich da Borgil die Harfe heute leider geschlossen hat für den Rest des Tages. Ich fürchte das unser Abendessen hier also leider ausfallen wird.“

Er hofft sehr das Asrai nicht zu enttäuscht darüber ist das das versprochene Essen nun nicht stattfinden kann. Sie hatte sich sehr auf den Abend gefreut und da es zu einem nicht geringen Teil seine Schuld ist das die Harfe zu ist, plagt ihn dieser Gedanke doch. Deshalb nimmt er sich vor dafür zu sorgen das es dennoch ein schöner Abend für Asrai und ihn wird.

„Was möchtest Du stattdessen unternehmen? Oder sollen wird den Abend dann doch Zuhause verbringen und das Essen morgen nachholen?“ Bei diesen Worten streichelt er sie zärtlich über die Schultern. Er spürt bei dieser Berührungen das es auch für sie kein leichter tag war und eine Art Unruhe in Ihr herrscht, mehr kann er jedoch nicht erfahren, da die schöne Wasserfee ihm verschlossen ist.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Asrai am 20. Okt. 2004, 16:57 Uhr
Es tut ihr gut, in den Arm genommen zu werden. Sie würde Sethai später von dem erzählen, was heute geschehen ist. Das die Harfe geschlossen ist, enttäuscht sie nicht. Viel lieber würde sie jetzt nach hause gehen und sich einen gemütlichen Abend mit Sethai machen, um sich zu beruhigen.

"Lass uns nach hause gehen und ich koche uns dort etwas.", antwortet sie lächelnd auf Sethais frage. "Das Essen in der Harfe können wir ein anderes Mal immer noch nachholen. Ich fühle mich auch sehr müde und bin ehrlich gesagt froh, dass Borgil die Harfe für heute geschlossen hat." Sie gibt Sethai einen liebevollen Kuss und ergreift dann seine Hand. Gemeinsam begeben sie sich auf den Weg nach hause. Auf dem Weg fällt ihr etwas ein. "Ich habe vergessen, Morgana von dir zu grüßen. Es tut mir so leid. Ich war mit meinen Gedanken einfach völlig woanders und sie hatte einen Patienten und dann letztendlich auch noch Besuch, da habe ich einfach nicht mehr dran gedacht." Sie weiß, dass Sethai ihr dies nicht übel nehmen wird, aber ein schlechtes Gewissen kann dieses Wissen nicht verhindern. "Ich denke, wir sollten sie in den nächsten Tagen einmal gemeinsam besuchen. Sie hat das Kind auf die Welt gebracht. In der Zeit, in der ich sie nicht gesehen habe, habe ich überhaupt nicht mehr daran gedacht, dass sie schwanger war. Es ist ein Junge. Gesehen habe ich ihn aber nicht.", berichtet sie von ihrem Besuch in der Kräuterkate.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Yana am 21. Okt. 2004, 20:54 Uhr
Die Waldelbe und der Magier schlendern über den Marktplatz und öffnen die Türe zur Goldenen Harfe. Sofort dringt Lärm von unzähligen Gästen nach draussen und Yana grinst Nguyen amüsiert zu. „Ich denke, ich muss mich zuerst an diese Geräusche gewöhnen, doch es hört sich nach guter Stimmung an.“ Sie zieht den Mann ins Innere des Gasthofes und setzt sich mit ihm an einen Tisch. Viele Augenpaare schauen zu den beiden hinüber und Yana strahlt über das ganze Gesicht. Ihre Augen sprühen goldene Fünkchen und sie schaut Nguyen mit leicht geröteten Wangen an.

„So viele Leute auf einem Haufen und alle sind glücklich, das gefällt mir wirklich sehr hier, doch es ist etwas warm.“ Die Waldelbe legt den schwarzen Umhang beiseite und knöpft den obersten Knopf ihres weissen, gut sitzenden Hemdes auf. Die Tätowierungen an ihren Handgelenken sind so gut zu sehen und Yana streift schon fast demonstrativ die Ärmel nach oben. „Nun, was kann man denn hier alles Essen?“ Fragt Yana neugierig und schnuppert. „Es riecht auf jeden Fall sehr köstlich hier, obwohl der viele Rauch die guten Düfte etwas stört.“ Lachend deutet sie auf einen älteren Mann, der in der Nähe den beiden sitzt und gemütlich an einer rauchenden Pfeife zieht.  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nguyen am 23. Okt. 2004, 05:18 Uhr
„Oh ja.... die Geräusche einer Taverne, daran musste auch ich mich erst gewöhnen als ich auf Reisen gegangen bin. Wisst Ihr, Jahrzehnte habe ich in den Hallen und Türmen meines Ordens verbracht, habe ich durch die gewaltigen Kellerarchive gestöbert oder in den großen Bibliothekssäalen verbracht. All das hatte eins gemeinsam: Ruhe. Selbst bei Tisch ging es gesittet und ruhig zu. Und dann die Umstellung als ich das erste Mal seit langer langer Zeit wieder eine Taverne betreten habe. Beinahe ein Geräuschexplosion, so das ich fast schon zurückgestolpert bin um den Raum wieder zu verlassen. Inzwischen ejdoch habe ich mich daran gewöhnt. Menschen verursachen eben Geräusche, besonders wenn sie ausgelassen und fröhlich sind. Und Ihr werdet Euch ebenso daran gewöhnen, da bin ich mir sicher...“, greift Nguyen Yanas Bemerkung auf nachdem sie sich an einen leeren Tisch gesetzt haben.

Bevor er jedoch weitersprechen kann tritt eine Mogbar an den Tisch und erkundigt sich na ihren Wünschen. Da der Magier inzwischen doch recht hungrig ist, ordert er einen Eintopf – er hat die Erfahrung gemacht das die Eintöpfe in der Harfe einfach köstlich sind – und einen Krug Bier dazu. Zwar trink er Wein weitaus lieber, aber irgendwie passt selbiger nicht so ganz zu einem deftigen Eintopf. Dann wartet er bis auch Yana bestellt hat.

Die Elbe hat währenddessen – nach einer Bemerkung über die Wärme in der Gaststube – ihren schwarzen Umhang ausgezogen und auf einen leeren Stuhl neben sich gelegt und den obersten Knopf ihres Hemdes gelöst. Ihres recht betont sitzenden Hemdes. Nguyen sucht unbemerkt beinahe augenblicklich nach einem anderen Punkt auf den er schauen kann, Bei Shenrah, es ist wirklich heiß hier... und findet diesen auch bald, als Yana schließlich auch Ihre Ärmel hochstreift und somit ein Paar auffälliger Tätowierungen zum Vorschein kommt.

>> „Nun, was kann man denn hier alles Essen?“, fragt sie, während die Mogbarfrau noch anwesend ist. Da er sich nicht sicher ist ob die Frage an ihn oder an die Magd gerichtet ist antwortet er Ihr einfach schnell und einfach. „Probiert doch auch den Eintopf. Ich kann natürlich nur für mich sprechen, aber ich finde er ist einfach herrlich. Aber Vorsicht. Wenn Ihr nur mit kleinem Appetit gesegnet seid, dann bestellt Euch nicht zuviel davon, denn er sättigt sehr.“

Als die Waldelbe dann schließlich auch ihr Essen geordert hat und die Magd entschwunden ist, kann der Magier endlich die Frage stellen die ihm nun schon eine Weile auf der Zunge brennt, deutlich zu lange für seine Neugier, und deren Beantwortung und Behandlung das Einzige ist das ihn davon abhält unverhohlen interessiert auf das Dekolté seiner Begleitung zu schauen. Nguyen, Nguyen. du musst lernen dich in der Anwesenheit von schönen Elbinnen besser unter Kontrolle zu halten. Es könnte sonst sehr peinlich werden...

„Mir sind Eure Tätowierungen aufgefallen, Yana. Ist hinter ihnen eine Geschichte verborgen oder haben sie vielleicht eine tiefere Bedeutung? Oder tragt Ihr sie nur wie Schmuck.... etwas das ich mir nur schwerlich vorzustellen vermag. Sie sehen aus als besitzen sie ein zumindest kleines Geheimnis....“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 23. Okt. 2004, 09:51 Uhr
In Borgils Privatgemächern


>D.. Sssehrr.. haff.. Sseeher.. nohhch... hier?<
Borgil braucht einen Moment, um aus ihren Worten schlau zu werden. Sseeher? Seher? "Der Seher? Meinst du Sethai? DER?" Azra kann nur schwach nicken und Borgils schwarze Augen beginnen verdächtig zu glimmen. Seine Brauen sträuben sich, während seine vernarbte Stirn sich zusehends furcht. "Der Seher war bei dir und deshalb bist du davongelaufen?" Wieder ein Nicken. Der Seher? Dieser Hundsfott! Warte, Bürschchen, wenn ich dich in die Finger... "Schschsch." Borgil nimmt eine der schmalen Hände, die fast völlig in seinen Zwergenpratzen verschwindet und drückt sie sacht. Die Finger sind so ziemlich das einzige, was an Azra nicht grün und blau schillert, verschwollen oder verletzt ist. "Der Seher war hier, aber er ist fort. Und ich werde nicht zulassen, daß er dir noch einmal zu nahe kommt." Mit einer bewundernswerten Anstrengung gelingt es ihm irgendwie, nichts von dem Zorn, der in ihm brodelt, auf seinem Gesicht zu zeigen. Aber innerlich schäumt er und er weiß, was er tun wird, sobald Azra wieder schläft - einem gewissen Herrn einen kleinen Besuch abstatten. "Kannst du dich noch an irgendetwas erinnern, das geschehen ist, nachdem du davongelaufen bist? Man hat dich Meilen von Talyra entfernt mit der kleinen Schellentänzerin aus dem Pfirsich gefunden. Ihr äh... Bruder war auf der Suche nach ihr und hat euch beide entführt... und dann...tja. Der war es auch, der dich so zugerichtet hat. Olyvar hatte zum Glück ein paar Männer nach dir ausgeschickt - und die kamen gerade noch rechtzeitig, um zu verhindern, daß...hum. Wir haben ganz Talyra auf den Kopf gestellt, um dich zu finden. Hast mir einen ganz schönen Schrecken eingejagt, Mädel. Hier ist ein bißchen Brühe. Komm, versuchen wir, dich hinzusetzen." Borgil hilft ihr, sich ein wenig aufzurichten, stopft eine Armladung voller Kissen hinter den schmalen Rücken und reicht ihr die Schale mit kräftiger Rinderbrühe. "Versuch das zu trinken, so lange es noch heiß ist. Du brauchst was in den Magen und kalte Rinderbrühe schmeckt scheußlich."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 24. Okt. 2004, 15:45 Uhr
Sie fühlt kaum wie er sachte ihre Hand in der seinen verschwinden lässt, doch ist sie froh darüber das er verstanden hat, was sie sagen wollte. Ein verzerrtes Lächeln zeigt sich kurz auf ihren angeschwollenen Lippen, bevor es sich in einen schmerzverzerrten Ausdruck verwandelt und sie leise aufstöhnt. Seinem Schwall an Worten kann sie kaum folgen, doch immerhin versteht sie die Frage, ob sie sich noch erinnern kann. Tut sie das? Konzentriert versucht sie sich die Reise ins Gedächtnis zurückzurufen, ihre Flucht, das Treffen mit Liselle, der Ueberfall.... und dann ist Schluss. Danach ist sie in dem steinernen Zimmer auf dem weichen Bett aufgewacht, als der Herr Zwerg zu ihr geredet hat. Ja, als sie seine bassartige Stimme vernommen hat, ist ihr Verstand wieder zurückgekehrt, zuvor herrschte lediglich bedrückende Dunkelheit und Angst.
Vorsichtig richtet sie sich auf, was auch nicht ohne Schmerzen an ihr vorüberzieht und nimmt dankbar die Schüssel entgegen, denn schon eine ganze Weile hat sie scheinbar nichts mehr gegessen. Ihr Magen knurrt bei dem verlockenden Duft wie ein Rudel hungriger Wölfe und bevor sie dem Zwergen Rede und Antwort steht, kostet sie zuerst von dieser köstlich duftenden Suppe. Der Gaumenschmaus tut ihrem Inneren gut, doch viel vermag sie nicht zu essen und schon bald lehnt sie sich zufrieden zurück, die Schüssel noch nicht einmal zur Hälfte geleert, jedoch satt.  Die Kissen in ihrem Rücken heben die Müdigkeit, welche sich in ihr nach diesem Mahl breitmacht, nur noch an, doch vorerst sol sie noch erzählen und sogleich wird ihr Blick wieder glasig.
Nein, sie weiss wirklich nicht mehr, was passiert ist, doch ein ungutes Gefühl sagt ihr, dass es Nichts war, was hätte vorkommen sollen. Ncoh immer sind ihre Stimmbänder wie leicht gelähmt, doch immerhin fällt s ihr nicht mehr ganz so schwer zu sprechen ohne sich zu verhaspeln: "Nein... ichh.. we.. weiss nichtsss mehr. Alles weg... einfa..ch .. ssso... Ich weisss.. nur noch... wie Liselle von.. i.. ihrem Bruder.. nieder..geschlagen wurde... Dss.. das ist alles... Und dann... bin ich aufgewacht.... alsss... i..ich eure.. Stimm gehört... habe.." Je mehr sie sagt, desto merh muss sie sich anstrengen und nun, nachdem sie das letzte Wort herausgebracht hat, sinkt sie müde zurück und schliesst die Augen, leise keuchend atmend und versuchend das Stechen in ihre Lungen und Magengegend zu verdrängen.
Ihre schmale Hand übt ein wenig Druck auf seine Zwergenpranke aus, was sich jedoch nicht nach mehr anfühlt, als ob ein Schmetterling darauf Platzt genommen hätte und dann wieder verschwunden wäre. Sie kann ihm nicht sagen wie froh sie ist, wieder in der Goldenen Harfe zu sein, doch die innere Wärme zeigt ihr sehr wohl, das es so ist.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Yana am 24. Okt. 2004, 20:11 Uhr
Eine Frau, die für Yana nach einem sehr fremden Volk aussieht, tritt an ihren Tisch und fragt die beiden, was sie gerne Essen möchten. Während Nguyen bestellt, schaut sich die Waldelbe noch etwas um und hört sich dann die Beratung des Magiers über das Essen an. „Nun gut, dann möchte ich für mich ebenfalls einen Eintopf bestellen und dazu ein Glas Apfelmost.“ Sie lächelt der Frau freundlich zu und wendet sich dann wieder an Nguyen. Dieser scheint sie ausgiebig zu mustern und seine Augen ruhen auf den Tätowierungen.
Bevor die Waldelbe etwas dazu sagen kann, spricht sie der Magier auch schon auf die Zeichnungen an und Yana legt ihre Hände über den Tisch, damit der Magier die Ranken besser betrachten kann.

„Als Schmuck trage ich die Zeichen nicht, da habt ihr Recht.“ Beginnt Yana ihre Erzählung und räuspert sich. „Meine Mutter ist die Priesterin unseres Stammes und ich wurde als ihre erstgeborene Tochter dazu erwählt ihr Amt weiter zutragen. Die Zeichen wurden mir im Jahr der Blutung eingestochen. Sie bedeuten, dass ich mit dem Wald verbunden bin und seine Kraft schöpfen darf.“ Bis dahin erzählt Yana alles sachlich und kühl, doch plötzlich schleicht sich ein Lächeln über ihr Gesicht und der Schalk glänz in ihren Augen. „Vor einem Sommer hätte ich die Lehre zur Priesterin beginnen müssen, doch das hätte bedeutet, dass ich nicht mehr durch den Wald streifen könnte, ein einsames, langweiliges Leben hätte führen müssen und meine Zeit für Amitari, die Göttin der Pflanzenwelt und Anukis, die Göttin der Tiere opfern müssen. Dies war aber nicht die Zukunft die ich für mich wollte, deswegen bin ich auf und davon. Wie Ihr seht, war es nicht nur die Neugierde, die mich trieb.“ Yana zwinkert dem Magier zu und betrachtet die Tätowierungen eingehend. Die Ranken sind schön gezeichnet und überall sind kleine Blüten und Blätter zu erkennen. „Jetzt sind sie für mich nur noch ein Zeichen der Vergangenheit, doch ich bereue nichts und wenn ich irgendeinmal in meinen Wald zurückkehre, werden er und mein Stamm mir verzeihen.“

Während Yana erzählt, wird den beiden das Essen serviert und auch die Getränke. „So, wir sollten essen, sonst wird der gute Eintopf noch kalt.“ Yana wünscht ihrem Gegenüber einen guten Appetit und beginnt zu essen. Es schmeckt köstlich und Yana nickt anerkennend. „Es ist köstlich, ich hätte nicht gedacht, dass man in einem Gasthof so gut essen kann.“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nguyen am 26. Okt. 2004, 02:32 Uhr
„Oh... das Essen hier ist wirklich einzigartig gut. Beizeiten muss ich dem Küchenchef einmal meinen Lob aussprechen. Ich hab schon in vielen Gasthöfen an vielen Strassen gegessen,  aber das Essen hier ist beinahe unvergleichlich.“ Dann wendet auch er sich dem Eintopf zu, bevor er kalt wird wie Yana so treffend anmerkt, und beginnt ebenfalls zu Essen. Seine vorher so lobenden Worte werden von den Speisen wieder einmal bestätigt und es dauert auch nicht sehr lange bis Beide Ihre Schüsseln geleert haben. Auch das dazu gereichte Brot ist schnell gegessen und satt wendet sich Nguyen wieder an Yana.

„Wenn ich Eure Worte gerade richtig verstanden habe, dann seid Ihr also Eurer Heimat entflohen, da Ihr nicht in den geradlinigen Rhythmus gepresst werden wollt den Euch das Leben als Priester vorschreiben würde? Ihr habt also Heim und Familie hinter Euch gelassen um frei zu leben. Dann sind wir beide uns in dem Punkt nicht ganz unähnlich, denn auch ich habe mit meinem früheren Leben gebrochen ...Wohl eher eine Auszeit genommen, alter Junge um frei und uneingeschränkt leben und wandern zu können. Allerdings habe ich vorher Absprache gehalten mit meinen Vorgesetzten und meinen Ordensbrüdern wo Ihr entlaufen seid. Aber wieso glaubt Ihr das Euch einfach so verziehen wird?“

Diese letzte Frage stellt er mit einem recht skeptischen Unterton, denn irgendwie bezweifelt er das sehr. Er kann sich nur recht schwer vorstellen das die anderen Priester und die angehörigen ihres Stammes Ihr so einfach verzeihen. Die meisten Völker nehmen Glaubensangelegenheiten sehr ernst und Elben sind nicht dafür bekannt da besonders locker eingestellt zu sein. Vielleicht wären sie nicht einmal froh sie wieder zu sehen. „Versteht mich nicht falsch, ich wünsche Euch alles Gute dabei und würde mir wünschen das Euch einfach so verziehen wird, aber sieht euer Volk das wirklich so locker?“

Während er nun auf Yanas Reaktion und Antwort wartet, trinkt er den letzten Rest seines Bieres aus und zahlt bei der abräumenden Magd direkt schon sowohl seine als auch Yanas Rechnung. Immerhin hatte er Ihr ein essen versprochen. Außerdem geht es ihm finanziell sicher besser als Ihr.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 27. Okt. 2004, 20:52 Uhr
In Borgils Privatgemächern


Borgil fügt das bißchen an Informationen, das er von Azra bekommt, dem Bericht hinzu, den er von Olyvar bekommen hatte - und macht sich ernsthaft Sorgen, ob der kleine Blutelbenmischling sein Erbe jemals in den Griff bekommen und ein normales Leben hier in Talyra würde führen können. Nun ja, nicht, daß sie es schon ernsthaft versucht hätte... "Nun ja, du äh...ohm... humhomm, tja also..." Borgil windet sich. Einerseits will er ihr am liebsten alles verschweigen, andererseits weiß er genau, daß er ihr kein bißchen damit helfen würde. Wenn das Mädel den Haß und den Zorn in ihr jemals in den Griff bekommen will, dann muß sie sich selbst kennen. Ganz abgesehen davon ist es besser, sie erfährt es von ihm, anstatt von irgendjemandem... "Bist wohl ziemlich weggetreten gewesen, weißt du. Nicht wirklich du selbst." Und das ist keine Entschuldigung, weil er das Mädel leiden kann, sondern das, was Borgil wirklich glaubt. "Wie ein Hund, den man zu lange und zu oft getreten hat. Wenn man den in die letzte Ecke gedrängt hat, wird er jede Hand beißen, die ihm nahe kommt. Hast deine Wut und deine Ohnmacht an ein paar Stadtgardisten ausgelassen, weißt du... oh, keine Bange, denen ist nichts passiert. Das sind große, starke Jungs, die müssen das aushalten, aber Azra... selbst wenn man dich bis aufs Blut reizt oder dich so quält, wie es dieser dreimal verfluchte Hundsfott von Wüstenbastard getan hat... wenn du deine Wut nicht kontrollieren kannst, wirst du jeden Kampf verlieren, egal mit was er ausgefochten wird. Glaub mir, ich weiß, wovon ich rede. Wut ist viel wirksamer, wenn sie kalt ist. Mal abgesehen davon, daß man nicht mehr zwischen Freund und Feind unterscheiden kann. "

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Yana am 27. Okt. 2004, 21:23 Uhr
Während die beiden essen, schweigen sie und geniessen das köstliche Mahl. Der Magier wendet sich aber sofort wieder ihr zu, sobald er zu ende gegessen hat. >Aber wieso glaubt Ihr das Euch einfach so verziehen wird? < Fragt Nguyen neugierig und Yana merkt, dass er nicht glauben kann, dass dies so sein könnte. „Ihr müsst wissen werter Nguyen, mein Stamm hat ein Gebot und das lautet wie folgt. Handle, wie der Wald auch handeln würde.“ Die Elbe sieht ihr Gegenüber lächelnd an und fährt fort. „Vielleicht versteht ihr so, weshalb sie mir verzeihen werden. Ich bin ein Kind des Waldes und der Wald wird mir verzeihen. Er handelt nicht wie Menschen und ich vertraue ihm. Wenn er also mir vergibt, dann wird auch mein Stamm mir vergeben. Für uns ist unser Glaube nicht das Wichtigste, der Wald ist für uns das Bedeutendste und er bildet unseren Glauben.“ Die goldenen Augen der Waldelbe werden etwas grüner und man merkt, wie sie nach Verständnis bei dem Magier sucht. Nicht viele Menschen würden verstehen was sie eben gesagt hat, doch er ist ein Magier von hohem Rang und das wirkt auf Yana sehr beeindruckend.

Während Yana erzählt, bezahlt der Magier das köstliche Mahl und Yana bedankt sich herzlich bei ihm. „Vielen Dank Nguyen, Ihr seid zu Gütig. Leider kann ich mich nicht erkenntlich zeigen, da ich noch kaum Geld habe, doch ich werde mich schon bald nach einem Beruf umsehen. Vielleicht wisst ihr jemanden der eine geschickte Angestellte sucht?“ Fragend sieht sie ihn an und trinkt den letzten Schluck aus ihrem Glas.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nguyen am 28. Okt. 2004, 07:41 Uhr
Der Magier denkt einige Zeit über die Worte Yanas nach und man sieht ihm an das er, obwohl er das Konzept das sie ihm gerade erklärt hat versteht, recht skeptisch ist. Dann schließlich spricht er wieder. Seine Worte sind vorsichtig, mit Bedacht gewählt, denn er möchte auf keinen Fall ihren Glauben angreifen oder sie sonst irgendwie beleidigen.

„Ich verstehe was Ihr sagt, und wenn es wirklich immer so ist in eurem Volk, dann muss es dort wirklich schön sein und ich würde es mir gerne einmal ansehen. Wer weiß, vielleicht, in einigen Jahren wenn Ihr wieder zurück seid, dann werde ich Euch dort besuchen und wir werden uns an dieses Gespräch heute erinnern und über meine Zweifel lachen. Ja, ich kann mich gut an diesen Gedanken gewöhnen. Aber trotzdem. Auch wenn es Sitte ist Euch zu verzeihen, ich denke es wird zumindest einige geben die Euch zumindest in ihrem Herzen nicht verzeihen werden können. Denn die Menschen, die Elben, die Zwerge, in diesem Punkt gleichen wir uns alle, wir sind nachtragend und vergessen schwer...“

„Sei es da Ihr machen konntet was Ihr wolltet dadurch das Ihr weggelaufen sied, sei es das jemand bestraft wurde für eine Missetat und ihr bei eurer Rückkehr nicht bestraft werdet; es gibt so viele Gründe warum Euch dann Misstrauen entgegengebracht werden kann. Vielleicht glaubt man auch das Ihr wieder weglaufen werdet, so wie Ihr es schon einmal getan habt wenn es nicht so läuft wie Ihr Euch wünscht...“

Dann bricht Nguyen jedoch plötzlich mitten in seinem Redeschwall ab, fast sich an den Kopf und schaut lächelnd und langsam nickend zu Boden. Sogar ein kleiner Seufzer ist zu hören, kaum nur über den Lärm im Schankraum, aber für Yana dennoch deutlich. „...Verzeiht, ich bin manchmal ein alter Schwarzseher. Sicherlich wird alles so werden wie Ihr es sagt. Ihr kennt euer Volk schon lange und ich gar nicht. Möge Eure Vision eintreten und nicht meine...“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kana am 28. Okt. 2004, 18:40 Uhr
Beinahe hätte sich Kana dazu beglückwünscht, den Weg über den Marktplatz gefunden zu haben, ohne sich auch nur ein einzigstest Mal zu verlaufen. Im letzten Moment verhindert es aber doch noch ihr letzter Rest Stolz. Wie kann es eigentlich sein, dass sie tagelang durch die Wüste marschieren kann, ohne auch nur in Gefahr zu laufen, sich zu verirren und dann hier jedesmal vor einem riesen großen Problem steht, sobald sie durch die Tür geht?
Der Besuch in den Badehäusern hat sie müde gemacht, ihre Haare glänzen noch immer etwas feucht.
Sie ist froh, jetzt nicht auch noch den Falken mit sich herum zu schleppen.
Es ist heute nicht ganz so viel los, wie bei ihrem letzten Besuch. Vielleicht liegt das aber auch daran, das es noch relativ früh am Tage ist.
Sie verflucht innerlich die Eisensohlen ihrer Stiefel, als diese ihre Schritte mit einem lauten Klappern begleiten. Irgendwie bekommt sie heute Kopfschmerzen davon, auch wenn sie sich nicht vorstellen kann, weshalb.
Mit einem leichten Knurren ihres Magens setzt sie sich an den ihr nächsten Tisch und wartet auf die Bedienung.
Wenn sie sich nicht irrt, wird ihr Geld auch zu nicht mehr viel reichen, nach dieser Mahlzeit. Sie kann nur hoffen, dass die Steinfaust bald bezahlt. Ihr Blick wird ein wenig glasig, als sie sich in einer fahrigen Bewegung das Haar hinter die Ohren streicht.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kana am 29. Okt. 2004, 18:09 Uhr
Nachdem sie den Eintopf in sich rein gelöffelt hat und ihre Kehle dank der Ziegenmilch nicht mehr allzu sehr brennt, legt sie ein paar Münzen auf den Tisch und beeilt sich, so schnell wie möglich das Gasthaus zu verlassen. Irgendwie fühlt sie sich heute hier nicht so ganz wohl.
Vielleicht, weil sich noch nicht so viele Menschen hier befinden und sie so in der Menge untergeht. Sie fühlt sich irgendwie...schutzlos.
Außerdem hat sie den Falken bemerkt, welcher kurz an  einem der Fenster vorbeigerauscht ist.
Sie genießt noch einige letzte Sekunden lang die prickelnde Wärme innerhalb der Schänke, ehe sie sich wieder hinaus in die Kälte des hereingebrochenen Herbstes wagt.
Wenige Sekunden später spürt sie bereits wieder das vertraute Gewicht des Falken auf ihrer Schulter. "Hallo.", sagt sie kurz und lächelt ihn beinahe gegen ihren Willen an. Irgendwie hat sie ihn doch vermisst heute morgen. "Und? Wohin gehen wir jetzt?"
Der Falke legt lediglich den Kopf schief und blinzelt kurz.
Ein leises, helles Lachen kommt über Kana's Lippen, während sie langsam in dem Gewühl des Marktplatzes verschwindet.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jiro am 30. Okt. 2004, 01:11 Uhr
Es ist schon spät, aber die Taverne ist immer noch gut besucht. Jiro trottet ohne auch nur auf das Geringste zu achten an den Tischen vorbei direkt zum Tresen. Er stößt an eine Stuhl und als Antwort auf den erbosten Ausruf von unten brummt er etwas Unverständliches. Weil keine weitere Beschwerde kommt geht er einfach weiter.  Er stellt sich an die Theke und wartet bis eine der Mogbarmädchen auf ihn aufmerksam wird. Während er wartet angelt er sich einen der hohen Hocker und zieht ihn zu sich heran. Einen Tisch braucht er nicht, denn er ist nur hier um sich einen Schlaftrunk zu gönnen.  Er setzt sich und beobachtet aus dem Augenwinkel wie eine junge Frau Wein in einen Krug füllt. Anscheinen hat sie keine Notiz von ihm genommen. Er stützt dem Kopf in seine Hände und wünscht sich einen großen Becher starken Weines um
wieder einmal ruhig schlafen zu können.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Yana am 30. Okt. 2004, 17:43 Uhr
>Verzeiht, ich bin manchmal ein alter Schwarzseher. Sicherlich wird alles so werden wie Ihr es sagt. Ihr kennt euer Volk schon lange und ich gar nicht. Möge Eure Vision eintreten und nicht meine.< Sagt der Magier lachend und Yana zwinkert ihm fröhlich zu. Ich werde Euch berichten, ob und wie mir meine Leute verziehen haben, doch ich denke, ich werde noch einige Jahrzehnte nicht zurückkehren, vielleicht werden es auch Jahrhunderte, ich habe ja Zeit.“ Sie grinst ihm schelmisch zu und schaut Nguyen interessiert an. „Wollen wir zurück zur Cerua? Ich denke für einen Spaziergang um die Stadt zu erkunden, ist es etwas zu spät, denn es dunkelt bereits ein.“ Die Waldelbe deutet nach draussen, wo es wirklich schon sehr düster ist und sieht den Magier fragend an.

„Vielleicht könnten wir noch schnell, bevor wir zurückgehen an der Anschlagtafel vorbei gehen und schauen, ob es irgendeine Anstellung gibt die frei ist?“ Man merkt Yana deutlich an, dass sie sich sehr einen Beruf wünscht, da sie nicht länger Selket auf der Tasche liegen möchte.

Währen die beiden sich anziehen, schaut sich Yana noch einmal in der Harfe um und lächelt Nguyen erfreut zu. „Ich finde es wirklich sehr angenehm hier und an den Lärm habe ich mich auch schon etwas gewöhnt, obwohl es für eine Waldelbe wie mich immer etwas Ungewohntes bleiben wird.“ Nach dem sich beide angezogen haben verlassen sie den Aal und schauen bei der Anschlagstafel vorbei. Yana liest sich alles durch und wendet sich dann an Nguyen. „Ich denke ich werde morgen bei der Bäckerei und der Bildhauerei vorbei schauen, vielleicht brauchen die ja noch immer jemanden.“ Die beiden gehen weiter und schlendern durch die Strassen der Stadt in Richtung der Parkapotheke.


Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jiro am 30. Okt. 2004, 19:29 Uhr
Nach einiger Zeit schaut ihn das Mädchen hinter der Theke fragend an. Weil er nicht reagiert winkt Sie ihm kurz zu. Jiro scheint aus einem Traum erwacht zu sein.  Ersieht sich kurz um wie um sich zu vergewissern wo er ist.  Dann zwingt er sich zu einem Lächeln und gibt seine Bestellung auf: "Einen Krug Rotwein bitte, und er soll nicht allzu teuer sein". Sie nickt nur und beeilt sich ihm einen Becher vor die Nase zu stellen und einen Tonkrug mit Wein direkt aus dem Fass zu befüllen.  Alles steht bereit und Jiro nimmt einen tiefen Zug aus dem Becher. Als er ihn absetzt verzieht er das Gesicht und schüttelt sich. Die Schankdame schaut ihn beunruhig an, aber er lächelt ihr zu und stürzt den Rest des Bechers herunter worauf sich sein Gesicht wiederum verzieht. Er versucht seine Abscheu auf die Mundwinkel zu beschränken schafft dies aber nur leidlich.  Das Schankmädchen schüttelt den Kopf. Sie kann Jiro jedoc keine Aufmerksamkeit mehr widmen, denn einige Gäste verlangen nach eben dieser. Jiro füllt indessen den Becher nach und setzt ihn wieder an seine Lippen.  Jiro mag den herben Wein nicht. Wennüberhaupt, dann trinkt er den süßen Wein der Sommerinseln.  Aber die Geschäfte laufen noch nicht gut, und Jiro will auch nicht einsehen, warum er viel Geld ausgeben sollte nur um sich von seinen Träumen zu befreien. Der Letzte Tropfen fällt aus dem Krug in den Becher. Jiro zählt einige Münzen in seiner Hand ab und legt diese auf den Tresen. Noch zwei große Schlucke bleiben. Der Nebel um seine Gedanken hat sich mit jedem Schluck verdichtet. Und als er von dem Hocker aufsteht benötigt er einen moment um sein Gleichgewicht zu finden. Er greift zum Becher und leert ihn in einem Zug bevor er sich durch die inzwischen etwas weniger besetzte Schankstube auf den Weg zur Schmiede begibt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 01. Nov. 2004, 13:11 Uhr
Sie begreift seine Erklärungen zuerst nicht, wieso versucht er zu deuten wie sie ist? Was hat das mit ihrer frage zu tun: Was geschehen ist? Vielleicht versucht er sie zu beruhigen, doch wozu? In Azra steigt allmählich das Gefühl auf, dass sie etwas Schreckliches getan hat, aber warum kann sie sich dann nicht mehr daran erinnern? Tränen steigen in ihre augen und nur mit Mühe kann sie sie zurückhalten, weiss überhaupt nicht ob jetzt denn ein Moment ist um zu heulen. Sind Tränen denn nicht ein Zeichen der Schwäche? Doch wirklich verkenifen will sie sie auch nicht, irgendwie tut es gut, seine Angst zu zeigen.
Doch was er schlussendlich sagt, lässt ihren Mund lautlos aufklappen und sie starrt ihn aus grossen farblosen Augen an, in denen Funken von Ungläubigkeit herumspringen. Bei allen Göttern, das darf nicht wahr sein. Sie hat wirklich die Stadtgardisten, also solche Leute wie Jene, welche sie zu Beginn ihres Antreffens hier, vor den Stadttoren hatten aufhalten wollen, angegriffen? Aber, sie ist doch scheinbar ohnmächtig geworden, wie hätte sie dann Jemanden angreifen können. Schnell schluckt sie die Tränen hinunter und klappt den Mund wieder zu, um nicht wie der letzte Trottel dazuliegen. Erst dann nach einiger Anstrengung im Gesicht kann sie sich dazu bewegen einige Worte zu sagen: „Ich,… hahab… Niemanden angegri…ffen. Das wüsste… hff.. ich doch… ss…“
Matt will sie wieder nach seiner Hand greifen, als es ihr wie Schuppen vov den Augen fällt. Irgendetwas muss geschehen sein, auch wenn sie sich nicht erinnern kann, warum sonst würde sie von Kopf bis Fuss bandagiert auf dem Bett liegen ohne sich bewegen zu können? Und da war noch dieser Mann gewesen der Liselle niedergeschlagen hat… Liselle!!
Ein heftiges Beben läuft über ihre Lippen, als sie sich verhaspelt und dann erst wieder tief Luft holen muss um antworten zu können: „Liselle… Was.. ist mit ihrss?“
Und dann fallen ihr noch mehr Details dessen auf, was der Herr Zwerg zu ihr gesagt hat, trotz des Umstandes, dass ihr Verstand momentan langsamer als ein Eselskarren arbeitet. Hat Borgil nicht etwas davon gesagt, jemand hätte sie gequält? Irgendein gemeiner Irgendwas?
Und wieso Wut nicht kontrollieren? Sie weiss doch gar nichts mehr davon!!!
„Könntet … ihrss... mir alles.. erzählen… Herr Zssswerg? Ich… will wissen wassss… hff... haff… ich getan habe…“ Und dies ist wirklich ihr ehrlicher Wunsch, mögen es noch so schlimme Dinge sein. Hat sie etwas auch, wie damals bei der Heilerin, Jemanden umbringen wollen? Ist das das Blut ihres Vaters, hat er ihr diesen Zorn, diesen Hass, diese Ohnmacht mitgegeben?“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Shyada am 01. Nov. 2004, 22:40 Uhr
Wie scheinbar immer, wenn man diese Taverne Talyras betritt, so ist fast jeder Platz besetzt und der ganze Schankraum von wirren Stimmengemurmel erfüllt. Überall huschen Bedienungen durch den Raum und wird Geld, ebenso wie Gerüchte ausgetauscht. Mit einem Blick durch den ganzen Raum und flüchtigem Mustern der Anwesenden überzeugt sich Shyada davon, dass kein Zwerg und auch kein Blaumantel- zumindest in Uniform- anwesend ist.
Da die Tür hinter ihr erneut aufgeht, setzt sich Shyada in Bewegung und hält genau auf den Tresen gegenüber der Eingangstür zu. Aus dem Durchgang gleich dahinter wird immer wieder Essen gebracht und der Duft dessen vermischt sich mit dem von Tabak und Schweiß. Es wäre falsch zu behaupten, dass dieser Duft angenehm ist, doch auf alle Fälle ertragbarer als der von Fisch gemischt mit Rum.

In schlängelnden Bewegungen und immer darauf achtend, dass die niemanden und ihr niemand in die Quere kommt, durchquert Shyada den Schankraum und hält schließlich vor dem blankpolierten Tresen an. Shyada weiß, dass eine Mogbardame neben Borgil das meiste Sagen hier hat, doch welche von den ganzen hier Anwesenden es nun ist, weiß die Amazone leider nicht. Aus diesem Grund hält Shyada einfach eine beliebige Bedienung am Arm fest und teilt ihr geflüstert mit, dass die jemanden der wichtig für die Harfe ist sprechen möchte, es aber auf keinen Fall Borgil sein soll.
Das Mädchen nickt hastig mit dem Kopf und entfernt sich, so schnell es ihr möglich ist von der verhüllten Gestalt. Auch wenn es in der Harfe warm genug ist und der Umhang eher lästig wird, so nimmt Shyada weder die Kapuze runter, noch legt sie den Umhang ab.
Hoffentlich haben sie meine Sachen noch...
Ungeduldig tippt Shyada mit ihren Fingernägeln auf dem Holz und lässt ihren Blick immer wieder durch den Raum huschen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 02. Nov. 2004, 20:37 Uhr
Halla steht wie immer hinter der Theke und zapft und spült. Die Harfe ist voll, obwohl das Hafenfest ist, aber da es für den Harfengarten mittlerweile zu kalt ist, drängelt sich alles wieder im Schankraum. Halla zapft grade eine Runde für ein paar Wollhändler aus Laigin, die hoffen hier zum Winter hin gute Geschäfte machen zu können, als eines der Schankmädschen sie am Ärmel zupft und auf eine mit einer Kapuze verhüllte Gestalt deutet, die am Ende des Tresens steht und ungeduldig mit den Finger darauf herum trommelt. Sowas mag Halla ja gar nicht, aber sie setzt trotzdem ein freundliches Lächeln auf und geht zu der Person hinüber.

Dank ihrer Grösse kann Halla einen Blick unter die Kapuze werfen udn ist überrascht das Gesicht der Amazone zu sehen, die noch ihre Sachen hier in der Harfe hat, aber für eine ganze Zeit spurlos verschwunden war. Halla lächelt freundlich und blickt weiter vorsichtig unter die Kapuze."Ihr wolltet jemanden sprechen, der hier in der Harfe etwas zu sagen hat, aber nicht mit Borgil? Ich denke, dann kann ich euch vielleicht weiter helfen." Halla hat zwar keine Ahnung warum die Amazone nicht mit Borgil reden will, sie weiss nur das der Zwerg nicht sonderlich angetan ist von ihr, aber das ist er von anderen auch manchmal nicht und behandelt sie trotzdem immer wie seine Gäste.

Es sieht auch nicht so aus, als wolle die Amazone wieder hier einziehen, und Halla spekuliert mittlerweile, dass sie nur ihre Sachen holen will, die Halla gut verstaut hat, weil Borgil das Zimmer brauchte.


Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 03. Nov. 2004, 09:04 Uhr
In Borgils Privatgemächern


"Liselle? Ach die Schellentänzerin aus dem Pfirsich? Der geht es soweit ich weiß gut," erwidert Borgil und versucht sich hektisch zu erinnern, ob er die Tänzerin in der Steinfaust überhaupt gesehen hatte. Nein, war nicht da. Aber Olyvar hätte sicher etwas gesagt, wäre sie tot.
>Könntet … ihrss... mir alles.. erzählen… Herr Zssswerg? Ich… will wissen wassss… hff... haff… ich getan habe…<
Silverdammt, das hätt ich mir ja denken können! "Ähm...hier leg dich schön hin, so ist's gut." Borgil steckt sorgsam die Decke um Azras schmalen Körper fest und bemüht sich sehr, sie so wenig wie möglich zu berühren dabei... wer weiß, wo sie überall blaue Flecken hat. "Du musst dich ausruhen und Anira, Archonin Faeyris' für dich sorgen lassen, damit du bald wieder...hum... ich komm nicht drumrum, was? Also schön, also schön, also schön... rück mal ein bißchen, damit mein Zwergenhintern hier auch noch Platz findet. Also gut. Wo war ich? Ach ja..." Er holt tief Luft, eine Pfeife und einen Tabaksbeutel unter seinem Wams hervor und macht es sich dann an Azras Lager bequem. Umständlich wird die Pfeife gestopft und erst als süß duftender Rauch Borgils private Gemächer durchzieht, beginnt er zu sprechen. "Ich kann dir auch nur das sagen, was ich vom Lord Commander und seinen Männern gehört habe, weißt du, aber vermutlich war die Geschichte wohl so..." Und dann erzählt Borgil seinem kleinen Schützling, was er weiß - über die Schellentänzerin und ihre grausamen Familienverhältnisse, über die Azurianer, welche die beiden gefangen genommen hatten und wie Varin sie schließlich gefunden hatte - halb tot geprügelt von Liselles eigenem Bruder. Er läßt nichts aus, aber er kann wenig genug über die Zusammenhänge sagen, die hinter all dem stecken mögen, sondern Azra auch nur das berichten, was er gehört hat. "Und jetzt schlaf ein wenig, wenn du kannst. Ich bleibe hier und passe auf." Er kann natürlich noch so viel von Schlaf reden, daran ist jetzt nicht zu denken - und der Ausdruck auf Azras Gesicht läßt ihn den Kopf schütteln. "Denk nicht mal dran. Keinen Herzschlag lang. Das hat mit Blutelbenblut überhaupt nichts zu tun. Vielleicht bist du ja eine kleine Berserkerkriegerin, die noch nicht gelernt hat, Megarns Lied zu singen." Ein steinharter Zeigefinger tippt federleicht auf eine zierliche Nasenspitze.  "Ich will kein Wort hören von wegen, daß das alles deine Schuld gewesen wäre und so fort. War's nicht. "

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Shyada am 03. Nov. 2004, 09:17 Uhr
Es dauert nicht lange und eine Mogbarfrau steht vor Shyada und mustert sie von unten und versucht zu erkennen, welches Gesicht sich unter der Kapuze verbirgt.

Shyada glaubt so etwas wie Erkennen in den braunen Augen ihres Gegenübers zu sehen, hofft aber, dass sie sich irrt oder die Frau solange schweigt, bis sie die Harfe verlassen hat. Als die oberste Magd erwähnt, dass sie gewiss helfen kann, nickt Shyada kurz.
"Ich hatte vor einiger Zeit ein Zimmer hier gemietet. Meine Sachen sollten noch hier sein und ich hätte diese gern wieder."
Eigentlich wäre es angebracht mit höflichen Worten freundlich nachzufragen, ob dies überhaupt möglich ist, aber Shyada hat keinen Nerv um irgendwie um ihren Besitz zu betteln. Zudem die Person, bei der sie deswegen nachfragen muss ein ganzes Stück kleiner ist und mehr an ein Kind als an ein erwachsenes Wesen erinnert.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 03. Nov. 2004, 20:51 Uhr
Es ist so wie Halla vermutet hat, die Amazone möchte nur ihre Sachen holen und wohl kein Zimmer mehr in der Harfe mieten. Halla nickt erst kurz, ehe sie Shyada antwortet. "Ich habe eure Sachen aufgehoben, allerdings sind sie nicht mehr in dem Zimmer, wir brauchten es, da die Harfe kurzzeitig bis unters Dach voll war. Ich habe sie hinten in einem Schrank verstaut. Ich werde sie sofort holen, einen Moment bitte." Obwohl die Worte der Amazone selbst nicht sehr freundlich waren, bleibt Halla betont freundlich, so wie sie es eigentlich immer tut, egal welchen Ton die Gäste anschlagen.

Sie nickt noch einmal kurz und geht dann eilig in eine der Kammern, in der normalerweise die Wäsche gelagert wird und holt dort aus einem Schrank ein Bündel hervor. Es ist ein weisses Leinentuch, in das Halla die Sachen der Amazone gepackt hatte, damit sie alle zusammen blieben. Es sind nicht viele Habseligkeiten, die die Amazone besitzt und so ist das Bündel auch nicht sonderlich gross. Rasch kehrt Halla zurück in den Schankraum, wo die Amazone noch immer am Tresen steht und es fast so scheint als hätte sie sich keinen Augenblick auch nur bewegt.

Halla legt das Bündel vor der Amazone auf den blankpolierten Tresen. "Wenn ihr bitte nachsehen wollt, ob auch alles da ist."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Raven am 03. Nov. 2004, 22:10 Uhr
Selbst durch die geschlossenen Fenster der Goldenen Harfe hindurch dringen Lärm und Stimmengewirr bis auf den Marktplatz hinaus, als Raven sich vor der Schänke aus dem Sattel gleiten lässt. Sie streift dem Braunen die Zügel über den Hals und bindet ihn an einem der eisernen Ringe an, die in die Mauer des großen Durchgangs eingelassen sind. Da sie nicht vorhat, allzu lange zu bleiben, verzichtet sie darauf, den Hengst zu den Stallungen zu bringen und ihn in eine der Boxen zu stellen, die das Gasthaus stets für die Pferde seiner Gäste bereithält.

Stelze behagt die mit Zechern und Reisenden gefüllte Gaststube absolut nicht und er zuckt nervös mit den Ohren, als Raven die wenigen krummen Steinstufen hinaufsteigt und die schwere Tür aufschiebt, die in die Schänke führt. Zwar gibt es nicht einen einzigen freien Tisch mehr, aber immerhin noch freie Sitzplätze und nach einigem Suchen quetscht Raven sich zu einer Gruppe von drei Händlern an einen Tisch an der Fensterseite. Dem Wolfshund bedeutet sie mit einer stummen Geste, keinen Mucks von sich zu geben, bevor sie den Umhang abstreift und sich auf der abgewetzten Holzbank niederlässt.

Borgil ist nirgends zu sehen, dafür erspäht sie Halla, die am Tresen in ein Gespräch verwickelt ist und nickt ihr einen kurzen Gruß zu. Dass der Zwergenwirt nicht wie gewohnt hinter dem Tresen steht, wundert Raven nicht weiter, auch wenn sie insgeheim ein wenig enttäuscht darüber ist, da sie sich gerade auf ein Schwätzchen mit ihm gefreut hat. Nach dem Pferdekarren kann ich später auch einen der Stallburschen fragen, falls Borgil nicht da ist, beschließt sie und winkt eine der Schankmaiden heran. Wahrscheinlich ist es ohnehin besser, Borgil nicht mit solchem Kleinkram zu belästigen, wenn er viel zu tun hat.

Bei dem Schankmädchen bestellt sie einen Becher heißen, gewürzten Wein und dazu dunkles Brot und eine Portion Bratenfleisch, da sie seit dem zeitigen Frühstück nichts mehr gegessen hat und nach dem Tag im Freien ziemlich ausgehungert ist. Während das Mogbarmädchen wieder in der Menge Richtung Tresen verschwindet, lehnt Raven sich mit dem Rücken an die Bank, lässt den Blick durch die Wirtsstube schweifen und lauscht beiläufig den Gesprächen der Händler an ihrem Tisch.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Shyada am 03. Nov. 2004, 22:23 Uhr
Shyadas Augen folgen der Mogbarfrau, bis diese nicht mehr zu sehen ist, und wandern dann wie auch schon im "Grünen Aal" am Vorabend immer wieder durch den Schankraum. Shyada kommt sich immer alberner vor, doch ist sie völlig ahnungslos was ihr Verhältnis zu den Blaumänteln angeht. Auch wenn Aurian sie kennt, so ist sich Shyada nicht sicher, was sich die Blaumäntel ausgedacht haben, nachdem sie die etwa gleichaltrige junge Frau gefunden hatten.
Irgendwann und irgendwie wirst du es schon noch herausbekommen...

Die grünen Katzenaugen der Amazone heften sich an einige, schon recht früh betrunkene Männer, die soeben von ihren Tischen aufstehen und in Richtung Tür torkeln. Natürlich nicht ohne die eine oder andere Person anzurempeln, doch ohne wirklich ernsthaften Streit zu provozieren.
Kaum dass sich Shyada aber wieder dem Durchgang, durch welchen die Mogbarfrau verschwunden ist, zuwendet, erscheint auch die oberste Magd Borgils und legt ein weißes Leinentuch auf den Tisch. Es ist zu erkennen, dass sich etwas daunter verbirgt, doch viel kann es nicht sein.
Mit freundlichen Worten wird Shyada gebeten nachzusehen, ob auch noch alles da sei. Doch statt dieser Bitte nachzukommen lächelt Shyada nur resignierend.
"Sollte irgendetwas fehlen, so wäre es für mich ohnehin ausser Reichweite.Und etwas wertvolles besitze ich nicht..." Zwar müsste sich auch ihr als Späherin verdientes Geld dort unter den Sachen befinden, doch sollte es wirklich fehlen, so würde es andere Wege geben, um wieder an Münzen zu kommen.

Um ihr Sachen entgegenzunehmen bleibt der Amazone letztlich aber nichts anderes übrig, als das Leinentuch bei Seite zu schlagen und dann würde sie ohnehin merken, ob etwas fehlt.
Doch scheinbar kann man Borgil und seinen Angestellten trauen, denn es scheint augenscheinlich nichts zu fehlen. Shyada nickt, mehr zu sich selber als zu der Mogbarfrau, und greift dann nach dem kleinen Lederbeutel, der leise klimpert.
Ohne darauf zu achten, was es für Münzen sind, greift Shyada einige heraus und legt diese vor ihrem Gegenüber auf den Tresen.
"Für's Aufpassen."
Mit diesen Worten sammelt Shyada ihre Sachen zusammen und verstaut sie in einem etwas größeren Leinenbeutel, den sie sich dann unter dem Umhang verschwinden lässt. Damit ist für sie alles erledigt und nun gibt es keinen besonderen Grund mehr in Talyra zu verweilen. Dennoch entscheidet sich Shyada dafür vorerst einige Tage zu bleiben.
Was das Finden eines Schlafplatzes angeht, würde sich bei Zeiten schon etwas geeignetes bieten.
"Einen schönen Tag noch", kriegt Shyada gerade noch so über die Lippen, damit die Mogbarfrau hoffentlich nicht sofort zu Borgil rennt und ist dann auch schon so gut wie aus der "Goldenen Harfe" verschwunden.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 04. Nov. 2004, 09:01 Uhr
......OT: Achtung, diese Ereignisse sind zeitlich lange nach dem Gespräch mit Azra...


Als Borgil aus dem Keller, wo er ein paar kostbare Fässer erlesenen Weinbrandes verstaut hat, wieder hinter seine Theke kommt, erfährt er als erstes von Halla, daß die Amazone gerade eben hier gewesen war und ihre Sachen abgeholt hat und erblickt als zweites Raven an einem der Tische am Fenster bei einigen Händlern. Er winkt ihr erfreut und wendet sich dann noch einmal an Halla. "Soso, Shyada. Frag mich nur, warum die so einen Aufstand um sich selber macht. Wird ja nicht gesucht und hat soweit ich weiß auch nichts verbrochen. Hat das Mädel da am Strand ja schließlich gerettet.... abgesehen davon haben die Jungs von der Stadtgarde wirklich besseres zu tun, als  herumzickenden Weibern nachzujagen, die sich für sonstwas halten..." kopfschüttelnd wirft er sich sein Tuch über die Schulter und stapft dann bewaffnet mit einer Bratenplatte, frischem Brot und zwei Bechern Gewürzwein (einen für sich)  in Richtung Raven davon, die am Tisch einiger Tuchhändler ein Eckchen für sich ergattert hat.
"Raven, mein Goldstück, hier sei so gut, nimm mal die Becher, bevor ich das alles über den Tisch schütte." Borgil nickt den Tuchhändlern zu, während Raven ihm zur Hand geht, alles mitgebrachte  ohne größere Katastrophen auf dem Tisch zu verteilen. Borgil setzt sich kurzerhand zu ihr, prostet ihr mit seinem Wein zu, drückt ihr einen dicken Schmatz auf die Wange und erklärt dann: "Halt nein, ich rede ja nicht mit dir! Was fällt dir eigentlich ein, dich seit... seit... seit... äh... oh... seit der Hochzeit des Lord Commanders nicht mehr bei mir blicken zu lassen? Schäm dich, Raven. Was führt dich her, wie geht's dir da draußen? Hast du von den Wilderern gehört? Unschöne Sache, ich nehme an dein Druide kümmert sich drum. Phelan und dieser Wolfsjungenspäher sind nach allem, was ich so höre, auch im Wald unterwegs und... " eine Weile gibt Borgil noch die neusten Gerüchte zum Besten und erzählt ein wenig von den Ereignissen der letzten Monde in der Stadt: der Lord Commander hat nach den Ereignissen im letzten Winter durchgesetzt, daß die Stadtgarde erheblich verstärkt wird und stellt haufenweisen Männer ein... und kauft massenweise Pferde. Außerdem wird er zur Stunde wohl gerade Vater, wie Borgil von einigen Blaumänteln, die nach ihrem Frühdienst in der Harfe gewesen waren, erfahren hat. Er  berichtet Raven noch immer schmunzelnd über die denkwürdige "Beinahe-Hochzeit" des Schiffbauers Galrin, dem seine Braut vor dem Priester auf und davon war und vom Sommerfest, das dieses Jahr ja recht mager ausgefallen war.  Im Hafen soll diese Tage eine Art Herbst- Fest steigen, aber darüber weiß Borgil nicht allzuviel zu sagen, da er nicht mit dem alten Humperknie gesprochen hat und hier auch nicht fort kann. "Erinnerst du dich noch an Malakai von Serathie? Der war doch bei einem eurer verrückten Kanalabenteuer auch dabei? Der ist jetzt Archivar im Haus der Bücher und sitzt im Stadtrat. Ruhiger Kerl, aber manchmal direkt... unheimlich, was? Bin gespannt, was das gibt, wenn er zum ersten Mal auf Olyvar trifft, immerhin war er doch mal mit Kizumu... na du weißt schon. " Borgil rollt vielsagend die Augen und leert seinen Wein. "Aber was führt dich her? Was gibt's neues im Larisgrün?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Raven am 04. Nov. 2004, 10:27 Uhr
Den Wein und das bestellte Essen bringt nicht wie üblich eines der adretten Schankmädchen, wie Raven es eigentlich erwartet hat, sondern ein polterndes, rotbärtiges Etwas mit einem Schanktuch über der Schulter und einem vergnügten Funkeln in den schwarzglänzenden Augen, das sie hinter den vollbeladenen Armen grinsend als Borgil erkennt. Ein Lächeln huscht über ihr Gesicht, als sie ihn heranstapfen sieht und die Wiedersehensfreude steht ihr deutlich ins Gesicht geschrieben.

Eilig nimmt sie dem Zwergenwirt die Becher mit dem heißen, dampfenden Wein ab und rückt ein Stückchen, um ihm Platz zu machen, was ihr von Borgil einen bartkitzelnden Schmatz und von der anderen Seite den missbilligenden Blick ihres Banknachbarn einträgt, dem sie dabei fast auf den Schoß klettern muss. Aber für ein Schwätzchen mit dem Wirt hätte sie durchaus einen Streit oder gar eine Backpfeife riskiert und so quittiert sie das Gebrumme nur mit einem frostigen Seitenblick, bevor sie sich wieder den wichtigen Dingen des Lebens, nämlich Borgil und ihrem Abendessen, zuwendet.

"Du redest nicht mit mir? Eigentlich sollte eher ich nicht mit dir reden", erwidert sie auf seine Worte gespielt vorwurfsvoll, während in ihren dunklen Augen der Schalk aufblitzt. "Ich war ja kürzlich erst hier, um dir den lange versprochenen Besuch abzustatten, aber deine Grit hat uns hochkant wieder vor die Tür gesetzt, weil der Herr Zwerg schreiend und fluchend durch sein Gasthaus getobt ist wie ein wildgewordener Stier! Was war denn los?" fragt sie lachend und während sie sich hungrig über den köstlich duftenden Braten hermacht, lässt sie sich von Borgil haarklein die letzten Neuigkeiten berichten und lauscht seinen Geschichten über Tarascons hektische Aktivitäten, über die flüchtende Braut des Schiffsbauers, über den Magier Malakai und allerhand anderen Ereignissen, die der Zwerg zum Besten gibt. Während ihres Geplauders verlassen die drei Händler den Tisch und verabschieden sich Richtung Hafenfest, so dass der Zwerg und die Diebin sich gemütlich ausbreiten können und bei einem der Schankmädchen weiteren Wein ordern.

Als Borgil auf die Wilderer zu sprechen kommt, verblasst das Lächeln in Ravens Gesicht und macht düsterer Besorgnis Platz. "Wir haben ebenfalls eine Zeitlang nach Fallen gesucht", berichtet sie zwischen zwei Bissen. "Allerdings ohne großen Erfolg. Ich weiß nicht, ob Mottenfaenger noch etwas unternehmen oder sich weiter darum kümmern will, aber ich glaube eher nicht. Zumindest macht es nicht den Anschein, als würde er sich große Sorgen um die Wilderer machen." Pappsatt schiebt sie den Holzteller beiseite und spült das Essen mit einem Schluck Wein hinunter. "Wir durften eine kleine Kostprobe dessen sehen, was die Schlagfallen anrichten", seufzt sie und erzählt Borgil von der Verbrecherjagd, die sie zusammen mit Rhordri und Eliphas in die Tiefen des Larisgrün geführt hatte und von der Wolfsfrau, die in eine der Fallen geraten war.

"Aber davon hast du sicher schon gehört. Ansonsten weiß ich nicht viel Neues zu berichten, da draußen im Wald ist das Leben recht ereignislos und beschaulich. Es wäre sicher nichts für einen rührigen Zwerg wie dich", fügt sie mit einem Grinsen hinzu, doch die Schatten in ihren Augen lassen die Worte nicht halb so scherzhaft wirken, wie Raven sie gern gehabt hätte. "Eigentlich bin ich nur hier, um dein gutes Essen zu verdrücken, einen Becher Wein zu trinken und mir den neuesten Tratsch anzuhören", gibt sie zu. "Und so ganz nebenbei wollte ich dich fragen, ob ich mir einen deiner Pferdekarren ausleihen kann. Ich habe im Larisgrün einige umgestürzte Bäume ausgesucht, die ich als Material für die Bögen verwenden will und muss sie irgendwie in die Werkstatt transportieren. Im Frühjahr will ich die Bognerei wieder in Betrieb nehmen, oder vielleicht auch schon früher, das wird sich zeigen."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 04. Nov. 2004, 18:17 Uhr
"Waaah! Erinnere mich nicht daran," grollt Borgil los, als Raven ihn auf jenen Tag anspricht, an dem er die Harfe tatsächlich geschlossen hatte. Nicht nur, daß die arme Azra an diesem Tag halbtot geprügelt endlich wieder unter seine Fittiche zurückgekehrt war, nein, dieser verrückte Seher hatte ja Nevermore heilen und dabei ihr halbes Bett versengen müssen... von ihren Kleidern ganz zu schweigen, wo immer die hingekommen waren. Tjaha, da bin ich auch ein Heiler! Hmpf! "Du kennst doch bestimmt Sethai, dieses lange Elend, das immer ein wenig aussieht wie eine frisch aus dem Ildorel gezogene Wasserleiche. Der Kerl mit der Augenbinde. "Seher" nennt er sich - den wenn ich erwische, bei Sils blutigem Hammer und schwarzem Amboß, der kann was erleben! Hat mir äh... hat unter meinem Dach gezaubert. So, aber nun aber genug davon." Die Händler verkrümeln sich aus der Harfe und Borgil läßt noch zwei Kelche mit heißem Wein bringen und für sich selbst eine Schlachtplatte, denn heute morgen hatte in der Harfe ein Schwein daran glauben müssen und die Jäger bringen um diese Jahreszeit gutes Wild in die Stadt. Dann ist es an Raven, zu erzählen und ihre Schilderung des Abenteuers mit Maester Levi und Rhordri im Larisgrün läßt Borgil den Kopf schütteln. Wird wirklich Zeit, daß Niniane wieder ihren Pflichten im Larisgrün nachgeht. Mit ihr als Protektorin hat es solche Zustände nicht gegeben! Frag mich bloß, wo sie eigentlich steckt, silverdammtnochmal!
>....da draußen im Wald ist das Leben recht ereignislos und beschaulich. Es wäre sicher nichts für einen rührigen Zwerg wie dich...< "Ich im Wald?! Götter bewahrt mich! Ich bin gern im Wald. Ich gehe sogar gern selbst zur Jagd, wenn meine Zeit es erlaubt. Ich spaziere gern unter den Bäumen herum und ich sammle für mein Leben gern höchstpersönlich die Pilze für meinen Eintopf - aber das war es dann, besten Dank auch. Und glaub mir, schon dafür halten mich die meisten meines Clans für vollkommen bescheuert. Ein Zwerg im Wald, das ist ungefähr so wie eine Fee unter der Erde, aye?  Da hör mich reden, waren eindeutig zu viele Laiginer hier in letzter Zeit. Weißt du, daß das die erste Menschensprache war, dich ich erlernt habe? Aach ja... die reden zu hören ist wie Musik, aber ich schweife ab. Oh, meinen Pferdekarren. Natürlich kannst du den haben, wann immer du ihn brauchst. Brauchst gar nicht zu fragen, steht im Schuppen neben dem Stall. Tagsüber ist die Scheune offen, nachts hängt der Schlüssel hinter der Theke oder Seam hat ihn, mein Großknecht. Hey Seam!" Borgil wendet sich um und ein großer, grobknochiger Mann in den Vierzigern richtet sich an einem der Gesindetische rechts neben der´m Tresen auf und späht herüber. "Ist der Karren schon abgeladen? Nein, dann mach es, nachdem du gegessen hast, die Lady hier braucht ihn nachher. Wenn du die Bognerei wieder aufmachst, dann sprich mit Olyvar. Soweit ich weiß, ist er immer auf der Suche nach Bognern, Armbrustern oder ähnlichen Handwerkern, der schüttet dich zu mit Aufträgen und die Steinfaust zahlt gutes Geld."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 04. Nov. 2004, 19:02 Uhr
Ot: Gehört noch vor die Ereignisse mit Raven

Ob sie sich jetzt lieber wünschen würde, ihn nie darum gebeten zu haben ihr alles zu erzählen... Das weiss sie nicht wirklich. Zum einen ist sie sich nun beinahe sicher, das irgendetwas mit ihr  nicht stimmt, zum Anderen ist es doch ein beruhigendes Gefühl zu wissen was man getan hat, ist es auch noch so schlimm.
Wahrscheinlich ist es ein Glück für Azra, das sie sich nicht mehr an die Gefühle erinnern kann, welche sie ab dem Moment ihres Gedächtnisverlusts gehegt hat.
Schon jetzt macht sie sich grosse Vorwürfe und der Herr Zwerg scheint dies direkt aus ihrem Gesicht herauslesen zu können, denn sogleich ermahnt er sie mit seiner bassartigen Stimme, das sie gar nicht daran denken solle, das es ihre Schuld sein könne. Dem wäre nicht so. Irgendwie schafft sie es ein kleines Lächeln auf ihre geschwollenen Züge zu zaubern und der kleine Stubbs auf ihre Nase beruhigt sie auch ein wenig. So kann sie die Augen schliessen ohne gleich Angst haben zu müssen, von Schuldgefühlen geplagt zu werden. Irgendwie tastet sich ihre schmale Hand einen Weg zu Seiner und vergräbt sich in dieser, ein zufriedenes Seufzen dabei ausstossend. Ihre Gedanken kreisen zwar noch immer um die Reise, von welcher sie nichts mehr weiss, doch hier und jetzt, in dem warmen Bett, in Sicherheit ist der Gedanke nicht mehr so bedrückend wie gerade eben noch zuvor.
Es dauert nicht allzu lange bis ihr Atem gleichmässig ihre Brust hebt und senkt und sich ihre Züge völlig entspannt haben. Die zierlichen Finger halten des Zwergen Hand fest umschlungen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ellesedil am 05. Nov. 2004, 12:34 Uhr
Ellesedil betritt den Raum der Gaststube. Seine Schritte sind kaum zu hören in seinen gutgearbeiteten Wildlederstiefeln. Seine hochgewachsene Gestalt ist verhüllt von einem schweren schwarzen Umhang. Die Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Erst als er in der Nähe des Gastwirts ankommt, zieht er die Kapuze vom Kopf. Mit einer Hand die von langen Wildlederhandschuhen bedeckt sind zieht er seine langen weißen Haare unter dem Umhang vor und lässt sie über seine Schultern fallen. Der Hochelf  wartet ein paar Schritte vor dem Wirt der anscheinend in ein Gespräch vertieft ist, bis dieser fertig ist und auf ihn achtet.  Als eine Magd zu Ellesedil  kommt und ihn fragt ob er etwas wünscht, verneint er höfflich ohne die Magd anzuschauen. Die eisblauen Augen des Elfs schauen auf den Wirt. Nichts anderes scheint den Elf zu interessieren.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Raven am 05. Nov. 2004, 13:34 Uhr
Borgil ist das einzige Wesen, das Raven kennt - mit Ausnahme von Shrix, der Fee vielleicht - das minutenlang sprechen kann, ohne dabei ein einziges Mal Atem holen zu müssen. Und so ist es auch diesmal: der Zwerg redet ohne Punkt und Komma und schafft es, sie in einer Geschwindigkeit über die Ereignisse in der Stadt zu informieren, die einen Marktschreier vor Neid erblassen lassen würde. Im Nu ist Raven über alles Wichtige im Bilde und Borgil unterbricht seine wortgewaltigen Tiraden nur, um gelegentlich einen Schluck aus seinem Becher mit Gewürzwein zu nehmen, theatralisch die buschigen Brauen zu sträuben oder seinen Mägden Anweisungen zuzubrüllen. Dass er in ein Gespräch vertieft ist, heißt bei ihm noch lange nicht, dass er nicht trotzdem alles genau im Blick hat, was in der Gaststube passiert und seinen blitzenden Augen entgeht nicht die geringste Kleinigkeit. Für die Zusage, sich den Pferdekarren jederzeit holen zu können, erntet er von Raven schließlich einen freundschaftlichen Knuff in die Rippen und das kichernde Versprechen, sich seine Heiratsanträge vielleicht doch noch einmal ernsthaft zu Gemüte zu führen.

Mitten in ihrem vergnügten Geschäker jedoch hat Raven auf einmal das unbestimmte Gefühl, beobachtet zu werden und als sie sich verwirrt in der vollen Wirtsstube umsieht, muss sie feststellen, dass tatsächlich ein Paar eisblauer Augen zu ihrem Tisch herüber starren - und zwar wirklich starren. Der Blick des zu dem Augenpaar gehörenden Elfen geht mehr schon Richtung auffälliges Gaffen und er macht den Eindruck, als wolle er Borgil damit irgendwo festnageln. Verstohlen stubst Raven den Zwerg in die Seite und weist mit dem Kinn zu dem hochgewachsenen Fremden hinüber. "Kennst du den? Der starrt dich an, als wolle er dich zum Frühstück verspeisen.... und offenbar scheint er auch nicht zu wissen, dass es ziemlich unhöflich ist, Leute derart anzustieren." Unmutig nimmt sie noch einen tiefen Zug aus dem Weinbecher, ein wenig verärgert darüber, dass ein Fremder ihre vertraute Unterhaltung mit dem Wirt zu stören wagt. Der wird eben warten müssen, bis er dran ist, brummt sie bei sich und winkt einem der Mogbarmädchen nach einem weiteren Becher Wein, wobei sie darüber nachgrübelt, woher der Elf Borgil wohl kennt. Dass er der Wirt dieses Gasthauses ist, kann er an Borgils Äußerem allein sicher nicht erkennen, denn weder unterscheidet sich der Zwerg in irgendeiner Weise groß von seinen Gästen, noch hat er seinen Namen auf die Stirn tätowiert. Neugierig mustert Raven den Fremden und wartet auf das Schankmädchen mit dem Wein.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ellesedil am 05. Nov. 2004, 17:16 Uhr
Als der Elf bemerkt das die Menschenfrau am Tisch ihn bemerkt hat, nickt er dieser freundlich und langsam zu. Doch ist dies die einzige Regung die vom Elf zu bemerken ist. Die Leute die an ihm vorbei gehen und ihn kurz mustern ignoriert er. Der Hochelf erinnert an einen Eisblock mitten in der Wirtschaft. Es sieht so aus als warte er auf etwas.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 05. Nov. 2004, 22:31 Uhr
"Ach pah! Du hast mir schon so oft versprochen, mich zu heiraten und es nie getan, ich glaub' dir kein Wort! Läßt mich armen alten Zwergen einfach einsam darben und überhaupt dieser welke Liebst...häh?" Borgil wendet sich um, als Raven plötzlich wieder ernst wird und hinter ihm irgendjemanden kritisch beäugt. >Kennst du den? Der starrt dich an, als wolle er dich zum Frühstück verspeisen.... und offenbar scheint er auch nicht zu wissen, dass es ziemlich unhöflich ist, Leute derart anzustieren.< "Nie gesehen," raunt Borgil zurück und dreht sich vollends zu dem Fremden um. Unverkennbar ein Elb, der da mitten in der Harfe steht und der Gewandung nach könnte es gut ein Magier sein, allerdings ein recht farbloses langes Elend und auf seiner Brust liegt ein Frostamulett Kenens. Oha. Borgil mustert die Erscheinung von oben bis unten und seine buschigen Brauen sträuben sich leicht. "Sucht Ihr etwas? Kann ich vielleicht irgendetwas für Euch tun?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 06. Nov. 2004, 11:47 Uhr
spätabends...


Nevermore weiß, dass um diese späte Stunde höchstens noch die liebenswerte Köchin in der Küche sein wird, also schleicht sie mit SereniecA durch den Hintereingang und die Küche auf ihr Zimmer. Sie haben Glück, niemand begegnet ihnen. Die Verwüstung des Zimmers wird Borgil zwar wohl eher Sethai krumm nehmen als ihr, doch ist es Nevermore lieber, sie spricht einmal in Ruhe mit ihm und nicht mitten in der Nacht, während sie noch jemanden praktisch in ihr Zimmer schmuggelt. Natürlich hatten sie und Aelinor nach dem Feuerchen ein neues Zimmer bekommen, doch auch da war es nicht Borgil gewesen, der es ihnen zugeteilt hatte, sondern Halla hatte ihnen Bescheid gesagt und den neuen Schlüssel gegeben. Daher kann Nevermore die Laune des Zwergenwirtes momentan nicht einschätzen.

Das Bett hat zwei Matratzen übereinander, und so landet eine von ihnen auf dem Boden. Auch an Decken und Kissen haben die Mägde nicht gespart, so dass für SereniecA ein kuscheliges warmes Lager abfällt. Aelinor bekommt die Augen nicht einmal mehr auf, als Nevermore ihr ihren kleinen Mantel und die Schuhe auszieht und sie unter die dicke Decke bugsiert.

Die Lieder, zu denen sie auf dem Fest getanzt haben, schwirren Nevermore noch den ganzen Heimweg im Kopf herum, und auch im Zimmer summt sie noch leise wechselnde Melodiefragmente vor sich hin, während sie sich flüchtig wäscht. Eigentlich doch ganz praktisch, die kurzen Haare... früher hätte ich jetzt noch ewig daran gesessen sie zu kämmen. Grinsend fährt sie sich mit den Fingern kurz durch die roten Kringellöckchen, mit denen sie sich allmählich angefreundet hat. Müde ist sie nun nicht mehr, das Tanzen hat sie belebt. Außerdem ist sie wahnsinnig neugierig, ob SereniecA vielleicht noch ein wenig über sich erzählt; das Mädchen ist nämlich schon etwas aufgetaut im Laufe des Abends und hat auf dem Heimweg begeistert mit Nevermore die Begegnung mit Lorne und ihren Hunden ausgewertet. Also bleibt Nevermore, nachdem sie SereniecA ein Handtuch und eine Schüssel frisches Wasser gegeben hat, in ihrem Bett sitzen und wartet.


Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ellesedil am 06. Nov. 2004, 12:37 Uhr
Als der Zwerg sich zu dem Hochelf umdreht und ihn anspricht nickt er diesem Freundlich zu und sagt dann , Ich wollte euch nicht stören bei eurer Unterhaltung, es wäre kein Problem für mich zu Warten bis ihr fertig seit mit eurem Gespräch. Mir ist auch klar das ihr lieber mit diesen bezaubernden Geschöpfen sprechen wollt als mit mir. Ich bin gerade erst in der Stadt angekommen und man sagte mir das ihr der Mann wärt der Informationen hat. So wäre es mir eine Ehre mich mit euch über ein paar Kleinigkeiten zu unterhalten sobald euer Gespräch mit den anderen beendet ist. Dann wendet er sich an die Frauen und meint kurz , Es tut mir Leid sollte ich euer Gespräch gestört haben. Dann steht er wieder und wartet.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 06. Nov. 2004, 14:30 Uhr
OT @Ellesedil: schreib direkte Rede ruhig in Gänsefüßchen, Kursivschrift steht im allgemeinen für die eigenen, unausgesprochenen Gedanken. Und es sitzt nur eine Frau am Tisch ;)

Ich bin der Mann, der Informationen hat... ? Naja, da ist was dran.
"Tja, Mann äh... Meister Elb, nehmt es mir nicht übel, aber sie ist hübscher als ihr," grinst Borgil zurück und schüttelt dann leicht den Kopf. "Nein, schon gut, sagt ruhig, was Ihr wollt, das bezaubernde Geschöpf, ich meine Raven hier, wird mir hoffentlich noch ein wenig länger erhalten bleiben und es ist ja albern, wenn Ihr da herumstehen und warten müsst, wo wir doch ohnehin schon miteinander reden, nicht wahr? Also, was kann ich für Euch tun? Eine warme Mahlzeit, ein exquisites Essen? Ein Zimmer für die Nacht oder wollt Ihr länger bleiben? Habt Ihr Gepäck, um das sich die Knechte kümmern müssen oder vielleicht nur ein paar Fragen auf dem Herzen?" Borgil legt den Kopf leicht schräg. "Wenn Ihr allerdings eine Unterhaltung unter vier Augen wünscht, Herr Elb, dann muss ich Euch doch bitten, noch einen Augenblick zu warten. Aber setzt Euch doch, die Tuchhändler sind weg und es ist genug Platz am Tisch."  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Raven am 06. Nov. 2004, 16:36 Uhr
Raven bemüht sich angestrengt, ein ernstes Gesicht zu machen, doch ein Kichern sitzt ihr in der Kehle, das sie kaum noch zurückhalten kann. Die zwei gut gefüllten Becher von Borgils höllisch starkem Gewürzwein in Verbindung mit dem unfreiwillig komischen Auftreten des fremden Elben, der immer noch steif wie ein Spazierstock vor ihrem Tisch steht und Borgil anstarrt, als wolle er ihn hypnotisieren, strapazieren die Beherrschung ihrer Gesichtsmuskeln bis aufs Äußerste.

Sie will nicht unhöflich erscheinen und so reißt sie sich zusammen und schenkt ihm ein freundliches Nicken, vor allem, weil sie weiß, dass es ein Fremder in dieser riesigen Stadt mit ihren sonderbaren Gepflogenheiten und manchmal noch sonderbareren Einwohnern bestimmt nicht einfach hat. Aber seine Art zu sprechen und sich zu bewegen wirkt nun einmal komisch und sie fragt sich, ob er wirklich ernsthaft glaubt, dass sie sich noch freimütig weiter unterhalten können, wenn er danebensteht und sie dabei die ganze Zeit anstarrt.

Mit einem Seufzer muss sie einsehen, dass ihre nette Plauderei mit dem Zwerg wohl erst einmal aufgeschoben ist - zumindest bis der Elb mit Antworten auf seine Fragen zufriedengestellt ist, was immer er auch für "Informationen" braucht. Jedenfalls hat sie nicht vor, wegen ihm den Tisch zu verlassen, sondern lehnt sich bequem zurück und weist mit der Hand auf den freien Platz auf der Bank gegenüber.

"Na, nun setzt Euch schon und steht nicht in der Gegend herum", fordert sie ihn grinsend auf. "Die Schankmaiden, denen Ihr den Weg versperrt, werden's Euch sicher danken. Und nun - da Ihr schon wisst, mit wem Ihr es zu tun habt - wollt Ihr uns nicht auch Euren Namen nennen?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von SereniecA am 06. Nov. 2004, 21:07 Uhr
Froh sich endlich waschen zu können nimmt SereniecA die Schüssel mit dem frischen Wasser und das Handtuch entgegen. Dann wäscht sie sich flink.

Nevermore sitz derweil auf dem Bett und wartet ab.
Als SereniecA fertig ist gähnt sie herzhaft und setzt sich auf ihr Nachtlager. Nevermore sieht sie erwartungsvoll an.

Ja... du willst das ich dir ein bisschen von dir erzähle... aber will ich das? Ach was solls... Sie ist nett, gibt mir soger eine Unterkunft. Warum denn nicht?

Müde lässt SereniecA sich nach hintenfallen und beginnt stockend zu erzählen. "Früher, wenn ich ins Bett gegengen bin habe ich mit Mama immer noch gesungen. Sie hat gesagt das macht die Seele frei. Und es hat gestimmt. Am liebsten habe ich mit ihr den Narrenkönig gesungen..." SereniecA hält inne, eine einzelne Träne rinnt über ihre Wangen. "Heute bin ich fast den ganzen Tag gewandert... ich wusste nicht wohin... nachdem... nachdem sie gestorben ist..."
Jetzt bringt sie kein Wort mehr heraus. Nevermore setzt sich neben sie und streichet sanft über ihren Arm. SereniecA tut das gut aber es erinnert sie an ihre Mutter. Stumm fließen die Tränen. Nach wenigen Minuten setzt sich SereniecA hektisch auf und wischt sich schnell die Tränen weg. Dann schweigt sie...
Nevermore räuspert sich, SereniecA sieht sie fragend an...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 06. Nov. 2004, 21:23 Uhr
Nevermore ist einerseits bestürzt, dass sie mit ihrer Neugier SereniecA zum Weinen gebracht hat, aber andererseits tut ihr Herz einen kleinen Hüpfer. Das war es also - sie ist Waise wie ich... Nun weiß sie auch, warum sie in dem Mädchen etwas erkannt hat; genauso war sie damals umhergeirrt, bis sie Kizumu, ihre Freundin aus Kindertagen, wiedergetroffen hatte... Instinktiv hebt sie die Hand, um SereniecA die erste Träne wegzuwischen, doch dann lässt sie sie wieder sinken; das wäre zu persönlich, sicher würde sie das schüchterne Mädchen damit in ihr Schneckenhaus zurück verscheuchen. Stattdessen streichelt sie nur ihren Arm.

Nach längerem Schweigen muss Nevermore sich räuspern, um einen imaginären Kloß aus ihrem Hals zu entfernen. SereniecAs fragender Blick holt sie aus den Erinnerungen an ihre eigenen Eltern zurück ins Hier und Jetzt. "Auch meine Eltern sind tot. Sie starben, als ich 7 Sommer alt war..." Stockend erzählt sie eine Kurzversion ihres damaligen Lebens im Elfendorf, wo sie als Mischblut aus Menschen, Beutereitern und Elben dennoch nie als Außenseiter behandelt wurde - bis hin zu dem Überfall auf das Dorf, der ihre Familie jäh auseinanderriss und sie auf eine lange, einsame Wanderung durch furchterregend große, von wilden Tieren bevölkerte Wälder schickte. "Eine befreundete Elfe, die dort nicht wohnte, aber schon oft zu Besuch gekommen war, erzählte mir schließlich von Talyra. Sie wird Kizumu genannt und lebt in der Steinfaust." Wie es ihr wohl ergangen ist, seit wir uns zuletzt gesehen haben? fragt sie sich kurz, ohne auch nur zu ahnen, welch schwere Geburt ihre alte Freundin eben hinter sich gebracht hat und an welch seidenem Faden ihr Leben im Augenblick hängt... Nach all den traurigen Erinnerungen kann auch sie die Tränen nicht mehr zurückhalten. Während ihrer Erzählung sind sie und SereniecA unmerklich näher zusammengerückt, bis sie endlich die Arme um die Schultern der jeweils anderen gelegt dasitzen und beide stumm vor sich hin weinen.

Schließlich findet Nevermore ihre Stimme wieder: "Wie ging das Lied vom Narrenkönig?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Faraday am 06. Nov. 2004, 21:46 Uhr
Am meisten fasziniert Faraday der riesige krumme Schornstein, der eine beeindruckend dicke Rauchfahne in den Abend hinaus entlässt. Das ganze Gebäude ist von Wein überrankt und vor der Eingangstüre befindet sich ein Garten, der stellenweise zwar dicht bewachsen aber ganz offensichtlich gut gepflegt ist. Faraday kennt keinen der Namen der Pflanzen, die hier wachsen, aber sie hat sie schon oft genug gesehen. Vor ihr öffnet sich die beschlagene Holztür und honiggoldenes Licht ergießt sich nach draussen über die Stufen. Faraday schnuppert neugierig, während sie sich an den Leuten vorbeischiebt, die eben das Gasthaus verlassen.

Drinnen erkennt Faraday zuerst einmal ein paar Tische rechts neben und gerade vor ihr sowie eine Theke, deren Schmalseite zu ihr hinweist. Weiter hinten flackert das warme Feuer eines Kamins. Alle Tische scheinen besetzt und so ist die Luft erfüllt vom Gewirr vieler Stimmen. Faraday weiß nicht recht wohin. Einerseits ist sie etwas enttäuscht weil sie gehofft hat, dass mehr los sein würde - mehr Gedränge bedeutet bessere Möglichkeiten einer fremden Geldkatze habhaft zu werden. Und das würde sie früher oder später müssen. Andererseits sind viele männliche Gäste anwesend. Vielleicht würde sie jemanden dazu bringen ihr etwas auszugeben. Ich sehe erbärmlich aus, wie eine gebadete Katze. 's sollte nich' so schwer werden. Außerdem erhofft sie sich hier Informationen zu finden. Reiche Leute sind für gewöhnlich immer eine Runde Tratsch wert und auch nach einer Bogenbauerin sollte sie sich hier unauffällig erkundigen können, wenn sie erst jemanden in ein Gespräch verwickelt hat. Ein Tisch an der Fensterseite fällt ihr ins Auge. Daran sind noch Plätze frei und die drei Personen dort könnten nicht unterschiedlicher sein: Ein Zwerg wie aus dem Bilderbuch, eine schöne Frau mit langen dunklen Haaren und ein dürrer Elf mit unglaublich weißem, langem Haar. Auffallen würde sie da bestimmt nicht, wenn sie sich an eine freie Ecke setzen würde. Und vielleicht würden sich der Zwerg oder der Elf ja spendabel zeigen.

Faraday versucht sich möglichst klein zu machen - dabei noch erbärmlich zu zittern fällt ihr auch in der Wärme des Gasthauses nicht schwer. Obendrein setzt sie einen möglichst verschüchterten Gesichtsausdruck auf, verzichtet darauf sich die nassen, klebrigen Haarsträhnen aus dem Gesicht zu streifen und in ihrer leisen, rauen Stimme deutet nichts mehr auf das Mädchen von der Straße hin. "Ist hier noch ein Platz frei? Ich möchte mich hier.. gerne aufwärmen." Sofort senkt sie den Blick wieder zu Boden und hofft inständig, dass sie ihre Rolle gut spielt, was ihr jedoch angesichts der Umstände und der Geschehnisse des heutigen Tages sowieso nicht sonderlich schwerfällt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von SereniecA am 06. Nov. 2004, 22:17 Uhr
SereniecA hört Nevermore erstaunt zu.

Auch sie ist also Weise, deshalb scheint sie mich so gut zu verstehen. Ja... ich mag sie...sehr sogar.

Als Nevermore mit ihrer Erzählung geendet hatte sitzen die Beiden einfach da, umarmen sich gegenseitig und die Trännen Beider rollen. Erst nach einger Zeit findet Nevermore ihre Stimme wieder und fragt: "Wie ging das Lied vom Narrenkönig?"  SereniecA muss sich räuspern ehe sie wieder sprechen kann.

"Das Lied vom Narrenkönig...", kurz hat SereniecA die Stimme ihrer Mutter im Ohr wie sie das Lied anstimmt.
Dann beginnt sie leise zu singen:

"Possen reissend, Witze machend, ich so manches Herz erfreu.
Den Ball jonglierend, Feuer spuckend, unterhalte ich die Leut'
des Hofes - König, Königin und ihre zarte Tochter,
weil ich der Narr des Hofes bin, ein Clown ein Ausgekochter.

Das Kind des Königspaares ist es, welches mir den Kopf verdreht.
Bin schwer verwirrt, wenn ich ihr Antlitz, ihre Schönheit, Anmut seh'.
So kam es, dass ich - obwohl ich vom Stande lange nicht berechtigt war -
um ihre Hand anhielt, beim König vorsprach - bin der Narr.

"Meine Tochter willst du, Narr, wenn Herrrscher würden alles geben?
Sei König, mit Gold, Land und Volk, dann sollst du mit ihr leben."

Ich bin der Narrenkönig - König aller Narren bin ich wohl!
Mein Volk die Menschen, die gern lachen und mein Gold mir innewohnt!
Mein Land ist doch die ganze Welt - wer denn könnte ihr mehr geben?
Gib' mir deine Tochter, Meister, soll fortan glücklich leben!
Ich bin der Narrenkönig - der Narrenkönig bin ich wohl!

Der König, nein, das ganze Volke lachte ob der dreisten Tat.
"Seht, der Narr will König sein!" Ich war Gespött im ganzen Staat.
So zog ich fort mit schwerem Herzen, fort von Schloss und Heimatstadt.
Nur ein Mensch winkte traurig meiner als ich ritt ins Tal hinab.

So ritt ich hier hin, reiste dorthin, blies mit Trübsal mir den Marsch,
bis ich hört' des Königs Botschaft, welche verbreitete sich rasch:
"Die liebst Prinzessin ist verfallen gar fürchterlicher Depression,
Wer eilt und sie zum Lachen bringt, der soll sie zum Weibe holen."

So will ich denn mein Glück versuchen, wenn nicht Narr, wer könnt es dann?
Gesagt getan, so stand ich vor ihr und mein Lied begann:

Ich bin der Narrenkönig - König aller Narren bin ich wohl!
Mein Volk die Menschen, die gern lachen und mein Gold mir innewohnt!
Mein Land ist doch die ganze Welt - wer denn könnte ihr mehr geben?
Gib' mir deine Tochter, Meister, soll fortan glücklich leben!
Ich bin der Narrenkönig - der Narrenkönig bin ich wohl!

So gab ich alles was ich kannt', spielte mein ganzes Repertoire
und sie lachte, jeder lachte, das ganze Land am Lachen war!
Auch der König must' gestehen, dass ich die Beste Medizin
für seine liebe Tochter - ich der Narrenkönig bin,"

mit der Zeit wird ihr Stimme kräftiger und sie mutiger. Als sie endet lächelt SereniecA Nevermore freudig an.

(OT: Das Lied ist von Schandmaul und heißt der Hofnarr)

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Raven am 07. Nov. 2004, 12:41 Uhr
Der weißhaarige Elb kann sich offenbar nicht entscheiden, ob er sich setzen oder lieber doch mitten im Gedränge stehen bleiben soll, zumindest macht er keine Anstalten, sich bei ihnen am Tisch niederzulassen. Mit unschlüssiger Miene starrt er noch immer Borgil an und bevor er auch nur einen Schritt in ihre Richtung machen kann, taucht neben dem klobigen Holztisch plötzlich eine junge Frau auf, die nach einem freien Platz fragt. Sie hat den Blick zu Boden gerichtet und ihre Stimme ist so leise, dass Raven kaum etwas von den gemurmelten Worten verstehen kann - gerade so viel, dass sich das Mädchen hier nur eine Weile aufwärmen will.

Und sie sieht auch aus, als könne sie ein warmes, trockenes Fleckchen in der Gaststube gut vertragen. Wasser tropft aus ihrer zerschlissenen Kleidung und den dunklen Haaren, die sie zu einem Knoten nach hinten gesteckt hat und sie wirkt so erschöpft und verfroren, als wäre sie stundenlang durch strömenden Regen gestiefelt. Verstohlen mustert Raven das Mädchen oder wenigstens das, was von ihrem Gesicht zu sehen ist, das sie tief gesenkt hält - ob dies nun ein Zeichen von Schüchternheit ist oder ob die junge Frau etwas zu verbergen hat, vermag sie jedoch nicht zu sagen. Auf den ersten Blick wirkt sie mit dem schlichten Kleid, den groben Stiefeln und dem wollenen Schultertuch wie eine Magd oder ein Bauernmädchen von den umliegenden Höfen und mag zwei oder drei Jahresläufe jünger als sie selbst sein.

Seufzend schiebt Raven ihren Becher beiseite. Den so vielversprechend begonnenen Abend und das nette Gespräch mit Borgil scheint sie nun wohl endgültig abhaken zu können, denn ihnen ist an diesem Tag wohl einfach keine Ruhe zum Plaudern vergönnt. Resigniert deutet sie mit der Hand auf die Bank gegenüber. "Sicher, setzt Euch ruhig eine Weile. Stören könnt Ihr uns ohnehin nicht mehr." Ihr Blick wandert - inzwischen ziemlich missmutig - von der dunkelhaarigen Frau hinüber zu dem weißmähnigen Elben, der wie eine Salzsäule noch immer vor dem Tisch steht. Sein Gestarre macht sie allmählich nervös und auch Borgils Miene ist anzumerken, dass er langsam doch ein wenig ungeduldig wird. "Und was ist mit Euch?" fragt sie noch einmal betont freundlich nach. "Wollt Ihr Euch nicht auch endlich zu uns setzen?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 07. Nov. 2004, 15:08 Uhr
SereniecA trägt ihr Lied zuerst mit Tränen in der Stimme, dann immer selbstbewusster und am Ende selbst von dem Text amüsiert vor, und Nevermore muss auch an einigen Stellen herzlich lachen, so dass Aelinor kurz davon aufwacht und sich vom Bett herunter auf das provisorische Lager rutschen lässt, um zu sehen, was die beiden da treiben.  Nevermore hat für Lieder ein gutes Gedächtnis, und so singt sie teilweise bereits mit, als SereniecA das Lied für Aelinor noch einmal anstimmt. Es hat allen gut getan, dieses Gute-Nacht-Lied. Alle drei schlafen schnell auf dem Lager ein, Aelinor in der Mitte wie der sprichwörtliche Spatz, der sich von den anderen wärmen lässt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von SereniecA am 07. Nov. 2004, 17:21 Uhr
Als SereniecA das zweite mal geendet hat lachen alle nochmal fröhlich um dann in einen tiefen Schlaf zu verfallen. Traumlos schläft SereniecA das erstemal seid dem Tod ihrer geliebten Mutter durch.

Als sie am nächsten Morgen erwacht wird es gerade hell. Gerne würde sie aufstehen und ein leckeres Frühstück richten um sich für die Gastfreundschaft zu bedanken. Aber das ist, das sie sich ja in einem Gasthaus befinden, nicht möglich.

Also wendet sie sich Aelinor zu und beobachtet das Kind beim schlafen.

So unglaublich friedlich sieht sie aus. Was sie wohl gerade träumt?

Beim betrachten des Kindes fallen SereniecA die Augen wieder zu.
Erst als Nevermore aufsteht erwacht sie auch wieder. Sie reibt sich die Augen und sieht sich nochmals immer Zimmer um. Die Sonne ist aufgegangen und SereniecA kann jetzt genau sehen wie das Zimmer eingerichtet ist. "Schön...", sagt sie nachdenklich. Nevermore dreht sich um und sieht sie fragend an. "Das Zimmer meine ich," erklärt SereniecA. Dann fängt Nevermore an zu lächeln strahlt an SereniecA vorbei. Als diese sich umdreht bemerkt sie das Aelinor aufgewacht ist. "Guten Morgen Aelinor!", grinst SereniecA...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ellesedil am 07. Nov. 2004, 17:51 Uhr
„ Mein Name ist Ellesedil. Vielen Dank für die Einladung. Darf ich euch alle zu einem Trank einladen. Natürlich seid auch ihr herzlich Eingeladen“. Er blickt kurz zu der neu hinzugestoßenen Frau die anscheinend keinen so guten Tag hinter sich hat. Dann setzt er sich auf den zugewiesenen Platz und legt den dicken Wollumhang ab.
Darunter kommt eine Hellblaue Robe zum Vorschein die an den weiten Ärmeln kleine Wasser- und Eiselementare in dunklem Blau eingestickt hat. Auf der Brust sind 3 Runen eingearbeitet die in einem Dreieck angeordnet sind.  Was erst nach kurzem Hinschauen auffällt ist das die Farbe der Robe sich langsam in ein dunkelblau verwandelt und die Runen immer heller werden. Als die Runen fast weis sind und die Robe in der Farbe von Wasser in einer dunklen Nacht erscheint, geht die Wandlung in die andere Richtung wieder los. Das Ganze geht aber recht langsam vor sich.
„ Ich währe froh wenn ihr mir bei meinen Problemen weiter helfen könntet. Ich bin neu in der Stadt wie ich schon erwähnte. Ich möchte in der Stadt einen kleinen Laden eröffnen und brauche dafür ein Haus das ich erwerben kann. Es währe Fantastisch wenn das Haus am Wasser liegt. Mir wurde die Magie des Wassers gelehrt und ich habe das Färben von Holz, Metall und Stoffe auf magischem Weg erforscht. In dieser Stadt, bin ich mir sicher, kann ich meine Fähigkeiten noch verfeinern da man hier viele verschiedene Kulturen  antreffen kann. Mein Lehrling und ich würden uns gerne hier niederlassen. Natürlich müsste ich dann auch ein paar kleine Änderungen an dem Haus machen lassen , dazu wäre ein Baumeister von Nöten und jemand der sich mit Inneneinrichtung auskennt. Man hat mir gesagt ich hätte nicht unbedingt einen guten Geschmack in solchen Dingen.“ Der Hochelf lächelt verlegen. „ Nun könnt ihr hoffentlich verstehen das ich eure Hilfe brauche.“ Dann schaut er zu einer Magd „ Bringt dieser armen Frau etwas warmes zu Trinken und Essen und was auch immer die Leute hier an diesem Tisch wollen.“ Während er das alles sagt zieht sehr langsam seine Wildlederhandschuhe aus. Dann start er den Zwerg wieder an und wartet.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 07. Nov. 2004, 18:38 Uhr
"Öhm..." Borgil klappt den Mund auf, als die junge Frau, nass und durchfroren wie ein begossener Welpe zu ihnen an den Tisch schlüpft und will ihr gerade eine Schale Suppe oder ähnlich Wärmendes anbieten, als der Elb sich doch entschließt, gleich zur Sache zu kommen, sich als Ellesedil vorstellt und den ganzen Tisch kurzerhand einläd. Na, das nenn ich ein Wort! Für einen winzigen Moment ist er versucht, eine Amphore Rubinwein aus dem Keller zu holen, aber das will er dem Weißhaar dann doch nicht antun... vor allem, weil seine Kleidung zwar durchweg gut, aber keineswegs nach dicker Geldkatze aussieht. "Öhm ja, setz dich ruhig, Mädel. Bist ja so schmal wie eine Bohnenstange, viel Platz kannst du nicht brauchen. Und unser Meister Elb hier hat heute die Spendierhosen an, was?" Er grinst in seinen Weinbecher und ordert gleich die nächste Runde für sich und Raven. Die Kleidung des Elben ist auf den zweiten Blick mehr als verwirrend... erst wird alles heller, dann wieder dunkler, dann wieder heller.... und Borgil kann nicht umhin, dieses Wunderwerk anzustarren und sich zu fragen, was bei Sils Hammer eigentlich in seinem Gewürzwein war  oder ob das schlicht am flackernden Fackelschein liegt - bis ihm auffällt, daß es das Gewebe an sich ist, das ständig in Bewegung scheint. Schönes Stück Stoff... Die Magd bringt die bestellten Getränke und eine Schale Eintopf für das durchfrorene Mädel, das sich unauffällig im Hintergrund hält und der Elb rückt dankenswerterweise gleich mit seinem Anliegen heraus. Borgil lauscht ihm, nickt hin und wieder und brummt dann. "Tjaähem. Mit dem Haus könnt' ich Euch schon weiterhelfen, aber am Wasser hab ich keins... Seeviertel, Adelsviertel hier in Talyra, wißt Ihr. Sündhaft teuer, riesige Grundstücke, uralte Anwesen. Höchstens weiter unten, Richtung Hafen... wartet mal, vielleicht ist da ja was... war mal so ein Kerl da, der hatte nen Laden da unten... Falaster... Falastyr... Falasirgendwas. Steht schon lange leer, aber ist noch in seinem Besitz. Hab absolut keine Ahnung, ob der je wieder kommt. Aber dort in der Gegend könntet Ihr's versuchen, nur... mir gehört da unten nichts, Ihr müßtet Euch also an die Stadtverwaltung wenden. In der Stadthalle könnt Ihr erfragen, ob es freie Häuser da in der Nähe gibt. Ansonsten hätt ich ein schönes Häuschen in Marktplatznähe in guter Lage. Viel Laufkundschaft an Markttagen und so. War mal ne Weberei, ist auch ne Menge Platz vorhanden und wenn Ihr es kaufen wollt, dann könnt Ihr damit anstellen,was immer Ihr möchtet. Wer sich hier in Talyra mit Inneneinrichtung auskennt, das kann ich Euch beim besten Willen nicht sagen, aber einen guten Baumeister haben wir, Dror Silberbart, ein Zwerg, wie ich. Ihr findet ihn im Faranden Darye und falls Euch dort 'ne leichtbekleidete Schellentänzerin über den Weg läuft, DAS ist er nicht. Keine Ahnung, wer dort alles wohnt." Borgil nimmt einen tiefen Schluck von seinem Wein und unterdrückt ein Aufstoßen. "'Tschuldigung. Herrje, der Zimt."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 07. Nov. 2004, 19:06 Uhr
Der Morgen ist mit Abstand der schönste, den Nevermore und Aelinor in letzter Zeit erlebt haben. Es ist, als wären sie jetzt eine größere Familie, obwohl sie doch SereniecA erst seit einem Tag kennen. Auch das Mädchen nimmt ihre Ersatzfamilie offenbar dankbar an.

Aelinor strahlt beim Aufwachen zuerst Nevermore an, zu deren Seite sie im Schlaf gelegen hatte, und sagt klar und deutlich "Mama", dann dreht sie sich zu SereniecA um und nuschelt mit einem breiten Grinsen "Sers". Das junge Mädchen ist sichtlich gerührt, während Nemos Gesichtszüge förmlich entgleisen. Sie muss SereniecA erst erklären, wie Aelinor bisher nur mit Senden kommuniziert hat und sich nicht die Mühe gemacht hatte, sprechen zu lernen.

Nevermore schickt Aelinor los, bei der Köchin ihren Charme spielen zu lassen, denn sie selber hat im Moment auch kein Geld, und immer auf Borgils Großzügigkeit setzen will sie auch nicht. Während sie auf das Frühstück warten, weiht Nevermore SereniecA in ihre Pläne mit der Pfeffermühle ein. "Momentan ist das Gebäude nicht bewohnbar, da gibt es noch viel Arbeit. Aber das Gelände rundherum hat schon eine Schafherde in den letzten zwei Wochen abgeweidet", erklärt sie. "Ich zeige es dir nachher, nach dem Frühstück."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Milo am 07. Nov. 2004, 19:38 Uhr
Vor den Stadttoren (http://forum.weltenstadt.de/?board=stadtrpg;action=display;num=1035544919;start=255#262)

Milo betritt die Gaststube. Einen Moment lang bleibt er stehen und schließt die Augen für einen Moment. Wärme. Essen. Schlafen. Das würde er hier heute alles hoffentlich bekommen. Als seine Augen sich wieder öffnen, sind sie wachsam, misstrauisch und blicken sich suchend um. Wirte hatten oft die Angewohnt genauso auszusehen wie ihr Publikum, was sie bei denen so beliebt machte. Ein Wirt, mit dem man von Mann zu Mann reden konnte, der war wie einer selbst - so ein Wirt ist sympathisch. Milo ist so ein Wirt im Moment alles andere als sympathisch, denn in diesem vollen Gasthaus würde er diesen Mann nicht so schnell entdecken und das war schlecht. Es musste schnell gehen. Bei dem Geruch des Essens knurrte sein Magen noch heftiger als schon zuvor und er geht mit langsamen Schritten und dem gleichen misstrauischen Blick wie immer auf den Tresen zu. Der Wirt würde ihn hoffentlich von selbst bemerken. In seinem Zustand hätte Milo aber auch ohne weiteres durch die gesamte Gaststube nach dem Wirt gebrüllt, hauptsache ein warmes Essen und ein Bett...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von SereniecA am 07. Nov. 2004, 19:56 Uhr
Aelinor ich möcht dich knutschen, Sers... hat sie mich genannt...

Nachdem Nevermore die Kleine zur Köchin geschickt hat erzählt sie SereniecA begeistert von der Pferffermüle die sie bald beziehn will. "aber dort ist noch eine Menge zu tun, noch ist sie nicht bewohnbar," erklärt Nevermore ihr. SerenicA lauscht aufmerksam und nickt heftig als sie über die Renovierungsarbeit reden. "Wenn du möchtest werde ich dir mit Kräften helfen. Von meiner Mutter habe ich sehr viel gelernt, wie man richtig putz und kocht und all solche Dinge."
Nevermore nickte leicht, SereniecAs Augen blitzen vor Freude. "Ich werde versuchen eine Arbeit zu finden und dir helfen... wenn du magst? Ich meine natürlich weisst du naja wie soll ich das sagen? Ich mag dich und Aelinor. Ihr seid beide so lieb zu mir... Deshalb möchte ich euch helfen... Ach ich weiss nicht wie ich sagen soll... Naja... also ich freue mich jedenfalls heute mit dir in die Pferffermühle zu gehen. Vielleicht können wir dann überlegen wie wir sie am besten und schnellsten Bewohnbar machen können. Aber Nachmittags möchte ich mir dann Arbeit suchen. Damit ich mich ernähren kann..." Sie hält inne. Ein Gedanke hat ihren Wortschwall unterbrochen.

Wo soll ich denn schlafen? Ob ich Nevermore... nein das geht doch nicht... Sie hat mich doch heute Nacht schon aufgenommen... Noch mal... Ich kann sie unmöglich fragen, das wäre unhöflich...

Traurig sieht SereniecA auf ihre Füße. Die Realität hat sie eingeholt.

Ich bin eben doch nur ein Straßenmädchen. Muss sehen wie ich über die Runden komme. Nevermore kann mich unmöglich auch noch durchfüttern. Was soll ich bloß machen? Wo soll ich hin?

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 07. Nov. 2004, 20:41 Uhr
"Freie Stellen sind für gewöhnlich an der Anschlagtafel ausgeschrieben, am Marktplatz. Ich glaube gelesen zu haben, dass der Bäcker Thram jemanden einstellt. Vielleicht wäre das was für dich? Und ich kann sicher in der Harfe arbeiten..."

Zuerst zeigt SereniecA sich von dem Vorschlag begeistert, die Mühle mit aufzubauen, doch etwas nagt sichtlich an ihr. Sie hat Angst zu fragen, ob sie bis dahin hier bleiben darf. Mit sanfter Stimme sagt Nevermore: "Du darfst gern jeden Abend das Lied vom Narrenkönig für Aelinor singen." Es ist nicht die reine Menschenfreundlichkeit, die Nevermore dieses Angebot machen lässt. Schließlich muss jemand für Aelinor da sein, wenn sie nachts in der Harfe arbeitet. So wäre beiden geholfen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von SereniecA am 07. Nov. 2004, 21:20 Uhr
Ein Strahlen breitet sich auf SereniecAs Gesicht aus. "Ist das dein... ich meine bist du dir sicher?" Als Nevermore entschieden nickt macht sie einen leichten Luftsprung. Dann schiebt sich Aelinor durch die Türe und übereicht ihrer Mutter die ergatterten Lebensmittel. Dann nimmt SereniecA das kleine Mädchen auf den Arm und tanzt einmal mit ihr durch das Zimmer. Als sie das Kind wieder absetzt lachen beide von Herzen und beginnen sich dann mit Nevermore mit dem Frühstück.
"Was machen wir denn jetzt?", fragt SereniecA die mittlerweile ihre ganze Scheu abgelegt hat.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ellesedil am 08. Nov. 2004, 08:21 Uhr
„ Nun Herr Zwerg, ich brauche für meine Arbeit dringend Wasser in meiner nähe. Um so mehr um so besser. Ich werde bei der Stadtverwaltung anfragen ob es in der Hafengegend etwas passendes gibt. Wenn nicht komme ich gern auf das Gebäude am Marktplatz zurück. Dann werde ich dafür sorgen das genügend Wasser zu diesem Haus kommt. Vielen Dank für eure Hilfe. Ohh übrigens, danke für das Kompliment mit der Robe. Es war mein Meisterstück bei meiner Abschlussprüfung in der Magierakademie Imraseth. Jeder von euch ist natürlich immer eingeladen in meinem Laden, sobald er fertig ist, einen frischen Elbentee zu trinken. Wo finde ich die Stadtverwaltung?“. Der Hochelf steht dann langsam auf nach dem er die Antwort bekommen hat, wirft sich wieder den dicken Wollumhang um. „ Ich wünsche noch einen schönen Abend“. Der Frau nickt er kurz zu und geht dann Richtung Theke. Dort angekommen spricht er mit einer Magd und legt ein paar Münzen auf den Tressen.
Als der Elf den Jungen sieht, lächelt er ihn an und fragt „ Kann ich euch Helfen, Junge“? Noch bevor dieser Antwortet legt er noch eine Münze auf den Tressen und sagt zur Magd „ gebt den Jungen auch was warmes zu Essen und Trinken“.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Faraday am 08. Nov. 2004, 10:23 Uhr
Faraday ist sich mittlerweile nicht mehr so sicher ob es eine gute Idee war sich an den Tisch setzen zu wollen. Die dunkelhaarige Frau wirkt wenig erfreut über den zusätzlichen Gast und Faraday beißt die Zähne zusammen um ihre Maske der Schüchternheit auch ja schön aufrecht zu erhalten. Die nächsten Tagen würden vermutlich ohnehin schwer genug werden. Mit keiner Bewegung mehr als nötig findet sie schließlich am Tisch Platz und sie reibt sich innerlich die Hände, als sie die Worte des weißhaarigen Elben hört. Was für ein armes, nasses Kätzchen ich doch bin. Faraday schluckt ein glucksendes Lachen hinunter, was aber aufgrund ihres gesenkten Kopfes nicht weiter auffallen sollte. Statt dessen bringt sie ein flüstertoniges "Dank' schön, Herr." hervor, welches dem großzügigen Elben gilt. Aus den Augenwinkeln betrachtet sie fasziniert dessen Robe, deren Farbe sich irritierenderweise zu verändern scheint. Die würd' 'nen schönen Batzen Kupferlinge bringen. Mit den Augen der Diebin kann sie förmlich sehen, dass dessen Geldkatze gut gefüllt sein muß. Eine kleine Prügelei oder sonstiger Tumult wären großartig um den Elben seiner Last zu entledigen, aber erst einmal gilt es sitzen und lauschen und sich aufwärmen. "Eine heiße Mandelmilch bitte."

<...Magierakademie Imraseth...> Wo bei den neun Höllen soll das sein? Im-ra-seet. Aber vor Magiern und anderen Zauberfuchtlern hat Faraday gehörigen Respekt und sie würde sich hüten einem solchen in die Taschen zu fassen. Das Gespräch am Tisch findet derweil ein recht schnelles Ende und der Magier verabschiedet sich alsbald, nicht ohne sich am Tresen abermals spendabel zu zeigen. Wie kann man nur so leichtsinnig sein und seinen Wohlstand offensichtlich vor sich hertragen? Dem würd's nur recht geschehen wenn... wenn... Ein dampfender Pot Mandelmilch unterbricht ihre unfrommen Gedanken und ihr wird bewußt, dass sie nun mit den beiden allein am Tisch sitzt. Bestimmt würden sie ihr irgendwelche Fragen stellen, aber Faraday hat sich lange vorher alles gründlich zurechtgelegt. Vielleicht würden die beiden sich auch einfach weiter ihren Gesprächen widmen. Mit etwas Glück könnte sie hier sogar noch etwas erfahren. Der Zwerg macht durchaus den Eindruck, als kenne er sich in der Stadt bestens aus.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 08. Nov. 2004, 11:14 Uhr
>Nun Herr Zwerg, ich brauche für meine Arbeit dringend Wasser in meiner nähe. Um so mehr um so besser. Ich werde bei der Stadtverwaltung anfragen ob es in der Hafengegend etwas passendes gibt....Wo finde ich die Stadtverwaltung?<

"In der Stadthalle - irgendein Schreiberling oder Stadtrat, Kämmerer oder Bediensteter dort kann Euch sicher weiterhelfen. Im Prinzip braucht ihr nur eine Liste der freien Häuser, damit Ihr sie Euch ansehen und für eines entscheiden könnt... und das nötige Silber oder Gold, es zu bezahlen natürlich. Ist das erledigt, werdet Ihr in die Grundbücher eingetragen, bekommt Eure Steuerbescheide und das ganze Brimborium... na, Ihr werdet es sehen." Der Elb hat es offenbar wirklich eilig mit seinem Haus, denn anstatt zu bleiben und sich einstweilen in der Harfe einzuquartieren, macht er sich sogleich wieder auf den Weg - jedoch nicht, ohne sich nicht noch mehr spendabel zu zeigen, als ohnehin schon, was Borgils Augenbrauen bedenklich hoch auf den narbigen Schädel rutschen läßt. Tsss, na so einer ist mir recht. "Ja dann, Euch auch einen schönen äh... Abend noch." Er nickt dem Elben zum Abschied zu und wendet sich dann wieder an Raven, das nasse Mädel am anderen Tischende völlig vergessend - zu blaß und zu dürr für seinen Geschmack, auch wenn ihre triefendnasse Elendserscheinung sein ritterliches Herz durchaus nicht ungerührt gelassen hat, aber darum hatte der Elb sich ja schon gekümmert. "Na, Raven, mein Goldstück, wo waren wir stehen geblieben? Ach ja, du hast "Ja" gesagt, nicht wahr?" Borgil klimpert herzergreifend mit den dichten, dunklen Wimpern und ein Funkeln geht durch seine schwarzen Zwergenaugen.
"Also wann und wo?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Raven am 09. Nov. 2004, 12:51 Uhr
Raven ist von der schillernden Robe des Elben so fasziniert, dass sie Borgil, das Mädchen und ihren Wein völlig vergisst und mit gerunzelter Stirn beobachtet, wie der schimmernde Stoff in einem fließenden Wechsel fortwährend seine Farbe ändert - mal hell, mal dunkel, mal sieht er aus wie kristallklares Wasser, mal wie samtigblauer Nachthimmel. Der Anblick dieses irisierenden Farbenspiels in Verbindung mit dem inzwischen schon reichlich genossenen Gewürzwein versetzt sie fast schon in eine Art Trance und beinahe sinkt ihr Kopf in seligem Schlummer an Borgils Schulter. In ungläubigem Staunen klebt ihr Blick so lange an dem Umhang, bis sie merkt, wie unhöflich sie gerade ist, den Fremden derart anzustarren. Erst ärgere ich mich, dass er uns so anglotzt und dann tu ich es selbst genauso. Eilig klappt sie ihre Kinnlade wieder hoch und wendet den Blick von Ellesedil ab und wieder ihrem Weinbecher zu.

Borgil rattert dem Elben gerade sämtliche Häuser herunter, die er in der Stadt besitzt und als Färberei geeignet wären und erklärt ihm die komplizierten Prozeduren, die er in der Stadthalle noch zu erwarten hat, so dass Ravens Blicke und Aufmerksamkeit ein wenig abschweifen, da sie die Geschäftsverhandlungen der beiden nicht sonderlich interessieren. Während Borgil sich allmählich warmredet und sich mit seinen zwergischen Fähigkeiten im Feilschen, Handeln und Anpreisen mächtig ins Zeug legt, hört sie nur noch mit halbem Ohr zu und betrachtet stattdessen nachdenklich ihr Gegenüber. Schweigend und mit gesenktem Kopf hockt das Mädchen auf der Bank und gibt keinen Mucks von sich, nur ab und zu hebt sie die Lider ein wenig und mustert den Elben neben sich mit verstohlenen Blicken und einem seltsamen Funkeln in den Augen. Sie ist so merkwürdig still - fast zu still. Was sie wohl hier in der Stadt will bei Finsternis und Regen, ohne anständige Kleidung und ohne Geld? Weit gereist kann sie nicht sein, denn sie hat kein Gepäck bei sich, nicht einmal ein Bündel mit ihren Habseligkeiten. Irgend etwas an dem Mädchen irritiert sie, obwohl sie nicht genau bestimmen kann, was es ist. Vielleicht die Art, wie sie versucht, sich unsichtbar zu machen, ihre auffällige Art, sich möglichst unauffällig zu benehmen.

Bevor sie ihre Grübeleien weiter ausführen kann, werden Ravens Gedankengänge jedoch unterbrochen, als der Elb sich erhebt, um sich zu verabschieden und die verwirrende Robe zu ihrem Bedauern unter einem dunklen, wollenen Umhang verschwindet. Mit einem unmerklichen Kopfschütteln beobachtet sie, wie er am Tresen mit den glänzenden Münzen aus seiner Geldkatze herumhantiert, um die Zeche zu bezahlen und dabei gleich noch einen Straßenjungen einlädt, der eben zur Tür hereinkommt. Der wird seinen Reichtum nicht lange behalten, wenn er weiter so mit seinen Goldstücken herumprotzt, schießt es ihr durch den Kopf. Das lockt Diebesgesindel ja regelrecht an. Möchte fast wetten, dass einige in der Wirtsstube hier beim Anblick der gefüllten Geldkatze, die er mit sich herumschleppt, schon Stielaugen vor Gier bekommen. Unwillkürlich wandert ihr Blick zu dem stillen, fremden Mädchen auf der Bank gegenüber. Ob sie ihn deswegen so sonderbar gemustert hat? Doch sie schilt sich eine Närrin bei dem Gedanken, da sie absolut keinen Grund hat, dergleichen anzunehmen und jemanden zu verdächtigen, den sie überhaupt nicht kennt. Aber ein leiser Anflug von Misstrauen bleibt trotzdem, den auch Borgil mit seinem Geschäker nicht ganz vertreiben kann, als er nach dem Aufbruch des Elben wieder beim eigentlichen Thema landet.

>"Na, Raven, mein Goldstück, wo waren wir stehen geblieben? Ach ja, du hast "Ja" gesagt, nicht wahr?">

"Ich hab' nicht 'ja' gesagt, ich hab' 'vielleicht' gesagt!" korrigiert sie ihn kichernd. "Außerdem würde ich da wohl gewaltige Schwierigkeiten mit Dancy bekommen. Und wenn du mal aufhören könntest, mich dauernd zu dir ins Bett zerren zu wollen, könnten wir endlich noch etwas zu trinken bestellen", fügt sie grinsend hinzu und winkt eine freie Schankmaid heran. "War das im Übrigen ernst gemeint, dass die Steinfaust noch Schmiede und Bogner und andere Waffenhersteller sucht? Vielleicht überlege ich mir das wirklich noch, das würde mir in jedem Fall viele Aufträge und ein sicheres Auskommen bescheren. Ob ich Rhordri einfach fragen soll? Wer ist in der Steinfaust denn für solche Dinge zuständig?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Milo am 09. Nov. 2004, 16:41 Uhr
Als der Wirt ihn wohl nicht bemerkt, runzelt Milo wütend die Stirn. Er war eben doch nur ein Kind, wer achtete schon groß auf ihn?
Als eine der Schankmaiden an ihm vorbeiläuft, sagt er nicht gerade freundlich: "Halt, warte mal!" Die junge Frau dreht sich um und lächelt ihn so herzlich an, dass es ihm schon wieder leid tut, dass er grob gewesen war. Dann fällt ihm ein, dass es ja ihre Aufgabe war, jeden Kunden zu bedienen und das Schuldgefühl verschwindet so schnell wie es aufgetaucht war. "Ich möchte etwas warmes zum Essen, was ist egal!" sagt er laut, da der Raum laut und voll ist und sie ihn sonst wohl nicht versteht. "Und für heute abend möchte ich ein Zimmer! Muss nicht groß sein!" fügt er hinzu. "Ich setze mich dahinten hin". Sie nickt zweimal fröhlich und dreht sich dann um un läuft dann weiter, um die zwei Krüge mit gelbem, klarem Bier bei zwei schon vor Alkohol rotangelaufenen Kerlen abzustellen. Die Männer lallen die Frau an und diese umgeht geschickt die Versuche der beiden, sich ihr zu nähern. Milo beobachtet die Szene kurz und läuft dann weiter zu einem kleinen Tisch, wo er sich einfach neben zwei unbekannte Männer sitzt, beide schon ziemlich angetrunken und sie bekommen nichts mehr von seiner Anwesenheit mit. Milo drückt sich auf die Bank und sieht sich gespannt im Raum um. Seine Finger sind an die Bank geklammert. Einen Moment fragte er sich, wozu er eigentlich hier war - zumindest das Gasthaus war eben ein Gasthaus wie es auch welche in Brioca gab. Der Mann neben ihm beginnt zu schnarchen und wenig später kommt die Schankmaid und bringt Milo das Gewünschte und einen großen Humpen - er fragt nicht danach, was darin ist.
"Nun komm schon, Ossa, du hast genug für heute..." Mit sanfter Gewalt stellt die Maid den Betrunkenen und fast schlafenden Mann auf die Beine und bringt ihn zur Tür, wo er eine Art Verbeugung vollführt, die wohl gnadenlos misslungen wäre, wenn die Maid ihn nicht festgehalten hätte. Davon bekommt Milo kaum etwas mit. Seine Wahrnehmung ist vernebelt, seine Welt geschrumpft - auf Tellergröße: hungrig macht er sich über das Essen her und erst als der Teller leergeputzt ist, so als wäre er nie benutzt worden, lehnt er sich an die Wand zurück. Zufrieden seufzt er kurz, dann überkommt ihn die Müdigkeit. Wankend steht er auf - das, was auch immer in dem Krug gewesen war, musste Alkohol enthalten haben - und läuft zu der Schankmaid, als er sie entdeckt hat. Auf seinen Wunsch hin, zeigt sie ihm das kleine Zimmer, in dem nicht viel mehr zu finden ist, als ein Bett.... aber für Milo war das Luxus. Als die Maid mit Gute-Nacht-Wünschen verschwunden ist, wirft er sich auf das Bett und ist augenblicklich eingeschlafen...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ellesedil am 09. Nov. 2004, 19:16 Uhr
Nachdem der Junge den Hochelf ignoriert und mit einer Magd recht unwirsch umgeht, sagt er zu der Magd an der Theke. „Vergesst was ich sagte über das warme Essen und den warmen Trank für den Jungen. Er ist es nicht wert das man sich um ihn sorgt.“ Er steckt die Münze wieder ein und geht zum Tisch mit dem Wirt zurück. „ Nur noch eine Kleinigkeit werter Zwerg. Ihr habt mir euren Namen noch nicht genannt und den Namen eurer bezaubernder Begleitung. Abgesehen davon werde ich vielleicht noch mal wieder kommen, sollte ich niemand mehr in der Stadthalle antreffen. Ich hoffe ihr hab dann noch ein Plätzchen frei in eurem Gasthaus und an eurem Tisch.“ Er wartet auf die Antwort, verneigt sich nochmals tief und geht 2 Schritte rückwärts bevor er sich umdreht und in Richtung Ausgang geht. Auf seinen Weg schaut er noch mal zu dem Jungen. Er passt genau auf, das er niemand im Weg steht und fühlt sich sichtlich unwohl bei so vielen Menschen um ihn herum. Dann stößt er die Tür auf und geht hindurch.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 09. Nov. 2004, 20:18 Uhr
Der Elb, der sich praktisch schon verabschiedet hatte, kehrt noch einmal an ihren Tisch zurück, während die Harfe sich langsam aber sicher wirklich gut füllt - das Wetter war kalt geworden in den letzten Tagen, feucht und neblig und so treibt es viele Marktbesucher nach Erledigung der Einkäufe ins Warme auf einen guten Schluck Met oder heißen Gewürzwein. Nahezu alle Tische sind jetzt besetzt und die Schankmaiden und Servierjungen hüpfen wie die Hasen. Borgil hat dafür nur ein müdes Lächeln übrig, auch wenn ihn zahlreiche Gäste wie immer freuen. Er weiß, er kann sich auf seine Leute verlassen und sie sind schon mit weit mehr Trubel spielend fertig geworden. >Nur noch eine Kleinigkeit werter Zwerg. Ihr habt mir euren Namen noch nicht genannt und den Namen eurer bezaubernder Begleitung. Abgesehen davon werde ich vielleicht noch mal wieder kommen, sollte ich niemand mehr in der Stadthalle antreffen. Ich hoffe ihr hab dann noch ein Plätzchen frei in eurem Gasthaus und an eurem Tisch.<

"Oh, ich bin Borgil, einfach Borgil und der Wirt hier in der Harfe," erwidert er. "Und dieses Prachtmädel da neben mir ist Raven Sch..." beinahe hätte Borgil sich verplappert. Unter dem Namen Schattenhaar mag Raven ja früher in der Unterstadt bekannt gewesen sein, aber soweit er weiß führt sie ihn schon lange nicht mehr... "die Bogenbauerin. Gibt keine bessere in Talyra." Er lächelt durchaus freundlich, doch durch die zahlreichen Narben auf seinem rasierten Schädel und unter Bart und Brauen wirkt es eher wie das Grinsen eines Dämons. "Kommt wieder wann immer ihr es wünscht, Herr Elb." Noch einmal nickt Borgil und diesmal verabschiedet der Wassermagier sich tatsächlich und verläßt die Harfe. Ein Blick auf Ravens Grinsen läßt auch Borgil schmunzeln, doch bei ihrer Antwort reißt er in gespielter Empörung die Augen auf. "Waaaas? Ein Anschlag auf meine Tugend und das in meinem eigenen Haus! Schäm dich, Raven. Ich will dich doch gar nicht in mein Bett zerren, sondern vor den Altar, aber wenn du die Reihenfolge ändern willst, soll's mir auch recht sein." Borgils Lächeln bekommt frappierende Ähnlichkeit mit einem Haifischgrinsen. "Endlich noch was zu trinken bestellen?" Er schielt vielsagend in Ravens zur Neige geleerten Becher.

"Herrje, ich bin neben einer Schnapsdrossel gelandet. Hey, Halla, schenk noch zwei ein!" Er winkt mit seinem eigenen Kelch in Richtung Tresen hinüber und es dauert keine zwei Minuten, bis Nachschub bei ihnen auf dem Tisch steht. "Wenn du den Hippokras weiter so in dich hineinschüttest, dann landest du wirklich noch in meinem Bett und zwar voll bis obenhin. Und ich muß auf dem Fußboden schlafen." Borgils entzücktes Grinsen läßt keinen Zweifel daran, was er von solchen Aussichten hält, aber Raven streckt ihm nur frech die Zunge heraus. "War das ein Angebot? Häh? Och, wie kannst du nur. Ich trage dir mein altes, kaltes Zwergenherz an und du redest von den Stadtgardebengeln!" Mit einem so theatralischen Seufzen, daß es sogar Blaeran den Seligen gerührt hätte, nimmt Borgil einen tiefen Schluck und wird dann wieder ernst. "'Türlich war das ernst gemeint, Schätzchen. Rhordri ist Olyvars Kastellan und kümmert sich im Allgemeinen um solche Dinge, ja. Aber Vareyar, der Waffenmeister, wird da wohl auch ein Wörtchen mitreden wollen, doch er kennt dich und deinen Ruf bestimmt und wird kaum was dagegen haben. Und du hast den Tarascon ja schon kennengelernt, der läßt sich ein solches Schnäppchen gewiß nicht entgehen. Er hat im Stadtrat alle Mittel für seine... äh... Vorhaben bewilligt bekommen, es mangelt ihm gewiß nicht an Silber und Aufträgen für willige Leute. Halla, hey Halla, sei ein Schatz und bring dem armen Mädel hier noch eine Mandelmilch, die ist immer noch nicht trocken." Er schenkt der Magd bei ihnen am Tisch ein für seine Verhältnisse geradezu großväterliches Lächeln. Im Gegensatz zu Raven kommt ihm rein gar nichts an ihr seltsam vor... ihre Kleidung und sogar ihr Geruch sprechen für eine Magd, die wohl das Hafenfest besucht hatte und auf dem Heimweg in den Regen gekommen war - eine von hunderten in der Stadt. Und ihre Schweigsamkeit... nun, nicht jedermann hat ein loses Mundwerk.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Faraday am 10. Nov. 2004, 11:39 Uhr
Die Mandelmilch ist heiß und süß und erfüllt ihren Zweck. Langsam kehrt eine wohlige Wärme zurück in ihre Arme und Beine. Noch immer haftet ihr Blick an dem Elben mit der schimmernden Robe. Faraday stellt sich vor wie eine Stadt aussehen mag, in der die Leute alle solche Kleidung tragen und der Gedanke erheitert sie. Sie hat von Tieren gehört, die ihre Hautfarbe der Umgebung anpassen können. Braun wie Rinde, Grün wie Blätter und Rot wie Blüten. Die Vorstellung von diesem Elben, der sich regungslos an einen Baumast klammert kostet sie dann allerdings fast ihre Beherrschung und so senkt sie den Kopf und gluckst leise in das feuchte Schultertuch hinein. Bin ich unhöflich, wo er mir doch diese Milch hier ausgegeben hat? Dann fällt ihr Jen ein, der gefesselt und mit gebrochenen Fingern irgendwo in einem dunklen Loch liegt, während sie sich hier im Warmen und bei einem Becher Mandelmilch über die Roben anderer Leute lustig macht. Und so entgeht ihr, wie der Zwerg die Frau an ihrem Tisch nennt. Der Elb allerdings kehrt nochmal zurück um sich nach den Namen von Zwerg und Begleiterin zu erkundigen. Nach ihrem fragt er nicht, was Faraday ziemlich unhöflich findet und worüber sie andererseits ziemlich dankbar ist.

Der Wirt der Harfe? Jetzt mustert Faraday den rotbärtigen Zwerg noch aufmerksamer. Da hatte sie ja direkt den richtigen Tisch erwischt. <... neben mir ist Raven Sch ...> Schattenhaar? Fast wäre ihr der Name laut herausgerutscht. So aber starrt sie die Fremde nur ungläubig an - für einen winzigen Moment wenigstens, ehe ihr Gesicht wieder die Maske eines unverbindlichen, schüchternen Lächelns annimmt. Das fass' ich nich'. Das is' das reine Glück. Die is' ja kaum älter als ich. Faraday kann sich nicht vorstellen was eine junge Frau angestellt haben mochte, dass sie sich den Zorn der halben Unterstadt auf sich gezogen hat. Umso vorsichtiger würde Faraday vorgehen um auch ja in keine Falle zu laufen. Im Moment stellt sie jedenfalls befriedigt fest, dass diese Raven nicht mehr ganz nüchtern ist. Ihre Wangen sind gerötet, ihre Augen glänzen und der Wein auf dem Tisch spricht seine eigene Sprache. Fein, fein. Den scherzhaften, zweideutigen Plänkeleien zwischen den beiden schenkt Faraday nur insofern peinlich betretene Beachtung, als dass diese Raven wohl einen ziemlich guten Stand bei dem Wirt hat. Er wird zufrieden mit mir sein, zufrieden!

< Halla, hey Halla, sei ein Schatz und bring dem armen Mädel hier noch eine Mandelmilch, die ist immer noch nicht trocken.>

Faraday starrt in ihren leeren Becher und winkt dann ab. "Nee, danke, Herr Borgil. Ich muß geh'n. Die Herrschaften warten bestimmt schon auf mich." Faraday bemüht sich nicht allzu hastig von ihrem Platz hochzukommen und dabei noch so unschuldig und ehrlich wie möglich zu wirken. Dennoch bleibt sie am Tisch hängen und bringt die Getränke darauf bedrohlich zum Schwappen. "'Tschuldigung." Dann ist sie fort, verschwunden zwischen den anderen Gästen der Harfe und hinaus zur Tür.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Milo am 11. Nov. 2004, 18:08 Uhr
Am späten Morgen wacht Milo auf und streckt sich. Nach einer kurzen Katzenwäsche ist er bereit zum Ausgehen. Das Wetter reizte ihn immer noch nicht und die Sonne lies sich kaum einmal blicken und schien hinter den Wolken Versteck zu spielen, aber wenigstens war er ausgeruht und frisch.
Er verlässt das Zimmer und nimmt den Schlüssel mit hinunter, wo er ihn einer Magd in die Hand drückt und das dazu gehörige Geld. Er schüttelt den Beutel, aber viel war nicht mehr drin. Kurz überlegt er, ob er sich ein Frühstück leisten kann, verschiebt diesen Gedanken dann aber auf später. Das Geld sollte er lieber aufheben.
Mit einem Gruß für die Magd - Gibt es hier keinen Wirt? denkt er stirnrunzelnd - verlässt er das Gasthaus und macht sich daran, die Stadt zu erkunden, die ja jetzt seine Heimat sein würde. Hoffentlich wird sie das... denkt er zweifelnd.

-> Marktplatz Talyras (http://forum.weltenstadt.de/?board=stadtrpg;action=display;num=1093168390;start=135#149)

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Raven am 11. Nov. 2004, 22:48 Uhr
Das stille, unscheinbare Mädchen an ihrem Tisch ist schon wieder vergessen, noch bevor sie sich erhebt und mit ein paar leise gemurmelten Worten verabschiedet - und Raven muss insgeheim über sich selbst schmunzeln, während sie der Fremden nachsieht, die in der inzwischen dichtgedrängten Menge aus Gästen und Schankmädchen verschwindet. Das wird noch einmal schlimm enden mit mir, wenn ich schon in jeder harmlosen Küchenmagd gleich einen Dieb und Schwerverbrecher erkenne und meine Geldkatze festhalten muss. Als ob bei mir etwas zu holen wäre. Wo ist sie nur hingekommen, die Raven von früher, die sicher nicht um ihre Goldstücke gebangt hätte, sondern andere um die ihren erleichtert hat - meine Güte, ich benehme mich ja schon wie ein altes, furchtsames Waschweib. Die Vorstellung einer schreckhaften Diebin erheitert sie so sehr, dass sie sich an ihrem Wein verschluckt und in einer Mischung aus Kichern und Husten beinahe unter dem Tisch landet. Borgils anzügliches Grinsen, als er ihr den Rücken klopft, ignoriert sie einfach und setzt eine so hoheitsvolle Miene auf, als wäre sie Alanthala, die Archonin der Unschuld persönlich.

Der Hustenanfall lässt schließlich auch wieder nach - das Kichern dagegen nicht. Im Gegenteil, plötzlich findet sie alles um sich herum zum Schreien komisch, selbst die Erklärungen des Zwergenwirts zur Organisation der Steinfaust, die er zum Besten gibt. Und als das Mädchen ihn bei ihrer Verabschiedung auch noch 'Herr Borgil' nennt, ist es völlig aus mit Ravens nötigem Ernst. Mühsam ringt sie um ihre Beherrschung, doch ein Lachen sitzt ihr in der Kehle, das unaufhaltsam nach oben drängt und sich beim besten Willen nicht mehr zurückhalten lässt. Sie versucht, an etwas ganz Trauriges zu denken und beißt sich zusätzlich noch auf die Zunge, aber es hilft alles nichts.

"Hörr Borgil!" prustet sie völlig unvermittelt los und erstickt fast vor Lachen und nun ist es an Borgil, eine beleidigte Schmollmiene aufzusetzen. Wäre sie noch nüchtern, würde sie vielleicht den hinterhältigen Seitenblick bemerken, den er ihr zukommen lässt, als er bei einer Schankmaid grinsend noch eine Runde Wein bestellt, doch für solche Feinheiten hat sie an diesem Abend einfach kein Auge mehr. Eine nervtötend vernünftige Stimme in ihrem Hinterkopf versucht noch, ihr Verhaltensmaßregeln bezüglich ihres Alkoholkonsums einzuflüstern, doch Raven überhört sie sicherheitshalber und hält sich an die andere, die ihr zuraunt, dass sie schon lange keinen Spaß mehr hatte. Sie weiß ganz genau, dass sie jetzt schleunigst die Finger vom Wein lassen müsste, wenn sie noch heil nach Hause kommen will, und dass sie den Abend anderntags wohl bitter bereuen wird, aber das ist ihr im Moment reichlich egal.

Dafür erinnert sie sich dunkel in ihrem mittlerweile schon leicht umnebelten Gehirn daran, dass Borgil sie eben irgend etwas wegen Altar und Betten gefragt hat und nun wohl auf eine Antwort wartet., Allerdings hat sie keine Ahnung mehr, wie der genaue Wortlaut war, und um sich nicht schon wieder in irgendwelche vertrackte Situationen zu bringen, zieht sie es vor, mit einem unverfänglichen "Das weiß ich noch nicht" und einem spontanen Kicheranfall zu antworten. "Und überhaupt, nenn mich nicht Schnapsdrossel. Das ist gar kein Schnaps, was wir hier trinken. Außerdem vertrage ich einiges. Früher konnte ich sogar Zwerge unter den Tisch saufen", prahlt sie und schenkt ihm ein unzüchtiges Grinsen. "Aber da war ich noch besser in Form. Na, was ist? Willst du's mit mir aufnehmen?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ellesedil am 12. Nov. 2004, 15:07 Uhr
Als der Hochelf die Tür des Wirtshauses öffnet kommt ihm der Schwall unangenehmer Gerüche entgegen den er schon beim ersten Besuch ertragen musste. Neben ihm läuft, im gleichen dicken Wollumhang gekleidet, eine kleinere zierliche Gestalt. Beide haben ihre Kapuzen ins Gesicht gezogen und bewegen sich Richtung Theke. Dort angekommen spricht er mit einer Magd „ Habt ihr zwei Zimmer für diese Nacht.“ Dann dreht er sich um und sieht in die Gesichter der anwesenden die er zwar schwer einschätzen kann aber beim ein oder anderen ein unangenehmes Gefühl hat. „ Besser noch. Habt ihr ein Zimmer mit zwei separaten Betten?“ „Ja Herr macht fünf Kupfer für die Nacht und noch zwei für das Frühstück.“ Der Elf legt die Münzen hin und streckt die Hand aus um den Schlüssel zu entfangen. Nachdem er den Schlüssel erhalten hat, auf dem die Zimmernummer an einem kleinen Holzschild montiert ist, bewegt er sich in Richtung des Wirts den er auf dem Platz entdeckt, den er vor ein paar Stunden verlassen hat.
Ein paar Schritt, bevor er diesen erreicht, stellen sich plötzlich 2 große widerlich stinkende Kerle vor den Elf. Einer davon ein Mensch mittleren alters mit einem ungepflegten Bart und einem Dolch den er so hält das ihn nur der Elf und seine Begleitung sehen können. Der andere ist nicht vollkommen Menschlich, Ellesedil würde auf Halborc tippen, wenn ihn jemand später danach fragen sollte. Dieser schirmt den Mensch recht günstig ab, das die meisten die Aktion nur sehr schwer einsehen können. Die raue Stimme des Bärtigen war ekelhaft für die Ohren des Elfen, vor allem in dieser Situation. „Wir haben bemerkt das ihr schwer an euren Münzen zu tragen habt. Wir wollen uns nützlich machen und euch bei dieser schweren Last zu Hilfe kommen. Also gebt uns eure Münzbeutel und ihr werdet euch gleich viel befreiter fühlen.“ „ Es ist zwar eine schwere Last, aber ich muss etwas für meine Gesundheit tun, damit ich etwas stärker werde. Aber danke trotzdem für das Angebot.“ Während des Gesprächs zieht Ellesedil seine Begleitung etwas hinter sich. Die kleine Gestalt die hinter dem Elf zum stehen kommt schaut an ihm vorbei in Richtung in der sie gegangen sind und sieht nur ein Ziel das der Magier anscheinend angesteuert hat. Sie nimmt eine Holzgabel von einem Tisch der neben dem Geschehen steht und noch nicht abgeräumt wurde und wirft sie in einem flachen Bogen in Richtung Zwerg. Das die Gabel bis dort hingeflogen ist und nur von einem Gast etwas abgelenkt wurde, grenzte an ein Wunder.
Die Gabel trifft das Bein der schönen gut angetrunkenen  Frau die neben dem Wirt sitzt. Als sie dann in die Richtung blickt, aus der das Wurfgeschoss kommt, sieht sie das Gesicht eines Elfenmädchens das hinter dem Hochelf hervorguckt. Der Elf selbst ist verdeckt von zwei massigen Körpern. Ein paar lange glatte Haarsträhnen im Weiß des Winterschnees haben sich aus der Kapuze befreit. Das Gesicht des Mädchens und die weitaufgerissenen Augen lassen keine Zweifel aufkommen das sie Todesangst hat.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 13. Nov. 2004, 00:55 Uhr
>Nee, danke, Herr Borgil. Ich muß geh'n. Die Herrschaften warten bestimmt schon auf mich.< Anstatt sich noch eine Mandelmilch auf Kosten des Hauses schmecken zu lassen, verabschiedet sich die Magd und ist zur Tür hinaus, noch ehe Borgil ein "Ach was..." über die Lippen bringt. Dann verschwendet er allerdings keinen weiteren Gedanken mehr an irgendwelche fremden Mägde, denn Raven neben ihm bricht in haltloses Kichern aus. "Hörr Borgil, Hörr Borgil," äfft er sie nach und bemüht sich sehr um eine beleidigte Miene, was ihm aber nicht wirklich gelingt... jedenfalls nicht so finster, wie er es gern hätte. Na warte, das gibt Rache... Eilig landet die nächste Weinrunde bei ihnen auf dem Tisch und Borgil ordert bei der Schankmaid außerdem für sich selbst noch einen Becher Feuerwein... bei dem Vorsprung, den Raven hat, hat er einiges nachzuholen. "Sooooooooooo, das weißt du noch nicht," Borgil ist nicht annähernd so beschwipst wie die kleine Exdiebin da neben ihm, und da die Rede sowohl von Betten als auch vom Altar war - oder genaugenommen eher von der Reihenfolge derselben - ist ihr "Das weiß ich noch nicht" ja praktisch eine Zusage. Für was von beidem auch immer. "Soll mir auch recht sein, dann würfeln wir eben darum." Ein breites Lächeln überzieht sein Gesicht und die folgenden Kelche mit Gewürzwein leeren sich sehr viel schneller als ihre Vorgänger... und der Becher mit dem Feuerwein folgt ihnen auf dem Fuß.

Die nächste Runde ist bestimmt schon in Arbeit, als Raven ihn kichernd zurechtweist, sie nicht Schnapsdrossel zu nennen, schließlich seien sie bei Gewürz- und nicht bei Branntwein und dann mit ihrer Trinkfestigkeit aus früheren Tagen prahlt. "Heilige Radegund, schon wieder ein Anschlag auf meine Tugend!" Unter Borgils gewaltigem, roten Bart breitet sich ein wahrhaft teuflisches Grinsen aus und die schwarzen Augen funkeln. "Und das mir, wo ich ja praktisch in Abstinenz lebe! Du hast Zwerge unter den Tisch getrunken? Was waren das für welche? Gartenzwerge?" Jetzt ist es an Borgil erheitert zu kichern, was sich ungefähr so anhört wie ein Drache mit schwerer Bronchitis. "Aufnehmen? Ich nehm dich jederzeit auf, Herzblatt. Halla, bring uns nochmal Wein. Und für mich das Übliche dazu. Also hoch den Kelch und weg damit, bevor er noch kalt wird."

Eine halbe Stunde später sind sie etliche Kelche weiter und selbst Borgil ist dank tatkräftiger Feuerweinunterstützung nicht mehr wirklich nüchtern. Mit glasigen Augen und geröteten Wangen stecken sie die weingeschwängerten Köpfe zusammen und die alberne Stimmung am Tisch schlägt allmählich um in hochphilosophische Diskussionen über den Sinn des Lebens an sich und den ihrer beider im Besonderen, kurz: sie schütten sich gegenseitig ihr Herz aus. Borgil öffnet gerade den Mund, um etwas zu sagen, als plötzlich tausend Dinge auf einmal geschehen: scheinbar aus dem Nichts kommt eine Holzgabel angeflogen und landet zielsicher auf Ravens Schoß, Borgil erhascht einen Blick auf ein ihm völlig fremdes, aber schreckerstarrtes Gesichtchen und im gleichen Moment kreischt Halla wütend fuchtelnd und wild gestikulierend hinter der Theke los: "Diebe! Räuber! Borgil, schnell!"

Raven greift mit spitzen Fingern nach der Gabel, sieht sie einen Moment lang erstaunt an und wirft sie dann mit einem Achselzucken und einem freundlichen "Ihr habt da was verloren" zurück in die Richtung, aus der sie kam, in der Harfe bricht allgemeines Panikgeschrei aus und zahlreiche Gäste in der Nähe des Eingangs verlassen fluchtartig das Gasthaus, während sich an einem der hinteren Tische eine Gruppe Blaumäntel, die eigentlich den verdienten Feierabend ordentlich begießen wollte, mit halbgezogenen Schwertern und wachsamen Blicken erhebt. Borgil kann noch sehen, wie sich die Gabel in schneeweißen Haaren verfängt, als er das Handbeil aus dem Gürtel reißt und grollend auf die Störenfriede zustapft. "Was zum Donnerdrummel geht hier vor?!" Der rollende Zwergenbaß donnert durch die Harfe und übertönt mühelos den plötzlichen Tumult. Keinen Herzschlag später sieht er sich einem Halbnarg (OT: es gibt keine Orcs in den Immerlanden... ::) ) und einem Menschen mit wildwucherndem Bartgestrüpp im Gesicht  gegenüber, die wohl mit allem gerechnet haben, aber nicht mit einem wütenden Zwergen (mit Axt).

"Beutelschneider?! In meiner Harfe?! Euch brennt wohl der Hut!" Um ihn her drängen die Gäste angstvoll hierhin und dorthin, nur möglichst außer Reichweite und die Stadtgardisten schieben sich fluchend näher. Borgil sieht das alles, sieht die zwei stinkenden Diebe, den verwirrt dreinblickenden weißhaarigen Elben, der vor einigen Stunden schon einmal hier gewesen war - Ellesedil - seine verängstigte Begleiterin und seine davoneilenden Schankmaiden und ist schlagartig nüchtern. Außerdem bemächtigt sich eine Berserkerwut seiner, die Megarn der Rasenden zur Ehre gereicht hätte. "Weg mit dem Messer und auf den Boden oder ich mache dich einen Kopf kürzer und die Herren von der Stadtgarde können dich und die Mißgeburt da neben dir in einem Eimer hinausschaffen!" Der Mann muß stadtfremd sein - er kann weder den Zwerg, noch die Harfe noch den Ruf der beiden kennen, sonst hätte er vermutlich spätestens jetzt aufgegeben, aber er tut Borgil den Gefallen und gibt seinem grunzenden Helfer einen Wink. Der Halbnarg hat noch genug Zeit, nach seinem Schwert zu greifen, dann zuckt Borgils Axt hoch, ein Aufschrei geht durch die versammelte Menge ringsum und abgetrennte Klauenfinger fliegen in alle Richtungen davon.

"Ha!" Borgil setzt nach, während der Halbnarg sich heulend zusammenkrümmt und alles im Umkreis von zwei Schritt um sich her mit Blut besudelt - den Magier, dessen Begleitung, die Theke, die Gäste, die Tische und nicht zuletzt den frisch gewienerten Boden - nur um dann fachmännisch von einer Zwergenaxt tranchiert zu werden. Die Stadtgardisten, die sich endlich zum Kampfgeschehen gedrängt haben, stürzen sich derweil auf seinen Kumpanen, entwaffnen den Mann, fesseln und knebeln ihn und Borgil macht dem Nargenmischling an der Theke den Garaus, indem er ihm die Axt kurzerhand in den Schädel treibt. "ARGH! Mein Fußboden! Was für eine Sauerei! Kann mir mal bitte jemand erklären, was das eben war hier? Und schafft diesen stinkenden Saubeutel hier weg, das ist ja widerlich!" Fluchend und schnaufend befreit Borgil seine Axt aus dem gespaltenen Schädel und stapft dann mit angeekelt verzogener Miene durch die blutige Schweinerei zu den Stadtgardisten und dem völlig perplex daneben stehenden Magier. Als allererstes wendet er sich an die Blaumäntel. "Tut mir einen Gefallen, Jungs und nehmt den da hinten auch mit. Er ist hinüber." Die Männer nicken nur und machen sich dann daran, den Gefangenen abzuführen und die Überreste des Halbnargen aus der Harfe zu schleifen, während bis auf einige ganz Hartgesottene so gut wie alle Gäste eilig zahlen und dann fluchtartig das Weite suchen, sofern sie nicht ohnehin schon schreiend davongelaufen sind.

Kaum setzen sich die Männer der Stadtwache in Bewegung, fährt Borgil zu dem Magier herum. "Euch kenn ich doch?" Seine buschigen Brauen sträuben sich bedenklich. "Alles noch dran?" Er beäugt ihn kritisch von unten bis oben, doch außer, daß seine schillernde Robe nun rote Blutmuster hat, scheint ihm nichts zu fehlen. Das kommt davon, wenn man seine Geldkatze so leichtfertig offen mit sich herumträgt! Schöne Bescherung... und ich darf es ausbaden. Borgil ist nicht nur wütend, er ist saumässig wütend. Nicht nur, daß mitten in seiner schönen und gut besuchten Harfe eine mittlere Massenpanik ausgebrochen war, bei der leicht jemand Unbeteiligtes verletzt oder gar getötet hätte werden können, nein, das alles muß auch noch an dem Abend geschehen, an dem er endlich einmal Raven hier hat und ein mausetoter Halbnarg wird gerade von einer Handvoll Stadtgardisten durch seine Schankstube geschleift. Halla und ihre Mädchen würden die ganze Nacht lang schrubben müssen, um das blutige Chaos überall zu beseitigen und im Eifer des Gefechts war auch noch ein Tisch zu Bruch gegangen - vom Geschirr ganz zu schweigen.

"Silverdammtnochmal-das-darf-doch-alles-nicht-wahr-sein-ich-
brauch-was-zu-trinken-jetzt-und-kann-mal-jemand-die-
verfluchte-tür-zusperren-himmel-götter-nochmal-ist-das-
ein-scheissendreck!" Er ergeht sich in einer ganzen Reihe haarsträubender Flüche auf zwergisch und in verschiedenen Menschensprachen, die auch wesentlich abgebrühtere Ohren als die des Elbenmagiers zum Klingeln gebracht hätten und holt dann tief Luft. "Tut mir einen Gefallen, Meister Elb - geht auf Euer Zimmer oder was immer Ihr Euch sonst gemietet habt. Ich brauch was zu trinken. Gute Nacht!"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lorne am 13. Nov. 2004, 12:05 Uhr
Lorne betritt die Goldene Harfe und schaut sich um. Wie immer ist drinnen einiges, auch jetzt, obgleich es gerade später Morgen ist. So dauert es ein wenig, bis sich jemand um das Mädchen und die beiden Hunde kümmert. Eine Mogbardame kommt schließlich zu ihnen herüber und fragt, was sie für sie tun könne. Sogleich erkundigt sich Lorne nach SereniecA, Aelinor und Nevermore, muss aber erfahren, dass die drei das Gasthaus bereits nach dem Frühstück verlassen haben. „Du hast sie knapp verpasst“, erklärt die Schankmaid freundlich. „Kann ich dir vielleicht noch anders weiterhelfen?“

Das Mädchen überlegt kurz. Eigentlich hatte sie vor in der Harfe zu Frühstücken, aber nun hat sie dazu nicht mehr wirklich Lust, zumal die beiden Hunde von dem einen oder anderen Gast ziemlich misstrauisch beäugt werden, auch wenn niemand laut etwas sagt. Schließlich schüttelt das Mädchen den Kopf. „Nein danke“, erklärt sie lächelnd. „Dann gehe ich lieber wieder. Gemeinsam mit den Hunden schickt sie sich an auf den Marktplatz zurückzukehren. Ich werde mir einfach an einem der Stände etwas zu Essen kaufen, entscheidet sie im Stillen.  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Faraday am 13. Nov. 2004, 12:20 Uhr
Am Abend zuvor...

Es ist ganz und gar nicht schwer gewesen den wollenen Umhang wie selbstverständlich im Vorrübergehen unter den Arm zu klemmen und ihn mit sich hinaus zu nehmen, als habe er ihr schon immer gehört. Aber erst als die Tür hinter ihr ins Schloss fällt und die kalte Abendluft ihr in die Wangen beißt und sie daran errinnert, dass ihre Kleidung noch immer mehr klamm und feucht als trocken ist, da ist sie froh darüber, dass sie sich den Umhang um die Schultern legen kann. Zu lang ist er nicht, aber sehr weit. Wahrscheinlich weil jemandem gehört hat, der mindestens das dreifache von ihr selbst ist. Aber sich darüber Gedanken zu machen ist jetzt der ungünstigste Zeitpunkt. Schnell verlässt sie ihren Platz direkt vor der Tavernentür, wo sie sich wie auf dem Präsentierteller fühlt, und taucht ein in das sichere Dunkel des Harfengartens. Hier, zwischen Blumen und Kräutern, würde sie sich verstecken, bis die Bogenbauerin die Taverne verlässt. Und auch wenn irgendjemandem auffallen würde, dass ein Umhang fehlt, dann würden sie den Dieb kaum direkt vor der Haustüre im Vorgarten vermuten. Das jedenfalls hat Faraday in den letzten Jahren gelernt: dass die weiteste Flucht nicht immer die größte Sicherheit bringt.

Zwischen den Wurzeln einer der Buchen und an die leichte Wölbung des dicken Stammes geschmiegt findet Faraday schließlich das Versteck, in dem sie die nächste Zeit verharren will. Sie schlottert schon wieder bis auf die Knochen und so wickelt sie den Umhang eng um sich. Auf der Zunge liegt ihr noch immer der süße, pelzige Geschmack der Mandelmilch, eine Köstlichkeit, die sie seit so langer Zeit nicht mehr gekostet hat. Wie gerne wäre sie jetzt dort drinnen und hätte Jen bei sich, den Jungen, der ihr durch Zufall über den Weg gelaufen war und der jetzt ihr bester Freund ist. Sie würden dort am Feuer sitzen und so viel Mandelmilch trinken, wie sie wollten und wenn sie müde würden, dann würden sie nach Hause gehen, wo ihre weichen Betten in ofengeheizten Zimmern stünden. Es gäbe sogar Nachtwäsche, und es wäre niemals mehr nötig sich irgendwo in eine dunkle Ecke zu verkriechen um ungestört und nicht gänzlich den Unbillen des Wetters ausgesetzt eine Mütze voll unruhigem Schlaf zu finden. Stattdessen sitzt Jen dort unten, in diesem Drecksloch von einem Räubernest und sie haben ihm wer-weiß-was angetan. Und ich, ich sitze in Klamotten, die nicht meine eigenen sind und einer Mandelmilch im Bauch, die ich dem Mitleid eines reichen Zauberers zu verdanken hab, hier unter einem Baum auf nassen Blättern und warte d'rauf, dass diese Bogenbauerin sich von ihrem verdammten Zwergenfreund losreißt und nach Hause geht. Eine Bogenbauerin, die nicht recht viel älter ist als sie selbst, die aber alles zu haben scheint wovon Faraday träumt. Freunde, ein Heim, einen ehrbaren Beruf und einen offenbar ganz beachtlichen Ruf in der Unterstadt. Und womöglich hat diese Frau sogar eine Ahnung von dem, worauf Faraday so stolz ist, weil es das einzige ist, worauf sie stolz sein kann: ihre Freiheit. Wut über soviel Ungerechtigkeit und eine nicht unbeträchtliche Menge Hass und Neid kriechen ihr am Rückgrat empor, aber wenigstens tun diese Gefühle etwas Gutes: sie wärmen ein wenig.

Eine Ewigkeit vergeht, ohne dass etwas passiert, doch dann wird es laut dort drinnen in der Taverne. Faraday spitzt die Ohren und blickt gebannt zum Eingang hinüber, der sich mit einem lauten Rumpel öffnet und gut ein dutzend aufgebrachter Besucher ins Freie spuckt. Das nächste Dutzend folgt umgehend, ehe zwei Blaumäntel einen bullig Körper nach draussen zerren. Faradays Finger graben sich in die Rinde des Baumes und sie staunt offenen Mundes. Die Bogenbauerin hat die Goldene Harfe noch nicht verlassen. Vielleicht ist sie ja der Grund für diese Aufregung? Quatsch! Über all dem Tumult ist das lautstarke Organ des Zwergen zu hören, der alles niederbrüllen zu versuchen scheint, was noch sitzt und steht. Dann fällt die Türe wieder ins Schloss und mehrere Riegel schnappen zu - Feierabend für heute. Und die Bogenbauerin ist noch immer dort drinnen. Langsam löst sich Faraday aus ihrem Erstaunen und ihrem Versteck. Ganz offenbar haben die Blauröcke den Übeltäter abgeführt. Und es erleichtert sie, denn niemand würde jetzt noch einen Umhang vermissen. Nicht nach so einem Theater. Danke schön. Langsam kriecht Faraday an die Fenster heran und versucht ins Innere zu spähen, aber es ist kaum möglich durch das dicke Glas etwas Genaues zu erkennen. Dreimal verflucht! Im oberen Stockwerk flammen mehrere Lichter auf und erlöschen nach und nach wieder und Faraday ahnt, dass der Zwerg die betrunkene Bogenbauerin wohl in der Taverne behalten würde und sie würden vielleicht... "Igitt!" Faraday schüttelt sich wie ein nasser Hund und hat keine große Mühe ihre Fantasie in diesem Moment in Zaum zu halten. Aber ihr wird auch klar, dass ihr nur eine einzige Möglichkeit bleibt: sich hier bis zum Morgen ein trockenes Plätzchen suchen und zu warten, bis diese Raven das Gasthaus wieder verlässt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ellesedil am 13. Nov. 2004, 13:52 Uhr
Verdutzt über das Geschehen und wie schnell alles geht, steht Ellesedil wie versteinert rum. Nachdem er vom Zwerg < "Tut mir einen Gefallen, Meister Elb - geht auf Euer Zimmer oder was immer Ihr Euch sonst gemietet habt. Ich brauch was zu trinken. Gute Nacht!" > sagt er mit zittriger Stimme „ Danke Herr Borgil, das war knapp. Darf ich kurz vorstellen, das ist Asvariel Shunja'Ninar. Meine Schülerin. Aber ihr habt recht wir sollten zu Bett gehen. Nur noch eins.“ Er berührt etwas von dem Blut auf seiner Robe. Murmelt einige Worte in der alten Sprache die die Realität verformen kann wenn der Magier genug Willen hat. Das Blut im Raum das von dem Halbnarg stammte fängt an seine Farbe zu verlieren und sich in Wasser zu verwandeln. Nach ein paar Augenblicken ist von dem Blut des Diebs nichts mehr zu sehen außer ein paar Wasserflecken. „ Ich möchte nicht mehr Arbeit machen wie ich ehh schon angerichtet habe und ich werde besser aufpassen mit meiner Geldkatze.“ Mit einer Hand hebt er sich an der Hüfte, anscheinend wurde er doch getroffen. Mit der anderen schiebt er das Elfenmädchen Richtung Treppe. Langsam gehen die beiden nach oben.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 13. Nov. 2004, 16:13 Uhr
Einen Moment lang starrt Borgil sprachlos auf die Pfütze, die sich anstelle des Blutes vor seiner Theke ausbreitet. So ein Halbnarg war ein großes Kerlchen, mindestens acht, wenn nicht neun Liter Blut. Das mag für sich genommen nicht wirklich viel bedeuten, auf dem Boden ausgebreitet ist es einiges. Jetzt jedoch wird reinstes Wasser daraus. Dummerweise auch der reinste See. Während das Blut vielleicht etwas unangenehmer gerochen hatte, es war sehr viel dickflüssiger, wäre mit Sägespänen wunderbar aufzusaugen gewesen und man hätte es zusammenfegen und dann wegschrubben können. So aber läuft das Wasser über die frischgebohnerten Bodendielen, in sämtliche Ritzen, würde die Bretter aufquellen und den schönen Thekensockel ruinieren und ganz abgesehen davon läuft es gerade in Richtung Kellerluke. "Ahem," macht Borgil vernehmlich und bringt den Elben auf der Treppe so zum Anhalten. "Meister Elb... falls es Eurer Aufmerksamkeit entgangen sein sollte: Unter meinem Dach wird nicht gezaubert! Besten Dank auch - keine Magie in meinem Haus! Ich erlaube Euch eine Ausnahme dieser Regel. Eine einzige: MACHT DAS HIER SOFORT WIEDER RÜCKGÄNGIG!" Bellt er, nur um dann mit hochrotem Schädel und schnaubend vor Wut nach seiner Obersten Magd zu brüllen, daß die Fensterscheiben wackeln und das Geschirr noch drei Tische weiter einen Satz macht. "HALLAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA - die Küche läuft voll Wasser, bring die Lappen, schnell!"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 13. Nov. 2004, 19:12 Uhr
Ein Gebrüll, wie sie es schon lange nicht mehr gehört hat, lässt sie in die Höhe zucken und sogleich sitzt sie aufrecht auf ihrem Lager, blickt sich panisch um und kann von unten nur noch neues Geschrei vernehmen, das eindeutig von dem Herr Zwerg stammt. Sie glaubt kaum, das ansonsten hier Jemand fähig wäre derart die Wände wackeln zu lassen. So vorsichtig wie möglich schiebt sie die Decke zur Seite und wieder läuft ihr ein Schauer über den Rücken, als ein erneutes Brüllen zu vernehmen ist. Was in aller Namen ist da unten bloss los? Ein Hämmern ist zu vernehmen und irgendwie verspürt sie den Drang, sich in die hinterste Ecke zu verkriechen die sie finden kann. Obwohl die Bewegungen immer noch schmerzen, besonders in der Rippengegend, ist ihr Körper nicht mehr an sämtlichen Stellen rot, blau und schwarz gefleckt. Einige Zeit ist vergangen seit sie dick eingemümmelt in eine warme Decke, in der Harfe angekommen war und seit her, hatte sie das Bett kaum verlassen, sich brav ausgeruht, so wie es der Herr Zwerg gesagt hat. Einige der Verbände waren schon verschwunden, die Flecken leuchteten nun stattdessen in allen erdenklichen Grün- und Gelbtönen, doch auch diese würden bald verschwinden. Wieder erzittert der Boden unter ihren nackten Füssen und Angst steigt langsam in ihr hoch, panische Angst vor der Gefahr, von welcher sie nichts weiss. Ist vielleicht der Herr Zwerg in Gefahr, ist etwas Schreckliches passiert?!! Ihr Herz beginnt wie wild zu klopfen, so das es schon beinahe schmerzt und wie von selbst erhebt sie sich und will auf die Türe zugehen um zu lauschen, dabei aussehend, wie ein humpelnder Hund, bei jedem Schritt leise aufkeuchend. Doch noch bevor sie das Ohr an das gut gezimmerte Holz legen kann, ertönt wieder sein Brüllen und wie vom Blitz getroffen zuckt sie zurück, stolpert und liegt einen Moment später rücklings auf dem kalten Boden, zitternd am ganzen Leib. Tränen sammeln sich in ihren Augen und sie kriecht auf ihren Knien zurück zu ihrem Lager, lehnt sich dort mit dem Rücken an und versteckt ihr Gesicht in ihren Händen, leicht vor und zurück wippend.
Suchend greift sie nach der Decke und zieht diese kurzerhand über ihren Kopf, versucht das Wimmern, welches über ihre Lippen kommt zu unterbrechen, doch die kalten Finger der Angst legen sich immer dichter um sie.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ellesedil am 14. Nov. 2004, 00:51 Uhr
„ Aber natürlich Herr Zwerg, ich werde das Wasser verschwinden lassen. Hala bitte öffnet kurz die Fensterläden“ nach diesen Worten fängt er wieder an in der Sprache der Magie zu sprechen und mit seinen Händen komplizierte Bewegungen zu vollziehen. Dann sehen die Anwesenden wie das Wasser sich langsam in Nebelschwaden verwandelt, die durch den Durchzug nach draußen  durch die offen Fenster fliegen. Nur Wasser war davon betroffen das im Raum war. Jede andere Flüssigkeit ist davon unberührt geblieben. Zwerge sind genau so mürrisch wie man es ihnen nachsagt. Aber zum Glück haben sie ein gutes Herz. Er nickt dem Zwerg freundlich zu und geht dann in die Richtung in die der Zwerg ihn weist. Er hält sich immer noch die Seite an der Dieb ihn gestiffen  hat. Die Wunde brennt recht unangenehm. Im Zimmer wascht er sie aus und hofft das sie sich nicht entzündet. „Schlaf gut Asvariel, hier sind wir sicher.“ Hoff ich. „ Gute Nacht Herr Ellesedil, möge Kenen über uns heut Wachen.“ Beide fallen recht in den Schlaf, wobei er für den Elf nicht so angenehm ist wie er es gern hätte. Die Wunde reist ihn ein paar mal aus den Schlaf.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Raven am 14. Nov. 2004, 12:49 Uhr
"Höh? Wo kommst du denn auf einmal her?" Mit gerunzelter Stirn starrt Raven die Gabel an, die in ihrem Schoß landet und es dauert eine Weile, bis ihr Verstand die Alkoholschwaden durchdringen kann, die ihn umnebeln und sie realisiert, dass das Besteckteil nicht vom Himmel gefallen sein kann, sondern wohl gezielt nach ihr geworfen wurde. Argwöhnisch schaut sie sich nach allen Richtungen um, um den Werfer auszumachen, doch die Gäste an den Nachbartischen tun alle so unschuldig, als ginge sie das Wurfgeschoss überhaupt nichts an. Schließlich fällt ihr Blick auf eine kleine Elbenfrau, die an der Theke steht und wild irgendwelche Handzeichen in ihre Richtung macht. Ravens Stirnrunzeln vertieft sich zusehends, als sie zu ergründen versucht versucht, was die Frau von ihr will. "Wieso bewirft die mich mit Gabeln?" nuschelt sie und ihr Blick pendelt zwischen der Elbin und der Holzgabel hin und her, die sie nun mit zwei Fingern von ihrem Schoß pflückt. Sie betrachtet sie einige Wimpernschläge lang versonnen, dann kichert sie kopfschüttelnd, zielt kurz und schleudert die Gabel in die Richtung zurück, aus der sie gekommen ist. Eigentlich wollte Raven ja das Mädchen treffen, stattdessen sieht sie die Gabel nun in der weißen Haarpracht des seltsamen Elben baumeln, wo sich ihre Zinken verheddert haben. "Puh, ich habe auch schon mal besser anvisiert", grummelt sie und wendet sich bedenklich schwankend dem Trinkgenossen an ihrer Seite zu. "Borgil, tu was, ich werde gerade von fremden Elben mit Gabeln beschossen!"

Der Zwerg rumpelt tatsächlich von seinem Platz hoch und zwar so heftig, dass Raven eilig ihren Becher umklammert. "Bring mir noch 'nen Wein mit!" ruft sie ihm hinterher, aber ihre Stimme geht in Hallas Geschrei völlig unter, die hinter dem Tresen auf einmal anfängt zu kreischen, als wäre ein leibhaftiger Dämon in der Schankstube aufgetaucht. Von diesem Augenblick an überstürzen sich die Ereignisse - zu schnell, als dass Raven mit ihren gewürzweinlahmen Reaktionen noch alles mitbekommen würde. Vor ihren Augen drehen sich ein aufgebrachter Zwerg, kreischende Schankmädchen und flüchtende Gäste in einer wilden Karusselfahrt; sie sieht Borgil seine Axt aus dem Gürtel zerren und etwas von brennenden Hüten schreien und gleich darauf fliegt etwas an ihr vorbei, das aussieht wie ein abgetrennter Finger. Völlig verwirrt sieht Raven dem blutigen Fluggeschoss nach, das irgendwo unter den Bänken landet und beäugt dann höchst misstrauisch ihren geleerten Becher. Bei allen Göttern, was für ein Teufelsgebräu! Ich muss Borgil unbedingt fragen, was er da reingetan hat! Sogar der Wolfshund, der bis dahin friedlich zwischen ihren Füßen geschlummert hat, schreckt von der plötzlichen Unruhe auf und schiebt seinen mächtigen Schädel, grau und zottig wie ein alter Putzhadern, unter dem Tisch hervor, um gleich darauf mit einem unwilligen Knurren wieder darunter zu verschwinden.

Angestrengt versucht Raven, in der Senkrechten zu bleiben und die Geschehnisse zu verfolgen und ihre Blicke sausen mal hierhin, mal dorthin, bis ihr davon derart schwindlig wird, dass sie sich an der Tischkante festhalten muss. In ihrem Kopf hocken tausend kleine Teufelchen, die mit Hämmern arbeiten und wohl gerade versuchen, ihr die Schädeldecke aufzumeißeln - zumindest fühlt es sich in etwa so an. Auch ihr Magen rebelliert und plötzlich ist ihr ganz und gar nicht mehr gut. "Möcht' bloß mal wissen, was Borgil in den Wein geschüttet hat", murmelt sie. "und wo bleibt er überhaupt so lange?" Sehen kann sie den Zwerg in dem ganzen Tumult nicht, aber seine gewaltige Stimme, die alle anderen in der Schänke einfach niederbrüllt, ist nicht zu überhören. "Hihi", ein Kichern entringt sich ihrer Kehle. "Er scheint Halla wohl erst davon überzeugen zu müssen, dass sie neuen Wein rausrückt." Zwei Blaumäntel hasten an ihrem Tisch vorbei und schleppen ein lebloses Bündel nach draußen und in der Wirtsstube herrscht ein Gedränge und Gerenne, dass ihr allein vom Zusehen schon schlecht wird. "Nirgends hat man hier seine Ruhe", nuschelt sie und klammert sich krampfhaft an die Tischkante, weil sich in ihrem Kopf alles wie wild zu drehen beginnt. "Ich glaube .... ich glaube, ich mag doch keinen Wein mehr.... aaaaaaaaah......" Die Flügel des Fensters neben ihr schwingen plötzlich auf wie von Geisterhand und Raven kann nur völlig perplex zuschauen, wie dicke Nebelschwaden über Tische und Bänke wabern und sich durch die geöffneten Fenster nach draußen verflüchtigen. "Bei allen Göttern, was ist das nur für ein Alptraum .... nie wieder werde ich einen Zwerg zu einem Saufgelage einladen!" Stöhnend hält sie sich den schmerzenden Schädel und schließt die Augen, vor denen grellbunte Sternchen tanzen. Und dann sinkt sie still und lautlos von der Bank.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 14. Nov. 2004, 16:02 Uhr
Borgil beobachtet nicht ohne eine gewisse Faszination, wie das Wasser sich in Nebel verwandelt und dann in feinen, grauen Schleiern zum Fenster hinauswabert. Thekensockel gerettet, Küchenüberschwemmung verhindert und die Sauerei beseitigt... manchmal war Magie vielleicht doch hin und wieder auch zu etwas nütze und nicht nur ein furchtbares Ärgernis. Aber er würde trotzdem nie vergessen, wie eines schönen Abends vor etwa 84 Jahren plötzlich sein Spülwasser angefangen hatte, vehement nach dem Magier am dritten Tisch hinten links zu verlangen... es hätte eine wichtige Nachricht von dessen Lehrmeister Soundso Graukittel und müsse ihn sofort sprechen. Borgil würde immer vor Augen haben, was seine damalige Magd (Hallas Urgroßmutter, Sithech habe sie selig) für einen Satz gemacht hatte - und Zeit ihres Lebens hatte die arme Frau sich geweigert, auch nur noch einen Aufwasch zu erledigen. Immer noch in seinen Bart grummelnd und fluchend gibt er der mit Schrubbern und Putzlappen bewaffneten Halla seufzend Entwarnung und dann Anweisung, die Harfe für heute nacht zu schließen - hat auch keinen Sinn, noch länger geöffnet zu lassen, denn die Schankstube ist nach diesen Ereignissen geradezu leergefegt und sieht aus, als seien Asgrims wilde Horden durchgefegt und auf dem Rückweg gleich nochmal vorbeigekommen.

"Räumt hier zusammen und schreibt bloß alle auf, die ihre Zeche nicht gezahlt haben." Knurrend kehrt er an den Tisch zurück, an dem er vor noch nicht einmal einer halben Stunde noch so gemütlich mit Raven bei Gewürzwein saß und findet dort zu seiner Entgeisterung nur noch einen etwas verdattert dreinblickenden Stelze vor... bis er unter den Tisch sieht. "Heilige Radegund, die sieht hinüber aus!" Leicht hilflos zuckt er mit den Schultern, doch außer einem ratlosen "Wwwuff!" hat auch Stelze keine brauchbaren Ratschlag anzubieten. "Na sieh einer an, krieg ich Raven doch noch in mein Bett, was?" Er tauscht ein Verschwörergrinsen mit dem hechelnden Wolfshund und hievt die zierliche Diebin dann in seine Arme, als wöge sie nichts (für Borgils Verhältnisse stimmt das auch, denn die lächerlichen neunzig Pfund Lebendgewicht spürt er nicht einmal, bringt er selbst bei annähernd gleicher Größe doch locker das Dreifache auf die Waage.) "Also schön, dann kommt mit, Stelze. Hier geht's lang." Er trägt die sturztrunkene Raven so vorsichtig, als sei sie aus Porzellan aus der Schankstube durch einen kurzen Gang und eine massive eisenbeschlagene Tür in seine Privatgemächer im Ostflügel der Harfe und legt sie dort in sein eigenes Bett. Dann holt er Halla, damit diese der weinselig Entschlafenen beim Auskleiden helfen kann und sieht dann im Nebenzimmer nach Azra.

Zu seiner Verwirrung findet er sie jedoch völlig aufgelöst und zitternd wie Espenlaub unter der Decke versteckt vor und braucht eine geschlagene Viertelstunde, bis er sie darunter hervorlocken kann. "Nananana, jetzt beruhige dich, es ist alles in Ordnung. Wenn ich ehrlich bin, hat's sogar Spaß gemacht," als er es ausspricht, weiß er, daß es stimmt. "Was für ein Kampf, schöne Prügelei, hatte ich lange nicht mehr!" Seine Augen funkeln und ein höchst ungrimmiges Grinsen überzieht das narbige Zwergengesicht dabei. "Aber jetzt komm unter dieser Decke hervor, ich kann ja nichtmal deine Nase sehen und so kann ich dir die Geschichte überhaupt nicht richtig erzählen!" Als nach einer Weile Azras Augen auftauchen, berichtet Borgil ihr von diesem verrückten Abend. "Ich äh... bin nur etwas lauter geworden, ich hab gar nicht gebrüllt!" Verteidigt er sich leicht verlegen, als sich ein wissendes Grinsen auf dem grün und gelbleuchtenden Mädchengesicht ausbreitet. "Aber hör mal, was anderes. Ich hab nebenan eine alte Freundin liegen in äh... meinem Bett, weil also... ahm... tja, sie hat sich wohl etwas am Wein übernommen und ich will sie nicht in eines der Zimmer oben bringen, wer weiß, was dieser verrückte Magier noch alles auf Lager hat, also schläft sie hier. Ihr Hund auch. Nicht erschrecken also, wenn sie morgen früh flucht wie ein Seemann und nicht mehr weiß, wie sie heißt, wo sie herkommt oder was hier eigentlich tut," Borgil lacht fast lautlos in sich hinein. "Sie ist in Ordnung, ihr Name ist Raven. So, aber jetzt schläfst du brav bis Sonnenaufgang und dann sehen wir mal, ob du nicht aufstehen kannst im Lauf des Tages. Deine Beine müssen sich doch langsam mal dran erinnert werden, wofür sie eigentlich da sind."

Er tätschelt ihr beruhigend die Hand und bezieht dann sein eigenes Nachtquartier auf einem Ohrensessel am Feuer. Es ist reichlich unbequem, aber diese Nacht verbringt er lieber nur dösend und mit der Axt griffbereit... und sein Bett ist ja ohnehin belegt. Am nächsten Morgen sitzt er bereits zwei Stunden über seinen Büchern an seinem Schreibtisch, während Azra noch friedlich schlummert, bis ihn ein  verwirrtes >Hnnnnfsssssssssssssss... Aaaaaaaaaa!< und ein entsetztes >Häh?!< vom Bett her aufblicken lassen. Borgil legt mit einem wahrhaft diabolischen Grinsen den Federkiel beiseite. Aha. Raven wacht auf! Na dann wollen wir doch mal sehen, wie es ihr heute morgen so geht... nicht wahr. Er steht auf und tritt mit funkelnden Augen die wenigen Schritte ans Bett. Während Stelze ihn mit einem müden Schwanzwedeln begrüßt, sieht Raven ihn nur völlig verwirrt aus zerwühlten Laken und schweren Augen an. "Guten Morgen mein Herzblatt," flötet Borgil entzückt und kleistert zentimeterdick Honig zwischen seine Stimmbänder. "Wie geht's meiner frisch Angetrauten?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Raven am 14. Nov. 2004, 20:31 Uhr
Raven wird das Gefühl nicht los, dass jemand ihr eine eiserne Bratpfanne über den Schädel gezogen haben muss, zumindest scheint ihr das im Moment die einzig logische Erklärung für die bohrenden Kopfschmerzen, die hinter ihrer Stirn nisten. Die hämmernden Teufelchen in ihrem Kopf haben mittlerweile Armeestärke angenommen und ihre Lider fühlen sich an, als würden zentnerschwere Bleigewichte an ihnen hängen, so dass sie sich gar nicht erst die Mühe macht, sie zu öffnen. Rasender Durst plagt sie und ihre Zunge klebt irgendwo hinten am Gaumen, so dass sie schließlich doch versuchsweise ein Augenlid öffnet - und auf der Stelle wieder schließt. Das diesige Licht, das durch ein Fenster in den Raum strömt, kündet von einem grauen Tag und wolkenverhangenem Himmel, aber Raven kommt es vor, als würde jemand ihre schlafmüden Augen mit gleißend hellen Blitzen malträtieren.

Ein ziemlich unartikuliertes Grunzen ist das einzige, was sie im Moment aus ihrer Kehle bringt und sie braucht drei Versuche, bis sie es schafft, beide Lider gleichzeitig zu öffnen und auch offen zu halten. Trüben Auges wandern ihre Blicke durch den Raum und im ersten Moment weiß sie überhaupt nicht, wo sie ist. Verwirrt und schlaftrunken sieht sie sich um. Sie findet sich in einer Kammer, die nicht ihre eigene ist und in einem Bett, das ganz bestimmt auch nicht ihr eigenes ist. Ihre Blicke wandern weiter durch den Raum, über altersfleckige Mauern, einen dunklen Holzfußboden, eine Tür. Und bleiben an einem Lederwams, einer Lederhose und an einem Hemd kleben, die zusammengeknüllt über einer Stuhllehne hängen. Die Sachen kommen ihr ziemlich bekannt vor, aber sie kann sich nicht daran erinnern, wie sie dort auf den Stuhl gekommen sind. Sie kann sich noch nicht einmal mehr daran erinnern, wie sie überhaupt in diesem Zimmer gelandet ist. Das nächste, was sie sieht, ist ein breites Zwergengesicht mit einem wildwuchernden, roten Bart drumherum und einem diabolischen Grinsen mittendrin.

"Waaaaah!" In bemerkenswerter Geschwindigkeit rafft sie die Bettdecke bis an die Nasenspitze und gleich darauf verschwindet ihr schlafwirrer Haarschopf völlig unter den Laken, denn Borgils Grinsen am frühen Morgen ist mehr, als sie in ihrem verkaterten Zustand verkraften kann. Der denkt aber gar nicht daran, zu verschwinden, sondern beginnt nun auch noch mit säuselnder Stimme, für sie völlig unverständliche Worte zu flöten, was sich für Ravens gequälte Ohren in etwa so anhört, als würde sie beim Mittagsläuten in der Spitze eines riesigen Glockenturms stehen. "Schrei mich nicht so an", knurrt es dumpf unter der Bettdecke hervor, "ich bin nicht deine stocktaube Urgroßmutter."

Misstrauisch und sich den schmerzenden Kopf haltend riskiert sie einen Blick aus dem Kissenberg und dann glaubt sie, ihren Ohren nicht zu trauen und ihre Augen werden groß wie Wagenräder. "Deiner was?" Frisch Angetrauten? Bei allen Göttern, der muss irgendwelche Drogen in diesen Wein getan haben! Mit einem Satz sitzt sie kerzengerade im Bett und starrt Borgil an, als hätte er nicht mehr alle Tassen im Schrank. "Ich hör' wohl nicht richtig!" giftet sie und schlingt sich hastig mit einer Hand das Laken um den Körper, während sie gleichzeitig versucht, aus dem Bett zu klettern, ohne dabei den Magen zum rebellieren zu bringen. Sie verfängt sich in den Stoffbahnen, die bis auf den Fußboden schleifen, stolpert, rafft sich wieder auf, lässt dabei das Laken beinahe wieder fallen und steuert dann wie ein verkaterter Zombie auf Borgil zu. "Sag mir, dass das nicht wahr ist! Und gib mir um Himmels willen etwas zu trinken!"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 14. Nov. 2004, 22:13 Uhr
Borgil muss sich schmerzhaft auf die Zunge beißen, um bei Ravens Reaktion auf seinen Anblick nicht in Lachen auszubrechen und etwas vollkommen verfängliches wie "Oh wie niedlich!" oder "Du wirst ja rooooooot!" oder Ähnliches von sich zu geben. >Schrei mich nicht so an, ich bin nicht deine stocktaube Urgroßmutter.<
"Wer saufen kann, Madame Blutaxt," gibt Borgil völlig ungerührt zurück, "der muß das aushalten können. Außerdem habe ich keine stocktaube Urgroßmutter, ich bin ein Zwerg, wir sind aus Stein," belehrt er sie geduldig, doch allein ihr Anblick auf seine kleine Anrede als seine frischgebackene Ehefrau hin, macht die unbequeme und viel zu kurze Nacht auf dem Sessel am Kamin mehrfach wieder wett. Ihre Augen werden riesengroß und ihre Miene ist ein einziges, verwirrtes Fragezeichen - dann schießt sie aus dem Bett wie ein geölter Blitz und als sie merkt, daß sie dabei den größten Teil des Lakens verliert, rafft sie hastig alles wieder um sich, stolpert drüber oder über ihre eigenen Füße und wankt dann auf ihn zu. Borgil muß wirklich seine ganze Körperbeherrschung aufbieten, um nicht loszukichern und sich damit zu verraten und rettet sich vorerst mit zwei Schritten zur Seite aus ihrer Reichweite. "Och, du bist ein flinkes kleines Ding, wenn du erwachst, mein Schatz," flötet er, nur um dann seinerseits entsetzt die Augen aufzureißen.

"Wie bitte? Willst du mir damit vielleicht andeuten, du wüßtest nichts mehr von der vergangenen Nacht, häh? Unglaublich!" Er tippt ihr mit seinem Zeigefinger vor die Brust und bringt sie allein damit gefährlich ins Wanken, so daß er schließlich doch ein Einsehen hat. "Tzzzzzzzz, Menschenfrauen. Vier Kelche Gewürzwein und sie vergessen sich." Schnalzend wie eine aufgebrachte Mogbarshausfrau hilft er Raven mitfühlend in den nächsten Sessel, reicht ihr einen Krug Wasser und klärt sie dann nicht ohne Bedauern über die wahren Begebenheiten der letzten Nacht auf. "So, und jetzt nimmst du das hier und wenn es unten bleibt, wirst du überleben." Er reicht ihr einen dampfenden Becher mit Tee, der ungefähr so riecht und aussieht, als wäre er aus gnomschem Stinkekraut gebraut, was von der Wahrheit auch nicht allzuweit entfernt ist. Raven schnuppert mißtrauisch daran und verzieht dann angeeekelt und schnaubend das Gesicht, funkelt ihn an so gut es in ihrem Zustand eben geht und zischt etwas von "nie verzeihen" und "auch noch vergiften" und derlei mehr.
"Jaja, mein verkatertes Pfefferschötchen ," erwidert Borgil unbeeindruckt. "Ich lass' dich jetzt allein, da wartet ein heißes Bad auf dich und deine Sachen hier haben meine Mädchen über Nacht gewaschen, die sind schon fast trocken." Borgil deutet auf einen Dampfschwaden umwaberten Holzzuber, neben dem weiche Handtücher und Seife bereit liegen. "Wirst sehen, danach fühlst du dich wie neugeboren. Und falls noch etwas ist, ich bin dann in der Schankstube.... es sei denn natürlich, du willst doch noch, daß ich in den Baum zu deinem welken Liebstöckelgewächs da marschiere und mir deine Sachen geben lasse." Er duckt sich gerade noch rechtzeitig unter dem hinter ihm herfliegenden Becher weg und stapft dann gut gelaunt und breitest grinsend hinter seine Theke, um sein Tagwerk in der Harfe zu beginnen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ellesedil am 15. Nov. 2004, 12:58 Uhr
Am Morgen kommt die kleine Elbe nach unten und trifft dort auf Herrn Borgil. Sie bleibt vor der Theke stehen bis der Zwerg sie bemerkt. Mit glockenheller Stimme sagt sie dann
„Ich bin Asvariel. Herr Borgil, habt ihr bitte etwas heißes Wasser, Meister Ellesedil hat etwas Fieber von der Verletzung an seinem Arm. Ich möchte die Wunde auswaschen.“
Sie trägt eine Robe aus Samt, die oben Weis ist und nach unten Blau wird. Blau eingestickte elbischen Runen an den weiten Ärmeln verschönern die Robe noch zusätzlich. Als die schöne Frau aus dem Zimmer kommt im hinteren Bereich der Stube fragt sie den Zwerg.
„ Ist sie auch Krank oder gar Verletzt, sie sieht ja schlimm aus. Was für eine Krankheit ist das?“
Sie sieht den Zwerg mit großen mandelförmigen  Augen an und als sie seine Antwort hört staunt sie nicht schlecht. Als der Zwerg nach der Verletzung des Elben fragt antwortet sie, „irgendwann in dem Tumult muss der Mensch meinen Lehrmeister mit seinem Dolch getroffen haben. Nicht tief aber ich glaube die Waffe war nicht im besten Zustand. Sie hatte an einigen Stellen so komische bronzene oder braune Flecken. Jetzt ist die Wunde rot und entzündet. Darf ich mir Wasser aus der Küche holen Herr Borgil?“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 15. Nov. 2004, 13:52 Uhr
OT@Ellesedil: Raven sitzt in Borgils Privatgemächern und mariniert sich gerade, die ist nicht zu sehen. Außerdem würde Borgil über Raven nicht mit jemandem reden, den er noch gar nicht kennt.
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"Häh?" Nuschelt Borgil, der gerade bei einer vagen Bestandsaufnahme der gestrigen Schäden ist, als eine silbrige Stimme ihn aufblicken läßt und er sich der elbischen Begleitung des Wassermagiers gegenüber sieht. "Oh. Morgen. Was, verletzt? Hum... das hört sich aber nicht gut an, das mit dem Fieber." Daß der Zauberer etwas abbekommen hatte, ist Borgil neu, er hatte davon im gestrigen Chaos nichts bemerkt. "Bronzene und braune Flecken? Silverdammt, das kann Gift genauso gut wie Dreck gewesen sein... dachte immer, ihr Sp... Elben wärt gegen sowas gefeit, aber man lernt nie aus, was? Natürlich könnt Ihr heißes Wasser haben, aber Ihr solltet vielleicht lieber Morgana, die Heilerin oder einen Maester herholen. Oder Schilama, Morganas ehemaliges Lehrmädel. Hab gehört, die ist auch gut in sowas. Oder aber Selket oder Kitty, ihres Zeichens ebenfalls Frauen der heilenden Zunft. Ich schicke Euch eine Magd mit sauberem Verbandslinnen und heißem Wasser." Er ruft nach Grid, die auch sofort ihren Lockenkopf aus der Küchentür steckt und trägt ihr auf, reines Leinen und einen Krug heißes Wasser ins Zimmer des Magiers hinaufzubringen, was die Magd auch sofort erledigt. Dann wendet er sich noch einmal an das Elbenmädchen. Wie alt sie sein mag, kann man in den alterslosen Gesichtern der Schönen unmöglich ablesen, aber Borgil hat einige Erfahrung mit den Morgenkindern und schätzt sie auch für deren Verhältnisse noch jung ein. "Soll ich einen meiner Jungs zu einer Heilerin schicken oder macht Ihr das lieber selbst?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ellesedil am 15. Nov. 2004, 15:16 Uhr
„Mein Problem dabei ist, das ich nicht die leiseste Ahnung habe wo sich die Heiler hier befinden. Wenn ihr glaubt das es besser ist für meinen Lehrmeister. Ich würde gern euren Jungen begleiten dann weis ich beim nächsten mal, wohin ich gehen muss. Aber erst werde ich die Wunde auswaschen“. Sie läuft in das Zimmer des Elben und versorgt die Wunde so gut es geht. Ellesedil schläft unruhig, kalte Schweißperlen auf seiner Stirn zeugen davon das es ihm nicht gut geht. Einige Minuten später kommt sie wieder zum Wirt, in ihrem Wollumhang und das Gesicht wieder unter der weiten Kapuze die sie mit ihren zerbrechlich wirkenden Händen  gerade rückt. Borgil sieht einen verzierten Silberring der aus einer Elbenschmide stammt und ein Familiensigel in der Mitte einfasst das sehr alt zu sein scheint.
Der Zwerg sieht an ihrem Auftreten und ihrer Figur das sie in Menschenjahren vielleicht 14 Jahre alt wäre. Ein paar der langen Haarsträhnen haben sich wieder von der Kapuze befreit und jetzt sieht man im Licht die hüftlangen weißen Haare die aussehen als wären sie aus Spinnenseide gemacht. „Ich bin bereit Herr Borgil“ lächelt sie den Zwerg an. Was aussieht als ginge die Sonne auf.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 15. Nov. 2004, 15:56 Uhr
"Nun ja, die Heiler kennt jeder in der Stadt," erwidert Borgil. "Ihr könntet Euch auch leicht zu ihnen durchfragen. Aber wozu sich Fusseln an den Mund reden, meine Jungs kennen den Weg nur zu gut, ist nicht das erste Mal, daß sie laufen, um für jemanden Hilfe zu holen." Er beschäftigt sich weiter mit den noch ausstehenden Rechnungen von Gestern, bis die Elbin die Wunde ihres Lehrmeisters oder Mentors oder was auch immer der Magier für sie sein mag, versorgt hat und wieder in der Schankstube auftaucht, dann ruft er einen seiner Botenjungen. "Hey, Silas, komm her, ich hab nen Auftrag für dich." Irgendwo her aus der Gesindeküche schießt ein Mogbarjunge herbei, ein Stück Rosinenkranz noch in der Hand, das er sich eilig in den Mund stopft und mit dicken Backen weiterkaut. "Für diese Elbin hier zu Morgana oder einer der anderen Heilfrauen, der Magier hat scheinbar was abgekriegt gestern. Und zieh dir was an, es ist eiskalt draußen." Der Mogbarjunge nickt noch immer kauend, holt sich Stiefel, Schal, Fäustlinge und einen dicken Winterumhang aus grober Wolle und mustert dann neugierig die seltsam weißhaarige Elbin dann abwartend. "Na was stehst du hier noch und hälst Maulaffen feil, bring sie schon hin!" Borgil komplimentiert die beiden kurzerhand hinaus in die Kälte und weiß, er kann sich auf Silas verlassen, wie auf jeden seiner Bediensteten. Und während die beiden sich quer über den morgendlichen Marktplatz in Richtung Kräuterkate aufmachen, genehmigt Borgil sich ein zweites Frühstück und hofft nur, daß der Magier nicht ernsthaft verletzt ist. Wenn das so weitergeht, dann kann ich ein Lazarett aufmachen... Er sieht nach Azra und bringt ihr ein Morgenmahl - sie ißt seit ein paar Tagen wieder feste Kost, nicht mehr nur Suppe oder Brühe - und beschließt, daß es an der Zeit ist, auch der Blutelbin ein Bad richten zu lassen. Bisher war daran mit all ihren Verletzungen und Verbänden nicht einmal zu denken, aber irgendwann vor dem ersten Schnee sollte sie vielleicht doch mit mehr als einer Waschschüssel voll heißem Wasser in Berührung kommen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Raven am 15. Nov. 2004, 19:30 Uhr
Könnten Blicke tatsächlich töten, hätte Raven den Zwerg vermutlich auf der Stelle in zwei Hälften gespalten, so wütend funkeln ihre Augen. Dem Becher, den sie dem unverschämt grinsenden Borgil nachwirft, folgt keinen Wimpernschlag später auch noch einer von ihren Stiefeln, doch er ist auf einmal erstaunlich flink auf den Beinen und schlägt die Tür so schnell hinter sich zu, dass das Schuhwerk nur noch gegen das Holz donnert und dann auf den Fußboden klatscht, ohne sein Ziel zu treffen. Draußen kann sie ihn schadenfroh den Flur entlangkichern hören.

"Du kannst noch von Glück sagen, dass du mich nicht heiraten musst!" schreit sie ihm wutschnaubend nach "Glaub mir, in dem Fall würdest du deines Lebens nicht mehr froh werden!" Trotzig reckt sie ihre Stupsnase in die Luft, pustet sich das zerzauste aus der Stirn und macht auf dem Absatz kehrt, um hocherhobenen Hauptes zu ihrer Schlafstatt zurückzurauschen - nur um gleich darauf blindlings gegen den massiven Bettpfosten zu rennen, der ihrem würdevollen Abgang dummerweise im Weg steht.

"Aua!" Voller Zorn tritt sie gegen den Pfosten, wobei sie in ihrem übelst verkaterten Zustand nicht bedenkt, dass sie keine Schuhe an den Füßen hat und erst wieder an diese Tatsache erinnert wird, als ein heftiger Stich durch ihren Fuß rast, als sie sich den großen Zeh anschlägt. "Was ist das heute nur für ein beschissener Mist!" Fluchend und auf einem Bein hüpfend versucht sie, zum Bett zu gelangen, aber zehn Ellen feinster Lakenstoff wickeln sich dabei um ihre Knöchel und bringen sie bedenklich zum schwanken. Raven versucht noch, ihr Gleichgewicht zu halten, macht wild mit den Armen rudernd einen Schritt nach hinten - und landet mitsamt den Bettlaken im dampfenden Badezuber. In wilden Wellen schwappt das Wasser über den Rand und breitet sich auf dem gewienerten Holzfußboden zu einer riesigen Pfütze aus, während in dem Zuber nur noch strampelne Arme und Beine zu sehen sind, begleitet von deftigen Flüchen, die vermutlich sogar Borgil die Schamesröte ins Gesicht getrieben hätten. Prustend und badeschaumspuckend taucht sie wieder auf und muss erst einmal heftig nach Luft schnappen, um wieder zu Atem zu kommen.

Der Wolfshund, der die ganze Zeit zusammengekringelt und völlig unbeeindruckt neben dem Bett gedöst hat, sieht sich nun doch veranlasst, den Kopf zu heben, als seine Pfoten plötzlich von einer Wasserpfütze umspült werden. Verständnislos starrt er zu seinem Frauchen hinüber, als wolle er fragen, was sie mitsamt Borgils Bettwäsche in einem Wasserzuber zu suchen hat. "Glotz nicht so blöde!" blafft sie ihn wütend an. "Borgil hat doch gesagt, ich soll ein Bad nehmen."

Besorgten Blickes späht sie dann über den Rand des Holzzubers auf die Überschwemmung, die sie angerichtet hat, und hat es plötzlich ziemlich eilig, wieder aus dem Wasser zu kommen. "Auweia, was hab' ich bloß wieder angerichtet ... Borgil wird mich auf einen Bratspieß stecken und seinen Gästen zum Abendbrot servieren, wenn er die Bescherung hier sieht!" Sein Geschrei, das er wegen der Überschwemmung des Wassermagiers losgelassen hat, sitzt ihr trotz Kater noch deutlich im Hinterkopf und so macht sie sich hastig daran, das Wasser aufzuwischen, bevor es gänzlich durch die Ritzen im Fußboden sickern kann. Als die Holzdielen schließlich trockengescheuert sind, steigt sie zum zweiten Mal in den Zuber, diesmal aber ohne Kleidung und Bettlaken. Den Luxus eines heißen Bades will sie sich trotz allem nicht entgehen lassen, wenn sie es denn schon direkt vor die Nase gesetzt bekommt und so versinkt sie bis zur Nasenspitze im heißen Wasser und bleibt so lange darin liegen, bis ihre Haut schon anfängt, schrumpelig zu werden.

Als sie dann sauber, duftend und mit frischgewaschenen Haaren aus dem Zuber klettert, fühlt sie sich tatsächlich wieder halbwegs wie ein Mensch, auch wenn es in ihrem Schädel noch immer klopft und hämmert. Eigentlich hat er ja recht, muss sie knirschend zugeben, während sie in ihre frischgewaschenen Sachen schlüpft. Wer saufen kann, muss auch die Nachwehen aushalten. Aber das "Madame Blutaxt" hätte er ruhig weglassen können. Manchmal hat er wirklich ein Händchen dafür, einem einen Schock fürs Leben zu versetzen... Sie streift sich die Stiefel über die Beine, schnallt ihren Gürtel um und schnippt mit den Fingern in Stelzes Richtung. "Los komm - wollen wir mal gucken, ob der Hörr Borgil ein Frühstück für uns hat." Mit dem Hund im Schlepptau verlässt sie das Zimmer und poltert die Treppe in die Gaststube hinunter.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Morgana am 15. Nov. 2004, 19:42 Uhr
Der Weg zur Harfe ist nicht wirklich weit, doch die Kälte die heute herrscht, nach dem Regen diese Nacht, ist schon sehr frostig und lässt den nahen Winter erahnen. Dementsprechend durchgefroren und mit roten Händen, trotz des warmen Umhangs, erreicht Morgana zusammen mit der Elbe die Goldene Harfe. Eilig öffnet sie die schwere Tür und tritt in den warmen Schankraum ein, dicht gefolgt von Lupin und der Elbin. Lupin geht schnurstraks ohne auch nur noch einen Moment auf Morgana zu achten hinüber zur Theke, vielmehr eher ein Stück daneben, so dass Halla ihn direkt sehen muss oder auch Borgil, der vielleicht auch einen Leckerbissen für ihn übrig hat.

Borgil steht ebenso wie Halla hinter der Theke und mit einem freudigen Lächeln, den Zwerg mal wieder zu sehen ebenso wie Halla, geht Morgana auf die Beiden zu. Seit der geplatzten Hochzeit von Galrin, hatte sie die Beiden nicht mehr gesehen, was ihr nun eine leichte Röte auf die Wangen treibt, da sie nicht mehr in der Harfe war seitdem, aber zuviel war passiert und ihr hatte die rechte Lust gefehlt um sich ein Abendessen und dne guten Wein Borgils schmecken zu lassen. "Borgil, Halla, schön euch zu sehen, obwohl ein freudigerer Anlass sicher schöner gewesen wäre um euch wieder zu sehen. Wo ist der Kranke denn, und was ist hier passiert, Silas hat sehr unzusammenhängend erzählt?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 15. Nov. 2004, 20:16 Uhr
"Lupin! Ah, und da kommt auch Morgana," er schenkt der Heilfrau ein breites Lächeln ehrlicher Wiedersehensfreude und nickt der zarten weißhaarigen Elbin an ihrer Seite zu, während Halla ein paar Schinkenstreifen für Lupin aus der Küche holt und dabei so sanft und liebevoll mit dem Wolf spricht, als rede sie mit einem artigen Kind. "Ja, ist eine Weile her." Bei der Erinnerung daran, wo und unter welchen Umständen er die Heilfrau zuletzt gesehen hatte, wird Borgils Lächeln zu einem Grinsen. Galrins verpatzte Hochzeit und das anschließende, denkwürdige Weingelage  mit ihr und Phelan in der Harfe (Borgil ist natürlich über den Fortgang und das Sich-Herumtreiben des Waldläufers in der Steinfaust und im Larisgrün, überall, aber nicht an Morganas Seite informiert, hütet sich jedoch, auch nur ein Sterbenswörtchen darüber zu verlieren) "Hömtja,"  macht Borgil, als sie nach dem Kranken fragt, während er Lupin das dicke Nackenfell krault, der emsig dabei ist, Halla um einige Schinkenendstücke zu erleichtern. "Das wenn ich so genau wüßte. Seht Ihr, Morgana, es war so...." und damit ist Borgil schon mittendrin in einer seiner berühmt- berüchtigten Erklärungen über verworrene Ereignisse. Er erzählt von seinem elbischen Gast, dem Wassermagier Ellesedil, dem lausigen Überfall dieser noch lausigeren Diebe, von seinem kleinen Tanz mit dem der halbnargschen Hälfte des Taschendiebduos, der allgemeinen Panik und dem Eingreifen der Blaumäntel, die den anderen Langfinger dingfest gemacht hatten. "Tja und dabei hat der Magier wohl was abbekommen, aber gesehen hab ich nichts. Wußte auch nicht mal was davon, bis äh.. Asvariel hier heute morgen herunterkam und mir davon erzählte. Am besten, Ihr seht selbst nach. Laßt Lupin ruhig hier, Ihr könnt ihn ja wenn ihr fertig seid dann nach Hause rollen. Halla, sieh doch mal nach, Grid hat gestern einen Eimer Rinderknochen auf die Seite gestellt, der müsste noch da sein." Er dreht sich gerade wieder um, als Raven die Treppe herunterkommt - ganz und gar wach, nach Rosen duftend und sichtbar besser gelaunt als heute morgen. "Aye, mein kleiner Sonnenkäfer. Rollmops oder lieber rohe Eier mit azurianischen Pfefferschoten? Oder doch lieber dieses bittere, schwarze Zeug von den Sommerinseln, das angeblich wach machen soll?" Ich würde ja zugern Morganas Gesicht sehen, wenn ich jetzt sage, daß...  Einen Moment spielt er mit dem Gedanken, fängt dann jedoch einen vielsagenden Blick der Exdiebin auf, der ein eindeutiges Wehe dir! enthält und grinst nur. "Ach, ja... der Magier!" Beinahe hätte er ob all diesen entzückenden Anblicken um sich her -  immerhin ist er mittlerweile von Raven, Morgana, Halla und einer Elbin umringt -  fast den armen Zauberer vergessen. "Äh... der Magier liegt oben im ersten Stock, seine Gehilfin führt Euch hinauf, Morgana."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ellesedil am 15. Nov. 2004, 20:41 Uhr
„Nun es war so, einer der beiden Diebe hatte einen Dolch mit dem er meinen Lehrmeister bedrohte. Als dann der Tumult losging, weil der Heer Borgil mit seiner Axt gewütet hat, hat der Dieb Herrn Ellesedil am Arm getroffen . Ich habe noch gesehen das der Dolch seltsame braune oder bronzene Flecken hatte. Naja und jetzt ist die Wunde entzündet. Wir sind erst seit gestern in der Stadt und wollen eigentlich keinen Ärger machen“ etwas geknickt blickt die weißhaarige Hochelbe auf den Boden.
Kurze zeit später erreichen sie das Zimmer und sehen das Ellesedil immer noch im Bett liegt und kalten Schweiß auf der Stirn hat. Das er unruhig im Bett sich bewegt zeugt vom schlechten Schlaf.
Als die Heilerin die Wunde anschaut sieht sie recht schnell das Rost in die Wunde gekommen ist.
„ Könnt Ihr meinen Herrn Helfen, edle Morgana?“ die Elbe schaut ängstlich die schwarzhaarige Frau an mit großen mandelförmigen Augen. Sie streicht sich die langen Haare aus dem Gesicht und Morgana kann einen silbernen elbischen Sigelring an ihrer Hand sehen. Den gleichen trägt auch ihr Patient.

OOC  : der Sigelring zeigt das Haus Shunja'Ninar .

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Morgana am 15. Nov. 2004, 22:25 Uhr
Lupin scheint alles um sich herum vergessen zu haben und lässt sich willig von Halla mit Schinkenstreifen füttern, während Morgana dem Zwerg mit einem Schmunzeln im Gesicht zuhört, der die Ereignisse in den schillernsten Farben darstellt. Allerdings wird Morgana auch aus der Erzählung nicht ganz schlau, in der von Halbnargen, Magiern udn Halsabschneidern berichtet wird, und sie sich fast gar nicht vorstellen kann, dass sowas in Borgils Harfe passiert. Was sie sich allerdings sehr gut vorstellen kann, ist der wütende Zwerg, der mit seiner Axt kurzen Prozess mit den Störenfrieden macht. Schliesslich beendet Borgil die Geschichte und Morgana schüttelt immer noch schmunzelnd ihren Kopf. " Was sind denn das für Zustände in der Harfe, sowas bin ich ja gar nicht gewohnt, ich sollte mir wohl überlegen, ob ich mich nochmal zu einem Glas Wein hier einfinde." Ihr Zwinkern mit den Augen verrät, dass sie ihre Worte nicht ernst meint und Borgil versteht sie auch nicht so.

Als Borgil den Eimer Rinderknochen erwähnt, zuckt Lupin mit den Ohren und Halla lächelt ihn verschwörerisch an. "Gebt ihm nicht zu viel Halla, sonst muss ich ihn nachher wirklich rollen." Ein weiteres Schmunzeln zieht sich über Morganas Gesicht, als sie Lupin durch Fell streicht. "Übernimm dich nicht und sei artig, aber ich glaube das muss ich dir nicht extra sagen, wo du hier so verwöhnt wirst. Ich gehe dann mal nach oben." Als sie sich zur Treppe wendet, fängt die Elbin an zu reden und Morgana macht in ihrer Bewegung halt und hört ihr einen Moment zu, nickt dann nur kurz und deutet zur Treppe, damit die Elbin vorgehen kann.

Als Morgana wieder zur Treppe blickt entdeckt sie Raven, und ein warmes Lächeln zeigt sich sofort auf dem Gesicht der Heilerin. "Ravenwas machst du denn hier um die Zeit?....wie schön dich zu sehen." Kurz umarmt sie die Bogenbauerin freundschaftlich und hört dann amüsiert den Vorschlägen zu, die Borgil Raven fürs Frühstück macht. Morgana kann sich auf Grund dessen einiges zusammenreimen, aber sie fragt nicht nach und als Borgil ihr sagt wo der Magier liegt, folgt sie der Elbin die Treppe hinauf in das Zimmer des Magiers.

Der Magier, Ellesedil ist wohl sein Name, wenn Morgana das richtig aus Borgils Erzählungen in Erinnerung hat, ist in kaltem Schweiss gebadet und er bewegt sich unruhig im Schlaf. Die Wunde ist an den Rändern gerötet und man sieht das jemand versucht hat sie provesorisch zu reinigen, was demjenigen aber nicht ganz gelungen ist. Morgana schüttelt leicht den Kopf, tritt wieder an die Tür des Zimmers und hält draussen einen der Laufburschen an. "Geh runter zu Halla und sag ihr das Morgana heisses Wasser braucht und beeil dich." Dann schliesst sie wieder die Tür und holt einige kleine Phiolen und Tiegel aus ihrem Leinenbeutel, die sie auf das Tischchen neben dem Bett stellt.

Als erstes flösst sie dem Magier eine bittere , zähflüssige, rote Flüsigkeit ein und erklärt der Elbin, dass dies sein Fieber senken und die Schmerzen eine Weile lindern wird. Es dauert nicht lange und es klopft an der Tür und der Bursche kehrt mit einem Kessel heissen Wassers zurück, den er direkt neben Morgana stellt und eilig wieder aus dem Zimmer verschwindet. Morgana beginnt damit vorsichtig die Wunde zu reinigen und alle Rostpartikel aus ihr zu entfernen, was nicht so leicht ist, da einige tief ins Fleisch gedrungen sind. Ab und zu muss sie mit einer Pinzette nachhelfen um die kleinen Stückchen aus dem Fleisch zu ziehen und immer wieder träufelt sie etwas von den Phiolen in die Wunde.

Schliesslich ist es dann aber geschafft und die Wunde ist sauber. Morgana streicht sie dick mit einer Salbe ein und verbindet die Wunde dann mit frischem sauberem Leinen. Dann richtet sie sich wieder auf und reicht der Elbin den Tiegel und die Phiole. "Könnt ihr ihn selber verbinden ? Ansonsten komme ich morgen wieder , um die Wunde erneut zu verbinden. Von dem Trank muss er heute am Mittag und am Abend noch etwas bekommen und auch morgen früh, dann sollte das gröbste überstanden sein." Fragend sieht die Heilerin die junge Elbe an, deren rRng silbern am Finger leuchtet, aber Morgana kennt sich mit elbischen Sachen wenig aus und weiss auch nicht was so ein Ring bedeutet, ausser das es wohl ein Sigelring irgendeines Elbenhauses ist.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ellesedil am 16. Nov. 2004, 08:53 Uhr
„Natürlich, ich habe euch zugesehen. Es sollte kein Problem sein. Mein Herr wird euch entlohnen, sobald es ihm besser geht. Vielen Dank Lady Morgana“. Asvariel setzt sich neben das Bett und beobachtet ihren Mentor. Sie bekommt nicht mit wie Morgana das Zimmer verlässt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Morgana am 16. Nov. 2004, 10:10 Uhr
Morgana nickt der jungen Elbe noch einmal zu, die anscheinend keine Berechtigung hat die Bezahlung aus zu gleichen, denn sie erwähnt nur, dass der Elb sie entlohnen wird, sobald es ihm besser geht. Eigentlich gefällt es Mrogana gar nicht so ohne Bezahlung zu gehen, sie legt zwar sonst nicht viel Wert auf Geld, aber der Elb ist neu in der Stadt und wer weiss ob er ehrlich ist oder nicht. Ich werde Borgil bitten das Geld für mich mit einzuhalten, wer weiss , wann ich das nächste Mal in die Harfe komme.

Morgana wirft noch einen Blick auf die Elbe, die sich an das Bett egsetzt hat und kein Interesse an einem weiteren Gespräch hat. Morgana zuckt noch kurz mit den Schultern und geht dann ohne ein weiteres Wort zu sagen hinaus. Als sie die Treppe hinunter kommt zeigt sich allerdings wieder ein Lächeln auf ihrem Gesicht, als sie sieht, dass Raven noch da ist. Alledings spricht Morgana vorher kurz noch mit Borgil darüber, dass er dem Elb die Summe für die Behandlung mit auf die Rechnung schreiben soll und Morgana dann dafür ein Essen bei Borgil gut hat.

Lupin beschäftigt sich mit einem riesigen Knochen, den Halla ihm gegeben hat und ist ganz und gar in sich versunken, so dass er noch nicht einmal aufblickt, als Morgana über ihn hinwegsteigt um zu Raven zu gehen. Mit einem Lächeln sieht sie die Bogenbauerin an. "Es ist wirklich shcön dich mal wieder zu sehen. Ich wollte schon so oft zu dir gekommen sein, aber irgendwie ist immer wieder etwas dazwischen gekommen, Patienten suchen sich halt leider nicht aus, wann und wie sie krank werden. Wie geht es dir und was macht Mottenfänger?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Raven am 16. Nov. 2004, 16:12 Uhr
Als Raven die Treppe hinunterstapft, kommt ihr von unten Morgana entgegen, die sie herzlich begrüßt - viel zu lange hat sie die Heilerin schon nicht mehr gesehen, so dass sie sich beide über das Wiedersehen freuen. Sie wechseln auf der Treppe einige Worte, wobei Raven sich bei Morganas spitzbübischem Grinsen schon denken kann, dass sie wohl einiges von dem ahnt, was am vergangenen Abend in der Schänke geschehen ist, auch wenn es nicht ausgesprochen wird. Während die Heilerin dann weiter nach oben eilt - offenbar um einen Patienten zu behandeln, wer auch immer das sein mag - begibt sie selbst sich nach unten in die Schankstube, wo Borgil und Halla schon eifrig hinter dem Tresen herumwerkeln und ihr ein vielsagendes Grinsen zukommen lassen.

Das Frühstücksangebot, das der Zwerg ihr herunterbetet, reißt Raven allerdings nicht unbedingt zu Begeisterungsstürmen hin - allein die Vorstellung, ihren rotierenden Magen mit solch eklig klingenden Dingen wie Rollmops oder azurianischen Pfefferschoten und rohen Eiern zu füllen, bereitet ihr schon Bauchschmerzen, also entscheidet sie sich notgedrungen für die dritte Möglichkeit. "Bitteres, schwarzes Zeug, das wach macht?" Sie wirft Borgil einen argwöhnischen Blick zu. "Solange das nicht so schmeckt wie dieses Gesöff aus stinkendem Gnomenkraut, oder woraus auch immer du diesen Tee vorhin gebraut hast, soll's mir recht sein. Und mit fester Nahrung sollte ich vielleicht auch noch etwas vorsichtig sein", fügt sie mit einem schiefen Grinsen hinzu.

Borgil jedenfalls scheint im Gegensatz zu ihr vom vergangenen Abend keinerlei Blessuren davongetragen zu haben und sie betrachtet neidvoll seine geradezu unverschämt muntere, ausgeschlafene Miene. Wie sie selbst im Moment aussieht, will sie lieber erst gar nicht wissen. Aber sie ignoriert tapfer ihren Brummschädel und lässt sich an einem Tisch neben dem Tresen nieder, wo der Zwerg ihr schließlich einen Becher mit einem schwarzbraunen, dampfenden Gebräu unter die Nase hält. Ein wenig misstrauisch beäugt sie die fast schwarze Flüssigkeit, zieht die Nase kraus und schnuppert daran - und ist angenehm überrascht, denn es riecht zwar bitter, aber trotzdem nicht übel.

Ein leises Knurren und Wuffen lenkt ihre Aufmerksamkeit jedoch vorerst von dem Becher ab, als Stelze und Morganas weißer Wolf sich in der Wirtsstube begegnen. Raven hatte Lupin gar nicht gesehen, aber Stelze mit seiner feinen Nase erschnüffelt ihn sogleich hinter dem Tresen. Das anfängliche Fremdeln der beiden legt sich dann auch sogleich wieder und weicht freundschaftlichem Beschnuppern und Schwanzwedeln, schließlich kennen die beiden Tiere sich schon lange genug. Stelze, der genau weiß, welchen melodramatischen Bettelblick aus seinem schier unerschöpflichem Repertoire er auflegen muss, um Halla um den Finger zu wickeln, bekommt ebenfalls einen Knochen aus dem Eimer der Mogbarfrau und trollt sich damit zufrieden grunzend unter die Bänke.

Kaum dass Raven den ersten Schluck aus ihrem Becher nimmt, taucht auch Morgana wieder in der Gaststube auf, nachdem sie mit der Behandlung ihres Patienten fertig ist. Dass es der Magier in der hypnotisch schimmernden Robe ist, den die Heilerin behandelt, hat Borgil ihr eben noch brühwarm erzählt. Auf Morganas Frage hin, wie es ihr und dem Druiden geht, lächelt Raven nur verhalten. "Bei uns ist alles in Ordnung", nickt sie, obwohl sie seltsamerweise leise Zweifel an ihrer eigenen Aussage beschleichen. "Das Leben da draußen ist ziemlich ergeignislos, ganz im Gegensatz zu dem einer Heilerin. Setz dich doch einen Moment, wenn du Zeit hast." Lächelnd weist sie auf ihren Tisch. "Vielleicht hat Borgil noch einen Becher von diesem Teufelsgebräu übrig. Wie ist es dir denn selbst ergangen?" Siedend heiß fällt ihr in diesem Augenblick ein, dass zuhause im Baum seit ihrem Ausflug nach Wegesend noch ein fein gearbeitetes Kurzschwert darauf wartet, zu Morgana gebracht zu werden und sie nimmt sich vor, das in nächster Zeit nun endlich einmal zu erledigen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 17. Nov. 2004, 16:19 Uhr
Ein Rucken an der Decke, lässt sie beinahe aufkreischen, als schon die ihr wohlbekannte, bassartige Stimme an ihr Ohr dringt, doch noch wagt sie es nicht, überhaupt nur ihre Nasenspitze zu zeigen, zuviel Angst hat sie davor was passiert sein könnte. Aber nach und nach erklärt der Herr Zwerg, dass es einen Kampf gegeben hätte, das ein Narg wohl gemeint hätte seine Stumpen von Fingern wären dafür geeignet sich mit einem Messer einem Zwergen entgegenzustellen und das der Herr Zwerg ihm schliesslich ganz schön den Kopf zurechtgehauen hätte. Nach und nach kommen zuerst ihre weissblonden Locken zum Vorschein, bis sie ihn schliesslich aus weit geöffneten Augen ansieht, mit offenem Mund seiner Geschichte folgend, und während seinen Veranschaulichungen mit den Händen, nicht wagend mit der Wimper zu zucken. Vielleicht könnte sie dadurch ja etwas verpassen, doch trotz der wilden Erzählungen sinkt ihre Angst langsam, bis sie schliesslich verschwunden ist und sie den Herr Zwerg mit einem Grinsen betrachtet und schliesslich leise in die Decke hinein kichert.
Er hilft ihr wieder aufs Bett, wo sie sich gemütlich einkuschelt, schon beinahe vergessend, das sie einige Zeit zuvor noch zitternd unter der Decke auf dem Boden gesessen hat, beine ihre Finger abkauend vor Unruhe. Jetzt, so friedliche wie ein *Lämmchen* schliesslicht sie nach einigen Momenten auch schon wieder ihre Augen, zufrieden, eingepackt in die warme Decke und einen Finger des Zwergen haltend, seine ganze Hand ist eindeutig, nunja, zu gross.

Sie erwacht durch ein lautes Fluchen, das ihre Ohren beinahe klingeln lässt und bereits wie gestern, sitzt sie mit einem Ruck hoch aufgerichtet und registriert erst einen Moment später, dass da irgendjemand im Nebenzimmer, wohl gerade einen schmerzlichen Fehler begangen hat. Zuerst fragt sie sich, wer das wohl sein wird, als sie sich erinnert, das der Herr Zwerg von einer Frau gesprochen hat, welche wohl nach dem Aufstehen ein wenig mit Schimpfwörten um sich schlagen würde. Warum hat er nicht erwähnt, doch es klingt äusserst amüsant und Azra muss leise lachen, bevor sie sich kurzerhand noch ein wenig hinlegt, die Decke bis zum Kinn hochzieht und noch ein bisschen in eine Art Schlummerschlaf versinkt, denn noch hat sie keine Lust das warme Nest zu verlassen.
Wohin soll sie denn auch, einfach hinunter in den Schankraum spazieren ist ihr nicht möglich, das würde weder der Herr Zwerg noch Halla tolerieren, was Azra auf eine Art und Weise auch versteht, doch noch immer flitzen diese bösen Gedanken in ihrem Kopf herum, dass sie ja nur nicht dort hinunter kann, weil es Leute gibt, die sie einfach durch ihre Art hassen.
Heftig schüttelt sie den Kopf um diese Tatsache schnellstmöglich wieder aus ihrem Kopf zu verdrängen und sich erstmal darauf zu konzentrieren, was sie denn hat, und nicht was sie noch will. Immerhin sind ihr die Angestellten der Goldenen Harfe freundlich gesonnen und das nur weil sie gelernt haben das Azra ihnen nie etwas tun würde... Werde ich das wirklich nie? Ich mein.. NEIN! Er hat gesagt, ich soll mir darüber keine Gedanken machen, also wird es auch so bleiben. Alles braucht Zeit und ich trage keine Schuld!
Ein wenig Stolz auf sich, dass sie es geschafft hat sich gegen diese Ungewissheit in ihrem Inneren zu wehren, richtet sie sich kurzerhand auf und beginnt ihre Beine ein wenig zu biegen, damit das Blut wieder richtig zirkulieren kann. Ein Kribbeln geht durch ihre Waden, ein komisches Gefühl doch zumindest zeigt es das ihre Beine noch dort sind wo sie sein sollen. Vergnügt stemmt sie sich schliesslich hoch und versucht einige Augenblicke lang doch mit ziemlich viel Kraft ihr Gleichgewicht zu behalten, wobei sie heftig mit den Armen hin und her wedeln muss, denn ihre Knie fühlen sich an wie Brei. Ein Aussenstehender würde sich wohl an diesem Akaputtlachen, er reizt die Lachmuskeln auch zu sehr, wie sie dasteht als wolle sie jeden Moment das Fliegen erlernen.
Schliesslich jedoch hat sie es trotz aller Gegenerwartungen geschafft und atmet erleichter aus, beginnt Schritt für Schritt im Zimmer herum zu laufen, damit sie sich wieder ein wenig daran gewöhnen kann ihre füsse nicht nur zum Decke zurückschieben zu benutzen. Noch immer schmerzt ihr Magen, doch es hält sich dank der Ablenkungen in Grenzen und schon bald darauf kann sie bereits von einem Ende des Zimmers in das Andere laufen, ohne dabei der Spur einer Schlange zu folgen.
Erschöpft lässt sie sich schliesslich wieder auf ihrem Lager nieder, nimmt die Decke und kuschelt sich ein wenig darin ein, der Boden ist doch kalt, trotz der Wärme der Luft. Was auch kein Wunder ist, immerhin geht das Wetter nach und nach mehr in Richtung Winter und Schnee. Ist sie nicht auch bei Schnee hierhergekommen? Verblüfft stellt sie diese Tatsache fest und somit auch, dass sie sich schon bald ein Jahr in Talyra aufhält. Wie die Zeit doch rast, es ist unglaublich, doch sie ist zufrieden, fühlt sich plötzlicher glücklicher als jemals zuvor und mit einem Seufzen lässt sie sich wieder zurücksinken und starrt zur Decke hinauf, beginnend die Punkte auf dem Holz zu zählen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Morgana am 17. Nov. 2004, 20:34 Uhr
Morgana ist das verhaltene Lächeln von Raven nicht entgangen, das auf Morganas Frage  hin über das Gesicht der Bogenbauerin zieht. Mehr unbewusst zieht Morgana die Augenbrauen leicht nach oben, denn so ganz in Ordnung scheint es wohl doch nicht zu sein. Als Raven sie bittet sich doch zu ihr zu setzen, wirft Morgana nur einen kurzen Blick auf Lupin, der noch immer ganz versunken an seinem Knochen kaut. "Sicher habe ich etwas Zeit, es werden schon nicht gleich Horden von Kranken und Verletzten vor meiner Tür stehen, wenn ich mal aus dem Haus bin." Mit einem leichten Schmunzeln im Gesicht setzt Morgana sich zu Raven. Das Schmunzeln vergeht allerdings schnell, als auch Raven fragt, wie es ihr ergangen ist. Für einen kurzen Moment wandern ihre Gedanken zu Phelan und ein Schatten legt sich auf das Gesicht der Heilerin, wie immer wenn sie an den Waldläufer denkt. Doch es dauert nicht lange und ein Lächeln kehrt auf ihr Gesicht zurück, auch wenn es ihre Augen nicht ganz erreicht. "Mir geht es soweit gut. Ich hatte für zwei Wochen einen "Dauergast" in der Kate, der jetzt wieder weg ist. Ian geht es prächtig, und er ist schon sehr gewachsen, wie du vielleicht sehen kannst."

Diesmal erreicht das Lächeln Morganas Augen, als sie auf den schwarzen, rötlich schimmernden, Haarschopf blickt, der aus dem Tragetuch hervorlugt, das Morgana sich vor die Brust gebunden hat. Ian hat die ganze Zeit friedlich geschlafen und nicht viel von dem mitbekommen, was seine Mutter getan hat und dafür ist Morgana den Göttern dankbar. "Ich brauche dringend ein Kindermädchen oder jemand, der ab und zu auf ihn aufpasst. Jetzt wo er noch viel schläft und leicht in dem Tragetuch mit zu nehmen ist, geht es noch, aber bald kann ich ihn nicht mehr mitnehmen."

Mittlerweile steht eine dampfende Tasse Tee vor Morgana, die Halla ihr gebracht hat. Vorsichtig greift Morgana danach, pustet auf die dampfende Flüssigkeit und nimmt dann einen kleinen Schluck. Dann blickt sie wieder zu Raven. "Du sagtest, es sei ruhig im Wald und nicht so aufregend wie bei mir. Habt ihr denn nichts von den Wilderern mitbekommen, die ihr Unwesen im Larisgrün treiben sollen? Ich hatte eine Weile Angst Lupin nach draussen in den Wald zu lassen." Ian regt sich leicht in dem Tuch und schlägt die Augen auf. Es ist noch nicht Zeit für eine Mahlzeit, aber Ian wird jetzt immer öfter wach und beobachtet rege seine Umgebung. Behutsam nimmt Morgana Ian aus dem Tuch und setzt ihn sich auf den Schoss. Mit grossen grünen Augen betrachtet Ian alles was sich in seiner Umgebung befindet und vor Staunen bleibt ihm der kleien Mund leicht offen stehen. Besonderes Interesse scheint er an Ravens Gesicht gefunden zu haben, welches er sich eingehend betrachtet bis schliesslich ein zaghaftes Lächeln den Kindermund umspielt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 17. Nov. 2004, 22:20 Uhr
Borgil ist erstmal heilfroh, daß er den verletzten Magier oben versorgt weiß, nun, da Morgana sich seiner annehmen wird und schlägt schnell einige zwergische Schutzrunen mit der linken Hand. Abergläubisch ist er eigentlich nicht, jedenfalls nicht mehr als alle Zwerge, aber man kann ja nie wissen und schaden wird es in keinem Fall. Raven, noch ein wenig wacklig auf den Beinen, aber sonst schon wieder recht munter, ordert todesmutig das "bittere, schwarze Zeug" von den Sommerinseln und Borgil bestellt in der Küche das noch recht exotische Gebräu, von dem keiner eigentlich so genau weiß, was es ist. Halla schwört darauf, vor allem, wenn sie Nachtschicht hat, ihm selbst ist es alles andere als geheuer, aber was geht schon über einen ordentlichen Schluck Malzbier, um wieder auf die Beine zu kommen? Gar nichts. In der Harfe ist und bleibt es an diesem Morgen recht ruhig - nach den Ereignissen der Nacht nicht weiter verwunderlich, auch wenn immer wieder ein paar Gäste von gestern hereinkommen, um ihre noch ausstehende Zeche zu zahlen, oder um nach einem verlorenen Umhang, Schuh oder Geldbeutel zu fragen. In dem ganzen Chaos hatte es wohl den ein oder anderen Verlust gegeben, aber bis auf einen Überwurf taucht alles wieder auf. Als Morgana wieder herunterkommt, setzt auch Borgil sich zu den beiden an den Tisch, allerdings nicht ohne eine schöne Pfanne mit einem Omelett aus gebackenen Steinpilzen, Eiern, Petersilie und Schinken, dazu einen halben Laib frisches Brot und kühle Butter, sowie drei Teller und Besteck mitzubringen. Darauf, daß jeder Gast in seiner Harfe Messer und diese neumodischen, zweizinkigen Gabeln bekommt, ist Borgil sehr stolz. Soweit er weiß, hat sich das längst noch nicht allerorts durchgesetzt. Er fängt Ravens Blick auf, die nachdenklich ihre Gabel betrachtet, als versuche sie, sich an etwas zu erinnern und deutet es - die gestrigen Ereignisse völlig vergessend - falsch. "Guck nicht so mein Honigschnäuzchen. Das hat gar nichts mit Angabe zu tun. Jeder, der schon mal versucht hat, einen Hering mit dem Löffel zu essen, weiß diese Dinger zu schätzen."

Er war gerade rechtzeitig an den Tisch gekommen, um Morganas letzte Worte zu hören und spielt mit dem Gedanken, der Heilerin zu erzählen, daß Phelan und Kaney nach ihrerm Wilderer-hasch-mich im Larisgrün wohlbehalten in der Steinfaust angekommen waren, läßt es aber dann doch sein. Daß der Waldläufer mehr oder minder seiner eigenen Wege ging, pfiffen in Talyra schon die Spatzen von den Dächern und er will kein Salz in offene Wunden streuen. Dafür scheint Morgana jedoch nicht die leiseste Ahnung von Kizumus schwerer Zwillingsgeburt der vergangenen Nacht zu haben, sonst würde sie kaum hier so ruhig sitzen und mit Raven schäkern. Borgil hatte heute bei Sonnenaufgang von den Marktwächtern schon brühwarm davon gehört und dann Stunden später und lange nach dem zweiten Frühstück endlich die erlösende Nachricht bekommen, daß Mutter und Kinder nun doch alle wohlauf seien. Er grinst in seinen Bart und wartet auf die passende Gelegenheit, alle möglichen Gerüchte zum Besten zu geben, während er genüßlich sein Omelett (ein frühes Mittagsmahl) verputzt. Auch Raven weiß ja noch nichts, vom guten Ausgang der Geburt. Seine Gedanken wandern zu Azra, die sich noch immer in seinen privaten Gemächern erholt und er grübelt kauend darüber nach, wie er ihr am besten dabei helfen könne, ein normales, eigenes, offenes Leben in Talyra zu führen, kommt aber nicht so recht zu einem Entschluß. Dann wandern seine Gedanken weiter zu den allherbstlichen Jagden und ob sein bestelltes Wildbret auch pünktlich und in ausreichender Zahl eintreffen würde, zum näherrückenden Winter und dem Jahresende, das immer an dessen Mantelsaum herumtrödelt. "Gebt mir ruhig den kleinen Sonnenkäfer, Morgana. Dann könnt Ihr essen und Klein-Ian und ich, wir gehen derweil die Mägde ärgern... oder so."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Raven am 18. Nov. 2004, 22:43 Uhr
Erfreut rutscht Raven ein Stück zur Seite, als Morgana sich bei ihr am Tisch niederlässt. Es ist selten der Fall, dass sie oder überhaupt jemand die Heilerin einmal ungestört erwischt und sie Zeit für einen Plausch hat und so hofft Raven inständig, dass nicht ausgerechnet jetzt ein medizinischer Notfall dringend nach einer Heilfrau verlangt. Auf die Frage, wie es ihr in der Zwischenzeit ergangen ist, reagiert Morgana ein wenig ausweichend und deswegen bohrt sie auch nicht weiter nach und denkt sich nur ihren Teil. Obwohl sie ein ziemlich neugieriger Mensch ist, ist es doch nicht ihre Art, anderen etwas aus der Nase zu ziehen, das sie nicht von selbst preisgeben wollen und so lässt sie die Aussage einfach auf sich beruhen und erzählt Morgana stattdessen von der Verfolgungsjagd mit Rhordri. "Dabei sind wir auch auf Spuren der Wilderer gestoßen und kurze Zeit später haben Mottenfaenger und ich einen Teil des Waldes nach Fallen und weiteren Spuren abgesucht, allerdings ohne großen Erfolg", berichtet sie und beobachtet schmunzelnd Morganas Sohn, der inzwischen aus seinem Schlaf erwacht ist und eifrig dabei ist, mit Augen und Patschhändchen seine Umgebung zu erkunden. Nachdem er eine Weile ausgiebig ihr Gesicht gemustert hat, muss auch noch alles "begriffen" werden und er fingert hingebungsvoll an ihrem Zopf, ihrem Hemdkragen und den Schnallen des Lederwamses herum. Raven lässt ihn lächelnd gewähren und schneidet ihm ab und zu lustige Grimassen, während sie mit seiner Mutter plaudert.

Als ein wenig später auch noch Borgil zu ihnen an den Tisch kommt, müssen sie ziemlich zusammenrücken, doch er entschädigt sie dafür mit einer gewaltigen Pfanne voll köstlich duftender Eierkuchen und knusprigem Brot. "Und da wolltest du mich mit schnöden Heringen und Pfefferschoten abspeisen!" grinst sie in gespieltem Vorwurf und schaufelt sich hungrig ein Stück von dem Omelette auf den Teller. Die Gabel, die der Zwerg neben den Teller gelegt hat, erinnert sie tatsächlich an etwas, woran genau, kann sie allerdings nicht mehr sagen, so sehr sie auch ihr Gedächtnis durchkramt. Es ist auch nicht mehr wichtig, denn während des Essens sind sie vollauf damit beschäftigt, den neuesten Tratsch auszutauschen, wobei Borgil wieder einmal zu Höchstform aufläuft und ihnen Neuigkeiten erzählt, die so derart frisch sind, dass die Beteiligten selbst sie wohl noch gar nicht mitbekommen haben. Mich würde nur mal interessieren, wo er das schon wieder alles her hat, wundert Raven sich mit einem verblüfften Seitenblick auf den Zwerg, als er von Kizumus Kindern spricht, die gerade mal ein paar Stunden alt sind. Er muss wohl an jeder Straßenecke hauseigene Spitzel postiert haben, anders ist das ja kaum möglich.

Als sie die Pfanne bis auf den letzten kleinen Krümel leergeputzt haben, nimmt Borgil sich des Kleinen an, so dass Morgana und sie noch ein Weilchen plaudern können. Zuerst scheint Ian nicht gerade begeistert zu sein, von einem Zwerg buchstäblich auf den Arm genommen zu werden und sein kleines, rundes Kinn beginnt ängstlich zu zittern. Doch dann entdeckt er die Wonnen eines prächtigen, roten Zwergenbartes und wühlt glucksend mit den Fingern in Borgils wohlgepflegter Kinnzierde herum, was ihn bedenklich mit den buschigen Brauen wackeln lässt. Als er schließlich mit Ian Richtung Küche verschwindet, wendet Raven sich wieder Morgana zu. "Es ist doch bestimmt möglich, ein Kindermädchen für ihn zu finden, so ein niedlicher Kerl, wie er ist. Warum tust du dich nicht einfach mit den anderen Müttern zusammen, also mit Niniane und Arwen und nun vielleicht auch mit Kizumu? Ihr könntet euch doch mit dem Kinderhüten abwechseln, und so hätte jede von euch auch einmal Zeit für andere Dinge und weiß doch die Kinder in guter Obhut."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ellesedil am 19. Nov. 2004, 09:57 Uhr
Nach einer weile sieht Asvariel das der Hochelf ruhig und tief schläft. Sie steht langsam auf und versucht keinen Laut zu erzeugen, der den Patient aufwachen lassen könnte. Sie schleicht aus dem Zimmer und schließt hinter sich die Tür. Asvariel geht in den Gastraum sieht den Zwerg und die beiden Frauen und nickt ihnen kurz zu. Dann sitzt sie sich Tisch, an dem man gut die Gäste beobachten kann.
Ich muss noch viel über Menschen, Zwerge und andere Lebewesen hier lernen. Mit Beobachten lernt man viel hat Herr Ellesedil gesagt. Dann tu ich das einfach mal. Oben kann ich im Moment äh nichts tun.
Als eine der Schankmaiden kommt und fragt was sie will, antwortet sie das ein Salat und ein Brot sehr angenehm wären. Da noch nicht viel los ist um diese Urzeit, beobachtet sie die Leute die im Gastraum sitzen oder arbeiten. Anscheinend kennen sich die Heilerin, der Wirt und die Trinkgefährtin des Wirts gut. Denn sie machen einen sehr vertrauten Eindruck auf die Elfe.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Morgana am 19. Nov. 2004, 22:51 Uhr
Als Borgil mit der Pfanne und Brot ankommt und sich zu ihnen setzt, knurrt der Magen von Morgana kurz und sie lächelt entschuldigend. Das recht karge Frühstück heute morgen bei ihr in der Kate hatte wohl doch nicht ausgereicht um ihren Magen zufrieden zu stellen, und alleine der Geruch der Pfannkuchen, lässt ihr das Wasser im Mund zusammen laufen. Raven scheint genauso einen Appetit zu haben und auch Morgana nimmt sich etwas von dem Brot und den köstlichen Pfannkuchen. Allerdings kann sie bei weitem nicht so schnell essen, wie sie es möchte, da Ian immer wieder nach dem seltsamen Ding greift, welches Morgana in der Hand hält, und sie aufpassen muss, dass sich die Pfannkuchen nicht auf ihrem Kleid und in Ians Haaren wieder finden. Ian gibt erst Ruhe, als sie ihm einen Kanten Brot gibt, auf dem er zufrieden herum kaut und sich nun mehr dafür, als für die Gabel interessiert.

Morgana lauscht schweigend, ebenso wie Raven, dem was Borgil zum Besten gibt und als dieser von Kizumus schwerer Geburt und den in der Nacht geborenen Zwillingen erzählt, weiss Morgana auch, was sie in der Nacht so beunruhigt hat. Aber Loba, die Wölfin, war bei Kizumu gewesen und Morgana ist sich sicher, niemand anders hätte es geschafft die Kinder und auch Kizumu zu retten, sie selber auch nicht.

Schliesslich hat sie es endlich geschafft ihren Pfannkuchen auf zu essen und auch noch einen Schluck Tee zu trinken, ohne das Ian aussieht, als hätte er in Pfannkuchenteig gebadet. Als Borgil sich dann Ian nimmt und ihn Sonnenkäfer nennt, muss Morgana übers ganze Gesicht schmunzeln. "Sonnenkäfer?! Ihr habt ihn noch nicht schreien gehört, denn sonst würdet ihr ihn nicht so nennen. Der Name Banshee würde ihm dann eher gerecht werden." Zuerst scheint der Zwerg Ian nicht ganz geheuer und Morgana befürchtet schon das sie alle hier eine Kostprobe von Ians Geschrei zu hören bekommen. Doch der Bart des Zwerges scheint Ian so in seinen Bann zu schlagen, dass er das Schreien darüber sofort vergisst, und sich eingehend mit jeder Strähne des roten Bartes beschäftigt, die bald nicht mehr sein werden, als ein noch kaum zu entwirrendes Haarknäuel. Borgil erhebt sich schliesslich und murmelt etwas von Mägde erschrecken gehen und geht dann in die Küche. Morgana sieht ihm schmunzelnd hinterher und wendet sich dann wieder Raven zu.

Der Vorschlag den Raven wegen dem Kindermädchen macht, hört sich in Morganas Ohren wirklich gut an. "Die Idee ist wirklich gut und die Kinder sind ja auch alle etwa gleich alt. Ich sollte wohl Arwen und Niniane bald mal einen Besuch abstatten und mit ihnen darüber reden, es wäre für mich wirklich eine Erleichterung, wenn ich ihn irgendwo sicher wüsste, wenn ich einmal weg muss." Morgana denkt einen Moment darüber nach ob sie Raven fragen soll, ob wirklich alles in Ordnung ist, die Frage brennt ihr regelrecht auf der Zunge, doch sie verbeisst es sich, ansonsten würde der wohl eher heitere Morgen nicht so heiter enden und auch sie würde von Phelan erzählen müssen. So wendet sie sich deshalb lieber einem anderen Thema zu. "Was hat dich denn in die Harfe verschlagen? Ich habe gehört du arbeitest auch wieder an deinem Haus, und renovierst es. Wollt ihr doch in die Stadt ziehen?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 20. Nov. 2004, 11:30 Uhr
>Sonnenkäfer?! Ihr habt ihn noch nicht schreien gehört, denn sonst würdet ihr ihn nicht so nennen. Der Name Banshee würde ihm dann eher gerecht werden.<
"Bean-Sidhe?"Echot Borgil und reißt die Augen auf. "Aber er ist doch ein so süßes Kerlchen!" Klein-Ian, der eine höhere Autorität erkennt, wenn er sie sieht, starrt Borgil zwar einen Moment lang unschlüssig an, kommt dann jedoch zum Entschluß, daß er das artigste Kind Rohas sein möchte und wühlt sich kurz darauf begeistert durch einen gewaltigen Zwergenbart. "Ha, seht Ihr?" Borgil wiegt den Winzling auf seinen Knien und gurrt ihm etwas vor, während die Frauen sich unterhalten und nimmt ihn schließlich mit sich hinüber in die Küche. Irgendetwas leckeres mußte doch für den kleinen Zappler hier aufzutreiben sein. Versehen mit einem Hühnerknochen, an dem noch ein wenig Fleisch und Geschmack haftet und auf dem er sabbernd herumnagen kann, und umschwärmt von einer Schar entzückter Mägde, Köchinnen und Küchenhilfen ist Ian in seinem Element... auch wenn er beim Anblick all der gut gefüllten Mieder ringsum wohl eher an Frühstück denkt, als an Nachtisch (so wie Borgil hin und wieder). "Was für ein Segen, daß du nach deiner Mutter gerätst, Ian," murmelt er und fasst das Kind genauer in Augenschein. Es hatte viel von diesem seltsamen Magiker, diesem Lyn, aber es war eindeutig sehr viel menschlicher. "Aha, wir bekommen einen Zahn!" Ian schenkt ihm ein - vorläufig - noch vollkommen zahnloses Grinsen, aber die Begeisterung, mit der er dem Hühnerknochen zu Leibe rückt, spricht dafür, daß schmerzendes Zahnfleisch ihn plagt. "Wollen wir mal sehen, was deine Mutter von dieser Theorie hält, aber erst gehen wir uns noch ein wenig umsehen. Das Windspiel hat's dir angetan, was? Also schön, dann gehen wir..." Ein langer, dumpfer Signalton unterbricht Borgil und einen Moment lang herrscht in der sonst so lärmenden Küche bis auf das Brutzeln der Speisen vollkommene Stille. Haroooooooooooooooooooooooooooooooo tönt es wieder von den Stadtmauern, gedämpft durch die Wände und geschlossenen Fenster, aber unmißverständlich. "Aaaaaaah  - hörst du das? Das sind die Torwächter, sieht so aus, als sei die Herbstkarawane eingetroffen, Kleiner. Ha, das mußt du dir unebdingt mit deiner Mama ansehen, Ian, herrliches Spektakel." Er kehrt in den Schankraum zurück, wo die Hörner bestimmt ebenfalls gehört worden waren und grinst Morgana und Raven an. "Von wegen Bean-Sidhe! Habt ihr die Hörner gehört? Die Karawane scheint einzutreffen... bin mal gespannt, wann sie ankommt." Halla kommt mit zwei Bierkrügen in der Hand in seinem Rücken vorbei und schäkert über seine Arme hinweg im Vorbeigehen kurz mit Ian. "Na, Hallaschatz. Einkaufen?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Raven am 20. Nov. 2004, 19:12 Uhr
Nachdem Borgil mit triumphierender Miene und dem brabbelnden Ian auf dem Arm Richtung Küche abgezogen ist, wo die beiden schon von einer ganzen Horde verzückter Köchinnen und Mägde erwartet werden, wird es ein wenig ruhiger an ihrem Tisch. Inzwischen geht es wohl schon auf Mittag zu, denn in der Wirtsstube verbreitet sich allmählich der würzige Duft von gebratenem Speck und geschmortem Wildbret und die Schänke füllt sich zusehends mit hungrigen Gästen. An einem Tisch in ihrer Nähe hat sich eine blutjunge Elbin niedergelassen, die Raven als die Gabelwerferin vom vergangenen Abend identifiziert und die, wie Borgil ihnen berichtet hat, eine Schülerin des seltsamen Magiers ist. Raven nickt kurz zu ihr hinüber, wendet ihre Aufmerksamkeit dann aber wieder der Heilerin zu, die von dem Vorschlag, die Kinderbetreuung unter den Müttern aufzuteilen, offenbar recht angetan ist.

Eine Frage scheint Morgana noch auf der Zunge zu brennen, denn sie sieht ihr Gegenüber erwartungsvoll an. Raven kann sich schon denken, worauf sie hinaus will, aber sie schweigt sich hartnäckig um allzu private Dinge herum und erst auf die Frage nach ihrer Werkstatt erzählt sie, dass sie nach dem Winter die Bogenbauerei wohl wieder eröffnen will. Was sie allerdings in die Harfe verschlägt, kann sie Morgana auch nicht genau sagen und muss selbst erst einmal darüber nachgrübeln, warum sie überhaupt hierher gekommen ist. Ach ja, ich wollte Borgil ja nur wegen dem Karren fragen, erinnert sie sich und irgendwo in ihrem Hinterkopf beginnt das schlechte Gewissen zu nagen. Und eigentlich wollte ich nur auf ein Glas Met bleiben und nicht die ganze Nacht und den Morgen dazu. Ich sollte schleunigst zusehen, dass ich nach Hause komme, Mottenfaenger weiß ja nicht einmal, wo ich bin.

Sie plaudern noch ein Weilchen, wobei Raven noch eine zweiten Becher von dem heißen, bitteren Getränk hinunterstürzt, das Borgil ihr gebracht hat. Allerdings macht es sie nicht unbedingt sehr viel wacher und allmählich melden sich auch die Kopfschmerzen wieder zurück, die für kurze Zeit vergessen waren. Als dann weit über die Stadt hinaus hörbar die Signalhörner erschallen, die von der Ankunft der Herbstkarawane künden, nimmt sie dies als Aufbruchsignal und verabschiedet sich von Morgana. "Ich werde bald einmal in die Kräuterkate kommen", zwinkert sie der Heilerin geheimnisvoll zu. "Ich habe da nämlich noch etwas, das ich dir gerne geben würde." Von Borgil verabschiedet sie sich schließlich mit einem von Herzen kommendem Schmatzkuss auf die Wange, bezahlt ihre Zeche und verlässt schließlich zusammen mit dem Wolfshund die Gaststube.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Mia am 20. Nov. 2004, 20:04 Uhr
Nach langem Fußmarsch steht sie nun endlich vor dem großen, dreistöckigem Gebäude, das man ihr als die goldene Harfe beschrieben hat. Die goldene Harve ist von wildem Wein überwuchert und über der Tür hängt ein Schild auf dem eine Harfe abgebildet ist. Mia offnet unsicher die schwere Holztür. Als sie eintritt,kommt ihr gleich die Wärme eines Ofens entgegen.
Sie setzt sich an den ersten freien Tisch und wartet, ob sie jemand bemerkt. Doch da es Abend ist, ist die Harfe überfüllt. Niemanden scheint ihr erscheinen zu kümmern.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Flothemil am 20. Nov. 2004, 20:07 Uhr
Nachdem er - zugegeben - etwas orientierungslos durch Talrya gestreift war, jedoch ohne irgendwelche alten Bekannten aufzuschrecken, hatte Flothemil beschlossen, in das heimischste aller heimischen Wirtshäuser zu gehen, die goldene Harfe, auch bekannt als 'erstes Haus am Platze'.

Als er dort ankommt, mag er es kaum glauben: nichts hat sich verändert. Nein, tatsächlich rein gar nichts. Mit einem kleinen Schmunzeln tritt er in das Wirthaus hinein, kurz nach einer blonden jungen Frau. Eine Welle von Gerüchen und ein Schwall an Wärme schlägt ihm entgegen und umgehend stellt sich bei Flothemil das alt bekannte Gefühl von 'in der Harfe sein' ein. Nicht nur, dass er hier früher einige Zeit in einem Zimmer gelebt hatte, nämlich als die Villa generalüberholt wurde, nein, nicht nur das, es war auch der Treffpunkt mit vielen Bekannten, ja sogar Freunden und der Ort, an dem manche Geschichte begann oder endete.

Als er bemerkt, dass einige Menschen an den vorderen Tischen ihn ansehen, weil er immer noch in der Türe steht, geht er weiter, auf einen freien Tisch zu, der sich ganz in der Nähe der Theke befindet und gibt der Schankmaid seine Bestellung auf. Und als ob er vielleicht jemand alt Bekanntes sehen könnte, schaut sich Flothemil im Raum um, kann aber niemanden ausmachen, außer den Zwergenwirt, den er aber auch nur vom Sehen her kennt und von dem er weiß, dass er weitaus mehr, als 'nur' ein 'einfacher' Wirt eines gut laufenden Gasthauses ist.

Plötzlich verharrt Flothemils Blick: nein, dort ist jemand den er kennt. Eine Frau. Schlank. Dunkles Haar. Sie sitzt beim Wirt am Tisch. Morgana, die Heilerin. Mit einem leichten Frösteln denkt Flothemil an den Tag zurück, als er Dolthe zu ihr gebracht hatte, der schließlich bei den Geweihten des Sonnengottes landete und jetzt in irgendeiner der geheimen Festungen der Templer vor sich hin vegetiert. Flothemil schiebt den Gedanken beiseite und erinnert sich daran, dass Morgana damals ihr Bestes getan hatte.

Wie gerufen kommt da schon die Schankmaid, die ihm bringt, was er zuvor bestellt hatte: Einen großen Krug Met, dunkles Brot, Butter, Wurst. Er wendet seinen Blick von der Heilerin ab und fängt an zu essen wie ein Ausgehungerter.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Roana am 20. Nov. 2004, 20:18 Uhr
Müde und erschöpft steht Roana vor einem großen dreistöckigem Gebäude, über der Tür hängt ein Schild
mit einer goldenen Harfe. Durch die Fenster dringt helles Licht zu ihr nach draußen, in die Dunkelheit.
Das Gebäude ist von Wein überwuchert und  erweckt den Anschein einer gemütlichen Unterkunft. Da Roana schon seit Tagen weder ein Bett noch etwas richtiges zu Essen hatte, schaut sie in ihren Geldbeutel. Wenn sie Glück hat, wird das Geld für eine Nacht reichen. Sie öffnet die schwere Tür. Alle Tische sind von den unterschiedlichsten Gestalten belegt. Die Kellnerinnen rennen hektisch hin und her und beachten sie nicht. An allen Tischen sitzen mehrere Leute, nur an einem, da sitzt eine blondhaarige Frau alleine. Roana geht auf die Frau zu und bleibt vor ihrem Tisch stehen...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Mia am 20. Nov. 2004, 20:47 Uhr
Eine dunkelhaarige Frau steht vor Mias Tisch, sie sieht nicht aus wie eine Kellnerin, sie sieht aus als hätte sie lange Fußmärsche hinter sich. " Wollt Ihr mir vielleicht Gesselschaft leisten?"
Mia macht Platz und setzt sich einen Stuhl weiter,damit sich die Frau ausruhen kann.
Mia schaut um sich.
Am Nebentisch grölen Leute, der Wirt an der Theke ist immer noch beschäftigt und achtet auf nichts.
Die Kellnerinnen warten auf neue Kundschaft, da sie Mia immer noch nicht gesehen haben.
Langsam verzieht sich Mias Gesicht, sie kann zwar verstehen, dass es viel Betrieb ist, doch das man sie nicht beachtet findet sie unerhört. Doch sie möchte nicht aus der goldenen Harfe gehen,stattdessen bleibt sie schweigend sitzen und wartet auf die Antwort der braunhaarigen Frau...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 20. Nov. 2004, 21:02 Uhr
Die Harfe ist wie jeden Morgen gut gefüllt, wenn es auf den Winter zu geht und die Ankunft der Herbstkarawane bevor steht. Jede Menge Volk aus der Umgebung Talyras findet sich dann in Talyra selber ein um dieses Ereignis zu erleben und die letzten wichtigen Vorräte für den Winter zu kaufen, denn wenn die Karawane weg ist, würde die nächste erst wieder im Frühjahr erwartet.

Eine Weile hatte Halla sich mit dem Wolf von Morgana und Ravens Stelze beschäftigt, bis ihr die Zeit fehlte und sie beiden einen grossen Rinderknochen gegeben hatte, an dem sie zufrieden herum kauten und nicht mehr weiter bettelten. Morgana war schliesslich wieder von dem verletzten Magier in den Schankraum zurück gekehrt und hatte sich zu Raven gesetzt und beide wurden von Borgil erst einmal mit einem kräftigen Frühstück versorgt. In der Küche ist Sigrun eifrig dabei alles für das Mittagessen vorzubereiten und Halla hat nun alle Hände voll zu tun, die ankommenden Gäste zufrieden zu stellen. Sie scheucht die Mägde hin und her und zapft und schenkt aus. Als Borgil mit Ian auf dem Arm zur Küche geht, nimmt sie sich allerdings kurz Zeit um mit dem Sohn von Morgana  zu schäkern und ihn zu ermahnen Borgils Bart nicht ganz zu verfilzen, denn Halla würde ihre liebe Mühe damit haben, ihn wieder zu entwirren.

Nachdem Borgil in der Küche verschwunden ist und alles dort sich auf Ian stürzt, der wirklich ein herzallerliebstes Bürschlein ist, macht Halla sich daran die Gäste weiter zu bewirten. Es tauchen viele unbekannte Gesichter auf , aber auch einige alt bekannte. Gerade sind die Hörner verklungen, die die Ankunft der Karawane verkünden, als Borgil wieder aus der Küche auftaucht und hinüber zu Raven und Morgana geht. Halla bewaffnet mit zwei Bierkrügen, die sie zwei Bauern aus dem Umland Talyras bringen will, bleibt kurz bei Borgil stehen um mit Ian Grimassen zu schneiden.

> Na Hallaschatz, einkaufen?< Zuerst sieht Halla Borgil etwas perplex an, doch dann zeichnet sich ein leichtes rot auf ihren Wangen ab und sie nickt nur und flüstert mehr ein: "Ja gerne." Es würde Spass machen über den Platz der Händler zu gehen und die vielen exotischen Waren zu betrachten und auch das exotische Volk, das immer mit der Karawane erscheint. Ausserdem gingen in der Harfe einige Kostbarkeiten zur Neige, die sie vor dem Winter nur noch bei der Karawane würden bekommen können. Raven nimmt die Hörner zum Anlass um auch aufzubrechen und verabschiedet sich von Borgil mit einem kräftigen Schmatzer, was Halla nur leicht schmunzelnd den Kopf schütteln lässt, ehe sie weiter geht um den Bauern das Bier zu bringen.

Als sie den Tisch erreicht geht mehrmals die Tür der Harfe auf, zuerst erscheint eine blonde junge Frau , die sich sehr schüchtern an einen der Tische setzt und dann traut Halla zuerst ihren Augen nicht, denn Flothemil betritt die Harfe. Den Elben hatte sie seit Eiwigkeiten nicht mehr in Talyra gesehen und um so überraschter ist sie, ihn hier zu sehen, schliesslich hatte er Asrai sein Haus und alles andere überschrieben und Talyra eigentlich den Rücken gekehrt, so zumindest die Gerüchte. Kurz nach Flothemil betritt noch eien weitere Frau die Harfe, die sich zu der blonden Frau gesellt. Halla stellt das Bier vor den Bauern ab, kassiert die entsprechende Summe und geht dann zu den beiden jungen Frauen hinüber.

"Willkommen in der Harfe und entschuldigt, dass es etwas länger gedauert hat, aber ihr seht ja selbst, dass viel zu tun ist. Was darf ich euch bringen, etwas zu trinken, etwas zu essen, braucht ihr vielleicht ein Zimmer für die Nacht?" Mit einem freundlichen Lächeln sieht Halla die beiden Frauen an, wobei sich die braunhaarige sich wohl noch nicht entscheiden kann, ob sie lieber sitzen oder stehen möchte. Aus den Augenwinkeln sieht Halla wie Grid sich schon um Flothemil kümmert. Sehr gut Mädel, du wirst immer besser. Ich muss wohl aufpassen, dass du mir nicht eines Tages den rang abläufst. Ein Schmunzeln begleitet Hallas Gedanken ehe sie sich wieder den beiden Frauen am Tisch zuwendet.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Roana am 20. Nov. 2004, 21:15 Uhr
Unsicher schaut Roana die beiden Fremden an. Dann wendet sie sich der blondhaarigen zu:"Sehr gerne, aber nur wenn ich euch nicht störe."
Ohne eine Antwort abzuwarten setzt sie sich auf den stuhl und blickt nun zu der Wirtin. Wahrscheinlich eine nette frau und dafür das es so voll ist kann sie ja auch nichts und außerdem, die meisten leute würden sie übersehen.
"Ein Zimmer für eine Nacht wäre nicht schlecht, etwas zu Essen und zu Trinken auch nicht."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Flothemil am 20. Nov. 2004, 21:48 Uhr
Nach dem zweiten Krug Met und neuem Brot und Aufschnitt fühlt Flothemil sich rundum zufrieden. Sein Magen gibt ein leises, zufriedenes Knurren von sich und Flothemil hat endlich Zeit, die letzte Zeit zu resümieren.

Während er wieder auf Reisen war, hatte er gemerkt, dass die nutzlose Sesshaftigkeit in Talrya ihm nicht sonderlich bekommen war. Die erste Zeit war er träge und kam nicht recht voran, das Wandern fiel ihm schwer und auch zu Pferd konnte er nicht recht mit dem von ihm selbst gemachten Zeitplan mithalten. Dann jedoch, langsam aber gewiss, stellte sich wieder das alte Reisegefühl ein und zum ersten Mal nach langer Zeit war er glücklich mit sich selbst gewesen. Unterwegs hatte er so manche Bekanntschaft gemacht und sich, als er sich der Wüste näherte, einer abenteuerlichen Gruppe angeschlossen. Alsbald stellte sich jedoch heraus, dass es sich um einen chaotischen, wahnwitzigen Haufen handelte und als Flothemil sie vor den Gefahren in der Wüste warnte und sie zur Eile drängte, lachte man ihn aus und nannte ihn einen Hasenfuß. Doch wie er es geahnt hatte, machten sie bald auf sich aufmerksam und wurde schließlich angegriffen. Um welche Geschöpfe es sich dabei handelte, kann er bis heute nicht bestimmen. Es waren schattenartige Wesen, sie kamen des nachts und sie kamen zu vielen. Schwer verwundet und um einige Gruppenmitglieder weniger konnten sie entfliehen.

Zu einem späteren Zeitpunkt reiste er noch mit einem Priester und einer kleinen Handelsgemeinschaft. Das Ende seiner Reise jedoch, war eigentlich nur der Anfang der Rückreise. Mit der großen Karawane kehrte er zurück. All dies dauerte ein Jahr lang. Ein Jahr lang ohne den Trubel Talyras, seiner - wie man so schön sagt -  'Wahlheimat'. Auf dem Weg hierhin hatte er sogar welche seines Volkes getroffen und hatte die Gelegenheit, eine kurze Nachricht für seinen Vater mitzugeben, den er schon eine halbe Ewigkeit nicht mehr gesehen hatte, um genau zu sein, seit er Siam verlassen hatte, vor langer, langer Zeit, obgleich er dann und wann Nachricht sandte.

All dies war ihm geschehen und noch viel mehr. Das Talyra sowohl Beginn als auch Ende der Reise sein würde, hätte er nicht gedacht.

Mit einem Lächeln steht er auf und lässt sich an der Theke den Schlüssel für ein Zimmer geben. Er habe Glück noch eines zu erhalten, es sei momentan sehr viel los, wegen der Herbstkarawane, sagt man ihm.

Auf dem Zimmer legt Flothemil sein Bündel ab und lehnt sein schweres, in Stoff eingewickeltes Schwert gegen die Wand. Während der Zeit, als er mit der Karawane reiste, hatte er es eh nicht gebraucht. Er besitzt nicht viel. In dem Beutel ist nicht viel mehr als ein Säckel Münzen (immer noch mehr als ausreichend) und ein wenig Trockennahrung (an welche er nur noch mit einem Würgen denken kann). Müde und zufrieden, erfüllt mit Eindrücken und Erinnerungen legt er die Robe ab und legt sich ins Bett. Morgen würde er in die Badehäuser müssen (dringend, sehr dringend!) und sich erzählen lassen, was im letzten Jahr in Talyra geschehen ist.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Morgana am 20. Nov. 2004, 22:20 Uhr
Die Zeit vergeht wie im Fluge und es muss schon gegen Mittag sein, als die Hörner durch die Stadt schallen und die Ankunft der Herbstkarawane verkünden. Auch wenn die Hörner in der Harfe nicht in voller Lautstärke zu hören sind, so hat sie wohl doch jeder im Schankraum gehört und für einen Moment wird es still im Raum, ehe die Gespräche mit voller Lautstärke wieder beginnen und alles wild durcheinander redet, und über die Karawane gesprochen wird, die immer wieder ein besonderes Ereignis ist. Raven nimmt die Hörner als Zeichen des Aufbruchs und sie verabschiedet sich von Morgana mit Worten, die sehr rätselhaft sind, Morgana aber trotzdem schmunzeln lassen.  "Ich freu mich wenn du vorbei kommen würdest." Morgana verabschiedet sich von Raven mit einer herzlichen Umarmung, ehe diese sich mit einem lauten Schmatzer auf die Wange auch von Borgil verabschiedet, der Ian noch immer auf dem Arm hält.

Ian kaut mit Begeisterung auf einem Hühnerknochen herum und als Raven aus der Tür verschwunden ist, wendet Borgil sich wieder ihr zu und erzählt etwas davon, dass Ian wohl Zähne bekommt. Mit einem Lächeln nimmt Morgana ihren Sohn entgegen. "Ihr könntet Recht haben Borgil, alt genug dafür ist er und er nimmt im Moment alles zum kauen her, was er in seine kleinen Finger bekommen kann." Vorsichtig verstaut sie Ian wieder in dem Tragetuch. Ihr Blick fällt auf die junge Elfe, die Begleiterin des Magiers, die sich mittlerweile im Schankraum eingefunden hat. "Dem Magier scheint es besser zu gehen, zumindest scheint er zu schlafen. Die Wunde war verunreinigt, dürfte jetzt aber keien Probleme mehr machen...." Morgana beendet den Satz nicht ganz, denn ihr Blick ist auf einen Neuankömmling in der Harfe gefallen. "Sagt Borgil, ist das da drüben nicht Flothemil? Ich dachte er hätte Talyra verlassen, zumindest nach Asrais Aussage." Morgana weiss, dass Borgil eigentlich über alles Bescheid weiss, was so in Talyra geschieht, aber diesmal zieht auch er erstaunt seine buschigen Brauen nach oben und schaut zu dem Elb hinüber, der sich gerade erhebt und dnan die Treppe hinauf verschwindet. "Die Karawane scheint wieder alle nach Talyra zu ziehen, ich werde wohl morgen auch dorthin gehen, wenn sich der erste Trubel , nach der Ankunft gelegt hat."

Bei diesen Worten erhebt sich auch Morgana. Ian würde sich sicher nicht mehr lange nur mit dem Knochen zufrieden geben und lauthals nach richtiger Nahrung verlangen. "Ich muss jetzt auch wieder los, vielleicht komme ich morgen noch einmal herrein und schaue nach dem Magier, nachdem ich auf dem Platz der Händler war."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ellesedil am 22. Nov. 2004, 22:02 Uhr
Asvariel beobachtet genau die Leute in der Harfe. Sie studiert sie , wie eins der vielen Bücher die ihr Ellesedil aufgetragen hat zu lesen. Es kommen zwei Menschenfrauen herein. Anscheinen kennen sie sich nicht, aber die Eine bietet der anderen gleich einen Platz an ihrem Tisch an. Dann kommt noch ein Artverwandter von ihr zur Türe herein und steuert die Theke an. Eine gewisse Weisheit steht in seinen Augen. Asvariel vermutet das er viel Erlebt hat in seinem Leben.

Als er kurz in ihre Richtung blickt, nickt sie ihm zu und sieht in seine Augen die eine gewisse Traurigkeit oder Düsternis ausstrahlen. Dann nimmt er einen Schlüssel entgegen und geht die Treppe hoch. Die Elfe hat die Hörner sehr wohl gehört und ist neugierig was das wohl sein wird. Sie geht zu Herrn Borgil und fragt :“ Was sind das für Hörner Herr Zwerg. Sie hören sich an als kündigen sie etwas erfreuliches an". Mit großen Augen wartet sie auf die Antwort der Wirts und ein Lächeln der Vorfreude macht sich auf ihrem schönen Gesicht breit.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 23. Nov. 2004, 09:52 Uhr
>Sagt Borgil, ist das da drüben nicht Flothemil? Ich dachte er hätte Talyra verlassen, zumindest nach Asrais Aussage.< Erst bei Morganas Worten wird der Zwerg auf den Ankömmling aufmerksam, der sich an der Theke von einer der Schankmädchen einen Zimmerschlüssel aushändigen lässt und sich anschickt, sein Gepäck nach oben zu schleppen. "Das dachte ich allerdings auch", brummt er verwundert. "Scheint tatsächlich mit der Karawane angekommen zu sein." Was es nicht so alles zurück in die Stadt spült... Die Heilerin verabschiedet sich mit dem Versprechen, bald nach ihrem Patienten zu sehen und Borgil lässt zufrieden den Blick durch die Schänke wandern, während er seinen von Ian zerzausten Bart wieder in eine zwergenwürdige Form bringt. Trotz des Zwischenfalls am Vorabend scheint die Schankstube keine größeren Schäden davongetragen zu haben, die Beutelschneider sind außer Gefecht gesetzt, der Magier versorgt, die besoffene Diebin wieder ausgenüchtert, die meisten der flüchtenden Gäste haben inzwischen auch ihre Zeche bezahlt und sein Wanst ist mit einem reichlichen Frühstück gefüllt, so dass er sich in aller Ruhe wieder der dringend notwendigen Arbeit an den Kassenbüchern widmen kann.

Zwei fremde Frauen betreten kurz nacheinander die Gaststube, die eine blond, die andere dunkel, doch Halla, das Goldstück nimmt sich sogleich ihrer an und Borgil weiß sie bei ihr in guten Händen und kümmert sich nicht weiter darum, sondern steuert schnurstracks auf die Tür hinter dem Tresen zu. Er kommt allerdings nicht weit, denn eine melodische Stimme bremst ihn, noch bevor er aus der Gaststube entwischen kann. >Was sind das für Hörner Herr Zwerg? Sie hören sich an als kündigen sie etwas erfreuliches an.<

Unmerklich sträuben sich Borgils fuchsrote Brauen, als er sich auf dem Absatz umdreht und sich dem dünnen Elfenmädchen gegenübersieht, das der Magier mitgebracht hat. "Die Hörner? Sie verkünden das Eintreffen der Herbstkarawane, Mädel", erklärt er ungeduldig. "Draußen vor den Toren der Stadt auf dem Platz der Händler. Ein Riesenspektakel, sag ich Euch, Unmengen von Kaufleuten aus allen Winkeln Rohas, Gaukler, Spielmänner, Händler .... was Ihr dort nicht zu kaufen findet, findet Ihr nirgendwo. Wenn Ihr Euch eilt, könnt Ihr vielleicht noch Ihre Ankunft miterleben. Und nun entschuldigt mich bitte, ich habe noch eine Menge zu tun." Mit einem freundlichen, aber keine weitere Störung duldenden Lächeln verschwindet er aus der Schankstube.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 23. Nov. 2004, 11:10 Uhr
Halla nickt der Frau zu, die als Erstes geredet hat. "Das mit dem Essen und Trinken wird kein Problem sein, mit dem Zimmer vielleicht schon, es sei denn es macht euch nichts aus eine kleine Kammer zu nehmen. Die Herbstkarawane ist heute eingetroffen und die grossen Zimmer sind schon alle vergeben." Halla lächelt kurz entschuldigend und sieht aus den Augenwinkeln, wie Borgil sich zurück zieht oder vielmehr es will, denn die junge Elbe, die in Begleitung des Magiers hier ist, hält ihn auf.

"Was darf ich euch denn zu Essen bringen, eher was leichtes oder ein deftiges Mahl, lieber Wein oder Bier oder einen Saft oder Most?" Die blonde junge Frau am Tisch, sieht immer noch sehr schüchtern aus und Halla schenkt ihr ein freundliches Lächeln. "Darf ich ihnen auch etwas anbieten, oder habt ihr euch noch nicht entschieden? Übrigens mein Name ist Halla, , falls ihr später noch Wünsche haben solltet, ruft einfach nach mir."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ellesedil am 26. Nov. 2004, 15:07 Uhr
Asvariel hätte schon Lust gehabt dort hinzugehen, aber die Fürsorge für ihren kranken Mentor war größer. Ahh wie die Kinder Lachen und die Leute sich freuen. Die bunten Kleider der Gaukler und die Instrumente. Wie schön, aber Herr Ellesedil ist krank und braucht meine Hilfe vielleicht. Vielleicht kann ich ja mit ihm hingehen,  sobald  es ihm besser geht. Ich werde mal wieder nach ihm schauen. Die Elfe sieht sich noch mal in der Gaststube um und geht dann in das Zimmer des Kranken. Ellesedil liegt auf dem Bett und schläft ruhig und tief. Die Wunde sieht schon erheblich besser aus, was sie feststellt als sie den Verband wechselt.

Gegen Abend wacht der Elf auf, er fühlt sich noch nicht wirklich gut. Sein Körper kämpft noch gegen die Krankheit an, doch sein elfisches Blut hilft, das er sich schnell erholt. Asvariel holt ihm von unten noch eine warme Hühnerbrühe und die Natur macht den Rest.

Am Morgen des folgenden Tages erwacht er hungrig aber annähernd schmerzfrei. Asvariel erwacht sofort als ihre Sinne die Bewegung vor ihr wahrnehmen. „ Guten Morgen Meister Ellesedil, wie fühlt ihr euch?“ Der Hochelf setzt sich auf sieht die Elfe an und schenkt ihr ein dankbares Lächeln. Er weis, das sie nicht von seiner Seite gewichen ist und darauf geachtet hat das es ihm an nichts fehlt. „ Viel besser, danke. Ist irgend etwas passiert während ich im Bett lag?“ Asvariel bringt ihm seine Robe und meint, „eigentlich nicht, außer das die Herbstkarawane eingetroffen ist. Es soll viel anzuschauen und so gut wie alles zu kaufen geben, sagt Herr Borgil. Wenn es euch besser geht könnten wir vielleicht hinschauen.“
„ Gib mir fünf Minuten, dann bin ich unten. Nach einem kleinen Frühstück können wir gerne auf den Markt gehen. Geh doch bitte schon mal nach unten und frag nach etwas zu Essen“.
Asvariel die auf dem Stuhl eingeschlafen ist, richtet ihre Robe und läuft freudig nach unten.

In der Gaststube ist noch nicht viel los um diese Uhrzeit. Sie geht zum Tressen und sucht nach jemand. Doch anscheinend ist im Moment niemand in der Gaststube. „Hallo, ist jemand in der Küche?“ sagt sie so laut das man es in den Räumen hinterm Tressen hören sollte.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 26. Nov. 2004, 19:03 Uhr
Borgil kommt gerade aus einem der tieferen Vorratskeller nach oben, schleppt einen luftgetrockneten Verder Schinken und ein kleines Fäßchen Honig unter dem anderen Arm die schmale Stiege hoch und ächzt durch die Bodenluke, als er irgendwo über sich eine Stimme hört, die er langsam aber sicher schon kennt. >Hallo, ist jemand in der Küche?<  
Nein, warum auch? Meine Speisen kochen sich alle von allein... "Natürlich," schnauft er, während er seine kulinarischen Köstlichkeiten in die Küche hinüberträgt. "Ich nehme an, Ihr wollt Frühstück. Nun, seht Ihr, M'lady Asvariel, hier rennen ungefähr ein Dutzend Schankmaiden herum und wenn Ihr Euch einfach an einen der Tische setzt und auf Euch aufmerksam macht, dann bringen sie Euch, was immer auf den Karten steht und Euer Herz begehrt. Ihr müßt es einfach nur bestellen. Wie geht's Eurem Meister? Ist er wieder auf den Beinen? Setzt Euch doch an einen Fenstertisch, dann könnt ihr hinaussehen und das Wochenmarktstreiben beobachten. Zum Frühstück hätte ich heute Grütze mit Honig, gebratene Eier, Speck, frisches Brot, arme Ritter, Pfannkuchen und Maisflocken mit Milch. Hirsekuchen wären auch noch da, aber die sind schon etwas äh... trocken. Kann ich vielleicht sonst noch irgendetwas für Euch tun?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 26. Nov. 2004, 21:11 Uhr
Schlendern und schlendern und dabei darüber nachdenken welchen Punkt an der Decke sie beim Anschauen vergessen hat, das ist zum momentan Zeitpunkt ihre Hauptbeschäftigung. Manchmal zählt sie die Punkte auchimmer wieder bis drei und fängt dann von vorne an, wobei sie sich dran erinnert, was diese Heilerin zu ihr gesagt hat. Rechnen hatte das geheissen was die junge Frau ihr vorgeführt hat und der kleine Blutelbenmischling, sieht sogleich fragend zu ihren Fingern, zählt zwei ab und dann einen noch dazu: "Das... das... " Auf ihrer Stirn zeigen sich konzentrierte Falten und sie scheint sich wirklich anzustrengen, doch ihr will wahrlich nicht einfallen was zwei Finger und noch einer nun denn ergeben. Seufzend lässt sie sich auf der Bettkante nieder und sieht sich noch interessierter um, als ob es noch etwas gäbe was ihre farblosen Augen noch nicht erfasst hätten. Leider ist da nicht mehr eine Nische zu finden, in die sie nicht schon gekrochen ist und da bmerkt sie auch das sich ein wenig Müdigkeit in ihr breit macht. Immerhin ist sie jetzt ne ganze Weile in dem gemütlichen Zimmer herumgelaufen und das, wo sie ihre Beine so lange nicht benutzt hat.

Wie eine kleine Katze kugelt sie sich auf dem Bett zusammen, kuschelt sich regelrecht in die flauschige Decke ein und denkt immer wieder über die Zahlen nach, die doch so verflixt schwer sind. In Gedanken versunken schläft sie schliesslich wieder ein, ein zufriedenes Lächeln auf den bleichen Lippen und die Miene völlig entspannt. Sie ist hier ja in Sicherheit, das sagt ihr ihr Magen deutlich.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ellesedil am 29. Nov. 2004, 07:59 Uhr
„Grütze mit Honig, das wäre sehr gut und für Herrn Ellesedil bitte die Eier mit Speck. Ihm geht es heute wieder viel besser. Lady Morgana hat hervorragend gearbeitet. Danke im voraus Herr Borgil“. Dann schlendert sie frohgelaunt zum Fenstertisch und setzt sich dorthin.
Sie schaut nach draußen auf die Straße, dort verfolgt sie das Treiben der Stadt bis sie merkt das ein guter Geruch in ihre Nase steigt. Auf dem Tisch stehen wie von Geisterhand die bestellten Speisen. Ich bin wohl etwas abwesend gewesen. Sie sieht wie Ellesedil am Tresen mit dem Zwerg spricht.

Ellesedil, nachdem er sich frisch gemacht hat und seine Kleidung geordnet hat, läuft langsam nach unten. Ihm fehlt noch etwas die Kraft in seinen Beinen aber das wird sich legen. Unten angekommen sieht er seine Schülerin an einem Fenstertisch sitzen und vor sich hinträumen.
Er sieht den Zwerg hinter seinem Tressen arbeiten und sagt dann  „ guten Morgen Herr Borgil, vielen Dank für eure Hilfe. Ich und meine Schülerin schulden euch was. Ich habe da noch eine kleine Frage. Wer hat mich den behandelt? Asvariel hat wohl andere Dinge im Kopf und hat vergessen es mir zu sagen.“ Er schaut kurz zu ihr und dreht sich dann wieder dem Zwerg zu. „ Ich möchte mich gern bei dem Heiler bedanken und ihn entlohnen.“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 29. Nov. 2004, 18:44 Uhr
"Einmal Grütze mit Honig und einmal Eier mit Speck, kommt sofort junge Dame!" Borgil gibt ihre Morgenmahlbestellung in die Küche weiter und widmet sich dann wieder der Kassenschatulle, den Notizen für die spätere Schicht an Servierjungen und Schankmaiden und den allmorgendlich anfallenden Thekenarbeiten. Es dauert nicht lange, ehe der Elbenmagier höchstpersönlich an seinem Tresen erscheint. "Euch auch einen Guten Morgen, Meister Elb. Na, wieder unter den Lebenden?" Er nickt zu dessen Schülerin an einem der Fenstertische hinüber, doch der Magier hat anscheinend noch etwas auf dem Herzen... und Borgil muß auch gar nicht lange darauf warten. >Ich habe da noch eine kleine Frage. Wer hat mich den behandelt? Asvariel hat wohl andere Dinge im Kopf und hat vergessen es mir zu sagen.<
"Wer Euch behandelt hat? Oh, das war Morgana, die Heilerin. Die Beste ihres Fachs, wenn Ihr mich fragt, hat schon halb Talyra wieder zusammengeflickt. Wenn Ihr Euch persönlich bei Ihr bedanken wollt, nur zu. Eure Behandlungskosten hat sie allerdings auf Eure Rechnung setzen lassen, ist nicht viel. Ihr bezahlt das einfach, wenn Ihr Euren Aufenthalt in meinem Gasthaus beendet mit und ich gebe es an Morgana weiter. Oder aber wir streichen das hier von Eurer Rechnung und Ihr gebt es Ihr selbst, wie es Euch beliebt. Ihr könnt Ihr Haus nicht verfehlen, es ist direkt vor dem Nordtor. Eure Schülerin kennt den Weg dorthin. Entschuldigt mich, ich habe eine Menge zu tun, wie immer. Und Euer Frühstück wartet auf Euch."
Borgil nickt dem Magier noch einmal zu und verschwindet dann auf der Suche nach seinem langsam genesenden Schützling  mit einer Portion Rühreiern und frischem Brot in seine Privatgemächer. Azra schnarcht friedlich wie ein Murmeltier in ihrem Bett und Borgil lüpft vorsichtig die Decke, die sie halb über die Augen gezogen hat. "Aufstehen, Schlafmütze. Dein Frühstück wird kalt und es ist heller Tag."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ellesedil am 30. Nov. 2004, 08:32 Uhr
„Sollte ich es nicht finden wird mir bestimmt jemand auf der Straße weiter helfen.“ Er nickt dem Zwerg noch mal freundlich und dankbar zu und geht dann zum Tisch seines Schützlings.

„So Asvariel, Aufwachen, Essen und dann gehen wir hinaus. Ich möchte noch kurz zu der Heilerin die mich behandelt hat und dann schauen wir uns in der Stadt um.“ Asvariel schaut zu dem Hochelb und mit strahlendem Gesicht sagt sie, „ das wird bestimmt schön.“ Als der Hochelb mit einem Stück Speckstreifen fertig ist meint er zu seinem Lehrling, „Wenn uns später die Zeit bleibt möchte ich mir noch unser neues Zuhause ansehen. Wir müssen da bestimmt viel machen. Ich hoffe es gibt hier gute Handwerker in dieser Stadt.“ Asvariel schlingt ihr Frühstück runter und kann es kaum erwarten. Sie ist weit vor dem Magier fertig. Dieser sieht sie nur an, lächelt und sagt, „Meine liebe Asvariel, du musst alles im Leben genießen. Nur wenn du dir zeit lässt wirst du merken wie gut der Honig schmeckt und wie gut es tut, wenn er deinen Hals hinunter fließt.“ Mit der Gabel reicht er ihr ein Stück Speckstreifen. Sie beißt rein und lässt sich Zeit. „ Ich denke ihr habt recht Herr Ellesedil, aber wenn ich mir hier Zeit lasse, verpasse ich vielleicht etwas von der Karawane.“ Der Hochelb lacht herzhaft, „ Da habt ihr vielleicht Recht, Lady Asvariel“. Er isst schnell runter, obwohl er das normalerweise nicht machen würde, aber die Augen der jungen Elbin sprechen Bände.

Als sie fertig sind, stehen die beiden auf, bringen das Geschirr zum Tresen und gehen dann hinaus in den Trubel der Stadt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Celdor am 30. Nov. 2004, 22:42 Uhr
Nach einem nicht enden wollenden Fußmarsch steht Celdor nun vor einer großen, schweren Tür. Hinter der Tür scheint eine erheiternde Stimmung zu herrschen. Man kann deutlich hören wie manche Personen lachen und gröhlen. Es ist eigentlich nicht sein Ziel, die Kneipe ist  nur ein kurzer Zwischenstop auf seiner Suche.  
Der Wind weht und beißt im Gesicht. Er zieht seinen langen, schwarzen Mantel enger und die Kaputze tiefer ins Geischt.  
Sein Amulett welche er um den Hals trägt versteckt er so das niemand einen Blick drauf werfen kann. Unter seinm Mantel überprüft er ob noch alles in seiner Tasche am richtigen Platz ist.

Kurze Zeit steht er noch vor der Tür um nicht all zu Fremdlich zu wirken.  

Schließlich gibt sich Celdor einen ruck und geht hinein. Mit der Kaputze tief im Gesicht  sieht er sich um und sucht sich eine ruhige und nicht so lebhafte Ecke um sich dort zu setzen und zu rasten. Rechts neben dem Kamin erblickt er dann einen Tisch welcher nicht besetz scheint. Entschlossen hier wenigstens für eine oder zwei Stunden zur Ruhe zu kommen macht sich der Fremde, welcher von den anderen anscheinend nicht weiter beachtet wird, auf den Weg zu dem Platz am Kamin.
Es ist ihm nicht wohl dabei sich durch die Mengen zu zwängen vorallem wenn es verschiedene Rassen waren welche ihm unter umstände nicht wohl gesonnen sein könnten.
Endlich am Tisch angekommen setzt er sich so das er fast den ganzen Raum so gut es geht im Blick hat.  
Eigentlich kann man hier gar nicht zur Ruhe kommen, denkt er sich als er das Treiben so beobachtet.

Kurz hält er ausschau nach dem Wirt in der Hoffnung das er ihm eine Auskunft geben könne. Doch in dem ganzen Tumullt sieht er niemanden welcher wie ein Wirt aussieht außer einen Zwerg welcher durch die Menge wusslt. Als diese dann bei ihm am Tisch vorbei kommt legt er ihm die Hand auf die Schulter. Seine Hand ist dunkel fast schwarz.
Er fragt den Zwerg: "Entschuldigung, wisst ihr wo und wer der Wirt dieses Hauses ist?" Unter seine Kaputze kann man durch das Licht etwas seine Grünen Augen erkennen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Madam Pileh am 01. Dez. 2004, 21:13 Uhr
Mit dem Botenmädchen im Schlepptau betritt Madam Pileh den Schankraum. Nach Rauch, Alkohl und köstlichem Bratenduft riecht die warme Luft, die ihnen entgegen schlägt, als sie die alte Holztüre zum Gasthaus aufzieht.

Wie befürchtet sind fast alle Tische voll besetzt. Unsicher blickt sie sich um, während sie sich zur anderen Seite durchkämpft. Am Tisch in der hintersten Ecke, links hinter dem Tresen, entdeckt sie noch ein paar freie Plätze und steuert zielstrebig darauf zu. Die drei Handwerker am Tisch nicken ihr zu und so setzten sie sich auf die beiden freien Stühle, die Treppe im Rücken.

Wenn es auch nicht leise ist, so ist es doch nicht so laut, dass sie sich nicht unterhalten können. Den Umhang hat sie hinter sich auf die Stuhllehne gelegt, die Geldkatze ruht auf ihrem Schoß. Die Männer essen schweigend und sie will sich gerade dem Mädchen zuwenden, da kommt eine freundliche kleinwüchsige Schankmagd und fragt nach ihren Wünschen. Die Getränke und das Essen sind schnell bestellt und Madam Pileh sieht das Mädchen wieder an.

"Ich sollte mich vorstellen. Ich bin die Schneiderin Madam Pileh. Ich beziehe gerade wieder mein Elternhaus. Es ist das Haus gegenüber vom Haus der Bücher, an der Ecke Sithechtempelstraße." Sie lässt das Mädchen diese Information aufnehmen, dann fährt sie fort. "Ich habe nicht einen Brotkrumen im Haus, überhaupt nichts Eßbares. Kannst du mir ein kleines Brot kaufen, ein paar Eier, einen Tiegel mit frischer Butter und einen mit Marmelade? Achja und Kekse brauche ich, falls Kundschaft kommt, und einen kleinen Beutel Tee." Sie schüttelt den Kopf. "Ich könnte sofort beginnen ein Kleid zu nähen, dafür habe ich alles da, aber nichts zu essen." Sie lacht leise und holt genug Silberstücke aus ihrer Geldkatze und legt sie dem Mädchen in die Hand.

"Wenn du Hunger hast bestelle ich dir auch gerne etwas zu essen. Du musst wissen, mir liegt daran, dass es dir gut geht, denn ich würde dich gerne als Botenmädchen für meine Schneiderei haben. Ich werde jemanden brauchen, der mir jeden Morgen frisches Brot und frische Milch bringt und was mir gerade im Haus fehlt."

Ich hoffe ich erschrecke sie nicht mit meinen Wünschen. Madam Pileh lächelt das Mädchen neben sich wieder freundlich an, doch plötzlich fährt sie erschrocken auf, als sie eine schnelle  Bewegung hinter sich wahrnimmt. Sie war so in ihr Gespräch vertieft, dass sie nicht auf die Umgebung um sich herum geachtet hat, doch es ist nur die Schankmagd, die ihnen ihre Getränke bringt. Erleichtert atmet sie auf und greift nach dem Becher mit dem heißen Gewürzwein und nach ein paar Schlucken breitet sich die Wärme des winterlichen Getränkes wohltuend in ihr aus.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Dixie am 02. Dez. 2004, 00:04 Uhr
Die Harfe ist um diese Zeit natürlich sehr gut besucht und so finden die Menschenfrau und das Halblingsmädchen schließlich nur noch einen halb besetzten Tisch, doch wenigstens haben sie einen Sitzplatz und die Handwerker stören Dixie nicht. Nachdem sich Madam Pileh vorgestellt hat und für sie beide etwas zu Trinken und für sich selbst auch Essen bestellt hat, kommt sie endlich mal genauer auf den geschäftlichen Teil zu sprechen. Hört sich leicht an. "Habt ihr denn noch spezielle Wünsche? Die Herbstkarawane ist da und da lässt sich recht leicht etwas besonderes auftreiben. Wenn nicht, kann ich den Auftrag aber auf jeden Fall übernehmen, kein Problem." Schon komisch, genug Stoff für ein Kleid aber nichts zu Essen. Die Bessesenheit einer Schneiderin würde ich mal sagen.
>"Wenn du Hunger hast bestelle ich dir auch gerne etwas zu essen.< Hmm auch noch?, denkt sie etwas mißtrauisch und die darauf folgenden Worte von Madam Pileh erstaunen sie wirklich, vor allem da diese Person nach der kurzen Zeit, doch noch gar nicht wissen kann, ob sie wirklich fleißig und zuverlässig ist. Die Mogbarbedienung ist bei den Worten der Schneiderin stehengeblieben, statt weiter umherzuwuseln, wohl in Erwartung gleich eine weite Bestellung aufnehmen zu können. "Nein danke", wendet sie sich nur kurz der Bedienung zu, die dann auch sogleich verschwindet, um sich um die anderen Gäste zu kümmern. "Habe schon gegessen", fügt sie dann noch für Madam Pileh hinzu, da ihr das Angebot in Verbindung mit diesem Dauerauftrag auch nicht ganz geheuer ist.

Dixie grübelt aber trotzdem über das Angebot nach, zwar hat sie schon Stammkunden, aber solche um die sie sich täglich kümmern muss nicht und das findet sie auch gut so. Sonst hab ich am Ende nur noch Stammkunden bei denen ich täglich irgendetwas bringen oder wegbringen muss und ich hab gar keine Abwechslung mehr sondern immer nur die gleiche Rennerei unter gleicher Bezahlung und dann bleibt mir nur noch die Abwechslung mit den Frauen, Tanten und Mägden zu tratschen, oh nein! So schnell diese Gedanken aber auch gekommen sind, machen sie für andere Platz: Allerdings würde ich dann mit einer Sicherheit mal täglich etwas verdienen... sie könnte mich aber genausogut durch ein anderen Boten ersetzen, wenn es ihr in den Kram passt!, meldet sich aber sicherheitshalber noch ihre mißtrauische Seite.
Dann merkt die Botin, dass sie schon einige Augenblicke und ohne Madam Pileh zu antworten, wie angewurzelt am Tisch sitzt. "Ahm, das muss ich mir erst noch überlegen", ist daher auch erstmal ihre einzige Antwort darauf. Nach ihren Worten nimmt sie einen Schluck von ihrem Tee, Gewürzwein wie die Schneiderin wollte sie nicht, schließlich kann sie es sich nicht leisten durch die Straßen zu torkeln und dann an die Türen zu fallen anstatt zu klopfen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Madam Pileh am 02. Dez. 2004, 01:27 Uhr
"Die Herbstkarawane?" Madam Pileh erinnert sich wieder an dieses Ereignis jeden Herbst und ihre Augen leuchten auf. "Darum waren auf dem letzten Stück des Weges so viele Leute nach Talyra unterwegs." Da gibt es bestimmt Limonen zu kaufen. Die halten sich unten im Keller.

Madam Pileh sieht ihre Befürchtung bestätigt, als das Botenmädchen ihr zur Antwort gibt, dass sie sich das mit dem allmorgendlichem Botengang überlegen müsste. Es wäre schade. Sie macht so einen ordentlichen Eindruck. "Ja, überlege es dir. Du weißt wo ich wohne und das ist leider ein ganzes Stück vom Marktplatz entfernt, wo man fast alles bekommt, was man zum Leben braucht."

Madam Pileh spricht nicht weiter darüber, denn sie vermutet, dass sie sich dadurch nur bedrängt fühlen würde. Anstelle dessen nippt sie an ihrem Gewürzwein, der ihr schon etwas in die Glieder gefahren ist. Wenn ich nicht langsam etwas esse bin ich gleich betrunken. Sie hat es kaum gedacht, da kommt die Schankmagd mit einem Teller voll mit Wildgulasch und Kartoffeln und einem kleinen Körbchen mit Brot. "Danke, und bitte, bringt mir noch einen Gewürzwein," wendet sie sich an die Schankmagd. Das Essen durftet köstlich. "Falls du bei dem Anblick Appetit bekommen hast bestelle ich dir gerne was davon. Es verfplichtet dich zu nichts. Ich esse gerne in Gesellschaft." Mit diesen Worten lächelt sie das Mädchen wieder freundlich an und beginnt zu essen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 02. Dez. 2004, 12:31 Uhr
Sie wird nicht von Träumen geplagt und schläft den schlaf der Gerechten, mit einem zufriedenen Lächeln auf dem bleichen Gesicht.
Ja, sie fühlt sich einfach geborgen in dieser sanften schwarzen Dunkelheit, bis ihr plötzlich ein köstlicher Duft in die Nase steigt. Da, aus den Schatten kommt etwas auf sie zugeflogen, etwas grosse, etwas Leckeres... Eine Schüssel von Rührei fliegt ihr kurz vor der Nase hindurch und entkommt gerade noch so knapp ihren Händen, die befehligt von dem hungrigen Magen, gierig danach schnappen. Doch die Schüssel saust vorbei, zieht eine Schleife und treibt das gleiche Spiel noch einmal. Azras Magen fühlt sich an, als hätte sich dort eine Horde hungriger Hunde niedergelassen, so sehr knurrt er und wieder versucht sie mit einem energischen Ausdruck die hölzere Schüssel zu ergreifen.

"Aufstehen, Schlafmütze. Dein Frühstück wird kalt und es ist heller Tag." Schläfrig öffnet Azra die Augen, blinzelt dreimal bevor sie den roten Bart und die funkelnden Augen erkennt. Wieder zeigt sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht, kindlich erfreut, als hätte man ihr gerade ein Bonbon geschenkt. Naja, der Herr Zwerg ist ja auch sowas wie ein Bonbon, für sie immer eine Wohltat wenn er zu ihr kommt. Und da steigt ihr bereits wieder der köstliche Duft in die Nase und mit glänzenden Augen betrachtet sie das Mahl, welches er ihr mitgebracht hat. Ohhh, am liebsten würde sie alles auf einmal hinunteschlingen, doch hält sie sich zurück und schmiegt sich stattdessen vorsichtig ein wenig des Zwergen Schulter, ein zufriedenes Seufzen ausstossend.

Das Mahl selbst ist schnell beendet, ihr Magen hat flink danach verlangt und wenn es vorher auch nach Viel ausgesehen hat, so straft die Schnelligkeit, mit welcher die ganze Portion schliesslich verschwunden ist, dieser Tatsache Lüge. Völlig zufrieden und gesättigt, sieht sie schliesslich kurz zum Fenster und stellt wirklich mit Erstaunen fest, das es bereits schon hellichter Tag ist. ein verblüffter ausdruck tritt auf ihre Miene, doch dann lacht sie leise auf und strahlt den Zwergen regelrecht an: "Schon bald wird wieder Schnee kommen, da ist es schön wenn die Sonne noch einmal scheint."
Nun überhaupt nicht mehr müde oder hungrig, jedoch noch leicht schläfrig, kugelt sie sich wieder zusammen und legt ihren Kopf auf den Schoss des Zwergen, bevor sie schliesslich leise murmelt: "Hm... Ich würde gerne wieder einmal auf Bäume klettern, so richtig weit hinauf. Habt ihr das früher auch einmal gemacht?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Dixie am 02. Dez. 2004, 14:25 Uhr
Also nichts spezielles, schließt Dixie aus den Worten von Madam Pileh und nickt nur auf deren Feststellung, dass deshalb wohl soviele nach Talyra wollten. Als das Essen für die Schneiderin kommt und als diese ihr das zweite Mal anbietet, sich auch etwas zu essen zu bestellen, überlegt sie zwar, es sieht schließlich recht lecker aus und es ist für sie eine seltene Gelegenheit, lehnt dann aber ab, mit vollen Magen läuft es sich nicht so gut. "Ich denke ihr habt genug Gesellschaft hier in der Harfe", sagt sie leicht grinsend, bei den vielen Leuten. "Ich hab jetzt zu tun, ich werd noch einen anderen Auftrag erledigen und mich dann um euren kümmern. Bis dann."

Die Münzen die ihr Madam Pileh voher in die Hand gedrückt hat, hat sie inzwischen eingesteckt und so hoppst sie nur noch vom Stuhl herunter und geht zum Ausgang. Allerdings wäre sie dabei beinahe mit einer der Mogbars kollediert, die es ebenfalls gewohnt sind sich durch die Mengen zu schlängeln, aber es geht noch gerade gut. Nur einer der Krüge hat ein wenig Met auf das Tablett verschüttet, aber nach dem Gesicht der Mogbar zu urteilen, nimmt sie es ihr nicht übel. Dann verschwindet Dixie auch schon aus der Goldenen Harfe und geht auf den Marktplatz.  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Madam Pileh am 02. Dez. 2004, 15:26 Uhr
Madam Pileh genießt das gute Essen und verschluckt sich beinahe, als das Botenmädchen meint, sie hätte genug Gesellschaft hier. Leises Lachen ist von ihr zu hören. "Wegen der vielen Leute habe ich gerne jemanden dabei, der mich eben von der Gesellschaft ablenkt." Sie ist so offen und ehrlich und sagt was sie denkt. Ein reizendes Geschöpf und so gewitzt.

Wie eine Alte erklärt sie ihr, dass sie noch zu tun hätte und ist auch schon vom Stuhl runter und verschwindet aus ihrem Blickfeld.  Sie wird sich nach einem anderen Auftrag um meinen kümmern. Dann werde ich hier nicht auf sie warten und nach dem Essen gleich heim gehen. Ich hätte ihr den weiten Weg gerne erspart.

Madam Pileh nickt zum Abschied den Handwerkern kurz zu. Sie haben ihr Mahl beendet und verlassen den Tisch mit schweren Schritten. Unruhig blickt sie sich um. Wer weiß, wer sich jetzt zu mir setzt? Das Wildgulasch schmeckt so gut, dass sie bald diesen Gedanken vergisst.

Ich werde das kupferne Schneiderschild gleich aufhängen, wenn ich zurück komme... Ein Bad in dem großen Badezuber wäre genau das Richtige nach der langen Reise... Ich sollte den Kessel draußen feuern und das Badewasser aufheizen... Wenn aber dann das Botenmädchen kommt? Ein Gedanke nach dem anderen kommt und geht. Sie bestellt noch einen Gewürzwein und ihre Augenlider werden immer schwerer, die Geräusche entfernen sich merkwürdig von ihr, doch sie hat noch Wildgulasch auf dem Teller und sie ist noch lange nicht satt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Madam Pileh am 02. Dez. 2004, 20:54 Uhr
Irgendwann ist der Teller leer, das Wildgulasch verspeist und der letzte Tropfen Gewürzwein getrunken. Madam Pileh erhebt sich mit leicht benebelten Sinnen und legt sich ihren Umhang gekonnt um die Schultern. Hinter der Treppe hat sie Platz, das in Ruhe zu tun. Der Schankraum ist noch immer voll, nur hier und da sind einzelne Stühle an den Tischen frei geworden. Langsam schiebt sie sich zwischen den Tischen hindurch, zu der anderen Seite des Tresen hin und bezahlt dort ihre Zeche und das Getränk des Botenmädchens.

Mit einem Ruck wird die Türe von draußen geöffnet als sie gerade ihre Geldkatze in die tiefe Tasche ihres Umhanges fallen lässt. Mit einem Abschiedsgruß und einem kurzen Nicken zu der Schankmagd hin schlüpft sie durch die offene Türe. Es sind Marktfrauen, die sich mit lauten Worten in die Harfe drängen, mit roten Nasen und sich die Hände reibend.  

Wie sie das nur aushalten?, bei der Kälte auf dem Markt? Der kalte Wind schlägt ihr mit Wucht ins Gesicht und vorbei ist es mit benebelten Sinnen. Mit einem Mal ist sie hellwach und nach der Wärme im Wirtshaus hat die Kälte etwas Erfrischendes. Graue Wolken haben sich tief über die Stadt gesenkt und es liegt Schnee in der Luft. Vielleicht sehe ich das Botenmädchen hier irgendwo.

Madam Pileh blickt sich um, die Kapuze immer tiefer ins Gesicht ziehend, um sich vor dem eisigen Wind zu schützen. Zwei Zwerge rennen sie beinahe um, die mit gesenktem Kopf in die Harfe stürzen und schnell tritt sie einen Schritt zur Seite, weg von der Harfentüre. Keine Spur von ihr. Ich sollte sehen, dass ich heim komme. Eiligen Schrittes trippelt sie auf ihren eleganten Lederstiefeln los. Der Wind kommt von Norden und schiebt sie vor sich hin. Ich sollte meinen Umhang ausbreiten und nach Hause segeln. Ein leises Kichern bemächtigt sich ihrer, das den halben Weg durch die Stadt nicht aufhören will. Sie kann sich nur mit Mühe zurückhalten, nicht den Umhang auszubreiten.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Raven am 04. Dez. 2004, 13:19 Uhr
Als Raven vor der Goldenen Harfe steht, zitternd und frierend und kaum mehr als ein Häuflein Elend zwischen wirbelnden Schneeflocken, verlässt sie fast der Mut. Nachdem sie den Strand hinter sich gelassen hatte, hatten ihre Füße sie in der Hoffnung vor das wuchtige, alte Wirtshaus getragen, hier eine Unterkunft für Stelze und das Pferd zu finden, die sie beide nicht dorthin mitnehmen kann, wo sie nun hingehen wird. Sie irgendwo allein zu lassen, draußen im Larisgrün oder in dem düsteren, kalten Häuschen nicht weit von hier, bringt sie nicht übers Herz und so hat ihr Weg sie schließlich zur Harfe geführt, wo sie beide gut aufgehoben weiß. Das einzige Problem, das es jetzt noch zu überwinden gilt, ist ihr alter Freund Borgil, der zu ihrem Leidwesen mit äußerst scharfen Augen und Ohren ausgestattet ist und dem kaum jemals etwas zu entgehen scheint. Sie führt den Braunen am Zügel zu den Ställen des Gasthauses hinüber, deren Wärme sie nach den langen Stunden in der nebligen Kälte der Straßen wie ein wohltuender Mantel einhüllt. Es riecht nach Heu und warmen Pferdeleibern und nichts als ein gelegentliches Schnauben und Kettenklirren unterbricht die friedliche Stille. Raven erscheint es wie ein Paradies und sie hätte wissen die Götter was dafür gegeben, sich irgendwo einfach in einem Strohhaufen verkriechen zu können.

Die Stallgasse ist nur spärlich von einigen Laternen erhellt und in dem dämmrigen Halbdunkel findet sie nach einigem Suchen auch einen der Stalljungen, der leise hinter einigen Strohballen schnarcht. Sie weckt ihn, drückt ihm die letzten Münzen aus ihrer Geldkatze in die Faust und schärft ihm ein, sich gut um das Pferd zu kümmern, was er mit einem verschlafenen Nicken quittiert und sich auf die Beine müht, um den Braunen in eine freie Box zu bringen. Anschließend verlässt Raven den Stall wieder und läuft die wenigen Schritte zur Tür des Wirtshauses hinüber, vor der Stelze wie angenagelt auf den Stufen sitzt und auf sie wartet.

Die Schänke ist an diesem Abend fast bis auf den letzten Platz besetzt und die Wärme und der Qualm, der Raven entgegenschlägt, rauben ihr fast den Atem, als sie eintritt. Schankmädchen hasten mit vollbeladenen Tabletts durch den Raum und sie kann sich nur mit Mühe einen Weg zum Tresen bahnen. Weder Halla noch den Zwerg kann sie in dem Gedränge erspähen und sie ist ganz froh darum, ihnen in ihrem ziemlich aufgelösten Zustand nicht über die Füße zu stolpern. Stattdessen fragt sie Grid, eine der Mägde, die hinter der Theke mit flinken Fingern die Krüge mit schaumigem Bier füllt, ob sie den Hund eine Weile hier lassen kann. Grid scheint jedoch unschlüssig zu sein, ob sie das alleine entscheiden kann und druckst erst eine Weile herum, bevor sie unsicher erwidert: "Das weiß ich wirklich nicht, da fragt lieber Borgil selbst. Er ist hinten in seinen Gemächern." Als Raven zögert, macht sie eine wedelnde Handbewegung in Richtung der Tür. "Nun geht schon, Ihr kennt doch den Weg. Den Hund könnt Ihr einstweilen bei mir lassen."

Vor dem Zimmer, aus dem sie Borgils Stimme und noch eine andere, ihr unbekannte, vernehmen kann, stocken Ravens Schritte. Was soll ich ihm nur erzählen? Er wird ohnehin sofort wittern, dass etwas nicht stimmt, so sicher wie ein Bluthund seine Fährte findet. Mit fahrigen Fingern versucht sie, den ziemlich zerzausten Zopf einigermaßen in Ordnung zu bringen und klemmt sich die lose herumhängenden Haarsträhnen hinters Ohr, bevor sie den Umhang so um ihren Körper schlingt, dass man weder die arg mitgenommene, blutbefleckte Kleidung, noch das aufgeschlagene Knie oder den Verband um ihr Handgelenk entdecken kann. Einzig der Riss auf der Wange sieht verräterisch aus und die kaum zu verbergende Verzweiflung in ihren dunklen Augen. Aber sie hat ohnehin nicht vor, länger als nötig zu bleiben, schon allein um Borgils unangenehmen Fragen auszuweichen. Sie holt einmal tief Atem und klopft an das dunkle Holz der Tür, um sie gleich darauf auch schon zu öffnen.

Die Szene, die sich ihr in dem kleinen Raum bietet, bringt sie allerdings doch ein wenig aus der mühsam gewonnenen Fassung: Borgil sitzt auf einer Bettkante und in seinem Schoß ruht der Kopf eines Mädchens mit hellen, wirren Haaren, die gerade mit leiser, schnurrender Stimme zu ihm spricht. Einen Augenblick starrt Raven perplex den Zwerg an, bevor sie mit hochrotem Kopf wieder zur Tür hinausschießt. Erst als Borgil sie hörbar amüsiert zum Eintreten auffordert, wagt sie sich mit verlegenem Blick wieder hinein. "Ich ... Verzeihung, ich wollte dich nicht stören", stottert sie, "Grid hat gesagt, dass ich dich hier finden könne." Borgil lässt nur ein süffisantes Grinsen sehen und so sprudelt sie hastig weiter. "Ich muss Stelze und das Pferd eine Weile bei dir lassen, ich hoffe, das ist in Ordnung, ich werd's natürlich auch bezahlen. Ich weiß nur im Moment nicht, wohin mit ihnen, weil ich etwas dringendes erledigen muss, wobei ich sie nicht brauchen kann und ... ich muss, ich ... " Händeringend sucht sie nach irgend einer Erklärung, die seine skeptisch gesträubten Augenbrauen wieder glätten würde. "Ich muss etwas für einen Freund tun, das sich nicht aufschieben lässt." Der Blick, den sie Borgil zukommen lässt, ist ein Blick mit gefalteten Händen und in ihm liegt deutlich die flehende Bitte, keine Fragen zu stellen. "Es ist wichtig, glaub mir. Und es duldet keinen Aufschub. Vielleicht .... vielleicht kann ich es dir irgendwann erklären. Nur nicht jetzt - ich muss weg." Mit diesen Worten ist sie auch schon wieder zur Tür hinaus und läuft eilig in die Schankstube zurück. Stelze hat es sich inzwischen mit einem großen Kalbsknochen zwischen den Pfoten hinter dem Tresen gemütlich gemacht, wo er das Fluchen und das Stolpern der Schankmädchen mit stoischer Ruhe über sich ergehen lässt. Raven muss den Blick abwenden, weil sie es kaum ertragen kann, ihn hier zurückzulassen, und verlässt fluchtartig die Wirtsstube.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 04. Dez. 2004, 14:40 Uhr
In Borgils Privatgemächern



"Auf äh... was? Auf Bäume?" Ein fast lautloses, aber dafür umso mehr erheitertes Lachen erschüttert Borgils Brustkorb und mit ihm auch Azra, die den Kopf auf seine Knie gebettet hat. "Na, bevor ein Baum mich trägt, trag ich eher ihn oder?" kichert er schließlich. "Aber hörmal, wenn du Eichhörnchen spielen willst, vor der Harfe stehen drei riesengroße Bäume und irgendwer muß ohnehin die Laternen vom Sommer noch herunterholen... wenn du willst, kannst das gleich du erledigen." Sie sieht aus großen Augen zu ihm hoch und Borgil nickt. "Sieh mal, Mädel, du bist jetzt fast wieder ganz gesund und du kannst dein Leben ja nicht ewig in meinen Gemächern verbringen... nichts gegen deine Gesellschaft, Kleines. Und vielleicht probierst du auch erstmal leichtere Sachen aus, ehe du mit Kletterei anfängst. Aber du willst doch noch hier heimisch werden, oder? Und das geht nunmal nur, wenn die Leute sich an dich gewöhnen können und du dich an sie. Die meisten von ihnen sind ganz in Ordnung... und he, wenn sie einen leibhaftigen Dämon in ihrer Mitte geduldet haben - hier spielt er auf Andariel Aeyolscaer an, denn auch wenn diese die Stadt schon lange verlassen hatte, sie hatte eine ganze Weile hier friedlich gelebt - dann werden sie dich auch akzeptieren. Du stehst unter meinem Schutz und unter dem des Lord Commanders, dir wird also nichts passieren. Vielleicht... äh... vielleicht arbeitest du eine Weile für mich, gehst Halla zur Hand und so. Dann haben die Harfengäste Gelegenheit, dich zu beobachten und du kannst dir in aller Ruhe die Leute ansehen, die hierher kommen. Aber das mußt du natürlich nicht... huch..."

Ein hastiges Klopfen reißt Borgil aus seinem Gespräch, doch noch ehe er "Herein!" sagen kann, fliegt die Tür auch schon auf und Raven steht vor ihm. Sie starrt ihn verdattert an und und macht hochrot auf dem Absatz kehrt, so daß Borgil sie lachend zurückruft. "Keine Bange, Raven. Du hast nicht gestört. Raven, eine alte Freundin von mir, Azra, mein Schützling," stellt er vor. Doch bevor er noch irgendetwas anderes herausbringt, schießt Raven wirre Erklärungen auf ihn ab wie Erbsen aus einem Blasrohr, erzählt händeringend etwas von einer dringenden Angelegenheit, die sie unbedingt für einen Freund erledigen müsse und ist auch schon wieder zur Tür hinaus, bevor Borgil noch ein "Aha!" über die Lippen kommt. "Potzblitz und Donnerdrummel!" Er legt vorsichtig Azras Kopf zurück auf das Kissen und steht auf. "Was war das denn?" Die Frage ist an niemanden speziell gerichtet und die Wände seines Gemaches können sie ihm sowieso nicht beantworten. "Bin gleich zurück, nur ein Moment!"Er hastet hinter Raven her, doch wie befürchtet holt er sie nicht mehr ein und in der Schankstube stolpert er über Stelze, der einen dicken Kopfverband trägt. "Ach du Schande, was ist denn mit dir passiert?" Da er von dem Hund keine Antwort auf diese Frage erhält und nicht genau weiß, was ihm außer einer blutenden Kopfwunde noch fehlt, nimmt er ihn kurzerhand mit zu Azra in seine Gemächer. Was immer Stelze geschehen sein mag, Borgil kann sich nicht vorstellen, daß der Lärm und der Tumult in einer überfüllten Gaststube sonderlich gut für seinen Brummschädel sein können. Und anstatt des Knochens muß er sich wohl oder übel auch mit Haferflocken und gekochtem Rindfleisch begnügen - Krankenkost.

"Hier sieh mal, ich hab dir Gesellschaft mitgebracht," brummt er, als er mit dem Hund im Schlepptau wieder bei Azra ankommt. "Ich muß aber gleich wieder, da drüben ist die Hölle los." Er wedelt mit einer seiner Zwergenpranken in Richtung der Gaststube. "Könntest du mir einen Gefallen tun und ein bißchen auf ihn aufpassen? Gehört Raven, mußt du wissen, aber irgendwie hat er was abbekommen." Der große graue Wolfshund läßt sich ächzend am Kamin nieder und legt den eingebundenen Kopf auf die Pfoten. Hol mich Sils Hammer, wenn da nicht was ganz und gar nicht stimmt! Wenn ich nur wüßte, was? Seufzend bindet er sich eine blütenweiße Schürze um den beeindruckenden Wanst, legt den schweren, breiten Ledergürtel mit seinem Handbeil, den zahllosen Taschen für Silber und Wechselgeld und den noch zahlreichereren Schlüsseln daran um und stapft dann mit Besorgnis im Herzen hinter seiner Theke, um Halla und Grid ein wenig unter die Arme zu greifen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Niniane am 05. Dez. 2004, 18:51 Uhr
Niniane und Caewlin legen den Weg von ihrem Baum zur Goldenen Harfe schweigend zurück - und was gibt es auch zu sagen? Sie hatte Calyras Angst und ihren Zorn sehr wohl bemerkt und sie kann die Bardin gut verstehen. Andererseits versteht sie auch Caewlin und seine Art zu Denken, die der Crons so ähnlich ist. Kunststück. Die beiden sind miteinander aufgewachsen und sich so nahe wie Brüder. Natürlich geht es hier auch um Caewlins Rache... wie kann man nur so...so... so nordisch sein. Sie starrt auf den breiten Rücken vor ihr und schüttelt den Kopf. Als sie das Nordtor passieren, beginnt es wieder zu schneien, doch die tanzenden Flocken schmelzen beinahe sofort auf dem buckligen Kopfsteinpflaster - nur auf den Hausdächern und den Mauerkronen und in den Kronen der Bäume des Tempelviertels bleiben sie liegen und überzuckern Talyra mit einer weißen Schicht. Auf dem Marktplatz regt sich fast nichts mehr - alle Stände sind längst geschlossen und abgebaut und es werden nur noch die letzten Karren beladen. Ein Eselsgespann zuckelt begeistert I-ahend vorbei, doch weder sie selbst noch Caewlin schenken den Grautieren mehr als einen Blick. Sie überqueren das weite gepflasterte Rund des nächtlichen Marktplatzes und die Lichter der Harfe funkeln ihnen schon von weitem entgegen... ebenso wie schon im Harfengarten das Stimmengewirr der abendlichen Gäste zu hören ist, begleitet von geschäftigem Geschirrklappern und Gläserklirren.

"Hier entlang in den Hof," sie drängt Nachtwind an Caewlins grauem Riesen von einem Schlachtroß vorbei und reitet unter dem gemauerten Bogen zum Innenof des Gasthauses durch. Ein Knecht streckt beim Klang des Hufschlags seinen Kopf zur Tür des Pferdestalles heraus und kommt ihnen dann mit einer Laterne entgegen. Niniane steigt aus dem Sattel und wirft dem Mann die Zügel ihrer Stute zu. "Führ sie in den Stall, aber laß sie gesattelt und den Grauen auch." Dann wendet sie sich an Caewlin, der ebenfalls abgestiegen ist. "Ich nehme den Hengst als Handpferd mit zum Baum und stelle ihn so lange bei mir unter." Der Nordmann nickt nur. Sein Gesicht ist zu finster wie die Schatten hinter dem Tor zur Unterwelt und mit seinen Gedanken scheint er meilenweit fort. Niniane seufzt und geht dann durch den Gesindeeingang voran ins Innere der Harfe. In dem kurzen, holzgetäfelten Gang zur Schankstube ist es warm und dunkel - und im Schankraum selbst hätte es angenehm sein können, wenn weniger Gäste dagewesen wären. Sämtliche Tische und Bänke sind besetzt, selbst die kleine Ecknische neben dem Kamin, die Borgil meist für sich selbst und enge Freunde freihält, und es herrscht die anheimelnde Atmosphäre eines azurianischen Hammams.

Immerhin riecht es gut... nach Holzfeuer, Pfeifenrauch und verlockenden Küchendüften, und nicht wie in manch anderen Gasthäusern, als atme man durch biergetränkte Dreckwäsche - obwohl der würzige Malzgeruch nach süffigem Verder Dunkel durchaus in der Luft liegt. Niniane sucht Borgil und entdeckt ihn hinter seinem Tresen - wo sonst. Sie läßt Caewlin und Akira vorausgehen und die riesenhafte Bluthündin stellt augenblicklich ihren Wert unter Beweis und schafft ihnen einen breiten Gang durch die versammelte Menge, die sich hastig außer Reichweite der zu einem anhaltenden, lautlosen Knurren entblößten, daumenlangen Reißzähne bringt. Sie lassen sich so den Weg bis zum Tresen räumen, wo Borgil ihnen, eifrig Bierkrüge füllend, bereits begeistert entgegengrinst, doch ein Blick aus ihren Augen verwandelt seine Miene beinahe sofort in ein besorgtes Fragezeichen. "Das hier ist kein Höflichkeitsbesuch, alter Freund," raunt sie, als er seine Bierkrüge los ist, und zu ihr kommt. "Wir müssen reden. Sofort. In deinene Privaträumen, Borgil. Sind Phelan und Raven schon hier?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 05. Dez. 2004, 23:18 Uhr
In Borgils Privatgemächern


Die mühsam beherrschte Miene Ninianes und das Bronzemaskengesicht Caewlins von Sturmende lassen Borgil schlagartig sämtliche Bestellungen vergessen und als Niniane ihm zuflüstert, sie müssten ihn dringend sofort in seinen Privatgemächern sprechen, nickt er nur noch und verläßt seinen Platz am Tresen. Er winkt Halla herbei, macht ihr augenrollend die Notlage klar, und stapft dann voran in den Nordflügel der Harfe, wo seine eigenen Gemächer liegen. "Phelan?" Brummelt er vor sich hin. "Phelan Desmond, der Waldläufer? Und wieso Raven, die war doch schon da."  Er hofft nur, Azra würde schon im Nebenraum schlafen und nicht im Kaminzimmer sein, sonst dürfte er erst einmal einer fauchenden Niniane die besonderen Umstände erklären. Er eilt also voran, stellt dann erleichtert fest, daß von seinem Blutelbenmischlingsschützling nicht die Spur zu sehen ist, und winkt dann seinen Gästen, einzutreten. Niniane, die sich hier ohnehin auskennt, wirft jeder Ecke und dem ganzen Raum an sich einen scharfen Blick zu und setzt sich dann in einen der Sessel ans Feuer. Der Sturmender nimmt ob der niedrigen Deckenhöhe fast den Türrahmen mit und Borgil klappt den Mund auf, schließt ihn dann aber schulterzuckend wieder. Für normalgebaute Langbeine mag die Deckenhöhe seiner Räume - für zwergische Verhältnisse ohnehin die reinsten Hallen -  durchaus ausreichen, für diesen Nordmann fehlen gut drei Handbreit, wirklich aufrecht stehen kann er nicht. "Was ist denn überhaupt los?" Er blickt von Niniane zu Caewlin und deutet dann angesichts dessen Größenschwierigkeiten hilfreich auf einen Stuhl. "Raven war schon hier, ja, ist aber eine Weile her. Hat ihren Hund und ihren Gaul hergebracht und ist wieder davongerauscht, noch ehe ich "Papp" sagen konnte." Der wuchtige Zwergensessel dürfte selbst Caewlin von Sturmende aushalten, und Zwerge mögen es bekanntlich auch bequem, daher ist er auf jeden Fall breit genug. "Hab ich irgendetwas verpasst? Verratet mir endlich, was euch beide hier so hereinplatzen läßt! Steht ein Nargenheer vor den Toren der Stadt oder was?" Caewlin knurrt etwas, das er beim besten Willen nicht versteht und läßt sich auf den ledergepolsterten Lehnstuhl fallen. Die gewaltige Bluthündin rollt sich neben ihm zusammen und legt den Kopf auf die Pfoten, aber selbst in dieser platzsparenden Form ist sie immer noch beeindruckend.

Niniane sieht den Nordmann an, als warte sie darauf, daß er spricht und Borgils blickt irrt fragend zwischen ihnen hin und her. Was er dann jedoch nach einem auffordernden Knurren seinerseits von dem Sturmender zu hören bekommt, jagt sogar ihm einen Schauer über den Rücken. Seine Brauen sträuben sich, der gewaltige Bart vibriert - hätte er Haare auf seinem narbigen Schädel, würden sie jetzt allesamt zu Berge stehen. "Was? Wie? Aber... verdammt!" Seine kleinen Vögelchen hatten in letzter Zeit seltsame Berichte aus der Unterstadt geliefert: Unruhe herrsche dort unten, etwas braue sich zusammen - aber niemand schien etwas zu wissen, keiner eine Ahnung zu haben, nichts genaues war zu hören gewesen... und der Name Kanalratten war kein einziges Mal dabei gefallen. Damit hat Borgil nicht gerechnet und das macht ihm, dem Meister der Flüsterer und Ohrenbläser Talyras, im ersten Moment am Allermeisten zu schaffen. Whytfisk. Er kennt den Mann nicht, hat nicht einmal von ihm gehört. Blaeran und Beißer Hurentod waren ihm sehr wohl ein Begriff gewesen, genauso wie es jetzige Unterstadt-Größen selbstredend sind, allen voran sein eigener Steingartenvetter Nurio Kulgur. Aber wiedererstarkte Kanalratten... das ist etwas ganz anderes. "Hum..." knurrt er, als Caewlin nach seinem hastigen Bericht endet, und dann noch einmal. "Hom! Und ihr wolltet euch alle hier treffen?" Hakt er nach. Niniane blickt fragend zu Caewlin, doch der Nordmann nickt und sie murmelt dann etwas von: "Raven weiß wohl Bescheid und Phelan habe ich eine Nachricht mit Shugorn geschickt. Wenn er sie erhalten hat, ist er bestimmt schon auf dem Weg hierher." Borgil zuckt mit den Schultern. "Aber Raven war schon hier und ist wieder weg. Hat etwas gesagt von... von... wie war das noch... ah ja: sie müsse etwas für einen Freund tun, das sich nicht aufschieben läßt." Niniane gibt einen leisen, erstickten Kehllaut von sich und starrt ihn an, als hätte er gerade etwas vollkommen verrücktes von sich gegeben und der Sturmender blickt stirnrunzelnd von ihm zu Niniane und wieder zurück. "Äh... hab ich was falsches gesagt?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Phelan am 06. Dez. 2004, 10:14 Uhr
Es ist bereits dunkel, als Phelan die Goldene Harfe erreicht. Der Schneefall hat wieder zugenommen und wo der Schnee beinahe getaut war, dort bedeckt nun neuerliches Weiß die dunkle Stadt. Phelan überlässt die Fuchsstute dem Knecht, der ihm im Hof bereits entgegenkommt und betritt dann mit gemischten Gefühlen den Schankraum. Wie immer, wenn er hierher kommt, ist die Goldene Harfe gut besucht und so bleibt er an der Tür stehen und sieht sich um, kann aber weder Niniane noch Borgil irgendwo entdecken. Am Tresen muß er sich erst Platz schaffen, ehe er eine der Schankmaiden ansprechen kann. "Ich suche Borgil, oder Niniane, die Waldläuferin. Sind sie hier?" Das Mogbarmädchen bekommt große Augen, lässt zwei überschäumende Bierkrüge stehen und deutet ihm dann ihr zu folgen.

Nie zuvor war Phelan in Borgils Privaträumen gewesen. Doch als er die Stube nun betritt, trifft er nicht nur den Zwerg an, sondern auch wie erwartet Niniane und zu seiner Überraschung Caewlin, den Hünen von einem Nordmann.

>>Aber Raven war schon hier und ist wieder weg. Hat etwas gesagt von... von... wie war das noch... ah ja: sie müsse etwas für einen Freund tun, das sich nicht aufschieben läßt... Äh... hab ich was falsches gesagt?<<

"Raven?" Die gedrückte Stimmung ist beinahe greifbar und an ihren Mienen ist zu erkennen, dass es keine erfreulichen Nachrichten sind, deretwegen Niniane ihn hergebeten hatte. "Borgil, Caewlin..." Er nickt den beiden Männern kurz zu, ehe sein Blick an den goldenen Augen der Waldläuferin hängenbleibt. "Was ist geschehen?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Faraday am 06. Dez. 2004, 17:12 Uhr
Aus der Unterstadt auf den Marktplatz und in die Goldene Harfe

Es schneit bereits wieder, als Faraday endlich das Ende der Treppe erreicht und sich aufmerksam umsehend das alte Haus verlässt. Die Straßen sind menschenleer und ein kalter Wind zerrt an Rock und Umhang. Immer wieder geht ihr das durch den Kopf, was sie in den dunklen, stinkenden Gängen der Kanalisation gehört hat. Der Anflug von Sicherheit, den sie nach dem Gespräch mit Whytfisk verspürt hatte, ist wie weggewischt. Das Auftauchen der Frau dort unten wäre mehr als genug Zeugnis dafür, dass Faraday bei ihrem Auftrag versagt hat. Und schlimmer noch: es ist das Todesurteil für Jen. Abermals laufen ihr die Tränen über die Wangen und sie kann nichts dagegen tun. Faraday zwingt sich vorwärts zu gehen, obwohl sie am liebsten in das dunkle, leerstehende Haus zurücklaufen und sich dort verstecken will. Wenn der Nordmann wirklich recht hat, dann würde auch Raven nicht lange dort unten am Leben bleiben. Womöglich würden sie ihr die Schuld dafür geben. Und dann hätte sie vielleicht nicht nur die Kanalratten auf den Fersen.

Niemand beachtet die junge Frau, die sich dick in ihren Mantel hüllt und sich zögerlich dem Marktplatz nähert. Sie fühlt sich wie eine Maus in einer Falle und die Welt scheint um sie zu kreiseln. Zu ihrer Linken taucht warm und anheimelnd die Taverne auf, die Goldene Harfe. Sie wollen sich hier treffen, sie sind hier. Sie müssen's einfach. Faraday hat keine Ahnung, ob sie dort jemand antreffen wird oder was sie tun würden, wenn sie erzählt hätte, was sie gehört hat. Aber er hat's gesagt. Ich soll Augen und Ohren aufsperren und mir alles merken, was es zu hören und zu sehen gibt. Nur, dass das jetzt das Einzige ist, was ich zu erzählen hab. Sie schluckt einen dicken Kloß hinunter, als sie die schwere Holztüre der Gaststätte aufdrückt.

Das Stimmengewirr und die Enge im Inneren machen ihr Angst. Am liebsten würde sie sich umdrehen und davonlaufen, aber dazu ist es jetzt zu spät. Sie hätte sowieso nicht gewußt wohin. Die Luft ist nach der Kälte draussen so warm, dass sie erst einmal keuchend husten muß, was ihr einige misstrauische Blicke einbringt. Soll'n sie doch denken, ich hätt' sonstwas. So bleiben sie mir wenigstens vom Leib. Ungehindert bahnt sie sich ihren Weg zum Thresen vor. Nirgendwo ist Borgil, der Wirt zu entdecken. Faraday hasst es mit Fremden, mit irgendjemandem zu sprechen, aber sie hat keine andere Wahl. Irgendeiner dieser kleinen Leute würde ihr doch wohl sagen können, wo sie Borgil würde finden können. "Bitte", setzt sie leise mit heiserer Stimme an und fährt dann etwas sicherer und lauter fort. "Borgil, ich suche Borgil."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Niniane am 06. Dez. 2004, 17:16 Uhr
In Borgils Privatgemächern


"Äh..." Borgils Worte hallen durch ihre sich überschlagenden Gedanken. Mottenfaengers kalter, verlassener Baum... >Ich muss etwas für einen Freund tun, daß sich nicht aufschieben läßt...< Götter im Himmel, sie wird doch nicht? Nein, das macht sie nicht, niemals! Nie im Leben! Aber wenn Mottenfaenger sie so wortlos verlassen hat, wie den Wald? Wenn... oh nein... Sie rutscht auf ihrem Stuhl hin und her, blickt gehetzt von Caewlin zu Borgil, sucht noch die richtigen Worte, um ihren furchtbaren Verdacht auszusprechen, nennt sich selbst dabei verrückt und redet sich noch ein, daß Raven niemals etwas so hirnverbranntes tun und bestimmt gleich hier sein würde, als Phelan hereinkommt und sie kurzfristig rettet. Sie weiß nicht, wem sie zuerst antworten, wem was erklären soll, wirft einen geduldheischenden Blick in die Runde und legt die Finger an die Schläfen. "Eins nach dem anderen. S'leja, Phelan, min Ijo." Sie haben keine Zeit für den Austausch von Höflichkeiten und so kommt sie direkt zur Sache. "Caewlin braucht Eure Hilfe und ich hoffe, Ihr werdet ihm Eure Unterstützung geben. Ich kann Euch nur darum bitten, mich in dieser Sache zu vertreten... ich kann Shaerela nicht allein lassen." Sie umreißt dem Waldläufer kurz, worum es sich handelt - um die persönliche Rache eines alten Feindes an Caewlin und Raven -, erklärt ihm, wer die Kanalratten einst waren, wozu dieser Whytfisk sie offenbar wieder machen will, und was Caewlin nun vor hat - nämlich in die Kanalisation hinabzusteigen, und diese Ratte aus ihrem Loch zu zerren. Der Nordmann ergreift kaum das Wort, sondern überläßt es ihr, Phelan alles zu erklären, so wie er eben gerade  Borgil in die ganze leidige Geschichte eingeweiht hatte. Sie tut es, erzählt Phelan alles, was sie erst vor einer Stunde selbst erfahren und dann hier noch einmal gehört hat und seufzt dann.

"Ich halte diese Idee immer noch für idiotisch, aber ich habe ehrlich gesagt auch keine bessere, und ich kann Caewlin verstehen, wenn er nicht erst darauf warten will, daß Whytfisk irgendwo zuschlägt." Fluchend steht sie auf, weil sie es einfach nicht mehr aushält, still zu sitzen. "Calyra und Brynden sind in meinem Baum in Sicherheit, aber Cron ist zur Jagd geritten und ich habe keine Ahnung, wann er wiederkommen wird, sonst wäre er sofort mit Caewlin gegangen. Und ich kann meine Tochter nicht verlassen. Und mir fällt niemand ein, den ich sonst um Hilfe bitten könnte, also habe ich an Euch gedacht. Ich weiß, daß es viel verlangt ist. Und da ist noch etwas..." sie schlingt die Arme um ihre Mitte und wandert vor dem Kamin auf und ab, sieht erst Borgil, dann Phelan, dann Caewlin an. "Raven. Ich glaube, wir haben ein Problem. Borgil, du sagtest, sie war schon hier. Wie war sie? Sie war nicht wie immer, oder? Sie war... aufgewühlt, verzweifelt, gehetzt und sie hat keine Erklärungen abgegeben, nicht wahr?" Während sie spricht wird ihre Stimme immer leiser und ihr Verdacht immer drängender. Vergessen ist jede Stimme der Vernunft. Borgil kann nur verdattert nicken. "Ich glaube, Raven ist vielleicht äh... gerade dabei, etwas... wirklich, wirklich dummes zu tun. Ich kann's nicht erklären, aber... ich weiß etwas, was ihr alle noch nicht wißt. Mottenfaenger ist fort. Er hat das seinen Baum und das Larisgrün... und Raven... verlassen." Ihr Blick sucht den Caewlins und sie sieht in ein paar blaugrüner Augen, kalt wie das Nordmeer, in denen erschrockenes Begreifen steht, noch ehe sie ihre letzten Worte ausspricht. "Und ich denke... ich fürchte... ich fürchte wirklich, sie wird etwas schreckliches anstellen." Etwas schreckliches wie allein in die Kanalisation hinuntersteigen und sich Whytfisk anbieten, um die Geschichte zu beenden zum Beispiel.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Caewlin am 06. Dez. 2004, 20:00 Uhr
Er ist erleichtert, daß Niniane es übernimmt, mit Phelan zu reden. Er kennt den Halbelben aus Wegesend und hat ihn nur als verlässlichen Kampfgefährten in Erinnerung, dessen Heilkräfte sich zudem als mehr als nützlich erwiesen haben. Aber er weiß sonst wenig über den Mann, außer, daß er wie Niniane ein Protektor des Larisgrüns und ein Waldläufer ist. Er hatte natürlich die Gerüchte gehört, die in Talyra über jede stadtbekannte Persönlichkeit kursieren, und ihn sowohl auf dem Festbankett des Stadtrates am Inarifest, als auch auf der Hochzeit des Lord Commanders gesehen. Aber Niniane kennt und schätzt und vertraut ihm offensichtlich. Während sie unruhig umhergeht und mit Phelan spricht, mustert er den Mann von der Seite. Der Halbelb ist ruhig und wachsam, lauscht der Waldläuferin ohne sie einmal zu unterbrechen, stellt nur hin und wieder eine Frage oder nickt verstehend. Er hört sich alles an und schweigt dann nachdenklich und Caewlin wäre heilfroh, wenn er sie begleiten würde. Was Niniane dann jedoch über Raven - und vor allem ihr offensichtliches Fehlen - in dieser Runde zu sagen hat, läßt ihn schlagartig alle anderen Überlegungen vergessen.
"Raven wird was?!" Caewlin glaubt, seinen Ohren nicht zu trauen, obwohl er begreift noch während Niniane spricht. Besorgnis und Anspannung huschen mit den Schatten des flackernden Kaminfeuers über sein Gesicht.

Seine Gedanken waren vage in die gleiche Richtung geirrt, als Borgil erwähnt hatte, Raven sei bereits hier gewesen und wieder gegangen, aber er hatte es einfach nicht geglaubt, nicht glauben wollen. Welchen verdammten Grund sollte sie auch haben, etwas so saublödes anzustellen? Daß der Spaßmacher fort ist... er hat sie verlassen? Einfach so?... wirft allerdings ein anderes Licht auf Ravens so plötzliches Verschwinden. Ihm fällt ein, daß sie kein einziges mal von dem Druiden gesprochen und er ihn nirgendwo gesehen hatte. Caewlin steht so heftig auf, daß der Stuhl knirscht, und spaltet sich an der niedrigen Decke fast den Schädel. Fluchend zieht er den Kopf wieder ein und starrt Niniane an. Die Waldläuferin sieht völlig am Boden zerstört aus. "Etwas so dummes, wie allein in die Kanalisation zu gehen?" Führt er leise ihre Worte fort. Seine Kehle wird eng und seine Wangen sind ebenfalls bleich geworden. Blaue Funken glitzern im Grün seiner Augen, wie die Herzen kleiner Flammen. Er schüttelt den Kopf, obwohl er weiß, daß er sich damit etwas vormacht. "So närrisch kann sie gar nicht sein." Doch, und du weißt das genau. Du hast immer gewußt, daß sie sich dir verpflichtet fühlt - aus welchen Gründen auch immer... hör auf! Das tut sie nicht. Borgils Mund öffnet und schließt sich, doch es kommt kein Wort heraus und Phelan blickt angespannt von einem zum anderen. Daß der Waldläufer auch nach Ninianes Erklärung noch hier ist, ist immerhin ein Hoffnungsschimmer.

"Niniane, auch wenn Raven verzweifelt über Mottenfaengers Verschwinden ist, das würde sie nicht tun. Ich habe das Mädchen wieder in die Tunnel geschickt, damit Whytfisk keinen Verdacht schöpft, und um vielleicht etwas für uns herauszubekommen. Wir wollten warten, bis wir etwas von ihr hören, ehe wir hinuntergehen und wir haben abgemacht, uns heute abend hier zu treffen. Sie kommt bestimmt." Sie muß. Als sollte es seine Worte unterstreichen, klopft es sacht an der Tür und er wendet sich erleichtert um. Alle Blicke richten sich auf die Tür, doch statt dem erwarteten dunklen Haarschopf Ravens, öffnet sich die Tür zaghaft und eine von Borgils Schankmaiden sieht herein. "Herr Borgil? Herr Borgil, ich weiß, ich soll nicht stören, aber..." Sie wird heftig zur Seite geschoben von einem mageren Mädchen im Gewand einer einfachen Magd, dem die wirren, braunen Locken schwer ins Gesicht fallen und in dessen dunklen, blauen Augen ein gehetzter Ausdruck liegt. "Du?! Was ist passiert?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 06. Dez. 2004, 20:50 Uhr
Borgil versteht gar nichts mehr. Erst waren Niniane und Caewlin hier hereingeplatzt und hatten wilde Geschichten über irgendwelche verrückten Kanalratten erzählt, dann war Phelan gekommen und etwas ratlos dazugestossen, eingeweiht worden, wie eben vorhin er selbst, und dann hatte Niniane den Krug mit Loas Öl platzen lassen und verkündet, Raven könnte in ihrer Verzweiflung irgendetwas Schreckliches tun, weil ihr Druide auf und davon war - warum auch immer. Warum ist ihm eigentlich völlig egal, er verspürt nur eine Heidenwut auf diesen spitzohrigen Baumanbeter - und gnaden ihm die Götter, sollte er Borgil je wieder unter die Augen kommen, wenn Raven wegen ihm tatsächlich irgendwas Dummes anstellen sollte. Als Caewlin so heftig aufsteht, hat er schon Angst um seine Holzdecken, aber die halten den Nordmannschädel den Göttern sei Dank aus. Borgil versteht nicht die Hälfte von den verwirrenden Gesprächen um ihn herum und seine Ohren klingeln ohnehin schon von allem, was er gerade zu hören bekommen hatte. Es bleibt ihm allerdings keine Zeit, das zu verdauen, denn schon wieder klopft es an der Tür. Natürlich erwarten sie alle Raven, er kann die Erleichterung in Caewlins Gesicht und die Hoffnung in Ninianes Augen sehen - aber dann schneit ein Mädel in seine Gemächer, das ihm völlig fremd ist. Und doch meint er, ihr Gesicht schonmal gesehen zu haben... irgendwo... irgendwann. Erst als Caewlin ein "DU?!" zischt, wird ihm klar, daß das das "Rotzgör" sein muß, von dem der Nordmann erzählt hatte, der Spitzel von Whytfisk. Die, die Raven ausspioniert hat - und plötzlich weiß er wieder, woher ihm das blasse, hübsche Gesicht so bekannt vorkommt: die verfrorene Magd von neulich, vorgestern. Sie hat bei uns am Tisch gesessen, das verlogene Miststück! Hat uns belauscht! Ist Raven gefolgt! Raven, bei allen Göttern, bitte tu jetzt ja nichts Unüberlegtes! Komm hierher, wie es vereinbart war und ich werde mit Freuden an deiner und Caewlins Seite in die Tunnel kriechen! Stell um Himmels Willen nichts blödes an! Borgil holt eine Flasche Uisge Beatha aus seinem Kassettenschrank, ein paar Becher dazu und stellt sie auf den Tisch. Er hat keine Ahnung, was jetzt wieder kommen soll, aber er hat das Gefühl, sie alle könnten dringend einen guten Schluck gebrauchen. Aller Augen hängen gebannt an dem Mädel, die von einem zum anderen starrt und aussieht, als hätte sie ein Gespenst gesehen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Phelan am 07. Dez. 2004, 21:49 Uhr
Phelan lässt Niniane erzählen, lauscht aufmerksam jedem einzelnen ihrer Worte und die Gesichter der Anwesenden sprechen Bände. Weder die Kanalratten noch dieser Whytfisk sind ihm ein Begriff, doch wenn der Nordmann die Notwendigkeit sieht gegen sie vorzugehen, dann muß die Sache durchaus ernst sein. Das alles errinnert ihn ein wenig an die Entführung von Morgana, als er mit Shyada und den anderen in die Unterstadt gegangen war um sie zurück zu holen. Doch diesmal ist die Sache anders. Niemand ist entführt worden. Aber das, was Niniane andeutet, kann sich jeder von ihnen selbst zusammenreimen. Und Phelan traut es ihr zu. Er hatte die Frau in Wegesend erlebt. Als jemanden, der sich auf sein Handwerk versteht und die Vorstellung, dass sie allein dort hinuntergehen würde, scheint ihm keineswegs abwegig. Nicht nach dem, was ihm die Waldläuferin in den letzten Minuten alles erzählt hat. Und wenn diese Kanalratten wirklich so sind, wie er vermutet, dann würden sie mit einer Frau, noch dazu mit einer, hinter der sie her sind, kurzen Prozeß machen oder Schlimmeres anstellen. Die Verzweiflung lässt uns die unsinnigsten Dinge tun. Seine Gedanken wandern kurz an einen anderen Ort. Auch ich habe sie verlassen. Und Morgana hatte sich bereits einmal zu einer Dummheit hinreißen lassen, auch wenn es nach allem anderen als einer Falle ausgesehen hatte.

Er kommt nicht mehr dazu zu antworten, seine Einstimmung zu geben, denn es klopft an der Türe. Kurz flackert Hoffnung in den Gesichtern auf, doch es ist nicht Raven. Es ist eine von Borgils Mägden und ein Mädchen mit wirrem Haar und einem gehetzten Blick.

>>Du?! Was ist passiert?<<

Das Mädchen, von dem Niniane erzählt hat. Sie muß es sein. Phelan tritt zur Seite und lässt sie eintreten, während er die Tür hinter ihr schließt. Dieses Gespräch ist nicht für fremde Ohren bestimmt. Er steht nahe bei ihr und kann sehen, dass sie verletzt und krank ist und obendrein nicht sonderlich gut riecht. Doch das hat im Moment Zeit. Was sie zu berichten hat ist weitaus dringlicher.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Faraday am 07. Dez. 2004, 22:51 Uhr
Es drängt Faraday den Lord - oder wer auch immer er nun sein mag - zu treffen und ihm zu berichten, was sie gehört hat, aber dass so so viele Personen in dem Raum sein würden hat sie nicht erwartet. Atemlos bleibt sie stehen und blickt hektisch von einem Gesicht ins andere. Da ist der Zwerg, bei dem sie am Vorabend am Tisch gesessen war. Der Mann, der ihr im Keller eindeutig zu verstehen gegeben hat, was von den Kanalratten zu erwarten ist. Eine Frau ist da und an ihren Augen bleibt Faradays Blick hängen. Sie sind seltsam, schimmernd. Und sie machen ihr Angst. Neben ihr steht ein Mann und schließt hinter ihr die Türe. <Du?! Was ist passiert?> Faraday schluckt und fühlt sich zum verflucht soundsovielsten Male an diesem götterverdammten Tag klein und verletzlich wie ein neugeborenes Hundewelpen. Nervös faltet sie die Finger in einander und sucht sich irgendwo einen Punkt an der Wand um den Blicken zu entgehen, die sie förmlich spüren kann.

"I-i-ich, also.. sie ist da unten, Raven, sie ist da unten und sie ist auf dem Weg zu Wh.." Sie stolpert über den Namen und hält inne um tief Luft zu holen. "Zum Bleichen. Ich hab nichts sehen können, sie hab'n mir 'nen Sack über den Kopf gezogen. Aber das hab ich gehört. Sie hat verlangt ihn zu sprechen, als sie mich rausgeführt hab'n. Geseh'n hat sie mich nich'." Alles macht sie kaputt, alles! "Bitte... wir müssen... helfen."

Faraday zieht den Kopf ein, als würde sie jeden Moment mit Schlägen rechnen müssen. Sie werd'n mir die Schuld geben, mir ganz allein. Ein Kloß steigt in ihrem Hals auf und sie senkt das Gesicht, bis es von den wirren Haarsträhnen verdeckt ist. "Bitte."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Elyrina Tinuviel am 07. Dez. 2004, 23:20 Uhr
In der Schankstube


Elyrina erreicht nach einem angenehmen Fußmarsch durch fallende Schneflocken und einer immer weißer werdenden Stadt die goldene Harfe. DIe Fenster leuchten warm und einladend und die Geäusche sind bis draußen auf den Marktplatz zu hören, Gespräche, Disskusionen, Elyrina ist sofort angestsckt un möchte teilhaben an alledem. Umgeben sein von anderen Menschen. Nicht mehr allein.
Schnell geht sie auf die Türe zu und geht hindruch. Kaum ist dir Türe offen schlagen ihr die Gerüche und die warme Luft engegen, so dass ihr Gesicht im ersten Moment brennt, denn draußen war es sehr kalt.

Als sie sich von der Temperatur umstellung erholt hat schaut sie sich im Schankraum um. Es ist voll, um nciht zu sagen fast schon überfüllt. Sehnsüchtig schaut sich sich nach einem freien Stuhl um, ohne erfolg. Entweder es gibt keinen mehr oder sie kann nur keinen sehen, weil andere Gäste davor stehen. Sie geht einige Schritte weiter und die Türe fällt hinter ihr ins Schloss. nun steht sie etwas verloren im Schankraum.
So viele Leute und Elyrina weiß nicht wohin. Sie macht noch einige Schritte in den Raum und hält weiter Ausschau nach einem freien Platz.
Es kommt ihr vor als vergehen Stunden wie sie da steht und schon angestarrt wird, ehe endlich mal jemand aufsteht und mit seinem Mantel in Richtung Türe durch die Menge geht.
Geschickt muschelt sich Elyrina durch die laufenden Maiden und stehenden Gäste und erreicht vor einem anderen wartenden den freien Stuhl. Der Mann möchte gerade zu einem anpfiff ansetzen als Elyrina ihn anstrahlt und ihn mit ihrem Lächeln bezaubert.
"Ihr werden eine Dame doch nciht stehen lassen."  Der Mann grinst und überlässt ihr dann den Stuhl.
Elyrina legt den Mantel ab und setzt sich dann an den Tisch. Es sitzen noch zwei ältere Herren und einige andere Wesen an dem Tisch die sich mit ihren bekannten unterhalten, aber niemand schenkt Elyrina mehr als kurze Neugierde, was sich da für eine Person an den Tisch gesetzt hat.
Bie einer vorbeieilenden Schankmaid bestellt sie einen Krug warmen Met und einen Teller Eintopf.
Die Schankmaid sagt ihr dass sie ihren Wunsch gerne erfüllt bekommt und huscht dann weiter.

Elyrina muss auch nicht lange warten bis zumindest der Met da ist. Sie ist froh den warmen Met in ihrem Haks zu spühren nachdem sie den ersten Schluck getrunken hat. sofort ist ihr warm und endlich kann sie isch mal in Ruhe im Schankraum umsehen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Caewlin am 08. Dez. 2004, 00:48 Uhr
In Borgils Privaträumen


>I-i-ich, also.. sie ist da unten, Raven, sie ist da unten und sie ist auf dem Weg zu Wh..Zum Bleichen.< Caewlin ruckt herum wie eine Holzmarionette und starrt das Rotzgör an. >Ich hab nichts sehen können, sie hab'n mir 'nen Sack über den Kopf gezogen. Aber das hab ich gehört. Sie hat verlangt ihn zu sprechen, als sie mich rausgeführt hab'n.<
"Raven. Wann war sie hier, Borgil? Verfluchte Götter, wann?" Der Zwerg wirft einen gehetzten Blick in die Runde und murmelt dann hilflos etwas von "Vielleicht vor zwei... zweieinhalb Stunden... oder so..."
Caewlin bricht in wildes Fluchen aus und läßt sich entnervt in den Stuhl zurückfallen Zweieinhalb Stunden! Viel zu spät um ihr nachzurennen und sie an den Haaren zurückzuschleifen. Zwischen wilden normandischen Flüchen ist etwas von strohdumm.... völlig verrückt.... stur... und ... sollte sie mit einem Stock grün und blau prügeln... zu hören. Er versetzt dem Tisch einen wütenden Faustschlag. Das massive Eichenholz ächzt, doch es hält stand, aber die Flasche Uisge, die Borgil auf den Tisch gestellt hatte, macht einen Satz und zwei Becher kugeln durcheinander.

Bei allen Neun Höllen, Raven, das ist dein Tod! Whytfisk bringt dich um... und wofür? Er war entschlossen gewesen, in die Kanalisation zu steigen, allem ein Ende zu machen, krank vor Sorge um seine Familie und um Raven, die genau wie er von den irren Racheplänen dieses bleichen Monsters betroffen gewesen war - um sie alle vor Whytfisk zu beschützen... und jetzt? Jetzt ist Raven fort, längst irgendwo dort unten in der Finsternis. Allein. Was hast du vor, verdammt? Die Frage beantwortet sich leise selbst, irgendwo in einem dunklen Winkel seines Herzens. Sie tauscht ihr Leben ein. Ihr Leben gegen meines. Er ballt die Hand zur Faust und fährt sich dann mit den Fingern durchs Haar. Welche Schuld lädst du auf meine Schultern, du dumme, dumme, dumme Närrin! Einen Moment läßt er den Kopf sinken, atmet hörbar ein und aus, und als er das Gesicht wieder hebt, ist in seiner Miene nichts mehr als Entschlossenheit zu lesen.

Sein Blick sucht das Rotzgör, das bleicher ist als der Tod und seinen Kopf mutlos sinken läßt, dann wandert er weiter zu dem Waldläufer. "Phelan, kommt Ihr mit mir? Ich kann Euch leider keine Bedenkzeit geben. Ich muß sofort aufbrechen, aber ich wäre froh, wenn ich Euch an meiner Seite wüßte. Vielleicht erwische ich Raven noch und wenn nicht..." er zuckt mit den Schultern. "Dann rechnet Whytfisk hoffentlich nicht damit, daß wir sofort hinuntersteigen." Alles, was ihn jetzt noch interessiert, ist Raven heil da herauszuholen. "Aber wie auch immer Eure Antwort aussieht, könnt Ihr das Mädchen heilen? Ich brauche sie noch. Borgil... habt Ihr irgendetwas Nützliches für mich? Feenstaub, Loas Öl, eine Hundertschaft Zwergenkrieger? Ich nehme alles. Und Proviant für ein paar Tage. Für mich und für den Rotzlöffel und für Phelan auch, wenn er mitkommt. Niniane... pass gut auf Cal und Brynden auf." Wenn ich nicht zurückkehre, dann wird Cron sie nach Sturmende und in Sicherheit bringen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 08. Dez. 2004, 07:21 Uhr
In Borgils Privaträumen


Es geht überraschend schnell das der Herr Zwerg schon wieder verschwunden ist, bevor sie überhaupt noch "Hasp" sagen kann vor Freude über seine Worte. Sie soll also endlich aus diesem Zimmer raus, Halla ein wenig helfen und dann auch noch auf den Hund aufpassen welcher Borgil ihr plötzlich reinschleppt. Endlich wieder sich bewegen, mit Leuten reden, kennenlernen und auch neue Dinge entdecken. Nicht immer nur die gleichen vier Wände anstarren und die Punkte an der Decke immer wieder bis auf drei zu zählen. Der Hund, der nun den Kopf zwischen seine Vorderpfoten gelegt hat, sieht arg mitgenommen aus und Azra streicht ihm zärtlich mit allter Behutsamkeit über seinen verbundenen Kopf, wobei sie sich fragt, wer einem Hund so etwas antun kann. Sein Fell ist seidenweich und er scheint gut gepflegt. Er lässt ein klägliches Jaulen hören und da vernimmt der kleine Mischling plötzlich laute Stimmen aus dem Nebenraum und aus des Hundes Kehle entweicht ein herzerreissendes Jaulen, als würde er Jemanden vermissen. Trotz dessen das Azra nicht lauschen möchte, denn immerhin scheint der Herr Zwerg dort zu sein, sitzt sie doch genug nahe an der Tür um einige Worte aufzuschnappen, einige sehr laute, Andere ein wenig leiser, doch immer klar und deutlich verständlich. Und je mehr sie hört, je mehr ihr bewusst wird, um was es vielleicht gehen könnte, desto bleicher wird sie. Natürlich bleibt ihr der Sinn des ganzen Gesprächs fern, doch die Angst und die Verzweiflung in den Stimmen, besonders auch der Hass ist deutlich zu hören und immer wieder zuckt sie zusammen wenn es ein wenig lauter poltert. Die Gefühle scheinen beinahe übergreifend zu sein, wie ein Kessel vor dem Ueberlaufen.  Mehrmals fällt der Name Raven und sie erinnert sich das Borgil ihr die aufgewühlte Frau, die so wunderschön ausgesehen hat, vorgestellt hat und das der Hund ihr gehört. Sie ist also in Gefahr? Warum? Wer will ihr Böses? Wohin ist sie überhaupt?
Ohne es sich bewusst zu sein, erhebt sich Azra vorsichtig, wobei der Hund wieder ein verzweifeltes Jaulen ausstösst und der junge Blutelbenmischling ist sich sicher, das er weiss, das es seiner Herrin nicht gut geht. Was auch immer ihr geschehen ist. Immer mehr nähert sie sich der hölzernen Tür und plötzlich schlägt ihr lautes Fluchen entgegen, das ihre noch unschuldigen Ohren zum Klingeln bringt.  strohdumm.... völlig verrückt.... stur... und ... sollte sie mit einem Stock grün und blau prügeln... Diese Worte vermag sie zwischen Sätzen herauszuhören, deren Sinn ihr lieber unbekannt bleiben möchte, doch in alldem Durcheinander hat sie doch begriffen das der Herr Zwerg helfen soll. Mitkommen soll er, mit denen da drinn und wieder zittert Azra am Leib, denn es versetzt ihr einen Stich daran zu denken, das auch ihr Herr Zwerg sich in Gefahr begeben soll.
Ihre Gedanken verwirren sie, am liebsten möchte sie sich augenblicklich wieder in die Decke einwickeln, den Zwergen an der Hand festhalten und in einen tiefen Schlaf versinken. Daher überlegt sie auch nicht viel und mit schreckensstarrem Gesicht, weit aufgerissenen Augen und einem Blick der all ihre Angst ausdrückt öffnet sie die Türe einen spaltbreit und starrt zu dem Zwergen hin, völlig verängstigt murmelnd, ohne die anderen Anwesenden wahrzunehmen: "Wo... wohin.. wollt ihr gehen? Ihr dürft nicht weggehen..." Das sie sich vielleicht nicht zeigen darf, ist ihr in diesem Moment nicht bewusst, sie denkt nicht mal im Geringsten daran was sie ist und das man dies erkennen könnte, sie hat es schlichtweg vergessen in ihrer Sorge um den Herr Zwerg. Ihre Hände klammern sich an den Türrahmen, wie an ein rettendes Floss im Meer.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Phelan am 08. Dez. 2004, 16:41 Uhr
In Borgils Privaträumen


Das Mädchen wirkt aufgelöst, doch schein sie sich Mühe geben zu wollen. Phelan schmunzelt. Ich würde mir auch Mühe geben wollen, wenn ich ein dürres Mädchen wie dieses wäre und einem Kerl wie Caewlin gegenüber stünde. Noch dazu, wenn der weniger gute Laune hat. Eigentlich ist sie kein Mädchen mehr, sondern eine junge Frau, aber sie ist so schmal und zart, als wäre sie nicht älter als 13 oder 14 Sommer. Ihre Sprache ist die eines Straßenmädchens und Phelan glaubt einen leichten Akzent aus ihnen zu hören. Und aus irgendeinem dummen Umstand ist sie wohl in diese Sache hinein geraten, wenn er Ninianes Worte richtig verstanden hat. Im Grunde stellt sich die Frage überhaupt nicht, ob er mitkommen würde oder nicht. Vielleicht hatte er in den langen Tagen in der Steinfaust nur darauf gewartet, dass es geschehen würde, irgendetwas. Und auch, wenn er zu niemandem hier eine engere Bindung hat - ausser vielleicht zu Niniane in ihrer Position als Protektorin und als jemand, der ihm lange genug ein Dach über dem Kopf gestellt hat - so hatte er seine Entscheidung doch unbewußt schon getroffen, als er sich auf den Weg zur Goldenen Harfe gemacht hatte. "Ich komme mit Euch." Er belässt es bei diesen Worten, denn mehr gibt es nicht zu sagen, auch wenn ihm die Vorstellung von irgendwelche dreckigen, unterirdischen Gängen nicht gefallen will.

Während Caewlin Borgil um Proviant bittet wendet sich Phelan dem Mädchen zu, das noch immer mit gesenktem Kopf neben ihm steht. So ganz kauft er ihr ihre Verzweiflung nicht ab, obwohl sie in dieser Situation naheliegend ist. "Du hast ihn gehört, Mädchen. Ich kann dir helfen und du siehst aus, als hättest du Hilfe bitter nötig." Sie zuckt zurück, als er sich ihr nähert, aber ihre Augen sind klar. Und blau wie wilde Veilchen. "Setz dich und halt einfach still, dir wird nichts geschehen." Phelan zieht einen Stuhl heran und deutet ihr sich zu setzen. Zögerlich tut sie dann auch, was er verlangt, aber sie lässt ihn nicht aus den Augen und mustert ihn mit misstrauischem Blick. Vorsichtig streicht Phelan ihr die Haare aus dem Gesicht, um die Wunde besser betrachten zu können. Ein langer Riss in der weißen Haut, jedoch nicht tief und nicht entzündet. Ihre Haut fühlt sich fiebrig und feucht an, doch das ist auf ihre Krankheit zurückzuführen, nicht auf die Verletzung. Wie unzählige Male zuvor schließt Phelan die Augen, während seine Hand auf ihrer Stirn ruht, und konzentriert sich auf das zerstörte Gewebe und die zerrissene Haut, die er darunter spüren kann. Er spürt ebenfalls, wie sich die Wunde unter seiner Berührung nach einiger Zeit zu schließen beginnt, während er das Kranke aus ihrem Körper herauszieht und ins Nichts schickt.

Dann ist es vollbracht. Der Schnitt an ihrer Stirn hat sich zu einem dünnen, roten Strich zusammengezogen und ihre Stirn glüht nicht mehr so sehr wie zuvor. "Mehr kann ich im Moment nicht tun. Aber es wird genügen für das, was bevorsteht." Die Worte gelten vielmehr Caewlin als dem Mädchen. Phelan wundert sich kurz darüber, dass der Nordmann sie mitnehmen will, andererseits scheint sie sich dort unten wenigstens ein wenig auszukennen und zudem sitzt dieser Junge bei den Kanalratten noch fest, auch wenn Phelan Zweifel hat, dass Männer wie diese Kanalratten ihn überhaupt  noch am Leben gelassen haben. Natürlich, sie könnten das Mädchen hier oben auch einsperren und sich allein auf den Weg machen, aber was dann? "Was, wenn sie uns in eine Falle lockt?" Er ignoriert ihren aufgebrachten Blick. "Es würde nichts ändern, nicht wahr? Also lasst uns gehen, umso früher, umso besser. Uns läuft die Zeit davon."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 09. Dez. 2004, 10:40 Uhr
Borgil hechtet nach der bedenklich kreiselnden Uisgeflasche, als der Nordmann anfängt zu randalieren, und erwischt sie gerade noch am Hals. Er funkelt Caewlin böse von unten herauf an, aber genauso wenig wie ihn, hätte er einen wütenden Bären mit einem Blick zur Räson gebracht. Der Nordmann flucht haarsträubend, aber Borgil kann unter der erschrockenen Wut die Sorge deutlich in seinem Gesicht sehen und ihm selbst ergeht es nicht anders. Raven dort unten! Bei diesem Ungeheuer! Oh, Sils Hammer und Bart, was für eine Schweinerei! Er blickt zu Niniane, doch die Waldläuferin beobachtet das Mädel, Caewlin und Phelan, und sieht ihn nicht an. Die Bluthündin des Sturmenders, wie ein schwarzbrauner Fellberg hinter dem Tisch, seinem und dem Stuhl des Nordmanns, hatte, als die Tür aufgegangen war, den Kopf gehoben und so bequem über die Tischplatte hinweg einen gelbäugigen Blick auf ihren neuen Gast geworfen, aber außer einem halblauten Schnauben keinen Laut von sich gegeben. Phelan nimmt sich auf Caewlins Bitte hin des Mädchens an und während so alle mehr oder minder abgelenkt sind, geht hinter ihnen die Tür zu seinem Schlafgemach auf und Azra blinzelt herein, wohl aufgeschreckt durch den ganzen Tumult. Borgil rutscht fast das Herz in die Hose. Niniane und Phelan hier, und keine acht Schritt entfernt ein Blutelbenmischling, das hätte ihm jetzt gerade noch gefehlt!

Er steht hastig auf, murmelt etwas von "Komme gleich wieder" und schießt dann in sein Schlafgemach hinüber, wobei er fast über Akira stolpert, die knurrend ihren Unmut äußert, ihm dankenswerterweise aber nicht die Beine abfrisst. In seinem Schlafgemach liegt Stelze knurrend und wuffend am Kamin und fixiert die Tür, als rieche er genau, wer dort drüben alles ist, und sei gar nicht damit einverstanden, er steht aber nicht auf. Ravens armer Wolfshund ist immer noch reichlich mitgenommen. Borgil schiebt Azra, der er mitten in die Arme gestolpert ist, entschlossen von der Tür weg. "Agh! Ich dachte, du schläfst längst, es ist mitten in der Nacht! Ich muß ein paar Freunden helfen," er wedelt geistesabwesend hinter sich in Richtung seines Kaminzimmers, um den Radau dort zu erklären. "Raven und Caewlin stecken in Schwierigkeiten. Hör zu, ich werde eine Weile weg sein und ich möchte, daß du hier bleibst und Halla hilfst, schön auf alles aufzupassen. Kümmere dich um den armen Stelze hier. Ich bin bald zurück, in ein paar Tagen, und dann geht es dir bestimmt besser. So, und jetzt tu mir einen Gefallen und behalte deine neugierige kleine Nase diesseits der Tür. Ich sage Halla noch Bescheid." Er nestelt ein paar Schlüssel von seinem Gürtel und drückt sie Azra in die Hand. "Hier. Auf die musst du gut acht geben. Dieser hier ist für meine Gemächer, der hier für die Harfe selbst, den Haupteingang, den Gesindeeingang, den Keller. Merk dir die, die anderen bekommt Halla in Verwahrung." Er kann nicht widerstehen und drückt das Mädel kurz an sich, dann ist er auch schon wieder verschwunden, und schließt die Tür fest hinter sich zu.

Zurück in seinem Kaminzimmer, bekommt er gerade noch Phelans letzte Worte mit: >Uns läuft die Zeit davon.< Borgil grinst Niniane kurz entschuldigend zu, die ihn fragend ansieht und nickt dann. "Ich komme ebenfalls mit Euch." Seine dicken Brauen sträuben sich angriffslustig. "Erstens will jemand meiner Raven ans Leder, bitteschön, und zweitens hatte ich schon lange keine wirklich gute Prügelei mehr. Wird mir gut tun. Wer rastet, der rostet oder so ähnlich heißt es doch." Er läßt seine Gelenke knacken, als wolle er damit seine Worte unterstreichen und ignoriert Ninianes hochgezogene Brauen. "Na was? Ach ja, Proviant und Ausrüstung. Entschuldigt. Eins verdrängt das andere, sozusagen. Ach ja... dann wollen wir doch mal sehen, was wir hier so haben, nicht wahr? Hundert Zwergenkrieger werden es aber nicht, leider. Äh... könntet Ihr wohl Euren Hund da wegrufen. Sie liegt auf meiner Kellertür."
Caewlin scheucht Akira zur Seite und Borgil rollt den kheyrisischen Teppich weg. Darunter kommt eine Falltür im Boden zum Vorschein, die er öffnet und darunter eine Holzstiege. Die Stufen knarren und ächzen bedenklich unter Borgils immensem Gewicht, aber sie sind für ihn gebaut, also werden sie verflixt noch eins, schon halten. Unten in der Dunkelheit angekommen, hört man ihn eine ganze Weile rumoren. Es kracht und scheppert, schleift und klirrt, rumpelt und poltert und dann taucht Borgil wieder auf, beladen mit verschiedenen Rüstungsteilen, Lederbeuteln, Waffen und Holzkästchen. Er bugsiert alles schnaufend nach oben und taucht noch zweimal in seinen geheimnisvollen Kellern ab, nur um kurz darauf ebenso beladen wieder oben zu erscheinen und alles auf den Tisch zu stellen und schließlich ist er mit dem zusammengetragenen Fundus zufrieden.  

"Meine alte Rüstung. Niniane, hilf mir, sie anzulegen. Brauch dann noch meine Axt und ein paar Wurfbeile," er wedelt zu eiem Waffensammelsurium in der Ecke neben dem Kamin hinüber, wo Schlachtbeile verschiedener Größen an der Wand in Halterungen hängen. "Dann habe ich hier noch ein paar Phiolen mit Loas Öl, aber es sind nur fünf und mehr habe ich nicht mehr. Ein kleiner Beutel Feenstaub, eine Armbrust, ein paar Bolzen. Proviant laß ich uns in der Küche zusammenpacken. Muß eh gleich mit Halla reden, daß ich ein paar Tage nicht hier sein werd'.  Hier sind ein paar Lichtkristalle drin," er zeigt auf einen kleinen Ledersack, "sind besser als Fackeln, nicht so auffällig. Und ein paar Gifte hab ich auch noch gefunden. Man kann Armbrustbolzen, Dolche oder Pfeilspitzen damit präparieren... oder das ganze einfach in einen Weinkrug kippen, falls wir denn an einen rankommen. Soll ich die auch mitnehmen? Gut... dann macht mal Platz und laßt mich hier einpacken."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Faraday am 09. Dez. 2004, 11:29 Uhr
Faraday zuckt unter Caewlins Schlag auf den Tisch zusammen, als hätte der Hieb ihr gegolten. Noch immer wagt sie nicht den Kopf zu heben, weil sie fast fürchtet, er würde die Wut an ihr auslassen, wenn sie ihm nur einmal in die Augen sieht. Sie spürt ohne hinzusehen, dass der Mann neben ihr sie genau zu mustern scheint. Er hat bislang nichts gesagt bis auf ein knappes "Ich komme mit Euch". Vorsichtig sieht sie auf, während der Nordlord nach Proviant und Ausrüstung verlangt.

<Du hast ihn gehört, Mädchen. Ich kann dir helfen und du siehst aus, als hättest du Hilfe bitter nötig.>

Helfen? Faradays Mundwinkel zucken, sie weiß nicht recht, was sie davon halten soll. Ihr Kopf tut weh, ihr Hals brennt und ihre Lungen schmerzen noch immer. Der Schwindel wenigstens, der sie den ganzen Morgen geplagt hat, ist verschwunden. Die Krankheit nimmt ihr die Klarheit und die Schnelligkeit, die ihr ihr schon mehrmals das Leben gerettet haben und ja, sie wäre froh, wenn jemand etwas dagegen tun könnte. Sie lässt sich von dem Mann auf den Stuhl drücken und seine Untersuchung über sich ergehen. Dass er sie dabei berührt gefällt ihr nicht, aber was bleibt ihr anderes. Erst als er ihr die Hand auf die Stirn legt und die Augen schließt beginnt sie zu begreifen, dass sie hier jemanden mit Heilkräften vor sich hat. Ihre Augen werden groß, während sie abwartet was geschieht. Es juckt und kitzelt auf ihrer Stirn, kurz spürt sie sogar ein leichtes Brennen, aber die Schmerzen in ihrem Schädel werden merklich schwächer. Faraday fühlt sich mit einem Mal beinahe beschwingt, als hätte ihr der Mann neue Kraft gegeben. Er hat die Augen geschlossen und sie kann ihn betrachten, während er tut, was immer er da tut. Seine Haut ist gebräunt und sein Haar lang, dunkel und kraus. Er errinnert sie an die Männer aus ihrer Heimat, doch seine Gesichtszüge und die leicht spitz geformten Ohren verraten ihr, dass sie keinen Menschen vor sich hat. Ein Bastard, so wie ich. Faraday presst die Lippen zusammen und kurz kehrt der Schmerz in ihrem Kopf zurück, nur um dann gänzlich zu vergehen. Er öffnet die Augen, doch hat er keinen Blick für sie übrig und seine Worte gelten auch nicht ihr.

Plötzlich öffnet sich eine weitere Tür, der Faraday bislang keine Beachtung geschenkt hat. Sie erkennt ein blasses Gesicht, das von so hellen Haaren umrahmt wird, sie Faraday sie noch niemals zuvor gesehen hat. Der Zwerg ist beinahe sofort auf den kurzen Beinen, doch die Augen des Mädchens brennen sich in Faradays Kopf und verursachen ihr Unbehagen. Was ist sie? will sie rufen, unterlässt es aber dann und starrt stattdessen verwirrt die Tür an, die sich hinter Borgil wieder geschlossen hat. Lange ist der Zwerg nicht fort und als er zurückkehrt, scheint das seltsame Mädchen vergessen und nichts anderes mehr wichtig als die Sache mit Raven und den Kanalratten. Faraday bleibt still sitzen wo sie ist. Natürlich würde sie mitkommen und sie versteht überhaupt nicht, wie der Heiler auch nur einen Moment daran zweifeln kann. Der Zwerg baut unterdessen einen beachtlichen Berg Waffen, Ausrüstung und anderem Krempel auf und neben dem Tisch auf, den Faraday nur noch mit offenem Mund bestaunen kann. Wer hätte im Keller einer Taverne schon ein derartiges Waffenarsenal vermutet. Und ganz bestimmt ist auch ein Dolch darunter, der ihrem ähnlich ist und der sich jetzt irgendwo dort unten in den Kanälen befindet. "Krieg ich... auch was?" Abwartend schielt sie zu dem Zwerg hinüber, vermeidet es aber den Nordmann und die Frau mit den unheimlichen Augen direkt anzusehen. "Ich meine für... für da unten. Ich will  nich' wehrlos sein."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Niniane am 09. Dez. 2004, 15:48 Uhr
Niniane hat Phelan und das Mädchen beobachtet, und Borgils hastige Flucht in sein Schlafzimmer zwar aus den Augenwinkeln mitbekommen, sich aber nichts weiter dabei gedacht. Sie kennt den Zwerg seit zwei Jahrhunderten und wahrscheinlich hatte Caewlin mit seinem Gefluche nur Borgils derzeitige Favoritin aus den Federn geworfen. Der Zwerg war noch nie ein Kostverächter. Sie hilft ihm, die herbeigeschleppte Ausrüstung zu sortieren und dann über Unterzeug, Hemd und wattiertem Wams den Harnisch anzulegen. Sie selbst hätte für die Tunnel dort unten keine schwere Rüstung gewählt, aber das einem Zwergen beizubringen, übersteigt ihre Redegewandtheit. Ein Sohn von Fels und Stein wäre vermutlich auch ins Treibsandmeer mit schwerem Plattenpanzer marschiert. Und vielleicht ist es gar nicht so schlecht, einen Schwergepanzerten bei sich zu haben. Borgil ist zwar nicht sehr hoch, aber breit. Stellt ihn in seiner Rüstung mit Schild in einen Gang und keiner kommt mehr vorbei. Sie schließt gerade die Schnallen der Hauberke, als das geheilte Mädel sich von ihrem Stuhl aus zu Wort meldet. >Krieg ich... auch was?< Niniane sieht auf und auch Borgil blickt leicht ratlos zu Caewlin, aber der zuckt nur mit den Schultern.  Da der Zwerg gerade mit seinen Panzerhandschuhen kämpft, ist es schließlich sie, die einen Wams aus verstärktem Leder und einen Dolch aus dem Haufen fischt und beides dem Mädchen zuschiebt. "Hier. Wenn du Hilfe mit den Schnallen brauchst, sag Bescheid. Hier ist noch eine leichte Armbrust. Kannst du schießen?"

Borgil packt derweil, von oben bis unten stahlgepanzert, seinen Rucksack, verteilt Lichtkristalle an alle und überprüft dann mit spitzen Fingern das Holzkästchen, in dem - zwischen Holzwolle und Leder fest verpackt - die Tonfläschchen mit Loas Öl schlummern. Dann stapft er zu seinen Äxten hinüber und wählt mit großer Sorgfalt ein Handbeil, eine Kriegsaxt, und ein halbes Dutzend kleiner Wurfbeile aus, die er an seinem Gürtel aufreiht wie sonst seine zahlreichen Schlüssel. Sie tauscht noch einen Blick mit ihm und kann nur noch den Kopf schütteln. Das Funkeln in den schwarzen Zwergenaugen verrät nur zu deutlich, daß sich zumindest Borgil, Gefahr und Sorge um Raven hin und her, wirklich auf das bevorstehende Abenteuer freut. Sie selbst kann das nicht einfach auf die leichte Schulter nehmen... auch wenn sie in ihrem Inneren glaubt, daß alles gut werden würde. Caewlin kennt die Tunnel, er kennt Whytfisk. Phelan begleitet ihn und Borgil... nun ja, Borgil scheint wirklich ganz versessen darauf, ein paar Kanalratten die Hälse umzudrehen. Und das Mädchen... Niniane kann die Kleine unmöglich einschätzen, aber sie scheint einiges Interesse daran zu haben, diese Sache möglichst auf Caewlins Seite zu Ende zu bringen und ihren gefangenen Freund dort unten zu befreien. Sie holt noch einmal tief Luft und läßt ihren Blick über alle schweifen.

"Kann ich noch irgendetwas für euch tun? Nein? Dann... dann gehe ich nach Hause. Caewlin," sie tritt an seine Seite und legt ihm leicht die Hand auf den Arm. "Wir passen gut auf Calyra und Brynden auf. Mein Wort darauf. Und wenn ihr in Schwierigkeiten geratet, erinnere dich an euren letzten Weg von dort. Bring uns Raven heil wieder. Du bist der einzige, der das kann." Sie verabschiedet sich von Borgil, in dem sie den Zwergen auf den narbigen Schädel küßt und dann von Phelan, den sie kurzerhand umarmt. "Cara ti, min Ijo. Ayares isdiores ti. Pass auf sie alle auf, ja? Ich bete für euch alle dort unten." Mehr ist nicht zu sagen, und nach einem letzten Blick auf alle, verläßt sie Borgils Gemächer und die Harfe durch den Gesindeausgang. Im kalten, nächtlichen und mittlerweile von Schnee überzogenen Innenhof der Harfe, läßt sie sich ihre Jagdstute und Caewlins Grauen bringen und bricht dann mit düsteren Gedanken und der Hoffnung, Raven möge noch am Leben sein, zurück in ihren Baum auf. Und tief in ihrem Inneren wünscht sie sich, sie könnte mit ihnen gehen und ihnen helfen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Mael Duinc am 10. Dez. 2004, 17:06 Uhr
Die Suche nach Shehera

Hier geht's zur Vorgeschichte auf dem Platz der Händler... (http://forum.weltenstadt.de/?board=stadtrpg;action=display;num=1019290457;start=630)

Máel lässt sich treiben, während er sich die nächsten Schritte überlegt. Das Beste wäre wahrscheinlich, sein Glück in der Harfe zu versuchen. She und er hatten den Harfengarten oft besucht, auch wenn sie das Gebäude so gut wie nie betreten hatten, da die Platzangst der Geschichtenerzählerin die eng gedrängten Leiber der Gäste innerhalb der Wände als bedrückend empfunden hatte. Nun war es mittlerweile eisig kalt, und der Wind versucht mit wütenden Böen das Leder seines langen Mantels zu überwinden, um ihm die letzte Wärme zu stehlen, die ihm ohne seine Geliebte gerade noch so spürbar durchströmt, dass er nicht mit den Zähnen klappert. Seine Finger sind kalt wie Eis, und er klemmt sie mit verschränkten Armen unter seine Achseln, während er sein Hirn verflucht, weil er seine Handschuhe in seinem Rucksack vergessen hatte, der im Warmen im Haus der Geschichten im Schrank steht. Vollidiot!, schimpft er sich selbst, als sich hämisch seine leise Stimme meldet, Was soll’s!? so hast Du auf jeden Fall schon gepackt, wenn sie Dich später sowieso vor die Türe setzt!

„Sei still! Sie wird mich nicht rauswerfen!“, zischt Máel unbewusst laut seine Gedanken, und erst der verwirrte Blick einiger Passanten läst ihn inne halten. Er drückt sich an eine Hauswand, bis sie außer Sicht- und vorallem Hörweite sind, bevor er seinen Weg fortsetzt. Sehr gut! Nun führe ich schon laute Selbstgespräche! Noch einen Schritt weiter, und ich kann Morgana gleich nach einem Mittel für Geisteskrankheiten fragen, wenn ich sie später aufsuche! Er versucht sich selbst darüber zu täuschen, dass vielleicht nicht alles mit ihm in Ordnung ist, ebenso wie über die Tatsache, dass She ihn höchstwahrscheinlich tatsächlich aus dem Haus werfen könnte. Alles deutet darauf hin. Sie war wortlos verschwunden, hatte ihm keine Nachricht hinterlassen, wo er sie finden könnte, hatte ihn bereits ausgeschlossen, als sie ihm ihr Lager anbot, ohne ihn eines weitern Blickes zu würdigen. Nein! Das darf und wird nicht passieren! Sie wird toben und wütend sein oder mich mit ihren Tränen stärker verletzen, als der verfluchte Armbrustbolzen in meiner Schulter, aber ich darf bleibe…ich muss bleiben dürfen!

Schneller als erwartet ereicht er die Harfe und öffnet die Türe. Der schwere Geruch verbrauchter Luft vermischt mit Essensgerüchen, Bier und Tabak empfängt ihn wie ein armer Vorhang, der sich wie eine Decke um ihn legt, als eintritt. Es ist sehr voll und er dreht eine Runde, um Shehera vielleicht zu entdecken, doch wieder wird er enttäuscht. Er findet einen verwaisten Tisch, der von den Gästen aus welchem Grund auch immer bisher gemieden wurde und fühlt sich von ihm eingeladen. Bei der erstbesten Mogbardame bestellt er sich etwas zu Essen, und als sie nachfragt, was er denn ganau wollte antwortet er schlicht: „Das ist egal…ich werde eh keinen Bissen essen können…“ Der erstante blick der Kellnerin haften noch ein paar Sekunden auf ihm, bevor sie sich davon macht, um seiner seltsamen Bestellung nachzukommen. Und Máel sollte Recht behalten. Als das Kaninchenragout dampfend vor ihm steht, vergeht ihm der letzte Hunger, den er noch hatte, und mit verschränkten Armen starrt er auf das Essen, als hätte es alle Antworten auf seine Fragen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 10. Dez. 2004, 19:56 Uhr
RUMS! Und beinahe fliegt Azra rücklings auf dem Holzboden zurück, so schnell schiesst der Herr Zwerg ihr in die Arme. Im letzten Augenblick vermag er sie noch aufzufangen und völlig verdattert blickt sie ihn an, voller Respekt gegenüber der Schnelligkeit des Zwergen, wo er doch soooooo kurze Beine hat. Er scheint in Eile, wedelt mit der Hand in Richtung Türe begleitet von irgendwelchen verwirrenden Erklärungen die Azra mit stummen Kopfnicken auffasst ohne wirklich zu verstehen worum es denn jetzt geht. Einfach nur Nicken und Lächeln ist die Devise.
Was sie jedoch klar und deutlich aus der hastigen Rede des Zwergen heraushört ist, dass Raven und noch ein Andere in Gefahr sind und er sie da raus holen möchte. Bereits ziehen sich ihre Augenbrauen in Richtung Protest zusammen und ihr Mund formt sich zu einem: *Ihr begebt euch selbst in Gefahr?!!* zusammen, da nestelt er mit geschickten Händen an seinem Gürtel herum und drückt ihr plötzlich einen Schlüssel nach den Anderen in die Arme. Dazu kommen noch Erklärungen welcher denn nun genau zu welchem Schloss passen. Der Grosse also für die Harfe, der Verschnörkelte für das Gemach, der Dicke für den Keller, der Kleine für den Gesindeausgang… Nein für das Gemach, nein da war ja schon der Verschnörkelte… Aber welcher gehört denn nun zum Haupteingang. Sie kriegt kaum noch mit wie der err Zwerg sie noch einmal kurz sanft in den Arm nimmt, bevor er wieder zurück in das andere Zimmer verschwindet und diesmal sicherheitshalber auch zuschliesst. Wer weiss wie neugierig Azra’s Nase doch noch ist, auch nach seiner Bitte.
Sie selbst bliebt jedoch verwirrt zurück, mit einem Berg von Schlüsseln in den Armen und einem leise jaulenden Hund neben sich. Als sie sich schliesslich wieder aus der Starre lösen kann, schüttelt sie erstmal den Kopf um all die fliegenden Schlüssel aus ihrem Kopf zu vertreiben. Sie wird schon noch herausfinden, welcher Schlüssel wohin gehört, es sind ja nur… Naja, wie auch immer, mehr auf drei auf jeden Fall, das vermutet sie zumindest, oder gibt es vielleicht gar keine höhere Zahl als drei? Nun endgültig dem Wirrsal erliegend, lässt sie sich aufs Bett zurückfallen und sieht verloren auf die vielen, verschiedenen Schlüssel in ihren Armen und schliesslich in die treuen funkelnden Augen des Hundes.
„Stelze, das ist also dein Name. Hm.. ich soll auf dich aufpassen bis dein Herrschen zurückkommt. Raven heisst sie, sie ist wirklich schön. Du hast gemerkt das sie in Schwierigkeiten ist, oder? Hast ja scheinbar auch etwas abbekommen, tut es denn noch sehr weh?“ Und als ob der Hund verstanden hätte, fiept er leise auf und vergräbt seine nasse Nase in ihrer kleinen Hand. Flink lässt sie sich auf die Knie nieder und beginnt seinen Kopf zu kraulen, dabei weiter sprechend als würde sie wirklich mit Jemandem reden: „Der Herr Zwerg hat gesagt ich soll auf dich aufpassen und auch auf die Goldene Harfe. Hoffentlich ist er nicht auch in Gefahr… Er hat mir so sehr geholfen, tut er immer noch. Na ja, ich wird versuchen ihm zu helfen wo ich kann, aber es ist schon spät. Morgen ist er wahrscheinlich nicht mehr hier. Ich kann nicht beten, ich weiss nicht wie das geht, aber wenn ich es könnte, würde ich es jetzt tun. Ob Halla mir das vielleicht beibringen kann?“
Kurzerhand legt sie sich auf Bett und kuschelt sich in die Decke ein, sämtliche Schlüssel im Arm und eine Hand auf dem verbundenen Kopf des Hundes.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Caewlin am 10. Dez. 2004, 21:02 Uhr
In Borgils Privaträumen/Auf den Straßen der Stadt

Caewlin zuckt nur mit den Schultern, als das Rotzgör um eine Waffe bittet und überläßt es Niniane, ihr etwas zu geben. Ihren Namen hat er immer noch nicht erfahren, aber im Augenblick zumindest ist er ihm auch völlig gleichgültig. Er hat Phelan dankbar zugenickt, als der Halbelb zugestimmt hatte, mitzugehen, einen Blick mit Niniane getauscht und dann mit unbehaglicher Faszination Phelans Zauber zugesehen. Obwohl er selbst einmal auf ähnliche Weise geheilt worden war, ist ihm auch solche Magie nicht wirklich geheuer und würde es vermutlich nie sein. Borgil verschwindet nebenan, taucht wieder auf, verkündet, er käme ebenfalls mit ihnen und fördert dann aus einem Keller unter seinen Gemächern einen Berg an Ausrüstung zu Tage. Caewlin pfeift leise durch die Zähne und ein halbes Lächeln erscheint in seinen Mundwinkeln, als Borgil Kristallsteine, Loas Öl, verschiedene Gifte und wissen die Götter was noch alles Nützliches aufzählt. Das bringt uns immerhin ein paar Vorteile ein... selbst Whytfisk kann nicht mit allem rechnen. Caewlin hat zwar mit Borgils Hilfe fest gerechnet, aber daß der Zwerg gleich mit ihnen kommen würde, verblüfft selbst ihn - obwohl er keineswegs undankbar ist dafür. Er kennt Borgil nicht halb so gut, wie Niniane ihn kennt, aber er weiß - wie jedermann in Talyra - von seinem Ruf. Ist nur die Hälfte von dem wahr, was man dem Harfenwirt nachsagt, dann wäre er in den Tunneln von unschätzbarem Wert. Jetzt allerdings staffiert er sich mit der Hilfe der Waldläuferin aus, als wolle er ganz allein gegen ein Heer in die Schlacht ziehen.

Das Kistchen mit Loas Öl packt Borgil selbst ein, den Feenstaub reicht er an Phelan, die Gifte nimmt Caewlin an sich. Er verteilt aus seinem eigenen Rucksack zu sauberen Bünden aufgerollte Seile an jeden, auch an das Mädchen, das sich mit dem leichten Lederpanzer abmüht, den Niniane ihr ausgesucht hatte, und reicht Phelan auf dessen Bitte hin noch einen Rundschild aus Borgils Sammelsurium. Er selbst nimmt sich nur ein paar Wurfäxte von der Wand und steckt sie in seinen Waffengurt, wo neben den Jagddolchen nur noch der Morgenstern mit eingehakten Schlagkugeln baumelt. Dann sind sie fertig und Borgil verschwindet noch einmal kurz, wohl um mit seiner obersten Magd zu sprechen und den Proviant zu besorgen. Es dauert nicht lange, bis er wiederkommt, und jedem ein gut verschnürtes Bündel mit Zwieback, Dörrfleisch, getrocknetem Obst, Brot und einem gut gefüllten Wasserschlauch mitbringt. Selbst an die Bluthündin hat er gedacht und drückt Caewlin einen Lederbeutel mit Pansen, Fleischabfällen und Knochen in die Hand. Borgil blickt sich noch einmal um, stülpt einen eckigen Eisenhelm auf seinen narbigen Schädel, schnallt sein Schlachtbeil auf den Rücken und scheucht sie dann alle hinaus. Sie verlassen die Harfe wie Niniane zuvor durch den Gesindeeingang und den Innenhof und meiden das Licht der Nachtfeuerkörbe, als wären sie alle verstohlene Diebe in der Dunkelheit. Akira tappt neben ihm und die riesige Gestalt der Bluthündin verschmilzt mit den Schatten.

Das Rotzgör führt sie unter kalten Wintersternen durch die dunklen Gassen Talyras in Richtung Hafen - ihrem Jen, dem Gestank und dem Grauen der Tunnel, Dutzenden von Kanalratten und einem Monster entgegen. Ein Zwerg, ein halbelbischer Waldläufer und eine ebenso spitzohrige Diebin, die kaum mehr ist als ein Kind. Und ich. Whytfisk lacht sich tot. Sie umgehen das Seetor, wo ein paar frierende Blaumäntel sich um windverwehte Wachfeuer drängen, indem sie sich durch enge Gassen und verschachtelte Hinterhöfe schleichen. Je weiter sie in Richtung Hafen kommen, desto nebliger und kälter scheint es zu werden. Genieß die klare Luft und die Kühle so lange du noch kannst. Bald bist du wieder in den Eingeweiden Talyras und so wird es auch stinken. Du wolltest nie wieder dorthin. Das Mädchen führt sie schließlich in eine winzige, enge Gasse, die mit Kisten und Fässern fast verstopft scheint. Es stinkt nach Tang, faulem Fisch und Rattendreck, und die Häuserwände, fensterlos und schwarz, drängen sich so hoch und dicht um sie, daß nur weit über ihren Köpfen noch ein schmales Stück Nachthimmel zu sehen ist. Das Rotzgör macht sich an einem der Fässer zu schaffen und murmelt etwas von "Hier entlang." Caewlin nickt nur und läßt Phelan und Borgil vorangehen. Calyra. Brynden. Raven.  Er legt den Kopf in den Nacken und wirft einen letzten Blick auf die Sterne. >Bring sie zurück, Caewlin. Du bist der einzige, der das kann.< Es muß kurz vor Mitternacht sein und die Stunde des Tötens beginnt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Elyrina Tinuviel am 11. Dez. 2004, 20:30 Uhr
Im Schankraum


Elyrina beobachtet die vielen Leute in der Harfe ausgibig. Jeder scheint in ein Gespräch vertieft zu sein.
Warum scheint jeder Freunde zu haben. gibt es niemeanden wie mich der sich allein durch das Chaos dieser Stadt kämpft? Sie schüttelt kaum merklich den Kopf.
Immer wieder hört sie jemanden Lachen, auch die Leute an ihrem Tisch tauschen freundliche, vertraute Berührungen aus, klopfen sich gegenseitig auf die Schulter und stoßen mit den Getränken an.
All ihre Euphorie über einen schönen Abend sind chon fast verflogen, sie kann einfach nicht anders als bei dem Anblick all dieser Leute traurig werden.
Sie versteht das einfach nciht. Solange sie etwas zu tun hat und sich nur kurz mit ihren Kunden unterhält geht es ihr gut, sie ist fröhlich und freundlich. Aber sobald sie alleine ist, dann kommen die Zweifel, ob es eine gute Idee war von zu Hause fort zu gehen, es kommt die Trauer darüber, dass sie sich nicht überwinden kann um andere kennen zu lernen. Manchmal mag sie auch gar nciht mehr arbeiten, einfach nur dasitzen und sich selbst bemitleiden. An so Tagen wie heute dagegen geht es ihr zunächst gut, aber wenn sie dann wieder andere sieht, die mit Bekannten und Freunden spaß haben, dann wird sie wieder so traurig.
Noch wärend sie darüber nachsinnt wie schlecht es ihr wohl geht wir ihr ihr Essen gebracht. Sie dankt sich bei der Dame die ihr das Essen bringt und beginnt dann ihr Ruhe zu Essen.
Sie verdrängt die schweren Gedanken und überlegt sich wie sie noch mehr Leute dazu bringen könnte ihren Laden zu besuchen und auch mehr Sachen zu verkaufen.
Sie kommt zu keiner zündenden Idee bis sie das Essen beendet hat.
Sie schaut sich wieder um. Ein attraktiver Elb mit schwarzem Haar wie das ihre, betritt den Schankraum und setzt sich an einen Tisch der scheinbar frei geworden war und an dem sich niemand mehr hinsetzen wollte. Sie Beobachtet ihn eine Weile.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Roana am 11. Dez. 2004, 21:44 Uhr
Ein wenig genervt folgt Roana Dixie in die Goldene Harfe. Eigentlich wäre sie lieber erstmal in der Schneiderei geblieben und hätte ein ruhiges Wort mit madam Pileh gesprochen, aber nun sitzt sie mit Dixie in der Goldenen Harfe. Nicht dass das Dixie, das junge Mädchen mit den dunkelbraunen Haaren, keine nette Unterhaltung wäre, aber ich wäre lieber alleine viel lieber, sovieles hat sich geändert, ich soll in einer Schneiderei arbeiten, und ich bin doch erst 1 Tag hier.
Naja, Roana wendet sich zu Dixie " Du arbeitest also in der schneiderei oder besser gesagt für Madam Pileh, kommst du aus Talyra?" Roana versucht zu lächeln, es ist schwer mit jemanden der so anders scheint ein Gespräch zu beginnen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Dixie am 11. Dez. 2004, 23:12 Uhr
Den Weg zur Goldenen Harfe legen sowohl sie, als auch Roane schweigend zurück und als sie in der gut gefüllten Goldenen Harfe einen Tisch gefunden haben, machen sie es sich gemütlich. Gründlich schaut und hört sich Dixie um, denn sie will möglichst hier einen Mann finden, der Madam Pilehs Arbeitsansprüchen genügt und nicht im Pfirsich. Sieht nichg gut aus... Die da hinten sind eingefleischte Handwerker, die brauchen gewiss nicht noch eine Aufgabe und die da in der Ecke, wären für die Schneiderin unzumutbar. Die würden alles versaufen und dann noch mehr Geld verlangen, weil die Stoffdinger sooo schwer sind!

Als Roana erst festellend sagt, dass sie für Madam Pileh arbeitet und gleich darauf fragt, ob sie aus Talyra kommt, guckt Dixie die Frau neben sich erst etwas irritiert an, sagt dann aber: "Ähm nein, ich arbeite nicht für Madam Pileh, ich hatte nur einen Auftrag für sie erledigt. Ich bin Botin und ja, ich komme aus Talyra! Bin hier schon seit ich denken kann und habe auch vor hier zu bleiben. Und ihr? Ich habe euch hier noch nie voher gesehen."

Während Dixie spricht, schaut sie sich auch weiter nach einer Arbeitskraft für Madam Pileh um, aber der einzige der ihr annährend geignet scheint, ist ein Mann der in sein Essen starrt. Wäre wohl auch nicht viel besser als einer der zu tief in die Flasche guckt... Einen Augenblick später kommt eine der Mogbardamen vorbei und fragt die Beiden, ob sie etwas zu Essen oder zu trinken haben wollen. "Für mich einen Tee... irgendeinen! Hauptsache er macht nicht müde." Dixie trinkt lieber hier etwas und im Pfirsich nichts, als anderes herum, denn die Goldene Harfe kennt sie, gegenüber dem Pfirsich, den kennt sie nur flüchtig und das nicht ohne Grund.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Roana am 12. Dez. 2004, 18:17 Uhr
Auf die Frage ob die beiden etwas zu Trinken oder zu Essen haben wollen antwortet Roana nur müde, für mich Nichts, danke. Sie war erst einmal in der Goldenen harfe und das einmal hat sie die Harfe auch gleich darauf wieder verlassen. Dixie sucht immernoch angestrengt nach jemandem der Madam Pileh mit den Stoffen in der Schneiderei helfen könnte. Scheint nicht so als das wir hier Jemanden finden könnten.

Dixie scheint über Roanas Frage erstaunt zu seien und sagt gleich darauf, dass sie sie noch nie in der Stadt gesehen hat. Kann sie ja auch schlecht. " Nein, ich komme woanders her, bin erst einen Tag hier." sagt Roana freundlich aber ziemlich kühl, sie kennt die Fremde nicht und möchte nichts über sich erzählen. "Da du dich hier ja auskennst, wo muss ich hin, wenn ich etwas über Geschichte, oder besser gesagt Geschichten erfahren will? Du weißt, alte Bücher oder so!?!" Roana erinnert sich wieder an das, was sie eigentlich in die Weltenstadt brachte. Man beendet sein altes Leben nicht einfach so, ohne Grund, man geht nicht so in eine fremde Stadt mit fremden menschen, man verlässt nicht einfach so sein zu Hause. Dixie scheint Roana nicht ganz verstanden zu haben und scweigt einen Moment nachdenklich, als sie den Mund aufmacht um zu antworten, kehrt die Angestellte mit dem Tee zurück und stellt ihn vor Dixie auf den Tisch.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Dixie am 12. Dez. 2004, 19:52 Uhr
Aha nicht von hier. Den kühlen Ton in Roanas Stimme, bemerkt sie sehr wohl und denkt sich ihren Teil dabei. Kann mich wahrscheinlich nicht besonders leiden... aber was solls! Dixie stört sich nicht groß daran. Sie steht manchmal weitaus abneigenderen Haltungen gegenüber, schließlich sind nicht alle Kunden so nett zu ihr wie Madam Pileh. Als Roana von Büchern spricht, muss sie nicht lange überlegen, denn zum Thema Bücher, fallen ihr sogar gleich zwei Orte ein! Sie will gerade antworten, als ihr Tee kommt und sie riecht kurz daran, denn sie ist neugirig, was für einen Tee ihr die Bedienung gebracht hat, schließlich ist er noch zu heiß, um ihn einfach zu probieren. Minztee... glaub ich. Wirklich auskennen tut sich Dixie mit Tee nicht, aber durch die Besuche bei Bregond, in seinem Teeladen, hatte sie wenigstens einen kleinen Einblick erhalten.
Dann kommt die Botin aber auch auf die Frage ihres Gegenübers zurück. "Also alte Bücher gibt es haufenweise im Haus der Bücher. Es ist das dicke Gebäude direkt gegenüber Madam Pilehs Haus, habt ihr bestimmt nicht übersehen." Sie unterbricht einen Moment ihre Ausführung und pustet in ihren Tee, damit er schneller abkühlt. "Dann gibt es noch das Haus der Geschichten, ob es da auch alte Geschichten gibt, weiß ich nicht, war noch nicht da. Ich weiß nur noch, dass es einer gewissen Shehera gehört. Liegt nördlich am Strand."  
"Seit ihr denn so etwas wie eine reisende Gelehrte, dass eines eurer erstenZiele in Talyra verstaubte Bücher sind?", fragt sie neugirig. Bei ihr wäre so etwas das Letzte, wonach sie in einer Stadt suchen würde, aber das mag daran liegen, dass sie wie viele Straßenkinder nicht lesen kann. "Auf jeden Fall habt ihr großes Glück so schnell eine Arbeit gefunden zu haben. Ich würde gut darauf achten, ass ihr sie auch behaltet." Dixie erinnert sich nämilch noch immer an das Benehmen von Roana in der alten Schneiderei. Selbst die beste Geschäftsfrau kann sich so etwas vor ihren Kunden nicht dauernd gefallen lassen.  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 12. Dez. 2004, 23:03 Uhr
Eine zeitlang spielt sie mit dem Hund, jedoch nicht lange denn er scheint noch immer sehr mitgenommen zu sein. Schliesslich legt er sich in eine Ecke des Zimmer und für eine Weile legt sich Azra einfach zu ihm und Beide schlafen den Schlaf der Gerechten. Als die Sonne bereits steil am Horizont steht wacht sie auf, weil der Hund sich räkelt und streckt. Leise lacht sie auf und krault ihn sanft unter dem Verband, dort wo er sich ständig versucht zu kratzen. Immer wieder stösst er dabei ein verärgertes Wuff aus, weil sich dieser verflixte Verband scheinbar einfach nicht wegschieben lässt.
Amüsiert betrachtet Azra seine vergeblichen Mühen für eine Weile und erhebt sich dann gähnend, mit dem guten Vorsatz die Aufgaben, welche ihr der Herr Zwerg gegeben hat, gerecht zu werden. Die Sonnenstrahlen welche durch das Fenster ins Zimmer scheinen und die Staubflôcken tanzen lassen, lassen sie leise aufseufzen, zu gerne würde sie wieder einmal hinaus.

Da huscht ihr Blick zurück zu dem Hund und ein Grinsen schleicht sich auf ihr bleiches Gesicht. Vielleicht würde es ihr Halla ja erlauben, wenn sie gut verdeckt mit dem Hund psazieren gehen würde? Aber dazu muss sie die Mogbar erst fragen. Vorsichtig öffnet sie die Türe einen spaltbreit und läuft schleichend dem Gang entlang bis sie zu einer weiteren Türe kommt, hinter welcher man deutlich die Geräusche des Schankraums vernehmen kann. Leise öffnet sie die Türe und schielt durch den Spalt in den gefüllten Raum, versucht eine der Mägde zu entdecken, was ihr auch einen Moment später gelingt und irgendwie schafft sie es sogar die Frau auf sich aufmerksam zu machen. Da das Personal der Harfe bereits Bescheid weiss über den seltsamen Gast des Wirtes, lässt die Magd sich nichts anmerken, ob des befremdlichen Aussehesehns des Mädchens und lauscht still ihrer Bitte Halla doch zu holen.
Die Frau mit dem langen braunen Haar nickt nur und wendet sich dann schnell einem Gast zu, welcher gerade einen neuen Met ordert.
Azra dagegen schleicht zurück in das Gemacht des Zwegen und setzt sich dort neben den Hund auf den Boden, ihn wieder hinter dem Ohr beginnend zu kraulen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 13. Dez. 2004, 14:53 Uhr
Borgil hatte Halla zu sich rufen lassen und Halla war gespannt wie ein Flitzebogen zu seinen Gemächern geeilt, sie hatte von einem Küchenjungen erzählt bekommen, dass Caewlin und Niniane bei Brogil seien, und dass auch Phelan später dazu gestossen wäre. Halla war sich sicher dass irgendetwas geschehen sein musste, nur konnte sie sich nicht denken was. Als Borgil dann in voller Rüstung vor ihr stand und ihr die Schlüssel in die Hand gedrückt hatte, war sie zu verdutzt und verängstigt gewesen, um auch nur eine einzige Frage zu stellen und nachdem sie die Schlüssel und die Anweisungen übernommen hatte, hatte sie ihm nur leise viel Glück gewünscht, bei was auch immer er und die anderen vorhatten. Der kleine Trupp war unbemerkt von den Gästen aus der Harfe verschwunden und Halla hatte sich wieder hinter die Theke gestellt und in Gedanken versunken gearbeitet.

Erst als Mira sie anspricht und sagt, der seltsame Gast von Borgil, wolle mit Halla reden, schreckt sie aus ihren Gedanken hoch, wischt sich die feuchten Hände an der Schürze ab und sagt Grid Bescheid, dass sie für einige Momente auf alles Acht geben soll. Dann macht Halla sich auf in die privaten Räume von Borgil, die sie noch nie betreten hat, ohne das der Zwerg selber anwesend ist. Halla weiss, dass der kleine Blutelbenmischling wieder bei Borgil ist und so tritt sie leise ohne anzuklopfen in die Gemächer des Zwergen.

Halla findet Azra zusammen mit Stelze vor, die einen dicken Verband um den Kopf trägt und die ganze Sache wird nun noch mysteriöser als vorher.Was macht Stelze denn hier und dazu noch verletzt und wo ist Raven und wo Mottenfaenger, wenn Stelze hier ist? Und wieso gehen Borgil, Phelan und Caewlin in voller Kampfmontur weg? Halla schüttelt verwirrt den Kopf, aber ihre Gedanken wollen sich dadurch auch nicht entwirren. Sie sieht zu Azra und lächelt dann, obwohl das Mädchen noch immer voller blauer Flecke ist, die sich gegen ihre weisse Haut besonders deutlich abzeichnen. "Du wolltest mich sprechen Azra?", und weil Halla vor Sorge und Neugier fast platzt, fügt sie noch an: "Weisst du was passiert ist und warum Borgil weg musste?" Gespannt sieht Halla in das Geischt der Halbblutelbin und hofft, dass ihre spitzen Ohren vielleicht etwas mitbekommen, haben was sie eigentlich nicht sollten.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 13. Dez. 2004, 18:38 Uhr
Azra sieht der Mogbar eher schüchtern lächelnd entgegen und krault Stelze weiterhin hinter dem Ohr. Dieser hat seinen Kopf zwischen seine Pfoten gelegt und als Halla eingetreten ist, lediglich die Augen geöffnet.
Das Halla sie fragt was geschehen ist, lässt den Blutelbenmischling ängstlich hochblicken und als sie erzählt, überschlägt sich ihre Stimme beinahe vor Zittern: "Ich war hier bei dem Hund, Raven ist nämlich plötzlich hereingestürmt und hat irgendwas Wirres erzählt, ganz komische Dinge, ich habe nicht viel vetstanden. Dann ist sie verschwunden und hat Stelze hier gelassen. Ein wenig später sind dann plötzlich die Anderen gekommen, ich hab sie nicht gesehen und ich wollte auch wirklich nicht lauschen aber sie waren so laut, ich konnte sie durch die Türe hören. Geflucht hat einer und immer wieder haben sie gesagt, das Raven in Gefahr ist und das sie Hilfe braucht, weil sie eine Dummheit begeht vielleicht, und dann hab ich Angst bekommen, weil der Herr Zwerg ihr scheinbar helfen soll, aber wenn sie in Gefahr ist und er geht zu ihr, ist er dann nicht auch in Gefahr? Ein Mädchen ist da auch noch gewesen. Ich wollte dann zu ihm, aber er hat mich gleich wieder zurück ins Zimmer bugsiert, hat mir ganz schnell alle Schlüssel in die Hand gedrückt und ist mit Sack und Pack wieder gegangen. Aber... Aber.. "Plötzlich verstummt Azra, sich gewahr werdend, was sie da alles ausgeplappert hat und schnell schielt sie auf den Boden, versuchend das mulmige Gefühl in ihrem Magen unter Kontrolle zu halten. Der Hund blickt sie an und scheint zu begreifen wie es ihr geht, denn fiepend leckt er ihr mit seiner grossen, rosa Zunge über den Handrücken, als wolle er sie aufmuntern.
Sie schafft es irgendwie ein Lächeln zustande zu bringen und sieht dann mit einer grossen Frage im Gesicht zu Halla hoch: "Aehm, ich wollte fragen... Naja, Borgil hat mir gesagt, ich soll ein wenig auf Stelze acht geben und.. Na ja.. also... " Irgendwie weiss sie nicht genau wie sie das jetzt sagen soll, immerhin ist es ihr bisher nicht erlaubt worden die Goldene Harfe zu verlassen: "Ich würde gerne mal wieder hinaus... In den Wald oder so und.. ich wollte fragen.. ob ihr mit mir hinausgehen würdet, zusammen mit dem Hund? Der muss ja bestimmt auch mal raus..."
Ihr farblosen Augen sehen hoffnungsvoll zu der Mogbar auf und schnell hängt sie noch hinterher: "Ich würde auch gerne hier in der Harfe ein wenig helfen und nicht einfach nur faul herumsitzen, ich habe auch bereits keine Schmerzen mehr."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Mael Duinc am 14. Dez. 2004, 07:22 Uhr
Die Suche nach Shehera

Gedankenverloren sitz Máel eine ganze Weile vor seinem Essen und starrt hinein, als würde das Kaninchenragout alle Antworten für sein verkorkstes Leben enthalten, und er könnte sie entschlüsseln, wenn er es nur lange genug versuchen würde. >>Stimmt etwas nicht mit dem Essen?!<<, fragt ihn eine besorgte Stimme neben ihm, und er schreckt beinahe zusammen, als er die freundliche Bedienung neben sich erkennt, die ihm seine Bestellung gebracht hat. "Nein, es ist alles…Bestens…es ist nur….zu heiß…", versucht er eine halbherzige Notlüge, und nur sein kummervoller Blick erspart ihm einen ein tadelndes Zucken der Augenbraue im Gesicht der Mogbardame. >>Ich denke, nun ist es kalt genug!<< Sie legt dem Elfen kurz eine Hand auf die Schulter, bevor sie zu ihrer nächsten Aufgabe davon eilt.    
   
Máel atmet tief durch und sein knurrender Magen erinnert ihn daran, dass er doch mal wieder etwas essen sollte, statt wieder nur lustlos darin herumzustochern. Gerade als er nach seiner Gabel greift, verrät ihm sein geschulter sechster Sinn, dass er beobachtet wird. Vorsichtig schaut er sich um, um die Person zu entdecken, die ihm ihre Aufmerksamkeit schenkt, und schnell macht er ein grünes Augenpaar ausfindig, das zu einer jungen Frau gehört, deren zierliche Figur in teure, dunkle Gewänder gehüllt ist. Sie wirkt gleichfalls ein wenig betrübt, dafür braucht es keine empathische Gabe, und Máel fühlt sich versucht, ihr ein wenig Gesellschaft zu leisten. Doch wie gebannt bleibt er auf seinem Stuhl und wirft ihr nur ein aufmunterndes Lächeln zu. Diese kleine Geste fällt ihm leicht, obwohl im nach allem anderen zu Mute ist als Lächeln, denn es ist tröstlich im Trubel der vergnügten Harfenbesucher noch jemanden auszumachen, dem das Leben offenbar auch nicht so mitspielt, wie man es selbst gerne möchte. Ein Gefühl von geteiltem Leid, und Máel ist ihr dankbar, dass sie ihn überhaupt bemerkt hat.

Sheheras Bild drängt sich wieder in seine Gedanken und hastig beendet er sein Mahl, um sich wieder auf die Suche nach ihr zu machen. Im Geiste geht er wieder und wieder alle Möglichkeiten durch, wo sie sich eventuell aufhalten könnte und auch die Gefahr, die von Senora ausgehen könnte wird ihm erneut bewusst. Nein, sie hat mir gezeigt, dass ich ihr vertrauen kann……zumindest vorerst!, wird er pflichtbewusst zur Vorsicht gemahnt. Nachdem Máel sein Essen bezahlt hat, schlüpft er zwischen den Gästen in Richtung Tür und sein Weg führt ihn am Tisch der zierlichen Dunkelhaarigen vorbei, an dem er kurz stehen bleibt. „Ich bin Euch zu Dank verpflichtet, denn wenn sich zwei einsame Blicke treffen, dann ist niemand von beiden mehr allein!“ Er verneigt sich mit einem charmanten Lächeln, um dann die Harfe zu verlassen.

Hier geht's weiter zum Grünen Aal... (http://forum.weltenstadt.de/?board=stadtrpg;action=display;num=1083054670;start=210#bot)

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Elyrina Tinuviel am 15. Dez. 2004, 09:35 Uhr
Elyrina versinkt schon fast in Gedanken.
Er ist wirklich ein atraktiver Elb. Sie mag Elben, diese Zeitlose Art. das hat sie ja auch an Chanyas verzaubert. Was der wohl gerade macht? Sie hat ihn schon sher lange nicht mehr gesehen. eigentlich nach ihrem Ausflug in die Bücherrei nicht mehr. Sie würde ihn gerne wieder sehen. Es gibt so viele Leute die sie schon so lange nicht mehr gesehen hat.
Shehera. bei ihr steht auch immer noch ein Besuch offen. Sie hatte ihr versprochen sie bald einmal besuchen zu kommen. Da war es noch Sommer gewesen. Und jett is das Jahr bald zu Ende. Sie seufzt. Sie hatte die liebe Frau einfach vergessen. Die sie so herzlich bei sich zu Hause empfangen hatte. Es scheint Elyrina als sei es Jahrhunderte her, dass sie mit lieben Menschen zusammen gesessen hat. Wie an dem Tag als sie mit Asrai hier im Harfengarten war.
Asrai, wie weit sie wohl mit ihrem Projekt schon gekommen ist. Sie wird sicher noch mit dem Umbau beschäftigt sein, oder? Die zierlich und zerbrechlich wirkende Person, wie sie das alles wohl schafft. Vielleicht sollte sie auch sie einmal besuchen. Vielleicht kann sie noch etwas Hilfe gebrauchen. Dann müsste Elyrina sich aber eine Hilfe für den Laden suchen.

Elyrina fällt kaum auf dass sie den Elben noch immer anschaut, bis er ihr zu lächelt. Sofort beginnt ihr Herz schneller zu klopfen und sie erwiedert das Lächeln mit leicht erröteten Wangen. Hoffnung steigt in ihr Hoch, dass er sich nihren Tisch gesellt, aber diese Hoffnung wirde nciht erfüllt, denn er ist seine Mahlzeit und zahlt.
Dennoch scheint sein Gesicht etwas von Dankbarkeit auszustrahlen.
Vielleicht ist er einfach zu traurig, oder so um Zeit mit mir zu verbringen. Vielleicht geht es ihm noch viel weniger gut als mir. Elyrina lächelt etwas bei diesen Gedanken, so wird es sicher sein. Besser geht es ihr durch diese Überzeugung aber dennoch nciht.

Etwas resigniert leert Elyrina ihr Getränkt und wartet auf eine der Mogbardamen um zu zahlen.
Aber bevor sie dazu kommt erhebt siech der Elb und steuert auf ihren Tisch zu. Er bleibt kurz neben ihr stehen.
>?Ich bin Euch zu Dank verpflichtet, denn wenn sich zwei einsame Blicke treffen, dann ist niemand von beiden mehr allein!"< Dann verneigt er sich und geht weiter, hinaus aus der Harfe.
Elyrina ist so überrascht von dieser Geste, dass sie einfach nichts erwiedern kann ehe er verschwunden ist. Nichts was ihr einfällt könnte annähernd das ausdrücken was sie gerade denkt, denn die Gedanken rauschen nur so durch ihren Kopf.
Als blickt sie ihm nur überrascht und wesentlich glücklicher als zuvor hinterher und lächelt.
Sie sitzt noch einige Augenblicke so am Tisch und starrt die Türe an, als ob er jeden Moment wieder eintreten würde.
Sie wird jedoch jäh aus ihren Träumen gerissen als eine der Mogbar Damen sie anspricht, als sie den leeren Becher und den Teller abräumt.
"Möchtet Ihr ncoh etwas trinken?"
Elyrina braucht zwei Sekunden ehe sie ihre Gednaken sortiert hat. "Ähhm,.. bitte? Nein Danke.. ich würde gerne Zahlen."
Die Kellnerin nennt ihr den Preis und ELyrina zahlt.
Dann legt sie wieder ihren Mantel an und macht sich auf den Weg zurück in ihren Laden.

Draußen ist es sehr kalt. Es ist schließlich auch schon sehr spät. Also zieht sie den Mantel enger um ihren Körper und stapft durch den frischen Schnee davon.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 15. Dez. 2004, 21:57 Uhr
Zuerst hat Halla noch versucht ihren Mund zu zu halten, aber je mehr Azra erzählt um so weniger gelingt es ihr die Kiefer aufeinander zu halten und als Azra schliesslich endet, steht ihr Mund weit offen und sie sieht die Bluteblin nur lange an. Die nächst Frage von Azra bekommt Halla gar nicht richtig mit. Tausende von beängstigenden Gedanken schiessen ihr durch den Kopf. Was ist wenn Borgil da unten was passiert? Was wird aus der Harfe ?...Die arme Raven dort unten bei diesem Pack, bei allen Göttern, was für eine verfluchte Sache ist das nur? Irgendwann, Halla weiss nicht genau wann, hören ihre Gedanken auf sich im Kreis zu drehen, klappt sie ihren Mund wieder zu und starrt weiter auf Azra. "Ähm..du hattest noch was gefragt, was war das noch?" Auch wenn Halla sich nicht wirklich darauf konzentrieren kann, versucht sie es so gut es geht und Azra wiederholt ihre Frage.

Das auch noch was soll ich denn jetzt machen? Ich kann hier nicht weg und sie alleine gehen lassen, Borgil würde mir den Hals umdrehen, wenn man sie erkennt und lyncht, was mach ich jetzt nur?... Reiss dich zusammen Halla! Halla geht ein paar Schritte durch die Gemächer von Borgil und kaut an ihrer Unterlippe, was ihr schon immer beim Nachdenken geholfen hat. Schlussendlich bleibt sie stehen und sieht Azra an.

"Ich kann hier nicht weg, jetzt wo Borgil nicht da ist und alleine kann ich dich nicht gehen lassen, selbst wenn du Stelze dabei hast. Ich hoffe du verstehst das. Aber was die Arbeit angeht, da wird sich sicher etwas finden. Ich werde mit Sigrun reden, ob du in der Küche helfen kannst, den Abwasch machen, Gemüse putzen oder solche Sachen. Aber wundere dich nicht, wenn man dich schief ansieht. Verbirg dein Aussehen so gut es geht, es wird schon genug geredet. Vielleicht kann ich dich auch bei den Zimmermädchen unterbringen, das wäre vielleicht noch besser, Wäsche zusammen legen und sortieren. Was Besseres kann ich dir nicht anbieten, nicht bis Borgil weiss, wie du ohne Bedenken, vor die Tür gehen kannst. Talyra ist zwar eine sehr aufgeschlossene Stadt, aber Blutelben sind auch hier nicht gern gesehen." Halla sieht den kummervollen Blick von Azra und hockt sich dann vor ihr nieder. "Ich weiss, dass du nichts für dein Erbe kannst und Borgil weiss das auch, aber die Anderen nicht, und die denken dann nicht nach, sondern handeln einfach und ehe du dich versiehst, hängst du am nächsten Torbogen oder Baum."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 16. Dez. 2004, 12:20 Uhr
Je länger Halla redet, desto trauriger wird Azras Miene, in welcher man auch deutlich die Enttäuschung heraus erkennen kann. Seit sie das letzte Mal ausgebüxt ist, damals bei Liselle, woran sie sich nicht mehr erinnern kann, hat sie die Harfe nicht mehr verlassen. Zu gerne würde sie wieder einmal die Sonne auf ihrer Haut spüren und wie der Wind mit ihrem Haar spielt. Danach sehnt sie sich ebenso fest, wie nach dem Duft der Natur und jetzt wo es Winter wird, würde sie wieder einmal gerne die Kälte auf ihrer Haut spüren und dann, ganz dick eingepackt durch den Wald laufen, der Stille lauschend.
Bekümmert hört sie damit auf Stelze zu kraulen, der ihr sogleich einen fragenden Blick zuwirft, soweit ein Hund das eben kann. Sanft stubbst er sie mit seiner feuchten, kalten Nase an, kann ihr damit jedoch kein Lächeln entlocken. Ja, aufhängen würden sie sie, am nächsten Ast, der in der Nähe wäre, genau das würden diese Wesen da draussen tun, ohne zu wissen was das bedeutet. Hallas Worte sind vorsichtig gesprochen und trotzdem ist es Azra, als würde man ihr ein Brett vor den Kopf schlagen. Hier in der Harfe war sie stets so sicher, das sie völlig vergessen hat, warum sie noch immer hier ist und nicht bereits auf den Strassen. Wirklich! Fast ist es ihr gewesen, als wäre sie wie Jedermann... <BIN ich auch! Das sehen nur die Anderen noch nicht.>

Ein resigniertes Lächeln zeigt sich auf ihren Lippen und ihre farblosen Augen zeigen ein kleines Leuchten, als Halla davon spricht ihr eine Arbeit zu geben, jedoch nicht ohne Verhüllung. Sogleich sieht sich Azra suchend um, kann sich aber nicht mehr erinnern, wo ihr Schal geblieben ist, ebenso wie ihr Umhang. Wüsste sie noch etwas von der Reise, würde ihr bewusst werden, dass ihr Liselles Bruder den Schal weggezerrt hat, doch da sie sich weder an ihn, noch an das Zusammentreffen erinnern kann, zuckt sie lediglich fragend mit den Schultern und spricht scheu: "Ich.. weiss nicht wo mein Schal ist. Ich habe ihn bei..." Auf ihren bleichen Wangen zeigt sich eine leichte Röte: "... beim Weglaufen noch getragen, aber nicht mehr als ich hier aufgewacht bin. Soll ich einfach den Umhang anziehen?"
Das Hemd des Herr Zwerg genügt ihr immerhin als Kleid, die Aermel ein wenig zurückgerollt reicht es ihr von der Länge immerhin bis beinahe zu den Knien, aber vielleicht: "Habt ihr meine Hose noch?"
Unentweg macht sie sich dabei Gedanken um den Herr Zwerg, wie es ihm und Raven jetzt wohl gerade geht, was mit ihnen passieren könnte und wieder zeigt sich Angst auf ihrem Gesicht und mit leicht zittriger Stimme fragt sie leise, als hätten die Wände Ohren: "Ihr glaubt doch nicht das dem Herr Zwerg etwas geschieht, oder? Und Raven?" Sogleich hebt Stelze den Kopf und winselt leise auf, als hätte er die Worte verstanden. Beinahe ist es Azra, als würde sie in seinen treuen Augen der Schmerz um den Verlust seiner Herrin sehen. Sogleich beginnt sie wieder ihn zu streicheln, spielt mit seinem seidigen Fell und flüstert: "Raven kommt bestimmt wieder, sicher... Oder?" Dabei sieht sie nun wieder zu der Mogbar auf, hoffnungsvoll, da diese den Herr Zwerg scheinbar schon sehr, sehr lange zu kennen scheint. Und wenn der Wirt zurückkommt, dann bestimmt auch Raven.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 18. Dez. 2004, 22:38 Uhr
Halla bemerkt, wie die Stimmung von Azra umschlägt, und sie könnte sich verwünschen, aber daran ist jetzt nichts mehr zu ändern. Leider sind die Dinge nun einmal so wie sie sind, und Halla kann das Mädchen verstehen, sie kommt sich sicher eingesperrt vor, und das ist sicher kein schönes Gefühl. Bei diesen Gedanken , wandern ihre Gedanken automatisch zu Borgil, Raven und den Anderen, die jetzt irgendeiner Gefahr ausgesetzt sind, und wenn Halla richtig nachdenkt, kann bei der Ausrüstung , die Borgil trug nur die Unterstadt in Frage kommen. Rasch schüttelt sie diesen fürchterlichen Gedanken allerdings ab. Halla hatte noch gut die Erlebnisse im Kopf, die Raven, Caewlin, Niniane, Kizumu, TianShi und die anderen mit den Würmern hatten, und wie sie aussahen, als sie zurückgekehrt sind. Boretsch hatte es damals das Leben gekostet, die anderen waren zwar verletzt, aber zum Glück lebend zurück gekehrt. Zweimal war ein Trupp Mutiger in die Unterstadt und noch viel tiefer gedrungen. Halla schaudert es bei dem Gedanken und eine Gänsehaut zieht sich über ihre Arme. Rasch versucht sie die Gedanken daran auf Seite zu treiben, und es gelingt ihr auch recht gut, allerdings bleibt ein kleiner Hauch von Sorge um Borgil und die Anderen unterschwellig da.

Halla versucht sich an einem Lächeln und es scheint ihr ganz gut zu gelingen. "Ich werde mal sehen, ob sich vielleicht nicht doch irgendetwas machen lässt, damit du wenigstens ein bisschen vor die Tür kommst. Aber versprechen kann ich dir nichts, und Borgil würde mir sicherlich alle Dämonen Rohas auf den Leib hetzen, wenn ich nicht auf dich Acht geben würde." Als Azra nach ihren Hosen fragt, muss Halls eine Weile nachdenken, denn sie hat keine Ahnung was mit der Kelidung von Azra geschehen ist. "Ich werde die anderen Mädchen mal fragen wegen der Hose, ansonsten lasse ich dir Kleidung besorgen, hier findet sich sicher jemand der deine Grösse hat und von dem du ein paar Hosen und ein vernünftiges Hemd bekommen kannst. Einen Schal werden wir auch finden, so dass niemand dich direkt sehen kann. Ich glaube nicht, dass jemand vom Personal der Harfe dir etwas tun würde, sie wissen alle das du Borgils Schützling bist. Aber darum geht es nicht. Ich weiss wieviel und wie gerne die Schankmädchen und Zimmermädchen ratschen udn tratschen und sie brauchen nur draussen etwas zu erwähnen und schon ....und solange Borgil nicht hier ist, können wir kein Risiko eingehen." Hallas Gesicht ist ernst, aber ein leichtes Lächeln liegt auf ihrem Mund. Auch wenn das Mädel anfangs wirklich viel Ärger gemacht hat, so hat Halla sie jetzt doch irgendwie ins Herz geschlossen und sie würde ihr gerne helfen, ein wenigstens angehend normales Leben in Talyra führen zu können, auch wenn Halla weiss, wie schwer das werden dürfte.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 19. Dez. 2004, 17:51 Uhr
Sie lauscht hoch erfreut der Nachricht, auch wenn nicht nur Positives darin vorkommt, und betrachtete dabei die Mogbar genau. Das sie vielleicht doch noch für Kurz vor die Türe kommt, lässt ihr Gesicht in neuer Freude strahlen und am liebsten wäre sie der kleinen Frau jetzt um den Hals gefallen. Doch sie lässt es blieben und lacht dafür leise auf: "Ich werde mich gut verstecken, keine Sorge, ich möchte euch und den Herr Zwerg nicht in Schwierigkeiten bringen. "
Sie denkt an den Beginn ihrer Geschichte, hier in der goldenen Harfe zurück und heute ist es ihr beinahe selbst nicht mehr möglich zu glauben, wie sie sich damals benommen hat. Kratzbürstig, unfreundlich ein wahrer Plagegeist mit Krallen, doch das scheint nun alles vergessen und besonders den Herr Zwerg und Halla hat sie ins Herz geschlossen. Mit den anderern Angestellten der Harfe ist sie noch nicht wirklich in Kontakt gekommen und beinahe fürchtet sie sich ein wenig davor, is sich jedoch auch sicher, dass ihr Niemand etwa tun wird. Das sie Borgils Schützling sein soll, lässt ihr Herz augenblicklich ein wenig lauter schlagenund ihre Wangen rot anlaufen, da sie glaubt selbst Halla müsste das Pochen jetzt hören.

Noch das letzte Mal durch Stelzes Felle streichend, erhebt sie sich schliesslich und blickt auf die Mogbar hinunter, was ihr erst jetzt wieder bewusst wird. Selbst den Zwergen überragt sie ja schon beinahe, oder  tut sie dies bereits? Für ihre Grösse ist sie jedoch immer noch recht dünn, wenn auch nicht mehr mager zu nennen, durch all das gute Essen, welche sie während der Zeit hier in dem Gasthaus zu sich genommen hat. Ihre weissblondes Haar hängt ihr wirr bis auf die Schultern hinab und gibt ihr ein freches Aussehen und aus ihren farblosen Augen glitzert ein kleiner Funke, voller Tatendrang: "Ich danke euch Halla für all die Hilfe, manchmal scheint es mir wie in einem Traum und dann wach ich auf und sehe das es nicht so ist."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 19. Dez. 2004, 17:59 Uhr
Den ganzen Abend während der Arbeit hatte Nevermore immer wieder mal einen Krug Starkbier oder Met zu einem Tisch feiernder junger Männer gebracht; ihrem lauten Geplauder und ihren Scherzen war deutlich zu entnehmen, dass einer in ihrer Mitte, ein hübscher dunkelhaariger Zottelkopf, am nächsten Tag heiraten würde. "Junggesellenabschied?", erkundigt sie sich beim zweiten Gang an den Tisch auch, und alle seine Gefährten johlen bestätigend. Eigentlich ist es eine lustige Runde, doch findet Nevermore es sehr belastend, wie bei jedem Besuch am Tisch mindestens eine zotige Bemerkung über sie fällt oder ihr einer der Männer sie in den Hintern zu kneifen versucht. Der Bräutigam ist der einzige, der sich zurückhält. Wenn seine Freunde sie im zunehmenden Rausch belästigen, wird er ganz still und senkt den Blick aus den auffallend schönen braunen Augen in den Bierschaum. Immer mehr widerstrebt es Nevermore, wenn nach ihr gewunken wird, doch nun ist sie leider für diesen Tisch zuständig. Wo ist Borgil, wo ist Halla? Eigentlich weiß sie wo die zwei sind, ihr Gedanke ist mehr ein Hilfeschrei, und sie hofft, die Männer würden bald gehen. Doch natürlich halten sie bis zum Morgengrauen durch.  

Endlich hat Nevermore Feierabend, draußen kräht bereits der erste Hahn. Unendlich erleichtert lächelt sie dem Bräutigam nochmal zu, der als einziger noch den Kopf über Tischplattenhöhe hält und nüchtern wirkt, dann springt sie beinahe in ihren wollenen Umhang und ist zur Türe hinaus. Dass ihr der sympathische Zottelkopf folgt, bemerkt sie erst vor der Tür, wo er ihr plötzlich im Weg steht und ihren Arm sanft festhält. Als ihr Herz nach einer Schrecksekunde wieder schlägt, sagt sie vorwurfsvoll: "Beinahe hätte ich geschrien, ihr habt mich erschreckt!" Er lacht leise. "Keine Angst. Ich wollte mich nur für meine... Freunde entschuldigen." Seine Augen senken sich ein wenig, er bringt eine Art schuldigen Hundeblick zustande, und sie muss auch lachen. "Sie können sich einfach nicht benehmen", fährt er fort. Nevermore ist beinahe beruhigt - wenn, ja wenn seine Hand nicht ihren Arm nun deutlich fester packen würde... Und seine andere Hand nicht beginnen würde, in ihren Haaren zu spielen. Versonnen lässt der hochgewachsene junge Mann die Locken durch seine Finger gleiten und davonspringen. "W-...was tut ihr..." - "Pschsch..." macht er und hält ihr den Mund zu. Nevermore ahnt bereits Schlimmes, sie tritt um sich und versucht, unter den Fingern des Fremden einen Laut hervorzubringen, doch sie hat keine Chance. Nicht mal ihre Fingernägel helfen ihr, denn sie sind wie immer kurzgeschnitten.  

Er zieht sie hinter eine Hecke, vor der sich ein Betrunkener übergibt, wie ihr wahnwitziger Weise auffällt. Es ist ein Segen, dass sie vor Angst ohnmächtig wird und nicht spürt, wie er sie hemmungslos schändet...

Stunden später weckt sie der Schmerz und ein unbändiger Brechreiz aus ihrer Bewusstlosigkeit. Mühsam schafft sie es, sich auf die Seite zu rollen. Als ihr Magen sich wieder beruhigt, melden sich nach und nach ihre übrigen Körperteile. Sie wagt nicht, an sich herunterzuschauen, aus Angst, alles wäre nur Phantomschmerz. Absurderweise sind ihre Arme und Beine unbeweglich, als wären sie abgeschnitten, doch es liegt am Frost, und der Schmerz durchdringt die Taubheit wie ein scharfes, glühendes Schwert.  

Sie robbt auf dem Bauch um das Gebüsch herum, zieht sich in eine sitzende Position, an die Mauer neben der Eingangstür zur Taverne gelehnt, zieht immerhin ihr zerrissenes Kleid über Brust und Bauch zusammen - ihr Mantel ist nicht in Sichtweite, SereniecA wird ihr einen neuen nähen können - und wartet. Schon nähert sich ein menschliches Paar mittleren Alters, und die beiden helfen ihr sichtlich schockiert auf die Füße. Als sie sich ein zweites Mal von ihnen gestützt übergeben hat, will sie nur noch eins: nach Hause. Jegliches Angebot, Hilfe zu holen oder ihr in die Harfe zu helfen, lehnt sie vehement ab. Sie bedankt sich stammelnd und wankt dann in Richtung Pfeffermühle. Scham und Kälte setzen ihr übel zu, ihr Magen revoltiert noch mehrere Male, noch nie erschien ihr der Weg so weit.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 28. Dez. 2004, 20:08 Uhr
Über eine Woche hat es gedauert, ehe Nevermore sich wieder aus dem Haus traute. Aber es half nichts, ohne den Lohn für die Arbeit in der Harfe kommen die Mädchen einfach nicht aus. Doch auch wenn ihre körperlichen Wunden von dem Missbrauch heilen, kann sie keinesfalls allein den Weg zur Harfe zurücklegen. SereniecA bleibt dicht an ihrer Seite, und sie hält Aelinor fest an sich gedrückt. Darüber hinaus hat ein kleines Küchenmesser den Weg in ihren Stiefelschaft gefunden...

Niemandem hatte sie erzählt, was eigentlich passiert war. Und auch SereniecA hat, obwohl sie sichtlich geschockt war, nicht häufig nachgefragt, sondern sie einfach gepflegt. So weiß auch Halla, die Borgil während seiner Abwesenheit vertritt, nicht, was sie eine Woche lang ans Haus gefesselt hatte. Sie willigte jedoch ein, dass sie vorerst tagsüber und hinter der Theke arbeiten kann, ohne Kundenbedienung.

Es geht beinahe über ihre Kräfte, sich der Harfe zu nähern, den Schankraum zu betreten und ihre Arbeit wieder aufzunehmen. In jedem Männergesicht meint sie eine Schrecksekunde lang ihren Peiniger zu erkennen. Doch gegen Ende ihrer ersten Tagesschicht kann sie die Arbeit fast schon wieder ertragen und schreckt nicht mehr bei jeder zufälligen Berührung mit anderen Personen zusammen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sefra am 28. Dez. 2004, 21:59 Uhr
Sefra grübelt noch immer über die seltsame Begrüßung am Stadttor nach, als sie im langsamen Trott die lange Straße entlang reitet, die scheinbar bis zu Talyras Stadtkern führt. Rechts von ihr erkennt sie noch durch die Lichter der Häuser und die vereinzelten Laternen auf der Straße die Tempel an ihr vorüber gehen. Darunter kann sie noch schemenhaft den Faeyris-Tempel erkennen, worauf sie den Kopf leicht mit einem Lächeln auf den Lippen neigt. Sie ist erfreut drüber, dass auch hier die Göttin geehrt wird und sogar ein Tempel errichtet wurde.
Langsam und vorsichtig reitet die Elbin über die recht rutschige Straße weiter in Richtung Süden bis sie den großen Marktplatz erreicht, wo noch wenige Händler die letzten Marktstände abbauen und einige betrunkene Gestalten eher gröhlend als singend an ihr vorübertorkeln, und beinahe Sanjar anrempeln, währe die Stute nicht umsichtig genug auszuweichen. Als die Gestalten aneinandergeklammert zusammen auf der schneeglatten Straße ausrutschen und hinfallen, verändert sich das Gröhlen erst in entsetztes Rufen, dann aber in lautes erheitertes Lachen, als nichts ernsthaftes passiert zu sein scheint.
Sefra steigt dann doch lieber ab, bevor die Stute noch unruhiger wird und vielleicht ebenso auf der glatten Straße wegrutscht und nicht soviel Glück hat, wie die beiden Trunkenbolde. Sie entdeckt quer gegenüber ein Gasthaus, das sich Die Goldene Harfe nennt und führt Sanjar vorsichtig über den freien Marktplatz. Nur nebenbei bemerkt sie, dass es wieder angefangen hat zu schneien. Nachdem sie sich durch ein Fenster davon überzeugt hat, dass diese Stätte durchaus seriös erscheint, blickt sie sich nach einem Eingang zu einem Stall um und findet auch prompt einen Weg, der hinter das Haus führt, wo ihr dann auch schon ein Stallknecht entgegenkommt um Sefra die Zügel abzunehmen. Doch diese lehnt lächelnd ab: "Nein Danke, ich mache das voerst schon selbst... Zeig mir nur, wo ich sie hinstellen kann...".
Nachdem der Bursche ihr den Platz zugewiesen hatte und sie ihm eine Münze, die sie aus einer Tasche geangelt hat, zuwarf, sattelt sie Sanjar selbst ab und reibt sie mit etwas Stroh trocken um einer Erkältung vorzubeugen. Zufrieden lässt sie die Stute mit Futter und Wasser im Stall zurück und macht sich mit der Satteltasche auf Die Goldene Harfe zu betreten...

Als die Elbin die Schankstube betritt bleibt sie wie zuvor am Stadttor im Eingang stehen. Jedoch riskiert sie es nicht, böse Blicke auf sich zu ziehen, sondern schliesst vorher brav die Tür. Sie hatte es auf ihrer Reise schon einmal erlebt und wurde fast rausgeworfen, da draussen ein Sturm tobte und durch die offene Tür fegte. Er hatte drinnen beinahe alles auf den Kopf gestellt. Das war ihr eine Lehre.
Sie nickt den Anwesenden höflich und ruhig zu, nachdem sie sich stumm umgeblickt und sich auch schon einen Platz auserkoren hat. An einen der freien Tische, die in einer Ecke stehen, nimmt sie platz und legt ihre Satteltaschen neben sich auf die Bank, um sie sicher in ihrer Nähe zu wissen. Ein paar Blicke hat sie bereits auf sich gezogen, doch versucht sie sich weitestgehend nicht verunsichern zu lassen, sondern lächelt freundlich der Bedienung entgegen, die sich auch schon an ihren Tisch stellt.
"Ich möchte gerne etwas trinken und essen ... Was gibt Eure Küche denn her?" Draußen im Stall hatte ihr Magen schon laut geknurrt und jetzt, wo leckere Düfte aus der Küche herüberwehen, meldet er sich abermals.
Die Schankmaid rattert in einer erstaunlichen Geschwindigkeit die Speisekarte herunter, so dass nur die ersten Dinge hängen bleiben, die aufgezählt wurden. Nocheinmal wollte Sefra sich nicht die Liste aufzählen lassen, ehe sie das Gefühl bekommt vor Hunger umzukommen. Die Kälte hatte sehr an ihr gezehrt.
"Äh ... das Kupferbier und ... hm ... Diese Fideln klingen doch sehr gut ...", eifrig nickt die Elbin der Bedienung zu, die sofort auf dem Absatz kehrt macht um die Bestellung loszuwerden. Sefra blickt dieser schmunzelnd nach und hebt ihre kalten Hände an ihre Lippen um sich die Finger aufzuwärmen und versucht kurz darauf mit den klammen Fingern ihr herbstrotes Haar zu ordnen. Seufzend lässt sie die Hände wieder sinken, stützt sich nach vorne auf die Tischplatte auf und wartet darauf, dass ihr Essen und das Bier gebracht wird, während sie neugierig ihren Blick graublauer Augen wandern lässt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nguyen am 29. Dez. 2004, 03:31 Uhr
Schon recht früh erwacht Nguyen wieder. Nur wenige Stunden hat er geschlafen und er spürt das Hafenfest noch in seinen Knochen. Doch irgendetwas hat ihm heute keine Ruhe gegönnt. Trotzdem ist es schon früher Mittag, da er erst in den ersten Morgenstunden zurück in die Harfe gekommen ist nachdem er Yana zum Park gebracht hat. Kaum einen Blick hat er den Bäumen geschenkt. Doch nicht weil er es nicht will, nein. Die kurze Nähe zur Heimstatt der Elbe Selket hat schon ausgereicht um die Erinnerungen wieder wachzurufen. All die Fragmente der Nacht des Shenrahfestes die er so sicher in seinem Unterbewusstsein eingeschlossen hatte. Manchmal ist es ein Segen das wir nicht träumen... Doch nun... nun ist es wieder so als wäre die Nacht gerade erst vorüber, als könne er noch immer ihre Berührungen spüren, sowohl sanft als auch leidenschaftlich. Bevor er sich versieht flüstert er schon sanft ihren Namen... „Selket....“.

Dadurch im Schlaf gestört zucken sacht die Ohren des kleinen Katers Izir, der inzwischen eigentlich gar nicht mehr so klein ist. Mit jedem Tag der vergeht scheint er ein Stück zu wachsen. Als der Magier ihn gefunden hat war er kaum größer als seine eigene Hand, völlig ausgezehrt und schwach. Aber nun... auch dies ist fast 5 Monde her. Am Morgen nach der Nacht mit Selket hat er ihn zu sich genommen. „Selbst Du erinnerst mich an sie...“, spricht er lächelnd während er dem Kater die Hand auf den Kopf legt und ihn sanft im Nacken krault. Ein Schnurren belohnt ihn für diese Tat und Izir dreht sich auf die Seite um sich weiter verwöhnen zu lassen. „Bald kannst du aus diesem Zimmer raus. Gleich heute ge ich rüber in die Stadthalle und kauf uns etwas Schönes...“

In der tat war er nicht untätig gewesen in dieser Hinsicht. Tagelang ist er durch die Stadt gelaufen und hat sich Grundstücke und Häuser angesehen die leer- oder zum Verkauf stehen. Und nach langer Suche war sein Auge dann endlich auf das Perfekte gefallen. Das Haus das er sich ausgesucht hat steht allein, ohne Nachbarhäuser, umgeben von drei Strassen und von einer steinernen Mauer eingegrenzt. Das Grundstück um das Gebäude ist dafür das es innerhalb der Stadt liegt recht weitläufig, so dass auch Izir seine Freude daran haben wird. Zwar benötigt sowohl das Haus als auch die Mauer einige Instandsetzungsarbeiten, aber daran sollte es nicht scheitern.

„...und je früher ich mich darum kümmere desto besser...“. Mit einem letzten Kraulen entzieht er dem Kater seine Hand und steigt aus dem Bett. Eine halbe Stunde später ist er dann fertig, gewaschen und frisiert, um sich auf den weg zu machen. Als er jedoch zum Schrank sieht um sich seine beste Robe anzuziehen fällt ihm wieder ein das diese ja noch immer bei Selket ist. Sie wollte sie mir zurückbringen... sie hat es bisher nicht getan... Ein leises Seufzen der Enttäuschung entfährt ihm und er greift schließlich zu der anderen Robe die angemessen ist. „Soviel kann ich Ihr nicht bedeuten wenn sie sogar das vergisst...“, flüstert er kaum hörbar. „...Sicherlich hat sie mich schon längst vergessen.“ Nachdenklich kleidet er sich an, schnallt sich noch den Gürtel mit einen wichtigen Habseligkeiten um und verlässt dann das Zimmer. Izir hat sich derweil wieder zusammengerollt und schläft weiter.

In der Schankstube angekommen begleicht er die Rechnung für die letzte Woche und genehmigt sich ein kleines Frühstück. Dabei tritt eine Angestellte der Harfe an ihn heran und informiert ihn das ein Bote für ihn eingetroffen ist und ein verschnürtes Päckchen abgegeben hat. Lächelnd nimmt er dies zur Kenntnis und macht sich dann erst mal über das Essen her. Er hat es damit nicht eilig und als er endlich gespeist hat ist es nun wirklich Mittag geworden und die Harfe füllt sich mit hungrigen Gästen. Gesättigt und zufrieden – und auch wieder etwas weiter entfernt von den trüben Gedanken von vorher – nimmt er dann das Päckchen entgegen und macht sich auf den Weg zur Stadthalle.  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 29. Dez. 2004, 13:18 Uhr
Der Ankunft der hochgewachsenen Elfe in der Harfe ist Nevermore gar nicht weiter aufgefallen, da sie sich gerade in der Küche aufhielt. Die Schankmaid, die Sefra bedient hat, kommt mit einer weiteren Maid (von der Nevermore weiß, dass sie Masine heißt) in die Küche, um ihre Bestellung an die Köchin weiterzugeben, die gerade mit Nevermore über Aelinor spricht. "Hast du gesehen, wer das war?", löchert Masine die Schankmaid und stößt ihr ihren kleinen spitzen Ellbogen in die Seite. "Die Frau des Tarascon, lässt ihren Mann und die kleinen Würmchen allein zu Hause sitzen und geht schick essen!" Missbilligend schnalzt sie mit der Zunge. Bei der Erwähnung des Namens Tarascon erwacht etwas in ihrer Erinnerung, hüpft auf und ab wie ein kleines Kind, das ihre Aufmerksamkeit zu erwecken versucht. Wo habe ich den Namen nur schon mal gehört? - Richtig, der Gefährte von Kizumu! Aufgeregt fällt sie den beiden ins Wort: "Die Frau des Lord Commanders der Steinfaust? Wie  heißt sie?" Masine grübelt kurz. "Ki-irgendwas, Kisana?" - "Kizumu?" Masine nickt, und Nevermore ist mit einem Satz vor der Theke und sucht ihre alte Freundin im Schankraum.

Mehr als die feuerrote Mähne ist aus der Ecke nicht zu sehen, weil die Elbin den Kopf gesenkt hält. Schnurstracks bahnt sie sich den Weg zu dem Tisch hinüber. "Kiz-..." sie hält inne, es ist nicht Kizumu, aber diese Ähnlichkeit... "Oh, verzeiht... ich... ihr saht von weitem aus wie eine alte Freundin... von nahem auch, übrigens... Ich will euch nicht weiter stören." Und sie macht kehrt, um mit hochrotem Gesicht schnell wieder in Richtung Küche aufzubrechen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sefra am 29. Dez. 2004, 14:15 Uhr
Die Elbin ahnt nichts von dem, was vermeintlich in der Küche über sie gelästert wird. Sie überlegt stattdessen ob sie zwischendurch noch einmal nach Sanjar schauen sollte, ob es ihr gut geht und gut versorgt ist. Die Stute hatte dies schliesslich auch verdient, nachdem sie Sefra über ein Jahr durch die Immerlande getragen hatte. Sie mutmaßt, dass Talyra wohl recht groß ist und es nicht leicht sein wird, eine einzelne Person in dieser Stadt zu finden.
Shunjalinn, wo steckst Du nur ...? Immerlande ist für ein Versteckspiel einfach zu groß ... Sefra seufzt leise und ist froh, dass ihre steifen und klammen Glieder sich langsam aufwärmen und beweglicher werden.
Hoffentlich dauert das mit dem Essen nicht zu lange ..., grübelt sie, während sie auf ihren Bauch hinabschaut und eine Hand über ihren Magen legt um diesen zu beruhigen. Er ist schon wieder kräftig am Knurren. "Ist ja gut ... kommt ja bald was ... hoffentlich," murmelt sie. Dabei ist noch gar nicht viel Zeit vergangen.

Sefra schaut mehr als verwundert auf, als plötzlich eine junge rothaarige Frau auf sie zustrebt und dann doch wieder wie vom Donner gerührt stehen bleibt und sich peinlich berührt abwendet, ehe die Elbin überhaupt Gelegenheit dazu hat, zu antworten.
>Kiz-... Oh, verzeiht... ich... ihr saht von weitem aus wie eine alte Freundin... von nahem auch, übrigens... Ich will euch nicht weiter stören.<
Sefra hebt eine Augenbraue und richtet sich auf ihrer Bank auf, mit einer Hand auf der Tischplatte aufgestützt, mit der anderen nach der Fliehenden ausgestreckt, als sie der jungen Frau hinterherruft: "Wartet doch! Nicht gleich wegrennen! Bleibt Bitte ..." Mit der ausgestreckten Hand macht sie eine zu sich heranwinkende Geste: "Ich bin neugierig, es kommt nicht oft vor, dass man mich mit jemanden verwechselt ...", Jedenfalls seit über hundert Jahren nicht mehr ... und an diesem Tag ist es bereits das zweite Mal ..., fügt sie in Gedanken hinzu und setzt ein freundliches Lächeln auf, als die Schankmaid stockt und sich verlegen mit gerötetem Gesicht zu ihr umdreht.
Die Elbin wartet, bis sich Nevermore dazu durchringen kann, zu ihr zurückzukehren und deutet auf einen freien Platz an ihrem Tisch: "Wenn Ihr möchtet, setzt Euch zu mir ... Es sei denn, ich halte Euch von Eurer Arbeit ab.", sagt sie mit einem leichten Augenzwinkern.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Selket am 29. Dez. 2004, 15:05 Uhr
Selket öffnet die Tür der Goldenen Harfe und tritt ein. Im Inneren des Gasthauses ist es warm und es herrscht eine ausgelassene Stimmung, von der sich die Elbe jedoch nicht anstecken lässt. Ihre bleichen Wangen sind von der Kälte gerötet, in ihrem leuchtendroten Haar, welches am Hinterkopf zu einem festen Knoten aufgesteckt ist, schimmern ein paar Schneeflocken, die langsam vor sich hin tauen und in ihren Händen ruht Nguyens weiße Magierrobe. Der Blick der Heilerin streift die anwesenden Gäste nur flüchtig, ohne weiter auf sie zu achten.

Die erstbeste Schankmaid, die ihren Weg kreuzt, hält sie einfach leicht am Arm fest und spricht sie freundlich an. „Ich suche einen Gast der hier wohnen muss“, erklärt sie höflich. „Nguyen Elda sein Name, ein Magier.“ Fragend sieht sie die Mogbardame an, welche heftig nickt und ihr erklärt, dass der Magier tatsächlich noch hier wohnt. „Zur Zeit ist er allerdings nicht im Haus“, meint sie und sieht Selket ins Gesicht. Die Heilerin erwidert den Blick lediglich, lächelt allerdings nicht. „Das ist nicht weiter schlimm, ich muss nur etwas für ihn abgeben:“ Die Elbe deutet auf die Robe. „Könntet Ihr die bitte auf sein Zimmer bringen lassen? Das wäre zu freundlich.“

Die Mogbardame nickt. „Soll ich ihm vielleicht noch etwas ausrichten?“, erkundigt sie sich höflich, aber die Heilerin schüttelt den Kopf. „Nein, das ist nicht notwenig, wenn er die Robe sieht, wird er wissen, wer sie gebracht hat.“ Sie lächelt flüchtig und kramt ein paar Münzen aus ihrem Beutel hervor. „Für Eure Mühen“, erklärt sie der Schankmaid und lässt sie ihr in die Hand fallen. Dann verabschiedet sie sich ohne auf die Reaktion der Frau zu warten und verlässt die Goldene Harfe so schnell und leise wieder, wie sie sie betreten hat. Vor der Tür bleibt sie noch einen Moment stehen und lässt den eisigen Wind ins Gesicht blassen. Eine Sorge weniger, denkt sie bei sich. Schnellen Schrittes geht sie zu Herbstnebel hinüber. Nun hat sie sich auch der letzten verbliebenen Erinnerung an die Nacht des Shenrahfestes entledigt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 29. Dez. 2004, 15:41 Uhr
Nevermore ist überrascht, dass die Elbin, die sie für Kizumu hielt, sie zurückruft. Sie zögert und wird blass; in dieser Ecke hatte auch die Feiergesellschaft neulich gesessen... Doch sie ist zu neugierig nach den Bemerkungen der fremden Frau, dass sie nicht oft verwechselt würde. So schiebt sie die bösen Assoziationen beiseite und setzt sich. "Nein, ich habe sowieso gleich Feierabend, ihr haltet mich also nicht vom Arbeiten ab." Sie blickt kurz zur Tür, Sers wollte sie wieder abholen, doch noch ist das Mädchen nicht zu sehen. Also kann sie sich beruhigt noch ein bisschen unterhalten.

Ihr Blick wandert verstohlen immer wieder über die Elbin und vergleicht sie mit Kizumu. Auf den zweiten Blick sind die zwei Frauen unverwechselbar durch kleine Unterschiede in Haltung, Körperbau und Gesichtsausdruck, doch sonst könnten sie Zwillinge sein. Als sie bemerkt, wie die Frau bei der Musterung eine Augenbraue hochzieht, heftet sie den Blick peinlich berührt auf die Tischplatte und ihre dort ineinander verknoteten Hände. "Verzeiht, aber ihr seht ihr wirklich sehr ähnlich", erklärt sie. "Vor lauter Schreck habe ich mich nicht einmal vorgestellt, man nennt mich Nevermore."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sefra am 29. Dez. 2004, 17:52 Uhr
Immer noch lächelnd deutet Sefra auf den freien Platz und nickt ihr ermutigend zu, auch wenn ihr das plötzlich blasse Gesicht der jungen Frau Sorge bereitet, dass diese hier in der Schankstube umkippen könnte. Als Nevermore sich jedoch setzt ist sie beruhigter und lässt sich ebenfalls wieder auf die Bank nieder. Die Unterarme stützt sie auf die Tischkante ab und die schlanken Finger verflechten sich ineinander. Sie bemerkt, dass Nevermore nervös an ihren Fingern herumnestelt und ihr immer Blicke zuwirft, die sie mit fragendem Blick und einer hochgezogener Augenbraue entgegnet. Zu ihrer Erleichterung erhebt ihr Gegenüber nun doch nach einigen Momenten des Schweigens das Wort
>Verzeiht, aber ihr seht ihr wirklich sehr ähnlich< erklärt die junge Frau, >Vor lauter Schreck habe ich mich nicht einmal vorgestellt, man nennt mich Nevermore.<

Die Elbin nickt ruhig und will schon zum Sprechen ansetzen, als die Schankmaid von eben wieder an ihren Tisch zurückkehrt und ihr einen Krug Bier und einen leeren Becher vorsetzt. Der merkwürdige, vielleicht auch missbilligende, Blick der Bedienung, welcher Nevermore zu gelten scheint, entgeht Sefra nicht. Sie vermutet, das es es trotz baldigen Feierabend nicht gern gesehen wird, wenn Bedienstete sich zu den Gästen setzen. "Essen kommt gleich ...", mault die Frau und stapft wieder von dannen in Richtung Küche. Sefra schaut ihr kurz nach und runzelt die Stirn, während sie sich ihren Becher mit Bier aus dem Krug füllt.
"Ich will Euch keine Schwierigkeiten bereiten, Nevermore ...", erklärt sie langsam und ein katzenhaftes Lächeln stielt sich auf ihre Lippen, "aber mich würde interessieren, an wen ich Euch denn so erinnere ... Ich kenne da nämlich auch so jemanden ..."
Den vollen Becher hebt sie an ihre Lippen und kostet etwas von dem Kupferbier und legt so eine kurze Pause ein, während sie kurz ihren eigenen Gedanken nachgeht. Shunjalinn, Du hast hier wohl doch eindrückliche Spuren hinterlassen ... oder irre ich mich in dem Mädchen und sie meint jemanden ganz anderes?

Ihr fällt nun ebenfalls auf, dass sie sich noch nicht vorgestellt hatte: "Man nennt mich übrigens Sefra," meint sie zu Nevermore vornübergebeugt und mustert diese nun ebenso genau mit graublauen Augen, die Kizumus so ähnlich sind. Wieder vergehen Schweigemomente, bis sich die Bedienung abermals zwischen sie beide drängt und stumm den Teller mit dem geräucherten Fisch, Beilagen und einen kleinen Brotkorb auf den Tisch plaziert. Auch ein Essmesser legt sie für die Elbin bereit, die sich wieder nach hinten an die Wand gelehnt hatte, damit sie nicht von dem Teller erschlagen wird und der Schankmaid dankend zunickt, aber nichts mehr dazu sagt, sondern sich über das Essen hermacht, nachdem sie beide wieder alleine gelassen wurden.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 29. Dez. 2004, 19:39 Uhr
Die Lieferung des Essens für Sefra unterbricht das Gespräch immer genau dann, wenn Nevermore gerade zum Reden ansetzt. Ihr Blick folgt wie der der Elbin der pikierten Bedienung. "Ich bediene heute nicht im Schankraum, sie kann mir keinen Strick daraus drehen, dass ich hier sitze und mit euch spreche", erklärt Nevermore und lächelt, durchaus ein bisschen schadenfroh, in sich hinein.

Als die Elbin ihren Namen nennt und direkt danach ihre Aufmerksamkeit dem Essen zuwendet, geht Nevermore ein Licht auf. Sie war sich zwar nicht mehr sicher, ob sie den Namen Sefra schon einmal gehört hatte, aber Kizumu hatte sie doch in der Zeit ihrer gemeinsamen Wanderungen erwähnt... "Nein, das kann nicht sein! Ihr seid Kizumus Schwester?!" Nach diesem Ausbruch ist sie sprachlos, und bis auf ein Kichern lässt sich Sefra einige Zeit keine Reaktion entlocken.

Da erst erinnert sich Nevermore auch an weitere Gesprächsfetzen, die sie von der schwatzhaften Masine in der Küche aufgeschnappt, aber vor Überraschung erst einmal vergessen hatte. >ohne ihren Mann und die kleinen Würmchen..., hatte es geheißen... Sie weiß zwar aus Erfahrung, dass bei ihrer Art von Freundschaft selbst jahrelange Trennungen bedeutungslos sind, aber nun brennt sie doch darauf herauszufinden, was sie alles in Kizumus Leben verpasst hat.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sefra am 29. Dez. 2004, 20:34 Uhr
Die Erklärung, dass Nevermore ganz sicher keinen Ärger bekommt, beruhigt Sefra ein wenig. Sie schmunzelt leicht, nachdem sie einen Bissen heruntergeschluckt hat: "Vielleicht ärgert sie sich ja gerade deswegen ..." und stochert mit dem Messer schon im nächsten Stückchen Fisch herum. Zwischendurch spült sie die Bissen mit etwas Bier herunter, das ihr wohl zu schmecken scheint. Mit einer fliessenden Handbewegung wischt sie sich mit dem Ärmel den Schaum von der Oberlippe und stutzt dann. Sie stellt fest, als sie ihren Ärmel so betrachtet, dass wohl so ein bisschen ihre Tischmanieren unter der langen Reise gelitten haben. Doch darüber schmunzelt sie nur erneut und trinkt gerade einen satten Schluck Verder Kupferbier, als die jungen Frau ihr gegenüber eine ganz erstaunte Feststellung macht und dann verstummt und sie mit großen Augen anstarrt. >Nein, das kann nicht sein! Ihr seid Kizumus Schwester?!<

Sefra verschluckt sich fast, ob des Ausbruches und stellt lieber schnell den Becher ab, ehe sie noch etwas über den guten Fisch verschüttet. Sie schüttelt eilig den Kopf, während sie sich das übergeschwappte Bier von den Fingern leckt. Wieder eine Unart, die ihre Mutter mit Stirnrunzeln quittiert hätte. "Ich bin wessen Schwester?", Die Stimme der Elbin klingt ungläubig, das sich bald mit leisem melodischen Lachen vermischt. "Ohje, ich glaube da liegt wohl wieder ein Irrtum vor," kichert sie und wischt ihre Hände unter dem Tisch an ihren hellen Wildlederhosen ab. "Ich kenne den Namen ... Kizumu nicht, tut mir leid! Wer soll das denn sein?", sie lächelt amüsiert und widmet sich wieder ihrem Bier. Kurz scheint sie zu überlegen, aber dann folgt wieder ein Kopfschütteln: "Nein ..."
Mit dem Becher in der Hand lehnt sich Sefra schmunzelnd an die Wand zurück, während sie ihre Augen auf Nevermore ruhen lässt. Wieder eine Verwechslung. Langsam häuft sich das ja an ...
Mit der anderen Hand angelt sie nach einem Salatblatt und schiebt es sich zwischen die Lippen. Das Essen ist einfach zu gut, und sie bedauert es, dass der Teller schon fast leer ist.
Heron würde das sicher auch schmecken ... Heron ... Ich hatte gehofft, dass ich bald zurückkehren könnte, aber es zieht sich wohl noch etwas hin. Für den Moment lang ihrer Gedanken an ihren Mann und ihre Kinder wirkt die Elbin zurückgezogen, bis sie den fragenden und ungläubigen Blick Nevermores auf sich ruhen spürt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 30. Dez. 2004, 00:12 Uhr
Die Welt wird Nevermore langsam ein wenig zu kompliziert, und Sefra hat offensichtlich ihren Spaß daran, wie verblüfft sie ist.

Nevermore hat ihre alte Freundin immer nur Kizumu genannt und sie kennt natürlich die Geschichte, die zu diesem Namen geführt hat. Allerdings hätte sie gedacht, die eigene Schwester (denn sie ist sich sicher, dass sie diese vor sich hat) müsste diesen Namen ebenfalls kennen. Wie lange haben sie nicht voneinander gehört? Und warum gerade jetzt? Oder verleugnet sie ihre Schwester? Nevermore fällt auf, dass sie nicht weiß, in welchem Verhältnis Kizumu und ihre Schwester stehen. Erwähnt hat sie Sefra zumindest nur äußerst selten.

"Wie nennt ihr denn eure Schwester?" Sie muss kurz überlegen, zu lange hat sie nicht mehr daran gedacht, wie Kizumu eigentlich heißt. "Schattenkind... Shunjalinn?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sefra am 31. Dez. 2004, 13:02 Uhr
Gespannt beugt sich Sefra wieder nach vorn um sich mit den Unterarmen an der Tischkante abzustützen und wirkt doch ziemlich überrascht, als ihre Nevermores Worte gewahr werden.

>Wie nennt ihr denn eure Schwester? - Schattenkind... Shunjalinn?<

Die Elbin blickt die junge Frau vor ihr mit großen graublauen Augen an "Shunjalinn ..., ja ...", flüstert sie leise. Auf die Idee, dass ihre Schwester ihren Geburtsnamen abgelegt haben könnte, war sie natürlich nicht gekommen. Doch jetzt wird ihr alles klar. Die Verwechslung mit ihrer Schwester hatte dazu geführt, dass sie wie eine Bekannte angesprochen wurde. Natürlich passierte das damals, bevor Shunjalinn aus dem Berg verschwand, eher selten, da man sie beide gut genug kannte.
"Aber warum ...?" Unverständnis zeichnet sich auf Sefras Gesicht ab. Also hat sie ihren Namen geändert. Wollte sie sich so von uns abkapseln, dass sie auch ihren Namen verleugnet ...?
Die nachdenkliche Elbin lehnt sich wieder zurück an die Wand. Die Bank, auf der sie sitzt, erscheint ihr mit einem Mal ungemütlich und hart. Der Name Kizumu jedoch kommt ihr immer bekannter vor, je länger sie über ihn nachdenkt.
"Kizumu ...", sie lässt den Namen auf der Zunge vergehen, bis ihr einfällt woher sie den Namen kennt. Ihre Schwester hatte vor ihrem Verschwinden einst von Kizumu erzählt.
Sefra nickt mit dem Kopf wie zu sich selbst und schaut aus ihrer Gedankenversunkenheit auf um dem Blick von Kizumus alten Freundin zu begegnen: "Wisst Ihr wo sie sich jetzt befindet? Ich bin schon seit über einem Jahr auf der Suche nach ihr ... Könntet Ihr mir da weiterhelfen?" Ihre Stimme klingt bittend. Und doch kann sie es kaum fassen. Hat sie nun tatsächlich ihr Ziel erreicht?

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 31. Dez. 2004, 20:14 Uhr
Mit Erstaunen nimmt Nevermore zur Kenntnis, dass Sefra wohl wirklich nichts vom Namenswechsel ihrer Schwester gewusst hat. Aber sie fragt nicht nach, denn sie weiß, diese Geschichte geht sie nichts an. Schließlich hat jeder seine eigenen Gründe, nicht jedem seinen Namen zu verraten - nicht wahr, Lilith?

Allerdings freut sie sich sehr, dass sie helfen kann, die beiden Schwestern wieder zueinander zu bringen. "Ja, ich führe dich zu ihrem Haus!", sagt sie und springt schon fast vom Tisch auf. Sers ist passenderweise eben mit Aelinor an der Hand in der Eingangstür erschienen und schaut sich nach ihr um; sie winkt die beiden heran und kann es kaum erwarten, dass sie mit Sefra zum Katei losziehen können, denn auch sie ist neugierig, was es mit den "kleinen Würmchen" auf sich hat. Leider hat sie keine Ahnung, dass sie am Katei vor verschlossener Tür stehen werden...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sefra am 01. Jan. 2005, 18:26 Uhr
Die Elbin ist froh, dass sie tatsächlich jemanden gefunden hat, die ihre Schwester kennt und sogar weiss wo sie zur Zeit lebt. Dankbar lächelt sie Nevermore an und schiebt ihren Teller beiseite, bevor sie ihren Becher leert und anschließend aufsteht, mit der Satteltasche unter dem Arm.
"Ich muss nur noch bezahlen, Moment ...", mit einer Hand tastet sie in einer der zahlreichen Nebenfächer in der Tasche nach ein paar Münzen und legt diese auf die Tischplatte, nachdem sie abgewägt hatte, ob es auch reichen wird. Es ist mehr als genug Bezahlung für das Essen und das Bier, sogar noch die Stallbenutzung mit eingeplant, so dass es auch noch für ein saftiges Trinkgeld reicht. Sefra schiebt die Münzen in Nevermores Richtung, denn nach ihrem Empfinden hatte diese das Trinkgeld mehr verdient als die freche Schankmaid, die sie bediente. Als ein junges abgemagertes Mädchen mit einem Kleinkind an der Hand die Aufmerksamkeit von Nevermore auf sich zieht, folgt sie deren Blick mit den Augen und mustert die beiden. Sie bemerkt, dass die Kleine mit einem freudigen aufquietschen, das sich nach "Mama" anhört, auf Nevermore zuläuft und von ihr hochgehoben wird.

Ein Lächeln streift die Lippen der Elbin und die Erinnerungen und Sehnsüchte an ihre Familie, die sie selbst zurückgelassen hatte keimen in ihr auf. Die Bilder wie ihre Kinder damals, als sie noch klein waren so auf sie zugelaufen waren legen sich über ihre Augen wie einen Schleier. Wie mag es ihnen jetzt ergehen? Sind sie gesund? Ob sich Shaeria schon durchgerungen hat Nôrthar ihre Liebe zu gestehen ...? Ihre mittlere Tochter war von Anfang an von dem ernsten und nachdenklichen Felsenformer, der sie in die Lehre nahm, stark beeindruckt gewesen und hat ihrer Mutter immer wieder vorgeschwärmt, wie gewissenhaft er seiner Arbeit nachgehen würde und was er für ein guter Lehrer ist. Doch hatte sie sich auch nie getraut ihm das zu gestehen, stattdessen weint sie sich stets in ihrem Liebeskummer bei Sefra aus. Bei dem Gedanken lächelt die Elbin fast mitleidig und gerührt. Bei Heron hatte sie ähnliches empfunden, obwohl sie es war, die ihn hat zappeln lassen.
Und Heron? .... Hoffentlich glaubt er nicht, ich hätte ihn ebenso verlassen wie ..., Sefra unterbricht sich in ihren eigenen Gedanken, obwohl sie vielleicht sogar begründet sind. Heron hatte sie ungern gehen lassen und nocheinmal würde er das nicht überstehen, hatte er gesagt.
Das matte Leuchten verschwindet aus den Augen der Elbin, als sie sich ihrer Umgebung wieder gewahr wird. Sie lässt ihren Blick auf SereniecA gleiten, der sie grüßend zunickt, ehe sie sich wieder an Nevermore wendet: "Ich gehe nur mein Pferd holen. Wir treffen uns dann draußen ...", schlägt sie vor und schlängelt sich an den Tischen und den Mädchen vorbei nach draußen, wo sie die Richtung zum Stall einschlägt um Sanjar zu satteln.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 04. Jan. 2005, 21:29 Uhr
In Borgils Privaträumen


Das Strahlen, das sich auf dem Gesicht der kleinen Blutelbin zeigt, lässt auch Hallas Gesicht aufleuchten und irgendwie kann sie sich im Moment gar nicht vorstellen, das dieses halbe Kind so wütend und störrisch sein kann, wie sie es noch vor kurzer Zeit gewesen ist. "Leider muss ich dich bitten noch etwas hier in Borgils Räumen zu bleiben, ehe ich etwas für dich gefunden und mit den Mägden geredet habe. Ich hoffe du verstehst das. Du bist ja nicht alleine. Allerdings könntest du, wenn du mir versprichst dich gut zu verbergen mit Stelze einmal in den Hof gehen, damit er raus kommt, ich habe nämlich keine Lust hier nachher wischen zu müssen." Belustigt zwinkert sie Azra zu und hilft ihr dann sich einigermassen zu verkleiden, so dass man ihr Gesicht nicht sehen kann.

Halla kommt sich vor wie ein kleines Kind, das einen Streich ausheckt, und Angst hat vorzeitig entdeckt zu werden, als sie mit Azra und Stelze im Schlepptau aus den Räumen von Borgils Privatgemächern schlüpft. Sie führt Azra zum Hinterausgang der Harfe, der auf den inneren Hof führt. "Bleib nicht zu lange und rede wenn es geht mit niemandem und bitte bleib hier und unternimm keine Ausflüge auf die Strasse, dass ist einfach zu gefährlich. Versprich mir das!" Als Azra nickt, glaubt Halla ihr dies und wendet sich dann zur Tür zurück, ehe sie sich dann doch noch einmal umdreht. "Ich schaue dann mal was sich wegen der Arbeit machen lässt und hole dich dann hier wieder ab." Dann verschwindet sie in der Harfe und macht sich auf die Suche nach Marthea, dem obersten Zimmermädchen, um mit ihr zu besprechen, was man wegen Azra machen könnte.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 05. Jan. 2005, 07:53 Uhr
Wie ein Gummiball springt Azra auf, als Halla meint, das sie doch noch hinaus könne, wenn auch nur für kurz. Aufgeregt vermag sie kaum still zu stehen, als die Mogbar ihr in ihre Verkleidung hilft, die aus zwei Hemden mal eben gebastelt wird. Schlussendlich ragen nur noch ihre Augen aus dem Turban heraus, der sich majestätisch um ihren Kopf schwingt. Dazu noch ein Laken als Umhang und fertig ist die Verkleidung. Jetzt im winter kann man sie sogar noch für natürlich halten. Azra Füsse kribbeln schon vor Freude auf die frische Luft. Wie ein Einbrecher schleicht sie sich mit Halla aus des Herrn Zwergs Räume, flink hin zum Hinterausgang, wo ihr Halla dann noch deutlich eintrichtert keinen Unfug zu bauen. Kräftig nickt Azra und meint es auch ernst. Nicht mal im Traum würde ihr einfallen jetzt gerade alles aufs Spiel zu setzen, was sie gewonnen hat. Schliesslich verschwindet Halla wieder und Azra wendet sich der Türe zu, welche hinaus führt. Stelze winselt leise, wohl als Zeichen dafür, dass er es ebenso schön findet, endlich raus zu kommen. Unter dem Hemd lächelt Azra wie ein kleines Kind, das gleich sein Geschenk öffnen darf. Mit zittriger Hand drückt sie gegen die hözerne Türe, welche ein lautes Knarren von sich gibt und auch nur mit Mühe zu öffnen ist. Helfend drückt Stelze mit einer Pfote dagegen und mit einem Aechzen gibt die Türe nach und schwingt auf.
Ein eisiger Luftzug kommt ihr entgegen, wirbelt um sie herum und bringt Stelzes Fell ein wenig durcheinander. So klar und scharf ist der Wind, das sich sogleich Tränen in Azras Augen sammen und schnell kneift sie sie zusammen. Als würde ihr Körper neu belebt, macht sie einige Schritte vor und steht dann einfach da, spürt die Kälte auf ihrer Haut, sieht hinauf zum Himmel und zieht durch ihre Nase tief den Duft von Winter und Freiheit ein, den sie so sehr vermisst hat. Ach Stelze streckt die Nase in die Höhe, japst ein paar mal und blickt dann mit grossen Augen zu Azra auf. Ihr ist jedoch nicht wirklich bewusst was er will: "Hm.. Willst du gar nicht raus? Was hast du denn?" Versunsichert sieht sie sich um und entdeckt einige Sträucher und Bäume in der Nähe. Nicht wissend was sie nun tun muss, weist sie den Hund mit einigen seltsamen Gesten auf die Sträucher hin. Dieser wufft einmal leise auf, scheint beinahe zu grinsen und läuft dann auf den ihm angewiesenen Platz zu um sein Geschäft zu verrichten. Verdattert sieht Azra ihm hinterher.  <<War ich das jetzt?>> Irgendwie ist ihr das nicht ganz geheuer, das der Hund auf eine einfache Bewegung reagiert und sie nimmt sich vor, weniger mit ihren Händen und Armen in der Nähe von Stelze herumzufuchteln, schliesslich könnte er dies falsch verstehen.
Jetzt scheint er jedoch beschäftigt und mit einem glücklichen Seufzen beginnt sie selbst sich umzuschauen und den Anblick, der sich ihr bietet, zu geniessen. Keine Blätter befinden sich mehr an den Bäumen und dichte Wolken zeugen davon, das schon bald Schnee fallen könnte. Was ihre Füsse nur noch unruhiger werden lässt. Am liebsten würde sie jetzt rennen, einfach rennen bis ihr Atem es ihr verbieten würde. Da sie jedoch keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen darf, wäre das wohl sehr ungünstig und unter aller Willensanstrenung schafft sie es still zu bleiben und dafür weiter den Himmel zu betrachten.
DA! Was ist das? Ein kleiner Punkt nähert sich ihr, kommt langsam näher, in einem grazilen Gleitflug und landet schliesslich mitten auf ihrer Nase wo das weisse Ding sogleich schmilzt. Verdutzt sieht Azra auf die weiteren weissen, kleinen Pünktchen, die dem Ersten folgen, bis es ihr schliesslich dämmert, was es ist.
"Schnee!" Es ist wirklich Schnee! Kalt und sanft fällt er hinunter und schmilzt auf dem noch warmen Boden. Ein Jauchen entkommt ihrer Kehle und erfreut springt sie in die Luft um einige der Flocken in ihren Besitz zu bringen. Nur sind die kleinen Dinger leider so gewitzt zu schmelzen, bevor sie sie ansehen kann. Eine wilde Jagd nach bunt dahintreibenden Flöckchen beginnt, wobei es diesmal an Stelze ist, verwundert zuzuschauen. Menschen können auch derart komisch sein.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Fiss am 05. Jan. 2005, 10:34 Uhr
<- Straßen der Stadt

Fiss und Gelia lenken ihre Pferde gleich in den Hof hinter der Harfe, in der Hoffnung hier einen Stallknecht zu finden. Doch erstmal scheint der Hof leer zu sein. Nur ein Hund sitzt da. Fiss schaut ihn verdutzt an. "Gelia, da ist ein Hund. Guck mal. Oh ist der lieb. Ob der ganz alleine hier ist?" Sie pringt von Trius und läuft auf den Hund zu, um ihn zu streicheln.

Der bleibt auch ruhig sitzen und lässt sich von Fiss hinter den Ohren kraulen. "Bist du ganz alleine du armer Hund? Oder wohnst du hier? Bis du vielleicht weg gelaufen. Nein, das würdest du nicht machen. Du siehst so lieb aus." plappert sie eifrig, alle Kälte und schlechte Laune ist vergessen. Fiss liebt Tiere, wie sich hier einmal mehr sehr eindrücklich zeigt..Auch Gelia ist unterdessen abgestiegen und sieht sich um. Hier muss doch irgendwo ein Mensch sein., brummt sie.Doch es scheint niemand da zu sein. Doch hinter den Büschen raschelt etwas.

Gelia nimmt die beiden Pferde am Zügel und geht in Richtung Stall, in der Hoffnung dort jemanden zu finden, der sie ihnen abnimmt. Fiss ist unterdessen noch immer mit dem Hund beschäfftigt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 05. Jan. 2005, 12:08 Uhr
Wie sie so in den Himmel starrt, bemerkt sie nicht wie Stelze plötzlich durch die Büsche verschwindet und erst als sie wieder hineingehen will, erkennt sie den Verlust. Verwirrt sieht sie sich um, bis sie um die Ecke einige Stimmen hört, was nicht zu ihrer besseren Laune beiträgt. Hmm... Was soll sie jetzt tun? Halla scheint noch beschäftigt und hat der Herr Zwerg Stelze nicht ihr anvertraut? Sie soll auf ihn aufpassen, also...
Fest schlingt sie sich ihre Verkleidung noch mehr um ihren Kopf und zieht das Laken enger um ihre Schultern um dann scheu um die Ecke zu blinzeln. Stelze ist schnell entdeckt und bei ihm ein kleines Mädchen mit langem schwarzen Haar, das ihn mit einem Lächeln auf dem Gesicht streichelt. Vorsichtig tritt Azra noch einen Schritt vor und tritt prompt auf einen alten Ast, was ein deutliches Knarren ertönen lässt. Sogleich sieht das Mädchen in ihre Richtung und Azra ist für einen Moment in dem Versuch, sich sogleich wieder zurück zu ziehen. Aber was ist dann mit Stelze? Also: Augen zu und durch. Behende bahnt sie sich einen Weg durch das Gestrüpp und da kommt ihr Stelze bereits entgegengelaufen, was ihre Aufgabe sogleich erleichtert. <<Wie ging das jetzt nochmals? Einfach in die Richtung zeigen?>> Sie ist nicht wirklich sicher, bei dem was sie tut und ihre hilflosen Gesten in Richtung des Hinterhofs scheinen auch den Hund zu verwirren. So setzt er sich denn auf die Hinterpfoten und starrt sie mit grossen Hundeaugen an. Azras Blick flitzt wieder zu dem Mädchen zurück und ihr wird stetig unwohler, bei dem Gedanken das Jemand sie gesehen hat. Plötzlich läuft sie los, möchte einfach wieder zurück in das Zimmer, wo auch Niemand reinkommt, der nicht soll. Es ist wohl ihr Glück, das der Hund sich lediglich noch einmal kurz umblickt und ihr dann mit einem leisen Fiepen folgt.
Nach einer kurzen Hast, befinden sie sich auch schon wieder im Hinterhof und als wäre sie Meilenstrecken gerannt, lehtn sich Azra keuchend an die Mauer neben der Türe und versucht das Zittern in ihren Beinen unter Kontrolle zu halten. Hoffentlich würde Halle bald kommen! Beinahe einen Schluchzer unterdrückend rutscht sie der Wand entlang in die Hocke und streckt eine Hand nach Stelzes Kopf aus, der ihr sogleich seine kalte, nasse Nase gegen die Handinnenfläche stösst.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Fiss am 05. Jan. 2005, 16:46 Uhr
Fiss blickt überrascht auf, als noch jemand kommt. Sie hat das Rascheln gar nicht mitbekommen. Gelia ist inzwischen in den Ställen verschwunden, bekommt also nichts mehr mit. Noch überraschter ist sie über die Verhaltensweise ihres Gegenübers. Noch ehe sie richtig realisiert hat was geschehen ist, ist der Hund und die andere Gestalt verschwunden.

Überrascht blinzelt Fiss einmal und schaut noch einmal richtig hin. Doch es ist niemand mehr zu sehen. Ihre Neugierde siegt, sie zieht Trius am Zügel hinter sich her und läuft mit ihm eifrig in die Richtung, in die der Hund und die andere verschwunden sind. Hatte die Angst vor mir? Oder war es ein der? Der Hund ist total lieb. Aber er ist doch nicht allein. VIelleicht gehört er dem anderen und er kann mir sagen wie er heißt.überlegt sie, wärend sie mit Trius den Hinterhof erreicht.

Vorsichtig und ausnahmsweise mal fast schüchtern lugt sie um die Ecke, sie traut sich noch nicht ganz heran. Vor allem die Reaktion ihres Gegenübers hat sie misstrauisch gemacht.Aber als sie die Gestalt da so verloren sitzen sieht, verliert sie ihre Scheu und zieht Trius um die Ecke. Vor Azra bleibt sie stehen und sieht neugierig auf sie herab.  "Warum hast du Angst vor mir? Ich bin doch nicht böse." fragt sie leise, in der Hoffnung, dass sie sich nicht wieder erschrickt. Von Azra sieht sie im Moment nicht mehr als ein Bündel Stoff und den Hund. "Der Hund ist ganz lieb. Weißt du wie er heißt? Wie heißt du? Ich heiße Fiss" nimmt sie einen neuen Anlauf, als sie erstmal keine Antwort erhält. Abwartend tritt sie von einem Bein aufs andere, ihr Blick abwechselnd auf Azra und den Hund gerichtet.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 05. Jan. 2005, 18:35 Uhr
Wie von einer Spinne gebissen schiesst Azra in die Höhe und starrt das Mädchen aus ihren farblosen Augen verwirrt bis ängstlich an, zu keiner Regung fähig. Und noch surrealer wird ihre Miene als das Mädchen sich ihr einfach vorstellt und auch keine Anstalten macht, sich auch nur einen Zentimeter von ihrem Platz zu bewegen. Wieso sind Kinder auch immer so neugierig? Und wieso müssen sie immer Fragen stellen?
Azras Hand ruht weiterhin auf Stelzes Kopf, krault ihn sanft und will ihm damit auch zeigen, dass sie alles unter Kontrolle hat. Der Hund scheint jedoch schneller zu begreifen als sie und winselt leise auf, bevor er sie vorsichtig anstubbst um ihr Bewusstsein wieder in die Realität zu verfrachten. Das Mädchen weiss augenscheinlich nicht was sie ist, und solange sie das nicht weiss... NEIN! Sie hat Halla versprochen mit Niemandem zu reden und keinen Unsinn zu bauen, und einer völlig Fremden ihren Namen anzuvertrauen, würde eindeutig unter diese Kategorie laufen.

Schnell blickt sie zu Boden und zieht das Laken bis über ihren Kopf, so dass nun auch ihre Augen im Schatten liegen. Kleine Schneeflöckchen tanzen rundherum und verwandeln die Umgebung langsam in ein winterliches Märchenland. Ohne das Mädchen noch einmal anzusehen, beginnt sie sich langsam der Wand entlang in Richtung Türe zu bewegen, Stelze dabei am Fell mit sich ziehend. Innerlich fleht sie, dass das Mädchen keine Anstalten machen würde, ihr zu folgen.
Mit nervösen Fingern öffnet Azra die Türe und sogleich schlägt ihr ein warmer Lufthauch entgegen, der ihr sofort das Gefühl von Sicherheit gibt.  Der Hund sitzt jedoch noch imemr an ort und Stelle und sieht zwischen Fiss und Azra hinterher. Es dauert einen Augenblick bis der Blutelbenmischling sicher ist, was sie tun will und ruft dann leise: "Komm Stelze, wieder hinein!" Jetzt hat sie ihr Aufgabe erledigt, nämlich auf Stelze zu achten, und gleichzeitig hat sie dem Mädchen den Namen des Hundes verraten können, ohne wirklich mit ihr zu reden.

Es ist keinesfalls so, dass sie nicht gerne mit dem Mädchen reden würde, aber sie möchte keinen Aerger bereiten, besonders nicht solange der Herr Zwerg noch nicht da ist. Für einen flüchtigen Augenblick sieht sie noch einmal zu dem Mädchen hin, nickt andeutungsweise und verschwindet dann vollends mit dem Arduner Wolfshund im Innern, wo sie die Türe fest hinter sich schliesslich und dann an Ort und Stelle stehen bleibt. Hineingehen soll sie schliesslich auch noch nicht, bis Halla sie abholt. Das Holz der Türe im Rücken, harrt sie so der Rückkehr der Mogbar und wagt es nicht die notdürftige Verkleidung von ihrem Gesicht zu nehmen, wenn es allmählich auch warm wird.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Fiss am 05. Jan. 2005, 19:30 Uhr
Nichtmal Azras eher merkwürdiges Aussehen bringt Fiss wirklich aus der Ruhe. Zu viel merkwürdies hat sie auf ihrer Reise bis jetzt gesehen. Aber neugierig macht es sie, sehr neugierig. Am liebsten würde sie die Fremde mit fragen bestürmen, denn das es eine sie ist, ist für Fiss inzwischen sicher. Doch das steht Azra schon auf und geht weg. Fiss bleibt nur stehen, ihr ins Haus zu folgen geht mit dem Pony nicht, aber den Namen des Hundes hört sie noch. Warum hatte sie den so viel Angst. Ich bin doch nicht böse. und klein. und überhaupt. Vor mir braucht man doch keien Angst haben.Sie hatte ja auch noch den Hund. Stelze heißt der. Und lieb ist er. Der würde sie bestimmt beschützen. Aber sie hat ja nichtmal mir mir gesprochen. Und sich immer so versteckt in ihren Sachen.Warum den?

FIss ist ehrlich verwirrt und start noch immer auf die geschlossene Tür, als Gelia auftaucht."Was machst du denn da, du sollst doch nciht einfach weglaufen. Komm jetzt, ich habe einen Stallknecht gefunden." Sie greift Fiss am Arm und die erwacht aus ihrer starre und stapft Gelia, tief in Gedanken versunken, hinterher. Am Stall gibt sie Trius ab, nicht ohne ihn vorher noch ausgiebig zu streicheln, dann nimmt sie einen Teil des Gepäckes und folgt Gelia über den Hof und um das Haus herum in die Wirtsstube vorne.

Die Wirtsstube ist recht voll, fast alle Tische sind besetzt, die Menschen reden essen und trinken. Im Kamin brennt ein wärmendes Feuer. Die Luft ist recht stickig und alles in allem sehr warm, ein wunderbarer Duft nach Essen und ein bisschen nach Tabak liegt in der Luft, die meisten sind damit beschäfftigt, zu disskutieren, zu Essen, zu reden und zu trinken. In einer Ecke lachen zwei Männer überlaut, offenbar sind sie bereits etwas angeheitert.

Gelia und FIss durchqueren den Raum und bleiben an der Theke stehen. Gelia spricht den nächststehenden Mann an. "Entschuldigung, wir suchen ein Zimmer für ein paar Nächte und ein gutes Abendessen. Wisst ihr wer hier dafür verantowrtlich sist?" Fiss weiß unterdessen nicht, in welche Richtung sie zuerst schauen soll, also dreht sie den Kopf mal nach hier und mal nach dort in der Hoffnung, möglichst viel mitzubekommen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 06. Jan. 2005, 20:27 Uhr
Nach einer kurzen Suche hat Halla Marthea in einem der oberen Zimmer, beim Betten neu beziehen, gefunden. Marthea wusste natürlich schon von dem kleinen Wildfang, den Borgil unter seine Fittiche genommen hatte, und Halla braucht Marthea nicht lange zu überreden. Bald schon haben die beiden abgemacht, dass Azra die unbenutzten Zimmer sauber halten kann und die Betten von den Zimmern machen kann, die von ihren Bewohnern verlassen worden sind. Mit einem zuriedenen Lächeln auf dem Gesicht, verabschiedet sich Halla und geht wieder hinunter in den Schankraum, um durch den Hintereingang zu schlüpfen und Azra dort wieder ab zu holen.

Aber soweit kommt Halla nicht. Grid hält sie mit einem vollbeladenen Tablett auf, nickt zur Theke hin wo zwei neue Gesichter stehen. Ein ganz junges Mädchen, ein Kind noch und eine Frau, die gerade mit einem Mann redet. Halla seufzt kurz auf , wirft noch einen Blick zum Hintereingang und hofft, dass Azra keinen Unsinn gemacht hat. Dann geht sie auf die Theke zu und spricht die Frau an. "Seid gegrüsst. Ich bin Halla und im Moment verantworlich für die Harfe, womit kann ich euch dienen? Braucht ihr eine Unterkunft oder wollt ihr nur speisen, oder doch nur etwas trinken?" Ein freundliches Lächeln ist auf Hallas Gesicht erschienen, das sie immer trägt, wenn sie neue Gäste begrüsst.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Fiss am 06. Jan. 2005, 21:09 Uhr
Noch bevor der Mann antworten kann kommt Halla und spricht sie an. Gelia lächelt freundlich zurück und macht gerade den Mund auf um zu antworten, da ist Fiss schneller. "Essen, ich mag was zu Essen. Ich hab ein Loch im Bauch das ist größer als ich." Sie zeigt mit den Händen wie groß es ist und versetzt dabei Gelia versehentlich einen Stoß.

Gelia gibt ihr einen Klaps."Sei nicht so vorlaut." meint sie mit strafender Miene. Fiss schaut sie schmollend an und streckt ihr die Zunge heraus. Gelia wendet sich wieder Halla zu. "Wir suchen ein Bett für ein paar Nächte, heute Abend einen gute Mahlzeit und etwas Wärme. Draußen ist es doch recht ungemütlich. Wir haben noch drei Pferde dabei,die wir bereits in den Stall brachten" Fiss nickt nur bestätigend, dann wird ihre Miene besorgt. "DIe passen aber doch da gut auf meinen Trius auf, oder?" Gelia schenkt ihr nur einen mahnenden Blick, was Fiss verstummen lässt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 07. Jan. 2005, 21:58 Uhr
Halla kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, als es so aus dem kleinen Mädchen heraus platzt und sie fühlt sich ein wenig an sich selbst erinnert, sie war in diesem Alter nicht viel anders gewesen. "Na das Loch scheint ja fast grösser als du selbst zu sein, dann sollten wir einmal sehen, dass wir dieses Loch schnell gestopft bekommen , hm?" Halla zwinkert dem Mädchen zu und wendet sich dann an die Begleiterin des Mädchens, die sich mit einer Hand die Stelle reibt an der das Mädchen sie gestossen hat.

"Ihr könnt gerne ein Zimmer haben, und Wärme werdet ihr hier auch genug finden und Essen gibt es hier reichlich. Sucht euch einen freien Tisch, ich werde dann zu euch kommen und alles weitere mit euch besprechen." Halla nickt der Frau freundlich zu und hält selbst nach einem freien Tisch Ausschau. "Seht, da hinten wird grade ein Tisch frei, wenn ihr euch dort setzen wollt?" Als die Frau die Pferde erwähnt, plappert das junge Mädchen munter drauf los und macht sich Sorgen um die Pferde. Halla kommt um die Theke herum und beugt sich etwas zu dem kleinen Wildfang hinunter. Viel braucht sie sich nicht zu bücken, da Halla ja selbst nicht die Grösste ist. "Keine Sorge wir haben hier sehr fleissige Stallburschen, die sich gut um deine Pferde kümmern werden. Und falls die Pferde auch so ein grosses Loch im Bauch haben sollten wie du, werden es die Stallburschen schon zu stopfen wissen."

Halla begleitet die Frau, die sich mittlerweile als Gelia vorgestellt hat, zum Tisch, der gerade frei geworden ist, und das Mädchen hüpft ausgelassen hinter ihnen her, was Halla erneut schmunzeln lässt.Da wird Aelinor sich sicher freuen, wenn sie wieder hier ist, vielleicht findet sie ja in diesem Mädchen eine Freudnin. Am Tisch angekommen, wischt Halla kurz über den Tisch und deutet Gelia und dem Mädchen an sich doch bitte zu setzen. Als das Mädchen endlich sitzt, wendet Halla sich wieder an die Kleine. "So und nun erzähl mir einmal, was du denn gerne ißt und was dieses riesige Loch in deinem Magen füllen könnte?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Fiss am 08. Jan. 2005, 00:05 Uhr
Gelia lächelt erfreut und stellt sich vor. Dann folgt sie Halla an den Tisch, wärend sie sich ihre Gedanken über Fiss macht,die mal wieder viel zu frech ist. Sie nimmt sich fest vor, sie besser zu erziehen.

Fiss ist unterdessen auf den Stuhl geklettert und denkt nach. Dann strahlt sie Halla an. "Ich mag Kartoffeln. Mit Soße. Aber ohne Körner. Das schmeckt nicht. Und Milch zu trinken.Ich heiße übrigends Fiss" fällt ihr gerade noch ein. Gelia kann schon wieder nur den Kopf schütteln. "Ich hätte gerne eine kräftige Gemüsesuppe mit Getreide, wenn das geht und dazu ein Bier." bestellt sie bei Halla.Sie leht sich gemütlich zurück und streckt sie schmerzenden Beine von sich. "Ah, dass tut gut. Endlich mal wieder bequem sitzen. Findest du nicht auch Fiss?"

Fiss nickt nur abwesend, sie ist schon wieder damit beschäfftigt sich die anderen anwesend anzusehen. Eifrig huscht ihr Blick durch den Raum. "Hier ist es schön.Hier mag ich weiter wohnen."Gelia lacht und erklärt Fiss, dass sie das auch tun werden. Zu Halla gewand sagt sie. "Wie kommen aus dem Norden und wollen uns hier ansiedeln und.." weiter kommt sie mal wieder nicht. Fiss untebricht sie schon wieder. "Von ganz weit weit weg, kommen wir. So weit wie die Sterne weg sind, ganz bestimmt. Noch viel weiter."


Gibt es bei euch Kartoffeln? Eigentlich gab es die ja nocht *keineAhnunghat* Wenn nicht, editier ich es...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Pjerun am 08. Jan. 2005, 15:04 Uhr
<-- Silberschmiede


Vorsichtig öffnet Pjerun die Türe und betritt die goldene Harfe. Niemand scheint übermäßig Notiz von ihr zu nehmen. Ein paar Gäste blicken kurz auf, wenden sich dann aber sofort wieder ihren Tellern oder Bierkrügen zu. Das Innere des Gasthauses macht mit den dunklen Bänken und Tischen und der massiven Decke einen sehr gemütlichen Eindruck. Gemütlich schlendert Pjerun durch die Gaststube und findet schließlich einen leeren Tisch direkt neben dem Kamin. Sie setzt sich mit dem Rücken zur Wand, nimmt das Kopftuch ab und beobachtet interessiert das Geschehen in der Gaststube. Ein Knurren aus ihrer Magengegend erinnert sie an den eigentlichen Grund ihres Besuches…

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Pjerun am 09. Jan. 2005, 22:30 Uhr
Einer der vielen Servierjungen brachte relativ kurz nachdem Pjerun ihre Bestellung aufgegeben hatte das Bier und die Suppe. Genüsslich macht sich Pjerun über ihr Abendessen her. Sie hat den ganzen Tag über keine ruhige Sekunde gefunden, um etwas zu sich zu nehmen, viel zu viel war in ihrem kleinen Häusschen und der Werkstatt zu tun gewesen. und dann war da noch der Besuch dieser Priesterin gewesen, und damit verbunden ihr erster Auftrag. Irgendwie seltsam ist diese Stadt schon,... denkt sie zwischen zwei Löffeln Suppe. aber auf positive Art und Weise...da passt jemand seltsames wie ich vermutlich gerade richtig dazu.... Bald ist der Teller leer. Pjerun winkt einen der Burschen herbei und bezahlt, um dann noch in aller Ruhe ihr Bier auszutrinken und die Menschen um die herum zu beobachten. Schließlich ist auch der Krug geleert und Pjerun beschließt, sich auf den Heimweg zu machen, um dann am nächsten Morgen zeitig mit der Arbeit ihrem ersten Auftrg beginnen zu können.


--> Silberschmiede

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von lila am 13. Jan. 2005, 18:04 Uhr
<- Die Straßen der Stadt

Den Blick auf das Eichenholzschild über der Tür geheftet, verharrt Avivit Levana noch einen Augenblick. Sie streicht sich ihre von der langen Reise ein wenig in Mitleidenschaft gezogenen Gewänder glatt und greift dann beherzt zur Klinke, um einzutreten.

Wohlige Wärme schlägt ihr entgegen, als sie das Gasthaus betritt. Nachdem sie die Tür hinter sich zugezogen und die wärmende Kapuze vom Kopf geschoben hat, huschen ihre Augen auf der Suche nach einem freien Platz durch den Raum. In ihrem Aufzug, mit den von Wind, Schnee und Schmutz verunstalteten Gewändern und den zotteligen Haaren, wollte sie es lieber vermeiden, in irgend einer Weise unnötig Aufmerksamheit auf sich zu ziehen, bevor sie sich nicht etwas ansehnlicheres angezogen und ihr Äußeres wieder hergerichtet hat. Doch zu allererst ist da dieser schier unbändige Hunger, den es zu stillen gilt. Seit den frühen Mittagsstunden, als der letzte winzige Rest ihres Proviants verzehrt war, hatte sie nichts mehr zu sich genommen und war ausgezehrt.

Avivit erspäht einen noch freien Tisch in der Ecke des Raumes, geht schnellen Schrittes darauf zu und sinkt auf die Sitzbank, während sie ihren Umhang von den Schultern streift und zusammen mit ihrem prallen Leinenbündel, das ihre verbliebenen Habseligkeiten beherbergt, neben sich ablegt. Dankbar nehmen ihre Füße zur Kenntnis, das sie fürs erste von der Last des Körpers befreit sind und entspannen sich ein allmählich, als Avivit sie unter dem Tisch von sich streckt. Ihre Augen wandern zum nahen Fenster und hinaus in die verschneite Kälte, die bis eben noch ihr erbitterter Feind war.
Von hier drinnen sieht alles so friedlich aus wundert sie sich und lenkt den Blick wieder in den Schankraum.

Mit einem lautstarken Grollen, als würde er untermalen wollen, das nun er an der Reihe ist, macht sich ihr Magen bemerkbar. Der Duft nach etwas warmen Eßbaren, der aus der Tür hinter dem Tresen strömt, läßt in Avivit Gedanken an ganz vorzügliche Speisen aufkommen und macht ihren ohnehin schon gewaltigen Hunger noch unerträglicher. Beruhigend legt sie die Hand auf ihren Bauch und hält Ausschau nach einer Bedienung.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 13. Jan. 2005, 22:43 Uhr
Nevermore arbeitet immer noch tagsüber, und sie möchte das noch so lange wie möglich beibehalten; sie hat es inzwischen so eingerichtet, dass Aelinor sich die Zeit in der Küche vertreibt, denn SereniecA kann sie nun wirklich nicht immer zur Arbeit in die Metbrauerei mitnehmen. Die Köchin ist natürlich hocherfreut von dieser Einrichtung, sie hatte ja schon immer einen Narren an der süßen Kleinen gefressen. Nevermore befürchtet zwar, ihre Ziehtochter würde bald aufgehen wie ein Hefekloß von den vielen Naschereien, die ihr pausenlos zugesteckt werden, doch eine bessere Lösung fällt ihr nicht ein. So erwachsen ihre Seele sein mag, so kurz sind doch ihre Arme und Beine in diesem Kinderkörper, und jeder Einbrecher hätte leichtes Spiel mit ihr...

So ist es Nevermores Aufgabe, die eben eingetroffene junge Frau zu bedienen, die offensichtlich nach langer Wanderung einer Stärkung bedarf. Bei einem Mann hätte sie versucht, sich darum zu drücken, doch bei der Reisenden hat sie keine Bedenken. "Seid gegrüßt", sagt sie freundlich, als sie am Tisch der erschöpften Frau ankommt. "Was darf ich euch bringen?" Während ihre bunt schillernden Augen auf der Reisenden ruhen, die wie sie offenbar zum Teil elbischer Herkunft ist, erwartet sie die Bestellung.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Feydor am 14. Jan. 2005, 15:27 Uhr
<-- Straßen der Stadt

Vorsichtig betritt der Zentaur den belebten Schankraum. Ein paar Sekunden bleibt er halb in der Tür stehen und mustert mit flinken Augenbewegungen die anderen Gäste. Erst als ihm sein Gefühl sagt, dass wohl keine Gefahr hier droht, wagt er sich weiter in den Raum hinein.
In Menschenhäusern kommt er sich immer sofort riesenhaft und fehl am Platz vor. Draußen ist wenigstens der Himmel hoch und weit, aber in Häusern hat er sich schon mehrmals empfindlich an der Decke verletzt. Automatisch zieht er den Kopf ein und versucht mit seinen Hufen so wenige Geräusche wie möglich zu machen.
Unsicher sieht der Zentaur zu Boden und sucht einen Platz, wo er sich hinstellen kann, ohne irgendetwas umzuwerfen oder die Tische und Stühle beiseite rücken zu müssen.
Im Schankraum ist es gleichzeitig mit seinem Eintreten unheimlich still geworden.
Jetzt starren mich wieder alle an. Nur nicht hinsehen. Hörst du sie nicht tuscheln? Grimmig starrt Feydor weiter auf den Boden, bis ihm einfällt, das Caylith ja auch noch da ist. Vorsichtig, um nur niemandem sonst ins Gesicht sehen zu müssen, wendet er sich halb mit seinem menschlichen Oberkörper um, um zu sehen, wo die Faunin ist. Warum um alles in der Welt hatte er sich darauf eingelassen gleich am ersten Tag in der Stadt einer wildfremden Frau zu helfen!
Und wie zum Henker bin ich auf die Idee gekommen, ausgerechnet in einem Gasthaus nachzufragen? Jemand auf der Straße hätte doch auch schon gereicht.
Aber jetzt sind wir ja schon hier.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von lila am 14. Jan. 2005, 19:45 Uhr
Während sie wartet und immer wieder einen Blick in Richtung der Tür hinter dem Tresen wirft, öffnet Avivit vorsichtig ihr Leinenbündel ein wenig und beugt sich darüber.
"Komm raus, meine Kleine, wir sind nun im Warmen" flüstert sie in das Bastkörbchen im Inneren des Beutels hinein, woraufhin zwei kleine schwarze Ohren sich ihren Weg durch die Stoffschichten hindurch ins Freie bahnen. Avivit kann sich eines Lächelns nicht verwehren und hilft Shirin, sich aus dem Bündel zu befreien. Die leuchtenden Augen der jungen Katzendame mustern sorgfältig die Umgebung, in der sich sich befanden. Nachdem sie sich vergewissert hatte, das ihr hier keine Gefahr droht, setzt sie sich zwischen Avivit und dem Leinenbündel auf die Sitzbank und beginnt sie ausgiebig herauszuputzen.
Ja, so ist es recht, mach Dich nur hübsch, Shirin. Das werd ich auch tun, sobald ich kann.

Da endlich sieht Avivit eine junge Dame aus der Küche auf sie zukommen und erfreut nimmt sie zur Kenntnis, dass diese sie, an ihrem Tisch angelangt, auch noch nach ihren Speisewünschen fragt. Als sie grade etwas entgegnen will, erstarrt sie plötzlich, als der kalte Winterwind durch die offene Tür des Gasthauses zischt und mit ihm ein ungewöhnlicher Anblick ihre Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Auch Shirin hält in ihrer Körperpflege inne und zuckt nervös mit dem Schwanz.

Erfurchtsvoll und fasziniert zugleich starren beide das Wesen an, das soeben den Schankraum betreten hat. Der Zentaur selbst scheint sich nicht ganz wohl in seiner Haut zu fühlen und Avivit versucht ihren Blick von ihm abzuwenden, während sie beruhigend über das weiche Winterfell ihrer Gefährtin streicht. Aus den Augenwinkeln beobachtet sie, wie er an ihrem Tisch vorbei schreitet. Seine Bewegungen wirken ruhig, beinahe elegant auf sie.

Avivit hatte ja schon vieles gesehen in ihrem Leben, doch solch ein Wesen war ihr bislang noch nie über den Weg gelaufen und noch weniger hätte sie es an einem Ort wie diesem erwartet. Erneut ertappt sich sich dabei, wie sie den Zentaur anstarrt und zwingt sich dazu, etwas anderes ins Auge zu fassen.

Sie fährt innerlich zusammen und räuspert sich kurz, als ihr bewußt wird, das sie die junge Frau und vor allem ihren Hunger für den Moment vollkommen vergessen hatte, während die Frage nach ihrem Speisewunsch noch immer unbeantwortet im Raum schwebt.

"Verzeiht mir" entgegnet sie nach einem weiteren Moment des Besinnens. "Wo sind nur meine Manieren geblieben? Einen guten Abend wünsche ich Euch." bringt sie hervor und versucht krampfhaft, ihre Neugier im Zaum zu halten.
"Ich würde gerne etwas essen" äußert sie ihren Wunsch und läßt den Blick über die Teller der Gäste an den nahestehenden Tischen wandern. "Eine warme Suppe und ein Stück Brot, sowie ein Schluck Wasser, wären eine Wohltat für meinen ausgehungerten Magen."
Lächelnd schaut sie zu der jungen Frau auf, die ihr aufmerksam zuhört. "Ach und ... " fügt sie mit einer Geste auf Shirin hinzu. "Eine Kleinigkeit für meine Begleiterin wäre sehr nett. Nichts ausgefallenes, vielleicht ein paar Reste und ein Schälchen Milch." Sie lächelt dem Rotschopf freundlich entgegen und auch Shirin schaut die junge Frau an, als wüßte sie, das von ihr die Rede ist.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 14. Jan. 2005, 20:24 Uhr
In dem Moment, in dem die junge Reisende den Mund öffnet, um zu bestellen, wird ihrer beider Aufmerksamkeit plötzlich abgelenkt durch die seltsame, doch wunderschöne Kreatur, die gerade zur Tür hereinkommt. Nevermores Kinnlade fällt vor Staunen herunter, sie hat von Zentauren gehört, aber nur als kleines Kind in den Märchen, die ihr ihre Mutter erzählte. So bezaubernd hatte sie sich die Wesen jedoch nicht einmal in ihren buntesten Träumen vorgestellt. Ihr Verstand hat Schwierigkeiten zu verarbeiten, dass die Augen ihm ein Mischwesen aus Mensch und Pferd melden, und sie muss einige Male zwinkern, bis sie sich wieder im Griff hat. Sicher ist er dieses Anstarren schon längst überdrüssig, ruft sie sich selbst zur Ordnung. Während sie auf die Bestellung horcht, kann sie allerdings nicht verhindern, dass ihr Blick dem vermeintlichen Fabelwesen immer wieder nachschweift.

Sie nickt zu den bescheidenen Speisen, die die müde Wanderin bestellt, und prägt sich diese ein. Verwöhnt ist sie jedenfalls nicht. Da bekommt Aeli ja in der Küche schmackhaftere Reste zugesteckt, aber wenn sie meint... Die Katze fällt ihr erst auf, als die junge Frau auch für sie etwas verlangt. "Ach, die ist ja wirklich hübsch!", entfährt es ihr. Dann kichert sie ein wenig über ihren mädchenhaften Ausruf. Der Blick, den die Katze ihr daraufhin zuwendet, hat einen beinahe missbilligenden Ausdruck. "Oh, das hört sie wohl nicht gern. Ich gebe Eure Bestellung sofort an die Köchin weiter. Sie hat ein Herz für alles, das große Kulleraugen hat", fügt sie mit einem Augenzwinkern hinzu und begibt sich in die Küche, wo ihre kulleräugige Ziehtochter auch jetzt wieder verwöhnt wird.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von lila am 14. Jan. 2005, 20:55 Uhr
Erfreut nimmt Avivit die netten Worte der Bedienung über Shirin zur Kenntnis und schaut verwundert auf das schwarze Häufchen zu ihrer Rechten herab, als dem Lob noch eine etwas überrascht wirkende Bemerkung folgt.
Was sollte man an einer solchen Aussage nicht gern hören wollen? Wir haben nur hunger, das ist alles. Stimmts, meine Kleine? Ohne ihre Gedanken laut zu äußern, wendet sie sich wieder der jungen Frau zu. Sie bemerkt, das auch diese nur schwer umhin kommt, dem Zentauren nachzustarren. Und auch die meisten anderen Gäste können nur schwer vertuschen, dass der Auftritt des beeindruckenden Vierbeiners sie nicht interessieren würde.

Schulterzuckend erwidert Avivit den fragenden Blick Shirins, als die Bedienung sich von ihnen abwendet und auf die Küche zueilt. Mit der Vorfreude auf eine warme Speise für ihren knurrenden Magen schaut sie der jungen Frau hinterher, bis deren rote Mähne ihrem Blickfeld entschwunden ist. Dann wendet sie sich erneut Shirin zu und streicht ihr über den kleinen Kopf, bevor sie dem Drang nicht länger widerstehen kann und einen erneuten scheuen Blick auf den Zentauren riskiert.
Irgendwie kann er einem leid tun, auf solche Weise im Mittelpunkt zu stehen. Ob es ihm soviel Unbehagen bereitet, wie es den Anschein macht?

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von DarkCobra am 15. Jan. 2005, 00:58 Uhr
<-- Straßen der Stadt

Beim Betreten der Harfe beobachtet Dark noch die Faunin so halb aus den Augenwinkeln, dann verschwindet er durch die Türe.

Drinnen fährt ihm die warme Luft entgegen, aber auch eine merkwürdige Stille für ein gut gefülltes Gasthaus. Seine Augen gleiten über die Gäste, sofern sie in seinen Sichtfeld sind.
Dabei fällt ihm auf, das einer besonders im Blickpunkt steht und das es sich dabei um den Zentaur handelt. >Gut, solange er die Blicke auf sich zieht, werde ich wohl unerkannt zum Tresen gehen können.< Den Umhang samt Kapuze immer noch sichtsperrend übergeworfen geht er ruhig an dem Zentaur, der sichtlich jemand sucht, vorbei Richtung Tresen.

Noch bevor er den Tresen erreicht sieht er sich nach einer Bedienung im Raum um. Da sie aber grad wohl alle eine Bestellung aufnehmen, sucht er den Schankwirt hinter dem Tresen.
Um sich also Gehör zu verschaffen, klopft er kurz auf das Holz.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 15. Jan. 2005, 12:59 Uhr
Die Köchin kann sich kurz von Aelinor trennen, um die ständig auf dem Feuer brodelnde Kartoffelsuppe für die Reisende in eine Schüssel umzufüllen, Nevermore sucht  noch einen schönen Kanten Brot dazu aus, organisiert einen Krug Quellwasser und einen Tonbecher, und schließlich etwas frische Milch auf einem kleinen Tonteller für die Katze. Dann serviert sie das Essen mit einem freundlichen "Lasst es euch gut munden" und schon eilt sie an die Theke, auf die der Neuankömmling ungeduldig klopft. Halla ist nirgends zu sehen, und die anderen Schankmägde scheinen mit Servieren beschäftigt zu sein. "Guten Abend", wünscht sie und lächelt den unter der Kapuze verborgenen Fremden etwas nervös an (er kann ja nichts für ihre neue Angst vor Männern). "Entschuldigt, dass ihr warten musstet. Darf es etwas zu trinken sein?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von DarkCobra am 15. Jan. 2005, 16:38 Uhr
Noch immer suchend nach einer freien Bedienung wendet er den Kopf nach links und rechts. Gerade will sich Dark wieder mit einem Klopfen bemerkbar machen, als er ein scheinbar nervöses Gesicht direkt vor sich erspäht, und ihm eine Bestellung abnehmen möchte.
>Sie scheint Angst zu haben, ob es am Zentauren liegt?< Nochmal blickt er auf das große Wesen, welches hier nun wirklich bedrohlich wirken kann.

"Euch wünsche ich auch einen guten Abend." Bei diesem Worten versuchte er seine Ruhe zu behalten, was aufgrund seiner eigenen Nervösität nicht allzuleicht war. "Ich hätte schon was zu trinken, was aufwärmendes würde ich gern haben. Aber das kann erstmal warten. Kennt ihr eine Stallung für mein Pferd, und wisst ihr, ob es einen Hufschmied in der Stadt gibt?"
Dark atmet langsam durch, um seine Ruhe wiederzugewinnen, wendet sich dann kurz den restlichen Raum zu, um eine freien Sitzplatz zu finden. "Und wenn mein Pferd versorgt ist, könnte auch was zu essen vertragen. Sollte ich euch Umstände bereiten, so lag das fern meiner Absicht. Ihr müsst entschuldigen, denn die Reise hierher war beschwerlich und der Wind unbarmherzig."

>Du wirst schon wieder werden, meine treue Parijan.<

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von lila am 15. Jan. 2005, 18:39 Uhr
Wie von Ferne nimmt Avivit die Worte der Bedienung wahr, ohne sie eines Blickes zu würdigen. Ihre Augen ruhen immernoch gebannt auf dem Zentauren. Es ist ihr sehr wohl bewußt, das es sich nicht schickt und sie sich besser zusammenreißen und wegsehen sollte, doch sie kann einfach nicht anders. Erst als ein angenehmer Duft nach etwas Eßbarem in ihre Nase steigt, bemerkt sie die Schüssel mit der dampfenden Suppe vor sich auf dem Tisch. Sie hebt den Kopf, doch die junge Dame ist bereits wieder verschwunden und bedient hinter dem Tresen einen der anderen Gäste.

Nun aber rückt der Zentaur ein wenig in den Hintergrund und sie hat nur noch Augen für die herrlich duftende Mahlzeit vor sich. Genüßlich probiert sie von der Suppe und spürt die Wärme, die sich nach dem ersten Schluck den Weg durch ihren Körper bis zum Magen hin bahnt. Was für eine Wohltat.
Beinahe hastig schlingt sie Löffel um Löffel in sich hinein und labt sich auch an dem herrlich frischen Brot, sowie dem erfrischenden Wasser. Shirin macht sich ebenfalls über ihr Tellerchen Milch her und läßt es sich sichtlich schmecken.

Während sie ißt, scheint die Welt um Avivit herum vergessen zu sein. Es interessieren die sonst so neugierierige junge Frau nicht die Gespräche der anderen Gäste an den Tischen ringsum und auch nicht das seltsame Wesen - halb Mensch, halb Tier - nicht weit von ihr entfernt. Sie hat nur noch eines im Sinn - ihre Mahlzeit. Und diese läßt sie sich schmecken, was ihr Magen dankbar zur Kenntnis nimmt, der sofort das energische Grollen einstellt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 15. Jan. 2005, 20:08 Uhr
Eigentlich war mit Halla vereinbart, dass Nevermore bis auf weiteres nicht bedienen muss, aber ihr bleibt schlicht nichts übrig. Und es wird nicht immer möglich sein, jedem Mann in der Stadt aus dem Weg zu gehen, also fügt sie sich in ihr Schicksal und übernimmt einstweilen die Bar. "Sicher gibt es eine Hufschmiede, ihr findet sie direkt, wenn ihr den Marktplatz in Richtung Platz der Händler verlasst (OT: http://forum.weltenstadt.de/?board=stadtrpg;action=display;num=1060262060  ;))." Sie hat Kea, die junge, fähige Schmiedin, kurz kennengelernt, während sie bei Kizumu und ihrem Sohn Ierás, deren Gefährten, gelebt hatte. Dem ersten Eindruck nach war sie eine Frau, die zupacken konnte, sie würde noch jedes Pferd wieder auf die Hufe bringen. "Kea - die Schmiedin - kann euch sicher auch weiterhelfen, was das Unterstellen eures Pferdes angeht." Ihre Nervosität verfliegt etwas, jedoch nicht ganz - es verunsichert sie, dass das Gesicht des Mannes unter seiner Kapuze nicht vollständig zu sehen ist. "So, und was kann ich nun für euer Wohl tun? Etwas Warmes sagtet ihr, da hätten wir Kräuter- oder Früchtetee zur Auswahl, warme Milch, warmen Met und Grog. Was darf es sein?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 15. Jan. 2005, 20:47 Uhr
Halla muss immer noch über das kleine Mädchen schmunzeln, die so ohne jede Furcht vor sich hinplappert. "Natürlich sind unsere Kartoffeln ohne Körner, wir wollen uns doch nicht unsere Gäste vergraulen." Halla zwinkert dem Mädchen zu und hört sich dann Gelias Bestellung an. Das Mädchen schaut sich verträumt um und befindet dann, dass es ihm in der Harfe gefällt und es gerne hier wohnen möchte. Des weiteren erklärt Fiss, dass sie hoch aus dem Norden kommen und eine lange Reise hinter sich haben. "Da seid ihr wirklich weit gereist und es ist kein Wunder, dass du so ein Loch im Bauch hast. Ich werde sehen, dass euer Essen so schnell wie möglich kommt." Sie zwinkert Fiss erneut zu und wuschelt ihr einmal durchs Haar.

Inzwischen ist die Harfe voll geworden und als Halla sich herum dreht um zur Theke zu gehen, wäre sie fast rückwärts auf Fiss Schoss gepurzelt, denn ein leibhaftiger Zentaur steht da in dem Schankraum, was Halla nicht bemerkt hatte, da sie mit dem Rücken zur Tür gestanden hat. Halla hat schon viele verschiedene Wesen in der Harfe gesehen, über Oger und Faune, Feen und Kobolde, aber einen Zentauren soweit sie sich erinnern kann noch nicht. Der Zentaur spricht niemanden an und scheint auf irgendwas oder -wen zu warten, und so geht Halla erst einmal zu Sigrun in die Küche um die Bestellung für Fiss und Gelia aufzugeben. Aelinor wuselt auch in der Küche herum und Halla erzählt Sigrun erst einmal brühwarm, das grade ein leibhaftiger Zentaur in der Gaststube erschienen ist. Sigrun unterbricht abrupt ihre Arbeit und geht hinüber zur Tür und späht vorsichtig durch einen kleinen Spalt in den Gastraum, kommt dann Kopf schüttelnd zurück und murmelt etwas  von, sowas habe ich auch noch nicht gesehen. Aelinor scheint eben falls neugierig zu sein und hat sich auch an der Tür postiert. Halla schiebt sie sanft zur Seite um aus der Küche zu kommen und sich wieder hinter die Theke zu begeben. Die Harfe ist proppenvoll und nachdem sich die erste Aufregung gelegt hat, summt sie auch wieder vor Gesprächen und Trinksprüchen.

Nevermore kümmert sich gerade um einen anderen Neuankömmling und der Zentaur steht immer noch unschlüssig in der Mitte der Gaststube. Halla lächelt ihm freundlich zu und versucht ihre Neugier zu bändigen, was ihr dadurch gelingt, das sie Grid, das Tablett voll leerer Gläser abnimmt und eifrig beginnt diese zu spülen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Fiss am 15. Jan. 2005, 22:49 Uhr
Fiss nickt überzeugend. Dann werden ihre Augen immer größer und größer. "Guck mal, ein Pferdemensch. Oder ein Menschpferd? Au ja, ich weiß, ein Pfensch...." sie beginnt zu kichern und dann steht sie mutig auf und läuft zu dem Zentaur herüber.

Vor ihm bleibt sie stehen und streckt sich, so gut es geht, um wenigstens etwas größer zu erscheinen. Trotzdem muss sie den Kopf in den Nacken legen. Sie mustert den Zentauren neugierig, aber sie scheint keine Angst zu haben ,obwohl er so fremd aussieht. "Warum hast du denn vier Beine. Wie mein Pferd. Bist du ein Menschpferd oder ein Pferdmensch?" Sie spielt, wärend sie auf die Antwort wartet, mt ihrem Zopf und blickt den Zentauren treuherzig an. Dass die anderen im Raum beunruhigt scheinen, nimmt sie garnicht wahr, zu sehr interessiert sie sich für den Zentauren.

"Kann man auf die auch reiten, wie auf einem Pferd?" Die Vorstellung findet sie so lustig, dass sie zu kichern beginnt, wärend sie noch immer hinaufschaut zu dem Zentauren. "Bist du genauso schnell wie ein Pferd? Oder noch schneller? Und isst du auch Graß" Auf die Idee, dass sie dem Zentauren gar keine Zeit zum antworten gibt, kommt sie nicht. Aber nach der letzten Frage wartet sie dann doch mal ab, gespannt, was er sagen wird.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Caylith am 15. Jan. 2005, 22:56 Uhr
Als es zu daemmern anfaengt, ist Cay einigermaßen darueber erleichtert. So sind nicht mehr viele Leute auf der Straße und ausserdem wuerde die anbrechende Dunkelheit ihre Gestalt verbergen. Sie faengt den Blick des Zentauren aus den Augenwinkeln auf und schaut dann in seine Blickrichtung, in der die Goldene Harfe liegt. Ihr ist immer noch mulmig bei dem Gedanken ein Gebaeude von Menschen zu betreten, dennoch folgt sie ihrem zoegerndem Begleiter, der dann schliesslich immer schneller in seiner Gangart wird. Sie muss ebenfalls an Tempo zulegen um ihn einzuholen. Sie bermerkt nur nebenbei, dass der Boden des Marktplatzes nicht so zugefroren ist und man den Schnee groeßtenteils beiseite gefegt hat, damit die auf dem Boden stehende Wahre nicht zu stark durchweichen, die vor den Haendlerstaenden stehen, welche mittlerweile fast alle bereits abgebaut wurden. Sie hoert die klappernden Hufe fast nur zu deutlich an ihre Ohren hallen, bis sie beide vor dem Gasthaus zum stehen kommen. Verwirrt und fragend blickt sie zu Feydor hoch, aber an seinem Gesicht kann sie schon deutlich erkennen, warum er sich so beeilt hat. Sie teilt mit ihm die Unsicherheit, die die Stadt und deren Bewohner auf sie beide ausueben wie ein enger werdender Schlauch.
Caylith ist gut mit sich selbst beschaeftigt, so dass sie nicht viel von dem Zustand des Zentauren mitbekommt, auch wenn ihr das widerum nicht ganz entgeht. Sie kann es jedoch auch nachempfinden und verstehen, was in seinem Innesten vorgeht. Schliesslich ergeht es ihr nicht anders.

Feydor betritt die Harfe und Cay bleibt dicht hinter ihm. Sie kann den erzwungenen Witz nicht nachvollziehen, das mit dem Loewen und einer Hoehle. Sie hat nur nicht lange Zeit darueber nachzudenken. Als er die Schwelle ganz passiert bleibt sie stehen und ruehrt sich keine Elle mehr weiter. Ihr schlaegt die warme Innenluft, Gerueche von Essen, frisch gezapftem Bier und abgestandenen Schweiß einiger Gaeste entgegen. Selbst der Zentaur vor ihr stockt, als die Blicke sich auf sie richten. Eigentlich erstmal nur auf Feydor, da sie hinter dem Pferdeleib kaum auszumachen ist. Alle Gespraeche sind fuer wenige Momente angehalten worden und die Aufmerksamkeit liegt allein nur auf den Eingang der Goldenen Harfe. Wie gelaehnt steht die Faunin regungslos hinter ihrem Begleiter. Sie wusste, warum es keine gute Idee ist Gasthaeuser zu betreten. Warum ausgerechnet eine Schaenke...? Warum nicht eine blinde alte Frau, von der man fuer einen Reiter auf einem Pferd gehalten wird?

Sie bemerkt jemanden, der sich an ihr und auch Feydor vorbeistielt und scheinbar keine Furcht hegt. Er wirkt auf sie sogar sehr ruhig im Gegensatz zu anderen wesen, die ihr begegnen. erstaund verfolgt sie Dark Cobra mit den Blicken und gruebelt, ob das nicht eigentlich anders sein und sogar ob sie darueber empoert sein muesste, dass er nicht so wie andere reagiert. Doch sie beschließt darueber ein wenig erleichtert zu sein und beobachtet ihn noch eine Weile scheu und mit der ueblichen Skepsis bevor sie den Zentauren auf dessen Hinterteil tippt und sicherheitshalber einen Schritt zur Seite macht, bevor sie evtl. von einem Hinterhuf getroffen wird, wie sie es von Pferden kennt, die unvermutet von hinten beruehrt werden. Wenn dieser Fremde augenscheinlich keine Angst hat, koennte man ihn sicherlich auch ansprechen und Fragen stellen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 15. Jan. 2005, 23:05 Uhr
"Und dann weiss ich plötzlich nichts mehr.. Ich bin aufgewacht und dann war da der Herr Zwerg. Seltsam nicht wahr Stelze. Vielleicht bin ich verrückt, wer weiss das schon, aber was solls. Solange dies nicht noch einmal geschieht ist alles in Ordnung. Ich glaube der Herr Zwerg und Halla haben mich doch gern und ich mag sie sehr. Auch die anderen, die hier arbeiten scheinen nicht boshaft zu sein, ganz im Gegenteil. Oft lächeln sie wenn sie mich sehen und sie helfen mir sehr. Ich mag dieses Haus hier. Hm.. aber du vermisst dein Frauchen, nicht wahr?" Dabei bedenkt Azra den stolzen Wolfshund mit einem traurigem Blick und streicht ihm zärtlich über den Kopf. Die Wunde sieht schon nicht mehr so schlimm aus und jeden Abend nimmt Azra sorgfälltig den Verband ab und kümmert sich darum. Jeden Tag darf sie auch für kurze Zeit hinaus mit den Hund, manchmal auch zweimal und jedesmal geniesst sie die wenige Zeit, in der der Himmel über ihr die Freiheit zeigt.  

Auch heute darf sie wieder hinaus, Halla ist im Gastraum beschäftigt und sie haben miteinander abgesprochen, dass Azra nun selbst entscheiden kann für wie lange sie hinaus will. Doch noch immer ist der Schal, den sie von Halla erhalten hat, Pflicht. Ebenfalls ein einfaches,wollenes Kleid und einen gebrauchten Umhang, den die Mogbar noch irgendwo aus einer Truhe auftreiben konnte. Azra mag die Kleider, denn sie sind die ersten neuen Sachen, seit jenem Tag.. Manchmal noch laufen ihr Tränen über die Wangen wenn sie an ihren Wanderer zurückdenkt. die Sorge um den Herr Zwerg trägt da nicht dazu bei, dass es besser wird. "Ich hab Angst Stelze. Das der Herr Zwerg vielleicht nie mehr zurückkommt. Was passiert dann.. Das darf doch nicht passieren. Schon wieder Jemanden verlieren, das darf nicht sein." Wieder sammeln sich Tränen in ihren Augen und nur mit Mühe schafft sie es, eben diese zurück zu halten und verfolgt gespannt ds wilde Treiben der Flocken. Der Atem wird su einer weissen Dunstwolke und sinkt träge zu Boden. Die Kälte lässt ihre die Haut, die unter dem Schal hervorguckt, leicht rot anlaufen. Bis auf ihr Haar und ihre Augen ist noch immer Alles verhüllt, denn solange der Herr Zwerg noch nicht da ist, will Niemand ein Risiko eingehen.
Völlig in Gedanken versunken krault Azra Stelze hinter den Ohren und versucht runde Kringel in die Luft zu hauchen.


Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sethai am 17. Jan. 2005, 23:05 Uhr
Als er die Harfe beinahe erreicht hat, er spürt die Tür nicht weit voraus, das alte emotionsgeladene Holz ruft beinahe nach ihm die zu öffnen, spürt er plötzlich zwei schmerzhafte Stiche im Nacken. Schnell hebt er die Hand dorthin, denn Insekten können es nicht sein. Es ist Winter und selbst im Sommer meiden ihn alle Arten von Tieren; deutlich spürt er dort zwei Pfeile stecken, klein aber wie es scheint um so gefährlicher. Schon spürt er wie etwas brennend durch seine Adern schnellt, einer Feuersbrunst gleich. Schon setzen bei ihm die ersten Lähmungserscheinungen ein, kein Laut, kein Schrei will seiner Kehle entkommen. Doch so schnell sein Körper ausgeschaltet ist, für seinen Geist gilt das noch nicht, obwohl er spürt das ihm nur einige wenige Sekunden bleiben.

Mit einem Aufbäumen seiner Kräfte wie er es sein Jahren nicht getan hat greift er aus in Zukunft und Vergangenheit, will er wenigstens wissen was geschehen wird und wieso. In einem Sekundenbruchteil erfährt er die Hintergründe für diese Tat, denn der Ausbruch hat alle Grenzen gesprengt die er sich selbst gesetzt hat und sogar einige von denen er selbst nichts wusste. Er erlebt wie Asrai und Eade entführt werden und sieht genau das Antlitz derjenigen die es auf ihn abgesehen hatten, die den Anschlag verübt haben. Und ebenso deutlich erfährt er das es Sumpfnatterngift ist mit welchem die Pfeile getränkt waren. Das einzige was ihm bleibt bevor auch sein Geist ihm den Dienst versagt und demselben Schicksal entgegenfällt wie sein Körper ist ein mentaler Aufschrei ungeahnter Kraft in dem seine ganze Verzweiflung und sein ganzer Kummer liegen. Dann sinkt er einer Schwärze entgegen die tiefer ist als das Vergessen... eine Schwärze die ihn willkommen heißt und die ihn schon seit langem sehnsüchtig erwartet...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 17. Jan. 2005, 23:17 Uhr
Es ist ein dumpfes Geräusch, als würde ein Gegenstand auf einer Decke landen, dass mit einem Male ihre Aufmerksamkeit auf sich zieht. Sie lehnt gerade mit dem Rücken an der Wand, direkt neben der Ecke und bräuchte bloss noch um die Ecke zu schielen, damit sie die Strasse sieht. Zuerst ist ihr nicht danach, so ein Geräusch kann schliesslich von allen möglichen Dingen stammen und daher vergisst sie es schnell wieder und krault Stelze weiter hinter den Ohren.
Diese sind jetzt jedoch plötzlich nicht mehr angenehm locker und lassen sich einfach kraulen. Spitz aufgerichtet ragen sie in die Höhe. Verwundert sieht Azra den Hund an und bemerkt, dass sich dessen Haltung vollständig verändert hat. Er sitzt nicht mehr, sondern steht auf allen Vieren, reckt die Schnauze in die Höhe und scheint zu wittern.
Neugierig beobachtete Azra sein Gebahren, kann sich daraus jedoch keinen Reim machen und sieht nun aus purer Verwirrung doch noch auf die Strasse hinaus. Dort... sieht man nichts. Niemand scheint sich irgendwie auf den Strassen zu befinden, obwohl die Sonne erst gerade aufgeht. Die Sonnenstrahlen kitzeln sie in der Nase, doch das Benehmen des Hundes hält sie davon ab zu niesen. "Was ist denn Stelze? Was ist los?"

Für einen Moment scheint die Zeit still zu stehen und dann schiesst der Hund plötzlich vor, keinen Laut von sich gebend. Verdutzt blickt Azra für einen Moment auf den Platz, wo sich eben noch der Arduner Wolfshund befand. Erst langsam registriert sie, dass da kein Hund und auch kein Stelze mehr ist und als der Groschen endlich gefallen ist, keucht sie erschrocken auf. Ohne weiter zu überleben, hastet sie um die Ecke, rutscht noch aus und rennt auf die Strasse hinaus. Erschrocken und panisch blickt sie sich um. "Stelze?!" Ihre Augen huschen im Dämmerlicht umher, suchen jeden Winkel ab, den sie finden kann, bis plötzlich ein leises Wuff ihre Aufmerksamkeit auf sich zieht. Ohne weiter zu überlegen rennt sie wieder los, durch den frischen Schnee der unter ihren schnellen Schritten laut knirscht.  Die Kälte schneidet in ihre Haut, lässt ihre Wangen ein wenig Farbe annehmen und schmerzt auch gleichzeitig.
Stelze scheint sich irgendwo in einer nahen Gasse zu befinden, wobei sie sich wieder fragt, was in aller Götters Namen ihn dazu gebracht hat, wie ein Pfeil wegzudüsen und nicht mehr als ein Wirbel von Schnee zu hinterlassen. Die Zeit um sich Gedanken zu machen, die hat sie jedoch nicht mehr, denn als sie um die nächste Ecke schlittert, kann sie gerade noch verhindern, dass sie über den grossen Hund fällt und sich sämtliche Knochen bricht.
Er lässt ein leises Knurren vernehmen, dass jedoch nicht an sie gerichtet ist, sondern eher auf das... Was da vor seinen gebleckten Zähnen im Schnee liegt.
Für den flüchtigen Moment eines Windhauchs, steigt in Azra eine Angst hoch, wie sie es schon seit langem nicht mehr gespürt hat und trotz aller Willensanstrengung, stolpert sie ungelenk einige Schritte zurück, die Augen weit aufgerissen. Was, oder besser gesagt, wer da vor ihr liegt, ist ihr in dem Moment bewusst geworden, als sie die Zeichen auf seiner sonderbaren Haut erblickt hat. Es trägt wahrlich nicht dazu bei, dass sie sich wohler fühlt und die zwei kleinen Pfeile in seinem Nacken, die wie kleine Zahnstocher aus seiner Haut hervorragen, jagen ihr einen eisigen Schauer über den Rücken. Am liebsten würde sie sich umdrehen und wieder davonlaufen, sich unter der Decke verstecken und ganz schnell vergessen, dass er hier ist. Aber antun kann er ihr doch nichts, zumindest das entnimmt sie seiner Situation, wie er da im Schnee liegt, mit dem Gesicht nach unten.
Sie will ihm nicht zu nahe kommen, zu nah sind noch die Erinnerungen an ihr letztes Zusammentreffen. Wieder ist es ihr, als würden glühende Adern sich über ihren Körper hinweg ziehen und mit einem leisen Schluchzen drohen ihre Knie unter ihr nachzugeben.
Die Mauer in ihrem rücken fängt sie jedoch auf und als stünde hinter ihr der leibhaftige Tod, stösst sie einen erstickten Schrei aus und macht wieder einen Satz nach vorne. Zitternd, als trüge sie keine Kleidung am Leib, starrt sie auf den Elfen hinunter. <<Hilfe.... HILFE! DU MUSST HILFE HOLEN!!!>>Das brauchen ihr ihre Gedanken nicht zweimal zu sagen, schon fliegen ihre Füsse regelrecht über den Boden hinweg und drohen bei jeder kleinen Richtungsänderung wieder unter ihr wegzurutschen. Kurz ruft sie dem Hund noch zu, dass er blieben soll wo er ist und verschwindet dann schon um die nächste Häuserecke.
Halla, sie muss unbedingt zu Halla, sie kann ja nicht einfach irgendjemanden ansprechen und überhaupt kennt sie ansonsten Niemanden. In Windeseile erreicht sie keuchend den Vordereingang des Gasthofs, wo ein grosses Wesen die Türe noch versperrt und für einen Augenblick zögert Azra, stürmt dann jedoch sogleich weiter.
„HALLA! HALLA!!“ Sie beginnt bereits zu schreien, da hat sie die Türe noch nicht einmal erreicht und das grosse, seltsame Wesen dreht sich mit fragendem Blick nach ihr um. Ohne darauf zu achten, schreit Azra weiter nach der Mogbar und drängt sich kurzerhand an der Faunin vorbei, wo sie erstmal gegen etwas grosse prallt. Doch das hält sie nicht auf und schnell rappelt sie sich wieder auf. Stimmengewirr ist laut geworden, einige erheben sich von ihren Stühlen um besser sehen zu können. Verwirren und leises Murren und auch Unmut über die erneute Störung macht sich breit und als dann noch eine halbvermummte Gestalt laut schreiend zwischen den Tischen und Stühlen hindurchflitzt, ist es um die eben entstandene Ruhe sowieso geschehen.
Halla steht hinter der Theke und mit weit aufgerissenen Augen sieht Azra zu ihr hinunter, braucht einen Moment um sich überhaupt wieder zu erinnern wie man spricht, bevor ein unverständliches Gebrabbel aus ihr hervorbricht: „Plöhumirweggefundenhatmannsetlzeichenhilfepfeischnkalt.“ Selbst der Blutelbenmischling versteht seine eigenen Worte nicht mehr, holt noch einmal tief Luft und spricht dann deutlich jedoch immer noch am ganzen Leibe zittern: „Er.. liegt da draussen... Eine Gasse... weiter.. verletzt.. Zwei Pfeile in seinem Nacken.. der Mann, der böse Mann, der Seher! Stelze ist .. bei ihm.“ Durch die Stille die sich ausgebreitet hat, ist jedes ihrer Worte deutlich im ganzen Raum verständlich.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Caylith am 18. Jan. 2005, 00:27 Uhr
Im Schankraum wird Caylith von der Gestalt und Feydor vor sich abgelenkt, als ein junges Maedchen mit hellem Schopf durch die Tuer hinter ihr reingestuermt kommt und laut panisch nach Halla ruft, waehrend sie sich an der erschrockenen Cay vorbeidraengt und gegen die Flanke des Zentauren rennt. Reflexartig streckt die Faunin die Arme nach dem Maedchen aus, um sie festzuhalten. Doch diese ist schon wieder schnell auf den Beinen und rast zum Tresen, wo sie vorerst unverstaendliches von sich gibt, doch dann aber voellig ausser Atem von einem verletzten Mann berichtet.
>Er.. liegt da draussen... Eine Gasse... weiter.. verletzt.. Zwei Pfeile in seinem Nacken.. der Mann, der böse Mann, der Seher! Stelze ist .. bei ihm.<
Das Entsetzen ist deutlich aus der atemlosen und zittrigen Stimme zu entnehmen und die Aufregung, die von den Gaesten und dem Personal aus in das Gasthaus einkehrt wirkt beengend und beunruhigend auf sie. Nur wenige Schritte, die sie rueckwaerts macht, bringen sie zur Tuer, die offengelassen wurde. Einen Moment lang verharrt Cay am Eingang und denkt ueber die Worte des Maedchens nach um diese zu verstehen.

Pfeile? ... Im Nacken? Wenn er Glueck hat, wird er sofort tot gewesen sein... ansonsten... Die duesteren Gedanken der Faunin kann man ihr schon fast von den Stirn ablesen, die sie nachdenklich runzelt. Ein Seher... Ihr kommt die Bezeichnung einen Moment lang sehr vertraut vor, obwohl sie bisher wohl kaum etwas mit Sehern zutun gehabt hatte. Doch das ist jetzt nicht der Punkt der Sache. So wie es das Maedchen beschreibt, koennten die Pfeile vergiftet sein, was man aber hier im Schankraum nur schwer feststellen kann.

Cay sucht fragend Feydors Blick und nickt diesem sacht zu: "Ich schlage vor, wir schauen uns das mal an... Wenn er noch lebt muss er schleunigst zu einem... Heiler oder?" Ihre Stimme ist leise und etwas unsicher, aber fuer den Zentauren gut vernehmbar, der schon auf Grund ihres vorsichtigen Blickes zu seinem starken Pferderuecken erraten duerfte, was Caylith vorhat. Bei einem solchen Notfall ist sogar der Faunin klar, dass ein sicherer aber auch schneller Transport vonnoeten ist. Und wenn keine Trage vorhanden sein sollte, so bedarf es eines zuverlaessigen Pferdes - oder aehnlichem -, das nicht bei jeder Kleinigkeit scheut.
Und ein Zentaure hat sicher den Vorteil, dass er menschlichen Verstand besitzt und die Notwendigkeit von Ruhe erkennt... oder...?, sicher weiss sie es nicht, schliesslich ist sie bisher noch nie einem Zentauren begegnet. Kurz darueber gruebelnd schaut sie Feydor an, ehe sie sich umwendet und die Goldene Harfe verlaesst. Draussen hofft sie, dass ihr Begleiter damit einverstanden ist und ihr folgt, waehrend sie sich eilig und suchend umschaut.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 18. Jan. 2005, 16:21 Uhr
In dem einen Moment war es noch ruhig in der Harfe, zumindest das, was man ruhig nennen kann in einer Gaststube. Die Gäste hatten sich an den Anblick des Zentauren gewöhnt und Fiss war neugierig zu ihm gegangen, Halla hatte die Faunin entdeckt, was ihr kurz nochmal ein paar riesig grosse Augen beschert hatte, und dann schien alles normal zu werden...ja schien...

Denn plötzlich wird die Tür der Harfe aufgerissen, eine verflucht aufgeregte Blutelbin brüllt die halbe Harfe nach Halla zusammen, und bleibt schliesslich vollkommen ausser Atem und wirres Zeug redend vor der Theke stehen. Vollkommen aufgeregtund erschrocken, sieht Halla sich erst einmal kurz im Schankraum um, Azras Gesicht ist noch gut versteckt unter dem Schal, aber trotzdem, man weiss ja nie. Fast über ihre eigenen Füsse stolpernd, kommt sie hinter der Theke vor und zieht Azra rasch in Richtung Küche, um sie vor neugierigen Blicken zu schützen. Währendessen holt Azra Luft und beginnt erneut zu erklären was passiert ist. "Wer liegt da mit Pfeilen im Hals? Der Seher? Du meinst Sethai? Bei allen Göttern und das alles wo Borgil nicht hier ist, verflixt und zugenäht.." Sie haben die Küche erreicht, an der Aelinor schon vorwitzig ihre Nase durch die Tür steckt. Halla scheucht sie zurück und betritt dann mit Azra zusammen die Küche. Mit knappen Worten erklärt sie Sigrun was vorgefallen ist und wendet sich dann wieder an Azra.

"Tu mir bitte den Gefallen und bleib hier, da draussen wird es jetzt genug Schaulustige geben, die dich nur zu leicht als das erkennen könnten, was du bist, und dann muss ich nicht nur für Sethai einen Heiler holen...falls ich nicht eh schon die grauen Schwestern rufen muss. Bei allen Göttern ich bitte euch, lasst ihn noch am Leben sein, einen Toten kann ich hier nun wirklich nicht gebrauchen....Sigrun kümmer dich bitte um Azra, mach ihr einen heisse Tasse Milch mit Honig, das beruhigt die Nerven, aber du weisst selbst was am besten ist." Dann wirft Halla noch einen bittenden Blick zu Azra und verschwindet wieder aus der Küche.

Im Schankraum angekommen, wirft sie sich nur ihren Umhang um, der an einem Haken in der Nähe der Theke hängt und verlässt dann, ohne auch nur auf den Zentauren oder die Faunin zu achten, die sich auch gerade anschicken die Harfe zu verlassen, eben selbige. Draussen empfängt sie ein schneidend kalter Wind und trotz des Wetters haben sich schon Schaulustige zusammen gefunden, die wohl das Gebrüll von Azra gehört haben oder irgendetwas anderes, denn einige sind mehr als verstört. Halla schüttelt unwillig den Kopf und tritt in die Gasse, wo sie Stelze neben einem auf dem eisigen Boden liegenden Körper findet. Der Seher sieht grauenvoll aus und sie starrt ihn einen Moment an, allerdings hebt und senkt sich sein Brustkorb noch, was sie leicht aufatmen lässt. Sie faucht die Stallknechte an, die natürlich auch sofort zusammen gelaufen sind." Was glotzt ihr hier Löcher in die Luft, los tragt ihn rein, in eins der freien Zimmer oder wollt ihr warten bis er am Boden festgefroren ist?" Die Stallknechte sehen sie erst verwirrt an und trauen sich nicht den ihnen unheimlichen Seher anzufassen, bis Halla selbst hingeht und sich einen Arm schnappt und als ihr nichts geschieht, helfen sie ihr sofort und tragen den fast leblosen Körper des Sehers zum Hintereingang.

Halla selbst hatte den Arm, den sie genommen hatte, einem der Stallknechte überlassen und versucht nun die aufgescheuchte Menge zu vertreiben. Einige reden von einem grauseligen Schrei, den der Seher ausgestossen hat und den man sicher bis an das Ende von Talyra gehört haben muss, aber Halla hatte nichts dergleichen gehörtSeltsam, aber was ist an ihm nicht seltsam... Kopfschüttelnd lässt Halla die Menge stehen, als sie von weitem sieht, wie einige Blaumäntel in die Gassse kommen und die Menge auseinander treiben. Sicher würden sie auch gleich in die Harfe kommen und wissen wollen was passiert ist, aber zuerst muss sie einen Jungen losschicken, der Morgana zur Harfe holt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Feydor am 18. Jan. 2005, 17:10 Uhr
Schließlich ist auch Caylith ins Gasthaus eingetreten. Bei der Berührung am Rücken zuckt der Zentaur sichtbar zusammen, und nur die Erinnerung, dass das wohl seine Begleiterin ist, verhindert eine ungeschickte Reaktion. So nervös, wie er jetzt ist, muss Feydor aufpassen, dass er die Nerven behält, sonst würde er wahrscheinlich noch das eine oder andere Vorurteil über Zentauren bestätigen.


on 01/15/05 um 22:49:15, Fiss wrote:
"Warum hast du denn vier Beine. Wie mein Pferd. Bist du ein Menschpferd oder ein Pferdmensch?"
"Kann man auf die auch reiten, wie auf einem Pferd?"  "Bist du genauso schnell wie ein Pferd? Oder noch schneller? Und isst du auch Graß"


Wie ein Wasserfall plätschern die Fragen des Mädchens vor Feydor nur so aus dem Mund.
Erstaunt wendet sich der Zentaur mit hochgezogenen Augenbrauen an die Kleine. Sie scheint gar keine Angst zu haben, und irgendwie tut ihm das in dieser Atmosphäre des Misstrauens und der Furcht, das alle anderen Gäste verbreiten, gut.

"Ich bin weder ein Pferdemensch, noch ein Menschenpferd, ich bin ein Zentaur. Und ich bin noch schneller als ein Pferd, Kleine." Beim Gedanken an eine weitere Frage des Mädchens runzelt er jedoch die Stirn und sein Gesicht wird abweisend. Auf einem Zentauren reiten! Allein schon der Gedanke ist für jeden seines Volkes eine Demütigung.
Ernst und stolz blickt er das Mädchen an, das vollkommen sorglos, und sich offenbar überhaupt nicht bewusst, was sie da für eine Frage gestellt hat, weiter mit ihren Haaren spielt.
Feydor beugt sich noch ein wenig weiter, als die Raumhöhe es erfordert herunter, wodurch er noch ein wenig bedrohlicher wirkt.
"Nie wird je ein Zentaur einen Menschen auf sich reiten lassen, merk dir das. Wir sind keine Lasttiere, und auch keine Reittiere. Wir sind keine Tiere!
Mein Volk ist eine stolze und alte Rasse, und nie wird jemand einen Zentauren zähmen, um ihn als Haustier zu missbrauchen!"
Aprupt dreht er sich um, und sieht gerade noch, wie Caylith wieder nach draußen verschwindet.
Wo will sie denn jetzt hin?
In seiner Aufregung über die unglaubliche Frage des Mädchens vor ihm, hatte er die Rufe und die Neuigkeiten über den Seher vollkommen überhört.
Besorgt folgt Feydor der Faunin nach draußen, jedoch nicht ohne einen abschätzenden Blick auf die Gäste der Goldenen Harfe zu werfen, die ihn noch immer mit offenem Mund anstarren.
Ohja, ich weiß, warum ich Städte meide...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von DarkCobra am 18. Jan. 2005, 17:27 Uhr
Aufmerksam vernimmt Dark den Hinweis auf die Hufschmiede. >Der Beschreibung nach könnte es sich um das Gebäude an der Brücke sein, wo ich vorhin noch vorrüber ging. Aber dort ist es doch stockfinster gewesen, oder hab ich mich nur verschaut? Am besten schau ich mir das später nochmal an.<
Dann nimmt er seinen Met entgegen, den er bei Nevermore bestellt hatte, legt ein paar Münzen auf den Tresen und schaut sich noch einmal im Schankraum umher. >Immer noch steht der Zentaure im Eingangsbereich und zieht die Blicke auf sich. Es ist wirklich kein schönes Gefühl, wenn man so angestarrt wird und nicht weiß, was sie über einen denken.<

Nachdem der erste kräftige Schluck des wärmenden Mets an der Innenseite von Dark's Hals hinabgeflossen war, wird es auch schon wieder hektischer vom Eingang her.
>Gasse?... Pfeile im Nacken?... Seher?... Ich dachte eigentlich, das wäre eine ruhige Stadt, aber hier scheint es fast genauso zu sein, wie in den östlichen und südlichen Landregionen. Ob ich hier wirklich meine Ruhe finden kann?<

Als Halla die Harfe verlässt, blickt Dark ihr hinterher. >Sie scheint wohl kaum Hilfe zu brauchen, trotz ihrer Größe, überhaupt scheint sie mir hier was zu sagen zu haben. Bevor ich mich nochmal zur Hufschmiede aufmache, sollte ich mir Gedanken um ein Zimmer machen. Die Straßen scheinen mir nicht gerade sicher zu sein.< Also dreht er sich wieder vom Eingang weg um Nevermore wegen einer Unterkunft für die Nacht zu fragen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Fiss am 18. Jan. 2005, 18:30 Uhr
Fiss ist von dem Zentauren einfach nur fasziniert. Ihr Blick wandert immer wieder von seinen Hufen bis zu seinem Kopf. Er ist aus ihrem Blickwinkel noch größer, sie selber ist ja nicht gerade riesig. So etwas hat sie noch nie gesehen. Aber vor allem seine Reaktion auf ihre Fragen verwundern ihn. Erst scheint er so nett zu sein und plötzlich ist er so beleidigt. Fiss schaut ihm mit offenem Mund hinterher. "Warte doch..." ruft sie, aber der Zentaur scheint sie nichtmehr zu hören oder nicht hören zu wollen. Er ist schon verschwunden. Trübsinnig darüber, dass er weg ist starrt Fiss die Tür an.

Dann dreht sie sich um und flitzt zu Gelia zurück. Ihr Essen ist inzwischen da und sie beginnt zu essen. Aber irgendwie ist sie nicht so gut gelaunt wie sonst, sie redet kaum. Die Antwort des Zentauren geht ihr noch immer im Kopf herum und beschäfftigt sie schwer."Du, Gelia, der Zentraur da hat war ganz beleidigt, als ich ihn gefragt habe, ob man auf ihm reiten kann." Gelia lächelt. "Weißt du, ich weiß nicht viel über Zentauren. Zentaur, nicht Zentraur, aber man sagt, dass sie sehr stolz sind. Vielleicht hast du ihn verletzt mit deiner Frage? Ich weiß es nicht, aber es schien so." Fiss schaut sie nachdenklich an und isst weiter, wärend sie sich im Schankraum umsieht. Ihre Stirn ist in Falten gelegt und sie stochert mit ihrer Gabel im Essen herum.

Als sie fertig sind, machen sie sich hundemüde auf den Weg nach oben, um sich auszuruhen und Fiss schläft schnelle in.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von lila am 18. Jan. 2005, 22:10 Uhr
Die warme Mahlzeit tat gut - verdammmt gut. Und so langsam fühlen sich auch ihre vor Kälte halb erstarrten Glieder wieder lebendiger an und eine angenehme Wärme durchströmt ihre Adern.

Avivit legt soeben den Löffel in die restlos leere Schüssel und lehnt sich auf ihrem Platz entspannt zurück, als die Tür aufspringt und mit dem Hereineilen einer jungen Frau eine unangenehme Hektik im Gasthaus um sich greift. Mit müdem Blick beobachtet sie regungslos das sich ihr bietende Bild. Sieht, wie die Frau zum Tresen eilt und versucht einige der Wortfetzen des folgenden Gespräches einzufangen.

Gasse ... Pfeile ... Seher

Sie ist viel zu erschöpft von der Reise, um die an ihr Ohr dringenden Worte vernünftig zu verarbeiten. Sie kreisen in ihrem Kopf, setzen sich in ihrem Geiste zu wirren bunten Bildern ohne Sinn zusammen und lösen sich wieder auf, wie zerplatzte Seifenblasen im Sommerwind. Avivit schüttelt sich, um wieder eine klare Sicht auf die Dinge zu erhaschen, die sich vor ihr abspielen, anstatt geistesabwesend ins Nichts zu starren.

Nun rückt auch der Zentaur wieder in ihr Blickfeld, wie er hoch über einem kleinen Mädchen thront, das direkt vor ihm steht und unerschrocken zu ihm aufblickt. Mit ernstem Gesicht spricht er zu der Kleinen, bevor er sich von ihr abwendet und nach einem anscheinend kritischen Blick durch den Schankraum diesen wieder verläßt.

Erneut ist es ruhiger geworden um sie herum und sie verbirgt ein Gähnen hinter vorgehaltener Hand. Shirin hatte ihr Tellerchen schon längst geleert und es sich neben ihr auf der Sitzbank bequem gemacht. Die junge Katzendame ließ sich selbst nicht durch den soeben herrschenden Aufruhr um sie herum aus der Ruhe bringen. Sie beobachtete alles gelassen aus den Augenwinkeln.

Ich sollte ein Zimmer für die Nacht finden, bevor ich an Ort und Stelle einschlafe beschließt Avivit, während sie den leeren Teller ihrer Gefährtin neben ihrer Schüssel auf dem Tisch abstellt.
Ihre Hand tastet vorsichtig, um sie nicht unnötig aufzuschrecken, an Shirin vorbei in ihr Bündel und zieht ein kleines Lederbeutelchen daraus hervor. Nachdem sie diesem einige Münzen entnommen hat, steckt sie den Beutel zurück an seinen Platz und stemmt sich mit einem müden Säufzen von ihrem Platz hoch. Fragenden Blickes hebt die Katzendame den Kopf, rührt sich aber nicht vom Fleck und Avivit deutet ihr mit einem beruhigenden Zwinkern, hier zu bleiben, woraufhin der kleine Kopf wieder auf die Pfoten niedersinkt.

Lächelnd über so viel Gelassenheit wendet sich Avivit zum Tresen, erblickt die junge Frau, die ihr vorhin das Essen gebracht hatte, halb vom Umhang einer der Gäste verdeckt, hinter der Theke und schlürft trägen Schrittes auf sie zu. Um niemandem ins Wort zu fallen, wirft sie sowohl dem Fremden unter seiner tief ins Gesicht gezogenen Kapuze, als auch der Bedienung einen prüfenden Blick zu. Als sie sich vergewissert hatte, das sich die beiden augenblicklich nicht zu unterhalten scheinen, legt sie ihre Münzen auf den Tresen. "Habt Dank für das Mahl."

Ein Lächeln umspielt ihre Lippen, als sie nach passenden Worten ringt. "Habt Ihr ein Zimmer für die Nacht, das einer Fremden fürs erste Unterschupf bieten könnte?" fragt sie und in den Klang ihrer müden Stimme mischt sich Unsicherheit.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 18. Jan. 2005, 22:48 Uhr
Gerade, als Nevermore die beiden Gäste, die nach einem Zimmer gefragt haben, an Halla verweisen möchte, bricht das Chaos direkt vor der Tür zur Harfe aus und besagte Halla stürzt sich offenbar mitten hinein. Nevermore bekommt nur mit, dass es um einen Seher geht, der Pfeile im Nacken haben soll, warum auch immer... Und da der einzige Seher, von dem sie weiß, Sethai heißt, fackelt auch sie nicht lange. "Das da ist Halla, die oberste Magd - fragt sie, später, ob Zimmer frei sind", stößt sie auf Halla zeigend hervor, dann folgt sie ihr in dieselbe Richtung und kümmert sich nicht länger darum, wie unhöflich sie gerade auf die Fremden wirken muss.

Als Sethai sie den Klauen des Wahnsinns entriss, benutzte er dazu dunkle Magie, und er hatte schon vage angedeutet, dass diese eventuell Spuren in ihrem Geist hinterlassen könnte. Tatsächlich spürt sie nun zum ersten Mal eine deutliche Verbindung, als ihr aus einer finsteren, sonst unbeachteten Ecke ihres Verstandes eine leise Stimme verrät, dass es sich bei dem angegriffenen Seher um Sethai handelt. Nicht nur das, sie weiß auch, dass er nur betäubt wurde - und teilweise sagt ihr diese Stimme auch den Grund dafür - , noch ehe sie ihn bewusstlos direkt im Türeingang liegen sieht. Um sich über dem Stimmengewirr Gehör zu verschaffen, erhebt sie so gut sie kann die Stimme: "Er wird sich erholen, er ist nur betäubt." Erstaunte Gesichter wenden sich ihr zu, sind für den Moment sprachlos. Ihr erster Impuls ist es, zwei halbwüchsige Botenjungen, die neben dem Seher knien, aufzufordern, sie sollen ihn nach oben bringen - doch Halla ist unter den sprachlosen Gesichtern, und ihrer Vorgesetzten will sie nun wirklich nicht das Zepter aus der Hand nehmen. "Glaubt mir, er ist unverletzt." Hilfesuchend starrt sie Halla an. Bitte, Halla, hilf ihm...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Caylith am 18. Jan. 2005, 23:47 Uhr
Ob der vielen Menschen im Schankraum und auch noch der Aufregung um den Verletzten hatte die Faunin kaum etwas von dem Gespraech mitbekommen, in das Feydor von dem Maedchen verwickelt wurde. Sie hat nur beilaeufig bemerkt, dass er sich ueber irgendetwas drueber gebeugt hat, aber nicht dass er sich unterhielt, als das junge Maedchen hereingerast kam.
Nun steht sie draussen im Schnee und kann sich auf Grund einer angesammelten Menschenmenge die tuschelnd und plappernd zu Boden blicken schon denken, das dies die Stelle ist, wo der Mann liegt.

Eine winzige Gestalt huscht an ihr vorbei, ehe sie dort ankommt und erteilt einigen herbeigeeilten Burschen rasche Befehle in einem barschen Ton ihr zu helfen den Seher hineinzubringen. Erst nach genauerem Hinsehen, erkennt Cay eine kleine Frau, die ihr gerade mal bis zur Huefte geht. Mit Staunen verfolgt sie die Gehorsamkeit der Stallburschen und mischt sich schliesslich kurzer Hand zwischen sie, als es darum geht, den Seher in einen Hintereingang der Harfe zu tragen. So ganz wohl ist der Faunin nicht dabei, und auch die Jungen staunen nicht schlecht, als ein gehoerntes Wesen mit anpackt und der Mann mit einem Mal viel leichter wird. Fast krampfhaft versucht sie die Blicke zu ignorieren und erhascht einen kurzen Blick auf den aschfahlen Seher. Er sieht schlecht aus... Einfache Pfeile koennen es sicher nicht gewesen sein... vielleicht.. Gift....?, sinniert sie noch, traut sich schon nicht an das letztere zu denken, als sie gerade zusammen in den hinteren Teil des Gasthauses treten um ihn in einem freien und ruhigen Zimmer zu betten.

Als sie den Seher ablegen und die Faunin von dem Lager zuruecktritt um Platz zu machen, ueberkommt sie ein unangenehmes Gefuehl. Es mag daran liegen, dass sie sich wieder in einem geschlossenen Gebaeude befindet und sie immer wieder mit merkwuerdigen Blicken bedacht wird. Sie erschaudert ein wenig, was andere kaum warnehmen moegen und stielt sich so unauffaellig und leise wie moeglich aus dem Zimmer und wieder zum Ausgang hinaus, wobei sie sich bei den Tueren etwas ducken muss, um mit den Hoernern nicht an den Rahmen zu stoßen.

Draussen am Hintereingang atmet Caylith tief durch und schließt kurz die Augen. Die vielen Menschen, der Trubel und die Aufregung ist einfach zuviel fuer sie. Ich kann da eh nichts tun... Bin da so nuetzlich wie ein spitzer Stein der sich in den Huf bohrt.., denkt sie betruebt und ist trotzdem erleichtert, dass sie wieder draussen im Freien ist. In diesem Moment erinnert sie sich wieder an den Zentauren, den sie hat stehen lassen. Rasch blickt sie sich um und findet ihn auch auf der Straße wieder, wo er etwas verloren herumsteht und sich umschaut. Mit wenigen Schritten ist sie bei Feydor und schuerzt die Lippen, waehrend sie ihn scheu ansieht: "Entschuldige... Ich dachte, ich koenne da helfen...", murmelt sie ihm entgegen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 19. Jan. 2005, 11:21 Uhr
Nevermore folgt dem Pulk aus verschiedensten Wesen in eins der Gästezimmer, wo Sethai schließlich abgelegt wird. Sie hält sich im Hintergrund, denn ihre mickrigen Heilfähigkeiten können bestenfalls noch einen Husten kurieren... Da möchte sie nicht im Weg stehen.

Plötzlich schnappt sie nach Luft und sinkt, so bleich wie der Seher auf dem Bett, neben der Tür auf den Boden, wo sie sitzen bleibt und sich den Kopf mit beiden Händen festhält. In ihrem Geist hallt etwas Unbeschreibliches, Schmerzerfülltes wieder, das wohl ein telepathischer Hilfe- oder Verzweiflungsschrei Sethais sein muss. Als er verhallt, fühlt Nevermore ein Echo einer tiefen Leere, als wäre ein Stück ihrer Seele herausgerissen worden. Beinahe wie damals, als sie vom Wahnsinn ergriffen war...

Als sie sich wieder vom Boden aufklaubt, sieht sie, dass eine Handvoll der übrigen Beteiligten den Schrei ebenfalls empfangen haben - im Gegensatz zu ihr wohl vollständig, nicht nur das Echo, das ihre beschränkten telepathischen Fähigkeiten ihr übermittelt haben - und gerade von anderen wieder auf die Beine gestellt werden. Eine winzige, eiskalte Hand greift nach ihrer, und sie schaut hinunter in Aelinors aschfahles Gesicht; auch sie hat den Schrei vernommen und kam zu ihr hochgeeilt. "Morgana", sagt sie laut und deutlich, und weil ihr keiner zuhört, wiederholt die Kleine den Namen noch mehrmals. Schließlich drängelt sich Aelinor durch den Wald aus Beinen direkt bis nach vorn, wo sie sich vor Halla aufbaut und noch einmal laut und drängend "Morgana!" ruft. Nevermore hat keine Ahnung, was sie damit meint, sie kann nur vermuten, dass Sethai nach dieser Morgana gerufen hat.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 19. Jan. 2005, 15:41 Uhr
Halla ist mehr als überrascht, als die Faunin zu den Stallknechten tritt, mit anpackt und den Seher ins Haus trägt. Im gleichen Moment sagt Nevermore etwas, und Halla sieht sie ungläubig an. "Ihr mögt recht haben Nevermore, trotzdem sollte ein Heiler nach ihm sehen, ich möchte keinen Toten in der Harfe haben." Halla lächelt Nevermore trotz allem einmal aufmunternd zu. Sie weiss genau was Sethai damals für Nevermore getan hat und versteht die Sorge der Schankmagd um den Seher. Dann wendet Halla sich aber ab und folgt den anderen in die Harfe. Dabei hält sie Ausschau nach einem Botenjungen und in eine Ecke gedrückt, sieht sie Josua." Josua komm raus da, dir passiert schon nichts. Lauf los und hol Morgana , sie soll zur Harfe kommen und sag ihr es ginge um Sethai, dann wird sie sich sicher beeilen. Und nun lauf so schnell du kannst." Josua nickt eifrig, froh von der Harfe und dem unheimlichen Seher weg zu kommen, der als er Nevermore geheilt hat, die Harfe fast abgefackelt hatte, zumindetsens hat man ihm das so erzählt.

Als Josua aus ihrem Blick verschwunden ist, betritt Halla das Zimmer, in welches sie Sethai gebracht haben, als die Faunin geht, nickt Halla ihr dankend zu, sie hätte gerne noch kurz mit ihr gesprochen, aber sie musste sich jetzt um Sethai kümmern. Der Seher liegt auf dem Bett und seine eh schon immer fahl wirkende Haut, wirkt jetzt noch bleicher, sein Brustkorb hebt sich unregelmässig und selbst das ist kaum zu sehen. Halla will gerade die Stallburschen und die anderen aus dem Zimmer scheuchen, als Aelinor sich durch die kleine Menge wuselt und dauernd nur Morgana sagt.

Halla tritt zu ihr und beugt sich leicht zu ihr herab und sieht der Kleinen in die Augen. "Keine Sorge Aelinor, ein Laufjunge ist schon zu Mrogana unterwegs und sie wird sicher schnell kommen, der Seher ist ein guter Freund der Heilerin und sie wird nicht zulassen, dass ihm was passiertwenn es die Götter so wollen" Kurz streicht Halla dem Mädchen beruhigend über die Wange, ehe sie damit beginnt die Leute aus dem Zimmer zu scheuchen. "Hier gibt es nichts mehr zu sehen, wenn wir Hilfe brauchen sollten, dann die von einem Heiler und nicht von einer gaffenden Menge." Resolut schiebt Halla die Knechte und Mägde und anderen aus dem Zimmer . Nur Nevermore und Aelinor lässt sie im Raum zurück. Als die Tür ins Schloss fällt, atmet Halla erleichtert auf und dreht sich dann zu Nevermore um.

"Würdest du hier im Raum bleiben und auf den Seher achten, bis Mrogana da ist? Ich kann den überfüllten Schankraum, in dem es jetzt sicher schon vor Gerüchten und Spekulationen nur so summt, nicht so lange alleine lassen."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 19. Jan. 2005, 17:03 Uhr
Nevermore nickt zu Hallas Aufforderung, den Seher zu beobachten. Ihre Gesichtsfarbe sieht zwar momentan auch nicht viel gesünder aus als Sethais, aber nichts könnte sie bewegen, jetzt das Zimmer zu verlassen und sich auszuruhen. Hinsetzen kann sie sich auch neben dem Bett. "Es haben zwei Reisende nach Zimmern gefragt", teilt sie Halla noch mit, bevor diese hinuntergeht, "die werden dich sicher sofort ansprechen."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von lila am 20. Jan. 2005, 19:01 Uhr
Avivit richtet ihre Aufmerksamkeit in die Richtung, in die der Finger am ausgestreckten Arm der Bedienung deutet, bevor die junge Frau davoneilt. Alsbald hat sie den Rotschopf im Gewirr der Personen verloren, die sich am Eingang um etwas oder jemanden herum scharren und sich kurz darauf nach oben begeben. Wen davon sie gemeint haben mag, ist ihr allerdings schleierhaft und im Moment wohl auch nicht wichtig angesichts der herrschenden Situation. Selbst als das aufgebrachte Knäul sich die Treppe hinauf bewegt, sieht man den im Schankraum verbliebenen Gästen ihre Unruhe deutlich an. Lautes Gemurmel erfüllt den Raum.

Ein wenig ratlos schaut Avivit die vermummte Gestalt an, die neben ihr an der Theke steht. Ob er wohl weiß, wen sie gemeint haben mag? Und was um alles in der Welt hier eigentlich los ist?
Die tief ins Gesicht gezogene Kapuze seines Umhangs gibt ihr keinerlei Gelegenheit, anhand seines Gesichtsausdrucks eine Antwort auf ihre ungestellte Frage zu erhaschen. Doch diese auszusprechen, vermag sie nicht.
Was hat er nur zu verbergen, das er sich selbst hier drinnen so verhüllt? Ein leichter Schauer läuft ihr über den Rücken und läßt sie einen Schritt von ihm weg machen. Einen unmerklich kleinen Schritt, doch der gewonnene Abstand läßt sie wieder ruhiger werden und die sich ungewollt eingeschlichenen Gedanken wieder vertreiben, bevor sie in ihrem erschöpften Geist zu spuken beginnen.

Da ihr angesichts des im Gasthaus herrschenden Aufruhrs wohl im Augenblick nicht geholfen werden kann, beschließt sie, an ihren Platz zurück zu gehen und einen passenderen Moment abzuwarten. Am Tisch angelangt, starrt sie wie versteinert auf den leeren Platz neben ihrem Bündel.
Shirin ... Panisch fährt sie herum und tastet mit den Augen jeden erreichbaren Winkel des Raumes ab, doch die Katzendame ist nirgends zu entdecken. Es ist nicht so, als wäre sie bislang noch nie eigene Wege gegangen, doch an diesem für sie beide noch fremden Ort wüßte sie ihre Gefährtin gern in der Nähe. Weniger aus Angst, sie könne nicht auf sich selbst aufpassen, doch würde Avivit selbst sich wesentlich wohler fühlen, wenn wenigstens eine ihr vertraute Seele in ihrer Nähe wäre.

Krampfhaft versucht Avivit sich einzureden, das Shirin wohl nur ins Freie geflohen sein wird, um dem hier herrschenden Trubel zu entkommen. Sie setzt sich zurück an den Tisch, auf dem noch immer das Geschirr ihres Abendmahls steht, und wirft abwechselnd suchende Blicke aus dem nahen Fenster und durch den Schankraum.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von DarkCobra am 20. Jan. 2005, 19:37 Uhr
Leicht verduzt späht Dark in die Richtung, in der sich die oberste Magd grad befand. Zum antworten kam er allerdings nicht, da war Nevermore auch schon dorthin verschwunden. >Mir bleibt wohl nichts anderes über, als darauf zu warten, das Halla wieder zurückkehrt.< Dann wird er auf eine kleine Gestalt mit zerzaustem Haar neben sich aufmerksam, die ebenfalls nach einem Zimmer fragen lies. Gerade als sich Dark wieder seinem Met zuwenden will, bewegt sie sich ruckartig von ihm weg. >Wohl ziemlich schreckhaft, oder liegt das an meinem Aussehen?<

Er lässt sein Auge prüfenden Blickes im Schankraum umherschweifen. >Ich glaube ich falle mit Umhang und Kapuze hier wohl eher auf, als ohne.< Und so greift seine Hand zur gesichtsverdeckenden Kapuze und streift sie nach hinten. Er schüttelt nochmal kurz seine schulterlangen schwarzen Haare aus, und hofft aber insgeheim, das seine schwarzglänzenden Augen nicht zu sehr auffallen.

>Warte ich noch auf Halla, oder versorge ich doch erst Parijan?< Er sucht die kleine Magd, aber sie scheint noch nicht zurück zu sein.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Amarde am 26. Jan. 2005, 16:03 Uhr
Amardés Reise war lang gewesen und so freut er sich in Talyra endlich wieder einmal ein Gasthaus zu finden in dem er sich ordentlich waschen kann. Er hasst die Länge seiner Haare und sein Bart reibt unangenehm am Kragen seines Mantels.
Wird Zeit sich wieder in einen Menschen zu verwandeln.
So betritt er das erste Gasthaus am Platz mit weit ausholenden Schritten und schreckt bereits in der Tür zurück.
Was in Lyrs Namen ...
Entsetzt schaut Amardé auf die große Pferdegestalt, die sich zwischen den Tischen kaum bewegen konnte. Er hatte auf seiner Reise ja schon vieles gesehen, aber ein Zentaur war bis jetzt noch nicht dabei gewesen.
Nun gut! Die Stadt scheint interessant zu sein.
Schnell fängt sich Amardé und drückt sich an dem Zentaur, der von einem kleinen Mädchen heftig in Beschlag genommen wird, vorbei und geht zur Theke. Rege Betriebsamkeit herrscht hier und irgendetwas scheint die Gäste in Aufregung zu versetzen; auch wenn Amardé nicht erkennen kann was der Grund dafür ist.
Der Blick seiner leuchtend blauen Augen verrät Neugier und Aufmerksamkeit, aber er bleibt nicht stehen, um ein Gespräch genauer zu verfolgen, sondern stellt sich neben einen hochgewachsenen Mann mit schwarzem Haar.
Mehr kann er von den Gesichtszügen des Mannes nicht ausmachen, da er ihm den Rücken zuwendet.
Schnell bestellt er sich bei einem der vorbeirauschenden Mädchen ein Bier, bevor er sich etwas ratlos nach links und nach rechts umdreht.
Noch immer hatte sich der hochgewachsene Mann nicht zu ihm umgedreht, während auf der anderen Seite ein Mann mit einem sehr leicht bekleideten Mädchen liebäugelte.
Wunderbar! Wie soll ma da ins Gespräch kommen?
Nachdenklich kratzt sich Amardé an seinem behaarten Kinn und wünscht sich in diesem Moment nichts sehnlicher, als ein Rasiermesser.
So fasst sich Amardé ein Herz und spricht den "Rücken" an: "Wisst ihr ob man hier auch ein vernünftiges Bad nehmen kann? Der Schmutz der langen Reise ekelt mich an."
Abwartend schaut Amardé auf das lange Haar, das im Licht der Fackeln sanft schimmert.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Faen am 26. Jan. 2005, 16:22 Uhr
Sie stapfte frustriert weiter durch die verschneiten Straßen Talyras auf der Suche nach irgendetwas das nach Bibliothek oder Taverne aussehen konnte. Warum war dieser Hüne nur so unfreundlich gewesen? Ob das wohl an ihr lag?
Ihr war kalt und ihre Nase lief. Faen schlang die Arme dichter um ihren Körper und  schielte in der aufkommenden Dämmerung zwischen den tanzenden Schneeflocken vor sich her. Erneut verfluchte sie ihren Sturkopf. Natürlich war es eine dumme Idee gewesen im Winter hierher zu reisen. Im Winter! So eine Idee konnte auch nur von ihr kommen. Sie zog die Kapuze ihres grünen, abgenutzten Mantels weiter in die Stirn.
Nun, nichts desto trotz war sie endlich am Ziel angekommen, da ließe sich doch mit Sicherheit wenigstens eine Unterkunft finden.
Der Geruch nach Bratkartoffeln stieg ihr erneut in die Nase. Sie sog den Geruch ein und wagte es einfach ihrer Nase nachzugehen.
Und da stand sie schon vor einem einladend wirkenden Gasthaus, sofern sie das in dem Schneegestöber beurteilen konnte. Sie schob das von der Schulter gerutschte Stoffbündel wieder hoch und öffnete erleichtert die Tür.
Ihr schlug der betriebsame Lärm und die geruchsschwere Wärme eines gut gefüllten Schankraums entgegen. Schnell huschte sie durch die Tür und schloss sie sorgsam wieder von innen. Sie streifte die Kapuze von ihrem Kopf, kramte in den Taschen ihres Mantels erfolgreich nach einem Taschentuch und schnäuzte sich geräuschvoll die Nase.
Einige Köpfe drehten sich zu ihr und wirkten irritiert als sie anstelle eines Hünen, von dem man ein solches Geräusch erwartet hätte, eine junge Frau erblickten, deren rotes Haar ihr in zerzausten Strähnen vom Kopf hing.
Sie lächelte leicht verlegen, verstaute das Taschentuch wieder in irgendeiner ihrer Manteltaschen, schulterte erneut ihr Bündel und bahnte sich verbunden mit einigen Upses und Entschuldigungs ihren Weg zur Theke. Faen zwang sich krampfhaft den Zentauren nicht anzustarren, was ihr zu ihrem eigenen Erstaunen auch gelang.
Sie platzierte sich neben einem großen schwarzhaarigen Mann in einem schwarzen Umhang, faltete noch immer lächelnd die Hände auf der Theke und richtete ihren Blick auf das rege Treiben dahinter. Es schien sie niemand wahr zu nehmen.
„Entschuldigung“, kam es mit ihrer klaren, freundlichen Stimme zögerlich von ihr. Sie strich sich mit den behandschuhten Fingern nervös die Haare hinter ihr spitzes Ohr.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von DarkCobra am 26. Jan. 2005, 17:06 Uhr
Noch immer ist Dark im Gedanken vertieft, ob er nun auf Halla warten sollte oder nicht doch erst Parijan unterbringen sollte. Da wird er von einer dunklen, leicht melidösen Stimme hinter sich aufmerksam, die nach einen vernünftigen Bad sucht. Langsam dreht er sich rum, bis sein Körper zur Theke zeigt. Nun wendet er den Kopf nach links, und blickt in ein mit blonden Haarwuchs fast komplett verdecktem Gesicht.
>Er scheint wohl auch gerade hier eingetroffen zu sein. Der liegt noch teilweise in seinen Haaren.<

Jetzt erst wird es Dark bewusst, das die Frage nach dem Bad ihm gestellt wurden war, und das Augenpaar deswegen auch so auf ihn fixiert sind.
"Verzeiht mir, das ich euch nicht direkt eine Antwort gab. Aber ich bin auch erst heute hier eingetroffen, und bis auf den Schankraum dieses Gasthauses hab ich noch nicht viel mitbekommen. Ich suche nämlich nach einen Hufschmied, doch mir scheint, das die örtliche Hufschmiede heute nicht betrieben wird.
Aber vielleicht weiß ja die oberste Magd, wo es hier ein Bad gibt. Sie heißt Halla, allerdings ist sie vorhin in diese Richtung verschwunden." Er zeigt in der Richtung, in der immer noch viel Aktivität herrscht.

"Am besten wäre es, wenn ihr euch erstmal um euren Magen kümmert, solang ihr hier wartet. Ihr seht nämlich aus, als habt ihr ziemlich lange außerhalb von menschlichen Orten gelebt. Den Met kann ich nur empfehlen." Und so hebt er den Becher wieder an und führt ihn zum Mund, als er direkt neben sich wieder einen Gast wahrnimmt. >Noch eine Halbelbin, wenn ich das richtig einschätze. Dabei dachte ich, Talyra wäre eher von Menschen bevölkert.<
Dann gönnt er sich erstmal einen weiteren Schluck Met.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Feydor am 26. Jan. 2005, 18:45 Uhr
Mit fragend gerunzelten Brauen sieht der Zentaur Caylith an. Diese Faunin ist wirklich seltsam!
Aber Feydor sagt natürlich nicht laut, was er denkt.
"Natürlich. Nun, was machen wir jetzt? Wieder ins Gasthaus? Wir wissen ja nun noch immer nicht, wo hier ein Heiler zu finden ist. Oder vielleicht kann da ja auch jemand lesen und dein Pergament entziffern?"
Zögerlich deutet der Zentaur mit einer Kopfbewegung in die Richtung der erleuchteten Fenster, hinter denen sich schemenhafte Schatten bewegen. So ganz wohl ist ihm bei dem Gedanken, wieder in den engen und niedrigen Raum zu treten, auch nicht. Aber welche Alternative gab es schon?
Ein plötzlicher Windhauch streift über den Platz, wirbelte ein paar Schneeflocken durch die Luft und erreicht schließlich den Zentauren.
Der fröstelt mit einem Mal in seiner ärmellosen Jacke, auch wenn ihm Kälte sonst recht wenig ausmachte.
"Ich bin dafür, das wir uns schnell entscheiden, Caylith. Bedenke, irgendwo müssen wir heute Nacht ja auch schlafen. Ich glaube zwar kaum, dass es im Gasthaus passende Zimmer gibt, vor allem für mich", er lächelt schief, "aber vielleicht können wir im Stall schlafen."
Feydor erinnert sich daran, wie gedemütigt er sich die ersten Male gefühlt hatte, als er genötigt war, in einem Stall zu schlafen. Inzwischen hatte er sich daran gewöhnt. Schließlich schliefen viele menschliche Wanderer, die sich ein Zimmer nicht leisten konnten, in Ställen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 27. Jan. 2005, 12:12 Uhr
Halla schiebt sie direkt in die Küche und sieht sich schnell noch ein paar Mal um, dass auch ja Niemand zu viel von Azra mitbekommen hat. Nur irgendwie ist es dafür bereits zu spät und Azras Hände zittern wie Espenlaub. Sie weiss nicht was sie davon halten soll, dass da dieser böse Seher draussen im Schneel liegt, mit zwei Pfeilen im Nacken und auch gerade sie ihn finden musste. Noch immer wird ihr kalt und warm gleichzeitig wenn sie daran denkt, was bei seinem letzten Besuch geschehen ist.
Die Köchin nickt auf Hallas Befehl und zieht den Blutelbenmischling hinter sich her zu einem Stuhl, um ihn dort mit sanfter Gewalt nieder zu drücken. Azras Gedanken kreisen wie ein Wirbelsturm, bis ihr plötzlich etwas einfällt: STELZE! Der ist ja noch ausserhalb der Harfe und Niemand passt auf ihn auf, was passiert wenn ihm irgendwas geschieht? Noch bleibt Azra jedoch ruhig sitzen, denn jetzt wo alle Menschen da draussen sind, wird ihr auch plötzlich wieder bewusst, was sie mit ihrem Geschrei riskiert hat. Jegliche Restfarbe, die sie in ihrem bleichen Gesicht noch gehabt hat, verschwindet auf Nimmerwiedersehen. Was wäre passiert, wenn ihre Umhang oder gar der Schal verrutsch wären, wenn einer da draussen ihre Gesicht gesehen und erkannt hätte, was ihre Art war?
Ihre Schultern fangen unkontrolliert an zu zucken und schnell schlingt sie die Arme um ihren Oberkörper, ihre Lippen unter dem Stoff zusammenpressend. Der Herr Zwerg ist nicht hier und das wo sie sich gerade wünschen würde, in seiner Umarmung zu versinken wie ein kleines Kind. So fühlt sie sich zumindest.
Die Schankmaiden sind alle viel zu sehr beschäftig und nur die Köchin wirft ab und zu einen Blick auf Azra, schiebt ihr eine Tasse mit Tee zu, den der Blutelbenmischling mit einem Nicken annimmt, im Gesicht noch immer so weiss wie der Schnee, der draussen vor dem Haus liegt.
Schnell stellt sie die Tasse auf eine Theke und wartet einen Augenblick ab, an dem die Köchin gerade damit beschäftigt ist eine Bestellung entgegen zu nehmen. Ihr ist bewusst, das jede Menge Augen auf sie gerichtet sind, doch Stelze ist ihr wichtig und schliesslich springt sie schnell auf und schlüpft an einem Schankmädchen vorbei, dass gerade mit einem vollen Tablett hineingekommen ist. Ein kurzer Aufscheri ist zu hören und die Becher landen mit einem hohlen Poltern zu Boden. Doch da Niemand damit gerechnet hat, das der Blutelbenmischling wirklich so dumm ist, bei diesem aufruh nochmals aus der Harfe zu verschwinden, hält sie im ersten Moment auch Niemand auf, als sie sich durch die Menge drängt um hinauszukommen. Sie benutzt den Hinterausgang, damit nicht gleich jeder sie sieht, wenn sie auf die Strasse gelangt, zumindest so klug ist sie. Schnell zieht sie die Kapuze ins Gesicht und schliesst die Türe hinter sich. Bereits fällt wieder neuer Schnee und die Flocken tanzen wild herum, springen hüpfen, treiben ein buntes Spiel.
Die Schuhe an ihren Füssen reichen nur bis zu den Knöcheln und da der Schnee bereits beinahe bis zu ihrem Knien reicht, helfen sie nicht mehr wirklich viel. Zum Glück ist der Umhang warm und die Kleidung nicht dünn. Mit einigen Mühen kämpft sie sich durch das weisse Kalt und sieht sich dabei fragend um. Ihre Fussspuren von zuvor, sind bereits beinahe völlig verschwunden und der Schneefall wird auch immer dichter.
"Stelze?!" Sie ruft nur leise, um nicht zuviel Aufmerksamkeit zu erregen, denn immer noch laufen viele Leute da draussen herum. Aufblicken kann sie nicht, sonst fallen ihr die Schneeflocken direkt in die Augen, wobei bereits einigen an ihrem Wimpern kleben.
So läuft sie weiter durch den Schnee und erschrickt nach allen Massen der Kunst, als sie plötzlich wo gegen stösst (Feydor!). Völlig erschrocken springt sie ein wenig zurück, rutscht prompt aus und landet stumm in dem weichen Schnee, völlig verblüfft wie schnell das ging.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Amarde am 27. Jan. 2005, 16:28 Uhr
Mein Glück - wie immer! Aber war ja eigentlich klar ... wen anders trifft man in einm Gasthaus, als andere Reisende?
Amardé nickt dem Mann zu seiner rechten dankend zu, als er den Bierkrug entgegen nimmt, den eines der Mädchen vor ihm abstellt.
"Danke für den Rat!" meint Amardé laut, um den Geräuschpegel des Gasthauses zu übertönen. "Aber auf leerem Magen gönne ich mir lieber ein gutes Bier. Von Met wird mir nur schlecht."
Mit einem Augenzwinkern prostet er dem großen Mann zu und nimmt daraufhin einen kräftigen Schluck aus seinem Krug. Als er ihn wieder absetzt, wischt er sich mit dem Handrücken über den Mund und abermals wird ihm klar, dass er das ganze Gestrüpp in seinem Gesicht endlich loswerden muss, um nicht wahnsinnig zu werden.
Wie halten das andere nur aus?
Mit leicht gequältem Gesichtsausdruck wendet er sich abermals an den Mann mit dem dunklen Mantel: "Und was treibt euch hierher nach Talyra? ... Außer das euer Pferd Hilfe braucht?"
Nachdrücklich schiebt sich Amardé näher an die Theke heran und treibt den flirtenden Mann zu seiner linken weiter in die Arme des Mädchens. Vorsichtig rückt er seinen Reisebeutel unter seinem Mantel zurecht, damit er ihn in dem Trubel nicht verliert.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von DarkCobra am 27. Jan. 2005, 22:46 Uhr
Ein wenig unruhig hält Dark Ausschau nach der Magd Halla, aber sie ist schwer auszumachen. >Wenn sie nicht bald kommt, werd ich wohl zusammen mit Parijan in der Hufschmiede die Nacht verbringen. Irgendwie hab ich aber das beruhigene Gefühl, hier nicht allzusehr aufzufallen. Wenigstens nicht vom Aussehen her.<
Als sich Dark's schwarze Augen eine Schankmaid erspähte, bei der noch einen Met bestellte, wird er wieder vom blonden Neuankömmling angesprochen. >Was trieb mich denn eigentlich nochmal genau hierher?<

"Ich hab gehört, das Talyra eine Stadt des Friedens und der Freiheit ist. Hier ist jeder willkommen, der nichts Böses im Schilde führt. So hab ich mir gedacht, das es ein guter Ort für einen Neuanfang im Leben ist, und bin eines Tages aufgebrochen um hierher zu reisen. Auch wenn es eine große Stadt ist, so denke ich doch, das sie hier einen guten Jäger gebrauchen können. Denn das ist der Beruf den ich ausübe." Er schweigt kurz, als er auf seinen Bogen deutet, dann fährt er fort: "Mein Pferd ist mir sehr wichtig, da es mich bis hierher gebracht hat, und es war keine lechte Reise. Und was führt euch hierher, wenn ihr die Frage gestattet."

Wieder mustert Dark seinen gegenüber, hebt dann seinen Becher und nimmt einen guten Schluck, während er versucht Halla aus seinen Augenwinkeln zu finden.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Amarde am 27. Jan. 2005, 23:29 Uhr
Amardé lauscht dem Fremden aufmerksam und fast kann man an seinen Mundwinkeln ein verstehendes Lächeln erkennen.
Ja ein Neuanfang. Wie viele suchen den in einer großen Stadt?

Doch Amardé sagt nichts weiter dazu, sondern nickt nur verstehend. "Ein Jäger also! Ich denke, da werdet ihr in dieser Stadt genug zu tun bekommen. Schließlich umschließen sie große Wälder, für die man mehrere Tagesmärsche braucht, um sie durchqueren zu können. Ich wünsche ich viel Glück bei eurem Neuanfang."
Der Klang in Amardés Stimme macht deutlich, dass er jedes Wort so meint, wie er es sagt und auch der Blick seiner blauen Auge ist klar und offen. Welchen Grund hätte er schon gehabt, einem Fremden etwas Böses zu wünschen.
Noch einmal nimmt er einen kräftigen Schluck aus seinem Krug, während er den Blicken des Fremden folgt.
Er scheint sich nach dieser Halla umzuschaun. Ihm scheint ja ziemlich viel an seinem Pferd zu liegen.
Als er den Krug wieder auf die Theke krachen lässt, antwortet er seinerseits: "Ich bin Instrumentenbauer. Ich suche eine Stadt, die meiner Künste würdig ist. ... Ich bin neugierig zu erfahren, ob eine so große, bekannte Stadt wie Talyra schon einen guten Instrumentenbauer vorzuweisen hat."
Sollte sie eigentlich! Denn was ist die größte Stadt schon wert, wenn ihr das musikalische Herz fehlt?
Und dennoch hofft Amardé, dass es nicht so ist, denn langsam ist er des Reisens müde und obwohl er bisher noch nicht viel von Talyra gesehen hatte, hatte die Stadt ihn schon in seinen Bann geschlagen. Ihre Aura ist mit der seinen im Einklang; das spürt Amardé deutlich.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Faen am 28. Jan. 2005, 18:36 Uhr
Faen lugt ein wenig irritiert die beiden Männer, von denen sie den Blonden nicht ganz erkennen kann, an. Wendet sich jedoch bevor jemand etwas merken kann wieder dem Geschehen hinter dem Tresen zu.
"Entschuldigung", sagt sie erneut, wieder freundlich, doch diesmal ein wenig lauter als zuvor.
Eines der Schankmädchen kommt lächelnd auf sie zu.
"Ja bitte?"
"Ich hätte gern etwas warmes zu trinken. Ein Becher Met wär nicht schlecht. Und ich würde gern wissen ob ich hier ein Zimmer bekommen kann."
"Das Problem mit dem Met schaffe ich sofort aus der Welt. Wegen des Zimmers müsst Ihr euch leider einen Moment gedulden", antwortet das Mädchen noch immer lächelnd und stellt Faen einige kleine Moment später einen Krug duftenden Mets vor die Nase.
"Hmm," kommt es von ihr als sie den Krug in die Hand nimmt und ihr der warme Honigduft in die Nase steigt. Sie schliesst die Augen und nimmt einen kräftigen Schluckt. Sie spürt das warme Getränk durch ihren Körper fliessen und ihre kalten Glieder wärmen. Sie presst ihr steifen, noch immer in den Handschuhen steckenden Finger an den warmen Krug, als wolle sie alle Wärme aufsaugen.
Mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen setzt den Krug wieder auf der Theke ab und lässt ihren Blick durch die Schenke schweifen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Morgana am 30. Jan. 2005, 21:16 Uhr
Der Wind ist schneidend kalt und erneut tanzen Schneeflocken wild durch die Luft. Vor der Harfe bleibt sie einen Moment verwundert stehen, den Caylith die Faunin, und ein Zentaur stehen davor und für einen Moment glaubt sie es wäre Kelderasch, aber dann merkt sie, dass es nicht so ist und dies wohl ein neuer Zentaur ist, der den Weg nach Talyra gefunden hat. Sie nickt Caylith kurz freundlich zu, doch sie hat keine Zeit sich mit ihr zu unterhalten und sie zu fragen, ob sie schon bei Sethai war und ob er ihr helfen konnte.

Morganas Wangen sind gerötet von der Kälte und ihre Finger sind klamm, als sie die Tür der Harfe öffnet. Wärme schlägt ihr entgegen und der Geruch nach gutem Essen, Alkohol und anderen typischen -und ihr vertrauten- Gerüchen der Harfe. Der Schankraum ist gut gefüllt und sie muss sich durch die Menge drängeln. Auf dem Weg zur Theke fängt sie Wortfetzen auf, nur vereinzelte Wörter. Von einem Zentaur hört sie ,einer Faunin und immer wieder taucht das Wort 'Seher' auf. Sethai! Schlagartig wird ihr klar wem die Stimme gehört hat, die sie in ihrem Kopf schreien hörte, und noch eiliger drängelt sie sich durch die Masse an Gästen um zur Theke zu kommen. Die Heilerin achtet nicht auf die Leute rechts und links von ihr, sondern sucht nach Borgil oder Halla. Schliesslich entdeckt sie Halla in der Nähe der Theke und hastet auf sie zu.

"Halla!" Die junge Mogbar dreht sich herum und ein erleichtertes Lächeln liegt auf ihrem Gesicht, in zwei Schritten ist die oberste Schankmagd bei Morgana und erzählt, während sie Morgana nach oben führt, davon was geschehen ist. Morgana gefällt überhaupt nicht was sie hört. Sethai zu behandeln ist äusserst schwierig, da alle herkömmlichen Heilmittel bei ihm eher wie Gifte wirken. Morgana seufzt einmal tief auf, ehe Halla die Tür zum Zimmer öffnet und Morgana eintreten lässt. Halla sagt noch wenn Morgana etwas brauchen sollte, solle sie nur Nevermore Bescheid sagen, lächelt dann entschuldigend und murmelt noch was von viel zu tun, jetzt wo Borgil nicht da ist und ist dann schon aus der Tür verschwunden.Borgil nicht da?! Morgana blickt die Tür noch einen Moment an, hinter der die Mogbar verschwunden ist, und grübelt wo Borgil hin sein mag und ein seltsames Gefühl beschleicht sie, dass sie aber schnell zur Seite drängt, Sethai braucht jetzt ihre Hilfe.

Sethai liegt auf dem Bett und seine, eh schon immer bläulich schimmernde, Haut wirkt jetzt eisblau und kalt, das leichte goldene Schimmern, das immer hintergründig da war, ist ganz verschwunden. Kälte scheint durch den Raum zu ziehen, obwohl zwei Kohlepfannen den Raum mehr als warm machen. Nevermore, eine Schankmagd Borgils, ist auch im Raum und auch ihr scheint es nicht gut zu gehen. Morgana nickt ihr kurz zu und schottet sich dann soweit es geht von den dunklen Gefühlen im Raum ab, die ansonsten nie so stark von Sethai ausgehen wie in diesem Moment. Morgana weiss, dass Sethais Kräfte eher dunkler Natur sind, doch meist hat er sie im Griff und sie strömen nicht so dirket aus ihm heraus wie jetzt. Vorsichtig tritt Morgana ans Bett und beginnt mit noch immer kalten Fingern den Seher und Freund zu untersuchen. Halla hatte etwas von Pfeilen erzählt und sie findet sie im Nacken des Heilers - einen abgebrochen. Sie stecken nicht tief im Fleisch, aber es hat gereicht um die Substanz abzugeben, die den Seher in die Bewusstlosigkeit gebracht hat.

Verdammt!.... Verzeih mir Faeyris, aber was soll ich jetzt machen? Ich hab keine Ahnung was es für ein Gift war und wie ich ihm helfen kann, aber ich muss ihm helfen. Morgana wird schnell klar, dass sie hier in der Harfe keine Möglichkeit hat Sethai zu helfen, wenn er nicht von selber aus dieser Bewusstlosigkeit erwacht, wird es länger dauern ehe Morgana herausgefunden hat, welches Gift es war und was Sethai helfen könnte. Ausserdem kann sie nicht Stunden und Tage in der Harfe verbringen, Ian würde das sicher weniger gefallen und mitnehmen würde sie ihn auch nicht immer können. Morgana richtet sich auf. "Nevermore, ich muss ihn mit in die Kate nehmen, ich kann hier nichts für ihn tun, sein Puls ist schwach, aber er ist regelmässig und ausser, dass er bewusstlos ist, scheint ihm nicht viel zu fehlen. Könntet ihr eine Kutsche oder Sänfte oder irgendwas auftreiben, womit wir ihn zur Kate bringen können?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 30. Jan. 2005, 22:54 Uhr
Minuten werden zu Stunden, die ihrerseits zu Tagen werden - zumindest erscheint es Nevermore so, während sie auf die Heilerin warten, tatsächlich ist keine halbe Stunde vergangen, bis Morgana in der Tür steht. Sie verschwendet keine Zeit damit, Nevermore oder Aelinor zu begrüßen, schaut nur einen flüchtigen Moment lang in ihre Richtung, als Halla sich auf Nevermore bezieht. Dann geht Morgana direkt ans Werk und untersucht Sethai, wobei beim Fund der beiden Pfeile ein Schatten über ihr Gesicht huscht.

Schließlich wendet sich Morgana doch an Nevermore, um ihr mitzuteilen, dass sie Sethai in ihr Haus mitnehmen muss. "Wir kommen mit!", ruft Nevermore im Aufspringen aus und greift Aelinors kleine Hand, die sie nicht einen Moment lang losgelassen hatte, noch fester. Morgana wischt diesen Einwand mit einer unwirschen Kopfbewegung, die "natürlich", "kommt nicht in Frage" oder "darüber reden wir noch" heißen kann, beiseite und schließt ihre Frage nach einer Kutsche oder Sänfte ohne Unterbrechung an.

Nevermore lässt nun Aelinors Hand los - wenn sie sie im Zimmer lässt, wird Morgana nicht mit dem Seher ohne Nevermore verschwinden und das Kind allein lassen, außerdem wäre es ihr im Wege - und verschwindet mit einem Kopfnicken aus dem Zimmer. Im Schankraum verschafft sie sich Gehör, indem sie eine Suppenkelle aus der Küche an einen Bierkrug schlägt, den sie einem erstaunten, seinen Kameraden zuprostenden Holzfäller aus der erhobenen Hand nimmt: "Ich bitte die Herrschaften um Aufmerksamkeit! Wem gehört die Kutsche vor der Tür?" Eine Sekunde lang herrscht Sprachlosigkeit, dann erhebt sich ein in violetten Brokat gekleideter Jüngling, den sie nie zuvor gesehen hat. "Dieses Gefährt ist in meinem Besitz", formuliert er huldvoll und zieht eine fein gezupfte Augenbraue fragend hoch. Nevermore greift seine Hand ohne Rücksicht auf die manikürten Nägel, zieht ihn die Treppe hinauf, so schnell, dass er nicht zum Protestieren kommt, und erklärt ihm in wenigen Worten, dass er ihr helfen soll, den Seher in die Kutsche zu tragen und ihn, Morgana, sie und ihr Kind in die Kräuterkate zu fahren.

Der junge Adelige ist so überfahren, dass er auf Nevermores knappe Anweisung hin das eine Ende der Decke, auf der der Seher liegt, ergreift, während Morgana und sie das Kopfende tragen. So bewegen sie sich eilig zur Kutsche, und unter Morganas Richtungsanweisungen hasten sie in Richtung Kräuterkate.

--> Kräuterkate

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 01. Feb. 2005, 12:16 Uhr
Achtung an alle Harfenspieler: Die folgenden Ereignisse finden losgelöst von den Begebenheiten in der Schankstube oder sonstwo in der Harfe weit nach Mitternacht und Sperrstunde statt.

In Borgils Privatgemächern


Borgil führt seine kleine, zerlumpte, hinkende und hustende Schar quer über den schneeverwehten Marktplatz und hat es mehr als eilig, in die Wärme seines Hauses zu kommen. Sie sind gerettet, endlich, wenigstens sie, diese kleine Handvoll Elend, die da hinter ihm herstolpert. Es muß weit nach Mitternacht sein und in der Harfe ist alles dunkel, doch er nimmt ohnehin nicht den Haupteingang in die Gaststube, sondern führt seine in der plötzlichen Kälte nach der langen, stickigen Dunkelheit der Kanalisation schlotternden Schützlinge durch das Tor und den Gesindeeingang. Wärme umfängt sie, der saubere Geruch nach frischen Binsen und gescheuerten Bodendielen, nach Hopfen, Malz und warmem Brot im Ofen, nach Birkenholzfeuer, Bohnerwachs und dem Immergrün, mit dem zu Mittwinter stets die Fenster und Türen geschmückt werden. "HALLAAAAAAAAAA! SCHNELL!" Borgil poltert durch den holzvertäfelten Flur in seine Privatgemächer, winkt den anderen, ihm zu folgen, scheucht die Bluthündin vor sich her und legt als erstes Phelan dann dort auf die weichen Pelze vor dem Kamin. "Hier. Bleibt bei ihm. Ich lasse Hilfe holen. Setzt euch zu ihm, wärmt euch auf. Gleich gibt es Wasser zum Waschen, Essen, etwas zu Trinken und Heiler, die sich um euch kümmern." Dann hastet er hinaus, an der Theke vorbei durch die Schankstube hinauf zu den Gesindekammern und zerrt Halla dort oben aus ihrem Gemach. Sie hat ihn wohl schon gehört und ist bereits auf den Beinen, eine Nachthaube auf den zerzausten Locken, barfuß und im Nachtgewand. Ob er mit seinem Herumtrappeln und Schreien auch Gäste aus dem Schlaf reißt, darum kann er sich jetzt beim besten Willen nicht kümmern und es ist ihm auch herzlich egal. "Schnell! Schick einen Botenjungen zu Niniane hinauf, sie muß sofort herkommen. Und einen zu Morgana. Es geht um Leben und Tod. Dann weckst du Grid und ein paar andere. Sie sollen die Wasserkessel schon einmal anheizen und etwas zu essen für vier herrichten und alles in meine Gemächer schaffen. Wir brauchen Licht, heißes Wasser, Verbandslinnen, Essen und Trinken und Alkohol, am besten reinen Feuerwein. Heißen Tee. Schaff zusätzliches Bettzeug heran und laß drei Gästezimmer herrichten - wenn keine frei sind, dann schaff welche frei - und sieh zu, daß in jedem gleich ein heißer Badezuber bereit steht. Ach ja, schick auch eine Botschaft zur Steinfaust, wir haben Aurian gefunden - Olyvar weiß dann schon Bescheid." Halla, kalkweiß im Gesicht, starrt ihn an, als hätte sie ihn noch nie vorher gesehen, nickt aber dann nur und eilt davon - er weiß, sie würde erledigen, was er ihr aufgetragen hat... und während Borgil nun in seine eigenen Gemächer zurückstolpert, fällt zum ersten Mal, seit sie diese götterverdammte Honigwabe betreten hatten, etwas von der grausamen Anspannung wieder von ihm ab. Er hat getan, was er konnte. Er ist zurück und zu Hause.... und auch, wenn nichts wieder gut würde, er kann endlich ein wenig ausruhen. Jetzt sind andere da, die sich kümmern, die helfen, die mit anpacken und versorgen - das Gefühl ist nur flüchtig... und kaum betritt er seine Gemächer und sieht seine kleine Schar am Feuer sitzen, wie apathisch in die Flammen starren und bei Phelan ausharren, weiß er, daß es noch lange dauern würde, bis er seine eigenen Wunden lecken kann. "Lebt er noch?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Caylith am 01. Feb. 2005, 15:57 Uhr
Vor dem Eingang der Goldenen Harfe


Nachdenklich ist ihr Blick auf die verschneite Straße gerichtet, daher bemerkt sie nicht den zweifelnen Blick des Zentauren. Nein, in das Gasthaus will sie nicht wieder. Es war ihr dort viel zu eng. Einer der Gruende, warum sie die Gelegenheit diesens merkwuerdigen Ueberfall genutzt hatte die Schaenke zu verlassen. Die Faunin schuettelt den Kopf mit den kraeftigen gewundenen Hoernern: "Diese Leute werden sicher schon jemand geholt haben, der dem Mann besser helfen kann...", gruebelt Cay und wird dann leiser: "Ich kenne mich aber in Staedten nicht aus. Daher faellt mir kein Ort ein, an dem man uns helfen kann...", ihre Stimme hat schon einen leisen verzweifelten Klang angenommen.
Als sie den Blick wieder zu Feydor heraus hebt: "Vielleicht sollten wir wieder getrennter Wege gehen... Du hast sicher besseres zu tun, als mit einer gedaechnislosen Faunin ziellos durch die Gegend zu wandern..." Sie wuerde einfach wieder auf die Ebenen zurueck gehen. Zu ihrem Stamm und ihren Herden. Diese sind sicher schon weitergezogen, aber Cay wuerde sie mit leichtigkeit wiederfinden. Seltsam, dass ich vieles von meinem Stamm nicht vergessen habe... oder? Vielleicht ist auch dort schon soviel passiert, an das ich mich nicht erinnern kann... Vielleicht gibt es fuer mich bereits eine eigene kleine Familie... ihr Atem stockt bei diesem Gedanken. Selbst wenn sie sich noch so anstrengt, kann sie nicht erschließen, welche Position sie nun im Stamm hat.
Der Blick der Faunin ist weit in sich gekehrt. Das Nicken einer Frau nimmt sie daher nur undeutlich wahr, obwohl es ihr im Nachhinein sehr komisch erscheint. Stirnrunzelnd richtet sie ihren Blick an die Stelle, wo Morgana in der Harfe verschwunden ist. Doch als da niemand ist, wendet sie sich erneut an Feydor: "In der Stadt... in einem Stall?", leicht kaut sie auf ihrer Unterlippe herum, als sie ihn nachdenklich und skeptisch anschaut "Ich habe noch nie in einer Stadt geschlafen... glaube ich.." Mit einer unbehaglichen Bewegung zieht sie ihren Ueberwurf enger um die Schultern, "Mir waere eigentlich dieser Wald lieber..", gibt sie kleinlaut zu. Doch ihr wird klar, dass es wohl zuviel Zeit beanspruchen wuerde, der Weg zum Wald und dann am naechsten Tag wieder zurueck, um weiter zu suchen. Langsam nickt sie, obwohl es in ihrem Inneren dagegen rebelliert. Doch der Schnee faellt nun wieder dichter und ein Stall wird sicher viel gemuetlicher sein, als sich im verschneiten Wald unter einem Baum zusammenzurollen. Nebenbei gruebelt sie, woher sie eigentlich zu wissen glaubt, was eigentlich ein Stall ist.
Doch dieser Gedanke wird abrupt unterbrochen, als jemand gegen Feydor abprallt und im Schnee landet. Der Zentaur ist nicht weniger ueberrascht als Caylith, die ebenso wie die Gestalt erst einen Satz zur Seite gemacht hat, sich aber auf dem glatten Untergrund gerade noch so halten kann. In einem Reflex will die Faunin schon nach einer der Klingen an ihrer Seite greifen. Verwirrt erkennt sie aber, dass sie es mit einem jungen Maedchen zutun haben, dass sie schon zuvor ganz aufgebracht in der Goldenen Harfe gesehen hatten.
Nach laengerem Zoegern schiebt Cay ihre Sichel wieder zurueck unter den Ueberwurf und macht einige vorsichtige Schritte auf Azra zu, als sie merkt, dass wohl keine Gefahr von ihr ausgeht. Da sie sich nicht sonderlich mit anderen Wesen auskennt, hat sie keine Ahnung, was sie da vor sich hat. Von den spitzen Ohren zu urteilen, kann sie sich jedoch denken, dass sie irgendwie elbisches Blut in sich traegt. "Hm... Alles in Ordnung...?", murmelt sie zu dem Maedchen hinunter, das sich langsam wieder bewegt und vorsichtig aufrappelt, pruefend, ob sie sich nicht irgendwas bei dem Sturz getahn hat.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 01. Feb. 2005, 16:47 Uhr
Borgils Rückkehr


Halla war wie ein Stein ins Bett gefallen, nachdem sie die letzten Gäste unten in der Harfe regelrecht hinaus gekehrt hatte. Sie hatte es gerade geschafft noch in ihr Nachthemd zu schlüpfen und sich die Haube aufzuziehen, ehe ihr die Augen zufielen. Der Tag war einfach ein wenig zu viel gewesen, die seltsamen Gäste in der Harfe, das dauernde Gefühl, dass Borgil vielleicht nicht zurück kehrt, und dann noch diese komische Sache mit dem Seher. Halla hat normalerweise ein sehr dickes Fell aber irgendwann ist es auch für sie zu viel.

Unruhige Träume begleiten ihren Schlaf und irgendann weit nach Mitternacht hört sie im Traum Borgils Stimme, die laut nach ihr ruft. Erst glaubt sie es sei wirklich nur ein Traum gewesen, aber irgendwas weckt sie. Sie reibt verschlafen die Augen und schwingt die Beine aus dem Bett um nach zu sehen, ob sie vielleicht doch nicht nur geträumt hat. Aber so weit kommt sie gar nicht, denn schon hört sie das Stapfen von Zwergenschritten auf dem Gang, ein ihr nur allzu bekanntes Geräusch, und ein freudiges Lächeln huscht auf ihr Gesicht. Das ist Borgil, ich weiss es, seine Schritte kenne ich zu gut. Sie will gerade auf die Tür zugehen und den Zwerg freudig begrüssen, als die Tür aufgerissen wird, es ihr die Sprache verschlägt und ein würgender Brechreiz ihren Hals hoch steigt. Ihr Mund bleibt einfach offen stehen, selbst im fahlen Mondlicht kann sie die Blutflecken auf seiner verdreckten, verrussten Rüstung erkennen, und was das schlimmste ist, er stinkt bestialisch, ein Geruch den Halla noch nie gerochen hat und der ihr erneut Übelkeit bereitet

Schreckensbleich und kein Wort sagend hört sie Borgils Anweisungen zu und kann, als er fertig ist, nur nicken. Sie hätte ihm so gerne gesagt, wie sehr sie sich freut, dass er wieder da ist und ihm wohl nicht 'viel' geschehen ist, aber die Anweisungen sagen deutlich, dass es mehreren anderen eindeutig schlechter geht. Als Borgil das Zimmer verlassen hat, zieht sie sich erst gar nicht richtig an, sondern wirft sich nur ein grobes Leinenkleid über das Nachhemd, zieht sich die Haube vom Kopf und schlüpft in ihre Schuhe. Als erstes weckt sie drei Botenjungen und schickt sie zu Niniane, Morgana und in die Steinfaust. Dann weckt sie Grid und drei Schankmädchen, schickt sie in die Küche grosse Kessel Wasser aufsetzen und frisches Leinen bereit legen, ausserdem alles was es in der Harfe gibt um Verwundeten zu helfen. Die ganze Zeit über pocht ihr Herz laut in ihrer Brust und sie versucht sich die Aufregung nicht anmerken zu lassen. Aber auch die anderen sind nervös und sehen sie mit fragenden Blicken an, auf die Halla keine Antwort hat. Nachdem sie sich überzeugt hat, dass alles so gemacht wird, wie sie es angeordnet hat, und mitten in der Nacht plötzlich geschäftiges Treiben in der Küche herrscht, nimmt sie einen Packen Leinen, und den ersten Kessel heisses Wasser und geht damit zu Borgils Privatgemächern. Vorsichtig klopft sie an die Tür und tritt dann ein.

Der Raum ist geschwängert von pestilinzartigem Geruch und wieder will sich ihr Magen herum drehen. Als ihr Blick zum Kamin wandert bleibt ihr das Herz fast stehen. Phelan, der Waldläufer, liegt davor und sieht mehr tot als lebendig aus, daneben hockt ein Mädchen, das ihr vom Aussehen her bekannt vorkommt, aber es ist soviel Russ, Blut und Dreck in ihrem Gesicht, dass sie nicht sagen kann, wo sie sie schon einmal gesehen hat. Den Jungen, der neben diesem Mädchen sitzt, kennt sie gar nicht, aber auch er sieht übel zugerichtet aus. Auf der anderen Seite sitzt Aurian, eine Botin der Steinfaust, diese erkennt Halla auch durch den Dreck. Caewlins Bluthündin hat sich an den Waldläufer geschmiegt und Halla sieht sich suchend im Raum nach dem Nordmann um, aber er ist nicht da und Caewlin kann man wirklich nicht übersehen. Sie runzelt die Stirn und ihr Herz wird schwer, und sie wagt es nicht die Frage zu stellen, weil sie die Antwort gar nicht wissen will.

So geht sie nur zu einem Tisch, legt dort das frische Leinen ab und stellt den Kessel Wasser dazu. Dann blickt sie noch einmal von einem zum anderen und kann sich nicht entscheiden, wem sie als erstes helfen soll. Phelan würde sie kaum helfen können, so wendet sie sich schliesslich Borgil zu und ihr Blick bleibt an den Zöpfen in seinem Bart hängen, die immer noch so aussehen, als hätte sie sie eben geflochten, nur dass sie vor Blut und Dreck starr geworden sind. "Wo....wo ...soll ich anfangen? Ihr müsst aus der Rüstung raus!Seid ihr verletzt, bei den Göttern überall habt ihr Blut, ist das eures? Ich hoffe nicht!..Was bei allen Göttern habt ihr gemacht...seid ihr in die neun Höllen hinab gestiegen? ...Die Boten sind unterwegs, wenn ich geahnt hätte, dass Morgana kommen muss, hätte ich sie heute gar nicht mehr von hier weggehen lassen...sie war hier, aber das ist unwichtig jetzt...wo seid ihr verletzt, ist es schlimm?..." Während ein wahrer Bach an Fragen und Worten aus ihr heraus sprudelt , der ihre innere Anspannung und ihre Angst verrät, der sie nicht anders Herr werden kann, taucht sie ein Stück Leinen in den Kessel und geht dann wieder zu Borgil, bleibt vor ihm stehen und weiss nicht wo sie zuerst anfangen soll und was nur Dreck oder richtige Wunde ist.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 01. Feb. 2005, 17:19 Uhr
In Borgils Privatgemächern


"Himmelgötter, Weib! Laß mich mit diesem feuchten Lappen da in Ruhe!" Krächzt Borgil mit einer seltsamen Mischung aus Erheiterung und verzweifeltem Entsetzen.  "Er stirbt!" Wild gestikulierend deutet er auf den Waldläufer vor dem Feuer. Als er in Hallas entgeistertes Gesichtchen blickt, wird sein Ton jedoch milder. "Schon gut, schon gut, du kannst nichts dafür. Wir sind alle ein bißchen... durch den Wind, fürchte ich. Komm, hilf mir aus diesem Ding hier heraus, ja? Sei ein gutes Mädchen." Sie hilft ihm, die Schnallen des Harnischs zu lösen, der sich plötzlich zentnerschwer und wie ein Käfig anfühlt, streift ihm Armkacheln und Beinschienen ab und schnappt vernehmlich nach Luft, als darunter zahllose blauviolette Prellungen, schwärzliche Quetschungen und Striemen sichtbar werden - sofern nicht das wattierte Wams und das fleckige Hemd sie verbergen. Die unerträglich gewordene Last der schweren Rüstung loszuwerden fühlt sich paradiesisch an, aber Borgil widersteht dem Drang, tief durchzuatmen - seine gebrochenen Rippen lassen ihn nicht. Während Halla ihn Stück für Stück aus dem Panzerwerk schält, prasseln unablässig ihre Fragen auf ihn ein und schon wieder ist da das weiche, feuchte Tuch, das energisch über seinen kahlrasierten Schädel gezogen wird. Wahrscheinlich sieht er inzwischen aus wie ein verschreckter Waschbär - die Augen saubergewaschen, der Rest des Gesichts noch so rußig wie vorher. "Hallaschatz. Essen. Jetzt. Morgana und Niniane und jemand aus der Steinfaust... die werden hoffentlich bald hier sein. Richte..." sein Blick schweift über Aurian, Jen und das Rotzgör. "Richte Aurian hier ein Bad. Ich glaube, ein langes, heißes Bad ist genau das richtige für sie. Richte allen ein Bad, so kann keiner ihre Wunden versorgen, man findet sie ja nicht. Und such den beiden Mädchen ein paar Kleider heraus. Und der Junge braucht Hosen und ein Hemd und Stiefel und... Götter, Halla, ich weiß auch nicht, was wir tun sollen jetzt. Ich bin müde. Ich bin so müde... und Phelan hier... und Caewlin und Raven. Was soll ich nur... nein, darum zerbreche ich mir jetzt nicht den Kopf."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 01. Feb. 2005, 18:45 Uhr
Von der Unterstadt bis in Borgils Privatgemächern


Von ihrem Gang durch die Unterstadt bekommt Tiuri nicht viel mit. Seine Beine gehen ganz von alleine vorwärts und er lässt sich einfach dahin tragen. Es dauert bis er die Blicke bemerkt die man ihnen zuwirft, dass das ungewöhnlich ist fällt ihm gar nicht ein, denn er erkennt nicht, dass das nicht Talyra ist wo sie sich befinden. Dass es stinkt macht keinen Unterschied mehr, denn schlimmer als in der Kanalisation kann es nicht sein und dass es dunkel ist könnte genauso gut daran liegen, dass es Nacht ist. Für Tiuri besteht sowieso alles nur mehr aus Dunkelheit und verschwommenen Gestalten am Rande seiner Wahrnehmung. Hätte er darüber nachdenken können, wäre ihm wahrscheinlich eingefallen wie müde und erschöpft er ist, aber all diese Dinge liegen jenseits von dem was er fühlt, Leere. Seine Schritte sind schleppend und mit der rechten Hand hält er die schmale Hand Faradays noch immer umklammert als wäre es der letzte Rettungsanker der ihm bleibt. Halten kann sie ihn nicht, genauso wenig könnte er das mit ihr tun, aber sie gehen beide weiter, durch die Unterstadt, völlig unbehelligt von den Gestalten dort unten die eindeutig sehen können, dass es von dieser zerstörten Gruppe nichts mehr zu holen gibt.
Es geht eine Ewigkeit Treppen bergauf, zu mindest kommt es Tiuri so vor der glaubt, dass jeder Schritt sein letzter sein muss weil er keinen weiteren mehr gehen kann und sich gleichzeitig langsam zu wundern beginnt warum er in Talyra eigentlich Treppen steigen muss, bis sie die Oberfläche schließlich erreicht haben.
Die klare Luft hat Tiuri seit dem Sommerfest schon entbehren müssen. Er bleibt kurz stehen und will einfach tief durchatmen, aber das ist ihm nicht möglich. Ein stechender Schmerz durchfährt ihn und so hält er das Gesicht in den Wind und lässt die kalten Schneeflocken auf seinen Körper fallen und dort im Dreck und der Hitze seines Körpers zerschmelzen. Am liebsten wäre er auf der Stelle umgefallen und im Schnee liegen geblieben, denn jetzt wäre es ihm auch gleichgültig würde er erfrieren. Er hat die Luft wieder, Luft und Wind und den Nachthimmel mit all seinen vielen Sternen. Noch einmal atmet er, zu tief, hustet keuchend und pfeifend und spuckt Blut in den weißen Schnee ehe er langsam weiter geht, hinter den anderen her. Borgil trägt noch immer den sterbenden Waldläufer auf den Armen und am Ende ihrer Kräfte erreichen sie schließlich die Goldene Harfe.

Wie sie bemerkt werden bekommt Tiuri gar nicht mit, sehr wohl aber die hektische kleine Mogbardame, die aussieht, als wolle sie Borgil im nächsten Moment um den Hals fallen, nur um sich dabei über seinen Rücken zu übergeben. Sie nimmt die Anweisungen des Zwerges entgegen und die Gruppe folgt Borgil in dessen Räume wo sie sich vor dem Kamin platzieren. Von Hinsetzen kann gar keine Rede sein, Tiuris Beine knicken einfach unter ihm zusammen und er sitzt dort in der Wärme und zittert vor sich hin. Borgil hat Phelan abgelegt und erst jetzt kann Tiuri das Ausmaß der Verletzungen wirklich sehen, so viel er denn sehen kann, denn noch immer hat sich seine Sicht nicht geklärt und alles was sich etwas weiter von ihm weg befindet, lässt sich nur als ungenaue Schemen wahrnehmen.

Borgil faucht seine Magd an als sie sich ihm zuwendet und entschuldigt sich auch gleich wieder dafür, es ist ja nicht ihre Schuld.
Nicht ihre Schuld… nicht meine Schuld? Wessen Schuld… wer hat Schuld?
Wenn etwas Schlimmes passiert, ist es oft einfacher einen Sündenbock zu finden, aber wer war das in ihrem Fall? Die Kanalratten wohl, aber die sind alle tot und trotzdem verschwinden Tiuris Zorn und seine Trauer nicht, auch ein Gefühl der Hilflosigkeit bleibt und das Gefühl, dass er doch Schuld trägt, auch wenn er nie irgendjemandem etwas Schlechtes wollte. Tiuris Gedanken sind nicht wirklich in eine Richtung gerichtet, sondern schweifen von einem zum nächsten und zu nichts wirklich. Es könnte Trauer sein, Erschöpfung oder Schmerz, oder einfach der Schmutz in Tiuris Augen der ihm einige Tränen in die Augen treibt als er so dasitzt und nichts dagegen tun kann, dass sich die hellen Tropfen über sein schmutziges Gesicht verteilen.

Er erhebt sich mühsam und ungern als ihn jemand nach einer halben Ewigkeit vorsichtig an der Schulter berührt. Er hat nicht zugehört und weiß nicht wohin sie gehen und was sie tun sollen und so hofft er einfach auf ein Bett. Die Mogbarmagd schickt ihn durch eine Türe und da steht er, plötzlich ganz alleine vor einem Wasserzuber und soll sich den Dreck vom Körper schrubben. Ein paar Minuten tut er einfach einmal gar nichts, sondern steht nur da und starrt vor sich hin, überlegt mit welcher Bewegung er wohl beginnen soll. Sein linker Arm ist mittlerweile völlig taub geworden von der Schulter bis zu den Fingerspitzen, also ist es der Rechte den er hebt und mit dem er den Knoten im Hosenbund öffnet. Die Hose, die aussieht als wäre sie nur mehr vom Dreck zusammen gehalten, fällt, sogar in einem Stück, von ihm ab auf den Boden. Das Hemd auszuziehen gestaltet sich schon als etwas schwieriger mit einer Hand. Sein ganzer Körper schreit nach Ruhe und Bewegungslosigkeit unter den Schmerzen die ihm der Pfeil in seinem Körper verursacht.
Das Hemd ist Blutdurchtränkt und das Blut hat ein rotes Rinnsal auf seiner narbigen Haut hinterlassen und schaut aus wie ein äußerst groteskes Gebilde. Langsam steigt er in den Zuber und genießt das Gefühl von heißem Wasser auf der Haut, obwohl es einen Schauer, ein brennendes Gefühl und weitere Schmerzen durch ihn hindurch jagt. Als er sich endlich nieder setzen darf, kann er die Erschöpfung nicht mehr abhalten ihren Tribut zu fordern. Das Wasser in dem er sitzt färbt sich gleich rot von altem und neuem Blut und grau-braun vor Dreck, aber der Junge schließt einfach die Augen und versinkt in wohltuender Dunkelheit. Der Kopf sinkt ihm auf die Brust und keine schlimmen Gedanken, Ängste oder wilde Träume verfolgen ihn noch.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Niniane am 01. Feb. 2005, 22:02 Uhr
In der Sithechnacht in Borgils Privatgemächern

Einen Moment zögert Niniane, die dunkle, schwere Tür aufzuschieben. Sie will nicht dort hineingehen und weiß doch, sie muß. Du mußt jetzt stark sein. Calyra braucht dich. Und Cron... später wird auch er dich brauchen. Borgil braucht dich. Die Kinder... Himmelgötter, was sollten sie nur mit den Kindern machen? Eine Magd, die so verstört aussieht, als hätte sie mehr als ein Gespenst gesehen, öffnet ihnen und ihr Gesicht wird unendlich erleichtert, als sie Niniane erkennt. "Hier entlang, Mylady. In den Gemächern des Herrn..." Niniane nickt nur. Sie kennt den Weg, doch nie ist sie ihn schwereren Herzens gegangen, als jetzt. Calyras Gesicht neben ihr ist weiß wie eine frischgekalkte Wand und hinter ihr füllt Cron den schmalen Gang vollkommen aus. Niniane atmet tief durch, während die Magd mit einem raschen Nicken verschwindet und öffnet dann die Tür zu Borgils Gemächern. Drei völlig blutverschmierte, dreckige Gesichter und ein sauberes, nicht minder verstörtes, blicken ihr entgegen: Borgil, halb ausgezogen auf einem der wuchtigen hölzernen Zwergensessel, vor ihm Halla im Nachtgewand. Vor dem Feuer bei einer reglosen Gestalt auf den weichen Pelzen das Mädchen, das Caewlin und die anderen in die Kanäle geführt hatte. Die kleine Diebin... und neben ihr: Aurian. Niniane hatte vom Verschwinden des Botenmädchens nur durch Gerüchte gehört, aber sie erinnert sich noch gut an sie und ihren Besuch im Baum im letzten Frühling, auch wenn sie eine Weile braucht, um das Mädchen unter all dem Schmutz zu erkennen. Und vor dem Feuer am Boden: Phelan. Ein Ring aus Eis legt sich um ihr Herz. Von Caewlin und Raven keine Spur. Sie kann dem Waldläufer nicht gleich ins Gesicht sehen, aber sie spürt den Tod mit ihnen hier im Zimmer und kann einen entsetzlichen Moment lang nur nach Luft schnappen, während Akira hinter dem Elben ruckartig aufspringt und Calyra sich im selben Moment an ihr vorbeischiebt. Die Bluthündin rennt ihre zierliche Herrin fast um, während sie ihr winselnd und jappend um die Beine streicht und Brynden kichernd seine kleinen Finger im blutverschmierten Fell vergräbt. Niniane sieht die Bewegungen und Blicke um sich her wie in Trance in ihren Augenwinkeln vorbeiziehen, aufblitzende Schrecksekunden, während sie gebannt auf Phelan starrt. Atmet er noch? Senkt und hebt sich sein Brustkorb? Oder sind das die Flammen, die mich narren? Dann spürt sie Cron hinter sich, nimmt das Tragetuch ab und reicht ihm Shaerela... und macht dann einen zögernden Schritt auf den Waldläufer zu... dann noch einen... und noch einen, bis sie an seiner Seite ist und sich zu ihm knien kann. Sie braucht keinen Blick auf seine fürchterlichen Verletzungen zu werfen, um zu wissen, wie es um ihn steht und offenbar ist er nicht bei Bewußtsein. "Hat man Morgana schon... schon Bescheid gegeben? Kommt sie her?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Morgana am 01. Feb. 2005, 22:48 Uhr
In Borgils Privatgemächern


Mehrmals auf dem Weg zur Harfe wäre Destrefin auf Eisschollen, die sich auf den Strassen gebildet haben, fast ausgerutscht, aber Schilama drosselt ihr Tempo nicht. Genauso schnell, wie das Klappern der Hufe dröhnt auch Morganas Herz und sie hört es bis in den Hals schlagen. Ich will nicht dahin, ich kann es nicht, ich kann ihn nicht sehen, nicht so! Und doch weiss sie das kein Weg daran vorbei führt. Schliesslich erreichen sie den Marktplatz und nur wenige Augenblicke später bleiben sie vor der Harfe stehen. Kaum das Destrefin gestoppt hat ist Morgana schon vom Pferd gesprungen und eilt zur Tür der Harfe, während Schilama Destrefin anbindet. Laut klopft sie und es dauert kaum einen Wimpernschlag, ehe ein verängstigt wirkendes Schankmädchen ihnen die Tür öffnet und ein kurzes Dankesgebet murmelt."Folgt mir bitte und den Göttern sei Dank, dass ihr so schnell hier seid." Morgana folgt der kleinen Mogbar, die sie durch einen Flur führt den Morgana noch nie betreten hat. Die Heilerin achtet nicht darauf ob Schilama ihr folgt oder nicht, alle ihre Sinne sind auf das gerichtet was sie nun erwartet und innerlich sträubt sie sich dagegen, als wenn sie es ungeschehen machen könnte, wenn sie es verdrängt und nicht sieht. Die Mogbar bleibt vor einer Tür stehen und deutet mit der Hand, dass Morgana eintreten soll. Zuerst zögert Morgana und ihr Herz will zerspringen, als sie dann doch die Klinke in die Hand nimmt und die Tür öffnet.

Tausende von unterschiedlichsten Gefühlen stürzen in dem Moment auf sie ein, als sie die Tür öffnet und eintritt. Das schlimmste von allen ist der Tod, der schwer in der Luft liegt. Eine Gänsehaut läuft über ihren Rücken und für einen Moment bleibt sie starr an der Tür stehen eine eiskalte Hand scheint nach ihrem Herz zu greifen und sieht nur stumm die Anwesenden Leute an. Borgil, der von Halla umsorgt wird, Calyra und Brynden und Akira bei ihnen, aber wo ist Caewlin, sie sieht ihn nicht im Raum. Die Verzweiflung, die von Calyra ausgeht, trifft sie fast wie ein Schlag. Schnell wandert ihr Blick weiter zu Cron, dann zu Aurian und einem jungen Mädchen, das Morgana nicht kennt. Noch immer wagt sie nicht in die Richtung zu sehen aus der die Aura des Todes deutlich zu kommen scheint, doch dann zwingt sie sich hinzusehen. Niniane kniet vor einer Person, die auf dem Boden vor dem Kamin liegt und verdeckt das Gesicht, aber Morgana muss das Gesicht nicht sehen um zu wissen wer da liegt.Nein Faeyris, nein, das ist er nicht, es ist jemand anders, das ist nicht Phelan!

Ihr Herz scheint plötzlich still zu stehen und ihre Beine scheinen nur noch aus Pudding zu bestehen und wollen ihr den Dienst versagen. Sie klammert sich an der Klinke fest, die sie immer noch in der Hand hält und starrt auf Niniane und Phelan. Kein Wort kommt über ihre Lippen als sie schliesslich die Klinke los lässt und mit zittrigen Schritten zum Kamin geht, alles andere aus dem Raum nimmt sie nicht mehr wahr, nicht die anwesenden Personen, nicht den fürchterlichen Gestank, der im Zimmer herrscht, alles was sie sieht ist die schwache flackernde Aura, die Phelan umgibt und die mit jedem seiner Atemzüge schwächer zu werden scheint. Schliesslich erreicht sie Niniane und kniet sich wortlos neben sie. Tränen schiessen ihr in die Augen und verschleiern ihr die Sicht. Sie hebt ihre Hand und es scheint ihr als greife sie durch zähflüsigen Honig und es es dauert eine Ewigkeit für sie, ehe sie die Hand des Waldläufers mit ihrer erreicht, kurz bevor sie zugreift zögert sie noch einen Moment, will nicht wahrhaben was hier geschieht, doch dann greift sie zu- vorsichtig und leicht- spürt den leichten holprigen Puls unter ihren Fingern und ist für einen Moment erleichtert, und Hoffnung keimt in ihr auf auch wenn sie weiss, das es hoffnungslos ist. Langsam gleiten ihre Finger weiter spüren das gebrochene angeschwollene Handgelenk, was ihr endlich bewusst macht, dass sie handeln muss und jetzt noch keine Zeit für Trauer ist. Noch lebt er und sie ist Heilerin und so leicht stirbt sich nicht, wie Loba immer sagt.

Sie blickt in das von Prellungen und kleinen Verletzungen übersähte Gesicht ihres Gefährten, denn trotz dem Streit und seinem Weggang ist er das noch immer für sie. "Ich schwöre dir, ich werde dich hier nicht so einfach sterben lassen, du schuldest mir noch ein Gespräch, also reiss dich zusammen und kämpfe, kämpfe um dein Leben!" Tränen laufen über ihr Gesicht und ihre Stimme klingt brüchig und fürchterlich leise. "Niniane helf mir, wir müssen ihn von den Kleidern befreien, die Wunden reinigen, die Brüche schienen, jemand soll heisses Wasser bringen und frisches Leinen." Noch während sie spricht, hat sie den kleinen Dolch zur Hand, den sie immer an ihrem Gürtel trägt und beginnt mit zuerst noch fahrigen Bewegungen, die immer sicherer werden, die Kleidung von Phelan, zu zerschneiden.Du bist Heilerin Morgana, konzentrier dich auf deine Arbeit, denk nicht daran wer da liegt, tu dein Bestes ....denk nicht nach, denk nicht... und denk nicht einmal daran, dass er sterben könnte...Denk nicht nach handele..handele... Du darfst nicht streben Phelan! Hast du gehört! Du darfst nicht, nicht so und nicht ohne das wir noch miteinander geredet haben ...nicht nach dem Streit..du darfst nicht strebenImmer wieder drehen sich ihre Gedanken im Kreis und noch immer rinnen ihr Tränen übers Gesicht, während sie den Waldläufer vorsichtig und Stück für Stück von der vollkommen dreckigen blutstarren Kleidung befreit.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Calyra am 01. Feb. 2005, 23:09 Uhr
In Borgils Gemächern


Calyra hat keinen Blick für die verschmierten Gesichter, den Zwerg oder den Waldläufer am Kamin. Sie schiebt sich an Niniane vorbei in Borgils Gemächer, die sie noch nie betreten hat und ihre Augen huschen durch den Raum auf der Suche nach Caewlin. Er ist nicht hier...und Raven auch nicht. Oh... Götter... oh... nein. Nein! Als Akira sie anspringt, bleibt ihr fast das Herz stehen: die Bluthündin hätte Caewlin niemals verlassen, es sei denn... es sei denn. Mechanisch streckt sie eine freie Hand aus und berührt Akiras pelzigen Schädel. Sie erschrickt enorm, als sie statt glattem, dichtem Fell harte Pelzstacheln spürt - die Bluthündin ist von der Schnauze bis zum Schwanz mit rostigen, eingetrockneten Flecken überzogen. Sie stellt Brynden auf die Füße und starrt ins Nichts, die Augen leer vor Entsetzen, während ihr Sohn seine Arme um den muskulösen Hundenacken schlingt, zu dem er kaum hinaufreicht und sich selbst dabei mit Blut und Dreck aus dem völlig verklebten Fell beschmiert. Nein! Nein! Caewlin ist nicht tot! Er ist nicht tot! Wenn er tot wäre, wüßte ich es. Wenn er tot wäre gäbe es eine Leere in meinem Herzen, die nichts füllen könnte. Niniane kniet sich an Phelans Seite, doch wenn die Waldläuferin etwas sagt, hört sie es nicht. Cron hatte der Halbelbin Shaerela abgenommen und ist neben ihr und Brynden geblieben - seine Miene ist vollkommen reglos, aber seine Augen brennen wie dunkle, blaue Flammen in seinem Gesicht. Dann stürmt Morgana herein und ihr Blick schweift über sie alle hinweg, so leer wie ihrer, bis sie an Phelans Seite eilt. Calyra empfindet einen kurzen Stich des Mitgefühls, aber sie ist hilflos gefangen in ihrer eigenen Angst und in ihr ist kein Platz für andere Gedanken, als den einen. Schaudernd wendet sie sich von dem Sterbenden am Feuer ab und an den Zwergen. "Wo... wo ist..." sie muß schlucken, um ihre Stimme wieder in ihre Gewalt zu bekommen und ihre Augen huschen zu Borgil. "Wo ist Caewlin? Wo sind Caewlin und Raven? Borgil. Wo... sind sie?" Tränen füllen ihre Augen und verschleiern ihre Sicht, während ihr Herz wie eine Trommel in ihrer Brust dröhnt. Sie kann Borgils nervöser Miene ansehen, daß es eine Antwort auf ihre Frage gibt... aber plötzlich ist sie sich nicht mehr sicher, ob sie sie hören will. Langsam schüttelt sie den Kopf. Salzige Tränen fliegen in alle Richtungen davon. "Nein.... nein... oh bitte, bitte Götter... nein...."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aurian am 01. Feb. 2005, 23:18 Uhr
In Borgils Privatgemächern und einer weiteren Kammer


Aurian war dem Zwerg wie im Trance gefolgt, durch die Unterstadt hinauf über den Marktplatz zur Harfe. Die Goldene Harfe, hier hatte im weitesten Sinne alles begonnen, hier war sie nach ihrer Flucht aus Sumera angelangt und hier her kommt sie auch jetzt, nach einer weiteren, noch viel schrecklicheren Flucht. Doch all das sind Gedanken, die ihr nicht bewusst durch den Kopf gehen. Sie ist unfähig irgendetwas zu denken. Der Blick ihrer grünen Augen ist vollkommen leer und als sie der Zwerg sie in einen Raum, allem Anschein nach Teil seiner Privatgemächer, führt, sackt sie einfach vor dem Kamin zusammen und starrt teilnahmslos ins Feuer. Wieso lebe ich noch? Immer wieder dreht sich ihr Geist um diese Frage, vermischt mit der Vision einer schrecklichen, rothaarigen Fratze: Hämisches Lachen, gemein und gierig. Am liebsten hätte sie die Hände an die Ohren gepresst, um nichts zu hören, doch ihr fehlt die Kraft, jetzt da alles vorbei ist. So kauert sie neben Jen auf dem Boden, die Beine angezogen, so wie sie sich schon in der finstern Zelle zusammengerollt hatte. Eine schwarze Strähne hängt in ihr verschmiertes Gesicht. Dann öffnet sich unmittelbar hintereinander mehrmals die Tür und immer mehr Personen betreten den Raum. Lady Niniane, die Halbelbin, die das Mädchen im Frühjahr getroffen hatte, gefolgt von einer weiteren zierlichen Frau und einem Jungen, die beide von der Bluthündin überschwänglichst begrüßt werden. Ein Mann, riesig von Statur. Dann nach einiger Zeit Morgana, die Heilerin, die sich sofort Phelan zuwendet, der noch immer bewusstlos zwischen ihnen liegt.

Aurian sieht das alles, doch keines dieser Bilder dringt wirklich zu ihr durch. Die Erinnerungen an die erlittenen Qualen und die Vergewaltigung schwappen über ihr zusammen und sie beginnt zu zittern, unmerklich aber doch. Dann spürt sie eine Hand auf der Schulter und im ersten Moment zuckt sie beinahe panisch zur Seite, ein seltsames Flackern in den Augen. Doch es ist nur eine der Mogbar, die sie sanft auf die Beine zieht und ebenso sanft aus dem Raum führt, einige Schritte den Flur hinab in eine weitere Kammer. Obwohl der Weg nicht weit ist, kommt er ihr unendlich vor. Die Stichverletzung an ihrem Bein brennt und ihr ganzer Körper scheint nur aus Schmerz zu bestehen. Alte und neuere Prellungen machen vehement auf sich aufmerksam und jeder Versuch, sich ganz aufzurichten, wird von einer Schmerzwelle zunichte gemacht.
In der Mitte des Raumes steht ein Zuber mit warmem Wasser. Einladend wartet er nur auf sie. Kaum ist sie fähig sich zu entkleiden, die Fetzen des Hemdes, das Caewlin ihr gegeben vom Körper zu schälen. Obwohl die Mogbar eine Frau ist, zuckt das Mädchen bei jeder Berührung zusammen, nicht vor Schmerz, sondern einfach aus dem Gefühl heraus, diese nicht ertragen zu können. Dann aber sitzt sie irgendwann doch im warmen Wasser. Sanft wird ihr Rücken, der so grün und blau ist wie der Rest ihres Körpers, mit einem Tuch abgerieben und bereits nach wenigen Augenblicken färbt das Wasser sich braun und rot von geronnenem Blut und Dreck. „Danke!“ Aurians Worte sind so leise, dass sie nicht sicher sein kann, ob die Frau sie gehört hat.  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von DarkCobra am 02. Feb. 2005, 03:09 Uhr
Dark vernimmt die Worte Amardé's, während er immernoch unsicher Halla sucht. Unsicher, weil er nicht weiß, ob er erst nach ein Zimmer oder einen Stall Ausschau halten soll.
>Von der größe der hiesigen Wäldeer hab ich schon gehört, ich sollte mich wohl in den nächsten Tagen kundig tun, ob sich hier eine Anstellung als Jäger lohnenswert erscheint.< Dann antwortet er seinen Gegenüber aufmunternd: "Wenn ich hier als Jäger neu beginnen kann, so sollte auch euch in eurer Zunft möglich sein, hier das zu finden was ihr sucht."

Nun erspähen seine Augen die Schankmagd, doch bevor er auch nur annähernd auf sich aufmerksam machen kann, wird sie von einer schlanken, schwarzhaarigen aber anscheinend wichtigen Person (Morgana) gerufen. Und schon sind sie auch schon dorthin entschwunden, wo sich wohl doch mehr abspielte, als man vermuten konnte. >Was geht hier nur vor sich. Ich bekomme langsam das mulmige Gefühl, das ich hier wohl nicht meine Ruhe finden werde.<
Bevor er sich weitere Gedanken um das bislang Geschehene machen kann, steht Nemo im Schankraum und erkundigt sich nach dem Besitzer der Kutsche vor der Türe. Der sich darauf meldende junge Mann verschwindet alsbald auch in die Treppen hinauf, und so wendet sich Dark wieder der Bedienung hinter der Theke zu: "Ich möchte gern zahlen, ich hatte zwei Met. Und dazu auch noch das Bier des Herrn hier. Wenn ihr es mir gestattet?"
Mit den letzten Worten wendet er sich wieder Amardé zu und legt ein paar Münzen auf den Tresen. "Hier wird es wohl noch etwas dauern, bis die Situation ruhiger wird. Ich werde die Zeit nutzen und mich zur Hufschmiede aufmachen, bevor es zu spät wird. Möge euch das Schicksal gutes bereit halten."

Mit einen leichten nicken zum Abschied tritt Dark von der Theke zurück und geht zum Ausgang. Noch bevor er diesen erreicht, wirft er sich die Kapuze wieder über, um so nicht nur vor dem kalten Wind, sondern auch vor den Blicken der anderen geschützt zu sein. Denn noch immer hat er Angst seine Augen bedenkenlos zu zeigen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Schilama am 02. Feb. 2005, 13:14 Uhr
In Borgils Privatgemächern

Nach dem stürmischen Aufbruch von der Kräuterkate, lenkt sie Destrefin zügig durch die Straßen und nicht nur der Berricht des Boten, dass es Schwerverletze gibt, veranlasst sie dazu ihren Hengst so anzutreiben. Schon in der Kräuterkate war Morgana so unruhig wie selten zuvor, nicht nur äußerlich, und sie fragt sich nach dem Grund und ob Morgana mehr weiß, als sie in der Hast gesagt hat.

Als sie bei der Goldenen Harfe ankommen rennt die Heilerin gleich in die Harfe, während Schilama Destrefin noch anbindet und sicherstellt, dass sich jemand um ihn kümmert. Dann eilt auch sie hinein, beladen mit zwei Beuteln und sie wird von einer Mogbar in einen Raum geführt, der zu dieser Uhrzeit wohl mehr Leute beinhaltet, als sonst einer in Talyra. Du meine Güte, was ist hier los? Ihr Blick schweift durch das Zimmer, ein paar wenige Gesichter kennt sie, doch die meisten sind ihr fremd. Sie sieht Borgil, den Wirt der Harfe, auch wenn sie auf den ersten Blick gar nicht geglaubt hatte, dass er es ist. Dann sind da noch Niniane und Cron von Tronje, den sie vom Sehen her durch die Schlacht von Liam Calith kennt. Die einzigen ihr unbekannten sauberen Personen, sind die weißhaarige Frau und der kleine Junge, der aber eifrig dabei ist, sich beim umarmen des riesigen Hundes mächtig schmunztig zu machen. Die zwei Gestalten am Rand sind ihr völlig fremd, da ist sie sich sicher, auch bei dem Schmutz, der an ihnen haftet.

Nach diesem ersten Eindruck geht sie hinüber zu Morgana und Niniane und gerade als sie den zweiten Beutel ablegt, erkennt sie wer da vor dem Kamin liegt. Sie verharrt in der Bewegung, starrt auf das Gesicht des Waldläufers und schluckt.Wie... wie konnte das passieren?, fragt sie sich und ist völlig fassungslos. Doch dann schiebt sie riegeros alle Gedanken und Gefühle beiseite, auch wenn es ihr schwer fällt und löst sich aus dem ersten Schreck. Schnell legt sie den Beutel ab und kniet sich zu Morgana. "Soll ich dir helfen oder mich um die anderen kümmern?", ist ihre einzige Frage. Der Bote sagte Scherverletzte und zumindest bei dem Hafenwirt sieht sie trotz des Schmutzes, dass es stimmt, und Phelan nicht der einzige ist, der einen Heiler braucht.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Faraday am 02. Feb. 2005, 14:34 Uhr
In einer Kammer der Privatgemächer

Faraday hat das Gefühl als könne sie ewig so weiterlaufen. Irgendwann zwischen der einstürzenden Höhle und dem Weg zurück an die Oberfläche ist einfach jegliches Gefühl aus ihren Beinen verschwunden. Einen Fuß vor den anderen, weiter, immer weiter. Sie hatte sich an Jen geklammert. Er war gelaufen, also auch sie. Umso gnadenloser überkommt sie die Erschöpfung, als sie sich schließlich und endlich vor einem warmen Kaminfeuer wiederfindet. Hier, inmitten der anheimelnden Wärme und Sauberkeit der Goldenen Harfe fühlt sie sich einfach nur klein, schwach und widerlich schmutzig, so dass sie am liebsten ihre Haut abgestreift hätte. Aber selbst das hätte nicht geholfen. Der Gestank der Kanalisation hat sich in jeder einzelnen Pore eingenistet, in jedem Haar, in jeder Faser der viel zu großen Kleidungsstücke, die nichts mehr sind als schmutzige Fetzen. Jetzt, wo sie hier sitzt, kann sie nichts anderes als vor sich hinzustarren. Noch immer dröhnt ihr die einstürzende Höhle im Kopf, als säße sie unter einer großen, vibrierenden Glocke und in ihrem Kopf überschlagen sich die Bilder, als wären sie eine Flut, die jeden schönen Gedanken gedanken wegspült wie einen winzigen Kieselstein. Tot... tot..., hallt es immer wieder in ihrem Kopf, aber sie kann den Heiler nicht ansehen, dessen schreckliche Wunden jetzt hier im goldenen Licht des Feuers in ihrem ganzen Ausmaß zu erkennen sind. Und ich bin schuld. Wir sind schuld. Wir beide - Jen und ich. Ein Schluchzen schüttelt ihren ausgemergelten, erschöpften Körper. Schuld, schuld, schuld!

Irgendjemand legt ihr eine warme Decke um die Schultern, aber Faraday ist nicht fähig auch nur den Arm zu heben. "Komm", sagt jemand mit sanfter Stimme und zieht das Mädchen sanft aber bestimmt auf die Füße. Nur am Rande bekommt sie mit, dass auf einmal ziemlich viele Leute in dem Zimmer sind, aus welchem sie soeben hinausgeführt wird. Das Haus ist sehr still, nur ihre eigenen tapsenden Füsse klingen dumpf auf dem Boden. So leer.

Sie wird in ein spärlich eingerichtetes Zimmer geführt, in dessen Mitte ein großer Waschzuber steht, in den soeben frisches, dampfendes Wasser gefüllt wird. Faraday weiß nicht, dass kurz zuvor Aurian hier gewaschen und neu eingekleidet wurde. Die Magd neben ihr ist erstaunlich klein und sieht genauso seltsam aus wie alle vom kleinen Volk. Sie hilft dem Mädchen sich zu entkleiden, besser gesagt: sie entkleidet sie, während Faraday nicht in der Lage ist die Hand zu öffnen, welche die weiche Decke um ihre Schultern vor dem Hals festhält. Sie lässt erst los, als die Mogbarmagd daran zieht und sie mit sanften Worten darum bittet loszulassen. Mit mechanischen Bewegungen steigt sie dann in die Wanne. Die Wärme des Wassers prickelt auf der Haut und brennt dort, wo sich Verletzungen befinden. Und davon hat Faraday genug. Prellungen, Schürfwunden und zuletzt noch immer die Schramme an der Stirn und den frischen Streifschuß am Hals. Diese Eindrücke erst bringen wieder Leben in ihren Körper. Ihr Haar wird mit duftender Seife gewaschen und danach taucht Faraday bis zum Hals hinein in die wohltuende Wärme. Sie lässt die Magd tun, was ihr aufgetragen wurde. Einmal, nur einmal in ihrem Leben loslassen, sich nicht kümmern müssen, keine Furcht haben. Aber Faraday ist weit davon entfernt diesen Moment genießen zu können. Der Heiler ist tot, davon ist sie überzeugt, und alle anderen sind mehr oder minder schwer verletzt, innen und außen.

Und Jen? "Jen!" Das Wasser schwappt über den Rand und bildet dunkle Flecken auf dem Boden. "Wo ist Jen? JEN!" Faradays Augen, so gläsern wie zwei Murmeln vor Fieber und Erschöpfung, rucken voller Angst hin und her, auf der Suche nach dem einzigen Freund, den sie je gehabt hat, auch wenn er vielleicht gar kein wirklicher Freund ist. Aber die Panik verschwindet so schnell wie sie aufgetaucht ist. Natürlich. Sie hatte doch seine Hand gehalten auf dem Weg nach oben. Und das heißt, er is' hier irgendwo. Mit einem weinerlichen Unterton in der Stimme wendet sie sich dann an die Magd, die Mogbarfrau zum ersten Mal wirklich wahrnehmend: "Ich will zu Jen. Bitte!"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Feydor am 02. Feb. 2005, 17:31 Uhr
Vor dem Eingang der Goldenen Harfe


"Nein, zufällig habe ich nichts besseres zu tun", antwortet Feydor der entmutigten Caylith freundlich. Auch wenn seine Rasse als stolz und oft unnahbar gilt, rührt ihn der Anblick der traurigen Faunin. Außerdem scheint sie seine Hilfe wirklich zu brauchen, so verwirrt wie sie ist. „Außerdem passen wir doch gut zusammen... wir sind beide exotische Vögel in dieser Stadt, und kennen uns beide nicht aus.“ Mit einem Augenzwinkern fährt er fort: „Eigentlich kann uns ja gar nichts passieren, oder?“
Prüfend blickt er zum Himmel. Nein, in den Wald können sie heute nicht mehr. Der Weg ist viel zu weit und so wie es schneit und windet, kämen sie auf offener Flur keinen Schritt voran.
Nachdenklich schüttelt Feydor den Kopf. "Nein, zum Wald schaffen wir es heute nicht mehr. Da ist ein Stall doch besser. Das Gasthaus hat bestimmt einen."
Als er Cayliths verwirrten Blick sieht, fügt er beruhigend hinzu: "Faune mögen Pferde doch, oder? Dann dürfte dir der Stall bestimmt gefallen. Und warm und trocken ist es da auch."
Gerade als er sein restliches Wissen über das Wesen vor ihm zusammenkratzen will, wird er heftig von der Seite angestoßen.
"Hey! Wag es...!" Rasch dreht sich Feydor herum und tänzelt unruhig im Schnee, schon halb zum Angriff bereit. Die Fäuste des Zentauren ballen sich an den Seiten und der rostrote Schweif bewegt sich unruhig, als er mit grimmiger Miene zu dem Wesen, das vor ihm am Boden liegt, herunterschaut. Für das Mädchen, das da vor ihm auf dem Boden sitzt, dürfte der Anblick des Zentauren, der vor ihr in den Himmel ragt und sie mit blitzenden Augen und bedrohlich zusammengezogenen Brauen anstarrt, angsteinflößender Anblick sein.
Erst als Feydor erkennt, dass seine "Gegnerin" genauso verwirrt bei seinem Anblick ist wie er bei ihrem, entspannt sich seine Miene langsam wieder. Aus dem Augenwinkel sieht er noch, dass auch Caylith ihre Hände wieder von ihrem Umhang nimmt. Wahrscheinlich hat sie da ihre Waffen, schießt es ihm durch den Kopf, und für einen Augenblick vermisst der Zentaur seinen Speer, der in der letzten Auseinandersetzung zu Bruch gegangen war. Ich muss mir unbedingt einen neuen besorgen, denkt er noch, bevor er seine volle Aufmerksamkeit dem Wesen vor ihm zuwendet.
"Kannst du nicht ein bisschen aufpassen, sag?" Feydors Stimme ist noch immer ein bisschen rauh und tief vor Ärger, aber eigentlich ist er schon längst nicht mehr wütend.
Erst als er das Mädchen vor ihm genauer betrachtet, fällt ihm auf, das sie kein normaler Mensch ist. Spitze Ohren... das letzte Mal hat er so etwas in Kheyris gesehen. Überrascht hebt der Zentaur seine Augenbrauen. Wie so oft hat sein Mienenspiel in Sekundenschnelle von Zorn zu Freundlichkeit gewechselt, die sich jedoch diesmal mit Verwunderung mischt.
Offensichtlich schwirrt in dieser Stadt ja alles herum, was es in den Immerlanden gibt...
Als sich die Gestalt vor ihm noch immer nicht rührt, beugt er seinen Oberkörper langsam herunter und streckt die Hand aus, um ihr aufzuhelfen.
Ich glaube, im Schnee ist es nicht besonders gemütlich, oder?

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 02. Feb. 2005, 22:43 Uhr
In Borgils Privatgemächern


Borgil ist unendlich erleichtert, als er Niniane sieht... und sinkt in sich zusammen, als hinter ihr Calyra auftaucht, ihren kleinen Sohn auf dem Arm. Dennoch wird ihm gnädigerweise noch ein wenig Aufschub gewährt, denn unmittelbar hinter den beiden Frauen und dem Tronjer, dem Niniane ihre kleine Tochter in die Arme legt, um sich Phelan zuzuwenden, rauscht Morgana herein - schreckensbleich und sichtlich fassungslos. Borgils Blick wandert zu dem sterbenden Waldläufer vor seinem Kamin und ein schweres Seufzen entringt sich seiner wunden Kehle. Ach Götter, warum hat es ausgerechnet ihn treffen müssen? Er hatte den Protektor des südlichen Larisgrüns nicht gut gekannt... eigentlich hatte er ihn erst auf diesem dreimal verfluchten Ausflug in die Kanäle richtig kennengelernt.... aber er hatte ihn gemocht. Seine stille, freundliche Art, seinen trockenen Humor, seine wortlose Bereitschaft, sich für andere einzusetzen. Er war so verflucht gut mit dem Bogen... und noch besser mit diesem Krummsäbel... der Säbel! Borgil hatte die Waffe geistesgegenwärtig mitgenommen - für Phelan. Jetzt liegt sie schwach schimmernd auf einem kleinen Berg anderer abgelegter Ausrüstung mitten auf dem niedrigen runden Tisch. Halla kümmert sich derweil mit ihren Mädchen um die anderen, holt den vollkommen erschöpften Jen, Aurian und Faraday hinaus und bringt sie wohl nach oben, wo heiße Bäder, frische Kleidung und weiche Betten auf sie alle warten... die Heiler können nachher nach ihnen sehen, wenn sie gewaschen sind und vielleicht etwas gegessen hätten oder ruhen würden. Ruhe haben wir alle nötig, wissen die Götter...

Während Morgana und Niniane sich also an Phelan zu schaffen machen, von dessen bleichem Gesicht Borgil den Blick einfach nicht abwenden kann, endet seine Galgenfrist und es kommt, was kommen muß: die Frage, vor der er sich seit sie aus der Honigwabe geflohen waren, gefürchtet hat. >Wo ist Caewlin? Wo sind Caewlin und Raven? Borgil. Wo... sind sie?< Calyra hat ein, zwei kleine Schritte auf ihn zu gemacht und als sie ihn ansieht, schwimmen ihre Augen in Tränen, fleht der Blick. Ach Götter... Borgils Halsmuskeln bewegen sich krampfhaft schluckend, seine Mundwinkel zucken, als könne er sie nicht kontrollieren. Er ist käsebleich, sucht angestrengt nach den richtigen Worten, legt sie sich zurecht und verwirft alles wieder, öffnet den Mund und klappt ihn schweigend wieder zu... Calyra sieht ihm die Antwort an, noch ehe er irgendetwas gesagt hat und ihr verzweifeltes "Nein" löst schließlich seine Zunge. Borgil steht ächzend auf, macht einen halben Schritt auf die silberhaarige Bardin zu, bleibt dann stehen und streckt die Hand aus, läßt sie jedoch wieder sinken. Mitleidig blickt er von ihrem aschfahlen Gesicht zu dem des Tronjers, der ihn gespannt anstarrt, dann schüttelt er langsam den Kopf und seine Schultern senken sich, als würde eine tonnenschwere Last auf ihn niedergehen. "Sie wurden verschüttet. Calyra. Cron... es tut mir so leid. Sie sind... sie sind... tot." Er blickt in entsetzte Gesichter und zuckt hilflos mit den Schultern. "Wir haben... Phelan, Jen, das Rotzgör, Aurian und ich, wir haben... in der Honigwabe... dem Hauptquartier der Kanalratten gekämpft und Caewlin... Caewlin hat Whytfisk und Raven gesehen und ist ihnen nach, irgendwo hin... wir konnten nicht folgen... waren zuviele Gegner und dann kamen diese... Monstren und... und alles um uns her ist eingestürzt. Die Decke kam herunter und alles hat gebebt und gewackelt und... Caewlin und Raven... sie sind dort unten zurückgeblieben. Sie kamen nicht raus."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Niniane am 02. Feb. 2005, 23:40 Uhr
In Borgils Privatgemächern


Ihre Frage wird von Morgana selbst beantwortet, die Borgils Privatgemächer stürmt und dann verharrt. Einen Moment lang glaubt Niniane schon, die Heilerin würde einfach umkippen, aber dann tritt sie doch näher, kniet sich zu Phelan und Niniane macht ihr Platz. Morgana scheint einen Augenblick lang von Trauer übermannt, doch dann bricht sie in hektische Aktivität aus. Ihre Finger tasten in fieberhafter Eile über den geschundenen Körper, dann beginnt sie mit ihrem Messer die Kleidung des Waldläufers zu zerschneiden, um sie ihm abzunehmen und seine Verletzungen näher in Augenschein nehmen zu können. >Niniane helf mir, wir müssen ihn von den Kleidern befreien, die Wunden reinigen, die Brüche schienen, jemand soll heisses Wasser bringen und frisches Leinen....< Niniane starrt die Heilerin einen Moment lang aus Augen so dunkel wie Waldhonig an und schüttelt nur mitfühlend den Kopf. Sie ahnt, was in Morgana vorgeht und die Trauer nimmt ihr den Atem. Sie will es nicht wahrhaben. Hektisch säbelt die Heilerin an zerfetzten, blutgetränkten Hemdsärmeln herum, reißt Nähte auf, löst Schnallen und Bänder, ehe ihr Niniane sanft in den Arm fällt. "Morgana... nicht."  Die Heilerin blinzelt, wischt sich mit blutigen Fingern die Tränen vom Gesicht, fährt fort, hält inne und schneidet dann mit verbissenem Gesicht weiter, bis Niniane ihr das Messer aus den Fingern windet. "Morgana... es ist zu spät. Wir können hier nichts mehr tun. Ich nicht und du auch nicht. Nicht einmal mehr Loba könnte ihm noch helfen. Er stirbt. Wenn du ihm das Wams abnimmst, verblutet er vor deinen Augen. Bei allen Göttern, gib ihm Mohnblumensaft gegen die Schmerzen, verbinde die tiefen Wunden, und bete, daß er noch einmal das Bewußtsein erlangt... mehr kannst du nicht tun." Morgana hat für nichts Augen, als für den Waldläufer. "Mehr kannst du nicht tun."

Ihre Hände zittern wie Espenlaub, als Niniane ihr den Dolch abnimmt. Einen Moment lang starrt sie bebend auf ihre blutigen Finger, auf Phelans totenbleiches Gesicht, auf seine schrecklichen Wunden - dann sackt sie weinend zusammen und Niniane kann sie gerade noch auffangen. Sie zieht die Heilerin fest an sich und wiegt sie wie ein kleines Kind, während Morganas zierlicher Körper von abgehacktem Schluchzen geschüttelt wird. Niniane sagt kein Wort... für solches Leid gibt es keinen Trost mit Worten. Sie kann Morgana nur festhalten und ihr beruhigend über den Rücken streichen, während in ihr selbst alles durcheinander geht und hofft, ihre eigene Trauer würde warten können... lange warten. Trotz dem bitteren Schmerz in ihrem Herzen kann sie die Augen nicht von Phelans Gesicht nehmen. Nur wegen ihr war der Waldläufer mit Caewlin in die Tunnel gestiegen. Sie hatte ihn gebeten, hatte ihm Shugorn mit der Botschaft geschickt, weil sie dem Sturmender nicht selbst hatte beistehen können, als dieser sie um Hilfe gebeten hatte. Meine Schuld, hämmert ihr Verstand. Meine Schuld. Meine Schuld. Meine große, große Schuld. "Komm, Morgana. Ich helfe dir, ihn zu waschen und die... die blutenden Wunden zu verbinden. Vielleicht... wenn die Götter gnädig sind... erwacht er noch einmal... " Sie streicht der Heilerin gerade über das dunkle, seidige Haar, als Calyras Frage ihr Herz stolpern läßt. Caewlin? Raven? Sie hat das Fehlen der beiden natürlich bemerkt, war dann aber von Phelans Anblick vollkommen abgelenkt gewesen, der für einen Augenblick alles andere aus ihren Gedanken verdrängt hatte... nun kehrt ihre nagende Angst mit aller Macht zurück. Gehetzt blickt sie von Calyra und Cron zu Borgil, dessen Kiefer sich anspannen, um die Worte zuwege zu bringen. Geistesabwesend bemerkt sie Schilama, Morganas Gehilfin, die sich zu ihnen kniet und etwas fragt, aber den Blick starr auf Borgil gerichtet, hört sie die Worte der Windelbin zuerst nicht einmal.

Reiß dich zusammen! "Ich... ich bin gleich... ich hole Verbandsleinen und heißes Wasser," murmelt sie und kommt auf die Füße, Morgana in Schilamas Obhut lassend, gerade, als Borgil, der aussieht, als wolle er eigentlich gar nicht antworten, Calyra doch antwortet. Niniane hört die Worte, hört sie fallen wie Steine auf den Grund eines tiefen, ruhigen Sees, unwiderruflich, kalt und schwer. >Sie wurden verschüttet. Sie sind... sie sind... tot. Caewlin und Raven... sie sind dort unten zurückgeblieben. Sie kamen nicht raus.< Niniane erstarrt und gibt ein unartikuliertes  Angstgeräusch von sich. Ihr Blick huscht von Calyra, der alles Blut aus dem Gesicht gewichen ist, zu Cron, dessen Blick sich umschattet und zurück zu Borgil, der selbst todunglücklich aussieht. Sie hätte in der Lage sein sollen, etwas zu tun oder wenigstens etwas zu sagen. Sie hätte in der Lage sein müssen, ihnen allen zu helfen, sich um sie zu kümmern, sie zu trösten, ihnen eine Stütze zu sein... doch sie kann nichts tun. Hilflos kann sie nur dastehen, spüren, wie die Last ihrer Schuld schwer wie ein Mühlstein auf sie fällt und ihr Herz in tausend kleine, scharfe Eissplitter zerbricht. Phelan stirbt und es ist meine Schuld. Caewlin und Raven sind verschüttet, tot. Ich hätte es wissen müssen. Ich hätte es ahnen sollen. Ich hätte sie niemals, niemals gehen lassen dürfen. Sie waren zu wenige, viel zu wenige. Ich hätte sie überreden müssen, auf Cron zu warten oder sich an Olyvar zu wenden. Götter... was habe ich getan? Was habe ich getan?

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 02. Feb. 2005, 23:59 Uhr
In einer Kammer


Lange kann Tiuri nicht schlafen, da rutscht er in der Holzwanne in sich zusammen und erwacht durch einen schlimmen Schmerz der ihn wie ein Blitzschlag durchfährt. Obwohl er nicht allzu lange gebadet hat, ist das warme Wasser schon nicht mehr warm und trotzdem ist der Dreck noch nicht wirklich von ihm abgeschwemmt, von alleine passiert das ab einem gewissen Dreckgrad einfach nicht mehr. Tiuri fühlt sich wie erschlagen, alles an ihm scheint aus Blei gemacht zu sein, besonders der linke Arm, der sich einfach nicht bewegen möchte. Sein Kopf dröhnt als er sich mit fahrigen Bewegungen daran macht mit der rechten Hand das Blut und den Schmutz von seinem Körper zu waschen. Er ist überall blau, grün und rot und besonders die Eintrittsstelle des Pfeils sieht nicht gut aus. Außerdem weiß der Junge wirklich nicht wie er dort das Blut abwaschen soll, denn schon allein die kleinste Berührung tut höllisch weh. Dass der Pfeil irgendwann auch entfernt werden muss verdrängt er erst mal, kann sowieso gar nicht daran denken, denn seine Rationalität ist noch weit weg, irgendwo vergraben in der Kanalisation und Tiuri ist sich nicht sicher ob er sie jemals wieder finden wird. Jetzt wo er sich wäscht kann der das Ausmaß seiner Verletzungen bewundern, abgesehen von einigen Prellungen und natürlich dem Pfeil und der Hand ist er glücklich davon gekommen, einzig die Schulter ist stark verfärbt und geschwollen und Tiuri nimmt an, dass das der Grund ist, dass er den Arm nicht bewegen und auch, wie er merkt, den Hals nicht drehen kann. Mit zitternder Hand fährt er über sein Gesicht, Stirn und Wangen glühen wieder im Fieber und Tiuri muss daran denken wie ihm der Waldläufer dort unten geholfen hat. Phelan der sterbend dort unten liegt, oder vielleicht sogar schon tot ist und wenn Tiuri eben noch aufstehen wollte, so fühlt er sich jetzt völlig kraftlos und unfähig auch nur irgendetwas zu bewegen. Die Erkenntnis, dass sie Tote zu verzeichnen haben trifft ihn wie ein Keulenhieb. Natürlich hat er schon dort unten an sie gedacht, aber jetzt wo er die Zeit hat darüber nachzudenken wird ihm das volle Ausmaß der Sache bewusst. Der Nordmann ist tot und Phelan vermutlich auch schon und diese Person nach der sie eigentlich gesucht haben auch, es muss so sein, denn die Gänge sind eingestürzt und darunter hat niemand überlebt. Sollten sie dennoch irgendwie überlebt haben, so werden sie jetzt ersticken oder verhungern, es gibt keine Rettung und keine Möglichkeit.
Kraftlos stemmt sich Tiuri irgendwie nach oben und steigt aus der Wanne. Die Welt um ihn dreht sich dreimal so schnell wie sonst, dafür ist sie klarer als vor hin und mehr als nur Schemen und Umrisse. In dem Zimmer in dem er sich befindet steht auch ein Bett und auf dem liegt saubere Kleidung. Vorsichtig und tropfend tappt Tiuri darauf zu und greift dann mit Mühe nach unten, das Bücken fällt ihm schwer, da er den Oberkörper nicht biegen kann. Er hebt die Kleidungsstücke hoch und sieht sie an. Sauber, endlich saubere Kleidung, wie lange hat er sich danach gesehnt. Als er jedoch die Hose dreht und wendet fällt ihm etwas anderes ein, er hatte da noch einen Gefährten um den er sich nicht kümmern konnte in der Kanalisation. Unter Stöhnen und Schmerzen hockt er sich auf den Boden und greift nach seiner alten Hose oder besser gesagt Borgils alter Hose. Von irgendwo weiter unten tönt ein leises, erbostes Fiepen und Tiuri befreit die braune Ratte, seinen kleinen Freund und drückt ihn einen Moment an sein Gesicht, froh nicht völlig alleine zu sein, ehe er ihn hoch hebt, sich selbst langsam aufstellt und zum Bett wankt. Dort lässt er die Ratte auf die hellen Laken steigen und müht sich selbst mit der frischen Kleidung und einem weichen Ledertuch ab um sich abzutrocknen. Das Trocknen ist noch schmerzhafter als das Waschen, aber er verzieht keine Miene dabei, auch in die Hose kämpft er sich einhändig und ist froh, dass sie passt. Während er jedoch das Hemd anziehen will und es einfach nicht schafft, steigt die Verzweiflung und Hysterie in ihm hoch. Er wirft das Hemd von sich und sein Körper zuckt in lautlosem und Tränenlosem Schluchzen, ehe er sich ins Bett legen will, es dann aber doch nicht schafft. So lange hat er sich nach einem sauberen, weichen Bett gesehnt, schon bevor er nach Talyra gekommen ist sogar und jetzt auf einmal, bietet das Bett ihm keine Sicherheit mehr. Zu viel liegt hinter ihm, zu lange war er eingesperrt und angekettet, hat auf dem Boden mit den Ratten in einer Ecke geschlafen.
Zögernd macht er einen Schritt weg vom Bett, noch einen und noch einen, bis er schließlich an der Wand steht und sich dort zu Boden sinken lässt, das Gesicht mittlerweile tränennass. Sein ganzer Körper wird von Schluchzern gebeutelt, etwas, dass er sich schon lange nicht mehr gestattet hat, auch nicht wenn er alleine war, aber die letzte Zeit ist zu viel für ihn.
Die Gefangenschaft, die Angst, ja regelrechte Panik in der Enge und Dunkelheit, Whytfisk, die Schmerzen, dann der Kampf und schließlich, auch wenn er sie nur kurz gekannt hat, viel schlimmer als alles andere, der Waldläufer und der Nordmann.
Ihr Tod trifft ihn hart, genauso wie die Tatsache, dass er selbst getötet hat und dass er Schuld hat. Sicher, sie wären nicht gekommen um ihn zu holen, aber hätten sie ihn nicht dort raus holen müssen, so wäre ihnen ihre Mission vielleicht geglückt.
Einige Zeit sitzt Tiuri so da, in der Ecke des Raumes, an zwei Wände gelehnt, die Beine so weit es geht an den Körper gezogen, mit nacktem und feuchtem Oberkörper, das Gesicht in der rechten Hand verborgen und die Finger um die nassen Haare gekrallt. Eigentlich würde er gerne hinunter gehen, verlangt es ihn regelrecht danach, denn er muss wissen ob Phelan noch lebt, andererseits fürchtet er was er sehen könnte und findet einfach nicht die Kraft dafür aufzustehen.
Er hebt den Blick schließlich erst, als es an der Türe klopft. Er will fragen wer dort ist, aber aus seiner Kehle kommt kein Laut, nur heiseres Schluchzen. Langsam erhebt er sich, sucht nach dem Hemd, kann es aber immer noch nicht anlegen, wird dadurch nur noch verzweifelter und wirft es schließlich wieder von sich, als sich die Türe, da er nicht antwortet, einfach so öffnet. Es ist die kleine Mogbarmagd die sie auch nach oben gebracht hat, ihren Namen kennt er nicht, aber er sieht den Ausdruck von Erschrecken in ihren Augen. Sieht wie sie ihn betrachtet und hätte sie am liebsten mit Schwung aus dem Zimmer verbannt. In diesem Moment stirbt sein letztes bisschen Stolz und Tiuri glaubt nicht, dass es noch schlimmer werden kann, aber es kann, denn hinter der Mogbar steht Faraday und sieht ihn aus fiebrigen Augen an.
Tiuri dreht sich um, als ihm einfällt, dass das auch nichts ändert, er hat vermieden, ein ganzes Jahr lang, dass ihn jemand so sieht, aber jetzt kann er gar nichts tun und sie verschwinden einfach nicht. Flach und schnell atmend bückt er sich noch einmal nach seinem Hemd, versucht es über den Kopf zu streifen und fährt dann schließlich mit einer Hand hinein, bleibt hängen und reißt den Pfeilstiel ein Stück nach oben. Sofort beginnt das Blut von neuem aus ihm hinaus zu rinnen und er wirft einfach alles was ihm an Würde bleibt über Bord und schaut Faraday bittend an.
„Hilf mir, bitte!“ Seine Stimme ist rau und sehr leise, aber er stottert nicht. Sie kommt langsam näher, er will einen Arm nach ihr ausstrecken, hängt aber völlig in dem Leinenstoff fest. „Es tut mir leid, alles… tut mir so leid, verzeih mir!“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aurian am 03. Feb. 2005, 09:37 Uhr
In einer Kammer der Harfe, nahe Borgils Gemächern


Aurian hat keine Ahnung, wie lange sie in dem Zuber gelegen hat, während die Mogbar sie von all dem Dreck und Gestank zu befreien sucht, der ihr anhaftet. Mit sanften Bewegungen massiert sie die Kopfhaut des Mädchens, um auch die schwarze Mähne vom Blut und all dem anderen zu reinigen. Die Magierin ist vollkommen teilnahmslos. Wie eine willenlose Puppe lässt sie sich schließlich wieder auf die Beine stellen, trocken rubbeln und in ein weißes Leinenkleid stecken. Ihre noch feuchten Harre werden mit einem Kamm bearbeitet und anschließend zu einem dicken Zopf geflochten. Wie ein Schlafwandlerin folgt sie der Frau in das angrenzende Zimmer, sich instinktiv an der Wand abstützend um zu verhindern, dass ihr verletztes Bein ihr den Dienst versagt. Dann befindet sie sich in einem Bett, sauber und weich. Und sie ist allein. Die Magd hat den Raum wieder verlassen, wohl um sich auch um die anderen zu kümmern. gedämpfte Stimmen dringen von draußen an ihr Ohr und durch das Fenster scheint der Mond herein, halb verdeckt von einer mächtigen Wolke, der er das kleine Fenster abgetrotzt hat.

Doch all das sieht das Mädchen nicht, nicht wirklich. Ihr Blick ist starr an die Decke gerichtet, doch sieht sie nicht die Holzstreben des Zimmers, sonder immer wieder all die Szenen der vergangenen Tage und Wochen. Immer wieder die Fratze ihre Peinigers und sie vermeint sogar den Geruch von Rum und Abwässern in der Nase zu haben. Die Betäubung der Prellungen lässt immer weiter nach und jede Faser ihres Körpers erinnert sie an seine ‚Gastfreundschaft’. Was hast du mir angetan? Wie konntest du nur, warum ich, warum konnte ich da unten nicht einfach sterben? Sterben, so wie der Nordmann und jene unbekannte Frau, wegen der sie eigentlich in die Kanalisation hinabgestiegen waren. Sie sind tot und du bist schuld! Hättest du nicht die Höhle zum Einsturz gebracht. Du und deine verdammte Magie, ohne die wärst du nicht hier, wäre das am Strand nicht passiert, wärst du dieser Bestie nie in die Hände gefallen! Ein Schauer rinnt ihr über den Körper. Sein Bild drängt sich wieder in den Vordergrund, dieses lüsterne Grinsen und erneut vermeint sie, wieder seine Hände zu spüren. Wie eine kleine Katze rollt sie sich zusammen und ihre Augen fixieren das Fensterkreuz und die Wolken dahinter, die den Mond nun wieder vollkommen verdecken. Ich habe ihn umgebracht! Und ich habe es genossen! Diese Erkenntnis schockt sie noch weiter. Die Worte Caewlins kommen ihr wieder in den Sinn > Tu es und es wird dich erleichtern. Aber es wird ihn nicht aus deinen Gedanken vertreiben < Wie recht er doch hatte. Für den Moment war es eine Erleichterung, hatte sie sich an seinen Qualen geweidet. Doch nun sind die Leere und der Schmerz zurück, beinahe stärker als zuvor.

Wie gerne würde sie ihren Schmerz herauslassen, schreien, toben, weinen. Doch sie hat keine Tränen und für alles andere ist sie zu schwach und zu erschöpft. Doch der Schlaf kommt nicht und immer wieder, immer wenn sie die Augen schließt, sieht sie das Bild vor sich, das Bild des Mannes, der in einer magischen Fackel verglüht. Und sie vermeint seine Todesschreie zu hören und jenen Satz, den er ihr vor seinem Tod, vor Schmerz schon wahnsinnig, entgegen geworfen hat > Töte mich aber ein Teil von mir wird immer in dir sein.< Sie versteht nicht, was er damit sagen wollte, doch sie wird den Gedanken nicht los, dass dieser Satz etwas zu bedeuten hat. So starrt sie nur zum Fenster hinaus, die grünen Augen dunkel von Schmerz und Verzweiflung.  

Titel: in einem der Gästezimmer
Beitrag von Fiss am 03. Feb. 2005, 11:09 Uhr
Fiss wacht auf, draußen dämmert es gerade, Gelia wälzt sich neben ihr unruhig im Bett herum, schläft jedoch scheinbar noch fest. Fiss wird es zu eng und langweilig ist ihr auch schnell, deshalb steht sie auf und klettert über Gelia hinüber, was sich als alles andere als einfach gestaltet, wie sie schnell feststellt. Einmal, als Gelia sich umdreht, wäre sie fast auf sie gefallen, doch sie kann sich gerade noch halten und schafft es dann doch.

Sie hebt ihre Kleider auf, die auf dem Boden herumliegen und noch etwas feucht sind, zumindest teilweise. Doch das stört Fiss nicht wirklich. Ihr Nachthemd lässt sie einfach auf den Boden fallen, dann wirft sie sich ihren Umhang über und schlüpft in die Stiefel, bevor sie den Raum vrlässt. Gelia schläft noch immer. Fiss hatte sich noch ein Stückchen Brot genommen, was noch übrig gewesen war, jetzt läuft sie fröhlich lachend durch den Schankraum der goldenen Harfe hindurch, in dem auch um dieses Uhrzeit schon Menschen sitzen und Essen. Doch Fiss schenkt ihnen kaum einen Blick und stemmt mit etwas mühe die Holztür auf. Draußen ist es grau, es stehen überall Pfützen, aber es regnet nicht.

-> Straßen

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Calyra am 03. Feb. 2005, 16:03 Uhr
In Borgils Gemächern



>Caewlin und Raven... sie sind dort unten zurückgeblieben. Sie kamen nicht raus.< "Nein... nein!" Fassungslos starrt sie den Zwergen an und spürt, wie sich eine eiskalte Faust um ihr flatterndes Herz legt. >Sie sind... sie sind... tot.< Einen Moment lang spürt Calyra eine entsetzliche Schwäche in ihren Beinen und hat das Gefühl, zu fallen - tief zu fallen. Aber sie fällt nicht, sie steht nur da wie gelähmt. Selbst ihr Gesicht ist erstarrt - nur ihre Augen huschen hin und her, suchen verzweifelt nach einem Ausweg, den es nicht gibt. Tot? Caewlin tot? Nein, niemals. Niemals! Ihr wird schlecht vor Angst, so übel, daß sie mit sich kämpfen muß, um sich nicht auf der Stelle zu übergeben. Sie spürt Crons Hand an ihrem Arm, spürt das Mitgefühl des Zwergen, hört vage, wie Niniane zu ihnen kommt und kann nicht mehr atmen. Ihre Kehle ist völlig zugeschnürt, ihre protestierenden Lungen weigern sich schlicht, ihren Dienst zu tun und ihr Magen hat sich in Säure verwandelt. Noch nie zuvor in ihrem Leben hatte sie soviel Angst, soviel namenloses Entsetzen... aber genauso schockartig, wie Eiskälte und Verzweiflung sie erfaßt haben, fällt alles von ihr ab. Sie lauscht in ihr Inneres, hört ihr eigenes Herz dröhnen und pochen, und spürt nichts als Gewißheit, eine tröstliche, unerschütterliche Wärme in ihrer Brust.

>Sie wurden verschüttet. Verschüttet.< Ihre Gedanken rasen. Verschüttet. Verschüttet bedeutet nicht tot. Sie sind am Leben, irgendwo dort unten, und sie brauchen Hilfe. Ich weiß es. Ich weiß es. Caewlin lebt. Ich weiß, daß er lebt. Und wenn er lebt, lebt Raven auch und Whytfisk ist tot.
"Nein," einen Moment lang ist ihre Stimme nicht mehr als ein würgendes Flüstern, aber dann wird sie klarer und die Gewißheißt wächst. Das Entsetzen auf ihrem Gesicht wandelt sich in wilde Entschlossenheit. "Nein. Sie sind nicht tot. Sie sind nicht tot. Ich weiß es, ich kann es spüren. Sie sind vielleicht verschüttet, aber sie sind noch am Leben." Und ich finde sie. Ich finde Caewlin, ich habe ihn schon einmal gefunden. Panisch dreht sie sich einmal um sich selbst und ihre Röcke rascheln laut in der Stille. Brynden hinter ihr beginnt zu weinen - dann bedeutet sie Akira mit einer knappen Handbewegung bei ihm zu bleiben, schlüpft an Cron und einer Magd, die einen Kessel mit Wasser und einen kleinen Berg Verbandslinnen hereinschleppt, vorbei und rennt hinaus in die Kälte, wo die anbrechende Dämmerung eben einen perlgrauen Schimmer über den östlichen Himmel schickt.

Kälte und sanftes Schneetreiben umfangen sie. "Götter," krächzt sie. Ihr Herz pocht. In der Kälte des anbrechenden Morgens verläßt sie die plötzliche Wut, die sie gepackt hatte und an ihre Stelle tritt nun das unerträgliche Gewicht ihres Verlustes. "Caewlin." Sie taumelt aus dem Harfengarten und versucht blinzelnd die Tränen zurückzuhalten, kann einen Moment nicht mehr denken, nicht einmal atmen. Nein. Nein, er ist nicht tot! Wenn er tot wäre, dann wüsste ich es. So schnell ihre ungehorsamen Beinen sie tragen, hastet sie über den Marktplatz davon in die schneeverwehte Dämmerung und zwingt sich, nicht daran zu denken, wie ihre Chancen stehen – zum Seehaus, das ist ihr einziger Gedanke. Sie braucht Ausrüstung, Fackeln, ihr Schwert, Proviant, Wasser. Sie ist schon einmal ganz allein in die Unterstadt und die Kanäle hinabgestiegen, um Caewlin zu finden, sie kann es wieder tun. Ihr ganzer Wille und all ihre Kraft richtet sich nur noch auf ein einziges Ziel und sie verschwendet keinen Gedanken mehr an Zweifel oder Angst. Die Straße vom Marktplatz Talyras hinab zum Seeviertel ist breit und gut gepflastert. Zwischen der Harfe und der Stadthalle hindurch führt sie in sanftem Bogen bis zum Ufer des Ildorel und im Sommer kann man an schönen Tagen selbst vom Marktplatz aus das Wasser sehen - ein grünblaues Band, das sich bis zum Horizont dehnt und irgendwo fern im Osten mit dem Himmel verschmilzt. Jetzt liegt alles jenseits der letzten Häuser in diffusem Dämmerlicht verborgen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Faraday am 03. Feb. 2005, 16:34 Uhr
In einem der Zimmer

Faradays letzte Worte ersticken in einem Schluchzen, das ihren Körper inmitten des wohlig warmen, duftenden Bades beben lässt. Jen. Sie sieht den Pfeil vor sich, der in seiner Seite gesteckt hat und dessen Schaft sie selbst abgebrochen hat, damit er ihm nicht noch mehr Schmerzen bereitet. Sie schlägt die Hände vors Gesicht als könne sie dadurch die Bilder abwenden, die sie immerzu vor sich sieht, den Schrecken, das Blut, die vielen Toten. Und über allem thronen hässlich grinsend und mit glühenden, hasserfüllten Augen die Rattenwesen, diese schrecklichen Monster, die sie wahrscheinlich nie mehr würden ruhig schlafen lassen. Eine Hand streicht ihr beruhigend über den nassen Schopf und Faraday lässt es geschehen. Die Mogbarfrau lässt die junge Frau weinen und allein ihre tröstliche Gegenwart beruhigt Faraday so weit, dass sie sich schließlich beruhigt, endlich zu begreifen beginnt, dass es vorbei ist, dass die Wände um sie herum zu einer sicheren Taverne gehören und nicht die unterirdischen Mauern eines stinkenden Gefängnisses sind.

Noch immer zitternd steigt sie dann mit Hilfe der Magd aus dem warmen Wasser des Zubers und lässt sich sich gründlich trockenreiben. Faraday spürt das Blut prickelnd in ihre klammen Finger zurückkehren, ihr ist leicht schwindelig ist von der Hitze des Bades. Wenigstens ist sie nun äusserlich so rosig und sauber wie schon lange nicht mehr, aber ihre Knie sind weich wie Butter in der Sonne. Sie sehnt sich danach sich hinzulegen und zu schlafen, jeden Gedanken aus ihrem Kopf zu verbannen, aber immer wieder geistert ihr der Junge durch den Kopf. Die Mogbarmagd drückt ihr schließlich Kleidung in die Hand, eine - natürlich - viel zu weite Tunika und wollene Beinkleider, die Faraday eilig anlegt, weil sie sich so nackt vor der Trollenfrau auf einmal ganz und gar zu schämen beginnt, um so mehr sich die Benommenheit von ihrem Verstand entfernt.

In der sauberen Kleidung lässt sich Faraday dann aus dem Zimmer hinausführen und über den Gang hin zu einem anderen Raum. Bis auf das leise Rauschen in ihren Ohren ist es ruhig in der Goldenen Harfe, tiefe Nacht, und Faraday hat keine Ahnung, wie lang es noch dunkel sein würde. Die Magd öffnet eine Tür und endlich, endlich sieht sie Jen. Der Junge zieht sich hastig ein Hemd über den dürren Oberkörper, aber nicht schnell genug, als dass Faraday voller Schrecken sehen kann, dass der Pfeil noch immer in seiner Seite steckt.

"Hilf mir, bitte!“

Er wirkt so hilflos und verzweifelt wie ein neugeborenes Tier, das die Mutter verloren hat. Faradays Magen krampft sich zusammen bei seinem jämmerlichen Anblick und bei den Schmerzen, die der Pfeil ihm verursachen muß. Mit wenigen Schritten ist sie bei ihm, nimmt seine Hände in die ihren und blickt ihn fest an. "'s is' schon gut. Wir sind hier und nichts wird uns hier passier'n, hörst du? Und wann", fährt sie zu der Magd herum, "wird sich jemand um den Pfeil da kümmern? Is' denn niemand da, der helfen kann?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Niniane am 03. Feb. 2005, 17:53 Uhr
In Borgils Privatgemächern


Niniane streckt die Arme noch aus, um Calyra zurückzuhalten, doch die Bardin ist flink wie ein vorbeihuschendes Reh und schlüpft durch die Tür hinaus, noch ehe sie sie zu fassen bekommt. "Calyra! Verdammt! Bleib hier!" Angst flattert in ihr wie ein eingesperrtes Tier. Verdammt! Sie streckt ihre Hand nach Cron aus, spürt seine Wärme tröstlich unter ihren Fingern. Dann sucht sie seinen Blick, findet Verwirrung, Schmerz, Trauer, Sorge... alles zugleich. "Cron!" Drängt sie und wischt sich mit der freien Hand über ihre Augen. Daß sie selbst weint und wie naß ihre Wangen sind, bemerkt sie erst jetzt. "Halt sie auf! Um der Götter Liebe Willen, Cron... geh ihr nach, schnell! Du mußt sie aufhalten, was immer sie vorhat. Bitte..." Ihre Finger krallen sich fest in seine Haut. "Pass auf, dass sie nichts Dummes tut. Ich habe Caewlin versprochen, dass wir auf sie achten." Sie nimmt ihm Shaerela ab, setzt sie auf ihre Hüften und streckt den freien Arm nach Brynden aus, der an der verschlossenen Tür nach seiner Mutter weint. "MAMAMAMAMAM..." "Komm her, Kleiner. Schschsch, deine Mama ist ein bißchen aufgeregt. Cron hier geht ihr nach und bringt sie gleich zurück. Nein, Schätzchen, nicht weinen. Komm..." "MAMA... MAM... A... MAMA!" Brynden läßt sich kaum beruhigen. Den grollenden Bluthund sacht beiseite schiebend zieht sie Caewlins kleinen Sohn an sich, während Cron nur nickt, wie in Trance tief Luft holt und dann Calyra hinterhergeht.

Als die schwere Tür hinter ihm ins Schloß fällt, zuckt sie zusammen. Sei nicht albern! Wie weit kann sie schon gekommen sein? Er hat sie sicher bald eingeholt. Niniane führt Brynden am Arm zu einem freien Stuhl und muß den kräftigen kleinen Jungen dabei fast hinter sich herziehen, was ihr böse Blicke aus gelben Augen einbringt. "Sieh mich nicht so an, Akira, ich passe nur auf ihn auf." Ein wütender Bluthund ist das letzte, das sie jetzt noch gebrauchen kann, aber offenbar hat die Hündin ein Einsehen und läßt sie gewähren. Allerdings bewegt das riesenhafte Tier sich keinen Fingerbreit von Bryndens Seite, was es nicht gerade einfacher macht, ihn zu trösten, vor allem nicht, mit einem acht Monate alten Baby im Arm. Wenigstens ist Shaerela noch still, auch wenn ihre großen Kulleraugen schon verdächtig blank schimmern und sie ihr kleines Gesicht dicht an Ninianes Hals vergräbt. Es fehlt nicht mehr viel und auch sie würde losjammern. Hervorragend. Zwei heulende Kinder. Phelan stirbt, Calyra rennt kopflos davon, Raven und Caewlin sind... nein... nein... nein! Einen Moment lang fürchtet sie, den Verstand zu verlieren, aber dann presst sie die Lippen aufeinander. Reiß dich zusammen jetzt, Niniane! Sie zieht Brynden umständlich auf ihren Schoß, drückt seinen kleinen Kopf an ihre Brust und wiegt ihn sacht hin und her, während sie einen bitteren, verzweifelten Blick mit Borgil tauscht.

Morganas leises Schluchzen bei Phelan geht im Kindergeheul fast unter, aber wenigstens ist Schilama jetzt bei ihr und die Magd Borgils, die Calyra bei ihrer Flucht fast umgerannt hatte, hat heißes Wasser und reines Leinen gebracht. "Schilama... wenn Morgana... wenn Morgana sich ein wenig gefangen hat, würdet Ihr nach oben gehen und nach den anderen sehen? Da sind noch mehr Verletzte. Inzwischen dürften sie sauber sein, so daß man sich ihre Wunden ansehen kann. Eine Magd soll Euch den Weg zu ihnen zeigen." Hört sie sich selbst sagen, auch wenn ihre Stimme so teilnahmslos und dumpf klingt, als spräche sie wie im Traum. "Borgil, schenk mir etwas zu Trinken ein. Etwas Starkes... wenn du kannst," fügt sie mit einem traurigen Blick auf die schwarzblaue Seite des Zwerges hinzu. Calyras verzweifelte Worte hallen und hallen zwischen ihren Ohren wie eine Beschwörungsformel: Nein. Sie sind nicht tot. Sie sind nicht tot. Ich weiß es, ich kann es spüren. Sie sind vielleicht verschüttet, aber sie sind noch am Leben. "Kannst du... mir erzählen, was passiert ist? Caewlin und Raven... wie sind sie verschüttet? Wo? Kann man zu ihnen gelangen? Können sie noch am Leben sein?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Morgana am 03. Feb. 2005, 21:06 Uhr
Heisse Tränen rinnen über Morganas Wangen, lassen alles verschwimmen was sie macht und trotzdem hört sie nicht auf verzweifelt an der Kleidung von Phelan herum zu schneiden. Jeder noch so kleine Schnitt, bringt blaugrünlich schimmernde Haut zu Tage, der ganze Körper des Waldläufers scheint aus einer einzigen Prellung zu bestehen. Morgana sieht die schwache Aura, die ihren Gefährten umgibt, dieunerbittlich flackert  und mit jedem rasselnden Atemzug schwächer wird. Morgana sieht es, weiss was es bedeutet, aber sie will es nicht sehen, ignoriert es einfach.Ich bin Heilerin! Ich kann helfen, ich kann es! Wenn ich nur will. Du stirbst mir nicht unter meinen Händen weg, nicht so! Hast du gehört, nicht so Phelan!

Sanft legt sich Ninianes Hand um ihren Arm, der den Dolch hält und unterbricht Morganas Arbeit. Die Stimme von Niniane ist weit weg und dringt wie durch einen riesigen Berg Watte zu ihr. Morgana hört die Worte, will sie aber nicht verstehen. Sie will Niniane anschreien, dass sie unrecht hat, dass es nicht stimmt, dass er nicht sterben kann. Aber sie bleibt stumm, sieht in das Gesicht des Halbelben und weiss, dass Niniane recht hat. Die Erkenntnis trifft sie abermals wie ein Guss eiskaltes Wasser und ihre Hände beginnen so zu zittern, dass Niniane nicht mehr viel Mühe hat, ihr den Dolch aus den Fingern zu winden, den sie bisher wie einen Rettungsanker umklammert hat. Übelkeit steigt in ihr auf, doch der Kloss, der sich in Morganas Hals gebildet hat, lässt sie nicht würgen.

Plötzlich scheint ihr Körper keine Muskeln mehr zu haben und sie sackt zusammen und spürt die beruhigenden Hände von Niniane auf ihrem Rücken. Tränen rinnen ihr übers Gesicht und sie kann das schluchzen nicht mehr unterdrücken, alles scheint sich in Auflösung zu befinden, nichts mehr an seinem Platz zu sein. Dass Schilama zu ihnen gekommen ist, registriert Morgana nicht, dass einzige woran sie denken kann ist der sterbende Waldläufer vor ihr, und dass noch so viel Ungesagtes zwischen ihnen steht. Die ganzen Worte, die sie ihm sagen wollte und es nach dem Streit nicht mehr konnte, weil er gegangen war, und jetzt soll er sterben. Ninianes Worte dringen bis in ihr Bewusstsein und Morgana weiss, dass Niniane recht hat, und dass sie ihm das Sterben so erträglich wie möglich machen sollte. Niniane steht auf, was im Raum dann geschieht ist Morgana nicht bewusst, sie versucht ihre eigenen Gefühle soweit unter Kontrolle zu bekommen, damit sie Phelan helfen kann. Reiss dich zusammen Morgana! Wie willst du ihm helfen, wenn du hier wie ein Häufchen Elend sitzt und  keinen Finger krümmen kannst.

Aber so sehr die Heilerin auch versucht den Kloss im Hals hinunter zu schlucken und die Tränen versiegen zu lassen, es will ihr nicht gelingen. <Schilama... wenn Morgana... wenn Morgana sich ein wenig gefangen hat, würdet Ihr nach oben gehen und nach den anderen sehen? > Die Worte von Niniane dringen klar und deutlich in Morganas Ohren und reissen sie endlich aus der Lethargie. Mit immer noch zittrigen Fingern wischt sie sich die Tränen aus dem Gesicht und schmiert sich das ganze Geischt voll Blut. Die Tränen versiegen zwar nicht, aber nachdem sie ein paarmal tief Luft geholt hat, hat sie sich wieder so weit im Griff, dass sie leise und mit brüchiger Stimme zu Schilama sprechen kann."Geh und kümmer dich um die anderen, ich schaffe das hier schon." Schilama sieht sie einen Moment zweifelnd an."Geh schon, die anderen brauchen auch Hilfe.". Eine Magd mit einem Kessel heissem Wasser und frischem Leinen kommt herein und Morgana winkt sie zu sich.

Mit zittrigen Fingern sucht Morgana in einem der Beutel, die Schilama mitgebracht hat, nach dem Mohnblumensaft und wird fast wütend, als sie die Phiole nicht sofort findet.Faeyris hilf mir, hilf ihm! Hilf mir das durchzustehen, hilf mir ihm zu helfen, so gut ich kann, bitte hilf uns allen! Endlich spürt sie das kalte Glas der Phiole unter ihren Fingern und zieht es aus dem Beutel. Die Lippen des Wladläufers sind leicht geöffnet und der schwache Atem ist rasselnd zu hören, kleine rotgefärbte Luftbläschen bilden sich im Mundwinkel und zerplatzen. Bei dem Anblick setzt Morganas Herz erneut einen Schlag aus und sie muss tief Luft holen ehe sie ihre Hand wieder soweit unter Kontrollehat, dass sie die Phiole ohne die Hälfte zu verschütten an die Lippen von Phelan setzen kann. Die dunkle stark riechende Flüssigkeit rinnt zäh aus der Phiole und zuerst hat Morgana Angst Phelan würde sie nicht schlucken, doch dann bewegt er reflxartig seine Kehle und die schmerzlindernde Flüssigkeit findet ihren Weg. Erleichtert atmet Morgana auf und lässt Phelan so die Hälfte der Phiole trinken.

Morgana verschliesst die Phiole wieder und betet erneut zu Faeyris, dass der Mohnblumensaft schnell wirken wird. Nachdem sie die Phiole in Reichweite abgestellt hat, beginnt Morgana damit vorsichtig und sanft die Wunden soweit es geht zu reinigen und zu verbinden. Die ganze Zeit spricht sie leise mit Phelan. Erzählt ihm was in der Kate geschehen ist, seit er weggegangen ist, wie sehr sie ihn vermisst hat, wie oft sie sich gewünscht hatte, er wäre wieder da, würde mit ihr reden und ihr beistehen in schwierigen Situationen. Sie erzählt, wie sehr ihr der Streit leid getan hat. und dass sie ihre Worte nie so gemeint hatte. Ihr Worte werden immer wieder von kurzen Stossgebeten unterbrochen, wenn sie eine neue Wunde entdeckt, und sie hören ganz auf, als sie feststellt, dass fast alle seine Rippen gebrochen sind, zertrümmert, als hätte ein Riese einen Felsbrocken auf ihn fallen lassen. Je mehr Wunden und Verletzungen sie entdeckt um so klarer wird ihr, wie sinnlos ihre ganzen Bemühungen sind und die Verzweiflung in ihr scheint wieder Überhand zu nehmen. Tränen rinnen erneut verstärkt über ihre blutverschmierten Wangen und sie hört mit zitternden Fingern auf, die kleinen längst nicht mehr blutenden Wunden zu versorgen. Der zerfetze Unterarm ist soweit verbunden, dass auch er aufgehört hat zu bluten. Nur aus dem grossen Schnitt rinnt noch unablässig ein kleines Rinnsal Blut, welches sie nicht gestoppt bekommt.Es ist zwecklos, es hat alles keinen Sinn mehr.Faeyris warum er, warum er? Die anderen haben es doch auch überlebt, warum ausgerechnet er? Das Caewlin und Raven vermutlich auch tot sind, das Calyra fluchtartig den Raum verlassen hat, davon hat Morgana rein gar nichts mitbekommen. Es ist alles getan was sie für Phelan tun könnte und so sitzt sie, mit im Schoss liegenden Händen, neben dem Waldläufer und betet das er noch einmal aufwachen würde und der Mohnblumensaft endlich seine Wirkung zeigt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 03. Feb. 2005, 22:13 Uhr
Mit wenigen Schritten ist Faraday neben ihm, sie nimmt seine Hand in ihre und mit einem Griff zieht sie das Hemd nach unten, so dass er wenigstens den rechten Arm wieder frei bewegen kann. Der Linke steckt immer noch unter dem Hemd, der Ärmel hängt dabei einfach ohne Inhalt in der Luft herum. Tiuris Blick hängt allein auf Faradays Gesicht, das zu seiner Erleichterung keine Regung darüber zeigt wie weit die Brandnarben seinen Körper bedecken und er konzentriert sich ganz und gar auf ihre Stimme, die ohnehin immer sanft und leise ist, aber heute rauscht ihm das Blut so in den Ohren, er hat das Gefühl sie kaum hören zu können und gleichzeitig aber als wäre ihre Stimme der weichste und angenehmste Klang gleichzeitig. Auch ihre Worte sind beruhigend. Sie sagt ihm, dass nichts passieren wird, dass sie in Sicherheit sind.
Sicher… wir schon… Phelan, stirbt…
Dankbar greift er nach ihrer Hand und hält sie fest, schon allein deswegen weil er schwankt wenn er versucht länger gerade und aufrecht zu stehen, als hätte er lange keine ruhige Minute mehr gehabt und das Stehen schon verlernt. Sein Kopf dröhnt noch und das Wasser aus seinen Haaren, die bei der Katzenwäsche nicht richtig sauber geworden sind, malt nasse Spuren über sein Gesicht, das er wohl gewaschen hat, aber doch ist es nicht wirklich sauber geworden. Irgendwie hat er die Kraft sich wirklich zu waschen nicht aufbringen können, aber es fällt ihm gar nicht auf, dass das Wasser das an ihm hinunter rinnt nicht klar ist, sondern immer noch eine leicht grau bräunliche Färbung aufweist. In seinem Haar klebt immer noch Blut, von dem Tiuri nicht einmal weiß wie es dort hingekommen ist, aber dass er einen Stein auf den Kopf bekommen hat ist möglich, oder dass er mit der blutigen Hand durch die braunen Strähnen gefahren ist.
Faraday fragt die Mogbarmagd ob denn niemand da ist der den Pfeil entfernen könnte und in dem Jungen krampft sich alles innerlich zusammen.
Entfernen?? Jetzt?
Mit einer gehobenen Hand versucht er Faraday zu beschwichtigen und zu beschwören nicht weiter zu reden, dass man ihm den Pfeil aus der Seite reißen würde ist nichts was er unbedingt schnell durchziehen möchte.
„Vielleicht kann der einfach bleiben wo er ist und fällt… irgendwann von selbst heraus!“
Er weiß auch, dass er Unsinn redet, aber Erschöpfte sind nicht rational und logisch. Tiuri selbst war noch nie logisch, ausgeschmückte Geschichten sind seine Spezialität, Glaubwürdigkeit bleibt dabei oftmals auf der Strecke. In diesem Moment kann er sich einfach nicht vorstellen, dass es besser sein soll den Pfeil zu entfernen, wo ihm doch schon die leichteste Berührung Schmerzen verursacht.
Vielleicht hören sie auf, wenn man es ignoriert!
Das Ignorieren gestaltet sich aber durchaus als schwierig, denn es ist ihm als würde der Pfeil langsam an Gewicht und Größe zunehmen, sich immer noch weiter in sein Inneres bohren und wenn das so weiter geht, irgendwann auf der anderen Seite wieder heraus kommen.

Der Blick den Faraday ihm zuwirft spricht Bände. Er will die Mundwinkel zu einem entschuldigenden Lächeln heben, aber es will einfach nicht funktionieren, ihm ist nicht nach lächeln und eigentlich auch nach sonst nicht. Mit einem Wunder wäre er in diesem Moment äußerst zufrieden, aber es fällt ihm keines auf den Kopf und so muss das Leben weiter gehen, auch wenn er nicht weiß wie er es auch nur die nächsten Minuten weiter meistern soll.
„Können wir uns hinsetzen, nur einen Moment!“
Rückwärts wankt er zum Bett und lässt sich vorsichtig darauf nieder, stöhnt leise auf vor Schmerz des gekrümmten Oberkörpers wegen und tastet vorsichtig nach seiner Ratte. Mit zitternder Hand hebt er sie zu sich nach oben und betrachtet sie unter halb geschlossenen Lidern. Er würde sie einfach nieder setzen, aber selbst die leichten Rattenfüßchen scheinen ihm so schwer wie fallende Fellbrocken zu sein. Er spürt nur an der Erschütterung des Bettes, dass sich Faraday neben ihn gesetzt hat, hochsehen braucht er dafür nicht. Seine Lippen sind nicht ganz geschlossen und noch immer kleben ein paar eingetrocknete Blutstropfen in der aufgesprungenen Haut. Sein Atem ist begleitet von einem leisen, monotonen Pfeifen, über das er sich keine Gedanken machen will. Eine andere Frage steckt tief in ihm und er wagt sie nicht zu stellen, weiß nicht was Faraday in Erfahrung gebracht hat und was sie ihm überhaupt beantworten kann. Die Magd hat das Zimmer längst verlassen und die Türe vorsichtig hinter sich geschlossen, die beiden jungen Leute in stiller Erschöpfung zurück gelassen.
Ein Husten erschüttert seinen Körper und Tiuri schließt kurz die Augen, beißt die Zähne zusammen und wendet sich dann doch an Faraday, auch wenn er Angst vor der Antwort hat.

„Weißt du etwas? Lebt er noch oder ist Phelan…?“ Er kann nicht weiter sprechen, die Gewissheit, dass der Waldläufer tot ist und er ihm kein Wort des Dankes und der Entschuldigung mehr sagen konnte sind zu groß, dass er sterben wird ist für Tiuri fast sicher, er hat gesehen wie Phelan aussieht, niemand kann das überleben.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Phelan am 03. Feb. 2005, 23:13 Uhr
In Borgils Privatgemächern


Alles ist rot, dunkel wie faulendes Laub. Alles warm und leicht wie ein Sommernachmittag, an dem es keine trüben Gedanken gibt. Phelan atmet den Duft des Waldes tief in seine Lungen ein. Auch wenn er ihn nicht sehen kann, so ahnt er doch, wo er ist. Tief im Larisgrün, seine Heimat, sein Leben. Es stört ihn nicht, dass da kein Körper ist, den er fühlen kann, dass da keine Bäume sind, die er berühren kann. Es genügt zu wissen, dass er an seinem Ziel angelangt ist und nie wieder würde fortgehen müssen. Mein Ziel? Mein Ziel... Schemenhaft und so langsam, dass der Übergang von dunkel zu hell kaum wahrzunehmen ist, taucht eine Lichtung aus dem dunklen Nebel auf. Schlanke, hohe Birken umsäumen den Platz wie stille, erhabene Wächter, die ihre edlen Häupter sacht im Wind neigen. Ganz so, als wollten sie den Ankömmling wohlwollend willkommen heißen. Zum ersten Mal seit diesem seltsamen Erwachen spürt Phelan das Gras unter seinen bloßen Füssen und ein erstaunter Blick hinab bestätigt ihm, dass er keine Stiefel trägt, obwohl er sich nicht errinnern kann, sie ausgezogen zu haben.

Ein helles Lachen lenkt ihn von der Idylle der Lichtung ab. Irgendwo zwischen den weißen Stämmen, eine Bewegung im dunklen Grün des Waldes. Phelan lächelt, er weiß, wer dort zwischen den Birken geht, denn er hat dieses Lachen schon unzählige Male gehört. Ein liebevolles Lächeln legt sich auf das Gesicht des Waldläufers, als er langsam durch das kniehohe, frühlingsgrüne Gras vorwärts geht. Noch nie zuvor hat er die Weichheit des moosigen Bodens so intensiv gespürt wie in diesem Moment, und auch, wenn er diese Lichtung kennt, wenn er schon oft hiergewesen ist, so ist etwas neu. Anders als früher, fremd und doch vertraut, auch wenn er nicht festmachen kann was es ist. Scheint es doch viele, viele Zwölfmonde her, seitdem er zuletzt hier war. Es fühlt sich einfach richtig an und das ist das Einzige, was jetzt zählt.

Das Knacken eines Zweigs kündet davon, dass der Junge hinter den Bäumen seine Deckung aufgegeben hat und aus dem Schatten auf die Lichtung tritt. Die Sonne zaubert kupferne Lichter auf sein langes Haar und das schmale, sonnengebräunte Gesicht. Eine altbekannte Wärme steigt in Phelan auf. Wie lange ist es her? Der Knabe, kaum fünfzehn Sommer alt, zeigt die Zähne in einem frechen Grinsen, während sein Vater still dort steht und darauf wartet, dass sein Sohn zu ihm kommt, dass er ihn endlich wieder in die Arme schließen kann. Aethling streckt die Hand aus und Phelan wundert sich kurz darüber, dass er durch Haut und Knochen das Gras darunter erkennen kann, so als sähe er den Grund eines vom Wind bewegten Sees. Aber die Finger fühlen sich fest und warm an, als sie seine eigene Hand umschließen. Phelan lässt sich von dem Jungen führen, denn nur so hat es seine Richtigkeit, bis sie die Mitte der Lichtung erreichen. Erst jetzt erkennt er, dass dort angehäufte Erde liegt. Ganz so, als hätte man hier jemanden begraben. Ein bunt schillernder Falter taumelt anmutig heran, lässt sich auf der frischen Erde nieder und setzt seinen Flug dann fort. Plötzlich weiß Phelan, wer in diesem Grab zu seinen Füßen liegt. Und doch stehst du hier und hälst meine Hand. Ist das ein Traum? Der Junge schüttelt kaum merklich den Kopf, und obwohl sein Gesicht so glatt ist wie der Ildorel an einem windstillen Tag, verändert sich der Ausdruck seiner Augen. Mit der freien, durchscheinenden Hand deutet er ein Stück voraus, auf ein zweites Grab mitten im dichten, hohen Gras. Es ist leer und die Erde ist daneben angehäuft, so als habe jemand die Schaufel weggelegt und seine Arbeit gerade beendet. "Wessen Grab ist das dort?"

Die Berührung der kindlichen Hand schwindet mit den Worten wie Nebel und hinterlässt einen kalten Hauch auf Phelans Haut. Der Junge bewegt sich von ihm fort ohne sich erkennbar zu bewegen, bis er den Rand des Waldes wieder erreicht hat und dort im Schatten der Bäume nur mehr zu erahnen ist. Phelan erkennt jetzt, dass Aethlings Füsse den Boden nicht berühren. Eine einzige glänzende Träne rinnt über die vergehende Wange, erreicht das Kinn, hält dort zitternd inne und verliert dann ihren Halt. Der Tropfen aus salziger Flüssigkeit fällt langsam wie der erste Schnee im Winter. Verwirrt wandert Phelans Blick zurück zu dem leeren Grab und wieder hin zu den Birken. Doch dort, wo gerade eben noch der Knabe stand, liegt nur eine weiße Mondblume auf dem Boden, ein silbrig schimmerndes, winziges Ding. "Es ist noch nicht an der Zeit... jetzt... noch... nicht."

Die Lichtung vergeht, ohne dass Phelan etwas dagegen tun kann und auf einmal ist es schrecklich kalt. Eisige Winde zerren an Haut und Haar und mit der Kälte kommt der Schmerz, eine tobende, brennende Hölle in Phelans Innerem. Der Sturm singt und jault und pfeift mit todbringender Stimme, so dass Phelan zuerst überhaupt nicht bemerkt, dass da noch etwas anderes ist. Obwohl die Schmerzen ihn beinahe verzehren erkennt er die leise Melodie, die so tröstlich in diesem Chaos mitschwingt. Eine Stimme, die ihm vertraut und doch so fremd erscheint, aber Phelan versteht ihre Worte nicht. Was er jedoch mit einem Mal weiß ist, dass er die Augen öffnen muß, um diesem Gefängnis und dem drohenden Wahnsinn zu entkommen. Aber seine Lider sind viel zu schwer, so dass es mehr als die Kraft eines Mannes zu brauchen scheint um sie zu öffnen und der Dunkelheit zu entkommen. Da ist etwas Kleines, Weiches in seiner Hand. So winzig, dass er mühelos die Faust darum schließen kann. Es ist die kleine Mondblume, die zwischen seinen Fingern so hell erstrahlt wie ein kleiner Stern, hell genug, um seine geschlossenen Lider zu durchdringen und ihn mit Wärme und genügend Kraft zu erfüllen, dass er das schafft, was ihm eben noch unmöglich erschien.


Und dann schlägt er die Augen auf.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 03. Feb. 2005, 23:48 Uhr
In der leeren, nächtlichen Schankstube


Borgil kann nur hilflos mit ansehen, wie Calyra vor ihm, seinen Worten und der bitteren Wahrheit flieht und der Nordmann ihr nachrennt. Niniane nimmt sich der weinenden Kinder an und er nickt nur müde auf ihre Bitte nach etwas Stärkendem. Er will gerade aufstehen, um eine Flasche Uisge aus seinem Schrank zu holen, als ein halberstickter Laut Morganas ihn zusammenfahren läßt... und anstatt den Alkohol und zwei Becher zu holen, wie er es eigentlich vorgehabt hat, nimmt er Niniane nur sanft am Arm und schiebt sie samt der Kinder und dem Bluthund voran hinaus. "Gehen wir äh... in die Schankstube hinüber." Niniane wirft einen teilnahmslosen Blick hinter sich, doch von Phelans Gesicht ist hinter Morganas schmalem Rücken nichts zu sehen und so folgt sie ihm, ein Kind auf die Hüften gestützt, das andere an der Hand. Wenigstens jammert Brynden nicht mehr ununterbrochen nach seiner Mutter. Armer Kleiner... dein Vater war ein großartiger Mann... war... ist... Götter... Borgil, du verlierst den Verstand! Die völlig leere Schankstube der Harfe hat, obwohl sie sauber und warm nach Kaminfeuer und mit Lavendel bestreuten frischgescheuerten Bodendielen riecht, wie jede menschenleere, dunkle, stille Schankstube etwas trostloses an sich. Wie passend... Borgil stapft um seine geliebte Theke, immer noch halbbekleidet, dreckig und unversorgt - aber das ist jetzt alles nicht wichtig. Du kommst noch früh genug in einen Zuber mit heißem Wasser und diese Heilergehilfin, diese Windelbin, die wird schon irgendwann Zeit für ein paar alte Zwergenrippen finden.

Er schenkt Niniane und sich selbst großzügig die Becher voller feinstem Uisge aus Cill Dara in Laigin, über achtzehn Jahresläufe alt, golden wie Kleehonig und mild wie Wein... und doch stark, so stark, daß Borgil augenblicklich die Wärme in seinem Inneren spürt. Irgendwann schüttelt er wortlos den Kopf. "Niniane... sie sind tot. Die halben alten Tunnel des unbenutzten Kanalsystems südöstlich der Unterstadt sind eingestürzt... völlig eingestürzt. Dort unten kamen... kamen Tonnen von massivem Fels und Stein herunter, da hat keine Ratte mehr überlebt," erklärt er schließlich stockend, doch er ist sich sicher - nie hätte er sich lieber getäuscht, als jetzt in diesem Augenblick. Aber Borgil hatte gesehen, wie die Wände der Honigwabe und die östlichen Tunnel alle eingestürzt waren, wie meterdicke Steinsäulen zu Staub pulverisiert wurden - und er ist ein Zwerg... mit Fels und Stein kennt er sich aus. Von der Krypta und einem noch tieferen Gewölbe, das solchem Druck möglicherweise standgehalten haben könnte, weiß und ahnt er ja nichts. Er nimmt an, Caewlin hatte Whytfisk und Raven irgendwo in den Tunneln östlich der Honigwabe gestellt - falls er ihn erreicht hatte. Und von denen, das weiß er, so sicher wie die Sonne jeden Morgen im Osten über dem Meer der Ruhe aufgeht, ist nichts mehr übrig. "Keine Möglichkeit, daß sie das überlebt haben, Niniane," endet er schließlich leise. "Es tut mir so leid. Ich würde gern etwas anderes sagen, aber... es ist die Wahrheit, bei den Göttern. Sie sind tot."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Morgana am 03. Feb. 2005, 23:49 Uhr
in Borgils Privaträumen

Irgendwas verändert sich und erst weiss Morgana nicht was es ist, noch immer redet sie mit Phelan, leise Worte, und noch immer rinnen Tränen aus ihren Augen. Das Zittern in ihr hat aufgehört, und wird von einem bangen Warten abgelöst. Ein Warten darauf, dass noch etwas geschieht, dass der Saft wirkt, dass Phelans Schmerzen vergehen. Ihr Blick wandert unstet zwischen ihren Händen, die in ihrem Schoss ruhen und die sie keinen fingerbreit bewegen kann, und dem Gesicht von Phelan hin und her. Und gerade als sie zu ihm sieht, bemerkt Morgana die Veränderung, Phelans Aura flackert nicht mehr so stark, sein Atem wird etwas ruhiger und seine Lider flackern leicht. Ihre Hand fühlt sich zentnerschwer an, als sie sie hebt und vorsichtig nach der Hand von Phelan greift, die regungslos, neben seinem Körper ruht.

Es dauert noch einen Moment und sie spührt einen leichten Druck und zuerst glaubt sie sich getäuscht zu haben, doch der Druck bleibt bestehen. Ihr Herz rast in ihrer Brust, schlägt laut gegen ihre Rippen und ihr Blick wandert weg von den Händen zurück zu Phelans Gesicht. Seine Gesichtszüge haben sich entspannt und seine Lider flackern."Schlag die Augen auf, min Elskan, bitte!" Ihre Worte sind nicht mehr als ein Flüstern und alle ihre Sinne konzentrieren sich nur auf diese eine Bitte. Sie selbst kann nicht senden, ihn so nicht erreichen, aber sie hofft, dass er sie hört. Phelans Lider flackern stärker, so als würde es ihn unendliche Mühe kosten sie zu heben.

Und dann schlägt er plötzlich die Augen auf und Morganas Herz beginnt zu stolpern. Sie würde ihm so gerne etwas sagen, all die Worte, die ihr eben noch problemlos über die Lippen gekommen sind, doch ihre Kehle ist wie zugeschnürt. Sie sieht nur in die fast schwarzen Augen des Halbelben, die sonst immer Wärme und Vertrauen ausgeströmt haben, und die jetzt mit flatterndem Blick ein Ziel suchen. Sie hebt die andere Hand, berührt leicht damit seine Wange, vorsichtig um ihm nicht weh zu tun. Ein kleines Lächeln huscht über ihr Gesicht, als sein Blick ihre Augen trifft und er sie ansieht. Noch immer kämpft sie um Worte, Was soll ich ihm sagen? Was? Das er im sterben liegt, das ich ihm nicht helfen kann.....Faeyris hilf mir!
Ihre Stimme ist leise als es ihr endlich gelingt ihre Zunge zu lösen und zu sprechen. "Phelan, du bist wach, kannst du mich hören? Du bist..." Ihre Stimme bricht und sie kriegt keinen Ton mehr heraus, Tränen laufen ihr wieder übers Gesicht, nehmen das Lächeln mit, das noch auf ihrem Gesicht gelegen hat.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Schilama am 04. Feb. 2005, 00:20 Uhr
In Borgils Privatgemächern/ In einem der Zimmer

Schilama kniet neben Morgana, wartet auf eine Antwort aber es scheint ihr so, als hätte die Heilerin ihre Frage nie gehört und es würde sie auch nicht im geringsten intressieren, was um sie herum passiert. Denn sie blickt die ganze Zeit nur geschockt auf Phelan. Im Hintgerund spielen sich Szenen ab, dessen Zusammenhänge Schilama nur zum Teil begreift, doch wie auch die Atmosphäre in diesemen Raum, spricht das Geschrei des kleinen Jungen eine eindeutige Sprache, als seine Mutter hinausrennt und ihn hier alleine lässt. Der Arme... Ninane schafft es, ihn mit Müh und Not zu beruhigen und etwas später kommt selbige auch zu ihr und Morgana. Auch wenn sie Ninanes Worten zustimmt, so zögert sie doch, denn ihr Pflichtgefühl die Verletzen zu versorgen ist zwar groß, aber nicht minder sich jetzt um die Heilerin zu kümmern. Als Morgana sich aber aus dem ersten Schock erholt hat und sie ebenfalls dazu auffordert, mustert sie ihre Freundin zwar nochmal besorgt, nickt dann aber und geht.

Nachdem sie das Zimmer verlassen hat, fragt sie eine Mogbar nach den Verletzten und ob es jemanden besonders schlimm erwischt hätte, worauf die Mogbar nur erwiedert, dass sie das nicht so genau sagen kann, aber in dem verletzten Jungen noch ein Pfeil steckt. Die Elbin nickt und bittet die Mogbar, sie als erstes zu ihm zu führen, was diese auch ohne zu Murren tut. Als sie in den Raum kommt, sieht sie als erstes eine Frau mit feuchten Haaren, die fürchterlich geschafft aussieht aber auch sauber ist. Dann gleitet ihr Blick zu dem Jungen, er ist abgebmagert, die Haare sind sowohl nass als auch schmutzig und sie meint Angst in seinem Augen zu sehen. Vor was ? ... ... Vor mir, dämmert es ihr nach einigen Augenblicken, denn den Blick kennt sie vom Feldlager und er ist ihr nur allzu gut in Erinnerung geblieben. Sie wendet sie sich kurz zur Mogbar und bittet sie leise darum, ein starken Wein, oder etwas in der Art zu holen und kaum hat sie das gesagt, ist die Mogbar auch aus dem Zimmer verschwunden.

Schilama geht zu den Zweien hinüber. "Darf ich mir das etwas genauer ansehen?", fragt sie, doch auch wenn es nicht in seinem Gesicht zu lesen ist, so hat sie das Gefühl als wolle er eher heftig den Kopf schütteln. "Keine Sorge, ich verspreche, dass ich noch nichts machen werde." Sie wartet nicht auf eine Antwort, es muss sowieso sein und so schaut sie sich sowohl die Pfeilwunde als auch den Pfeil selbst etwas genauer an. Ein ganz normaler Pfeil. Ich müsste ihn ohne große Probleme herausziehen können. Schilama holt eine Phiole aus der Tasche und gießt ein Teil des Inhaltes in einen Becher. "Trink das, es wird helfen." Der Blick der ihr der Junge zuwirft, lässt sie ahnen was er davon hält. "Es nimmt die Schmerzen und zwar nicht für immer", scherzt sie, doch wenn sie ihn ansieht, glaubt sie nicht, dass es viel geholfen hat. "Also gut, ich sag dir eins: Ich werde den Pfeil herausholen, ob du das hier trinkst oder nicht. Aber es wäre sowohl für uns", schließt sie die junge Frau mit ein, "als auch für dich um einiges angenehmer, wenn du es tust."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Antyr am 04. Feb. 2005, 00:25 Uhr
Mittags in der Harfe

Die drei sind schon fast beim Harfengarten angekommen, und Aingeal antwortet ihm: >Sie arbeitete im Dienst der Liebe, der körperlichen...< und sie hält seinem fragenden Blick stand. Antyr kann nicht leugnen, dass er über ihre Aussage etwas erschrocken ist, hätte er doch mit allem gerechnet aber nicht damit. Es geht ihn ja auch eigentlich nichts an, aber dass dieses Mädchen die Tochter einer Hure ist und sie nicht glücklich darüber ist, tut ihm sehr Leid.
Er wünscht sich auch, vielleicht doch nicht weiter nachgefragt zu haben, und nun öffnet er kurz den Mund und will etwas sagen, doch er bringt nichts hervor. "Ich...das....tut mir Leid, ich sollte nicht so neugierig sein." Entschuldigend blickt er Aingeal an, als Roana auch schon sagt dass sie bei der Goldenen Harfe angelangt sind. "Ja lasst uns weitergehen," murmelt er verstört und so gehen sie los, um die Harfe zu betreten. Drinnen ist es gut besucht, doch es sind noch genügend Tische frei. Antyr wartet dass die beiden Mädchen durch die Tür sind und zeigt dann in Richtung Sitzgelegenheiten. "Setzt Euch doch gleich,..."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 04. Feb. 2005, 01:14 Uhr
In einer Kammer


Noch ehe Faraday antworten kann öffnet sich die Türe schon wieder. Erst fällt es Tiuri schwer den Blick gerade auf die Frau zu richten die den Raum betritt. Sie ist ihm völlig fremd wie alle Leute dieser Stadt, aber er ahnt schon, dass es sich hier um die Heilerin handeln muss nach der Faraday die Magd geschickt hat. Eine Unruhe steigt in ihm auf und flackert kurz durch seine Augen, die Tatsache, dass sie hier her kommt bedeutet, dass es Zeit ist ihre Wunden zu versorgen, seine und Faradays.
Die Angst davor, dass sie ihm den Pfeil jetzt gleich im nächsten Moment heraus ziehen würde, steigt langsam und stetig in ihm hoch, brodelt vor sich hin und kocht nur deswegen nicht zu einer vollen Panik auf, weil er gar keine Kraft dafür hat. Sie lässt sich nicht davon beirren, dass die beiden auf dem Bett lehnen als wären sie nicht mehr als leblose Hüllen, Stoffpuppen eines Kindes, achtlos weggeworfen.
Genauso fühlt sich Tiuri im Moment, achtlos in den Dreck geworfen und von einem Fuhrwerk überfahren. Die Heilerin tritt schließlich an das Bett und Tiuri kann und will keinen Versuch unternehmen sich irgendwie so zu drehen, dass sie besser an den Pfeil greifen kann. Misstrauisch sieht er ihr in die grünen Augen und wagt den Blick nicht für einen Moment abschweifen zu lassen, obwohl er dem ihren aus irgendeinem Grund nicht standhalten kann. Er möchte zu Faraday sehen, aber er hat Angst, dass die Heilerin einfach an dem Holzstück anziehen wird wenn er einen Moment nicht aufpasst.
Aber erst passiert einmal gar nichts und sie fragt ob sie sich die Wunde denn ansehen dürfe. Tiuris Hand krallt sich um sein Hemd und hält es krampfhaft an seinem Platz, auch wenn es einen seltsamen Hügel über den Pfeil bildet.
Er will nicht, dass sie an ihm herum tastet, ihm damit noch mehr Schmerzen zufügt, ihn ansieht, sieht, dass er entstellt ist und ihm dann ihr erschreckter Blick noch den Todesstoß versetzt. Sicher gibt es eine Möglichkeit, dass der Pfeil an Ort und Stelle bleibt, ohne dass er dort eine Gefahr für ihn bedeutet, der Pfeil könnte einfach ein Teil von ihm werden. Der Junge ist fest entschlossen sie nicht an seine Haut zu lassen, aber ohne auf eine Antwort zu warten schiebt sie sein Hemd in die Höhe und sieht sich die Wunde an. Der Stoff ist ihm einfach aus den Fingern geglitten, obwohl er es gewollt hat, hat er ihn nicht fest halten können. Ihren Blick kann er nicht sehen und nun wagt er es nicht zu Faraday zu blicken, er will keine Blicke sehen, von niemandem, er will kein Mitleid, er will, dass diese Schmerzen endlich ein Ende haben.
Die Heilerin gießt aus einer Phiole eine Flüssigkeit in einen Becher und fordert ihn auf das zu trinken. Es sieht widerlich und zähflüssig aus und schon allein bei dem Gedanken daran das zu schlucken wird Tiuri übel. Doch die Tatsache, dass die Heilerin diesen Pfeil heraus holen will, ob er den seltsamen Saft nun trinkt oder nicht, lässt in ihm leise Bedenken erwachen, ob es nicht doch besser wäre, zu tun was sie von ihm verlangt.
Für mich besser und für sie,… und für Faraday, warum? Keine Schmerzen, kein schreien… ich muss nie schreien, ich hab schlimmeres erlebt, es lässt mich nicht klar denken… ich muss bei Besinnung bleiben!
Er will noch einmal schwach protestieren und einwerfen, dass es doch noch eine dritte Möglichkeit geben muss, als ihn noch einmal ein Hustenreiz durchfährt und er das Gefühl hat sein ganzer Körper muss zerspringen vor Schmerzen. Er nimmt ihr den Becher aus der Hand und nur der Geistesgegenwärtigkeit der Heilerin ist es zu verdanken, dass er nicht hinunter fällt, denn er bleibt einfach nicht in der Hand des Jungen und die zweite kann er immer noch nicht bewegen, gebrochen und geprellt wie sie ist.
Die Heilerin hält ihm den Becher an den Mund und als er die aufgesprungenen Lippen an den Rand setzt hofft er, dass auch sein dröhnender Kopf, die Fieberhitze und das Brennen seiner Augen damit nachlassen werden.
Schon mit dem ersten Schluck setzt auch sein Würgereflex ein und beim zweiten rebelliert sein leerer Magen gegen diese Behandlung, aber er obwohl er ein, zweimal heftig schlucken muss, behält er alles bei sich.
„Und jetzt?“ seine müden Augen können keinen bestimmten Punkt im Raum mehr fixieren und schwirren wie Mücken um eine Laterne durch das Zimmer. Die Wirkung des Tranks tritt schnell ein, Tiuris Erschöpfung ist ohnehin so groß, dass er eigentlich schlafen sollte. Erst fällt ihm das eine Auge zu und während er es aufreißt, schließt sich das andere. Bis er in eine schmerzlose Traumwelt sinkt in der ihn nur der Mohnblumensaft hält und von Träumen befreit sie ihn sonst wohl verfolgt hätten.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Phelan am 04. Feb. 2005, 14:01 Uhr
In Borgils Privatgemächern


Der zuckende Widerschein eines Feuers ist das Erste, woran sich Phelans Augen gewöhnen müssen. Es ist so mühsam die Lider zu heben, als habe er sehr lange Zeit geschlafen. Er weiß nicht wo er ist, aber über sich erkennt er eine Holzdecke und unter seinen Fingern fühlt er etwas Weiches. Etwas stimmt nicht, obwohl doch alles in Ordnung scheint. Es ist warm, weich und sicher, aber er kann sich nicht errinnern, warum das so wichtig ist.

"...du bist wach, kannst du mich hören?" Phelan öffnet die Augen ein Stück weiter und sucht nach dem Ursprung der Stimme. Ein blasses Gesicht umrahmt von dunklem Haar taucht vor ihm auf. Er kann es nicht ganz klar erkennen, aber er weiß, dass die Person ihm vertraut ist. Langsam setzt sich das Bild vor ihm zusammen. Schwarzes Haar, durchzogen von rosenroten und schneeweißen Locken. "Morgana." Es fällt ihm unerwartet schwer zu sprechen. Sein Hals ist wie ausgetrocknet und auch seine Zunge will ihm nicht recht gehorchen. Er hat keine Ahnung, warum sie hier bei ihm sitzt. Er weiß auch nicht, warum da Tränen auf ihren Wangen sind. Gerne würde er die Hand nach ihr ausstrecken, aber das geht aus irgendeinem Grund nicht. "Sind wir zuhause?" Es brennt in der Kehle, als bestünde diese aus offenem Fleisch, jedes Wort die scharfe Klinge eines Messers. Ist sie so traurig, weil er krank ist? Oder ist etwas anderes geschehen? "Warum weinst du?" Phelan will ihre Hand in die seine nehmen, aber er bemerkt erstaunt, dass da etwas an seinem Arm ist. Weißes, sauberes Leinen. Ein Bild zuckt vor seinen Augen auf, kurz nur, aber mit überwältigender Deutlichkeit. Und dann kehrt die Errinnerung wie eine dunkle Woge zurück.

"Götter!" Das Herz schlägt ihm bis zum Hals. "Die Monstren... und Aurian. Geht es ihr gut? Wo sind wir?" Er will sich aufrichten, sich umsehen, aber nichts geschieht, gar nichts. Da ist kein Gefühl für Muskeln, nur taube Nerven, die ihm jede Bewegung unmöglich machen. Panik steht in seinen Augen geschrieben und sein Atem beschleunigt sich unter der großen Anspannung bis er das Gefühl hat zu ersticken. "Morgana, was ist mit meinen Beinen? Warum kann ich sie nicht bewegen?" Ein weiterer Versuch, der ebenso kläglich scheitert wie der erste und ihn erschöpft zurück auf das Lager sinken lässt. Irgendwo pochen dumpfe Schmerzen hinter einem mohnblumenroten Schleier, der sich langsam zu lüften beginnt. Er muß sich mehrmals räuspern, ehe er ein schwaches Echo seiner Stimme wiederfindet. "Ich werde nicht mehr aufstehen können, nicht wahr? Morgana, sag mir: was ist mit den anderen? Geht es ihnen gut?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aingeal am 04. Feb. 2005, 16:35 Uhr
Mittags in der Harfe

Aingeal schüttelt den Kopf als Antyr so herumstottert und sich entschuldigt. "Ihr braucht Euch nicht zu entschuldigen. Ich lebe schon lange genug damit das Leute erschrocken sind wenn sie mich nach der Tätigkeit meiner Mutter fragen. Doch nun...jetzt ruht sie in Frieden.", antowrtet sie ihm und fügt trocken hinzu: "Ihre Männer werden sie vermissen.." Tja, wenn man mich fragt erfährt man halt das wonach man fragt, auch wenn das nicht immer schön ist.
Als sie die Harfe betreten schlägt ihr eine wohlige Wärme entgegen, auch wenn sie den Geruch nicht mag, sie mochte ihn noch nie, zu viele Dinge verbindet sie damit.

Als Aingeal die freien Plätze sieht, geht sie gleich darauf zu und setzt sich auch sogleich als sie Antyr >Setzt Euch doch gleich...< sagen hört. Sie öffnet den Verschluss ihres Mantels, und lässt ihn nach hinten über ihre Schultern, über die Sessellehne fallen.

Sie schaut sich ein wenig um, doch natürlich kennt sie hier niemanden, zum Glück erblickt sie auch nicht die Reisenden aus der Taverne in ihrem Heimatort. Plötzlich durchzuckt sie ein stechender Schmerz im Unterleib. Auch ein überbleibsel von dem Ort, diese Schmerzen würden wohl immer wieder kehren, wenn auch nicht regelmäßig.

Sie sieht sich nach einer schankhilfe um kann aber im ersten Moment keine entdecken, sie kennt diese ja auch nicht. Aber es wird sicher bald eine erscheinen..

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 04. Feb. 2005, 18:02 Uhr
Vor der Goldenen Harfe


Ein erstickter Schrei des Entsetztens entfährt ihr, als sie hoch über sich eine monströse Gestalt erblickt, von der durch die Dunkelheit, nur die Silhouette zu erkennen ist. Diese genügt jedoch um ihr einen gehörigen Schrecken einzujagen und daher bemerkt sie auch nicht, dass Schal und Kapuze von ihrem Kopf gerutscht sind. Schnell rutscht sie ein wenig weg vor diesem Ding vor ihr und starrt es immer noch aus ihrem farblosen Augen an, bevor sie sich schnell aufrappelt, dabei die ihr dargebotene Hand nicht beachtend. Prompt rutscht sie erneut aus und beisst sich wimmernd auf die Lippe, als sie schmerzhaft auf ihrem Hintern aufkommt. Der Schnee durchnässt das Kleid und lässt sie frieren und als der kalte Wind über ihre Wangen fährt, bemerkt sie auch das Fehlen ihrer Verkleidung. Obwohl sie noch immer im Schnee sitzt, fängt sie panisch an den Schal wieder um ihrem Kopf zu winden und mit zittriger Hand schlägt sie schlussendlich noch die Kapuze darüber. Azra bemerkt dabei gar nicht, dass sie so eher die Aufmerksamkeit auf sich zieht, als wenn sie sich ruhig erhoben hätte. Einige fragende Blicke werden ihr zugeworfen und als würde sie sich schämen, wendet sie ihr Gesicht ab, dabei immer noch diese seltsame vierbeinige Gestalt im Blick behaltend. Die Faunin ist ihr noch gar nicht aufgefallen. Wieder wird ihr eine Hand hingehalten und ungläubig sieht sie auf, weiss nicht recht ob das ein Scherz sein soll. Langsam kriecht ihr die Kälte den Beinen hinauf und zögerlich streckt sie ihre Hand aus um die Hilfe anzunehmen. Bevor sie noch etwas sagen kann, wird sie kraftvoll auf die Beine gezogen und steht einen Moment später unsicher im Schnee. Dabei spricht aus ihrem Gesicht noch immer Schrecken und misstrauisch mustert sie das Wesen vor sich. Sieht aus wie ein Pferd... Ahhh.. Nein! Kein Pferd!
"Es gibt viele Wesen auf dieser Welt, von denen wir einfachen Menschen noch weniger wissen als von der Welt selbst. Zum Beispiel sind da die Zentauren, von einfälltigen Pinseln auch Pferdemenschen genannt, sie..." Ein Zentaur steht da in voller Lebensgrösse vor ihr und blickt leicht skeptisch auf sie hinunter. Sich bewusst werden wie unhöflich es ist, Jemanden so anzustarren, senkt sie schnell den Blick und untersucht den Schnee zu ihren Füssen. Ein leises Winseln reisst sie aus dieser unangenehmen Situation und wie eine Wilde wirbelt sie herum und wird einen Moment später beinahe von Stelze überfallen. Ein glücklicher Jauchzer entspringt ihrer Kehle, als sie die Arme um den Hald des Tieres schlingt und ihr Gesicht in seinem nassen Fell vergräbt. Stelze kläfft leise und leckt ihr über die Kapuze. "Du Ausreisser! Hab ich dich wieder..." Dabei strahlt sie wie eine kleine Sonne und richtet sich schnell wieder auf um wieder in der Harfe zu verschwinden. Dabei bemerkt sie, dass der Zentaur und das seltsame andere Wesen hinter ihm sie immer noch anblicken und flüchtig nickt sie ihnen zu, bevor sie unter dem Schal lächelt und freundlich meint: "Danke für die Hilfe..." Einen Moment später hastet sie mit bereits wieder durch den Harfengarten um zurück ins warme Innere zu gelangen, Stelze läuft dabei einfach neben ihr her, scheinbar froh, dass der Tumult vorbei ist.

Nach Mitternacht


"HALLAAAAAAAAAA! SCHNELL!" Wie vom Blitz getroffen fährt Azra auf und steht beinahe auf ihrem Lager. Im nächsten Moment stolpert sie, verwickelt sich mit den Füssen in der Decke, fällt vornüber und landet kugelnd neben dem Bett. Das alles jedoch kümmert sie keinen Deut, weder die schmerze3nden Ellbogen, noch den knurrenden Stelze, oder gar die Tatsache das es nach Mitternacht ist. <<DER HERR ZWERG!!!>>, schiesst es ihr durch den Kopf und weniger als einen Augenblick dauert es, bis sie sich aufgerappelt hat und auf den Gang hinausschlittert. <<ER IST ZURUECK!!! ER IST WIEDER DA!!!>> Sie weiss nicht ob sie glücklich, ängstlich, froh oder verwirrt sein soll, obwohl Letzteres bereits eingetreten ist. Beinahe tritt sie auf den Saum des Nachtgewands, das ihr einiges zu gross ist und im nächsten Moment flitzt Stelze zwischen ihren Beinen hindurch, reisst sie aus dem Gleichgewicht und lässt sie zum zweitenmal unsafnt auf dem kalten Holzboden aufkommen.

Sie will zu dem Herr Zwerg, ihm um den Hals fallen, einfach nur froh sein, dass er wieder da ist, doch noch bevor sie sich wieder aufgerappelt hat, rauscht eine Schankmaid vorbei und scheucht sie mit einigen harten Worten wieder ins Zimmer zurück. Diesmal ist es Arza jedoch egal, sie will nur eins.. und zwar wissen wie es dem Herr Zwerg geht!!! Ohne auf die wütende Schankmaid zu achten, kämpft sie sich mit Ellbogen und Knien die Treppe hinunter, rutscht die letzten Stufen auf ihrem Hintern hinunter und Tränen laufen ihr über die bleichen Wangen. Bestimmt ist er in seinen Gemächern! dort will sie auch hin! Und wenn sie beissen, kratzen und schlagen muss.
Die Schankmaid sitzt ihr bereits wieder im Nacken, zerrt an ihrem Arm, landet jedoch schliesslich auch auf dem Boden, als Stelze an ihr vorbeischiesst, direkt auf die kleine Versammlung an einem der Tische zu.
Es dauert nicht einen Wimpernschlag bis Azra durch die Tränen hindurch die stämmige Gestalt einer ihr bekannten Person erkennt und mit einem Schluchzen springt sie auf. Wie der Wind rauscht sie zwischen Stühlen und Stühlen hindurch und fliegt dem Zwergen regelrecht um den Hals, weinend wie ein Schlosshund und dabei nicht bemerkend, dass der Herr Zwerg über und über mit einem bunten Sammelsurium an farbenfrohen Flecken übersäht ist. Auch die Elbin und die Kinder übersieht sie, spürt nur Stelzes Pfoten in ihrem rücken, da dieser wild jappsend an ihr heraufspringt. Die Tränen rinnen unaufhaltsam über ihre Wangen und sie vergräbt ihr Gesicht in dem Hemd des Herrn Zwergen, klammert sich an ihn wie an einen Rettungsring.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 04. Feb. 2005, 19:35 Uhr
In der leeren, nächtlichen Schankstube


"UFF!" Ist alles, was Borgil sagen kann, als Azra auf ihn zufliegt und in seinen Armen landet. Obwohl sie gerade mal so groß ist, wie er selbst und obendrein höchstens ein Drittel seines Gewichts auf die Waage bringt, umarmt sie ihn mit solcher Wucht, daß er einen Schritt zurücktreten muß, um nicht auf dem Hintern zu landen - samt Azra und Stelze, der wild japsend um ihn herumspringt und seine großen Pfoten überall hinpflanzt, wo es ohnehin wehtut oder aber böse Prellungen sind. Ninianes Blick, die Augen ohnehin vor Trauer und Schmerz umschattet, wird fragend angesichts des kleinen Blutelbenmischlings, der an ihm klebt, besitzt aber nach einem beschwörend-warnenden Kopfschütteln Borgils den Anstand und die Geistesgegenwart, kein Wort darüber zu verlieren. Einen absurden Herzschlag lang ist Borgil fast dankbar für die Ausnahmesituation, in der sie sich alle gerade befinden... auch wenn die Waldläuferin zweifellos schon von seinem etwas ungewöhnlichen Hausgast gehört hat. Es ist immer heikel, wenn Shebaruc oder Shebarucblütige auf Elben treffen. Im Augenblick jedenfalls ist Borgil unendlich froh, ein freundliches Gesicht zu sehen und Azras offensichtliche Erleichterung rührt ihn furchtbar. "Äh... Niniane, das ist Azra," quetscht er unter ihrer überschwenglichen Begrüßung hervor und fügt dann japsend hinzu: "Azra, das ist Lady Niniane." Nach der ersten Inspektion gewahrt Stelze die riesige Bluthündin neben Niniane und ist - den Göttern sei Dank für Borgils Eingeweide und Rippen - vollkommen abgelenkt. Die beiden so ungleichen Hunde beschnuppern sich eingehend und halten zum Segen für ihrer aller ohnehin überreizten Nerven Waffenstillstand, was nicht zuletzt daran liegen mag, daß Stelze ein alter Herr guter Schule und Akira eine (wenn auch reichlich überdimensionierte) Hündin ist. Borgil nutzt die Gelegenheit, Azra fest an sich zu drücken, während sein Hals und sein Hemdaufschlag nass von ihren Tränen werden und klopft ihr dann sichtlich verlegen den Rücken. "Nanana, Mädel, ich bin doch wieder da. Wein doch nicht, dann komme ich mir ganz albern vor. Und äh... autsch. Lass meine Rippen in Ruhe, bitte. Hier," in Ermangelung eines Taschentuchs zieht er ein sauberes Geschirrtuch unterm Tresen hervor und reicht es ihr. "Putz dir die Nase und trockne dein Gesicht ab... ach Götter, bin ich froh, wieder hier zu sein." Am liebsten hätte er Azra geküßt, so froh ist er, sie zu sehen und dazu obendrein wohlauf. Und er könnte schwören, sie hat sogar ein wenig zugenommen, während er fort war, immerhin erscheint sie ihm nicht mehr so knochig und ausgezehrt, wie sie es nach ihrer langen Krankheit war. "Ich brauche ein Bad und einen Heiler... ich fürchte, ich bin ein bißchen mitgenommen," brummt er entschuldigend und zieht verlegen das verrutschte Hemd über der blauschwarzgeprellten Brust zusammen. Die Schrammen auf Gesicht, Armen und Händen und die feudale Beule auf seinem Schädel kann er allerdings nicht verbergen... und auch nicht die Trauer in seinen Augen oder die Gedanken an den grausamen Tribut, den sie alle für ihr Kanalabenteuer gezahlt hatten, und die sich deutlich in seiner Miene zeigen müssen. Als sein Blick auf Stelze fällt, der die Bluthündin höflich wedelnd umkreist, bringt das unweigerlich den Gedanken an Raven zurück... und der an sie wiederum den an Caewlin und... "Ach Götter, Mädel, wir haben einen furchtbaren Preis bezahlt," murmelt er und drückt sacht ihre kleine, schmale Hand.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 04. Feb. 2005, 22:06 Uhr
Sie drängt sich an seine Gestalt, nicht mal zehn Pferde würden es jetzt dazu bringen ihre Arme von seinem Hals zu lösen. Das sie ihn bei ihrer Umarmung beinahe umreisst, bekommt sie gar nicht mit, noch weniger das Borgil irgendwie versucht sie der Elbin ihm gegenüber vorzustellen. Weiter rinnen die Tränen aus ihren Augen, die Sturzbäche wollen gar nicht mehr aufhören und als er es endlich schafft, sie mit sanfter Gewalt von sich zu lösen, werden ihre Schultern nur so von Schluchzern geschüttelt. Schnell wischt sie sich mit den langen Ärmeln übers ganze Gesicht, muss kurz husten und als sich ihre Sicht wieder ein wenig geklärt hat wird sie mit einem Male dem Aussehen des Zwergen gewahr. Vor Schreck wird weiterer Tränennachfluss verhindert und sie kann nicht anders als die Wunden, die Prellungen, die grünen, blauen, roten, violetten und schwarzen Flecken anstarren. Breitwillig lässt sie es zu, das Borgil sie noch einmal an sich drückt und schlingt schnell wieder die Arme um seinen Hals, jedoch so vorsichtig, um ihm nicht weh zu tun. Aus ihren farblosen Augen spricht Entsetzten, Angst und völlige Verwirrtheit. Wieder fliessen Rinnsale von salzigem Wasser über ihre Wangen, verkleben ihre Wimpern und freundlicherweise drückt ihr der Herr Zwerg ein Handtuch in die Hand, bevor sie den Raum mit ihren Tränen überschwemmt. Mit zittrigen Händen nimmt sie das Tuch entgegen, und versucht damit die Flut zu stoppen, was ihr jedoch angesichts seiner blaugefleckten Brust, über die er nun schnell das Hemd zieht, nicht wirklich gelingen will. Noch immer ist sie völlig aufgelöst, lehnt sich an seine Schulter und kann sich gar nicht mehr einkriegen. So viele Sorgen hat sie sich in der letzten Zeit gemacht. Jeden Abend bevor sie ins Bett ist Sorgen um den Herr Zwerg und die junge Frau, Ängste ob der Herr Zwerg wieder kommen würde, Panik weil Halla so ängstlich ausgesehen hat.
Ihre Beine gleichen Espenlaub und sie fühlt sich mit einem Male matt und ausgezerrt, doch diese plötzliche Wendung der Dinge hält sie wach.

Nach einer erneuten Entfernung nerviger Tränen huscht ihr Blick auch kurzweilig zu der Elbin und den Kindern hinüber, bevor sie wieder in die Augen des Zwergen blicken, wo sie mehr erkennt, als ihr lieb ist. Sie kann sehen wie er zu Stelze blickt und die Trauer in seinen Augen ist so unendlich wie der weite Himmel an klaren Tagen. Wieder drückt sie sich an ihn, hört seine Worte und weiss erst gar nichts damit anzufangen. Momentan ist sie lediglich glücklich darüber den Zwergen lebend, wenn auch reichlich demoliert wieder zu haben. Nur langam schlittert der Groschen aus ihrem Unterbewusstsein in ihren Verstand und kommt dort laut klingelnd zum Stillstand. Ihre Mundwinkel zucken leicht, ihre Züge entgleisen völlig und mit weit aufgerissenen Augen starrt sie von Stelze zu dem Herr Zwerg. Die Frau, die junge hübsche Frau… Obwohl Azra nichts davon mitbekommen hat, nicht miterlebt hat, was alles für grausame Dinge geschehen sind, bildet sich ein Kloss der unangenehm fest in ihrem Hals sitzt, langsam hinunter sinkt und ihr dann schwer im Magen liegt. Sie wagt nicht zu fragen, will nicht wissen was passiert ist und doch liegt die Trauer derart schwer in dem Raum, dass es ihr vorkommt, als könnte man sie gleich ergreifen.
Schliesslich hat sie es geschafft sich einigermassen unter Kontrolle zu bringen, auch wenn ihr Körper noch immer von trockenen Schluchzern geschüttelt wird. Vorsichtig löst sie sich von dem Herr Zwerg, will seine Hand jedoch nicht loslassen und kann ihn nur ansehen. All diese Verletzungen.. Was in aller Götter Namen ist bloss geschehen, was ist passiert! Auch in den Mienen der Elbin und des Jungen ist Trauer und Traurigkeit zu erkennen und wieder wird es Azra schwer ums Herz. Schnell drückt sie sich an seine Schulter und vergräbt ihr aschfahles Gesicht hinter seiner Schulter, darauf achtend, ihm nicht zu sehr weh zu tun.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Feydor am 04. Feb. 2005, 22:40 Uhr
Anscheinend hat der Zentaur dem spitzohrigen Mädchen mehr Angst eingejagt, als er beabsichtigt hat. Aber man rennt einem Zentaur auch nicht einfach so in die Flanke!
Verwundert beobachtet er, wie sich die Kleine aufrappelt und schon wieder nach drinnen in die warme Gaststube verschwindet.
Wo wir schon bei warm sind... Noch immer treibt der eisige Wind die Schneeflocken vor sich her, die wie kleine Nadeln in das Gesicht des Zentauren stechen und als weiße Pünktchen in seinem Fell hängenbleiben.
"Caylith, langsam sollten wir uns wirklich einen Unterschlupf suchen. Wir können doch nicht die ganze Nacht hier stehen, dann geben wir zwei morgen nämlich zwei hübsche Schneefiguren ab." Der Zentaur lächelt schief, und versucht die Faunin zum Gehen zu bewegen. Das Gasthaus muss ja auch irgendwo einen Stall haben. Auch wenn er nicht gerne da übernachtet, weil er sich damit scheinbar selbst zu einem Tier degradiert, hat der Zentaur in den Jahren seiner Wanderungen gelernt, das er nicht wählerisch sein kann, was Schlafplätze angeht; vor allem nicht bei solch einer Witterung.
Entschlossen dreht er sich um und geht an den erleuchteten Fenstern, aus denen immer noch lautes Stimmengewirr und dazwischen auch manchmal fröhliches Lachen dringt, vorbei auf die andere Seite des Gebäudes.
"Na also", Feydor wendet sich mit dem Oberkörper zu seiner Begleiterin um, "da hinten sehe ich einen Anbau, das müssen die Stallungen sein."
Zielstrebig stemmt der Zentaur sich gegen das kalte Wetter. Ich muss mir unbedingt wenigstens Ärmel für meine Weste besorgen! Ich bin ja nicht gerade zimperlich, aber bei Schnee und Eiseskälte hätte ich doch schon gerne etwas wärmere Kleidung.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Niniane am 04. Feb. 2005, 23:05 Uhr
In der leeren Schankstube, kurz vor Morgengrauen


Niniane beobachtet reichlich fassungslos, wie Borgil von einem hellhaarigen Mädchen fast umgerannt wird und erkennt sie nach einem Moment als das, was sie ist: eine halbe Blutelbin. Einen Moment weiten sich ihre Augen, doch Borgil beschwört sie mit den Seinen, dieses Thema jetzt nicht anzuschneiden und Niniane nickt nur matt. Selbst wenn sie gewollt hätte, sie hätte sich jetzt in diesem Augenblick nicht auch noch mit einem Shebarucproblem, das ziemlich offensichtlich gar keines ist, auseinandersetzen können... und selbst ein Blinder hätte gesehen, daß das Mädchen, Shebarucblut hin oder her, an Borgil hängt und offenbar viel für den Zwerg empfindet. Und wer kann ihr das verdenken? Sie kennt den Zwerg lange und gut genug, um zu wissen, wie er sich jetzt fühlt: verantwortlich für alles und schuldig, weil er nicht mehr hatte tun können... und sie weiß, daß er alles getan haben muß, was in seiner Macht gestanden hatte. Wenn auch nur die geringste Aussicht bestanden hätte, hätte Borgil Caewlin und Raven niemals zurückgelassen, eher wären die Neun Höllen eingefroren. Es ist ein Wunder, daß er die anderen überhaupt alle herausgebracht hat, sagt sie sich verzweifelnd, aber der Gedanke hat nichts tröstliches, ist unerträglich angesichts ihres Verlustes. "Götter... Borgil.... hilf mir. Ich stehe das nicht durch. Ich schaffe das nicht... die Kinder. Calyra. Und Cron... und Phelan, der dort drüben vor deinem Kamin liegt und stirbt! Meine Schuld! Das alles ist nur meine Schuld!" Sie leert den Becher in einem Zug und läßt ihn sich noch einmal füllen. Immerhin bewirkt der Uisge, daß sie sich selbst wieder spürt und das ist im Augenblick auch schon etwas wert. Verzweiflung und Schmerz und Schuldgefühl zerren an ihr wie tonnenschwere Gewichte.

"Ich kann es nicht glauben. Ich kann es nicht glauben. Borgil... wenn Calyra Recht hat, wenn sie Recht hat? Wir müssen sie suchen. Wir brauchen Männer. Viele Männer. Magier. Loba... ich gehe zu Loba, vielleicht kann sie uns helfen. Oder zu Olyvar. Die Kobolde in den Tausendwinkelgassen, die Templer, die Priester, ich gehe sogar zu deinem verdammten Nurio Kulgur, wenn es sein muß, irgendjemand, der uns helfen kann, sie dort herauszuholen..." Sie redet wirres Zeug und sie weiß es, aber sie kann einfach nicht aufhören und bekommt ihre in alle Richtungen davontaumelnden Gedanken nicht mehr unter Kontrolle. Borgil sieht sie nur lange und schweigend an, tätschelt ihr beruhigend den Arm, schenkt Uisge nach und schüttelt den Kopf, ohne ein Wort zu sagen. Neben ihm steht Azra, hält die steinharte Zwergenhand mit den sehnigen Fingern fest in ihren Händen und drückt sich an ihn, trostsuchend und gebend gleichzeitig. Ninianes Augen schwimmen in Tränen - Tränen der Verzweiflung und Sorge und Angst, und vor allem Tränen der Hilflosigkeit. All ihr Wissen und alle ihre Macht nützen ihr nicht das Geringste... auf einen Schlag hat sie zwei Freunde verloren... zwei ihrer besten Freunde und ein dritter liegt im Sterben - und sie kann rein gar nichts dagegen tun. "Das ist... nicht fair. Das ist einfach nicht fair. Whytfisk. Wie ich diesen... diesen... diesen... götterverfluchten Bastard hasse. Ich verfluche seine schwarze Seele. Er soll in den Neun Höllen schmoren bis zum Ende aller Tage und selbst das ist noch zu gut für ihn." Wut und Trauer mischen sich in ihrem Inneren bis sie glaubt, zu ersticken und Shaerela sich mit einem Wimmern in ihrer Decke windet. "Schon gut, Schätzchen. Nicht weinen, nicht du auch noch. Alles in Ordnung... alles in Ordnung. Schon gut."

Sie klopft beruhigend den kleinen Rücken und wiegt ihre Tochter, während Brynden sich mit Schluckauf vom vielen Jammern und verstörten Augen an ihren Rock klammert und Akira ihn mißbilligend schnaubend nicht einen Herzschlag lang aus den Augen läßt. Himmelgötter, wo bleibt deine Mutter so lange? Cron muß sie längst erwischt haben! Draußen weicht die Dunkelheit der Nacht einer fahlen Dämmerung und durch die tiefgesetzten, bleigefassten Fenster kann sie sehen, daß es noch immer schneit. Der Osthimmel hat die Farbe frischer Austern und falls eine Sonne aufgeht ist sie hinter den tiefhängenden Schneewolken nicht zu sehen. Sie weiß nicht, wie viel Zeit vergeht, während sie einfach nur schweigen, die Ohnmacht und die Trauer wirken lassen, Uisge aus Laigin in sich hineinschütten, um alles zu betäuben und doch daran scheitern. Dann kommt Cron zurück. Sie hört seine Schritte in dem langen Gang, der die Wirtschaftsgebäude und Borgils Gemächer mit dem Schankraum verbindet. Sie sieht seinen Umriss im Schein der brennenden Wandlaternen und Kerzen. Sie spürt sein Entsetzen, einen Herzschlag, bevor sie sieht, was er bringt. Blaß ist sie ohnehin schon, aber angesichts dessen weicht jede Farbe aus ihrem Gesicht. Nein. Oh nein... oh bitte Götter, nein! Sie drückt Brynden noch an sich, damit er das leblose Bündel nicht ansehen muß, dann verschwindet die Welt vor ihren Augen.


Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Morgana am 05. Feb. 2005, 14:16 Uhr
Phelans Worte sind leise, krächzen wie die Stimme eines Raben und Morgana muss sich Mühe geben seine Worte zu verstehen. Fragen regnen auf sie nieder, so viele Fragen auf die sie teils keine Antwort hat, und diejenigen Fragen, auf die sie eine Antwort hat, möchte sie ihm lieber nicht beantworten. Ihr Herz ist in Auflösung begriffen und tanzt wild in ihrer Brust. Bei allen Göttern helft mir, was soll ich ihm sagen? Morgana braucht einige Momente, in denen sie mehrmals schluckt, tief Luft holt und versucht die richtigen Worte zu finden. Tränen laufen immer noch über ihre Wangen und sie weiss nicht wie sie diese aufhalten kann.

Langsam beginnt sie den Kopf zu schütteln, nur ganz leicht und sie weiss nicht ob Phelan diese Bewegung überhaupt sieht und die Verzweiflung, die in ihrem Gesicht liegt. Erneut findet ihre Hand den Weg zu seiner Wange legt sich leicht auf sie und verharrt dort, während sie mit leisen stockenden Worten beginnt zu reden. "Du bist schwer verletzt...dein Rückgrad...es ist...es... ist...gerbrochen...deshalb....spürst du deine Beine nicht. Ich...ich kann nichts tun...ich kann nichts tun!!"Pure Verzweiflung schwingt in ihrer Stimme mit, als sie die Worte spricht, ihm das sagt, was sie weiss und er vermutlich auch." Du bist ....sehr schwer verletzt....sehr schwer....wir sind in Borgils Räumen, ...ihr seid...von wo auch immer ...zurück...Ich weiss nicht wie es den anderen geht...aber sie leben..zumindest die, die hier in der Harfe sind"

Sein Atem geht wieder schwerer und Morgana merkt wieviel Karft es ihn zu kosten scheint die Augen offen zu halten und ihre Worte zu verstehen.Bei allen Göttern er stirbt, er stirbt mir hier unter meinen Händen weg und ich kann gar nichts tun, gar nichts! Wut über die ganze Situation steigt in ihr hoch, verdrängt die Verzweiflung ein Stück. Wut über ihre eigene Hilflosigkeit, Wut darüber, dass sie ihm nicht helfen kann. Ihr eigenes Leben scheint ihr auf einmal so sinnlos, wenn sie nicht einmal ihrem Gefährten helfen kann. "Warum? Warum ist das alles passiert?! Wäre ich doch nur da gewesen, hätte euch helfen können, wo immer ihr auch ward...ich hätte dich niemals gehen lassen dürfen, damals nach dem Streit...." Ihre Stimme bricht erneut und neue heisse Tränen laufen die verschmutzten Wangen herab. Tausende Gedanken rasen ihr durch den Kopf und ihre Stimme ist sanft als sie dann doch noch einmal spricht. "Ich liebe dich, du verdammter Narr, und ich will nicht das du gehst...nicht so und nicht jetzt...." Tränen fallen auf ihre Hand, die seine umklammert hält und ihr Herz scheint zu zerbrechen, weil sie weiss, dass alle Worte, alles was sie tun könnte, keinen Sinn und Zweck hat und er gehen wird und sie nichts tun kann um ihn zu halten.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Amarde am 05. Feb. 2005, 15:23 Uhr
Amardé ist über die Worte seines Gegenübers überrascht, doch bevor er noch etwas erwidern kann, zahlt dieser auch schon nicht nur seinen Met, sondern auch noch Amardés Bier.
Der Musiker will schon strikt ablehnen, doch da hat sich der geheimnisvolle Fremde bereits umgewandt, um das Gasthaus zu verlassen.

Komischer Geselle. ... Na vielleicht bekomme ich ja noch die Chance mich zu revanchieren. Schließlich wollte er ja auch ein Zimmer.

Mit einem letzten Schulterzucken wendet er sich wieder zum Tresen und trinkt seinen Krug leer. Es folgen noch zwei weitere, bevor er es schafft ein Zimmer zu ergattern und in den oberen Räumen verschwindet.
Zwar ist er müde von der langen Reise und das wohlig warme Zimmer tut sein übriges, um seine ausgekühlten Knochen schläfrig werden zu lassen, aber um nichts in der Welt hätte er sich so schmutzig wie er jetzt nun mal ist, in das saubere Bett gelegt. So wäscht er sich erst einmal gründlich, bevor er erschöpft in das Bett fällt.
So bekommt er auch nicht das nächtliche Treiben in der Harfe mit; zu tief und traumlos ist sein Schlaf.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Antyr am 05. Feb. 2005, 19:29 Uhr
Mittags in der Harfe

Sie setzen sich an einen der Tische, und auch wenn Aingeal ihm versichert hat dass er sich nicht entschuldigen muss, etwas unangenehm ist es ihm trotzdem. Er setzt sich auf einen Stuhl, und genau wie die beiden Mädchen blickt auch er sich um, mehr aus Neugierde, denn kennen wird er hier niemanden. Er bemerkt, dass Aingeal sich plötzlich nicht so wohl zu fühlen scheint, denn sie wird plötzlich etwas blass im Gesicht, und besorgt blickt er ihr in die Augen, wobei er auch eine Hand sorgend auf ihre Schulter legt, während sie sich suchend umsieht.
"Aingeal, ist alles in Ordnung...?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von lila am 06. Feb. 2005, 00:02 Uhr
In einem der Gästezimmer

Die Sonne steht schon hoch am Himmel, als Avivit allmählich aus ihrem traumlosen Schlaf erwacht. Sie muss sich kurz besinnen, um anhand der Umgebung zu registrieren, wo sie sich befindet. Die Erinnerungen an den gestrigen Abend sind verblasst. Sie weiß nur, dass irgendwann jemand den lang ersehnten Zimmerschlüssel vor ihr auf den Tisch legte und sie sich daraufhin nach oben auf das ihr zugedachte Zimmer begeben hatte. Bald darauf war sie eingeschlafen und nicht einmal der im Haus herrschende Tumult konnte sie mehr aus dem Schlaf reißen.

Während sie so auf dem Bett sitzt, die Beine von der Bettkante baumeln läßt und über die Geschehnisse des gestrigen Abends nachdenkt, fährt sie mit einem Male zusammen und wird kreidebleich Shirin!
Ihre Gefährtin hatte sich am Abend aus dem Staub gemacht und seitdem hatte sie sie nicht mehr zu Gesicht bekommen. Müdigkeit und Erschöpfung hatten sie erfolgreich davon abgehalten, nach Shirin zu suchen. Doch nun war sie munter und machte sich Sorgen um die junge Katzendame, die wie sie selbst fremd war in dieser Stadt.

Mit einem Satz ist sie auf den Beinen, klaubt ihre vor dem Bett verstreuten schmutzigen Kleider zusammen und betrachtet das verdreckte Wäschebündel in ihren Händen einen Augenblick lang, bevor sie es wieder beiseite legt. Sie hatte es vor dem zu Bett gehen nicht einmal geschafft, sich zu waschen und war, schmutzig wie sie durch die lange Reise war, totmüde in die Kissen gefallen. Doch nun ist es an der Zeit, endlich den ganzen Schmutz wegzuspülen. Sie tritt an die Schüssel heran, die auf einer kleinen Anrichte bereitgestellt auf ihre Benutzung wartet, und gießt aus dem schweren Krug etwas Wasser hinein.

Welch herrliches Gefühl schießt es ihr durch den Kopf, als sie die Hände in das nasse Element eintaucht.
Wenige Minuten später ist sie endlich wieder als das zu erkennen, was sie unter all dem Schmutz noch immer war - eine gutaussehende junge Halbelbin. Doch daran mochte sie nicht gern erinnert werden und so versteckt sie die spitzen Ohren wieder unter ihrem Haar, bevor sie ein sauberes dunkelblaues Kleid aus ihrem Bündel zieht und es sich über den Leib streift.

Jetzt fühle ich mich gleich viel wohler in meiner Haut. Endlich bin ich Schmutz und Dreck los und selbst der kalte Winter ist in einem warmen Bett nicht mehr halb so schlimm, wie dort draußen.
Voller Übermut angesichts des sie erfüllenden wohligen Gefühls dreht sie sich ein paarmal schwungvoll um die eigene Achse. So gut hatte sie sich seit dem Beginn ihrer Reise nicht mehr gefühlt.

Doch dann hält sie inne, als die Gedanken an Shirin wieder Besitz von ihr ergreifen, und geht auf das nahe Fenster zu, um einen Blick hinaus auf die verschneiten Straßen zu werfen. Sie hofft, sie könnte ihre geliebte Gefährtin irgendwo dort draußen erspähen. Die Straßen sind zwar recht belebt, doch von Shirin ist keine Spur zu sehen. Das dunkle kleine Knäul wäre ihr im frischen Schnee gewiss sofort ins Auge gefallen, doch nichts dergleichen lenkte ihren Blick dort draußen auf sich.

Gesenkten Hauptes wendet sich Avivit wieder vom Fenster ab. Sie schüttelt die Kissen des Bettes auf und streicht anschließend die Decke mit der flachen Hand glatt. Aus ihrem Reisebündel entnimmt sie ein kleines Beutelchen und befestigt es an einem geknüpften Lederband, das sie um ihre Hüften schlingt. Dann verschließt sie ihr Bündel sorgsam.

Ein letzter Blick zurück, ob sie auch alles halbwegs ordentlich zurückgelassen hatte, dann ergreift sie ihren Umhang und verläßt das Zimmer. Kaum hat sie die Tür hinter sich verschlossen, lenkt ein leises Mautzen ihre Aufmerksamkeit auf sich.
Das kann doch nur ... Avivit horcht in die Richtung, aus der das ihr vertraute Geräusch kam und findet Shirin in einem der anderen Gästezimmer, dessen Tür einen Spalt breit offen steht. Unsicher, ob ein Gast sich darin aufhält, versucht sie Shirin zu sich zu locken. Diese läßt sich nicht zweimal bitten und tippelt mit einem frohen Glanz in den grünen Augen auf Avivit zu.

Überglücklich hebt diese ihre Gefährtin auf ihren Arm, streicht über das weiche Winterfell der jungen Katze und krault das kleine Köpfchen, das sich hingebungsvoll gegen ihre Hand presst. Endlich hatten sie sich wiedergefunden und waren nicht mehr ganz so allein in der Fremde.

Ohne Shirin abzusetzen, begibt sich Avivit hinunter in den Schankraum. Erst als sie an einem der noch freien Tische im nicht mehr ganz so überfüllten und hektisch wirkenden Schankraum Platz genommen hatte, lockert sie ihren Griff und läßt Shirin neben sich auf der Sitzbank Platz nehmen. Als eines der Schankmädchen nach ihrer Bestellung fragt, bittet sie höflich um ein Frühstück für sich und ein Schälchen Milch für ihre Begleiterin. Gleichzeitig fragt sie sich, ob sie nicht besser hätte ein Mittagsmahl bestellen sollen, so spät wie es bereits war.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Phelan am 06. Feb. 2005, 11:02 Uhr
In Borgils Privatgemächern


Der Inhalt von Morganas Worten ist schwer zu verstehen und doch klingt jede Silbe hell wie ein Wassertropfen in der Stille. Phelan schließt die Augen, um zu begreifen, was sie ihm sagt. Er fühlt sich so benommen wie nach einem langen, tiefen Schlaf. Mohnblumensaft... sie hat mich betäubt. Er atmet tief, in seiner Brust rasselt es leicht, aber er muß nicht husten. Die Schmerzen würden zurückkehren, er weiß es. Er erinnert sich an den Kampf gegen das riesige Rattenwesen. Meine Schulter ist gebrochen... Und er erinnert sich an den Aufprall gegen den Stein. Sie leben. Ihre Namen wollen ihm nicht alle einfallen, sind wie weggewischt, nur an Aurian und Borgil errinnert er sich.

"Weine nicht, Morgana." Er drückt seine Wange gegen die warme Berührung ihrer Hand und fühlt sich so geborgen wie ein kleines Kind in den Armen der Mutter. "Wir sind hier und das... das ist alles was zählt. Aurian lebt und Borgil lebt, sagst du. Das habe ich so gehofft, so gehofft." Seine Stimme wird rau und bricht dann. Es dauert einige Momente, ehe er die Worte in seinem vernebelten Verstand wiederfindet. "Ich will nicht gehen, dich nicht so zurücklassen. Aber... er war da, verstehst du? Aethling wartet auf mich, ich habe ihn gesehen." Phelans Blick verklärt sich, als wäre da auf einmal mehr als nur das warme, behagliche Zimmer in der Goldenen Harfe. "Du bist stark, Morgana, das warst du und wirst du immer sein. Kümmere dich um deinen Sohn, er braucht dich." Stille. Nur das leise, mühevolle Atmen und ihr unterdrücktes Schluchzen. Irgendwo am Rande der Betäubung rührt es ihn tief an, dass sie hier sitzt und um ihn weint, obwohl er sie mit bösen Worten verlassen hat. "Egal wohin du gehst oder was du tust, lass nicht zu, dass du vergißt..."

Die Schmerzen lauern am Rande seines Bewußtseins und kein Gift der Welt würde etwas daran ändern, dass sie zurückkehren würden. Phelan spürt, wie die Dunkelheit sich nähert. Aber noch ist es nicht an der Zeit, doch mit jedem Atemzug wird es schwerer und gleichzeitig fühlt er sich immer leichter, fast als könne er wie ein Vogel fliegen, befreit und schwerelos, wenn er sich nur genug anstrengen würde, während sein Körper zerschunden und zerbrochen eisern an dieser Welt festzuhält. Er dreht den Kopf leicht um sie anzusehen und hinter all ihren Tränen und dem verschmierten Gesicht erkennt er sie, wie sie aussah am Abend der Inarinacht. Er hatte sie verlassen, vielleicht auch kurzzeitig vergessen, aber das zählt nun nicht mehr. Sie ist hier, in den letzten Augenblicken und das erfüllt ihn mit Dankbarkeit. Er ahnt ihren Schmerz, er streift sie mit dunklen Schwingen wie ein Schatten und macht ihn traurig. "Morgana." Vorsichtig legt er seine Hand auf die ihre, die noch immer an seiner Wange ruht. "Vielleicht kannst du mir verzeihen, dass ich gegangen bin, irgendwann einmal. Aber bitte, trauere nicht. Ich habe alles getan, was ein Mann in seinem Leben tun kann, all die Aufgaben, die mir gestellt waren bis hin zur letzten. Es ist, wie es ist und wir können nichts daran ändern, was die Götter uns vorgeben. Aber einen letzten Wunsch... sag' Niniane, sie soll mich zu Aethling bringen. Sie weiß wo..."

Auf einmal scheint alles so leicht, so klar gezeichnet vor ihm zu liegen. Ja, es muß so sein, wie es jetzt ist, es gibt keinen anderen Weg. "Ich blicke zurück auf ein erfülltes Leben. Teile das mit mir und geh mit dem Licht deiner Göttin den Weg weiter, Morgana." Der Blick seiner Augen haftet auf ihrem schönen, blassen Gesicht, auf dem die Tränen Spuren hinterlassen, so silbern wie die kleine Mondblume auf der grünen Lichtung. "Morgana..." Er nimmt ihr Bild mit sich hinfort, lässt die Dunkelheit kommen, zu schwach, um dagegenhalten zu können und das Zimmer um ihn herum schwindet, macht einem helleren, strahlenden Ort Platz, an dem eine kleine Gestalt mit ausgestreckter Hand auf sein Kommen wartet. Und ohne, dass die schrecklichen Schmerzen ihn noch einmal erreichen entweicht mit einem letzten, tiefen Seufzen das Leben aus der sterblichen Hülle, die einst der Protektor des südlichen Larisgrüns gewesen war.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aingeal am 06. Feb. 2005, 11:23 Uhr
Mittags in der Harfe

Als Antyr seine Hand auf ihre Schulter legt zuckt Aingeal merklich zusammen. Es ist nur eine nette Geste, man merkt es dir wohl an das es dir nicht so gut geht..einfach ruhig bleiben und lächeln...er tut dir nichts..
"Ja Antyr es ist alles in Ordnung. Mir war nur kurz nicht gut. Sorgt Euch nihct, das geht vorrüber, ich bin es gewöhnt." Sie blickt in seine Augen und versucht so dreinzuschauen das er es ihr auch glaubt. Er ist nett zu mir, wirklich..doch wer weiß, er ist auch nur ein Mann...ich hoffe das nicht alle Männer gleich sind...vorsicht sollte man aber immer walten lassen...

Bald sieht Aingeal auch schon eine Schankmagd die zielstrebig auf sie zusteuert, da diese wohl bemerkt hat das sie noch nichts bekommen haben.  Freundlich fragt diese was sie denn gerne hätten und Aingeal antwortet ihr: "Habt Ihr einen Eintopf und etwas warmes zu trinken? Vielleicht Tee? Wenn ja dann bringt mir bitte soetwas."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Antyr am 06. Feb. 2005, 13:21 Uhr
Mittags in der Harfe

Antyr ist es nicht entgangen, dass das Mädchen zusammenzuckt, als er ihre Schulter berührt, und so nimmt er sie auch gleich wieder weg. Er weiß erst gar nicht wie er jetzt reagieren soll und starrt mit gerunzelter Stirn vor sich auf die Tischplatte.
>Ja Antyr es ist alles in Ordnung. Mir war nur kurz nicht gut. Sorgt Euch nihct, das geht vorrüber, ich bin es gewöhnt< antwortet ihm Aingeal, und Antyr sagt immer noch nichts, obwohl er gerne erwidert hätte, dass er sich schon sorgt. Eigentlich weiß er gar nicht was sie hat, aber es macht ihn besorgt. Da kann auch ihr zuversichtlicher Blick nichts dran ändern.
Eine Schankmagd kommt heran, und nachdem Aingeal ihren Wunsch gesagt hat, spricht auch er. "Oh ich möchte auch gerne...etwas Eintopf, und Brot und etwas Most." Die Mogbar nickt und nimmt auch Roanas Wunsch entgegen, ehe sie wieder verschwindet. Antyr seufzt leise und weiss nicht so recht, was er sagen soll. "Tja...dann arbeiten wir also für Madam Pileh...wollt ihr denn auch richtige Schneiderinnen werden? Ich arbeite nur solange dort, bis ich eine geeignetere Arbeit finde."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aingeal am 06. Feb. 2005, 13:51 Uhr
Mittags in der Harfe

Als Antyr die Stirn runzelt merkt Aingeal das er wohl gemerkt hat das sie so zusammengezuckt ist. Entschuldigend sagt sie: "Bitte nehmt es nicht persönlich das ich gerade eben so zusammengezuckt bin, aber ich habe nicht gerade die Besten Erfahrungen mit Männern..." Sie denkt kurz über Antyrs Frage nach und antwortet ihm dann: "Ja, das Schneidern ist glaube ich etwas tolles. Nunja, das was ich wirklich liebe, das Singen, damit kann man ja leider nur schwer Geld verdienen..."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Amarde am 06. Feb. 2005, 14:42 Uhr
Als Amardé am nächsten Tag aufwacht ist es sicherlich schon lange Tag, aber genau kann Amardé das nicht fest stellen. Zu tief hängen die schweren Wolken, die von erneutem Schnee kündigen.

Egal ob ich hier in Talyra meine Werkstatt eröffnen kann, oder nicht. Ich werde den Winter wohl hier bleiben müssen. Da draußen komm ich sonst um in der Kälte.

Mit diesen etwas trüben Gedanken macht sich Amardé daran sich frisch zu machen.
Noch am Vorabend hatte er sich bei einem der Schankmädchen erkundigt ob es ein Badehaus in der Stadt gibt und wo er es finden konnte. Und so gilt Amardés erste Tageshandlung sich wieder in einen richtigen Menschen zu verwandeln.
Während seine Kleider gesäubert werden, wäscht er sich von Kopf bis Fuß den Dreck vom Körper, lässt seine Haare wieder auf erträgliche Länge kürzen und entfernt endlich auch wieder den nervigen Bart.

Als Amardé so frisch zurecht gemacht am späten Vormittag wieder die Harfe betritt, könnte er die ganze Welt umarmen und fast ist er versucht seine Rebec auszupacken und einfach drauf los zu spielen. Seine Hand angelt auch schon nach seinem Instrument, als er ein junges Mädchen in seiner Nähe sagen hört <<Nunja, das was ich wirklich liebe, das Singen, damit kann man ja leider nur schwer Geld verdienen..>>
Amardé fährt wie elektrisiert zusammen und ist mit zwei Schritten neben ihr. Ohne ihr Gesicht oder das ihrer Begleiter näher in Augenschein zu nehmen, geht er vor ihr in die Knie und meint ernsthaft: "Lasst euch das niemals einreden. Wenn ihr singen könnt, dann wird euch die Welt zu Füßen gelegt werden."
Erst dann registriert er ihre schlichten Züge, die aber alles andere als ausdruckslos sind.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Roana am 06. Feb. 2005, 16:33 Uhr
Mittags in der Harfe

Während die drei in die Harfe gehen redet Roana nicht viel und lauscht nur nebenbei dem Gespräch von Antyr und Aingeal. Als eine Schankmagd an den Tisch, an den die drei sich gesetzt haben, kommt, bestellt Roana etwas zu essen und zu trinken und dreht sich denn wieder zu Antyr und Aingeal. Antyr scheint das Gespräch mit Aingeal ein wenig unangenehm zu sein, nach kurzem Stocken sagt er: "Tja...dann arbeiten wir also für Madam Pileh...wollt ihr denn auch richtige Schneiderinnen werden? Ich arbeite nur solange dort, bis ich eine geeignetere Arbeit finde." Aingeal denkt kurz nach und antwortet ihm dann. Roana macht sich das zweite Mal am Tag darüber Gedanken warum sie eigentlich bei Madam Pileh in einer Schneiderei gelandet ist und lächelt erstaunt als Aingeal sagt, dass sie gerne singen würde. "Ich wusste gestern Abend noch gar nicht, dass ich Schneiderin werden wollte, aber heute denke ich werde ich diesen Beruf wohl fürs erste ergreifen." sie denkt kurz nach. "Nicht das ich ewig in der Schneiderei arbeiten will, aber besser als hungernd auf der Straße zu sitzen, oder...." Roana schweigt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aingeal am 06. Feb. 2005, 17:13 Uhr
Mittags in der Harfe

Aingeal nickt Roana bejahend zu als diese sagt das es besser ist als auf der Straße zu sitzen und zu hungern.

Bevor Antyr noch zum Antworten kommt, springt Aingeal noch vor Schreck auf als plötzlich dieser Man vor ihr in die Knie geht und >Lasst euch das niemals einreden. Wenn ihr singen könnt, dann wird euch die Welt zu Füßen gelegt werden.< sagt. Sie erschrickt wirklich und blickt ihn mit weit aufgerissenen Augen an. Bitte? Wer ist das und was soll das..ruhig Aingeal...du bist hier nicht alleine..beruhig dich und setzt dich hin.. Als ihr klar wird das sie aufgehüpft ist,  errötet sie leicht und setzt sich wieder hin und schielt kurz in alle Richtungen um zu sehen ob es jemand bemerkt hat. Zuerst ist sie verdutzt und weiß nichts zu sagen, aber dann überwindet sie sich. "Ach, Ihr glaubt wirklich das man mit singen überleben kann? Das glaube ich schon lange nicht mehr..."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Roana am 06. Feb. 2005, 17:23 Uhr
Genauso erschrocken wie Aingeal starrt Roana den Mann an.  <Lasst euch das niemals einreden. Wenn ihr singen könnt, dann wird euch die Welt zu Füßen gelegt werden.> Aingeal springt erst auf und antwortet dann: <Ach, Ihr glaubt wirklich das man mit singen überleben kann? Das glaube ich schon lange nicht mehr.> Kopfschüttelnd betrachtet Roana den Mann. "Seid ihr ein Sänger oder wieso meint ihr das?" fragt sie ihn.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Antyr am 06. Feb. 2005, 17:42 Uhr
Mittags in der Harfe

Antyr hört Roana zu, und genau wie Aingeal nickt auch er zustimmend. Er hätte schon gerne gewußt, was sie denn sonst vorhatte zu arbeiten, doch soweit kommt er nicht, denn plötzlich werden sie unterbrochen von einem Fremden, welcher sich doch tatsächlich vor Aingeal knieht und sagt, dass sie es sich nicht einreden lassen soll, wenn sie singen kann dann würde ihr die Welt zu Füßen liegen. Erst weiß Antyr gar nicht was er meint und warum er das sagt, doch dann fällt ihm wieder ein, dass Aingeal bemerkte dass sie singt.
Etwas entgeistert, fast schon schockiert, starrt er den jungen blonden Mann an, er muss nicht gerade gut aussehen mit halb offenem Mund, aber daran denkt er nicht als er sieht, wie Aingeal entsetzt aufspringt, sich dann aber wieder setzt und scheinbar peinlich berührt ist.
Das ist kein Wunder!
Antyr wirft Roana, welche ihm gegenüber sitzt und genauso verdattert wirkt, einen vielsagenden Blick zu, unfähig dafür Worte zu finden.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Amarde am 06. Feb. 2005, 18:58 Uhr
"Entschuldigt! Ich wollte euch nicht erschrecken." meint Amardé leise mit seiner melodiösen Stimme.
Das Blau seiner Augen glitzert vor Leidenschaft, als er seinen Beutel zu Boden gleiten lässt und seine Rebec daraus entnimmt.
"Mein Name ist Amardé Rebec. Weithin bekannt als Sohn traditioneller Instrumentenbauer und mein Ziel ist es für Musiker und Sänger eine Heimat zu schaffen, auf dass ihre Stimmen endlich gehört werden."
Berauschendes Feuer liegt in seiner Stimme, als er sich mit einer eleganten Bewegung wieder auf die Füße stellt und anfängt zu spielen.
Er entlockt seiner Rebec eine fröhliche Weise und schon nach den ersten Tönen wird klar, dass man hier einem Meister der Rebec vor Augen hat.
Zahlreiche Gäste verstummen in ihren Gesprächen und lauschen dem jungen, blonden Mann, der schließlich auch noch seine kräftige, dunkle Stimme erhebt.
Leichtfüßig tanzt er zwischen den Tischen und lacht die Menschen fröhlich an.
Schließlich erreicht er wieder den Tisch der drei Schneidergehilfen und verstummt. Einige Töne hallen noch in der Luft wider, als er sich zu Aingeal vorbeugt und leise in ihr Ohr flüstert: "Und jetzt ihr! Singt!"
Seine Stimme ist eindringlich und die Rebec in Amardés Händen scheint nur darauf zu warten wieder loslegen zu dürfen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 06. Feb. 2005, 19:00 Uhr
In der Schankstube der Harfe am Morgen nach der Sithechnacht


Borgil ist gerade dabei, Niniane zu antworten und tätschelt der noch immer schluchzenden Azra beruhigend die Schulter, als er sieht, wie die Halbelbin kalkweiß wird. Wa...? Im selben Augenblick beginnt die Bluthündin, die bisher hechelnd vor dem Tresen gelegen hatte, zu grollen. Aus dem Knurren wird ein heiseres, hustendes Heulen, langgezogene, tiefe Töne, schauerlich und schrecklich schön zugleich. Stelze kommt mit einem Ruck auf die Füße, stellt die pelzigen Ohren und fällt einen Herzschlag später in Akiras klagendes Heulen ein. Azra holt vernehmlich Luft und die Kinder beginnen erschrocken und verwirrt zu weinen. Borgil dreht sich um, folgt Ninianes entsetztem Blick und sieht den Nordmann in die Schankstube kommen. Im ersten Moment glaubt er, der Tronjer trage ein verletztes Kind... aber dann sieht er die grauen Stiefel, die unter dem dunklen Umhang hervorlugen, die Blutspritzer darauf und die feuchten, roten Flecken auf dem Wappenrock Crons und dort, wo das weiche Wolltuch gnädig den Kopf verhüllt. Er kann gerade noch rechtzeitig die Hände ausstrecken, um Niniane das Baby aus dem Arm zu nehmen, als die Waldläuferin einfach vom Stuhl rutscht, den Sohn des Nordmanns an sich gedrückt. Borgil tauscht einen Blick mit Cron, dann heften sich seine Augen auf blutverschmierte Strähnen. Sie ringeln sich wirr und lang über den Arm des Tronjers wie ein Flut aus Rot und Silber. "Azra. Nimm den Jungen und bring ihn hinaus. Und nimm das Baby mit."

Er eilt um den Tresen, reicht die weinende Shaerela an die Blutelbin weiter und schiebt den erschrockenen Brynden vage hinter sich und in ihre Richtung, ehe er hastig einen Tisch freiräumt, damit der Tronjer die Tote dort ablegen kann. Wuchtige Holzstühle poltern zu Boden, doch Borgil kümmert sich nicht darum. Caewlin und Raven sind tot, verschüttet von einstürzenden Felsmassen. Phelan liegt in seinem Gemach im Sterben... und Calyra von Sturmende erschlagen auf einem Tisch in seiner Schankstube. "Das ist ein Alptraum," krächzt er. "Das... kann nur ein Alptraum sein. Ist es noch nicht genug? Wie... wie... bei allen Göttern... wie konnte das passieren?" Er erwartet nicht wirklich eine Antwort... seine Frage richtet sich an niemanden außer das grausame Schicksal, das ihnen allen solch ein Leid zugedacht hat. Cron bettet Calyra vorsichtig auf den Tisch und ist mit ein, zwei großen Schritten an Ninianes Seite, um ihr auf die Füße zu helfen. Die Halbelbin war mehr oder weniger in Ohnmacht gefallen. Sie ist immer noch furchtbar blaß und sieht aus, als könne sie jederzeit wieder umkippen oder sich übergeben, aber sie kommt wenigstens einigermaßen rasch wieder zu sich. Borgil kann es ihr nicht verdenken - seine eigenen Beine fühlen sich mehr als zittrig an. Er hört die Tür zur Küche klappen und Shaerelas Weinen leiser werden, und atmet auf. Offenbar ist Azra mit den Kindern hinausgegangen. In der Küche sind Grid und die Köchin mit dem heißen Wasser und einem Morgenmahl zu Gange... ein warmer und wesentlich besserer Ort für Brynden und Ninianes Tochter.

Borgil tappt zu seinem Tresen zurück wie ein Schlafwandler, schenkt einen Becher voll Uisge ein und drückt ihn in Ninianes Hände, ohne die Waldläuferin oder Cron dabei anzusehen. Er kann überhaupt niemanden ansehen - sein Blick wandert immer wieder fassungslos und voller kaltem Entsetzen zu dem kleinen, verhüllten Leichnam auf dem Tisch, als müsse er sich ständig von neuem überzeugen, daß dort Calyra liegt. Und daß sie tot ist. In seinem Kopf geht alles wirr durcheinander - einen absurden Moment lang ist er sogar froh, daß Caewlin nicht mehr am Leben ist, um das hier mit ansehen zu müssen. Ach Götter... Durch all den Schmerz und die Verwirrung spürt er eine furchtbare Müdigkeit in sich aufsteigen, fühlt sich so haltlos und leer wie ein Herbstblatt im Wind. Was haben wir getan, daß wir so bestraft werden? Ächzend läßt er sich auf einen Hocker fallen und starrt ins Nichts... es dauert endlose Momente, bis er begreift, daß der Nordmann ihn anspricht und noch einmal so lange, bis die Worte zu ihm durchdringen. Der Tronjer fragt nach einem Wagen, das Gesicht so leer vor Trauer wie Borgils eigene Miene, um Nan und Calyra und die Kinder nach Hause zu bringen. Borgil kann nur nicken. Er stemmt sich mühsam auf die Füße und geht, um seine Knechte zu rufen und das Nötige zu veranlassen. Eine halbe Stunde später ist alles bereit: Calyra liegt auf weichen, dunklen Decken aufgebahrt auf der Ladefläche, neben ihr Stelze und die Bluthündin. Niniane sitzt auf dem Kutschbock und hält beide Kinder fest an sich gedrückt, ihr Gesicht eine erstarrte Maske, neben ihr ein Knecht Borgils, der sie nach Hause fahren würde. Zwei weitere Harfenknechte holen die Pferde aus dem Stall: Crons Schlachtroß, Ninianes Jagdpferd, die kleine, graue Wüstenstute Calyras und Ravens Braunen. Der Tronjer steigt in den Sattel und nimmt Ravens Hengst als Handpferd mit, während die übrigen an den Wagen gebunden werden... und dann macht sich ihr kleiner, trauriger Tross im verschneiten Morgenlicht auf den Weg.

Borgil ist mit ihnen hinausgegangen, um sie zu verabschieden, doch als sie abfahren, stellt er fest, daß er keine Worte mehr hat... und was gibt es auch zu sagen? Er sieht ihnen nach, bis sie im Schneetreiben jenseits des Marktplatzes verschwunden sind und kehrt dann in die Harfe zurück, das Herz so schwer wie Blei in der Brust. Azra wartet in der Schankstube auf ihn, wo die Mägde gerade dabei sind, die Stühle von den Tischen zu holen und die Harfe für den kommenden Tag herzurichten. Borgil nimmt Azras kleine Hand fest in seine, atmet so tief ein, wie er es mit seinen gebrochenen Rippen wagt und geht dann in seine Gemächer. Phelan liegt noch vor dem heruntergebrannten Kaminfeuer, so wie sie ihn dort aufgebahrt hatten. Morgana kniet neben ihm wie erstarrt, eine Hand an seiner Wange. Aber die Brust des  Waldläufers hebt und senkt sich nicht mehr unter mühsamen Atemzügen, seine Wunden haben aufgehört, zu bluten und seine Augen sind geschlossen. Er ist tot.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 06. Feb. 2005, 20:16 Uhr
In der Schankstube am Morgen


Die Elbe, sie redet so viel, sie spricht von Dingen, von denen Azra nichts weiss und trotzdem scheint sich alles in ihrem Inneren aufzulösen ins Nichts. Verloren haben sie, mehr als das sie je gedacht hätten und alles auf einen Schlag. Die Umgebend verschwimmt, es existiert nur noch Leid und Schmerz, Ungläubigkeit über den Verlust und die grausame und den Verstand zerfressende Anwesenheit der Wahrheit. Das klägliche Wimmern des Jungen und das unerträgliche Weinen des Babys legen darüber einen schwarzen Schleier der Endgültigkeit, denn Kindertränen lügen nicht.
Azra vermag den Blick nicht von den rotgeränderten Augen der Elbe abzuwenden, die leer und stumpf blicken, nicht wahrhaben wollend, was für ein grausiges Schicksal ihnen geboten wurde. Der Blutelbenmischling spürt noch nicht einmal das sanfte Streicheln der Zwergenhand auf ihrem Arm, völlig fremd ist sie der Realität. Schwer zu fassen ist es, dass es so viel Traurigkeit gibt, dass sie einem wie einen schweren Stein zu Boden zu drücken vermag. Und mit einem Male… wird es noch schlimmer.
Azra wird durch das lange, tiefe Jaulen der Hündin aus ihrem düsteren Gedanken gerissen, das wie das klägliche Kreischen einer trauernden Seele klingt und sieht wie die Elbin vor ihr einen Moment später zu schwanken beginnt. Ihre schlanken Hände klammern sich an das Kind in ihren Armen, sie drückt das Gesicht des Jungen gegen ihre Brust um ihm die Sicht zu verwehren und gleitet einen Wimpernschlag später zu Boden. Azra kann gerade noch einen Schritt zur Seite treten, bevor Borgil mit einem schmerzvollen Aechzen einen Sprung nach vorne macht um das Baby daran zu hindern mit der Mutte rauf dem Boden aufzuprallen, fängt es so sanft wie möglich auf und erst da nimmt der Blutelbenmischling den Mann im Gang wahr. Wie in Trance huscht ihr Blick von seinem wirren Haar über die leblosen Züge hin zu dem… Bündel in seinen Armen und ihr ist es, als würde jeglicher Atem in ihr versagen. Das Blut glänzt ihr dunkelrot entgegen, verschmiert über den weichen Stoff, der das tote Bündel einhüllt und so vor den Blicken der Kinder schützt. Trotz dessen ist die Form eines Menschen zu erkennen und die Flecken, dort wo der Kopf liegt, spricht seine eigene Sprache.

Noch weiter Zeit darüber nachzudenken hat Azra jedoch nicht, herausgerissen wird sie aus ihrer Lethargie und findet sich einen Moment später mit einem schreienden Bündel im Arm und einem wie Espenlaub zitternden Jungen an der Seite auf dem Weg in die Küche, von einer Zwergenhand in diese Richtung geschoben. Sie geht einfach, sie weiss nicht das sie es tut. Sie folgt dem einzigen Willen, der ihr Körper noch besitzt, aus diesem Kessel an Schmerzen zu verschwinden, der sich tief in ihren Verstand frisst. Die Köchin blickt erstarrt auf, scheint selbst für einen Moment nicht glauben zu können, was sie sieht und packt Azra dann flink an einem Arm um sie auf einen Stuhl zu drücken. Eigentlich hat der Blutelbenmischlng überhaupt nichts damit zu tun, doch sie kann auch nichts dagegen tun. Erst eine Ohrfeige von Grid bringt sie dazu nach ihrem Gedanken zu grabschen und sich an diesen fest zu krallen um nicht in hysterisches Geschrei auszubrechen. Das Kind in ihren Armen, auf das sie bisher nicht geachtet hat, brüllt wie ein Löwe und nur schwer lässt es sich durch zärtliche Worte und sanftes Wiegen wieder ein Stückchen beruhigen. Der Schluckauf des Jungen ist verschwunden, dafür steht er nun verstört neben ihr und regt sich nicht mehr. Sein Gesicht scheint weisser, als der reinste Schnee, aus seinen Zügen spricht dumpfe Leere. Azra wagt es nicht ihm über den Kopf zu streicheln, oder ihm gut zu zu reden, sie weiss überhaupt nicht was sie mit den Kindern anfangen soll und wiegt weiter monoton die Kleine in ihren Armen, währendem Grid dem Jungen einen Tee in die Hand drückt. Einen Moment später landet dieser polternd auf dem Boden, die zitternden Hände des Jungen scheinen dieses Kraftaktes nicht mehr fähig und Tränen fangen an über seine Wangen zu laufen. Beinahe panisch blickt sich Azra um, weiss nicht was sie tun muss, weiss nicht was sie sagen soll und durch ihre eigene Angst beginnt auch das Mädchen, das sie immer noch wie eine Puppe wiegt, wieder zu wimmern. „Schhht.. Schhht.. Ist ja alles gut... bitte... Schht.. „

Sie weiss nicht wie lange es dauert, bis endlich die Türe wieder aufgeht und der Herr Zwerg mit einem so trauervollen Gesicht, das es beinahe schon wieder in weite Ausdruckslosigkeit übergeht, hereinkommt und ihr die Kinder wieder abnimmt. Verstört bleibt Azra sitzen, versucht ihre Gedanken wieder zu erfassen und merkt das sie noch nicht einmal weiss, ob sie noch etwas Ähnliches besitzt. Als würde sie von Fäden gezogen erhebt sie sich und tritt wieder in den Schankraum. Stille ist eingekehrt, jegliches Leben scheint sich vor dem Tod in diesem Raum verflüchtigt zu haben, der man gerade noch zuvor hätte die Hand schütteln können. Mit stumpfem Blick sieht sie sich um, mag jedoch die Umgebung nicht wirklich zu erfassen und fühlt nicht, dass es Tränen sind, die ihr die Sicht verschleiern.
Von draussen dringen leise Geräusche an ihr Ohr, das Rattern eines Karren und schliesslich Schritte.

Wieder kommt der Herr Zwerg hinein, noch fahler im Gesicht als der Junge zuvor an ihrer Seite. Sein Gang erinnert an ein Kind, das Laufen lernt, die blauen und schwarzen Prellungen stechen noch mehr hervor und als er sanft ihre Hand nimmt kann sie nur zu Boden starren. Tröstende Worte sprechen, was brächte das… Wenn er soviel verloren hat, vermögen keine Worte dieser Welt den leeren Platz in seinem Herzen wieder aufzufüllen, nicht einmal wenn sie überfüllt sind von zärtlicher Fürsorge. Sie erwidert schwach den Druck, fühlt sich plötzlich fremd in diesem Haus und geht trotzdem langsam hinter ihm her, sich noch immer an ihm festkrallend. Schleppend tragen ihre Beine sie in sein Gemach. Sie erwartet nichts, sie kann nicht glauben noch mehr Grauen, das sich noch tiefer bohrt zu erleben und doch ist das alles was auf sie wartet, nein.. nicht auf sie… Auf den Herr Zwerg. Azra kann den Mann sehen der vor dem Kamin liegt, auch die Frau daneben und auch wenn sie blind gewesen wäre, so hätte sie das eiskalte Kribbeln auf ihrer Haut gespürt. Verderben!
Stumm blickt sie auf den Toten, auf dessen wachsfarbene Haut, die sich über die Knochen spannt, auf die Lippen, über die nie mehr ein Laut dringen wird. Er scheint beinahe zu schlafen und doch ist er tot. Noch fester hält sie sich an dem Zwergen fest und steht einfach nur da, nicht fähig auch nur einen Muskel zu rühren. Sie kennt den Mann nicht, auch die Frau daneben erscheint ihr unbekannt, der Herr Zwerg stellt für sie den einzigen Fels dar, an den sie sich in dieser Brandung an Verzweiflung klammern kann.

Nur langsam beginnt sie zu begreifen, dass hier nicht ihr Platz ist. Hierhin gehört sie ihrer Meinung nach nicht, ihr Gefühlt spricht davon, dass sie nicht zu dieser Trauer gehört, nicht zu Jenen die sie empfinden dürfen. Daher löst sie sich vorsichtig von der Zwergenhand und begibt sich rückwärts wieder aus dem Raum, wieder zurück in die Küche. Dort hilft sie Grid bei den allfälligen Arbeiten, ohne wirklich zu bemerken, was ihre Hände arbeiten. In ihren Kopf herrscht dunkel, Leblosigkeit, nichts was man noch eine Empfindung oder eine Regung hätte nennen können und sie spürt nicht einmal, als sie dich die Finger an einem heissen Topf verbrennt. <<Was.. Was ist geschehen?>> Da fällt ihr mit einem Male noch etwas ein und die Köchin starrt sie verdutzt an, als sie plötzlich aus der Küche hastet und sich im Schankraum beinahe panisch und mit weit aufgerissenen Augen umblickt. "Stelze?!" Die Schankmädchen sehen sie fragend an, als sie beginnt unter die Tische zu blicken, die Stühle zu verschieben und immer wieder ruft sie nach dem Hund, aber er bleibt verschwund und Azras Herz, das sowieso bereits schwer ist, sinkt in ihren Magen. Verloren steht sie mitten im Raum und beginnt mit einem Male zu schluchzen, völlig kaputt von den Eindrücken des Abends und dem Verschwinden von Stelze. Weinend verschwindet sie die Treppe hinauf in ihr Zimmer, setzt sich dort in eine Ecke und vergräbt ihr Gesicht zwischen den Knien. Wahrscheinlich hat die Elbin den Hund und die Hündin mitgenommen, aber...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Morgana am 06. Feb. 2005, 20:33 Uhr
Stumm hört sie Phelans leisen Worten zu, die schwer über seine Lippen dringen und immer wieder in ein heiseres Flüstern abgleiten. Ihr Gesicht wandert seinem immer näher um ihn besser verstehen zu können. Tränen tropfen auf seine blutverschmierte Kleidung, aber Morgana merkt nicht einmal mehr, dass sie weint. Phelans Hand legt sich auf ihre und sie spürt wie seine Aura schwächer wird, nur noch aussieht wie das letzte Flackern einer erlöschenden Kerze. Sie hört seine Worte und als er von Aethling spricht, weiss sie das es kein zurück mehr gibt. Ihr Herz wird schwer, unendlich schwer und sie hat das Gefühl es müsse jeden Moment aufhören zu schlagen, sanft gleiten ihre Finger über seine geschundene Wange, nehmen noch einmal jeden seiner Gesichtszüge auf, die ihr so vertraut sind.

Morgana hört seinen letzten Wunsch und sie nickt nur, weil ihre Kehle zugeschnürt ist und sie das Gefühl hat, keine Luft mehr zu bekommen. Sie bewegt ihre Lippen, die sagen 'Ich verspreche es', doch kein Ton kommt aus ihrem Mund. >Morgana...<Dann flackert seine Aura ein letztes Mal hell auf und mit einem letzten rasselndem Atemzug hört sein Herz auf zu schlagen. Die Welt um Morgana und den toten Körper des Waldläufers scheint sich aufzulösen, sie kann ihn nur ansehen kein Wort sagen, nicht schreien, um all ihren Schmerz nach draussen zu lassen, keinen Muskel bewegen. Seine Hand ruht noch auf ihrer und sie wagt es nicht ihre Hand fortzuziehen, weil dann die letzte Verbindung auch noch geht.

Morgana weiss nicht wie lange sie schon da sitzt und auf das Gesicht von Phelan sieht, ihre Tränen sind versiegt und eine Leere breitet sich in ihr aus, die alles andere an Gefühlen mit sich nimmt. Das Borgil ins Zimmer gekommen ist und längst die ersten fahlen Strahlen Shenrahs das Zimmer erhellen, bekommt sie nicht mit. Erst als Borgil ihr die Hand auf die Schulter legt, bemerkt sie den Zwerg. Mühsam reisst sie ihren Blick vom Gesicht des Waldläufers los und sieht hoch zu Borgil. Sie weiss, dass sie nichts sagen muss, sie sieht es im Gesicht des Zwergen, aber dort sieht sie noch etwas anderes und ihr Herz wird noch ein Stück schwerer und sie weiss gar nicht ob sie überhaupt noch fähig ist, irgendwas zu tun.

Langsam zieht sie ihre Hand aus der von Phelan und der Schmerz, der ihr dabei durchs Herz fährt, ist kaum zu ertragen. Mühsam und mit zittrigen Beinen steht sie auf und sieht Borgil in die Augen. Der Schmerz darin ist deutlich zu sehen und die ansonsten so fröhlich und schelmisch leuchtenden Augen von Borgil wirken seltsam leer. Die Trauer, die darin steht, ist nicht nur die über Phelan, das spürt Morgana selbst durch ihren eigenen Schmerz hindurch. Ihre Stimme ist nur ein Flüstern, als sie es endlich schafft ihre Zunge zu bewegen "Was.....was ist geschehen? Was... bei allen neun Höllen... habt ihr alle getan? ...Nicht noch mehr....bei allen Göttern nicht noch mehr...Wo ist Niniane? Ich ...muss zu ihr,.... Phelans letzten Wunsch erfüllen...Ich muss.... Ich..." Ihre Beine geben unter ihr nach und sie versucht einen Halt zu finden, doch alles was sie findet ist Luft, durch die sie greift und dann wird es schwarz um sie herum.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Caylith am 06. Feb. 2005, 22:25 Uhr
Vor dem Eingang und letztendlich im Stall der Harfe in der Sitechnacht


Verwundert schaut Caylith dem Elbenmischling zu, wie es sich aufrafft und letztendlich wieder hinfaellt, wobei pudriger Schnee aufgewirbelt wird und nur langsam herabrieselt. Hektisch beginnt das junge Maedchen sich wieder zu vermummen, als es merkt, dass sich Schal und Kaputze geloest hat. Die Faunin hat keine Ahnung was sie dort vor sich im Schnee sitzen hat. Vielleicht hat sie es einmal gewusst, dann aber wieder vergessen. Mit der Lebensweise anderer Wesen hat sie sich im Prinzip auch nochnicht sonderlich beschaeftigt, da sie normalerweise auch nur in ihrem Stamm lebt. So ist sie noch verwirrter, dass das Maedchen wohl viel wert darauf legt, das man sein Gesicht nicht erkennt. Dabei hat sie doch ein recht huebsches Aussehen... Fuer eine Elbe... oder was auch immer sie ist...
Azra nimmt dann doch die Hilfe des Zentauren an, der doch noch vor wenigen Momenten aufgebracht und protestierend herumgefahren ist, bereit demjenigen eine Lektion zu erteilen, der es wagt ihm beabsichtigt zu nahe zu treten und anzurempeln. Doch scheinbar hatte das Maedchen nur ihren Hund gesucht, der dann auch schon bellend und schwanzwedelnd angelaufen kommt und sofort in beschlag genommen wird. Nur schuechtern bedankt sich die Kleine bei den beiden ehe sie in der Goldenen Harfe verschwindet.

Einen Moment lang schaut sie noch den beiden hinterher bis sie sich entsinnt, dass Feydor noch neben ihr steht und sie anspricht: "Wie? Was?", einen Moment lang muss sie ueberlegen und blinzelt dem Zentauren hinterher, der sich nun in Richtung der Stallungen des Gasthauses bewegt. Skeptisch mustert sie die Harfe von aussen und folgt nur langsam ihrem Begleiter, der sich seiner Sache augenscheinlich sehr sicher ist. "Ich weiss nicht ob wir das duerfen..." Nicht dass wir gleich wieder verjagt werden...
Aber sie spuert, das er recht hat. Sie muessen sehr bald eine Unterkunft finden, ehe sie hier zugeschneit werden. Die eisige Kaelte kriecht ihr auch schon die Beine trotz des Felles hinauf. Die fehlende Bewegung macht sich deutlich bemerkbar.
Trotz aller Bedenken geht sie weiter hinterher bis sie endlich zu dem Anbau gelangt sind, der sich als trockenen, mit sauberen Stroh ausgelegten Stall erweist, wo auch einige Pferde in den Boxen stehen und ihnen neugierige Blicke entgegnen. Vertrauter Geruch von Heu und Dung, Rascheln und Stampfen von Hufen, die nicht von Feydor und ihr selbst stammen, Schnauben und leises Kollern, das auf eine merkwuerdige Weise begrueßend auf sie wirkt, obwohl weder sie oder der Zentaur die Tiere persoenlich kennen. Diese Leute sind seltsam... Pferde einzusperren.. Dabei wuerden sie sich draussen im Freien viel wohler fuehlen.., doch muss sie zugeben, dass es durchaus viel waermer in diesem Gebaeude ist.

Beide suchen sich eine freie und saubere Box am weitesten Ende des Stalles aus, nachdem sie sich vergeblich nach jemanden zustaendigen umgesehen hatten, aber sich keiner der Stalljungen oder aehnliches angefunden hat. Caylith blickt sich pruefend in der Box um und schielt ueber die halbhohen Waende zu den Tieren hinueber, wo ihr einige mit großen sanften Augen entgegenblicken und an dem Heu herumknabbern. Ein leises und wehmuetiges Laecheln stielt sich auf das Gesicht der Gehoernten, als sie sich an die zottigen Pferdchen ihres Stammes erinnert. Erst nach einigen Momenten bemerkt sie Feydors musternden Blick, der auf ihrem Gesicht ruht und scheinbar auch ihre Sehnsucht davon abgelesen hat. Schnell wendet sie ihr Gesicht wieder ab und sucht sich eine halbwegs gemuetliche Stelle, auf der sie sich niederlassen kann. Ihren alten Jagdbogen und den Koecher legt sie neben sich im Stroh ab, doch die beiden Sicheln bleiben an ihren Seiten, verborgen von dem weiten Ueberwurf. Es faellt ihr nicht leicht sich zu entspannen, und auch waehrend der ganzen Nacht schreckt sie aus ihrem Halbschlaf hoch, wobei sie immer wieder feststellt, dass die Geraeusche dann von den Pferden stammen.
Erst gegen Morgen faellt sie erschoepft in einen festeren aber unruhigen Schlaf, wird aber wieder von Geraeuschen geweckt, die nicht nur allein von den Tieren stammen. Pferde werden aus den Boxen geholt, leise Stimmen reden beruhigend auf sie ein, knirschende undefinierbare Geraeusche naehern sich erst und entfernen sich wieder nach einer Weile begleitet von Hufgeklapper von mindestens fuenf Pferden, wie das geschulte Ohr der Faunin heraushoeren kann. Sie hat sich eng in eine Ecke ins Stroh gedrueckt, gespannt den Eingang ihrer Box und die Schatten an der Stalldecke beobachtet und gelauscht.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von lila am 06. Feb. 2005, 22:37 Uhr
Ihr bestelltes Mahl läßt noch auf sich warten und Avivit beabachtet, wie Shirin es sich neben ihr bequem macht und zur Ruhe kommt. Die junge Katze sieht müde aus und rollt sich zum Schlummern zusammen.
Wo hast Du Dich die Nacht über nur herumgetriebern, kleine Streunerin? Ein Lächeln huscht über ihr Gesicht, doch gleichzeitig ist sie auch ein wenig besorgt beim Gedanken daran, was Shirin hätte zustoßen können. Doch zum Glück war dies nicht geschehen und die beiden hatten sich wiedergefunden.

Plötzlich lenkt ein unerwartetes Geräusch Avivits Aufmerksamkeit auf sich. Wohlklingende Töne durchfluten mit einem Male die Gaststube. Sie dreht den Kopf und sieht, wie ein hochgewachsener Mann auf einem Instrument spielt und dabei fröhlich durch den Raum tanzt.
Avivit ist entzückt von den Klängen, die der Mann seinem Instrument entlockt und ihre Glieder beginnen zu zucken. Nur schwer kann sie dem Drang widerstehen, aufzuspringen und zu tanzen. Das letzte Mal hatte sie vor ihrer Abreise in Liedberg Musik gehört und sich nach einer Melodie bewegen können. Tanzen lag ihr im Blut und trug in der Vergangenheit zu einem Teil ihres Lebensunterhalts bei. Die Sehnsucht danach wurde nun durch den Auftritt des Musikers beinahe ins Unermessliche gesteigert.

Doch dann verstummt die Musik, als der Mann neben einer jungen Frau an einem der Tische zum Stehen kommt, sich herab beugt und dieser scheinbar etwas ins Ohr flüstert.
Spiel weiter, bitte spiel weiter. Avivits Blick ruht flehend auf dem Fremden.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 07. Feb. 2005, 09:16 Uhr
Am Morgen nach der Sithechnacht in Borgils Privatgemächern


Borgil drückt noch einmal Azras Hand, ehe er sie gehen läßt... in gewisser Weise kann er sogar verstehen, daß sie sich hier als Eindringling fühlt, aber er hätte sie gern bei sich gehabt... einfach, um sie in der Nähe zu wissen. Sie geht hinaus und er starrt eine lange Weile einfach nur schweigend auf den Toten. Phelan Desmond, Hüter und Protektor des Südlichen Larisgrüns, Waldläufer der Anukis... und hin und wieder auch in den Diensten der Steinfaust. Ein Mann, der bekannt gewesen war in Talyra und am ganzen Westufer des Ildorel. Ein guter Kämpfer, ein hervorragender Bogenschütze, ein stiller, oft introvertierter Mann mit einem feinen, trockenen Humor und melancholischen Augen. Steifbeinig wie eine Marionette stelzt er näher, gerade, als Morgana aufsteht und wirr durcheinander redet. Dann kippt sie ihm einfach vor die Füße auf den weichen, kheyrisischen Teppich, der dort liegt. Borgil, ohnehin längst am Ende seiner Geduld und Leidensfähigkeit angekommen, kann sie nur sprachlos anstarren. Was WIR getan haben? Echot er ungläublig in Gedanken. Dann packt ihn die Wut. Maßlose, ungeheure, ohnmächtige Wut. "Was wir getan haben..." knurrt er leise und sehr beherrscht, wohl wissend, daß Morgana ihn, besinnungslos wie sie ist, ohnehin nicht hören kann... aber dennoch tut es gut, sich Luft zu machen.

Borgil hatte stundenlang gekämpft, war verwundet worden, hatte mit ansehen müssen, wie Phelan tödlich getroffen wurde, hatte Aurian aus dem Schutt gezerrt und den Waldläufer getragen, hatte gesehen, wie alles um sie her eingestürzt war, hatte Caewlin und Raven zurücklassen müssen und zugesehen, daß er wenigstens noch die anderen heil nach oben gebracht hat. Dann waren sie hier angekommen und seither tat er nichts anderes, als für andere da zu sein und Freunde zu verlieren. Oh ja, seine Leidensfähigkeit ist mehr als am Ende. Er zieht die Heilerin wieder auf die Füße, setzt sie in einen seiner wuchtigen Stühle und versetzt ihr kleine Klapse ins Gesicht, bis sie wieder bei sich ist. Dann drückt er ihr einen Becher Uisge in die Hand. "Trinkt das." Anschließend ruft er zwei Mägde herein, die sich um Morgana kümmern und schickt nach einem Botenjungen. Den Jungen sendet er trotz der unmöglichen Zeit nach Vinyamar. Phelan war ein Krieger Anukis' gewesen... Arwen war Anukispriesterin. Die Elbin würde dafür sorgen, daß er im Tempel aufgebahrt und hergerichtet wurde, daß die Totenwache gehalten und er mit den heiligen Ölen der Zwölf gesalbt würde. Während sein Gesinde davonhastet, um seine Anweisungen auszuführen, nimmt Borgil ein langes, heißes Bad, schlüpft ächzend vor Schmerz in frische Kleidung, legt sich selbst so gut es eben geht einen dicken, straffen Verband um die Rippen an, betupft die zahlreichen Quetschungen und blutigen Striemen mit Schafgarbensud und Beinwell und kniet sich dann, endlich wieder sauber und mit noch feuchtem Haar und Bart neben Phelan.

Sein Abschied von dem Waldläufer ist lange Zeit stumm, Borgil braucht keine Worte dafür. Er hat den Elben schätzen gelernt dort unten und abgesehen davon hat er ihn und seine Art einfach gemocht... nun ja, ein wenig könnte er doch sagen. "Ich werde dich nicht vergessen, Spitzohr. Hin und wieder, wenn ich Zeit finde, nach einem langen Tag in der Harfe... oder in Talyra. Dann werden mich die Erinnerungen überkommen. Ich werde mir ein Horn Met einschenken, am Kamin sitzen... vielleicht genau hier, weißt du? Und dann werde ich mich erinnern an unser Abenteuer. Ich werde immer mit Schmerz an diese Tage denken, Phelan Desmond. Aber manchmal... in ein paar Jahren... vielleicht auch mit einem lächelnden Auge. Unser Ritt in diesem Faß... bei den Göttern, das werde ich mein Lebtag nicht vergessen. Und weißt du noch, die Leiter? Und wie du mich hochgeschoben hast an diesem verfluchten Seil. Ich werde an dich denken und ein Horn Met auf dich leeren und meinen Freunden von dir erzählen. Leb wohl, Spitzohr. Wo immer du jetzt bist, ich hoffe, du hast Frieden gefunden."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 07. Feb. 2005, 10:35 Uhr
Am Morgen nach der Sithechnacht


Bald schon versiegen ihre Tränen, stumm starrt sie vor sich hin. Gerne möchte sie aufstehen, zu dem Herr Zwerge gehen, wieder seine Hand ergreifen und ihm Trost geben. Aber kann sie das denn? Ist sie dazu überhaupt fähig, oder stört sie nur? Von Unsicherheit hin und her gerissen, erhebt sie sich und beginnt in ihrem Zimmer auf und ab zu laufen, mit den Händen an ihrem Rock herumfingernd. <<Was kann ich ihm geben? Gar nichts, oder? Ich meine... Soviel.. hat er verloren, da bringt es doch gar nichts, dass ich bei ihm bin. Vielleicht ist es aber auch gut, dass ich da bin, aber Halla...>> Immer verwirrter werden ihre Gedanken bis sie mit einem Male innehält, kurzerhand zu einer Wand läuft und ihrem Kopf mit einiger Wucht dagegen schlägt. Der Schmerz ist mehr als ernüchternd und für einen Moment schwach auf den Beinen, taumelt sie rückwärts und versucht krampfhaft ihr Gleichgewicht nicht zu verlieren. Als hätte man kaltes Wasser über eine brodelnde Suppe geworfen, so beruhigt sich auch wieder das Durcheinander in ihrem Kopf und sie vermag wieder einigermassen klare Stränge von Gedanken zu weben.

Ohne noch einen Moment zu zögern, tritt sie wieder aus ihrem Zimmer hinaus, holt kurz tief Luft und macht sich wieder auf in Richtung der Privatgemächer des Herrn Zwergen. Ein Schritt, ein Gedanke und je näher sie der Türe kommt, desto mehr lastet die Angst vor dem Tod auf ihr, der sich dahinter befindet. Ob der Mann immer noch vor dem Kamin liegt? Sein Gesicht, so deutlich sieht sie es vor sich und das Blut, das überall an seinem Körper klebte. Brechreiz steigt in ihr hinauf und sie muss schnell schlucken um zu verhindern, dass sie sich übergeben muss. Vielleicht kann sie ja doch etwas helfen, vielleicht kann sie gebraucht werden. Für einen Moment zögert sie vor der Türe, bevor sie leise anklopft und schliesslich eintritt, scheu durch den immer grösser werdenden Türspalt linsend. Einen Wimpernschlag später hält sie inne und erschrickt beinahe. Der Herr Zwerg kniet neben dem Toten und scheint gerade noch mit ihm gesprochen zu haben. Auf seinen Wunden liegt eine undefinierbare Salbe, mit Mulden ist sein Brustkorb umwickelt und sein Haar ist frei von Schmutz und Dreck.
Und er hat es scheinbar selbst gemacht, denn keine Halla ist zu sehen, noch eine andere Schankmaid, die ihm hätte helfen können. Ein bleiernes Gefühl bemächtigt sich ihrer und plötzlich hat sie Schuldgefühle, einfach so weggelaufen zu sein. Unsicher macht sie zwei Schritte vor, bleibt wieder stehen und weiss noch immer nicht wohin sie blicken soll, ausser auf den Toten. Es gibt in dem, Zimmer des Herr Zwergen soviel zu sehen, das weiche Bett, der wundervolle Kamin, die vielen Punkte an den Wänden, die einladenden Sesseln, doch alles was ihren Blick auf sich zieht, ist der leblose Körper des Halbelben.
<<Geh... los... mach was!>> Sie muss sich diese Gedanken in ihren Kopf hämmern, damit sie überhaupt in der Lage sind, den Befehl an ihre Füsse weiterzugeben. Langsam geht sie auf ihn zu und je näher sie kommt, destd grösser wird der Kloss in ihrem Hals und noch immer ist sie sich nicht sicher das Richtige zu tun. Als sie hinter dem Zwergen steht, der noch immer auf den Knien dort sitzt, will sie für einen Moment wieder zurückweichen, hält sich jedoch verbissen an Ort und Stelle und streckt dann vorsichtig die Hand aus. Einen Moment später legt sie behutsam die Arme von hinten um den Hals des Zwergen, unter dem Bart hindurch, wohlgemerkt und umarmt ihn zärtlich. Irgendwie wollen ihr keine Worte einfallen, oder aber ihre Zunge ist nicht willens, sie auszusprechen und so bringt sie nur ein gestammeltes: „Das... ist nicht.. fair...“ heraus, bevor sie ihr Gesicht sachte an die Schulter des Zwergen drückt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aingeal am 07. Feb. 2005, 15:17 Uhr
Mittags in der Harfe

Aingeal ist vollkommen perplex von diesem Mann der sich als Amardé Rebec vorgestellt hat. Rebec..irgendwann habe ich diesen Namen schon einmal gehört...doch bloß wo?
Ihr Herz schlägt schneller als er das Instrument zum klingen bringt. Oh...welch wunderbare Töne..

Als er nach seinem Lied wieder bei ihr angelangt und ihr ins Ohr flüstert das sie nun singen soll ist sie einige Sekunden wie gelähmt. "Hier, singen? Ich?..." Sie schüttelt den Kopf, als sie plötzlich in sich die Töne eines alten Liedes hörte, das ihre Mutter oft sang wenn sie mal Zeit zum kochen hatte.

Ihre Mutter hatte immer beim kochen gesungen. Aingeal hat schon lange nicht mehr gesungen, schon gar nicht vor so vielen Leuten. Sie würde so gerne wieder singen, doch wer weiß, sie glaubt nicht das sie seinen Ansprüchen gerecht werden würde.

Doch nichts desto trotz steht sie auf und stimmt mit ihrer Lieblichen, melodiösen aber auch kräftigen Stimme die ersten Töne des alten Liedes an, und beginnt dann langsam zu singen. Es ist ein fröhliches, beschwingtes Lied, das sie immer an Sommer erinnert, denn da war sie oft über die Wiesen gelaufen und hatte es gesungen. Die einzige Zeit wo sie sich frei gefühlt hatte, und alle Sorgen hinter sich lassen konnte. Ihre Augen glitzern voll schönen Erinnerung als sie laut und deutlich das Lied singt. Ihr ist es plötzlich egal ob ihr jemand zuhört. Denn sie weiß, sie hat Talent zu singen und so hat wohl niemand hier noch ihre sonst leise Stimme gehört - so wie sie dasteht und voller Freude das Lied singt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tihana am 07. Feb. 2005, 17:33 Uhr
Als Tihana die Augen aufschlägt, ist ihr bitterlich kalt. Sie muss tatsächlich nach dem für sie üppigen Mahl eingeschlafen sein. Und das im Freien, Schnee und Kälte ausgesetzt. Ihre Beine sind steif vor Kälte und ihre Hände schmerzen sehr. Auch wenn sie eine Mantel über hat, wärmen tut er in dieser Jahreszeit nicht viel. Steif steht sie auf, den Rest ihrer Beute noch immer fest an den Körper gedrückt. Einen Moment muss sie sich an den Tonnen festhalten um nicht das Gleichgewicht zu verlieren und wieder etwas Gefühl in die Beine zu bekommen. Langsam, immer schön mit einer Hand an der Hauswand, wendet sie sich wieder richtung Marktplatz. Noch immer, obwohl der Tag weit fortgeschritten ist und es wieder angefangen hat zu schneien, herrscht Treiben auf dem Markt.
An der Ecke bleibt sie stehen und lehnt sich gegen die dicken Mauern des alten Gebäudes. Ein paar mal haucht sie in die geballten Hände, doch wirklich Wärme bekommt sie nicht in die steifen Glieder. Ich muss etwas Wärmeres finden für die Nacht, sonst erfrier ich noch.
Sie lässt ihren Blick über den Platz schweifen, beobachtet, lauscht. Und tatsächlich bleibt ihr Blick bald an einem Gasthaus hängen. Etliche Leute gehen ein und aus und auch Pferde werden hinter das Haus geführt und verweilen dort eine Weile. Tihana schließt daraus, das dort ein Stall sein muss. Groß und warm. Warm! Einen Versuch ist es wert. Vielleicht hat sie Glück und sie findet eine Ecke im Stall und vielleicht, mit noch sehr viel mehr Glück würde man sie erst am nächsten Tag entdecken.

So setzt sie sich in Bewegung, langsam, ihrer Beine immer noch nicht ganz mächtig, immer in Richtung des Gasthauses. Sie macht einen kleinen Bogen darum, nähert sich langsam von hinten dem Stall und wartet einen Moment ab, in dem die Stallburschen unachtsam sind. Gekonnt schlüpft sie durch die große Stalltür hinein und schaut sich kurz um. In der hinteren Box, etwas geschützt vor Blicken, steht eine große Stute, ein Arbeitspferd. Leise schleicht sie in die Box, legt nur kurz beim Vorbeischlüpfen dem Pferd die Hand auf den rießigen Kopf und verschwindet gleich in einer Ecke der Box. Nur kurz schaut sie noch einmal über die Bretter, um zu schauen, ob die jungen Männer sie gesehen haben. Doch es tut sich nichts. Genüsslich macht sie sich es warmen Stroh gemütlich, lehnt sich seitlich an die Stallwand, die Knie fest an den Körper gezogen, und döst ein.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Amarde am 08. Feb. 2005, 18:37 Uhr
Amardé rechnet eigentlich nicht damit, dass die junge Frau seiner Aufforderung folgt. Als sie es dann aber doch tut, tritt er respektvoll ein paar Schritte zurück.

Sie ist eine geborene Sängerin. Und sie weiß, dass ihre Stimme Gold wert ist. ... Ihr fehlt nur das Vertrauen darauf auch etwas zu machen.

Aber Amardé konnte ihr Zaudern verstehen. Er selbst würde sich auch kaum auf ein Leben einlassen, in dem er lediglich von seinem Spiel auf der Rebec leben würde.
Vergnügt begleitet er die durchaus kräftige Stimme der jungen Frau mit seiner Rebec, denn das Lied, das sie angestimmt hat, ist ihm durchaus bekannt.
Mit seinem Spiel will er sie lediglich begleiten; ja unterstützen und stärken, aber auf keinen Fall unterdrücken.
Und während er ihrer Stimme lauscht, hat er auch Zeit sich erstmals im Schank umzusehen. Viele Gäste haben sich ihnen zugewandt und auch Aingeals Begleiter scheinen erstaunt über deren Fähigkeiten zu sein.
Doch obwohl die beschwingte Melodie voller Lebenslust steckt, scheint immer noch ein dunkler Schatten über dem Gasthaus zu schweben. Erst beim zweiten Hinsehen erkennt er, dass die Bedinungen und die Wirtsleute trotz der fröhlichen Melodie kein wirkliches Lächeln zustande bringen. Irgendetwas Schlimmes scheint hier passiert zu sein.

Na vielleicht können wir sie wenigstens ein bisschen ablenken.  denkt er sich und widmet sich wieder vollends seiner Musik.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Arwen am 08. Feb. 2005, 18:43 Uhr
Auf den Straßen der Stadt / In Borgils Privatgemächern




Sie haben das Anwesen gerade verlassen und wollen auf die Gasse einbiegen, die sie von der Uferstraße hinauf zum Marktplatz und zur Harfe führen wird, als sie kurz vor der Einmündung beider Straßen einige Blaumäntel stehen sehen. Zwei von ihnen, ein junger, ziemlich blasser dem deutlich so etwas wie Angst ins Gesicht geschrieben steht und ein anderer, älter, vierschrötig, untersetzt und mit Kummer- und Zornesfalten im Gesicht scheinen den anderen etwas zu erklären, wechseln Worte, deuten hier hin und dorthin. Und verstummen schlagartig und wie abgesprochen, als die beiden Elben sich ihnen nähern. Betretenes Schweigen. Köpfe werden respektvoll grüßend gesenkt. Arwen erwidert den Gruß, mechanisch, ohne wirklich auf die Männer zu achten. Ihre Gedanken sind bei dem, was sie in der Harfe erwarten mag. Den dunklen Fleck im Schnee, rot wie Saft von Eibenbeeren, hat der Schnee der vergangenen Nacht längst gnädig mit seinem weißen Tuch verdeckt. Weiß wie die Trauerfarbe der Elben. Udn noch immer fällt der Schnee in großen weißen Flocken aus einem stahlgrauen Himmel.

In der Harfe angekommen, nehmen sie nicht die Vordertür, die zu dieser frühen Stunde ohnehin noch verschlossen ist, sondern gehen um das Haus herum zum Gesindeeingang. Im Stall herrscht trotz des morgendlichen Treibens der Knechte, dem Füttern der Tiere und Misten der Unterstände eine gespannte, betretene Stille, so als würden Tier und Mensch den Atem anhalten.
Die Tür ist nicht verschlossen, und als sie eintreten, steht ihnen eine der Mägde Borgils gegenüber und versucht mit zwei Eimern heißen Wassers noch so etwas wie eine Knicks hinzubekommen, als Arwen nach Borgil fragt. "Herr Borgil ist in seinen Gemächern, Mylady, Mylord. Soll ich euch hinführen?" Arwen winkt dankend ab. Sie kennt den Weg noch von jenem Abend, als Cron und Falcon sich im Garten der Harfe mit Feuerwein betrunken hatten und sie mit Niniane bei dem Zwerg gewesen war, um das Essen für eine Hochzeit zu besprechen. Dann hält sie die Magd noch einmal zurück. "Hat man die Heilerin Morgana geholt?" "Ja, Mylady. Sie ist hier, mit der anderen Heilerin, einer Elbin. Aber sie... es ging ihr nicht gut, sie liegt jetzt in einem der Gästezimmer und schläft."

Ein langer Gang. Vorbei an Fässern mit dem berühmten Bier der Harfe, dann stehen sie vor der Tür zu den Privatgemächern des Zwerges. Zögernd hebt Arwen die Hand, und klopft dann doch an. Leise knarrend gibt die Tür nach, sie ist nur angelehnt, nicht verschlossen. Sie wechselt einen Blick mit Nadir und drückt die Tür dann ganz auf um einzutreten. Was sie sieht, als sie im Zimmer steht, lässt Arwen allerdings nach wenigen Schritten erstarren. Im Kamin flackert ein knisterndes Feuer. Davor, auf Pelzen und einem kheyrisischen Teppich liegt jemand. Sie kann das Gesicht nicht sehen, denn noch davor kniet Borgil, mit nassen Haaren und den kahlen Zwergenschädel zieren neben der altvertrauten Narbe einige blutunterlaufenen Prellungen, die aber schon jemand versorgt zu haben scheint. Und noch jemand ist da, eine zierliche Person steht noch hinter dem Zwergenwirt und hat ihre Arme so um den Hals desselben geschlungen, dass sich weißblonde Haare mit dem dichten roten Schopf Borgils vermischen wie Feuer und Eis. Irgendwie gelingt es Arwen, ihre Beine daran zu erinnern, welche Aufgabe sie haben, und sie macht einige Schritte weiter in das Zimmer hinein. Nun kann sie auch das Gesicht sehen, das zu dem Körper am Kamin gehört. Und aus der Nachricht des Botenjungen wird bittere Wirklichkeit: Phelan. Der Waldläufer, Protektor des südlichen Larisgrüns liegt dort auf den Pelzen am Kamin. Das Gesicht totenbleich, und doch... was auch immer geschehen sein mag, um seine Lippen scheint noch immer ein Lächeln zu spielen. Was auch immer er erlitten haben mochte, dass es sein Leben forderte, es scheint, als sei er in Frieden gestorben. Wenigstens das... hoffentlich wenigstens das... Anukis, gewähre Deine Gnade und nimm ihn in Deine Obhut...

Sie kann gerade noch die Worte der weißblonden Person hören > Das... ist nicht.. fair...< Und schüttelt innerlich den Kopf. Der Tod ist nie gerecht, wenn er jemanden aus der Mitte seiner Freunde und Gefährten reißt. Ihre Hand sucht in den Mantelfalten nach Nadirs, denn sie ist sich nicht wirklich sicher, ob sie selber dem gewachsen sein wird, was sie erwartet, dazu ist die Trauer, die das ganze Zimmer auszufüllen scheint wie Blei, viel zu tief,  "Meister Borgil..." Arwens Stimme ist leise, und das nicht nur, weil der Respekt vor dem Toten es gebietet. "Ihr hattet mich rufen lassen... Was um aller Götter Willen ist passiert? "

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Roana am 08. Feb. 2005, 19:38 Uhr
Mittags in der Harfe

Erstaunt starrt Roana Aingeal an. Singen kann sie, aber wirklich... ´Sie fühlt sich unglaublich leicht während das Mädchen singt, es erinnert sie an ein warmes Haus und fröhliche Kinder, an so vieles. Amarde Rebes begleitet Aingeals Stimme hörbar, aber nicht so, das sie ihre Stimme überspielen würde. Zwischendurch kommt die Schankmagd und bringt ihnen ihr essen. Roana nimmt es dankbar entgegen, aber ist zu sehr damit beschäftigt Aingeal zuzuhören, als etwas zu Essen. Verträumt dreht sie sich zu Antyr: "Ist das nicht wunderschön? Ich erinnere mich nicht mehr wann ich das letzte Mal jemanden singen gehört habe, und auch nicht so schön." Nur einmal hat jemand gesungen, ein trauriges und wundervolles Lied. Kräftige Stimme, viel rauher als Aingeals, damals....

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Antyr am 08. Feb. 2005, 20:05 Uhr
Mittags in der Harfe

Als der fremde Mann beginnt, auf seinem Instrument zu spielen, kann Antyr eigentlich nur darüber schmunzeln, wie sich jemand so etwas einfallen lässt...erst vor unbekannten Leuten auf die Knie fallen, sich in ein Gespräch zu drängen und dann auch noch alles untergraben, indem man auf seinem Instrument dudelt. Antyr ist es eigentlich mehr als unangenehm, dass er jetzt die ganze Aufmerksamkeit der Harfe auf den kleinen Tisch zieht, und als Aingeal auch anfängt zu singen kann er nicht anders als sein Gesicht in seiner Hand zu vergraben.
Sicherlich, eine wunderbare Stimme hat sie...aber ich dachte wir sind hier um uns den Bauch vollzuschlagen.
Das Essen wird herangebracht: drei hölzerne Schalen mit Eintopf, etwas Brot und drei Becher. Antyr greift sogleich nach einem Löffel und beginnt zu essen, während um ihn herum irgendwie immer noch Trubel herrscht und einige Leute zu der Musik in die Hände klatschen. >Ist das nicht wunderschön? Ich erinnere mich nicht mehr wann ich das letzte Mal jemanden singen gehört habe, und auch nicht so schön,< hört er Roana sagen, und er lächelt ihr nickend zu. "Ja das stimmt," antwortet er knapp, ehe er weiterisst und versucht, nicht auf die Gesichter der Gäste um sich herum zu achten. Stattdessen starrt er Roana an, so als könnte sie etwas tun, damit es aufhört.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Roana am 08. Feb. 2005, 20:47 Uhr
Fast bemerkt Roana  Antyrs Atwort ga nicht und merkt erst später das er überhaubt etwas gesagt hat.  Ein knappes ja stimmt. Áls sie sich wieder von der Musik abwendet, bemerkt sie das Antyr sie fast ein wenig verzweifelt ansieht. Daraufhin wechselt ihr Gesichtsausdruck von verträumt zu belustigt. Sieht fast so aus, als wäre ihm diese Darbietung unangenehm, eigentlich sogar sehr... Sie zuckt kurz mit den Schultern. "Da kann man nichts machen denke ich, wenns ihr Spaß macht." Langsam wird sie sich der Aufmerksamkeit der Leute bewusst. Obwohl diese eher auf Aingeal und den Mann mit dem Instrument, Roana hatkeine Ahnung was es sein könnte, achten, kann sie verstehen, dass Antyr sich unbehaglich fühlt, so schüchtern und vorsichtig wie er vorher schon war. "Du kannst ja versuchen dich unter dem Tisch an den Leuten vorbei zu schleichen, dann merkt vielleicht keiner, dass du Aingeal kennst." Sie lächelt ihn freundlich an und fügt dann ein wenig ernster hinzu:"Sie hört sicher gleich auf."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von lila am 08. Feb. 2005, 21:13 Uhr
Noch immer entzückt vom Spiel des Musikers, kann Avivit den Blick nicht mehr von ihm abwenden.
Ihr seid ein Meister Eures Instrumentes. So spielt nur, spielt noch einmal.

Ihre Überraschung ist noch größer, als die Frau, neben der er zum Stehen kam, als er aufhörte zu spielen, sich erhebt und mit einer lieblichen vollen Stimme ein Lied anstimmt. Leiser als zuvor setzt nun auch der junge Mann, der ein paar Schritte zurückgewichen war, um ihr Platz zu machen, wieder ein und untermalt die bezaubernde Stimme mit einer Melodie.

Avivit lauscht den beiden verträumt und bemerkt nicht, dass eine der Bedienungen inzwischen ihr bestelltes Mahl vor ihr auf dem Tisch abgestellt hat. Zu sehr fasziniert sie das, was ihren Ohren grade geboten wird. Wieder zucken ihre Glieder, als könnten sie der schmeichelnden Aufforderung der Musik keine Sekunde länger widerstehen.

Ach, was solls ..., denkt sie bei sich, ergibt sich dem tiefen Drang in ihrem Inneren und erhebt sich schwungvoll von ihrem Platz. Wer weiß, wann sie das nächste Mal eine solche Gelegenheit haben würde, so wollte sie diese hier nicht ungenutzt vorüber ziehen lassen. Sie schlängelt sich an ein paar Stühlen vorbei und platziert sich mit etwas Abstand von den beiden zwischen den Tischen im Schankraum.

Langsam beginnt sie sich zu bewegen und in windeseile hat der schwungvolle Rhythmus Besitz von ihr ergriffen. Musik und Bewegung blasen die für einen Augenblick aufkommende Unsicherheit schnell wieder von dannen. Leichtfüßig schweben ihre Füße über den Boden und bei jeder Drehung fliegt ihr dunkelblaues Kleid im weiten Kreis um ihre Beine. Mehr und mehr geht sie in der Musik und den Bewegungen auf, schließt die Augen und vergißt die Welt rings umher. Beschwingte Pirouetten folgen im Wechselspiel eher ruhigen Bewegungen, in denen ihre Hände zu einem sanften Hüftschwung elegant Muster in die Luft zeichnen.

Vor ihrem geistigen Auge sieht Avivit die Bilder von herrlichen Festen vorüberziehen, auf denen sie in den vergangenen Jahren tanzen durfte, hört die fröhlichen Lieder in ihrem Kopf und fühlt die Freude dieser Zeit erneut in ihr aufsteigen. Das Glück, das sie erfüllt, steht ihr deutlich ins Gesicht geschrieben und sie schenkt ihr herzliches Lächeln nun den Gästen ringsum, die zu ihr hinüber sehen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aingeal am 09. Feb. 2005, 10:28 Uhr
Mittags in der Harfe

Aingeal singt mit voller Stimme und als Amardé sie auch noch auf der Rebec begleitet, vergisst sie alles um sie herum. Weder merkt sie das eine Schankmagd das Essen bringt, noch merkt sie das es Antyr unangenehm ist das sie so Aufmerksamkeit auf sie zieht.

Doch als sich plötzlich die Frau erhebt und zu tanzen beginnt, dies bemerkt Aingeal. Sie tanzt wunderbar..schießt es ihr kurz durch den Kopf..

Doch bald ist das Lied zu Ende und langsam verstummt ihr Gesang. Als ihr klar wird das sie sehr viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, errötet sie und setzt sich sofort hin, wo sie bemerkt das diese Darbietung Antyr scheinbar sehr unangenehm war. "Entschuldigt", haucht sie verlegen.
Einige Leute applaudieren, was sie noch verlegener macht.
Und als sie sieht das das Essen schon auf dem Tisch steht, spürt sie das sie Hunger hat. Doch bevor sie zugreift wartet sie noch einen Moment und fragt Amardé: "Nun hat Ihr mich singen gehört...was erwartet Ihr jetzt eigentlich von mir?" Der Frau die vorhin getanzt hat wirft sie ein freundliches Lächeln zu und schaut dann Amardé in die Augen, auf eine Antwort wartend.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von lila am 09. Feb. 2005, 16:44 Uhr
Als die Musik langsam ausklingt, verlangsamt auch Avivit ihre Bewegungen und kommt schließlich zum Stehen. Überglücklich wirft sie den beiden ein strahlendes Lächeln herüber und geht einige Schritte auf sie zu.

"Habt vielen Dank" sagt sie über die Schulter der jungen Frau hinweg halb flüsternd zu den beiden und nickt ihnen noch einmal anerkennend zu, bevor sie sich umdreht und wieder auf ihren Platz zusteuert, wo Shirin noch immer dösend zusammengerollt liegt. Weder die Musik noch das vor ihr stehende Schälchen Milch konnten die Streunerin bislang munter werden lassen.

Avivit setzt sich mit einem Schmunzeln auf den Lippen und zieht ihren Teller näher zu sich heran. Zufrieden macht sie sich über ihre Mahlzeit her und wirft immer wieder vorsichtige Blicke zu dem Tisch, an dem die beiden noch immer stehen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 09. Feb. 2005, 23:04 Uhr
Am Morgen nach der Sithechnacht in Borgils Privatgemächern


Borgil ist mehr als froh, daß Azra wieder bei ihm ist. Nicht nur, weil ihm das magere Mädel längst ans Herz gewachsen ist, sondern auch, weil er es nur schwer ertragen hätte, jetzt allein zu sein. Er hat alles noch nicht wirklich begriffen - das ganze Ausmaß des Entsetzens, die volle Tragweite all der Geschehnisse der vergangenen Nacht, ob nun unter den Straßen Talyras oder auf ihnen - alles ist durcheinandergeraten und es wird nie wieder gut. Er kniet neben Phelans Leichnam, dem der Tod die sachte Andeutung eines Lächelns in den Mundwinkeln nicht hatte nehmen können und drückt gedankenverloren die schmalen, kleinen Hände, die sich auf seiner Brust treffen. Azra steht hinter ihm, hat die Arme um seinen Nacken geschlungen und ist einfach nur da. "Schon gut, Mädel. Das Leben ist nie fair. Wir müssen..." er kommt nicht weiter, denn mit einem leisen Knarren schwingt die Tür auf und als Borgil sich halb umwendet, sieht er Arwen und Nadir Silberklinge, die seine Gemächer betreten. >Meister Borgil...Ihr hattet mich rufen lassen... Was um aller Götter Willen ist passiert?<
Borgil löst Azras Griff, behält aber ihre Hand in seiner und macht eine knappe Geste in Richtung des wuchtigen Eichentisches mit den ebenso wuchtigen, holzgeschnitzten Stühlen darum. Was passiert ist? Götter, DAS wenn ich wüßte... "Setzt Euch. Arwen, Lord Nadir. Bitte. Glaubt mir, es ist besser, wenn Ihr sitzt, bevor ich anfange, Euch die Geschichte zu erzählen."

Er rückt auch Azra einen Stuhl zurecht, holt für sie alle eine Karaffe mit Uisge und vier bleischwere Becher aus dickem, geschliffenem Rauchglas, dann setzt er sich endgültig zu ihnen und lehnt den schmerzenden Brustkorb an. "Ich werde... Euch alles erzählen. Aber zuerst müßt Ihr noch etwas wissen." Er tauscht einen Blick mit Nadir und sucht dann mit seinen schwarzen Zwergenaugen voller Kummer die Arwens. "Arwen, nicht nur Phelan ist tot, was beklagenswert genug ist." Einen Moment klebt seine Zunge am Gaumen und er kann nicht weitersprechen. "Auch... auch..." dann strafft er sich. "Caewlin und Raven sind in den Tunneln geblieben. Sie wurden verschüttet und sind tot. Und Calyra. Calyra wurde... erschlagen, es ist noch keine zwei Stunden her." Dann erzählt er alles, die ganze, verworrene, leidige Geschichte, angefangen vom Auftauchen Ninianes und Caewlins bei ihm in der Harfe vor drei, nein vier Tagen, über ihre Abenteuer in den Tunneln, ihrer verzweifelten Suche nach Raven, dem Finden Aurians und Jens, ihrem Kampf mit den Kanalratten... er läßt nichts aus, er berichtet von allem, soweit er sich erinnern kann und dabei war... und dann vom Einsturz der Tunnel und der Honigwabe, von ihrer wilden Flucht und allem, was danach noch geschehen war. Er merkt gar nicht, wie ihm beim Sprechen die Tränen in den dichten roten Bart tropfen, aber die ganze Zeit über hält er Azras Hand in seinen schwieligen Zwergenpranken... und als er schließlich endet, ist die Sonne bereits hochgestiegen. "Jetzt wißt Ihr alles. Und weil Niniane.... Niniane einfach nicht mehr konnte, habe ich Euch rufen lassen. Schließlich seid Ihr Anukispriesterin und Phelan stand im Dienst der Göttin."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Arwen am 10. Feb. 2005, 23:26 Uhr
Zögernd und verunsichert folgen sie Borgils Aufforderung, sich an den Tisch zu setzen. Und als er die schweren Becher und den Uisge an den Tisch bringt und jedem von ihnen einen gehörigen Schluck einschenkt, will Arwen erst abwinken. Derart starke Sachen trinkt sie sonst nicht. Aber irgendetwas in den Augen des Zwerges hält sie davon ab. >Glaubt mir, es ist besser, wenn Ihr sitzt... besser wenn ihr sitzt... besser.... sitzt....< Auch dem weißblonden Mädchen stellt der Zwerg einen gefüllten Becher hin, und während sich Borgil endlich zu ihnen setzt und sich scheinbar alles andere als schmerzfrei in seinem Stuhl zurücklehnt, hat Arwen einen Moment Zeit, das Mädchen zu betrachten - Und kann nur knapp verhindern, dass sie fauchend Luft holt, als sie das Mädchen als das erkennt, was sie ist. Ein Shebaruc-Halbblut!... Götter, was kommt als nächstes?... Was bringt diese Sithechnacht noch mit sich?... Ihr Blick wandert zurück zu Borgil, in dessen Hand die Hand des Mädchens ruht und fast zu verschwinden scheint. Und der Blick, mit dem das Mädchen an Borgil hängt, zeigt mehr als deutlich, dass ihr der Zwerg viel zu bedeuten scheint. Shebarucblut hin oder her, dieser Teil ihres Erbes scheint hier und für den Harfenwirt keine Rolle zu spielen. Und die Worte, die dann im Raum stehen wie die dunklen Schatten lassen ohnehin jeden anderen Gedanken in den Hintergrund treten.

>Caewlin und Raven sind in den Tunneln geblieben. Sie wurden verschüttet und sind tot. Und Calyra. Calyra wurde... erschlagen, es ist noch keine zwei Stunden her>

Arwen sieht Borgil mit großen Augen an und ihr Mund ist mit einemmal staubtrocken. Als sie ihn ansieht, weiß sie, dass es die bitterer Wahrheit ist, und will es doch nicht glauben, will sich einreden, dass sie das nicht gehört hat. Sie blinzelt und versucht zu schlucken, aber es geht nicht, sie schluckt nur Luft. Caewlin... Calyra... Raven... Göttin! NEIN! Das kann nicht sein.... Das darf einfach nicht sein!... SO grausam kann das Schicksal nicht sein... Den Kopf gesenkt, starrt sie einen endlosen Augenblick lang blind auf ihre Hände. Und dann greift sie doch nach dem Becher mit dem Uisge. Schluckt, muss husten, weiß plötzlich, warum Borgil gewollt hat, dass sie sich vorher setzen und spürt dann eine brennende Wärme, die langsam ihr Denken wieder einsetzen lässt. Sie will etwas sagen, doch Borgil lässt ihr gerade Zeit genug, den ersten Schock dieser Nachricht zu verdauen. Dann beginnt er zu erzählen, die ganze, lange, verworrene Geschichte. Und je länger die Worte das Bild der Ereignisse zeichnen, desto mehr Tränen finde ihren Weg aus trauerumschatteten Augen in einen dichten roten Bart. Schweigend hört sie ihm zu,, unterbricht ihn nicht, stellt keine Fragen.

Bei Tagesanbruch ist der Himmel stark bewölkt gewesen und es hat leise geschneit, aber der Vormittag ist vorangeschritten und hat schwache Sonnenstrahlen mit sich gebracht, die sich nun durch das Fenster hereintasten. Nur ein ganz kleines Stück von ihr entfernt wartet tiefe Trauer. Arwen hat es nicht eilig, sie näher herankommen zu lassen. Und es kostet sie schon genug Kraft, das Entsetzen von sich fern zu halten, das wie Donnergrollen noch immer in ihr nachhallt. Caewlin... Calyra... Raven... Phelan... tot...tot… Sie sperrt die Trauer aus ihren Gedanken aus, versucht, das Entsetzen aus ihrem Denken zu verdrängen. Später. Später würde sie trauern können, würde sie Schmerz und Tränen zulassen können. Jetzt. Jetzt tut sie das, was viele Jahrhunderte ihre zweite Natur gewesen ist: Sie flüchtet sich in Aufgaben die es zu erledigen gilt und legt ihren Schutzmantel aus Selbstdisziplin an - zum Schutz vor sich selber und ihren Gefühlen, die sie sonst nicht glaubt ertragen zu können.

"Götter. Das ist nicht gerecht... Das..." Abrupt bricht sie ab und richtet sich in ihrem Stuhl auf. Der Becher mit dem Uisge ist längst geleert, und obwohl sie solcherlei Getränke alles andere als gewohnt ist, scheint er keine Wirkung zu zeigen. Ihre Stimme ist hörbar belegt. "Phelan... Ich werde ihn in den Tempel bringen, damit er dort hergerichtet und aufgebahrt wird, bis er beigesetzt werden kann. Hat... hat er noch etwas gesagt, wo.. oder wie...?" Doch Borgil schüttelt nur den Kopf und meint Morgana habe noch etwas von einem letzten Wunsch gesagt und von Niniane. "Sie ist in einer der Gästekammern und schläft? Gut.. oder nicht gut, aber jetzt wohl das beste für sie." Arwen holt tief Luft und drängt die Tränen zurück, die schon wieder vehement an die Oberfläche drängen. "Habt ihr einen Wagen für uns, der Phelan zum Tempel bringen kann? Sonst lasst einen von Vinyamar holen." Borgil nickt nur. "Dann schaue ich kurz nach Morgana, ehe wir ihn fortbringen. Es wird besser sein, sie weiß, wohin wir ihn bringen."

Keine halbe Stunde später ist alles bereit: Phelan liegt auf weichen, dunklen Decken aufgebahrt auf der Ladefläche eines Wagens, neben ihm kniet Morgana, den verhüllten Kopf in ihrem Schoß. Arwen hatte sie davon abbringen wollen, es aber angesichts ihres wirren Blickes und der unablässig fließenden Tränen aufgegeben. So wie sie es in der Gästekammer von Borgil schon aufgegeben hatte, aus Morgana mehr als nur einzelne Worte heraus zu bekommen. Die Heilerin hatte wach im Bett gelegen, den Blick starr an die Decke gerichtet, und stumme Tränen waren ihr über das Gesicht gelaufen. Die Elbin war sich nicht wirklich sicher, ob Morgana überhaupt verstanden hatte, was sie ihr gesagt hat, wohin sie Phelan bringen werden. Erst die Frage nach Phelans letzten Wunsch schien für kurze Zeit zu ihr durchzudringen und ihr Blick wurde klarer. "Bei Aethling, seinem Sohn.. und Niniane weiß, wo..." Mehr war an klaren Worten nicht aus ihr heraus zu bekommen. Angesichts Morganas Zustand hatte Arwen die Heilerin schließlich in deren Mantel gehüllt und mit sich nach unten genommen.
Arwen und Nadir haben neben dem Knecht auf dem Kutschbock Platz genommen, wobei Arwens Blick sich immer wieder nach hinten richtet, zu Morgana. Doch die scheint um sich herum nichts wahrzunehmen. Sie würden Phelan nicht direkt in den Anukis-Tempel bringen. Aber der Umweg, den Arwen den Knecht zu nehmen bittet, ist nicht weit, am Tempel der Mondfrau kommen sie ohnehin vorbei. Und dort, im Haus der Göttin, deren Zeichen Morgana trägt, wäre die Heilerin jetzt sicher besser aufgehoben als in der Harfe oder in der Kräuterkate. Dort würde sie hoffentlich Ruhe und Trost finden.

Und dann macht sich zum zweiten Mal an diesem Tag Wagen mit trauriger Fracht im verschneiten Morgenlicht auf den Weg.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Antyr am 12. Feb. 2005, 16:08 Uhr
Mittags in der Harfe

Als sich Aingeal wieder setzt, ist Antyr noch immer dabei, seine Mahlzeit zu essen. Währenddessen schaut er zu Aingeal und dem Fremden hinüber, und lauscht was sie zu reden haben. Dass sie gerade das in der Harfe zur Mittagszeit erleben, hatte er nun nicht gedacht, und so schüttelt er noch einmal belustigt mit dem Kopf, während er sich einen weiteren Löffel Eintopf nimmt und ihn genüßlich in seinen Mund schiebt.
Ein Blick zu Roana sagt ihm, dass wenigstens auch sie etwas isst. Da Aingeal ja mit dem Musiker beschäftigt ist, wendet er sich an Roana. "Wir sollten uns etwas beeilen, denn schließlich wollten wir doch noch zu diesem Tempel," sagt er laut genug, dass es wohl auch Aingeal hören kann. Zufällig bemerkt er die Blicke der Frau einige Tische weiter, welche zu der Musik getanzt hatte. Antyr wundert sich etwas, nickt ihr jedoch höflich lächelnd zu und isst dann weiter. Er hofft dass sie nicht zu lange hier bleiben werden, denn er würde gerne noch Madam Pileh in der Schneiderei zur Hand gehen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 12. Feb. 2005, 17:19 Uhr
Am Mittag nach der Sithechnacht



Azra zuckt fürchterlich zusammen, als sie plötzlich hinter sich eine Stimme vernimmt, als würde gleich wieder der Tod persönlich hier im Zimmer stehen. Stattdessen kann sie durch die Nebel, die sich vor ihnen Augen ausgebreitet haben, eine hochgewachsene, schlanke Frau erkennen, deren Anmut und Schönheit es beinahe vermag, über die Trostlosigkeit in der Stube zu dringen.  Eine Elbe, zierlich, mit fliessenden Bewegungen, trotz des Schreckens in ihren graugrünen Augen, die alt aussehen, scheint sie sich unter Kontrolle halten zu können.
Der Herr Zwerg wendet sich der Elbe zu, löst Azra’s Griff und sie will bereits nach seiner Hand greifen, als er dies selbst übernimmt. Die Angst davor, in diesem Raum momentan alleine dazustehen, kommt ihr Furcht einflössend vor und ihre dünnen Finger klammern sich mit aller Kraft an die grossen Zwergenhände. Sie lässt sich einfach schieben, als der Herr Zwerg auf die Stühle deutet und findet sich schliesslich in einem der robusten Stühle wieder, wie perfekt für einen Zwerg gemacht. Dabei wendet sie den Blick nicht von Borgil, Schmerzen zeigen sich in ihren Augen, als sie sieht, wie viel Mühe es ihm alleine bereitet sich zu setzten. Den Becher Uisge beachtet sie nicht, zumindest noch nicht, denn jetzt hängen alle ihre Sinne an des Zwergen Lippen, die zögerlich beginnen zu erzählen, was geschehen ist.
Alleine bei den ersten Worten kann sie ein leeres Schlucken nicht unterdrücken. Raven! So hat die junge hübsche Frau geheissen, der Stelze gehört hat und nun… ist sie tot? Wie kann das sein, vor einigen tagen lebte sie doch noch, wie kann das passiert sein, so grausam kann doch kein Schicksal sein. Azra vermag sich an die schlanke Gestalt zu erinnern, an jenen Abend, als sie hereingeplatzt ist und ihr Stelze dagelassen hat. Wie kann es sein, das sie jetzt plötzlich tot ist?

Der Herr Zwerg beginnt mit schwerer und noch tieferer Stimme als sonst zu sprechen, Nach und nach laufen ihm dicke Tränen über seine geprellten Wangen, fliessen in seinen Bart und bleiben dort als kleine Tropfen, die im fahlen Licht glänzen, hängen. Er berichtet von Dingen, die Azra für Lügenmärchen halten würde, wenn es nicht der Herr Zwerg erzählen würde und wenn sie nicht selbst miterlebt hätte, wie plötzlich ein Mann mit einer Toten im Raum gestanden war. Wieder konnte sie die verhüllte Gestalt sehen, das silberne lange Haar, das blutverschmiert dem Boden entgegen gefallen war, wie die Elbin plötzlich vom Stuhl gefallen war, wie Borgil aufgesprungen ist… All die Bilder spucken ihr im Kopf herum und als der Herr Zwerg endet, drückt sie seine Hand so fest, dass ihre Knöchel weiss hervortreten, doch er bemerkt davon nichts. Raven, Caewlin, Phelan und auch noch Calyra. So viele für so wenig. So viele für Nichts, zumindest erscheint es Azra so. Sie haben nichts erreicht und haben teuer dafür bezahlt, viel mehr, als das ein Schicksal dies hätte zulassen dürfen. Gab es keine Götter auf dieser Welt? Wo waren sie geblieben?
Der Blutelbenmischling starrt auf einen leeren Punkt in der Luft und versucht sich aus dem Gewirr an Eindrücken, Gefühlen und Erinnerungen zu lösen. Die Elbin sagt irgendwas, doch Azra kann sie nur ansehen ohne ihre Worte zu verstehen, zu sehr befindet sie sich noch in den Geschichten, die der Herr Zwerg erzählt hat. Erst als die schlanke Dame sich erhebt schreckt Azra vollends auf, springt plötzlich auf und sitzt einen Moment später wieder, weil sie den Herrn Zwergen nicht losgelassen hat und dieser noch immer in seinem Stuhl sitzt.

Sie folgt einfach den Schritten Borgil’s und findet sich schliesslich ohne Umhang auf der kalten, frühmorgendlichen Strasse wieder, den starren Blick auf den dahinfahrenden Wagen gerichtet, der einen Moment später hinter der nächsten Wegbiegung verschwindet. Die Sonne sendet ihre Strahlen über die ersten Dächer Talyras, kitzelt den Rest der Schlafenden mit  ihrem rötlichen Schein und gnädigerweise hat sich über das Blut vor der Harfe, bereits eine dichte Schicht Neuschnees gelegt. Azra spürt die Kälte nicht, bis sie das Klappern ihrer eigenen Zähne hört und zusammen mit dem Herr Zwerg geht sie wieder hinein, zurück in seine Privatgemächer, wo er sich in einem Sessel niederlässt. Ohne gross zu stocken, kniet sie neben ihm auf den Boden und legt Arme und Kopf auf seine Beine, vorsichtig, denn sie kann noch nicht einmal vermuten, wie bunt er unter seiner Kleidung aussieht. Wieder tastet sie fürsorglich nach seiner Hand und streicht leicht mit dem Daumen darüber, als wäre er der Schutz bräuchte. Ihre Stimme ist brüchig, zittern, sie zögert bevor sie es wirklich wagt zu sprechen, doch schliesslich gelangen doch noch einige Worte über ihre blutleeren Lippen, die noch immer leicht bibbern: „Ich … also... es gibt wohl.. keine Worte die man sagen kann.. ohne.. also… Es liegt so schwer … es… tu.. so weh…“ Plötzlich spricht sie nicht mehr von dieser Situation hier, sondern von etwas, das bereits ein Jahr zurückliegt, von Schmerzen die sie selbst nie mehr vergessen hat, von Angst und Trauer, die ihre Seele zerfressen haben. Damals ist der Wanderer gestorben, das Wesen, das sie aufgezogen hat und mit einem Male weiss sie wieder genau, wie es damals gewesen ist. Ein Schauer geht durch ihren Körper und ihre Hände verkrampfen sich, ein Wimmern dringt aus ihrem Mund bevor sie schnell weiter spricht: „Er hat… mir von Göttern erzählt… Sie.. würden.. die Leute beschützen, die an... sie glauben… Aber.. Das.. stimmt ja .. gar nicht!!!“ Sie bemerkt selbst nicht, das ihre Stimme immer ein wenig lauter geworden ist, bis sie klar und deutlich durch die trägere, dumpfe Schwere in dem Raum schneidet, wie ein Messer durch Butter. „Weder dem Wanderer noch Phelan oder den Anderen… Niemandem habe die Götter geholfen… Das ist grausam…“



Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aingeal am 12. Feb. 2005, 18:22 Uhr
Mittags in der Harfe

Bevor Amardé Aingeal noch antwortet hört sie Antyr sagen von wegen in den Tempel gehen. "Wisst Ihr Antyr, wir können uns ruhig zeit lassen, Madam Pileh wird sicherlich nicht allzu früh wieder in der Schneiderei sein. Ich will mich ja eh nicht allzulange im Tempel aufhalten, macht Euch also keine Sorgen." Sie genehmigt sich einen Löffel Eintopf und trinkt einen Schluck von ihrem Tee.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Roana am 13. Feb. 2005, 15:49 Uhr
Als Aingeal sich wieder gesetzt hatte, antwortete sie Antyr:<Wisst Ihr Antyr, wir können uns ruhig zeit lassen, Madam Pileh wird sicherlich nicht allzu früh wieder in der Schneiderei sein. Ich will mich ja eh nicht allzulange im Tempel aufhalten, macht Euch also keine Sorgen.> Antyr sah darüber nicht besonders erfreut aus. "Es wäre troztdem besser wenn wir JETZT gehen. Oder zumindest GLEICH." Roana sah Aingeal ernst an. "Wir haben nicht den ganzen Tag Zeit und obwohl mir dein Gesang wirklich gefällt, sollten wiir heute auch noch zu was anderem kommen." Mittlerweile war der Rest von ihrem Eintopf kalt. Roana trank den letzten Schluck Tee aus und schaute sich nach der Schankmagd um.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aingeal am 13. Feb. 2005, 16:39 Uhr
Mittags in der Harfe

Aingeal wirft Roana einen unverständlichen Blick zu und isst noch die letzten paar Bissen von ihrem Eintopf und wendet sich dann an Amardé: "Wenn Ihr noch etwas von mir wollt, ich bin in der Alten Schneiderei von Madam Pileh zu finden." Dann wendet sie sich wieder an Antyr und Roana: "Na gut, wenn ihr es so eilig habt, dann lasst uns doch Aufbrechen...Ist es euch recht wenn wir uns trotzdem in Richtung des Inaritempels aufmachen? Wenn ihr wollt können wir das aber auch ein ander mal machen..."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von DarkCobra am 13. Feb. 2005, 18:23 Uhr
Es herscht mittlerweile schon Mittagszeit, als Dark die Harfe betritt. Dabei vernimmt er Klänge, die gestern noch nicht zu hören waren. Während Dark im Eingang stehen bleibt, macht er die Quelle dieser Musik aus, einen blonden Musiker. Auch bemerkt die Frau am Tisch stehend, wie sie im Einklang mit der Musik ihre Stimme einbringt. Dann fällt ihm auch noch eine weitere junge Frau im Hintergrund auf, die anscheinend zu beiden tanzt.Die restlichen Gäste schienen im Bann der Vorstellung zu stehen.
<Der blonde könnte der Reisende von gestern sein, dann hat er wohl ein Bad gefunden. Aber nicht nur dies, wie mir scheint.>

Als die Darbietung der drei beendet ist, legt Dark seine Kapuze wieder in den Nacken und begibt sich auf einen freien Platz zu. Kaum hat er dort Platz genommen, ist auch schon eine Bedienung bei ihm, und er bestellt sich einen Krug Met und auch was zum Essen.
Er war heut viel unterwegs und hat dabei herausgefunden, das nichtmal ganz eine halbe Stunde Trabes südlich Talyras ein Pferdhof liegen soll. <Das wäre wohl das richtige für Parijan. Nur wäre das in die falsche Richtung, wenn ich zum Larisgrün nördlich von Talyra hinmöchte.>

Und so ist er eigentlich tief in seinen Gedanken versunken, das er fast nicht mitbekommt, das die Bedienung ihm Speis und Trank auftischt. Ehe Dark mit dem Verzehr beginnt, schaut er sich nochmal Amardé an. <Er scheint wirklich sein Glück hier zu finden. Ich sollte auch langsam fündig werden, irgendwo wird doch hier einer einen Jäger brauchen können.
Dann lässt er sich es aber schmecken, er hatte ja noch nichtmal ein Frühstück geniessen können.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Roana am 13. Feb. 2005, 18:24 Uhr
Roana nickt Aingeal zu und steht dann auf. "Ich würde mir den Tempel gerne anschauen, die meisten Tempel habe ich nämlich nur von Außen gesehen. Also dann. Und noch was, du singst wirklich sehr gut AIngeal." Mehr sagt Roana nicht und wartet das sich auch Antyr erhebt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 13. Feb. 2005, 22:49 Uhr
In Borgils Privatgemächern


"Manchmal sieht es vielleicht so aus, Mädel," erwidert Borgil und das Herz ist ihm so schwer wie ein Mühlstein in der Brust. "Aber die Wege der Götter sind für uns nicht zu verstehen. Wir können nur darauf vertrauen, daß die Mächte schon wissen, was sie geschehen lassen und was nicht." Er sitzt in einem seiner Sessel, die Beine ausgestreckt und Azra neben sich und eine ganze Weile schweigen sie einfach nur miteinander. "Manchmal ist das Leben grausam, Azra. Manchmal ist es schön. Manchmal ist es beides zugleich." Ihre kleine Hand in seiner starrt Borgil auf einen Punkt irgendwo im Nichts. Er fühlt sich wie zerschlagen, zerschmolzen wie Butter in der heißen Pfanne, selbst zu erschöpft, um aufzustehen und die wenigen Schritt in sein Schlafgemach hinüberzustolpern, um in sein Bett zu fallen... seit Tagen zum ersten Mal wieder auf einer richtigen Matratze und unter weichen Daunendecken schlafen. Schlafen...! Welch paradiesische Aussicht. Wenn er nur seine verflixten Füße bewegen könnte. Arwen und Nadir sind fort, haben Phelans Leichnam und Morgana mit sich genommen... dann war Halla erschienen und hatte hier ausgefegt, aufgeräumt und den Boden gescheuert, seine schmutzstarrenden Kleider - vermutlich um sie zu verbrennen - entsorgt und einen Knecht geschickt, der sich um das Reinigen von Kettenwerk und Rüstung kümmern würde. Und während in der Schankstube und in der Küche, in den Gästezimmern, dem Hof und Stall der Harfe ein Tag wie jeder andere seinen Lauf nimmt, ist es in Borgils Gemächern still geworden. Nur Azra ist noch bei ihm und philosophiert über die Ungerechtigkeit des Daseins. Die Kraft für eine wirkliche Unterhaltung haben sie beide nicht. Irgendwann schickt sie ihn mit einem strengen Blick ins Bett, so wie er es in den vergangenen Wochen und Monden allzuoft mit ihr getan hat, als sie so lange krank und dann später wieder, als sie verwundet war. Doch bevor er völlig am Ende seiner Kräfte - und die sind wie bei jedem Zwerg schier unermüdlich - in sein Bett plumpst, läßt er sich von ihr noch rasch ein Stück Pergament, Federkiel, Tinte und Löschsand geben und setzt einen kurzen Brief an den Lord Commander auf. Er kritzelt ein paar wenige Zeilen, streut Löschsand über die noch feuchte Tinte, setzt sein Siegel darunter und läßt das Schreiben dann Halla bringen. Sie würde es dem oder den Blaumänteln geben, die kommen würden, um Aurian abzuholen. Kaum ist das erledigt, empfiehlt sich Borgil Sils fürsorgenden Händen und kippt um wie ein gefällter Baum. Er wühlt sich in seine Decken, schließt die Augen und vergißt die Welt für satte vier Tage, die er nahezu ununterbrochen einfach verschläft.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Schilama am 14. Feb. 2005, 15:50 Uhr
In einer der Kammern

Als der Junge eingeschlafen ist, veranlasst Schilama, dass er noch einmal gründlich gewaschen wird. Derweil geht sie mit der Freundin des Jungen in ein anderes Zimmer, um sie zu versorgen, auch wenn sie sehr ungehalten darüber ist, denn sie will nicht von seiner Seite weichen. Schilama beruhigt sie, dass sie dabei sein kann, wenn sie sich wieder um ihn kümmert. Jetzt versorgt Schilama ersteinmal das Mädchen. Sie reinigt so vorsichtig wie möglich ihre Wunden, aber ganz ohne Schmerzen geht es nicht, weil sie den Mohnblumensaft vehement abgelehnt hat. Wahrscheinlich denkt sie, sie würde dann sofort einschlafen. Dadurch wird das Versorgen der Wunden nicht leichter und es dauert wesentlich länger. Als sie es schließlich geschafft haben, streicht sie vorsichtig etwas Salbe auf die Wunde am Hals und legt einen leichten Verband an. Da sich die Verletzung an der Stirn entzündet hat, gibt sie ein in Kräuterwasser getränktes Leinenstück unter den Verband. Auch bekommt das Mädchen etwas Kampfersalbe auf die Brust, um der Erkältung entgegen zuwirken, die noch immer deutlich an den rasselnden Atemgeräuschen und den leicht fiebrig glänzenden Augen zu erkennen ist.

Eine Weile lässt Schilama das Mädchen noch ruhen, bevor sie wieder zu dem Jungen gehen. Schilama setzt sie auf den Stuhl neben das Bett, damit sie ihr nicht im Weg herumsteht und sich ausruhen kann. Der Junge ist inzwischen sauber gewaschen und liegt erschöpft auf seinem Lager. Die Blicke des Mädchens spürend, zieht sie den Pfeil vorsichtig herraus und gießt einen Schuss von dem starken Branntwein in die Wunde und hofft dabei, dass sie die Wunde so ausreichend desinfiziert. Der Junge scheint einige Male fast zu erwachen, aber der Mohnblumensaft verhindert es. Schilama reinigt auch noch die vielen anderen kleineren Wunden mit dem Branntwein und streicht sie mit Heilsalbe ein. Vorsichtig tastet sie die gebrochenen Finger ab, richtet sie und lässt sich von einer Magd ein schmales langes Holzbrettchen bringen, das sie unter Hand und Handgelenk schiebt und alles sorgsam umwickelt. Nachdem sie den Jungen gründlich versorgt hat, versucht sie das Mädchen dazu zu bewegen, in ihr Zimmer zu gehen und sich in ihrem Bett auszuruhen, doch sie stellt sich stur. Es bleibt Schilama nichts anderes übrig, als noch für eine weitere Liegemöglichkeit im Zimmer zu sorgen. Es gefällt Schilama nicht, weil sie nicht möchte, dass sie sich gegenseitig in ihrer Ruhe stören. Die Elbin blickt durch das Zimmerfenster und sieht, dass es schon Tag ist und sie fragt sich, wo die Zeit geblieben ist.

Sie geht hinaus in den Flur und will sich gerade nach Aurian erkundigen, den Namen hat ihr eine Mogbar genannt, da erfährt sie, dass Phelan tot ist. Götter.... Er wäre schon vor ein paar Stunden gestorben, sagt sie und die Elbin starrt die kleine Frau nur an. Sie hatte es gefühlt, irgendwann, während sie sich um die Zwei gekümmert hatte, aber sie wollte sich nicht auf das Gefühl eingelassen, die Verletzten gingen vor und so hatte sie es verdrängt. Einen endlosen Augenblick, geht ihr Blick ins Leere, sie erinnert sich an den Waldläufer, bis die Mogbar sie aus ihren Gedanken holt, denn trotz allem Verständnis, müsse sich die Heilerin noch um Aurian kümmern und Schilama nickt.
Sie bedankt sich nur leise, dass sie ihr bescheid gesagt hat und vergewissert sich, ob das da drüben das Zimmer von Aurian ist, woraufhin die Mogbar nickt und sagt, dass sie sie rufen solle, wenn sie noch irgendetwas braucht. Schilama nickt wieder und geht in das Zimmer der jungen Frau. Sie ist überrascht, dass Aurian nicht schläft, sondern zum Fenster starrt. "Seid gegrüßt!", sagt sie nur leise, will sie Aurian doch nicht erschrecken, falls sie sie nicht bemerkt haben sollte. "Ich werde mich um eure Verletzungen kümmern..."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Faraday am 14. Feb. 2005, 16:58 Uhr
In einer der Kammern

Faraday beäugt argwöhnisch das Tun der fremden Frau und ihr entgeht auch nicht, wie hilflos und ängstlich sich Jen verhält. Sie möchte zu ihm eilen, ihn halten und ihm sagen, dass alles gut wird, aber sie rührt sich nicht von der Stelle aus Angst, sie könnte die Heilerin bei ihrer Arbeit stören und irgendetwas Falsches machen. Außerdem ist sie selbst viel zu erschöpft. Das heiße Bad hat den Schmutz und auch die andauernde Anspannung von ihr gewaschen, so dass jetzt nichts mehr übrig ist als Müdigkeit und Erschöpfung. Es beruhigt sie, als Jen schließlich einschläft, offensichtlich die Wirkung des Trankes, den die Heilerin ihm eingeflößt hat. Und dennoch folgt sie der Frau nur widerwillig in einen anderen Raum. Sie lehnt es ab, den selben Trank zu sich zu nehmen. Jen, ja. Schließlich steckt ein Pfeil in seiner Seite und Faraday will sich nicht einmal ausmalen welche Schmerzen es verursachen würde ihn zu entfernen. Aber sie will ihr Bewußtsein nicht verlieren, nicht, ehe getan ist, was getan werden muß.

Und so beißt sie die Zähne fest aufeinander, als ihre Wunden gereinigt und versorgt werden, lässt alles mit stoischer Entschlossenheit über sich ergehen ohne ein weiteres Wort zu sprechen. Die Salbe auf ihrer Brust riecht stechend, treibt ihr die Tränen in die Augen, aber gleichzeitig spürt Faraday, wie ihr das Atmen leichter fällt als zuvor. Die Heilerin lässt sie einige Augenblicke sitzen und tief atmen und endlich kehrt auch die innere Wärme zurück, welche Faraday schon lange nicht einmal mehr vermisst hat.

Zurück bei Jen muß sie sich damit begnügen auf einem Stuhl neben seinem Bett zu sitzen. Sie kann nicht genau beobachten, was die Frau mit dem Pfeil tut, doch mehrmals stöhnt Jen in seinem tiefen Schlaf leise auf, was Faraday jedesmal einen Schauer des Mitleids über den Rücken treibt. Endlich ist alles getan, doch Faraday darf sich nicht zu Jen legen. Sie möchte ganz nahe bei ihm sein, ihn beschützen, jetzt, wo er schläft und völlig hilflos ist mit all seinen Verwundungen, aber schließlich findet sie sich damit ab, wenigstens im selben Raum zu sein, wenn er erwachen würde. Die Türe schließt sich und sie sind allein, bleiben zurück mit den stummen Gedanken und düsteren Träumen. Faraday verkriecht sich regelrecht in ihrem Lager und beobachtet, wie sich Jens Brust unter dem Bettlaken ruhig hebt und wieder senkt, bis die Monotonie der Szene ihr selbst die Lider schwermacht und sie selbst in einen glücklicherweise traumlosen, tiefen Schlaf versinkt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aurian am 14. Feb. 2005, 20:20 Uhr
In einer Kammer


Aurian hat keine Ahnung wie lange sie in der Kammer liegt und zum Fenster hinaus starrt, ohne dabei irgendetwas bewusst wahr zu nehmen. Ihre Gedanken kreisen um die vergangenen Stunden, Tage, Wochen und die Last der Erinnerungen scheint sie zu lähmen. Immer wieder taucht eine Fratze vor ihrem inneren Auge auf, rotes Haar und das Gesicht entstellt von Flammen. Und doch den Mund verzogen zu einem lüsternen Grinsen, kalte Gier in den Augen. Und immer vermeint sie das Poltern der Steine zu hören und die Schreie der Kanalratten, die von den herabfallenden Brocken erschlagen wurden. Ich habe sie alle getötet! Doch sie verspürt keine Reue um die Männer. Nur wenn sie an den Nordmann denkt, der ebenso tief unter der Stadt begraben liegt, wird ihr das Herz schwer. Deine Schuld, alles deine Schuld! Warum konntest du in der Zelle nicht einfach sterben? Als sie hinter sich das Klacken der Tür vernimmt, dreht sie sich nicht um. Es ist wohl einer der Fluchtgefährten und sie hat nicht die Kraft, einen von ihnen anzusehen, sich möglichen Vorwürfen zu stellen. >Seid gegrüßt! Ich werde mich um eure Verletzungen kümmern...< Die leise Stimme ist ihr zur Gänze unbekannt und nach einem kurzen Moment wendet sie langsam den Kopf und sieht sich einer rothaarigen, jungen Frau gegenüber, die sie mit sanften Augen ansieht.

Die Tage in der Kanalisation haben ihre Spuren hinterlassen. War Aurian schon zuvor eher von zierlicher Gestalt, ist sie nun beinahe mager. Die Mogbarmagd, die ihr beim Waschen geholfen hatte, hat ihre schwarze Mähne im Nacken zu einem dicken Zopf geflochten, der ihr Gesicht nur noch betont. Deutlich sind darauf die Spuren von Blutaxts Gastfreundschaft zu sehen: Die geplatzte Lippe, der Schnitt auf der Wange und die blauen Flecken an Schläfe und Kinn. Jetzt, wo der ganze Schmutz weg ist, wird nur zu deutlich, mit welch Brutalität er sie behandelt hat und der Rest ihres Körpers sieht nicht anders aus. Doch noch tiefer sind die innerlichen Verletzungen, die keiner sieht und die kein Heiler der Welt behandeln kann. Die grünen Augen wirken in dem bleichen Gesicht noch größer und ihr Blick gleicht dem eines Rehs, das jeden Moment bereit ist zu fliehen. „Wozu? Es ist doch alles egal!“ Ihre Stimme ist beinahe tonlos und ihre Worte sind mehr zu laut geratene Gedanken als etwas, was sie an ihr Gegenüber richtet. Die Frau, eine Elbin, scheint diese Aussage auch zu ignorieren, den sie kommt an ihr Bett und berührt sie sanft an der Schulter. Obwohl Aurian weiß, dass ihr nichts geschieht, zuckt sie zusammen, als hätte man sie verbrannt. Die Berührung bereitet ihr körperliches Unbehagen und hätte sie gekonnt, sie hätte sich in den letzten Winkel des Bettes verkrochen. Doch selbst dafür ist sie zu schwach und so kann sie nur abwarten, was kommen wird.  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tihana am 15. Feb. 2005, 13:00 Uhr
Eine Berührung am Arm lässt Tihana aus dem Schlaf hochschrecken. Einer der Stalljungen hat sie gefunden, als er ausmisten wollte. Einen Moment schaut sie den Jungen mit groß aufgerissenen Augen an, erst dann fällt ihr alles wieder ein und sie erkennt ihre Situation. Angst macht sich in ihr breit, Angst entdeckt und bestraft zu werden, dafür das sie hier heimlich reingeschlichen ist. In Panik stoßt sie den Jungen von sich, der prompt mit verblüfftem Gesichtsausdruck auf seinem Hosenboden landet und sie versucht, mehr oder weniger bereits im laufen, richtig auf die Beine zu kommen. Sie nimmt vor lauter auch noch einen Pfosten der Box mit der Schulter mit, was sie aber in dem Moment nicht wirklich merkt. Genauso wenig, wie sie nicht bemerkt, das sie bei dem überstürtzten Aufspringen ihr Trockenfleisch, das in einer Falte ihres Mantels lag, verloren hat.
Alles scheint in Zeitlupe zu laufen, wie in einem Traum. Plötzlich kommt ihr der Stall riesig vor, scheint kein Ende zu nehmen und ihre Angst, das sich ihr doch noch eine Person in den Weg stellt und sie aufhält, steigt mit jedem Schritt.
Doch sie schafft es, durch das Tor hinaus und immer weiter. Ja nicht stehenbleiben, hallt es immer wieder in ihrem Kopf und sie läuft bis zu einer Hausecke, hinter der sie sich versteckt. Erst jetzt merkt sie ihre Schulter, die sich gestoßen hat und auch die Kälte, die wie eine Mauer über ihr zusammenbricht. Nach dem langen Schlaf in dem warmen Stall kommt ihr diese winterliche Kälte sogar noch ein Stück kälter vor, wie sonst. Notdürftig zieht sie ihren dünnen Fetzenmantel enger um die Schulter und nachdem sich ihr Herz wieder etwas beruhigt hat, macht sie sich auf den Weg durch die Stadt, nur weg von dem Stall.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Schilama am 15. Feb. 2005, 16:05 Uhr
In Aurians Kammer

Schilama lässt die Worte der junngen Frau erstmal im Raum stehen. Was sollte sie schon zu soetwas sagen? Sie weiß es nicht und sie wird auch von ihren eigenen Gedanken über Phelan abgelenkt, denn die Frage wie das passiert ist, will sie nicht loslassen. Einen Augenblick ist sie versucht, Aurian danach zu fragen, aber ein Blick in ihre Augen lassen sie das schnell wieder vergessen. Was immer passiert ist, die Frau hat genug eigene Probleme mit denen sie zu kämpfen hat. "Für mich nicht", ist schließlich ihre einzige Antwort, denn sie kennt Aurian zu wenig, um mehr zu sagen. Schilama nähert sich Aurian behutsam und nachdem sie sich die Prellungen angesehen hat, gibt sie besonders auf die geprellte Schulter eine heilende Salbe. Sie wendet sich zur Tür und ruft die Mogbar, ihr kochendes Wasser für einen Tee zu bringen. Als Schilama sich wieder zu der jungen Frau begibt, schaut sie still in ihr Gesicht und sagt dann: "Ihr wurdet geschlagen..." und vermutlich noch anderes. Es ist keine Frage und jeder mit etwas Beobachtungsgabe kann das sehen. Auch der Schnitt an ihrer Wange sieht nicht so aus, als wenn sie eine Waffe dort zufällig im Kampf gestreift hätte.

"Wollt ihr mir davon erzählen?.... Früher oder später werdet ihr es herauslassen müssen, auf die eine oder andere Weise, wenn ihr nicht daran zugrunde gehen wollt." Schilama weiß nicht ob sie das Richtige tut, sie hat schon Freunden mit Rat und Tat beigestanden, ja auch nach der Schlacht, manch einem Verwundeten Mut zugesprochen, aber das hier ist doch noch etwas anderes. Wahrscheinlich sollte sie eher mit jemanden darrüber reden, den sie gut kennt und vertraut.... aber das ist ihre Entscheidung, nicht meine, ich gebe ihr nur die Möglichkeit. Die Mogbar kommt herrein, stellt den dampfenden Becher ab und ist dann auch schon wieder zur Tür hinaus. Schilama gibt noch etwas Baldrian und auch ein klein wenig Mohnblumensaft in den Tee und reicht ihn Aurian.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 15. Feb. 2005, 20:23 Uhr
Sie wacht über ihn, wie er es viele Tage an ihrem Bett getan hat. Wenn er für kurz die Augen aufschlägt, sitzt sie stets auf der Kante und hält seine Hand oder blickt ihn mit einem Lächeln an, das jedoch wieder verschwindet, als er erneut in tiefen Schlaf fällt. In seiner Beinaheohnmacht,  bemerkt er nicht einfach wie ihre zarten Hände jeden Tag neu seine Wunden im Gesicht und auf dem Schädel behandeln, sie sanft mit einer Salbe einstreichen, die ihr Halla gegeben hat. Manchmal hat sie dem Zwergen auch einen Schluck Wasser gebracht, wenn er für länger als einen Moment erwachte, doch viel mehr kann sie nicht tun, als eben einfach bei ihm zu sein. Und dieser Aufgabe geht sie mit grosser Vehemenz nach. Nicht einmal Nacht bringt die Mogbar oder eine der Schankmaiden sie dazu, ihren Platz an der Seite des Herr Zwergen aufzugeben und ihr eigenes Lager aufzusuchen. Nein, Azra schleift kurzerhand ihre Decke in die Privatgemächer Borgil’s und macht es sich direkt neben dem Bett auf dem Boden bequem und nicht einmal zehn Zentauren hätten sie auch nur einen Sekel von dieser Stelle bewegen können. Ihr Schlaf ist leicht, bei jedem Geräusch schrickt sie auf, mit der Befürchtung mit dem Herr Zwerg könnte etwas nicht stimmen und nach drei Tagen sieht man ihr die Sorgen deutlich an, bis Halla schliesslich genug hat und sie erstmal dazu bringt, wieder einmal ein richtiges Essen zu sich zu nehmen. Dabei muss sie jedoch hoch und heilig, bei allen Göttern, die ihr lieb sind, versprechen, selbst in der Zwischenzeit kein Stück von der Seite des Zwergen zu weichen.
Es ist bereits der vierte Tag, an dem Borgil schläft und Azra sitzt wieder einmal auf der Bettkante, die Hand des Zwergen in der Ihren haltend und das immer noch bunte Gesicht anblickend. Die schwarzen und blauen Prellungen und Blutergüsse haben nun eine Mischung zwischen Violett, Grün und Gelb angenommen, wobei Azra nicht weiss, welche Farbe am deutlichsten hervorschimmert. Sie beobachtet das Heben und Senken seiner Brust unter der Decke, das leise Schnarchen nicht beachtend. Viele Male sind ihre Gedanken zu der Geschichte zurückgekehrt, die Borgil erzählt hat, über das was er dort unten, in dieser Unterstadt erlebt hat. Raven, Caewlin, Phelan und Calyra... Vier seiner Freunde und alle sind sie nun Tod, obwohl sie eigentlich zu Beginn Raven hatten retten wollen. Sie haben viel verloren, aber nichts gewonnen, obwohl sie so sehr darum gekämpft haben. Noch immer muss der Blutelbenmischling schwer schlucken, als sie an das Bild denkt, das ihr einfach nicht mehr aus dem Kopf will. Dieser grosse Mann mit dem verhüllten Bündel in den Armen, das silberne Har durchtränkt von rotem Blut und immer wieder stellt sich ihr die Frage: Warum das Ganze?

Für einen Moment lässt sie seine Hand los, um die sie ebenfalls eine einfache Mulde mit heilenden Kräutern geschlungen hat, denn ein blutiger Riss, wenn auch nicht tief, hat sich beinahe über die ganze Länge gezogen.  Ungelenk versucht sie nun ihr eigenes Haar, das in dem langen Haar um einiges gewachsen ist, mit einem einfachen Lederband im Nacken zusammenzubinden, was ihr nach einem anstrengenden Kampf mit widerspenstigen Locken auch gelingt und zwei besonders hartnäckige Strähnen steckt sie mit den goldenen Haarnadeln zurück, die das Einzige sind, was sie ausser Erinnerungen von ihrem Wanderer noch hat.
Ein Seufzen lässt ihre Schultern heben und flüchtig schweift ihr Blick durch das Zimmer, wieder keimen traurige Gedanken in ihr auf. <<“Ich kann noch nicht einmal mehr für ihn tun, als hier zu sitzen und ihm zu helfen. Das ist nicht viel...“ „Nein, das ist es wirklich nicht.“>>[I] Man hätte auch einen Kübel eiskalten Wassers über ihr ausleeren können, es hätte die gleiche Wirkung erzielt, wie diese Worte, die ihrem Kopf entsprangen und doch nicht zu ihr gehörten. Völlig verwirrt, dieses Altbekannte und gleichzeitig grauenvolle Fremde wieder zu fühlen, versteift sie sich völlig und schüttelt schnell den Kopf und um sich selber Mut zu machen:[I]<<“Das ist nicht wahr, ich helfe ihm damit sehr, indem ich einfach da bin.“ „Ahja.. Du glaubst wirklich du könntest ihm damit helfen? Schwach!“Wieder zuckt sie erschrocken zusammen und beisst sich auf die Lippe. Das ist doch gar nicht möglich! Wurde sie jetzt verrückt? Wie konnte sie mit sich selbst sprechen?
Ihre Gefühle ziehen sich einerseits ängstlich vor dieser Stimme zurück, Andererseits versuchen sie ihr Recht zu geben und je mehr sie von einer Seite auf die Andere ziehen, desto schwerer wird es für sie, ihren Verstand da irgendwie raus zu halten. <<“Verschwinde! Was auch immer du bist, du gehörst hier nicht hin!!!“>>Sie murmelt es leise vor sich hin, als sässe eine Gestalt ihr gegenüber und spräche mit ich, doch da ist Niemand und nur die dunkle Stimme in ihrem Kopf gibt antwort:<< „Ich bin du... Und irgendwann gehör ich hier hin.“>> Ein Stich fährt durch ihre Magengegend und sie krümmt sich mit einem leisen Keuchen zusammen, als hätte dieses Unbekannte sich an ihr für ihre frechen Gedanken gerächt, verschwindet dann jedoch wirklich und sie bleibt mit weit aufgerissenen Augen auf der Bettkante sitzen, nicht glaubend könnend, was eben gerade geschehen ist.
Ein leichter Druck auf ihre Handinnenfläche, lässt sie aufs Übelste zusammenzucken und für einen Moment huscht der Gedanke<<Es hat mich!>>, durch den Kopf, bevor sie mit einem Ruck wieder in der Realität landet und die Umgebung vor ihren Augen wieder erkennt.
Wieder ein leichter Druck auf ihre Hand und fragend sieht sie zu dem Zwergen, dessen noch müde, jedoch offenen Augen sie fragend anblicken. Vergessen sind die vergangenen Augenblicke, vergessen diese seltsame Stimme, vergessen die Angst und die Unsicherheit und ein strahlendes Lächeln schleicht sich auf ihre sanften Züge und lässt ihre Augen vor Freude aufflackern. „Ihr seid wach... Endlich... So schön.. „ Sie schafft es vor Freude nicht einen zusammenhängenden Satz aus ihrem Mund zu bringen, rutscht ungeduldig herum und erhebt sich dann plötzlich mit den Worten: „Bleibt bloss liegen, ich hole euch etwas gutes zu Trinken und zu Essen, damit ihr euren sicherlich schon knurrenden Magen wieder ein wenig füllen könnt!“

Bevor der Herr Zwerg auch nur ein Wort herausbringt ist sie schon aus seinen Privatgemächern verschwunden, rennt durch die Gänge, prallt beinahe gegen eine Schankmaid, die ein Tablett auf ihrem Armen balanciert und rennt in die Küche. Grid braucht sie nur anzusehen um zu verstehen, was los ist und innerhalb weniger Moment ist ein kräftiges Mahl zusammengestellt, aus einer dicken Suppe mit ordentlich Fleisch, einigen Stück Brot, einer Schüssel Kartoffeln und einem Krug Dunkelbier zusammengestellt, wobei der Blutelbenmischling zum ersten Mal beweisen muss, wie es um seine Balancefähigkeiten steht. So vorsichtig wie möglich trägt sie das Tablett zurück in das Zimmer des Zwergen, darauf achten, dass das Dunkelbier nicht verschüttet und die Kartoffeln nicht aus der Schüssel kullern. Unter einiger Mühe kriegt sie es sogar hin, die Türe zu öffnen und gleich darauf stellt die das Essen auf dem grob gehauenen Tisch ab, huscht in das Zimmer des Herr Zwerg und setzt sich dort noch einmal auf die Bettkante, kritisch die Prellungen und bunten Flecken musternd: „Sie sehen schon besser aus, aber ihr müsst euch noch schonen. Das Essen steht draussen, beim Tisch, aber ich kann es euch auch bringen.“ Dabei liegt in ihren farblosen Augen untergründig Sorge, ob es denn schon klug wäre, wenn Borgil aufstünde.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aurian am 15. Feb. 2005, 20:32 Uhr
In Aurians Kammer

Die Hände der jungen Frau zittern als sie zögernd den Becher nimmt, den die Heilerin ihr reicht. Vorsichtig nimmt sie einen Schluck und warm rinnt der Tee ihren Hals hinab. Ihre Prellungen sind versorgt und die Stichverletzung an ihren Bein verbunden. >Wollt ihr mir davon erzählen?.... Früher oder später werdet ihr es herauslassen müssen, auf die eine oder andere Weise, wenn ihr nicht daran zugrunde gehen wollt< Reden? Was für einen Sinn hätte das? Davon würde sich die Vergangenheit auch nicht ändern! Schweigend blickt sie ihr Gegenüber an und nippt an dem Tee. Dabei zittern ihre Hände jedoch so stark, dass sie etwas davon verschüttet. Erschrocken zuckt sie zusammen. Die Heilerin nimmt ihr sanft den Becher ab, stellt ihn auf das kleine Tischchen neben dem Bett und drückt das Mädchen sanft in die Kissen zurück. Aurian zieht die Decke bis zur Nase hoch und starrt ins Leere. „Warum? Könnt ihr mir erklären warum?“ Ihre Augen gleichen denen eines Kindes, das nicht versteht warum sein Lieblingsspielzeug zerbrochen ist. Und dann, nach weiteren Minuten des Schweigens, beginnt sie leise zu erzählen: Von dem Überfall im Wald, der Entführung, wie sie von dem Weißgesichtigen ihrem Peiniger buchstäblich zum Fraß vorgeworfen wurde. Doch dann stockt sie. Die Erinnerung an die Kammer, die fette Ratte und all das, was geschehen war, die Schläge und die Vergewaltigung, sie kann nicht darüber sprechen. Eine einsame Träne rinnt über ihr Gesicht. „Es tut so weh!“ Ob sie die körperlichen oder die seelischen Wunden meint, bleibt im Raum stehen. Obwohl bis zur Nasenspitze in die Decke gewickelt, zittert sie am ganzen Körper. Sie fühlt sich so hilflos und immer wieder drängt sich eine Frage in den Vordergrund: Warum hat sie nicht sterben können, all die Schmach auf dieser verdammten Welt zurücklassen?
Vor dem Fenster graut bereits der Morgen und aus dem grauen Himmel fallen noch immer Schneeflocken auf die Stadt. Irgendwo da draußen ist ihr bisheriges Leben und doch wird es nie mehr so sein wie es war. Ihr ist, als würde für sie nie mehr die Sonne scheinen, als wäre sie in den Trümmern der Krypta verschüttet.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Feydor am 15. Feb. 2005, 23:12 Uhr

on 02/06/05 um 22:25:19, Caylith wrote:
Beide suchen sich eine freie und saubere Box am weitesten Ende des Stalles aus, nachdem sie sich vergeblich nach jemanden zustaendigen umgesehen hatten, aber sich keiner der Stalljungen oder aehnliches angefunden hat. Caylith blickt sich pruefend in der Box um und schielt ueber die halbhohen Waende zu den Tieren hinueber, wo ihr einige mit großen sanften Augen entgegenblicken und an dem Heu herumknabbern. Ein leises und wehmuetiges Laecheln stielt sich auf das Gesicht der Gehoernten, als sie sich an die zottigen Pferdchen ihres Stammes erinnert. Erst nach einigen Momenten bemerkt sie Feydors musternden Blick, der auf ihrem Gesicht ruht und scheinbar auch ihre Sehnsucht davon abgelesen hat. Schnell wendet sie ihr Gesicht wieder ab und sucht sich eine halbwegs gemuetliche Stelle, auf der sie sich niederlassen kann. Ihren alten Jagdbogen und den Koecher legt sie neben sich im Stroh ab, doch die beiden Sicheln bleiben an ihren Seiten, verborgen von dem weiten Ueberwurf. Es faellt ihr nicht leicht sich zu entspannen, und auch waehrend der ganzen Nacht schreckt sie aus ihrem Halbschlaf hoch, wobei sie immer wieder feststellt, dass die Geraeusche dann von den Pferden stammen.
Erst gegen Morgen faellt sie erschoepft in einen festeren aber unruhigen Schlaf, wird aber wieder von Geraeuschen geweckt, die nicht nur allein von den Tieren stammen. Pferde werden aus den Boxen geholt, leise Stimmen reden beruhigend auf sie ein, knirschende undefinierbare Geraeusche naehern sich erst und entfernen sich wieder nach einer Weile begleitet von Hufgeklapper von mindestens fuenf Pferden, wie das geschulte Ohr der Faunin heraushoeren kann. Sie hat sich eng in eine Ecke ins Stroh gedrueckt, gespannt den Eingang ihrer Box und die Schatten an der Stalldecke beobachtet und gelauscht.


Ein knurrendes Geräusch ruft Feydor aus den verworrenen Träumen, die ihn die ganze Nacht über heimgesucht hatten - nicht immer bösartig, aber doch beunruhigend; Träume von niedrigen Räumen und Wänden, die sich langsam näherten und ihm die Luft abdrückten.
Anscheinend bin ich die Stadt nicht mehr so gewohnt, wie ich es gedacht habe, resümiert der Zentaur seine Träume, als er schließlich endgültig wach ist. Feydor hatte es sich in einer der hinteren Boxen bequem gemacht; Caylith war wahrscheinlich in der anderen. Umständlich scharrt er mit den Hufen im Stroh, bis seine Beine schließlich einen festen Halt finden und er sich hochhieven kann.
Das Geklapper seiner Hufen, die dabei mehrmals an die hölzernen Wände der Box geschlagen sind, haben wohl die Stallburschen alamiert, die bereits mit der Fütterung der untergestellten Pferde beschäftigt sind.
"He... was is denn da hinten...!" Gerade als der Stallbursche, ein Junge von vielleicht fünfzehn Jahren, vor der Box angelangt ist, hat sich der Zentaur zu seiner vollen Größe aufgestellt.
"Guten Morgen." Feydor versucht, seine Stimme so freundlich wie möglich klingen zu lassen, um den Jungen nicht noch mehr zu verschrecken, als er offensichtlich jetzt schon ist.
Doch jetzt kommen auch die anderen Stallburschen hinzu. Schließlich wagt einer zu sagen: "Hey, was machst du denn hier? Das ist ein Stall und kein Gasthaus!"
Das Menschen immer gleich so unfreundlich sein müssen! schießt es ihm durch den Kopf, doch er bemüht sich, nicht gleich wütend zu werden.
"Ich war ja auch gerade am Gehen... Caylith? Wo bist du?" Ohne Rücksicht auf die umstehenden Burschen zu nehmen, schiebt Feydor seinen Pferdeleib durch die Gruppe und sucht die Faunin. Sie hat wohl in der benachbarten Box übernachtet und ist noch etwas verschlafen. "Ich glaube, wir müssen gehn. Anscheinend ist die Gastfreundlichkeit dieses Hauses jetzt erschöpft."
Der Zentaur tritt durch die offene Stalltür nach draußen.
Wenigstens das Wetter ist nicht mehr ganz so unfreundlich wie gestern abend...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 17. Feb. 2005, 11:45 Uhr
<--Die Pfeffermühle

Es ist der Tag nach dem Zwischenfall mit Sethai, und bei ihrer Ankunft in der Harfe erfährt sie von Halla, dass Morgana die Nacht hier verbracht hat, wo sie einige schwer verletzte Abenteurer versorgen musste. Innerlich ist Nevermore ungehalten darüber, dass Sethai in Morganas Haus derart sich selbst überlassen ist, doch es steht ihr nicht zu und ihr fehlen auch die Informationen, zu beurteilen, ob er unwichtiger oder wichtiger ist als die Patienten, die hier ihre Hilfe brauchten. Sie kennt Morgana auch kaum und hat keine Ahnung, wer unter diesem Dach in der letzten Nacht gestorben ist. Daher verkneift sie sich jeden Kommentar und zügelt ihre Neugier, die sie immer wieder in Richtung der privaten Gemächer schielen lässt. Sie kann nicht einfach mal nachschauen gehen, so schwer es ihr auch fällt. Also geht sie an die Arbeit, putzt die Theke, die vor lauter Hektik in den letzten Tagen vernachlässigt wurde und vor schmutzigen Bechern und Getränkeflecken nur so starrt, spült die Becher ordentlich und räumt sie ein. Danach verschafft sie sich einen Überblick über die Gäste und fragt diejenigen, die noch suchend in der Gegend umherschauen, nach ihren Wünschen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Schilama am 18. Feb. 2005, 15:59 Uhr
In Aurians Kammer

Auf die Frage Aurians kann sie nichts erwiedern, denn warum solche Dinge passieren weiß sie selbst nicht und wenn es überhaupt jemand weiß, dann sind es die Götter. Einige Augenblicke des Schweigens vergehen aber dann beginnt die junge Frau zu erzählen und Schilama hört zu. Leise erzählt Aurian was passiert ist, immer weiter, bis sie stockt und eine einzelne Träne über ihr Gesicht rollt. >"Es tut so weh"< Schilama nickt nur still, reicht ihr nach einem Moment den Tee und hilft ihr den Becher festzuhalten, da Aurian noch immer zittert. Der Baldriantee mit Mohnblumensamft wird ihre Nerven etwas beruhigen, den Köper entspannen und die Schmerzen nehmen, zumindest die körperlichen.
"Was immer dort alles noch passiert ist Aurian, es wird nicht besser indem ihr es festhaltet und darrüber nachdenkt. Lasst es los, auf welche Weise auch immer und lebt euer Leben. Es mag sich alles verändert haben aber mit jedem Herzschlag verändert sich die Welt und wir uns mit ihr. Solange ihr in der Vergangenheit lebt, wird es auch nur diese für euch geben. Lasst nicht zu, dass "er" euer Leben zerstört, denn das wäre sein größter Triumph und ich denke, das ist das Letzte was ihr wollt...."

Einen Augenblick schweigt sie, sich fragend, ob es das Richtige war und ihre Worte nicht zu früh gekommen sind und nicht zu hart waren. "Ihr solltet jetzt etwas schlafen. Es wird euch gut tun." Eigendlich würde sie gerne noch warten bis Aurian eingeschlafen ist, damit sie sicher sein kann, dass sie auch Schlaf findet, aber dann drängen sich andere Dinge in den Vordergrund. Ich muss mich noch um den Wirt kümmern und sehen wie es Morgana geht... wo ist sie überhaupt? Sethai liegt noch immer vergiftet in der Kräuterkate und Phelan.... ist tot. Sie steht vom Stuhl aus und geht zur Tür. "Ich muss jetzt gehen, aber ich werde wieder nach euch sehen." Sie wartet noch einen Moment, wirft einen letzten Blick auf Aurian und geht in den Flur hinaus.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aurian am 18. Feb. 2005, 18:03 Uhr
In Aurians Kammer

Mein Leben zerstört? Das hat er schon. Doch sie spricht den Gedanken nicht laut aus, sondern lässt sich von der Heilerin nur wie ein kleines Kind den Tee einflössen. Was auch immer in diesem drinnen ist, er scheint zu wirken, den sie fühlt sich immer schläfriger und die Schmerzen ihres geschundenen Körpers scheinen immer weiter weg zu rücken. Als wäre sie in Watte gepackt fühlt sie sich, alles scheint immer weiter weg zu rücken und das Mädchen wünscht sich, dass dieser Zustand ewig anhalten möge. Das ist auch ihr letzter Gedanke, bevor sie in einen tiefen, traumlosen Schlaf gleitet. Sie bekommt nicht mehr mit, wie die Heilerin das Zimmer verlässt und auch nicht, dass einige Male eine der Mägde ins Zimmer schaut. Die Strapazen und Qualen der letzten Zeit verlangen ihren Tribut und in der Geborgenheit der Harfe hat sie nicht mehr die Kraft, sich dagegen zu wehren, sie will es auch gar nicht mehr.

Als sie wieder erwacht, blinzelt die Sonne durch die Schneewolken, die Talyra immer noch fest in ihrer Umklammerung haben. Es muss eisig kalt sein, den ein filigranes Muster von Eisblumen ziert das Fenster und lange Eiszapfen hängen an den Ästen des Baumes davor. Eben lässt sich ein Rabe auf einem von ihnen nieder und plustert sein Gefieder. Aurian hat keine Ahnung, wie lange sie geschlafen hat. Für einen kurzen Moment, in dem sie noch nicht ganz wach ist, fühlt sie sich wohl und zufrieden. Doch wie die Wolken eines heraufziehenden Gewitters kommen die dunklen Erinnerungen zurück je wacher sie wird. Und mit einem Mal ist alles wieder real, wieder greifbar. Warum musste ich nur aufwachen? Sie sehnt die Geborgenheit des Schlafes zurück, doch so sehr sie sich auch bemüht, sie kann nicht zurückfliehen in jenes seelige Vergessen. Eine der Mägde hat ihr Frühstück auf ddas kleine Tischchen gestellt, doch schon bei dem Gedanken, irgendetwas zu essen, krampft sich ihr Magen zusammen. So nippt sie nur vorsichtig an dem Tee, als es verhalten an der Tür klopft.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Amarde am 18. Feb. 2005, 18:50 Uhr
Amardé fühlt sich in seinem Element, als er sieht wie er die Menschen in der goldenen Harfe in den Bann zieht. Glücklich lauscht er Aingeals zauberhafter Stimme und nickt der tanzenden Frau aufmunternd zu. Ein vergnügtes und glückliches Lächeln legt sich auf seine Lippen, während sein ganzer Körper mit der beschwingten Melodie mitgeht.
Als sich die Melodie ihrem Finale entgegen eilt, entlockt er seiner Rebec ein paar letzte herrliche Töne, bevor er seine Arme weit von sich streckt. Mit einer eleganten Verbeugung bedankt er sich bei der jungen Sängerin und zwinkert ihr vergnügt zu.
Er will sich ihr gerade zuwenden, als die Tänzerin kurz zu ihnen tritt und sich bei ihnen bedankt.
Amardés blaue Augen funkeln vergnügt, als er sich ihr zuwendet. Ein glückliches Lächeln spielt um seine Lippen, als er ihr antwortet: "Ich danke euch in den Genuß eures Tanzes gekommen zu sein."
Mit einem leicht errötenden Blick zieht sie sich an ihren Tisch zurück, um die dort stehende Mahlzeit endlich zu sich nehmen zu können.

Gerade will er sich Aingeal zuwenden, als sein Blick auf Dark fällt. Das Licht in der goldenen Harfe ist bei Tage kaum anders, als mitten in der Nacht und dennoch wirkt es auf dessen Züge irgendwie anders.
Für einen Moment ist Amardé verwirrt und kann sich nicht mehr auf Aingeal konzentrieren, doch dann wendet er sich ihr wieder mit einem Lächeln zu.
"Ihr könntet mit eurer Stimme euren Lebensunterhalt verdienen. Sie ist wie ein goldener Lichtstrahl, der durch die grauen Wolken scheint, die uns die Tage derzeit verdunkeln." Ein vergnügtes Lächeln spielt in seinen Augen und der Klang seiner dunklen Stimme ist eine ganz eigene Melodie.
"Ich werde euch aufsuchen, wenn ich meinen Traum erfüllt habe." fügt er geheimnisvoll hinzu, bevor er ihren beiden Begleitern noch lächelnd zunickt und sich dann verabschiedet.

Sein Blick wandert von Dark zu der ungestümen Frau und wird dabei unbewusst wärmer.
Doch bevor er sich zu ihr begibt, steuert er Darks Tisch an. Er scheint vollkommen in Gedanken versunken zu sein, aber Amardé hatte auch nicht vor ihn lange zu stören.
Seinen Beutel geschultert und sein Instrument samt Bogen gekonnt in einer Hand haltend, stellt er sich vor Dark und meint mit einem breiten Grinsen: "Lasst es euch auf meine Kosten schmecken. Ich möchte mich für gestern Abend revanchieren."
Er zwinkert ihm vergnügt zu und schnippt einem der Mädchen eine passende Münze zu, bevor er ihm noch zuruft: "Wir sehen uns!"
Dann tritt er an den Tisch der hübschen Tänzerin und meint lächelnd: "Es freut mich, wenn meine Musik Menschen aus ihren Verstecken lockt."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von lila am 18. Feb. 2005, 19:29 Uhr
Überrascht schaut Avivit zu dem jungen Mann auf, der an ihrem Tisch steht und erkennt in ihm den Musiker wieder.
"Versteck?" stammelt sie verwirrt und spürt die Wärme einer leichten Röte in ihrem Gesicht. Dann aber fängt sie sich und deutet ihm höflich, sich zu ihr zu setzen. "Für gewöhnlich verstecke ich mich nicht, müßt Ihr wissen. Bitte nehmt doch Platz." Als er ihrer Aufforderung nahkommt, hält sie es für angebracht, sich ihm erst einmal vorzustellen. "Meine Name ist Avivit Levana, ich kam gestern Abend aus Liedberg hier in der Stadt an."

Sich ihm nun gänzlich zuwendend schiebt sie den noch halbvollen Teller ein Stück weit von sich weg.
Sie deutet auf das Instrument, das noch immer in seiner Hand ruht. "Sagt mir, wo habt Ihr so zu spielen gelernt? Es klang ganz vortrefflich, einfach wunderschön." Der Glanz in ihren Augen verrät, dass sie die Worte, die sie ausspricht, auch so meint. Sein Spiel hatte sie verzaubert und das wollte sie weder verleugnen, noch ihm vorenthalten zu erfahren.

"Verdient Ihr Euer Brot mit der Musik?" fragt sie ihn und hofft bei sich, es würde so sein. Denn dann hätte auch sie Aussicht darauf, hier in der Stadt ihren Lebensunterhalt mit dem zu verdienen, was ihr im Blut liegt.

Noch bevor er ihr etwas antgegnen kann, schiebt sich ein kleiner schwarzer Kopf unter ihrem Arm hervor. Die Neugierde hatte bei Shirin über die Müdigkeit gesiegt. Mit ihren großen grün schimmernden Augen tastet sie ihr Gegenüber ab, zwängt dann auch den Rest ihres zierlichen Körpers unter Avivits Arm hervor und ist mit einem Satz auf dem Schoß des jungen Mannes.

"Shirin" ruft Avivit die junge Katzendame zur Vernunft. "Laß den Herren zufrieden." Mit einem geschickten Handgriff angelt sie das schwarze Bündel wieder zu sich und setzt Shirin auf ihren Knien ab. "Verzeiht mir, dies ist meine treue Gefährtin Shirin und für gewöhnlich ist sie Fremden gegenüber eher scheu. Dieses Verhalten kenne ich gar nicht an ihr." Fragend blickt sie auf die Katze herab und fügt dann schmunzelnd hinzu: "Euer Spiel muß ihr wohl gefallen haben oder aber Ihr tragt etwas Eßbares bei Euch."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Cedric Fitzroy am 18. Feb. 2005, 22:00 Uhr
Der Abend nach der Sithechnacht im Schankraum und einem der Gästezimmer


Eine Sänfte ist rasch organisiert und Cedric holt sich den großrahmigen Schimmel aus den Ställen. Er hat ein ungutes Gefühl bei dem knochigen Tier, doch es ist das einzigst zur Zeit zur Verfügung stehende Pferd und er hat wenig Lust bei der Kälte wieder zu Fuß zu gehen. Der halbe Tag reicht aus... Er reitet der Sänfte voran und es dauert nicht lange, da haben sie die Goldene Harfe am Marktplatz auch schon erreicht.

Das Gasthaus am Marktplatz ist wie immer um diese Zeit gut besucht und warmes, orangenes Licht und Stimmengewirr dringen daraus hervor. Während ihres Weges von der Steinfaust zum Marktplatz hat die Dämmerung eingesetzt und die ersten Nachtfeuer wurden entzündet und Cedric hat das Gefühl, das jedes einzelne der beleuchteteten Fenster Wärme, Zufriedenheit und Glück verheißt. Doch er weiß selbst genau, wie wenig die Realität und das Wunschdenken eines frierenden zu einander passen. Die Sänfte hält vor der Harfe und er drückt einem der Träger die Zügel des Schimmels in die Hand. Sollte Aurian verletzt sein Mögen die Zwölf es verhüten.. und nicht laufen können, würde er sie die wenigen Schritte schon tragen können. Wäre ja nicht das erste Mal..
Sich den Schnee von den Schultern klopfend betritt Cedric die Harfe und bleibt, einmal tief einatmend in der Tür stehen. Die Luft ist stickig, voller Gerüche und Gesprächsfetzen und er braucht einen Augenblick, ehe er sich orientieren kann. Borgil ist nirgends zu sehen, was dem Blaumantel ein nachdenkliches Stirnrunzeln entlockt. Der Zwerg ließ es sich selten nehmen, selbst hinter dem Tresen zu stehen und für Getränkenachschub zu sorgen. Davon, das Borgil schon seit einigen Tagen nicht mehr hinter seinem Tresen stand, ahnt er nichts.
Er hält eines der umhereilenden Mädchen auf und fragt sie mit leiser Stimme, schließlich muss niemand davon erfahren, nach Aurian, der Botin der Steinfaust. Sie schaut ihn aus großen, rehbraunen Augen an, bittet ihn einen Augenblick zu warten und bringt zuerst einigen Gästen ihre Bestellungen. Das Mödchen wischt sich die Hände an der Schürze ab und wirft ihm einen lächelnden Blick zu. "Folgt mir."

Cedric folgt der Magd die Treppe hinauf, einen der Gänge entlang und wartet schließlich vor der Tür eines der Zimmer, während sie hinein huscht um Aurian zu holen. Es dauert einige Zeit, ehe die Tür sich wieder öffnet und den Blick auf eine sehr ramponiert wirkende Aurian freigibt. "Himmel!" Er macht einen raschen Schritt auf sie zu, doch etwas in ihren sich verschreckt öffnenden Augen lässt ihn innehalten. Ihre Miene ist eine Mischung aus Furcht, Schmerz und einer unendlichen Müdigkeit und sie macht sein Herz schwer. Ein Gedanke, düster und bedrückend, drängt sich wieder in den Vordergrund. Er hatte ihn in den Tagen, in denen das Mädchen vermisst worden war, immer wieder weit von sich geschoben, doch jetzt kehrt er gemeinsam mit der Gewissheit zurück.
Aurian schwankt bedrohlich, doch sie will von keinem von ihnen beiden den Arm reichen lassen. Die Schankmagd zuckt mit den Schultern und blickt mit leicht gerunzelter Stirn von einem zum anderen. "Kannst du uns bitte hinten heraus bringen? Wir müssen so nicht durch den Schankraum." Er lächelt, sie nickt und dann läuft sie auch schon los, führt sie langsam die Treppe herunter und durch die Küche nach draußen. Sie haben die Küche gerade zur Hälfte durchquert, als er Hallas Stimme hinter sich hört. "Cedric, wartet. Borgil hat hier eine Nachricht für den Lord Commander." Sie reicht ihm eine kleine Pergamentrolle mit dem Siegel des Zwergenwirtes entgegen, doch er kann aus dem Mogbargesicht nichts über den möglichen Inhalt der Nachricht herauslesen. "Danke Halla, grüß Borgil von mir, ja?." Er lächelt die Oberste Magd der Goldenen Harfe noch einmal an und wendet sich dann Aurian zu. Das Mädchen hat sich an eine Anrichte gelehnt und wirkt so erschöpft, dass er am liebsten die Hand nach ihr ausgestreckt und sie in den Arm genommen hätte.
Der Hof ist zum Glück gut beleuchtet und durch die ankommenden Reisenden und die Stallknechte auch belebt. Er schließt die Tür hinter Aurian und sich und sie verharren einen Augenblick in der winterlichen Kälte. Das Mädchen steht immer noch still neben ihm und er ahnt, wie unangenehm seine Nähe ihr sein muss. Oh, Aurian. Wer hat dir das angetan? "Die Sänfte steht vor der Harfe, meinst du, du schaffst das?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Amarde am 19. Feb. 2005, 00:24 Uhr
Amardé übergeht die Frage nach seiner Andeutung, dass sich Menschen oft hinter ihrer förmlichen Hülle verstecken und setzt sich mit einem belustigten Grinsen der jungen Frau gegenüber.
Seinen Beutel lässt er neben sich auf den Boden sinken, während er seine Rebec fast zärtlich neben sich auf den Tisch legt.
"Bitte lasst euch von mir nicht stören. Esst ruhig weiter." meint Amardé höflich und deutet auf den fast noch vollen Teller. Eine Fülle an Fragen stürzen auf Amardé ein, bevor sich eine schwarze Fellkugel auf seinen Schoß breit macht. Ein leises Lachen sprudelt über seine Lippen, als Avivit ihre Gefährtin auch schon wieder zu sich nimmt.
"Nein! Ich habe nichts essbares bei mir, aber Katzen haben mich schon immer geliebt."
Er zwinkert Avivit belustigt zu, bevor er ansetzt ihre Fragen mit nur wenigen Worten zu beantworten: "Es freut mich euch kennen zu lernen Avivit. Mein Name ist Amardé Rebec."
Gespannt schaut er in ihr Gesicht. Normalerweise genügte die Erwähnung seines ganzen Namens um festzustellen ob er sich einem wahren Musiker gegenüber sah oder nur jemanden der sich dafür hielt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von DarkCobra am 19. Feb. 2005, 01:15 Uhr
Als Dark sich es schmecken lässt, bemerkt er einen Schatten neben sich auftauchen. Es ist Amardé, der sich für den gestrigen Abend revanchiert. Da Dark nicht antworten konnte, nickt er ihn freundlich zu. Danach verfolgt sein Blick Amardé einen Tisch weiter, wo er sich nicht viel später neben der Tänzerin von vorhin setzt. <Ihr habt wirklich gute Chancen, euer Glück hier zu finden.> fährt es ihm durch den Kopf. Dann aber leert er seinen Teller und auch der Inhalt des Kruges wird immer weniger.
Da Halla grad nicht im Schankraum verweilt, wendet er sich einer der Bedienung zu, um sich ein Zimmer zu reservieren.

Nun macht er sich auf, die Harfe wieder Richtung Hufschmiede zu verlassen. Auf dem Weg nach draußen grüßt er nochmal Amardé und auch seine Tischgefährtin zu. Beim durschreiten der Türe wird schon automatisch die Kapuze übergeworfen, irgendwie fühlt er sich so sicherer, aber es hält auch recht gut warm.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von lila am 19. Feb. 2005, 10:55 Uhr
Seinen Worten folge leistend zieht Avivit ihren Teller wieder zu sich heran, während sie mit der linken Hand Shirin umfaßt. Doch mehr als im verbliebenem Mahl herumzustochern, vermag sie im Augenblick nicht. Dazu fasziniert sie ihr Gegenüber zu sehr.

"Rebec also ..." murmelt sie mehr zu sich selbst als zu ihm. Irgendwo, so glaubt sie, hatte sie diesen Namen schon einmal gehört. In Gedanken schiebt sie die halbe Portion Essen auf dem Teller von einer zur anderen Ecke, ohne auch nur einen Bissen davon zu verzehren. Dann fällt ihr Blick auf das Instrument, das er vor sich auf dem Tisch abgelegt hat. Ja natürlich! schießt es ihr durch den Kopf. Fragend schaut sie Amardé an und deutet mit einer Kopfbewegung auf die Rebec. "Rebec, richtig? Ich wußte, dieser Name war mir vertraut. Ich hatte diesen Klang schon einmal vor vielen Jahren gehört. Es muss in Verd gewesen sein."

"Sagt, wann und wo kann man Eurem Spiel für gewöhnlich lauschen?" Sie weiß, dass ihre Frage sehr direkt gestellt ist, doch sie möchte um nichts in der Welt diese Chance aus den Augen verlieren. Dazu hängt ihr Herz viel zu sehr an der Musik und wo sonst könnte sich ihr wohl das nächste Mal die Gelegenheit bieten, sich zu eben solcher zu bewegen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aurian am 19. Feb. 2005, 11:21 Uhr
In den Gängen der Harfe und davor

>Jemand von der Steinfaust ist hier um Euch abzuholen!< Die Worte der Magd holen Aurian in die Realität zurück. Wortlos nickt das Mädchen und kriecht langsam aus dem Bett. Da ihre Kleider in der Kanalisation zurückgeblieben sind und Caewlins Hemd nun nicht mehr ist als ein verdreckter Lumpen, der wahrscheinlich bereits dem Feuer anheim gefallen ist, hat die Mogbar ihr anzuziehen mitgebracht: Ein beiges Unterkleid sowie eine dunkelblaue Tunika mit einem Mieder in einem etwas hellern Blauton. Es scheinen Stunden zu vergehen, bis sie angelegt hat, was nicht nur daran liegt, dass sie solch Kleidung nicht gewohnt ist. Schließlich tritt sie aber dann hinter der Magd auf den Gang und sieht sich Cedric gegenüber. Zum einen ist sie froh ein vertrautes Gesicht zu sehen, zum anderen schämt sie sich unendlich vor ihm: Nicht nur wegen ihres ramponierten Aussehens, überhaupt fühlt sie sich so schmutzig und erniedrigt. Als der junge Gardist, dem der Schrecken über ihr Aussehen ins Gesicht geschrieben steht, einen Schritt auf sie zumacht, weicht sie unwillkürlich zurück. Obwohl ihr geschundener Körper sich danach sehnt, gehalten zu werden, ihre gepeinigte Seele ist stärker und die aufkeimende Panik droht sich erneut ihrer zu bemächtigen. Verzeih mir Cedric!

Langsam folgen die beiden der Magd. Während der Offizier einige Worte mit Halla wechselt, lehnt Aurian an einer der Anrichten. Sie hat das Gefühl, bereits Meilen zurückgelegt zu haben und ihr graut vor dem weiteren Weg bis zur Steinfaust. Eine der Mägde legt ihr noch einen grauen Umhang um die Schultern, ehe sie hinter Cedric in den Hof des Gasthauses tritt. Die kalte Winterluft schlägt ihr ins Gesicht, und lässt sie einen Moment zurücktaumeln. >Die Sänfte steht vor der Harfe, meinst du, du schaffst das?< Sänfte? Sie musste also nicht zu Fuß oder auf einem Pferd in die Kaserne zurückkehren! Die Erleichterung entlockt ihr das erste Mal seit Wochen so etwas wie ein Lächeln, auch wenn dieses ihre Augen nicht erreicht. „Es wird schon gehen!“ Langsam humpelt sie über den Hof, immer das ungute Gefühl in der Magengegend, ihr verletztes Bein könnte ihr den Dienst versagen. Als sie die Sänfte erreichen, ist sie durchgefroren und unendlich müde. Während des kurzen Weges hatte das Mädchen jegliche Berührung mit dem Gardisten vermieden, doch beim Einsteigen ist es nicht mehr zu vermeiden, dass sie ihm die Hand reicht. Kaum im Inneren lässt sie selbige jedoch los, als hätte sie sich verbrannt. Verzeih mir Cedric, oh bitte verzeih mir, aber ich ertrage deine Nähe nicht. Die Nähe keines Mannes! Erschöpft lehnt sie sich in die Kissen und spürt den sanften Ruck, als die Sänfte hochgehoben wird.

Weiter in der Steinfaust

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 21. Feb. 2005, 22:23 Uhr
Ein lautes Krachen hallt durch die Halle, begleitet von einem wütenden Brüllen und dem Geräusch der knisternden Flammen im Hintergrund. Knochen brechen, Menschen schreien, verbrennen, sterben und plötzlich ertrinkt alles in einem See aus Blut.
Tiuri fährt viel zu schnell aus seinem Traum hoch und bereut es auch sogleich wieder. Die Schmerzen durchfahren seinen Körper wie Blitze und im ersten Moment weiß der Junge nicht wo er eigentlich ist. Noch will er nicht glauben, dass er nicht mehr in der stinkenden Zelle ist, dass er nicht irgendwo in einem Gang der Kanalisation liegt und nicht weiß ob er jemals wieder das Tageslicht sehen wird. Doch genau dieses lang ersehnte Leuchten blinzelt jetzt durch das Fenster und malt helle Flecken auf seine Bettdecke.
Vorsichtig tastet Tiuri über die weiche Decke und langsam fällt ihm wieder ein wo er ist, auch wenn er es erst noch für einen Traum hält, weil er nicht zu hoffen wagt, dass der Wahnsinn endlich zu Ende gegangen ist.

Zu Ende… für viele völlig zu Ende…

Mit der geistigen Klarheit kehrt auch die Gewissheit zurück, dass Phelan tot ist und auch von dem Tod des Nordmannes und der fremden Frau die sie befreien wollten, ist er noch überzeugt. Tiuri weiß nicht wie lange er geschlafen hat und davon, dass die beiden einen Weg nach draußen gefunden haben und vom Tod der Frau des Nordmannes, Calyra von Sturmende, hat er auch keine Ahnung. Die ganze Welt hat sich um Tage weiter gedreht, aber Tiuri ist immer noch gerade erst aus der Kanalisation gekommen, mehr noch, die ganze Stadt steht noch am gleichen Tag an dem Tiuri und Faraday gefangen genommen worden sind. Seit diesem Tag hat er jegliches Zeitgefühl verloren.

Wenigstens weiß ich wieder wann Tag ist!

Und für einen Moment verliert er sich völlig in der Betrachtung des klaren Winterhimmels. Es schneit nicht und es sind kaum Wolken da die das Blau des Himmels verdecken könnten.
Sogar das Drehen des Kopfes bereitet Tiuri Schmerzen, vermutlich auch, weil er so lange gelegen ist und einfach steif geworden ist. Sein ganzer Körper fühlt sich an als hätte er nicht in diesem Bett geschlafen, sondern als wäre er die letzten Tage an das Rad eines Fuhrwerks gebunden gewesen. Seine müden und malträtierten Knochen krachen bei jeder Bewegung die er macht, obwohl es nicht allzu viele sind, denn sein Kopf fühlt sich an als hätte ihn jemand mit einer Axt gespalten.
Das Fieber ist in den letzten Tagen fast vollständig zurückgegangen, der Husten allerdings nicht, auch wenn er schon weit besser ist als noch bevor er hier her gekommen ist. Außerdem fühlt er sich als hätte er ein Loch im Bauch.

Moment… ich habe ein Loch im Bauch… in der Seite…

Vorsichtig schiebt er die Bettdecke nach unten und das Leinenhemd nach oben und kann sich das Loch ansehen, das der Pfeil in seinen Körper gebohrt hat. Es ist schrecklich tief, aber beginnt von innen schon wieder zu zuwachsen, trotzdem kann er noch ein gutes Stück in sich hineinsehen was ihn auf eine seltsame Art äußerst fasziniert und für einige Zeit in Anspruch nimmt. Aber schließlich wird es ihm zu anstrengend sich so aufzustützen und nach vorne zu lehnen und er sinkt zurück in seine Kissen. Sein linker Arm ist nicht mehr so taub, dafür aber bandagiert und die Finger sogar geschient.
Als er wieder so da liegt und ihm der Kopf zur Seite sinkt, sieht er, dass Faraday im Zimmer ist. Sie liegt ganz ruhig da, in einem etwas provisorischen Bett, aber sie ist bei ihm. Ihre weiße Haut von den dunklen Locken umrahmt und Verbände um Kopf und Hals, lassen ihn leise seufzen. Mühselig hebt er seinen ausgemergelten, dürren Körper aus dem Bett und knickt sogleich ein. Leise stöhnt er auf vor Schmerz als er mit den Händen voran auf den Boden sinkt und es dauert seine Zeit bis er sich wieder aufrappeln kann. Er schiebt sich mehr zu Faradays Lagerstätte, wo er sich dann schließlich hoch drückt und neben sie setzt.
Kurz sieht es aus als würde sie erwachen und Tiuri beißt sich auf die Unterlippe, denn er will sie wirklich nicht in ihrer Ruhe stören, denn diese Ruhe hat sie sich redlich verdient.
Ein bisschen zögerlich beugt er sich zu ihr herunter und gibt ihr einen Kuss auf die Stirn.
„Es tut mir Leid“, flüstert er und drückt sich dann hoch, wo ihm auch gleich schwarz wird vor Augen und er schwankend bis zur Tür taumelt wo er den nächsten Punkt hat an dem er sich festklammern kann. So an der Klinke hängend, ist es gar nicht so einfach die Türe zu öffnen und dann auch noch hin durch zu gehen, zu mal die Türe, wenn sie denn dann offen ist, auch noch schwankt wenn man sich daran fest hält.
Eigentlich hätte er zurück gehen sollen in sein Bett, weiter schlafen oder warten bis jemand kommt, das wäre intelligenter gewesen, aber selbst mit Faraday in seiner Nähe kann er die Stille und die Enge des Raumes in dem er liegt nicht mehr ertragen. Die Wände scheinen trotz des Lichts und der Möglichkeit zu entfliehen schon wieder auf ihn zu zukommen, und vermutlich tun sie das auch, aber nicht weil sich die Wände bewegen, sondern weil Tiuri schwankt wie ein Betrunkener.
Seine nackten Füße tapsen und schlurfen über den Holzboden, wo er hin muss weiß er nicht, ja nicht einmal wohin er eigentlich will, aber nach dem er den Gang einige Minuten lang angestarrt hat, entscheidet er sich für die Treppe.
Von unten dringen Geräusche von mehreren Menschen nach oben. Leute die reden, lachen, trinken, essen, einfach leben ohne seine Sorgen zu kennen oder sich darum zu kümmern und Tiuri ist der festen Überzeugung, dass das jetzt genau das Richtige für ihn sei. Also macht er sich auf, die Treppe hinunter zu steigen, wobei er sich mit einer Hand an das Geländer klammert und auch richtig weit kommt. Erst die letzten Stufen versagen ihm seine Füße und sein Arm den Dienst und er fällt mit einem riesigen Gepolter in die Schankstube hinein.
Einige der Gäste sehen ihn äußerst erstaunt an, andere abfällig und ein paar wenige sogar etwas mitleidig, ob er sich vielleicht etwas getan hat. Irgendwo will ihn eine helfende Hand hoch ziehen, aber der Junge schüttelt den Kopf und murmelt etwas von: Geht schon, und stemmt sich selbst mühevoll nach oben. Sein Arm und sein Pfeilloch machen zusammen mit seinem Herzschlag pochend Musik und Tiuri schließt die Augen um das Aufflimmern zu verdrängen.

Eine der hier arbeitenden Mogbarmagden steht vor ihm, die Hände in die Seiten gestemmt und schaut ihn fast vorwurfsvoll an. Tiuri blickt, selbst wenn er etwas gekrümmt da steht wie soeben, leicht über ihren Kopf hinweg und schaut in die Schankstube hinein. Bei dem Anblick der essenden Leute knurrt sein Magen.
„Kann ich etwas zu essen bekommen?“ fragt er und die Magd nickt, zieht ihn an einen Tisch und drückt ihn sanft auf dem Stuhl nieder. Es dauert nicht lange da bringt sie ihm eine Schale voll mit einer Art Brei, die sie wohl für das Beste für ihn hält. Tiuri ist viel zu hungrig als dass er etwas anderes verlangen würde, sie hätte ihm genauso gut Sand mit Wasser vermischt bringen können, er hätte es auch in sich hinein geschoben, obwohl er sich fragt, ob es denn aus seiner neuen Körperöffnung hinaus laufen würde.

Doch so groß sein Hunger auch ist, sein Magen der seit Tagen nichts mehr bekommen hat und auch davor schon einer etwas mageren Behandlung zum Opfer gefallen ist, revoltiert sogleich und Tiuri hätte sich beinahe wieder in die Schale übergeben, wäre nicht in dem Moment die Magd vorbei gekommen und hätte ihn geistesgegenwärtig hinaus gezogen.
So sieht sie ihm zu wie der den ganzen Brei, den er viel zu schnell verschlungen hat, vor der Türe verteilt. Die Magd schüttelt den Kopf und schwemmt und putzt hinter ihm auf, dass die Gäste nicht über schon einmal verdautes Essen ins Gasthaus steigen müssen und führt den Jungen dann wieder zurück. Sein Hunger ist jetzt zwar noch immer nicht wirklich gestillt, aber so richtig nach Essen ist ihm jetzt auch nicht mehr zu Mute. Trotzdem lässt die Magd es sich nicht nehmen ihn noch einmal zurück an den Tisch zu führen, nach dem sie ihm erst ein paar Schlucke Wasser gebracht hat bekommt er schließlich etwas dünne Hühnerbrühe und davon nicht allzu viel. Sie bläut ihm ein das jetzt langsam zu essen und das fällt Tiuri auch nicht schwer, denn er muss sich ohnehin zu jedem weiteren Schlucken zwingen.

Als die Magd das nächste Mal vorbei kommt und seinen Teller abräumt hält er sie am Arm fest. Nicht grob, im Gegenteil, denn obwohl er geruht hat und jetzt sogar gegessen, fühlt er sich schrecklich kraftlos.
„Das ist doch die Goldene Harfe, nicht wahr?“ fragt er. Irgendwie ist sich der Junge da nicht mehr so sicher, schließlich hatte er bei seiner Ankunft andere Dinge im Kopf gehabt und auch an anderen Stellen seines Körpers. Die Magd nickt und Tiuri fragt weiter. „Die Harfe, gehört doch Borgil, oder?“ Wieder ein Nicken und Tiuri verzieht die Mundwinkel zu einem schiefen Lächeln.
„Ist er denn irgendwo hier?“ Einerseits hat Tiuri gedacht, dass all die fremden Leute jetzt ein Segen für ihn sind, aber eigentlich verlangt es ihm nach einem bekannten Gesicht. Jemand der ihm sagt was passiert ist und wo alle sind. Er macht sich Sorgen um Aurian und auch um Borgil, er will wissen ob die Heiler alle gut versorgt haben und wo man Phelan hin gebracht hat. Er will am liebsten sogar zurück in die Kanalisation gehen und die Leiche des Nordmannes ausgraben, der es einfach nicht verdient hat dort unten liegen zu bleiben, ohne dass sich jemand um seine sterblichen Überreste kümmert. Aber er weiß auch, dass es Irrsinn ist zu denken, dass er das könnte, allein schon gar nicht und auch mit helfenden Händen würde es eine Ewigkeit dauern. „Ich bitte Euch, bringt mich zu Borgil wenn er denn wach ist!“ bitter er die Magd und hält seinen etwas flirrenden Blick dabei für einen Moment fest in ihre Augen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 22. Feb. 2005, 23:57 Uhr
"Bringen?"Krächzt Borgil verwirrt, während er sich aus den Decken wühlt und zu seiner Erleichterung feststellt, daß er ein langes Nachtgewand aus ungebleichtem Leinen trägt, in das ihn irgendwer gesteckt hatte. Doch hoffentlich nicht Azra. Verdächtig rot um die Nasenspitze funkelt er sie an. "Sag mal, hast du etwa die ganze Zeit hier gesessen, während ich geschlafen habe?" Sie nickt grinsend und Borgils Augen werden weit. "Äh... ich hab mich doch nicht dumm benommen... oder... doch?" Im Schlaf gesprochen zum Beispiel... ach herrje, mir bleibt auch nichts erspart! "Äh... nein, nein, laß mal. Ich kann aufstehen. Ich stehe auf, so, siehst du?" Bei seinen letzten Worten wäre er um ein Haar wieder hintüber gefallen, aber Azra ist schnell wie der Blitz an seiner Seite und hilft ihm in seine Gemächer hinüber, wo ein wahres Festmahl auf ihn wartet: keine Brühe, kein Haferschleim und kein altbackenes Brot, das Essen, das Halla ihm zweifellos beschert hätte, hätte sie sich um seine Genesung gekümmert, sondern starkes Bier, gebackene Kartoffeln und eine verführerisch nach Zwiebeln und Fleisch duftende Brühe. "Du," erklärt er im Brustton der Überzeugung, "bist ein Prachtmädel. Heirate mich!" Azra besitzt wenigstens den Anstand, rosa zu werden - wirklich rot wird ihre weiße Haut wohl nicht - auch wenn sie sich vor Lachen auf die Zunge beißt und Borgil heißhungrig über das Festmahl herfällt, von dem nicht ein Krümel übrig bleibt. Danach geht es ihm sehr viel besser und unverwüstlich, wie alle Zwerge, die etwas auf sich halten, beginnt er, seine Genesung in Angriff zu nehmen.

Es dauert Wochen, im wahrsten Sinne des Wortes, bis er wieder halbwegs der Alte ist... und seine gebrochenen Rippen sind dabei noch das geringste Übel. Phelans Tod hat ihn furchtbar getroffen und geht ihm entsetzlich zu Herzen und die schwere Last der Schuld, Caewlin und Raven dem sicheren Tod überlassen zu haben, zerrt und zerrt an ihm und seinen sonst so unverwüstlichen Nerven. Einen entsetzlichen Siebentag nach ihrer Rückkehr in dieser unseligen Sithechnacht und noch ein paar Tage mehr ist Borgil kaum mehr ein Schatten seiner selbst - bis Shugorn, Ninianes Rubinrabe, aus dem Baum am Smaragdstrand die erlösende Nachricht bringt, daß sowohl die kleine Diebin, als auch der Sturmender zwar alles andere als unversehrt, aber durchaus noch lebendig wieder aufgetaucht sind. Borgil fällt ein Stein so groß wie der ganze Wolkenthron vom Herzen und es endet damit, daß er nach dieser Jubelbotschaft beinahe an Azras Schulter geheult hätte wie ein Schloßhund. Heulen wie ein Schloßhund heißt in Borgils Fall: er kann zwei dicke Krokodilstränen nicht rasch genug fortblinzeln, ehe sie verräterisch in seinem dichten roten Bart verschwinden. Da Halla mit dem Betrieb in der Harfe vollends ausgelastet ist, kümmert sich Azra weitgehend um ihn, das beinhaltet auch das Flechten seines Haars, etwas, das das Blutelbenmädel mit exzessiver Obsession betreibt. Borgil ist es nur recht, auch wenn er manchmal durchaus abenteuerliche Frisuren davonträgt - der Luxus, sich ausgiebig den narbigen Schädel kraulen zu lassen, ist ihm der manchmal etwas gewöhnungsbedürftige Anblick im Spiegel wert. Azra ist es auch, die ihn gerade noch davon abhalten kann, stante pede in den Baum der Waldläuferin zu stürmen, um die beiden unverhofften Heimkehrer an die breite Zwergenbrust zu drücken und abzuküssen - eine Behandlung, die ihnen wohl in ihrem ohnehin recht desolaten Zustand noch den Rest gegeben hätte.

Borgil muß sich also gedulden und fügt sich zähneknirschend Azras Argumenten, sowohl er selbst, als auch Raven und Caewlin bräuchten gewiß noch Ruhe und keine Aufregung. Die nächsten Wochen vergehen in der Harfe für Borgil jedenfalls mit einem ganz und gar ungewohnten Verwöhnprogramm seitens seiner kleinen, aber energischen privat Krankenschwester, die weder dulden will, daß er sich wieder selbst um sein Gasthaus kümmert - vom Erledigen der Buchführung, sitzend im Bett, bewaffnet mit Federkiel, Löschsand, den Büchern und Tinte, einmal abgesehen - noch, daß er sich auch nur ansatzweise irgendwie körperlich anstrengt. Was zur Folge hat, daß Borgil die meiste Zeit in seinen Gemächern oder mit kurzen Spaziergängen um den Marktplatz beschäftigt ist, während seine zahlreichen Prellungen, Quetschungen und Blutergüsse langsam verblassen und von Schwarzblau in alle Regenbogenfarben und dann in Graugelb übergehen... bis sie schließlich fast wieder verschwunden sind. Aurian, die Magierin, die sie aus den Klauen der Kanalratten befreit hatten, war noch in der Sithechnacht von dem Fitzroyjungen abgeholt worden und ist längst wieder in der Steinfaust, aber Tiuri und das Rotzgör sind immer noch in der Harfe und erholen sich nur langsam von all den Strapazen und ihren Wunden. Allein das Mädel hat die ersten zwei Wochen nach ihrer Rückkehr fast ununterbrochen geschlafen und war von seinen Mägden mit Suppe und allerlei heißen Tees kuriert worden. Und dem Jungen war es sehr schlecht gegangen - mehr als einmal hatten Halla und die Harfenmädchen befürchtet, er würde die folgende Nacht nicht überstehen.

Allerdings hatten sich beide geradezu verzweifelt ans Leben geklammert und Mitte des Eisfrostmonds werden sie endlich wieder ein wenig wacher und ansprechbarer. Der Junge hat am Morgen nach dem Aufwachen gleich als allererstes sein Frühstück fröhlich im Gang vor seinem Zimmer verteilt, wie Borgil, der mittlerweile wieder vollkommen gesund und gut auf den Beinen ist, erfahren hat. Und außerdem wünscht er, ihn zu sprechen, wie ihm eine Magd mitteilt. Angesichts der Tatsache, daß es dem Bengel wohl noch lange nicht wieder gut genug geht, um durch die halbe Harfe zu wackeln, sucht Borgil lieber ihn auf - zum ersten Mal, daß der Junge wirklich wach ist, als er zu ihm kommt, denn nach den beiden gesehen hatte er öfter. "Ja, sieh mal einer an, wer ist denn da wach?" Brummelt er, als er den Kopf zur Tür der Kammer hereinsteckt, in der man Jen und das Rotzgör einquartiert hatte. "Bist noch ein bißchen weiß um die Nase, aber immerhin wach... hast bestimmt ne Menge Fragen. Setz dich ruhig, setz dich. Wie geht's dir? Euch?" Sein Blick schweift zum Bett hinüber, wo von dem Mädel nur eine Flut wirrer, schwarzer Locken zu sehen ist. Er zieht sich selbst einen Schemel heran und bugsiert Jen vorsichtig wieder auf den Bettrand. "Nicht wieder zusammenklappen, ja? Als erstes sollte ich dir wohl sagen, daß ihr... also du und das Mädel, mein ich, daß ihr jetzt ein paar Wochen ziemlich weggetreten wart. Es war die Sithechnacht, als wir... als wir zurückgekehrt sind und nun haben wir Mitte des Eisfrost."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 23. Feb. 2005, 14:15 Uhr
In einer Kammer


Die Magd verspricht Tiuri, dass er Borgil sehen wird, aber nicht hier draußen. Er solle zurück gehen in sein Zimmer, sich ausruhen, Borgil würde besser nach oben kommen. Das wundert Tiuri nicht, denn er ist mit Sicherheit kein besonders hübscher Anblick für die Gäste, die sich immer noch gelegentlich nach ihm umwenden und ihm dann mit offenem Mund nach sehen wie er sich, mit der Hilfe der Magd wieder die Treppe nach oben schiebt. Die Kraft zu Fluchen hat der Junge dabei eigentlich nicht, den Wunsch allerdings schon, denn die Schmerzen die von seinem Einschussloch ausstrahlen, welches unter der Anstrengung ein wenig aufreißt, breiten sich genüsslich über seinen ganzen Körper aus und rauben ihm jegliche Motivation noch weiter zu gehen. Am liebsten wäre er einfach stehen geblieben und hätte sich, auf der Treppe sitzend, für eine Weile ausgeruht. Er will auch gar nicht zurück in das kleine Zimmer, dessen vier Wände sich eng um ihn herum aufbauen und seiner Verletzungen wegen wird er sie kaum verlassen können. Es ist also nichts anderes, als ein schützendes, wohlgemeintes, aber immer noch enges Gefängnis.
Das ist doch Schwachsinn Junge, das ist ein Zimmer, du hast früher auch in Räumen geschlafen, du kannst raus gehen wenn du das willst.
Dass er es irgendwie fertig bringt hat man ja gesehen, wie, ist allerdings eine andere Frage, an die Tiuri gar nicht denken will. Er ist noch nicht wieder ganz in seinem Bett als sich die Türe hinter ihm öffnet und Borgil brummelnd den Kopf zur Tür hinein streckt.
>Ja, sieh mal einer an, wer ist denn da wach? Bist noch ein bißchen weiß um die Nase, aber immerhin wach... hast bestimmt ne Menge Fragen. Setz dich ruhig, setz dich. Wie geht's dir? Euch?<
Mit einem freundlichen Schubs, mehr bedarf es auch wirklich nicht, befördert Borgil den Jungen zurück aufs Bett. Bei dem Gefühl wie er in der Matratze einsinkt, wird Tiuri gleich wieder etwas schummerig und er krallt sich mit der gesunden Hand am Bettrand fest um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Es ist äußerst ungewöhnlich, in Tiuris Augen, dass er die ganze Zeit schwankt wie ein Blatt im Wind, denn er fühlt sich als trüge er zu mindest das Gewicht der Welt auf den Schultern und er müsste jeden Augenblick durchs Bett brechen.

>Nicht wieder zusammenklappen, ja? Als erstes sollte ich dir wohl sagen, daß ihr... also du und das Mädel, mein ich, daß ihr jetzt ein paar Wochen ziemlich weggetreten wart. Es war die Sithechnacht, als wir... als wir zurückgekehrt sind und nun haben wir Mitte des Eisfrost.<

Es dauert eine Weil bis Tiuri in seinem Kopf realisiert hat, dass die Sithechnacht noch im Langschnee liegt und dass danach nicht gleich Eisfrost kommt, sondern Silberweiß und das bedeutet wiederum, dass er tatsächlich Wochen lang hier verbracht hat, ohne auch nur eine einzige Erinnerung.
Das hast du wirklich großartig drauf, einfach irgendwo sein und keine Erinnerungen dran haben, du solltest das zu deinem Beruf machen…

Mit der rechten Hand fährt er sich übers Gesicht und murmelt etwas, das wie „scheiße“ klingt in seine Handfläche. Das Leben ist dort draußen mit Sicherheit nicht stehen geblieben und hat auf ihn gewartet, während er hier, benebelt vor Schmerzen und Mohnblumensaft, vor Sithechs Fängen davon gerobbt ist.

Dann fällt ihm ein, dass Borgil nach seinem Befinden gefragt hat und er muss ernsthaft überlegen wie er ausdrücken soll was er fühlt. Er lebt, das ist ein gutes Gefühl, er kann mit etwas Mühe stehen und gehen, das ist fast noch besser und er hat etwas gegessen, das jetzt in seinem sonst sehr hohlen Inneren auf und abschaukelt und hin und wieder seinen Weg nach draußen suchen will, so dass Tiuri heftig schlucken muss. Aber andererseits tut ihm alles weh, was jedoch ein Zeichen fürs Leben ist und sonst… Kann er dem Zwerg sagen, dass er die Augen nicht schließen kann ohne in Whytfisks Augen zu blicken, dass er ständig die Geräusche von Feuer und Kampf in seinen Ohren und in seinem Kopf hat und dass er sich furchtbare Schuldgefühle macht, dass der Nordmann und Phelan tot sind? Also zuckt er mit einer Schulter, die andere lässt er lieber in Ruhe und antwortet schließlich wahrheitsgemäß.

„Ich weiß nicht, ich weiß gar nichts… und Faraday?“ Er schaut auf die dunklen Locken die das einzige sind das er jetzt von ihr sehen kann und ein Lächeln huscht über sein Gesicht. „Ich weiß nicht, geht es ihr denn gut? War sie schon wach? Spricht sie? Isst sie? Sie lebt… das ist alles was ich weiß…“
Er muss in seinem Kopf alle Fragen sortieren die er hat, damit er nichts auslässt und nichts vergisst, damit Borgil sich auch auskennt und weiß wovon er spricht, dass er nicht einfach leeres Zeug daher faselt. Das alles bringt ihm noch mehr Kopfschmerzen, aber er genießt sie beinahe, denn sie sind ein eindeutiges Lebenszeichen, so wie alle seine Schmerzen, die ihn daran erinnern, dass er es geschafft hat den neun Höllen zu entrinnen. Ein Teil von ihm wird vielleicht immer dort sein und noch fürchtet er sich die Augen zu schließen und alleine zu bleiben, aus Angst, dass er wieder zurück kehrt in seinen Träumen, oder dass er doch noch erwacht und er gar nicht in der Goldenen Harfe ist.
„Wo ist Aurian? Geht es ihr gut? Ist sie, hat sie…“ er weiß gar nicht so richtig was er eigentlich wissen will, er erinnert sich an den ängstlichen Ausdruck in den Augen der jungen Magierin und er will wissen ob sie den für immer behalten wird, oder ob auch diese Wunden an ihr heilen werden. Aber woher soll Borgil das wissen, diese Frage kann vermutlich nicht einmal Aurian selbst beantworten.
„Und Phelan, ist er tot? Habt ihr ihn begraben? Hab ich es verpasst ihm die letzte Ehre zu erweisen? Ist er in der Stadt? Und der Nordmann? Grabt ihn jemand aus? Wie war sein Name eigentlich? Sind alle dort tot? Kann man nichts tun? Steht die Welt dort draußen noch?“
Erst hat er noch nachgedacht um nichts dummes zu sagen, doch jetzt sprudeln die Fragen völlig irrational aus ihm heraus. Mit einer Hand fährt er durch das wirre, strähnige Haar und schaut dann wieder aus dem Fenster, weil er gar nicht genug bekommen kann von dem Licht und von der Luft dort draußen, weil es ihm schwer fällt den Blick auf einen Punkt zu fixieren und weil er nicht vor dem Zwerg zu heulen beginnen will, obwohl ihm danach zu Mute wäre.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 23. Feb. 2005, 19:31 Uhr
Trotz seines doch recht wackligen Zustands - wie sollte man auch zu Kräften kommen, wenn man wochenlang im Wundfieber vor sich hinphantasiert und dabei nur Brühe und Haferschleim, Heiltränke, Kräutertees und mit Mohnblumensaft und Traumwein versetztes Wasser zu sich nimmt, das einem angeblich helfen soll, gesund zu werden? - schießt der Junge Fragen auf ihn ab wie Erbsen aus einem Blasrohr und Borgil schüttelt grinsend den Kopf. "Langsam, langsam, immer schön ruhig mit den jungen Pferden. Ich bin ein Zwerg, kein Kobold, also schön eines nach dem anderen, ja? Also, das Mädel hier... wie ist ihr Name? Faraday? Na, weiß ich das auch endlich... die war schon wach ja. Erst ist ihr Fieber mit aller Macht zurückgekehrt und schwach wie sie war, dachten wir schon, sie erholt sich nicht mehr, aber inzwischen geht es ihr wieder gut. Und Aurian geht es bestimmt schon besser, aber seit unserer Rückkehr habe ich sie selbst nicht mehr gesehen. Der junge Fitzroy von der Steinfaust war hier und hat sie abgeholt, denn sie ist... oder sie war zumindest... Magiernovizin im Dienst der Stadtgarde. Ich kenne allerdings den Lord Commander und ich kann dir versichern, daß man sich gut um sie kümmern wird, falls dich das beruhigt. Und Phelan..." hier huscht ein Schatten durch Borgils schwarze Augen, ein kaum merkliches Aufschimmern alten Schmerzes und seine dicken, struppigen Brauen zittern, während sie sich langsam sträuben.

"Phelan ist tot. Sein... sein Rückgrat war gebrochen, ihm war nicht mehr zu helfen. Selbst Loba, die größte Heilerin Rohas, weißt du, hätte nichts mehr ausrichten können. Aber begraben ist er noch nicht, nach allem was ich gehört habe. Frau Arwen, die Herrin von Vinyamar, war hier und hat ihn in den Anukistempel geholt... Phelan war eigentlich Waldläufer, weißt du?... und dort ist er aufgebahrt. Wir haben einen recht schneereichen Winter und es ist schweinekalt da draußen... jedenfalls für herzländische Verhältnisse... da kann man keinen Toten meilenweit durchs Larisgrün schleppen, um ihn zu begraben... außerdem ist der Boden gefroren, also ich denke, bis zum Frühling wird sein... sein Leichnam im Tempel bleiben. Will neben seinem Sohn beigesetzt werden, irgendwo am Heideweg unten..." Während er von Phelan gesprochen hatte, war seine Brust eng geworden, wie immer, wenn er an das Spitzohr denkt, aber Jens Frage nach dem Nordmann läßt ihn wieder aufatmen. Unter dem gewaltigen roten Bart breitet sich ein ebenso gewaltiges Grinsen aus, reichlich absurd nach der offensichtlichen Trauer von eben, aber die Fragen dieses kleinen Naseweis' da stürzen einen ja auch in ein Wechselbad der Gefühle sondergleichen.

"Der Nordmann äh... sein Name," gluckst Borgil, "ist Caewlin von Sturmende. Und er ist gar nicht tot." Jens Blick, der sich eben noch krampfhaft am Fenster festgehalten hatte, zuckt herüber und Borgil nickt. "Hat uns ganz schön gefoppt, was? Nach einer Woche etwa, also einen Siebentag nach unserer Rückkehr und die war ja schon dramatisch genug, stell dir vor, da kommt der einfach so in Ninianes Baum spaziert, mit Raven im Schlepptau obendrein - du weißt schon, das Mädel, wegen dem wir eigentlich da runter sind, die der Weißfisch als Geisel hatte. Sind nicht totzukriegen, diese normander Sturschädel. Du kannst dir nicht vorstellen, was ich für ein Gesicht gemacht habe, als ich diese Nachricht bekam - und wenn du jetzt heulen willst, dann tu's ruhig. Hab ich auch. Wie ein Schloßhund, ich schwöre." Borgil hebt feierlich die Hand, um seine Worte zu bezeugen und seine Miene zeigt dabei ein verwirrendes Wechselspiel aus Trauer, humorvollem Verständnis, Freude, Erleichterung und leiser Selbstironie.  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 24. Feb. 2005, 09:21 Uhr
Tiuri hört Borgil aufmerksam zu und nichts von dem was er erzählt verwundert ihn wirklich. Er ist unheimlich froh, dass Faraday schon wach war und dass es ihr wieder besser geht, dass sie auch ganz gesund werden wird. Tiuri und die Diebin, nein eigentlich nur er, denn von Faraday hat er gar keine Ahnung, hat kein Heim in das er hätte geholt werden können, aber Aurian lebt in Talyra, natürlich hat sie jemand nach Hause geholt. Schließlich hat sie Freunde, eine Arbeit in der Steinfaust, vermutlich eine Familie, wer weiß, vielleicht sogar einen Mann.
Aber der hätte doch sicher schon eher nach ihr gesucht, obwohl was weißt du, die haben vielleicht die halben Immerlande nach ihr abgesucht, bloß unter die Erde haben sie nicht geschaut. Wer denkt schon, dass seine Feinde direkt unter ihm sitzen. Die Vorstellung, dass er nicht durch die Straßen gehen kann, ohne zu wissen, ob nicht in dem Moment unter ihm eine Kanalratte durch die verschütteten Gänge krabbelt, macht die Sache wirklich nicht besser, also denkt Tiuri einfach nicht weiter darüber nach. Dafür überlegt er sich ob er Aurian irgendwann besuchen gehen kann, um sie selbst zu fragen wie es ihr geht. Aber bei den Worten, Steinfaust und Lord Commander, wird ihm etwas mulmig, obwohl der Vorfall am Marktplatz nun doch schon etwas her ist und vermutlich keiner mehr an ihn denkt. Er weiß noch alles als wäre es gestern gewesen, er kennt noch das Gesicht der Gardisten die ihn und Faraday bis in die Kanalisation getrieben haben und zu leicht fällt es ihm jetzt ihnen die Schuld in die Schuhe zu schieben, obwohl sie ja eigentlich nur ihre Arbeit getan haben.
Genauso wie ich auch…
Als Borgil von Phelan spricht, muss der Junge heftig blinzeln um die Tränen in seinen Augen zu vertreiben. Es ist kein wirklicher Lichtblick, dass der Waldläufer noch hier ist, obwohl Tiuri froh ist, denn so hat er vielleicht die Möglichkeit, wenn man ihn lässt, bei dessen Bestattung dabei zu sein, oder bei, was man sonst noch so mit Halbelbischen Waldläufern nach ihrem Tod tut. Egal was, Phelan hat ihren Respekt auf jeden Fall verdient. Tiuri hat nicht gewusst, dass das Spitzohr einen Sohn gehabt hat.
Ob er auch eine Frau hat, die jetzt vielleicht um sie beide trauern muss?
Er bekommt kaum mit wie Borgil zu grinsen beginnt als er von Caewlin zu sprechen beginnt, dem großen Nordmann, der einfach so, jeden Falls in Borgils Erzählung, zu irgendeiner Niniane in irgendeinen Baum spaziert ist. Allein das kommt Tiuri schon seltsam vor, aber dass der Nordmann lebt und diese Raven auch, das ist wohl das größte Wunder von allen. Der Mund bleibt ihm offen stehen, auch wenn er das mit dem Baum immer noch nicht kapiert hat, das ist ja auch egal, der Nordmann ist riesig und stark, wenn ihm gar keine andere Lösung einfällt, kann sich Tiuri immer noch vorstellen, dass Caewlin ein Loch in den Baum geschlagen hat.
Zum Schluss sagt ihm Borgil noch, dass er jetzt ruhig heulen kann wenn er das möchte und dass nichts dabei ist, dass sogar er, der Zwergenwirt der Goldenen Harfe, geheult hätte wie ein Schlosshund. Wirklich etwas dagegen tun kann Tiuri sowieso nicht, die Tränen laufen ihm nur so aus den müden, strapazierten Augen, obwohl er versucht sie mit dem Handrücken weg zu wischen und zu verbergen und dabei vor sich hin murmelt, von wegen: „Mann… nicht weinen… Echter Mann…“
Eine Zeit lang sitzen sie einfach nur so da, der narbengesichtige Zwerg und der heulende Junge, der irgendwann, weil er auch anfängt das Gleichgewicht zu verlieren, auf der Schulter des Zwerges lehnt und ihm das Hemd einweicht. Irgendwann beruhigt sich Tiuri wieder, setzt sich auf, fährt sich über die rot angeschwollenen Augen und versucht zu verbergen wie peinlich ihm die Situation gerade ist. Nicht schreien, nicht weinen, es gibt gar keine Schmerzen mehr die das wert wären, irgendwann hat er sich das zu seinem Leitmotiv gemacht und gerade hat er es äußerst schändlich verletzt.
Eine Frage die er noch nicht gestellt hat, spukt Tiuri noch im Kopf herum, obwohl es noch viele andere gegeben hätte, die er hätte stellen können, aber sie wären alle nur aus seiner Neugierde resultiert, diese liegt ihm aber wirklich am Herzen und er weiß nicht genau wie er sie stellen soll, so dass sie auch nicht falsch verstanden wird. Er druckst ein bisschen herum, kratzt sich am äußerst spärlich bestoppelten Kinn, denn Bart kann man das nun wirklich noch nicht nennen und überlegt wie er anfangen soll.
„Hm… sag mal, wie lange, also… dürfen wir, ich, darf ich,… eigentlich hier bleiben, also… in der Harfe, so, ich… bin, hab, na ja, ein bisschen wenig Geld, momentan…“
Einerseits will Tiuri die Gastfreundschaft des Zwerges auf keinen Fall beleidigen, andererseits weiß er nicht so genau was Borgil erwartet. Mit Zwergen und auch mit gratis Nächtigungen in Gasthäusern, nach dem man sich durch einige Kanalratten geprügelt hat, hat er keine Erfahrung und er weiß nicht wie lange er noch Borgils Freundlichkeit in Anspruch nehmen darf. Der Zwerg weiß ja auch nicht, dass der Junge völlig neu in Talyra ist, dass er vermutlich nach der Aktion an der verborgenen Tür ahnt, dass der Junge nichts anderes als ein einfacher Dieb ist, kann Tiuri nur annehmen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Yana am 24. Feb. 2005, 11:41 Uhr
Hungrig und mit wenig Geld in ihrer Geldkatze kommt Yana in die goldene Harfe und schaut sich um. Viele Leute sitzten an den Tischen und im Schankraum hört es sich an wie in einem Bienenstock. Die Waldelbe zuckt innerlich zusammen, der  Lärm schmerzt in ihren empfindlichen Ohren, doch sie lässt sich nichts anmerken und drängt sich durch die Menge. In einer Nische ist noch ein Platz frei und obwohl schon drei andere Männer dort sitzten gesellt sich Yana zu ihnen.

Sie begrüsst die drei mit einem freundlichen Nicken und setzt sich dann. Die Männer betrachten sie interessiert und ein Grinsen huscht über die derben Züge. Yana ignoriert das Verhalten der drei und bestellt sich bei einer Magt einen Teller Supper, etwas Brot und einen Krug mit verdünntem Met. Schnell huscht die Magt davon und kommt wenige Zeit später mit einem Tablett zurück. Yana schnürt die Geldkatze von ihrem Gürtel und kramt die wenigen Münzen hervor, um dise der Magt zu geben. "Vielen Dank und einen guten Appetit wünsch ich Euch." Die Magt verschwindet mit einem Lächeln und Yana beginnt mit dem Essen. Wie soll ich die nächsten zwei Seibentage nur ohne Geld auskommen? Ich brauche dringend eine Arbeit für diese kurze Zeit.... Gedanken verloren isst die Waldelbe weiter und nippt an ihrem Humpen. Die Männer verabschieden sich währenddessen und verschwinden.

Nach dem Yana fertig gegessen hat, leht sie sich etwas zurück und beobachtet das Geschehen in der Harfe. Vielleicht weiss hier ja jemand Rat? Yana schaut sich interessiert um, doch niemand scheint da zu sein der gerade Zeit für ein Gespräch hat oder den sie kennt. Deswegen steht sie auf, schliesst ihren neuen Wams, wirft ihren Umhang über, schiebt die Kaputze tief ins Gesicht und verlässt die Harfe wieder.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 25. Feb. 2005, 19:18 Uhr
"Äh...nanana, wird alles wieder gut," Borgil tätschelt beruhigend die Schulter des Jungen, der sich gerade an seiner ausheult und es fehlt nicht viel, daß der Harfenwirt aus lauter Solidarität gleich mit in Tränen ausgebrochen wäre. Seit diesem verflixten Kanalabenteuer hat er auch selbst viel zu nahe am Wasser gebaut. >Mann… nicht weinen… Echter Mann…< Na, das willst du mal werden, was? Borgil reicht seinem Schützling ein voluminöses Leinentaschentuch aus einer der unergründlichen Falten seines Wamses und blickt in mit freundlicher Erheiterung an. "Wer hat dir denn den Floh ins Ohr gesetzt, Junge? Wein soviel du willst, wenn es dich erleichtert... natürlich nur, solange kein Weibsvolk anwesend ist, die bilden sich sonst immer gleich sonstwas ein..." Ein nachdenklicher Blick in Faradays Richtung zeigt nur, daß das Mädel immer noch fest und tief schläft - und somit nicht zählt. Jen scheint das ganze mehr als peinlich und Borgil tut taktvoll, wenn auch mit Verspätung, so als bemerke er das verschwollene Gesicht und die Tränenspuren nicht und als sei das alles das normalste der Welt, ganz und gar nicht ungewöhnlich, absolut alltäglich und somit nicht der Rede wert. Das scheint immerhin ein wenig zu helfen - ungangenehm scheint dem Jungen sein Ausbruch nach einer Weile nicht mehr zu sein, dafür druckst er jetzt herum, als hätte er eine Elritze verschluckt. >Hm… sag mal, wie lange, also… dürfen wir, ich, darf ich,… eigentlich hier bleiben, also… in der Harfe, so, ich… bin, hab, na ja, ein bisschen wenig Geld, momentan…< Borgil wischt sämtliche unausgesprochene Bedenken mit einer Handbewegung zur Seite. "Mach dir mal keine Gedanken. Ihr könnt selbstverständlich solange hierbleiben, wie ihr braucht um wieder auf die Beine zu kommen und von Geld will ich gar nichts hören. Wenn du dich wieder kräftig genug fühlst, dann kannst du dich gern ein wenig im Stall nützlich machen und damit lassen wir's dann gut sein." Dann wird Borgil ernst, als ihm plötzlich etwas einfällt. "Ähm... ich weiß... was ihr zwei seid," fährt er dann sehr viel ernster fort. "Ich will nicht sagen, daß ich das gut heiße oder es hier tolerieren werde, aber... die Dinge sind nunmal wie sie sind und ich werd euch deswegen bestimmt nicht verteufeln... solange ihr die Finger von meinen Gästen laßt. Es ist euer Leben, ihr müßt wissen, was ihr damit anstellt. Ich werd euch nicht an die Stadtwache melden, mach dir darüber keine Sorgen. Und wenn ihr euer Leben ändern wollt, kann ich euch vielleicht helfen, aber aufdrängen werd ich mich nicht. Bis zum Frühling könnt ihr auf jeden Fall erst einmal bleiben... wenn ihr wollt."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 25. Feb. 2005, 20:19 Uhr
Tiuri atmet hörbar erleichtert aus, als Borgil ihm sagt, dass er und auch Faraday ruhig noch bleiben können, bis sie auf eigenen Beinen stehen und bis Frühling auf jeden Fall, dass er im Stall aushelfen kann, wenn er gesund genug ist. Mit Stallarbeit hat er keine Probleme, auch das hat er hin und wieder gemacht und um Geld müsste er sich keine Sorgen machen.
Die nächsten Worte Borgils lassen ihn erst aufsehen und sofort etwas betroffen und beunruhigt die Augen nieder schlagen. Sein Fuß kratzt über den Boden, er sieht fast aus wie ein Kind das weiß, dass es etwas ausgefressen hat. Aber seine Bedenken sind auch in diesem Belangen völlig unbegründet, was auch logisch erscheint, denn Borgil wird ihn nicht aufpäppeln und wenn er kräftig genug ist in die Steinfaust abschieben. Der Zwerg bietet dem Jungen an, dass er ihm hilft eine ehrliche Arbeit zu finden und aus lauter Dankbarkeit wäre Tiuri beinahe aufgesprungen und hätte gerufen, dass er das machen will.
Aber seine nicht vorhandene Kraft hindert ihn am Aufspringen und das mit dem Rufen ist eine andere Sache. Sicher wäre es besser hätte er eine ehrliche Arbeit, sein Gewissen wäre auf jeden Fall leichter, andererseits lebt es sich unter Umständen reicher als Dieb und vielleicht könnte er auch hier in Talyra beides kombinieren, so wie er es früher gemacht hat. Außerdem weiß er gar nicht wie lange er in Talyra bleiben wird, denn wenn er auch hier keinen Hinweis auf seine Vergangenheit findet, wird er weiter ziehen.
Bei diesen Gedanken fällt sein Blick auf Faraday und irgendwie kommt der Gedanke in ihm auf, dass er es gar nicht gut fände sie niemals wieder zu sehen, obwohl sie sich ja eigentlich kaum kennen. Er will sich einreden, dass das alles Schwachsinn ist, dass es vom Fieber kommt, dass er, der Junge der jeden Namen und doch keinen trägt, einfach keine Freunde braucht. Dass er im letzten Jahr mehr Frauen gehabt hat als funktionierende Finger an den Händen, aber es läuft immer auf eines hinaus. Sie war sein Rettungsanker in der Dunkelheit, das einzige bisschen Licht an das er sich geklammert hat, sie hat ihn dort raus geholt, sie war die ganze Zeit bei ihm gewesen, bis jetzt schläft sie noch in der gleichen Kammer wie er.
Wir müssen einfach Freunde sein, das geht gar nicht anders…

Er weiß nicht, ob Borgil jetzt eine Antwort von ihm erwartet und so sieht er auf und nickt einfach nur, lässt dabei alles offen.
Natürlich findet er es nicht gut, das muss dir klar sein, er ist ein ehrlicher Zwerg, ein Wirt, kein Dieb wie du.
Tiuri kann das gut verstehen und auch annehmen, aber er mag den Zwerg und er ist ihm dankbar für alles was er getan hat, zu gerne würde er einen besseren Eindruck bei ihm hinterlassen, als den eines dummen, dünnen Diebs. Er will sagen, dass er nicht immer ein Dieb war, aber es gibt keine Zeit davor in seinem Kopf und so kann er das nicht einmal sagen, ohne dabei nicht vielleicht schon wieder zu lügen. Schließlich sagt er gar nichts mehr dazu, sondern lächelt Borgil etwas schwach an.
Der Zwerg schickt ihn schließlich wieder ins Bett, mit der Anweisung auch dort zu bleiben und keine erneuten Streifzüge im Alleingang zu unternehmen, sondern sich weiter auszuruhen. Tiuri legt sich brav zurück, er fühlt sich ohnehin schon wieder müde, obwohl er, wie er findet, ja gar nichts getan hat.
Als der Zwerg fast bei der Tür hinaus ist, hält Tiuri ihn noch einmal auf.
„Du weißt nicht zufällig, wo meine Ratte ist, oder?“
Tiuri ist aufgefallen, dass er Litli-Vinur nicht mehr gesehen hat, seit er eingeschlafen ist und das ist Wochen her. An dem Tag seiner Ankunft war die Ratte noch hier und es ist gut möglich, dass sie einfach abgehauen ist, zu ungeduldig um auf das Erwachen ihres großen Freundes zu warten.  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 02. März 2005, 15:11 Uhr
In die Goldene Harfe ist, soweit die üblichen Gäste es mitbekommen, langsam wieder der Alltag eingekehrt, der normale Betrieb läuft wieder, und was sich in den privaten Gemächern abspielt, bleibt den Gästen verborgen - und größtenteils auch dem Personal. Nevermore hat immerhin einmal kurz Borgil gesprochen, jedoch nicht über Einzelheiten seines jüngsten und verlustreichsten Abenteuers, und die Verletzten und Toten waren ihr größtenteils unbekannt. Sie hatte nur endlich erfahren, warum Morgana so persönlich involviert war und warum sich bisher niemand so richtig mit Sethai befasst hatte. Zweimal hatte Nevermore an der Tür der Kräuterkate angeklopft, aber an der Tür von Palathia auch nur erfahren, dass der Zustand des Sehers unverändert ist. Nevermore weiß nicht einmal, ob Morgana überhaupt wieder in der Kate ist oder nicht, und der kleine Ian will ihr einfach nicht aus dem Kopf... Was, wenn seine Mutter ihn allein lässt?

Aber es geht sie nichts an, ermahnt sich Nevermore selbst, sie hat wahrlich schon genug um die Ohren. Gerade endet ihre Schicht, und sie pellt sich aus ihrer Kleidung, über die ein Betrunkener sich übergeben hat. Mit spitzen Fingern zieht sie an den besudelten Fäden der Schnürung im Miederteil ihres Kleides, dann krempelt sie alles um und steigt aus dem Rockteil. Sie schaut an sich herunter; gut, dass sie niemand beobachtet, denn nun kann die Wölbung ihres Unterleibes schon nicht mehr als Speckröllchen interpretiert werden... Schnell, ehe noch jemand in die Kammer neben der Küche kommen kann (am Ende noch die Köchin, die sich in ihrer liebenswerten, aber lauten Art bestimmt verraten würde!), schlüpft sie in ein für solche Fälle bereitliegendes Leinenkleid. Leider hat es Knöpfe und keine Schnürung, was dazu führt, dass Nevermore leise fluchend aufgeben muss und den aufklaffenden Stoff über ihrem Bauch mit ihrem Umhang verhüllen muss. Solange es kalt ist, geht das noch... Aber wie soll ich bis zum Hochsommer klarkommen, bis das Kind kommt? Sorgenfalten verunzieren ihre hohe Stirn. Sie kann nicht einmal SereniecA einweihen und sie bitten, ihre Kleider zu erweitern, denn das junge Mädchen ist nicht wieder aufgetaucht, schon mehrere Tage nicht... "Aelinor, komm, wir gehen heim!", ruft sie in die Küche. Das Kind hüpft von der Ofenbank, in der Hand einen Kanten Kuchen, und Hand in Hand verlassen sie die Harfe.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 02. März 2005, 22:01 Uhr
"Deine äh... Ratte? Auweia... na hoffentlich ist sie noch hier, denn in der Gaststube kann ich sie nicht brauchen. Abgesehen davon würde sie dort nicht lange leben. Da wohnt ein Kater, den es schon mindestens solange wie das Gasthaus gibt..." Borgils Brauen sträuben sich gewaltig - das mag ja übertrieben sein, immerhin steht die Harfe schon seit fast zweihundertfünfzig Jahren, aber wenn, dann nicht sehr viel. Irgendwann war dieses rabenschwarze, blumenkohlohrige einäugige Mistvieh bei ihm eingezogen... oder jedenfalls einfach aufgetaucht und seither hatte es in der Harfe keinerlei Probleme mehr mit Mäusen und Ratten (oder Gnomen mit komischen Amuletten) mehr gegeben. Dafür thront besagter Kater (der im Übrigen die Größe und den Umfang eines verfluchten Butterfasses hat) Abend für Abend am hinteren Ende des Tresens, überwacht mit grünen Augen die Schankstube, schlemmt sich in der Küche durch Sahneschälchen und Fleischreste, hält die Harfe ungezieferfrei und jagt ab und an zum Spaß schon mal Hunde über den Marktplatz.

Der Junge, inzwischen wieder im Bett, sieht einen Moment lang schrecklich besorgt aus, aber dann nickt er wenn auch zögerlich. "Sie wird schon wieder auftauchen... die Ratz, meine ich. Oder vielleicht hat eine der Mägde sich drum äh... nein, hoffentlich doch lieber nicht." Da Borgil weiß, wie es aussieht, wenn eine seiner Mägde sich um eine Ratte kümmert, wünscht er Jens pelzigem kleinen Freund alles, aber nur das nicht. "Kopf hoch, deine Ratte wird schon wieder kommen. Spätestens wenn sie sich daran erinnert, daß es bei dir etwas zu Fressen gab. Und jetzt mußt du unbedingt schlafen und wieder zu Kräften kommen. Gute Nacht!" Borgil nickt Jen noch einmal zu und stapft dann hinunter in die Schankstube, wo er gerade noch Aelinor und Nevermore hinterherwinken kann, die für heute wohl gerade ihre Schicht beenden. Borgil ahnt nichts von Nevermores anderen Umständen - und hätte er geahnt, worauf diese "Umstände" zurückzuführen sind, dann gnaden die Götter dem Mistkerl, der das zu verantworten hatte. So aber - und völlig ahnungslos was schwangere Frauen und deren Formen angeht - glaubt er lediglich, Nevermore tue die Küche der Harfe gut und sie war ja auch mager genug gewesen, das arme Ding. Die letzten Gäste dieses Abends verabschieden sich nach Mitternacht mit einem kleinen Ständchen über Männer im Mond und braunes Bier und torkeln in lautstarker Zweisamkeit zur Tür hinaus und Borgil schließt das Gasthaus sorgsam ab, während die Mägde zusammenräumen, die Tisch wischen, die Stühle hochstellen und durchfegen. Das Brot für den morgigen Tag wird noch in Schüsseln zu Laiben geformt und alle Feuer für die Nacht abgedeckt, und dann kehrt auch in der Harfe Ruhe ein. Borgil schließt die Tageseinnahmen fort, nimmt ein heißes Bad und fällt dann ins Bett wie ein Stein. Kaum daß sein Kopf das daunengefüllte Kissen berührt, schnarcht er auch schon tief und friedlich.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 02. März 2005, 22:12 Uhr
Wie Zwerge nun mal so sind, stur und dickköpfig, behauptet auch Borgil, das seine schwachen Beine ihn auch sogleich wieder würden halten können. Azra muss dies heftigst bestreiten, besonders als sie gerade noch im letzten Moment vorspringen kann um ihm dabei behilflich zu sein, sein Gleichgewicht nicht in Null Komma nichts wieder zu verlieren. Mit sorgenvollem Blick hilft sie ihm bis zum Tisch, wo das Aufleuchten in den noch immer müden, schwarzen Augen des Zwergen ihr ein glückliches Lächeln entlockt. Seine Worte dagegen lassen sie den Hauch von Rot annehmen und sie muss sich das Lachen verbeissen, strahlend vor Freude, dass es ihm wieder besser zu gehen scheint. Wie ein Bär, der Winterschlaf gehalten hat, fällt der Zwerg über das Essen her und verschlingt es erbarmungslos bis zum letzten Krümel, wobei Azra nichts weiter tut, als ihm zuzusehen und vor sich hin zu schmunzeln, nichts wissend wohin mit ihrer Erleichterung über die Besserung seines Zustandes.
Zumindest hat sie dies angenommen, wobei sein Anblick in den nächsten Tagen ihrem Hoffen Lügen straft. Rastlos streift er umher, sie immer im Nacken mit wohlwollenden Worten und sorgenvoll hochgezogenen Augenbrauen. Sein Gesicht jedoch bleibt leer, seine Züge düster und immer wenn er im Sessel vor seinem Kamin sitzt, kann Azra das schmerzliche Zusammenziehen seines Herzens beinahe mitfühlen. Mehr tun, als ihm dann die Arme um die Schultern zu legen und ihn so zumindest ein wenig zu stützen, ist ihr nicht möglich und manche dunkle Nacht macht sie sich bittere Vorwürfe, wischt sich Tränen von den bleichen Wangen, nur um am nächsten Morgen wieder mit einem bezaubernden Lächeln an seinem Lager zu erscheinen und ihm das Frühstück zu bringen.  Dies scheint jedoch alles nichts zu bringen, immer mehr verliert er sich und nicht einmal das Essen der allseits gepriesenen Köchin will ihm noch schmecken, was Azra langsam aber sicher an ihrem Verstand nagen lässt. Bei seinem Anblick plustert sich der schwere Stein in ihrem Magen gleich nochmals um das Doppelte auf und ihre Hände verkrampfen sich. Die Prellungen und Verletzungen verheilen gut und wäre die ganze Situation nicht so ernst gewesen, sie hätte gelacht ob des farbenfrohen Aussehens des Zwergen. Immer wieder werden Salben und auch Verbände erneuert und dieser Aufgabe geht der Blutelbenmischling mit grosser Vehemenz nach, wobei sie es jedoch nicht mehr wagt, ihm ins Gesicht zu blicken. Kaum zu ertragen sind die Schuldgefühle, die unter den buschigen Augenbrauen in den ansonsten so gütigen Augen zu erkennen sind. Es lässt ihr eigenes Herz bluten, ihn so zu sehen und manches Mal ist sie nahe dran beinahe vor ihm zu fliehen, weil sie sich so unnütz vorkommt, so völlig... unbrauchbar.

Ein gefundenes Fressen für diese seltsame Stimme, die sich nun mehr als einmal als alle zwei Tage meldet und sich über ihr schlechtes Gewissen hermacht, es aufzieht, auseinander nimmt und ihr immer wieder ihre eigenen Fehler vorlegt. So manche Stund ist sie nahe dabei einfach nachzugeben, doch der Glaube an die Zukunft, das noch alles besser wird, hält sie stets im letzten Moment zurück und mit Zähnen und Fingernägel verteidigt sie ihre Seele, um die es in diesem trüglichen Spiel geht. Zumindest dies hat sie erkannt, wenn sie auch immer noch nicht weiss, warum und woher diese fremde Stimme in ihrem Kopf eigentlich kommt. So unbekannt und doch so nah, frisst sich das liebevolle Bitten der Stimme in die schwächsten Punkte ihres Verstandes um so an ihrer Hülle zu rütteln, bis diese einstürzt.
Bis jetzt ohne Erfolg und Azra hat nicht wirklich vor dies anders werden zu lassen, will jedoch auch nicht mit Jemandem darüber reden, für wie verrückt musste man sie da wohl halten. Und der Herr Zwerg hat wahrlich genug Probleme, denn auch in seinem Kopf geht es momentan um mehr, als nur einen flüchtigen Gedanken oder eine traurige Erinnerung.

Erst ein rubinroter Rabe, der an seinem Fuss eine Nachricht angebunden hat, bringt das Ende dieses Dramas, das noch ein böses Ende hätte nehmen können. Fragend blickt Azra den Herr Zwerg an, als dieser die Nachricht liest und sich plötzlich, wie aus dem Nichts zwei dicke Tränen aus seinen Augen lösen und über seine Wangen rinnen. Im ersten Moment erstarren alle ihre Glieder und das Einzige was ihr einfällt, ist, dass schon wieder etwas geschehen ist und dieser flüchtige Moment bringt ihr Herz zum Stillstand. <<Nein, bitte... Nicht noch mehr...>> Die Frage liegt ihr bereits auf der Zunge, sie muss diese nur noch dazu bringen sich zu bewegen, trotz der bleiernen Schwere, doch bevor sie dazu kommt, wankt Borgil einige Schritte auf sie zu und schliesst sie in die Arme. Im ersten Augenblick ist sich Azra nicht sicher, ob ihre Augen sie getäuscht haben, oder ob sie... wirklich ein Lächeln unter dem feuerroten Bart des Zwergen erkannt hat.
Es ist wahr, sie hat richtig erkannt und die Nachricht bringt auch sie dazu mit einem Male freudig in der Gegend herum zu springen, wie ein kleines Mädchen, das gerade ein Stück Schokolade in die Finger gedrückt bekommen hat. Ihr Freudenkreischen hallen durchs gesamte Gasthaus und nur mit Mühe kann sie ebenfalls die Tränen zurückhalten, obwohl sie diese Leute überhaupt nicht kennt. Mehr ist es die Erleichterung über Borgils Lächeln, über das zarte Glitzern in seinen Augen, das zuvor immer einer matten Dunkelheit gewichen ist.
Von diesem Tag an geht es mit dem Herr Zwerg wieder aufwärts, kein Essen wird mehr verschmäht, kein Tag bleibt ungenutzt, wenn sie ihn auch dazu bringt sich noch immer zu schonen und nicht gleich Hals über Kopf in Ninianes Baum zu rennen und die beiden Widerauferstandenen zu Tode zu drücken mit seiner Begeisterung über die Tatsache, das sie noch leben. Das zu verhindern, und ihn auch noch davon abzuhalten sich nicht zu überanstrengen – „Nein, keine Arbeit heute.“ „Nein, jetzt wird erst geschlafen.“ „Finger weg von der Schürze!“ – ist schwieriger als ein Schwarm Hornissen dazu zu bewegen, in Formation zu fliegen und mehr als einmal versucht er sich wie ein kleiner, ungeduldiger Bengel vor seiner Bettruhe zu drücken. Sie versorgt ihn mit allem was sie finden kann, überhäuft ihn mit Fürsorglichkeit, kümmert sich um ihn als könne er dies selbst nicht. Sogar das Flechten seines Haares hat sie übernommen und übt fleissig an Frisuren, die ihn hie und da wie ein Geschenkpaket mit rosa Schleifchen aussehen lassen, oder auch wie eben ein Zwerg mit Rastalocken. Sie hat ihren Spass und er geniesst diese Behandlung, auch wenn es ihn unter den Sohlen juckt, sich wieder an die Arbeit zu machen und alleine eine kleine Furie von Krankenschwester steht seinem Ziel im Wege, wobei man einwerfen musst, das sie äusserst überzeugend sein kann, wenn sie nur will.

Von den zwei anderen Verletzten bekommt sie nur zwischendurch was mit, getraut sich auch nicht wirklich bei ihnen aufzutauchen, denn momentan macht sie ihrer Meinung nach genug Bekanntschaften mit fremden Leuten. Denn auch wenn sie den Herr Zwerg dazu gebracht hat, seiner Arbeit als Wirt momentan nicht nachzugehen, so lässt er es sich doch nicht nehmen, mindestens einmal pro Tag einen kleinen Spaziergang zu machen. Es sind ihre ersten Ausflüge seit ihrer Flucht vor dem Seher und diesmal sogar ohne Kapuze, zumindest manchmal, wenn das Wetter mitspielt.
Es ist ein seltsames Gefühl diese frische, kühle Luft zu atmen und nicht bei jedem Blick der ihr gilt, scheu ihr Gesicht zu verstecken, sondern ihrem Gegenüber offen und freundlich in die Augen zu blicken. So Mancher blinzelt zweimal und kann dann immer noch nicht wirklich glauben, was ihm da über den Weg gelaufen ist, Andere haben weniger Mühe und legen schon bald ein wenig ihres hintergründigen Misstrauens ab, das jedem Vertreter der Blutelben deutlich dargelegt wird. Die ersten Male zuckt sie zusammen, sieht man sie fragend, erschrocken, oder gar entsetzt an, aber des Zwergen sanfte Worte: „Halt den Kopf oben Mädel.“ Vertreiben jegliche Angst und Trübsal, bis sie schon bald mit einem Lachen durch die Gassen läuft, sich freuend auf den nächsten Ausflug. Durch diese kleinen Spaziergänge wird schnell bekannt, was sich in Talyra für ein Wesen herumtreibt und bald schon schauen sich einige Leute noch nicht einmal mehr nach ihr um, wenn sie vorbeiläuft. Andere dagegen hören nicht auf sie skeptisch bis feindselig zu mustern, doch davon lässt sie sich nicht mehr einschüchtern und sieht ihnen mit hochgerecktem Kinn entgegen, was Borgil immer mal wieder ein brummiges Kichern entlockt, was Azra an einen lachenden Bären erinnert.

Die Beine angezogen, mit dem Rücken an die Wand gelehnt und die Arme um die Knie geschlungen, sitzt sie auf ihrem Bett und starrt auf einen leeren Punkt an der gegenüberliegenden Wand, ohne wirklich zu bemerken, das sie dies tut. Die Nacht ist klar und der Mond wirft silbrige Schatten in die Dunkelheit des Zimmers, das noch immer recht karg und leer wirkt. Nun beinahe ein Jahr lebt sie hier, nein, es ist ganz sicher schon ein Jahr und trotzdem kann sie nicht sagen, sich hier wohl zu fühlen. Oh, es betrifft nicht die Goldene Harfe, dies ist wohl ihr liebster Platz. Ein Lächeln schleicht sich auf ihre Lippen, wenn sie an die vielen Gäste denkt, an ihr Lachen, Weinen, Gejohle und ihre Geschichten. Allein bei dem Gedanken an Met, herrlich duftendem Fleisch und dem nährreichen Essen in jeden Tag, läuft ihr wieder das Wasser im Mund zusammen. Nein, mit der Taverne hat dies nichts zu tun, vielmehr mit diesem Zimmer hier, das ihr zugeteilt wurde, als sie wieder von ihren Verletzungen genesen war.
So düster wirkt es hier, einsam und verlassen und leer und seitdem Stelze weg ist, mag sie hier gar nicht mehr herkommen... Azra kauert auf ihrem Bett und wagt es kaum sich zu bewegen, an Schlaf ist nicht zu denken, denn immer wenn sie sich niederlegt, bildet sich ein dicker Kloss in ihrem Hals und sie muss leer schlucken um die Tränen aus ihren Augenwinkeln zu verdrängen. Sie wünscht sich das weiche Fell des Hundes wieder herbei, an das sie sich so manche Nacht gelehnt hat, in tiefer Sorge um den Herr Zwerg gehüllt. Stelze war stets da und jetzt... einfach so weg.
Etwas fehlt und sie weiss ganz genau was es ist, wenn sie es sich auch nicht wirklich eingestehen will. Es ist still, zu still, das Schnarchen und Brummen, das gleichmässige Atmen des Zwergen, das ihr einst wie ein Schlaflied war, fehlt vollständig in dieser Kammer, ebenso wie die Nähe des Hundes,  und raubt ihr bald noch den letzten Nerv.
Noch enger sieht sie die Beine an und schüttelt verdriesslich den Kopf, als wolle sie sich selbst überzeugen, das dies einfach nur kindisch ist und ihrem Alter überhaupt nicht angemessen. Sie gehört in ihr eigenes Bett und nicht mehr an die Seite des Herr Zwergen, obwohl sie die letzten Wochen beinahe ausnahmslos an seiner Seite verbracht hat.
<<Ob es was ausmacht, wenn ich... Nein, das geht nicht. Aber.. >>
Unschlüssig darüber, was sie jetzt tun soll, lässt erhebt sie sich und beginnt in dem kleinen Zimmer auf und ab zu laufen, leise, ohne ein Geräusch zu verursachen, denn mittlerweile kennt sie jede noch so heimtückische Bodendiele, die sie verraten könnte. Hin und her gerissen zwischen der Vernunft und ihrem Wunsch, merkt sie überhaupt nicht wie die Zeit vergeht, bis sie plötzlich mitten in ihrem Gang innehält und nach dem Türknauf greift: <<Nur schnell gucken... Ob es ihm gut geht.. und dann kann ich ja gleich wieder gehen.>> Noch immer appelliert ein kläglich heiseres Stimmchen in ihrem Kopf an ihrem Verstand, doch dieser ist unter der Sorge um den Herr Zwergen begraben und gibt keinen Mucks mehr von sich.

Die Harfe liegt in nächtlichem Mondschein, als eine kleine Gestalt flink durch die Gänge huscht, geschickt und geschmeidig einen Fuss vor den Anderen setzend, ohne Aufmerksamkeit zu erregen. Wissend überspringt sie Dielen, die selbst unter dem wenigen Druck ihres Gewichts, ein auch nur noch so leises Fiepen von sich gegeben hätten und ohne sich wirklich anstrengen zu müssen, erreicht sie leise atmend die Türe zu den Privatgemächern Borgils. Mit den Fingerspitzen streicht sie zögerlich über das robuste Holz der Eichentüre, mahnt sich selbst noch einmal, das dies ihre letzte Chance ist umzukehren und drückt dann genau gegenteilig gegen den Eingang. Dieser gibt sogleich nach, öffnet sich lautlos einen Spaltbreit, der Azra vollkommen genügt um hindurch zu schlüpfen und die Türe hinter sich genauso leise wieder zu schliessen. Auch die Gemächer des Herr Zwergen kennt sie blind auswendig, tastet sich jedoch trotzdem zur Vorsicht noch ein wenig mit ihren Fingern vor und folgt dabei dem leisen Schnarchen, dass ihr Herz zum Springen bringt. Nein, es rast wie verrückt, warum weiss sie selbst nicht wirklich. Natürlich, was wird geschehen, wenn er sie erwischt, was wird man von ihr halten, doch solche nebensächliche Dinge fasst ihr Bewusstsein momentan nicht auf. Das wenige Licht, das durch die Fenster fällt erhellen gerade mit letzter Kraft noch das Bettgestell und eine Gestalt, die friedlich unter einer Decke dahinschlummert, vergeben und vergessen im tiefen Land der Träume.
Im Türrahmen hält sie inne und lauscht dem Atem des Zwergen, nun wieder leicht beruhigt, da sie sich selbst davon hat überzeugen können, das es ihm gut geht und er nicht ihrer Hilfe bedarf. <<Aber das hab ich ja schon vorher gewusst... >> Natürlich hat sie es gewusst und es war nur eine billige Ausrede um ihrer Vernunft ein wenig Beruhigung zu bringen. Sie weiss ebenso warum sie hier ist, doch alleine beim flüchtigen Greifen nach dieser Wahrheit, nehmen ihre Wangen einen rosa Ton an, den man zum Glück in der Dunkelheit nicht erkennen kann. Ein Teil von ihr möchte so schnell wie möglich wieder zurück in das kleine, kahle Zimmer, die Andere erkennt diese Bett als Jenes, neben dem sie so viele Nächte in sorgenvoller Angst um den Herr Zwerg verbracht hat. Welche Seite stärker ist, zeigt sich schnell und mit wenigen Schritten ist sie an der Bettkante und blickt aus verschleierten Augen, die in der Dunkelheit milchig weiss schimmern, auf das Gesicht des Zwergen nieder, das in geruhsamem, wohlverdientem Schlaf beinahe ein Lächeln zeigt. Unbewusst hebt sie eine Hand und kann sich gerade im letzten Moment, noch davon abhalten zärtlich durch die roten Haare des Zwergen zu streichen, die sich trotz der Dicke immer so weich anfühlen, wenn Azra sie mal wieder frisieren darf. Ein Seufzen entringt sich in ihrer Kehle und hallt unnatürlich laut in der wohligen Stille des Zimmers wieder, das nichts anderes als Behaglichkeit und Gemütlichkeit verstreut. Sie weiss nicht richtig was sie tut, als sie vorsichtig und so langsam wie möglich die Decke anhebt, und schliesslich selbst darunter krabbelt, darauf achtend, Borgil dabei nicht zu wecken. Manchmal hängt sie in ihrem Leinennachtgewand fest und ist kurz davor das Gleichgewicht zu verlieren, bis sie schliesslich liegt, wo sie liegen will und sich noch ein Stücken mehr an den Zwergen schmiegt. Genau das hat ihr gefehlt, sein Hiersein, seine Atemgeräusche, sein Brummen mitten im Schlaf, das Knarren des Bettes, wenn er sich auf eine andere Seite dreht, all diese kleinen Dinge, haben sie davon abgehalten ihren Schlaf zu finden. Selig schliesst sie die Augen und kuschelt sich noch ein wenig mehr in das weiche Lager, das Gesicht dem Zwergen zugewendet, eine Hand behutsam auf die Seine gelegt, bevor bereits die sanften Arme des Schlafes nach ihr greifen und sie ins Reich der Träume entführen. Ihr letzter Gedanke, bevor sich ihr Bewusstsein in die wohlverdienten Ferien verabschiedet: <<Wie schaff ich es, vor ihm aufzuwachen?>>


Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 02. März 2005, 22:57 Uhr
Borgil erwacht mehr oder weniger davon, daß etwas herrlich Rundes und noch viel herrlicher Weiches sich vehement an seine Vorderseite schmiegt. Schläfrig und noch halb im Reich der Träume tastet seine Hand sich vor und schließt sich auf Suche nach einem Ruheplatz um dünnes Leinen und warmes Fleisch. "Agh!" Schlagartig hellwach blinzelt er ins helle Licht und in eine Wolke schneeweißen Haares direkt neben ihm. Azra gibt einen leisen Unmutslaut von sich und kuschelt sich an ihn, was Borgil wie von der Tarantel gestochen aus dem Bett springen läßt. Völlig verdattert und schlagartig hellwach starrt er auf das Mädel in seinem Bett. "Cobrin, Troilus und Cassandra!"  Brüllt er los, besinnt sich auf die Laustärke seines Zwergenbasses und zischt dann sehr viel leiser, aber nicht weniger entgeistert weiter: "Was bei allen Göttern machst du in meinem Bett?!" Azra blinzelt ihn aus müden Augen an und hat den Anstand rot zu werden. "Himmelgötterverdammtnochmal, was machst du in meinem Bett?" Wiederholt Borgil ächzend mit einer recht seltsamen Mischung aus vollkommener Entgeisterung und verdatterter Empörung.

"Wie bei allen Neun Höllen bist du hierher gekommen, verdammt nochmal?" Dann scheint ihm etwas einzufallen und seine Brauen sträuben sich alarmiert. "Sag mir, daß ich äh... nichts Dummes angestellt habe. Ich meine ich ähm... hum... hom... ich habe doch nichts Dummes angestellt, oder? Nein, das müsste ich dann doch wissen. Aber heilige Rhiap, Mädel, was hast du dir dabei gedacht! Du bist ja noch ein halbes Kind, eine Jungfrau, Sil-an-seiner-Schmiede-selig!" Ein rascher Blick an sich herunter versichert ihm, daß er zumindest in unmittelbarer Vergangenheit wohl eher nichts angestellt hat und er seufzt erleichtert auf - und verärgert zugleich, weil gewisse Körperteile offenbar der Meinung sind, das Mädel in seinem Bett wäre alles andere als ein Kind und sich nachdrücklich in Erinnerung bringen. "Jetzt sieh dir an, was du angerichtet hast!" Schnappt er und besinnt sich, noch ehe er weitere solche Eseleien von sich geben kann. "Äh... nein, vergiß das wieder. Sieh es dir nicht an!" Mit soviel Würde, wie er momentan aufbringen kann, rafft er entschlossen die Bettdecke an sich. Das hat dummerweise zur Folge, daß das Mädel im Morgenlicht wie eine alayzer Marmorstatue in ihrer ganzen Pracht vor ihm liegt (im Nachtgewand, wenigstens etwas, gepriesen seien die Götter, aber das ist bis über die Knie hochgerutscht und außerdem reichlich dünn) "Erklär mir endlich mal, was du hier zu suchen hast, verflixtes Frauenzimmer! Und wie soll ich dich hier wieder herausbringen, im Nachtgewand?"

Ein kurzer Blick aus dem Fenster zeigt ihm, daß es heller Tag ist. Die Harfe hatte längst geöffnet und überall in den Gängen und auf den Treppen, in der Schankstube und in den Gästezimmern herrscht um diese Zeit Hochbetrieb - keine Chance, Azra aus seinen Gemächern zu schmuggeln, ohne daß sie jemand sehen würde. Und was würde das für ein Gerede geben! Borgil klappt den Mund auf und schließt ihn wieder, setzt noch einmal an, wendet den Blick entschlossen und ganz und gar heldenmütig von glatten Armen und Beinen und eleganten Hüftkurven ab und schnaubt dann hörbar durch die Nase, während er sich demonstrativ umdreht.  "Dein Ruf ist ruiniert. Eine Jungfrau steigt nicht zu einem alten Zwerg ins Bett, himmelnochmal, hast du denn nie die Geschichten gehört? Jungfrauen suchen sich Ritter mit goldenem Haar und glänzenden Rüstungen, keine alten, narbigen Ungeheuer, wie ich eins bin. Und jetzt äh... hm... solltest du dir besser was anziehen. Und ich geh mir einen Kübel mit Eiswasser suchen dreimalverflixtundzugenähtaberauchwarummuss- sowasmirpassieren..."    

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 02. März 2005, 23:29 Uhr
Sie gleitet durch die Träume, mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen und einem entspannten Gesichtsausdruck, wie man ihn bei ihr schon lange nicht mehr im Schlaf gesehen hat. Da sie sich in der Nacht noch näher an einen gewissen Herrn schmiegt, bekommt sie nicht mit, das einzige was sie registriert, ist die Tatsache, dass es warm und weich ist.
Leider ist es wirklich so, dass sie die Götter es nicht so wollen, dass sie vor Borgil aufwacht und irgendwie ist dieser Punkt auch nicht mehr so wichtig. Azra ist selig mit dem momentanen Zustand und als ein unruhiger Ruck durch das Bett fährt gibt sie lediglich ein ärgerliches Murmeln von sich, und nistet sich nur noch weiter in ihrer kleinen Mulde ein, sich genüsslich an die wärmende Bettflasche auf der einen Seite drängend. Diese ist jedoch plötzlich verschwunden und bevor sie sich versieht versinkt  sie samt und sonder mit dem Gesicht in ein federweiches Kissen ein und taucht einen Moment später völlig erschrocken wieder auf, sich umblickend als wäre der Himmel über ihrem Kopf eingestürzt. Untermalt von einem lauten Brüllen, ist dieser Gedanke nicht einmal so abwegig bis sie jedoch plötzlich den Grund für diesen plötzlichen Wandel der Dinge und das Verschwinden ihrer Bettflasche erkennt.

Dort steht der Herr Zwerg in voller Lebensgrösse, scheint noch erschrockener und empörter als sie selbst und bemüht sich seine Selbstbeherrschung wieder zu finden, die sich zusammen mit seiner Würde in die hinterste Ecke des Zimmers geschlichen hat. Sein Haar hängt ihm wild um den vernarbten Schädel, sein Bart sträubt sich nach allen Seiten. Sogleich laufen Azras Wangen freundlicherweise rosa an und ihr Blick vergräbt sich in dem weissen Leinen, in das sich ihre Finger jetzt krallen, wobei sie die Müdigkeit noch aus ihren Augen vertreiben muss um ihrem Verstand kurzerhand in die Realität zurück zu verfrachten.
Als ihr wieder einfällt, wo sie ist und WAS sie getan hat, purzelt sie beinahe rückwärts von dem Bett und starrt Borgil  an als sei er ein Geist. Ein Geist der für einen Moment stockt und irgendwie etwas zu stammeln scheint, von dem sie, den Göttern sei dank, noch nicht wirklich etwas begreift. Als er jedoch an sich hinunter blickt und ihr ein: „Jetzt sieh dir an, was du angerichtet hast!", an den Kopf wirft, schafft sie es wahrhaftig Ähnlichkeit mit einer Tomate herzustellen und kann trotz dieser dummen Situation, ein plötzliches Zucken ihrer Mundwinkel nicht unterdrücken. Da steht der Zwerg, reisst die Decke an sich und entblösst somit ihren Körper, der nur von einem schlichten Nachtgewand verhüllt immer noch leicht angespannt vor ihm liegt und Azra wagt nicht sich zu bewegen. So kurios, so völlig komisch ist diese Situation und doch scheint es für Borgil sehr ernst. Das hält die junge Dame trotzdem nicht davon ab immer noch ein Schmunzeln unterdrücken zu müssen, wenn sie selbst auch nicht genau weiss, woher dieser Drang zu lachen denn jetzt kommt. Als es sich demonstrativ von ihr abwendet und irgendwas in seinen Bart nuschelt, vergeht ihr jedoch jegliches Lächeln und sie starrt auf ihre Finger, sich erst jetzt bewusst werdend, was ihr Hiersein für den Herr Zwerg bedeuten könnte. Darüber hat sie sich gestern keine Gedanken gemacht, da war sie zu beschäftigt damit gewesen...

Ja, womit eigentlich? Sie wollte doch nur zu ihm, konnte nicht schlafen weil er nicht da war und jetzt... Sie will hier aber nicht mehr weg, sie fühlt nicht im Geringsten die Lust dieses warme Bett wieder freizugeben und den Zwergen schon gar nicht und immer mehr krallen sich ihre Nägel in das noch warme Laken das nach Geborgenheit und Zwerg duftet. Borgil versucht sich derweil unter einigem Gebrumme zumindest einigermassen elegant in die Decke einzuwickeln und sieht es nicht kommen, dass Azra flink die Beine über die Bettkante schlägt, einige Schritte tätigt und dann bereits wieder, wie so oft in letzter Zeit, ihre Arme um seinen Hals schlingt ... und bei Sils Amboss, würde jetzt gerade nicht mal eine Horde Narge sie dazu bringen, sich auch nur einen Senkel von der Stelle zu bewegen oder ihn loszulassen. Fest schmiegt sie sich an ihn, störrischer als der ärgste Esel und wispert dann leise: „Ich will aber gar nicht weg, sondern hier bleiben, bei euch, dort wo ich hingehöre. Ich brauch keinen blonden Prinzen, wer will schon so einen!“ In ihrer Stimme klingt so viel Überzeugung mit, das man meinen könnte, sie müsste einen Zentaur davon überzeugen, dass er fliegen könnte und ohne weiter zu überlegen drückt sie dem Zwergen einen zögerlichen Kuss auf den kahlen Schädel.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Amarde am 05. März 2005, 00:26 Uhr

on 02/19/05 um 10:55:28, lila wrote:
Seinen Worten folge leistend zieht Avivit ihren Teller wieder zu sich heran, während sie mit der linken Hand Shirin umfaßt. Doch mehr als im verbliebenem Mahl herumzustochern, vermag sie im Augenblick nicht. Dazu fasziniert sie ihr Gegenüber zu sehr.

"Rebec also ..." murmelt sie mehr zu sich selbst als zu ihm. Irgendwo, so glaubt sie, hatte sie diesen Namen schon einmal gehört. In Gedanken schiebt sie die halbe Portion Essen auf dem Teller von einer zur anderen Ecke, ohne auch nur einen Bissen davon zu verzehren. Dann fällt ihr Blick auf das Instrument, das er vor sich auf dem Tisch abgelegt hat. Ja natürlich! schießt es ihr durch den Kopf. Fragend schaut sie Amardé an und deutet mit einer Kopfbewegung auf die Rebec. "Rebec, richtig? Ich wußte, dieser Name war mir vertraut. Ich hatte diesen Klang schon einmal vor vielen Jahren gehört. Es muss in Verd gewesen sein."

"Sagt, wann und wo kann man Eurem Spiel für gewöhnlich lauschen?" Sie weiß, dass ihre Frage sehr direkt gestellt ist, doch sie möchte um nichts in der Welt diese Chance aus den Augen verlieren. Dazu hängt ihr Herz viel zu sehr an der Musik und wo sonst könnte sich ihr wohl das nächste Mal die Gelegenheit bieten, sich zu eben solcher zu bewegen.


Sie hat es!  schießt es Amardé durch den Kopf und er ist froh, dass das junge Mädchen tatsächlich weiß wen sie vor sich hat. Nicht das er sich auf dem Ruf seiner Familie viel einbilden würde, aber es macht sein Herz leichter, wenn er mit jemanden spricht dem die Musik genauso viel bedeutet wie ihm.
"Ich bin kein Musiker im eigentlichen Sinne. Ich baue die Instrumente für gewöhnlich lieber, als dass ich auf ihnen spiele. Aber ich habe bis jetzt noch nicht den richtigen Ort gefunden, um eine neue Werkstatt aufzubauen. ... Vielleicht gelingt mir das in Talyra! Dann wäret ihr mir jederzeit willkommen Avivit." meint Amardé lächelnd, bevor er hinzufügt: "Bis dahin findet ihr mich hier in der goldenen Harfe. Es sei denn ich ziehe weiter. Dann werdet ihr hier beim Wirt erfragen können wo es mich als nächstes hinverschlagen hat. ... So hinterlasse ich seit gut einem Jahr meine Spur im ganzen Land, denn ich habe einen Freund versprochen einen Ort zu schaffen an dem Musiker sich zu Hause fühlen können. Meine Werkstatt soll dieser Ort werden. Ein Treffpunkt der Musiker und solche die nach ihnen suchen."
Amardé hat sich -ohne sein eigentliches Dazutun- voll in Rage geredet und seine Augen funkeln im Licht der Zukunft. Seine Begeisterung hat schon so manchen angesteckt, denn in Amardés Blut scheint wirklich Musik zu schwingen. Musik, die selbst dann zu hören ist, wenn Amardé nicht auf seinen Instrumenten spielt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von lila am 05. März 2005, 11:01 Uhr
Mit wachsender Begeisterung lauscht Avivit den Worten ihres Gegenübers. Ein wenig Übermütig wirkt das, was er sagt, auf sie, doch da sie selbst auch viel zu verliebt ist in Musik und Tanz, versteht sie ihn wohl besser, als sonst jemand rings umher es tun würde.
"Dann seid also auch Ihr neu hier in der Stadt?" fragt sie, als sein Redefluß endlich versiegt. Doch ohne eine Antwort abzuwarten, fügt sie hinzu: "Ich nämlich ebenso. Ich wünsche Euch gutes Gelingen bei Eurem Vorhaben, einen solchen Ort zu erschaffen."

In Gedanken malt sie sich diesen bereits aus. Ein einladend wirkendes Haus umgeben von einen kleinen Streifen Grün etwas Abseits des Stadtzentrums, wo der Trubel nicht mehr allzu gewaltig ist. Sanfte Klänge und fröhliches Gemurmel aus dem Inneren, wo diverse Musiker um einen Kamin versammelt sitzen und ihre Instrumente und Stimmen zu einem einmaligen Klangerlebnis verbinden. Und rings umher an den Wänden Instrumente, die von Meisterhand geschaffen wurden.

Langsam kehrt Avivit zurück aus ihrer Traumwelt und schaut Amardé mit den glasigen Augen eines Kindes an, dessen sehnlichster Wunsch grade in Erfüllung ging. "Seid Euch gewiss, dass ich mir dies nicht entgehen lassen werde, wenn es soweit ist. Doch fürs Erste ist auch für mich die Harfe mein Unterschlupf." Sie läßt ihren Blick kurz durch den Schankraum schweifen. "Zumindest, bis ich eine passende Bleibe gefunden habe. Mit dem Tanz allein ist nur schwer der Lebensunterhalt zu verdienen, doch ich habe noch Hoffnung. Wenn ich hier schon jemanden wie Euch antreffe - und auch die junge Sängerin vorhin schien mir sehr begabt zu sein -, dann war es vielleicht richtig, hierher zu kommen."

Avivits Befüchtungen, beim Verlassen Liedbergs gänzlich auf das verzichten zu müssen, was ihr mehr als alles andere auf Erden bedeutet, schwinden bereits. Glücklich lächelt sie Amardé an.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Elyrina Tinuviel am 08. März 2005, 21:31 Uhr
Elyrina betritt völlig durchgefrohren die Goldene Harfe und schüttelt sich, nach dem die Türe sich hinter ihr wieder geschlossen hat umd den Schnee vom Mantel zu bekommen, ehe er völlig durchnässt ist. Dabei fallen ihre Hare aus der Kaputze und umranden ihr schmales Gesicht.
Ein Mann neben ihr beschwert sich über die fliegenden Tropfen, aber Elyrina ignoriert ihn und geht einfach weiter ohne etwas auf sein Kommentar zu entgegnen.
Sie lässt ihren Blick durch den Raum schweifen und sucht nach einem freien Platz.
Die Harfe ist nahezu voll belegt. Aneinem Tisch sitzen eine junge Frau und ein blonder Herr, nur dort ist noch etwas frei.
Mit einem Seufzen geht sie auf den Tisch zu andem Avivit und Amardé sitzen zu. "Entschuldigung, würde es Euch etwas ausmachen wenn ich mich hier an den Tisch setzte? Die Harfe ist sonst völlig überfüllt, ich werde auch nur einen Becher Met trinken, und Euch nciht weiter stören." Sie wirkt unsicher und schüchtern. Sie hasst solche Situationen, es wäre ihr lieber gewesen wenn es einen Tisch gegeben hätte an dem sie allein platz nehmen könnte.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von lila am 09. März 2005, 18:05 Uhr
Interessiert schaut Avivit auf, als jemand an ihren Tisch tritt und sie die Stimme einer Frau vernimmt, die nach einem freien Platz fragt. Freundlich lächelt sie die ein wenig schüchtern wirkende Gestalt an, die einen halb einfrohrenen Eindruck auf sie macht.

"Aber nicht doch, wieso sollte es stören? Setzt Euch nur zu uns." Mit einer einladenden Geste deutet Avivit auf einen der freien Stühle am Tisch. Es ist ihr während der für sie aufregenden Geschehnisse gänzlich entgangen, wie voll es inzwischen ringsum in der Harfe geworden ist. Doch auch wenn dem nicht so wäre, hätte sie nicht anders gehandelt. Wohl aber verleiht ihre augenblickliche Situation ihr zusätzliche überschwengliche Freundlichkeit.

Avivit beobachtet, wie die junge Frau am Tisch platz nimmt, bevor sie sich Amardé wieder zuwendet und fragenden Blickes seiner Reaktion harrt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sayila_Arachelza am 09. März 2005, 21:48 Uhr
Als Sayila die Tür öffnet schlagt ihr warme, rauchige Luft entgegen. Die Luft ist erfüllt vom Stimmengewirr und die Schankstube scheint ziemlich voll zu sein. Da die junge Frau nicht unbedingt das Bedürfnis verspürt, sich an einen der überfüllten Tische zu setzen, steuert sie die Theke an, hinter der eine junge Frau steht. Sie ist gerade einige Gläser am spülen und wirkt recht gestresst.
"Verzeiht", wendet sich Sayila an sie, "seid Ihr die Wirtin dieses Gasthauses? Ich bin auf der Suche nach einer Unterkunft für einige Tage. Habt Ihr noch ein Zimmer frei?"
Die junge Frau richtet sich auf und streicht sich eine Sträne des braunen Haares aus der Stirn. Während sie sich die Hände an ihrer Schürze abtrocknet, antwortet sie auf Sayilas Frage:
"Nein, die Wirtin bin ich nicht. Borgil ist hier Chef im Haus. Aber ein Zimmer kann ich Euch dennoch geben. Wir haben noch einige frei."
"Habt vielen Dank", erwidert Sayila.

Die junge Frau bedeutet ihr, mitzukommen. Sayila folgt ihr die Treppe hinauf nach oben. Der Lärm der Schankstube verebbt allmählich hinter ihnen. Die Frau führt Sayila eine weitere Treppe hinauf in den ersten Stock. Dort öffnet sie eine Holztür, hinter der ein kleines, gemütliches Zimmer zum Vorschein kommt.
"Das hier ist frei", sagt die junge Frau, "hier ist der Schlüssel."
"Danke", erwidert Sayila, zählt einige Münzen in die Hand der Frau und schaut sich erst einmal in ihrem Zimmer um.
Das Mobiliar ist dürftig. Ein Bett, ein Stuhl, ein kleiner Tisch, mehr befindet sich hier nicht. Wozu auch? Sie muss ja nur für die ersten Tage eine Übernachtungsmöglichkeit haben. Nach einem letzten zufriedenen Blick verlässt Sayila das Zimmer wieder, um sich noch ein wenig in der Stadt umzusehen.

Sie steigt die beiden Treppen hinunter und der Qualm und Lärm der Schankstube schlägt ihr wieder entgegen. Rasch durchquert sie den überfüllten Raum und tritt hinaus auf die Straße.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Elyrina Tinuviel am 09. März 2005, 23:14 Uhr
Elyrina bedankt sich freundlich bei der Dame am Tisch, "Habt vielen Dank!" Dann legt sie den Mantel ab und legt ihn über die Stuhllehne.
Ehe sie sich setzt wirft sie das, ihr über die Schultern gefallene Haar wieder zurück auf den Rücken. Dann nimmt sie Platz. bei einer der Mogbardamen bestellt sie einen wrmen Met und schaut sich aufmerksam im Raum um.
Ihr fällt die junge Frau auf die gerade an der Theke steht und Borgil angesprochen hat.
Sie bewundert insgeheim, die Tönung der Haut. wie gern hätte sie auch eine etwas dunklere Hautfarbe und nicht diese kränkliche Blässe.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 12. März 2005, 18:54 Uhr
Tiuri hat befürchtet, dass Borgil nicht weiß wo sich die kleine Ratte aufhält, aber er ist zu müde um sich wirklich Sorgen darüber zu machen. Litli-Vinur ist eine Ratte, mit Sicherheit kommt er alleine zurecht, so lange, er nicht irgendwo einer Katze in die Fänge gerät, ein Feind, den er aus der Kanalisation wohl nicht kennt.
Es dauert nicht lange bis Tiuri wieder einschläft und stundenlang in diesem Zustand verweilt ehe er wieder erwacht. Wieder sind es seine Träume die ihn aus dem Schlaf reißen und kurz darauf schläft er wieder ein, bis er wieder träumt und wach wird. Es ist stock finster draußen, Faraday schläft und er kann nichts tun um die Dunkelheit zu vertreiben. Die Kälte lässt die Erinnerung an seine Zelle wieder in ihm hoch kommen, diese furchtbare Enge und er fühlt regelrecht wie sich die Ketten um seine Handgelenke schließen. Die Panik kriecht wie ein kleines Insekt mit sechs Beinen über seine Beine hinauf und legt sich dann schließlich wie ein eisernes Korsett um seine Brust. Er spürt wie ihm das Atmen schwerer fällt, also schließt er die Augen um sich zu beruhigen und tief durch zu atmen, aber hinter seinen geschlossenen Lidern flackert Feuerschein und brennt sich von dort in seinen Kopf.
Tiuri fährt hoch und lehnt sich aus dem Fenster das neben seinem Bett ist. Die Luft strömt kalt durch seine Atemwege, aber unendlich befreiend und er besinnt sich langsam wieder wo er ist. Seine Finger legen sich um den Fensterrahmen der Goldenen Harfe, beschützende Wände, Wände welche die Außenwelt von ihm fernhalten, nicht ihn von der Welt, er kann sie verlassen wenn er das möchte, er ist nicht eingesperrt. Er weiß diese Dinge, wenn er so aus dem Fenster hängt, seine Schmerzen zusammen mit der Freiheit um sich herum spürt, weiß er all das ganz genau, aber manchmal ist es, als wäre es in seinem Kopf so dunkel wie in der kleinen Kammer in der er sich befindet. Jeder vernünftige Gedanke scheint verborgen und unfassbar weit weg, die Panik legt sich einfach über ihn wie ein Schatten, er kann nichts dagegen tun, so gern er es auch möchte.
Nach einiger Zeit legt er sich zurück in sein Bett. Sein Herz rast immer noch, aber er hat sich etwas beruhigt, schläft wieder ein und träumt. Träumt von dieser Frau, die brennende Frau, die erst seit dem Kampf in der Kanalisation einen Körper hat. Davor war sie nur körperlose Schreie umgeben von Feuer. Obwohl sie ihn verfolgt und er sie fürchtet, genauso wie die Dunkelheit und die engen Räume, obwohl er das Feuer um sie so fürchtet, klammert er sich doch an diese Gestalt wie an einen Strohhalm.
Meine einzige Erinnerung…
Er weiß nicht wer diese Frau ist und seit es ihm langsam besser geht, verbringt er Stunden damit einfach da zu liegen und darüber nach zu denken, wer sie sein könnte. Dazwischen steht er hin und wieder auf, leise, um Faraday nicht zu wecken, aber er geht einige Schritte um das Leben zusammen mit seinem Blut wieder durch seinen Körper zirkulieren zu lassen.

Es ist nicht seine einzige Panikattacke in den nächsten Tagen, die ihm wie Wochen vorkommen, viel länger als einzelne Tage sein sollten, obwohl er noch viel von ihnen verschläft. Eines Tages, sitzt er wach in seinem Bett, als eine Mogbar das Zimmer betritt. Sie lächelt ihm freundlich zu und bringt ihm etwas zu essen. Es ist eine Suppe, das Fett ist abgeschöpft und sonst ist auch nicht mehr viel drinnen, aber dafür hat sie ein Stück Brot für ihn mitgebracht und ein paar Löffel Brei, die er zur Stärkung braucht, wie sie ihm sagt. Tiuri isst brav was man ihm vorsetzt, obwohl es ihm mit jedem Tag mehr nach etwas ordentlichem gelüstet und sein Magen revoltiert auch nicht mehr bei dem Geruch von dem schmackhaften Essen, das in der Schankstube serviert wird.
„Könnte ich vielleicht baden?“ fragt er die Magd bevor sie das Zimmer verlässt und diese nickt und verspricht Wasser einzulassen und ihn zu holen, sobald das Bad bereit ist. Es dauert nicht lange da steht sie wieder in der Türe und führt ihn in eine andere Kammer. Daran, dass sogar die kleine Mogbar ihre Schritte neben ihm verkürzt, merkt er, dass er scheinbar unheimlich langsam geht, obwohl es ihm gar nicht so schlimm vorkommt. In der Kammer lässt sie ihn alleine und Tiuri entkleidet sich, mühsam mit einer Hand, wobei er mit dem Stoff auch immer an der Schiene der linken Hand hängen bleibt. Er hat sich gerade seines Hemdes entledigt, da kommt die Magd herein, ohne zu klopfen, wohl weil sie voll beladen ist mit Hemden und Hosen und sie plappert vor sich hin, dass sie nicht gewusst hat, welche ihm denn passen würden, aber dass er doch wirklich etwas frisches anziehen sollte.
Als sie ihn aber sieht bleibt ihr der Mund offen stehen und sie starrt ihn einen Moment erschrocken an. Der verbrannte und äußerst knochige Körper mit dem Einschussloch ist kein allzu schöner Anblick und sie schlägt schnell die Augen nieder, legt die Hemden ab und verzieht sich dann.
Tiuris Herz krampft sich zusammen, aber woher hätte er auch wissen sollen, dass sie den Raum noch einmal betreten würde. Seufzend steigt er in den Zuber vor sich und genießt das Gefühl des heißen Wassers auf seiner Haut. Es fühlt sich an als würde der ganze Dreck und ein guter Teil seiner Last, weggewaschen werden. Er schafft es diesmal auch sich die Haare besser zu waschen. Seine Hand bereitet ihm keine wirklichen Schmerzen mehr, aber er hält sie aus dem Wasser um den Verband nicht aufzuweichen. In seiner Pfeilwunde ist das heiße Wasser etwas unangenehm, aber er nimmt den Schmerz auf sich, dafür, dass er sich endlich wieder einmal waschen kann.
Auf dem Stapel Hemden den die Magd gebracht hat, liegt auch ein Handtuch und Tiuri trocknet sich ab und findet schließlich auch Kleidung die ihm am ehesten passt. Leider ist alles, das für seine Größe geeignet ist zu weit und alles, dass ihm nicht von den Hüften rutscht zu kurz. Bei dem Hemd macht das wenig aus, so ist es eben etwas weiter, aber bei der Hose fällt es ihm schwerer, aber er findet doch eine, die gerade lang genug ist und ihm ebenso noch auf den Hüften hängt ohne sich zu verabschieden. Er war ja immer schon dünn, aber die letzten Wochen ist er regelrecht knochig geworden. Wenn er sich über das Gesicht fährt, spürt er die Backen- und Kieferknochen kantig aus seinem Gesicht stehen, kein Fleisch sondern nur weiße Haut spannt sich darüber.
Was für ein Anblick! Gedanklich schnaubt Tiuri über sein Aussehen. Er war von jeher etwas zu eitel gewesen, deswegen treffen ihn die Verstümmelungen seines Körpers noch härter. Eine Zeit lang steht er einfach so im Raum und erinnert sich daran wie es vor einiger Zeit noch gewesen ist, im Frühling, als er noch nicht in Talyra gewesen ist. Er war mit diesem hübschen jungen Mädchen zusammen gewesen, er hatte um ihre Hand angehalten, bei ihrem Vater, er hatte getan als würde er ein Fünkchen Ehre besitzen und sie hatte für ihn geschwärmt, hatte den anderen Mädchen im Dorf erzählt, dass sie das größte Glück von allen hätte. Ihre Eltern hatten ihm vertraut und er hatte sich eine Geschichte nach der anderen aus dem Finger gesaugt, eine fantastischer als die andere, hatte immer wieder von seinen Eltern geredet, die reich waren, aber weit weg wohnten, in Fa´Sheel und dass sie er sie irgendwann dort hin mit nehmen würde, aber schließlich war es doch anders gekommen. Ein Teil in Tiuri schämt sich, dass er schließlich, nachdem er eine Nacht mit ihr verbracht hat, in der sich nicht gerade wie ein Edelmann benommen hat, mitsamt dem Geld der Familie das Weite gesucht hat. Aber ein anderer Teil in dem Jungen ist zu trotzig und zu stolz um einzusehen, dass es andere Möglichkeiten gegeben hätte um zu überleben. Heiraten hätte er das Mädel nicht können, das steht für ihn außer Frage, keinen Augenblick hatte er sie mit seinem Herzen geliebt.
Wir werden sehen was jetzt noch kommt, vielleicht sucht mich ihr Vater ja noch irgendwann heim und sticht mich ab, wenn er mich noch trifft, ich bin ja nichts mehr als ein Strich in der Landschaft.

Er verlässt die Kammer und geht hinunter in die Schankstube, die voll ist und belebt, dort setzt er sich eine Zeit lang auf einen Stuhl an die Bar und hält sich gerade weit genug fern von den übrigen Gästen, dass er nicht mit ihnen reden muss, sie aber hören kann. Seine Augen schweifen über den Boden des Raumes, in alle Ecken, unter die Tische und Stühle, aber von der kleinen Ratte, die er immer noch sucht, entdeckt er nichts. Nach einiger Zeit steht er auf und geht unerlaubter Weise durch die Küche. Dort wird er in gebückter Haltung wieder hinaus gescheucht, wobei er den Blick schnell über den sauber gekehrten und gewischten Boden gleiten lässt, in der Hoffnung, dort Litli-Vinur zu entdecken. Aber er findet die Ratte nicht, erhascht dafür einen Blick auf den Harfen Kater und betet zu den Göttern, dass Vinur nicht den Weg hinunter in die Küche angetreten hat, denn dann wäre er jetzt vermutlich Katzenfutter.
Langsam geht Tiuri die Treppen nach oben und legt sich dann am Gang mit dem Bauch auf den Boden, das sticht zwar, aber er robbt über den Boden und schaut in alle Ritzen in der Wand, wobei er immer vor sich hin flüstert und die Ratte ruft. Irgendwann kommt er bei seiner eigenen Türe wieder an und findet dort einen etwas breiteren Spalt. Es ist dunkel drinnen und er kann nichts sehen, versucht irgendwie zu erkennen ob sich dort eine Ratte befinden könnte als ihn ein leises fiepen aufhören lässt. Kleine trappelnde Füße laufen von hinten auf ihn zu und Tiuri erkennt Litli-Vinur sofort an dem kleinen weißen Fleck auf seinem Kopf.
„Na mein Freund, ich hätte nicht gedacht, dass ich dich noch einmal wieder sehe!“
Der Junge hält die Hand auf und die Ratte macht sich auf den Weg über seinen Arm auf seine Schulter, wo sie bleibt, auch als Tiuri schwankend aufsteht und in sein Zimmer zurück geht.
In der Kammer liegt Faraday noch immer und schläft, die Decke ist hinunter gerutscht und hängt nur noch zur Hälfte auf dem Bett. Die junge Frau fröstelt leicht und Tiuri legt ihr vorsichtig die Decke wieder über die Schultern.
„Wach auf“, flüstert er, aber sie rührt sich nicht und er hat nicht den Mut lauter zu sprechen und sie zu wecken. Würde sie aufwachen wenn er nur flüstert, so wäre es ohnehin Zeit gewesen und es wäre nicht seine Schuld, aber wirklich selbstständig wecken will er sie nicht. Also setzt er sich auf den Bettrand und starrt sie einige Zeit an, die dunklen Locken, die weiße Haut die sich so zerbrechlich über ihre Wangenknochen spannt. Er kann sich erinnern, sie war auch schon vorher dünn gewesen, aber wie er selbst hat sie noch abgenommen. Sie sieht trotzdem wunderhübsch aus, wie sie da so liegt, so wie er sich die Serahim vorstellt, aber noch lieber würde er ihr in die veilchenblauen Augen sehen.
„Wach doch auf, ich will lieber mit dir reden, ich will lieber deine Stimme hören… anstatt der Whytfisks im Traum.“ Aber sie rührt sich nicht und Tiuri gibt auf, legt sich in sein Bett und kaut an dem Brotrest den er noch von vorhin hat. Ein Stück davon verfüttert er an Vinur und als er dann schließlich einfach so im Bett liegt und etwas mit der Ratte spielt, beginnt er laut vor sich hin zu sprechen, noch immer fast geflüstert, aber er redet einfach. Mit Vinur und Faraday, erzählt ihnen was ihm gerade so einfällt, erfindet Geschichten, erzählt Wahrheiten, sagt wovor er sich fürchtet und gibt seine Träume wieder. Es ist egal, dass er keine Antworten bekommt, nur manchmal einen Blick von der kleinen Ratte, es tut ihm gut, sich alles ohne Unterbrechungen von der Seele reden zu können.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sayila_Arachelza am 13. März 2005, 18:26 Uhr
Sayilas Blick wandert über die verschiedenen Tische im Schankraum. Männer, nichts als Männer sitz hier!, denkt sie angewidert. Doch nein, dort drüben an einem Tisch entdeckt sie zwei Frauen, die sich gegenübersitzen. Zwar ist auch ein blonder Mann an diesem Tisch, doch Sayila entschließt sich zu fragen, ob sie sich dazusetzen darf. Raschen Schrittes geht sie auf den Tisch zu.
"Verzeiht", wendet sie sich an die schwarzhaarige Frau mit der blassen Haut, die, wie sie allerdings noch nicht weiß, Elyrina heißt, "ist hier noch Platz? Der übrige Schankraum ist völlig überfüllt."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Zea am 15. März 2005, 18:44 Uhr
Zeana tritt in den Schankraum ein. Wärme umspielt ihr Gesicht und der Geruch von Essen steigt ihr in die Nase, als sie tief Luft holt. Ihr Blick schweift umher und versucht einen freien Platz auszumachen, doch ohne Erfolg. Die Tische sind allesamt besetzt.
Zeana seufzt...
Wer hätte gedacht, das soviel hier los ist?
Bei genauerem hinsehen erblickt sie einen Platz an einem Tisch, an dem sich zwei Männer unterhalten. Dieser sah einladent aus, wenn man bedachte, wer an den anderen Tischen saß.
So geht sie vorsichtig hinüber, räuspert sich und fragt:
,, Entschuldigt, ist dieser Platz noch frei?''

Die beiden Männer schauen auf und nicken ihr zu. Froh setzt sich Zeana auf den Platz, und bemerkt, dass die Männer sich bereits wieder in ein Gespräch vertieft hatten.

Als eine Schankmagd den beiden Männern neue Humpen mit Met bringt, bestellt sich Zeana sogleich selbst etwas Met und eine Suppe. Die Magd verschwindet und bringt kurze Zeit später die Bestellung.

,, Eine Frage: Haben sie viellicht noch ein Zimmer überig?'' hofft Zeana.
Die Magd antwortet freundlich, jedoch schon etwas gestresst.
,, Ja, haben wir. Ich werde euch gleich einen Schlüssel vorbeibringen.''
,, Danke!'' antwortet ihr Zeana und beginnt schon einmal zu Essen.
Mit dem Schlüssel zusammen bezahlt sie auch gleich ihr Essen und die Magd erklärt ihr noch den Weg zu ihrer Kammer.

Nachdem Zeana fertig mit Essen ist schaut sie noch einmal in den kleinen Lederbeutel. Nur noch ein paar Münzen klimpern in ihm.
Ich muss unbedingt Arbeit finden, sonst reicht es nicht mehr lange aus. Und dabei habe ich auf dem Weg hierher doch schon gespart und habe unter freiem Himmel geschlafen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Elyrina Tinuviel am 15. März 2005, 22:53 Uhr
Elyrina schaut kurz zu den anderen die noch mit am Tisch sitzen, aber die scheinen miteinander ziemlich im Gespräch zu stecken.
"Och ja setzt Euch doch, dann kann sich hier niemand hinsetzen dessen Anwesenheit wesentlich unangenehmer ist als die Eure." Sie lächelt und lädt Sayila mit einer Handbewegung ein sich doch zu setzen!

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sayila_Arachelza am 16. März 2005, 16:12 Uhr
Sayila lächelt leicht über die offene Art der anderen Frau. Sie neigt den Kopf und sagt:
"Habt vielen Dank!"
Dann lässt sie sich auf dem Stuhl nieder und bestellt sich rasch bei einem der vorbeieilenden Schankmädchen einen Krug Dunkelbier.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Elyrina Tinuviel am 16. März 2005, 20:47 Uhr
Elyrina mustert die Frau während diese sich ein Getränk bestellt und Elyrinas Met ankommt.  SIe ist hübsch, wäre nach Elyrinas Meinung auch noch hübscher wenn sie ihre Haare offen tragen würde, und nciht diese ganzen Waffen mit sich herum tragen würde.
Elyrina bezahlt nachdenklich den verlangten Betrag und blickt dann wieder ihre Gegenüber an.
"Hallo, mein Name ist Elyrina Tinuviel. Ich freue mich Eure Bekanntschaft zu machen." Ihre Augen bleiben an der Narbe im Gesicht hängen Was da wohl passiert sein mag. So ein hübsches Gesicht.. Aber sie sagt ncihts dazu, und bemüht sich, wieder wegzusehen, um nicht unhöflich zu wirken.
"Seid Ihr öfter hier in der Harfe? Ich habe Euch noch nie hier gesehen." Elyrina trinkt einen Schluck von ihrem Met während sie auf die Antwort der Frau ihr Gegenüber wartet.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sayila_Arachelza am 17. März 2005, 19:14 Uhr
Sayila bemerkt, wie die junge Frau ihren Blick an ihr entlangwandern lässt. <"Hallo, mein Name ist Elyrina Tinuviel. Ich freue mich Eure Bekanntschaft zu machen."> Die sehr direkte Art ihres Gegenübers amüsiert Sayila ein Wenig, aber es ist ihr auch etwas unangenehm. Sie verlangt jetzt doch wohl nicht von mir, dass ich mich auch vorstelle?, denkt sie. Der Blick Elyrinas bleibt nun an Sayilas Wage hängen, wo die Narbe deutlich zu sehen ist. Die junge Frau schaut rasch wieder weg, doch der etwas mitleidige und leicht abgeneigte Blick entgeht Sayila nicht. Sie kennt das. So unscheinbar diese kleine Narbe auch sein mag, sobald ein Fremder ihr gegenübersteht, wandert sein Blick dorthin. <"Seid Ihr öfter hier in der Harfe? Ich habe Euch noch nie hier gesehen."> Sayila schweigt einige Augenblicke auf diese direkte Frage hin. Unbewusst streicht sie sich eine der schwarzen Haarsträhnen aus der Stirn, die sich aus ihrer Frisur gelöst hat. Dann jedoch antwortet sie: "Nein, ich bin neu hier in der Stadt. Es ist kein Wunder, dass Ihr mich noch nie gesehen habt." Sayila wendet den Blick ab und beobachtet das bunte Treiben im Schankraum. Sie hofft, dass die junge Frau ihr gegenüber keine weiteren Fragen stellt. Sie fühlt sich unwohl, wenn jemand so viel über sie wissen will.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Elyrina Tinuviel am 17. März 2005, 20:59 Uhr
Elyrina merkt, dass die Frau ihr scheinbar keine Frage beantworten möchte. Schade, ich hätte gerne einen Gesprächspartner gehabt
Aber sie möchte nciht aufgeben, auch wenn die Frau ihr nicht  verrät wie sie heißt.
Die Frau wendet ihren Blick ab und Elyrina ist etwas beunruhigt habe ich etwas falsches gesagt. Vielleicht möchte sie nicht über ihre Vergangenheit, oder sich selbst sprechen.
"Es ist schön hier, nicht, diese Leben. Ich komme immer hierher wenn ich mich allein fühle und etwas gesellschaft brauche, oder zumindest das Gefühl brauche unter anderen Leuten zu sein.."

Sie ist sich nciht Sicher,  ob die Frau ihr antworten wird. Unsicher nimmt sie wieder einen Schluck von ihrem Met.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sayila_Arachelza am 18. März 2005, 21:01 Uhr
Sayila bemerkt, dass Elyrina ein wenig verschüchtert wirkt. Oh nein, jetzt habe ich wieder jemanden abgeschreckt!, denkt sie betroffen, ich sollte doch ein wenig mit ihr reden, vielleicht ist sie einsam. Und als die junge Frau erneut zu sprechen anhebt, bemüht sich Sayila, ihr interessiert zuzuhören. <"Es ist schön hier, nicht, diese Leben. Ich komme immer hierher wenn ich mich allein fühle und etwas gesellschaft brauche, oder zumindest das Gefühl brauche unter anderen Leuten zu sein.."> Sayila versucht, ihr Gegenüber nachzuvollziehen. Auch sie hatte Phase in ihrem Leben, in denen sie die Gesellschaft anderer Leute suchte. Ja, sie weiß sogar noch, weshalb es ihr so ging, kann das Gefühl noch erahnen. Doch sie wurde zu oft von Anderen enttäuscht und hat ihr Vertrauen Fremden gegenüber mehr als einmal bitter bereut. Elyrina scheint nicht jünger zu sein, als sie selbst, und doch wirkt sie auf Sayila wie ein junges, unerfahrenes Mädchen, das noch nicht die bittere Härte des Lebens kennengelernt hat. Vielleicht habe ich einfach schon zu viel erlebt für mein Alter, denkt Sayila, während sie noch überlegt, was sie Elyrina antworten soll, ich sollte sie nicht behandeln, als sei sie naiv, bloß weil ihr nicht widerfahren ist, was mir geschah. Sayila hebt zu einer Antwort an, doch in diesem Augenblick kommt die Schankmagd und bringt ihr das bestellte Dunkelbier. Sayila bedankt sich und zahlt direkt, wie sie es immer tut. Fast ist ist sie froh, dass ihr der Bierkrug nun einen Grund gibt, die Antwort auf das Gesagte noch ein Weilchen hinauszuschieben. Sie trinkt einen großen Schluck des Dunkelbieres. Zu ihrer Zufriedenheit bemerkt sie die gute Qualität dieses Getränks. Über den Rand des Kruges hinweg wirft sie Elyrina einen raschen blick zu. Die junge Frau hat gerade ebenfalls etwas aus ihrem Krug getrunken. Langsam setzt Sayila den Krug wieder auf der abgenutzten hölzernen Tischplatte ab.
"Ich bin es gewohnt alleine zu sein", sagt sie schließlich, "aber wenn ich in einem guten Wirtshaus sitzen kann, fühle ich mich auch wohl." Sie hält einen Augenblick inne und dreht den Bierkrug in ihren Händen. Dann fügt sie hinzu: "Trinkt Ihr gerne Met?" Eine junge Frau, die Met trinkt, das weckt in ihr eine amüsante Erinnerung an längst vergangene Zeiten. Ein verstohlenes Lächeln huscht über ihr Gesicht.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Amarde am 19. März 2005, 01:30 Uhr
Amardé will Avivit gerade antworten, als sich eine junge Frau zu ihnen an den Tisch gesellt.
Er nickt ihr zunächst nur freundlich zu, bevor er sich wieder vollends auf Avivit konzentriert, die er scheinbar schon in seinem Traum gefangen hat.

Roland hatte recht. So viele Künstler hungern danach endlich anerkannt zu werden. Es wird höchste Zeit, dass wir anfangen uns selbst ernst zu nehmen.

Mit Begeisterung hat er vernommen, dass Avivit ebenfalls ein Zimmer in der goldenen Harfe hat, so dass er gleich beschwörend meint: "Man muss sein Leben erst einmal versuchen zu meistern, bevor man Kompromisse eingeht. Ich werde erst dann etwas anderes machen als Musik, wenn ich mich davon nicht mehr über Wasser halten kann. Lieber bin ich erfüllt mit Leben, als dass ich wie ein Toter eine Arbeit verrichte, die mir nicht zusagt."
Amardés Augen funkeln geradezu vor Leidenschaft und Feuer und wenn man ihn so dasitzen sieht - eine Hand auf sein Instrument gelegt - bemerkt man eine ungewöhnliche Aura, die von ihm ausstrahlt.
Er scheint wirklich zu den wenigen Menschen zu gehören, die wirklich absolut in dem was sie tun aufgehen und dabei alle anderen vor Begeisterung mit sich reißen.
Amardé merkt noch nicht einmal, als sich eine weitere Frau zu ihnen an den Tisch setzt; zu sehr ist er in dem Moment von seinen Überzeugungen gefangen.
Die Frage ob er Avivit oder eine der anderen Damen am Tisch damit auf die Nerven geht, kommt ihm noch nicht einmal in den Sinn.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Elyrina Tinuviel am 19. März 2005, 13:27 Uhr
Elyrina atmet auf als die Frau beginnt zu lächeln nachdem sie den Krug wieder hingestellt hat.
"Ja gelegentlich schon," antwortet sie auf die Frage ob sie gerne Met trinkt. "Roten Wein trinke ich aber lieber, wennich ehrlich sein soll. Aber zur Zeit kann ich solche Luxusgüter nicht bezahlen." Elyrina muss an die Rechnung bei ihrem Vater denken. Nein, heute würde sie nicht davon reden!
Woher kommt ihr, wenn ich fragen darf?"
Elyrina ist sich unsicher, ob die Frau ihr antworten wird, schließlich hat sie noch immer nicht ihren Namen verraten.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sayila_Arachelza am 19. März 2005, 17:39 Uhr
Sayila hört der Antwort Elyrinas geduldig zu. <"Ja gelegentlich schon. Roten Wein trinke ich aber lieber, wennich ehrlich sein soll. Aber zur Zeit kann ich solche Luxusgüter nicht bezahlen."> Sie wundert sich schon gar nicht mehr. Gegenüber einem Fremden über die eigene finanzielle Lage Auskunft zu geben, scheint für Elyrina normal zu sein. Sayila würde sich hüten, so frei zu sprechen, wenn es rundum nur so von Leuten wimmelt. Schließlich kann man nie wissen, wer alles mithört und was er mit seinem Wissen tut. <"Woher kommt ihr, wenn ich fragen darf?">, fragt Elyrina nun. Sayila zögert erneut. Es widerstrebt ihr, gegenüber dieser Fremden so viel über sich selbst zu verraten. Sie wägt ihre Antwort gut ab, bevor sie langsam und nicht sehr laut sagt: "Ich komme von keinem bestimmten Ort. Ich bin nirgends zu Hause. Bevor ich nach Talyra kam war ich in Blurraent, doch das ist schon eine Weile her. Schließlich ist die Strecke von Blurraent nach Talyra kein Spaziergang." Sayila hält einen Augenblick inne. Sie beobachtet die Frau ihr gegenüber. "Und woher seid Ihr?", fügt sie dann hinzu. Dabei behält sie ihr Gegenüber genaustens im Auge. Inzwischen reicht ihre Menschenkenntnis zum Glück soweit, dass sie es am Gesicht eines Anderen sieht, wenn er lügt oder nicht die ganze Wahrheit sagt. Zwar wirkt Elyrina auf sie bis jetzt harmlos, doch mehr als Einmal musste Sayila die Erfahrung machen, dass der Schein trügt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von lila am 20. März 2005, 13:04 Uhr
Zwar registriert Avivit die Anwesenheit der beiden Frauen in ihrem Tisch und dass beide ein Gespräch begonnen haben, doch schenkt sie dem ansonsten keinerlei Beachtung. Viel zu sehr hat Amardé sie in ihren Bann gezogen mit dem was er sagt und wie er es sagt. Mit glasigen Augen gehen ihre Gedanken auf eine Reise, in der auch ihr Traum Erfüllung findet. Ein Traum, in dem sie ihren Lebensunterhalt allein mit jenem verdient, was ihr im Blut liegt und woran ihr Herz hängt - dem Tanz. Nichts wünscht sie sich sehnlicher in ihrem jungen Leben, doch blieb es bislang stets nur ein schöner Gedanke, an welchem festzuhalten das Verhängnis bedeuten würde.

Doch wie immer mischen sich schon nach kurzer Zeit Realitätsfetzen in Avivits Gedanken. Damit kann niemand sein Brot verdienen zerstört sie sich ihren Traum mit einem Mal selbst. Ich brauche Arbeit und das möglichst schnell, sonst wird der Winter erbarmungslos seinen Tribut abfordern. Ihre Gesichtszüge verdunkeln sich merklich und ihr Lächeln weicht einem traurigen Blick, der schnell an seinem bisherigen Glanz verliert.

Mit einem leisen Säufzen hebt sie den Kopf und löst damit den Blick von Amardés Hand, welche fast zärtlich auf seinem Instrument ruht. Sie schaut ihm geradewegs tief in die Augen und ohne das sie es möchte, wird ihr Blick ein wenig vorwurfsvoll. Wie kann dieser Fremde mir nur solche Hoffnung machen, wo es nie Hoffnung gab und wohl auch nicht geben wird? Wie kann er sich nur so sicher sein, diesen Weg erfolgreich fortzusetzen?
Kein Wort kommt über ihre Lippen, doch ihre Augen sprechen Bände.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Elyrina Tinuviel am 20. März 2005, 13:40 Uhr
Elyrina fühlt sich etwas geprüft durch Sayilas Blick, aber wenn sie das Vertrauen der Frau soweit gewinnen möchte, dass ein normales Gespräch möglich ist, so muss sie dem wohl stand halten. Schließlich weiß auch sie, dass es viele Persohnen gibt, die ein wesentlich schrecklicheres Leben hatten als sie. SChließlich hat sie bisher recht gut gelebt, bis zu der Sache mit ihrem Vater.
"Ich komme aus Ildala. Meine Familie lebt dort. Ich habe hier praktish ein neues Leben begonnen." sie lächet etwas, es soll auch freundlich und glücklich wirken, doch dem genauen Beobachter fällt auch, dass ihre AUgen nicht so glücklich wirken, eher bedrückt.
"Ihr habt in der Tat eine lange Reise hinter Euch. Wofür nimmt Ihr eine so lange Reise auf Euch?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sayila_Arachelza am 21. März 2005, 19:59 Uhr
<"Ich komme aus Ildala. Meine Familie lebt dort. Ich habe hier praktish ein neues Leben begonnen.">, antwortet die Frau auf Sayilas Frage hin. Ein Lächeln erscheint während ihrer Worte auf ihren Lippen. Doch Sayila lässt sich davon nicht täuschen. Sie bemerkt den traurigen, bedrückten Glanz in Elyrinas Augen. Auch sie scheint etwas zu verbergen, denkt Sayila, und die junge Frau ist ihr gleich ein Stück sympathischer, vielleicht ist sie doch nicht so einfältig und glücklich, wie sie auf den ersten Blick erscheint.
<"Ihr habt in der Tat eine lange Reise hinter Euch. Wofür nimmt Ihr eine so lange Reise auf Euch?">, fragt Elyrina nun. Sayila erwidert das Lächeln ihres Gegenübers.
"Ich bin eine rastlose Seele", antwortet sie, "ich war in meinem Leben nie lange an einem Ort." Sie zögert einen Augenblick. Ob sie Elyrina soweit vertrauen kann, dass sie ihr mehr über ihre Vergangenheit erzählt? Sayila ist hin und her gerissen. Es ist nun schon Monate her, dass sie das letzte Mal mit jemandem über sich gesprochen hat... rasch verdrängt sie den Gedanken daran. Zu sehr schmerz die Erinnerung an das Geschehene. Schließlich siegt ihr Bedürfnis, sich endlich wieder jemandem anvertrauen zu können, und Sayila holt tief Luft. "Verzeiht, ich habe mich noch nicht vorgestellt. Sayila ist mein Name. Sayila Arachelza." Sie hält erneut inne und trinkt einen Schluck des Dunkelbieres, ehe sie fortfährt: "Meine Eltern waren Händler. Ich bin schon in meiner Kindheit viel herumgekommen, daher zieht es mich immer wieder in neue Gegenden. Allerdings hoffe ich, dass ich es diesmal schaffe, zu bleiben. Talyra gefällt mir bis jetzt eigentlich nicht schlecht." Ein wenig ist sie über sich selbst verwundert, dass sie Elyrina so viel über sich erzählt. Normalerweise ist Sayila sehr viel weniger aufgeschlossen Fremden gegenüber. Sie wartet gespannt ab, wie Elyrina auf das Gesagte reagiert, und trinkt noch einen Schluck des Dunkelbieres.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Elyrina Tinuviel am 21. März 2005, 23:41 Uhr
Elyrina ist erleichter als die Junge Frau, die sich schließlich als Sayila Arachelza vorstellt, endlich auch mal etwas erzählt. Elyrina  beginnt wieder zu lächeln, diemal aber nahezu wirklich glücklich, sie freut sich darüber, dass diese Begegnung nun doch nett zu werden scheint.
"Händler, mein Vater ist auch einer, aber wir wohnen schon so lange ich denken kann an ein und dem selben Ort. einmal sind wir umgezogen, aber nur in ein neues HAus. Sonst habe ich nciht viel von der Welt gesehen. Nur gelesen. DIe Reise hier her war auch meine erste nennenswerte Reise. Ich beneide Euch ein wenig um Euer Wissen, dass Ihr sicherlich über die Welt und ihre Bewohner sammeln durftet. Aber ich verstehe, wennIhr gerne an einem Ort bleiben möchtet. Irgendwann wird man allem Überdrüssig, schätze ich auch dem Reisen." sie hebt ihren Becher und trinkt einen großen schluck daraus. "Wie wollt Ihr Euer Geld hier in der Stadt verdienen?" Elyrina hofft nicht zu aufdringöioch zu sein. SChließlich scheinen die Worte nur so aus ihr heraus zu spudeln.
"Verzeiht, wenn ich Euch bedränge oder den Eindruck hinterlasse zu neugierig zu sein, aber ich habe schonlange nicht meh so nett mit jemand anders beisammen gesessen." sie lacht etwas schüchtern.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nguyen am 22. März 2005, 14:17 Uhr
~ Noch im Winter... (also vor längerer Zeit) ~

Niedergeschlagen und von einer inneren Trauer befallen betritt Nguyen die „Goldene Harfe“. Kein Auge hat er heute für die Menschen die hier versammelt sind, die trinken und ausgelassen sind, sich Geschichten von Reisen und fernen Landen erzählen oder auch nur von dem Schnäppchen das sie auf dem Ochsenmarkt gemacht haben. Selbst der Duft des Bratens der aus der Küche dringt erreicht ihn nicht. Statt dessen durchquert er schnellen Schrittes den Schankraum und eilt die Treppe hinauf damit ihn nur ja niemand anspricht. Ebenso schnell steht er an der Tür seines Zimmers, schließt sie auf, huscht hinein und schließt wieder ab. Dann erst, nun wo ihn niemand mehr sehen kann, sacken auch seine Schultern ein und er lehnt mit dem Rücken an der schweren Tür. Sie ist einfach verschwunden... einfach so... Gerade als er die Hände vor die Augen schlagen will um eine drängende Träne abzuwenden reißt ihn dann jedoch jäh das inzwischen tiefer gewordene und vertraute Maunzen Izirs aus seiner aufkommenden Lethargie.

Als er aufsieht erkennt er das Kätzchen, nein, den Kater, denn er ist in den letzten Woche enorm gewachsen. Noch einige wenige weitere Wochen und er wird ausgewachsen sein. Doch er erkennt noch etwas. Der Kater sitzt nicht wie üblich auf dem Tisch und schaut ihn an, nein, diesmal liegt auf dem Tisch etwas, und darauf hat er sich niedergelassen. Es leuchtet ihm weiß und hell entgegen und er braucht einen Moment um seine Robe wiederzuerkennen die er in der Shenrah-Nacht bei Selket gelassen hat. Die Erkenntnis was dort liegt trifft ihn dann jedoch zweifach. Erst ist die dadurch erweckte Erinnerung an diese wundervolle Nacht wie eine Faust die sich um sein Herz schließt und es ihm in der Brust zu zerdrücken droht, dann jedoch lockert sich der Griff wieder, der schmerz wird weniger als ihm gewahr wird was das auch heißt.

Es bedeutet das sie ihn doch nicht vergessen hat, das sie zumindest in soweit an ihn gedacht hat das sie die Robe zurückbrachte. Sanft setzt er den Kater von dem feinen Seidenstoff ab und auf den Tisch, dann hebt er das Bündel an, wickelt es aus und begutachtet den wertvollen Stoff. Keine Spur des Blutes das ihn befleckt hat ist mehr zu erkennen. Sie hat ihn wirklich wieder rein bekommen. Das keine Nachricht für ihn bei dem Bündel liegt fällt ihm noch nicht auf. Er ist einfach nur froh das er nun zumindest sicher sein kann das er noch einen kleinen Platz in ihrer Welt hat. Dann hängt er das Kleidungsstück in den Schrank neben seine Anderen, hebt Izir auf seinen Arm und lässt sich auf das gemachte Bett fallen. Nach ungefähr einer Stunde ausgiebigen Katzen Verwöhnens umfängt ihn dann wohltuender Schlaf.


~ ...wieder im Hier und Jetzt ~

...Etwas wehmütig blickt der Magier sich um. Irgendwie werde ich dieses Zimmer vermissen... Die letzten Wochen hatte er damit verbracht zumindest die oberen Räume des erworbenen Hauses so herzurichten das er dort einziehen kann. Die Fenster wurden erneuert und einige Risse in Dach und Wänden abgedichtet. Und nun konnte er endlich einziehen. Seine wenigen Habseligkeiten hatte er schon hinübergebracht, ebenso wie auch der Kater schon seit einer Woche das Gründstück unsicher machen durfte. Aber heute ist der tag an dem er endlich auszieht aus der Herberge. Auch seinem Geldbeutel würde das etwas Entlastung bringen, obwohl er sich darüber nun wirklich keine Sorgen machen musste. Letzten Monat erst war der Bote mit dem georderten Geld, glücklicherweise ohne überfallen zu werden, eingetroffen und er hatte es bei einem ansässigen Schatzmeister hinterlegt. Die Menge sollte ausreichen sowohl das Haus vollständig zu renovieren, das Geschäft auszustatten und ihm vorerst ein angenehmes Leben zu ermöglichen.

Noch einen letzten Blick auf das Zimmer werfend, das ihn so viele Wochen beherbergt hat, dreht er sich um und verlässt es zum letzten Mal. Gemessenen Schrittes steigt er die Treppe hinab, deren Stufen und Eigenheiten er schon mit geschlossenen Augen kennt, und steht schon bald an der Theke und vor einer Schankmaid, bei der er den Zimmerschlüssel abgibt und die letzten ausstehenden Beträge begleicht. Dann wendet er sich mit einem freundlichen Gruß auf den Lippen ab und verlässt die „Harfe“. Sicher wird er oft zum Speisen wieder hier einkehren, aber wohnen wahrscheinlich nicht mehr. Fröhlich tritt er auf die Strasse, ein Lied aus seiner Heimat auf den Lippen, und macht sich auf in Richtung seiner neuen Heimstatt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sayila_Arachelza am 23. März 2005, 17:49 Uhr
Elyrinas Lächeln wirkt auf Sayila diesmal echt. <"Händler, mein Vater ist auch einer, aber wir wohnen schon so lange ich denken kann an ein und dem selben Ort. einmal sind wir umgezogen, aber nur in ein neues HAus. Sonst habe ich nciht viel von der Welt gesehen. Nur gelesen. DIe Reise hier her war auch meine erste nennenswerte Reise. Ich beneide Euch ein wenig um Euer Wissen, dass Ihr sicherlich über die Welt und ihre Bewohner sammeln durftet. Aber ich verstehe, wennIhr gerne an einem Ort bleiben möchtet. Irgendwann wird man allem Überdrüssig, schätze ich auch dem Reisen."> Sayila lächelt in sich hinein. Das Wissen über die Welt und ihre Bewohner... Sie ist sich sicher, dass vieles davon nicht beneidenswert ist. Aber woher sollte Elyrina das wissen?
<"Wie wollt Ihr Euer Geld hier in der Stadt verdienen?">, fragt die junge Frau nun. Sayila spürt, wie sich ihre Nackenhaare aufstellen. Diese Frage wurde ihr schon einmal gestellt. Und die Folgen ihrer Antwort waren mehr als unangenehm. Doch sie gibt sich Mühe, nicht zu voreingenommen von Elyrina zu sein.
<"Verzeiht, wenn ich Euch bedränge oder den Eindruck hinterlasse zu neugierig zu sein, aber ich habe schonlange nicht meh so nett mit jemand anders beisammen gesessen."> Als die junge Frau nervös lacht entspannt Sayila sich wieder. Du siehst schon überall Gespenster, schimpft sie in Gedanken mit sich selbst, sei nicht immer so misstrauisch anderen Leuten gegenüber. So gibst du ihnen ja nie die Chance, höflich zu sein! Zur Beruhigung trinkt sie einen weiteren Schluck des Dunkelbieres.
"Ich bin Waffenschmiedin", antwortet sie schließlich, "ich habe mich schon etwas umgehört. Eine Waffenschmiede, wo ich Arbeit finden könnte, gibt es hier offenbar nicht. Ich werde vielleicht versuchen, selbst eine zu eröffnen. Aber ich verrichte auch andere Arbeiten, wenn ich sonst nichts finde." Sayila schweigt. Zu sehr ins Detail gehenmöchte sie in Bezug auf diese "anderen Arbeiten" lieber nicht. Elyrina wirkt auf sie ganz und gar nicht, wie eine potentzielle Auftraggeberin, und so sieht Sayila keinen Grund, ihr gegenüber mehr verlauten zu lassen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Elyrina Tinuviel am 23. März 2005, 18:43 Uhr
Elyrina hört aufmerksam zu. Sie überlegt einen Moment, ob sie Sayila anbieten soll bis sie etwas besseres gefunden hat im Antiquitätenladen zu arbeiten. Sie wägt ab, aber kommt schließlich zu dem Schluss, dass es nicht schaden könnte.
"Wenn Ihr arbeit sucht, so kann ich Euch vielleicht für den Augenblick etwas helfen. In meinem Laden, ich verkaufe Antiquitäten, ist im Augenblick einiges zu tun, wenn Ihr wollt könnte Ihr mir dort für etwas Geld helfen. Es wird nciht viel sein, was ich Euch zahlen kann, aber es wird Euch vielleicht helfen Eure ausgaben für das Zimmer und ähnliches zu decken. Ihr könnt es Euch in Ruhe überlegen." Sie nimmt einen Schluck von ihrem Met. Sie meint es ehrlich gut, und hofft das Sayila ihr glaubt. Denn Hilfe kann sie wirklich benötigen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jorveig am 24. März 2005, 23:21 Uhr
Als Jorveig die Goldene Harfe betritt bleibt sie erst einmal einen Moment in der Tür stehen. Das laute Stimmengewirr und die warme Luft sind ein starker Gegensatz zu der frischen, kalten Winterluft draußen. Dann aber schließt sie doch die Tür hinter sich und schaut sich suchend um. Hinter der Theke sieht sie eine Frau, die gerade zwei Becher mit Met füllt. Sie sieht nicht unbedingt aus wie die Wirtin, aber doch so, als könnte sie ihr weiterhelfen. Jorveig nähert sich der Theke und spricht die Frau schließlich höflich an: "Verzeiht, habt Ihr noch ein freies Zimmer? Ich brauche eine Unterkunft für einige Tage."
"Ja, ein freies Zimmer haben wir. Aber entschuldigt mich bitte kurz."
Die junge Frau greift nach den vollen Bechern und schlängelt sich damit durch die volle Schankstube. Jorveig wartete inzwischen an der Theke und sieht sich aufmerksam um. Es ist wirklich voll hier, kaum ein Stuhl ist frei und der Geräuschpegel ist dementsprechend hoch. Der Gedanke, dass sie hier ein paar Tage verbringen soll, gefällt Jorveig nicht besonders. Sie hofft, dass sie bald eine Arbeit und vielleicht auch eine Wohnmöglichkeit finden wird.

Bald kommt die Schankmagd zurück und lächelt Jorveig freundlich an. "So, dann kommt mit. Tut mir Leid, dass Ihr warten musstet."
Jorveig winkt ab und folgt der jungen Frau die Treppen hoch, wo die Schankmagd ihr ein Zimmer zeigt und den Preis nennt. Jorveig hatte zwar gehofft, dass die Unterkunft billiger sein würde, aber es nicht wirklich erwartet und so schockiert der Preis sie nicht. Und das Zimmer scheint es wert zu sein. Es ist zwar klein und schlicht, aber sauber.

Als die Schankmagd gegangen ist, legt Jorveig ihre Sachen auf den Boden undlässt sich auf das Bett sinken. Ihre Füße schmerzen von der langen Reise. Sie ist es zwar von früher gewöhnt, viel unterwegs zu sein, aber zu Pferd und nicht zu Fuß. Trotzdem hat es ihr geholfen, so lange allein unterwegs zu sein, denn so hatte sie viel Zeit gehabt, um ihre Gedanken zu ordnen und zu überlegen, was sie nun mit ihrem weiteren Leben machen soll. Auf einen grünen Zweig ist sie nicht gekommen, außer, dass sie Frakon und somit auch Edola weit hinter sich lassen wollte. Dass sie dadurch auch ihre Mutter und ihre Schwester verlassen musste, schmerzt sie immer noch.
Nein, nicht wieder grübeln! Entschlossen steht Jorveig auf, legt ihren warmen Mantel ab und wäscht sich Gesicht und Hände mit dem kalten Wasser aus der Schüssel auf dem Tisch. Ihr knurrender Magen erinnert sie daran, dass ihre letzte Mahlzeit schon geraume Zeit zurückliegt und so begibt sie sich wieder in die Schankstube.
Gerade, als sie überlegt, an welchen Tisch sie sich am ehesten dazusetzen kann, stehen von einem kleinen Tisch drei Männer auf und lassen ihn leer zurück. Jorveig atmet erleichtert auf, nur ungern hätte sie sich zu Fremden dazugesetzt. Sie lässt sich rasch an dem frei gewordenen Tisch nieder, bestellt bei der Schankmagd etwas zu Essen und lehnt sich dann müde zurück, während sie unauffällig die anderen Leute in der Schankstube beobachtet.


Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 25. März 2005, 23:32 Uhr
Schlafen, wachen, träumen, essen und gehen. Noch hat Tiuri nicht allzu viele Möglichkeiten etwas zu tun, aber diese wenigen Dinge füllen seinen Alltag doch voll und ganz aus. Das Schlafen nimmt noch immer einen Großteil seiner Zeit in Anspruch, auch wenn ihn meistens irgendwelche Träume schweißgebadet aufwachen lassen. In der kleinen Kammer hält er sich so wenig wie möglich wach auf, zu wenig Platz und zu wenig Luft scheint darin für ihn zu sein. Er verbringt erstaunlich viel Zeit damit einfach auf dem Gang auf und ab zu laufen, einfach um des Gehens Willen. Zu Essen bekommt er langsam ordentliche Kost und er nimmt jegliche Nahrung am liebsten im Schankraum unter den Leuten ein. Meistens setzt er sich aber an einen Tisch etwas abseits und beobachtet die Leute nur, ohne dabei mit irgendjemandem außer den Schankmädchen zu sprechen. Wer in der Harfe arbeitet, kennt den Jungen längst gut genug und weiß, dass er, wenn er einmal nicht schweigend vor sich hin starrt und irgendwelche Leute beobachtet, viele Geschichten erzählen kann, auch wenn vermutlich kaum eine von ihnen wirklich der Wahrheit entspricht. Aber daran stört sich niemand, die jungen Schankmädchen lassen sich gerne Geschichten erzählen und der Junge erzählt, mit einem Augenzwinkern, etwas über jeden Gast der die Harfe betritt, wobei die Mädchen wissen, dass er es nie ernst meint und sich alles nur ausdenkt.
Tiuri erfindet gerne Geschichten für die, die ihm zuhören wollen, aber viel häufiger als früher, sitzt er einfach still da und sieht den Leuten zu. Das Reden wird ihm schnell zu mühselig, macht ihn immer noch müde, obwohl er das Gefühl hat nichts anderes mehr zu tun als zu schlafen. Die Müdigkeit verfolgt ihn, genauso wie die Erinnerungen an die Kanalisation, die er nicht loswerden kann, die er liebend gerne eintauschen würde, gegen die Erinnerungen welche ihm abhanden gekommen sind.
Den Verband von seiner Hand hat er schließlich abgenommen, mit der Zeit ist er nicht sauberer geworden, obwohl ihn der Junge bei seiner Vorliebe für lange Bäder, oftmals eingeweicht hat. Seine Finger darunter, sind nicht mehr ganz so gelenkig wie sie es einmal waren und obwohl sie eingerichtet worden sind, sehen sie doch etwas verstellt und verbogen aus. Außerdem sind sie steif von der Schiene und dem Verband den er getragen hat, erst langsam muss er sich wieder daran gewöhnen mit der linken Hand etwas zu greifen. Die Hand, die ihm ein ganzes Jahr lang weit bessere Dienste geleistet hat als die andere.
Und jetzt ist keine mehr wirklich in Ordnung…
Seine Hand betrachtend, seufzt der Junge laut auf. Selbst wenn er jemals wieder ruhig schlafen würde, wenn er nicht mehr an die Kanalisation denken würde, die Hand wird nie wieder so werden wie sie war und damit dafür sorgen, dass er diese Erlebnisse und all die Leute die daran beteiligt waren, nicht vergisst.
Wie könnte ich auch… obwohl, man soll ja niemals nie sagen, schließlich habe ich ja auch andere Narben und keine Erinnerung an die.
Auch dort wo ihn der Pfeil getroffen hat wird ihm eine Narbe bleiben, aber die Wunde ist schon fast völlig verheilt und sieht nicht mehr aus wie eine zusätzliche Körperöffnung.

Als Tiuri eines Tages wieder einmal, ohne jegliches Zeitgefühl, erwacht, scheint die Sonne angenehm warm in die kleine Kammer. Der Junge streckt, auf dem Bett stehend, den halben Oberkörper aus dem Fenster und atmet tief durch, ehe er vom Bett springt und schon erstaunlich flott aus dem Zimmer läuft. Er kommt nur bis zu den Stufen in diesem Tempo, dann geht ihm schon die Puste aus und er keucht wie ein alter Blasebalg, aber sein Enthusiasmus ist ungebrochen. Er hat die Harfe nicht verlassen, seit er sie vor Monaten zum ersten Mal betreten hat, aber das möchte er jetzt wirklich ändern. Die Sonne scheint draußen zu verführerisch und die ganze Luft riecht verheißungsvoll nach Frühling. Ohne sich durch irgendwelche Harfengäste vom Kurs abbringen zu lassen, lenkt er seine Schritte in Richtung Türe. Sie kommt ihm vor wie ein Tor in eine andere Welt, die er schon so oft hatte auf und zu gehen sehen, dass es ihm unwirklich erscheint, dass er sie noch nie bewusst hinter sich geschlossen hat. Kurz vorher wird er etwas langsamer, das Lächeln auf seinem Gesicht wird breiter und er streckt die Hand in Richtung Klinke aus.
„Jen, wo willst du denn hin?“ Eins der Schankmädchen lässt ihn in seiner Bewegung inne halten und sich umwenden. Mit der Hand deutet er nur nach draußen, in dem Glauben, sie würde das sofort verstehen, aber sie schüttelt nur den Kopf.
„So?“ fragt sie, ist mit wenigen Schritten bei ihm und mustert ihn von Kopf bis Fuß. Erst jetzt fällt Tiuri auf, dass er bis auf Hose und Hemd nichts trägt. Keine Schuhe, keinen Umhang, keinen Mantel, gar nichts und dass selbst der Frühling dafür nicht warm genug ist. Er hebt die Schultern und sieht sie etwas mitleidig an, erntet ein Kopfschütteln, aber in kürzester Zeit hat sie auch Schuhe und einen Umhang für ihn aufgetrieben.
„Bleib nicht zu lange weg!“ sagt sie und Tiuri nickt grinsend, sagt: „Ja Mutter!“ und wendet sich dann wieder der Türe zu, ehe er sie schließlich durchschreitet und auf den Marktplatz hinaus tritt.

Am Marktplatz herrscht das übliche Treiben. Rund um die Stände an denen Händler ihre Wahre feilbieten, tummeln sich auch die passenden Kunden, feilschen, streiten, zahlen. Verkäufer die gerade nicht so beschäftigt sind, rufen lauthals vor sich hin, was sie denn nicht alles anzubieten hätten und Tiuri weiß nicht, wo er zuerst hin gehen soll. Eigentlich interessiert es ihn nicht im Geringsten, was er am Markt kaufen könnte, denn er hat kein Geld und er hat nicht vor so lange er in der Harfe wohnt, auch nur irgendetwas auf unehrliche Weise in seinen Besitz gelangen zu lassen. Aber andererseits ist dort wo die Leute sind, am meisten los und Tiuri möchte sich gerne ins Getümmel stürzen. Beherzt geht er also in Richtung Stände und wird schnell von einer resoluten Frau mit ausgereifter Ellenbogen Technik in den Hintergrund geschoben, von jemand anderem wieder nach vorne gedrängt und findet sich schnell im größten Gedränge wieder. Kurz hält Tiuri das aus, aber schon bald wird es ihm doch zu eng und er schält sich wieder aus der Menge. Zu viele Leute, dicht gedrängt an einander, sie geben ihm das Gefühl von engen Mauern und lassen die Angst in ihm hochsteigen, nicht flüchten zu können.
Keine gute Sache, für einen Dieb… Langsam fürchtet der Junge wirklich, dass er seinen „Beruf“ gar nicht mehr ausüben kann, aber andererseits stellt er sich auch wirklich die Frage, wer ihn denn eigentlich einstellen würde mit zwei nicht vollständig zu gebrauchenden Händen. Mal abgesehen davon, kann er sich nicht erinnern, irgendetwas gelernt zu haben und er hat auch nach seinem Unfall, keinerlei besonderen Talente aufgewiesen, außer für die Fingerfertigkeit, die das Diebeshandwerk verlangt. Außerdem war er ein talentierter Lügner und Hochstapler, nichts, dass einen ehrlichen Arbeitgeber wirklich dazu veranlassen würde ihn einzustellen. Er wandert einmal um den Marktplatz, bleibt dabei immer wieder stehen, streckt das Gesicht in die Sonne und schließt die Augen. Litli-Vinur hat er aus der Tasche geholt und auf seine Schulter gesetzt. Die kleine Ratte genießt fiepend ihre neue Umgebung und kann gar nicht ruhig an einer Stelle sitzen bleiben, läuft von einer Schulter auf die andere, über Tiuris Arm wenn er ihn etwas anhebt und wieder nach oben.
Zurück in die Harfe geht er durch den Stall, sieht sich dort etwas um und unterhält sich mit einem Jungen, der damit beschäftigt ist die Boxen auszumisten. Tiuri sagt noch nichts davon, dass er in den nächsten Tagen wohl öfter kommen wird und auch etwas mitarbeiten möchte, so wie Borgil es auch vorgeschlagen hat, denn der Junge hat einen Ton angeschlagen, der keinen Zweifel daran lässt, dass er diesen Stall für sein Königreich hält. In der Harfe lässt er sich glücklich auf einen Stuhl plumpsen, isst das Mittagessen, dass man für ihn bereit gestellt hat und beobachtet die Leute, die sich im Schankraum befinden und sich zumeist angeregt unterhalten. Er ist in blendender Laune und überlegt sich wirklich, ob er sich nicht irgendwo dazu setzen sollte, aber anstatt etwas zu tun, vergeht die Zeit damit, dass er darüber nachdenkt, zu handeln. Immer wieder kommt auch eine der Mogbar vorbei, unterhält sich kurz mit ihm, fragt ihn, was er denn so auf dem Markt gesehen hätte und Tiuri erfindet irgendeine absurde Geschichte von einer Heldentat die er dort draußen begangen hat.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 26. März 2005, 21:49 Uhr
In Borgils Gemach


Wenn er gehofft hat, das Mädel würde knallrot aus seinem Zimmer flüchten und er könnte sich in aller Ruhe in einen Zuber kaltes Wasser setzen, dann hat er sich aber getäuscht. Klein-Azra klammert sich an seinen Rücken und schlingt ihre Arme um seinen Nacken, wie sie es so oft getan, wie er es so oft zugelassen hatte -  Verflixt!-  und erklärt dann im Brustton der Überzeugung: >Ich will aber gar nicht weg, sondern hier bleiben, bei euch, dort wo ich hingehöre. Ich brauch keinen blonden Prinzen, wer will schon so einen!< Einen Moment ist Borgil so perplex, daß er nur den Mund auf und zuklappen kann. Dann löst er sich entschlossen aus ihrer Umarmung, hält ihre Hände fest und sie ein Stück von sich weg, so daß er ihr ins Gesicht sehen kann. "Du hast ja keine Ahnung, was du da redest, Mädel. Geht's dir gut? Ist dir schwindlig? Hast du vielleicht Fieber?" erkundigt er sich mit echter Besorgnis, muß sich aber auch hier eines Besseren belehren lassen: ihre Haut ist zwar warm, aber nicht heiß, ihre Augen sind klar und nicht einmal ihre Finger zittern (aber das könnten sie auch gar nicht, weil er sie fast blau quetscht). Sie scheint bei bester Gesundheit - und nicht nur das, obendrein auch noch bei klarem Verstand - wenn sie jedoch beides tatsächlich ist, also sowohl gesund, als auch bei Sinnen, und so sieht es aus, dann kann sie unmöglich ernst gemeint haben, was sie gerade von sich gegeben hatte. Borgil klappt mehrmals den Mund auf, um sie darüber zu belehren, daß ein junges, unschuldiges Dingelchen wie sie nichts im Bett eines diesbezüglich alles andere als unschuldigen Zwergen zu suchen hätte, schließt ihn jedoch immer unverrichteter Dinge wieder. Erstens, weil er nicht weiß, wie um Himmels Willen er ihr das erklären soll, ohne zu lügen oder sie zu verletzen, und zweitens, weil sie ihm die ganze Zeit über mit diesen hellen, hellen Augen sinnverwirrend tief anblickt. "Zum Donnerdrummel nocheins!" Poltert er schließlich los und hätte um ein Haar mit dem Fuß aufgestampft. Dann schiebt er sie entschlossen vor den wuchtigen Bronzespiegel, der in einer Ecke seines Schlafgemachs steht.

"Sieh hin, Mädel. Sieh genau hin," grollt er, wohl wissend, was sie im Spiegel erblickt - dasselbe wie er. Ein Mädchen, kaum eine Frau, mit einer Haut wie weißer Samt, zerbrechlich, feingliedrig und durchscheinend wie ein Figürchen aus hauchzartem Milchglas mit einer geradezu lächerlichen, seidenweichen Masse von Haar, das ihr in wirren Locken auf die Schultern fällt - und hinter ihr er, ein Zwerg mit narbigem Schädel, schwarzen Augen, einem flammenden Schopf auf dem sonst kahlrasierten Schädel und ebenso feuerroten Bart - stämmig, stiernackig, so breit wie hoch. An ihm ist nichts weich oder zart, seine Hände sind kräftige Pranken, rauh und schwielig wie altes Leder, seine Arme, Beine und der breite Rücken dick bemuskelt mit knotigen, sehnigen Strängen, eisenhart und knorrig wie eine alte Eiche (nur nicht so hoch). Unter Seinesgleichen mag er mit fünf Fuß und zwei Zoll als Riese gelten - aber hier ist er nur, was er eben ist: ein alter, knurriger, hässlicher Zwerg. Oh, Borgil ist ein Mann, der seinen eigenen Wert durchaus kennt, der ihn immer gekannt hat und an mangelndem Selbstvertrauen hat er noch nie gelitten. Er weiß sehr wohl, daß er im Bett so gut (und besser) ist, als manch anderer Mann... als manch größerer Mann. Aber neben diesem feengleichen, schneezarten Geschöpf wünscht er sich zum ersten Mal in seinem Leben, ein anderer zu sein. Ach Papperlapapp! Was ist das denn für ein Unsinn! Warst solange ohne einen Weiberrock, daß man dir nur mit einem runden Hintern vor der Nase herumwedeln und dir ein wenig schöne Augen machen muß, und schon hast du Flausen im Kopf, alter Narr! Narr, Narr, Narr! Abgesehen davon, ist sie noch Jungfrau, zum Kuckuck! Und sie hat, wissen die Götter, etwas besseres verdient, als eine Kerbe an deinem Bettpfosten zu werden!


Das ist allerdings wahr -  erstens hat er sie viel zu gern, zweitens ist sie auch viel zu zierlich gebaut, einem Hrimthursen gibt man ja schließlich auch keine Porzellanminiatur zum Spielen, weil sie sonst dabei unweigerlich zu Bruch geht, und drittens... drittens... Drittens muß man sich ja nicht gleich kratzen, nur weil es einen juckt! Er blickt in den Spiegel, sieht ihr Gesicht und schüttelt sacht den Kopf. "Mädel, ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich wollte nicht. Aber morgen würdest du's bereuen, glaub mir. Jungfrauen holt man sich nicht ins Bett, die werden vorher geheiratet, also wirf deine Unschuld nicht an einen wie mich weg, das bin ich nicht wert." Seine Brauen ziehen sich in gespielter Drohung zusammen, während er sich innerlich mit Schrecken fragt, wo bei Sils Amboß eigentlich seine väterlichen Gefühle für sie abgeblieben sind, die noch vor einer Stunde durchaus in aller Unschuld vorhanden waren - verräterische kleine Biester, hatten sich in Windeseile in solide Gier verwandelt. Hmpf! Du hast wirklich zu lange keine Frau mehr gehabt. Deine Gier überlebt sie nicht, also denk nicht mal dran... "Und wenn du mir noch mal so ein unsittliches Angebot machst, Herzchen, dann leg ich dich übers Knie! Also wirklich, ich mag ja einen üblen Ruf haben, was das Weibsvolk angeht, aber das mach ich dann doch nicht... und jetzt ab ins Bett mit dir! Es ist ohnehin schon gleich, ob man dich hier findet oder nicht, aber die Füße mußt du dir deswegen nicht auch noch abfrieren. Du bist eiskalt."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aerowen am 27. März 2005, 19:21 Uhr
Fest in ihren Mantel gewickelt betritt Aerowen die goldene Harfe und schaut sich unbehaglich um. Am liebsten würde sie sich sofort wieder umdrehen und den menschengefüllten Saal wieder verlassen, doch der Hunger führt sie weiter in den Raum, auf der Suche nach einem freien Sitzplatz. Sie schlägt ihre Kapuze zurück, wobei ihr braunen Locken zum Vorschein kommen, und sucht den Raum mit ihren Blicken ab. Misstrauen und Unsicherheit spiegeln sich gleichermaßen auf ihrem Gesicht wider.
Als sie feststellt, dass kein Tisch mehr frei ist, bleibt sie unschlüssig stehen und denkt wieder daran, die Harfe einfach wieder zu verlassen. In diesem Moment fällt ihr Blick auf Jorveig, die allein an einem Tisch sitzt.
Aerowen zögert noch, doch da sie sich langsam dumm dabei vorkommt, so verlassen in der Mitte des Raumes zu stehen, geht sie entschlossen auf den Jorveigs Tisch zu.
"Entschuldigung, kann mich hier noch dazusetzen?", fragt sie und ist hin und her gerissen zwischen ihrem Hunger und der Hoffnung, dass die Frau nein sagt und sie wieder gehen kann. Ihre Hände hat sie innerhalb ihrer Manteltaschen zu Fäusten geballt, um das Zittern zu unterdrücken, während sie angespannt auf die Antwort wartet.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jorveig am 28. März 2005, 01:48 Uhr
Jorveig hat gerade zu essen begonnen, als ein Mädchen mit brauner Lockenmähne an ihren Tisch tritt und fragt, ob sie sich setzen kann. Im ersten Moment ist Jorveig nicht sehr erfreut. Sie war froh gewesen, einen leeren Tisch zu finden und mit ihren Gedanken allein sein zu können. Andererseits hätte sie nicht in eine große Stadt wie Talyra kommen sollen, wenn sie sich völlig von anderen Menschen abschotten wollte. Sie hat auch an sich nichts gegen Gesellschaft, solange sie nicht zu viel reden muss und eine gewisse Distanz wahren kann.
So schenkt sie dem Mädchen, das einen sehr unsicheren und angespannten Eindruck macht, ein aufmunterndes Lächeln.
"Natürlich, setzt Euch."
Sieht so aus, als ob sie auch neu hier ist.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aurian am 28. März 2005, 10:48 Uhr
Die schwere Tür schwingt mit einem leisen Knarren auf und der unverkennbare Duft nach Essen, Met und dem Getümmel der Stadt schlägt Aurian entgegen. Wie immer ist das Gasthaus gut besucht und da es noch zu kühlk ist, um im Harfengarten zu sitzen, drängt sich alles im Schankraum. Die Stimmen schwirren durch den Raum wie ein illustres Bienenvolk und vereinzelt schnappt das Mädchen einige Wortfetzen auf. >...Inarifest..Dekoration...Blumen so teuer...strenger Winter...< Das Gespräch zweier Schankmädchen ruft Aurian ins Gedächtnis, wie weit das Jahr eigentlich schon fortgeschritten ist. Inarifest...wo war ich vor einem Jahr zu dieser Zeit? Es scheint ihr schon eine Ewigkeit her zu sein, jene Nacht, die sie mit Cleyron am Strand verbracht hatte, wo sie, unschuldig wie zwei Kinder, das Feuerwerk betrachtet hatten und schließlich aneinandergekuschelt eingeschlafen waren. Was war alles geschehen seit dem? So viel, ihr Leben war nicht mehr das was es einst war. Auch fällt ihr ein, welchen Dienst man der Göttin eigentlich zu diesem Fest erwies und allein der Gedanke daran treibt wieder die Panik hoch. Nur mit Mühe kann sie selbige unterdrücken.

Da sie noch immer im Eingang steht, lässt es sich nicht vermeiden, dass sie etwas unsanft weiter in den Raum geschoben wird. Verschreckt starrt sie in das Gesicht eines grobschlächtigen Bauern, der jedoch keinerlei Notiz von ihr nimmt, sondern sich zu seinen Kumpanen an einen der Tische setzt und lauthals einen Krug Met ordert. Was machst du hier? Bei Borgil kannst du dich auch ein ander Mal bedanken! Sie ist schon versucht, die Harfe wieder zu verlassen, vorallem da der Zwergenwirt ohnehin niergends zu sehen ist, als sie an einem Tisch, etwas abseits vom Gewühl, ein vertrautes Gesict erkennt: Jen.

Der Junge, der mit ihr in der Kanalisation gefangen war, ist noch immer so dünn, wie sie ihn in Erinnerung hat. Und doch, irgendwie wirkt er ihr vertraut, so als würde sie ihn kennen, näher, nicht nur von der Flucht her. Mit einem Stirnrunzeln legt sie den Kopf schief. Irgendwie...Doch sie will gar nicht darüber nachdenken, zu sehr ist sie mit ihren eigenen Problemen beschäftigt. Dennoch geht sie zögernd auf ihn zu, bedacht, niemanden zu berühren. Immerhin hat Jen einen Tisch am Rande des Raumes gewählt wo etwas weniger Trubel herrscht. Vielleicht könnte sie sich etwas zu ihm setzten und hier auf Borgil warten, wenigstens eine kleine Weile. Es ist ihr ein tiefes Anliegen, sich bei dem Zwerg für ihre Rettung zu bedanken, sie hat ohnehin das Gefühl, viel zu lange damit gewartet zu haben.
Inzwischen st sie an dem Tisch angelangt. "Hallo Jen! Wie geht es dir? Darf ich mich einen Moment zu dir setzten? " Beim Näherkommen wirkt der Junge noch dünner aber auch noch etwas vertrauter, wie ein Schattern aus der Vergangenheit, den man nicht zu fassen vermag.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aerowen am 28. März 2005, 12:32 Uhr
Einen Moment bleibt Aerowen noch unbewegt stehen und starrt die junge Frau vor sich mit ausdruckslosem Gesicht an.
"Ich will auch bestimmt nicht stören", murmelt sie, als sie sich schließlich hinsetzt.
Ihr Blick mustert die Fremde einige Sekunden lang.
Sie sieht nicht so aus, als würde sie mir etwas Böses wollen, trotzdem...
Sie wird jäh aus ihren Gedanken gerissen, als die Schankmagd an ihren Tisch kommt. Etwas irritiert schaut sie auf und braucht einen Augenblick, um sich wieder richtig gewahr zu werden, wo sie ist und was sie hier tut.
"Ähm...", sie zieht nervös wenige Münzen aus der Tasche, "Reicht das für etwas Brot und vielleicht eine Suppe? Ich bin nicht wählerisch."
Die Schankmagd nickt und lächelt freundlich, dennoch ist Aerowen froh, als sie wieder verschwindet. Sie lässt die Münzen vorerst wieder in ihre Tasche sinken und seufzt innerlich auf.
Na, das ist ja ein aunderbarer Anfang. Ich bezweifle, dass ich in dieser Stadt je zurecht kommen werde. Hier sind so viele Menschen.
Mit diesem Gedanken rückt sie auf ihrer Bank etwas weiter zur Wand, damit sie nicht so leicht gesehen werden kann.
Ihre Augen suchen den Raum ab, während sie versucht den Raum und die anderen Gäste einzuschätzen. Am Ende landet ihr Blick wieder bei der Frau, die mit ihr am Tisch sitzt. Sie sieht nicht so aus, als wollte sie sich unbedingt unterhalten, doch aus Höflichkeit hält Aerowen es trotzdem für besser, sich vorzustellen.
Wenn man schon neu in einer Stadt ist, muss man es sich ja nicht sofort mit deren Bewohnern verschwerzen, denkt sie und versucht vergeblich ein einigermaßen offen wirkendes Lächeln zustande zu kriegen.
"Mein Name ist Aerowen", sagt sie immer noch leise, aber jetzt mit etwas mehr Selbstsicherheit, "Ich bin neu in dieser Stadt."
Die Schankmagd kommt wieder und bringt Aerowens Essen, doch zunächst rührt das junge Mädchen ihren Teller nicht an. Ihre Augen sind erwartungsvoll auf die Frau vor ihr gerichtet.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jorveig am 28. März 2005, 13:01 Uhr
Zunächst scheint es, als wolle das Mädchen einfach stehen bleiben, aber schließlich setzt sie sich doch und murmelt dabei, dass sie nicht stören will. Jorveig winkt ab und entspannt sich wieder. Dieses Mädchen ist bestimmt keine aufdringliche Gesprächspartnerin, die ihr allerlei unhöfliche Fragen stellt.
Im Gegenteil, sie sieht eher so aus, als ob sie gleich wieder flüchten will. Und ich habe gedacht, ich wäre ein misstrauischer Mensch.
Nachdenklich betrachtet sie das Mädchen und fragt sich, was sie so unsicher macht. Als die Schankmagd an den Tisch tritt, schrickt sie regelrecht zusammen und fingert nervös ein paar Münzen aus ihrer Tasche. Dann rückt sie weiter zur Wand, so als wollte sie sich darin verkriechen.
Für einen Moment flackert auch in Jorveig Misstrauen auf.
Sie muss wohl etwas zu verbergen haben, wenn sie so nervös ist. Oder ist sie eine Diebin, die mir hier nur ein Theater vorspielt, um mich dann seelenruhig zu beklauen?
Doch dann schielt Jorveig sich selbst einen Dummkopf und schiebt diese Gedanken beseite. Jetzt sei doch nicht albern, sie ist halt einfach nur ein wenig unsicher. Vermutlich ist sie neu hier und fühlt sich deshalb unwohl. Kein Grund, gleich paranoid zu werden.
Im nächsten Moment bestätigt sich ihre Vermutung, denn das Mädchen sagt: <"Mein Name ist Aerowen. Ich bin neu in dieser Stadt.">
Ihr Lächeln und der erwartungsvolle Blick lassen Jorveig das Misstrauen fürs Erste vergessen und sie lächelt ebenfalls. "Ich bin auch neu hier - ich bin heute das erste Mal in Talyra. Mein Name ist Jorveig."
Sie überlegt, ob sie noch mehr über sich erzählen soll, lässt es aber dann doch lieber bleiben. Sie überlegt auch, ob sie Aerowen fragen soll, woher sie kommt, befürchtet aber, dass sie das Mädchen dadurch wieder verunsichern würde und so lässt sich auch das bleiben.
Na wunderbar, jetzt werden wir beide hier sitzen und uns anschweigen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aerowen am 28. März 2005, 18:52 Uhr
Aerowen scheint sich ein klein wenig zu entspannen, als sie erfährt, dass die Fremde selbst neu in der Stadt ist. Mit einem tiefen Atemzug beginnt sie zu essen.
Wenn sie selbst erst seit heute in der Stadt ist, kann sie mir bestimmt auch nicht helfen, Arbeit zu finden... aber andererseits hätte ich sie wahrscheinlich eh nicht gefragt
Sie verzieht nachdenklich den Mund und wirft Jorveig einen kurzen Blick zu. Jetzt hat sie die einmalige Chance ein Gespräch zu beginnen und vielleicht etwas mehr über diese Stadt und ihre Bewohner herauszufinden - doch sie lässt es bleiben. Stattdessen beugt sie sich über ihre Suppe und isst bedächtig und langsam. Mit jedem Bissen scheint sie etwas ruhiger zu werden und es steht keine Panik mehr in ihrem Blick, wenn sie ab und zu aufsieht, um sich umzusehen.
Gedankenverloren streicht sie sich eine Strähne aus dem Gesicht, die sich aus ihrem Zopf gelöst hat.
Ich muss auf diese Menschen ja wirklich wie ein kleines, ängstliches Mädchen wirken. Ich sollte endlich anfangen mich normal zu benehmen, hier wird mich schon niemand kennen
Wieder streicht ihr Blick durch den Raum, als suchte sie jemanden, den sie aber einfach nicht finden kann.
Komm schon, benimm dich normal, ermahnt sie sich selbst. Sie schaut wieder zu Jorveig und denkt kurz darüber nach, wie sie am besten ein Gespräch beginnen könnte, bei dem sie nicht zu viel über sich selbst verraten muss, nichts über ihre Vergangenheit.
"Was macht Ihr hier in Talyra?", fragt sie schließlich und bricht dabei ein Stückchen ihres Brots ab, um es in die Suppe zu tauchen. Sie wagt es nicht, in Jorveigs braune Augen zu sehen, sondern schaut stattdessen auf ihren Tellerrand.
Na gut, das war vielleicht keine schlechte Frage. Nichts über die Vergangenheit, es geht nur um das Hier und Jetzt. Aber was, wenn sie trotzdem nicht antworten will?
"Ihr müsst natürlich nicht mit mir sprechen, wenn Ihr nicht wollt", fügt sie deshalb noch schnell hinzu, denn sie will ja nicht stören.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jorveig am 28. März 2005, 21:00 Uhr
Während dem Essen scheint Aerowen etwas ruhiger zu werden und so überlegt Jorveig, ob sie vielleicht doch ein Gespräch mit ihr beginnen soll. Sie kann sich schon gar nicht mehr erinnern, wann sich sie das letzte Mal seit ihrem Aufbruch mit einem Menschen unterhalten hat. Eine wahre Einsiedlerin bin ich während meiner Reise geworden.
Gerade, als sie noch unschlüssig ist, ob sie etwas sagen soll oder ob sie das Mädchen dadurch wieder verschreckt, sieht Aerowen sie an und fragt sie, was sie hier in Talyra macht.
Was ich hier mache? Ja, das ist eine gute Frage - das wüsste ich eigentlich auch gern. Davonlaufen, das mache ich.
Sie trinkt einen Schluck Met, um Zeit zu überbrücken, während sie überlegt, was sie antworten soll.
"Neues kennenlernen", antwortet Jorveig schließlich und das entspricht auch der Wahrheit. "Neue Erfahrungen machen und Arbeit suchen." Sie lächelt Aerowen freundlich an. "Und Ihr? Habt Ihr schon eine Unterkunft hier in der Stadt?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 28. März 2005, 23:23 Uhr
Tiuri hat ein Bein angewinkelt und den Fuß auf die Sitzfläche des Stuhles gestellt. Das Kinn hat er auf sein Knie gestützt und so beobachtet er was im Raum so vor sich geht. Da ist einem Mann der Bierkrug schon mittags aus den Händen geglitten weil er so blau ist wie der Himmel über der Stadt. Seine Kumpanen grölen und lachen, ärgern die arme Magd die alles aufwischen muss, aber diese nimmt es mit Humor. Irgendwo echauffiert sich jemand über die Blumendekoration für das kommende Inarifest und Tiuri muss ernsthaft überlegen, was er denn genau verbinden soll mit dem Inarifest. Natürlich, Inari, die Göttin der Liebe und Lust, dabei fällt ihm auch wieder ein, wie man dieser Göttin denn am besten huldigt. Er zählt die Tage, schätzt und überlegt und kommt schließlich zu dem Entschluss, dass er an diesem Tag einfach schon kräftig genug sein muss, um die Harfe für einige Zeit zu verlassen und sich auf Beutezug zu begeben. Dass er an diesem Abend kein Geld sondern lieber Frauen stehlen will ist eine andere Sache. Er grinst in sich hinein und lässt einen Blick über den Schankraum schweifen, ob ihm vielleicht schon ein potentielles Opfer ins Auge sticht, aber dabei fällt ihm jemand ganz anderes ein. Ein jemand mit dunklen Locken und außergewöhnlichen Augen.
Was denkst du denn da, du Idiot! Nicht einmal denken darfst du daran, ihr seid Freunde!
Gedanklich schimpft er noch weiter auf sich ein, damit er sich nicht noch einmal ihr Bild vor Augen ruft. Er sagt sich, dass es einfach Verwirrungen hervor ruft, wenn man so lange eingesperrt ist, dass er aber gar nichts an ihr finden kann, sie sind eben nur Freunde.
Während er noch so vor sich hin grübelt und versucht sich gewisse Dinge auch felsenfest einzureden, steht plötzlich Aurian vor ihm und reißt ihn mit ihren Worten aus seinen Gedanken. Erstaunt sieht Tiuri auf, lächelt sie aber sofort freundlich an. Es tut gut sie zu sehen, hat er sich doch gefragt was aus ihr geworden ist.
Hat Borgil nicht gesagt ein Gardist hat sie abgeholt… hat er nicht die Steinfaust erwähnt und dass der Lord Commander gut nach ihr sehen wird? Sie steht im Dienst der Stadtwache und jetzt steht sie hier, schaut dich an und weiß mit Sicherheit, dass du ein elender Dieb bist. Aber sie wird dich nicht verpfeifen, wenn sie das wollte, hätte sie es längst getan!... Außer es fällt ihr jetzt erst wieder ein, aber nein, ihr ward zu lange gemeinsam in diesem Kerker, sie verrät dich nicht, unter keinen Umständen!
„Hallo Aurian, schön dich zu sehen!“ Sagt er und schiebt mit einem Fuß den Sessel der auf der Tischseite gegenüber von ihm steht ein Stück zurück, so dass Aurian sich hinsetzen kann. „Natürlich darfst du dich setzen, auch einen Moment länger!“
„Aber nicht zu lange!“ in diesem Moment kommt eine der Mogbar vorbei, die Tiuri auch nach seinem Besuch am Markt gefragt hat, und erinnert ihn daran, dass er schon lange auf den Beinen ist und es nicht übertreiben sollte. Der Junge nickt und verdreht leicht die Augen als sie sich umdreht. Er ist ihnen allen dankbar, aber er hasst es wie ein kleiner Junge ins Bett geschickt zu werden und er hasst es ständig zu schlafen und zu nichts zu gebrauchen zu sein. Am liebsten würde er durch die Straßen der Stadt rennen, hinaus ins Larisgrün und erst nachts wieder her kommen um müde ins Bett zu fallen, aber stattdessen hat er eine kurze Runde über den Markt gedreht und spürt die bleierne Müdigkeit und die Erschöpfung schon in sich aufsteigen. Aurian lächelt scheu, wendet sich einen Moment ab, blickt sich um. Als sie ihn wieder ansieht, ist es als würde eine Reihe von Bildern durch Tiuris Kopf schießen. Schwarzes Haar und grüne Augen, braune Augen, spitze Ohren, ein großer Mann und wieder diese Schreie, die brennende Frau.
Es sind Erinnerungen, dessen ist er sich langsam sicher, aber warum nur diese seltsamen Erinnerungen, warum lauter Bilder und manchmal völlig nicht zusammenhängende Laute. Er muss für einen Moment seine Fassade bröckeln haben lassen, denn sie sieht ihn verwirrt an, vielleicht liegt es aber auch gar nicht an ihm. Trotzdem, ihr Blick, die Augen… „Kätzchen“ dieses Wort und wieder das Bild von diesem Mann mit den braunen Haaren und den blauen Augen. Aber dann ist es weg und er kann es nicht greifen, kann sich die Bilder kaum noch zurück in den Kopf rufen, auch wenn er weiß, dass sie da waren.
„Es geht mir gut“, Tiuri schiebt alles hinter sich und besinnt sich darauf was Aurian ihn gefragt hat. Es geht ihm zwar an diesem Tag und hier an diesem Ort, nach dem er draußen spazieren gegangen ist, wirklich besser, aber eigentlich ist dieser Satz eine glatte Lüge. Aber nichts in seiner Stimme, seinem Blick würde darauf schließen lassen. In ihm tobt noch der Kampf den er mit sich selbst auszutragen hat, aber äußerlich wirkt er so selbstsicher als würde die ganze Stadt unter seinem Befehl stehen.
„Und wie geht es dir?“ Im gleichen Moment in dem Tiuri die Frage gestellt hat, bereut er sie auch schon wieder. Im Gegensatz zu seiner verschlossenen Miene, kann man in Aurians Augen lesen wie in einem offenen Buch. Darin flammt plötzlicher Schmerz auf, Angst, richtige Panik, all das was er fühlt und nicht zu zeigen vermag wenn andere ihm gegenüber sitzen. Es tut ihm weh, sie so zu sehen und es erinnert ihn so sehr an den ersten Anblick den er von ihr hatte. Geschunden und zerschlagen ist sie vor ihm gestanden in den dunklen feuchten Gängen und in ihr Blick hat von dem Wunsch gesprochen all das zu beenden. Jetzt, wo sie frei ist, wo sie daheim ist, bei Freunden und vielleicht sogar Familie, sollte alles besser sein. Sollte sie nicht langsam wieder glücklich werden und vergessen was passiert ist?
Du selbst kannst doch nicht vergessen, warum denkst du, dass sie es kann? Sie war genauso lange da unten wie du selbst und was man ihr wahrscheinlich angetan hat, geht über gebrochene Finger weit hinaus, sitzt noch tiefer als der elende Pfeil.
„Was hast du so gemacht, die letzte Zeit. Borgil hat erwähnt du arbeitest für die Steinfaust, ich hoffe du hast dich ausgeruht und nicht gleich gearbeitet. Du kommst wohl nicht um mich zu besuchen, was führt dich her?“ Er sucht nach Fragen die ihr nicht zu tief ins Innere fahren, sie nicht zu sehr aufwühlen und die er doch ernst meint, nicht völlig oberflächlich stellt, aber das ist schwierig, denn die Fragen die ihm auf der Zunge liegen bringen ihn teilweise selbst noch aus der Fassung.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aurian am 29. März 2005, 06:45 Uhr
Zögernd setzt sie sich neben den Jungen, der ihr ob der Aussage einer der Mägde so einen entnervten Blick zuwirft, dass ihr ein leichtes Lächeln auf die Lippen kommt. Doch schon die nächste Frage Jens, wie es ihr den gehe, wirft sie aus der Bahn. "Es...es ..... es geht!" Ihre Stimme zittert und ihre Augen strafen ihre Worte Lügen. Toll, du bist so unbrauchbar, dass du nicht mal das obligatorische 'Es geht mir gut' raus bringst. Jeder muss sehen, was mit dir los ist![i] Ihr Blick schweift durch den Raum, doch keiner der Anwesenden nimmt von ihr Notiz. Als sie sich wieder dem Jungen zuwendet, erkennt sie in seinen Augen nichts als Mitleid und Mitgefühl. [i]Kein Wunder, er weiß was geschehen ist! Oder zumindest ahnt er es. Und doch ist es nicht alles, es ist jetzt noch schlimmer! > Was hast du so gemacht, die letzte Zeit. Borgil hat erwähnt du arbeitest für die Steinfaust, ich hoffe du hast dich ausgeruht und nicht gleich gearbeitet. Du kommst wohl nicht um mich zu besuchen, was führt dich her?< Froh, durch seine Frage etwas abgelenkt zu sein, wendet sie sich ihm wieder ganz zu. "Ja ich arbeite als Botenmädchen in der Steinfaust. Und nein, ich habe seit.....seit unserer Rückkehr nicht wieder gearbeitet. Ich...ich habe mich das erste Mal heute wieder nach draussen gewagt." Mit etwas Mühe bringt sie ein schiefes Lächeln zustande, welches jedoch nicht mal im Ansatz ihre Augen erreicht. Eine der Mägde hat ihr einen Krug Ziegenmilch vor die Nase gestellt und als Aurian aufblickt erkennt sie in ihr die, welche sich nach ihrer Rückkehr so rührend um sie gekümmert hatte. "Danke! Nicht nur für das" Sie deutet auf den Becher. "Auch für...für alles andere...vor ein paar Siebentagen..." Die junge Mogbar nickt zum Zeichen des Verstehens, lächelt ihr nochmal zu und wirft einen prüfenden Blick auf Jen. Anscheinend kommt sie zu dem Schluß, dass er noch kräftig genug sei, den sie verschwindet wieder hinter dem Tresen, nicht ohne ihn aber zu ermahnen, sich nicht zu überanstrengen.

Der Blick des Jungen spricht Bände und für einen Augenblick hat Aurian wieder das Gefühl, ihn zu kennen und das nicht nur aus der Kanalisation. Doch sie schiebt diesen Gedanken beiseite. "Sie kümmern sich hier ja rührend um dich. So wies sie sich auch um mich gekümmert haben, ehe Cedric mich abgeholt hat." Sie seufzt leise auf. Cedric! Seit ihrer Rückkehr hatte sie ihn einige Male gesehen, es war, als würde er sich wann immer es geht, als eine Art schützender Schatten in ihrer Nähe aufhalten, unaufdringlich und doch immer da. Er hatte sie wohl auch vor einer vielzahl lästiger Fragen abgeschirmt, zum einen von den anderen Gardisten (und da besonders vor Doug, der sicher schon vor Neugier vergeht, was den im Detail geschehen war) und vielleicht auch vor dem Lord Commander, den nochimmer hatte dieser sie nicht zu den Vorkommnissen befragt.

Erneut reißt sie Jens Stimme aus den Gedanken. "Ich ... wie gesagt ich war heute das erste Mal wieder draussen und habe mir gedacht, ich sehe mal, wie es Borgil geht und bedanke mich auch bei ihm. Immerhin ist er einer der, die mich da untern rausgeholt haben!" Und der einzige von denen die kammen, den ich nicht umgebracht habe! Doch diesen Gedanken behält sie für sich. "Weißt du wo er ist? Und...wie geht es Faraday? Ist sie noch hier?

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aerowen am 29. März 2005, 17:07 Uhr
Als Jorveig erst nicht antwortet, beginnt Aerowen sich schon wieder etwas unwohler zu fühlen.
Vielleicht ignoriert sie mich ja einfach, denkt sie noch, doch in diesem Moment stellt Jorveig ihren Met schon wieder ab und erklärt, dass sie hier ist, um neue Erfahrungen zu machen.
Na, das könnte man von mir ja auch fast behaupten. Nur dass sie wahrscheinlich im Gegensatz zu mir alte Erfahrungen hat, denen sie neue hinzufügen möchte.
Sie streicht unruhig ihren Mantel glatt, schaut sich noch einmal in der Harfe um und mustert die Anwesenden.
"Naja, das Gleiche wie Ihr, schätze ich", antwortet sie schließlich und ihrer Stimme ist nicht zu entnehmen, was sie dabei fühlt. "Ich bin auch auf der Suche nach Arbeit und... nach einem neuen Leben sozusagen."
Sie stellt fest, dass es gar nicht so schwierig ist, mit dieser Frau zu reden, wie sie gedacht hatte. Jorveig scheint tatsächlich sehr freundlich zu sein.
"Ich weiß noch nicht, wo ich heute Nacht schlafen werde", gesteht sie, "Oder was ich hier in dieser Stadt eigentlich machen will. Ich hoffe irgendwie auf den Zufall. Wenn Ihr auch neu hier seid, nehme ich an, dass Ihr Euch auch nicht besonders gut auskennt. Schade, sonst hätte ich Euch nach möglichen Arbeitsplätzen gefragt, das hätte mir vielleicht weiterhelfen können."
Ganz überrascht von ihrer eigenen plötzlichen Redseligkeit, hält Aerowen den Atem an.
Nur weil diese Fremde nett ist, sollte ich ihr trotzdem nicht vertrauen
"Was für Arbeit sucht Ihr denn, habt Ihr ein bestimmtes Handwerk erlernt", fragt sie deshalb, damit sie auch etwas über die Person erfahren kann, mit der sie hier am Tisch sitzt.
Inzwischen hat sie sich endgültig beruhigt und an die Lautstärke und die Menschen im Gasthaus gewöhnt. Jetzt sitzt sie aufrecht und ein gewisser Stolz funkelt in ihrem Blick, als hätte sie sich plötzlich daran erinnert, dass sie eine bedeutende Person ist, der niemand etwas anhaben kann oder vielleicht ist diese Haltung auch nur eine alte Gewohnheit, die aus einer Zeit stammt, die lange vor der Gegenwart liegt.
Aerowen selbst ist sich nicht ganz sicher, woher sie diese stolze Haltung hat, doch sie schiebt den Gedanken daran einfach beiseite und konzentriert sich wieder auf ihre Gesprächspartnerin.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jorveig am 29. März 2005, 23:46 Uhr
Es sieht so aus, als würde Aerowen ihre Nervosität allmählich verlieren und dann wird sie doch tatsächlich beinahe gesprächig. Und ihr fällt auf, dass die Haltung des Mädchens auf einmal anders wirkt. Irgendwie selbstbewusster.
Auf der Suche nach einem neuen Leben? Oh ja, das kommt mir bekannt vor. Scheint so, dass wir etwas gemeinsam haben.
Aber sie ist wohl doch mutiger, als ich zuerst gedacht habe - wenn sie alleine in eine neue Stadt kommt und auf den Zufall hofft.

"Nein, mit Arbeitsplätzen kann ich Euch auch nicht weiterhelfen", sagt Jorveig schließlich und lächelt bedauernd. "Wie gesagt, ich bin selbst auf der Suche."
Wie so oft in der letzten Zeit fragt Jorveig sich, was sie machen soll, wenn sie hier keine Arbeit findet. Nein, nicht daran denken, es wird sich schon etwas ergeben.
"Ein bestimmtes Handwerk habe ich leider nicht erlernt. Ich habe kurze Zeit als Magd gearbeitet und eine Weile im Laden eines Tuchhändlers."
Ein wenig wehmütig denkt Jorveig an ihren Onkel, der stets so griesgrämig und schroff war, ihr aber so viel gelernt hat. Sie vermisst ihn und die Arbeit in seinem Laden.
"Ich frage mich, ob es schwierig sein wird, hier Arbeit zu finden", sagt sie nachdenklich. "Welche Art von Arbeit sucht Ihr denn? Oder wollt Ihr auch das dem Zufall überlassen?"
Ihr Stimme klingt dabei nicht sarkastisch, sondern ehrlich interessiert, vor allem, da sie ja auch selbst darauf hoffen muss, dass sich zufällig etwas für sie ergibt.
"Könnt Ihr lesen und schreiben?"
Vielleicht ist diese Frage, die ihr im Zusammenhang mit dem Beruf eingefallen ist, dumm, vielleicht kommt Aerowen ja aus einer Stadt, in der das üblich ist. Jorveig hat zu lange bei den Steppenreitern gelebt und sich in Edola zu sehr auf ihre unmittelbare Umgebung konzentriert um zu wissen, ob diese Fähigkeiten für andere Menschen normal sind oder ob sie etwas besonderes darstellen.
Sie lächelt ihre Gesprächspartnerin entschuldigend an. "Verzeiht mir, das war eine dumme Frage. Schließlich geht mich das nichts an."
Jorveig hat zwar nicht mehr das Gefühl, dass sie Aerowen durch ein falsches Wort oder eine falsche Geste gleich wieder vertreiben könnte, aber sie ist sich doch nicht sicher, wie sie diese Frage aufnehmen würde.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aerowen am 30. März 2005, 11:50 Uhr
Aerowen lächelt still in sich hinein. Jorveig scheint ihr überraschend ähnlich zu sein, auch wenn sie wohl ein paar Jahre älter ist.
Na wenigstens scheint es nichts Außergewöhnliches zu sein, wenn man ohne einen richtigen Plan in eine solche Stadt zieht
Sie zieht es vor, erstmal nicht auf die vielen Fragen, die Jorveig ihr stellt, zu antworten, sondern blickt wieder schweigend auf ihren Teller. Die letzte Frage die Jorveig gestellt hat, lässt sie wieder sehr nachdenklich werden.
Ja, wenn ich das denn wüsste, wäre ich wohl froh. Was soll ich darauf denn antworten? Ich könnte einfach gar nichts sagen...
Geistesabwesend beißt sie sich auf ihre Unterlippe und denkt an ein paar Schriftzeichen, die sie kennt oder zumindest mal gekannt hat. Jetzt kann sie sich kaum noch erinnern, was die einzelnen Zeichen bedeuten und sie zu schreiben wäre wohl eine große Herausforderung.
"Nein, schreiben kann ich nicht", murmelt sie schließlich, als schon ein paar Minuten verstrichen sind, "Lesen kann ich bruchstückhaft. Die meisten Wörter erkenne ich irgendwie, aber einige sind zu schwierig."
Sie schweigt wieder, isst ein Stück Brot und merkt dabei, dass von ihrer Suppe schon fast nichts mehr übrig ist.
Wenn ich hier fertig bin, muss ich unbedingt nach einer Unterkunft suchen
Da beginnt eine Idee sich in ihrem Kopf zu formen. Sie öffnet schon den Mund, um etwas zu sagen, schließt ihn dann aber doch wieder.
Ich habe noch nicht mal ihre Frage beantwortet, erinnert sie sich und unterdrückt ein Seufzen, als ihr klar wird, dass sie wohl doch einiges über sich selbst preisgeben muss, um mehr von ihrem Gegenüber zu erfahren.
"Nein, ich habe nichts Bestimmtes gelernt. Ich weiß nicht genau, welche Arbeiten mir liegen, daher muss ich wohl oder übel alles dem Zufall überlassen. Aber ich bin mir für die wenigsten Arbeiten zu schade, daher hoffe ich einfach, dass ich Glück habe."
Sie hält einen Augenblick inne und betrachtet nachdenklich ihre feinen Hände. Auch wenn sie ein bisschen dreckig sind, sehen sie nicht nach Arbeitshänden aus.
Wer weiß schon, für welche Arbeit solche Hände geeignet sind?
Sie schiebt den Gedanken entschlossen wieder beiseite. Wenn sie schon ein Gespräch begonnen hat, dann will sie es jetzt auch weiterführen.
"Wisst Ihr schon, wie Ihr mit der Suche anfangen wollt?", fragt sie, "Ich meine, habt Ihr vielleicht eine Ahnung, wie man soetwas am besten anstellt? Ich muss gestehen, ich weiß nicht sehr viel von solchen Dingen, aber vielleicht..." Sie bricht ab und man merkt, dass sie innerlich schon wieder angespannt ist. Wieder geistert diese Idee durch ihren Kopf und sie beschließt Jorveig einfach danach zu fragen, auch wenn sie sich dabei nicht gerade wohl fühlt. Schlimmer als ein nein kann die Antwort ja eigentlich nicht sein. "Ich meine nur, vielleicht könnten wir uns zusammen auf die Suche begeben. Zu zweit ist eine Stadt voller Fremde nicht mehr ganz so bedrohlich, finde ich."
Sie versucht die Frage zwanglos und freundlich wirken zu lassen, aber mehr oder weniger vergeblich. Sie hasst es, Jorveig so um Hilfe zu bitten, aber ihr Verstand sagt ihr, dass es dumm ist, allein durch eine Stadt zu gehen, in der man sich so wenig auskennt.
Ich weiß gar nicht, ob es einen Sinn hat, sie danach zu fragen. Sie kennt sich hier ja selbst nicht aus
Aber es ist schon zu spät. Sie hat die Frage gestellt und wartet nun mit klopfendem Herzen auf die Antwort. Sie weiß nicht genau, wovor sie mehr Angst hat. Davor, noch mehr Zeit in Jorveigs Gesellschaft zu verbringen oder davor, völlig allein und verloren versuchen zu müssen, irgendwie ihr neues Leben zu beginnen. Aber wenn sie innerlich auch sehr aufgeregt ist, gelingt es ihr doch irgendwie, ihre selbstsichere Haltung einigermaßen beizubehalten.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jorveig am 30. März 2005, 16:48 Uhr
Jorveig glaubt schon, sie hätte Aerowen doch wieder verschreckt mit ihrer Frage, da das Mädchen so lange schweigt, aber schließlich antwortet sie doch noch.
<"Die meisten Wörter erkenne ich irgendwie, aber einige sind zu schwierig.">
Bei diesen Worten nickt Jorveig verständnisvoll. Nur zu gut erinnert sie sich noch daran, wie ihr Onkel halbe Tobsuchtsanfälle bekommen hat, weil sich beim lesen lernen so ungeschickt angestellt hat. Jetzt hat sie damit zwar keine Schwierigkeiten mehr damit, aber noch immer ist ihr der Umgang mit Zahlen lieber als der mit Wörtern.
Nach ihrer Frage, wie Jorveig mit der Suche beginnen wolle, druckst Aerowen ein wenig zögerlich herum, bis sie schließlich mit der Sprache herausrückt: <"Ich meine nur, vielleicht könnten wir uns zusammen auf die Suche begeben. Zu zweit ist eine Stadt voller Fremde nicht mehr ganz so bedrohlich, finde ich.">
Jorveig sieht sie überrascht an. Da das Mädchen es anfangs kaum gewagt hat, sich zu ihr an den Tisch zu setzen, erstaunt dieser Vorschlag sie ein wenig. Sie überlegt, was sie ihr antworten soll. Eigentlich ist die Idee nicht so schlecht. Sie scheint ein nettes Mädchen zu sein und wird mich wohl nicht mit neugierigen Fragen belästigen. Aber ob ich ihr eine Hilfe sein kann? Ich kenne mich doch selbst nicht aus in der Stadt.
Jorveig mustert ihre Gesprächspartnerin nachdenklich. Sie weiß nicht, wie alt Aerowen genau ist, aber ihr Versuch, trotz ihrer sichtbaren Anspannung möglichst ruhig zu wirken, erinnert Jorveig irgendwie stark an ihre jüngere Schwester und das gibt letztendlich den Ausschlag.
Sie lächelt Aerowen an. "Ich weiß auch nicht genau, wie ich bei der Suche am ehesten vorgehen will, aber vier Augen sehen mehr als zwei, nicht wahr? Also könnte es für uns beide von Vorteil sein, wenn wir gemeinsam suchen.
Ich habe auf dem Weg in die Harfe eine Anschlagstafel am Marktplatz gesehen. Vielleicht steht dort etwas Hilfreiches. Ich wollte die Tafel heute noch genauer ansehen. Wollt Ihr mitkommen? Ich würde nur gern noch meinen Umhang aus meinem Zimmer oben holen", Jorveig deutet bei diesen Worten auf die Stufen, die in die oberen Stockwerke der Harfe führen, "aber danach könnten wir gehen. Was meint  Ihr?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 30. März 2005, 22:04 Uhr
Aurians Antwort klingt tatsächlich nicht allzu überzeugend und sie bedankt sich freundlich bei der Mogbar, für was auch immer, eben für alles, welche Tiuri auch gleich wieder mustert und ermahnt. Der Junge legt einen leicht genervten Gesichtsausdruck auf, aber eigentlich ist er nicht wirklich böse, nicht einmal wirklich genervt. Sie kümmern sich in der Harfe, wie auch Aurian fest stellt, wirklich rührend um ihn und auch um Faraday. Er hat Glück im Unglück gehabt, kann froh sein, dass Borgil ihn mitgenommen hat und hier für einige Zeit wohnen lässt. Immerhin hat er keine Möglichkeit sonst irgendwo hin zu gehen. An die, ihn bemutternden Schankfrauen und Köchinnen, hat er sich schon längst gewohnt, mehr noch, jede einzelne von ihnen lieben gelernt. Keinen Tag lässt er es aus sie alle freundlich zu begrüßen und ruht nicht, ehe er nicht jede von ihnen gefunden hat.
Aurian lächelt ihn etwas schief an und wieder wird Tiuri dabei von ihren Augen gefangen gehalten. Einen Moment länger verharrt er und schaut ihr tief in die grünen Katzenaugen, aber ihr Geheimnis will sich nicht vor ihm lüften und ansonsten kann er nur Schmerz darin lesen. Schmerz den er ihr gerne erspart hätte, aber keine Möglichkeit hatte, angekettet in der kleinen Zelle. Er kann sich noch gut daran erinnern als Blutaxt zu ihr gegangen war, als er ihren Schrei gehört hat. Sie hat abgestritten, dass etwas passiert ist, hat gesagt es ginge ihr gut, aber Tiuri glaubt ihr auch jetzt noch kein Wort.
>Ja ich arbeite als Botenmädchen in der Steinfaust. Und nein, ich habe seit.....seit unserer Rückkehr nicht wieder gearbeitet. Ich...ich habe mich das erste Mal heute wieder nach draußen gewagt.<
Jetzt ist es an Tiuri zu lächeln und sein Blick flirrt ganz automatisch in Richtung Türe. Wenn er daran denkt spürt er schon die Sonne im Gesicht und er schließt für einen Moment genießerisch die Augen, wie er es auch gemacht hat, als er die Goldene Harfe vorhin verlassen hat. Aurian hat wie er die schützenden Mauern ihres Zimmers zum erste Mal verlassen, nur dass sie gleich bis zur Harfe gekommen ist und er sich halb verendet fühlt nach der Wanderung über den Marktplatz.
Sie ist viel stärker als sie aussieht, sie wird über alles hinwegkommen, sie schafft es, ganz ohne deine Hilfe!
„Alles wird gut!“ Tiuri flüstert die Worte leise vor sich hin, obwohl sie sehr wohl für Aurian gedacht sind. Sein Gesichtsausdruck ist ganz plötzlich ernst geworden und all das Erlebte steht ihm für einen Moment ins Gesicht geschrieben, liegt wie ein unendlich dunkler Schatten in seinen Augen. Das Botenmädchen schaut ihn etwas verwirrt an, schlingt die Arme um den Körper und Tiuri schüttelt den Kopf über sich selbst. Er faselt vor sich hin ohne in ganzen Sätzen inklusive Erklärungen zu reden, wie soll sie wissen was er denkt.
„Ich war heute auch zum ersten Mal draußen“, sagt er und lächelt wieder, ganz als wäre gerade nichts gewesen, als wären sie nur alte Freunde die sich seit längerem zum ersten Mal sehen. Freunde die nie etwas aufregendes miteinander erlebt haben. „Es ist so ein schöner Tag heute, endlich wird es warm und ich konnte es gar nicht mehr erwarten endlich raus zu kommen. Natürlich die Harfe ist fast schon eine Heimat für mich und du hast recht, sie kümmern sich alle rührend um mich, auch Borgil, er ist wahrlich ein guter Kerl... Zwerg. Cedric? Wer ist Cedric?“ greift er Aurians Worte auf, zwar fällt ihm während er das sagt ein, dass Borgil irgendetwas erwähnt hat, dass Aurian von einem Stadtgardisten geholt worden ist, aber er ist ganz eindeutig von einer neugierigen Natur und fragt und spricht so vor sich hin, froh, nicht über die Vergangenheit reden zu müssen.
„Faraday ist noch hier ja, sie ist oben und schläft, es geht ihr schon besser. Wo Borgil ist kann ich dir leider nicht sagen, aber in der Harfe sollte er sein, hab ihn heute noch nicht gesehen. Bestimmt weiß eine von den Damen hier,“ (bei diesen Worten zwinkert er einer der Mägde freundlich zu.) „wo er ist.“
In seiner Hosentasche regt sich krabbelnd und kribbelnd schließlich die kleine Ratte, macht sich mit lautem Fiepen bemerkbar. Tiuri legt sanft die Hand auf die Ausbuchtung die den Aufenthaltsort der Ratte verrät und streichelt mit dem Daumen darüber. Im Schankraum soll er Litli-Vinur eigentlich nicht aus der Tasche holen, denn die Gäste mögen keine Ratten, aber der Kleine ist schon sehr ungeduldig und hat nicht mehr die geringste Lust noch hier zu sitzen und zu warten. Tiuri beugt sich ein Stück zu Aurian nach vorne, holt die Ratte hinaus und lächelt das Mädchen freundlich an.
„Erinnerst du dich noch an meinen kleinen Freund hier?“ Er flüstert, so dass nur Aurian ihn hören kann und hält ihr die Hand mit der Ratte darauf sitzend, unter der Tischplatte hin.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 30. März 2005, 22:27 Uhr
Die Wochen gehen ins Land, der Frühling drängt sich mit Macht in den Vordergrund und der abendliche Heimweg von der Harfe ist endlich nicht mehr so furchterregend dunkel. Weil nun wohl feststeht, dass Sers nicht wieder auftauchen wird - zumindest gab es kein einziges Lebenszeichen, und Nevermore wüsste nicht einmal, wo sie zu suchen anfangen sollte - , ist Aelinor in der Küche schon ganz zu Hause. Es vergeht kein Tag, an dem sie keine Bratenreste oder einige Kuchenstücke mit nach Hause nehmen dürfen, und so kommen sie mit dem Verdienst aus der Harfe gut über die Runden. Auch wenn Nevermore nicht an die Zeit denken darf, wenn ihre Schwangerschaft derart voranschreitet, dass sie nicht mehr arbeiten kann, und wenn sie nach der Geburt einige Zeit aussetzen muss... Wahrscheinlich wird sie sich entweder in der Harfe oder bei Morgana einquartieren, wenn die Geburt unmittelbar bevorsteht, sofern die Heilfrau oder der Gastwirt dies erlauben.

Es ist zwar an diesem Tag voll im Gastraum, aber das laue Wetter sorgt dafür, dass die Gäste eine gelöste und heitere Stimmung ausstrahlen. Bereitwillig rücken die Leute unaufgefordert beiseite, wenn sie sich mit ihrem bereits einigermaßen üppigen Bauch durch den Wald aus Stuhllehnen schlängelt. Sie balanciert zwei Krüge mit Most zu dem Tisch von Tiuri und seiner Begleiterin - der junge Bursche hatte sie ebenso wie alle anderen Schankmägde der Harfe schon mehr als einmal mit phantasievollen (und womöglich größtenteils erfundenen) Geschichten unterhalten. Oft hatte er dabei einen Moment erwischt, in dem sie gerade nichts zu tun hatte und in düstere Grübeleien zu verfallen drohte. Schon deshalb mochte sie den jungen Mann.

Als sie sich dem Tisch nähert, wühlt Tiuri gerade in seiner Hose, auf die die junge Frau gerade ihre Hand gelegt hat, und sie hört ihn leise und verheißungsvoll etwas von seinem "kleinen Freund" sagen. Von Natur aus nicht eben frivol, bemerkt Nevermore, wie ihr die Schamesröte ins Gesicht steigt - sie hatte ja nun um Himmels Willen nicht vorgehabt, in einem verfänglichen Moment zu stören, es blieb immer noch Tiuris Privatsache, wem er was zeigte, doch ziemlich unverschämt fand sie es doch, wenn er dies mitten im gut besuchten Schankraum täte. Sie ist bereits zu nah am Tisch, um unbemerkt noch einmal umzudrehen, dazu ist es auch viel zu eng, sie würde mit dem Bauch etliche Gäste streifen und sich so oder so bemerkbar machen. Mit hochroten Wangen steht sie nun da, die zwei Krüge in der Hand, und kann nur "äh..." sagen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 30. März 2005, 23:02 Uhr
Achtung, die folgenden Ereignisse spielen sich einige Zeit nach dem Tête à Tête in Borgils Schlafgemach ab


Hinter einer hochroten Nevermore, die mit zwei Krügen in der Hand links und rechts ihres runden Schwangerschaftsbäuchleins vor dem Tisch von Borgils jungem Schützling und Aurian steht, taucht prompt ein feuerroter Haarschopf über einem kahlrasierten Schädel auf. Borgil, groß für einen Zwergen, hat gerade noch die letzten Worte Jens aufgeschnappt und blickt Nevermore ohne jegliches Schamgefühl über die Schulter. "Dein "kleiner Freund", verschwindet ganz schnell wieder in deiner Hose, junger Mann," grollt im selben Augenblick sein tiefer, aber durch und durch erheiterter Zwergenbass, "und ich hoffe sehr, daß du damit deine Ratte gemeint hast." Borgils Brauen, die gelegentlich ein seltsames Eigenleben führen, sträuben dabei kupfernde Fühler in die Luft, während sie in gespielter Drohung bedenklich in Richtung Nasenwurzel (und das ist eine gewaltige Nase) wandern. Dann läßt er das Scherzen, klopft dem Jungen auf die Schulter und grinst Aurian an, während er seinen steinharten Zwergenhintern auf einem breiten Stuhl pflanzt, den er sich heranzieht. "Hab von Halla eben gehört, daß du hier bist, also dachte ich mir, ich sehe mal kurz vorbei, wie's dir geht." Schwarze Augen mustern Aurian unaufdringlich, aber aufmerskam, dann wendet Borgil sich an Nevermore. "Mädel, komm setz dich mit her und mach Pause, Aeli ist sowieso in der Küche und steckt mit beiden Händen bis zu den Schultern in der Brotteigschüssel. Hier am Fenster, an die frische Luft und in die Sonne. Bist ein bißchen blaß in letzter Zeit und du sollst nicht soviel laufen, wenn es hier so voll ist mit deinem Bauch." Ohne irgendeine Antwort abzuwarten zieht Borgil die junge Frau neben sich auf ein Stück freie Eckbank und gibt dem Fenster einen kleinen Schubs, so daß es aufschwingt und laue Frühlingsluft hereinläßt. "Aurian, das ist Nevermore, eines meiner Mädchen, Nevermore - das ist Aurian, Botenmädel der Steinfau... äh... Verzeihung, Magieradeptin im Dienst der Steinfaust," stellt er vor. "Malakai bildet sie aus, soviel ich weiß," fügt er hinzu, weil Borgil nun einmal ein alter Tratschzwerg ist und genau weiß, daß Nemo der Name ein Begriff ist. Dann nickt er, wirft einen kurzen Blick in die Runde, bereit, beim allerkleinsten Hinweis die neusten Geschichten, Gerüchte und den Stadtklatsch weiterzugeben, aber deswegen nichtsdestotrotz nach wie vor an Aurians Befinden interessiert. "Ich hoffe, der Tarascon war nicht allzu verstimmt, weil ich heute morgen nicht zu den Hinrichtungen da war und eigentlich sollte der Stadtrat versammelt erscheinen, aber es war nicht zu machen, ich kam hier nicht weg... aber ich schweife ab. Sag, wie ist es dir denn ergangen seit jener unseligen Sithechnacht, Aurian? Hat man dich gut gepflegt?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 30. März 2005, 23:16 Uhr
Nemo schreckt zusammen, als Borgils dröhnender Bass nahe ihrer Schulter das ausspricht, was sie eben versucht hatte, nicht zu denken, und lässt die Krüge beinahe fallen. Doch die Situation löst sich gleich in fröhliches Lachen auf, und ehe sie es sich versieht, hat Borgil sie schon auf eine Eckbank befördert. Sie sitzt dort, dankbar für die Pause, aber auch sehr beengt und befürchtet bei jeder ausladenden Bewegung, die Borgil beim Sprechen vollführt, einen zwergischen Ellbogen in den Bauch gerammt zu bekommen.

Nach der Vorstellungsrunde, in der sie erfährt, wie die junge Frau am Tisch mit einem gemeinsamen Bekannten verbunden ist (denn sie erinnert sich natürlich an den früheren Gefährten ihrer alten Freundin Kizumu), ist Nevermore ganz froh darüber, dass sie nun größtenteils unbeobachtet ist. Ihr Bauch verschafft ihr schon mehr Aufmerksamkeit als ihr lieb ist, und so lässt sie ihn ausnahmsweise mal in voller Pracht heraushängen und lehnt sich zurück, die frische Luft genießerisch einatmend und dem lebhaften Gespräch lauschend.

Der Name "Tarascon" fällt, und sie horcht auf; wer weiß, was Borgil, der ja jeden in der Stadt kennt, so über die Gemahlin des Lord Commanders herauslässt. Irgendwann muss ich Kizumu endlich einmal besuchen,, nimmt sie sich zum hundersten Mal vor, doch angesichts ihrer geschwollenen Füße und Knöchel und der angenehmen Träge, die sie gerade befällt, wird es heute wohl auch wieder nur bei dem Vorsatz bleiben.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Runwin am 30. März 2005, 23:26 Uhr
Trotz des wunderbaren Reisewetters scheint es ein junger Mann von vielleicht sechzehn oder siebzehn Sommern recht eilig zu haben, die Stadt zu erreichen und sich in einer der Tavernen endlich mit einem herzhaften Verder Kupfer den Straßenstaub aus der Kehle zu spülen.

Seinem Äußeren nach zu urteilen ist er wohl schon etwas länger unterwegs, und einiges deutet darauf hin, daß er den Besuch in einem guten Gasthaus mehr denn nötig hat. Das recht lange, rotbraune Haar weist mittlerweile mehr Knoten auf als der durchschnittliche azurische Knüpfteppich. Darüber können auch die hübschen Federn darin oder das aus bunten Stoffen gefertigte Haarband hinwegtäuschen, welches die feinen Locken im Nacken locker zusammenhält.

Auch die schlichte Kleidung vertrüge mittlerweile ein paar Runden auf dem Waschbrett, riecht es doch mittlerweile recht intensiv nach Gras, Erde und sonstigen Düften einer längeren Wanderung. Zusammen mit den erdigen Händen und dem momentan nicht ganz so sorgfältig geschnittenen Ziegenbärtchen gibt der junge Mann im Moment also das Bild eines typischen Landstreichers ab.

Einzig dem sonnigen Lächeln auf seinen Lippen und den freundlich wirkenden Bernsteinaugen hat er es zu verdanken, daß die Anzeichen einer strapaziösen Reise seine liebenswerte Ausstrahlung nicht gänzlich zu überdecken vermögen.

"Die Wanderslust hin, die Wanderslust her
Heut Nacht schlaf ich gut wie lange nicht mehr..."

Fröhlich pfeifend passiert er das Stadttor und blickt sich neugierig um. Eine der letzten Städe der Mittlande, welcher er noch keinen Besuch abgestattet hat - mal sehen, was ihm da wohl bisher so entgangen ist.

"HOI!" ruft er dem nächstbesten Passanten zu, während er schon mit eiligen Schritten an diesen herantritt, ehe der arme Bürger sich noch abwenden und so tun kann, als hätte er den Ruf des Fremdlings nicht bemerkt. "Der zwölffache Segen über Euch, guter Mann - sagt, könntet Ihr einem müden Wanderer den Weg zum nächsten Gasthof weisen?"

Der Stadtbewohner mustert den Neuankömmling zwar einen Moment lang überaus mißtrauisch, daß dieser jedoch zumindest fähig scheint, gerade Sätze recht dialektfrei zu sprechen, läßt ihn zumindest knapp antworten: "Folgt einfach der Straße, bis ihr zur Brück gelangt - an der Abzweigung dahinter nehmt ihr den rechten Weg, dann gelangt ihr direkt zum Marktplatz - ist nicht zu verfehlen, die Harfe..."

Während sich der Bürger wieder aufmacht, weiter seinem Tagewerk nachzugehen, macht sich jung Runwin also auf dem Weg zur Goldenen Harfe, um dort erstmal sein Glück zu versuchen.

Tatsächlich ist die Taverne keineswegs zu verfehlen, sodaß der Junge schon bald zwischen den gutgefüllten Tischen umherwandert auf der Suche nach einem freien Platz.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aurian am 31. März 2005, 06:41 Uhr
"Cedric ist einer der Gardisten, ein Freund" Beim Anblick der Ratte in Jens Hand zuckt Aurian zusammen und rückt unmerklich etwas von ihm ab. Sicher, sie erinnert sich an den kleinen Nager, den der Junge in der Kanalisation aufgelesen hatte, doch sieht sie vor ihrem geistigen Auge nicht diesen putzigen Gesellen sondern jenes fette Tier mit glühenden Augen, dass sich in Blutaxts Kammer an ihrem Leid ergötzt hat. Und die Lawine der Ratten die sie durch die Gänge verfolgt hat. So ist sie ganz froh, als mit einem Mal Borgil hinter einer der Mägde auftaucht und mit seinem Brummbass den Jungen dazubringt, das Tierchen wieder in der Tasche verschwinden zu lassen. Kurz darauf lässt sich der Wirt auf einen der Stühle plumpsen, der bedrohlich knarrt, dem Gewicht aber standhält. Die Strapazen des Abenteuers scheint Borgil gut überstanden zu haben, wohl werden einige Narben auf seinem Körper hinzugekommen sein doch sonst scheint er eindeutig wieder ganz der Alte zu sein.

Aurian nickt der  jungen Frau zu, die sich auf Geheiß des Zwerges zu ihnen setzt und die als Nevermore vorstellt. Sie ist hochschwanger und Aurian zuckt erneut zusammen, jedoch nur ganz unmerklich und ein seltsamer Funken glimmt in ihren Augen auf. So wirst du in einigen Mondläufen auch aussehen, wenn es dir nicht gelingt, was du dir vorgenommen hast. Nein, es muss gelingen, ich kann sein Kind nicht bekommen, nicht seines und nicht nachdem wie ich es empfangen habe! Die junge Frau ist froh, dass die Worte des Wirtes sie aus den Gedanken reissen. >Magieradeptin im Dienst der Steinfaust.< Eine feine Röte überzieht ihr Gesicht und ihr Blick sucht Jens. Eigentlich hatte sie vor ihre Magie zu verdrängen. dochj irgendwie scheinen alle etwas dagegen zu haben, erst Malakai und jetzt Borgil, der anscheinend vergessen hat, was sie mit ihrer Zauberei angerichtet hat. Immerhin sind einige seiner Freunde dadurch gestorben, durch ihre Schuld verschüttet in den Tiefen der Stadt. Aurian räuspert sich. "Ja danke, es geht. Sie haben sich gut um mich gekümmert, seit Cedric mich abgeholt hat." Genau spürt sie Borgils prüfenden Blick, der ihre schmale Gestalt mustert und anscheinend nicht ganz daran glauben will. Wie soll der Zwerg auch wissen, dass sie kaum noch etwas isst, es einfach nicht hinunterbringt, und damit die Mägde der Steinfaust beinahe in den Wahnsinn treibt.  "Ich kann Euch leider nicht sagen, ob der Lord Commander verstimmt ist, ich habe nicht seit...seit...seit der Sitechnacht. Und von Hinrichtungen weiß ich nichts!" Ich weiß genau genommen gar nichts was in letzter Zeit vorgefallen ist. Aber es ist auch so egal! " Ich, ich wollte mich bei Euch bedanken, für ....dafür dass Ihr mich da rausgeholt habt. Ich meine ich... ohne mich..wären..." sie stockt und nervös spielt sie mit ihrer Kette. "..ohne mich wären Eure Freunde, der Sturmlord und die Frau wohl noch am Leben. Verzeiht mir!" Ihre letzten Worte sind so leise, dass sie kaum zu hören sind. Sie weiß auch nicht wie viel Nevermore von der Geschichte weiß, aber vermutlich weiß ohnehin ganz Talyra Bescheid. In einem ersten Impuls will sie aufspringen und davon rennen, doch ist das im Gedränge der Harfe unmöglich. So bleibt sie sitzen und wagt es nicht, irgendjemanden anzusehen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 31. März 2005, 07:27 Uhr
Aurian scheint gar nicht so begeistert zu sein vom Anblick Litli-Vinurs, aber Tiuri wird abgelenkt von Nevermore die mit einem hochroten Kopf beinahe in sie hinein gerannt wäre, weil sie aus irgendeinem Grund, der vermutlich auch ihre Gesichtsfarbe neu definiert hat, die Bremse nicht gefunden hat. Tiuri kann die Ratte gar nicht so schnell verstecken wie er möchte, damit sie unentdeckt bleibt und Nevermore nicht wütend wird. Aber fast noch im selben Augenblick taucht Borgil von hinten auf und sein dröhnender Bass, bringt endlich Klarheit in die Sache und erklärt auch warum Nevermore aussieht als wäre sie gerade ungewollt in ein Hurenhaus geraten. Borgil klingt nicht minder erheitert, als er Tiuri dazu auffordert den „Kleinen Freund“ wieder in seiner Hose verschwinden zu lassen, als Tiuri sich fühlt. Er prustet los bei dem Gedanken, schüchtern oder recht unschuldig war er ja noch nie, obwohl es anbetracht Aurians jüngster Vergangenheit etwas an Lustigkeit verliert. Tiuri kann trotzdem nicht aufhören zu lachen, wobei ihm die Ratte auch noch entkommt und den Arm bis zur Schulter nach oben läuft. Von dort fiept sie Nevermore schließlich an, worauf bei dieser auch endlich wieder ein Unterschied zwischen Haar- und Hautfarbe zu erkennen ist.
Borgil hält sie dazu an sich ebenfalls an ihren kleinen Tisch zu setzen und die junge Schankmagd scheint froh zu sein die Füße entlasten zu können und ausnahmsweise einmal nicht den Bauch einziehen zu müssen. Tiuri lächelt sie unwillkürlich an. Er mag die junge Frau, ihre Tochter ganz besonders, die sogar die unglaublichsten seiner Geschichten noch für wahr hält und außerdem bekommt Tiuri immer wieder dieses seltsame Gefühl von Erinnerung wenn er sie ansieht.
Borgil plaudert gleich aus dem Nähkästchen über Aurian, als wäre sie gar nicht neben ihnen und hätte selbst keine Zunge um zu erzählen. Dass sie gar nicht nur ein einfaches Botenmädel ist, sondern von Maester Malakai die Lehren der Magie zu Gemüte geführt bekommt. Etwas, das Tiuri sich auch hätte denken können, nach dem was er von ihr in der Kanalisation gesehen hat. Jemand mit solchen Fähigkeiten war nicht einfach nur ein Botenmädchen. Der nächste Name der fällt bringt den Jungen zum Überlegen, er hat ihn unter Garantie schon einige Male im Schankraum aufgeschnappt, aber erst bei dem Wort „Hinrichtung“ fällt ihm ein, dass Olyvar von Tarascon der Lord Commander der Steinfaust ist, ein wichtiger und angesehener Mann in der Stadt. Trotzdem zieht Tiuri ganz unwillkürlich die Schultern ein Stück nach oben, obwohl der Lord Commander, selbst wenn er ihm gegenüberstehen würde nicht sehen könnte, dass Tiuri ein Dieb ist.
Außerdem hast du dir in letzter Zeit und hier in Talyra ja noch gar nicht wirklich etwas zu schulden kommen lassen, das wäre etwas anderes in…
Aurians Stotterei reißt ihn aus seinen Gedanken und lässt ihn verwundert aufblicken. Natürlich sie kommt um sich zu bedanken, aber ihre folgenden Worte lassen ihn doch stutzen.
>Ich, ich wollte mich bei Euch bedanken, für ....dafür dass Ihr mich da rausgeholt habt. Ich meine ich... ohne mich..wären... ohne mich wären Eure Freunde, der Sturmlord und die Frau wohl noch am Leben. Verzeiht mir!<
Erst einen Moment später geht ihm ein Licht auf, Aurian hat heute zum ersten Mal die Steinfaust verlassen, keiner hat ihr gesagt, dass Raven und Caewlin noch am Leben sind und sie hat sich ganz eindeutig die ganze Zeit Schuldgefühle gemacht. Am liebsten würde er laut raus schreien, dass die beiden elenden Nordleute aus der Kanalisation geklettert sind und danach in einen Baum gestiegen, wobei dieser Baum Tiuri immer noch Kopfzerbrechen bereitet. Aber er bleibt still, Borgil sollte besser erzählen, er kennt den Sturmlord besser und er kennt auch Raven, im Gegensatz zu Tiuri, der einfach nur genug Tratsch in der Schankstube zu hören bekommt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 31. März 2005, 08:33 Uhr
Ein Weilchen sitzt Nevermore daneben und lauscht den Anspielungen, die zwischen Borgil, Jen und Aurian hin- und hergehen, bemerkt aber, dass sie kaum eine versteht und wohl kaum etwas Neues von Kizumu hören wird. So verliert sich ihr Interesse schnell wieder, und Aurians skeptischer Blick in ihre Richtung, ob sie denn in all diese Geschehnisse eingeweiht werden kann, wird unnötig, denn Nevermore döst beinahe ein auf ihrer Eckbank. Ihr Nachtschlaf ist durch den Bauch schon so empfindlich gestört, dass sie nicht weiß, wie sie die letzten Monde bis zum Hochsommer, bis zur Niederkunft, noch überstehen soll.

Als ein weiterer Gast die Harfe betritt und sich durch die Tische schlängelt, hört sie erst nur sein gemurmeltes "Hoppla" und "Darf ich, danke", doch Borgil ist offensichtlich so vertieft in den Stadtklatsch und -tratsch, dass er nicht daran denkt, den Neuankömmling nach seinen Wünschen zu fragen. Also seufzt sie leise und löst sich aus ihren Tagträumen,  setzt sich aufrecht hin und schlägt die Augen auf, um den Gast zu suchen.

Als sie ihn endlich findet, springt sie beinahe über den Tisch - ist etwa Reed zurückgekehrt?! Wie im Traum nähert sie sich der zottelmähnigen, knabenhaften Gestalt, die mit dem schmalen Rücken zu ihr sitzt, und zu jedem ihrer Schritte singt ihr Verstand den Takt: Jo-ey... Jo-ey...Jo-ey... Doch das Gesicht, das sich ihr zuwendet, ist zwar genauso liebenswert, lustig, aufgeweckt und ihr auf Anhieb sympathisch wie das des jungen Gauklers, doch genauso unverwechselbar handelt es sich nicht um ihn, sondern um einen Fremden, der sie mustert, offenbar schon einen Scherz oder seine Bestellung auf den Lippen.

Wie vom Donner gerührt bleibt Nevermore einige Schritte entfernt stehen und macht vermutlich ein Gesicht, als hätte ihr eben jemand den Boden unter den Füßen weggerissen. Sie kann nicht einmal ein höfliches Lächeln zusammenbringen und ihn nach seinen Wünschen fragen, so enttäuscht ist sie  - obwohl der hübsche junge Mensch wirklich kein enttäuschender Anblick ist, im Gegenteil!


Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 31. März 2005, 09:46 Uhr
An einem der Tische in der Harfe


Borgil blickt gerade mit sorgenvoll gefurchter Stirn Nevermore hinterher, die es nicht lange bei ihnen am Tisch aushält und sich des neuesten Harfengastes annimmt... irgendein langes, rothaariges Elend, das sich in der Schankstube umschaut. Da er Reed zwar gekannt hat, ihn dann aber doch mit etwas anderen Augen als Nevermore gesehen haben dürfte, sticht ihm die äußerliche Ähnlichkeit in Haltung und Gestalt des Fremden nicht derart frappierend ins Auge und er beachtet die beiden nicht weiter... abgesehen davon wird er ohnehin von Aurians Worten vollkommen abgelenkt. >Ich kann Euch leider nicht sagen, ob der Lord Commander verstimmt ist, ich habe nicht seit...seit...seit der Sitechnacht. Und von Hinrichtungen weiß ich nichts!< In Aurians Tonfall schwingt deutlich ein Unterton von resignierter Verzweiflung mit und ihre Miene ist mehr als alarmierend... dennoch fährt sie fort, zu sprechen, etwas das ihr offenbar auf der Seele liegt, obwohl sie so aussieht, als würde sie liebend gern in einem Mäuseloch versinken. >Ich, ich wollte mich bei Euch bedanken, für ....dafür dass Ihr mich da rausgeholt habt. Ich meine ich... ohne mich..wären... ohne mich wären Eure Freunde, der Sturmlord und die Frau wohl noch am Leben. Verzeiht mir!<
"Äh..." macht Borgil leicht hilflos, von jungen Hunden, kleinen Kindern und Mädchen in Nöten (wenn auch hier in Seelennöten) stets unfehlbar aus der Fassung zu bringen. "Äh... Mädel, nananana..." Am liebsten hätte er ihr beruhigend die Schulter getätschelt, besinnt sich aber gerade noch rechtzeitig auf ihre Aversionen gegen körperliche Nähe. "Du hast doch nicht etwa dir die Schuld gegeben?" Echot er, als er begreift, was sie offenbar so quält und echter Unglauben schwingt in seiner Stimme mit. "Also hör mal! Es war ein Kampf auf Leben und Tod, da versucht man eben alles, man kämpft mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln... und deines war Magie. Das hätte jeder getan und du konntest nicht wissen, was passieren würde. Abgesehen davon hat es da durch Loas Öl schon überall gebrannt, überall war Chaos, die Felsen waren porös, die Hitze zu groß... die Hallendecke hätte ohnehin nicht mehr gehalten, ob nun mit oder ohne Hokuspokus... und ich bin ein Zwerg, wir verstehen was von Stein und Fels, du kannst mir glauben! Und außerdem..." ein langsames, entzücktes Grinsen macht sich unter Borgils gewaltigem, rotem Bart breit, "außerdem sind Caewlin und Raven gar nicht tot." Dann nimmt er bedächtig und langsam, damit er sie nicht erschreckt, Aurians schmale, blaße Hände in seine Zwergenpranken und sieht sie bedeutsam an. "Hörst du, was ich sage, Mädel? Der Sturmender und die Frau, Raven, die wir vor Whytfisk retten wollten, sie sind nicht tot. Sie wurden verschüttet, ja, aber sie fanden einen anderen Weg nach oben, gepriesen sei der Weltenschmied. Jetzt sind sie bei Lady Niniane im Baum, wo sie den ganzen Winter über gesund gepflegt wurden... sie waren in übler Verfassung. Nach allem, was ich bisher von Lady Niniane gehört habe - und das war ausnahmsweise einmal nicht viel - hat Caewlin diesem Weißfisch den Schädel eingeschlagen." Und teuer dafür bezahlt, fügt er in Gedanken hinzu, aber das spricht er nicht aus. Aurian hatte am Tod Phelans und Calyras von Sturmende nun wirklich keine Schuld, da muß er die freudigen Neuigkeiten, die er für sie hat, nicht gleich mit einem "Aber..." dämpfen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aerowen am 31. März 2005, 11:47 Uhr
Aerowen isst langsam den Rest ihres Brotes, während sie spürt, wie Jorveig sie mustert und fragt sich unwillkürlich, was die junge Frau wohl über sie denken mag. Sie scheint überrascht zu sein über den Vorschlag gemeinsam die Stadt zu erkunden, aber Aerowen selbst ist etwas verblüfft darüber, dass sie diese Frage wirklich gestellt hat. Wieder fällt ihr auf, dass es gar nicht so schwer ist, mit Menschen zu reden, solange diese nicht zu neugierig sind.
Vielleicht war es doch eine gute Idee, sie zu fragen. Auch wenn sie vielleicht ablehnt
Sie blickt auf und Jorveig lächelt sie an, als sie beginnt zu sprechen.
>Ich weiß auch nicht genau, wie ich bei der Suche am ehesten vorgehen will, aber vier Augen sehen mehr als zwei, nicht wahr? Also könnte es für uns beide von Vorteil sein, wenn wir gemeinsam suchen. Ich habe auf dem Weg in die Harfe eine Anschlagstafel am Marktplatz gesehen. Vielleicht steht dort etwas Hilfreiches. Ich wollte die Tafel heute noch genauer ansehen. Wollt Ihr mitkommen? Ich würde nur gern noch meinen Umhang aus meinem Zimmer oben holen<
Aerowen folgt mit dem Blick Jorveigs Finger, als diese auf die Stufen zeigt. Sie spürt überrascht, wie erleichtert sie über diese Antwort ist und nickt, als Jorveig meint, dass sie gehen könnten, sobald sie ihren Mantel geholt hat. Sie ist zwar immer noch nicht gerade glücklich darüber, dass sie sich auf andere Menschen angewisen fühlt, aber ihre Vernunft siegt letztendlich über ihr Gefühl.
Es ist ja auch nur für heute, beruhigt sie sich selbst und sagt dann laut:
"Ja, das klingt nicht schlecht. Ich warte solange hier auf Euch, während Ihr Euren Mantel holt. Die Idee mit der Anschlagstafel ist gut, denke ich."
Ihr Tonfall klingt eher ein wenig diplomatisch, als erfreut, aber sie meint es trotzdem ehrlich. Sie sieht in Jorveigs braune Augen und zieht die Augenbrauen einen Moment irritiert zusammen. Sie ist sich sicher, dass sie die Frau nicht kennt, aber diese braunen Augen kommen ihr irgendwie bekannt vor. Verwirrt schüttelt sie den Kopf.
Alles Vergangenheit, das ist jetzt nicht mehr wichtig, denkt sie und schaut wieder weg. Trotzdem ist die Versuchung groß, Jorveig wieder anzuschauen, um vielleicht herauszufinden, an wen die braunen Augen sie erinnern.
Das ist dumm, es gibt hunderte Menschen mit braunen Augen
Um sich abzulenken, isst sie ihren Teller Suppe leer und schaut sich schon mal nach der Schankmagd um, damit sie bazehlen kann.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Runwin am 31. März 2005, 11:56 Uhr
Freudig wendet sich der Junge um, als er aus den Augenwinkeln jemanden von hinten auf sich zukommen bemerkt. In einer rege besuchten Taverne wie dieser sofort die Aufmerksamkeit einer Schankmaid zu erregen ist eine recht glückliche Wendung des Schicksals, auch wenn er im Moment befürchtet, der mäßige Zustand seines Äußeren könnte wohl der Hauptgrund dafür sein.

"Ah, Ihr müßt woh..." setzt er gerade mit einem strahlenden Lächeln an, unterbricht sich aber jäh, als er des Gesichtsausdrucks der jungen Frau gewahr wird. Im ersten Moment läuft es ihm eiskalt über den Rücken - bietet er tatsächlich schon einen solch verwahrlosten Anblick, daß ein Mädchen aus diesem Grunde dermaßen geschockt sein könnte?

Dann aber fällt sein Blick auf die Wölbung ihres Bauches und ihm dämmert die - fälschliche - Erkenntnis, damit den Grund ihres wunderlichen Verhaltens gefunden zu haben.

Ohja, er kann sich noch genau an jenen Gesangsabend erinnern, an welchem die arme Vettel mitten im Garten des Lyr Tempels zusammengebrochen ist. Er selbst ist damals ein kleiner Junge von vielleicht neun oder zehn Sommern gewesen, und hat freilich nicht verstanden, weshalb die nette Dame plötzlich die Kraft verlassen hat, wo sie doch offenbar an keiner Krankheit gelitten haben dürfte.

Deutlich erinnert er sich noch an die Worte des Lyr Priesters - daß Frauen mit gesegnetem Leib die Kraft für zwei Wesen aufbringen müssen und darum nicht selten Müdigkeit und Schwächeanfällen unterliegen.

Rasch springt er also nun auf und legt hastig die wenigen Schritte zwischen sich und der jungen Frau zurück, um nach ihrer Hand zu greifen und ihr den Arm als Stütze anzubieten. "Ist mit Euch alles in Ordnung, gute Frau?" platzt er heraus in Ermangelung sinnvoller Worte.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jorveig am 31. März 2005, 12:47 Uhr
Als Aerowen zustimmt, steht Jorveig auf. Kurz ist sie ein wenig irritiert über den intensiven, fast prüfenden Blick mit dem das Mädchen sie mustert, aber dann lächelt sie nocheinmal, dreht sich um und geht die Treppen hoch.
Sie ist immer noch ein wenig verblüfft darüber, dass sie sich nun anscheinend doch nicht völlig einsam auf Arbeitssuche begeben wird, aber eigentlich ist sie ganz froh darüber, wie sich die Dinge entwickelt haben.
Aerowen ist ihr sympathisch, auch wenn sie sie immer noch nicht so ganz durchschauen kann, und sie hat zudem das Gefühl, dem Mädchen eine kleine Hilfe zu sein.
Jorveig schließt die Tür zu ihrem Zimmer auf und greift nach dem Umhang, den sie vorhin achtlos auf das Bett geworfen hat. Sie legt sich den warmen Wollstoff um die Schultern und befestigt ihn mit ihrer Fibel und will sich schon wieder zum Gehen wenden, als sie doch noch einmal zögernd stehen bleibt. Soll ich mein Geld lieber mitnehmen oder hier lassen? Ob es sicherer ist, wenn ich es im Zimmer verwahre? Ich kann ja die Tür verschließen.
Sie wiegt ihren Geldbeutel nachdenklich in der Hand. Es ist nicht gerade viel, aber es ist alles, was sie besitzt. Nach kurzem Grübeln verbirgt sie einige Münzen zwischen ihrem Hab und Gut in ihrem Rucksack, aber den Großteil lässt sie in dem Lederbeutel, den sie sorgfältig an ihrem Gürtel befestigt, so dass er unter dem Umhang verborgen ist.
Sie schließt die Tür hinter sich ab und geht wieder zu Aerowen, die inzwischen fertig gegessen und bezahlt hat.
"Gut, wir können gehen."
Gemeinsam lassen sie die Wärme der Schankstube hinter sich und treten hinaus an die frische, kalte Luft.

--> Marktplatz

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 31. März 2005, 15:24 Uhr
Der vermeintliche Reed, der sich nun als Fremder entpuppt, deutet Nevermores Verhalten wohl als eine Art Ohnmachtsanfall, und das kann man ihm auch nicht verdenken, denn blass genug ist sie jedenfalls. Als er ihren Arm greift, ist ihr erster Impuls, sich loszureißen - die letzte Berührung eines Erwachsenen - eines Mannes - hatte sie von dem Vergewaltiger empfangen... Doch sie lässt ihn gewähren und sich auf einen Stuhl bugsieren. Den Umstand, dass er die Situation verkannt hat, erklärt sie ihm nicht, es ist ihr nur recht, wenn er nicht merkt, dass sie gerade kopfüber in ein besonders verführerisches Fettnäpfchen gesprungen ist. Mit der Hand fächelt sie sich Luft zu, wie sie es bei einem Schwächeanfall vermutlich tun würde, und hofft, dass nicht gleich zu viel Farbe in ihre Wangen zurückkehrt. "Oh, verzeiht mir, mein Herr!" japst sie, "jetzt geht es gleich wieder." Noch einige Momente lässt sie verstreichen, als müsse sie sich erholen, und kann so unauffällig sein hübsches Gesicht mustern. Ähnlichkeiten zu Reed über die Zottelmähne hinaus stellt sie darin nicht fest, aber es gefällt ihr dennoch erstaunlich gut. "Eigentlich sollte ich euch bedienen, wo ich doch die Schankmaid bin und ihr der Gast", meint sie entschuldigend.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 31. März 2005, 15:29 Uhr
Feuerrotes Haar kitzelt sie in der Nase und ein glückliches Lächeln schleicht sich ungewollt auf ihre Züge, als sie dem Zwergen so nahe ist. Lange währt dieser Moment jedoch nicht und mit sanfter Gewalt schiebt Borgil sie von sich und hält ihr Hände fest, als hätte er Angst, sie würde ihm jeden Moment wieder um den Hals fallen.
Leicht verwirrt fragt sie sich, was hier eigentlich los ist, als der Herr Zwerg sie nach ihrem Gesundheitszustand fragt. Als müsse sie sich selbst überzeugen blickt sie flüchtig an sich herunter und sieht ihn dann wieder fragend an. Die Besorgnis in seinen tiefschwarzen, glänzenden Augen lässt jedoch jegliche Angespanntheit verschwinden und ohne einmal mit dem Wimpern zu zucken blickt sie ihm einfach tief in die Augen, als wolle sie ihn gleich festnageln. Sie versteht nicht wirklich warum er so aufgebracht ist. Lediglich seine Nähe hat sie gesucht, um seine Wärme zu spüren und seinen Atem zu hören um die Unruhe in ihrem Inneren zu beruhigen.
Jetzt steht sie da, das Haar fällt ihr wirr auf die Schultern, die grossen farblosen Augen starren Borgil erwartungsvoll an und ein Schmunzeln kann sie nicht unterdrücken ob des Zwergen Mundes, der immer wieder aufgeklappt und sich wieder schliesst.
Als er leise flucht zuckt sie erschrocken zusammen und jegliche scheinhaftige Kontrolle über die Situation scheint sich mit einem Rutsch aus dem Staub gemacht zu haben.
Kurzerhand wird sie vor einen riesigen, riesigen, wirklich riesenhaften Spiegel bugsiert und sieht für einen Moment mit weit aufgerissenen Augen auf die Personen die ihr da entgegenblicken. Das sind ja… der Herr Zwerg und sie selbst? Gerade will sie leicht ängstlich zurückweichen, sich fragend was das für eine Hexerei ist, als ihr dumpf der Gedanke ins Gedächtnis rauscht, das der Wanderer ihr schon einmal etwas darüber erzählt hat, über einen Spiegel. “Es ist, als würdest du dich selber sehen, genau so wie du bist, aber es ist nur eine Illusion.“ Den nächsten halben Tag hatte er damit verbracht ihr zu erklären, was denn nun eine Illusion war, bis sie schliesslich ungefähr eine Ahnung von diesen Spiegeln gehabt hatte. Nun steht sie zum ersten Mal vor so einem Ding und es ist ein gewaltiger Anblick. Liebend gern hätte sie sich gerade noch viel intensiver mit ihrem eigentlich nicht vorhandenen Gegenüber befasst, doch der Zwerg fordert sie mit einem Brummen auf genau hinzusehen.

Bis jetzt war sie sich nie bewusst, wie sie auf Andere wirken muss, doch nun mustert sie sich äusserst kritisch in ihrem Spiegelbild. Da steht ein junges Ding, eher dünn mit grausiger weisser Haut, seltsamen wirrem Haar und Augen die keine von den schönen Farben in sich tragen, wie Azra es so oft auf den Strassen bei Anderen gesehen hat. Lange jedoch verweilt ihr Augenmerk nicht auf ihrem zweiten Ich, sondern huscht hinüber zu einer anderen Erscheinung, die ihr dafür nun wieder ganz bekannt vorkommt. Da steht ihr Herr Zwerg, mit dem feuerroten Schopf, den gütigen schwarzen Augen, der altbekannten Narbe und dem weichen, dichten Bartwuchs, in den sie so gerne ihre Finger vergräbt. Seine ganze Erscheinung lässt ihr Herz gleich wieder höher schlagen und ohne es wirklich zu wollen und besonders auch unpassend in dieser Situation kann sie nicht anders sein Spiegelbild hoffnungsvoll ansehen.
Noch immer nicht hat sie begriffen, wovon der Herr Zwerg spricht und was ihr Innerstes sagt. Dieses schreit ihr regelrecht zu, das sie sich wieder an ihn schmiegen soll und wenn sie sich daran erinnert, wie viele Sorgen sie sich um ihn gemacht hat, wenn sie nicht in seiner Nähe war, dann schaltet auch ihr Verstand ab und sie würde einfach tun, was ihr Herz sagt.
Des Zwergen Worte halten sie jedoch zurück, so verwirrend wie sie sind: "Mädel, ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich wollte nicht. Aber morgen würdest du's bereuen, glaub mir. Jungfrauen holt man sich nicht ins Bett, die werden vorher geheiratet, also wirf deine Unschuld nicht an einen wie mich weg, das bin ich nicht wert."
Er möchte? Bereuen? Jungfrau? Unschuld? HEIRATEN?
Für einen Moment scheinen ihre Beine ihre Konstitution mit dem eines Wackelpuddings vergleichen zu wollen und alleine durch  Borgils Hände auf ihrer Schulter gibt sie dem Drang nicht nach, jetzt sofort, auf der Stelle das kleinste, auffindbare Mauseloch zu suchen und sich darin zu verkriechen. Ihre Augen werden noch eine Spur grösser und ihr Mund öffnet und schliesst sich, ohne dass ein Laut daraus hervordringt. Oh, sie weiss was seine Worte bedeuten, ist sich auch irgendwie (na ja, zumindest vielleicht) sicher sie richtig verstanden zu haben, doch noch ist bei ihr nicht durchgesickert, was das mit ihr zu tun hat. "Und wenn du mir noch mal so ein unsittliches Angebot machst, Herzchen, dann leg ich dich übers Knie! Also wirklich, ich mag ja einen üblen Ruf haben, was das Weibsvolk angeht, aber das mach ich dann doch nicht... und jetzt ab ins Bett mit dir! Es ist ohnehin schon gleich, ob man dich hier findet oder nicht, aber die Füße mußt du dir deswegen nicht auch noch abfrieren. Du bist eiskalt."
Ein leises Kling in ihrem Kopf und die Welt hat sich um 180 Grad gedreht, samt Mobiliar und ihrer selbst, oder vereinfacht ausgedrückt: Ihre Füsse haben sich beim Zurückstolpern verheddert und nur ein Paar raue Zwergenhände hindern sie daran der Länge nach rückwärts auf dem Boden aufzuschlagen. Ein ersticktes Keuchen kommt aus ihrer Kehle und mit der Schreckhaftigkeit eines Wiesels windet sie sich aus der sanften Umarmung frei und steht völlig verschreckt dem Herr Zwergen gegenüber, nicht wissend das ihre Wange zumindest ansatzweise den Ton einer prächtig blühenden, roten Rose angenommen haben.

Endlich wird ihr klar, worüber er die ganze Zeit gesprochen hat und noch im gleichen Atemzug schämt sie sich für ihre Naivität und über ihr Unwissen. Sie hatte gedacht, sie würde einfach bei ihm schlafen, einfach nur in seiner Nähe sein, aber wie das auf Andere wirken musste, das hatte sie niemals bedacht und somit auch nicht auf den Ruf des Herr Zwergen geachtet.<<Oder ist es mir einfach egal gewesen?>>. Noch während dieser Gedanke sich verfestigt, taucht noch ein Zweiter auf: <<Ich will aber.>>
Es dauert einige Momente bevor sie versteht, dass ihr Herz und ihr Verstand die Meinungsverschiedenheit eines Riesen und eines Zwergen aufweisen und mit beinahe schmerzlichem Blick sieht sie Borgil an. Zum Einen möchte sie sich wieder in seinen Armen finden, immer bei ihm sein und ihm alles geben was sie kann, des Nachts an seiner Seite liegen und seinem Atem lauschen, mit ihm lachen und mit ihm weinen, seine Zöpfe flechten, ihm das Essen bringen, seine Kleidung flicken und einfach nur wissen, das sie zu ihm gehört. Zum anderen scheltet ihr Verstand sie ein dummes, kleines Kind, das nicht mehr als… Ja, als was eigentlich für den Herr Zwergen sein kann?
Mit ratlosem Blick sieht sie ihn an, hin und her gerissen, nicht einmal bemerkend dass zwei einzelne Tränen über ihre Wangen rinnen.
„Ich möchte… trotzdem jede Nacht… bei… euch… dir sein“, kommt es in einem flehentlichen Ton aus ihrem Mund, bevor sie schnell zu Boden blickt und ohne ihm eine Chance zu lassen, weiter spricht: „Ich habe… jede Nacht an… deinem… Bett gewacht, habe mich um dich gekümmert, genau wie du es für mich getan hast. Du hast mir die Möglichkeit gegeben ein normales Leben zu leben und zu diesem Leben, das ich jetzt führe…“, ohne sich dessen bewusst zu sein, wird ihre Stimme lauter und deutlicher: „… gehörst du einfach dazu. Ich mag noch ein Kind, dumm und naiv sein, aber ich weiss was ich fühle und das ist kein Trug wie das Ding da!“ Mit einer ruckartigen Bewegung weist sie auf ihre Spiegelbilder, die plötzlich unwirklich und verzerrt scheinen. Ihre Hand zittert und ihre Lippen sind fest aufeinander gepresst und noch immer wagt sie Borgil nicht anzusehen, in seinen funkelnden, schwarzen Augen nicht ihre eigene Dummheit zu erkennen. Die letzten Worte sind nur noch leise, kaum verständlich gesprochen und sie muss sich beinahe zwingen sie hervorzubringen: „Ich kann nichts daran ändern, dass ich euch… dich… oder was auch immer… nun mal liebe und auch wenn es die Liebe eines kleinen, dummen, völlig unwissenden Kindes ist.“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Runwin am 31. März 2005, 21:00 Uhr
Behutsam, als wäre sie ein rohes Ei mit bereits angeknackster Schale, hievt Runwin die Schankmaid auf den nächstbesten freien Platz, damit sie sich dort wieder fangen kann. Das neue Leben, so hat ihn der alte Priester mit ungewohnt ernster Miene gelehrt, sei hilflos und zerbrechlich wie ein welkes Blatt in den wilden Stürmen des Blätterfalls. Es sei an ihnen - den Männern, welche verschont blieben von Strapazen aber auch Freuden der Geburt - dem ungeborenen Menschlein und dessen tapferer Mutter Schutz und Geborgenheit zu bieten.

Die idealistische Weltanschauung eines alternden Priesters, freilich, doch für den jungen Weiberhelden ein unwiderrufliches Gesetz, zumal er seit jenem Abend jenen unheimlichen Respekt entgegenbringt, welche neun Monde lang die Kraft für zwei Leute aufbringen müssen. Armer Junge, wüßte er um die Strapazen der Geburt selbst, dann würde er Nevermore nun wohl kurzerhand ins nächste Bett tragen und sie die nächsten Mondläufe nicht einen Handgriff erledigen lassen.

"Aber nein doch..." meint er so nur mit einem herzlichen Lächeln. "Ihr seid von Inari gesegnet und ich bloß ein schnöder Mann - eigentlich läge es doch an mir, EUCH zu bedienen, meine Schöne!"

Prompt folgt er dieser Aussage, indem er kurzerhand einen Krug Bier vom nächstbesten Tisch ergreift, dessen Vorbesitzer mit einem "Ich bring Euch gleich ein neues..." notdürftig beschwichtigt und den Becher dann beinahe schon rituell an sein momentanes 'Sorgenkind' weiterreicht. "Trinkt erstmal, damit Ihr wieder zu Kräften kommt."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aurian am 31. März 2005, 21:37 Uhr
>...außerdem sind Caewlin und Raven gar nicht tot....< Nur langsam dringen die Worte des Zwerges in ihre Gedanken vor. Nicht tot...nicht tot...nicht tot "Nicht...sie ...sie sind nicht tot?"stammelt sie. Ihre Hände zittern in den schwieligen Pranken des Zwerges, die sie so sanft halten, als wäre sie aus Glas. Unter anderen Umständen wäre sie bei der Berührung geflohen, in Panik ausgebrochen, doch der brummige Bass in Kombination mit all dem was sie erlebt haben, gibt dem Zwerg eine gewisse Sonderstellung. "Wie ...wie ...konnten sie...all die Steine ...ich versteh nicht. Sie leben? Ich habe sie nicht...nicht getötet? Sie nicht? Nur den einen, ihn verbrannt?" Aurian bringt nur unzusammenhängende Worte hervor und immer wieder huscht ihr Blick zwischen Borgil und Jen hin und her, ungläubig, zwischen Freude, Angst, Erleichterung und Unglauben.
Eine einsame Träne der Erleichterung rinnt über ihre Wange, doch sie hat nicht die Kraft sie beiseite zu wischen. Ihr ist, als wäre das ganze Erikagebirge von ihrem Herzen gefallen, so erleichtert fühlt sie sich. Nie mehr...ihr Götter es war ein Zeichen! Nie mehr darf mich die Magie so beherrschen. Ich werde alles lernen, was nur geht, damit ich nie mehr jemanden so in Gefahr bringe!
Langsam gewinnt sie ihre Fassung zurück und entwindet sich dem sanften Druck von Borgils Händen. Der Krug mit Met, den eine der Mägde ihr hingestellt hat, zittert noch bedrohlich, doch sie schafft es einen Schluck zu  nehmen, ohne etwas zu verschütten."Das...das ist die beste Nachricht, die ich seit langem gehört habe. Ich kann es nicht glauben, sie leben wirklich. Ist es wirklich wahr. Verzeiht, aber ich kann es noch immer nicht glauben, ich ... ich war so sicher sie getötet zu haben!" Noch immer zitternd wischt sie sich die Träne aus dem Gesicht.
"Aber sagt, Meister Borgil, wie geht es Euch? Habt ihr alles gut überstanden?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 31. März 2005, 22:26 Uhr
Nevermore kann sich nicht helfen, sie muss ständig kichern, während der temperamentvolle junge Mann sie umsorgt und ihr mit flotten Sprüchen auf den Lippen Komplimente macht, deren Inhalt sie lieber mit einem Körnchen Salz genießen möchte... Aber wie schön wäre es, wären sie wahr! Allerdings, wenn Inari nicht nur körperliche Begierde, sondern wahres Gefühl verkörpern soll, dann irrt der junge Mann darüber, von wem sie gesegnet ist, und dies lässt ihr das nächste Kichern in der Kehle stecken bleiben. Mit einem großen Schluck Bier spült sie es hinunter - Ach, so spät in der Schwangerschaft schadet das eine Bierchen bestimmt nicht mehr... - ein seltsamer Gedanke, wo sie vor nicht allzulanger Zeit doch noch erwogen hatte, Morgana nach Abtreibungskräutern zu fragen.

"Ihr bringt mich in Verlegenheit", murmelt sie in ihr Bier, doch es berührt sie wirklich, dass er sie schön genannt hat. "Aber ich bin doch nicht krank, nur schwanger", setzt sie hinzu und gibt ihm einen kleinen schwachen Knuff auf den Oberarm. Sie macht sich allerdings keine Gedanken darüber, dass Borgil das Verhalten des Gastes beobachten könnte, denn sie hat die sorgenvollen Blicke bemerkt, die der Zwerg jedem Krug hinterherschickt, den sie durch den Raum trägt. Er würde sich höchstens amüsieren und den Burschen loben, dass er sich nett um Nevermore kümmert. "Auch mein Dienstherr tut die ganze Zeit so, als würde ich jeden Moment eine Fehlgeburt erleiden." In diesem Augenblick zeigt ihr das junge Leben mit einem gezielten Tritt in die Rippen, wie munter und gesund es ist, und ihr Gesicht verzieht sich schmerzhaft, während eine Beule sich sichtbar unter dem Stoff ihres Kleides abzeichnet. Eine Hand legt sie mit einem "Autsch!" auf die Stelle, mit der anderen setzt sie den Krug Bier wieder auf den Tisch und reicht dem Gast die Hand. "Man nennt mich Nevermore. Und wie heißt ihr?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Runwin am 31. März 2005, 22:55 Uhr
"Ja, gut tut er daran, der Herr Wirt!" Einen Moment lang überlegt der Junge, ob er nicht auch einen anderen Gast kurzzeitig von seinem Teller befreien soll, entscheidet sich dann jedoch entschlossen gegen dieses Vorhaben - der damit verbundene Unmut des 'Opfers' könnte eventuell mehr Tumult mit sich bringen, als dies für eine Frau gesegneten Leibes gesund wäre...

"Eine Krankheit mag es ja nun wirklich nicht sein, die Euch plagt, aber wie Vater Asmund einst zu mir sagte..." Hierbei richtet er sich unbewußt ein Stückchen auf und seine Stimme nimmt einen freundlichen, jedoch oberschulmeisterlichen Unterton an, ganz so, wie er die Belehrungen des Priesters in Erinnerung hat. "... der Segen Inari's bringt auch große Verantwortung mit sich - und diese mag den Körper der Tragenden oftmals mehr belasten denn harte Arbeit oder gar Krankheit."

Eigentlich hat er ja vor, ihr das wenige, das er über Schwangerschaften weiß, weiterhin als fachkundiges Hintergrundwissen eines gebildeten Mannes zu verkaufen - als sich das ungeborene Leben unter ihrem Herzen jedoch mit einem Tritt bemerkbar macht, wird Klein Runwin einen Moment lang kreidebleich und wenig professionell stammelt er ein leises: "I...ist das... normal...?"

Sein Bernsteinblick ist fest auf die Wölbung ihres Bauches gerichtet. Freilich, dort drinnen schlummert ein neues Leben, ein kleines Wesen mit winzigen Ärmchen und Beinchen - doch hätte er nie gedacht, daß... es sich sichtbar bewegt.

"Er...freut... Goldwin Runaug..." Ohne ihren Bauch aus den Augen zu lassen, greift er nach ihrer Hand, um ihr darauf einen sachte angedeuteten Handkuß zu hauchen. "Ahm..." Erst dann hebt er den Kopf wieder an und betrachtet ihr Gesicht, um darin abzulesen, ob wirklich alles in Ordnung sei. "Ich meine... Runwin Goldaug... und es ist mir eine Ehre, Euch kennenzulernen, schöne Frau!"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 31. März 2005, 23:05 Uhr
Es ist wirklich rührend, wie der junge Bursche, der mit großer Wahrscheinlichkeit noch kein Kind in die Welt gesetzt haben dürfte, Nevermore einen Vortrag über das Kinderkriegen hält, den man eher von einem vielfachen Vater erwartet hätte. Beinahe müsste sie laut loslachen, als er so schockiert auf den sichtbaren Tritt des Kindes reagiert, doch sie verkneift es sich, um die angenehme Stimmung nicht durch etwas zu zerstören, das er als Beleidigung auffassen könnte. "Ja, das ist ganz normal", meint sie und rückt ächzend in eine etwas aufrechtere Position, weil das Kind sich offenbar gerade nach oben streckt und ihr die Luft nimmt. "Und langsam wird es ganz schön eng darin!", fügt sie lachend hinzu. Da wandelt der hübsche Junge ihren beabsichtigten Handschlag in einen sehr galanten Handkuss um, der ihre Ohrspitzen zum Glühen bringt - was dank ihrer üppigen Locken jedoch unbemerkt bleibt - und ihre Augen zum Leuchten in sämtlichen denkbaren Farben, wie immer, wenn ihre Laune besonders gut ist. Und wieder nennt er sie schön, so dass sie, wäre sie nicht bereits zweimal sang- und klanglos sitzengelassen worden, geneigt gewesen wäre es zu glauben. Aber sicher hat so ein attraktiver Junge, der mindestens 3 Sommer jünger ist als sie, jede Menge Eisen im Feuer und spielt mit solchen Komplimenten nur. Aber was tut's, etwas zu spielen, sie betrügt schließlich niemanden... "Die Freude ist ganz meinerseits, Herr Goldaug. So, und womit kann ich euch nun dienen, nachdem ihr mich so freundlich bewirtet habt?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Runwin am 31. März 2005, 23:41 Uhr
Rasch schüttelt der junge Künstler den Kopf, darum bemüht, seine Fassung wiederzuerlangen - und damit sein Gesicht zumindest noch teilweise zu wahren... oh, wie sein aufreißerischer Ruf doch unter diesem kurzen, emotionalen Ausrutscher leiden wird.

"Ah, sehr gut, ich war bereits in Sorge, das Kind läge falsch..." Zugegebenermaßen, er hat nicht die geringste Ahnung, was dies bedeuten mag, beziehungsweise wie und wann sich die falsche Lage eines Ungeborenen äußert. Er hat lediglich damals bei der alten Vettel mitbekommen, daß die Geburt des Kleinen angeblich kompliziert gewesen sei wegen der 'falschen Lage' des Jungen.

Als sie ihm anbietet, ihm nun doch noch mit Speis und Trank zu dienen, schüttelt er erneut energisch den Kopf. Alleine bei der Vorstellung, das Zweifache an Kraft aufwenden zu müssen, um einen Krug Bier und einen Teller Brühe quer durch den Schankraum zu tragen, dreht sich ihm der Magen um - allerdings nicht weiter verwunderlich, bedenkt man seine eher mäßige Konstitution. "Soweit kommt es noch, daß ich mich von einer zarten Frau in Euren Umständen bedienen lasse!"

Mit einem knappen Blick in die Runde verschafft er sich einen wagen Überblick über die Situation - die vielen Gäste, welche diesen angenehm lauen Abend bei einer gemütlichen Runde ausklingen lassen, die wenigen, eifrigen Gestalten, welche beladen mit allerlei Krügen, Bechern und Tellern zwischen den Tischen umherhuschen und die im Moment wohl unbesetzte Theke. "Nun, wenn sich der Herr Wirt so um Euch sorgt, dann hätte er doch sicherlich nichts dagegen einzuwenden, wenn Ihr Euch hier ein Ründchen entspannt und für eine Weile die Arbeit einem jungen, faulen Hüpfer überlaßt, welcher in den vergangenen Tagen das Wandern seine alleinige Betätigung nannte?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 01. Apr. 2005, 10:50 Uhr
"Nein nein, das Kind hat noch viel Platz, es dreht sich noch dauernd um seine eigene Achse", beruhigt sie den jungen Mann, amüsiert über die Weisheiten, die er mit Sicherheit als Kind bei Gesprächen unter Müttern und Tanten aufgeschnappt haben wird.

"Der Herr Wirt, nein, der hat ganz sicher nichts dagegen. Eher verleiht er euch einen Orden für ritterliches Verhalten, er würde mich wohl auch am liebsten bis zur Niederkunft ins Bett stecken und mich noch runder füttern!" Ihre Augen bekommen einen liebevollen Ausdruck, während sie so über Borgil spricht, dessen Herz groß genug ist, dass es für zwei Zwerge gereicht hätte.

"Wenn meine Arbeit die nächsten Monate daraus besteht, den ganzen Tag mit hübschen Reisenden zu rasten, will ich's mir gern gefallen lassen." In dem Moment fegt ein kleiner Wirbelwind von einem Mädchen mit einem lauten "Mamaaaaaa"-Ruf auf den Lippen aus der Küche durch den Schankraum und stoppt kurz in Sichtweite von Nevermore und Runwin - kein gewöhnliches Kind hätte sich an einen Ziehvater erinnert, der in seinem 2. Lebensjahr verschwunden war, doch Aelinor ist schließlich kein gewöhnliches Kind, und ihr fällt genau wie ihrer Pflegemutter zuerst Reed ein. Doch dann dreht sich Runwin nach dem Kind um, und der Bann ist gebrochen. Ein Funkeln blitzt in Aelinors grasgrünen Augen auf, und bis an die schwarzen Locken mit Mehl bestäubt, umfasst sie ihre sitzende Mutter um die Taille und legt den Kopf auf ihrem Schoß ab. Das dunkelblaue Samtkleid dürfte ein wenig unter dem Mehl zu leiden haben, aber darüber macht sie sich später Gedanken.

"Huch! Na meine Süße, braucht die Köchin deine Hilfe nicht mehr?" Sie verstrubbelt die bereits wirren Locken noch ein wenig mehr und klärt dann Runwin auf: "Und das ist meine große Tochter Aelinor." Ihre Augen glitzern belustigt, sie ist gespannt, ob er sie weiterhin umgarnen wird oder Angst bekommt, ein wütender Ehemann könne gleich in die Stube stürzen und seine Familie nach Hause holen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Runwin am 01. Apr. 2005, 11:34 Uhr
"Oha!" entfährt es Runwin beim Anblick des Kindes. Da ist aber jemand fleißig mit der Arterhaltung. Einen Moment lang spiegelt sich dieser Gedanke sichtbar auf seinem jungen Gesicht wider, blitzt doch der Schalk in seinen goldgelben Augen auf und umspielt doch im selben Augenblick ein leichtes Grinsen seine Lippen.

Dann aber wendet er sich an das kleine Mädchen und verneigt sich in einer übertrieben höfischen Geste vor ihm. "Lyr scheint mir heute gnändig zu sein, diesen Abend gleich mit dem Anblick zweier Schönheiten ausklingen zu lassen!"

Um diverse Ehemänner sorgt er sich weniger - es wäre nun nicht gerade das erste Mal, daß er eine junge Dame für ihren Liebsten 'warmhielte', während dieser kurzzeitig verhindert ist - seine einzige Bemerkung in diese Richtung bleibt ein charmantes: "Euer Gatte muß ein wahrlich glücklicher Mann sein, mit zwei gar so lieblichen Damen und bald einem zweiten Sproß gesegnet zu sein!"

Noch ehe sie etwas erwidern oder gar diese Fehleinschätzung berichtigen kann, klatscht der junge Vagabund freudig in die Hände. So arbeitsscheu er sich auch sonst immer zeigt - genau das scheint es auch zu sein, was man von seinem Berufsstand stets erwartet, und er ist nur allzu froh darüber, diesem Klischee absolut gerecht zu werden - für eine junge Dame würde er doch selbst den gesamten Illdorel mit nur einem Kübel bewaffnet ans andere Ende der Welt tragen.

Zumal werdene Mütter - nicht zuletzt dank des männlichen Arterhaltungstriebs - in seinen Augen ohnehin schon etwas ungemein Anziehendes besitzen.

"So, dann will ich mir doch mal meinen Orden für ritterliches Verhalten verdienen! Sagt mir nur, was zu tun ist, und ich sorge dafür, daß Eure Arbeit sich wie im Fluge erledigt!"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 01. Apr. 2005, 19:54 Uhr
>>"Euer Gatte muß ein wahrlich glücklicher Mann sein, mit zwei gar so lieblichen Damen und bald einem zweiten Sproß gesegnet zu sein!" << Noch falscher könnte Runwin nicht liegen, aber so wie ihm der Schalk aus den Augen strahlt, kann sie herzlich über die Bemerkung lachen, auch wenn er schon ziemlich dick aufgetragen hat. Warum sollte sie den Irrtum wortreich aufklären, wenn nicht abzusehen ist, ob sie sich jemals wieder sehen? Diese kleine Begegnung betrachtet sie als angenehme Plauderei zweier Leute, die sich sympathisch sind und ihren Spaß bei dem Spiel mit einem kleinen Feuer haben. Und derartige Zerstreuung kommt ihr mehr als gelegen.

Die Geschwindigkeit und Eleganz, mit der er schön formulierte Komplimente und Floskeln von sich gibt, verstärkt ihren Eindruck von Runwin als Schürzenjäger. Es erstaunt sie, dass er in so jungen Jahren bereits eine solche Gewandtheit entwickelt hat - bestimmt nutzt er jede Gelegenheit, sie zu üben. Deshalb versucht sie nicht zu viel Ernsthaftigkeit in die Szene zu legen, denn es lässt sich nicht leugnen, dass er ihr mehr gefällt als ein normaler Gast es sollte. Genieße es, aber nicht zu sehr, Lilith. Sonst wirst du wieder nur enttäuscht sein...

Runwin fordert sie auf, ihm zu sagen, welche Arbeiten für sie zu erledigen sind, doch als sie sich umschaut, flitzen schon die übrigen Mogbarmägde zu den wenigen Gästen, die noch nicht vor einem dampfenden Mahl oder schäumenden Krug sitzen. Selbst Borgil kann in Ruhe bei seinem Gespräch sitzen bleiben, weil er gerade nicht gebraucht wird. "Oh, es sieht aus, als könnten wir in Ruhe weiter dem Müßiggang frönen, die Gäste sind schon gut versorgt", sagt sie erfreut und erwartet, Erleichterung in seinem Gesicht zu lesen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von SheNala_Olonrae am 02. Apr. 2005, 13:31 Uhr
She'Nala Olonrae betritt die Taverne. Die schwarze Wölfin, die sonst immer bei ihr ist, hatte sie kurz zuvor fortgeschickt, da eine Taverne kein Platz für ihre scheue Begleiterin ist. Nicht, dass sie selbst weniger menschenscheu ist, aber sie verstand die Notwenidigkeit dieses Besuches und konnte so das Übel einer vollen Taverne in kauf nehmen.
Das Tier wartete in einer Seitengasse auf die Rückkehr ihrer Wegbegleiterin.

Die Elbe hält einen Augenblick im Eingangsbereich inne und lässt ihren Blick durch den Raum wandern. Sie hat die Taverne anders erwartet. Es riecht, wie in anderen Tavernen auch,  nach Essen und Bier, allerdings erscheint ihr die goldene Harfe nicht wie die üblichen Tavernen, die sie bisher kannte. Der Ort hier wirkt nicht so verdreckt und schäbig wie die Schänken, die sie zuvor besucht hatte, sondern macht einen recht einladenden und freundlichen Eindruck.

She'Nala wählte sich einen kleinen Tisch in Eingangsnähe aus und ließ sich dort nieder. Nach kurzer Wartezeit erschein eine Schankmagd. She'Nala bestellt sich einen Met, der kurze Zeit später bei ihr eintrifft.
Einen kleinen Schluck aus ihrem Glas nehmend betrachtet die Elbe unauffällig die anderen Gäste der gutbesuchten Taverne. Ein leichter Glanz erfüllte ihre Augen, als sie sich in ihren Gedanken recht gab: Dies ist wahrhaft ein guter Ort um mehr über diese Stadt, ihre Bewohner und die anliegenden Ländereien zu erfahren. Es gibt sicherlich viel zu beachten in einer solch großen Stadt.


Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Runwin am 02. Apr. 2005, 15:32 Uhr
Neugierig beobachtet Runwin ihre Reaktion auf seine Bemerkung bezüglich eines Ehemannes, und so ganz kann er sich im Moment nicht entscheiden, ob ihm diese nun zusagt oder nicht. Ihr ausgelassenes Lachen läßt wohl darauf schließen, daß irgendwo dort draußen in den Wirren der Stadt tatsächlich jemand auf ihre Rückkehr wartet, der sich glücklich schätzen kann, sie sein Weib nennen zu dürfen.

Einerseits verheißt dies ja ein interessantes Spiel, eine alles andere als einfache Eroberung, bei welcher er jeden noch so charmant-schäbigen Trick anwenden werden muß, welchen er damals von den anderen Kindern der Straße oder später von seinem Ziehvater beigebracht bekommen hat. Kein Spaß ohne ein wenig Herausforderung - nur ein Lebensmotto unter vielen, nach welchen er sich stets richtet.

Allerdings...

Einen Herzschlag lang spiegelt sich Enttäuschung auf seinem jungen Gesicht wider. Freilich, ungebunden und ganz ohne jede Fessel, das sind die höchsten Ideale für Herumtreiber und Vagabunden wie er selbst stets einer gewesen ist. Aber selbst der freiheitsliebendste Wanderer kann nicht verleugnen, daß auch er sich von Zeit zu Zeit nach einem Ort sehnt, zu welchem er zurückkehren kann, wo er Geborgenheit findet und sich für eine Weile niederlassen kann - und sei es nur für einen Siebentag.

Drohend fühlt der Junge jene Melancholie in sich aufsteigen, wie man sie wohl hauptsächlich bei Künstlern und Freigeistern antreffen mag - daß ihm diese im Moment alles andere als gelegen kommt, liegt auf der Hand, also schluckt er sie kurzerhand herunter und verbirgt sie hinter einem leisen Lachen.

"Ich müßte lügen, würde ich behaupten, daß mich dieser Umstand sonderlich unglücklich stimmt!" kichert er, während er sich seinen leeren Stuhl verkehrt herum heranzieht und sich - mitten im Gang zwischen den Tischen - kurzerhand neben ihr niederläßt. '"Meine Füße sind von der langen Reise schon ganz wundgelaufen, und die Sohlen meiner Stiefel mittlerweile wohl so dünn wie feinste Seide..." In einer Geste, ungezwungener Gemütlichkeit stützt er die Arme auf die Lehne seiner Sitzgelegenheit und bettet sein Kinn darauf, um dann wieder abwechselnd die junge Frau und ihr Kind zu mustern, ein angedeutetes Grinsen auf den staubigen Lippen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 02. Apr. 2005, 15:45 Uhr
Offensichtlich war ein Lachen nicht das, was Runwin hören wollte, als er auf einen Ehemann anspielte, denn sein Gesicht wird für einen Moment ernst und melancholisch. Nevermore beißt sich auf die Lippe; sie hätte sich nicht hinreißen lassen sollen, offenbar meint auch ein junger Schwerenöter wie Runwin hin und wieder eine Bemerkung ernst. "Oh, das tut mir Leid, ihr habt mich falsch verstanden!", erklärt sie mit Bedauern in den Augen. "Ich hielt eure Bemerkung für einen Scherz und wollte nicht... naja... die Geschichten dieser Kinder" - sie deutet auf Aelinor und ihren Bauch - "sind so traurig... ich wollte nicht die Stimmung verderben. Und, nein, es gibt keinen Vater... keinen, der zu den Kindern steht jedenfalls, keinen Ehemann." Nun ist es geschehen, das Gespräch stockt und ihre Blicke weichen einander aus.

Dann bemüht sie sich um ein Lächeln, das sicher nicht ganz überzeugend aussieht, und wechselt das Thema: "Was meint ihr, Herr Goldaug, wenn meine Schicht gleich endet, darf ich euch dann ein wenig in der Stadt herumführen? Nicht weit, versteht sich, damit eure Schuhe sich nicht ganz auflösen. Zum Barfußgehen ist es dann doch noch zu kühl."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Runwin am 02. Apr. 2005, 16:02 Uhr
"Nein, ich...!" Entsetzt stellt er fest, daß wohl wie so oft seine Gefühle nur allzu deutlich aus seinen Augen abzulesen gewesen sind, denn seine Gesprächspartnerin wird jäh ernst und berichtigt seine Fehleinschätzung.

Schuldbewußt senkt er rasch den Blick, als er sich dabei ertappt, wie sein Herz einen kleinen Luftsprung macht - eine junge Frau, welche alleine zwei Kinder aufziehen muß, ist nun wirklich kein Grund zur Freude! Beschämt vergräbt er sein Gesicht halb in den auf die Lehne gestützten Armen und richtet den Blick auf die Musterung des Bodens.

Dementsprechend ist er nur allzu dankbar für den jähen Themenwechsel, und einem Nagetier gelich, welches eben ein interessantes Geräusch vernommen hat, richtet er sich gleich wieder auf und schielt neugierig über den Rand seines Stuhls. "Ich... ja, aber freilich doch, es wäre mir eine Freude! Ich hatte mir vorhin schon Sorgen gemacht, wie ich mich in einer weitläufigen Stadt wie dieser wohl ganz alleine zurechtfinden sollte, ein kleiner Stadtrundgang käme mir also nur allzu gelegen, gute Frau!"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 02. Apr. 2005, 16:26 Uhr
Nevermore fällt ein Stein vom Herzen, als Runwin auf ihren Versuch eingeht, die Situation noch zu retten. "Fein! Sagt, habt ihr schon ein Zimmer? Sonst frage ich gleich den Herrn Wirt, ob wir hier eins frei haben. Ich muss ihm sowieso noch eben sagen, dass ich jetzt gehe." Sie steht auf und schaut ihren charmanten Gesprächspartner erwartungsvoll an.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Runwin am 02. Apr. 2005, 16:34 Uhr
"Ähm..." Gedankenverloren löst er eine Hand von der Lehne des Stuhls und läßt diese zu einem der unzähligen Beutel wandern, welche von seinem Gürtel baumeln. Ausgerechnet dieser hier, welcher seine Ersparnisse beinhaltet, ist in letzter Zeit deutlich zusammengeschrumpft, also meint er rasch: "Nein, nein, ich... finde, das Wetter ist viel zu angenehm, um diese herrliche Nacht nicht unter freiem Himmel zu verbringen - ach, Ihr wißt ja, wir Wanderer haben eine recht gewöhnungsbedürftige Einstellung zu kuschligen Betten!"

Gut, zugegebenermaßen, das ist mehr als bloß übertrieben. So friedlich und gemütlich er auch inzwischen unter dem schützenden Blätterdach eines Baumes schlafen kann, ein weiches Bett ist nun wirklich nichts, was er unter normalen Umständen ausschlagen würde.

Auch er erhebt sich und läßt den Stuhl in einer schwungvollen Bewegung wieder zurück an seinen angestammten Platz wandern. "Wann immer Ihr bereit seid, meine Schöne!"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nevermore am 02. Apr. 2005, 16:49 Uhr
Ihr Blick folgt der Hand, die den recht leer wirkenden Beutel am Gürtel des jungen Mannes berührt. Aha, die laue Nacht also, und dass wir kein Geld haben, hat damit nichts zu tun? Sie verkneift sich ein Lächeln über seine Ausrede, das Problem kennt sie zu gut, um ihn auszulachen. Stattdessen tut sie, als würde sie ihm glauben, und sagt nichts weiter dazu. Sie hat auch schon unter einigen Bäumen geschlafen, doch selbst im Hochsommer kann sie sich schöneres vorstellen. "Ich bin gleich wieder da", sagt sie und geht noch kurz hinüber zum Tisch, an dem Borgil sitzt. Sie tippt dem Zwerg auf die Schulter und wechselt ein paar leise Worte mit ihm, und mit einem wohlwollenden Nicken und Lächeln entlässt er sie in den Feierabend.

"So, dann lasst uns gehen!" meint sie lächelnd, während sie sich ihren Umhang überwirft. Dann geht sie voran auf den Marktplatz.

-> Marktplatz

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sayila_Arachelza am 02. Apr. 2005, 20:20 Uhr
(bin wieder da :nice:)

Sayila hörte sich Elyrinas Angebot an. Sie war ein wenig verblüfft, dass sie direkt in ihrem ersten Gesprächspartner jemanden gefunden hatte, der ihr Arbeit anbot. Nachdenklich zupfte sie an ihrem linken Ohrläppchen, wie sie es immer tat. Sie überlegte. sollte sie auf das Angebot eingehen? Schließlich konnte es nicht schaden, sich ein wenig nebenher zu verdienen, und außerdem war es allemal besser, als nichts zu tun. Zwar brauchte sie das Geld nicht, sie hatte zum Glück noch genug von ihrem letzten Auftrag übrig, doch sie war auch niemand, der es lange aushält, ohne etwas zu tun zu haben. Nachdenklich trank sie noch einen Schluck ihres Dunkelbieres. Dann stellte sie den Krug ruckartig auf die Tischplatte und sah auf. Sie lächelte Elyrina an.
"Habt vielen Dank für das Angebot. Ich nehme es gerne an! Ihr müsst mir nur sagen, wann ich komen muss und was ich zu tun habe."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Elyrina Tinuviel am 02. Apr. 2005, 22:11 Uhr
Elyrina kannnciht anders als Sayila gespannt zu beobachten, wie sich sich am Ohrläppchen spielt.
oh es wäre so schön jemandenzu ahben, der mir im Laden hilft
Als Sayila plötzlich den Krug auf den Tisch knallen lässt, zumindest empfindet Elyrina es als knallen, zuckt sie etwas zusammen, muss aber schon wieder etwas lachen, als sie die Antwort hört.
>"Habt vielen Dank für das Angebot. Ich nehme es gerne an! Ihr müsst mir nur sagen, wann ich komen muss und was ich zu tun habe."<
Elyrina könnte vor Freude hüpfen. Sie strahlt über ihr ganzes Gesicht. "Ich freue mich," entgegnet sie wahrheitsgemäß," Seid einfach morgen früh am laden. Da werde ich euch alles zeigen."  freudig beschreibt sie den Weg zum Laden. "Schlaft Euch aber ruhig erst aus, Ihr seid sicher noch geschafft von Eurer Reise hierher. Kommt wenn Ihr geschlafen habt. Wenn Ihr möchtet können wir alles morgen bei einem Frühstück besprechen. Wenn Ihr wollt." Sie ist ganz aufgeregt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von SheNala_Olonrae am 03. Apr. 2005, 12:39 Uhr
Eines der Schankmädchen steuert erneut auf She'Nala  Olonrae zu um sich zu erkunden, ob es der Elbe an irgendetwas fehle oder sie vielleicht noch etwas essen wolle. She'Nala winkt dankend lächelnd ab und erkundigt sich ihrerseits ob die Schankmaid vielleicht einen Augenblick Zeit habe. Diese blickt sich prüfend um und stellt fest, dass die anderen Schankmädchen sich bereits um die vorhanden Gäste kümmern. So gibt sie She'Nala zuverstehen, dass sie einen Moment entbehrbar ist.

daraufhin erkundigt sich die Elbe nach wissenswerten Dingen über die Stadt und das Umland. Die Schankmaid erklärt ihr, dass sie sich bei Verbrechen jeglicher Art an die Stadtwache der Steinfaust wenden müsse, damit diese helfen könne.
Sie erfährt auch, dass auf dem Marktplatz, an dem großen Baum ein Brett hängt, an dem die Bewohner Informationszettel über neue Geschäfte der Stadt, aber auch Zettel über Arbeitshilfen-Gesuche anheften können.
She'Nala hatte diesen Baum bereits auf dem Weg hierher bemirkt, allerdings hatte sie sich mehr um das rege Treiben auf dem Marktplatz gekümmert, als dieses Baum näher zu betrachten.

Des weiteren erklärt das Schankmädchen der fremden Elbe die wichtigsten Orte der Stadt und wie man diese vom Marktplatz aus finden könne. Dabei lässt sie jedoch dezent die anderen Tavernen aus, denn man muss die eigenen Kunden ja nicht gleich an die Konkurrenz verweisen.

She'Nala bedankt sich bei der Schankmaid ob dieser ersten Informationen und das junge Mädchen macht sich wieder an ihre Arbeit.

She'Nala trinkt weiter an ihrem Met und beobachtet wieder das Treiben in der Taverne.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Thram am 03. Apr. 2005, 19:53 Uhr
Von der Bäckerei ist es nicht weit bis zur Goldenen Harfe. Thram ist diesen Weg schon viel zu oft gegangen. Er nimmt kaum etwas um sich herum wahr und sein Blick ist traurig und besorgt. Heute trägt er nicht seine Arbeitskleidung. Da in der Bäckerei nicht viel zu tun ist, hat er sich heute freinehmen können und trägt nun eine weite braune Hose und ein helles Hemd. Der Frühling naht und die ersten Blumen beginnen zu blühen, doch im Moment kann nichts Thram ein Lächeln abringen.

Die Goldene Harfe ist gut besucht, wie üblich. Auf dem ersten Blick kann er keine bekannten Gesichter erkennen und auch wenn er nicht wirklich damit gerechnet hat, dass sie hier ist, ist Thram enttäuscht, die kleine Wasserfee hier nicht zu sehen. Noch nie hat er sich so viel Sorgen um Asrai gemacht, wie heute.

Thram sucht sich einen Tisch und setzt sich. Bei einer der Mogbarmädchen bestellt er sich einen großen Krug Bier. Auch wenn er sich vorgenommen hat, nicht mehr so viel zu trinken, muss es heute einfach sein. "Nur um ein bisschen lockerer zu werden.", murmelt er vor sich hin und würde am liebsten weinen. Wenn könnte er nach Asrai fragen? Noch einmal streift sein Blick durch die harfe. Wirklich kein bekanntes Gesicht. Eine junge Elbe mit scheuem Blick fällt ihm auf. Thram vermutet, dass sie weit rumgekommen ist. Vielleicht würde er sie nachher nach Asrai fragen. Wenn er sich traut...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von SheNala_Olonrae am 03. Apr. 2005, 20:10 Uhr
She'Nala Olonrae betrachtet die ihr fremde Person, die die Taverne betritt. Sein Blick scheint traurig und von Sorgen geplakt. Dieser Blick erinnert sie ein wenig an ihre eigene unschöne Vergangenheit. Sie denkt an ihre Familie, die einfach ermordet worden war... Und deren Mörder nie gefunden wurden... Bis heute... Sie spürt, wie Tränen in ihre Augen steigen wollen und kann sich aber noch im letzten Moment fassen, so dass die Augen lediglich von einem feuchten Glanz erfüllt sind. Der jedoch im Kerzenchein in der Taverne kaum zu bemerken sein durfte... Jetzt hier unter solch vielen Leuten auch noch einem Tränenausbruch zu unterleigen konnte sie nun wirklich nicht gebrauchen... Zumal all das lange zurück liegt und eigentlich vergessen sein sollte... Doch es scheint als würde die Erinnerungen an diese Greultat sie immer wieder heimsuchen.

was mochte diesen Mann widerfahren sein, dass seinen Blick so traurig wirken lässt. Vieleicht hat er ein ähnliches Schicksal erleben müssen? fragt sich die Elbe.


Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Thram am 03. Apr. 2005, 20:23 Uhr
Thram bemerkt, dass die junge Elbe, die ihm vorhin schon aufgefallen ist, zu ihm herüber guckt. Ihr Blick sieht auch nicht viel fröhlicher aus als sein eigener. Als die Mogbardame ihm seinen Bierkrug bringt, fasst er sich ein Herz, steht auf und geht zum Tisch der Elbe. Wie soll er Asrai auch finden, wenn er sich nicht mal traut, eine fremde Frau anzusprechen? Ein schöner Freund wär er ja dann.

"Darf ich sie einen Moment stören?", fragt er vorsichtig, als er vor der fremden Frau steht. "Ich hab gesehen, dass ihr so traurig ausschaut und da wollte ich einfach mal nach dem rechten sehen. Vielleicht braucht ihr jemanden zum reden? Darf ich mich vielleicht zu euch setzen?"
Thrams Herz schlägt wie verrückt. In der Bäckerei hat er es zwar mit vielen fremden Personen zu tun, aber die kommen schließlich zu ihm, weil sie etwas von ihm wollen. Fremde Leute einfach so ansprechen...das tut er wahrlich nicht so häufig. Früher, zusammen mit Kalin, da war es was anderes, aber der ist nun schon seit einiger Zeit tot und Menschen ändern sich.

Jetzt, da Thram schon so nah bei der jungen Frau steht, betrachtet er sie etwas genauer. Sie ist sehr hübsch und Thram ist froh, dass Elia keine Gedanken lesen kann. Obwohl er nun seit einiger Zeit mit ihr zusammen ist, kann er es sich nicht abgewöhnen, trotzdem andere Frauen anzusehen, wenn diese hübsch sind. Wenigstens kann er sich das aber inzwischen in ihrem beisein verkneifen. Die junge Frau ist sehr schlank und groß. Vor Frauen mit Waffen hat Thram schon immer sehr großen Respekt. Was sie wohl beruflich macht? Vielleicht arbeitet sie ja bei der Stadtgarde oder so.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von SheNala_Olonrae am 03. Apr. 2005, 21:25 Uhr
Es beunruhigt She'Nala zwar auf der einen Seite, dass sie ihre Gefühle nicht gut genug unterdrücken konnte und man ihr ihre Stimmung angemerkt hat. Aber auf der anderen Seite ist sie froh, angesprochen zu werden. Dies würde ihr vielleicht helfen auf andere Gedanken zu kommen. Vielleicht wohne er auch schon länger hier und sie könnte noch mehr Informationen über die Stadt und das Umland in Erfahrung bringen. Normalerweise ist sie misstrauisch  und würde den Fremden für jemanden halten, der böses im Schilde führt. Die meisten Fremden tun ihrer Ansicht nach solche Dinge wie Raub, Diebstahl oder gar Mord. Aber der traurige Blick dieser Person stimmt sie eher mitfühlend als misstrauisch.

Dann wendet der Fremde das Wort an sie: "Darf ich sie einen Moment stören? Ich hab gesehen, dass ihr so traurig ausschaut und da wollte ich einfach mal nach dem rechten sehen. Vielleicht braucht ihr jemanden zum reden? Darf ich mich vielleicht zu euch setzen?"

She'Nala macht eine elegante, einladende Handbewegung auf einen der freien Stühle zu und spricht:
"Setzt euch ruhig."
Sie mustert den Fremden kurz prüfend.
Dann wendet sie sich wieder an den Fremden, aber seiner Frage ob sie vielleicht jemand zum Reden brauche weicht die Elbe behende aus:
"Nun, der Schmerz liegt lang zurück und es war nichts weiter als eine kurze Erinnerung. Der Schmerz in euren Augen war es, der diese Erinnerung weckte."

Sie hält kurz inne und überlegt dass sie dem Fremden vielleicht helfen könne.
Allerdings, so überelgt die Elbe weiter ist das vielleicht nicht die beste Idee. Er ist fremd und er ist menschlich. Sie weiß nicht ob es gut wäre oder ob sie es bleiben lassen solle und Misstrauen macht sich in ihr breit. Doch als sie erneut die Trauer in den Augen des Fremden sieht, ist sie sich sicher.

"Ich glaube, wir haben uns noch nicht vorgestellt. Mein Name ist She'Nala," lässt sie den Menschen wissen.
"Mir könnt ihr derzeit nicht helfen, aber vielleicht kann ich dies bezüglich eurer Trauer?" Mit einem leichten aber freundlichen Lächeln blickt sie den Fremden fragend an.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Thram am 03. Apr. 2005, 22:01 Uhr
Als die fremde Frau auf den freien Stuhl deutet, setzt sich Thram und lächelt. "Vielen Dank!", sagt er freundlich und stellt seinen Bierkrug auf den Tisch. Ein bisschen schäbig kommt er sich dabei vor. Was sie wohl denkt, beim Anblick eines so großen Bierkruges?

"Oh, das tut mir sehr leid.", antwortet Thram, als sie ihm erzählt, warum ihr Blick so traurig ist. "Ich wollte in euch ganz sicher keine schlechten Erinnerungen hochrufen." Da es ihm so vorkommt, als wolle die Fremde nicht über ihre Erinnerungen sprechen, bohrt Thram nicht weiter nach. Vielleicht würde sie später von ganz allein erzählen.

"Verzeiht meine schlechten Manieren. Mein Name ist Thram und ich bin Bäckermeister. Meine Bäckerei ist nicht sehr weit von hier, daher bin ich häufiger hier anzutreffen.", stellt Thram lächelnd vor. Als sie ihn dann auf seine Trauer anspricht, wird sein Blick wieder unglücklich. "Ja, vielleicht könnt ihr wirklich helfen. Eine Freundin von mir ist verschwunden, schon seit einigen Wochen wie es scheint. Mir ist es nicht gleich aufgefallen, weil in der Bäckerei viel zu tun war." Thram seufzt traurig. "Ihr seht mir aus, wie jemand, der viel herum kommt. Vielleicht ist euch ja das Volk der Asrai bekannt? Es sind Wasserfeen mit bleicher, fast durchscheinender Haut und hellem Haar. Meine Freundin trägt den Namen ihres Volkes weiter. Ihren richtigen Namen kenn ich nicht. Sie ist eben nur überall als Asrai bekannt. Es soll nicht mehr viele Wasserfeen geben und wenn ich ehrlich bin, ist sie auch die einzige, die ich kenne."

Thram hofft, She'Nala nicht zu sehr zu überfallen, aber er ist nunmal mit dem Vorsatz in die Harfe gekommen, sich nach Asrai umzuhören. Wenn er hier nichts erfährt, dann würde er sich eben im Pfirsich weiter umhören. Irgendjemand muss sie ja schließlich gesehen haben.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von SheNala_Olonrae am 03. Apr. 2005, 22:26 Uhr
She'Nala betrachtet, wie Thram fast schon mit einem schlechtem Gewissen, seinen Krug auf den Tisch stellt. Der Grund hierfür blieb ihr schleierhaft, war es doch in Tavernen nicht unüblich das getrunken wird.

Als Thram erzählt, dass er Bäckermeister ist, horcht She'Nala auf. Als Bäckermeister hatte man sicherlich viele Kunden und kannte diese sicherlich auch gut. Menschen erzählten sich doch gerne Neuigkeiten. Wahrscheinlich wusste er wirklich viel über den Ort und seine Bewohner und vor allem auf was man achten solle.

Doch als Thram dann erzählt, dass eine Freundin von ihm verschwunden sei, versteht She'Nala seine Sorge und will ihn nicht mit Belanglosigkeiten, wie Informationen dieses Ortes betreffend, belästigen. Zumal sie ja bereits mit einer der Schankmädchen über die Stadt sprach und einige wenige Informationen erlangen konnte.

Auf seine Frage ob sie Wasserfeen kennen würde antwortet sie:
"ich bin viel gereist, das ist wohl wahr, doch muss ich gestehen, dass ich solche Wesen, wie ihr sie mir beschreibt nicht kenne."
Entschuldigend betrachtete sie Thram und fährt dann um ihn vielleicht doch noch irgendwie aufzmuntern fort:
"Aber vielleicht können wir uns gemeinsam nach ihr umhören? Sie hat doch sicherlich Freunde, die man befragen könnte. Vielleicht hat jemand sie gesehen oder weiß wohin sie aufgebrochen ist. Wir werden sicherlich einen Anhaltspunkt finden, eure Freundin wiederzufinden. Vielleicht haben die Schankmädchen oder der Wirt etwas gehört? In Tavernen redet man doch bekanntlich viel."
Sie unterbricht ihren Redefluss kurz und setzt ihn dann nach kurzer Pause wieder fort:
"Aber ich kenne eure Freundin leider nicht und weiß nicht welche Orte sie für gewöhnlich aufzusuchen pflegt."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Thram am 04. Apr. 2005, 13:00 Uhr
Thram ist sehr dankbar für She'Nalas Angebot. Mit ein wenig Hilfe würde sie Suche sicher einfacher sein. Doch ein bisschen unsicher ist er schon. Schließlich kennt er die junge Frau erst seit wenigen Minuten und schließlich würde sie sicher auch noch anderes zu tun haben.

"Ich bin euch sehr dankbar für eurer Angebot.", antwortet er also schließlich lächelnd. "Doch ich möchte euch nicht so vereinnahmen. Ihr seid noch nicht lange in der Stadt, nicht wahr? Und sicher habt ihr noch so einiges zu tun. Wer hat das nicht? In dieser Stadt steht kaum jemand mal für ein paar Minuten still. Man betrachte nur das ein und aus hier in der Taverne. Und kaum jemand kommt hier rein, nur um mal eben was zu trinken. Wenn man die Leute genau betrachtet, so sitzt kaum jemand allein an einem Tisch. Jeder hat immer etwas zu tun oder zu besprechen. Darf ich euch fragen, was euch nach Talyra geführt hat? Nicht viele, die in dieser Stadt leben, sind auch wirklich hier geboren, müsst ihr wissen." Selten kommt es vor, dass Thram so ausdauernd am reden ist, aber er ist für jede Ablenkung dankbar im Moment.

Trotzdem zählt er in Gedanken auf, wen er nach Asrai fragen könnte. Er weiß, dass sie gut befreundet mit Morgana, der Heilerin ist und mit Henry und Orga von Roßstein. Aber mehr fallen ihm im Moment nicht sein. Sethai noch, ihr Gefährte, aber wo der sich aufhält, das weiß Thram auch nicht. Zuhause war er jedenfalls nicht.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von SheNala_Olonrae am 04. Apr. 2005, 14:17 Uhr
Die Worte Thrams verwirren She'Nala. Sie hatte noch nie in einer Stadt gelebt, von daher weiß sie nicht, wie das Leben in einer Stadt so abläuft. Sie lässt ihren Blick über die anderen Gäste der Taverne gleiten und muss Thram recht geben, dass alle irgendwie wichtiges zu besprechen zuhaben scheinen. Zumindest wirkt kein Gast der Taverne so, als würde er nur belangloses Geschwätz führen. She'Nala runzelte die Stirn. In ihrer Heimat saß man oftmals einfach nur zusammen um das Beisammen-Sein mit der Familie zu genießen. Es wurde viel geredet, gesungen und gelacht. Aber hier in der Stadt scheint wahrlich alles hektischer von statten zu gehen. Auch das Treiben auf den Straßen erschien ihr bereits auf dem Weg hierher merkwürdig. Jeder hatte es eilig gehabt. Sie selbst hatte stets immer das getan was ihr in den Sinn kam, wenn sie Hunger hatte, erlegte sie ein kleines Tier, welches ihren Nahrungsbedarf deckte oder sammelte Früchte im Wald.
Hier scheint alles ganz anders zu sein... ganz fremd...

Sie weiß nicht, was sie Thram auf seine Aussage, dass sie sicherlich einiges zu tun habe entgegnen solle. Schließlich gab es nichts zu tun. Und so antwortet sie dem Bäckermeister mit ihrer sanften, melodischen Stimme: "Es stimmt. Ich bin neu in dieser Stadt. Was jedoch eure Gedanken betrifft, ich könne einiges vorhaben, so seid unbesorgt. Ich helfe gerne wenn ich kann." Als Thram jedoch fragt, was sie nach Talyra führt, da verhärtet sich ihr Gesichtseindruck ein wenig und sie erwidert: "Ich habe meine Heimat vor mehr als einem halben Menschenleben hinter mir gelassen. Der Ort von dem ich stamme ist mir keine Heimat mehr." Sie hält kurz inne und Traurigkeit trübt den Glanz ihrer sonst strahlenden Augen, als sie langsam fortfährt: "Er ist mir keine Heimat mehr gewesen, seit meine Familie starb." Sie hat es bisher noch nie ausgesprochen und sie muss sich erst einen Moment fassen. Seit ihre Familie ermordet wurde, war sie durch die Lande gezogen und hatte jedes andere Wesen gemieden. Einzig die Nähe von Tieren war ihr recht gewesen. Doch nach so langer Zeit stellte sie fest, dass es alleine in der Natur einsam war.

An Thrams Blick erkennt die Elbe, dass sie nicht fortfahren muss, er scheint verstanden zu haben, dass sie nach so langer Zeit einfach hofft, hier eine neue Heimat zu finden und die Vergangenheit ein für alle mal hinter sich zulassen.

She'Nala vertreibt ihre düsteren Gedanken. Schließlich ist sie hier um einen Neuanfang zu wagen und nicht um wieder in Trübsal und Schmerz zu verfallen. Innerlich verflucht sie sich selbst, lagen die Geschehnisse doch weit zurück. Daher versucht die Elbe das Thema aus ihren Gedanken zu verbannen und macht Thram einen Vorschlag: "Eine Schankmagd erzählte mir vorhin ein wenig über die Stadt, auch dass man Nachrichten an dem Baum auf dem Marktplatz anbringen könne. Vielleicht solltet ihr dort eine Beschreibung eurer Freundin anbringen. Wasserfeen scheint es ja wirklich nicht häufig zu geben. Da werden alle, die eure Freundin kennen sicherlich gleich wissen wer gemeint ist."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 04. Apr. 2005, 19:51 Uhr
In der Schankstube an einem Tisch


Aurian ist sichtlich gerührt und sichtlich erleichtert und braucht lange Augenblicke, bis sie sich soweit wieder in der Gewalt hat, um fortfahren zu können. Borgil lächelt nachsichtig und mitfühlend und tauscht ebensolche Blicke mit Jen - ihnen allen, die dabei gewesen waren und es überlebt hatten, war es ähnlich gegangen, als sie die Nachricht von Ravens und Caewlins Entkommen erreicht hatte. "Es ist wirklich wahr und du hast sie nicht getötet," erwidert Borgil also, ganz väterliche Geduld und kramt in seinen zahlreichen Wamstaschen nach so etwas wie einem Schneuztuch, findet aber keines und zuckt schließlich entschuldigend die Achseln.  >Aber sagt, Meister Borgil, wie geht es Euch? Habt ihr alles gut überstanden? "Och," erwidert er, "Unkraut vergeht nicht, wie man so schön sagt. Mach dir mal keine Gedanken um mich, alte Zwerge sind nicht so leicht zu erschüttern. Mir geht's gut und bis auf ein paar Narben mehr, hab' ich auch alles unbeschadet überstanden. Wurde gut gepflegt, weißt du," hier huscht ein breites Grinsen über sein Gesicht, aber er wird fast sofort auch wieder ernst. "Natürlich denke ich oft an Phelan, den Waldläufer und an Calyra von Sturmende. Caewlins Frau, weißt du." Da Aurians Gesicht ein einziges Fragezeichen ist und sie auch davon noch nichts zu wissen oder zumindest die Zusammenhänge nicht zu kennen scheint, erzählt Borgil ihr also die ganze, leidvolle Geschichte von jener langen, dunklen Nacht ihrer Rückkehr, in der sie alle noch geglaubt hatten, Raven und Caewlin wären verschüttet und begraben unter Tonnen von Stein. "Sie ist tot. Whytfisk hatte einen seiner Männer geschickt, sie zu töten und das ist ihm auch gelungen... war von Anfang an sein Plan, wißt ihr... hat sie glattweg mitten auf der Straße erschlagen in der Nacht, als wir aus den Tunneln kamen." Betrübt starrt Borgil in seinen Becher und blinzelt ein paarmal, ehe er leiser fortfährt. "Dieses miese Schwein, ich bin jedenfalls froh, daß er dort unten als Ungezieferfutter verrottet."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Thram am 05. Apr. 2005, 12:48 Uhr
Als She'Nala erwähnt, dass ihre Familie tot ist, versteht Thram die Traurigkeit in ihrem Blick und da diese noch sehr frisch zu sein scheint, hält er es wirklich für das Beste, nicht weiter nachzufragen. Er möchte keine Wunden aufreißen. Schließlich erinnert er sich noch sehr gut daran, wie unangenehm es ihm war, immer auf Kalins Tod angesprochen zu werden. Das hat für ihn damals alles nur noch schlimmer gemacht und noch heute redet er nicht gern über seinen alten Freund.

Thram lächelt verständnisvoll, als She'Nala das Thema schnell wieder auf Asrai lenkt. "An das Baum am Marktplatz habe ich überhaupt nicht gedacht. Dabei bin ich doch vorhin erst wieder daran vorbeigegangen. Das ist eine wunderbare Idee. Ich frage mich, warum ich da nicht selbst drauf gekommen bin. Ihr seid wirklich wunderbar." Wahre Freude und Erleichterung ist in seinen Augen zu erkennen. "Da seid ihr noch nicht lange in der Stadt und wisst doch besser bescheid als ich.", sagt Thram schmunzelnd. "Ich bin euch für eure Hilfe wirklich sehr dankbar. Wenn ihr Hilfe dabei brauchen solltet, euch hier in Talyra zurechtzufinden, dann wendet euch ruhig an mich. Als Bäckermeister erfährt man vieles."

So langsam lehrt sich der Krug, der vor Thram steht, doch seltsamerweise steigt ihm das Bier heute nicht so zu Kopf, wie es das sonst tut. "Darf ich euch noch auf etwas zu trinken einladen, bevor ich mich daran mache, eine Beschreibung von ihr anzufertigen um sie an den Baum zu hängen?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von SheNala_Olonrae am 05. Apr. 2005, 13:51 Uhr
She'Nala freut sich dem Bäckermeister geholfen zu haben. Sie ist nicht verwundert darüber, dass er nicht selbst auf die Idee mit dem Baum gekommen war. Wenn Sorgen einen plagen, dann kann man oftmals keinen vernünftigen Gedanken fassen und meist fühlt man sich einfach nur leer, so dass einem kein Lösungsweg einfallen mag.

Aufs Thrams Angebot, ihr zu helfen, in dieser Stadt zurechtzukommen, sagt She'Nala lächelnd: "Habt Dank, ich denke ich werde darauf alsbald zurückkommen müssen. Diese Stadt scheint groß und unübersichtlich zu sein." Sie ist wirklich sehr dankbar für sein Angebot.

Als Thram dann jedoch fragt, ob er sie auf ein Getränk einladen kann, weiß die Elbe im ersten Moment nicht was sie sagen soll. Sie hatte gedacht, dass Thram sich große Sorgen um seine Freundin macht und somit sofort losstürme um nach ihr zu suchen.
Er könne die Beschreibung an den Baum hängen,
an sämtlichen Orten, an denen seine Freundin oftmals anzutreffen war, könnte er nach ihr fragen.
Vielleicht könne er auch zur Stadtwache eilen um dort anzufragen, ob man von ihr gehört habe.

Doch stattdessen will er hier in der Taverne bleiben und sie auf ein Getränk einladen. She'Nala ist sichtlich verwirrt und denkt sich: Vielleicht glaubt er, dass er mich als Dank für meine Idee einladen müsse. Ich sollte die Einladung ausschlagen um ihn nicht länger von seiner Suche aubzuhalten. She'Nala überlegt weiter: aber vielleicht ist es für jemanden hier aus der Stadt auch eine Beleidigung sondergleichen, wenn man eine Einladung ausschlägt. Beleidigen will sie ihn auf keinen Fall aber sie will auch nicht mehr seiner Kostbaren Zeit stehlen, wo seine Freundin ihn vielleicht braucht. Unsicher blickt die Elbe zu Thram um irgendetwas in seinem Blick zu erkennen. Doch dann fasst sie einen Entschluss und antwortet: "Habt Dank für eure Einladung, aber vielleicht ist es besser, wenn wir jetzt gleich versuchen eure Freundin zu finden. Vielleicht braucht sie euch jetzt gerade, während wir hier sitzen. Wenn wir sie gefunden haben nehme ich eure Einladung an." She'Nala hofft jetzt nicht zu unhöflich gewesen zu sein und versucht in Thram's Blick irgendetwas zu erkennen, dass sie wissen lässt, dass sie das richtige gesagt hat. Unsicher betrechtet sie den Bäckermeister

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Filia am 05. Apr. 2005, 21:03 Uhr
Stimmengewirr und warme, aromatische Luft drang ihr entgegen, als Filia die Tür zur Goldenen Harfe öffnete.  Ihre Wangen waren noch etwas gerötet von dem langen und nicht weniger anstrengenden Weg nach Talyra. Sie ließ das Bündel mit ihren Habseligkeiten von der Schulter sinken und sah sich etwas unsicher im Raum um.
Die Goldene Harfe war recht belebt. Auf den ersten Blick konnte sie keinen freien Tisch ausmachen.
So gut wie jeder schien in eine Unterhaltung vertieft und Filia war sich nicht sicher, ob sie sich zu jemandem setzten sollte. Andererseits hatte sie große Lust sich jetzt mit einem warmen Getränk zu wärmen.

Sie beschloss erst nach einem Zimmer zu fragen und dann weiter zu sehen. Somit ging sie zur Theke, an der eine Frau gerade Schwarzbier in einen Krug einschenkte.
"Verzeihung", sagte Filia.
Die Frau den Kopf und sah sie fragend an. "Ich wollte fragen, ob noch ein Zimmer frei ist."
Die Frau lächelte. "Aber sicher!", sagte sie laut und griff hinter sich an ein Brett mit Schlüsseln. Sie drückte Filia einen in die Hand und beschrieb ihr den Weg zum Zimmer. "Du findest doch alleine hin, Mädchen, oder? Ich habe so viel zu tun!", sie hob den Krug zusammen mit zwei anderen auf ein Tablett.
Filia nickte etwas schüchtern und lächelte. Als die Frau an ihr vorbei zu einem Tisch gelaufen war, hob sie ihr Bündel wieder auf die Schulte rund machte sich auf den Weg zu ihrem Zimmer.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sayila_Arachelza am 05. Apr. 2005, 21:16 Uhr
Sayila scheint es, als sei Elyrina ehrlich erfreut über ihre Zusage. Sie lächelt leicht ob der offensichtlichen Freude der jungen Frau ihr gegenüber. Aufmerksam hört sie zu, als diese den Weg zu ihrem Antiquitätenladen beschreibt. Erleichtert stellt sie fest, dass er nicht sehr weit von der Goldenen Harfe liegt; das bedeutet einen kurzen Weg zur Arbeit und zurück. Zufrieden trinkt sie noch einen Schluck Dunkelbier. Sie überlegt einen Moment, ehe sie Elyrina fragt: "Lebt Ihr schon lange hier in Talyra?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 05. Apr. 2005, 21:20 Uhr
Borgil redet beruhigend auf Aurian ein, versichert ihr, dass sie nichts falsch gemacht hat und dass es nicht ihre Schuld ist, was dort unten passiert ist. Während er spricht steigen die Bilder wieder in Tiuri hoch und mit jedem Wort aus dem Mund des Zwerges erlebt er den Kampf in der Kanalisation noch einmal.
>…Abgesehen davon hat es da durch Loas Öl schon überall gebrannt, überall war Chaos, die Felsen waren porös, die Hitze zu groß...<  
Der Geruch von verbranntem Fleisch steigt ihm wieder in die Nase, das Schreien der Menschen hallt in seinem Kopf und die ganze Harfe scheint zu erzittern unter der Macht der Magie und den trampelnden Füßen dieser Höllenkreaturen die wohl der hinterletzten Gehirnwindung irgendeines kranken Geistes entsprungen sein müssen. Mit einem Mal wird dem Jungen heiß und dann gleich wieder kalt, er hat wirklich gedacht, dass er die Zeit dort unten langsam besser weg steckt, aber scheinbar ist das nicht der Fall. Sogar die Tatsache, dass Caewlin und Raven überlebt haben, noch einmal aus Borgils Mund zu hören, rührt ihn fast wieder zu Tränen. Nur, dass er diesmal in einer Schankstube sitzt und so viele Leute anwesend sind, dass er es sich sogar ganz locker verkneifen kann, weil die Scham hier unten in Tränen auszubrechen noch größer wäre, als die Erleichterung die ihn überkommt.
Stell dich nicht so an, du weißt es doch alles!
Aurian ist natürlich und verständlicher Weise, völlig überrascht und stammelt nicht zusammen hängende Wortfetzen vor sich hin, während ihr Blick zwischen ihm und Borgil hin und her schweift. Ihre kleinen Porzellanhände zittern wie Espenlaub und schließlich bahnt sich eine einzelne, etwas verloren wirkende Träne, ihren Weg über Aurians Wange. Tiuri lächelt sie freundlich und aufmunternd an und in diesem kurzen Moment hat er wieder dieses seltsame Gefühl, dass ihm ihr Gesicht mehr sagen müsste als eine Nachbarschaft während ihres Zwangsaufenthaltes im Rattenparadies. Phelans Name wirft natürlich wieder einen Schatten über die Erleichterung, aber auch der Name von Caewlins Frau, von deren Tod Tiuri heute zum ersten Mal hört. Als der Mord an Calyra passiert ist, war Tiuri schon längst nach oben gebracht worden und in die Wanne gesteckt. An diese Momente in der Harfe kann er sich fast nicht mehr erinnern, alles besteht nur noch aus milchigen Erinnerungsfetzen, aber es sind auch keine Erinnerungen die Tiuri unbedingt wieder haben will. Die Narbe die ihm dort bleiben wird wo der Pfeil seinen Weg in sein Fleisch gefunden hat, ist ihm Andenken genug.
Von Borgil hört er jedenfalls zum ersten Mal noch etwas über die Nacht in der sie in die Harfe gefallen sind, gegangen kann man es ja kaum noch nennen.
>Dieses miese Schwein, ich bin jedenfalls froh, daß er dort unten als Ungezieferfutter verrottet.<
Borgils Worte reißen den Jungen aus seinen Gedanken und lassen den Zorn der in ihm brodelt langsam wieder aufkochen. Diese bleichen Augen, das ganze eingefallene Gesicht, so nah an seinem als er einfach hingegangen ist und seine Einnahmequelle, seine Hand, ruiniert hat.
„Für den ist sogar das Ungeziefer noch zu gut!“ Tiuris Stimme ist leise knurrend voller Rachegelüste, die völlig umsonst sind, denn Whytfisk ist unwiederbringlich dahin und das ist auch gut so.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Filia am 05. Apr. 2005, 21:44 Uhr
Wieder wird es ein Stück wärmer, als Filia den Gastraum betritt.
Unsicher ließ sie ihren Blick darin schweifen. Es schien sich nichts verändert zu haben. Noch immer war kein einziger Tisch frei. Auch alle Personen schienen in ein Gespräch vertieft.
Filia strich sich eine Sträne, die sich aus ihrem Zopf gelöst hatte hinters Ohr und sah sich weiter um. Dann musste sie wohl jemanden fragen, ob sie sich dazu setzen durfte. Wenn sie störte könnte man es ihr ja auch sagen.
In einer Ecke entdeckte sie zwei Frauen die sich unterhielten. Die eine war von einer blassen Hautfarbe und hatte im Kontrast dazu recht dunkle Haare. Die andere hatte einen dunklen Teint und ebenfalls dunkle Haare. Dazu zierte eine Narbe ihre Wange.
Die beiden sahen nett aus.
Filia nahm ihren Mut zusammen und ging zu dem Tisch hinüber.
"Entschuldigung", sagte sie leise. Die beiden sahen auf. "Ist hier noch ein Platz frei?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aurian am 05. Apr. 2005, 22:13 Uhr
Der Bericht vom Tod Calyras trübt ihre Erleichterung. Zwar hatte sie sie nicht gekannt, doch die Liebe des Sturmenders zu der Bardin war in ganz Talyra legendär gewesen. >„Für den ist sogar das Ungeziefer noch zu gut!“< Und nicht nur für ihn! Borgils Worte haben noch ein weiteres Gesicht vor dem inneren Auge des Mädchens wieder herauf beschworen: rotes Haar, gierige Augen, schmierig, gemeines Grinsen. Ein kalter Schauer rinnt über ihren Rücken und die Gewissheit, noch etwas wichtiges erledigen zu müssen, macht sich wieder in ihr breit. Für einen Moment glaubt sie, erneut die Finger jenes Mannes auf ihrer Haut zu spüren und unwillkürlich schlingt sie die Arme um den Körper. Das Flackern in ihren Augen wird stärker und wieder hört sie die Stimme des in den Flammen sterbenden: >Töte mich aber ein Teil von mir wird immer in dir sein.< Ein Blick aus dem Fenster der Harfe sagt ihr jedoch, dass es heute schon zu spät war. Morgen...morgen muss es sein! Wenn es zu spät ist... Aurian will gar nicht daran denken. Ihr Blick huscht durch den Raum und bleibt an Jens Gesicht hängen: Erneut hat sie das Gefühl, ihn irgendwoher zu kennen, doch ihr will nicht recht einfallen, woher. Es scheint so weit weg, nebulös, unwirklich, wie aus einem vergangenen Leben. Doch sie ist zu verwirrt und zu erschöpft um darüber nachzudenken. Eine Zeit lang sitzen sie alle drei da, hängen ihren Gedanken nach. Immer mehr Gäste strömen in die Harfe und Aurian wird immer unwohler. Seit der Episode in der Kanalisation ist ihr die Nähe vor allem von fremden Menschen ein Greul und bei so vielen, wie im Moment hier in der Harfe, macht sich leichte Panik in ihr breit. „Verzeiht, aber ich muss jetzt gehen. Ich ..wie ich Jen schon sagte, ich hab heut zum ersten Mal die Steinfaust verlassen und wenn ich zu lang weg bleibe, wird man sich Sorgen machen. Meister Borgil, danke noch mal, Jen, alles Gute, vielleicht sieht man sich mal wieder und grüß Faraday von mir.“ Sie lächelt den beiden zu, doch erreicht dieses nicht ihre Augen, die inzwischen immer mehr zu flackern beginnen. Beinahe fluchtartig verlässt sie die Harfe, nicht ohne zuvor noch eine Münze auf den Tisch zu legen.
Draußen lehnt sie sich an die Mauer und atmet tief durch, saugt die doch noch etwas kühle Nachtluft in ihre Lungen. Aurian de Winter, reiß dich zusammen! Doch als zwei betrunkene Männer um die Ecke biegen, ist es vorbei. Wie von Furien gehetzt rennt sie Richtung Steinfaust und wird erst langsamer, als die Mauern der Kaserne in Sicht kommen.

Weiter in der Steinfaust


Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Thram am 07. Apr. 2005, 01:47 Uhr
"Ihr habt recht, verzeiht, ich bin einfach so durcheinander zur Zeit." Thram seufzt tief. Natürlich hat She'Nala recht damit, dass es das Beste wäre, gleich mit der Suche zu beginnen. Im Grunde hat er einfach nur Angst davor zu erfahren, dass Asrai etwas passiert ist. Dieser Gedanke schnürt sein Herz schier zusammen. "Dann sollten wir uns gleich auf den Weg machen und etwas zu schreiben organisieren."

Bei einer der Bedienungen bezahlt Thram sein Bier. Dann wartet er noch, bis She'Nala ihre Sachen zusammengesucht hat und verlässt mit ihr die Goldene Harfe. Vor Aufregung schlägt sein Herz ganz schnell.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Amarde am 07. Apr. 2005, 19:23 Uhr

on 03/20/05 um 13:04:21, lila wrote:
Zwar registriert Avivit die Anwesenheit der beiden Frauen in ihrem Tisch und dass beide ein Gespräch begonnen haben, doch schenkt sie dem ansonsten keinerlei Beachtung. Viel zu sehr hat Amardé sie in ihren Bann gezogen mit dem was er sagt und wie er es sagt. Mit glasigen Augen gehen ihre Gedanken auf eine Reise, in der auch ihr Traum Erfüllung findet. Ein Traum, in dem sie ihren Lebensunterhalt allein mit jenem verdient, was ihr im Blut liegt und woran ihr Herz hängt - dem Tanz. Nichts wünscht sie sich sehnlicher in ihrem jungen Leben, doch blieb es bislang stets nur ein schöner Gedanke, an welchem festzuhalten das Verhängnis bedeuten würde.

Doch wie immer mischen sich schon nach kurzer Zeit Realitätsfetzen in Avivits Gedanken. Damit kann niemand sein Brot verdienen zerstört sie sich ihren Traum mit einem Mal selbst. Ich brauche Arbeit und das möglichst schnell, sonst wird der Winter erbarmungslos seinen Tribut abfordern. Ihre Gesichtszüge verdunkeln sich merklich und ihr Lächeln weicht einem traurigen Blick, der schnell an seinem bisherigen Glanz verliert.

Mit einem leisen Säufzen hebt sie den Kopf und löst damit den Blick von Amardés Hand, welche fast zärtlich auf seinem Instrument ruht. Sie schaut ihm geradewegs tief in die Augen und ohne das sie es möchte, wird ihr Blick ein wenig vorwurfsvoll. Wie kann dieser Fremde mir nur solche Hoffnung machen, wo es nie Hoffnung gab und wohl auch nicht geben wird? Wie kann er sich nur so sicher sein, diesen Weg erfolgreich fortzusetzen?
Kein Wort kommt über ihre Lippen, doch ihre Augen sprechen Bände.


Gerade eben ist Amardé noch voller Feuer und Flamme, als er Avivits Blick sich verändern sieht. Wieder einmal hatte er die aufkeimende Hoffnung in einem Musiker gesehen und dann die alles zerfressende Realität, die ihnen jegliche Hoffnung raubte.
Amardés Gesicht verhärtete sich und er griff seine Rebec fester. Mit einem sichtlichen Zögern steht er auf und greift dabei auch nach seiner Tasche.
Es scheint fast so, als wolle er sich ohne ein weiteres Wort von ihr abwenden, als sein makelloses Gesicht noch einmal auf Avivit zuschnellt. Seine blauen Augen funkeln in wütendem Zorn, als er ihr leise zuflüstert: "Ihr traumlosen Menschen seid es, die mein Leben zerstören. Warum lasst ihr euch das Träumen nur so leicht verbieten?! Wovor habt ihr so schreckliche Angst?"
Dann richtet er sich wieder auf. Ein wenig Hochmut und Aggresivität liegt in seiner Körperhaltung, doch das Lächeln auf seinen Zügen ist wieder echt, als er sich höflich von Avivit verabschiedet: "Verzeiht meinen abrupten Aufbruch, aber ich befürchte ich bin mittlerweile zu müde für ein gutes Gespräch. Ich wünsche euch noch einen schönen Tag Avivit!"
Mit einer galanten Verbeugung wendet sich Amardé zum gehen und verschwindet im oberen Stockwerk wo die Zimmer der goldenen Harfe sind.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sayila_Arachelza am 08. Apr. 2005, 15:31 Uhr
Bevor Elyrina allerdings auf Sayilas Frage antworten kann, ertönt eine leise Stimme hinter Sayila.
<"Entschuldigung"> Sayila sieht auf. <"Ist hier noch ein Platz frei?"> Eine junge Frau, jünger als Sayila, steht da. Entweder wirkt sie für ihr Alter sehr jung, oder sie ist es tatsächlich, denkt Sayila bei sich, denn die Fremde wirkt auf sie fast noch wie ein Mädchen. Sie scheint etwas nervös zu sein. Ihre blonden Haare sind zu einem Zopf geflochten und die haselnussbraunen Augen blicken scheu unter den langen Wimpern hervor. Ihr Aussehen ist schlicht und fast wirkt sie ein wenig unscheinbar, doch etwas an ihr lässt sie freundlich und gut erscheinen, einfach vertrauenerweckend. Sayila wirft Elyrina einen raschen Blick zu, doch da diese offenbar nichts dagen zu haben scheint, nickt sie der Fremden lächelnd zu.
"Setzt Euch nur zu uns!", sagt sie freundlich und zieht den leeren Stuhl neben ihr unter dem Tisch hervor.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Filia am 08. Apr. 2005, 16:08 Uhr
<"Setzt euch nur zu uns!">
Herzlichkeit liegt in der Stimme und die graugrünen Augen blicken sie freundlich an.
Ein erleichtertes Lächeln setzt sich auf Filias Gesicht. "Vielen Dank!"
Sie setzt sich auf den Stuhl, den ihr die eine Frau angeboten hat und streicht sich eine widerspänstige Sträne hinters Ohr. Insgeheim freut sie sich sehr nun an diesem Tisch sitzen zu dürfen. Die beiden sind wirklich nett. Vor allem die junge Frau neben ihr schein, trotz ihrer kriegerischen Erscheinung, sehr herzlich zu sein.
Da fällt ihr ein, dass sie sich noch gar nicht vorgestellt hat. Etwas ruckartig hebt sie den Kopf und lächelt die beiden leicht an. "Mein Name ist übrigens Filia. Wie heißt ihr?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sayila_Arachelza am 08. Apr. 2005, 20:03 Uhr
Die blonde Fremde setzt sich erleichtert auf den Stuhl, den Sayila ihr angeboten hat. <"Mein Name ist übrigens Filia. Wie heißt ihr?">, sagt sie, und es scheint, als sei es ihr ein wenig peinlich, erst jetzt daran gedacht zu haben.
Sayila trinkt einen weiteren Schluck des Dunkelbieres. Was kann es schaden, Filia ebenfalls ihren Namen zu verraten? Schließlich sitze ich jetzt in einer befestigten Stadt, denkt Sayila, ich bin noch viel zu beeinflusst von meinem letzten Auftrag. Ich sollte wirklich versuchen, hier ein neues Leben anzufangen und nicht mehr an die Vergangenheit zu denken!
"Ich bin Sayila Arachelza", stellt sie sich vor und lächelt Filia herzlich an. Sie weiß nicht weshalb, doch etwas an dem Mädchen erinnert sie an ihre Mutter, auch wenn äußerlich keiner Ähnlichkeit zu erkennen ist und die zierliche Filia so gar nicht wie die Halbzwergin auftritt. Doch die Freundlichkeit, die von ihr ausgeht, ist die von Sayilas toter Mutter sehr ähnlich.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Filia am 09. Apr. 2005, 17:43 Uhr
Sayila scheint kurz in Gedanken zu fallen, während der Krug immernoch an ihren Lippen liegt. Ihre Augen schauen an Filia vorbei und werden für einen kurzen Moment von einem Schleier der Traurigkeit durchzogen.
Doch dann senkt sie schon den Krug auf den Tisch und stellt sich mit einem herzlichen Lächen vor.
Filia lächelt zurück. Die junge Frau ist ihr sympathisch mit ihrer schwungvollen Art. Doch Filia merkt auch, dass hinter den graugrünen Augen noch etwas anderes ist.

Doch sie lässt sich ihre Gedanken nicht anmerken. Ihre Großmutter hatte sie stets gelehrt, dass alle Menschen gleich waren und Filia ist ein Mensch, der das Gute in den Anderen sucht und findet.
Außerdem kommt ihr Sayila bekannt vor. Sie weiß nicht woher, doch, obwohl sie eine völlig andere Art hat als sie, hat sie das Gefühl die junge Frau neben sich schon lange zu kennen.
Sie will mehr über sie erfahren. "Was hat euch nach Talyra gebracht?", fragt sie.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Elyrina Tinuviel am 09. Apr. 2005, 20:15 Uhr
Elyrina möchte gerade Antworten, als jemand darum bittet an ihrem Tisch sitzen zu dürfen.
Auch Elyrina bietet ihr gerne einen Stuhl mit ihrern Handbewegun an," Aber gerne."
Als die junge Frau sich vorstellt nickt sie freudig, "Ich bin Elyrina Tinuviel." Sie kommt sich allerdings etwas ignoriert vor, denn Filia scheint ihr Aufmerksamkeit nur auf Sayila zu beschränken. Naja was solls. Es gibt schlimmeres.

Dann wendet sie sich wieder Sayila zu. "Um Eure Frage zu beantworten: Nein, wirklich lange lebe ich auch noch nicht hier. Ich komme aus Ildala, und lebe seit knapp zwei Jahren hier in der Stadt."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Filia am 10. Apr. 2005, 14:21 Uhr
Als sich Elyrina Sayila zuwendet und ihre Frage beantwortet, fällt Filia wieder ein, dass sie ja einfach so in ein Gespräch geplatzt war. Etwas beschämt senkt sie den Blick. Als Elyrina den Satz beendet hat, sieht Filia auf und versucht ihr ein freundliches Lächeln zu schenken. Sie muss sich eingestehen, dass sie die junge Frau etwas übersehen hatte, was sie wieder gut machen will.
Normalerweise ist es nicht ihre Art, sich nur auf eine Person zu konzentrieren. Doch dass ihr Syila so bekannt vorkommt und sie nicht weiß woher, hat sie ins Grübeln gebracht und ihre Aufmerksamkeit von Elyrina gelenkt.
Etwas nervös fängt sie an unter dem Tisch mit ihrem Ärmel zu spielen. Sie blickt zwischen Sayila und Elyrina hin und her, um verständlich zu machen, dass sie ihre Frage an beide richten will.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sayila_Arachelza am 10. Apr. 2005, 20:09 Uhr
Sayila muss sich ein Lachen verkneifen, als sich ihre nunmehr zwei Gesprächspartner praktisch in die Quere kommen. Bin ich so interessant?, denkt sie belustigt. Doch sie geht ruhig und freundlich auf Filias Frage ein:
"Ich ziehe schon seit vielen Jahren von einer Stadt in die Andere. Eigentlich bin ich eine rastlose Person, aber ich hoffe, dass ich es diesmal etwas länger als gewöhnlich an einem Ort aushalte." Sie lässt ihren Blick von Filia zu Elyrina wandern. Vielleicht besteht ja die Chance, dass die beiden sich unterhalten und es nicht weiter auffällt, wenn sie selbst sich weniger an dem Gespräch beteiligt. Schließlich hat sie eigentlich schon viel zu viel erzählt. Wahrscheinlich liegt es an dem starken Dunkelbier in dem Tonkrug vor ihr, dass sie sich so hat gehen lassen. Doch das ist ihr in diesem Augenblick nicht klar. Wie so oft hat der Alkohol ihr die Zunge gelöst, und dieses Bier scheint besonders stark zu sein.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von TianShi am 11. Apr. 2005, 22:31 Uhr
So als würde jemand vor ihr gehen teilt sich das Gedränge um sie herum und lässt sie ungehindert die Goldene Harfe durchschreiten. Auch wenn sich in der Taverne niemand großartig um die sonderbare Gestalt kümmert, so werden ihr auch hier merkwürdige Blicke zugeworfen. Normalerweise ist es selbst bei Reisenden üblich, dass sie innerhalb von Gebäuden ihre Kapuzen ablegen. Selbst jene die unerkannt bleiben wollen. Nur solche, die etwas zu verbergen haben, laufen auch in Gasthäusern verhüllt herum.

Die Gerüche der Taverne erinnern sie an vergangene Zeiten. Momente wo sie den wunderbaren Stimmen von Barden und dem liebevollen Geplänkel unter Freunden zugehört hatte. Jetzt jedoch ist niemand bekanntes in der Taverne. Der Geruch der auf sie einströmt ist unangenehm, lässt sie schwindeln, doch sie würde sich wieder daran gewöhnen müssen. In ihrer Heimat war alles rein gewesen. Ohne gut oder böse. Ohne weiß oder schwarz. Neutral.
Tausende Emotionen strömen auf sie ein, lassen sie kurz taumeln. Gewöhn dich daran!, mahnt eine Stimme in ihrem Kopf. Selbst wenn sie wollte könnte sie sich nicht gegen die Flut von Gedanken und Gefühlen abschirmen. Unbewusst und ohne direkt in das Bewusstsein der hier fröhliche versammelten Wesen erfährt sie von Ereignissen der vergangenen Tage.
Ein Fest steht an und erhellt die Gemüter. Lässt sie in Aussicht auf dieses freudige Erlebnis die Sorgen des Alltags vergessen und auf jenen Tag warten.

Ein sanftes Lächeln liegt auf ihren Lippen als sie an den Tavernentresen tritt. Zu ihrer Linken sitzen zwei ältere Männer auf den Hockern, werfen ihr zweifelnde Blicke zu und geben einige Vermutungen über ihre Erscheinung laut kund. Sie achtet nicht darauf. Zu Vergänglich ist der Moment mit Unbekannten. Zu unwichtig um einer alkoholgeschwängerten Situation Bedeutung zu schenken. Nichts an der Gestalt deutet darauf hin, dass sie die Worte der Männer hört, doch in ihrem Kopf hallt jede einzelne Silbe nach.
Das Lächeln verschwindet, doch die Gutmütigkeit bleibt in ihren Augen zurück. Sie wissen es nicht besser, sollen ihre Zeit genießen. Selbst wenn sie sich Lügen hingeben oder sich von Äußerlichkeiten täuschen lassen.

In einem Moment wo eine der Bedienungen gerade niemanden versorgen muss, hebt sie rasch eine Hand unter ihrem Umhang hervor und winkt die Mogbardame zu sich. Die Haut der Hand ist fast ebenso weiß, wie der Stoff des Umhanges und auch die Farbe des hervorscheinenden Ärmels erinnert an das Weiß des Schnees.
"Ich möchte gerne Borgil Blutaxt sprechen."
Sie kann den fragenden Blick spüren. Fühlt die unausgesprochene Frage nach ihrem Namen im Kopf des Gegenübers, doch ihren Namen würde sie nicht nennen. Noch nicht. Der Zwerg würde sie mit Sicherheit erkennen und einen Namen würde er dazu nicht brauchen. Ihr Aussehen, ihre ganze Erscheinung hatte sich nicht geändert und würde dies auch niemals tun. "Seid bitte so nett und holt ihn für mich." Obwohl ihre Stimme leise ist, versteht die Mogbardame trotz des Lärmes um sie herum jedes einzelne Wort. Mit einem Nicken dreht sie sich um und verschwindet auf der Suche nach dem Tavernenbesitzer durch den Kücheneingang.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Filia am 12. Apr. 2005, 15:06 Uhr
Sayila antwortet. < "Ich ziehe schon seit vielen Jahren von einer Stadt in die Andere. Eigentlich bin ich eine rastlose Person, aber ich hoffe, dass ich es diesmal etwas länger als gewöhnlich an einem Ort aushalte.">
Etwas mitleidig schaut Filia sie an.  Sie hatte es immer genossen mit ihrer Großmutter in dem kleinen Häuschen am Waldrand zu leben. Es hatte ihr immer ein Gefühl von Geborgenheit gegeben. Doch sie kann Sayila verstehen. Seit sie nach dem Tod der Großmutter das kleine Dörfchen verlassen musste, fühlte sie sich nirgends mehr richtig zu Hause. Auch sie war in der Hoffnung sich wieder irgendwo langzeitig niederlassen zu können nach Talyra gekommen. Schließlich hat die Stadt den Ruf sehr schön zu sein und Gastfreundliche Bewohner zu beherbergen.
Ich sollte morgen einen Stadtspaziergang machen., denkt sie sich, wärend ihre Gedanken kurz zu den vielen Erzählungen über Talyra glitten. Doch dann reißt sie sich wieder ins Hier und Jetzt zurück.
Sayila hat sich zurückgelehnt und sieht etwas müde aus.
Filia schaut zu Elyrina hinüber. "Und ihr? Was hat euch vor zwei Jahren hier her gebracht?", fragt sie und sieht sie interessiert an.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Elyrina Tinuviel am 13. Apr. 2005, 22:12 Uhr
Elyrina lächelt etwas wehmütig. "Ich bin hierher gekommen mit der Hoffnung auf ein eigenes Leben. Ohne in eine Rolle gedrängt zu werden."
Schnell greift sie zu ihrem BEcher und leer ihn in einem Zug und stellt ihn zurück auf den Tisch. Sie senkt ihren Blick auf die Tischplatte und denkt an den Brief ihres Vaters. Sie sollte nicht so lange hier sein aber anderer seits möchte sie die beiden nicht einfach hier sitzen lassen und ihre Möglichkeit endlich mal wieder gute Gespräche zu führen verstreichen lassen. "Ich habe einen Leden mit Antiquitäten eröffnet. Ich habe auch schon einige Kunden." sie lacht bitter "Nur mein Vater sitzt mir etwas im Nacken." sie macht eine kleine Pause, " was hat Euch hier her geführt?" Sie blickt Filie wieder mit freundlich interessiertem Blick an, als wären die bittern Worte eben nicht gewesen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 14. Apr. 2005, 11:48 Uhr
"Sil und alle seine mächtigen Archonen!" Borgil war, aufgeschreckt vom entrückten Gesichtsausdruck seiner Schankmagd sofort aus der Küche in den Gastraum geeilt. Auf seine Frage, warum sie um Himmels Willen so ein Gesicht machte, hatte das arme Mädel nur verzückt gehaucht, eine "Weiße Dame" wünsche ihn zu sprechen. Borgil, durch wenig zu erschüttern, tappt um seinen Tresen herum und sieht in ein paar schwarzer Augen, die unter dem Saum einer Kapuze hervorschimmern. Er weiß sofort, wem und was er da gerade gegenübersteht und einen Moment lang ist sogar er vollkommen entgeistert. Dann breitet sich ein Lächeln auf dem sonst so harten Zwergengesicht aus und Borgil begrüßt die mysteriöse Fremde mit einer tiefen Verbeugung, die nichts spöttisches an sich hat. "Ihr seid wieder in Talyra... Himmel, das ist eine gute Nachricht, Mylady, aber das muß ich erst einmal verdauen. Aber kommt, kommt. Setzt Euch ein Weilchen zu mir. Meine Güte." Er macht eine einladende Handbewegung in Richtung seines Privattisches zwischen Kamin und Tresen und winkt einem der Mädchen. "Bring eine Karaffe Sommerwein und ein Glas. Rasch." Selbst, als er sich der noch immer verhüllten Frau gegenübersetzt, die lächelnd an seinem Tisch Platz genommen hat, hat er noch weiche Knie. "Wart Ihr schon bei Niniane? Oder bei Olyvar in der Steinfaust? Meine Güte! Ich weiß, ich weiß, ich wiederhole mich, aber... Ihr wart so lange fort, wißt Ihr. Wir dachten alle, Ihr wärt wieder... nun ja... äh... heimgekehrt."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von TianShi am 14. Apr. 2005, 19:53 Uhr
Irgendwie hat sie damit gerechnet, dass sich Borgil geändert hat, so wie es der Lauf der Dinge ist. Doch dem Zwerg ist keine Veränderung anzumerken. Ganz wie sie es schon immer von ihm gewohnt war, tritt er selbstbewusst in den Schankraum. Die Wandlung seines Gemütszustandes ist für Fremde nicht ersichtlich, doch sie kann es spüren und nach einiger Zeit sogar sehen. Der fassungslose Gesichtsausdruck wird von einem Lächeln abgelöst und endet in einer ehrlich gemeinten Verbeugung.
„Borgil,“ flüstert sie leise und ein Lächeln ist nun auch auf ihren Lippen.

Auch wenn sie keine Erwartungen an ihre Rückkehr gestellt hat, so ist es ein unbeschreiblich schönes Gefühl jemanden zu sehen, der einen kennt. Jemand dem nicht die Neutralität ihrer Welt anhaftet und der sich augenscheinlich wirklich freut ihr gegenüber zu stehen.
Normalerweise ist Borgil Blutaxt dafür bekannt, dass er mürrisch und vor allem  sehr häufig wortkarg ist, doch heute plappert der rothaarige Zwerg scheinbar ununterbrochen und wiederholt sich mehrmals, wofür er sich auch brav entschuldig.
Sie folgt seiner Einladung sich einen Moment zu setzen gerne und lässt sich ihm gegenüber am Tisch nieder. Doch gerade als sie sich erklären will, setzt der Zwerg erneut an und fragt sie, ob sie nicht schon bei der Waldläuferin oder dem Lord Commander war.
Der Stoff ihrer Kapuze raschelt leise, als ihre Haare beim Kopfschütteln darüber streichen.
„Nein war ich nicht. Ihr seid der Erste der mich heute hier in Talyra sieht und kennt. Das andere hat später auch noch Zeit.“
Noch immer liegt ein Lächeln auf ihren Lippen, als sie Borgil aus ihren schwarzen Augen mustert. Seine Vermutung über den Grund ihrer Abwesenheit wird ihr wieder bewusst und wahrscheinlich schuldet sie ihre Freunden in Talyra wirklich eine Erklärung. Sie hat gehofft, dass sie nicht über Vergangenes reden muss, über einiges könnte sie selbst dann nicht reden, wenn sie wollte, doch der Hauch von Neugier in Borgils Augen lässt sich nicht leugnen.

„Ich war auch in meiner Heimat. Zwei Zwölfmonde mögen in eurer Welt bis heute vergangen sein... Ich kann und darf euch nichts über mein Reich erzählen, aber hier gibt es Dinge die man einfach nicht vergessen kann. Nicht einmal dort. Es war mein Wunsch wieder zurückkehren zu dürfen und er wurde mir gewährt... dieses Mal ohne die Möglichkeit einer Rückkehr.“ Bei den letzten Worten wird ihre Stimme merklich leiser, doch in ihrem Gesicht ist kein Zeichen von Bedauern. Sie hatte sich entschieden und zwar endgültig.
Eine Mogbardame tritt zu ihnen an den Tisch, wirft flüchtig einen Blick zu Borgil und stellt dann den bestellten Sommerwein samt Glas auf den Tisch. Erst nachdem das Glas halb gefüllt ist, zieht sich die Bedienung wieder zurück, so dass der Zwerg und sie alleine bleiben.

Auch wenn es unhöflich ist so verhüllt vor dem Zwergen zu sitzen, zieht sie es weiterhin vor die Kapuze über den Kopf zu lassen. Es ist ihr niemand bekanntes in der Harfe aufgefallen, doch die Gerüchte würden kommen. Allein schon durch ihre Verhüllung.
„Ich,“ zögernd beginnt sie ihr Anliegen, bricht dann aber ab und sieht ratlos zu Borgil. Würde es überhaupt noch stehen? Hatte er wirklich den Schlüssel dazu?
In einer typischen Art gibt Borgil ihr jedoch zu verstehen, dass sie ruhig mit der Sprache rausrücken soll.
„TianAnmen.... Steht es noch? Und wohnt jemand daran? Wenn nein, habt ihr den Schlüssel?“
Einige Erinnerungen die in Beziehungen mit TianAnmen stehen sind in ihrem Inneren versiegelt und so kann sie sich nur an die schönen Dinge erinnern. Ein Haus so weiß wie ihre Kleidung und mit der gleichen unheimlichen Ausstrahlung wie ihre einstige Besitzerin- solange sie anwesend war. Jetzt vermag es vielleicht nur noch eine Bruchbude sein.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 14. Apr. 2005, 20:45 Uhr
>Ich war auch in meiner Heimat. Zwei Zwölfmonde mögen in eurer Welt bis heute vergangen sein... Ich kann und darf euch nichts über mein Reich erzählen, aber hier gibt es Dinge die man einfach nicht vergessen kann. Nicht einmal dort. Es war mein Wunsch wieder zurückkehren zu dürfen und er wurde mir gewährt... dieses Mal ohne die Möglichkeit einer Rückkehr.< "Freut mich, das zu hören.... obwohl ich mir denken kann, das Euch die Entscheidung nicht so leicht gefallen ist. Es ist jedenfalls schön... und ehrlich gesagt auch sehr beruhigend... Euch wieder in Talyra zu wissen. Wißt Ihr, was.. ähm.. .was alles vorgefallen ist in den vergangenen zwei Jahresläufen? Wenn nicht, dann wisst Ihr ja, wo Ihr das alles erfahren könnt."
Der Wein kommt und Borgil hat Gelegenheit, die leibhaftige Seharim vor seiner Nase ein wenig genauer in Augenschein zu nehmen.... nun ja, jedenfalls soviel von ihr, wie er in dem fließenden Umhang und unter der überschattenden Kapuze sehen kann. TianShi macht allerdings keine Anstalten, ihr Haupt zu entblößen und Borgil steht es nicht zu, sie darauf aufmerksam zu machen... abgesehen davon ist es ihre Sache. "Weiße Dame"...tja, das war dann keine Übertreibung. Bevor sie jedoch nach den Ereignissen der jüngeren und älteren Vergangenheit fragt, falls sie denn daran interessiert ist, gilt TianShis erstes Anliegen ihrem alten Heim. "TianAnmen... ja, das steht noch. Und natürlich wohnt niemand dort." Borgil hatte das Gebäude nur einmal gesehen und auch nur von außen... und zwar an dem Tag, an dem man ihm den Schlüssel zu ihrem Anwesen anvertraut hatte. Aber er hatte dafür gesorgt, dass das Haus gut verschlossen worden war und immer wieder nach dem Rechten dort gesehen. Ins Heim einer Seharim einzudringen, und wenn auch nur um so banale Dinge wie Blumengießen oder Lüften zu erledigen, das war ganz und gar... undenkbar.   "Der Garten ist eine rechte Wildnis geworden, meine ich. Aber dem Haus sollte es eigentlich an nichts fehlen. Ich war allerdings nicht äh... nie... im Inneren. Geht mich ja auch nichts an," brummelt er. "Wartet hier, ich hole ihn Euch rasch." Er eilt in seine Privatgemächer und dort in den Keller, in dem nicht nur seine fest eingemauerte Schatzkammer liegt, sondern auch allerhand andere in langen Jahrhunderten angehäufte Dinge - Raritäten wie Plunder, Kostbarkeiten und Schnickschnack und manchmal auch schlicht Sachen, die eine persönliche Bedeutung für ihn haben. In einem Regal findet er ein kleines, silberbeschlagenes Kästchen aus Ebenholz und nimmt es mit sich zurück zu TianShi an dem Tisch in der Gaststube. "Hier. Eure Schlüssel."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 14. Apr. 2005, 21:29 Uhr
Eine andere Zeit, ein anderer Ort. In Borgils Privatgemächern



Borgil zerrt Azra vor den Spiegel und zwingt sie, hinzusehen, sich und ihn genau anzusehen, in der vagen Hoffnung, das müsste sie eigentlich zur Besinnung bringen, aber alles, was er damit erreicht, ist, dass das Mädel der eleganten zarten, blassen Porzellanerscheinung im trüben Spiegelglas einen verächtlichen Blick zuwirft, nur um dann den groben, muskelstrotzenden stiernackigen Zwergenklumpen daneben verliebt anzublinzeln. "Herrje!" Als er jedoch von unschuldigen Jungfrauen und dem Heiraten spricht, scheint ihr endlich aufzugehen, von was er die ganze Zeit redet - und ihm wird schlagartig klar, dass ihr dieser Gedanke überhaupt noch nicht gekommen scheint, falls sie so etwas überhaupt schon jemals in ihrem Leben gedacht hat – das im Übrigen wie lange gedauert hat? Fünfzehn Jahre? Sechzehn? Wie alt ist sie eigentlich? Auweia... Borgil Blutaxt, du bist ein Riesenrindvieh! Gleich wird sie dir irgendetwas schmähliches an den Kopf werfen und dann rauscht sie zur Tür hinaus und du  siehst sie nie wieder...

Das tut Azra zwar nicht, aber sie macht einen Satz von ihm fort und starrt ihn dann zitternd wie Espenlaub und mit knallroten Wangen an. Borgil unterdrückt ein Seufzen. Noch ein verflixtes Weibsbild mehr, dass nur hübscher wird, wenn es verlegen ist. Aber auch wenn das erschrockene Begreifen noch immer ihre Augen weitet, er kann sehen, wie es hinter dieser niedlichen alabasterhellen Stirn arbeitet... hektisch arbeitet. Dann verändert sich etwas in ihrem Gesicht, ohne dass er genau sagen könnte was... aber auch wenn ihre Knie immer noch schlottern, sie sieht ihn an, als... als ob...  Ach, Blödsinn! Dann werden diese großen, wasserhellen Augen noch ein Stück größer und zwei Krokodilstränchen kullern herzzerreißend über runde Wangen, ehe ihm halb trotzig, halb flehend beschieden wird, dass sie trotzdem jede Nacht bei ihm sein will. Borgil klappt, gelinde gesagt, die Kinnlade herunter, doch er erhält keine Chance zur Widerrede. >Ich habe… jede Nacht an… deinem… Bett gewacht, habe mich um dich gekümmert, genau wie du es für mich getan hast. Du hast mir die Möglichkeit gegeben ein normales Leben zu leben und zu diesem Leben, das ich jetzt führe…<

'"Das nennt man Dankbarkeit," schnappt er, noch immer reichlich sprachlos und eines neutralen Tonfalls nicht mehr wirklich mächtig. "Deswegen hüpft man aber nicht gleich zu seinem äh... Gastgeber ins Bett!" Völlig unbeeindruckt fährt Azra fort und schimpft erst über den Spiegel, ehe sie ihm vollkommen furchtlos ihre Liebe gesteht. Wenn Borgil nicht schon der Mund sperrangelweit offengestanden wäre, hätte sein Ende seines Bartes jetzt vermutlich die Zehen erreicht. "Silshammerundamboßundschmiedefeuerhimmeldonnerwetternochmalwassolldasdennheißen?!"
ist erst einmal alles, was er durch seine Stimmbänder quetschen kann und er klingt dabei wie ein Mann, der kurz davor ist, einen hysterischen Anfall zu bekommen. Er zwingt sich eine ganze Weile, nur zu atmen, dann nimmt er ihre Hand und führt sie behutsam zu einem der wuchtigen, mit weichen Pelzen ausgekleideten Sessel am Fenster. "Azraschatz, sieh mal. Es ehrt mich sehr, dass du soviel für mich empfindest. Und ich habe dich schrecklich gern... ganz furchtbar. Und du äh... bist sehr begehrenswert, aber da wissen wir ja schon. Aber du bist noch keine zwanzig Sommer alt und ich? Ich bin ein alter Zwerg. Ich war schon zwanzig mal so alt wie du.

Ich kann dir das nicht antun, unmöglich. Aber vor allem kann ich mir das nicht antun. Sieh mal, Herzchen, ich würde dich sehr lieben. Vielleicht würde ich dich sogar eine Weile glücklich machen... doch wie lange? Ein Jahr? Oder zwei? Und irgendwann käme so etwas wie dieser Rosenbengel aus Verd daher und würde dich mir wegnehmen... dein Herz und deine Gedanken. Irgendwann würdest du anfangen, dich für mich zu schämen. Irgendwann würdest du dich nicht mehr freuen, mich zu sehen. Dann würdest du mein Bett nicht mehr teilen wollen und bald auch nicht mehr mein Leben. Du würdest mich ansehen mit deinen hübschen, weißen Augen und ich würde keine Liebe mehr darin finden, sondern Widerwillen und Abscheu. Das will ich nicht erleben. Du hast jemanden verdient, der... der... der... na ja, besser zu dir passt, verdammt noch mal! Nicht einen alten Knurrschädel, wie ich einer bin, der viermal soviel wiegt und zwanzigmal so alt ist, wie du!"  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 15. Apr. 2005, 13:48 Uhr
Noch nie hat sie den Zwergen in einer derart fassungslosen Art erlebt. Der Mund so weit offen, ein Bierfass hätte ohne weitere Mühe hineingepasst und ein dicker Verder Schinken gleich noch dazu. Dazu kommt ein Fluch, so aneinandergestückelt, das nur noch zu erahnen ist, was für Worte seinen Mund verlassen und weiterhin starrt er sie an, als wäre die Welt plötzlich völlig grün. In dieser kurzen Zeit wischt sie sich schnell die nassen Bahnen ihrer Tränen von den Wangen, ein Schluchzen unterdrückend. Sie fühlt sich hilflos, eben wie ein kleines dummes Mädchen, das noch nicht einmal den Hauch einer Ahnung dessen hat, was sie gerade anrichtet. Schliesslich greift Borgil sanft nach ihrer Hand und führt sie zu einem der weichen Sessel am Fenster, von wo aus man einen wundervollen Ausblick auf Blumen, Bäume und einen Teil der Strasse hat. Viel Zeit hat sie damit verbracht hier zu sitzen und die Leute zu betrachten, die durch die Strassen liefen, aber heute hat sie keinen Blick übrig dafür. Viel zu sehr hängt sie an den Lippen des Zwergen, die sich nun beinahe zögerlich zu bewegen beginnen.
Sie weiss nicht was sie erwartet hat, aber sicherlich nicht solche Worte. Als er sie begehrenswert nennt, kann sie ein einen flüchtigen dunklen Schatten auf ihren Zügen nicht verhindern, denn momentan fühlt sie sich alles andere als begehrenswert. Noch nicht einmal annähernd anschaubar, aber bereits spricht er weiter und was er sagt, sticht tief in ihr Herz und ihr ist als würden sich schwere Eisenringe um ihr Herz legen und erbarmungslos zudrücken. Es ist nicht die Tatsache, dass er wahrscheinlich nicht so fühlt wie sie, sondern das er glaubt, irgendein ein Lump aus Verd, und mochte er auch Prinz Charming sein, könnte etwas an ihren Gefühlen ändern. Doch sie schweigt, schweigt verbissen und starrt mit einem beinahe wütenden Ausdruck im Gesicht auf die Staubteilchen in der Luft, die durch die Sonnenstrahlen tanzen und sich einen Spass daraus machen, ihren Augen Streiche zu spielen. Man kann beinahe spüren wie die Temperatur im Raum sinkt, und hätte sich in diesem Moment nicht eine Wolke vor Shenras Antlitz geschoben, man hätte meinen können, die unscheinbare Kälte wäre von dem Blutelbenmischling aus gekommen.

Mit einer ruckartigen Bewegung erhebt sie sich wieder aus dem Sessel, die farblosen Augen durchdringend auf Borgil gerichtet und jeder Muskel zum zerreissen angespannt. Der Zorn ist verschwunden, dafür mischt sich nun Traurigkeit und Verständnis mit einem wehmütigen Lächeln und sie schüttelt beinahe resignierend den Kopf. Für einen Moment ist das kleine Mädchen verschwunden und sie hört völlig auf ihren Verstand.
„Du hast wohl Recht.“ Ihre Stimme zittert, trotz dessen das sie sich bemüht, sich nichts von dem Schmerz anmerken zu lassen, den das wenige Vertrauen des Zwergen hinterlassen hat. „Was sollte Jemand wie du mit einem Ding wie mir anfangen können, ich könnte ja deine Enkelin sein, aber niemals…“ Sie wagt das Wort nicht auszusprechen und bricht ab, nach Atem ringend und sich halb zur Türe umwendend. Tränen bahnen sich ihren Weg hinauf und doch unterdrückt sie diese mit aller Kraft. <<Ich habe mich die ganze Zeit wie ein kleines Mädchen benommen, ich sollte dem ein Ende setzten.>>
Als sie sich eine Strähne aus dem blassen Gesicht zurück streicht, wirkt die Geste fahrig und unkontrolliert und ein abgehacktes Lachen entringt ihrer Kehle, bevor sie sich endgültig der Türe zuwendet, jedoch kurz davor innehält. Sie könnte schweigend hinausgehen, sie könnte ihn in seinem Glauben lassen und sich selbst einreden, dass genau der Fall eintreten wird, den Borgil voraus gesagt hat aber… <<Ich weiss das es nicht so ist, ich weiss es Silverdammtnochmals ich weiss es.>>
Einmal, zweimal klappt ihr Mund auf, ohne das sie etwas sagt und langsam wendet sie sich noch einmal um, und trotz jegliches Fehlen einer Farbe in ihren Augen, brennt ein Funke darin, stärker als man es wohl zuvor jemals bei ihr gesehen hat: „Es ist nicht wahr was du sagst und wird es niemals sein. Ich habe nie viel Liebe auf dieser Welt erlebt, weil ich nun mal bin was ich bin. Ich habe mich nie als Wesen gefühlt, das ein Recht auf Leben hat, sondern immer nur als Verstossene, eine Kreatur ohne Seele. Seit ich hier bin hast du mein Leben auf den Kopf gestellt und mir mit Worten und Schlägen“, flüchtig erinnert sie sich an einen von blauen und violetten Flecken übersäten Hintern: „ eingetrichtert das ich ebenso ein Wesen bin, das Trauer, Wut, Zorn, Sehnsucht wie auch Liebe empfinden kann und nicht nur von Hass aufgefressen wird. Ich mag noch nicht einmal zwanzig Sommer zählen und du bereits so alt sein wie die Tannen vor der Goldenen Harfe. Trotzdem könnte noch nicht einmal ein dahergelaufener Rosenbengel aus Verd irgendetwas an dem ändern, was mein Herz mir sagt. Du bist kein Knurrschädel, sondern ein Zwerg mit einem Herz aus Gold. Warum sollte ein junger Kerl mich interessieren? Nur weil er schlank und rank, blondes Haar und blaue Augen hat? Er hat aber nicht das feuerrote Haar das wie das Feuer selbst schimmert, er hat nicht die schwarzen Augen, in denen ich die Sicherheit, Zuneigung und Wärme finde, die ich möchte und besonders hat er nicht deinen Charakter, der mein Herz jedes Mal wieder zum Springen bringt. Keiner da draussen hat auch nur annähernd das, was ich möchte, denn keiner von ihnen ist wie du.“ Nun stockt sie doch und mit einem Male kommen ihr ihre Worte so unwirklich und naiv vor, sie würde am liebsten schreien über ihre Einfältigkeit. Dafür ist es jedoch zu spät und so zwingt sie sich zu Ende zu sprechen, was wie ein schwerer Stein auf ihren Schultern lastet. Sie ist wie hin und her gerissen zwischen Frau und Mädchen, doch beide sind sich in einem Punkt einig: „Wenn du nicht glaubst, dass ich dich lieben könnte, bis sämtliche Sterne am Himmel verblasst sind, dann muss ich dies akzeptieren und werde einfach froh sein zu wissen, dass ich bei dir sein kann.“
Sie glaubt nicht hier noch etwas verloren zu haben und wendet sich um, die Hand so fest um den Türknauf schlingend, das ihre Knöchel weiss hervor treten. Sie würde nun mit ihrem Nachtgewand, zersaustem Haar und einer Miene gleich einem Stein durch die Harfe laufen und sich nicht darum kümmern, was andere über sie denken würden. Es ist so völlig egal geworden. Bald wist dieser Zwischenfall wieder vergessen und das Leben geht weiter wie gewohnt, oder nicht?  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Filia am 15. Apr. 2005, 15:45 Uhr
Bitterkeit umspielt Elyrinas Züge, als sie von ihrem Vater spricht. In solchen Momenten hat Filia immer das Bedürfnis den anderen zu umarmen. Doch blickt sie Elyrina in diesem Moment nur mitfühlend an, sie kannte sie ja schließlich nicht einmal länger als eine Stunde.
Aber dass Elyrina einen Antiquitätenladen besitzt zaubert ihr ein Lächeln aufs Gesicht. Antiquitäten hatten sie schon immer wie magisch angezogen. Sie nahm sich vor, bei ihrem morgigen Spaziergang auch dort einmal vorbeizuschauen. Vielleicht würde Elyrina sich auch darüber freuen.

<" was hat Euch hier her geführt?">
Filia schlägt für einen Augenblick die Augen nieder. Als sie wieder aufsieht, versucht sie zu lächeln, doch die Traurigkeit lässt sich nicht aus ihren Augen verbannen. "Nun ja...", sagt sie und streicht sich eine Sträne hinters Ohr. Eine Geste die sie doch allzu oft aus Unsicherheit macht.
"Ich bin Waise. Seit meine Großmutter gestorben ist, habe ich kein Zuhause mehr. Man sagte mir hier würde ich Arbeit und Unterkunft finden."
Wieder versucht sie zu lächeln. Sie möchte ihre Gesprächspartner nicht mit ihren kleinen Problemen belasten.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von TianShi am 15. Apr. 2005, 17:44 Uhr
Mit Borgil an seinem Privattisch


Die Tatsache, dass Borgil ihre Anwesenheit als beruhigend empfindet wirkt sich ihrerseits eher beunruhigend aus. Verständnislos verengen sich ihre Augen eine winzige Spur während sie den Zwerg mustert. Natürlich verrät sein Gesicht kein bisschen was vorgefallen sein könnte, doch allein dass es dieser Zwerg ist, der etwas derartiges behauptet, liefert genug Gründe, zu einem späteren Zeitpunkt nachzuhaken. Natürlich ist es auch Borgil der sich anbietet ihre Wissenslücken zu füllen.
"Später," flüstert sie nur leise. Interessieren tut es sie, doch weiß sie nicht, ob sie schon bereit dafür ist. Schließlich wurden ihr bewusst Erinnerungen entzogen, auch wenn sie nicht weiß wer Teil davon ist, und unbedachte Worte könnte das zurück bringen, was sorgfältig verborgen wurde. Zudem ist sie völlig im Unklaren ob mögliche Ereignisse mit ihr zu tun haben könnten.

Das ihr Heim noch steht und vor allem unversehrt ist, nimmt sie wohlwollend auf. Jetzt würde es für immer oder zumindest eine sehr lange Zeit ihr Zuhause sein. Das der Garten wohl eher einer Wildnis gleichen und das Haus wohl nur vor Dreck und Staub trotzen würde, ist ihr egal. Doch das Borgil herumdruckst und etwas davon murmelt, dass er in TianAnmen nichts zu suchen hat, verwundert sie.
Gut sie ist eine Seharim, aber sie war nicht anwesend. Das Gebäude ist riesig und mit Sicherheit hätte der Stadtrat es für den einen oder anderen Zweck gebrauchen können. Bevor sie jedoch  irgendeinen Einwand vortragen kann und sei es nur, um Borgil zu versichern, dass er es hätte ohne Bedenken betreten können, ist der Zwerg aufgestanden und verschwindet in der Küche. Zurück kommt er wenig später mit einer schwarzen kleinen Schatulle und hält sie ihr mit den Worten >"Hier. Eure Schlüssel."< entgegen.
Zögernd greift sie danach und stellt das Kästchen vor sich ab. Nachzugucken kommt ihr nicht in den Sinn. Borgil würde ihr nie im Leben irgendeinen Plunder oder ein leeres Kästchen geben.
"Danke."

Auch wenn die Ereignisse um und in Talyra der letzten Zwölfmonde warten können, so ist das Interesse an ihren Freunden doch groß. Wie würde es ihnen gehen? Sind sie überhaupt noch in Talyra anzutreffen?
"Borgil?"
Sie hat noch immer den Blick auf das Kästchen gerichtet, während ihre Finger gedankenverloren über die silbernen Verzierungen streichen. "Ich... wie, wie geht es ihnen? Niniane, Nuirafin, Calyra?" Auch nach Raven und Caewlin will sie fragen, doch auch wenn die beiden mit ihren verschlossenen Erinnerungen zu tun haben, so weiß sie, dass ihr Kontakt zueinander nicht allzu eng war.
"Und natürlich Euch?" Erst als sie auch Borgil danach fragt, wie es ihm geht, richtet sie ihre Augen auf den Zwerg. Den Kopf leicht schräg geneigt mustert sie ihn mit einem Lächeln. "Ihr seht gut aus." Doch ihr Lächeln verblasst als sie spürt, wie Borgil von schwacher Trauer umhüllt wird. "Was ist geschehen? Ist jemanden etwas passiert?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sayila_Arachelza am 15. Apr. 2005, 20:42 Uhr
<"Ich bin Waise. Seit meine Großmutter gestorben ist, habe ich kein Zuhause mehr. Man sagte mir hier würde ich Arbeit und Unterkunft finden."> erzählt Filia. Sayila sieht sie mitfühlend an. Schließlich weiß sie, wie es ist, einen geliebten Menschen zu verlieren. Ihre Zuneigung zu dem Mädchen wächst. Sie ist auf sich alleine gestellt, genau wie ich es war, denkt sie, hoffentlich schafft sie es, wie auch ich es geschafft habe.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 15. Apr. 2005, 20:58 Uhr
Mit TianShi an Borgils Privattisch


Er überreicht der Seharim fast ehrfurchtsvoll ihre Schlüssel zu TianAnmen und läßt sich idann hr gegenüber wieder auf seinen Stuhl plumpsen. Jetzt, wo allmählich die Vorbereitungen auf's Inarifest in Gang kommen und die Stadt sich langsam aber sicher mit allerlei fahrendem Volk, zahllosen Fremden und einer Menge Huren, Schausteller und Taschendiebe füllt, spürt er jeden langen Tag... vor allem, da seine Nächte letzthin so kurz geworden sind. >Borgil?< Irgendetwas im Ton der Seharim läßt ihn aufblicken und schlagartig wachsam sein. TianShi sieht ihn nicht an, hat ihren Blick auf das Ebenholzkästchen gerichtet, aber selbst Borgil kann sehen, daß ihre nächste Frage sie beschäftigt. >Ich... wie, wie geht es ihnen? Niniane, Nuirafin, Calyra?< Er hat mit Fragen nach ihren alten Freunden in Talyra gerechnet, aber einen Moment lang weiß er nicht, was er sagen soll. Und TianShi scheint das ebenfalls zu spüren, denn ihr Lächeln stirbt und sie fragt sehr viel besorgter nach, ob denn etwas geschehen sei. "Es... nun... was wollt Ihr zuerst hören? Die guten oder die schlechten Nachrichten? Zuerst die schlechten, hm?" Er dreht sich halb um, winkt einer Schankmaid und läßt sich einen Krug Verder Dunkel bringen, stark und süffig und angenehm malzig im Geschmack. "Nun... Nuirafin. Sie hat Talyra verlassen, nicht lange nach Eurem Fortgang. Sie kehrte zurück, aber nicht für lange Zeit. Nach allem, was man so gehört hat, hat sie versucht, etwas zu finden oder war auf einer Erkundung nach einem uralten Ort. Ich weiß zumindest, daß Malakai von Serathie... oh, er ist jetzt Mitglied des Stadtrates, Herr des Hauses der Bücher... mit dabei war, aber was dann aus ihr wurde, weiß kein Mensch. Eine Weile hieß es im Winter, sie sei zurückgekehrt, aber das hat sich leider als unwahr herausgestellt... oder wenn sie wirklich hier war, dann nicht für sehr lange. In ihrem Häuschen wohnt ein junges Mädel, Yori. Töpferin, soviel ich weiß. Die war wohl eine Zeitlang mit ihr unterwegs, aber da erschöpfen sich die Gerüchte auch schon. Und Morholdrim, der Alchemist... den habt Ihr auch gekannt, nicht wahr? Der hat Talyra ebenfalls verlassen, ist schon lange her. Und... und Calyra," Borgil muß sich räuspern, ehe er weitersprechen kann. "Calyra von Sturmende ist tot. Sie...sie wurde in der Sithechnacht von einer Kanalratte erschlagen, mitten auf der Straße. Die Götter mögen ihrer Seele gnädig sein und sie mit dem Weißen Schiff davontragen," Borgil zeichnet eine Schutzrune auf seine Brust und nickt langsam. "Wie Ihr Euch vorstellen könnt, ist Caewlin... nun ja. Ihr wißt vermutlich, wie sehr er sie geliebt hat. Er und sein Sohn...oh, wißt Ihr, daß er einen Sohn hat? jedenfalls, er und sein Sohn und auch Raven sind zur Zeit bei Niniane im Baum und erholen sich dort von ihren Verletzungen. Wären beide fast gestorben. Warum und wie es dazu kam, das ist eine lange Geschichte, aber ich erzähle sie Euch nachher gern. Und Niniane? Nun, soviel ich weiß, geht es ihr sehr gut. Sie hat äh... geheiratet und eine kleine Tochter... was heißt klein, der Sonnenkäfer muß auch schon bald ein Jahr alt sein, wenn er es noch nicht ist."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von TianShi am 16. Apr. 2005, 13:23 Uhr
Mit Borgil an seinem Privattisch


Schweigend hört sie dem Zwergen zu. Natürlich musste es schlechte Nachrichten geben. Das hier war die Welt, welche Ea vor langer Zeit geschaffen hatte, mitsamt gegensätzlichen Wirken. Also kein Vergleich zu ihrer Heimat, wo es kein Gut oder Böse gibt.
Nuirafin und Morholdrim haben die Stadt verlassen. Eigentlich nichts erfreuliches, denn scheinbar weiß niemand etwas über ihren Aufenthaltshalt, doch es besteht die Chance, dass es ihnen gut geht. Während Borgil spricht nickt sie lediglich hin und wieder, um seine Fragen zu bestätigen oder den Zwergen zum fortfahren zu animieren.

>"Calyra von Sturmende ist tot."< Die Worte treffen sie wie einen Schlag. Ihre Augen weiten sich vor Schreck und es erscheint ihr vollkommen irreal, warum ausgerechnet jemand die Bardin erschlagen sollte. Sie waren nie sehr eng befreundet gewesen, doch an Calyra war nie etwas böses gewesen. Allein der Klang ihrer Stimme hatte oft schon ausgereicht, um TianShi grübeln zu lassen, ob sie vielleicht auch eine Seharim war und kein normaler Mensch. >"von einer Kanalratte erschlagen"< hallt es in ihrem Kopf nach. Sie weiß, dass ihr dies irgendetwas sagen sollte, doch da ist nichts. Nur Leere und vergessene Erinnerungen von Würmern und einer Gefangennahme.
Es kommt kein Wort über ihre Lippen. Was sollte sie auch dazu sagen? Es würde nichts ändern, aber unbedachte Worte könnten alte Wunden aufreißen. ">Wie Ihr Euch vorstellen könnt, ist Caewlin... nun ja. Ihr wisst vermutlich, wie sehr er sie geliebt hat."< Caewlin. Ein verblasstes Bild des Nordmannes taucht vor ihrem Auge auf. Sie hatte Calyra und Caewlin kurz vor der Geburt ihres Kindes auf Wunsch von Niniane aufgesucht gehabt. Damals hätte sie nie gedacht, dass die beiden auf diese Weise voneinander getrennt werden. Überhaupt hätte sie nicht damit gerechnet, dass sich ihre Wege überhaupt noch einmal trennen würden. Bedauernd senkt sie den Kopf und spricht ein stummes Gebet. Die Götter haben sich ihrer mit Gewissheit angenommen.
Dass das Kind ein Junge geworden ist, lässt sie schwach lächeln. Ein Teil der Bardin würde in dieser Welt verbleiben, würde aber ebenso beim Anblick des Kindes jeden an die zierliche Frau erinnern. Das auch Raven und Caewlin angeblich nur knapp den Tod entronnen sind, lässt die Seharim wieder aufblicken.
"Was ist hier bloß geschehen? Warum lassen das die Götter zu?" flüstert sie leise, schüttelt aber gleich darauf den Kopf. Ein Zeichen, dass sie keine Antwort will. Gerade sie darf das Wirken der Götter nicht in Frage stellen. Wie könnte sie auch, wo sie doch ein Diener dieser ist? Alles hat seinen Grund. versucht sie sich zu beruhigen, aber recht gelingen will es ihr nicht.

Sie wird das Gefühl nicht los, dass all diese Ereignisse irgendwie zusammenhängen. Sie würde es auch mit Sicherheit erfahren und auch wollen, doch für den Anfang ist dies, vor allem die eine Nachricht, doch ein wenig zu viel des Schlechten. Borgil vertröstet sie auf später. TianShi ist nicht im geringsten unfroh darüber. Dass Niniane eine Tochter bekommen hat, ist eine sehr erfreuliche Nachricht und lenkt von den düsteren Gedanken ab. Wieder taucht das Bild eines Nordmannes in ihrem Kopf auf, doch dieses Mal ist es ein anderer, dessen Gesicht von schwarzen, langen Haaren eingerahmt wird. Scheinbar hat Niniane nachgegeben.
Ein flüchtiges Lächeln liegt auf ihren Lippen, als sie sich vorzustellen versucht, wie das Kind wohl aussehen mag. Ob es die Augen seiner Mutter hat? TianShi ist sich sicher, dass sie Niniane demnächst besuchen wird, doch da Raven und Caewlin dort zugegen sind, würde sie dieses Vorhaben vielleicht doch noch ein wenig hinauszögern.
"Wie heißt ihre Tochter? Wie sieht sie aus? Und wer ist der Vater?" Sie will ihre Vermutung nicht aussprechen. Möglicherweise würde ihre Freundin es ihr übel nehmen, wenn sie ihr einen Nordmann andichtet, dem sie schon lange den Rücken zugekehrt hatte.
Um die ganzen Neuigkeiten verdauen zu können, greift sie zum ersten Mal nach dem gefüllten Glas und trinkt einige Schlucke des Sommerweins. Genau das ist es, was sie vermisst hatte. Auch wenn ihr Gespräch nicht unbedingt Anlass zum Fröhlich sein bietet, so ist es das Gefühl willkommen zu sein, welches sich wohlig in ihrem Inneren ausbreitet. Nachdem sie das Glas wieder abgesetzt hat, blicken ihre schwarzen Augen wieder zu Borgil. "Gibt es sonst noch etwas, was ich wissen muss?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Yarai am 18. Apr. 2005, 15:56 Uhr
Yarai führt Fian zur Harfe. Auf dem kurze Weg dorthin, erwähnt er ein paar Details über sein Leben, was Yarai freut. Sie hört ihm aufmerksam zu und stellt auch erfreut fest, dass seine Stimme ruhiger wird und er scheinbar auch. "Oh... ein Leben unterwegs. Ja, das ist wunderschön, nicht? Seid Ihr durch die Wälder gezogen?" fragt sie und es klingt wirklich neugierig.
Sie erreichen die Harfe und Yarai öffnet Fian freudestrahlend die Tür. "Dies mein Herr... ist die Goldene Harfe, das beste Wirtshaus der Stadt, wenn man so will." Sie deutet eine leicht spöttische Verbeugung an und als sie hoch- und Fian anblickt, bemerkt sie das erste Mal, dass er vielleicht gar kein Mensch ist wie sie. Sicher ist sie sich aber nicht.

"Tretet ein!"

Die von Rauch geschwängerte, warme Luft schlägt ihnen entgegen, dabei ist es gerade einmal kurz nach Mittag.
Yarai lacht, Wirtshäuser sind ihre Welt... wenn es nach ihr ginge würde sie in einem Leben oder wie Dancy eines bewirten. Nunja... ihre Liebe für Parfum und Geruch kann ihr aber auch keiner nehmen und sie ist mit ihrem Leben zufrieden.
Sie führt Fian vorbei an einigen besetzen Tischen, bis zu einem kleinen am Fenster, etwas abseits von den Pfeife schmauchenden Backenbärten, die sich um diese Zeit wohl eine Pause von ihrer Arbeit gönnen. Mit einem kleinen Gewissensbiss stellt Yarai fest, dass auch sie eigentlich einen ganz normalen Arbeitstag haben sollte, anstatt sich in einem Wirtshaus zu amüsieren.

"Na, gefällt es Euch?"

Bevor Fian antworten kann, erscheint auch schon eine der Schankmaiden und Yarai bestellt fröhlich ein Glas Weißwein, überlässt es aber Fian selbst sich etwas zu bestellen.
"Wie gefällt Euch Talyra bis jetzt? Ich finde diese Stadt wirklich liebenswert... sie ist nicht nur schön, auch ihre Bewohner sind unbeschreiblich nett." plaudert sie weiter, gebietet sich aber auch diesmal Einhalt und wartet erst einmal, was Fian sonst noch so von sich erzählt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Elyrina Tinuviel am 18. Apr. 2005, 16:29 Uhr
Elyrina bemerkt den Blick von Filia, sie ist ihr dankbar dass sie es bemerkt hat, aber nicht weiter adrauf eingeht. Heute will sie schließlich nicht darüber sprechen.
Unterkunft und arbeit... nun vielleicht... Warum nicht, Sayila kenne ich schließlich auch nicht länger. Sie überlegt noch einen Augenblick, dann schut sie Filia freundlich an, "Wenn Ihr arbeit sucht, so kannich Euch vielleicht helfen. Ich suche zur Zeit freundliche Leute die mir im Laden etwas helfen. Ich hatte ein paar gesundheitliche Probleme, weil ichso viel gearbeitet habe und möchte mir nun Hilfe holen. Wenn Ihr möchtet kommt doch morgen früh auch vorbei. Sayila wird auch kommen." Sie hat mitleid mit der jungen Fru die ihr scheinbar einzigen Familienmitglied verloren hat. Sie würde ihr auch gerne das noch frei stehende Zimmer in ihrem Haus anbieten, aber jetzt wo Sayila dabei sotzt hat sie ein schlechtes Gewissen, wenn sie Filia das Angebot macht und Sayila nicht, und überhaupt.. sie kennt die junge Frau eigentlich nicht... Arbeit ist eine Sache, aber in einem Haus zu wohnen ist eine andere.. Ich werde ja sehen was sie für eine Person ist, wennsie die Arbeit denn annimmt, und wenn sie sympatischist und dann immer nochauf Wohnungssuche sein sollte, kann ich sie ja immer noch fragen.
Elyrina nimmt ihren Becher zur Hand und möchte daraus trinken, aber ihr fällt auf, dass er bereits leer ist. Sie bemerkt auch wie der Tag seinen tribut zollt und die Müdigkeit sich inihr breit macht. Aber sie möchte nciht einfach aufstehen und gehen, also bestellt sie noch einen Becher Met.
Sie muss auchnciht lange warten, da wird der Becher schon vor ihr auf den Tisch gestellt. Sie bezahlt auch sogleicht ihre Schulden, damit sie nach diesem Becher wieder aufbrechen kann.
Aber noch sietzt sie hier mit zwei netten jungen Damen. Sie lächelt beide an und trinkt einen Schluck aus dem Becher.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Filia am 18. Apr. 2005, 17:36 Uhr
Filia weiß erst gar nicht, was sie sagen soll. Einerseits ist sie überrascht so schnell Arbeit zu finden und andererseits freut sie sich unheimlich. Es ist auch ihren Augen abzulesen, die plötzlich gar nicht mehr traurig oder verschlafen wirken.
Ein strahlendes Lächeln breitet sich auf ihrem Gesicht aus, als sie nach kurzer Zeit endlich realisiert, was ist.
"Da-Dankesehr!", sagt sie und als sie merkt, dass sie gestottert hat, färben sich ihre Wangen leicht rötlich. "Vielen Dank. Ich hätte nicht gedacht so schnell Arbeit zu finden."
Sie lächelt. Es ist wahr, was man mir erzählt hat. Die Menschen hier sind kaum freundlicher und gütiger als anderswo.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sayila_Arachelza am 18. Apr. 2005, 18:50 Uhr
Sayila hat aufmerksam den Wortwechsel zwischen Elyrina und Filia verfolgt. Sie lächelt in sich hinein, als Elyrina auch Filia Arbeit anbietet. Also werden wir drei wohl noch öfter zusammentreffen, denkt sie, vielleicht kann sich daraus ja sogar eine Freundschaft entwickeln. Es ist lange her, dass sie einen Menschen kannte, den sie als Freund bezeichnen konnte. Die Trauer überschattet für einen kurzen Moment ihr Gesicht und sie verfällt in Gedanken. Wehmütig und voller Schmerz denkt sie zurück. Ihre Vergangenheit lässt sie nicht los, holt sie immer wieder ein. Doch Sayila reißt sich zusammen.
<"Da-Dankesehr!">, stammelt Filia und errötet leicht, <"Vielen Dank. Ich hätte nicht gedacht so schnell Arbeit zu finden."> Sayila lächelt. Sie teilt die Freude des Mädchens aus vollem Herzen. Schließlich war auch sie einmal so fröhlich und unbedarft. Und sie wäre es wohl heute noch, wenn nicht... Unwirsch schiebt sie den Gedanken beiseite. Vergangenes kann man nicht rückgängig machen. Sie sollte sich um ihre Zukunft sorgen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 19. Apr. 2005, 22:30 Uhr
In Borgils Privatgemächern


Borgil lauscht jedem ihrer Worte und kann es einfach nicht glauben. Entweder er ist verrückt oder sie ist betrunken - oder beides auf einmal. Er ist immer noch dabei, sich einzureden, daß sie auf gar keinen Fall ernst meinen kann, was sie ihm da eben ganz ruhig und vernünftig - und äußerst nüchtern obendrein - erklärt, und vermutet schon ein böser Zauber, ein Fluch, ein Hexenbann oder ein Zaubertränklein sei irgendwie im Spiel, als er ihre Augen sieht. Sie sind so hell und fein wie alles an ihr, die Iris nicht mehr als ein hauchzarter, taubengrauer Schatten - jetzt allerdings glüht darin eine Wärme, die ihn ganz beklommen macht. Ihren weiteren Ausführungen kann er nur noch beklommener folgen, obwohl sie sichtlich mit den Worten kämpft und aussieht, als würde sie am liebsten jeden Moment davonrennen - aber sie bleibt und macht ihm todesmutig eine Liebeserklärung nach der anderen - und Borgil fühlt sich plötzlich ganz elend und drei Meter groß zugleich, gewärmt bis in die Zehenspitzen und schlotternd vor Rührung. Sein altes, hartes Zwergenherz schmilzt wie warme Butter in der Sonne. Ha, ein Feigling war sie noch nie, mein Mädel! Dein Mädel? Was soll denn das heißen? Ja, dein Mädel! Und wenn du klug bist, dann schleppst du sie jetzt ganz schnell zum nächstbesten Priester, anstatt hier herumzutrödeln und dir tausend Ausreden einfallen zu lassen, warum dieses seharimgleiche Geschöpf sich eigentlich überhaupt etwas aus dir macht. Über den Geschmack der Frauen, was Männer angeht, läßt sich nicht streiten, noch wird ihn je einer begreifen. Borgil, du bist ein Hasenfuß! Und ein verblödeter Hornochse obendrein! Und du wirst es bitter bereuen! Ja, vermutlich - na und? Sie sagt, ich bringe ihr Herz zum Springen! Und ich hätte eins aus Gold. Und... heiliges Schmiedefeuer, wo will sie denn jetzt hin?!

Noch bevor er weiß, wie ihm geschieht oder wie er eigentlich dorthin gekommen ist, zum Kuckuck, findet er sich plötzlich neben ihr an der Tür wieder. Einen Augenblick später verschwinden ihre zierlichen Finger, weiß wie die Brust einer Taube, völlig in seiner ledrigen Zwergenpranke, als er seine Hand auf ihre legt. Er muß nicht fragen, ob sie das alles ernst meint - das kann er in ihren Augen sehen, in ihrer Stimme hören, in ihrer Miene lesen und es erfüllt ihn mit grenzenlosem Staunen und auch mit einer sehr viel bescheideneren Freude. Jetzt weiß er allerdings nicht so recht, wie er beginnen soll - er will nicht, daß sie geht, andererseits kann er sie auch kaum in sein Bett einladen und für glühende Liebesschwüre ist es zu früh und zu spät gleichzeitig. Herrje. Ist das so mit der Liebe? Daß man ständig sprachlos wird? Oder betrifft das nur uns Männer? Borgil ist gewiß kein Kostverächter und hat in seinem langen Leben zahllose Frauen gehabt - zweifellos hat er einige von ihnen auch geliebt - aber das hier ist für ihn neu, definitiv etwas... anderes. "Als erstes," grummelt er und diesmal, weil er weiß, daß ihr das Grummeln so gefällt, "als erstes, hrm, könntest du zum Frühstück bleiben. Und dann sehen wir mal, was der Tag noch so bringt." Wie sich heraustellen soll, bleibt Azra nicht nur zum Frühstück, sondern auch zum Mittagsmahl und zum Abendessen und Borgil findet an diesem denkwürdigen Tag, den sich das Schicksal oder die Götter ausgesucht haben, um sein Leben vollkommen auf den Kopf zu stellen, zwischen Honigbrötchen und Mandelpudding, gebratenem Kapaun mit geröstetem Gemüse und schließlich einem Laib warmen Brotes mit den Resten vom Mittag und einem Krug Bier, ein paar höchstinteressante Dinge heraus: Erstens, daß Azras Haut nicht nur in ihrem hübschen Gesicht, sondern einfach überall wie weißer Samt und abgeschöpfter Rahm ist, zweitens, daß sie eine ganz und gar erstaunliche Wißbegierde an den Tag legt, drittens, daß sie sich als Naturtalent erweist, viertens, daß sie eine ganze Reihe höchst entzückender, kleiner Geräusche von sich geben kann und fünftens, daß sie nicht nur schlank wie ein Weidenzweig, sondern auch mindestens so biegsam ist und zuguterletzt, daß er sein armes, altes Zwergenherz schon nach dem Frühstück rettungslos an sie verloren hat.

Und so kommt es, daß Azra nicht nur an diesem Tag, sondern an allen, die folgen, bleibt. Und als es Frühling wird, der Schnee taut und in Talyra die Bäume ausschlagen, die Vögel singen, der Harfengarten hergerichtet wird und die Straßen sich in Schlammpfuhle verwandeln, ist Borgil nicht nur hin und weg und dankt im Stillen den Göttern tagtäglich (und des Nachts noch viel mehr) für diese wundersame Fügung, sondern er beschließt auch, daß es Zeit ist, endlich Nägel mit Köpfen zu machen - und tut das prompt stante pede (obwohl ihm dabei die Knie schlottern wie einem Lehrlingsbengel). Zu seinem grenzenlosen Entzücken sagt sie Ja und so wird eines schönen Tages im Taumond aus "einfach nur Azra", Azra aus dem Clan der Blutaxt, Gemahlin Borgil Blutaxt's von N'arkam Dror, Bezwinger von Riesen und Trollen, Meisterschnitter der Fünften Tiefe, Wirt der Harfe, sagenhaft reicher Besitzer halb Talyras (aber das nur am Rande), Abenteurer a.D., Freund von Elben und Zauberern und Mitglied des Stadtrates, kurz: Madame Borgil. Und da Borgil nach der Auffassung "was mein ist, soll auch dein sein" lebt, sieht man sie fortan stets in der Harfe an seiner Seite, wo sie eifrig dabei ist, ihren frischgebackenen Ehemann vom Arbeiten abzuhalten (was ihr auch oft genug gelingt) und gleichzeitig alles über das Führen eines so großen Gasthofs zu lernen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 19. Apr. 2005, 23:56 Uhr
Die nächsten Tage vergehen noch schleppend, nach dem Tiuri seinen Gang auf den Marktplatz unternommen hat, hatte er gedacht schnell wieder völlig taufrisch zu sein, aber scheinbar hat er sich etwas übernommen und das Bett für einige Tage wieder etwas kontinuierlicher gehütet. Er hat Faraday bis dahin praktisch nicht zu Gesicht bekommen oder eigentlich nicht zu Ohr, denn sie hat meistens geschlafen. Aber eines Tages steht sie vor ihm, sieht ihn an aus ihren schönen blauen Augen und hat ihre wenigen Sachen zusammen gepackt, eigentlich gehört ihr praktisch gar nichts von alle dem, es sind hauptsächlich Sachen die Borgil oder eine der Mägde ihr gegeben hat. Tiuri kann es gar nicht so richtig glauben, sieht von ihr zu den Sachen und wieder zurück, macht dabei immer wieder kleine Abstecher in Richtung Tür. Da sie nicht zu sprechen beginnt, ist es an ihm nach Worten zu suchen und er stammelt vor sich hin, etwas das eigentlich nicht seine Art ist, schließlich war er nie jemand gewesen der nicht weiß was er sagen soll. Sein erster Reflex ist aufzuspringen, seine eigenen Sachen zu packen und mit ihr zu gehen, aber dafür fehlt ihm der Mut. Seit der Sithechnacht war er nun in der Harfe, hat dort Freunde gefunden, praktisch eine Familie und er weiß, dass er den Gasthof irgendwann wieder verlassen muss, er weiß auch, dass Faraday irgendwann wieder gehen muss, aber warum das gerade heute sein soll, ist ihm unbegreiflich. „Bleib hier“, flüstert er irgendwann nach dem er sich den Mund erst fusslig geredet hat, ohne dabei tatsächlich etwas von Bedeutung zu sagen. Aber anstatt ihm die erhoffte Antwort zu geben, zu lächeln und einfach zu bleiben, schüttelt Faraday nur den Kopf. „Bitte geh nicht!“ Tiuri weiß sich keinen Ausweg, er will nicht betteln und bitten, aber er findet auch keinen anderen Weg die Freundin zum Bleiben zu überreden. Er greift nach ihren Händen, so weiß und schmal zwischen seinen langen verbogenen und vernarbten Fingern. Als sie sich umdreht um zu gehen, hält er sie fest und dreht mit einer Hand ihr Kinn zurück zu sich, haucht ihr einen sanften Kuss auf die Lippen. Aber anstatt ihm jetzt um den Hals zu fallen und zu schwören nie wieder vom Fortgehen zu reden, schaut sie ihn nur wie versteinert an, mit einem Blick der Tiuri sicher sein lässt, dass sie nie wieder kehren wird und verlässt den Raum. Obwohl er keinen Zweifel hat, dass Faraday die Harfe und sein Leben endgültig verlassen hat, verbringt er die nächsten Tage damit in seiner Kammer im Selbstmitleid zu zerfließen und darauf zu warten, dass sie wieder kehrt. Es passiert natürlich nichts dergleichen, aber irgendwann wird es dem jungen zu eng, zu einsam und schlichtweg zu langweilig die ganze Zeit alleine in der horizontalen zu verbringen und so erhebt er sich endlich und macht endlich wieder eine seiner Touren durch die Harfe. Gleich am ersten Morgen nach dem Faraday verschwunden war, war eine der Köchinnen oben bei ihm im Zimmer gestanden und hatte nachgesehen ob er denn krank wäre, da er sich nicht wie üblich bei ihnen eingefunden hatte. Mit knappen Worten, absolut untypisch für den Jungen, hat Tiuri gesagt, dass sein Herz ein Scherbenhaufen sei und dass er jetzt lieber alleine leiden würde. Natürlich hat er sich in diese Sache hinein gesteigert und sie schlimmer gemacht als sie eigentlich war, aber nichtsdestotrotz hatte Tiuri einsehen müssen, dass ihm Faraday mehr bedeutet hat, als er bis dato geahnt hatte.
Denk nicht daran, sie kommt nicht wieder.
Etwas mehr gute Stimmung bringt ein ganz anderes Ereignis in die Harfe. Völlig überraschend, für manche mehr für manche weniger, hat Borgil beschlossen den letzten Schritt vor den Altar zu machen und zwar mit Azra, der Tiuri ebenfalls schon öfters in der Harfe begegnet ist. Und obwohl der Junge seine Ohren und Augen sonst eigentlich überall hat, ist er einer derer, die völlig überrascht von Borgils Entschluss sind. Aber bei einer schönen Zeremonie, bei der Tiuri Grid ein Taschentuch nach dem anderen reicht, geben sich der Zwerg und der Blutelbenmischling schließlich das Ja-Wort. Azra lebt sich auch gleich wundervoll in ihre neue Rolle ein und geht voll und ganz in ihrem Dasein als Ehefrau des Zwerges und Wirtin der Harfe auf. Weiter bedeutet das, dass man von Borgil in den nächsten Tagen nicht allzu viel hört und sieht, außer hin und wieder einen roten Bart der gerade mit einer zierlichen jungen Frau im Schlepptau in deren Privatgemächern verschwindet.
Tiuri währenddessen erholt sich stetig und schon bald ist ihm nichts mehr anzusehen, was ihm nicht auch schon vor dem Abenteuer unterstellt hätte werden können. Gegen Abend hin bekommt er regelrechte Fressattacken und die Köchin schimpft schon, dass er ihnen noch die Haare vom Kopf futtern wird, aber es lohnt sich, dass der Junge nicht mehr so hohlwangig  und knochig aussieht. Im Gegenzug dazu, hat er, wie Borgil vorgeschlagen hat, begonnen im Stall mitzuarbeiten. Zwar dauert es eine Zeit lang bis Nino, der Junge der bis dahin die Hauptarbeit im Stall getan hat, sein Misstrauen gegen Tiuri überwindet, aber schon bald verbringen die Jungen die Abende damit durch Talyra zu streifen und Tiuri lernt so die Straßen der Stadt allmählich kennen. Tiuri hat Nino natürlich nicht die Wahrheit über sich erzählt, sondern eine neue Geschichte erfunden, in der er seit er auf der Welt ist mit seinen Eltern durch die Welt gereist ist. Auf seine etwas theatralische Weise erzählt er davon wie seine Eltern, die eigentlich aus Talyra stammen, bei einem tragischen Unfall, in den eine wirklich fürchterliche Kreatur verwickelt war, ums Leben gekommen waren und nur er, durch den Heldenmut seines Vaters und das Opfer seiner ihn liebenden Mutter überleben konnte. Aus diesem Grund war er auch nach Talyra gegangen um die Heimatstadt seiner geliebten Eltern zu sehen und dort war schließlich alles so gekommen, wie es nun einmal passiert war.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 21. Apr. 2005, 14:26 Uhr
An Borgils Privattisch, etwa eine Woche vor dem Inarifest


Er läßt der Seharim Zeit, das Gehörte zu verdauen und beobachtet mitfühlend, wie sich ungeheure Trauer über das von der Kapuze beschattete Gesicht legt. Am liebsten hätte er TianShi aufmunternd den Handrücken getätschelt, aber solche Vertraulichkeiten gegenüber einem Geschöpf der Andernwelt gehen schlicht nicht an. >Was ist hier bloß geschehen? Warum lassen das die Götter zu?< "Das fragt sich vermutlich jedes Geschöpf Rohas mindestens einmal in seinem Leben, vom niedrigsten Wurm bis hinauf zu den..." Borgils Lächeln wird eine Spur wärmer, während sein Blick über TianShi hinwegschweift, "bis zu den Seharim." Dann erzählt er ihr langsam und mit einfachen Worten, wie es dazu gekommen war, was im Kanal unten geschehen war, von Whytfisk und seiner Rache und wie das alles mit den Wurmgeschichten von damals zusammenhängt... wenn auch nur auf unterschwellige Weise. Er läßt nichts aus, beschönigt nichts und übertreibt noch weniger und endet schließlich damit, wie sie zurückgekehrt waren und dann einen Siebentag lang hatten bangen müssen, bis endlich die erlösende Nachricht gekommen war, daß Raven und Caewlin wundersamerweise doch überlebt hatten. "Seit der Sithechnacht sind sie bei Niniane im Baum und... nun ja, kommen wieder zu Kräften und lassen ihre Wunden heilen."

Die Seharim weiß so gut wie er selbst, daß er damit nich irgendwelche äußeren Verletzungen meint. "Vier Monde ist das jetzt her und ich kann immer noch nicht an den armen Phelan oder Calyra denken, ohne feuchte Augen zu kriegen, herrje." TianShi rettet ihn vor weiteren Gefühlsduseleien, indem sie das Gespräch lieber auf Ninianes Tochter lenkt und Borgil unterdrückt ein Grinsen. "Die Kleine? Oh... Shaerela. Und nach allem, was ich so gehört habe, sieht sie aus wie ihr Vater - nur hübscher, natürlich. Wer ihr...? Oh. Der Tronjer natürlich - Cron, meine ich. Hat Niniane seit der hier aufgetaucht ist eigentlich überhaupt noch irgendeinen anderen Mann auch nur zur Kenntnis genommen?" Borgils Grinsen wird breiter. "Irgendwie hat er es sogar geschafft, daß sie seine Frau geworden ist, aber fragt mich nicht, wie. Vermutlich hat er ihr vorher eine über den Schädel gebraten und den Priester bestochen, denn es gibt, wissen die Götter, keine halsstarrigere Frau als sie. Aber sie scheint wirklich glücklich mit ihm zu sein." Ja, was man vor allem daran erkennt, daß man sie überhaupt nicht mehr zu Gesicht bekommt.

Die Seharim nippt von ihrem Sommerwein und atmet tief durch... so als würde sie das alles hier in sich aufnehmen und auch wenn er nicht nur Erfreuliches für sie hat, dennoch... nun ja... genießen. Sie scheint sich immerhin zu freuen, daß sie wieder hier ist. Und ich mich erst! Ha! Und Morgana erst - die weiß ja schon seit geraumer Zeit manches Mal nicht mehr, wo ihr der Kopf steht und sie hat keine Magie, um zu heilen! >Gibt es sonst noch etwas, was ich wissen muss? "Och," erwidert Borgil und sein so hartes Zwergengesicht bekommt einen ganz verträumten Ausdruck. "Dies und das und jenes. Einen ganzen Rattenschwanz an Ereignissen. Es ist soviel geschehen, seit Ihr fort wart, angefangen von der Schlacht bei Liam Cailidh letztes Jahr und Falcon Lyr'Aris Tod bis hin zu meiner... ach ja. Ich äh... fürchte, ich bin auch unter die Haube gekommen." Das Grinsen auf Borgils Gesicht ist jetzt so breit, daß man bequem einen Heuwagen darin parken könnte und just in diesem Augenblick taucht eine blasse zierliche Gestalt hinter dem Tresen auf, die das wirre Haar im Nacken zusammengebunden hat und einen kleinen Stapel frischer Leintücher unter die Theke schiebt. Weiße Augen irren suchend im Gastraum umher und bleiben dann an ihm hängen und Borgil winkt sie mit einer kleinen Geste heran, während sein Grinsen etwas hintergründiges bekommt.

Er hat schon mehrmals die Erfahrung gemacht, daß Fremden die Kinnlade meist bis auf den Boden klappt, wenn er Azra als seine Frau vorstellt... entweder, weil sie völlig verblüfft sind von der Nachricht, daß er sich hat einfangen lassen oder aber - was er für wahrscheinlicher hält  - weil jedermann irgendein grobes, dralles, rosiges Mogbarmädel oder zumindest ein gestandenes Weibsbild an seiner Seite zu erwarten scheint und nicht diese vogelzarte Schneegeschöpf. Was auch immer TianShi erwarten mag, eines weiß er sicher: sie würde Azra akzeptieren, einfach weil er sie kennt und sie seine Frau ist, ungeachtet ihrer durchaus sichtbaren Blutelbenabstammung - und zwar ohne Wenn und Aber. Schließlich war TianShi lange Zeit die Freundin eines Dämons gewesen... des einzigen Dämonen mit Seele, der jemals die schwarze Erde Rohas betreten hatte, Andariel Aeyolscaer. "Komm her, mein Herz, sieh mal, wer hier ist. Darf ich vorstellen? Azra, mein Eheweib, Tian Shi eine.... weise Frau und Heilerin. Manche nennen sie auch die Weiße Dame. Sie hat... äh früher hier gelebt und war lange Zeit fort, doch jetzt ist sie zurückgekehrt. Wir sind noch nicht lange verheiratet, will sagen, sie hat mich noch nicht satt. Und was sie eigentlich an mir findet, werd ich wohl mein Lebtag nicht herausfinden, aber ich bin wirklich froh, daß ich sie habe... und ich denke, wir werden zum Inarifest ein wenig feiern." Er klapst Azra auf das wohlgerundete Hinterteil und setzt sie in Ermangelung eines dritten freien Stuhls kurzerhand auf seinen Schoß. "Was meinst du, Mädel?"  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Elyrina Tinuviel am 21. Apr. 2005, 15:37 Uhr
Elyrina bemerkt den Wandel auf dem Gesicht von Filia und freut sich selbst auch. "Ich braucht mir nicht zu danken. Ich wisst gar nicht wie sehr Ihr mir damit helfen könnt. Denn es ist auch nciht immer leichte Arbeit. Aber ich denke gemeinsam werden wir das schon schaffen." sie lächelt und hebt ihren Becher und trinkt ihn bis zur Hälfte leer. sie merkt so langsam, wie der Met seine wirkung tut und ih Blut zum Rauschen bringt und ihren Bilck etwas vernebelt. hier in der warmen Harfe und dann die sticvkige Luft, von den ganzen anderen LEuten hier drin... Sie seht sich plötzlich nach frischer Luft.
"entschuldigt mich einen Augenblick." sagt sie und steht schnell von ihrem Stuhl auf und geht nach draußen.
Vor der Harfe atmet sie zuerst ein, zweimal tief durch.
Das rauschen in der Ohren vom Blut hört schon nach einiegen augenblicken auf, und auch ihr Blick wird wieder klarer. Sie bleibt noch einen Augenblick stehen und schaut in den nächtlichen Himmel Wie schön die Sterne zu dieser Jahreszeit sind, denkt sie bei sich und geht nach einem Seufzer wieder in die Harfe hinein.

Sie bahnt sichihren Weg zum Tisch und setzt wich wieder auf ihren Platz. Aber sie merkt, dass sie nach diesem Becher wirklich gehen sollte. Denn ihre Schritte sind nciht mehr so anmutig wie sie es sonst sind. Eher etwas wackelig.
"Entschuldigt, aber mir war nicht so gut. Ich glaube ich habe den Met zu schnell getrunken. Ich trinke nämlich zu Hause nur Tee und Wasser. Darum binichnciht so daran gewöhnt. und dann diese Stickige Luft... naja, aber jetzt geht es ja wieder." sie lächelt etwas "ICh freue mich, wnn ich EUch mit dem Angebot eine Freude gemacht habe, Filia. Es ist immer gut, wenn man schnell arbeit findet, das erleichtert das Fußfassen. Das ist zumindest meine Meinung."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sayila_Arachelza am 21. Apr. 2005, 20:50 Uhr
Sayila merkt, wie ihr so langsam die Müdigkeit in die Knochen kriecht. Das Dunkelbier in ihrem Krug ist fast leer und sie trinkt ihn in einem letzten großen Schluck aus. Ein wenig unschlüssig sieht sie Flilia und Elyrina an, die soeben wiedergekommen ist. Sie möchte nicht unhöflich wirken, aber es verlangt sie doch sehr nach ihrem Bett. Vorsichtig räuspert sie sich.
"Es ist doch sicher schon viel zu spät", meint sie, "und ich glaube, auf uns alle drei wartet ein Arbeitstag." Aufmerksam huscht ihr Blick zwischen Filia und Elyrina hin und her.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von TianShi am 22. Apr. 2005, 16:08 Uhr
An Borgils Privattisch


Während Borgil spricht und ihr geduldig erzählt, was alles in den letzten Monden passiert ist, ist da wieder dieses Gefühl mehr wissen zu müssen. Bei der Erwähnung von Tunneln, der Unterstadt und Würmern, ja selbst beim Nennen des verstorbenen Waldläufers, hat sie das Gefühl, als wenn dies alles etwas in ihr wachrufen müsste. Doch es bleibt stumm in ihrem Inneren. Nichts reagiert auf Borgils Worte und keine Bilder werden von ihnen heraufbeschworen.
Das freudlose Lächeln im Gesicht der Seharim gilt sowohl diesem Gedanken, als auch den schrecklichen Erlebnissen in der Unterstadt. Erst als der Zwerg ihr gegenüber nochmals bestätigt, dass Raven und Caewlin zumindest körperlich keine bleiben Schäden davontragen, wird ihr Lächeln eine Spur heller. Und als Borgil dann auch noch freudestrahlend von Ninianes Tochter redet, sind die trüben Gedanken gänzlich verschwunden. Von Shaerela kommt das Gespräch zu deren Vater und die Überzeugung in Borgils Stimme lässt TianShi verwundert aufblicken. Sie kann sich beim besten Willen nicht vorstellen, wie ihre Freundin sich überhaupt auf jemand festlegen würde, doch scheint genau dies eingetroffen zu sein, denn allen Anschein nach sind sie auch schon den Bund der Ehe eingegangen.
>“Vermutlich hat er ihr vorher eine über den Schädel gebraten und den Priester bestochen, denn es gibt, wissen die Götter, keine halsstarrigere Frau als sie.“<
„Borgil!“ haucht TianShi fast erschrocken, muss sich aber bemühen um nicht wie ein Mädchen zu kichern. Sie weiß sehr wohl, dass Borgil recht hat und bekanntlich musste man hin und wieder dem Glück ein wenig nachhelfen. „Hauptsache sie ist mit ihm glücklich.“
Dunkel kann sich TianShi an die Vergangenheit bezüglich Niniane erinnern und dort hatte oft ein wenig Glück gefehlt.

Sie lässt die Ereignisse die ihre wenigen Freunde und guten Bekannten in der Stadt angehen auf sich wirken und gönnt Borgil so eine kleine Pause. Doch kaum, dass sie ihre Frage nach weiteren wichtigen Dingen gestellt hat, erklärt Borgil belanglos, dass jede Menge geschehen sei- darunter abermals ein Verstorbener. Mit der Zeit würde sie schon die ganzen Neuigkeiten herausbekommen. Alles was in ihrer Abwesenheit geschehen war, mochte einerseits schöner aber auch schrecklich gewesen sein. Doch sie weiß, dass es zu dieser Welt gehört und somit unabwendbar ist. Als Borgil jedoch erwähnt, dass er geheiratet hat, öffnet sich ihr Mund fassungslos und fast schon entsetzt starrt sie den rothaarigen Zwerg an. Hätte man ihr soeben erklärt, dass sie nie eine Seharim gewesen war, sie hätte nicht überraschter sein können.
Ihr Mund öffnet und schließt sich mehrmals, doch kein Wort dringt daraus hervor. Das zufriedene Grinsen und fröhliche Strahlen seiner Augen sind Anlass genug, um Borgil wirklich zu glauben, was er eben gesagt hat, doch fällt es TianShi erheblich schwer, diese Neuigkeit zu verdauen.
„Wie? Wer?“ Ihre Worte sind so leise geflüstert, dass Borgil sie vermutlich nicht einmal gehört hat. Als sein Blick suchend durch den Schankraum gleitet, hebt er plötzlich die Hand und winkt eine Person zu ihnen an den Tisch. Auch wenn sie versuchen würde sich Borgils Angetraute vorzustellen, so will es ihr einfach nicht gelingen. Es ist nicht einmal die Tatsache, dass er geheiratet hat, sondern viel mehr die Frage, welche Frau es überhaupt geschafft hat ihn dazu zu bewegen. Sie hat keine Ahnung, was sie für eine Person erwartet, doch die Frau, eigentlich eher noch ein Mädchen, die sich nun auf sie zu bewegt, mit Sicherheit nicht.

Noch während sich die junge Frau sich ihnen nähert und Borgil noch nicht in den Genuss gekommen ist seine Angetraute vorzustellen, weiß TianShi, dass sie es sein muss. Die Art wie sich beide anblicken und das was sie schwach und ohne gerichtetes Fühlen spürt ist eindeutig.  Mit einem warmen, freundlichen Lächeln blickt sie zu dem Mädchen und lässt ihre Augen rasch über die zierliche Gestalt huschen. TianShi weiß, was sie ist, würde es sogar mit geschlossenen Augen wissen.

Die Augen von Azra sind so gegensätzlich zu ihren eigenen und lassen die Iris nur erahnen. Als Borgil sie, TianShi, weiße Dame nennt, blickt sie kurz verwundert zu ihm, ist ihm im Stillen aber dankbar dafür, dass er selbst seiner Frau gegenüber nicht erwähnt, was sie ist. Mit Sicherheit würde man ihr vertrauen können, ansonsten hätte Borgil sie garantiert nicht geheiratet, doch noch ist es nicht an der Zeit mehr als nötig über ihre wahre Herkunft zu informieren.
„Es freut mich Euch kennen zu lernen, Azra.“ Auch wenn es angebracht wäre sich über den Tisch zu beugen und der neuen Bekannten die Hand zu reichen, so verzichtet sie darauf.
„Und es freut mich zu hören, dass es jemand geschafft hat, das Herz eines nicht minder sturköpfigen Zwerges zu erweichen. Sie wird bestimmt ihre Gründe gehabt haben, um ausgerechnet Euch nachzustellen.“
TianShi kann sich gut vorstellen, dass es allerhand Gerüchte und Tratsch über diese Ehe in Talyra gibt, doch allein dadurch, dass Borgil der Ehemann ist, würden sie schon bald verstummen und niemand würde Azra wegen dem was sie ist belangen.
„Ich wünsche Euch auf jeden Fall alles Gute für Eure gemeinsame Zukunft. Und wenn die ersten Kinder im Anmarsch sind, dann lasst es mich wissen.“ Bei diesen Worten kann sich TianShi das Grinsen nun nicht mehr verkneifen. Doch es währt nur kurz in ihrem Gesicht und dann liegt wieder ein allgemein zufriedenes und erfreutes Lächeln auf ihren Lippen.

"Und für den Fall, dass Ihr möchtet, könnt Ihr mich gerne einmal besuchen kommen. Nun ja, das heißt, wenn alles einigermaßen vorzeigbar ist. Zwerge kümmern sich wohl nicht so gerne um anderer Leute Haushalte," wendet sich TianShi schmunzelnd an Azra und erhofft sich so vielleicht mal eine Gelegenheit um die Frau Borgils besser kennen lernen zu können.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 22. Apr. 2005, 18:34 Uhr
Ein dankbares Lächeln huscht über ihre Lippen und ein gemurmeltes Dankeschön kommt noch dazu, als ihr Grid, trotz aller Arbeit, die Hälfte des Tellerberges abnimmt, den Azra gerade in die Küche geschleppt hat. Die Harfe ist gut besucht und es ist viel zu tun, wobei sie froh ist Jemanden wie Halla dabei zu haben, die den Betrieb besser kennt als ihre eigene Westentasche und ihr so auch immer wieder aus Patschen hinaus helfen kann, in die sie durch ihre Unwissenheit stolpert. Azra gibt sich redlich Mühe, lernt auch mit viel Neugierde, aber nicht immer geht alles so wie es soll. Flüchtig huschen ihre Bilder von durcheinander liegendem Geschirr, von Met übergossenen Gästen, kleineren Kollisionen und einem Zwergen durch den Kopf, der sein Grinsen noch nicht einmal mehr unter seinem dichten, roten Bart verdecken kann. Schnell verdrängt sie diese Erinnerung, denn noch immer steigt ihr eine leichte Röte in die Wangen, wenn sie daran zurück denkt. Mittlerweile ist die Zahl der besudelten Gäste kleiner geworden und auch das Geschirr kann sich nicht mehr so schnell ihren geübten Fingern entwinden. So stellt sie den Abwaschberg nun fast schon elegant in eine Ecke, um sich dessen später anzunehmen, sich jetzt jedoch erstmal leicht genervt nach ihrem Lederband umsehend. Es muss hier irgendwo liegen und da ihre Locken ihr ansonsten die ganze Zeit ins Gesicht fallen, begibt sie sich kurzerhand auf die Knie und durchforstet die ganze Küche. Sie krabbelt unter den Tisch, schleicht um Grid herum, die nur fragend eine Augenbraue hebt und wohl nicht mehr weiss ob Azra den Verstand verloren hat, öffnet sämtliche Türen und Schränke an denen eben zuvor noch gewesen ist, und sieht plötzlich mit dem Schrecken der Erkenntnis zurück zu dem Abwaschberg, der noch immer in einer Ecke lauert.
Ist das Bändchen etwa… Ihr Kopf sinkt resignierend vorne über und ein Seufzen hebt ihre Schultern. Natürlich kann es nicht anders sein und ein kleines Ende des Leders hängt beinahe ganz unten aus dem Turm, den sie so sorgfältig aufgeschichtet hat. Schnell erhebt sie sich wieder, klopft kurz den Dreck von Schürze und Kleid, krempelt die Ärmel zurück und begutachtet den Turm misstrauisch, ihm anschliessend einen warnenden Blick zuwerfend. Das wäre das Letzte was sie heute gebrauchen könnte, einen erneuten Trümmerhaufen, Halla würde das Schreien bekommen, oder aber sich köstlich amüsieren und solch ein Angebot will Azra ihr eigentlich nicht schon wieder bieten.

Mit einer Hand stützt sie die Teller so gut es geht und beginnt langsam an dem kleinen Stück zu ziehen, das unter dem untersten Tellerrand - wie kann es auch anders sein - hervorsieht. Der Turm schwankt Besorgnis erregend und sie sieht sich schon inmitten eines Haufen schmutzigen Geschirrs sitzen, voll mit den Resten, die die Gäste übrig gelassen haben. Doch heute scheint es das Schicksal gut mit ihr zu meinen und statt einem Unglück gibt es nur ein paar Nerven weniger und ein Lederbändchen dazu. Erleichtert aufatmend, bringt sie endlich ihre Haare einigermassen in Ordnung und wirft dem Abwaschberg erneut einen warnenden, giftigen Blick zu, bevor sie sich mit einer fertigen Bestellung auf den Weg in den Schankraum macht.
Noch immer ist es ein seltsames Gefühl so frei umher zu laufen und Fremden einfach so gegenüber zu treten. Auch für manche Gäste ist es ein Erlebnis, einen Blutelbenmischling nach ihren Wünschen fragen zu hören und hie und da spürt sie kalte Blicke im Rücken, besonders wenn Elben anwesend sind. Doch auch wenn es in manchen Zeiten ein wenig ihre gute Laune dämpft, es ist völlig unwichtig geworden seit jenem denkwürdigem Tag, an dem sie nicht nur herausgefunden hat, das sie mehr beherrscht ausser seltsame Liebeserklärungen am Stück zu liefern, sondern auch das ein gewisser Zwerg gar nicht so knurrschädelig war, wie es sich selbst betitelt hatte. Und seit sie als Borgils Gemahlin zwischen den Tischen umherstreunt, wird ihr von einigen sogar so etwas in Richtung Respekt entgegengebracht. Ein sanftes Lächeln huscht über ihre Züge und bei dem Gedanken an Borgil sieht sie sich nun kurz nach eben diesem um, als sie durch den gefüllten Schankraum läuft, in einer Hand ein Tablett mit Suppe und einem Laib Brot und mit der anderen einen Krug Met vor sich hintragend. Er sitzt an seinem Privattisch und noch immer mit der weissen Lady zusammen, die gerade zuvor noch eine der Schankmaiden in helle Aufregung versetzt hat. Alles an ihr ist so rein wie der Schnee im Eismond: Ihr Umhang, ihre Kleidung und erst gar ihre Haut. Trotz dessen das sie gelernt hat Fremden gegenüber offen und stets zuvorkommend zu sein, ist es manchmal noch immer schwer, sich nicht lieber unter dem nächst besten Tisch zu verkriechen. Doch etwas Anderes nimmt ihre Aufmerksamkeit in Anspruch und ein dunkler Schatten legt sich auf ihr Gesicht. Sogar über den halben Schankraum hinweg kann sie sehen wie Borgils Augenbrauen sich wie dicke Raupen zusammen ziehen und sein Blick sich verdüstert, als wäre gerade ausgerufen worden, das es kein Dunkelbier mehr gibt. Doch da dies wohl eher nicht der Fall ist, keimt in ihr die Sorge auf, das es wieder um das gleiche Thema geht, bei den die Augen ihres frisch angetrauten Ehegatten in den letzten Monden immer wieder verräterisch geschimmert haben. Sie weiss nicht warum die weisse Lady auf die Sithechnacht zu sprechen kommt, oder warum Borgil sie erwähnt, doch es zeigt, dass diese Fremde wahrscheinlich eine alte Bekanntschaft oder gar mehr ist.
Hingehen und ihn einfach in dem Gespräch stören, das will sie nicht und widmet sich nun doch ihrer Aufgabe. Einen Herzschlag hält sie inne, den Elben musternd für den das Essen bestimmt ist und zieht dann tief die Luft ein. So gut es geht, ist sie Elben bisher aus dem Weg gegangen, doch es gibt immer dumme Zufälle wie jetzt. Also zwingt sie sich zu einem freundlichen Lächeln und tritt an den Tisch heran. Der Elb sieht zuerst höflich lächelnd auf, bevor er noch knapp verhindern kann, dass ihm die Kinnlade auf die Brust rutscht und sein Blick nimmt etwas Kühles an, was sie schon zu gut kennt. Es ist das natürliche Misstrauen, das man ihrer Art entgegenbringt - manchmal gar Hass -  und da er ein Fremder in der Stadt scheint, weiss er eben noch nichts von ihr. Mit einem: „Guten Appetit“, stellt sie dem Elben sein Mahl auf den Tisch, nickt ihm noch kurz zu und wendet sich wieder um.

Wieder verschwindet sie in der Küche um frische Leinentücher zu holen und diese dann fein säuberlich unter der Theke zu verstauen. Als ihr Blick nun erneut durch den Gasthof schwenkt, winkt ihr Borgil mit einer kleinen Geste zu und ein strahlendes Lächeln lässt ihre Mundwinkel in die Höhe zucken. Flink windet sie sich zwischen den Gästen durch und wieder wird sie wie magisch von dem Anblick der Frau gefesselt, besonders als sie nun näher tritt. Unter dem Umhang ist kaum etwas zu erkennen und doch ist Azra, als hätte sie vor dieser Frau nichts zu befürchten. Ihre Stimme ist hell und sanft und macht es ihr nur leichter ehrlich zu Lächeln, wobei sie der Dame freundlich zunickt und dann einen erschrockenen Laut von sich gibt, als Borgil ihr einen Klapps auf ihren Hintern gibt und sie dann kurzerhand auf seinen Schoss setzt. Automatisch wandern ihre zerbrechlichen Finger zu seinem Bart und nesteln daran herum und ein Gefühl von wohliger Wärme sucht ihr Inneres heim. Sie kann nur grinsen bei den Worten der weissen Dame und einen Moment später gerade noch verhindert, das ihr Mund aufklappt, wie bei einem Fisch an Land. Schnell hat sie sich gefangen, doch die leichte Röte auf ihren Wangen spricht Bände. Über Kinder hat sie noch nicht ein einziges Mal nachgedacht und irgendwie kommt es ihr unwahrscheinlich vor, dass sie - die sich selbst manchmal noch mehr als Kind denn als Erwachsene fühlt - ein Kind zur Welt bringen soll. Natürlich, man kann nicht behaupten, dass Borgil und sie… nunja… das Bett nicht auch konkret nutzen würden, aber so weit hat sie nun wirklich noch nie gedacht.
Azra sieht das Grinsen unter der Kapuze und plötzlich kann sie nicht anders als strahlen, wobei sie Borgil einen zärtlichen Blick zuwirft.
Gleich darauf wird sie gar eingeladen und sieht die Lady leicht ungläubig an, bis ihr aufgeht, dass ihr Gegenüber das ernst meint. Leicht verdattert versucht sie also irgendwelche Worte aus ihrem, durch die Freundlichkeit der Frau, verwirrten Kopf zu kriegen: „Also… Ich.. Gerne, vielen Dank. Das ist sehr freundlich von euch Lady Tian Shi, gerne würde ich euch einmal besuchen. Hm… Darf man fragen, was ihr hier nun machen wollt, wo ihr nach langer Zeit wieder zurück gekehrt seit?“ Sie hofft sich damit nicht zuviel erlaubt zu haben und beginnt gleichzeitig unbewusst mit den Fingern in Borgils Nacken zu spielen, ihm einem funkelnden Blick zuwerfend und kurzerhand einen sanften Kuss gebend. Sie freut sich auf das Inarifest, wo man dann doch noch ein wenig feiern wird, da sich die Hochzeit in kleinem Kreis gehalten hat. Ein schöner Taumondmorgen, mit mildem Wetter und sie hätte sich beim Aufstehen beinahe das Genick gebrochen, so aufgeregt war sie gewesen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Filia am 22. Apr. 2005, 19:54 Uhr
<"Es ist doch sicher schon viel zu spät und ich glaube, auf uns alle drei wartet ein Arbeitstag.">
Filia muss ihr Recht geben. Schon längst spürt sie immer wieder die Müdigkeit in ihre Knochen kriechen und auch ihre beiden Nachbarinnen sahen aus, als ob sie ein wenig Schlaf gebrauchen könnten.
"Sayila hat Recht. Ich glaube wir sind alle recht müde. Wir sehen uns ja morgen."
Auch sie möchte nicht unhöflich sein und blickt wieder etwas schüchtern zu Elyrina, die dazu noch nicht direkt etwas gesagt hat. Doch auch in ihren Augen erkennt Filia Müdigkeit und der Alkohol hatte ihre blassen Wangen leicht rötlich gefärbt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von TianShi am 23. Apr. 2005, 09:20 Uhr
An Borgils Privattisch


>“Darf man fragen, was ihr hier nun machen wollt, wo ihr nach langer Zeit wieder zurück gekehrt seit?“<
„Natürlich dürft Ihr.“ TianShi kann die Unsicherheit des Blutelbenmischlings spüren. Was auch immer in ihrem bisher recht kurzen Leben geschehen war, viel Gutes konnte es nicht gewesen sein, so dass es nicht verwunderlich ist, dass Azra recht zurückhaltend reagiert und unschlüssig ist, wie das Angebot, die Seharim zu besuchen, gemeint ist.
„Als erstes wird es wohl unumgänglich sein, dass ich TianAnmen herrichte. Ich weiß nicht, ob ihr es kennt. Gesehen habt ihr das Anwesen bestimmt schon einmal. Es ist das weiße und wie ich erfahren habe verlassene Gebäude, ziemlich genau gegenüber der Harfe in Richtung Westen; ein Stück vom Markplatz entfernt. Dort werde ich Kranke heilen und all jenen eine Zuflucht bieten, die auch anderweitig Erholung und Heilung benötigen.“
TianShi weiß, dass Geld in dieser Welt eine zentrale Rolle spielt. Außer dem, was sie am Leib trägt gibt es nicht, was sie als ihren Besitz bezeichnen könnte. Seharim ist es nicht gestattet Besitz anzuhäufen und in ihrer Welt hat weltlicher Besitz auch keine Bedeutung. Die erste Schwierigkeit ihres Hierseins besteht somit aus dem nicht vorhandenen Geld, was zweifelslos für der Herrichten von TianAnmen gebraucht werden wird. Auch wenn sie noch nicht genau weiß wie, so ist sie sich sicher, dass es irgendwie gehen wird. Möglichkeiten gibt es in dieser Welt Eas immer und als Seharim würde ihr das Glück in Form von Soris zur Seite stehen.

Während sie darüber nachdenkt, fällt ihr Blick auf Azra und Borgil. Der Zwerg selber gibt sich lieber als rauer Landsmann, den man bloß mit Gefühlsduseleien fern bleiben soll, doch nun wo Azra auf seinem Schoß sitzt, lässt er alles schweigend und genießerisch über sich ergehen. Ein leichtes Schmunzeln ziert TianShis Mundwinkel. Es freut sie wirklich zu sehen, dass sowohl Borgil, als auch Azra glücklich sind. Das bevorstehende Inarifest würde ohnehin dafür sorgen, dass die Liebenden in Scharen um die Häuser ziehen und sich besonders an jenem Tage hingebungsvoll Inari widmen.
Da sie Borgil schon eine ganze Weile von seiner Arbeit abhält und nun auch noch eine seiner Hilfen, wird es Zeit zu gehen. Später und jetzt sogar häufiger würden sich noch immer Möglichkeiten bieten, um Vergangenes zu erfahren oder sich einfach nur mal so zu einem kurzen Gespräch zu treffen.
Das Glas mit dem Sommerwein ist längst geleert und so erhebt sich TianShi von ihrem Platz.
„Borgil, ich danke Euch für Eure Gastfreundschaft, aber ich denke, es wird Zeit, dass ich mich in TianAnmen umsehe. Noch ist der Tag nicht alt, aber wer weiß, was es alles zu tun gibt. Und Ihr habt sicher genug um die Ohren.“
Mit einem Blick durch den Schankraum ist zu sehen, dass überall hungrige Mäuler warten und so herrscht eine rege Betriebsamkeit in der Taverne. Borgil macht natürlich Anstalten abzuwinken und die Hektik als Kleinigkeit abzutun, doch sie kennt ihn nun lange genug, um zu wissen, dass sich Borgil am wohlsten fühlt, wenn er seine Taverne am Laufen halten kann.

Auch dieses Mal verzichtet sie darauf jemanden die Hand zu geben. Statt dessen nimmt sie das kleine Holzkästchen an sich und sieht noch einmal zu Borgil und dann zu Azra.
„Ich meine es wirklich ernst mit dem Besuchen. Kommt einfach, wann immer Ihr möchtet. Mein Haus steht für Euch offen.“ Nach einer kleinen Pause fügt TianShi noch hinzu, das Gleiches auch für Borgil gilt.
„Einen schönen Tag wünsche ich Euch beiden noch.“ TianShi macht eine vage Geste, so als würde sie ein Zeichen in die Luft schreiben, lächelt noch einmal jeden zu und verlässt dann langsam die Taverne.
Sie kann siich noch gut daran erinnern, wie groß TianAnmen wirklich ist und sollte Borgils Behauptung stimmen und niemand hat sein ihrem Verschwinden das Anwesen wieder betreten, so würde es viel zu tun geben. Sehr viel.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Elyrina Tinuviel am 26. Apr. 2005, 15:31 Uhr
Elyrina ist froh, dass eine der anderen es zuerst ansprechen "Ja ihr habt wohl recht. WIr solltn wirklich heimwärts gehen." auch se steht aufg und legt sich ihrem Mantel wieder um die Schultern und lächelt die beiden freundlich an.
"Ich freue mich auf morgen. Ich wünsche Euch aeine gute Nacht und angenehme Träume." Mit einem Lächeln auf den Lippen verabschiedet sie sich von den beiden Frauen. "Bis morgen."
Dann verlässt sie die Harfe gemäßigten Schrittes ohne den Met noch ein weiteres Mal anzurühren.
Draußen bleibt sie kurz stehen und atmet tief durch. geschafft. Lange hätte sie sich nicht mehr konzentrieren können. Sie beginnt zu laufen und merkt, dass ihr das Gleichgweicht zu halten nicht leicht fällt. SIe läuft schneller um das Schwanken zu unterdrücken. Es ist ihr unangenehm. Es geziemt sich nicht für eine Frau sich zu betrinken. Ich Vater hatte  ihre Mutter mit einem Rohrstock bestraft, weil sie nach dem Tod eines der Kinder aus Trauer getrunken hatte und laut geworden war. Elyrina war noch klein gewesen, aber sie konnte sich noch genau daran erinnern, dass ihre Mutter sich einige Tage nicht hatte bewegen können. Noch während sie daran dachte erreichte sie die Haustüre und trat hicksend in den Laden und verschloss die Türe wieder hinter sich.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Fian am 26. Apr. 2005, 16:03 Uhr
Yarai scheint neugierig zu sein auf die Sachen die Fian erzählt. Er kennt das so gar nicht mehr, diese Neugierde, doch bei ihr ist es nicht allzu schwer zu übersehen. Sie stellt ihm auch schon die nächste Frage noch auf dem Weg zur „goldenen Harfe“.

„Ich lebte schon immer im Wald… Ich kenne die Wälder, ich weiß wie ich dort zurecht komme… Ich war nur selten unter Leuten… “

Einen Moment später kommen sie dann auch schon an dem Wirtshaus an. Fian lächelt als sie es ihm so ausgiebig vorstellt, doch er macht sich auch etwas sorgen. Was ist, wenn es nicht nur das beste, sondern auch das teuerste Wirtshaus der Stadt ist? Viel Geld hat er nicht bei sich, kann er denn das Trinken dort dann überhaupt bezahlen? Er wollte sein Geld eigentlich nicht für Sinnloses verprassen. Doch er will auch nicht einfach gehen oder unhöflich ablehnen, das wäre auch nicht richtig. Also betritt er langsam mit der jungen Dame das Gasthaus.

Ihm schlägt sofort der Rauch entgegen, das war im Pfirsich nicht so extrem gewesen, anscheinend war diese Schankstube wirklich besser besucht. Er kann ein leichtes Hüsteln nicht verkneifen, zu seiner Freude führt ihn Yarai zu einem Platz am Fenster, etwas entfernt von der Quelle des Rauches, einigen Pfeifenrauchern die es sich ebenfalls an den Tischen bequem gemacht haben.

Als sie sitzen stellt ihm Yarai erneut eine Frage. Sie will wissen ob es ihm gefällt. Fian verfällt sofort in Gedanken. Nun wirklich gefallen tun mir diese ganzen Wirtshäuser nicht, ich wäre lieber draußen in der Freiheit… doch das kann ich ihr doch nicht einfach so ins Gesicht sagen… Was soll ich jetzt machen? Lügen will ich auch nicht, das ist nie gut… aber es ist wohl auch unhöflich einfach so dieses Gebäude schlecht zu reden… sie scheint hier glücklich zu sein, es gefällt ihr… ich will auch nicht als Miesmacher dastehen…  
Erst jetzt bemerkt Fian, dass schon eine atraktive Schankmaid an dem Tisch steht und ihn etwas verwundert ansieht, wobei immer noch ein geschäftiges Lächeln auf ihren Lippen haftet. Wie lang sie wohl schon wartet? Verdammt… Es ist ihm sofort wieder peinlich, weshalb er nun doch so schnell wie möglich antworten will, allerdings ist er schon wieder sehr aus der Ruhe, spielt auch schon wieder mit dem Finger an einem Lederband an seinem Gürtel.

„I…ich… m…möchte… eine Milch…“

Er schaut die Maid bei seinen Worten nicht einmal an, da es ihm schon wieder so peinlich ist, dass er sich am liebsten in Luft auflösen würde, was man auch daran merkt, dass er wieder etwas errötet ist.
Die Schankmaid lacht leicht auf, nicht anklagend oder ähnliches sondern eher freundlich um Fian etwas aufzulockern.

„Gerne doch der Herr.“

Sind ihre Worte, dann wendet sie sich mit einem Lächeln ab und kümmert sich um die Bestellungen. Fian legt seine Hände auf sein Gesicht und reibt sich ein wenig die Augen und versucht wieder etwas Ruhe zu finden was ihm allerdings nicht sehr leicht fällt.

Erneut stellt ihm Yarai eine Frage, wobei Fian sie erstmal wieder eine Weile anschweigt, nicht um sie zu ärgern, sondern weil er sich mal wieder etwas in seinen Gedanken verliert.
Wie es mir in Talyra gefällt? Nun ich hoffte das alles wäre deutlich leichter… Ich kenne hier niemand… bis auf diese Frau die hier vor mir sitzt… und ich stelle mich an wie ein Taugenichts… Die Leute können hier schon nett sein, aber woher soll ich das wissen? Wie soll ich sie kennen lernen, wenn ich keinen geraden Satz hinaus bekomme? Warum bin ich überhaupt in diese blöde Stadt gekommen, wieso bin ich nicht einfach in den Wäldern, meinem Zuhause geblieben? Fian ist drauf und dran einfach aufzustehen und zurück in den Wald zu gehen, doch dann packt ihn wieder seine Willenskraft. Ich darf nicht einfach aufgeben! Ich muss das jetzt durchhalten! Ich habe es mir vorgenommen! Noch bevor Fian zu einer Antwort ansetzen kann, die schon etwas auf sich warten lässt, kommt ein Besoffener angetorkelt und setzt sich zu ihnen an den Tisch. Fian sticht sofort der beißende Alkoholgeruch in die Nase und auch ansonsten ist der Mann nicht wirklich wohlriechend. Fian begutachtet ihn aufmerksam, wobei ihm auffällt, dass der Mann wohl ein wenig kleiner ist als er, aber ein wenig stämmiger etwas dicklich. Er hat eine Glatze und einen leichten Bart, als hätte er sich ein paar Tage nicht rasiert. Der Mann starrt Yarai gierig an, dann wendet er seinen Blick aber an Fian.

„Also wenn du dir diese Frau nicht langsam packst, dann werde ich sie mir wohl nehmen, so was will man doch nicht einfach so alleine lassen!“

Der Atem des Mannes fließt Fian direkt ins Gesicht und haut ihn beinahe um, so stinkt es. Was würde er nun geben einmal Schlagfertig zu sein, doch stattdessen wird er nur wieder unruhig.

„Ihr… ihr… sie… das… l… lasst… uns… in… F… Frieden!“

Wirklich Überzeugend klingen Fians Worte nicht und er scheint auch nicht sehr überzeugt zu sein, er hat eher etwas Angst denn er will keinen Ärger, er hofft nur, dass der Trunkenbold Yarai in Ruhe lässt, denn das will Fian sicher nicht, dass sie in die Finger dieses Mannes gerät. Dann müsste er ihr wohl helfen, wobei er da wohl nicht die größte Hilfe wäre, er ist zwar nicht schwach, aber weiß seine Kraft eben nicht richtig einzusetzen. Doch helfen würde er ihr ohne Frage, ob er erfolgreich sein würde steht allerdings nicht fest. Er jedenfalls rutscht ein wenig auf dem Stuhl hin und her und weiß nicht recht was er tun soll.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 26. Apr. 2005, 17:48 Uhr
Vier Tage vor dem Inarifest... oder fünf, genauer gesagt, wenn diese verflixte Handelskarawane denn pünktlich eintrifft... platzt die Harfe bereits aus allen Nähten. Bis auf das allerletzte Dachkämmerlein sind sämtliche Zimmer ausgebucht. Irgendwann weiß selbst Borgil, der wirklich nicht leicht den Überblick verliert, nicht mehr, wohin er sich zuerst wenden soll. Seine armen Mädchen rennen wie die Hasen, um all den Bestellungen nachzukommen, oder sie würden es jedenfalls, wenn sie im Gedränge nur könnten. "Man könnte meinen", brummt er irgendwann, während er mit fliegenden Fingern einen um den anderen Bierhumpen füllt, "man könnte meinen, es gäbe kein anderes Gasthaus in der Stadt als meines!" Er bereut es längst, Azra mit einer Einladung zum Festmahl der Stadträte zu TianShi geschickt zu haben. Selbstredend wäre die Seharim ein Ehrengast und sogar das alte Wiesel Tallard ist über ihre Rückkehr ganz aus dem Häuschen. Eine Reisegesellschaft von Sûrmerischen Kaufleuten hat sich im Westflügel einquartiert und prahlt Tag und Nacht davon, Inaris größtes Geschenk an die Damenwelt überhaupt zu sein und dass das hiesige Weibsvolk noch in hundert Jahren davon reden würde. Eine ganze Reihe lediger, heißblütiger  Weyrs aus den Sonnenhügeln samt Pagen, Knappen und Leibdienern (nicht gerade, dass die Herren auch noch ihre Lieblingshuren im Gepäck hatten) ist ebenfalls angerückt, hat den Ostflügel der Harfe in Beschlag genommen und streitet sich Abend für Abend mit den sûrmerer Händlern - selbstredend nur um eines. Borgil ist nahe daran, beiden Parteien einen Zollstock zu bringen und die Beweise für die großspurigen Behauptungen an Ort und Stelle einzufordern - mit seinen sämtlichen Schankmaiden als Jury, die sich bestimmt köstlich amüsiert hätten.

Der Rest seiner Gäste ist weit weniger anstrengend und eine bunte Mischung aus Händlern, Abenteurern, Kriegern, Glückssuchenden und Wanderern, die schon länger in der Harfe weilen und hier in Talyra ohnehin Fuß fassen wollen. Dieser Elb, wegen dessen Schicksal ihm Olyvar so lange in den Ohren gelegen hatte, bis Borgil seinen Freibrief unterzeichnet hat, hat das letzte Zimmer ergattert und zählt sich ebenfalls zur illustren Gesellschaft der Harfenbewohner. Borgil rotiert also gerade hinter seinem Tresen wie ein bärtiger Kreisel, als an einem der Tische weiter hinten kurz Tumult entsteht. Borgil lässt die Traube von Schankmaiden, die gerade ihre Bestellungen herunterrattern links liegen und späht über die Theke. An einem kleinen Tisch hat sich offenbar ein Besoffener Hafenarbeiter an ein hübsches Mädel mit Haaren so blond wie ein Weizenfeld herangemacht. Ihr Begleiter, ein recht kleiner, schlanker Elb, genauso strohblond, blickt reichlich unentschlossen drein und scheint sich ohnehin alles andere als wohl in seiner Haut zu fühlen. Borgil dagegen hat keinerlei Bedenken in solchen Angelegenheiten und Skrupel schon gar nicht. "HEY!" Brüllt er so laut, dass es einen Moment lang in der Harfe so grabesstill wird, dass man eine Stecknadel fallen hören könnte. Alle Augen wenden sich Borgil zu und folgen dann seinem Blick auf den herumschwankenden Stein des Anstoßes am Tisch der beiden Blondschöpfe, der sich aus rotgeränderten Augen umsieht und nicht so ganz zu wissen scheint, wie er zu der unerwarteten Aufmerksamkeit kommt. "Nimm deine Finger weg, schaff deinen Arsch vom Tisch fort und verschwinde, du alter Säufer, oder ich prügle dich mit meiner Axt hinaus! Troilus, Cobrin und Cassandra, in meiner Harfe werden keine Mädels belästigt!" Borgil stapft um seinen Tresen herum, dreihundert Pfund Zwerg so breit wie hoch, mit mordlüsternem Blick und harten schwarzen Augen. Sein Handbeil steckt wie immer im breiten Gürtel mit den vielen Geldkatzen und Schlüsseln und er sieht durchaus danach aus, als verstünde er keinen Spaß.


Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 26. Apr. 2005, 22:10 Uhr
TianShi scheint es plötzlich eilig zu haben zu gehen und Azra sieht ihr nur leicht fragend hinterher, wie die weisse Dame aus der Goldenen Harfe verschwindet und dabei einige verstohlene Blicke auf sich zieht. Ihr Umhang bauscht sich leicht auf und für einen flüchtigen Augenblick kommt wieder diese schneeweisse Haut zum Vorschein, die Azras so ähnlich sieht. Aber ansonsten scheint nichts zwischen ihnen gemein, wenn sie auch noch nicht viel von der weissen Dame gesehen hat. Ein kitzeliger Kuss im Nacken verdeutlicht ihr kurz, das sie noch immer auf Borgils Schoss sitzt und leise lachend streicht sie ihm durch den Bart, der noch keine Zöpfe hat. Dazu ist sie heute Morgen noch nicht gekommen und ohne wenn und aber holt sie das stante pede sofort nach, unterlässt es diesmal jedoch irgendwelche kuriosen Versuche zu machen.
Die Harfe läuft gut und bis zum Abend ist sie nicht nur bis zum letzten Platz besetzt, sondern es haben sich bereits die ersten Gäste fürs das Inarifest gemeldet, wie Azra von den anderen Schankmädchen mitbekommt. Auch verhandelt Borgil bereits über Weine, Fleisch, Dekoration und alles Mögliche und hie und da werden auch immer wieder Ladungen in den Keller hinunter befördert. Die nächsten Tage sehen nicht besser aus und das Einzige was sie von Borgil noch zu sehen bekommt, ist sein schlafendes Gesicht und trotz dessen, das sie sich manchmal nach mehr sehnt und sich dann hingebungsvoll an ihn schmiegt, ist sie glücklich mit dem was sie hat. Es sind strenge Tage, die Harfe platzt beinahe und es sind nur noch wenige Tage bis zum Inarifest. Draussen wird die Stadt geschmückt, als gäbe es was zu verschenken und zahlreiche Gaukler, Diebe, Tänzer, Barden und anderes Zeugs schwärmen hinein wie Motten zum Licht. Weder Tagsüber noch nachts gibt es auch nur ein Eckchen in der Harfe die nicht von irgendeinem Hintern besetzt ist, ob nun gross oder klein und hie und da gibt es auch kleinere Ungereimtheiten, die Borgil meist jedoch mit einem einzigen Blick zu klären weiss.

Wieder ein Tag voller Durcheinander, gehetzten Schankmädchen, betrunken Gästen, neuen Zuzöglingen, Borgil mit dem letzten Rest der Vorbereitungen für das Fest beschäftigt und Azra rennt zwischen den Stühlen und Tischen umher, als sässe ihr ein ausgewachsener, wilder normander Bluthund im Nacken. Ein Vorteil hat diese ganze Aufregung, denn niemand lässt sich über ihre Erscheinung aus, oder wundert sich auch nur ein Stück. Hier fünf Krüge Met gebracht, dort drei Mittagsmahle, flink zwei neue Leinentücher, Tisch abgeräumt und abgeputzt, sich dort durchdrängen, da entschuldigen, ja, es war ein einziges Chaos und als Borgil sie zur Seite winkt, wagt sie endlich wieder auf zu atmen und wischt sich kurz die Hände an der Schürze ab. Ihre Wangen leicht gerötet von der Aufregung und einige Strähnen wild durcheinander, schlängelt sie sich zwischen einem Rudel an hungrigen Kaufsleuten durch und bekommt von ihrem Gatten kurzerhand einen Brief in die Hand gedrückt, mit einigen gebrummten Worten in Richtung: „Einladung für Lady TianShi, damit du hier auch mal raus kommst.“ Dabei ist er schon wieder im Begriff nach einem neuen Krug Met zu greifen und diesen einem durstigen Gast zu überreichen. Sie ist für einen Moment ziemlich verblüfft, lächelt dann jedoch breit und bevor er es sich noch anders überlegt, oder Jemand ihr Arbeit aufhalsen kann, verschwindet sie in den Privatgemächern – Manchmal will sie noch die Treppe hinauf, ist es doch ungewöhnlich so viel Platz für sich (und natürlich einen Zwergen) zu haben – schnappt sich ihren Umhang und ist auch schon aus der Harfe verschwunden.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sayila_Arachelza am 26. Apr. 2005, 22:39 Uhr
Erleichtert atmet Sayila auf, als sowohl Filia als auch Elyrina ihr zustimmen. Sie richtet sich auf uns streckt sich. Verdammt, von dem langen Sitzen wird man ja ganz steif!, denkt sie und gähnt verstolen. Ein wenig belustigt sieht sie zu, wie Elyrina die Harfe recht schnell, aber leicht schwankend verlässt. Von Met betrunken!, denkt sie, ohne zu realisieren, dass sie selbst durch den einen Krug Dunkelbier auch nicht mehr ganz nüchtern ist.
Ihre Aufmerksamkeit richtet sie nun auf Filia. Das Mädchen scheint unschlüssig, ob sie sich erheben soll. Ob sie wohl hier ein Zimmer genommen hat?, fragt sich Sayila. Sie kann sich nicht erinnern, ob Filia im Laufe des Abends etwas in dieser richtung erwähnt hat.
"Nun, dann wünsche ich Euch eine gute Nacht", sagt sie freundlich und steht auf, "bis morgen früh!" Sie schenkt Filia noch ein aufmunterndes Lächeln und geht dann hinüber zur Treppe im hinteren Teil der Gaststube. Im Vorübergehen ruft sie der Schankmaid, die sie bedient hat, zu: "Schreibt das Dunkelbier auf die Rechnung! Ich bin schließlich noch eine Weile hier."
Der jungen Frau fallen fast die Augen zu, als sie die vielen Holzstufen bis zu ihrem Zimmer erklimmt. Die Müdigkeit kriecht ihr in die Knochen, bis in die Fingerspitzen, und lässt ihre Bewegungen träge werden. Fast schon im Halbschlaf betritt Sayila ihr Zimmer, legt ihre Kleider bis auf die Unterbekleidung ab und fällt wie ein Sack Kartoffel auf ihr Bett. Sie schafft es gerade noch, die Decke über sich zu breiten und schon ist sie eingeschlafen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jorveig am 26. Apr. 2005, 22:54 Uhr
Also Jorveig zur Harfe geht, lässt sie unbewusst ihre Blicke über den Marktplatz wandern und hält nach dem Dieb Ausschau, auch wenn sie weiß, dass das Unsinn ist. Kein Wunder, dass er uns in diesem Getümmel entwischt ist. Mich würde interessieren, welches Fest hier eigentlich vorbereitet wird.
Jorveig überlegt, wie lange sie unterwegs war und welche Feierlichkeiten bevorstehen könnten. Es muss wohl das Inarifest sein. Ob das hier wirklich so groß gefeiert wird? Es überrascht sie ein wenig, da in Ardun dieses Fest meist nicht allzu wichtig gewesen war und sie auch nie so wirklich mitgefeiert hat. Ich bin ja gespannt, wie das hier ablaufen wird. Ob es wohl einfach nur ein großer Markt sein wird oder steckt da mehr dahinter?

Sie grübelt noch darüber nach, als sie die Harfe betritt, wo es inzwischen noch voller geworden ist. Sie schlängelt sich durch die Leute und verschwindet dann aufatmend nach oben. Bei all dem Getümmel hier ist sie nun doch sehr froh, dass sie einen anderen Schlafplatz gefunden hat.
Nachdem sie aufgeschlossen hat sucht sie sofort in ihrem Rucksack nach den Münzen, die sie darin zurückgelassen hat und atmet erleichtert auf, als sie sie findet. Das Erlebnis auf dem Marktplatz hat sie misstrauisch gemacht und so verschließt sie ihren Geldbeutel fester als zuvor. Dann sucht sie ihre Sachen zusammen, schultert den Rucksack, greift nach ihrem Bogen und dem Köcher mit den Pfeilen und verlässt nach einem letztend prüfenden Blick, ob sie nichts vergessen hat, die Kammer.

Als sie einer Schankmagd den Schlüssel zurückgibt, strahlt diese sie beinahe an, so erleichtert scheint sie, dass ausnahmsweise niemand ein Zimmer braucht, sondern es stattdessen verlässt.
Jorveig lächelt still in sich hinein und verlässt das Wirtshaus, um sich durch das Gewimmel auf den Straßen auf den Weg zurück in die Schneiderei zu machen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 26. Apr. 2005, 23:23 Uhr
Die Harfe füllt sich mit Gästen und der Stall natürlich fast gleichermaßen mit Pferden. Die Leute die in der Harfe nächtigen und ihre Pferde unterstellen kommen oft von weit her und sie sind bestens gelaunt, liegt doch das Inarifest vor ihnen und sie haben das Ziel ihrer Reise wohlbehalten erreicht. Dabei kommen sie natürlich auch in Spendierlaune und für Tiuri und Nino fällt immer wieder mal ein kleines Trinkgeld ab. Es ist das erste ehrlich verdiente Geld an das Tiuri sich erinnern kann und er hält es in Ehren, aber er hätte auch gar keine Gelegenheit das Geld sofort wieder auszugeben, da er bei den vielen Pferden meistens am Arbeiten ist. Wenn er sich gerade nicht im Stall herum treibt oder des nachts zusammen mit Nino auf den Straßen, hängt er immer noch im Schankraum der Harfe herum und hört den Wanderern bei ihren Geschichten zu, lernt was es von ihnen zu lernen gibt, auch wenn das bei ihren Saufgesprächen meistens nicht viel ist und lacht wenn es was zu lachen gibt, was schon bedeutend mehr ist. Zwei Gruppen sind in der Harfe untergekommen die sich jeweils für das beste halten, was einer Frau seit Damarias dem Verführer passieren kann. Er kann nur darüber lachen und hätte Borgils Scherz ihnen doch einen Zollstock zu bringen am liebsten ausgeführt, schon alleine um ihre Gesichtsausdrücke dabei zu sehen und um zu wissen, ob sie den Humor oder den Schneid oder wenigstens die Anstandslosigkeit besessen hätten es zu tun. Allerdings steigert all das seine eigene Laune ganz enorm, auch weil er nicht mehr den ganzen Tag in seiner Kammer liegen muss und weil es ihn von Faraday ablenkt, denn auch wenn er es nicht zugibt, wenn er dann alleine in dem kleinen Zimmer liegt und an die Stelle schaut an der ihr Bett gestanden hat, gibt es ihm einen kleinen Stich, ohne dass er es ändern kann.
Also verwendet er die Zeit vor dem Einschlafen darüber nach zu denken, wie er wohl das Inarifest für sich am besten gestalten könnte. Viele Mädchen hat er noch nicht kennen gelernt, außer den Schankmädchen, aber da würde ihm Borgil wohl den Kopf abhacken und er will ja auch nicht gleich wieder abhauen müssen. Aber es spricht ja nichts dagegen jemanden kennen zu lernen.
Er kann es auf jeden Fall schon im Vorhinein nicht lassen etwas herum zu prahlen und Nino damit so weit zu bringen, dass der ihm sagt er müsse wohl im Stall bleiben.
„Das sind ja ganz neue Töne mein Freund, im Stall? Ich? Du auch?“ Tiuri kratzt sich am Kopf, er hat sich gar nicht überlegt, dass ja jemand bei den Pferden bleiben muss, besonders an einem Abend an dem so viel Trubel sein wird. Der junge Stallbursche schüttelt den Kopf: „Du, ich nicht!“ Anstatt einer Antwort schüttelt Tiuri entschieden den Kopf, so hat er sich das aber bestimmt nicht ausgemalt. Also beginnt er damit Nino zu überreden, weil es ja wohl sein erstes Inarifest hier in Talyra ist und weil er sich doch schon so darauf gefreut hätte und weil da doch dieses Mädchen wäre, welches sich schon seit Tagen nach ihm verzehre und dem er jetzt das Herz brechen würde, würde er nicht zu ihr gehen. Nino ist davon wenig gerührt, aber schließlich werfen sie eine Münze, wobei Tiuri als Gewinner hervor geht und die Inarinacht somit für ihn gerettet ist. Also beginnt er schon etwas vor zuwirken und verlässt die Harfe abends alleine, ohne den Freund. Zwar sind um diese Uhrzeit weniger Mädchen alleine unterwegs, aber dafür sind gerade diese oft nicht unglücklich über den jungen wortgewandten und außerdem völlig unverhofften Beschützer, der natürlich überhaupt keine Hintergedanken hat. Zwar hat er sich auch die eine oder andere Ohrfeige eingehandelt wenn er etwas zu freundlich wurde, aber kein Schritt zurück den er nicht sofort wieder vergessen hätte. Oft kommt er spät des Nachts erst wieder in die Harfe zurück, wenn die Türen schon verschlossen sind und er auf dem Heuboden nächtigt. Die vielen Leute und die losen Geldbeutel überall lassen seine Finger jucken und sein Gaunerherz höher schlagen, aber er hält sich daran was Borgil ihm gesagt hat, er würde niemanden anrühren, so lange er in der Harfe wohnt und noch ist ihm überhaupt nicht nach ausziehen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sayila_Arachelza am 27. Apr. 2005, 15:01 Uhr
es ist noch früh am morgen, als sayila durch eine lästige mücke geweckt wird, die über ihre nase krabbelt. unwirsch fegt die junge frau das insekt weg. sie ist noch müde und eigentlich überhaupt nicht in der stimmung, schon aufzustehen. doch sie schläft nicht wieder ein, egal, wie sie sich von einer seite auf die andere wälzt. brummelnd steht sie schließlich doch auf. sie kriecht aus dem bett und schlüpft in ihre kleider. verschlafen reibt sie sich die augen und schlurft zum fenster hinüber. sie zieht den vorhang zurück und öffnet es.
die kühle morgenluft lässt sayilas lebensgeister wieder erwachen. sie atmet tief ein und streckt sich. dann dreht sie sich rasch um, schließt das fenster wieder und verlässt ihr zimmer.

die holztreppe knarrt, als sayila hinunter ins erdgeschoss steigt. sie hat wie jeden morgen überhaupt keinen hunger, und so beschließt sie, noch ein wenig durch die stadt zu streifen, bevor sie sich auf den weg zu elyrinas antiquitätenladen macht und ihren ersten arbeitstag antritt. raschen schrittes durchquert sie die gaststube und tritt hinaus.

(--> Die Straßen der Stadt)

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Yarai am 27. Apr. 2005, 18:53 Uhr
Yarai beobachtet Fian, wie er so seine Gedanken spinnt, die sie nicht erraten kann, aber er ist verlegen um die Antworten auf ihre Fragen, das merkt sie schon. Hm... die Fragen sind doch ganz einfach. Findet er es so schrecklich, dass er lieber nicht antwortet? denkt sie ein bisschen unbehaglich und blickt zur Seite, als Fian zögernd seine Milch bestellt.
Bestimmt hab ich ihn verunsichert mit meinen tausend Fragen... denkt sie bekümmert und als sie wieder aufblickt, torkelt gerade der Trunkenbold an ihren Tisch. In ihre feinfühlende Nase steigt der scharfe Geruch des Alkohols und der nicht minder ekelhafte Geruch von Dreck und Urin.

Mit zusammengekniffenen Augen mustert sie den Fremden, der eine achtungslose Bemerkung über sie fallen lässt, was Yarai verärgert. Ihr Blick huscht zu Fian, aber der arme Kerl ist viel zu nervös, um sich mit dem Betrunkenen anzulegen. Trotzdem huscht ein Lächeln über Yarais Gesicht, als er versucht, Yarai und sich selbst zu verteidigen.
Mit bitterbösem Blick wendet sie sich dem Besoffenen zu und giftet ihn an: "Gar nichts wirst du dir nehmen, du Schwein! Wegscheren wirst du dich und nicht weiter unsere Unterhaltung stören! Du Prachtexemplar von einem Mann!" Die letzten Worte spuckt sie dem Betrunkenen mit vor Ironie triefender Stimme entgegen. "Du ..." - Weiter kommt sie nicht. >>HEY!<< Die laute Stimme Borgils schallt durch den Raum und Yarai dreht ihren Kopf dem Zwergen zu, der dem Säufer von seinem Tresen aus beschimpft und ihm befiehlt, zu verschwinden. Schließlich kommt der Zwerg hinter seinem Tresen hervor und geht auf ihren Tisch zu.
Mit einem belustigten Grinsen und einer hochgezogenen Augenbraue wendet Yarai sich dem Trunkenbold zu. "Und was machst du jetzt, du Stinker?" sagt ihr Blick eindeutig, ohne dass sie den Mund öffnet, um die Worte auszusprechen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Fian am 29. Apr. 2005, 15:03 Uhr
Fian bewundert den Mut der Frau ihm gegenüber sehr, er kann es kaum fassen, dass sie es sich traut diesen Mann so anzugreifen, während er kaum ein Wort herausbekommt. Doch irgendwie stört es ihn auch wieder, dass er so schwach ist, dass er nicht einmal mit einer Frau mithalten kann. Wortgewandtheit war nie seine stärke und sie ist es noch immer nicht. Und auch zum Kampfe ist er nicht geboren, er ist zwar nicht schwach, doch er wurde nie im Kampf trainiert. Und übernatürliches wird man bei ihm wohl auch nichts finden, also wie soll er sich verteidigen? In der Freiheit, in der Natur wurde er nie angegriffen, er kennt die Tiere weiß wie er sich verhalten muss um sie nicht zu verärgern und auf andere ist er nur selten gestoßen, zu ihnen war er freundlich, also taten sie ihm auch nichts. Und wenn ihm jemand etwas böses gewollt hätte, so hätte er noch immer fliehen können. Doch nun ist er hier in der Taverne und weiß sich nicht zu verteidigen. Er richtet sein Blick noch immer nach unten, da hört er eine laute Stimme durch den Raum schallen. Er wendet seinen Kopf in die Richtung und bemerkt, dass sie von einem mächtigen Zwerg stammt, der den Trunkenbold deutlich zurecht weist und auch schon auf ihren Tisch zu kommt. Der Säufer guckt ebenfalls in die Richtung und steht dann auf, wobei er doch sehr wackelig auf den Beinen ist. Fian atmet erstmal ein wenig erleichtert aus, ist der Besoffene doch zumindest fürs erste von ihm und der Yarai abgelenkt, auch wenn noch immer eine Gefahr besteht. Fian beobachtet weiter was geschehen wird.

Der Mann torkelt weiter, langsam, Schritt für Schritt auf den Zwerg zu, der zwar deutlich kleiner ist als er, aber dafür umso breiter. Er erhebt seine Stimme, die auch schon darauf schließen lässt, dass er zu viel Alkohol genossen hat.

„Was willst du kleines Kerlchen? Soll ich dir eine Abreibung verpassen?“

Er fuchtelt ein wenig mit den Armen in der Luft herum, scheinbar ist er sich nicht der Gefahr bewusst, wahrscheinlich weiß er gar nicht mehr was er tut.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Yarai am 02. Mai 2005, 18:11 Uhr
Sry, Borgil, wir wollen zum Inarifest, deshalb müssen wir dich ein bissel übergehen... :-[

Als Borgil jedoch näher kommt, mit dem Daumen die Schneide der Axt entlang fahrend, und mit dunkel und zornig blitzenden Augen, verstummt der Trunkenbold ziemlich ruckartig. Er macht ein langes Gesicht und nuschelt: "Schullige... habs nich so gemeint, ne?" Unsicher betrachtet er den Zwerg und dieser kommandiert ihn ohne Erbarmen hinaus.
Der Trunkenbold macht, dass er fortkommt, nicht ohne die Tür hinter sich zu schlagen.

Yarai fängt an zu lachen. "Danke, Herr Borgil." sagt sie kichernd und neigt dem Kopf zum Dank.

Schließlich finden auch die Getränke den Weg zu ihrem Tisch und Yarai trinkt durstig von ihrem Wein. "Ah, das ist gut! Ich nehme an, Ihr trinkt keinen Alkohol, nicht wahr?" fragt sie und blickt auf Fians Milch.

"Das ist aber schade, denn wir feiern morgen das Inarifest und das lustige Trinken ist doch ein Teil davon! Ich nehme doch an, ihr wisst von der Göttin Inari und ihrem Fest, nicht wahr?" fragt sie und blickt Fian an.

Meine Güte, bei den Menschenansammlungen wird er durchdrehen... denkt sie und bedauert den armen Kerl.

"Die Stadt wird vor Freude blühen morgen und seit Tagen reisen die Menschen an, um das Fest in Talyra erleben zu können. Es werden unzählige Menschen auf den Straßen unterwegs sein, es ist jedes Jahr wieder unfassbar und es scheinen immer nur mehr zu werden, aber niemals auch nur einer weniger.

Wo wohnt Ihr überhaupt, Fian? Ich möchte sagen, es könnte gefährlich sein, draußen übernachten zu wollen, bei den ganzen Trunkenbolden und Rauflustigen. Ihr solltet Euch ein Zimmer in einer der Tavernen nehmen... ich fürchte nur, dafür ist es ein bisschen spät...
Oder habt Ihr schon eine Unterkunft?" Sie redet wieder einmal viel, aber langsam und verständlich und eher wie ein plätschender Bach und nicht wie ein rauschender Wasserfall.
Abwartend sieht sie Fian an, während sie langsam aus ihrem Weinbecher trinkt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Fian am 02. Mai 2005, 21:18 Uhr
Fian beobachtet die Szenerie weiter und bemerkt schnell, dass der Trunkenbold klein bei gibt und dieser wird dann auch von dem Zwerg rausgeworfen. Fian nickt ihm dankend zu, er beginnt sich langsam wieder zu beruhigen. Er fährt sich einmal mit den Händen durch sein Haar wodurch zum ersten Mal seine Ohren frei gegeben werden, anschließend aber sofort wieder mit Haaren bedeckt werden. Noch bevor er sich wieder richtig gefasst hat beginnt Yarai auch schon wieder zu sprechen in einem Schwall, der ihm entgegen kommt. Er kann zwar alles in sich aufnehmen, aber alles beantworten, das kann er wohl nicht.
Soso, am morgigen Tag ist hier also ein Fest? Interessant, allerdings sind dann so viele Leute unterwegs... und ich sollte nach meinen Falken sehen... wie es ihnen wohl geht? Hoffentlich kommen sie zurecht, hoffentlich haben sie sich nicht verletzt... Sein Blick zeigt einen Moment lang ein wenig Sorge, doch dann drehen sich seine Gedanken schon um die nächsten Worte Yarais.
Nun kommen auch die letzten Worte der jungen Dame bei ihm an. Ein Zimmer? Nein, das habe ich nicht, ich habe im Pfirsich nicht noch eines bestellt... Und sie hat wohl Recht, frei sind wahrscheinlich keine Zimmer mehr... aber ich kann doch nicht einfach zu ihr gehen, das kann ich nicht tun.

"Ich... ich finde schon Zurecht, macht euch keine Sorgen..."

Sein Blick spricht allerdings anderes, auch wenn dieser noch immer nach unten auf die Tischplatte gerichtet ist. Er muss sich irgendetwas einfallen lassen, doch er weis sich wirklich nicht zu helfen, zumal er nicht mehr viel Geld in der Tasche hat und ein geschickter Feilscher war er schon gar nicht. Er rutscht ein wenig auf seinem Stuhl hin und her und ist schwer am nachdenken.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 03. Mai 2005, 08:30 Uhr
Schon okay, muss ja auch hin

Am Morgen des Inarifestes


Am Morgen des Inarifestes ist die Harfe leer, die Gaststube und der Schankraum sind mit Mistelzweigen und Myrtenkränzen geschmückt und Borgil hofft nur, daß nicht einige - so wie letztes Jahr - die Aufforderung der Hohepriesterin, Inari zu Ehren auf der Stelle beim Wort nehmen, sondern wenigstens bis nach Sonnenuntergang damit warten würden. (Das hatte ihn letztes Jahr zwei Tische gekostet, auch wenn es zur allgemeinen Hochstimmung in der Harfe nur beigetragen hatte...)  
Als er vor die Tür tritt, in die Morgensonne blinzelt und sich rasch vergewissert, daß der Harfengarten ebenso hergerichtet und bereit ist, wie alles andere - in den großen Buchen hängen Bronzelaternen und verschwänderisch viel Goldraht aus Feenseide, der im Morgenlicht glitzert, die Tische sind blankgescheuert, die Bänke mit weichen Kissen bedeckt - fällt sein Blick auf den Marktplatz. Obwohl er schon viele Inarifeste erlebt hat, und weiß, was ihn erwartet, erstaunt ihn dieser Anblick doch jedes Jahr aufs Neue.  

Der Marktplatz ist verschwunden. Statt dem weiten, gepflasterten, verwinkelten Platz mit seinen zahllosen Ständen und Verkaufsbuden, seinen Marktweibern und gestreiften Zelten, liegt eine unwirkliche, frühsommerliche Blumenwiese direkt vor der Harfe. Tausende von Blüten bedecken das Pflaster,  Hunderte  oder mehr lange, mit weißen Tüchern bedeckte Tische stehen statt den Ständen und Wägen der Händler auf dem Platz, neben ihnen lange Bänke, um später beim Großen Festmahl, wenn der Abend sich nähert, die Bürger der Stadt aufzunehmen. Und über allem spannen sich helle, weiße Sonnensegel, gefüllt mit Blütenblättern, die ein sanfter Wind ab und an herabregnen läßt. Wenn der Festzug der Priesterinnen die Zeremonienhalle gegen Nachmittag erreicht hatte, würden sich alle Bürger gleich welchen Standes oder Ranges hier versammeln und gemeinsam Speisen. Anders, als beim Sommerfest, waren für die Bewirtung aller Talyrianer diesmal nicht die vereinten Gastwirte zuständig, sondern allein die Priester - mit Magie und Zauberkraft natürlich, daran zweifelt Borgil keine Sekunde lang. Nichtsdestotrotz hatten die Wirte und ihr Gesinde die ganze Arbeit des Aufbaus gehabt und Borgil spürt jeden einzelnen Knochen. Für den Stadtrat, die Hohepriester, einige wichtige Persönlichkeiten und die Adligen der Stadt ist dieses Jahr auch kein Festmahl im Ratssaal der Stadthalle - angesichts der Tatsache, daß Borgil geheiratet hatte und so der Platz dort nicht ausreichen würde für etwaige Feierlustige und dem schier unfassbaren Glück, dass Tallard, das alte Wiesel, dieses Jahr einfach zu schwach von der Frühlingsgrippe war, um an irgendwelchen Festen teilzunehmen, hatten Uliaris und er eigentmächtig beschlossen, dies Jahr doch einfach mit dem Volk zu feiern und so hatte man unter der Goldeiche mitten am Marktplatz, um die ein großer, runder Tanzboden aufgebaut war, eine lange Festtafel aufgebaut, um die man sich später versammeln will. Er hofft zumindest, daß Olyvar und Kizumu, Cron und Niniane, Morgana und einige seiner anderen Freunde dorthin kommen würden... zu übersehen ist sie jedenfalls nicht. Und er würde dort sein... und Azra. Heute muss die Harfe ohne sie auskommen. Er sieht zur Sonne hoch...Oh...noch etwa drei, vier Stunden, und die Prozession beginnt...sehr gut, bleibt noch etwas Zeit...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Yarai am 04. Mai 2005, 08:01 Uhr
Am Tag vor dem Inarifest


Er ist also ein Elb... nett, so hatte ich sie mir nicht vorgestellt. denkt Yarai, als Fians Ohren für einen Augenblick sichtbar werden.

"Sicher, Ihr kommt zurecht." sagt sie mit einem ganz leichten Anflug von Spott in der Stimme, aber dann lächelt sie. "Was wollt Ihr tun, wenn Euch in der Nacht drei von diesen Trunkenbolden entgegen kommen anstatt jetzt wie einer? Rennen? Aber wohin?"
Sie schüttelt den Kopf und grinst. "Ihr kommt besser mit mir. In meinem Haus ist genug Platz, um euch eine Schlafstätte herzurichten und abgesehen davon, liegt es am Fluss und es ist einigermaßen friedlich, solange die Gäste des Pfirsich nicht vorbeigetorkelt kommen.
Außerdem ist es umsonst, also geniert Euch nicht, mein freundliches Angebot anzunehmen."
Sie zwinkert und sieht Fian an, der nach einer Weile schließlich doch "nachgibt", wenn auch reichlich zögernd und als wäe es ihm unangenehm. Aber an seinem Blick kann Yarai deutlich erkennen, dass es ihm nur recht ist, für diese Nacht in ihr Haus zu kommen und dem Trubel der Stadt für eine Weile zu entkommen.

Schließlich verlassen sie die Taverne (nicht ohne bezahlt zu haben, versteht sich), die, je älter der Tag wird, immer voller zu werden scheint. Yarai nimmt ihren geflochtenen Einkaufskorb wieder auf, winkt Borgil zu und dann machen sie sich auch schon auf den Weg über die Straßen, während Yarai Fian in einem ihrer Redeschwälle mehr über das Inarifest erzählt.
Sie sehen viele Leute, die nicht von hier zu sein scheinen und wohl hergekommen waren, um an dem Fest teilzuhaben oder während es im Gange war, ihre Waren feilzubieten.

Es dauert nicht lange, bis sie Yarais Haus erreichen, welches, wie immer, von den vielen Gerüchen umgeben ist, die ihnen noch deutlicher in die Nase steigen, als sie die Tür öffnet.

(=> Haus der Düfte)

Ich hoff, das ist okay so für dich... damit wir schneller vorwärts kommen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Filia am 07. Mai 2005, 21:10 Uhr
Trotz der Müdigkeit, die ihr schon tief in den Knochen sitzt, bekommt es Filia nicht zu Stande einzuschlafen. Egal, wie sie sich dreht und wendet, die Geborgenheit, die sie sonst immer ins Land der Träume hob fehlt. Ihre Füße sind kalt und in der Dunkelheit glaubt sie Gesichter zu erkennen.
Es dauert noch eine ganze Weile, bis sie die Augen nicht mehr offen halten kann und doch in einen traumlosen Schlaf fällt.

Am nächsten Morgen wacht sie spät auf. Die Sonne steht schon hoch und von der Gaststube dringen Stimmern herauf. Filia erschrickt. Sicher sind Sayila und Elyrina schon wach und sie ist die Einzige, die zu spät kommt. Sie ist es einfach nicht gewöhnt lange auf zu bleiben. Zwar sah man ihr die Müdigkeit nie an, doch am nächsten Morgen dauerte es dann immer Stunden, bis sie aus dem Bett kam.
Schnell steht sie auf und schlüpft in ihre Klamotten. Noch wärend sie die Treppe in den Gastraum hinunterrennt, bindet sie sich die langen Haare zu einem Flechtezopf.
Frühstücken kann sie jetzt nicht mehr, sie ist ohnehin schon spät dran.
Filia hofft einfach, dass sie zur Mittagszeit eine kurze Pause nehmen darf, um sich etwas zu Essen zu besorgen. Bis dahin muss sie es einfach mit leerem Magen aushalten.
Somit geht sie aus der goldenen Harfe hinaus und läuft schnellen Schrittes zu Elyrinas Antiquitätengeschäft.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 20. Mai 2005, 16:28 Uhr
Als er in die Harfe gelangt und die Stufen zu seiner Kammer hinauf geht, erwartet er fast Faraday dort liegen zu sehen. Aber sie ist nicht da, natürlich nicht und er schimpft sich einen Narr, dass er überhaupt daran gedacht hat. Er streift das Hemd von den Schultern und holt eines seiner Arbeitshemden heraus. Beim Anziehen sieht er, dass er einen Kratzer von Ayshas Fingernägeln auf der Schulter hat. Lächelnd, mit noch immer nassem Haar, geht er zu Nino in den Stall hinunter. Der Freund liegt ihm Stroh und schnarcht leise vor sich hin. Tiuri bleibt vor ihm stehen und schaut auf ihn herunter. Er nimmt eine handvoll Stroh und lässt sie auf den jungen Burschen herunter regnen. Der merkt erst nichts davon, aber als sich ein Strohhalm genau auf seine Nase legt und auch ein paar andere ihm ins Gesicht fallen, öffnet er die Augen müde.
„Morgen!“ Tiuri grinst ihn an und Nino gähnt verschlafen. Die Pferde heben die Köpfe angesichts der Tatsache, dass sich etwas zu tun scheint und das am Morgen meistens Futter bedeutet. „Shht Freunde, es ist noch zu früh, ihr könnt noch schlafen, ich hole nur Nino aus den Federn!“
Der Junge streckt sich, setzt sich auf und reibt sich den steifen Nacken. Er hat ein Bett und ein zuhause, aber er schläft trotzdem meistens im Stall, warum kann Tiuri nicht so genau sagen.
„Erzähl schon“, sagt Nino und gähnt noch einmal herzhaft. Tiuri weiß nicht so genau worauf sein Freund hinaus will und schaut ihn fragend an.
„Du bist spät… oder besser früh dran, also wer war die glückliche?“ Nino streckt beide Füße von sich und lässt die Arme ins Stroh sinken, während er an einer Boxenwand lehnt und zu Tiuri hoch sieht. Tiuri lässt sich ebenfalls auf den Boden sinken und lehnt sich an die gegenüberliegende Wand. Er grinst in sich hinein, wenn er Nino von der Mondprinzessin erzählen würde, würde ihm der Freund doch sowieso kein Wort glauben, obwohl er Tiuri sonst fast jeden Schwachsinn glaubt den der Junge erzählt. Außerdem hat er das Gefühl er würde das Geschehene entweihen, wenn er es erzählen würde.
„Ich hab ein Mädchen getroffen, einen Rotfuß am Marktplatz, wir waren am Strand…. fast.“
Er klingt nicht sehr überzeugend, kann sich ja nicht einmal mehr erinnern wie sie geheißen hat.
„Und bei ihr warst du die ganze Nacht? Nein, oder? Wo hast du dich noch herum getrieben und was heißt ihr ward fast am Strand. Entweder ihr ward dort, oder nicht.“ Es ist zu früh am Morgen, als dass sich Nino mit Tiuris kryptischen Andeutungen zufrieden geben würde. Er hat das Fest zu Gunsten des Freundes alleine im Stall verbracht und auf die Pferde geachtet, jetzt wollte er wenigstens Einzelheiten wissen.
„Nein, ich war nicht die ganze Zeit bei ihr und fast bedeutet, dass wir auf dem Weg dort hin waren, aber dass wir vorher, nun du weißt schon und dann haben sich unsere Wege getrennt!“
Tiuri ist nicht besonders stolz darauf, aber Nino kichert und gibt dem Freund einen Stoß gegen den Arm.
„Und dann? Wo warst du dann?“
„Ich hab noch ein Mädchen getroffen und mit ihr war ich die Nacht lang zusammen, jetzt bin ich hier!“
„Erzähl mir von ihr, wer war sie, war sie schön, war sie gut?“
Tiuri verpasst ihm einen festen Schubs der ihn ins Stroh zurück wirft und steht dann auf.
„Keine Chance, das erzähl ich dir nicht!“ Dann macht er sich daran das Futter für die Pferde vorzubereiten, während Nino, nun endgültig wach, neben ihm auf und abspringt und ihm sagt, dass es seine Pflicht wäre ihm zu erzählen was passiert ist und dass er ihm kein Wort glauben würde, dass er doch alles nur erfunden hätte.
Tiuri grinst nur still in sich hinein und sagt kein Wort, etwas das doch recht ungewöhnlich für ihn ist.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 25. Mai 2005, 19:19 Uhr
Leise summend tritt Azra die Treppe hinunter, mehr ihre Füsse betrachtend als den Sonnenschein, der durch die dicken Glasfenster fällt und gelbe Punkte auf den Boden zeichnet. Staub wirbelt durch die Luft, glitzert manchmal auf, als segle noch immer der Goldstaub des Inarifestes im Raum. Es ist ein schönes Fest gewesen, voll von neuen Eindrücken und Bekanntschaften, von denen Azra einige gut in Erinnerung behalten kann. So wäre da Raven und ihr Ehemann Caewlin, beide so verliebt, dass man hätte meinen können sie wollten mit den Funken den Tisch in Brand setzen. Oder aber Cron und Niniane, die Elbe mit den faszinierenden goldenen Augen. Heute weiss Azra nicht mehr, warum sie sich jemals vor der Frau gefürchtet hat, wenn sie auch am Anfang gewöhnungsbedürftig war. Dann Morgana und Maél und Olyvar und Kizumu, die bereits früher wieder aufgebrochen waren.
In ihren Erinnerungen waren sämtliche Personen jedoch von einer dicken Puderschicht Goldstaubs überzogen und sahen aus wie Galleonsfiguren eines Schiffes.
Für einen Moment huscht ihr Blick zurück zu den Gemächern Borgils, wo der Zwerg noch immer tief und fest die Kissen betrachtet. Es ist auch noch sehr früh, auch wenn die Sonne bereits mit ihrem roten Schein den Beginn des Tages verkündet. Als sie endlich begriffen hatte, warum dem Inariwein eine bezaubernde Wirkung zugesagt wurde, hatte sich ihre Frage bereits erledigt und sogar ein Zwerg schien der Magie des Getränks nicht standhalten zu können. Ein sanftes Lächeln legt sich auf ihre Lippen und sie setzt sich auf einen der Bänke direkt neben dem Fenster, lässt die Sonne auf ihre schneeweisse Haut und die noch nassen, glitzernden Haare scheinen und geniesst das kribbelnde Gefühl in ihrem Magen, das wohl von dem schönen Wetter und auch ihren Gedanken stammt. So weit sie zurück denken kann, ist sie selten so glücklich gewesen, so voll von Schmetterlingen, die in ihrem Bauch Purzelbäume schlagen. Mit einem leisen Seufzen zieht sie die Knie an und betrachtet die hohen Eichen vor der Goldenen Harfe und wie sich langsam das Leben in den Strassen zu regen beginnt. Eine Marktfrau mit Waren in zwei grossen Körben, eine einzelne, verhüllte Gestalt, die es äusserst eilig zu haben scheint und der dicklichen Frau beinahe einen Korb aus den Armen schlägt, beim vorbeihasten. Sogar durch die Scheiben hindurch dringt ihr Fluchen und Azra schmunzelt in sich hinein, bevor sie sich erhebt und beginnt Wasser zu holen um es Grid einfacher zu machen. Es scheint noch niemand wach zu sein, sie hat auch keine Ahnung warum sie diesen Morgen gerade so früh erwacht ist. Vielleicht ein Geräusch, ein verirrter Sonnenstrahl oder aber das leise Pochens Borgils Herzen, dass sie in ihrem Rücken gespürt hat.

Nach und nach erwachen auch die Anderen, Borgil gerade knapp vor Halla, die wiederum nur einen Hauch bevor Tiuri die Treppe hinunter stolpert, und danach sämtliche weiteren Mägde, Burschen und Schankmaiden, die sich sofort und ohne das der Wirt ein Wort erhebt, an ihre Arbeit machen. Seit Faraday weg ging, scheint Tiuri manchmal in Gedanken versunken und es scheint, als würde er ihr nachtrauern. Azra kann sich gut vorstellen, dass sie beiden Freunde waren und warum das Mädchen einfach so gegangen ist, weiss sie noch immer nicht. Damals hat sie sich auch noch mehr Gedanken um Borgil, als um die weiteren Gäste in der Harfe gemacht.
Frische Luft wird hereingelassen, der Harfengarten hergerichtet, die Tische geputzt, Becher und Krüge vorbereitet, aus dem Keller Wein und Met geholt um gewappnet zu sein für die Leute die kommen werden. Es dauert auch nicht lange, obwohl erst früher Morgen ist, als die ersten Gäste eintrudeln und besonders diejenigen, die ein Zimmer in der Harfe gemietet haben, mit verschlafenen Blicken an den Tischen sitzen und auf ein Frühstück warten. Was ihnen auch postwendend gebracht wird. Gebratenen Speck, Brot und was Gutes zu Trinken, damit die Lebensgeister auch schnell zurückkehren und bei Grid schmeckt sogar das einfachste Essen wie für einen König gemacht. Borgil beobachtet alles mit Adleraugen, zieht sich dann jedoch noch ein wenig zurück, um sich über die Bücher zu setzen, die in der Zeit des Inarifestes schneller nachgeführt werden müssen, als sonst.
Für einen Moment ist sie abgelenkt, weil sie nachrechnen muss, was ein Gast zu zahlen hat und lieber rechnet sie dreimal nach, bevor sie einen falschen Preis nennt, schliesslich hat sie das Rechnen noch nicht lange zuvor erlernt und noch immer gibt es Dinge, wo sie nachfragen muss. Um besser Lesen zu können hat Borgil ihr gar ein Buch ausgegraben, das sich in seiner grossen Sammlung befindet und scheinbar nur darauf gewartet hat, endlich wieder einmal ans Tageslicht zu kommen. Viel Zeit bleibt ihr jedoch nicht, schliesslich ist genug zu tun mit servieren, putzen, kochen, Bestellungen aufnehmen und Borgil hie und da ablenken.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Galrin am 07. Juni 2005, 19:41 Uhr
Die Abenddämmerung hat schon eingesetzt und die silberne Scheibe des Mondes steht bereits am Himmel, als sich die Tür der Goldenen Harfe mit einem leisen Knarren öffnet, und Galrin gemeinsam mit zwei weiteren Nordmännern den Schankraum betritt. In der letzten Zeit hat der Schiffbauer sich recht selten in der Stadt blicken lassen, und so sehen einige Gäste und Bedienungen verwundert auf, als der hünenhaft gebaute Mann so unerwartet in dem großen Eingangsraum des Gasthauses steht.

Einige der Bediensteten beginnen zu tuscheln. Ist dem Normander etwa schon wieder die Frau weggelaufen? Oder hat er andere Sorgen, die er bei Wolfsbier und Feuerwein ertränken will? Doch obwohl Galrin diesmal nicht in Begleitung seiner Frau erschienen ist, so macht er doch nicht den Eindruck eines Mannes, der über der Trennung von seiner Liebsten gebrochen zu sein scheint. Stattdessen setzen sich die drei Männer an einen Tisch, bestellen Met, Wolfsbier und Braesshuhn in Kräutersauce, und vertiefen sich bald in ein angeregtes Gespräch. Obwohl es sich bei den dreien eindeutig um Angehörige des normandischen Sprachraumes handelt, unterhalten sie sich doch nicht in ihrer Muttersprache, sondern bedienen sich der Sprache Ildoriens.

Wer ihnen länger zuhört, - und einige der Bedienungen und der Umsitzenden tun das recht unverholen - der erfährt alsbald, daß Galrin eine Entdeckungsreise in den hohen Norden plant, um ihn zu erforschen und womöglich den sagenumwobenen Nordkontinent zu finden. So mancher junge Bursche, der den Ausführungen und Erklärungen des Nordmannes lauscht, verspürt bei den Worten des Kapitäns das Fernweh in der Brust. Und mehr als einer der Anwesenden nimmt sich vor, in den nächsten Tagen einmal auf der Werft vorbeizuschauen, um möglicherweise mitsegeln zu dürfen.

Den Zwergenwirt Borgil, schwer beschäftigt wie immer, entdeckt der Nordmann erst, als er sich nach beendeter Mahlzeit und Unterhaltung nach einem Bediensteten umsieht, um seine Zeche zu begleichen. Mit einem freundlichen Lächeln erhebt sich Galrin von seinem Platz, tritt an die Theke und begrüßt den Zwergen mit Handschlag.

"Seid gegrüßt, Meister Borgil. Ich habe Euch, wie ich zu meiner Schande gestehen muß, vorhin gar nicht gesehen, doch erlaubt mir, Euch im Nachhinein noch zu Eurer Hochzeit zu gratulieren."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 09. Juni 2005, 23:08 Uhr
Die Tage nach dem Inarifest vergehen in der Harfe wie im Flug... nicht nur mit dem alljährlichen Frühlings-Großreinemachen, das stets nach dem Fest zu Ehren der Göttin ansteht, sondern dies Jahr auch mit größeren Renovierungsarbeiten, wie etwa dem Kalken der Stallungen (was vor allem Jen und den übrigen Pferdeknechten mehr als ein Stöhnen entlockt und sie einen Siebentag lang jeden Abend todmüde in ihre Betten fallen lässt) und dem Ausweißen des gesamten zweiten Stockwerks, das es mehr als bitter nötig hat. Abgesehen davon sind dann da noch so lächerliche Kleinigkeiten wie das Schlachten eines Ochsen, der Großeinkauf auf dem Inarimarkt, wo allerlei seltene Kräuter, Gewürze und sündhaft teure exotische Zutaten erstanden werden und die Reperatur zweier Tische, die den Eifer besonders Gieriger in der Inarinacht nicht überlebt hatten. Von den Stühlen, die sich der Schwerkraft ergeben hatten, ganz zu schweigen. Und eine Ladung Weinfässer aus Vînnar, auf die Borgil seit Wochen schon wartet.... kurz gesagt: der arme Harfenwirt ist schwer beschäftigt und ständig auf dem Sprung zum nächsten Tagwerk, das auf ihn wartet. Er hat kaum Zeit für seine Schankmaiden und Knechte und noch weniger für Azra, am allerwenigsten für sich selbst. Da kommt ihm ein Abend, an dem die Harfe schier aus allen Nähten platzen will, gerade noch recht, vor allem, weil Halla und zwei weitere Mädchen ausgefallen sind und mit der Frühjahrsgrippe und Fieber in ihren Betten schwitzen.

So steht Borgil also an jenem Tag, an dem der Schiffbauer und seine Männer die Harfe aufsuchen, Höchstselbst hinter seinem Tresen und schenkt aus, was das Zeug hält. Dunkles Kupfer, goldenes Ale, würzigen Hippokras, heißen und kalten Met (wie man um diese Jahreszeit noch heißen Honigwein trinken kann, ist Borgil zwar vollkommen schleierhaft, aber er muss das scheußliche Zeug ja nicht schlucken), Wein, Bier und hin und wieder auch Stärkeres. Um den Ausschank drängen sich die Mädchen und hageln ihre Bestellungen auf ihn herunter, als hätte er glatt vier Paar Hände und zwei Paar Beine zusätzlich, so dass er bis zur zehnten Stunde rotiert wie ein Brummkreisel, ehe eine Schar Handwerker abzieht, die Blaumäntel zu ihrer Nachtwache auf den Mauern aufbrechen und es endlich ruhiger wird. Justement in diesem Moment – Borgil wühlt sich gerade mit einem Tablett geräucherten Schinkens und frischen Brotes durch eine Horde singender Mogbars, die schon ein wenig zu tief in ihre Krüge geblickt hatten hinter seinem Tresen hervor – erwischt ihn Galrin Ragnarsson und hält ihn auf, um ihm zu seiner Heirat zu gratulieren. >Seid gegrüßt, Meister Borgil. Ich habe Euch, wie ich zu meiner Schande gestehen muß, vorhin gar nicht gesehen, doch erlaubt mir, Euch im Nachhinein noch zu Eurer Hochzeit zu gratulieren.

"Und Ihr," schnauft Borgil und stellt seine Fracht  an einem Tisch in der Nähe ab, wo sie Götterlob auch hingehört, "seid ebenso gegrüßt, Meister Ragnarsson. Die Schande ist ganz auf meiner Seite, denn ich habe Euch noch weniger gesehen. Und das will was heißen, denn ihr seid größer wie ich. Kommt, einen Moment kann ich mich zu Euch setzen, wenn Ihr erlaubt." Er nickt in Richtung des Tisches hinüber, an dem Galrin mit seinen Männern gesessen war und stapft voraus. "Äh... danke, besten Dank. Meine bessere Hälfte muss hier auch irgendwo herumschwirren, aber fragt mich nicht wo... Ihr seht ja selbst, was hier geboten ist. Bin schon froh, wenn ich sie des nachts in meinem Bett finde, wenn Ihr versteht, was ich meine..." er wischt sich die Zwergenpratzen an der Schürze ab, die längst nicht mehr so weiß ist, wie sie sein sollte und nickt einmal in die kleine Runde der Nordmänner an Galrins Tisch, ehe er sich einen freien Stuhl heranzieht "Meine Herren," murmelt er, dreht sich dann um und ruft nach Grid. "He, Mädel, bring uns eine Runde Met, aber den starken!" Dann wendet er sich an den Schiffbauer. "Wie ich höre, darf man Euch ja auch gratulieren, und das sogar zweifach." Borgils Lächeln bekommt etwas listiges, als er fortfährt. "Eure Braut ist ja ein flugsiges kleines Ding, aber diesmal hat sie sich doch erbarmt, was? Und wie ich gehört habe, ist da sogar schon ein Kind unterwegs. Meinen zweifachen Glückwunsch, also." Der Met kommt und Borgil hebt sein Horn. "Auf die Frauen also und auf unsere ganz besonders." Kaum hat er seinen Salut ausgesprochen, fällt dem Zwergen etwas ein und er runzelt die Stirn. "Was war das noch gleich, das ich da gelesen habe... Ihr wollt mit Eurem fliegenden Schiff in den Norden zu einer... Expedition? Wißt Ihr schon, wohin es genau gehen soll?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Galrin am 10. Juni 2005, 17:30 Uhr
Der Zwerg läßt sich, von dem ganzen Trubel in der Harfe sichtlich mitgenommen, auf einen Stuhl falllen. Mit einem freundlichen begrüßt er die beiden anderen Nordmänner, die er nach kurzem Überlegen als den Vater von Galrin, Ragnar Eriksson, und den Knecht Gunnar einordnen kann. Beide hatte er auf der mißglückten Hochzeit im letzten Jahr bereits kennengelernt, und vor allem Gunnar ist öfter als nur einmal in der "Goldenen Harfe" zu Gast gewesen.

> Meine bessere Hälfte muss hier auch irgendwo herumschwirren, aber fragt mich nicht wo... Ihr seht ja selbst, was hier geboten ist.<, ächzt Borgil, während er mit der Rechten in die Runde weist. Zwar ist es nach dem Aufbruch einiger Handwerker und eines Trupps Stadtgardisten deutlich ruhiger geworden, aber das Gasthaus ist weit entfernt davon, leer zu sein. >Bin schon froh, wenn ich sie des nachts in meinem Bett finde, wenn Ihr versteht, was ich meine...<
Galrin kann sich ein breites Grinsen nicht verkneifen, doch nickt er dabei dem Wirt sowohl verständnisvoll, als auch mit einer großen Portion Mitleid zu: "Ich kann Euch sehr gut verstehen, glaubt mir. Ein solches Tohuwabohu findet sich auf einem Schiff nur dann, wenn es in einen Sturm hinein gerät. Ich kann gar nicht begreifen, wie Ihr und Eure Bediensteten das alles schaffen könnt. Noch dazu jeden Tag und von früh bis spät."

Das spitzbübische Lächeln Borgils, das sein bärtiges Zwergengesicht überzieht, läßt Galrin bereits erahnen, aus welcher Richtung der Wind weht, noch bevor der Besitzer der Goldenen Harfe seinen Mund zu einem neuen Satz geöffnet hat: >Wie ich höre, darf man Euch ja auch gratulieren, und das sogar zweifach. Eure Braut ist ja ein flugsiges kleines Ding, aber diesmal hat sie sich doch erbarmt, was? Und wie ich gehört habe, ist da sogar schon ein Kind unterwegs. Meinen zweifachen Glückwunsch, also.<

Der Nordmann lächelt und nickt: "Tja, wie es aussieht, hat sie es diesmal vorgezogen, stehen zu bleiben und sich tatsächlich in den Hafen der Ehe lotsen zu lassen. Nach dem Debakel von letztem Jahr habe ich, ungelogen, manchmal Zweifel gehabt, ob ich das noch erleben darf. Aber, wir Ihr schon sagtet, da ist auch noch ein Kind unterwegs, und vielleicht hat sie das noch zusätzlich bewogen, ihren Freiheitsdrang ein wenig zu zügeln."

Als der Met gebracht wird, heben die Männer ihre Becher und trinken auf die holde Weiblichkeit im Allgemeinen und ihre Ehegattinnen im Besonderen. Doch anschließend wird Borgil wieder ernst: >Was war das noch gleich, das ich da gelesen habe... Ihr wollt mit Eurem fliegenden Schiff in den Norden zu einer... Expedition? Wißt Ihr schon, wohin es genau gehen soll?<
Galrin neigt nachdenklich den Kopf: "Nun, so genau weiß das wohl niemand, wenn er zu einer Expedition aufbricht. Das ist ja grade der Reiz dabei. Ich möchte in unbekannte Regionen fahren, die ich noch nicht gesehen habe, und die auch noch nicht kartographiert sind. Möglicherweise entdecken wir sogar den sagenhaften Kontinent im Norden, von dem mir Maester Malakai Athond erzählt hat, und wo angeblich Riesen hausen sollen."
Der Nordmann nimmt einen Schluck von seinem Met, bevor er weiterspricht: "Vielleicht gibt es diesen Kontinent, vielleicht auch nicht. Aber das werden wir nur herausfinden, wenn jemand hinfährt und nachsieht."

Die Unternehmungslust des Nordmanns ist unverkennbar, doch einen Moment lang schweigt er und blickt sich in der Schankstube um. Jeder Balken, jedes Bild an der Wand und jede Holzdiele scheinen seine Aufmerksamkeit zumindest für den Bruchteil eines Lidschlages gefangen zu nehmen.
Möglicherweise werden wir dieses Haus und diese Leute hier nicht wiedersehen., denkt Galrin im Stillen, Wer weiß schon, welche Gefahren dort im Norden lauern.
Doch als der Schiffbauer wieder zu Borgil blickt, zeigt sein Gesicht ein zuversichtliches Lächeln.

"Es gab einmal einen Mann, der wollte unbedingt die höchsten Gipfel des Wolkenthrons besteigen. Und als man ihn fragte, warum er das wolle, sagte er nur: 'Weil die Berge da sind.' Möglicherweise ist meine Begründung ähnlich. Ich möchte wissen, ob die Sagen wahr sind, und sei es nur deshalb, weil diese Sagen existieren."

In diesem Moment stolpert ein betrunkener Zecher über seine eigenen, unkoordinierbaren Beine, und landet, unter dem tosenden Gelächter seiner Kumpane, mit lautem Gepolter auf dem Boden. Zwar ist kein Geschirrstück zu Bruch gegangen, doch ein mißbilligender Blick des Harfenwirts trifft den Unglücksraben, so daß dieser sicherheitshalber für heute seinen "hochgeistigen" Ausflug beendet. Nach kurzem Kopfschütteln blickt Borgil wieder zu Galrin, sodaß dieser fortfahren kann:
"Nebenbei ist es ganz praktisch, daß ich auf diesem Weg meine Eltern und Geschwister wieder zurück nach Dirholmar am Nordmeer bringen kann, ohne daß sie eine halbe Ewigkeit durch die Welt gondeln müssen. Möglicherweise wünscht auch der Herr von Tronje oder der Herr von Sturmende eine Nachricht in die Heimat zu senden. Diese könnte ich ebenfalls mitnehmen, wenn ich schon einmal im Norden bin. Jedenfalls werde ich den Beiden in den nächsten Tagen meine Aufwartung machen und einmal nachfragen."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 10. Juni 2005, 23:51 Uhr
Borgil genießt seinen Met und das Gefühl, für ein Weilchen wenigstens alle Fünfe grade sein lassen zu können, wie ein rascher Blick durch die Gaststube beweist. Grid hat, nachdem sie für Getränke am Tisch gesorgt hatte, seinen Platz hinterm Tresen eingenommen und alle scheinen bestens versorgt, da kann er sich eine kurze Auszeit nehmen. Seine Fragen nach dem Ziel von Ragnarssons geheimnisvoller Reise, lassen den Nordmann allerdings ein wenig nachdenklich werden und Borgil lauscht andächtig seinen Ausführungen. >Nun, so genau weiß das wohl niemand, wenn er zu einer Expedition aufbricht. Das ist ja grade der Reiz dabei. Ich möchte in unbekannte Regionen fahren, die ich noch nicht gesehen habe, und die auch noch nicht kartographiert sind. Möglicherweise entdecken wir sogar den sagenhaften Kontinent im Norden, von dem mir Maester Malakai Athond erzählt hat, und wo angeblich Riesen hausen sollen.< Aus ist's mit der Andacht. Das Wort Riese fällt und dröhnt in Borgils Ohren wie sämtliche Signalhörner auf den Mauern. Jedes einzelne Nackenhaar stellt sich dem Zwergen beim Klang des verhassten Namens auf, sein Bart zittert, selbst die dichten, roten Brauen sträuben sich. "Rrrrriesen," grollt er, was klingt als poltere ein Haufen Wackersteine davon. Galrin nimmt einen Schluck von seinem Met. Gegen die Riesen hatten die Zwerge Jahrhunderte lang Kriege geführt, ehe sie sie in die Eisigen Öden und noch weiter nach Norden getrieben hatten. Das heutige Laigin war ihr Reich gewesen, direkt vor den Toren Mazandars und N'arkam Drors und der Tanz der Riesen steht noch heute dort auf der Ebene von Cill Dara, ein verwittertes Rund alter Steine. Für die Menschen nicht mehr als ein geheimnisvoller Steinkreis, doch die Zwerge wissen es besser. >Vielleicht gibt es diesen Kontinent, vielleicht auch nicht. Aber das werden wir nur herausfinden, wenn jemand hinfährt und nachsieht.< "Diesen "Kontinent" gibt es," brummt Borgil und schnaubt verächtlich. "Es mag ja keine Karten geben, aber es gibt ihn. Aurochmagr und Hrimthursen hausen dort und Ihr tätet gut daran, wenn ihr mit Eurem Schiff in der Luft bleiben würdet. Es gibt Mammuti und Eisbären und Grumkins und Snarks und was weiß ich, was noch alles für Natterngezücht. Ihr kennt Barsa doch sicher, oder? Natürlich kennt Ihr die schwarze Feuerinsel, habt ja schließlich da oben vor nicht allzu langer Zeit Krieg geführt mit den Formorag, eh? Fliegt einfach links daran vorbei und immer weiter nach Norden und ihr kommt nach Gronaland. Und falls ihr tatsächlich einen dieser dungfressenden zu groß geratenen Misthaufen trefft, dann rammt ihm eine Axt mit besten Grüßen von einem alten Zwerg dahin, wo es weh tut." Borgil unterstreicht seine Worte mit einer deftigen Geste und brummelt in seinen Bart.

>Es gab einmal einen Mann, der wollte unbedingt die höchsten Gipfel des Wolkenthrons besteigen. < fährt der Schiffbauer fort. >Und als man ihn fragte, warum er das wolle, sagte er nur: 'Weil die Berge da sind.' Möglicherweise ist meine Begründung ähnlich. Ich möchte wissen, ob die Sagen wahr sind, und sei es nur deshalb, weil diese Sagen existieren.< "Oh, ich kann Euch schon verstehen. Dasselbe würde ein Zwerg sagen, wenn es um eine Höhle geht, nay? Aber auf die höchsten Gipfel des Wolkenthrons kann man steigen soviel man will, man kommt nicht hinauf. Neuntausend Schritt ist der Zornstein hoch und obendrauf sitzt Ragnarnar, verflucht sei seine schwarze Seele. Den Göttern sei Dank schläft das Untier seit der Zeit der Wirren... die beiden Winterprinzen scheinen ihm dann doch auf den Magen geschlagen zu haben und wenn Ihr mich fragt, ist das der reinste Segen. Nicht auszudenken, was geschieht, wenn er erwacht und feststellt, dass er Hunger hat..." Borgil schüttelt sich theatralisch, aber in seiner Stimme schwingt durchaus auch Ernst mit. Ein Gast, der reichlich tief in seinen Krug gesehen hatte, vollführt im Vorbeitaumeln eine schwankende Stolpereinlage, die ihn prompt auf die Bretter schickt und das lenkt Borgil für einen Moment ab - es ist jedoch nicht mehr nötig, als ein langer, langer ernster Blick, dass seine schadenfrohen Kameraden ihren wackligen Gefährten einsammeln und Borgil kann sich getrost wieder dem Tischgespräch zuwenden, wo Galrin gerade anmerkt, dass es auch ganz praktisch sei, seine Eltern mit dem Windschiff wieder nach Hause bringen zu können, wenn er ohnehin in den Norden unterwegs sei und ob die beiden Nordlords vielleicht Botschaften nach Hause schicken wollen würden. >Jedenfalls werde ich den Beiden in den nächsten Tagen meine Aufwartung machen und einmal nachfragen.< "Das kann ich mir gut vorstellen, wo der Weg doch so weit ist," nickt Borgil bedächtig. Er weiß, dass zumindest der Sturmender mehr oder weniger regelmäßig Verbindung in den Norden hält und er kann sich nicht vorstellen, dass Caewlin oder auch der Tronjer eine solche Gelegenheit ungenutzt verstreichen lassen würden. "Fragt sie doch einfach, aber ich bin ziemlich sicher, sie nehmen ein solches Angebot dankend an. Noch findet Ihr sie im Übrigen beide bei Niniane am Smaragdstrand. Der Tronjer ist ja ohnehin dort zu Hause, aber soweit ich weiß, sind Caewlin und Raven immer noch dort."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Galrin am 11. Juni 2005, 02:36 Uhr
Während Borgil seinem Unmut über Aurochmagr und Hrimthursen gewaltig Luft macht, muß Galrin sich zunächst große Mühe geben, ernst zu bleiben. Doch dann fällt ihm ein, daß auch zwischen den Elben und den Nordlanden nach Jahrhunderten noch immer die Glut schwelt, und daß so manche Elben, ob nun lediglich in ihrem Stolz gekränkt oder tatsächlich tief verletzt, immer noch einen tiefen Groll gegen die Angehörigen von Galrins Volk hegen.

Die Unsterblichkeit ist ein Fluch, wenn damit nicht die Vergebung einhergeht., denkt Galrin traurig, doch glücklicherweise heitert ihn eine Bemerkung des Harfenwirtes rasch wieder auf. Einem Riesen die Axt in Eingeweide, Schädel oder ähnliche empfindliche Teile zu rammen, scheint einer von Borgil intimsten, aber gleichzeitig auch sehnlichsten Wünschen zu sein. Das Grinsen des Kapitäns reicht beinahe von Ohr zu Ohr, als er antwortet: "Wenn ich statt einer Axt auch eine schwere Steinkugel verwenden kann, so komme ich diesem Wunsch natürlich gern nach. Was den Nargen auf dem Feld vor Liam Cailidh recht war, das sollte einem Riesen nur billig sein. Sollte uns also einer begegnen, und uns Böses wollen, dann wird es mir eine Freude und besondere Ehre sein, ihm in Eurem Namen eine Dosis der gleichen Medizin zu schlucken zu geben, die auch schon den Lurchgesichtern auf dem Dammweg geschmeckt hat."

Mit deutlicher Zufriedenheit erinnert sich Galrin noch an den Feldzug vor anderthalb Jahren, als die schweren Ballisten der "Windkind" ebensolche Geschosse mit verheerender Wirkung gegen die Narge geschleudert hatten.

>Fragt sie doch einfach, aber ich bin ziemlich sicher, sie nehmen ein solches Angebot dankend an. Noch findet Ihr sie im Übrigen beide bei Niniane am Smaragdstrand. Der Tronjer ist ja ohnehin dort zu Hause, aber soweit ich weiß, sind Caewlin und Raven immer noch dort.<, schlägt Borgil vor, und der Nordmann nickt zustimmend. Eine solche Frage wäre sicher nicht störend, und abgesehen davon fühlt sich Galrin als Angehöriger des Nordvolkes schon fast dazu verpflichtet, seinen Landsleuten diesen Dienst zumindest anzubieten.
"Das werde ich gern tun. Habt Dank für die Auskunft. Ich hätte nach dem Sturmlord zunächst in seinem Haus am See geforscht, doch wenn Ihr mir sagt, daß er sich bei Niniane und Cron von Tronje aufhält, dann spart mir das den Weg zu Lord Caewlins Gut."

In diesem Moment öffnet sich abermals die Tür zur Gaststube und ein munterer Haufen von Gästen betritt die Goldene Harfe. Borgil verdreht die Augen zur Decke, weiß er doch, daß in Kürze das Rennen nach Bechern und Tellern, das Spülen des Geschirrs und die Bestellaufnahmen wieder von vorn beginnen werden.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 12. Juni 2005, 00:30 Uhr
"Ah, nichts zu danken, nichts zu danken, Galrin. Ich weiß ja nicht, wann Ihr Eure Expedition starten wollt, aber Ihr solltet Euch vielleicht beeilen, wenn Ihr die beiden aufsuchen wollt... denn soweit ich weiß, werden sie mitreiten, um Phelan Desmond das letzte Geleit zu geben," wie stets, wenn er den Namen des Waldläufers in den Mund nimmt, wird Borgils Miene unergründlich bis auf die Trauer in seinen schwarzen Augen. "Wir werden im nächsten Siebentag irgendwann aufbrechen, um den Waldläufer neben seinem Sohn am Heideweg unten zur letzten Ruhe zu betten. Und wenn Ihr... wenn Ihr in Torhof Rast macht, dann könntet Ihr mir selbst einige Dinge mitbringen dort, falls gerade Großer Markt ist... ich gebe Euch gern eine Liste, falls Ihr noch mal vorbeisehen wollt, ehe Ihr aufbrecht und..." Borgil wird mitleidlos unterbrochen von einer hektisch winkenden Grid, die angesichts des beängstigenden Schwalls neu hereindrängender Gäste hektisch hinter dem Tresen winkt. Borgil verdreht missmutig die Augen. "Potzblitzunddonnerdrummel man könnte meinen, heute nacht gäbe es hier irgendetwas umsonst, also wirklich! Steht draußen vielleicht irgendwo ein Schild "Freibier" oder so und niemand hat es mir gesagt?" Die Frage ist rein rhetorisch und so zuckt Galrin auch nur mit den Schultern. Borgil stürzt seinen Met hinunter, brummelt unverständliches in seinen Bart, zupft an seiner Schürze herum und erhebt sich. "Meine Herren, es war mir ein Vergnügen, so kurz es auch war. Galrin, gehabt Euch wohl. Falls wir uns nicht mehr sehen, viel Erfolg und allzeit guten Wind und guten äh.... Flug." Er nickt noch einmal in die Runde, klopft zum Abschied auf die glattpolierte Tischplatte aus steinhartem Eichenholz, sammelt die leeren Trinkhörner ein und stapft hinter seine Theke zurück, um seinen Schankmaiden wieder unter die Arme zu greifen. Die neu eingetroffenen Gäste erweisen sich als Salzhändler aus Arnis, die allesamt Quartier benötigen und so den kompletten Westflügel der Harfe besetzen, aber den Göttern sei Dank sind sie müde und ziehen sich nach einem hastigen Nachtmahl rasch auf ihre Zimmer zurück, während die Knechte ihre Tiere im Stall unterbringen und die Mägde mit Waschzubern, Bettlaken, Bürsten, Seife und Körben voller Schmutzwäsche hin und herwuseln, als stehe der Weltuntergang bevor. Gegen Mitternacht leert sich die Harfe dann endgültig - auch der Nordmann ist längst nach Hause gegangen. Zur ersten Stunde werden auch die letzten Zecher hinauskomplimentiert, ausgefegt, durchgewischt, die Tische geschrubbt und die Stühle hochgestellt... und dann kehrt Ruhe in der Harfe ein, während Borgil die Türen verschließt und die Tagesabrechnung erledigt, sich ein Pfeifchen stopft, mit einem Krug Kupfer vor den Kamin setzt, in dem noch ein wenig Glut schwelt und dann den langen, dunklen Schatten ringsum zuprostet. "Auf dich, Spitzohr. Ich hab's dir gesagt und ich hab es gemeint: ich werde dich immer in Erinnerung behalten. Warst ein feiner Kerl. Ist eine Schande, dass du tot bist. Wo immer du jetzt bist, leer einen Kelch Sommerwein und denk an mich, so wie ich an dich denke."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Galrin am 12. Juni 2005, 10:26 Uhr
>Ah, nichts zu danken, nichts zu danken, Galrin. Ich weiß ja nicht, wann Ihr Eure Expedition starten wollt, aber Ihr solltet Euch vielleicht beeilen, wenn Ihr die beiden aufsuchen wollt... denn soweit ich weiß, werden sie mitreiten, um Phelan Desmond das letzte Geleit zu geben.<, sagt Borgil mit einem traurigen Ausdruck um die Augen. Der Nordmann nickt und senkt gleichfalls den Blick. Auch wenn er den Waldläufer nicht allzu gut gekannt hat, so waren sie doch zusammen in der Unterstadt gewesen, um Morgana dort herauszuholen. Und auch wenn sie nicht unbedingt Freunde gewesen waren, so hatte man sich doch gegenseitig geachtet.
>Wir werden im nächsten Siebentag irgendwann aufbrechen, um den Waldläufer neben seinem Sohn am Heideweg unten zur letzten Ruhe zu betten.<

"Ich verstehe, Borgil.", antwortet Galrin langsam. Daß der Elb einen Sohn gehabt hatte, der gleichfalls über die purpurnen Flüsse gegangen war, ist dem Nordmann noch nicht bekannt gewesen. Nicht einmal geahnt hatte er so etwas.
Während das Gespräch seinen weiternen Verlauf nimmt, bittet Borgil seinen Gast, aus Torhof Waren mitzubringen, falls er dort vorbei kommt. Der Kapitän nickt: "Es war ohnehin meine Absicht, dort zu rasten. Ich schicke Euch morgen einen meiner Knechte her, dann könnt Ihr ihm Eure Liste anvertrauen. Ich werde Euch mitbringen, was Ihr wünscht, sofern ich es in Torhof oder einem anderen Handelsposten bekommen kann."

Die eintretenden Händler unterbrechen das Gespräch so wirksam, daß Borgil nichts anderes übrig bleibt, sich wieder seiner Arbeit zuzuwenden. Dennoch verabschiedet er sich so freundlich, als hätte er alle Zeit der Welt. Für die guten Wünsche des bedankt sich der Nordmann, bevor er und seine Leute das Gasthaus wieder verlassen und nach Hause zurückkehren.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Galrin am 15. Juni 2005, 12:04 Uhr
Der Bote, den Galrin zur "Goldenen Harfe" geschickt hat, erreicht das Gasthaus am Marktplatz zur frühen Nachmittagsstunde. Diesmal handelt es sich um den Schmied Beinar, einen muskelbepackten Gesellen von gut vierzig Jahren, mit einem rotblonden Vollbart und lustig zwinkernden Augen. Da der Schmied, seine Frau und seine Tochter mit den Wocheneinkäufen für das Werftvolk betraut worden sind, hat er ohnehin auf dem Marktplatz zu tun.
Während seine "beiden Mädels", wie er seine Frau Halda und seine Tochter Asa gern bezeichnet, noch den Marktplatz unsicher machen, hier und da nach den günstigsten Angeboten stöbern und mit den Marktfrauen feilschen was das Mundwerk hergibt, hat Beinar den Pferdekarren in der Nähe der "Harfe" abgestellt. Nachdem Beinar in die Gaststube getreten ist und die Tür hinter sich geschlossen hat, bleibt der Lärm des Markttreibens hinter ihm zurück. Zu diesem Zeitpunkt ist in dem großen Gasthaus recht wenig los, und so kann der Schmied rasch zu Borgil gelangen, der dem Nordmann mit freundlich geschäftsmäßiger Miene entgegen blickt.

"Sil zum Gruß, Borgil.", lächelt der Schmied, "Mein Herr, Galrin Ragnarsson, schickt mich. Er meinte, Ihr hättet eine Liste von Dingen, die er Euch aus Torhof mitbringen soll, wenn er dorthin reist."

Nach einer kurzen Pause redet Beinar weiter und kann sich dabei ein Grinsen nicht verkneifen. "Ich bin sicher, mein Herr wäre gerne selbst erschienen, doch ist er leider verhindert, da ihm gestern Zwillinge geboren wurden."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Maus am 16. Juni 2005, 20:31 Uhr
Die gebräuchlichste Art, einen Gathof zu betreten, ist es wohl, die Tür zu öffnen und sich mit einem fröhlichen Gruß der lärmenden Meute anzuschließen. Zu auffällig - findet Maus. Also wartet sie, beobachtet die Türe bis sie sicher ist, ihre Absicht im Zufälligen verbergen zu können. Los! Sie geht los; auf die Tür zu. Jetzt Die Tür öffnet sich von innen. Ein Schwall angestandener Luft, nach Bier, gebratenem Fleisch und den Ausdünstungen verschwitzter Leiber riechend, entweicht, während zwei reichlich angetrunkene Gestalten auf die Strasse wanken. Maus weicht kurz in die Schatten rechts neben der Tür, lässt die Männer passieren und schlüpft durch die Türe, bevor diese sich schließt.

Geschafft! Sie huscht nach links zu einem halb im Schatten liegenden Bord, an dem staubige Reiseumhänge aufgehängt sind. Niemand in der Kneipe nimmt ihr Erscheinen zur Kenntnis. Toll, wenn man unbemerkt bleiben möchte, aber das möchte ich doch heute gar nicht!. Ein ironisches Lächeln umspielt ihre Lippen. Vielleicht sollte ich wieder hinaus schleichen, um dann die Tür zu öffnen und mich mit einem fröhlichen Gruß der lärmenden Meute anschließen. Was sie dann aber doch nicht tut.

Stattdessen streift sie die Kapuze ihres Umhanges zurück, enthüllt schulterlanges nachtschwarzes Haar, noch stumpf vom Staub der Strasse. Die Lippen noch immer zu einem Ausdruck amüsierten Spotts verzogen, schaut sie sich in der Gaststube um. Ihr Blick streift über die blank gescheuerte Theke, den mit frischen Binsen bestreuten Boden, beobachtet das reibungslose Miteinander der Schankmädchen und natürlich die Gäste, die sich im Schankraum versammelt haben. Was sie überrascht ist der hohe Anteil an Nicht-Menschen; höher, als in jeder anderen Stadt, die sie kennt. Ungewöhnlich erscheint ihr auch der rassenüberschreitende, tabulose Umgang miteinander. Es muss hier ein paar wirklich interessante Mischlinge geben… schmunzelt sie.

Zeit, Deckung gegen Raum zu tauschen. Maus tritt aus dem Schatten heraus – direkt in den Weg eines Mogbar-Schankmädchens, das erschrocken zurückfährt.
> Verzeiht, ich habe Euch nicht gesehen< sagt das Schankmädchen. Natürlich nicht! Maus lächelt betont freundlich. „Oh, verzeiht mir, ich wollte Euch nicht erschrecken“. > Kann ich Euch weiterhelfen< fügt das Schankmädchen nach einem kurzen Zögern hinzu, noch immer ein bisschen verunsichert, ob des plötzlichen Auftauchens von Maus. „ Nun, ich denke, dass hier ein Zimmer für mich reserviert ist, mein Name ist Kilara aus Cap Ardun“ erwidert Maus, immer noch lächelnd. Kilara – wiederholt Maus in Gedanken. Hört sich irgendwie sperrig an, so viele Silben. Vielleicht sollte ich ihn kürzen, Kila oder nur Ki. Ich könnte die Kurzformen auch als Spitznamen verwenden – für „Freunde“ oder so. Maus weiß, dass es immer eine kleine Weile dauert, bis ein neuer Name sich nicht mehr fremd anfühlt. Sie weiß auch, das Kilara, die Schreiberin aus Cap Ardun, erst noch an Profil gewinnen muss; noch schöpft sie ihr Sein aus Maus aber bald schon wird sie ihr Eigenleben entwickeln. Immerhin wird sie für die nächsten Mondumläufe und vielleicht auch länger das Tor sein, durch das Maus in Kontakt mit anderen tritt. Kilara Es fühlt sich schon ein wenig vertrauter an. > Oh ja, der Händler Rognar war heute Mittag hier > erwidert indes die Mogbar >Euer Zimmer steht bereit. Möchtet Ihr sofort hinauf oder wollt Ihr vorher noch ein Nachtmahl hier im Schankraum einnehmen< Maus schaut müde an sich herunter. Sieht den Staub auf ihrer grauen Wolltunika, den Straßenschmutz an ihren weichen Wildlederstiefeln und den dunkelgrauen Beinlingen. Oh ja, ich würde schrecklich gerne auf mein Zimmer gehen und einfach schlafen. Aber dazu später– sas´trow?. Stattdessen lässt sie sich zu einem Tisch führen, an dem schon drei weitere Gäste sitzen, augenscheinlich Händler aus dem Süden.

Noch bevor der dampfenden Eintopf vor ihr steht, spürt sie die dunklen, leicht schräg stehenden Augen des jungen Mannes rechts neben sich auf sich ruhen. Maus lächelt ihm ermutigend zu und unter ihrer behutsamen Führung schafft er es tatsächlich, sich ihr vorzustellen und ein Gespräch zu beginnen.

Und Maus´ Augen, groß und sanft jetzt, hängen an seinem Lippen, scheinen die Worte geradezu aus ihm herzusaugen, verleiten ihn, weit mehr von sich preiszugeben als man gemeinhin einer Fremden anvertraut. Und er spricht über sich, seine Familie, seine Arbeit und seine Reisen. Über den Zustand der Strassen, über die Stahlpreise auf den Märkten des Südens, das Baby seiner Schwester – anscheinend hat es Probleme mit dem Zahnen -  und über hundert andere Dinge – privat oder geschäftlich, gemein oder vertraulich. Mitfühlend murmelnd, das Kinn in die Hände gestützt, durchlebt Maus jede Erinnerung, die er vor ihr ausbreitet, versteht ihn, bewundert ihn, lacht und weint mit ihm, während ihr komplexer Verstand jede Information einordnet, klassifiziert, das wenige Interessante speichert und den Rest ebenso schnell vergisst. Als seine Freunde ihn endlich zum Gehen bewegen können, wirkt der junge Händler tatsächlich ein wenig benommen, leer. Er verabschiedet sich leicht verschämt von Maus die ihm – Entlohnung für seine Dienste – ein letztes strahlendes Lächeln schenkt.

Der Eintopf ist jetzt kalt und von einer tranigen Fettschicht bedeckt. Na lecker! Sie schiebt ihn zur Seite. Leb´wohl kleiner Händler –Wie-War-Dein-Name-Noch-, deine Nacht geht zu Ende. Maus seufzt und mustert prüfend die noch verbliebenen Gäste.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Maus am 20. Juni 2005, 23:31 Uhr
Maus streckt sich in dem breiten Bett des Gastzimmers aus. Sie spürt die Weichheit der strohgefüllten Matratze unter sich, das nach Lavendel duftende Leinen auf ihrer nackten Haut. Soo müde. Sie schließt die Augen. Schlafen, bitte! Langsam dämmert sie weg, taucht ein in das Land der Träume. Eine ach so kurze, köstliche Weile schläft sie ruhig, doch dann steigen die vertrauten Bilder aus den Abgründen ihrer Seele an die Oberfläche.

>Die grüne Augen des Mannes schweben über ihr. Sie bieten ihr keine Gnade, versprechen unsägliche Pein. Sie spürt den Frost der von den Wänden des dunklen Gewölbes auf sie herabstrahlt, die kalte Glätte der Steinplatte unter ihrem Rücken. Sie kann sich nicht bewegen, ist gefesselt durch unsichtbare Bande, nur ihre Augen folgen jeder Geste des Magiers über ihr. Die sich windenden Feuerwürmer in seinen Händen zucken, gieren nach ihrer Haut  - er lächelt …<

Maus schreckt hoch – die Hände in einer abwehrenden Geste halb erhoben, die schrecklichen Narben rings um ihre Handgelenke in einem feuerroten Schein glühend. Sie ist schweißgebadet und ihr Herz pocht wie nach einer wilden Flucht. Nach Atem ringend schwingt sie sich aus dem Bett und geht zum geöffneten Fenster. Der Marktplatz liegt unter ihr verlassen im milden Schein des Mondes; auch die letzten Zecher haben schon längst ihren Weg nach Hause gefunden. Maus atmet die nach Jasmin und Oleander duftende Nachtluft, zwingt ihren Herzschlag unter ihre Kontrolle, reibt die schweißnassen Schläfen.

Hast Du tatsächlich geglaubt, eine neue Stadt,  ein neuer Anfang würde irgendwas ändern – dumme, törichte Maus! Sie haben Dir gesagt, Du wärst noch nicht soweit aber Du wolltest ja nicht hören. Wolltest IHM entfliehen. Jetzt sieh zu, wie du damit fertig wirst, mit dem Dämon in Deiner Seele!

Hastig streift Maus sich ihre Tunika über, schlüpft in die Beinkleider, verbirgt ihre Handgelenke sorgsam unter grauen Wollbinden. Sie ist entschlossen den lähmenden Albträumen zu fliehen. Die Türe des Gasthofes ist schon längst geschlossen, aber die Weinranken vor ihrem Fenster werden Maus ebenso dienlich sein. Ihr Weg führt auf die Schattenseite Talyras, denn dies ist der Stunde der Diebe, Mörder und Huren. Und Du Maus, gehörst dazu!

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 27. Juni 2005, 01:56 Uhr
Der Mann, der sich zur Theke bis zu Borgil vorarbeitet ist ein typisch nordisches Langbein: groß, stiernackig und wuchtig kommt er daher wie ein etwas klein geratener Riese und sein Haar und Bart glänzen wie ein niegelnagelneuer Kupferling.
>Sil zum Gruß, Borgil Mein Herr, Galrin Ragnarsson, schickt mich. Er meinte, Ihr hättet eine Liste von Dingen, die er Euch aus Torhof mitbringen soll, wenn er dorthin reist. Ich bin sicher, mein Herr wäre gerne selbst erschienen, doch ist er leider verhindert, da ihm gestern Zwillinge geboren wurden.<
"Zwillinge?" Echot Borgil und hört überrascht auf, seine Humpen zu polieren. "Cobrin, Troilus und Cassandra, wenn das mal keine gute Nachricht ist! Darauf, Beinar, trinken wir einen. Oder zwei, sind ja auch zwei, nicht wahr?" Noch ehe der Schmied sich's versieht, hat er einen kleinen Becher Feuerwein vor sich und eine Zwergenpranke, die ebenfalls einen Becher davon hält, und mit ihm anstößt. "Auf Galrin, die Vaterfreuden und sein Eheweib. Ich hoffe, es geht Mutter und Kindern gut?" Das kann der gutmütige Schmied nur bestätigen und eine ganze Weile ist jede Liste über Torhofer Waren vergessen, während die beiden in Abwesenheit sämtlicher zu Beglückwünschender auf deren Wohlergehen trinken. Aber schließlich besinnt man sich doch auf's Geschäftliche zurück, was nicht zuletzt daran liegen mag, dass der gute Beinar nebenbei auf Weib und Tochter wartet, die ihn bestimmt nicht feuerweinselig nach Hause rollen würden. "Ah ja, die Liste!" Borgil schlägt sich mit der Hand an den narbigen Schädel und beginnt, hinter seinem Tresen herumzuwühlen wie ein Trüffelschwein auf Beutezug. "Hier? Nein. Hier auch nicht, das hier ist der Gewürzeinkauf, die offenen Rechnungen, die beglichenen, Schlüsselnummern... ahja. Hier hab ich sie." Er zerrt einen sorgsam aufgerollten, recht dicken Pergamentpacken hervor, auf dem in Borgils eckiger, aber sauber lesbarer Schrift alle möglichen und unmöglichen Dinge, die man nur im Norden bekommen kann, unter anderem ein Bronzebüffelfell mittlerer Größe, falls gerade ein paar Wagenfahrer aus Thunderland in Torhof Pelze verkaufen würden, (möglichst dunkel, wenn es geht) aufgeschrieben sind, und legt einen schweren Beutel Gold daneben. Das hier sollte in jedem Fall ausreichen, alle Waren zu bezahlen. Falls dein Herr etwas davon nicht bekommen kann, ist es kein Beinbruch, er soll sich bei allen Göttern, wegen mir keine Umstände machen, sag ihm das. Was übrig bleibt, nehmt ihr als Entschädigung für den Aufwand, es sollte genügen."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 30. Juni 2005, 14:47 Uhr
Am Morgen des Aufbruchs zu Phelans Bestattung


An dem Morgen, an dem Borgil zum Anukistempel aufbrechen will, um dort seine Freunde zu treffen und gemeinsam mit ihnen Phelan das letzte Geleit ins südliche Larisgrün zu geben, wo man den Waldläufer neben dessen Sohn Aethling begraben würde, ist in der Harfe die Hölle los. Eine Reisegesellschaft  heißblütiger azurianischer Salzhändler mit noch viel heißblütigeren Pferden war in der Nacht angekommen, hatte den Südflügel besetzt und den halben Stall belegt und beginnt noch vor Morgengrauen mit schmetternden Gebetsgesängen. Borgil, reisefertig, tritt gerade, sein Gepäck über der Schulter, die schweren Satteltaschen in den Händen und Azra hinter sich, die um ihn herumhüpft und ihn gar nicht loslassen mag, auf den Hof, wo die Knechte und Mägde dabei sind, ihr Tagwerk zu beginnen, als sich synchron alle vierzehn Fenster des Südflügels weit öffnen und einen Herzschlag später jodelndes Gebrüll aus ihnen hervorbricht, als trompete eine Horde Kriegselefanten im Chor:
"Sheeeeeeenraaaaaaaahaaaaaaaa'u Akbar,
Shenrah'u Akbar, Hayya ala’s-Salaah, Hayya ala’s-Salaah,
Hayya ala’l-Falaah, Hayya ala’l-Falaah,
Sheeeeeeenraaaaaaaahaaaaaaaa'u Akbar,
Shenrah'u Akbar, Laa ilahaha illshen’raah....!"

Borgil macht einen Satz. Sein Gepäck macht einen Satz, die schweren Satteltaschen ebenso. Azra hinter ihm macht einen Satz. Die verschlafenen Mägde, Knechte und Stallburschen, die gerade gähnend und mit Eimern, Besen oder einem Armvoll Heu bewaffnet  über den Innenhof der Harfe schlurfen, machen einen Satz. Eimer, Besen und Heu schließen sich solidarisch an und ergeben sich dann bedingungslos der Schwerkraft.

Die Pferde im Stall machen einen Satz und untermalen aufgeschreckt die azurianischen Kriegselefanten im Südflügel mit schreiendem Gewieher, was wiederum die Hunde sämtlicher Marktplatzanrainer ringsum zu infernalistischem Gebell nötigt. Alles Kleinvieh der Harfe, angefangen von den Schweinen im Stall, über Gänse, Hühner und Enten, sowie Borgils geliebte schwarze Truthähne in ihrem Verschlag, macht einen Satz und beeilt sich, sogleich vielstimmig ins allgemeine Chaos einzufallen. Der Gockel auf dem Mist ist der einzige, der sich beleidigt enthält - er hatte gerade den Schnabel geöffnet, um ein vollkommen legitimes morgendliches Kikeriki schönster Ordnung loszuwerden, als man ihn Empörenderweise durch eine wildgewordene Horde ausländischer Emporkömmlinge ersetzt hatte. Unverschämtheit. Die übrigen Gäste in ihren Betten machen einen Satz, ebenso wie die Betten selbst und sämtliches Inventar, vom Geschirr in der Küche ganz zu schweigen. Die letzten Nachtwachen der Blaumäntel, die gerade von ihren Patrouillengängen zurückkehren und in der Nähe vorbeikommen, machen ebenfalls einen Satz und eilen, schlagartig hellwach, herbei, um nachzusehen, ob sich über Nacht vielleicht unbemerkt eine Banshee in der Harfe breitgemacht hat, und man lieber eine Hundertschaft Priester herbeordern soll, um den Dämon auszutreiben. Sie finden einen ebenso schlagartig hellwachen Borgil im Harfenhof, der gerade dabei ist, sein verstreutes Gepäck einzusammeln und halbgemurmelte Verwünschungen in Richtung Südflügel hinaufzuschicken und der arme Harfenwirt muss brüllen, um ihnen versichern zu können, es sei alles in Ordnung, besten Dank auch. Die frommen Salzhändler schmettern derweil fröhlich ihr Morgengebet weiter über Talyra, unberührt von all dem Chaos, das sie angerichtet haben. Immerhin, die Stadt ist wach, das ist ja auch schon etwas wert.

--> weiter am Anukistempel

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 22. Juli 2005, 01:46 Uhr
Summend und immer noch lächelnd, trotz der späten Abendstunde, huscht sie durch den gefüllten Schankraum, verteilt Met, Verder Dunkel, Dunkelbier und einfache Ziegenmilch – Wer auch immer das trinkt – mit geschickten Händen in die Runde und wirft nur hie und da einen Blick auf Halla, die Becher schrubbend hinter der Theke steht, manchmal eine Order ruft und sich dann wieder um einige aufdringliche Azurianer kümmert, deren Wein scheinbar zu jung gewesen ist. wie immer ist die Harfe prall gefüllt, das Holz ächzt unter den Massen an Leibern und jede Vernunft wird von mehreren Krügen an Getränken überschwemmt. Der Geruch von Tabak schlägt ihr entgegen, Zimt wenn sie sich nicht irrt, und wird gleich darauf von den Schweissausdünstungen eines Riesen vertrieben, der gerade einige seltsame Witze zum Besten gibt. Vorsichtig setzt sie eben diesem einen riesigen Krug Feentau vor die Nase, da er eindrücklich nach etwas sehr starkem verlangt hat, ist sich aber gleichzeitig sicher, das es nach dem ersten paar Schlücken aus ist mit haudrauf und fliegenden Burschen, von denen er gerade mit theatralischen Gesten erzählt.
Er bemerkt sie noch nicht einmal, sondern drückt ihr einfach so das Geld in die Hand – ein Kupfer zu viel – und entlässt sie, bevor sie protestieren kann, mit einer vagen Handbewegung. Kopfschüttelnd bringt sie auch noch Ale, Sommerwein und die Ziegenmilch, die ein alter, zahnloser und über beide Ohren grinsender Alter entgegennimmt, an den Mann, nur um dann so schnell wie möglich in der Küche zu verschwinden und dort Grid dabei zu helfen, den Braten auf eine Platte zu hieven und ihn dort in kleine Stücken für die Suppe zu zerschneiden. Manchmal, so Nierenstücke und Schulter, werden auch grössere Stücke mit Brot serviert.
Jede der Schankmaiden steht hellwach und saust herum wie gewohnt. Das heute nicht Inarifest ist, ist ein grosses Glück, denn ohne Borgil würde es wohl in einem Chaos enden.
Ohne damit aufzuhören, Krüge mit Dunkelbier zu füllen, fliegt ihr Blick über die Köpfe der Anwesenden hinweg und gekonnt ignoriert sie das Stechen in ihrer Seite, das von einem eigrossen, kunterbunten Fleck stammt, der sich wohlplatziert auf ihren Rippen befindet.
Borgil ist ein Mann von Grösse und manche Frau würde sich wundern wie... mannhaft er sein kann. Bei dem Gedanken kann sie ein Grinsen nicht verkneifen und schüttelt den Kopf. Zwischendurch wacht sie am Morgen auf und betrachtet verwundert ihr Bett, warum das denn bloss noch auf vier Beinen steht und nicht in Trümmern zu ihren Füssen liegt.

Einen Siebentag oder länger soll die Abwesenheit ihres Mannes sein und bis dahin gilt es die Harfe weder abbrennen, noch einstürzen und schon gar nicht von einer Horde Riesen überrannt werden zu lassen.
Wie der Wind huscht Azra von der Theke weg, verteilt flugs die Krüge und kommt nicht ein Stückweit ausser Atem wieder in der Küche an, wo ihr ohne Umschweife ein Tablett mit drei Mahlen in die Hände gedrückt wird. Noch heiss wird es auf einen Tisch gestellt, Geld klimpert und schon hat man wieder etwas Anderes zu tun.
So geht es Tag für Tag und des Nachts kuschelt sich Azra fest in die Decken ein und wünscht sich, ein kleineres Bett zu haben, damit sie nicht so viel Platz hat. Wo Borgil nun wohl gerade sein mag? Etwas von Heideweg klingt ihr noch in den Ohren, aber das ist auch alles woran sie sich in ihrem verschlafenen Zustand zu erinnern vermag. Fest drückt sie ihr Gesicht in das Kissen und zieht die Decke über den Kopf, den Duft nach Leder, Met und Honig einziehend und sich gedanklich in den Armen eines stämmigen, rüstigen und absolut zärtlichen Zwergen einlullend und kurz bevor sie einschläft ein kaum hörbares: „Komm schnell wieder zurück, sonst kriegst du was zu hören“, vernehmend lassend.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 22. Juli 2005, 19:15 Uhr
Die Tage nach dem Inarifest vergehen recht schnell. Jeder der nur irgendwie in der Harfe sein Einkommen findet, kann sich nicht beschweren unterbeschäftigt zu sein. Tiuri muss seine nächtlichen Streifzüge zu Gunsten der Stallwände einstellen, denn nach dem er den ganzen Tag damit verbringt die Wände zu kalken, fällt er abends wie ein Stein in sein Bett. Selbst seine Gedanken wandern dann nicht mehr unkontrolliert in irgendwelche Richtungen. Bei der Arbeit wiederum hat er gut Zeit nachzudenken, denn Kalken, ist nicht unbedingt das, was sich Tiuri unter einer spannenden Aufgabe vorstellt. Trotzdem muss es gemacht werden, genauso wie der restliche Hausputz der zum Glück nicht ihm zufällt. Im Stall sind nicht nur Nino und er beschäftigt und doch dauert es einen ganzen Siebentag lang bis sie mit der mühsamen Arbeit fertig sind. Sieben Tage an dem er einem der Burschen am liebsten jeden einzelnen das Maul mit Stroh gestopft hätte, weil der nicht aufhören kann vor sich hin zu singen und zu pfeifen während er arbeitet.
Als er dann endlich wieder ausgeruht ist und auch Zeit hat den Stall zu verlassen, kann Tiuri an nichts anderes denken als auf die Straße hinaus zu gehen. Er hält sich immer noch fest daran was Borgil gesagt hat, kein Stehlen so lange er unter dem Dach der Harfe lebt und der Zwerg wiederum hält sich an sein Versprechen, dass der Junge das auch gar nicht notwendig hat, weil es ihm an nichts fehlen wird. Was dabei allerdings weder Tiuri noch der Harfenwirt bedacht haben ist, dass der Junge einfach seine Finger nicht still halten kann wenn ihm eine zu locker gebundene Geldkatze über den Weg läuft. Er braucht sie nicht, er hat zu Essen und zu Trinken, er hat ein Bett, ein Dach über dem Kopf und eine Beschäftigung, aber er möchte sie doch haben, er muss sie haben. Manchmal wenn er über den Marktplatz geht, muss er direkt die Hände in die Taschen strecken und zu laufen anfangen, damit er sich nicht vergreift.

Aber er hält sich eisern an die Abmachung, geht dafür einer anderen Leidenschaft dem Aushorchen nach. Er verbringt ganze Nächte damit, mit Leuten in irgendwelchen Tavernen zu hocken und sie über ihre Angelegenheiten in Talyra auszuspionieren. In seiner momentanen Position kann er damit selten viel anfangen, aber er plant ja nicht ewig der Stallbursche der Goldenen Harfe zu bleiben, sondern irgendwann seinen eigenen Weg zu gehen. So beweist er sich als außerordentlich aufmerksamer Zuhörer, interessiert an allem was ihm die Mitmenschen so zu erzählen haben und das kann eine Menge sein wenn sie tief genug in ihr Glas geschaut haben. Er hört sich um was es so zu berichten gibt am Handelsmarkt, weiß wo man die billigsten Wahren bekommt und wo die mit der besten Qualität, er lässt sich auch keine Tipps entgehen in welche Dinge man zur Zeit am besten sein Geld stecken sollte wenn man handelt.
Er hört Geschichten über Männer und Frauen die ihre Ehepartner betrügen, weiß welcher ehrwürdige Bürger sich zu oft im Pfirsich blicken lässt und welche Frau ihrem Mann das Kind eines anderen in die Wiege gelegt hat. Anfangs ist es nur eine Unmenge an Namen mit denen er nichts anfangen kann und jeder den er trifft ist ihm fremd, aber nach mehreren Siebentagen fügen sich die Personen gelegentlich schon zusammen. Er hat ein gutes Namensgedächtnis und bald schon kann er selbst Geschichten über Personen weiter erzählen, oder erfinden, eine Sache die ihm mindestens genauso leicht fällt. Es macht ihm auch gar nichts aus dabei gelegentlich etwas Ruf schädigend zu sein, es sind ja nur kleine Gerüchte, aber es macht ihm Freude wenn er sie an einem späteren Abend von irgendjemandem wieder erzählt bekommt und sie dann noch weiter ausspinnen kann. In der Harfe hält er sich damit allerdings zurück, erstens wissen die Leute dort, dass er der Stallbursche ist und nicht irgendein Neffe eines Stoffhändlers aus Irgendwo und zweitens weiß er nicht, wie weit Borgil dieses Verhalten gefallen würde. Er kann sich nicht vorstellen, dass der Zwerg viel über hat für Klatsch und Tratsch und dem Erdenken von Gerüchten über Personen die er vermutlich beinahe alle kennt.

Ist Tiuri nicht gerade damit beschäftigt sich etwas zu Trinken bezahlen zu lassen, dann streift er durch die Straßen und sieht sich nach einer neuen Behausung um. Seine Ansprüche sind dabei nicht ganz niedrig gehalten, denn eine Art Anwesen sollte es schon sein, aber leer natürlich und das schon für eine etwas längere Zeit, schließlich will er nicht Gefahr laufen irgendwann den rechtmäßigen Besitzern gegenüber zu stehen. Es sollte mehrere Eingänge haben und wenn möglich auch nicht ganz zentral liegen. Ein Garten wäre gut, aber abgeschirmt durch eine Hecke. Dass er eigentlich seine Familie finden wollte hat der Junge bei seinen Träumereien fast vergessen, aber nur fast, denn wenn er ein Domizil und einen guten Ruf in Talyra hätte, könnte er immer wieder kommen, wüsste wohin er gehen kann, und kann trotzdem durch die Immerlande reisen und versuchen seine Eltern oder irgendjemand ausfindig zu machen der ihn kennt.
Natürlich kann er nicht vergessen, dass er keine Erinnerung hat an eine ziemlich lange Zeit seines Lebens, dass er nicht weiß woher er kommt und niemand anders ebenfalls, aber das wird von Tag zu Tag unwichtiger an dem er mehr Leute kennen lernt und diese ihn kennen, unter welcher Identität auch immer.

Der Tag an dem man den Weg zu Phelans Bestattung antritt, rückt auch immer näher und Tiuri ist natürlich Feuer und Flamme, will sich nicht entgehen lassen mit zu reiten. Noch immer kann er nicht ruhig und gefasst auf den Vorfall in der Kanalisation zurück blicken und der Tod des Waldläufers, den er gar nicht so gut gekannt hat, tut ihm immer noch weh. Phelan hat er schließlich unter anderen sein Leben zu verdanken und es war nur gut und recht, dass er ihm jetzt Respekt zollt. Aber wie auch an den anderen Tagen kann der Junge es nicht lassen noch hinaus zu gehen, weil er die engen Mauern seiner Kammer nicht erträgt und er auch im Stall nicht still sitzen kann. Obwohl er nicht lange bleiben wollte, ist es beinahe schon wieder hell als der den Heimweg antritt und schließlich wie ein Stein in sein Bett fällt. Den Tumult am nächsten Morgen bekommt er gar nicht mit. Er hört keine Gebetsgesänge und auch keine Grid, die an seinem Bett steht und ihn anfleht doch aufzuwachen, denn der Herr Borgil würde auch ohne ihn los reiten.
So kommt es dann auch und als Tiuri gegen die Mittagszeit die Augen auf macht, fällt ihm nicht einmal sofort ein was für ein Tag eigentlich ist. Er schleppt sich hinunter in die Gaststube, in der eine ganze Gruppe Azurianer schon zu früher Stunde reichlich Alkohol in sich hinein schüttet und hört wie eine der Schankfrauen sich über die Aufregung ärgert, „Gerade jetzt wo Borgil nicht da ist“.
„Wo ist er den hin?“ Tiuri nuschelt in seinen nichtvorhandenen Bart, den Kopf auf die Hand gestützt über einem Becher Milch. In einem Moment hängt er noch auf dem Stuhl wie eine erschlagene Mücke und im nächsten fährt er hoch als hätte er in zwanzig azurianische Pfefferschoten gebissen. „Die Beerdigung!“ fährt es ihm aus und die Schankmagd nickt nur etwas entgeistert.
„Wolltest du nicht mit?“ fragt sie, während sie einen Krug mit Bier füllt? Tiuri nickt nur, fährt sich durch das strubbelige Haar und schlägt die Stirn gegen die Tischkante. Er flucht über sich selbst und ist im nächsten Augenblick zur Tür hinaus. Der Stall ist rappelvoll mit den Pferden aus Azurien die irgendwann abends angekommen sein müssen nach dem Tiuri die Harfe verlassen hat und ihm fallen beinahe die Augen raus. Er schnappt sich eines der Pferde im Stall, wobei ihm völlig gleichgültig ist wem es gehört, schnell sieht es aus und ausgeruht, wirft ihm ein Zaumzeug über und zieht sich in Windeseile auf den Pferderücken. Nino steht die ganze Zeit neben ihm und versucht ihn von seinem Vorhaben abzuhalten, verschwindet schließlich in der Harfe und steht Tiuri gemeinsam mit Halla gegenüber als der gerade los reiten will.
„Kommt schon, geht mir aus dem weg, ich kann sie noch einholen!“ ruft er, selbst so aufgeregt, dass das Pferd unter ihm herum springt wie ein verrückter Bock. Tiuri hat zwar vom richtigen Reiten wenig Ahnung, er kann ja kaum die Richtung dirigieren, geschweige denn anhalten, aber er hält sich auf dem Pferderücken als wäre er dort festgewachsen. Doch Halla verbietet es strikt, er muss bleiben und das Pferd gehöre einem Gast, das wäre ja wohl noch schöner. Sie lässt sich auf keine lange Diskussion mit ihm ein, ihr Gesichtsausdruck ist unerbittlich und so steigt er schließlich ab und bringt das Pferd zurück in den Stall.
Den restlichen Tag verbringt er damit zu schmollen, ob es nun bei der Arbeit im Stall ist oder später beim Essen in der Harfe.

„Du brauchst gar nicht zu schmollen“, Grid legt den Finger in die Wunde. „Ich hab versucht dich zu wecken und du wusstest, dass die Beerdigung ist, du hättest nicht so lange weg bleiben müssen!“
Sie versucht ein wenig versöhnlich zu klingen, aber Tiuri hat kein Ohr dafür über. Er ist gar nicht böse auf Grid, weil sie nicht geschafft hat ihn zu wecken und er ist auch nicht böse auf Borgil weil er ohne ihn geritten ist, sondern auf sich selbst, weil es seine Pflicht gewesen wäre Phelan die letzte Ehre zu erweisen.
Aber das ist ja was du schon immer warst, ein ehrloser Halunke!
Die Harfe verlässt er an diesem Abend nicht mehr, dafür beschließt er irgendwann, dass Beleidigt sein auch zu nichts führt, vor allem nicht wenn man auf sich selbst wütend ist und so geht er Hallas Aufforderung nach, dass er ruhig auch in der Schankstube etwas helfen kann wenn er im Stall nichts mehr zu tun hat. Und das tut er dann auch, sogar mit Feuereifer, so als könnte er mit jedem Bier das er an einen Tisch bringt sein Gewissen aufbessern.  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Calythia am 03. Aug. 2005, 20:22 Uhr
Draußen tobt der Wind und es regnet stürmisch.
Calythia hat die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, dass Wasser tropft am Rand herunter.
Dann sieht sie ein gemütlich wirkendes Gasthaus vorsich, über der Holztür, hängt ein Schild, worauf eine goldene Harfe gemalt ist.
Das ist sicher genau das Richtige!
Sie bindet den Esel an einen Stück Holzzaun, der von einer mächtigen Buche trockengehalten war.

Sie betritt das Gasthaus und sofort schlägt ihr ein Geruch von Bier und köstlicher Speiß entgegen. Man hört fröhliche Stimmen und herzhaftes Lachen. Der Schankraum ist so voll, dass es fast keine freien Plätze mehr gibt. Calythia beschließt, zur Theke zu gehen. Sie kämpft sich zwischen einer Gruppe von Zwergen hindurch, die gerade lauthals ein Lied singen und sich mit Bier zu saufen. An der Theke nimmt Calythia die Kapuze ihres Umhangs ab und wartet, dass einer der Bediensteten zu ihr kommen würde.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 03. Aug. 2005, 21:16 Uhr
Die Harfe scheint wie immer aus allen Nähten zu platzen, zumal sich vor kurzer Zeit das Gewitter, was sich schon den ganzen Tag angekündigt hatte, draussen Luft macht und es in Strömen regnet. Die Besucher des Marktes haben sich rasch ein trockenes Plätzchen gesucht und da ist die Harfe nun einmal am naheliegensten. Halla hat wie immer alle Hände voll zu tun, auch wenn Tuiri kräftig mit anpackt, genauso wie Azra und die anderen Mägde. Borgil ist noch auf der Reise zum Heideweg um den Waldläufer und Protektor des südlichen Larisgrün Phelan Desmond die letzte Ehre zu erweisen, und so fehlen seine Hände in der Harfe ein wenig, besonders jetzt wo es so hoch hergeht wie heute. Aber Halla ist das gewöhnt und scheucht ihre Mädchen hin und her, tatkräftig unterstützt von Azra. Halla schickt gerade Grid los, mit einem vollbeladenen Tablett Verder Dunkel, für die ausgelassen feiernden Zwerge, die gerade lauthals ein Lied zum Besten geben, - so schräg und schief, dass es Halla in den Ohren klingelt, aber den Zwergen scheint es zu gefallen - , als eine verhüllte Gestalt an die Theke tritt und erst dort ihre Kapuze vom Kopf zieht.

Zum Vorschein kommt ein feines elbisches Gesicht, umrahmt von rötlich glänzenden Haaren. Halla ist etwas erstaunt, da sie nach der Grösse der Gestalt zu urteilen nicht unbedingt eine Elbin erwartet hatte, die meist doch etwas grösser sind, als diejenige, die hier vor der Theke steht. Halla zuckt aber nur kurz die Schultern, in der Harfe und auch in Talyra gab es mit Sicherheit absonderlichere Dinge, als eine Elbin die ein wenig kleiner war als üblich. Die Elbin scheint neu in der Stadt zu sein, was Halla auch nicht sonderlich aus der Fassung bringt, denn ständig kehren neue Leute in Talyra ein und die 'Harfe' ist für die meisten - neben dem 'Pfirsich', dem 'Aal' oder dem 'Kupferkessel' - der erste Anlaufpunkt für Neuankömmlinge.

Draussen rollt gerade ein Donner über Talyra hinweg, und Halla wartet bis er endet, ehe sie die Elbin anspricht, weil diese wahrscheinlich sonst kein Wort von dem verstanden hätte, was Halla sagt. Auch als der Donner aufhört, muss Halla laut reden, denn den Zwergen ist gerade ein neues Lied eingefallen, dass sie lauthals durch die Schankstube grölen. "Seid gegrüsst, wie kann ich euch behilflich sein? Wollt ihr etwas trinken, oder essen, oder vielleicht ein Zimmer mieten, noch sind einige frei." Halla hat wie immer ihr freundlichstes Lächeln aufgesetzt und blickt die Elbin aufmunternd an. "Ihr solltet aber zuerst einmal euren Mantel ablegen, der ist ja vollkommen durchnässt. Ich hatte gehofft das Gewitter würde sich noch etwas Zeit lassen und erst heute Nacht losgehen, aber da hatte ich wohl falsch gehofft." Während Halla so weiter plaudert, füllt sie einige Hörner Met und drückt sie dem nächstbesten Schankmädchen in die Hände mit der Anweisung sie hinten an den Tisch der Händler zu bringen. Danach wendet sie sich wieder der Elbin zu, trotz des ganzen Durcheinanders in der Harfe immer noch freundlich lächend.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Calythia am 03. Aug. 2005, 21:39 Uhr
Calythia genießt die Wärme in dem Gasthaus. Es riecht nach Gewürzen.
Sie erblickt ein Mogbarmädchen mit braunroten Haaren, die sie anlächelt und anspricht.
Calythia ist glücklich jemand freundlichem zu begegnen und unterhält sich gerne mit ihr.
"Oh ja. Ich würde sehr gerne etwas Trinken. Was würdet ihr mir empfehlen?"
Calythia nickt heftig, als die Magd sie nach einem Zimmer fragt.
"Wenn ihr noch welche frei habt, sehr gerne. Ich habe einen langen Weg hinter mir und mein Körper sehnt sich nach einem gemütlichem Schlafplatz."
Als die freundliche Frau, Calythia auf ihren durchnässten Mantel anspricht, nickt sie.
"Ihr habt Recht!"
Sie zieht ihren Umhang aus und hängt ihn an einen Haken an der Wand.
"Ein Gewitter hat auch etwas Gutes, denn so habt ihr viel Betrieb im Gasthaus. Die Leute amüsieren sich hier sehr gut wie man sieht.", sagt Calythia mit einem Blick auf die Zwerge, die nun sogar auf den Tischen tanzen.
Sie lächelt vergnügt und wendet sich wieder der Magd zu.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 04. Aug. 2005, 23:04 Uhr
Die junge Elbin, zumindest schätzt Halla sie jung ein - was man bei Elben nie so genau sagen kann - scheint sehr aufgeschlossen und gesprächig. "Hm, also eigentlich haben wir fast alles zum Trinken hier, empfehlenswert ist der Sommerwein, oder das Verder Dunkel, oder das Verder Kupfer, Met haben wir natürlich auch im Angebot, und Apfelmost, und natürlich auch frisches Brunnenwasser oder Tee, je nach dem was ihr bevorzugt." Während die Elbin ihren nassen Mantel aufhängt, geht Halla hinüber zu dem Schlüsselbrett und nimmt einen Schlüssel hinunter, den sie der Elbin überreicht, als diese sich wieder an die Theke setzt. "Das Zimmer ist im ersten Stock die zweite Türe links, ihr kommt dorthin, wenn ihr dort drüben die Treppe hinauf geht." Halla deutet mit der Hand in Richtung Treppe, während sie der Elbin noch den Preis für Übernachtung und Frühstück nennt. Grid versucht derweil die auf den Tischen tanzenden Zwerge wieder von dort hinunter zu bekommen, was ein äusserst schwieriges Unterfangen zu sein scheint und Halla ein amüsiertes Schmunzeln auf das Gesicht zeichnet.

"Ihr habt recht durch das Gewitter hat sich die Harfe schlagartig gefüllt, aber auch ansonsten können wir uns über gute Geschäfte nicht beschweren. Was führt euch nach Talyra, ihr scheint neu hier zu sein. Und habt ihr euch für ein Getränk entschieden?" Halla lächelt abermals freundlich und nimmt die Bestellung einer Schankmagd entgegen, füllt die Gläser und überreicht sie dann der Magd, die sie hoch über dem Kopf erhoben durch das Gedränge in der Harfe zu den Gästen bringt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Calythia am 05. Aug. 2005, 09:53 Uhr
Calythia hört sich die Auswahl an Getränken aufmerksam an. "Gut, dann nehme ich das Brunnenwasser."
Das Mogbarmädchen holt einen Schlüssel, offenbar der für das Zimmer und erklärt ihr den Weg zu ihrem Schlafplatz für diese Nacht.
Calythia greift unter ihr Wollhemd und holt einen ledernen Beutel heraus, in dem sich klimpernde Münzen befinden. Sie nimmt einige heraus und legt sie auf die Theke.
"Ja ihr habt Recht. Ich bin gerade erst in Talyra angekommen. Leider hat man bei dem Regen nicht viel von den Häusern und Bauten gesehen.
Ihr fragt, was mich hierher führt? Gute Frage, manchmal habe ich mich das während der Reise auch gefragt. Der Tod meiner Mutter hat mir wahrscheinlich den nötigen Schritt gegeben, diese Reise hierher zu wagen."
Calythia schaut nachdenklich auf die Theke.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 06. Aug. 2005, 11:25 Uhr
Halla füllt einen irdenen Becher mit dem Brunnenwasser aus dem grossen tönernen Krug und stellt ihn vor die Elbin hin, die auf Grund von Hallas Frage sehr nachdenklich wird. Halla war natürlich zielsicher dahin getapst mit ihren Fragen und hatte die Elbin wohl so an den Tod ihrer Mutter erinnert. Die Elbin hat das Zimmer sofort bezahlt, für eine Nacht und Halla ist sich deshalb nicht ganz sicher, ob die Elbin nur auf der Durchreise ist oder vielleicht jemanden in Talyra kennt, bei dem sie später nächtigen wird, ihn aber aufgrund verschiedenster Gründe heute noch nicht aufsuchen wollte. Du machst dir wieder Gedanken um Dinge, die dich gar nichts angehen Halla, du bist einfach zu neugierig, aber du solltest sie wieder aufheitern, so trübe Gesichter passen nicht in ein Gasthaus. Grid hat es irgendwie geschafft die Zwerge von dem Tisch zu holen, ehe er unter ihrem Tanz noch zusammen bricht, was die Zwerge zwar kurz in ihrer Ausgelassenheit gebremst hat, aber nicht lange. Sie heben gerade erneut die Krüge und stimmen ein weiteres Lied an.

"Talyra ist eine grosse Stadt und ihr werdet hier sicher einiges zu entdecken haben. Wollt ihr denn länger bleiben oder seit ihr nur auf der Durchreise?" Halla wird kurz abgelenkt von der Elbin, deren Namen sie noch nicht kennt. Der Betrieb in der Harfe geht weiter, auch wenn Halla gerne noch etwas intensiver plaudern würde, ist das bei den vielen Gästen heute kaum möglich und ihr Gespräch würde sicher immer wieder unterbrochen werden. Als Halla sich der Elbin wieder zuwendet, nachdem die Schankmädchen wieder auf dem Weg sind, volle Gläser, Krüge und Hörner auszuteilen ud leere wieder zurück zu bringen, schaut die Elbin immer noch etwas nachdenklich auf einen Punkt auf der Theke. "Mein Name ist übrigens Halla, wenn etwas ist, fragt nach mir, oder nach Azra oder Grid, sie werden euch gerne weiter helfen, wenn euch irgendetwas fehlt. Darf ich euren Namen auch erfahren, oder ist er ein Geheimnis?" Es wäre nicht das erste Mal, dass jemand seinen wahren Namen verschweigt oder ihn gar nicht nennt. Talyra ist immer wieder Anlaufstelle für Vertriebene, Flüchtige oder Leute, die aus den verschiedensten Gründen nicht erkannt werden wollen, und Halla aktzeptiert das, es ist einfach normal für Talyra.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Calythia am 06. Aug. 2005, 12:03 Uhr
Das Mogbarmädchen stellt einen großen Krug, gefüllt mit Brunnenwasser vor ihr auf die Theke. Calythia wird aus ihren Gedanken gerissen. Sie sieht, dass einer der Angestellten die Zwerge inzwischen wieder auf ihre Stühle gebracht hatte, die nun lauthals ein Lied anstimmten.
Meine Mutter hatte Recht. Talyra scheint eine fröhliche Stadt zu sein, die gern feiert.
"Ja, ich habe vor, länger in Talyra zu verweilen. Könnt ihr mir sagen, ob es hier einen Tempel zu Ehren Faeyris gibt und wo man sich nach einer Arbeit erkundigen kann?"
Die freundliche Frau wird kurz abgelenkt, da es in der Harfe sehr laut ist und viele Leute ihren Krug mit Met vollen lassen wollen. Calythia hat Verständnis dafür und bewundert die Magd dafür, dass sie unter dem ganzen Trubel noch Zeit findet, mit ihr so reden.

Als sie sich wieder Calythia zuwendet, stellt sie sich mit dem Namen Halla vor. Calythia lächelt sie an.
"Mein Name ist Calythia. Ich verrate ihn euch gerne. Ich glaube kaum, dass ich ihn hier geheim halten muss, da ich niemanden aus Talyra kenne."
Calythia nimmt einen großen Schluck von ihrem Wasser. Es fühlt sich wundervoll an, als es durch ihre trockene Kehle ringt. Mit einem Dumpf stellt sie den Krug wieder ab. "Danke für das Angebot. Es ist schön, wenn man sich an jemanden wenden kann."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 07. Aug. 2005, 12:41 Uhr
"Einen Faeyristempel haben wir in Talyra, er liegt im Tempelviertel, wenn ihr die Harfe verlasst, müsst ihr euch in Richtung Nordtor wenden, an der Tausendwinkelgasse vorbei, und dann seht ihr das Tempelviertel schon. Es ist leicht zu finden. Was die Arbeit angeht, kommt es natürlich darauf an, was ihr könnt. Am Marktplatz gibt es ein Anschlagbrett, dort findet man Informationen, ob jemand eine Arbeitsstelle zu vergeben hat, ansonsten müsst ihr euch auf den Weg machen und bei den Leuten nachfragen. Was hattet ihr denn vor tun zu wollen, vielleicht weiss ich ja wohin ihr euch wenden könnt." Während Halla der Elbin alles erklärt, die sich mittlerweile auch als Calythia vorgestellt hat, spült die Mogbar die Gläser und Krüge, die die Mägde von den Tischen zurück bringen. Die Zwerge haben sich inzwischen etwas beruhigt und erzählen nun nur noch lauthals von den Abenteuern, die sie angeblich alle schon erlebt haben, und von denen Halla ihnen nur die Hälfte als wirklich geschehen abkauft.

>Danke für das Angebot. Es ist schön, wenn man sich an jemanden wenden kann.< "Das könnt ihr hier in der Harfe immer und auch Talyra ist eine Stadt, die freundlich ist und "Fremden" gegenüber sehr aufgeschlossen. Ihr werdet hier sicher schnell Freunde finden." Halla lächelt freundlich, und räumt dann einige Krüge zurück ins Regal, die nicht gebraucht werden."Habt ihr Hunger nach der langen Reise? Dann lasse ich euch schnell etwas machen, was würde euch denn schmecken, falls ihr Hunger habt?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Calythia am 07. Aug. 2005, 14:25 Uhr
Halla erklärt ihr den Weg zu einem Faeryristempel.
Oh wie wunderbar. Dann werde ich mich so bald wie möglich dorthin begeben.
"Ich würde gerne meine Dienste als Heilerin anbieten. Ich habe einige Erfahrung darin und bekam in meiner Kindheit die Studien des Heilens gelehrt. Aber ich würde auch etwas anderes machen, wenn sich dort nichts finden lässt. Vielleicht in einer Schneiderei oder in einem Tempel."

Das Mogbarmädchen spült einige Krüge und Gläser und Calythia schaut ihr zu. Die Zwerge hatten inzwischen mit ihren "Gesängen" aufgehört. Sie muss lächeln, als ein Zwerg verkündet, er wäre von zwei Drachen umzingelt gewesen und hätte sie ohne Mühe ins Jenseits befördert.
Sie hört ihnen nicht weiter zu, als Halla ihr erzählt, dass Talyra eine freundliche Stadt sei vorallem Fremden gegenüber.
"Das ist schön. Während meiner Reise habe ich in verschiedenen Dörfern und Städten gerastet und nicht alle empfingen mich mit offenen Armen. Viele waren misstrauisch und ängstlich. Ich verüble es ihnen nicht. Wer weiß, was sie alles durchgemacht haben."
Calythia nimmt noch einen großen Schluck aus ihrem Krug, bevor sie weiter redet.
"Ja, ich möchte mir hier keine Feinde machen. Man wird sehen was die Zeit bringt."
Als Halla sie fragt, ob Calythia denn Hunger hätte nach so einer langen Reise, spürt die Elbin erst ihren Appetitt.
"Oh ja. Ich nehme die Briocaer Fideln, wenn ihr diese im Haus habt."
Calythia nimmt nochmal einen großen Schluck, an dem sie sich verschluckt. Hustend und prustend schaut sie Halla an.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 10. Aug. 2005, 11:26 Uhr
"Heilerinnen haben wir schon einige in der Stadt, da gibt es Lady Selket, in der Parkapotheke wohnt sie, dann Kitty Rivendell, die unten im Seeviertel wohnt und soweit ich weiss schwanger ist, vielleicht könnte sie Hilfe brauchen, und dann gibt es noch Morgana, sie wohnt in einem kleinen Häuschen am Nordtor der Stadt und ist Faeyrispriesterin, ihr wird oft von Schilama geholfen, die von Morgana ausgebildet wurde und so wie ich gehört hab auch eine fähige Heilerin ist. Ach und ausserdem gibt es natürlich noch Ballabar in der Steinfaust, ein alter Kauz und schon blind, aber ein hervorragender Heiler. Sprecht ihr mal bei einem der Personen vor, vielleicht braucht jemand Hilfe und ihr findet eine Anstellung." Hunger scheint Calythia auf jede Fall zu haben, denn sie bestellt Briocer Fideln, was auch ihren Geschmack beweist, nun ja sie ist auch eine Elbin. Halla lächelt bei dem Gedanken an die Elben, die schon hier in der Harfe waren und von denen einige so hochnäsig gewesen sind, dass sich Halla gefragt hat, wie sie überhaupt laufen können, wenn sie die Nase so hoch tragen, müssten sie eigentlich ständig stolpern. Aber zum Glück sind nicht alle Elben so, hier in Talyra sind die Elben alle sehr freundlich und aufgeschlossen.Durst scheint Calythia auch zu haben denn sie nimmt einen grossen sChluck Wasser und verschlcukt sich daran, Halla verkneift sich ein Lachen und reicht der jungen Elbin ein Tuch.

Die Briocer Fideln kommen schon aus der Küche, als Halla ihre Ausführungen geendet hat, schön hergerichtet auf einen frischen Salatblatt, etwas Sahnekren daneben und frisch geröstet Weissbrot. Halla stellt den Teller vor Calythia auf die Theke, sie hatte sich rasch umgesehen, ob in der Harfe nicht gerade ein Platz frei geworden ist, damit die Elbin sich setzen kann, aber leider sind alle Tische noch besetzt, und so würde die Elbin wohl hier an der Theke essen müssen. Aber die hohen Stühle, die  längs der Theke stehen sind auch recht bequem und man kann auch hier gut essen. "Lasst es euch schmecken, der Fisch ist erst gestern aus dem Räucherofen am Hafen gekommen, also ganz frisch und herrlich lecker." Halla lächelt Calythia noch einmal zu, ehe sie sich herum dreht und sich wieder um ihre Arbeit kümmert, damit die Elbin ungestört essen kann. Die Zwerge sind ruhiger geworden, wohl weil das Bier und der Met ihnen die Zungen nun doch schon schwer gemacht haben und Halla grinst ein wenig vor sich hin.Azra eilt hin und her und hat die Mädchen genauso im Griff wie Borgil. Auch wenn Halla insgeheim ein wenig eifersüchtig gewesen ist, nachdem Borgil sein Schneemädel, wie er Azra nennt, geheiratet hat, hat sich nun zwischen den beiden Frauen eine Freundschaft entwickelt. Oft stecken die beiden die Köpfe zusammen, planen die Arbeiten für den nächsten Tag, tauschen die neuesten Gerüchte aus, scheuchen die Mädchen zusammen von einem Ort zum anderen und halten die Harfe am laufen. Selbst Geheimnisse tauschen die beiden aus und Halla hatte bisher noch keine Freundin wie Azra. Verschwörerisch tauschen die beiden schnell einen Blick und müssen dann beide grinsen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 10. Aug. 2005, 11:54 Uhr
Tiuri hätte nie gedacht, dass er fürs Kellnern auch nur annähernd Talent hätte, aber seine diebische Fingerfertigkeit hilft ihm dabei ganz eindeutig. Einige Male fällt etwas zu Boden weil er zu schwungvoll zwischen den Tischen herum turnt, aber noch viel öfter, fällt etwas nur beinahe zu Boden und mit Geschick und einer guten Portion Glück balanciert Tiuri das Tablett wieder aus und rettet was beinahe in Brüche gegangen wäre.
Er geht richtig in seiner Rolle auf. Nicht so, dass er sie ein Leben lang ausführen wollen würde, aber das heißt bei jemandem der mehr als nur eine Identität mit sich rumführt auch nicht viel. Seine nächtlichen Spaziergänge müssen zu der Zeit allerdings ausfallen, denn gerade abends bis in die Nacht hinein ist in der Harfe besonders viel los. Die Vormittage verschläft er meistens, oder spielt sich mit seiner Ratte, die sich irgendwo in der Harfe eingenistet hat und eigentlich nie lange bei ihm bleibt. Meistens sucht sie nach etwas zu essen und fiept Tiuri dann fordernd an. Sie braucht auch nicht allzu viel und wird langsam etwas dicklich, weil Tiuri es recht gut mit ihr meint.
Auch in den Stall schaut Tiuri so häufig wie möglich. Einerseits um die anderen Stallburschen zu treffen und sich zu unterhalten und andererseits um auch dort seine Arbeit nicht völlig zu vernachlässigen. Er ist also rundum beschäftigt und kommt gar nicht auf irgendwelche dummen Gedanken.

An einem Regentag ist wieder besonders viel los in der Harfe. Ein Trupp Zwerge tanzt auf den Tischen, besser gesagt springen sie etwas unkoordiniert herum und Tiuri hofft nur, dass die Tischplatte nicht irgendwann unter den nicht allzu grazilen Zwergenfüßchen den Geist auf gibt. Als er zusammen mit Grid wieder mal eine Ladung an Bier an den Tisch bringt, wäre ihnen der Zwerg beinahe entgegen gefallen und er kann ihn nur mit hilfreichen Händen irgendwie am Tisch halten. Tiuri ist froh, als sich der Zwerg wieder nieder setzt und seine Stimme mit den anderen zu einem Lied erhebt. Die Zwerge grölen noch einige Zeit so laut, dass man den Donner draußen nicht mehr hört, aber Tiuri ist immer froh wenn die Stimmung in der Harfe gut ist.
Aber nach dem noch einige Fuhren Bier an den Tisch gelangt sind, werden auch die Zwergenzungen schwerer und langsam aber sicher werden sie ruhiger, bis sie das Singen ganz einstellen und sich sogar nur noch in gemäßigter Lautstärke unterhalten können. Grid schüttelt ungläubig den Kopf und wundert sich wieder einmal wie viel diese Zwerge eigentlich in sich hineinschütten können bevor sie endlich betrunken genug sind.
Halla unterhält sich mit einer Elbin die erst vor kurzem, in einen dicken Mantel gehüllt die Harfe betreten hat. Vor einiger Zeit noch war jeder Elb den er gesehen hat etwas besonderes gewesen und danach hat ihn jedes elende Spitzohr an Faraday erinnert. Aber mit der Zeit wird man in der Harfe oder eigentlich in ganz Talyra gegen alle möglichen Gestalten abgehärtet. Er war Wesen über den Weg gelaufen von denen er sich nicht einmal erträumt hätte, dass sie existieren und schon gar nicht, dass sie einfach so in einer Stadt leben würden. Aber schön langsam ist nichts mehr ungewöhnlich was das betrifft.
Er will gerade an einen Tisch gehen um die Bestellung eines Neuankömmlings aufzunehmen, da fällt ihm auf, dass er vor nicht ganz einem Siebentag einen ganzen Abend mit ihm beim Kartenspielen verbracht hat und ihm das Blaue vom Himmel herunter gelogen hat. Der dürfte ihn jetzt besser nicht sehen und herausfinden, dass er in Wahrheit nicht der Sohn des Tuchhändlers aus Fa´Sheel ist, sondern die Stallbursche und Aushilfskellner in der Goldenen Harfe. Er kratzt rechtzeitig die Kurve und versteckt sich hinter einem braunen Haarbüschel das ihm über die Augen fällt. Während er an einen anderen Tisch geht und dort seine Arbeit tut, wobei er versucht dem Mann so gut wie möglich seinen Rücken zu zudrehen, kommt er an Grid vorbei und murmelt etwas von „Kundschaft dort hinten!“. Sie sieht ihn zwar mit einer hochgezogenen Augenbraue an, hat aber dank des vollgefüllten Schankraums keine Zeit näher auf sein seltsames Verhalten einzugehen. Den restlichen Abend verbringt Tiuri damit den Teil der Harfe zu bedienen in der sich der Mann nicht befindet und er ist schrecklich erleichtert als der wieder abzieht und nicht ewig lange bleibt.
Danach nimmt alles seinen gewohnten Gang. Azra und Halla haben die Harfe, die dazugehörigen Angestellten und auch alle Gäste bestens im Griff. Tiuri trifft keine weiteren Bekannten mehr und hofft, dass das auch die nächste Zeit so bleibt, bis er wieder gut verborgen im Stall arbeitet.  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Calythia am 10. Aug. 2005, 17:44 Uhr
Während Calythia hustet, reicht Halle ihr ein Tuch, dass sie dankbar annimmt. Nach kurzer Zeit kann sie die Laute ersticken.
"Hmm es gibt wirklich einige Heilerinnen in der Stadt. Vielleicht braucht jemand noch zusätzlich zwei Hände. Naja ich werde mich einfach mal erkundigen. Danke für die nützlichen Informationen."
Als das Essen vor ihr serviert wird, läuft ihr das Wasser im Mund zusammen. Am Liebsten würde sie sich jetzt draufstürzen, das Essen mit den Händen verschlingen, aber ihre gute Manieren sagen etwas anderes.
Also nimmt sie Gabel und Messer und langt ordentlich zu.
Nachdem sie das Mahl verzehrt hat, breitet sich eine wohlige Ruhe in ihr aus.
Sie holt aus ihrem Lederbeutel, ein paar klimpernde Münzen hinaus und legt sie auf das Holz.
"Danke für das wunderbare Essen. Eure Köche sind wahre Götter."
Calythia lächelt das Mogbarmädchen zufrieden an.
"Ich werde dann mal mein Gepäck holen."
In dem Moment ertönt ein lauter Donner und es prasselt auf das Gasthaus nieder.
Oh nein. Ich geh lieber gleich, bevor es noch schlimmer wird.
Die Elbin steht auf und bindet sich ihren Umhang um.
Sie stülpt die Kaputze auf und ihr Gesicht ist verhüllt.

Mit einem Ruck reißt sie die schwere Holztür auf und läuft auf den mächtigen Baum zugeht, unter dem immer noch ihr Esel steht, zitternd vor Kälte.
Sie schließt sie Augen und konzentriert sich auf den Esel.
Mit ihren Gedanken, spricht sie zu ihm.
Es tut mir Leid, dich hier stehen gelassen zu haben. Komm mit. Ich bringe dich zu einem Stallknecht.
Der Esel schnaubte. Calythia band ihn ab und führte ihn im schnellen Schritt zum Stall der Harfe hinüber.
Sie sieht wie ein junger Knecht unter dem Dach steht und verzweifelt und misstrauisch den Himmel anstarrt.
"Hey ihr. Könnt ihr bitte meinen Esel versorgen?"
Ein lauter Wind war auf einmal aufgekommen und Calythia muss fast schreien, damit man etwas verstehen kann.
Der Stallknecht kommt auf sie zu und nimmt ihr den Esel ab. Calythia bindet eilig das Gepäck ab und hieft es über ihre Schulter.
Sie zieht ihren Lederbeutel heraus und gibt dem Jungen eine Münze. "Hier nehmt das bitte." Calythia lächelt ihn an. Der Stallknecht zögert, doch dann nimmt er das Geld.
"Ihr solltet bei dem Wetter nicht mehr draußen sein. Seid froh, dass es erst jetzt auftaucht und nicht mitten auf eurem Herweg."
Calythia nickte. Eine starke Windböhe weht ihr die Kaputze vom Kopf. Sie rennt mit ihrem Gepäck auf das Gasthaus zu. Mit einem Ruck öffnet sie die Tür und befindet sich drinnen. Ihre Haare triefen vor Wasser, an ihrem Umhang tröpfelt es auf den sauberen Boden, ihre Fußabdrücke hinterlassen Schlammspuren.
Oje. Ich muss aussehen.
Calythia geht die Treppe hoch und öffnet die zweite Tür von Links.
Ein gemütliches Zimmer, mit einem weichen Bett, einem kleinen Tisch und einem Stuhl bietet sich ihr.
Ein geknüpfter Teppich liegt vor einem Schrank und ein Landschaftsbild hängt an der Wand.
Calythia räumt ihre Gewänder in den Schrank. Es war nicht viel, sie hatte nur zwei von Zuhause mitgenommen, ihre Reisesachen trug sie noch. Dabei hatte sie noch ein zweites paar Schuhe, eine Hose und einen Schal für den Winter.
Als sie alles aufgeräumt hat, zieht sie ihren Mantel aus und geht wieder hinunter in den Schankraum.
Sofort fühlt sie sich wohl, unter dem fröhlichen Gelächter und Geplaudere.
Der Wind wird stärker... Calythia schaut aus dem Fenster und sieht wie sich die Bäume umbogen. Inzwischen war die Dunkelheit herein gebrochen und das Gasthaus schien bald zu platzen.
Ihr Platz an der Theke war immer noch frei und so setzt sich die Elbin auf den Platz.
"Würdet ihr mir bitte einen Krug voll frischem Bier geben? Ich glaub das ist jetzt genau das Richtige."
Ihr Vater hatte ihr immer eingeschärft, keinen Alkohol zu trinken, doch sie konnte nicht widerstehen.
Einmal wird es schon nicht schaden.
Calythia schaut Halla an.
"Ich hoffe das wird kein Sturm. Wisst ihr, seit dem ich mal als kleine Elbin im Wald verirrt umherlief, kam ein Sturm auf. Nun ja, ein bisschen Angst kommt da immer wieder etwas hoch."
Calythia erzählte Halla nicht die ganze Geschichte. Das Schrecklichste wollte sie weglassen, sie wollte nicht darüber reden, nicht die gute Stimmung verderben und sich vorallem nicht daran erinnern.
Sie schüttelt den Kopf um die Gedanken fortzuscheuen und schaut Halla erwartend an.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 12. Aug. 2005, 00:49 Uhr
Azra huscht zwischen den Stühlen durch, weicht einem heftig schwankenden Zwergen aus, der sich wohl von der Gesangsrunde verabschieden will und rettet mit viel Glück gerade den Krug auf ihrem Tablett noch davor, hinunter zu fallen. Da ertönt hinter ihr schon wieder ein lautes, und herrisches: „NOCH EINEN KRUG DUNKELBIER!“ Normalerweise hat sie keine Mühe solche Dinge zu ignorieren und schön alles hintereinander zu machen, aber heute schickt sie einen giftigen Blick über ihre Schulter zurück und schickt gleichzeitig ein Stossgebet an sie Götter, dass dieser Trubel endlich enden wird. Beinahe im selben Augenblick huscht ihr Blick auch schon schuldig zu Halla hinüber, die hinter der Theke steht und Krüge putzt, als hätte sie nichts Besseres zu tun, sowie Tiuri der mehr schlafwandelnd als wach noch zwischen den Gästen herumschlurft und sich tapfer auf den Beinen hält und Azra wird deutlich, dass sie wohl nicht die Einzige ist, die sich sehnlichst den Feierabend herbeiwünscht… und noch etwas Anderes, das ihr die Arbeit ansonsten einiges angenehmer macht. Borgil würde aber wohl erst in ein paar Tagen zurückkehren und bis dahin muss sie das riesige Bett noch alleine warm halten, was ihr aber nur schwerstlich gelingt.
Als sie nun in der Küche ankommt, lässt sie das Tablett dermassen hart auf den Tisch herabsausen, das es polternd seinem Unmut freien Lauf lässt und Grid schenkt ihr einen verwirrten, vorwurfsvollen Blick, den Azra flüchtig mit ärgerlich verzogener Miene erwidert, dann jedoch schnell den Kopf senkt und eine Hand an die Stirne hebt. <<Herrje, bei Sils Amboss, was ist bloss mit mir los? Grid kann doch nichts dafür, das heute aber überhaupt nichts und niemand das tut, was es oder er soll!>> Doch als sie mit einer Entschuldigung auf den Lippen wieder aufsieht, ist die Köchin schon ganz woanders beschäftigt und zerhackt grad mit wenig Kleingefühl Hähnchenfleisch für eine Suppe, was aussieht, als würde sie das Tier schlachten. Mit einem leicht mulmigen Gefühl im Magen lässt Azra von dem Anblick ab und sieht durch die Türe in den Schankraum hinaus, wo aufgeregtes Treiben herrscht und es wie in einem Insektenhaufen wimmelt. Sie hat keine Lust da hinaus zu gehen, lieber möchte sie jeden, der auch nur irgendwas von ihr will, dazu berufen, sich das Zeugs doch selbst zu holen. Stattdessen greift sie resignierend nach einem Krug Dunkelbier für den Schreihals und will sich schon in das Gewühl begeben, eine Miene ziehend, wie drei Tage Dauerregen und mit dem Wunsch dem Kerl den Krug an den Kopf zu schmeissen und ihm damit das Maul zu stopfen.

Soweit kommt es jedoch nicht, denn bevor Azra auch nur einen Schritt in die Menge hinausgesetzt hat, zupft jemand sie am Aermel und aus einem plötzlichen Schreck heraus, lässt sie den Krug mit einem erschrockenen Keuchen fallen. Polternd fällt er zu Boden und das dunkelgoldene Dunkelbier schwappt über den Holzboden. Völlig entsetzt ob ihres Missgeschicks, geht Azra einen Moment später schon in die Knie und beginnt mit Tränen in den Augen die Sauerei mit ihrer Schürze aufzuwischen, sehr zur Belustigung mancher Gäste, ob dieser Panne in lautes Gelächter ausgebrochen sind. An manch anderen Tagen macht es ihr nichts aus, im besten Fall bringt sie die Meute mit einem Blitzen im Blick und einem breiten Grinsen zum Schweigen, doch heute steigen ihr stattdessen Tränen in die Augen und irgendwo in ihr steigt der Drang auf laut los zu heulen und sich in das nächste auffindbare Mauseloch zu verkriechen, in dem der Einwohner ein wenig Platz für sie übrig hat.
Eine der Schankmaiden huscht vorbei, Azra kann sehen, wie sie innehält, doch dann kniet schon jemand anders vor ihr und beginnt ihr zu helfen. Halla! Schnell wischt sich Azra mit dem Handrücken die eine Träne von der Wange, die sich gemeiner weise schnell über ihre Wimper geschlichen hat, doch die Mogbar sieht es und schüttelt nur mit leicht besorgter Miene den Kopf: „Na los, wasch die Krüge an der Theke, ich mach das hier schon und bring dem Mann auch ein neues Dunkelbier. Du könntest der Dame dort hinten ein Bier ausschenken.“ Zu gerne möchte Azra widersprechen, belässt es jedoch bei einem stummen Nicken und fühlt sich insgeheim mehr als schlecht dabei, Halla das Aufräumen ihres eigenen Unglücks zu überlassen. Aber wahrscheinlich würde noch jemand über sie stolpern, oder sie jemanden zu Fall bringen, so sehr wie sie heute jedes Fettnäpfchen sucht, das sie finden kann.
Mit der Miene eines getretenen Hundes schleicht sie sich hinter die Theke und greift schon nach dem ersten, frisch gewaschenen Krug, als sie den Blick einer jungen Elbin auf sich spürt und mit fragendem Blick sieht Azra auf.
Wirklich eine Elbin und obwohl sie recht klein ist für eine eben solche, muss Azra den Kopf in den Nacken legen um zu ihr aufsehen zu können. Glänzendes Haar umspielt ein Gesicht mit zarten Zügen und tiefblaue Augen springen daraus hervor, wie zwei funkelnde Saphire und Azra wird für einen Moment ein wenig mulmig zumute, wenn sie an ihre eigenen denkt, die ausser dem rauchgrauen Ring, kein bisschen Farbe besitzen. Auch das sie heute noch eine Elbe bedienen muss, steigert ihr Selbstbewusstsein nicht unbedingt. Trotzdem setzt sie ein freundliches und ebenso ehrlich gemeintes Lächeln auf und fragt mit deutlicher Stimme über den Lärm von einigen grölenden jungen Männern hinweg: „Halla meintet ihr wolltet ein Bier, was für eine darf ich euch denn geben? Und entschuldigt den plötzlichen Wechsel, wie ihr seht, gab es einen kleinen Zwischenfall.“ Mit leicht roten Wangen weist Azra in die Richtung, wo Halla gerade wieder aufsteht und in der Küche verschwindet. Genau in solchen Situationen fehlt ihr das breite Grinsen unter einem buschigen, roten Bart hervor, zusammen mit einem aufmunternden Augenzwinkern, dass auf eine ereignisreiche Nacht hindeutet. Ueberhaupt fehlt Borgil ihr an sämtlichen Ecken und Enden und wenn es nur ums Flechten seiner Zöpfe geht, was sie jeden Morgen mit grosser Vorliebe tut.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Calythia am 12. Aug. 2005, 18:44 Uhr
Calythia sieht eine Magd, die von jemandem angetippt wird. Offenbar vor Schreck lässt sie den Krug voll Bier fallen. Ein paar Gäste haben dieses Geschehen ebenfalls beobachtet und brechen in Gelächter aus.
Calythia schüttelt nur den Kopf.
Sind das wirklich ältere Leute, die dort sitzen, oder ein paar Kinder, die nichts anderes zu tun haben, als über anderer Leute Missgeschick zu lachen?
Halla huscht zu ihr und hilft ihr die Scherben aufzusammeln. Calythia sieht, wie sie mit der Magd redet. Diese steht auf und stellt sich hinter die Theke.
Was für schönes Haar sie hat. So weich und glänzend. Ihre Haut ist sogar noch heller wie meine, sie scheint richtig zu leuchten.
Calythia fasst an ihr immer noch nasses Haar und runzelt die Stirn.

Sie schaut aus dem Fenster und sieht, wie der Wind immer stärker wird.
Ehre sei Faeryis, da sie mich sicher vor dem Sturm hierher geleitet hat.
Sie dreht sich um und schaut das hübsche Gesicht an.
Offenbar bemerkt sie ihren Blick und schaut auf.
Calythia lächelt sie an und auch die Magd lächelt freundlich. Sie fragt, welches Bier sie gerne hätte.
"Oh ich nehme gerne das Verder Kupfer. Das macht nichts, schön noch ein Gesicht zu sehen."
Calythia sieht eine einsame Träne in ihrem Gesicht.
Sie sieht so traurig aus. Was mag sie so unglücklich machen?
Aufmunternd schaut Calythia die elbinartige Frau an.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 12. Aug. 2005, 19:42 Uhr
Für einen Moment hält sie die Luft an, der Augenblick in dem sich die Elben ihr gegenüber meist entscheiden, ob sie einfach mal Ruhe behalten, laut aufschreien, oder freundlich lächeln möchten. Diese hübsche Elbe nimmt Letzteres in Anspruch und wie jedes Mal fällt Azra eine grosse Last von den Schultern und sie schickt stumm ein Dankesgebet an sämtliche Götter, denn das letzte was ihr heute noch gefehlt hat, wäre ein Aufruhr in der Harfe gewesen. So jedoch nickt sie mit einem Lächeln und sieht flüchtig zu Halla hinüber, die dem Bauernklotz gerade sein Dunkelbier vor die Nase knallt und ihn mit einem Blick bedenkt, bei dem Azra sich so schnell wie der Wind aus der Harfe verzogen hätte. Der Mann, der die Ausmasse von zwei nebeneinander gestellte Weinfässern hat und grösser als ein Baum scheint, greift sich lediglich sein Gebräu und stürzt es hinunter wie Wasser.
Kopfschüttelnd schnappt sich Azra einen der Krüge und zapft es bis zum Rand mit Verder Kupfer voll, dessen rötlich, wie sein gleichnamiges Metall, schimmernde Oberfläche beinahe völlig unter dickem, weissen Schaum verschwindet. Sie selbst mag lieber den Honigmet, oder aber den Inariwein, den es aber lediglich zu besagten Festtag einmal im Jahr gibt.
Vorsichtig setzt sie das Getränk der Elbe vor die Nase, flüchtig innehaltend und sich fragend, ob ein solches Wesen ein Bier wie das Verder Kupfer wohl verträgt, muss sich dann jedoch eingestehen, dass in der Goldenen Harfe alle Siebentage mindestens soviel betrunkene Elben wie Zwerge herumlaufen. „Lasst es euch schmecken“, serviert Azra samt dem Gewünschten und kann ob des ermutigenden Lächelns nur schmunzeln. Jung ist diese Elbe, vielleicht nicht ganz so jung, wie sie selbst, aber in menschlichem Alter noch fast nicht als erwachsen geltend. Zumindest kommt es Azra so vor, als sie nun einen Lappen nimmt und beginnt die Theke zu wischen, die unter dem heutigen Tag wieder arg gelitten hat. Auch warten in Borgils Privatgemächern noch die Bücher, die von ihr und Halla gemeinsam geführt werden müssen, bevor besagter Zwerg wieder hier ist, denn schliesslich soll Ordnung herrschen.
<<Und ich sollte mit Halla wegen den Metvorräten sprechen, bald gehen sie uns zu Neige, wenn noch mehr solcher Anstürmungen auf die Harfe stattfinden.>>
Und dann noch der Händler wegen dem Wild, der auch genau dann aufkreuzt, wenn Borgil für die einzigen Tage im Jahr einmal nicht da ist, und in einem der Zimmer auf seine Rückkehr wartet.

Draussen tob der Sturm unverrichteter Dinge weiter, der Regen peitscht aufgewühlt gegen die Fensterscheiben, ein leises Donnergrollen dringt sogar durch den Lärm des Schankraums und sogar hier, unter sicherem und warmen Dach, kann man die Spannung in der Luft fühlen, die sich einige Augenblicke später in einem zuckenden Blitz entlädt. Der helle Schein erhellt kurz den gesamten Raum um es einen Herzschlag später wieder den Kerzen und Talglampen zu überlassen, die Gesichter der Gäste zu beleuchten. Noch nicht einmal mehr eine Katze oder einen Hund würde Azra bei diesem Wetter vor die Türe werfen und ist froh, ihr Bett gleich einige Gänge weiter zu haben. Der Trubel in der Harfe will und will jedoch nicht abnehmen, stattdessen sind die Zwerge übereingekommen, dass ihre Zungen zu schwer zum Reden sind und sie sich nur noch mit lautem Gelalle und Gejohle unterhalten sollen.
Das entlockt ihr doch ein breites Grinsen und mit flinken Fingern poliert sie das Holz so sauer, bis es glänzt und blickt schliesslich noch einmal zu der fremden Elbin auf, plötzlich bemerkend, wie unhöflich sie eigentlich ist: „Oh, entschuldigt. Mein Name ist Azra. Ihr hattet wohl gerade noch Glück vor dem Unwetter hier hinein zu gelangen, wie?“ Dabei trocknen ihre Hände gekonnt einige Becher und stellen sie sauber unter der Theke bereit, auf das sie wieder gefüllt werden können.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Calythia am 12. Aug. 2005, 21:35 Uhr
Die Magd stellt ihr einen Krug voll Verder Kupfer vor die Nase. Es ist rötlich und wird mit einer Masse von Schaum bedeckt. Calythia bedankt sich und nimmt einen Schluck und sie merkt, wie es ihre Kehle hinunter rinnt. Für einen kurzen Moment wird ihr leicht schwumrig vor den Augen, doch nach einer Sekunde fühlt sie sich wieder normal.
Wenn Vater das wüsste... Calythia muss an sein strenges Gesicht denken, wenn sie gefragt hatte, ob sie nicht auch einen Schluck von dem Goldkelch nehmen durfte, der gefüllt wahr mit köstlichem Wein. Calythia schüttelt den Kopf.
Nein Vater. Ich habe jetzt mein eigenes Leben!
Mit diesem Gedanken nimmt sie noch einen kräftigen Schluck Bier.

Plötzlich ertönt draußen ein Donner und das Haus scheint zu erzittern. Die Elbin schließt die Augen.
Sie muss an den Tag im Wald denken, an den Sturm der ihr Leben veränderte.
Sie öffnet wieder die Augen und schaut in die Flamme einer Kerze, die neben ihr steht.
Wie froh ist sie, dass sie hier so ein glückliches Gasthaus gefunden hatte, an dem die Menschen ausgelassen und fröhlich waren.
Sie schaut auf die freundliche Magd die gerade dabei ist, einige Becher abzutrockenen.
In dem Moment blickt auch sie zu ihr auf.
Sie stellt sich mit dem Namen Azra vor.
Ein schöner Name. Woher sie wohl...
Calythias Gedanke stoppt. Sie starrt die Magd an.
Nein, das...das kann nicht sein...nein!
Calythia schaut Azra genauer an. Ihr Atmen stockt und ihr Herz schlägt schneller.
Nein. Wenn sie wirklich von Blutelben abstammt, dann...
Das ist einfach unmöglich.

Calythia weiß nicht was sie sagen soll.
"Ich...ich...mein Name ist..."
Schnell nimmt sie einen großen Schluck von ihrem Bier.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 12. Aug. 2005, 23:08 Uhr
Die Straßen der Stadt liegen alles andere als still und leer vor ihm, trotz nebligen Nieselregens und ganz und gar unfrühlingshafter Abendkühle, als Borgil sich von den anderen trennt, die ins Seeviertel weiterreiten. Wegen des miserablen Wetters fällt ihr endgültiger Abschied nur recht kurz aus - ein paar leise Worte, ein Winken, dann reiten sie alle ihrer Wege. Borgil hat jedoch ohnehin für nichts anderes mehr Augen, als für seine Harfe, die hoch und sicher aus der Dunkelheit und dem Regen aufragt und aus deren zahlreichen Fenstern heller Lichtschein dringt. Zuhause... endlich! Nässer als sie sind, können weder der gute Bildur noch er selbst mehr werden, aber was ihn angeht, so würde er jetzt einen großen Zuber heißen Wasser mit viel weichem Seifenschaum eindeutig bevorzugen. Wie auch immer, Ross und Reiter gleichermaßen beeilen sich, durch den Torbogen aus unbehauenem Flussstein in den Innenhof der Harfe zu kommen. Borgil überlässt sein stämmiges Frithpony einem hastig durch den Regen herbeiplanschenden Stalljungen und schultert seine Satteltaschen, dann betritt er die Harfe durch den Gesindeeingang. In der Gaststube scheint lärmendes Treiben zu herrschen und er saugt die vertrauten Geräusche vieler Stimmen, prasselnden Feuers, rückender Stühle und Tische, Gelächters und dem beständigen Klappern und Klirren von Geschirr in sich auf. Zunächst einmal steuert er jedoch seine Gemächer an, eine breite Spur nasser Stiefelabdrücke und Tropfen hinter sich herziehend, wo er seine vollkommen durchfeuchteten Satteltaschen abstellt und seinen klitschnassen Umhang endlich loswird. Zu seinem Leidwesen findet er Azra allerdings nicht hier, obwohl ihre Anwesenheit deutlich zu spüren ist.... und zu sehen auch. Seine Gemächer waren zwar auch vor seiner Heirat immer ordentlich gewesen und das Ausfegen und Putzen hatte ohnehin eine Scheuermagd erledigt, aber sie waren nichtsdestotrotz die spartanische Bleibe eines Junggesellenzwerges gewesen und das hatte man ihnen auch angesehen. Jetzt brennt ein anheimelndes Feuer im Kamin, weiche Pelze bedecken die glänzenden Bodendielen und hübsche Wandteppiche hängen zwischen den Fenstern mit ihren breiten Simsen. Bestickte Kissen sind in den wuchtigen, lederbezogenen Holzstühlen aufgetaucht, ein paar Korbtruhen mit hübschen Mustern im Weidenflechtwerk sind neu und auf dem Tisch stehen langstielige Lilien in einer blauglasierten Vase. Außerdem hatte seine kleine Frau in seiner Abwesenheit die Möbel so umgestellt, dass seine Räume nicht mehr länger wie eine vollgestopfte Lagerhalle, sondern endlich wie ein Zuhause aussehen.

Einen Moment lang sieht Borgil sich einfach nur um und seufzt tief, dann schlüpft rasch in eine trockene Hose und ein reines Hemd, schnallt seinen breiten Ledergürtel um und geht in die Gaststube hinüber... irgendwo muss das verflixte Frauenzimmer ja stecken. Er hat sie sehr vermisst und das soll sie auch auf der Stelle erfahren. Bisher war seine Ankunft noch vollkommen unbemerkt geblieben, schließlich ist es draußen stockfinstere Nacht, es gießt wie aus Kübeln und im Schankraum scheint einiges loszusein. Als er sich aber durch eine Wolke wohlriechenden Pfeifenkrauts und eine vorbeidrängelnde Reisegruppe schnatternder arniser Salzhändler, die sich gerade am Tresen mit frischem Bier versorgt hatten, in den Gastraum schiebt, ist es aus mit der Heimlichkeit. Halla strahlt ihn an und winkt heftig mit ihrem Poliertuch, außerdem schafft sie es, dabei gleich mit vielsagender Mimik auf einen Gast zu deuten, der seiner Statur nach ein Verwandter Achims sein könnte und den Borgil wohl im Auge zu behalten hat, sollte er aufmüpfig werden. Borgil nickt nur und lässt seinen Blick durch den gesamten Schankraum schweifen... alle Mägde rennen wie die Hasen, das Bier fließt in Strömen, die meisten Tische sind besetzt und die Stimmung ist gut. Grid entdeckt ihn als nächste, wirbelt herum, schnaubt ein durch und durch erleichtertes "Willkommen" hervor und sammelt gleichzeitig mit einer Hand hastig die durcheinanderpurzelnden Becher auf ihrem Tablett wieder ein. Ihre vielsagenden Blicke setzen gleich zwei weitere potentielle Rauswurfkandidaten auf  Borgils Liste und der Zwerg schickt augenrollenden Blick an die wuchtige Balkendecke. Heimat, süße Heimat... Kurz darauf tönt es von allen Seiten und sämtlichen Schankmaiden "Meister Borgil hier" und "Meister Borgil dort" - die Liste wird rasch lang und länger. Doch noch benehmen sich die Gäste und die einzige, die ihn nicht bemerkt, die er dafür jedoch sofort erspäht hat, ist seine Frau. Azra steht hinter, nein, im Augenblick eigentlich neben der Theke und wienert deren Seitenschnitzereien, dass man sich auch noch in den hölzernen Schnörkeln dort spiegeln könnte. Ihr helles Haar leuchtet im Schein der Öllampen und Kerzen wie poliertes Silber und ihre zum verrückt werden anmutige Kehrseite kann er gar nicht übersehen.

Andere Gäste tun das allerdings auch nicht, wie er verärgert feststellen muss, denn zwei langbeinige und viel zu gut aussehende Zimmermänner, wie ihre Tracht und die goldenen Ohrringe verraten, kleben mit Stielaugen an schmalen Hüften, langen Beinen und einem Hintern, der ihm ganz allein gehört. Zu ihrem Glück scheinen sie allerdings ortsansässig und wissen somit genau, wessen Frau sie da gerade so angelegentlich betrachten... als sie ihn bemerken, verkriechen sie sich jedenfalls hastig in ihre Bierkrüge und bringen sich eilig außer Reichweite. An dem langen Tisch vor dem breiten Kamin ist derweil eine recht erheiterte Zwergentruppe gerade dabei, eine reichlich gelallte und obendrein ziemlich anzügliche Version des "Alten Bär und der Jungfer her" zum Besten zu geben - kreuzfalsch und immer wieder unterbrochen von heftigen Streitfragen über die Strophen, die ihnen ständig durcheinander geraten. Doch für nichts hat Borgil Augen und Ohren, seinetwegen hätte er jetzt auch in irgendeinem unbelebten Mondkrater stehen und die Welt aus den Angeln heben können, er sieht nur noch seine Azra. Und die sieht nur die Elbin vor sich. Er kann das Gesicht der Elbin nicht sehen und hat auch nicht gehört, was diese gesagt hat, aber er sieht Azras Miene zu einer Maske höflichen Gleichmuts erstarren, sieht, wie ihr Lächeln etwas gespanntes bekommen und den Schatten, der kurz durch ihre Augen huscht und kann sich denken, was der Grund ist. Allerdings hält er es nicht einen Herzschlag länger ohne sie aus und über Shebarucblut will er sich jetzt erst recht nicht den Kopf zerbrechen, soll diese Elbin doch von ihm und Azra halten, was sie will. "Hallo Schneemädel." Er hat bestimmt nicht laut gesprochen, aber Azra fährt herum wie von der Tarantel gestochen, schießt auf ihn zu, quietscht so laut, dass die Gläser in den Schränken einen Satz machen und wirft ihn dann fast um, so heftig fällt sie ihm um den Hals. Er drückt sie so fest an sich, wie er es wagt, ohne ihr die Rippen, das Rückgrat oder den Hals zu brechen, tätschelt hingebungsvoll ihren kleinen, runden Hintern und kann sie wirklich einfach erst dann wieder loslassen, als ihre Knochen verdächtig knacken. Er stellt sie jedoch nur äußerst widerstrebend auf die Füße zurück und er denkt gar nicht daran, sie völlig aus seinen Armen zu lassen. "Bei Sils Hammer, bin ich froh, wieder zu Hause zu sein." Er legt seine schwielige Zwergenpranke an ihr zartes Gesicht und mustert sie aufmerksam. "Alles in Ordnung hier? Du hattest doch keine Schwierigkeiten, oder?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 13. Aug. 2005, 00:10 Uhr
Mit lächelndem Gesicht merkt sie gar nicht, wie sie nach Putzende der Thekenfläche beginnt die Seiten mit all den Schnörkeln, Mustern und Verzierungen, die in das beständige Holz geschnitzt sind, zu polieren, auf dass manche Gäste ihre betrunkenen Gesichter darin erkennen können. Dabei sieht sie immer noch zu der Elbin auf, die gerade nach ihrem Krug greift und beinahe noch im gleichen Augenblick innehält. Flüchtig verwirrt, sieht Azra sich um, was der Elbe einen Schreck hätte einjagen können, sieht jedoch ausser einem deftig betrunkenen und ebenso schrecklich schwankenden, aus Surmerâ stammenden Kaufmann, der gerade die Treppe hinauf wandelt und dabei aussieht, als würde er die gleichen Stufen gleich wieder polternd hinunter fallen, nichts was irgendwie bedrohlich wirken könnte.
Mit der Frage, was denn los sei, schon auf der Zunge wendet sich Azra wieder dem Gast zu und es ist wie ein Schlag ins Gesicht, als ihr klar wird, was die Miene zu bedeuten hat. Gerade noch so kann sie das höfliche Lächeln auf ihrem Gesicht festhalten, doch über ihre beinahe farblosen Augen hinweg zieht ein dunkler Schatten und wieder muss sie mit viel Kraft gegen die Tränen ankämpfen, die erneut drohen sie zu übermannen.
<<Nicht das auch noch…>> Sie kennt den Ausdruck auf dem Gesicht ihres Gegenübers nur zu gut und seufzt innerlich stumm auf. Irgendwie scheint heute ein Tag zu sein, an dem die Götter überhaupt keinen Lichtblick, ausser der Aufsicht auf ein baldiges Ende des ganzen Elends, für sie auf Lager haben. Singende Zwerge, ungeduldige Fleischhändler, azurianische Wüstenkrieger, die grimmiger dreingucken als ein beleidigter Fisch und schliesslich noch das Gefühl, mit nichts und niemandem gerade so klar zu kommen, wie es sonst doch immer funktioniert. Irgendwie fehlt ihr heute die Kraft dazu, sich die Mühe zu geben, die Elbe vor sich von dem Guten in ihr zu überzeugen und so nimmt sie einfach den nächsten Becher in die Hand und zwingt sich unter grösster Anstrengung dazu, ihre äussere Höflichkeit zu wahren.

„Borgil, komm gefälligst zurück, jetzt und auf der Stelle“, murmelt sie ganz leise vor sich hin und schreckt im nächsten Moment zusammen, wie vom Blitz getroffen, der grade erneut die Strassen und Gassen Talyras erhellt, als hinter ihr ein gegrummeltes: "Hallo Schneemädel.", ertönt. Der Becher, den sie eben noch in der Halt gehalten und in ihrem Missmut getrocknet hätte, bis von dem Holz nichts mehr übrig geblieben wäre, fällt klappernd auf die frisch gewienerte Theke und Azra schiesst wie ein kleiner, weisser Wollball durch die Menge direkt in zwei starke, warme Arme, die eindeutig zu einem Zwergen gehören, den sie sich gerade sehnlichst herbeigewünscht hat, egal was die Götter dafür anstellen mussten. Mit einem lauten Quietschen, voller entzückter Freude, fällt sie ihrem Gatten um den Hals, schlingt ihre Arme um seinen Nacken und vergräbt ihr Gesicht voller Inbrunst an seiner Schulter und in seinem Bart. Wohlige Wärme breitet sich in ihr aus, Schmetterlinge schlagen Purzelbäume in ihrem Inneren, der ganze Schankraum bezieht sich plötzlich nur noch auf cirka drei auf drei Fuss und sogar das schreckliche Jaulen der Zwerge im Hintergrund geht in dem Rauschen und Klingeln unter, das sich in ihren Ohren einnistet. Tief saugt sie den Geruch nach frischem Regen, Leder und Farnen in ihre Lungen, als wäre sie gerade nahe davor zu verdursten und die einzige Rettung die es noch gäbe, wäre diesen Zwergen so fest zu halten, dass man meinen könnte, sie wolle ihn erwürgen.
Seine Hände auf ihrem Rücken und ihrem Hintern lassen wohlige Schauer durch ihren Körper fahren und dort wo seine Finger eben gerade noch gesessen haben, breitet sich angenehme Gänsehaut aus. Mit liebevoll glitzernden Augen blickt sie zu ihm auf und Tränen funkeln wie kleine Diamanten auf ihren Wangen. Behutsam, als hätte er eine Figur aus Porzellan in seinen Händen, stellt er sie wieder auf ihre Füsse, doch ihre Arme bleiben wo sie sind und ihr Blick klebt an seinem Gesicht wie die Bienen am Honig.
Sie ist endlos froh in wieder hier zu haben, an ihrer Seite wo er hingehört und manches Mal ist ihr eingefallen, wie er das letzte Mal zurückgekehrt ist. Als ob es diesmal wieder so sein könnte, huschen ihre Augen flink und besorgt über seinen narbigen Schädel, die buschigen Augenbrauen, die wie kleine Raupen nun nach oben wandern, über seine, von ihr heissgeliebte Nase, zu seinen Wangen und bleiben erst zufrieden an seinen Augen hängen, als sie flüchtig festgestellt hat, das auch auf seinem Hals keine Spuren von blauen, roten oder anderen Flecken irgendwelcher Farbart fest zu stellen sind.
Seine Hand auf ihrer Haut lässt ihre Schultern beben und zärtlich, als würden ihre Berührung etwas an ihm zerbrechen können, huschen ihre Fingerspitzen über seine Wange und kraulen sich durch seinen Bart – der, wie sie mit Kennerblick feststellt, überhaupt nicht ordentlich geflochten ist.

"Alles in Ordnung hier? Du hattest doch keine Schwierigkeiten, oder?" Erst jetzt fällt ihr sein musternder Blick auf und ohne es wirklich zu wollen, wendet sie sich schon halb um, über die Schulter zu der Elbin blickend, bevor sie mitten in der Bewegung gerade noch inne halten kann. Es ist nicht die Elbin allein und das weiss sie ganz genau. Alles zusammen hat sich heute einfach zu einer schweren Last aufgebürdet und es ihr schwer gemacht, neben Borgils Fehlen, in manchen Situationen noch vernünftig denken zu können. So nagt sie nur an ihrer Unterlippe, sieht dann wieder zu ihm auf und ein strahlendes Lächeln schleicht sich auf ihre Züge, als sie völlig in diesen obsidianschwarzen Augen versinkt. „Nein“, nuschelt sie hin und weg von dem berauschenden Gefühl, das Borgils Nähe bewirkt: „Es ist nur viel geschehen und… Ich habe dich vermisst“, kommt es noch leiser, beinahe nur noch wie der Hauch einer Sommerbriese über ihre Lippen und schon stellt sie sich auf die Zehenspitzen und küsst ihn so zart und doch so gründlich, das mancher Gast breit grinsend dabei zusieht, andere dafür peinlich berührt das tiefe – und meiste leere -  Innere ihres Kruges betrachten.
Ruckartig löst sich Azra jedoch wieder von ihm und sieht mit einem breiten Grinsen und einem sachten Glimmen in den Augen auf seinen Bauch hinab, der grummelnd und knurrend den Umstand zu Tage gib, dass er sich wohl zu einsam fühlt, ohne ein gutes Mahl.
Sie schafft es sogar Borgil unter Aufwartung all ihrer Überredungskunst dazu zu bringen, sie für wenige Augenblicke aus seiner Sichtweite zu lassen, um ihm ein anständiges Mahl – Einige dicke Scheiben Brot, zwei genauso dicke Scheiben Schinken, eine extra gut garnierten Suppe, und der grössten Krug Dunkelbier, den sie hat auftreiben können – an seinen Privattisch zu servieren, nur um dann sogleich und ohne Umschweife auf seinem Schoss zu landen und noch einmal gründlich geküsst zu werden, was ihr ein helles Quietschen entlockt. Während der Zwerg Brot in seine Suppe tunkt, seine Nase im Krug vergräbt und den Schinken hinunterschlingt, wie ein halbverhungerter Wolf, erzählt ihm Azra derweil von dem Wildhändler oben im Zimmer, dem Met, der zu Neige geht, dem Ansturm von Gästen auf die Harfe, das azurianische Lederhändler einen ganzen Bereich für sich übernommen haben – inklusive des morgendlichen Gebetsweckdienstes -, das die ersten Anfragen wegen Birkenpilzen, Rotkappen, Stäublingen, Goldröhrlinge, Stein- und Perlpilze eingegangen sind, der Kater es mal wieder geschafft hat, von Grid wütend und besenschwingend aus der Küche gejagt zu werden, die Zwerge hier wohl auch morgen noch ihr Ständchen zum Besten geben möchten und das man in einem Grosseinkauf auf dem Marktplatz und dem Platz der Händler, sämtliche neuen Kräuter erstanden hat, die es für die kommende Zeit gerade saisonal gibt.
Zufrieden wie eine kleine Katze in der Wolle schmiegt sie sich schliesslich an ihn und betrachtet ihn voller Wärme und Liebe, bevor sie ihm einen ganz zarten Kuss auf die Nasenspitze drückt, leise aufkichert und dann wispert: „Ich liebe dich Borgil Blutaxt, Zwerg meiner Träume!“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Calythia am 13. Aug. 2005, 00:36 Uhr
Calythia merkt, wie Azras Blick aufeinmal kühler wird. Ihr Lächeln wirkt gezwungen und angespannt und ohne Calythia eines Blickes zu würdigen, senkt sie ihren Blick auf die Holzbecher.
Sie hat meine Reaktion gemerkt. Wird sie mich nun heimlich umbringen oder einen Fluch aufhalsen?
Calythia mach dich nicht lächerlich.

Erneut ertönt ein Donner, doch die Elbin beachtet ihn nicht weiter.
Azra murmelt etwas vor sich hin, doch Calythia kann es nicht verstehen.
In dem Moment tritt ein Zwerg auf sie zu.
Er hat ein freundliches und gutmütiges Gesicht, dass allerdings müde wirkt. Seine Haare sind durcheinander und paar Zöpfe gehen auf.

"Hallo Schneemädel" hört Calythia ihn sagen.
Azra dreht sich blitzschnell rum und stürmt unter lautem Quietschen auf ihn zu. Sie drückt ihn ansich und Calythia wundert sich, dass ihm nicht die Luft wegbleibt.
Die Hände des Zwerges wandern über Azras Rücken hinunter zu ihrem Hintern.
Vielleicht ist es bei ihr eine Ausnahme. Ein normaler Blutelb hätte niemals jemanden so umarmt mit so glänzenden Augen. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ihr Blut nicht nur von Blutelben abstammt...
Ein schlechtes Gewissen durchfährt Calythia, wie der Blitz, der draußen die Nacht erleuchten lässt.
Als Azra sich schließlich losreißt, um für den Zwerg ein Mahl vorzubereiten, bemerkt sie die leuchtenden Augen.
Ich war töricht. Wenn ich es nur gut machen könnte. Als das Essen schließlich fertig ist, serviert Azra es an dem einzigen Tisch, der noch frei ist. Der Zwerg sieht glücklich aus und kaum hat er sich hingesetzt, sogleich sitzt Azra auf seinem Schoß.
Calythia bemerkt, dass sie die beiden beobachtet und dreht sich schnell weg. Sie nimmt einen Schluck von ihrem kühlen Bier. Noch einmal dreht sie sich um und sieht, wie innig sich die beiden küssen.
Liebe muss wirklich Magie sein.
Calythia spürt heiße Tränen aufsteigen. Glitzernd sitzen sie in ihren blauen Augen. Sie drängt sie hinunter.
Reiß dich gefälligst zusammen!
Sie spürt Wut auf sich selbst aufsteigen, doch sie kann die Tränen kaum unterdrücken.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 14. Aug. 2005, 14:01 Uhr
Er wird geherzt und geküsst, bequietscht und gekrault, fachfraulich und hastig auf mögliche Blessuren untersucht, für heil befunden, noch einmal geküsst, ihm wird beschieden, dass er sehr vermisst wurde und dann wird er an einen Tisch geschoben, wo ihn Brot, Schinken und Bier erwarten und obendrein hat er seine Frau beim Essen auch noch auf dem Schoß sitzen, kurz: Borgil ist dem Paradies so nahe, wie man ihm auf Roha nur kommen kann. Er drückt Azra an sich, während er hungrig Brot und Schinken in sich hineinschaufelt und seine linke Zwergenpranke liegt fest und warm auf ihrem Bauch, während sie ihm ausführlich von den letzten Tagen in der Harfe berichtet: Wildhändler, Met, Pilze, Gäste, Reisegruppen, Gewürzeinkäufe, Grid und Kater... dann schmiegt sie sich an ihn und flüstert. >Ich liebe dich Borgil Blutaxt, Zwerg meiner Träume!<
Borgil stellt den Bierhumpen ab und grinst. "Wohl eher Alpträume, wenn ich mir anhöre, was hier so los war. Das hast du gut gemacht, kleine Frau." Und das sagt er nicht nur, um ihr eine Freude zu machen. Zum ersten Mal so lange allein mit der Verantwortung für ein so großes Haus und so viele Menschen und Mogbars, die alle in seinen – und damit auch ihren – Diensten stehen, hatte sie ihre Sache sogar mehr als gut gemacht und er ist ganz furchtbar stolz auf sie. "Diese Bestattungsreise war dagegen das reinste Kinderspiel. Wir sind tagelang durch den Wald gehoppelt, haben ein Grab geschaufelt, Phelan beerdigt und sind tagelang wieder zurückgehoppelt... auch wenn wir auf dem Heimweg mit dem Wetter kein Glück hatten. Götter, ich bin wirklich froh, wieder hier bei dir zu sein. Du hast mir schrecklich gefehlt. Vor allem mit all diesen Verliebten vor der Nase, die sich gegenseitig um die Wette anschmachten. Der arme Olyvar, der Lord Commander, du weißt schon, seine Frau war auch nicht dabei, Aurian, Arwen, Kaney und ich wir hatten es nicht leicht, bei soviel geballter äh... Sehnsucht um uns herum...."

Er plaudert ein wenig über dies und das, erzählt von Raven, Caewlin, Mael, Morgana und den anderen und gibt schließlich die Heuschreckengeschichte zum Besten, die zweifellos der Höhepunkt dieses Trauerzuges gewesen war. Während Azra leise vor sich hinkichert, steht er auf, um sich hinter dem Tresen noch einmal Bier nachzuschenken und begegnet dabei einem Paar in Tränen schwimmender Augen, die ihn und seine Frau verstohlen mustern und dann rasch gesenkt werden. Sein Gegenüber, ein noch recht junges Spitzohr, wie ihm scheint, hat ein blasses, hübsches kleines Gesichtchen, rötliches, schulterlanges Haar und sieht im Augenblick jedenfalls ganz und gar betreten aus. "Ach du Schreck." Borgils narbiges Zwergengesicht verzieht sich zu einer unfrohen Grimasse und er reibt sich mit einer seiner schwieligen Hände über den kahlrasierten Schädel. Junge Hunde, kleine Kinder und verweinte Jungfrauen haben es noch nie verfehlt, sein steinhartes Herz anzurühren. "Äh..." er tauscht einen hilflosen Blick mit Azra, die jedoch auch nur ratlos mit den Schultern zucken kann und reicht der Elbin dann in Ermangelung eines Taschentuchs eine saubere Leinenserviette. "Hier. Putz dir erst mal die Nase, Mädel." Lange, rostrote Wimpern heben sich und ihn trifft ein verwirrter, tränenfeuchter, meerblauer Bambiblick. Heiliges Lieschen, Mädel, du kannst doch so keinen Mann anschauen! "Äh... ich bin Borgil, Wirt der Harfe. Meine Frau Azra habt Ihr " – die Elbin mag ja jung sein, aber bei diesen Spitzohren weiß man nie, wen man vor sich hat und er besinnt sich auf höfliche Umgangsformen –"ja schon kennen gelernt, wie mir scheint."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Calythia am 14. Aug. 2005, 21:48 Uhr
Calythia nimmt noch einen Schluck Bier. Eine Träne läuft ihre Wange hinunter.
Nein, nein!
Der Zwerg kommt mit lauten Schritten hinter den Tresen und Calythia sieht auf. Er schenkt sich etwas Bier in seinen leeren Krug hinein. Er begegnet ihrem Blick und sein Ausruck wird milder.
Oh Schreck. Jetzt hat er meine Träne bemerkt. Calythia du bist eine dumme Elbin! Wieso musst du auch gleich heulen, wenn du ein verliebtes Paar siehst?
Der Zwerg weiß offenbar nicht recht, was er sagen soll. Stattdessen reicht er ihr ein sauberes Leinentuch.
Calythia wischt sich die Augen ab und schnäuzt sich.
"Danke.", murmelt sie und schaut ihn dankbar an.
Dann senkt sie ihren Blick... Sie hat nicht die Kraft ihm in die Augen zu schauen. Kaum bin ich hier, muss man mir gleich ein Tuch für nasse Augen reichen.
Der Zwerg stellt sich mit dem Namen Borgil vor. Er ist der Wirt der Harfe. Calythia nimmt noch einen Schluck von ihrem Krug, der sich allmählich leert. "Mein Name ist Calythia. Ein schönes Gasthaus habt ihr. Darum beneidet euch sicher mancher. Azra ist eure Frau?"
Huch nein! Sie war wieder zu neugierig gewesen. "Äh...ja flüchtig. Sie brachte mir das herrliche Bier. Ich..."
Calythia will sich entschuldigen, für ihr Verhalten gegenüber Azra, doch sie schafft es nicht. Kein einziges Wort kommt über ihre Lippen. Wieder setzt sie den Krug an ihren Mund und trinkt kräftig.
"Ich hoffe, ich habe Azra nicht verletzt.", bringt die Elbin schließlich heraus. "Das wollte ich nicht. Für einen Moment blieb mir die Luft weg. Aber als ich sah, mit welcher Wärme und Freude sie euch empfing, da wurde mir...bewusst, dass ich mit meinem Verhalten falsch lag."
Mit einem letzten Zug, trinkt sie ihr Bier hinunter und stellt den Krug mit einem lauten Dumpf auf die Holztheke. Ihr Blick ist nun leicht verschwommen und sie fühlt sich etwas leichter, ihr Körper scheint aufeinmal leicht zu schweben.
"Ich habe wahrlich genug getrunken.", sagt sie und holt aus ihrem Lederbeutel ein paar Kupfermünzen hervor. "Bitte sehr." Sie legt das Geld neben den leeren Krug. "Wenn ihr mich nun entschuldigen würdet. Ich bin müde von meiner Reise und freue mich auf ein warmes Bett. Bitte sagt Azra von mir, dass es mir aufrichtig Leid tut." Mit diesen Worten steht sie auf und geht mit federnden Schritten auf die Treppe zu. Erschöpft erklimmt sie die Stufen.

Als sie ihr Zimmer betritt und die Tür schließt, ergreift eine angenehme Ruhe von ihr Besitz. Sie zieht ihre Wandersachen aus und legt sich ihr weißes Nachtgewand an, das einzige, dass sie von Zuhause mitgenommen hat. Müde lässt sie sich auf das weiche Bett sinken und schließt die Augen.
Heute Nacht werde ich seid langem wieder beruhigend und sicher in einem gepolsterten Bett verbringen. Sie öffnet die Augen wieder und schaut auf den Mond, der kurz durch die dunkeln Wolken dringt.
Ein Donner ertönt und Calythias Herz schlägt schneller.
Sie fasst an ihr Armband und umklammert fest das kleine Blatt. Wann hört dieses Unwetter endlich auf? Die Bäume biegen sich im Wind, Baumblätter wehen durch die Luft. Man sieht kein Menschenleben, alles sitzt hinter festen Mauern, geschützt vor dem Sturm. Seufzend legt sie sich unter die Decke und schaut auf die Decke.
Was wird mir diese Stadt wohl bringen? Werde ich mir Freunde oder Feinde machen? Vielleicht werde ich glücklich werden...
Langsam fallen ihr die Augen zu und sie versinkt in tiefen Schlaf.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 15. Aug. 2005, 12:35 Uhr
Tiuri bemerkt Borgil erst, als Azra mit einem entzückten Quietschlaut auf den Zwergen zustürmt und die beiden sich in die Arme fallen als wäre Borgil mindestens drei Monate auf einem Feldzug gewesen. Natürlich hat er in der Zeit in der er jetzt schon in der Harfe wohnt mitbekommen wie gern sich Borgil und Azra haben, aber so richtig nachvollziehen kann er dieses Verhalten immer noch nicht. Er hat niemals jemanden richtig geliebt und es ist unvorstellbar für ihn, dass man eine andere Person derart vermissen kann. Der Elbin gleich daneben allerdings scheinen vor lauter Rührung auch schon die Tränen zu kommen, jedenfalls bekommt sie von Borgil ein Taschentuch in die Hand gedrückt und verzieht sich dann recht hastig nach oben um ihr Zimmer zu beziehen.
Tiuri wird ganz plötzlich aus seinen Gedanken gerissen, als ihm ein Mann einen wackligen Arm schwer um die Schultern legt. Der Mann drückt Tiuri an sich, nicht etwa, weil er ihm seine Zuneigung zeigen will, sondern weil er krampfhaft versucht nicht zu Boden zu gehen. Er riecht aus dem Mund wie ein ganzes Weinfass, eine Tatsache die Tiuri äußerst unbegeistert den Mund verziehen lässt, aber er lässt den Kerl auch nicht einfach fallen sondern versucht ihn so gut wie möglich zu stützen und fragt ihn wohin er den wolle.
Mit seinem linken Arm, den rechten hat er ja immer noch krampfhaft um den Jungen geschlungen, gestikuliert er wie wild in alle Richtungen gleichzeitig, und trägt dabei nicht unbedingt zu einer guten Verständigung bei. Zusätzlich lallt er ganz schrecklich und Tiuri versteht kein Wort von dem was der Mann eigentlich sagt. Irgendwann schüttelt er verständnislos den Kopf, klappt mit einer schnellen Bewegung die Hand des Mannes nach unten und hält ihn so davon ab ihm noch zwei weitere Male unabsichtlich gegen die Nase zu schlagen.
„Ich glaub nach Hause wäre jetzt genau die richtige Richtung für dich, komm, da ist die Türe!“
>Jaaa!< Der Mann wirkt plötzlich wieder äußerst beschwingt und erfreut über die Tatsache, dass Tiuri genau verstanden hat was er von ihm möchte, den Weg zur Tür, die er scheinbar einfach nicht mehr finden kann. Der Junge schleppt ihn mühselig dort hin, wobei dem Mann immer wieder die Knie nach geben und er schwer auf Tiuris Schultern hängt. Er hat das Gefühl, dass seine Arme wenn er den Mann endlich los ist, drei mal so lang sein werden wie zuvor. Beim Gehen beginnt der Mann wieder wie wild vor sich hin zu reden und mit dem freien Arm um sich zu fuchteln, aber ab der Hälfte wird er plötzlich bedenklich leise. Stetig, wenn auch äußerst langsam, setzt er seinen Weg zur Türe fort und lässt sich auch noch einige Schritte hinaus auf den Marktplatz führen, ehe er schließlich vorne über kippt und sich würgend auf Tiuris Schuhe übergibt. Dabei krallt er sich an dessen Schienbeinen fest und hält ihn davon ab nach hinten zu springen.
„Ach nein“, angeekelt blickt Tiuri auf den Mann vor sich hinunter und fährt sich durch die wirren Haare. Noch dazu regnet es immer noch in Strömen und es ist nicht gerade ein großartiges Gefühl von oben mit Regen völlig durchnässt zu werden und sich von unten seine Schuhe mit Erbrochenem auffüllen zu lassen. Bald klebt ihm Haar und Kleidung fest am Körper und der Regen rinnt ihn kleinen Sturzbächen an ihm hinunter. Der Mann klammert sich immer noch an ihm fest, würgt aber nur noch vor sich hin, die Stirn zwischen Tiuris Knien eingeklemmt. Bei all dem steht der immer noch da und gähnt. Es ist schon ein schrecklich langer Tag und nicht gerade sein bester noch dazu. Aus der Harfe kommt eine Gruppe von Leuten und ein Lichtstrahl fällt genau auf ihn und den Mann als sie die Türe öffnen. Sie lachen sich halb kaputt über den Anblick von Tiuri und seiner Alkoholleiche, winken, rufen und verschwinden schließlich ohne sich weiter um sie zu kümmern.

„Ja klar, kommt gut heim und denkt nicht mal daran mit das hier abzunehmen!“ Tiuris Stimme ist leise und finster, ehe er sich wieder dem Mann zuwendet. „Also? Wie sieht’s aus, lebst du noch?“ Ein Stöhnen dringt vom Boden zu ihm hoch und mit einem Seufzen greift er schließlich unter die Arme des Mannes und zieht ihn nach oben. Der hält sich erstaunlich gut auf seinen Beinen, steht fast von alleine. Sein Gesicht ist verschmiert von Dreck, Regen und Erbrochenem und er stinkt schlimmer als jeder ungereinigte Schweinestall. „Kannst du stehen?“ Tiuri blickt forschend in die geröteten, halb zugeschlagenen Augen, von denen eines immer gefährlich abdriftet, während das andere an seinem Gesicht festgeheftet ist. Tiuri kommt fast ins Schielen bei dem Anblick und schüttelt den Mann kurz und vorsichtig, nicht, dass der gleich wieder zu Boden geht.
Darauf hin sehen ihn sogar beide Augen an und der Betrunkene nickt schwach. Tiuri lässt ihn vorsichtig los und tatsächlich steht er einen Moment still, ehe er zur nächsten Häuserwand schwankt, sich dort fest hält, kurz verharrt und dann scheinbar in Richtung Heimat aufbricht. Tiuri blickt ihm kurz nach, überlegt ob er ihm weiter helfen soll, kommt dann aber zu dem Entschluss, dass er wirklich genug in der Harfe zu tun hätte und keine Zeit dafür hat einen Fremden nach Hause zu transportieren, schon gar nicht bei diesem Regen, obwohl das jetzt auch schon egal ist, schließlich ist er von oben bis unten völlig durchnässt.

Ein Lichtschein aus der Harfe lässt ihn sich umblicken. In der Türe steht eine der Schankmägde - die eigentlich gekommen ist um zu sehen wo er denn bleibt, schließlich gibt es genug Arbeit – und lacht ihn aus. „Sei still, oder ich setz dir den Schuh auf!“ droht er und die Magd verschwindet eilig, aber immer noch kichernd im Schankraum. Tiuri steckt die Schuhe in eine der vielen tiefen Wasserlacken und versucht einmal den gröbsten Dreck abzubekommen. So weiter arbeiten kann er nicht, also hechtet er in die Harfe, durch den Schankraum, die Stiegen hinauf, stößt dort beinahe mit einem Gast zusammen, in sein Zimmer und springt so schnell wie möglich aus den Schuhen und auch aus seiner restlichen Kleidung. Es ist ihm in den letzten Tagen immer wieder passiert, dass er sich mit Wein, Bier oder Sauce übergossen wieder gefunden hat, das war kaum zu vermeiden gewesen bei so vielen Leuten und der Tatsache, dass er ja noch nie vorher das Tablett geschwungen hat. Mit etwas dreckiger oder feuchter Kleidung hat er durchaus weiter gearbeitet, aber so nass, dass sich überall wo er hin steigt Pfützen unter seinen Füßen bilden, will er dann doch nicht sein.

Getrocknet und umgezogen begibt er sich wieder nach unten. Er gähnt noch einmal herzhaft, was ihm einen freundschaftlichen, aber nicht allzu sanften Schlag in den Bauch von Grid einträgt die ihn angrinst und sagt: „Keine Müdigkeit vorschützen!“ Tiuri zieht die Lippe hoch, rempelt mit dem Ellenbogen sanft zurück und macht sich wieder an die Arbeit. Langsam werden es immer weniger Leute im Schankraum, nicht einmal mehr die Hälfte der Tische sind gefüllt, aber die Zwerge sitzen immer noch da, stoßen alle fünf Minuten auf Meister Borgil an, den besten Wirten in ganz Talyra, nein sogar in den ganzen Herzlanden und schließlich einigen sie sich darauf, dass er sowieso der beste sein muss, in ganz Roha! Einer der Zwerge lehnt in der Ecke und schläft schon halb, aber jedes Mal wenn sie wieder ihre Stimme erheben um anzustoßen, fährt er hoch, ruft: Auf Meister Borgil! und fällt dann wieder zurück in die Ecke.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 15. Aug. 2005, 21:45 Uhr
Die Elbin tupft sich die Augen, putzt sich die Nase, murmelt einen Dank und nickt dann zaghaft mit gesenktem Blick. >Mein Name ist Calythia. Ein schönes Gasthaus habt ihr. Darum beneidet euch sicher mancher. Azra ist eure Frau?<
Borgils Brauen schießen in die Höhe. Ein ziemlich erheitertes: Aber nein, Mädel. Ich werde hier von jeder so begrüßt und ich tatsche auch jedem Weiberrock an den Hintern... liegt ihm schon auf der Zunge, aber angesichts dieses verlegenen Mädels vor seiner Nase, sagt nichts von alledem sondern grinst nur freundlich. "Sagte ich das nicht gerade? Ja, Azra ist meine Frau... verletzt?" Jetzt ist er verwirrt, schließlich hatte er von der kurzen Konversation zwischen Calythia und Azra nicht viel mitbekommen, aber dann begreift er. "Ach, wegen ihrem Shebaruc Blut? Nun, so geht es den meisten Spi... äh Elben, die sie zum ersten Mal sehen. Mir ging's auch nicht viel anders," er zuckt mit den Schultern und grinst, "und sie hat mich trotzdem geheiratet. Ich weiß nicht, ob Ihr sie verletzt habt, aber ich glaube nicht und ich denke auch nicht, dass sie Euch das nachtragen wird, also..." er zuckt mit den Schultern und tauscht einen Blick mit seiner Frau, die augenrollend den Kopf schüttelt. Calythia dagegen stürzt den Rest ihres Bieres hinunter, setzt den Krug sauber ab und sieht glattweg aus, als hätte sie einen leichten Schwips davon. Sie murmelt auch prompt etwas von "genug getrunken", legt ein paar Kupfermünzen auf den Tisch und entschuldigt sich. Zur Treppe kommt sie noch recht beschwingt, aber die Stufen scheinen fast über ihre Kräfte zu gehen, denn sie steigt die Stiege zu den Gästezimmern wesentlich langsamer empor. Bogil sieht ihr nach, zuckt mit den Schultern, streicht die Münzen ein und sieht sich nach Azra um, die von den Resten seines Schinkens nascht. Dabei fällt sein wachsamer Blick, der aufmerksam durch die Harfe schweift (eine alte Gewohnheit) auf Jen, den Jungen den sie aus den Zellen der Kanalratten befreit hatten und der heute hier offenbar den Schankmaiden etwas unter die Arme gegriffen hatte. Im Augenblick allerdings greift er eher einem Volltrunkenen unter die Arme und befördert ihn geduldig zur Tür hinaus. Es dauert eine ganze Weile, bis er wieder im Schankraum erscheint, verdreckt von Kopf bis Fuß und Borgil winkt ihm grinsend zu, doch der Junge hat im Augenblick für nichts anderes als seine versaute Kleidung Aufmerksamkeit übrig. Er huscht nach oben, doch zu Borgils Überraschung erscheint er gleich darauf wieder im Schankraum, um weiterzuarbeiten. Hoppla! Da lässt sich jemand nicht so schnell entmutigen... sehr schön.

Der stämmige Zwergenwirt nickt zufrieden. Der Junge ist ihm längst ans Herz gewachsen, für ihn gehört er zur Harfe wie alle anderen seines Gesindes, auch wenn er ahnt, dass Jen wohl nicht für immer bleiben würde. Wenn es nach Borgil ginge, könnte er das ohne weiteres. Er kümmert sich hervorragend um die Pferde, für die er ein gutes Händchen zu haben scheint und er hält sich in der Harfe, was immer er an seinen freien Tagen in der Stadt treiben mag, an das Gebot: keine Scherereien. Zu Borgils Leidwesen entdecken ihn irgendwann die Zwerge, auch wenn sich der Rest des Schankraums ob der späten Stunde und dem nachlassen des Regens draußen doch langsam leert. Alle Naslang wird grölend auf ihn getrunken und er fügt sich zähneknirschend in sein Schicksal als "bester Wirt aller Zeiten, Harfen, Rohas und beider Hemisphären" was immer das schon heißen mag. Irgendwann, weit nach Mitternacht, sind mit vereinten Kräften sogar die Zwerge selig schlummernd in ihren Betten (und es war eine schweißtreibende Arbeit gewesen, sie alle in ihrem Zustand die Treppe hinauf zu bugsieren). Grid und Halla fegen die Gaststube aus, Jen sieht noch nach dem Stall und schließt die Gesindetür und die Köchin deckt die Feuer für die Nacht ab, während Borgil die Harfe zusperrt und die Kerzen und Öllampen löscht. Im Gang zu seinen Gemächern und dem Gesindetrakt wird sich schließlich gegenseitig eine Gute Nacht gewünscht und jeder geht seines Weges und tappert erledigt seinem Bett zu... nur Borgil und Azra tun das vielleicht ein wenig eiliger, als die anderen. In seinem Gemach allerdings wartet, gepriesen seien die Götter und sein umsichtiges Schneemädel obendrein, die es irgendwie geschafft haben muss, auch das an diesem Abend zu organisieren, ein Zuber mit heißem Wasser und duftendem Seifenschaum. Er drückt Azra einen schmatzenden Kuss auf die Wange und genießt dann ein langes, heißes Bad, in dem er bleibt, bis seine Fingerkuppen aussehen wie verschrumpelte Winteräpfel. Sauber, pappsatt von Brot, Bier und Schinken, mit frisch rasiertem Schädel und noch frischer geflochtenem Bart fehlt ihm zu seinem Glück nur noch eines und das ist sein Bett und sein Schneemädel darin - und er beeilt sich, diesen Mangel so rasch wie möglich zu beheben.  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Calythia am 17. Aug. 2005, 22:52 Uhr
Calythia schläft sehr gut diese Nacht. Der Regen mildert sich im Lauf der Nacht und sie schreckt nicht einmal auf.
Am frühen Morgen wacht sie schließlich auf. Irgendwo kräht ein Hahn.Sie setzt sich, streckt ihre Arme in die Luft und gähnt ausgiebig.
Die Sonne scheint warm in das Zimmer und erst jetzt fällt ihr richtig auf, wie schön es ist. Sie geht zum Fenster und schaut hinaus. Einige Händler haben sich schon am Marktplatz eingefunden und eröffnen ihre Stände. Das Unwetter hat einige schwere Äste auf das Pflaster geweht und ein paar Männer versuchen einen besonders großen und schwer aussehenden Ast zu beseitigen. Ansonsten scheint der Sturm keine weitern bleibenden Schäden hinterlassen zu haben. Die Straßen sind noch nass und von den Blättern der Bäume tropft das Wasser herab. Glücklich dreht sich Calythia um und fasst ihre Kleider an. Noch feucht. Ich sollte mir ein anderes Hemd anziehen. Sie holt aus ihrem Schrank ihre zweites und letztes Hemd heraus, zieht sich ihre leicht feuchte Hose und ihre Stiefel an. Ich habe erst für eine Nacht bezahlt, aber ich werde später für weitere zahlen.

Gut gelaunt und neugierig auf die Stadt geht sie hinunter in den Schankraum. Sie erblickt Halla, die gerade ein paar Krüge einräumt und winkt ihr schüchtern zu. Die Harfe ist leer, sie würde sich wahrscheinlich erst im Laufe des Tages füllen. Als Calythia die Tür öffnet, strömt ihr das Sonnenlicht entgegen. Für ein paar Sekunden schließt sie die Augen und lässt das Licht auf ihren Körper scheinen. Herrlich. Perfekt für eine Stadterkundung. Guten Mutes schlendert sie auf breite Straße zu...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 18. Aug. 2005, 11:19 Uhr
Obwohl Borgil an den Abenden sichtlich erheitert auf der Bettkante sitzt und ihrem Versuch, einen Wunsch an die Götter zu sprechen, lauscht – Bitte, lasst den Regen aufhören, damit die Harfe uns weiterhin erhalten bleibt – scheinen ihre Gebete bei den hohen Herren bei einem Ohr hinein und bei anderen sofort wieder hinaus zu flüchten.
Ein unablässiger Menschenstrom fällt über das Gasthaus her, wie die Heuschreckenschwärme über die Felder. Währendem die Bauern jedoch mit Fangnetzen und Fallen gegen die plötzliche Plage ankämpfen, haben Azra und Halla es einiges schwerer einen stämmigen und manchmal böse gereizten Zwergenwirt daran zu hindern, hin und wieder einen Schädel mit seiner Axt zu spalten und den Maiden so noch mehr Arbeit zu machen.
Dem betrunkenen, halbstarken Möchtegern von Gnom, der jedoch plötzlich wie aus dem Nichts auftaucht und scheinbar ausser wüste Verwünschungen über die Bedienung zu sprechen und grosslärmig seine halsbrecherischen Heldentaten zum Ausdruck bringt, können oder wollen dann weder Halla noch Azra helfen. Spätestens als er beginnt sich lallend über Tiuris Haarschopf lustig zu machen, machen sämtliche Gäste Platz, damit Borgil den Störenfried in hohem Bogen aus der eisenbeschlagenen Türe der Harfe werfen kann, wüste Beschimpfungen  und Drohungen hinterherschickend, die sogar den feschesten Kerlen im Innern die Ohren klingeln lassen und so manches hübsches Frauengesicht mit einem dunkelroten Hauch überziehen. Halla klärt Azra schliesslich darüber auf, was es mit der Beziehung zwischen Borgil und grünen, spitzohrigen Ärgernissen auf sich hat und warum man den Namen Ukko in seiner Nähe besser ungesagt bleiben lässt.
Der Sonnenthron geht mit Regenschauern und verdecktem Himmel zu Ende, obwohl Flüche und Gebete etwas daran hätten ändern sollen. So schleicht es sich in den Tagesablauf ein, den Boden der Harfe jeden Abend – oder auch Nacht – zu schrubben, fegen und wienern, nachdem auch der letzte schlammbespritzte Stiefel ihn verlassen hat.
Borgil hat derweil genug damit zu tun Hirsch, Reh, Eber, Enten, Hasen und Pfaunenfleisch zu bestellen, was sich als äusserst schwierig herausstellt, da der Händler, Ekhardt Wildhart, sich als redseliges Persönchen mit einem Hang zur Dramatik erweist und der besonderen Vorliebe – Er kann sich glücklich schätzen nicht grün und klein zu sein und spitze Ohren zu haben – Geschichten über seine erlebten Jagdzüge zu erzählen. Von den Kämpfen mit wilden, furchteinflössenden und sicherlich vier Schritt grossen Bären, über wilde Hetzjagden mit einem so flinken und schlauen Fuchs, wie ihn ganz Roha noch nicht gesehen hat, bis hin zu dem absoluten Höhepunkt mit einem Rudel Wölfe, die er alle alleine mit nur einer Axt besiegt haben will, wobei er sich nach dem vierten Krug Verder Dunkel nicht mehr sicher ist ob es nun sechs, acht, zwölf oder gar vierzehn Bestien waren, die ihn hatten in Stücke reissen wollen. Als er jedoch noch beginnt über einen Eiswolf zu sprechen, wo ihnen dann ein Riese in die Quere gekommen sei, sträuben sich Borgils Augenbrauen sichtlich und Azra bringt ihm zur Beruhigung einen Pott Feentau, was ihn jedoch nicht daran hindert, dem Händler mit einigen knappen Worten heftig den Kopf zu waschen. Ohne Umschweife und mit plötzlich unglaublicher Zurückhaltung kehrt der Jäger sogleich wieder zu Preisen, Daten und Angeboten zurück, rot von der Kinn- bis zu den Haarspitzen.

Derweil wuseln die Schankmaiden zwischen den Tischen und Stühlen herum wie kleine Wiesel, balancieren Met, Dunkelbier, Wolfsbier, Uisge Beatha, Wein und allmöglichen Speisen auf ihren Händen durch die Gegend, wobei Azra mit Verzweiflung feststellt, dass ihre Vorräte an Met stetig sinken und der Lieferant noch nicht einmal seine Nasenspitze zur Türe hineingestreckt hat, was Borgils gereiztes Herumstreunen erklärt und ihr tut der Herr leid, wenn er sich dann doch noch hierher wagen sollte.
Der Sonnenthron ist schon längst zu Ende und so kommt der Beerenreif und schliesslich muss Azra, zusammen mit drei weiteren Schankmaiden für mehr als einen Siebentag kapitulieren, als die Masern über die Stadt herfallen – denen auch der Metlieferant zum Opfer gefallen war, wie sie später erfuhr. Die übrig gebliebenen Arbeiter rotieren wie verrückt aufgezogene Kreisel um die fehlenden Kräfte zu kompensieren.
Mit Fieber, Husten, Schüttelfrost, Kopfschmerzen und dem unglaublichen Drang jegliches eingenommenes Essen postwendend wieder an den Absender zurück zu schicken, hütet Azra den ganzen Tag das Bett, nach mehrmaligen Protest, der jedoch nur schläfrig und matt ausfällt und auch schon bald verstummt, zumindest die Erlaubnis erhaltend, die Bücher führen zu dürfen. Mit rührender Zärtlichkeit verbringt Borgil dabei jede Minut,e die er entbehren kann, an ihrer Seite, bringt ihr das Essen, legt ihr kalte Umschläge auf Stirn und Nacken, flösst ihr hin und wieder einen von Sigrun spezielle gefertigten Krankentee an und Azra fühlt sich trotz der Masern unglaublich glücklich.
Schliesslich ist auch der Beerenreif schon zur Hälfte vorbei und besagter, viel vermisster goldener Met lagert in grossen, groben Holzfässern im Keller, was den Schankmaiden ein erleichtertes Einatmen entlockt. Die Krankenwelle zieht vorbei, die Pilze und Beeren, das Wild und die neu erstandenen Gewürze gelangen frisch und gut verpackt in Sigruns Küche und werden sofort zu ihrer neuestens Kreation mit dem Namen: Wildmannsfang, verarbeitet – Hirschrippe mit diversen Kräutern und Wildpilzen garniert, in leckerer Waldbeersauce – was besonders bei den Gästen grossen Anklang findet.
Das Wetter hellt sich glatt noch einmal auf und die Bäume beginnen hie und da einzelne ihrer Blätter bereits in kirschrote, sonnengelbe oder dunkelbraune Farbe zu tauchen. Der Herbst streckt demnach bereits sachte seine Arme nach den Immerlanden aus, bringt Nebel vom Briocagrund und kalten Wind aus dem Norden, wohin die Windschiff aufgebrochen ist und bereits beginnen einige Männer mit roten Nasen schon wieder über den schlimmsten Winter seit Jahren zu murmeln. Seltsamerweise erinnern sich einige Schankmaiden daran, dass diese Leute auch das letzte Mal schon steif und fest behauptet hatten, der Illdorel würde zufrieren.

Liebevoll betrachtet Azra ihren Gatten, der schlafend neben ihr liegt, das Gesicht zur Hälfte im weichen Gänsefederkissen vergraben und leise schnarchende und brummelnde Laute von sich gibt. Sein flammend rotes Haar breitet sich fächerförmig auf dem weissen Laken aus, doch im fahlen Mondlicht, das in dünnen Strahlen durch die Fenster fällt und funkelnde Flecken auf Boden und Wände wirft, schimmert es in einem dunklen, silbernen Ton. Seine buschigen Augenbrauen werfen ausgefranste Schatten auf seine Stirn, als wäre seine leicht gräuliche Haut mit geheimnisvollen Zeichen bedeckt und die Decke ist ihm bis zur Hüfte hinunter gerutscht, einen muskulösen Oberkörper freigebend, den sie am Abend zuvor noch mit Fingern und Lippen sanft erkundigt hat.
Manchmal verwundert sie dieser Anblick, wenn sie daran zurückdenkst, wie sie vor zwei Jahren noch mit ihrem Wanderer durch die Lande gereist war, stets auf der Hut davor erkannt zu werden. Und heute ist es ihr möglich frei durch Talyra zu spazieren, wie jeder andere auch. Und das alles durch diesen schlafenden Zwergen. Dieser gibt ein empörtes Schnauben von sich, als ihn einige Haare in der Nase kitzeln und zärtlich streicht Azra sie wieder zur Seite und krabbelt dann auf leisen Knien aus dem Bett. Es ist wohl noch sehr früh morgens, die Strassen vor der Harfe, sowie der Marktplatz sind in nächtliche Dunkelheit und klare Stille gehüllt, die nur hin und wieder von der Jammertirade einer Katze unterbrochen wird. Doch der Schein trügt, denn schon in kurzer Zeit wird der erste Hahn sich zum Tageskönig erheben – zumindest wenn er es schafft, vor dem Aufwachen der azurianischen Laderhändler, die noch immer anwesend sind, den Miststock zu erklimmen.
Auf leisen Sohlen, jene Dielen die verärgert über eine solch frühe Störung, ein verräterisches Quietschen von sich geben würden, überspringend, schleicht sich Azra zur Waschschüssel und ihre Morgentoilette hinter sich zu bringen und schon einmal das Wasser für Grid zu holen. Wieder einmal muss sie feststellen, dass das Essen von Sigrun wirklich köstlich ist und sie schon wieder zugenommen hat, so dass noch nicht einmal ihre Kleidung mehr richtig passt... was sich kurz darauf als ein grosses Problem herausstellt.
Mit grossen Augen starrt Azra über ihre Schultern in den Spiegel auf ihren schmalen Rücken, wo die Häkchen des Kleides sich trotz Ziehen, Zerren und flehentlichen Blicken zur Decke nicht mehr schliessen lassen wollen.

Natürlich, gestern hatte sich auch schon Probleme, wie auch die Tage zuvor, doch neben Buchführung,. Wildrezepten, grünen, kleinen Ärgernissen und fehlendem Met, hatte sich auch nicht daran gedacht mit Borgil über ihre Kleidung zu sprechen. <<Überhaupt habe ich viel vergessen in letzter Zeit... und ich bin nicht völlig konzentriert.>> Ein tiefes Seufzen kommt über ihre Lippen, doch es bleibt wie es ist. Das Kleid lässt sich nicht mehr schliesslich und sie spürt wieder einmal den seltsamen Wunsch, einfach mit Weinen zu beginnen, obwohl sie überhaupt keinen Grund dazu hat. Schliesslich rafft sie kurzerhand ihr Nachthemd sowie ein weiteres ihrer Kleider zusammen und verschwindet lautlos aus ihren Gemächern, Borgil in seligem Schlaf zurück lassend.
Halla, so weiss sie, ist flink mit der Nadel und vielleicht würde sie es schaffen, ihr Kleid für heute so zu erweitern, dass der Fingerbreit fehlende Stoff zwischen den Häkchen wieder geschlossen werden kann. Wohl ist Azra dabei nicht, schliesslich ist es viel zu früh um Aufzustehen, doch nach dem Frühstück würde Halla wohl auch keine Zeit mehr haben, denn dann gilt es meist auf den Mark zu huschen und frisches Gemüse zu ergattern, bevor es andere Frühaufsteher tun. Immer wieder sieht Azra sich flüchtig um, schliesslich hat die Frau des Wirtes sich eigentlich in dieser Aufmachung nicht in den Fluren herumzutreiben, als wüsste sie nicht wo ihr Bett ist, doch leider befindet sich Hallas Zimmer in einem anderen Teil der Harfe. Unbehaglich von einem Fuss auf den anderen tretend, nagt sie schliesslicht auf ihrer Unterlippe herum, spürend wie ihre Augen in Tränen zu schwimmen beginnen und sich selbst eine dumme Kuh scheltend. Dabei starrt sie die Türe vor sich an und ein schlechtes Gewissen macht sich in ihr breit, da Halla bestimmt noch schläft, doch schliesslich ringt sie sich durch, wischt sich flüchtig die Tränen aus den Augenwinkeln und klopft so leise wie möglich an, wissend das ihre Freundin wohl trotzdem sofort im Bett stehen wird.


Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 19. Aug. 2005, 12:10 Uhr
In Hallas Zimmer


Die Monde nach Borgils Rückkehr von der Beerdigung vergehen mit den üblichen und unüblichen Arbeiten, die ein so grosses und gut besuchtes Gasthaus zu bieten hat. Für Halla ist es mehr oder weniger Alltag, für Azra hingegen scheint jeder Tag wie ein Abenteuer zu sein, was Halla hin und wieder schmunzelnd die Lippen kräuseln lässt. Azra hatte sich hervorragend in der Harfe eingelebt und macht ihre Arbeit gut, obwohl sie sicher vorher nicht unbedingt eine Ahnung davon hatte, wie es hinter der Fassade eines Gasthauses aussieht. Aber Azra schlägt sich wirklich sehr gut und sie hat ein gutes Händchen für das Organisieren und behält den Überblick über Vorräte und sonstige kaufmännische Dinge, von denen Halla nicht so viel Ahnung hat. Borgil ist sehr stolz auf sein 'Schneemädel' und immer noch sehr verliebt und Halla gönnt es den beiden mittlerweile von Herzen. Azra ist ihr eine gute Freundin geworden und mehr als einmal am Tag stecken die beiden die Köpfe zusammen und Kichern und Gackern über irgenwelche Geschehnisse.

Die gute Pflege, die Liebe, und wohl auch das gute Essen, scheinen Azra gut zu tun, denn im Beerenrreif bemerkt Halla, das Azra rundlicher geworen ist, ihre Wangen nicht mehr ganz so schmal wirken und ihre Kleider an einigen Stellen zu spannen beginnen. Ausserdem war Azra die letzten beiden Siebentage sehr launisch gewesen und manchmal hatte ein unbedachtes Wort von Halla fast Tränen ausgelöst, was Halla so an Azra noch nicht erlebt hatte. Aber es gab zuviel Arbeit in der Harfe, als dass Halla sich darüber längere Gedanken hätte machen können. Sie weiss selbst, dass Frauen oftmals unleidliche Phasen haben, ihr selbst geht es da kaum anders. Es ist noch früh an diesem Morgen und Halla dreht sich noch einmal in ihrem Bett herum, ehe sie dann doch aufstehen muss, als dieses Vorhaben durch ein zaghaftes Klopfen an der Tür gestört wird. Halla zieht kurz die Augenbrauen zusammen und überlegt was in der Harfe geschehen sein könnte, dass man sie so früh aus den Federn holt. Nur mit ihrem naturfarbenen Unterkleid und auf nackten Füssen, die tappsende Geräusche auf dem Dielenboden hervorrufen, geht sie zur Tür und öffnet diese einen Spalt und blinzelt in die Dunkelheit des Ganges hinaus.

"Azra, was machst du denn so früh hier und dann noch nur halb angezogen. Komm rein." Halla zieht Azra schnell in ihr Zimmer und schliesst dann die Tü,r und bei dem helleren Licht in ihrem Zimmer erkennt sie auch schnell das Problem, dass Azra hat. Azra berichtet Halla hastig, dass wohl keines ihrer Kleidungsstücke ihr mehr wirklich passt und sie keine Ahnung hat wieso und fragt Halla dann, ob diese ihr das Kleid nicht schnell ändern kann, damit sie wenigstens heute noch etwas zum Anziehen hat."Sicher kann ich dir das Kleid eben ändern, aber wenn dir nichts mehr wirklich passt, müssen wir alles abändern oder du musst dir eine ganz neue Gaderobe zulegen oder wieder etwas abnehmen." Ein belustiges neckendes Schmunzeln huscht über Hallas Gesicht." Das gute Essen hier ist sicher der Grund dafür." Rasch hilft Halla Azra aus dem halb angezogegnen Kleid, holt sich dann Nadeln, Faden und Schere und beginnt damit das Kleid an den Seiten aufzutrennen, wenn sie an jeder Seite einen Fingerbreit abändern würde, dürfte Azra das Kleid wieder passen. Während Halla vorsichtig die Nähte auftrennt, ulkt sie noch ein wenig mit Azra herum. "Wir sollten vielleicht dein Essen rationieren, damit du dann nicht auch aus den umgeänderten Kleidern heraus 'wächst'. Isst du denn wirklich so viel oder mehr als sonst, weil sonst fällt mir nichts ein warum jemand innerhalb von kurzer Zeit soviel zunehmen sollte, es sei denn..." Halla lässt die Schere sinken, mit der sie gerade die letzte Naht auftrennt und blickt Azra eingehend an, "...es sei denn du bist in guter Hoffnung!"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 19. Aug. 2005, 16:41 Uhr
Ohne grosse Umschweife zieht Halla Azra hinein und bevor sie auch nur den Mund aufmachen kann, entdeckt die Mogbar ihr Problem auch schon und schnappt sich ihr Kleid. Ein stummes Dankesgebet an sämtliche Götter sprechend, beginnt Azra ihr schnell zu helfen, auch wenn sie mit der Nadel so geschickt umgehen kann, wie eine Katze mit einem Pinsel und beim letzten Mal, als sie versucht hat einen Riss zu flicken, sie immer mal wieder den Finger in den Mund stecken musste, wenn sie erneut mit zu viel Enthusiasmus in den Stoff gestochen hat. Als Halla jedoch meint, sie hätte wohl zu viel gegessen, oder einfach redlich zugeschlagen, streckt Azra ihr schmollend die Zunge entgegen, worauf hin beide Frauen in albernes Gelächter ausbrechen, so laut, dass wahrscheinlich die nächstliegenden Gäste keinen ruhigen Schlaf mehr haben werden. Mit geschickten Händen beginnt Halla sie Nähte aufzutrennen und Azra spannt ihr den Stoff, um nicht völlig unnütz und nur in einem Nachthemd bekleidet in der Gegend herumzustehen, dabei zwischendurch ein Gähnen nicht unterdrücken könnend. Ihre Freundin kann es jedoch nicht lassen sie damit aufzuziehen, dass sie in kürzester Zeit wohl Sigruns ganze Küche leer gegessen haben muss, um so zuzunehmen und ein Hauch von einem hellen Rot übertüncht Azras Wangen. Natürlich, Hunger hat sie in letzter Zeit grossen, aber lediglich morgens. Abends dagegen ist es ihr lieber direkt ins Bett verschwinden zu können, weil sie noch vor Mitternacht vollends müde und kaputt ist. Doch in dieser strengen Zeit, wo die Gäste am fliessenden Band Zimmer aufsuchen, ist es ihr nicht möglich wegen Müdigkeit zu fehlen. <<Alleine wegen Borgil und Halla kann ich mich nicht einfach davonschleichen.>> Die Müdigkeit mag vielleicht mit dem Wetter zusammen liegen, darüber hat sie schon viele alte Männer reden hören, oder aber weil es einfach so viel zu tun gibt, in diesen Tagen.
Plötzlich jedoch hält Halla inne, nachdem sie die letzte Naht aufgetrennt hat, mustert Azra eingehend, die leicht verwundert die Augenbraue hebt und meint dann leise: "...es sei denn du bist in guter Hoffnung!"
Einen Augenblick später klappt Azras Mund auf, es hätte eine Heufuhre darin Platz gehabt, samt Esel und Karren und ihre Augen starren Halla an, als wäre diese gerade vom Himmel gefallen. Gleichzeitig rutscht ihr der Stoff aus den Fingern und fällt vor ihre kleinen Füsse. Ebenso schnell hat sich Arza auch schon gebückt und das Kleid wieder aufgehoben, schnell und rot von der Kinn- bis zu den Haarspitzen und unverständliche Entschuldigungen brabbelnd. Erst langsam sickert der Wortlaut noch einmal deutlich und klar durch ihren Verstand und stumm, und mit einem Blick zwischen „Nein!“  und „Das kann nicht sein!“, klappt ihr Mund mehrmals auf und wieder zu, bevor sie heftig den Kopf schüttelt. Ihre Locken, die im fahlen Licht einer schnell entzündeten Kerze goldenorange Schimmern, fliegen wild durch die Luft und heftig stösst sie hervor: „Nein, nein, das geht nicht, das geht wirklich nicht. Ich habe zu viel gegessen, viel zu viel, du hast es doch gesehen. Ich fühl mich nur nicht recht wohl, habe ständig Hunger, deswegen esse ich auch so viel, wirklich. Vielleicht liegt das auch noch an den Nachwirkungen der Masern, weil ich da wirklich kaum etwas essen konnte, ohne es wieder auszuspucken.“
Als wolle sie ihre eigenen Worte bestätigen, nickt sie heftig und gestikuliert mit ihren Händen in der Luft herum. Wenn es möglich ist, dass sie noch bleicher wird, als das ihre weisse Haut nun schon ist, so geschieht es nun und in ihren farblosen Augen zucken heftige Blitze.

„Nein, nein!“, bekräftigt sie noch einmal und hält Halla das aufgetrennte Kleid hin: „Nein, ich war krank und musste mich erholen. Bei Sigruns guter Küche wohl ein bisschen zu gut, das ist alles und auch die Nachwirkungen werden bald vorbei sein, ich meine die Müdigkeit und so.“ Halla sieht nicht aus, als würde sie alles glauben, doch als Azra ihr erneut mit einem flüchtigen Zögern das Kleid entgegenhält, nimmt sie es schliesslich doch noch an sich und setzt sich auf die Bettkante. Unsicher und innerlich aufgewühlt setzt sich Azra neben sie, krallt ihre Finger in die Decke und atmet tief ein. Heute wird vielleicht kein so strenger Tag werden, da Shenras Antlitz wohl nicht von einer dicken, schwarzen Wolkenwand und Abermillionen von Regentropfen verdeckt wird.
Es ist Azra und Hallas Glück, dass sie sich an den Gesang gewöhnt sind, der urplötzlich und wie aus dem Nichts hervorbricht wie ein Orkan, jedes verzweifeltes Hahnengeschrei unter einer brodelnden Welle tosender Gebete erdrückend. Scheinbar ist der erste Sonnenstrahl gerade in das Südviertel eingefallen und hat die azurianischen Lederhändler aus ihren Betten gekitzelt. Halla derweil hat sich mit Nadel, Faden und widerspenstigem Stoff herumgeärgert und Azra sieht ihr halb neugierig, halb mit entschuldigendem Blick zu, unbehaglich auf ihrem Hintern herumrutschend. „Ich werde ganz sicher wieder abnehmen“, wirft sie schliesslich zwischen einem Shenraaaaaaaa und einem Akbar ein, wobei aus den Nebenräumen beginnendes Gemurmel und halblaute Flüche über die morgendliche Störung zu hören sind, gleich noch hinterher setzend, als die Sänger eine neue Pause machen: „Und wenigstens haben die Blutungen aufgehört, etwas weniger worum ich mich kümmern muss und womit meine Laune beeinflusst werden könnte, wie du einmal gesagt hast.“ Dabei lächelt Azra Halla zaghaft an, hoffend, dass diese darüber froh sein wird und pustet gleichzeitig eine lästige Strähne aus ihrem Gesicht.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 19. Aug. 2005, 23:00 Uhr
Azra streitet eine Schwangerschaft rigoros ab, sowas könne einfach nicht passieren. Zuerst denkt Halla noch, dass es vielleicht Gründe gibt, wodurch Azra nicht schwanger werden kann, einen Unfall vielleicht oder irgendetwas anderes. Halla kennt einige Frauen, die nicht schwanger werden können. Deshalb fragt die Mogbar auch nicht weiter nach, weil sie damit möglicherweise an alten Wunden rühren würde, und da Azra im Moment eher nah am Wasser gebaut hat, will sie die Freundin nicht noch näher dahin bringen. So näht Halla weiter an dem Kleid und schaut nur kurz auf, als die Händler mit ihrem Morgengebet beginnen, und verdreht dabei die Augen. "Zum Glück haben wir alles recht gutmütige Gäste, ansonsten hätte diesen Händler sicher schon längst jemand den Hals umgedreht." Eine vernünftige Unterhaltung ist nicht mehr möglich und nur in den kurzen Gebetspausen spricht Azra.

>Und wenigstens haben die Blutungen aufgehört, etwas weniger worum ich mich kümmern muss und womit meine Laune beeinflusst werden könnte, wie du einmal gesagt hast.< "Aua!" Die Nadel hat eindeutig ihr Ziel verfehlt und steckt jetzt in Hallas Finger, während die Mogbar Azra mit hochgezogenen Brauen und offenem Mund anstarrt. Azras Gesicht schaut so herrlich unschuldig drein, dass es Halla sehr viel Mühe kostet nicht in ein tosendes Gelächter auszubrechen. Rasch klappt die Schankmagd, ihre Kinnlade wieder zu, zieht die Nadel aus dem Finger und schluckt das aufsteigende Kichern hinunter, dass ihr in der Kehle brennt. Allerdings kann Halla sich ein breites Grinsen nicht verkneifen.

Sicher Halla selbst war noch nie schwanger, geschweige denn, dass sie schon Erfahrungen gesammelt hat darüber, wie man überhaupt schwanger wird. Aber sie hat genug schwangere Frauen erlebt, ihre eigene Mutter, Tanten und andere Mogbars im Viertel und Halla weiss genau, wenn Frauen launisch werden, ihre Kleider zu eng und ihre Mondblutungen aussetzen, kann es dafür nur eine Erklärung geben, nämlich, dass diese Frauen ein Kind erwarten.

Schliesslich hat der Drang loszukichern soweit nachgelassen, dass Halla ihre Sprache wiederfindet und Azras fragendem Gesichtsausdruck endlich eine Antwort geben kann. "Azra, ich weiss, ich bin sicher keine Heilkundige, geschweige denn eine Hebamme, aber nach Allem was du mir erzählt hast, bist du eindeutig schwanger. Ich meine, was sollte es sonst für einen Grund geben, dass deine Blutungen ausgesetzt haben? Wusstest du das denn nicht?" Azras Gesicht durchläuft eine Vielzahl von den verschiedensten Ausdrücken, was Halla widerum belustigt und sie an sich halten muss, aber sie freut sich auch sehr für Azra und natürlich auch für Borgil. Der Gedanke an Borgil löst dann noch einen anderen Gedanken aus, über den Halla die ganze Zeit nachdenkt, während Azra das gerade Gehörte noch verdaut. Wie würde dieses Kind wohl aussehen? Klein wie ein Zwerg und mit Spitzohren, würde es rote oder weisse Haare haben, welche Augen würde es bekommen und so weiter und so fort. Halla hatte noch nie einen Zwergenmischling, egal wie gemischt gesehen und gehört davon hatte sie, soweit sie sich erinnern kann, auch noch nicht. Zwerge wurden ja auch in dem Sinne nicht geboren, zumindest wenn man den Sagen, Legenden und Erzählungen glauben schenken darf, und Halla hatte Borgil nach so etwas auch nie gefragt. Doch dann erinnert sie sich vage an den Tag von Galrins geplatzter Hochzeit, da hatten sie im Harfengarten gesessen, zusammen mit Phelan und Morgana und wenn ihre weinseeligen Erinnerungen sie nicht täuschen, ist da über sowas gesprochen worden, aber was genau, weiss sie nicht mehr zu sagen, erstens weil sie fürchterlich peinlich berührt war bei diesem Thema, und zweitens, weil sie da schon einige Kelche Wein getrunken hatte.

Der Gedanke an Morgana bringt sie auf eine andere Idee und als die Lederhändler aus Azurien endlich ihre Gebete beendet haben, blickt sie Azra an."Du solltest zu TianShi, Morgana, Selket oder Kitty gehen, damit du sicher weisst, ob es so ist. Vielleicht gibt es ja doch noch einen anderen Grund für das Alles." Hallas Heiterkeit ist verflogen und ein warmes Lächeln schleicht sich auf ihr Gesicht, wobei sie mit der unzerstochenen Hand nach Azras zierlicher greift. "Und selbst wenn es so ist, was ist daran so schlimm, ich meine sowas ist doch etwas worüber man sich freuen sollte oder?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 20. Aug. 2005, 18:52 Uhr
Irgendwie folgt nicht die Reaktion, die Azra erwartet hat und mit leichter Verwirrung blickt sie auf Hallas offenen Mund, die Nadel in ihrem Finger und deren Mundwinkel, die verdächtig hinauf und hinab zucken, als könne sie nur mit grosser Anstrengung verhindern, in Lachen auszubrechen. Noch bevor Azra jedoch etwas wegen der Nadel ausrufen kann, von der sie nun plötzlich bemerkt, dass sie ihr Ziel verfehlt hat, zieht ihre Freundin das spitze Ding auch schon wieder hinaus, legt das Kleid und den Faden ab und sieht sie eindringlich an, mit einer verdächtig amüsierten Stimme: "Azra, ich weiss, ich bin sicher keine Heilkundige, geschweige denn eine Hebamme, aber nach Allem was du mir erzählt hast, bist du eindeutig schwanger. Ich meine, was sollte es sonst für einen Grund geben, dass deine Blutungen ausgesetzt haben? Wusstest du das denn nicht?"
Bis du eindeutig schwanger… bist du eindeutig schwanger… schwanger…
Es dauert sicherlich mehrere Augenblicke, bevor Azra mit einem leisen, erschrockenen Quieklaut die Hände vor den Mund schlägt und Hall aus weit aufgerissenen, eine Unmenge an verschiedenen Ausdrücken durchlaufenden Augen ansieht und ihr eigenes Herz bis zum Hals klopfen hört.
Nein, sie hatte keine Ahnung davon was es bedeutete, wenn die Blutungen aufhörten, niemand hat es ihr bis jetzt erklärt. Sie kann sich lediglich vage daran erinnern, wie sie panisch zu ihrem Wanderer gerannt war und ihm mit Tränen auf den Wangen erklärt hatte, sie würde verbluten. Er hatte angefangen zu lachen und ihr erzählt, dass jedes Mädchen, das zu einer Frau wurde, solche Blutungen bekommen würde, wie er wüsste, einmal pro Mond. Wirklich beruhigt hatte es sie nicht, doch mit der Zeit war aus der Angst Ärgernis geworden und jedes Mal wenn ihre Blutungen eingesetzt hatten, hatte sie lauthals ihren Unmut darüber kundgetan.
Was es jedoch für eine schwerwiegende Bedeutung hatte, wenn diese elenden Blutungen endlich aufhörten, das hatte ihr bis heute niemand beigebracht und plötzlich wünschte sie sich sehnlichst diese paar Tage, in denen sie müde, träge war und hin und wieder auch Schmerzen verspürte, zurück

Im Hintergrund kraeelen die Laderhändler noch stets ihr Gebet, doch irgendwie dringt es nicht mehr zu Azra vor, obwohl sicherlich ganz Talyra schon wach geworden ist und auch heute wieder einige Nachbarn sich lauthals beschweren werden. In ihrem Kopf herrscht Leere und nur das Wort *schwanger* hallt darin laut und deutlich wieder, bis sie merkt das Hallas Lippen sich bewegen und stösst schnell ein: „Was?“, hervor, gedanklich noch nicht ganz bei der Sache und überhaupt gerade nur sehr schwer von Begriff.
Halla wiederholt das Gesagte schmunzelnd, auch wenn Azra noch stets nicht wirklich begreift, was es dabei zu lachen gibt, schliesslich ist sie schwanger! Und schwanger sein hat die gleiche Bedeutung wie ein Kind zu kriegen und ein Kind zu kriegen heisst sie muss so ein kleines, zartes Bündel wie Ninianes Tochter umsorgen.
Ihre Lippen zittern merklich und ein Kloss bildet sich in ihrer Kehle, schwer und dick und drückt ihr beinahe die Luft ab, doch als der Name Tian Shi fällt, wird ihr deutlich wärmer ums Herz. Ja, die weisse Dame, der sie in den letzten Monden oft beim säubern von Tian’Anmen geholfen und ihr dabei auch immer wieder Vorräte an Essen gebracht hat.
Doch als Halla schliesslich vorsichtig ihre Hand ergreift, kann Azra nur leer schlucken und mit aufgewühltem Inneren und unruhigem Blick zu Boden starren, nicht genau wissend, was sie darauf antworten soll. Natürlich, Kinder sind etwas Schönes, sie findet ja selbst stets Gefallen daran die kleinen Sonnenkäfer zum Lachen zu bringen, aber ein eigenes Kind… Gerade eben erst hat sie gelernt richtig zu rechnen, zu schreiben und einen Gasthof zu führen – Halla sei gedankt für ihre grosse Hilfe und ihre immense Geduld – und dann soll sie sich plötzlich um so ein kleines, zerbrechliches Wesen kümmern, wo sie selbst manchmal noch das Gefühl hat so unwissend zu sein wie ein Kind.
„Ich weiss nicht…“, beginnt sie zögerlich und wagt es nicht wirklich aufzusehen: „Ich weiss doch überhaupt nichts darüber und… ich… dafür… ich meine ich weiss gerade mal wie man ein Kind hält!“ Angst und Sorge vermischen sich zu einem dicken Brei, der in ihrer Magengegend ein flaues Gefühl verursacht und es ihr unmöglich machen an der ganzen Situation auch nur etwas Positives zu erkennen. Die sanfte Freude in dem Gesicht ihrer Freundin erkennt sie durch den zartgrauen Schleier an aufgewühlten Gefühlen ebenfalls nicht.
Schliesslich jedoch nickt sie vage und drückt sachte Hallas Hand: „Ich werde mich heute einmal auf den Weg zu Tian Shi machen, vielleicht… vielleicht sind die Zeichen ja falsch und ich bin überhaupt nicht schwanger!“ Doch das bisschen, das wie ein Funken Hoffnung klingt, wird durch die Sorge erdrückt, wenn dem doch so wäre. Dann würde sie ja nicht mehr in der Harfe arbeiten können und Borgil und Halla müssten alles alleine machen. Nein, jetzt gerade erscheint ihr der Gedanke ein Kind zu bekommen völlig abwegig und deutlich zeigt sich das auch in ihrem sanften Zügen, die nun angestrengt versuchen nicht noch trauriger zu wirken, doch schliesslich erbeben ihre Schultern unter einem leichten Schluchzen und ein gewispertes: „Ich kann doch so etwas überhaupt nicht“, kommt über ihre Lippen, verfolgt von glitzernden Tränen. Zusammen gesunken wie ein Häufchen Elend sitzt sie auf der Bettkante und weiss gar nicht wie ihr geschieht, als sie sämtlichen Tränen, die sie in den letzten Monden unterdrückt hat wie ein Staudamm, aus ihr hervorbrechen und ihren zierlichen Körper lautlos schütteln.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 20. Aug. 2005, 19:17 Uhr
Halla hatte mit vielem gerechnet, aber nicht damit nun ein schluchzendes Häuflein Elend vor sich sitzen zu haben. Für einen Moment fühlt sich Halla vollkommen hilflos, doch dann löst sie vorsichtig ihre kräftige, vom Arbeiten raue, Hand aus der der Halbelbin und nimmt diese dann beruhigend in den Arm. "Sch, sch, was sollen denn die Tränen, sowas ist ein Grund sich zu freuen, hm? Und was das nicht Wissen angeht, darüber wie man ein Kind versorgt, dass kann man lernen. Bis das Kind da ist, bringe ich dir alles bei, was ich weiss. Ich habe alle meine Geschwister mit gross gezogen, das letzte fast ganz alleine, weil es Mutter da schon gesundheitlich sehr schlecht ging. Sigrun und Grid wissen auch alles über Kinder, genauso wie die meisten anderen hier in der Harfe. Du siehst also, du wirst jede Hilfe haben, die du brauchst. Und du bist doch nicht dumm, du lernst doch schnell, wie schnell hast du es gerlernt dich um die Geschäfte der Harfe zu kümmern und viele andere Dinge auch." Halla redet einfach weiter, während Azra leise vor sich hin schluchzt und hofft damit ihre Freundin zu beruhigen.

Von unten aus dem Schankraum hört man schon leises Rumoren und aus der Küche dringt das Klappern der Pfannen und Töpfe. Die Harfe ist nach dem Weckruf der Azurianer aufgewacht und rings um die beiden Freundinnen nimmt das Leben seinen normalen Gang. Langsam löst Halla die Umarmung und hebt dann das Gesicht von Azra leicht mit einer Hand an. "Geh sobald es geht zu TianShi, damit du Sicherheit hast und dann wirst du schon sehen, dass eine Schwangerschaft kein Beinbruch ist, sondern etwas Wunderbares. Nur befürchte ich, dass Borgil dich sobald er es erfährt in Watte packen will." Belustigt darüber zieht Halla ihre Mundwinkel nach oben und ihre Augen leuchten schelmisch. "Ich denke wir müssen dann zusammen halten und ihm erklären, dass du nur schwanger und nicht krank bist." Das Schluchzen von Azra lässt langsam nach und die Tränen kullern auch nicht mehr aus den fast weissen Augen der Halbelbin.

Halla freut sich richtig darüber, dass sie sich wieder um ein Kind würde kümmern können, dass hatte sie neben ihrer Arbeit hier in der Harfe immer am liebsten getan, aber ihr jüngster Bruder war nun auch schon 10 Zwölfmonde alt und hatte rein gar nichts mehr von einem Baby oder Kleinkind. Sie selbst würde ja auch gerne einmal Kinder haben, aber noch war ihr der passende Mann für soetwas noch nicht über den Weg gelaufen und mit jedem Zwölfmond, den sie älter wird, sinkt die Chance dazu auch. Ich werde wohl irgendwann eine alte Jungfer werden. Trotz der eher nicht rosigen Aussichten muss Halla schmunzel, als sie sich vorstellt wie sie alt und runzelig immer noch in der Harfe ihrer Arbeit nachgeht.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 21. Aug. 2005, 10:45 Uhr
Leise schluchzend vergräbt Azra ihr Gesicht an Hallas Schulter und kann die Tränen einfach nicht zurück halten. Ihr kommt es vor, als wäre aus dem Nichts heraus ein Gebirge aus purem Granit erschienen, dass sich kurzerhand dazu entschlossen hätte auf ihren Schultern Platz zu nehmen und sie zu erdrücken mit seiner Last.  Doch die sanften und beruhigenden Worte ihrer Freundin verfehlen dann ihr Ziel doch nicht und nachdem sich die erste Überraschung ein stückweit gelegt hat und sie nicht mehr den Wunsch verspürt hier und jetzt in den Boden einzusinken, oder sich unter ihrer Decke vergraben und vor dem Rest der Welt verstecken zu können, blickt sie Halla aus rotgeränderten Augen und bebenden Lippen zaghaft an.
Borgil! Ja, was wird ihr Mann davon sagen, ihr Herr Zwerg. Als Halla erwähnt, das er sie wohl in Watte packen wird, huscht ein flüchtiges und auch nur schemenhaftes Lächeln über ihre Züge, auf deren Wangen noch stets ein paar übrig gebliebene Tränen glitzern.
Ob er sich wirklich freuen wird? Zumindest Halla scheint die Aussicht auf so einen krabbelnden und brabbelnden Käfer zu geniessen, denn in ihren Augen funkelt es wie die Sterne in der Nacht und allein dieser Blick genügt um Azra zumindest ein wenig der grossen Verwirrung und heillosen Angst zu nehmen, die gerade eben noch versucht hat, ihren Magen um 180° zu wenden. <<Ich bin nicht allein!>> Ein Gedanke der ihr Herz bis in den letzten Winkel wärmt und ein herzliches Leuchten beginnt ihre Augen zu erhellen, greift auf ihr Gesicht über und taucht alles in herzliche Freude. Ein inniges: „Danke“, wispernd, umarmt sie ihre Freundin noch einmal sachte und verharrt einige Moment so, sich dann vorsichtig lösend und Halla in das pausbäckige Gesicht blickend, das äusserst böse gucken kann, wenn die kleine Frau es möchte. Wahrscheinlich würde jeder Riese Reissaus nehmen, wenn die Mogbar kochlöffelschwingend auf ihn zukäme und ihm den Hintern zu versohlen.
<<So wie Borgil mir dereinst… Herrje, damals hätten sie mich beide wahrscheinlich am liebsten auf die Strasse gestellt.>> Ihre Mundwinkel zucken kurz ob der lustigen Erinnerung, doch schliesslich nickt sie leicht und sagt: „Gut, dann werde ich gleich nachdem Küche und Harfe bereit sind für neue Gäste, mich auf den Weg zu TianShi machen. Du solltest auch einmal kommen und dir TianAnmen ansehen, es ist einfach nur wundervoll geworden, nachdem die tausend Spinnen, Spinnennetze, Blätter und der fingerdick liegende Staub entfernt waren“, erzählt sie eifrig, derweil Halla Nadel und Kleid wieder zur Hand genommen hat und Azra ihr den Stoff hält.
Auf den Fluren vor dem Zimmer ertönen Schritte, morgendliches, verschlafenes Gähnen, einige gemurmelte und verärgerte Wortfetzen und dann plötzlich scheint es, als würde eine Horde aufgeweckter Hühner sich endlich dazu entschlossen haben, aufzuhören mit ihrem Gesang Talyra aus den Federn zu holen und dafür laut lachend und redend – in einer Sprache die Azra nicht versteht – den Schankraum unsicher zu machen.
Als Halla ihr schliesslich dabei behilflich ist in das erweiterte Kleid zu schlüpfen, dringt bereits der schwache Geruch nach gebratenem Speck, frischem Brot und herrlich duftendem Tee zu ihnen hinauf und Azra spürt bereits wieder, wie ein unermesslicher Hunger sich in ihrem Magen breitmacht und darauf wartet, gefälligst von dem wohligen Gefühl des Sattseins verdrängt zu werden.

Mit fliegenden Röcken huschen schliesslich sowohl Halla, als auch Azra die Treppe hinunter, wobei einige verstörte bis fragende Blicke sie treffen, auf dass sie beinahe punktgleich ein Kichern nicht unterdrücken können. Auf Grids Schnauben hinweg, macht sich jedoch jede sogleich daran ihren morgendlichen Arbeiten hinterher zu kommen, wobei Azra feststellt, dass Borgil wohl hinter den Büchern sitzt und nun vielleicht genau der beste Zeitpunkt wäre um kurz zu verschwinden. Halla wird sich sicherlich eine gute Ausrede einfallen lassen können, denn Madame Blutaxt kann sich nur zu gut vorstellen, wie ihr Gatte reagieren würde, wenn seine oberste Schankmaid ihm mit einem unschuldigen Blick erklären würde, seine Frau wäre gerade bei einem Heiler.
So hilft sie den Mädchen kurz dabei die Stühle von den Tischen zu holen, das Holz zu wischen, ersten morgendlichen Gästen ihr gewünschtes Frühstück zu servieren und ein Fass Met aus dem Keller hinauf zu schleppen. Ein Blick aus dem Fenster genügt um sie trübe aufseufzen zu lassen, denn graue Regenschleier ziehen anmutige Schlieren auf den Fenstern und tauchen den Schankraum in ein Unterwasserambiente, was bereits einige der Frühaufsteher in den Bann gezogen hat. Die Strassen liegen dunkel da, nur hin und wieder eine, von einem Hausdach geschützte Fackel erhellt den Weg und Azra schüttelt es bei dem Gedanken, in dieses Wetter hinaus zu müssen, gerade frisch gewärmt von der Wärme in der Goldenen Harfe. Schlussendlich jedoch bringt es nichts!
Ein stummes Dankesgebet an die Götter sprechend, huscht Azra flüchtig in den Kaminraum von Borgils Gemächern, aus dem Nebenraum Geräusche wahrnehmend, die eindeutig nach einem Zwergen klingen, der sich gerade in seine Kleidung begibt. Einen Herzschlag lang hält sie in ihrem Vorhaben inne, erwürgt den Umhang in ihren Händen beinahe und reisst sich dann selbst mit einem <<Jetzt geh schon, danach kannst du dir sicher sein!>> aus ihrer Lethargie. Schnell sind regenfester Umhang, Schal und die leichten Lederstiefel angelegt und ein kleinerer Geldbeutel an den Gürtel gehängt, schliesslich wird sie auch für ihre Behandlung bezahlen, was auch immer TianShi da sagen mag.
Um der weissen Dame auch noch etwas mit zu bringen huscht Azra auch noch flüchtig in den Keller mit einem grossen Korb am Arm und packt ein wenig Verder Schinken, drei Säcke wilden Reis, zwei Pfund Mehl, ein Beutel Salz, einen Beutel Pfeffer, getrocknete Pilze und noch ein wenig mehr von all dem leckeren Essen hier unten ein, dass sonst für die Gäste herhalten muss. Aber darüber hat sie bereits mit Borgil gesprochen und er hatte zugestimmt, dass sie TianShi hin und wieder etwas vorbeibringen könne, so lange die weisse Dame noch nichts verdient.
Mit einem vollbepackten Korb und warm eingewickelt, huscht nickt Azra Halla flüchtig zu, um ihr ihre Abwesenheit zu verstehen zu geben und stösst dann mit einem leisen Ächzen die Türe ins Freie auf. Als sie den prasselnden Regen und die schlammigen Strassen sieht, keimt in ihr der Gedanke auf, dass ganze zu vergessen und sich ohne Umwege wieder in ihr Bett zu begeben. Doch dazu kommt sie gar nicht, denn einen Augenblick später schiebt sich ein derart wuchtiger Herr aus dem Inneren, dass sie gar keine andere Wahl hat, als ins Freie auszuweichen und im Regen zu stehen zu kommen. Den Umhang noch ein wenig enger um ihre Schultern und die Kapuze tiefer ins Gesicht ziehend, beginnt sie in Richtung TianAnmen los zu laufen, versuchend das flaue Gefühl weiterhin zu unterdrücken.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 26. Aug. 2005, 14:34 Uhr
Ein Donnern hallt über Talyra hinweg, lässt die Wände der Harfe leicht erbeben, das Glas in seinem Rahmen knirschen und klirren, nur um dann einer weiten, unnatürlichen Stille Platz zu machen, in der noch nicht einmal ein Hahn es wagt, einen Ton von sich zu geben, geschweige denn jemand eine Nadel zu Boden fallen lassen. Eine Ruhe, als hätte der Gevatter Tod ihn persönlich mit sich gebracht.
Wie von der Tarantel gestochen sind sowohl Azra, als auch Borgil – einen erschrockenen Fluch ausstossend - in die Höhe gefahren und Borgil hält in dem flüchtigen Moment der trügerischen Ruhe bereits eine Axt in der Hand, sich mit funkelnden, obsidianschwarzen Augen umsehend, als würde sicherlich gleich eine Horde von Dämonen in sein Gemach gerannt kommen und sein Gasthaus unter sich begraben.
Azra starrt zum Fenster, durch das gerade die ersten, fahlen Sonnenstrahlen fallen und vom Morgen erzählen, der über die Stadt hereinbricht, sich bewusst werdend, dass sie an jedem anderen Tag, eigentlich schon längst auf den Beinen wäre. Der Abend zuvor jedoch ist nicht ganz nach ihrem Plan verlaufen und schliesslich nach einem endlosen Schweigen, das bis spät in die Nacht gedauert hat, hatte Halla sowohl für Azra auch als für Borgil beschlossen, dass es besser wäre sie würden morgen ausschlafen und dann miteinander Frühstücken, dabei der Blutelbin aufmunternd zuzwinkernd, die darauf hin nur kläglich nickte.
Jetzt sitzt sie kerzengerade in ihrem Bett, der Knall ist ihr in Mark und Bein gefahren und hat jede Alarmglocke in ihren Kopf wach geschüttelt und schon will sie mit verschrecktem Gesicht ihren Gatten nach der Ursache des Geräuschs fragen, als ein lautes Hornen ihr das Wort abschneidet und dazu auch gleich noch die schreckliche Antwort mit sich bringt. Wie ein Orchester erschalt es über die sonnenbeschienen Dächer hinweg, holt auch noch den letzten Lump und den grössten Siebenschläfer aus seinem Loch und das aufgeregte, völlig panische Gegacker der Hühner auf dem Nachbarsgrundstück der Harfe, das Gebrüll einiger, aus dem Halbschlaf geschreckter Blaumäntel auf dem Marktplatz sowie aufgeregtes, jedoch unverständliches Rufen wird dabei übertönt.
„Feuer!“ Entsetzt schlägt sie die Hände vor den Mund, als hätte dieses Wort nie über ihre Lippen kommen dürfen und starrt Borgil, der noch immer im leinenen Nachthemd und dem Beil in der Hand, sowie ein wenig zersaustem Schopf, neben den Bett steht und mit grimmiger Miene nickt, aus der jedoch deutlich die Sorge zu erkennen ist.
Über und neben ihren Zimmern erwacht die Harfe endgültig zum Leben und das Holz ächzt unter den vielen schnellen Schritten der Gäste, die von Neugierde und Angst getrieben hinaus auf den Marktplatz rennen.
Borgil verliert keine Sekunden und streift sich das Nachthemd ab, greift nach Hose, und Hemd, wobei Azra ebenfalls aus dem Bett krabbelt und ihm derweil Gürtel und Schuhe heraussucht, mit ihrem fliegenden Haar, aussehend wie eine weisshaarige Vogelscheuche. Derweil der Zwerg in seine Kleidung schlüpft, greift sie selbst schnell nach einem Kleid und hält nur kurz inne um mit plötzlicher Sorge festzustellen, dass sie es ihrem Gatten noch stets nicht erzählt hat. Doch dieser rauscht bereits aus dem Gemach hinaus, eine Miene wie ein Bär, vor dessen Höhle ein Feuer entzündet worden ist und Azra beeilt sich aus ihrem Nachtgewand zu kommen und sich so schnell wie möglich ihr, von Halla vergrössertes Kleid überzuziehen, um nicht gleich mit ihrem Schlafgewand erscheinen zu müssen. Haare lässt sie Haare sein und auf nackten Sohlen und hin und her huschendem Blick kommt sie schliesslich im Schankraum an, der samt den Ratten ausgestorben scheint, bis auf Sigrun und Grid, die in der Küche mit den Nasen am Fenster kleben. Hastig und mit fliegendem Rock hastet Azra weiter, hinaus auf die Strasse, wo sie dann beinahe in den Rücken eines Elben prallt, der wie eine Mauer vor der Türe steht und scheinbar ob dessen, was seine Augen erblicken, nicht mehr fähig ist, auch nur einen Fingerbreit von der Stelle zu weichen.

Kurz murmelt sie einige Entschuldigungen, die von dem Gast jedoch nicht wahrgenommen werden, denn wie auch all die anderen, die nach Norden glotzen, wir seine Aufmerksamkeit gerade nur von der riesigen, schwarzen Rauchsäule in Beschlag genommen, die als böses Omen über dem Nordtor hängt und den Himmel verdunkelt mit seiner schlimmen Kunde. Rauchgeruch durchtränkt schwer die Luft und Schreien und Kreischen ist von überall her tu hören. Die Marktstände sind vergessen, ebenso das Vieh, dass nun verwirrt umherirrt und es scheint, als würde die Bevölkerung sich allesamt in die Richtung des Ursprungs des Knalls begeben wollen, als ob es nicht genügen würde, den Rauch der Flammen von hier aus zu sehen.
Mit weit offenem Mund starrt selbst Azra dorthin und ihre Hände tasten schutzsuchend nach Borgils Arm, an den sie sich mit blasser Miene schliesslich auch schmiegt, den Blick nicht von dem Schauspiel abwenden könnend, das dort läuft. Halla und einige der Schankmaiden stehen neben ihnen, und sehen ebenso geschockt und verschreckt aus, wie die herzzerreissend blökenden Lämmchen, die aus irgendeiner Gasse gestolpert kommen und sich einen Weg zwischen den Beinen der Masse hindurch suchen, die wie gehetzt dahin rennt, als kenne sie den Weg nicht mehr auswendig.
Elben, Menschen, ein Gnom und sogar ein Zentaur laufen an ihnen vorbei, in Richtung Norden, sowie auch mehrere Gardisten die Beine in die Hand nehmen um den Ort des Geschehens zu erreichen. Auch einige der Gäste machen sich auf, doch Borgil schüttelt nur knurrend den Kopf und Azra ist klar was er denkt. Zu viele Leute sind lediglich eine Behinderung, keine Hilfe mehr und Schaulustige sind schon gar nicht zu gebrauchen, geschweige denn zu irgendwas nütze.
Ein Funke von Angst lässt ihre Lippen immer noch zittern und ohne es selbst zu bemerken, hat sie einen Arm schützend vor ihren Leib gelegt, um das darin heran keimende Leben vor dem eigentlich völlig fernen Unheil zu schützen, bis ihr plötzlich etwas ganz anderes einfällt und ihre Züge entgleisen. „Morgana!“, haucht sie völlig entsetzt und ein dicker, fetter eiskalter Klumpen plumpst in ihren Magen, bei dem Gedanken an die Heilerin.
Ist es nicht ihre Kate, die sich dort oben befindet? Direkt neben dem Wehrturm, von wo aus der Rauch aufsteigt?
Plötzlich flattert ein völlig panisches Huhn an Azra vorbei und lässt sie zusammen zucken und sich umsehen. Überall stehen Leute, beobachten ängstlich und angespannt das Treiben, versuchen andere zu beruhigen oder aber tauschen sich martkweibartig darüber aus, was passiert sein könnte. Hin und wieder schnappt Azra aus dem Gewirr einige Sätze auf, doch nichts was sie hören möchte und nur noch enger schmiegt sie sich an Borgil und ihre vor Angst schwankende Stimme, ist kaum mehr als ein Lufthauch: „Bei allen Göttern.“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 26. Aug. 2005, 23:36 Uhr
Azra klebt an ihm wie festgeleimt und nachdem sich Borgils erster Schreck gelegt hat, legt er schützend den Arm um sie. "Na, na,  Schneemädel. Kopf hoch," murmelt er in ein Gespinst schneeweißen Haares und küsst ihre Stirn. "Morgana wird nichts passiert sein. Du warst doch gestern bei ihr und Maél in seinem Haus im Seeviertel? Und als du nach Hause gekommen bist, mein Herz, war es reichlich spät, sie wird kaum im strömenden Regen zur Kate gegangen sein und die Nacht in einem leeren, kalten Bett verbracht haben. Ihr ist bestimmt nichts geschehen. Komm... na komm. Sehen wir zu, dass wir als allererstes etwas zwischen die Zähne bekommen und dann höre ich mich ein wenig um. Die Stadtgarde macht das schon, wirst sehen." Seine Axt behält er trotzdem lieber am Gürtel... nur für alle Fälle.
Die Stadtgarde macht in der Tat und das nicht zu knapp. Kaum sind die Hörner nämlich verklungen, erscheint auch schon ein Trupp Blaumäntel samt Hundeführern und Hunden auf dem Marktplatz und räumt ihn entschlossen von allen Händlern, Bauern, Marktweibern und Hausierern, die gerade begonnen hatten, ihre Waren aufzubauen und sich an den Ständen häuslich einzurichten, als der Tumult am Nordtor losgebrochen war. Vareyar Höchstselbst führt das Kommando und nach dem Morgenmahl findet Borgil kurz Zeit, ein paar Worte mit dem Waffenmeister der Steinfaust zu wechseln und erfährt so näheres. Die Bauern und Händler mögen fluchen und wettern, es hilft ihnen nichts, sie werden freundlich, aber bestimmt zum Verder Tor hinauskomplimentiert und der Marktplatz bleibt auch den ganzen Vormittag über leer und geräumt, während die Blaumäntel auf allen Straßen patrouillieren und für Ordnung sorgen, die sich immer wieder zu kleinen Gruppen versammelnden Bürger beruhigen oder die Helfer oben am Nordtor beim Löschen der Brände und den  Aufräumarbeiten ablösen. Auch in der Harfe ist es ruhig, es sind nur wenige Gäste da und die Schankmaiden, Mägde und Knechte sitzen oder stehen allesamt in der Schankstube, ebenso wie Borgil und Azra. Natürlich drehen sich alle Gespräche nur um ein Thema und in der Harfe wird alles, was man von den Blaumänteln auf dem Marktplatz, die Borgil großzügig mit Essen und Malzbier aus seiner Küche bewirtet hat, wenn sie sich schon auf dem Markt die Beine in den Bauch stehen und mit aufgebrachten Bürgern und Händlern herumstreiten müssen, gehört hat, wiedergegeben. Heute Abend, wenn langsam wieder Ruhe in Talyra einkehren würde, würde es bestimmt anders aussehen... nach solchen Ereignissen zieht es doch immer wieder alle in die Gasthäuser, Weinschenken und Tavernen, um dort alle Gerüchte durchzuhecheln und sie großzügig mit Übertreibungen zu bepinseln.

Borgil für seinen Teil hat schon mehr als ein Feuer in Talyra erlebt... vor etwa siebzig Jahren waren zwei Drittel des Mogbarviertels in Rauch und Flammen aufgegangen, vor hundertfünfzig Jahren hatte es ein verheerendes Feuer im Nordwesten der Stadt gegeben, dem die meisten der alten Speicherhäuser dort zum Opfer gefallen waren, und vor gar noch nicht allzu langer Zeit war die Harfe selbst in die Luft geflogen, angekokelt von einer erkälteten Andariel Aeyolscaer, die ja unbedingt auf seinen Fässern mit Feuerwein und Feentau hatte Niesen müssen... den Göttern sei Dank, ist damals bis auf eine seiner Mägde niemand zu Schaden gekommen. Und es war ein Versehen gewesen, aber das hatte die Sache auch nicht besser gemacht. Wie auch immer, mein Keller und mein Gold haben es überlebt und hier bin ich, immer noch Harfenwirt, immer noch am Leben. Und verheiratet... ach apropos... Als Azra, die sich eben einen Becher Tee aus der Küche geholt und ihm einen Humpen heißen Met mitgebracht hatte - Feuer hin oder her, es ist ein lausig kalter Tag draußen, viel zu kühl für den Altweibersommer und mehr als herbstlich, wenn man ihn fragt (was aber keiner tut) – wieder zu ihm setzt, stupst er sie unter dem Tisch leicht mit dem großen Zeh an (er trägt momentan nur weiche Wollsocken). "Willst du mir nicht mal verraten," beginnt er im Plauderton, "was mit dir los ist?" Azra blinzelt ihn an, als hätte er sie verbotenerweise mit beiden Händen im Bonbonglas erwischt und er zuckt vage mit den Schultern, aber seine schwarzen Augen ruhen unverwandt auf ihr. "Naja, seit ein paar Tagen benimmst du dich ziemlich merkwürdig."
Ein gedehntes "Soo?" ist ihre vorläufig einzige Antwort, ehe sie ihr Näschen in ihrem Teebecher vergräbt.  "Hrmhm," knurrt Borgil und beginnt entschlossen seine Aufzählung: "Als erstes verlässt du in aller Götterfrühe mein Bett und rennst was weiß ich wo hin, dann kommst du mit verheulten Augen wieder und verrätst keinen Pieps, warum, wieso oder weshalb. Du hast geweint, streit es ja nicht ab, ich habe es genau gesehen! Dauernd tuschelst du mit Halla, möchte mal wissen, was es da zu schnattern gibt... Dann verlässt du klammheimlich die Harfe, ohne dich von mir zu verabschieden oder auch nur irgendjemandem zu sagen, wo du hingehst, wohlgemerkt  (soviel zu Hallas Künsten, eine glaubwürdige Ausrede zu erfinden, wenn Borgil sie dabei drohend ansieht) und du bleibst stundenlang verschwunden. Und als du dann doch irgendwann wiederkommst, nass bis auf die Knochen und bleich wie Gevatter Sithech, da sprichst du kein Wort mit mir, sondern starrst schweigend vor dich hin! Ganz zu schweigen davon, dass du mir die ganze Nacht lang die kalte Schulter zeigst. Und überhaupt, warum eigentlich läufst du seit Tagen in einem Kleid herum, das du nie hast leiden können?"


Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 27. Aug. 2005, 00:26 Uhr
Erschrocken zuckt sie zusammen, als etwas Weiches gegen ihr Bein stösst und beinahe lässt sie den Tee fallen, den sie gerade für sich selbst geholt hat, nebst einem Feuerwein für Borgil. Momentan ist sie schreckhaft wie ein Reh, was wohl grösstenteils an all der Aufregung liegen mag, die wie ein Bienenschwarm über Tayra hergefallen ist und sowohl die Normalbürger, als auch die Blaumäntel in Aufruhr versetzt hat. Die Stadtgarde versucht möglichst ruhig und ebenso erfolgreich den Marktplatz zu räumen, klatschende Fischverkaufsweiber in ihre Häuser zurück zu drängen, zu neugierige Passanten davon abzuhalten, sich dem noch stets kokelnden Brandherd zu nähern und so noch mehr Schwierigkeiten zu verursachen.
In der Harfe sitzen trotz aller Umstände schon wieder einige Gäste, die heftig gestikulierend über das Geschehene reden und palavern wie aufgeschreckte Raben, die nichts Besseres zu tun haben. Schon bald ist aus der explodierten Kate, ein grauenhaftes, blutiges Ereignis geworden, bei dem in jeder neuen Erzählrunde noch sicher eine weitere Leiche dazu kommt, die der Sprechende gekannt haben will und mit der Zeit verliert sich die Wahrheit in so dick gestrichenen Übertreibungen, dass es selbst einigen Lauschern zuviel wird, die dem Ganzen nur noch kopfschüttelnd folgen. Die Schankmaiden haben den ersten Schrecken überwunden, wenn auch sie es nicht lassen können hinter vorgehaltener Hand sämtliche möglichen Thesen für den Grund des Brandes durch zu tuscheln, nur um dann von Halla oder Borgil mit einem einzigen, ernsten Blick wieder an die Arbeit gescheucht zu werden.
Azra dagegen fühlt sich seltsam ausgelaugt – was kein Wunder ist, denn anstatt zu schlafen, hat sie sich von einer Seite auf die Andere gedreht und sich alle möglichen Anfänge für ihre Erklärung ausgedacht – und starrt mit trüben Blick auf den Dampf, der von ihrer Tasse aufsteigt, zusammen mit einem feinen Geruch nach Kamille und Kirsch.
Den ganzen gestrigen Abend hat sie damit verbracht, Borgils Blick so gut wie möglich auszuweichen, schuldbewusst die Finger ineinander zu verschlingen und schliesslich von einem kapitulierenden Zwergen zuerst in einen Zuber voll heissen Wassers und schliesslich ins Bett befördert zu werden, wobei sie genau weiss, dass ihre Schweigsamkeit ihn getroffen hat.
Doch ihre Zunge ist auch jetzt nicht fähig auch nur einen laut zu formen, um wenigstens einmal den Beginn eines Satzes anzudeuten und so klammert sie sich nur noch fester an ihrer Tasse fest, die Maserung des Holztisches mit träumerischem Blick musternd. Innerlich hofft sie, dass Borgil erstmal davon ablassen wird, sie erneut nach ihrem Gemütszustand und gewissen anderen Kleinigkeiten zu befragen, schliesslich herrscht genug Aufregung und Gesprächsstoff, auf dass er sich um andere Dinge kümmern könnte.
Doch wenn sie etwas in der Zeit, die sie bis jetzt schon in der Harfe an Borgils Seite verbracht hat, dann sind das die kleinen, jedoch äusserst wichtigen Tatsachen wie: Zwergen haben ein Gedächtnis wie ein Elefant, besitzen ein Herz aus Gold und können sturer sein als der schlimmste Esel auf ganz Roha. Und Borgil ist ein Prachtexemplar von einem Zwergen, was sich auch sogleich beweisst, als er sie vorsichtig mit dem Zeh anstubbst und sich nach den seltsamen Umständen und dem unerklärlichen Verhalten ihrerseits in der letzten Zeit erkundigt. Schnell beisst sie sich auf die Lippe und versinkt noch mehr hinter ihrer Tasse, als könne der heisse Tee sie vor einer Antwort bewahren, doch der scheint sich nicht im Geringsten für ihre Probleme zu interessieren und schweigt still vor sich hin, wie es sich normalerweise auch für ein Getränkt gehört. Azra dagegen schrumpft in sich zusammen, den Blick betreten gesenkt und sich wie eine Maus fühlend, die gerade gefragt wird, wo sie den Käse versteckt hat.

„Soo…“, antwortet sie mit monotoner Stimme und genau wissend, dass dieses Wort nicht den Effekt erzielen wird, den sie sich innerlich schwer wünscht, aber ob es klug ist, es ihm weiter zu verheimlichen, da ist sie sich auch nicht wirklich sicher. Sie kann seinen sanften, jedoch ebenso neugierigen Blick auf sich spüren und senkt den Kopf so weit, das ihre Haare wie ein weisser Nebelschleier vor ihr Gesicht fallen und dabei vergräbt sie die Nase beinahe im Tee.
Das Knurren von Borgil, das darauf folgt, lässt sämtliche Alarmglocken erneut aufklingeln und irgendwie ist sie sich sicher, dass jetzt die Stunde der Wahrheit für sie geschlagen hat. Mit sicherer Stimme beginnt ihr Gatte seine Aufzählung, beginnt bei ihrem, für einen Mann der noch nie eine schwangere Frau an seiner Seite gehabt hat, seltsamen Verhalten die letzten Monde durch, fährt fort zu dem gestrigen Morgen, der auch für Azra aus allen Fugen gefallen ist, spricht über ihre Schweigsamkeit, ihr plötzliches Verschwinden und das ebenso klammheimliche Auftauchen gestern Abend in später Stunde und vom Regen wieder beinahe bis auf die Knochen durchnässt. Wieder keimen Schuldgefühle in ihr auf, pieksen sie fies in die Seite und drängen sie dazu, doch endlich den Mund aufzumachen, da es sonst nur noch schlimmer wird. Als er jedoch plötzlich auf ihr Kleid zu sprechen kommt, möchte sie am liebsten in ein kleines Wölkchen Rauch verpuffen und den Wolken dort hoch am grauen Himmel Gesellschaft leisten.
Gedankenverloren streicht sie über den Stoff des Rockes, klappt ein zweimal den Mund auf und wieder zu, und meint schliesslich leise nuschelnd: „Weil mir die anderen Kleider nicht mehr passen…“ Verwunderung zeigt sich auf Borgils Gesicht und seine Brauen kriechen wie Rauben beinahe bis in die Hälfte seines narbigen Schädels und Azra rutscht unruhig auf ihrem Stuhl umher, überall etwas wahrnehmend, was plötzlich von grossem Interesse sein könnte.
Doch ausser einigen Gästen, die sich gerade lauthals diskutierend, aus dem Schankraum entfernen, gibt es nichts in der Goldenen Harfe, das sie nicht schon kennt. Jeder Winkel, jede Ecke, jede Unebenheit ist ihr bekannt, jeder Tisch und jeder Stuhl hat seinen Platz und wenn man sie danach fragen würde, könnte sie sogar aus dem Gedächtnis erzählen, wie viele grobe Querverstrebungen den Fussboden des ersten Stockes halten, doch jetzt ist alles, auf was sie sich fixieren kann, Borgils fragender Blick.
Mit einem leisen Seufzen beugt sie sich schliesslich ihrem Schicksal, wagt es gar aufzusehen und setzt schliesslich mit zaghafter Stimme zu einer Erklärung an: „Gestern… Gestern Morgen hat mir mein Kleid nicht mehr gepasst, daher bin ich zu Halla, um sie zu bitten, es mir zu vergrössern, ja genau“, bestätigt sie sich noch selbst und fährt dann fort, sich fahrig mit einer Hand durch die Locken fahrend: „Ich wusste auch nicht, was mit mir los was in den letzten Monden, aber ich wollte dich damit nicht beunruhigen, ich meine, jeder hat mal eine Zeit, in der er sich nicht so wohl fühlt.“ Als ob diese Erklärung reichen würde, hebt sie mit einem Lächeln die Hände, dass jedoch ebenso schnell wieder verschwunden ist: „Halla meinte schliesslich, ich solle einen Heiler aufsuchen weil sie glaubte… sie…“ Warum es ihr immer noch so schwer fällt, das Wort auszusprechen, weiss sie nicht, schliesslich hat Morgana es bestätigt und ihr auch viele Dinge erklärt, damit sie nicht so dermassen beunruhigt ist. <<Es wird alles gut, ich werde schon wissen, was ich zu tun habe, das ist die natürliche Gabe einer Mutter… werdenden Mutter und für alles andere habe ich auch Halla und Grid.>>
Bei dem Gedanken an die beiden Frauen, die beide sehr gut im Umgang mit Kindern bewandert zu sein scheinen, klopft ihr Herz wieder deutlich stärker und sicherer und mit einem standhaften, sanften Lächeln, Borgils Blick mit ihren beinahe weissen Augen einfangend, wispert sie schliesslich: „Ich war bei Morgana und sie meinte… sie sagt ich bin im fünften Mond schwanger.“ Das sie ihre schlanken Finger an der heissen Tasse verbrennt, fällt ihr bei dem, was sie eben gerade in das laute Diskutieren und Reden der Gäste hinaus gesprochen hat, überhaupt nicht auf und mit grossen, hellen Augen blickt sie Borgil an.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 27. Aug. 2005, 10:21 Uhr
Azra sitzt wie ein Häufchen Elend vor ihm, das personifizierte schlechte Gewissen, aber irgendwann rückt sie dann doch mit der Sprache heraus. >Gestern… Gestern Morgen hat mir mein Kleid nicht mehr gepasst, daher bin ich zu Halla, um sie zu bitten, es mir zu vergrössern, ja genau< "Hmpf!" Schnaubt er und hätte eine Menge darüber zu sagen gehabt, dass sie sich als seine Frau schließlich jedes Kleid jedes Schneidermeisters dieser ganzen verdammten Stadt kaufen könnte... ihm fällt gerade noch rechtzeitig ein, dass Azra selbst das vermutlich gar nicht klar ist. Sie ist noch nie zu ihm gekommen und hatte nach Geld für sich selbst gefragt, für all diesen Schnickschnack, mit dem andere Frauen sich so gern umgeben, Seidenstrümpfe, Kleider, Schmuck, Haarspangen, Duftöle und weiß Sil allein was noch alles. Dabei wäre das ihr gutes Recht, herrje... Siedendheiß fällt ihm ein, dass er möglicherweise vergessen hatte, der armen Azra ein oder zwei wichtige Dinge, was ihr Eheleben betrifft, zu sagen: erstens, dass er mehr Gold und Silber besitzt, als sie in ihrem ganzen Leben würde ausgeben können, selbst wenn sie jeden Markt Talyras leer kaufen sollte, und zweitens, dass sie genau das gerne tun kann. Jetzt ist es an ihm, unruhig hin und herzurutschen, aber er hat noch nicht einmal den Mund aufgeklappt, um ihr zu sagen, sie solle sich doch einfach neue Kleider bei Madame Pileh oder dem alten Dornenbeutel nähen lassen, als Azra händeringend fortfährt. >Halla meinte schließlich, ich solle einen Heiler aufsuchen weil sie glaubte… sie…<
"Ah, Halla! Schon wieder Halla!" Brummt er missmutig und klingt dabei ganz und gar eifersüchtig. "Und, warum hat dich Halla wegen einem neuen Kleid zu einem Heiler und nicht zu einem Schneider geschickt, eh? Soll sie doch froh sein, wenn du endlich mal ein wenig Fleisch auf die Rippen bekommst!" Seit Azras schwerer Verwundung nach ihrem Abenteuer mit dieser vermaledeiten Schellentänzerin, hatten sie sie in der Harfe alle gepäppelt. Die Köchin hatte ihr die kräftigsten Suppen, die süßesten Mehlspeisen, die saftigsten Eintöpfe, das schönste Fleisch gegeben... aber erst, seit sie im Frühling seine Frau geworden war, hatte es auch Wirkung gezeigt, und in den letzten Wochen hatte Azra sogar so etwas wie eine Figur entwickelt. Schlank und zierlich würde sie vermutlich immer bleiben, aber sie hatte sich gestreckt, gerundet und war sehr viel fraulicher geworden. Und da war ein Paar Rundungen dazugekommen, das hat er beim besten Willen nicht übersehen können, im Gegenteil. Die Mägde hatten gutmütigen Spott hageln lassen, von wegen die Ehe und das gute Essen bekämen ihr, und Azra schien sich alles andere als unwohl in ihrer veränderten Haut zu fühlen... von ihm ganz zu schweigen.

"Also mir gefällt es, dass du so... hm, schön rund geworden bist in letzter Zeit," schnappt er, als Azra immer noch nach Worten sucht und einfach keine zu finden scheint.  "Kannst du mir jetzt vielleicht sagen, was das alles mit dem zu tun hat, womit du mich angeblich nicht beunruhigen willst?"
Azra hebt den Blick und der Ausdruck auf ihrem Gesicht verändert sich dabei so schlagartig und so völlig, dass Borgil nur verwirrt blinzeln kann. Eben noch ein hin- und hergerissenes Bündel nervöser Unsicherheit, strahlt sie ihn plötzlich an wie schönster Aurthasonnenschein und klingt ganz und gar ergriffen, als sie flüstert: >Ich war bei Morgana und sie meinte… sie sagt ich bin im fünften Mond schwanger.<
"Ha! Wusste ich doch, dass du mir was verheimlichst! Ich wusste es! Von wegen jeder hat mal eine Zeit, in der er sich nicht so wohl fühlt! Schwanger! Schwanger, da bitte! Deswegen hast du mit Halla die ganze Zeit so getu..." Borgils triumphierend lospolternder Redeschwall bricht so abrupt ab, als habe ihm jemand die Worte mit dem Messer abgeschnitten. ...ich bin im fünften Mond schwanger... "Moment mal," krächzt er und seine Augen werden groß wie Untertassen, während die dichten, glänzend roten Brauen sich erst drohend zusammenziehen und dann ungläubig in die Höhe schießen. Sein sonst so warmer, tiefer Zwergenbass hat sich irgendwie von einem Herzschlag auf den anderen in das letzte Krächzen einer strangulierten Krähe verwandelt -  und sein Hals fühlt sich auch in etwa so zugeschnürt an.  "Ha...st... du gerade... Schwanger?!" Echot er und klingt dabei so verdattert wie ein begriffsstutziger Vollidiot. "A-aber. D-dadas... Moment mal. Moment mal." Auf seinem Gesicht streiten sich gerade Unglauben, heillose Verwirrung, schockartige Verblüffung und ein ganz und gar belämmertes Grinsen, mit einem Wort: seine Miene entgleist völlig. Und das will bei Borgil etwas heißen. Dann kippt er um, genauer gesagt: er rutscht vom Stuhl und landet auf dem Allerwertesten, wo er immer noch völlig entgeistert vor sich hinstarrt. Für einen dreihundert Pfund schweren Zwergen, der nur aus steinharten Knochen und Muskeln besteht, tut er das recht anmutig, aber da sitzt er nun und stiert auf Azras Knie, während er sich langsam wie ein Volltrunkener an die Brust fasst und noch einmal und in etwa so fassungslos, wie ein Mann, der einen Pfeil in seiner Brust kommentiert, der ihn da gerade aus dem Nichts erschossen hat, wiederholt: "Schwanger..." Dann endlich dämmert ihm die Bedeutung ihrer Worte und die Erkenntnis lässt sich doch noch dazu herab, auch Borgil zu treffen. "Schwanger!" Er schießt in die Höhe, fährt sich zittrig über den kahlrasierten Schädel, starrt auf Azra hinunter und zerrt sie vom Stuhl. Dann mustert er sie so eingehend und erschüttert, als hätte er sie noch nie gesehen. "Heiliges Schmiedefeuer!" Kaum sind ihm die Worte entfleucht, kommt plötzlich Leben in ihn und er drückt Azra hastig in den Stuhl zurück.

"Setz dich wieder! Du solltest bestimmt nicht stehen. Schwanger... du meine Güte... du lieber Himmel... du heiliger Schmiedehammer... bei allen Göttern... und ihren Archonen, ach du liebes Lieschen... ich meine, ich... oh! Hast du Schmerzen? Geht es dir gut? Brauchst du irgendetwas? Solltest du dich vielleicht hinlegen? Du solltest überhaupt nicht hier sein. In der Schankstube. Meine ich.  Ich meine... oh, du glühende Esse! Solltest du vielleicht ins Bett? Kannst du aufstehen? Soll ich dich tragen! Halla, Grid, Lynna, Bridie, Nera, Silf, Pippa! Steht nicht da herum wie die Ölgötzen, kommt her! Tut etwas! Meine Frau ist schwanger! Holt Morgana. Tian Shi. Beide. Und Niniane am besten auch noch... ach, vergesst es wieder!" Borgil Blutaxt! Jetzt reiß dich gefälligst zusammen und benimm dich nicht wie der größte Volltrottel, der herumläuft! Das Kind kommt frühestens im... ja, wann eigentlich? Er rechnet hastig nach. Fünfter Monat... sechs, sieben, acht, neun... Langschnee. "Langschnee!" Krächzt er und dann schafft er es gerade noch zurück auf seinen Stuhl, ehe seine Beine, plötzlich weich wie Sülze, einfach unter ihm nachgeben. Das ganz und gar närrische Grinsen liegt immer noch auf seinem Gesicht und er starrt Azra an, als habe sich seine Frau von einem Moment auf die andere in eine leibhaftige Seharim verwandelt. Seine Reaktion mag auf den ersten Blick vielleicht übertrieben wirken, aber zu seiner Entschuldigung sei gesagt, dass er ein Zwerg ist. Zwerge wachsen aus Stein und aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen, wachsen in den heiligen Gärten tief unter den Wurzeln der Berge nur Zwergenmänner... es gibt keine Frauen und so zeugen sie auch keine Nachkommen mit Ihresgleichen, obschon sie durchaus in der Lage sind, mit Frauen anderer Völker Kinder zu haben... was jedoch sehr selten vorkommt. Und mit eine Elbin oder Halbelbin gar... Borgil kann sich nicht daran erinnern, jemals von einem Wesen, halb Elb, halb Zwerg gehört zu haben... für jemanden, der also Zeit seines ziemlich langen - kommt er nicht durch Gewalt zu Tode - Lebens höchstens darauf hoffen darf, ein paar Steingartenvettern und Brüder seine Familie nennen zu dürfen, ist die Nachricht von einem eigenen Kind schon ein ziemliches Ereignis. Vergessen ist jedes Feuer und der ganze Tumult in der Stadt, vergessen sind die Harfe, die Gäste, die Schankmaiden, vergessen ist alles andere. Borgil kann sein Schneemädel nur noch verzückt anstarren und versuchen, den Gedanken zu fassen, dass er tatsächlich Vater werden soll.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 27. Aug. 2005, 14:08 Uhr
Spät ist es geworden, mal wieder. Tiuri ist irgendwann spät nachts aus dem Hafenviertel in die Harfe zurückgekehrt und dort müde in sein Bett gefallen. Im einschlafen hat er noch das Morgengebet der elenden azurianischen Händler verflucht, das ihn jeden Morgen in der letzten Zeit aus dem Bett geholt hat.
Diesen Morgen kommt es aber nicht einmal dazu, ein ohrenbetäubender Krach lässt ihn senkrecht aus dem Bett schießen. Erschrocken sieht er sich um, wartet darauf das was passiert, aber es ist still, die ganze Stadt scheint den Atem angehalten zu haben. Doch dann gehen die Alarmglocken los, die Hörner der Steinfaust tönen über die Stadt und alle springen aus den Betten auf die Straße um nachzusehen was passiert ist.
Für Tiuri auf jeden Fall klingt es so, als hätte sich jemand einen Stock tiefer unvorsichtiger Weise mit Loas Öl gespielt, wäre das aber der Fall gewesen, wäre die Harfe wohl einen Stock tiefer gelegt worden.
Er springt also, erstaunlich munter aus dem Bett, in seine Kleidung hinein, die Stufen hinunter, wobei er die letzten schon im Sprung überwindet und tritt mit den restlichen Angestellten der Harfe gleichzeitig auf den Marktplatz hinaus. Dort erstarren sie alle in ihren Bewegungen, ein Elb sogar genau vor der Türe und starren auf eine breite schwarze Rauchsäule die irgendwo beim Nordtor aufsteigt und sich wie eine Wolke voller Unheil am Himmel absetzt.
„Feuer, Feuer!“
Die Leute auf dem Marktplatz rufen durcheinander, aber dieses eine Wort hallt in seinem Kopf immer und immer wieder. Der Geruch von verbrannten Häusern steigt ihm in die Nase und hindert ihn daran sich auch nur einen Schritt weiter zu bewegen. Während die eine Hälfte der Leute in Richtung Norden strömt um dort hilfreich die Hände anzubieten oder einfach ihre Neugierde zu stillen, geht ein anderer Teil zurück in die Häuser, aus angst, oder weil sie ohnehin nichts ausrichten können.
Aber Tiuri bleibt einfach stehen und starrt auf den Rauch am Himmel ohne ihn wirklich zu sehen. Vor seinem Blick flackern ganz andere Bilder, er sieht keinen von den Leuten die vor ihm auf und ab schwirren. Erst als jemand beinahe direkt in ihn hinein läuft und ihn fast umstößt kommt er wieder zu sich und folgt den anderen zurück in die Harfe.

Den ganzen Vormittag, den Tiuri wie ein Geist durchwandelt, bleibt er bei den anderen in der Schankstube. Es sind kaum Gäste da, er braucht also nicht mit anzupacken oder sonst irgendetwas zu tun, nur im Weg soll er auch nicht stehen, etwas das er an diesem Vormittag aber bis zur Perfektion treibt. Ständig muss ihn jemand zur Seite schieben, bis Grid ihn schließlich auf einen Stuhl nieder drückt und ihm sagt er soll lieber sitzen bleiben. Tiuri gehorcht ihr, Widerworte kommen ihm gar nicht in den Sinn, seine Gedanken sind sowieso viel weiter fort. Er hat den Kopf auf die Hände gestützt, die Finger in seinem wirren Haarschopf vergraben und starrt auf die Tischplatte vor sich. Erst Borgils aufgebrachter Ruf nach seinen Schankmaiden lässt ihn auf sehen.
>Halla, Grid, Lynna, Bridie, Nera, Silf, Pippa! Steht nicht da herum wie die Ölgötzen, kommt her! Tut etwas! Meine Frau ist schwanger! Holt Morgana. Tian Shi. Beide. Und Niniane am besten auch noch... ach, vergesst es wieder!<
Weder eine der angesprochenen, noch er rühren sich, sondern starren sich gegenseitig mit großen Kuhaugen an. Halla hat es wohl schon gewusst, aber die anderen haben wohl bemerkt, dass Azra in der letzten Zeit ein wenig fülliger geworden ist, aber einen kugelrunden Babybauch hat sie ja noch wirklich nicht. Borgil sieht aus als wäre es das größte Wunder Rohas, dass seine Frau ein Kind erwartet und Tiuri muss in sich hinein grinsen. Er freut sich für Borgil, den er so gerne hat als wäre er ein Mitglied seiner nicht vorhandenen Familie, aber die Gelegenheit den Zwerg so aufgebracht zu sehen und nach drei Heilern gleichzeitig zu rufen, passiert wohl nicht alle Tage. Zum Glück muss ihm das keiner ausreden, Borgil kommt selber, auch recht flott, zur Besinnung, dass nicht jede schwangere Frau von mindestens drei Heilern rund um die Uhr begleitet werden kann.
Er sieht zu wie Borgil, völlig benommen, auf seinen Stuhl zurück krabbelt und von dieser Position aus sein heiß geliebtes Schneemädel anhimmelt.
Lächelnd, aber nicht boshaft, schüttelt Tiuri leicht den Kopf und überlegt wie viele kleine Ausgaben von ihm selbst irgendwo zwischen Sûrmera und Talyra schon herum laufen. Dabei fällt ihm die Inarinacht wieder ein und sein Lächeln verbreitert sich automatisch. Er hat nicht oft, aber doch immer wieder an die Fremde von damals gedacht in der letzten Zeit, aber jedes Mal war ein kleiner Schwall Sehnsucht hinterdrein gekommen. Er hatte sich im letzten Monat mit einer Prostituierten aus dem Hafenviertel angefreundet, wobei diese Freundschaft hauptsächlich viel Austausch von Gerüchten und körperliche Betätigung inkludiert, das fehlt ihm nicht, aber trotzdem muss er sich gelegentlich eingestehen, dass er Aysha gerne wieder getroffen hätte.

Er schiebt den Gedanken von sich und stellt sich stattdessen eine spitzohrige Miniaturausgabe von Borgil vor. Er kann den narbigen Kahlkopf und den Bart nicht aus diesem Bild verdrängen, dafür färbt er ihn weiß und dann muss Tiuri wirklich von einem zum anderen Ohr grinsen. Ein solches Kind ist den beiden wirklich nicht zu wünschen.
„So hab ich Borgil ja noch nie gesehen!“ sagt er zu Grid, die neben ihm halt gemacht hat und die lächelt, irgendwo zwischen völlig gerührt und verständnisvoll. >Du musst Borgil verstehen, weißt du denn wie das mit den Zwergenkindern ist?< Fragt sie und wischt sich mit einem bestickten Taschentuch über die Augen, während sie den Mund öffnet und zu einer Erklärung ansetzt.
„Danke, aber die Bienchen und Blümchen – Geschichte kenn ich schon!“ sagt Tiuri und hebt abwehrend die Hände um Grid zum Schweigen zu bringen. Diese wird rot und lacht ihn dann aus um ihre eigene Befangenheit zu überspielen. Schließlich erklärt sie ihm, dass sie das ja wohl nicht gemeint hat, sondern gefragt hat ob er weiß, dass Zwerge aus Stein wachsen und nicht in den Bäuchen von Zwergenfrauen, dass es ja nicht einmal Zwergenfrauen gibt und dass das Vater werden für einen Zwergen also etwas absolut ungewöhnliches ist, besonders wenn seine Frau Elbenblut in den Adern trägt. Bei diesen Worten schießt Tiuri wieder das Bild des winzigen, weißbärtigen, spitzohrigen Borgil in den Kopf, der am Boden der Harfe mit zwei kleinen Äxten spielt und er nickt lachend.
Währenddessen hat irgendjemand Met und Wein heran getragen und jedem einen Becher in die Hand gedrückt, auf dieses freudige Ereignis muss ja wohl angestoßen werden.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 28. Aug. 2005, 04:30 Uhr
"Ha! Wusste ich doch, dass du mir was verheimlichst! Ich wusste es! Von wegen jeder hat mal eine Zeit, in der er sich nicht so wohl fühlt! Schwanger! Schwanger, da bitte! Deswegen hast du mit Halla die ganze Zeit so getu..." Völlig verdattert ist Azra zurück gewichen und hat die Augen so weit aufgerissen, das sie locker die Grösse von Tomaten erreichen, als Borgil gewinnsicher grinsend losredet wie ein Wasserfall, nur um dann ebenso abrupt abzubrechen und ihr ist es, als könne sie regelrecht zusehen wie der Groschen aus einem hinteren Teil seines Verständnisses quälend langsam in sein Bewusstsein schlingert, bis er, scheinbar immer noch versuchend den Inhalt ihrer Worte zu erfassen, krächzt: "Moment mal". Und sie wartet wirklich, das Gesicht in grenzenloser Erwartung verzogen und die Nägel in dem harten Holz ihres Stuhls vergrabend. Es arbeitet in Borgils Miene, sie verfolgt angespannt wie eine Drehschraube, wie seine Augenbrauen in die Höhe schiessen, seine Augen grösser und grösser werden und sein Mund auf und zuklappt, als wäre er ein Fisch an Land. "Ha...st... du gerade... Schwanger?!", wiederholt er dermassen ungläubig, dass es Azra schwer fällt ihn weiter gespannt anzusehen, ohne noch einmal heftig zu nicken, in Bekräftigungen auszufallen oder ständig zu wiederholen was sie gesagt hat und so kommt schliesslich nur ein ganz leises: „Ja, ich bin schwanger“, aus ihrem Mund.  Doch anstatt das es ihren Gatten beruhigt, treibt es ihn nur noch mehr in konfuse Verblüffung und er sieht sie an, als würde sie sich vor seinen Augen in eine Kröte verwandeln… oder halt eben in eine Frau, die nicht mehr einfach nur noch eine Frau, sondern eben eine schwangere Frau ist, was für manche Männer wohl das grösste und verblüffendste Wunder auf ganz Roha darstellt.
Seine Mundwinkel zucken wie Schlangenschwanzspitzen auf und ab, sich scheinbar auf jeder Seite nicht einige, ob oben oder unten nun die besser Wahl ist, bis sie schliesslich erlahmen und Borgils Kopf aus ihrem Sichtfeld rutscht.
Es gibt ein lautes „RUMS“, die Dielen und Wände der Goldenen Harfe erzittern ehrfürchtig unter dem Gewicht ihres Besitzers und schlagartige Stille breitet sich im Schankraum aus. Azra ist dermassen überrascht von Borgils plötzlichem Sitzplatzwechsel, dass sie im ersten Moment auf den leeren Platz stiert und ihr Blick erst danach wie in Zeitlupe über das derb gezimmerte Holz des Stuhls eine Lage weiter hinunter wandert, nur um danach endlich zu begreifen, was hier gerade – und es ist KEIN Traum – vor ihrem leibhaftigen Auge geschehen ist. Das Borgil Blutaxt von N'arkam Dror, Bezwinger von Riesen und Trollen, Meisterschnitter der Fünften Tiefe, Wirt der Harfe, sagenhaft reicher Besitzer halb Talyras, Abenteurer, Freund von Elben und Zauberern und Mitglied des Stadtrates vor ihr auf dem Boden auf seinem Allerwertesten sitzt wie ein völlig betrunkener Magister, dem man gerade erklärt hätte, die Welt wäre ein Quader und auf ihre Knie starrt und somit gerade mehr Einblick hat, als es jemandem erlaubt wäre, denn Azras nervöse Finger haben den Saum des Kleides beinahe über die Knie hinweg hochgezogen.
Ihr Gatte jedoch scheint dermassen damit beschäftigt, mit einem Hammer in seinen Kopf zu schlagen, dass sie wirklich, bei allen Götter, wirklich und wahrhaftig – Sogar ohne das irgendwelche Zaubermittelchen im Spiel sind – schwanger ist, dass es ihm nicht einfällt wie Azra plötzlich knallrosa (Rot kann sie bei ihrer schneeweissen Haut kaum werden) die Beine zusammen schlägt und langsam sickert auch in ihren Verstand, dass die Aufmerksamkeit sämtlicher Schankmaiden, Stallburschen, Knechte und übrig gebliebenen Gäste an ihnen haftet wie Honig.

Aus den Gesichtern spricht masslose Verwunderung, Verblüffung und manch einer kann wirklich nicht fassen, dass er je einen Zwergen erblicken würde, den es doch prompt aus den Socken gehauen, oder halt eben vom Stuhl gewischt hat und jeder im Raum ist sich klar darüber, dass sie solch ein einzigartiges Schauspiel wohl nie mehr in ihrem ganzen kurzen oder langen Leben miterleben dürfen. Auch Azra kann es einfach nicht glauben, fasst sich jedoch nach mehreren Moment so weit, dass ihr klar wird, das er sich verletzt – bei so einem Aufprall verletzt heisst in Borgils bestem Fall, er hat sich ein paar weitere, hellblaue Flecken zugezogen – haben kann und will auch schon aufspringen, als er ihr zuvorkommt, erneut ein heiseres: „Schwanger!“, ausstossend und scheinbar erst jetzt verstehend, was das Wort in dieser Sprache für eine schwerwiegende Bedeutung trägt.
Im nächsten Moment fühlt sich Azra von Borgils grossen, schwielenbedeckten Händen an den Schultern ergriffen und ruckartig in die Höhe gezogen. Gut das er sie ohne Mühe in der Luft halten kann, denn so schnell können ihre Beine gar nicht reagieren und sinken unter ihr wie Pudding in sich zusammen. Sogleich vergraben sich ihre spitzen Fingernägel in seinen Arm, krallen sich daran fest, was jedoch den gleichen Effekt erzielt, als wenn sie Stein ankratzen würden und ihre Züge ringen derart um Fassung, dass sie die Luft heftig ein und aus stösst. Gerade noch etwas von einem heiligen Schmiedefeuer hörend, sieht sie sich auch schon wieder auf den Stuhl zurückgedrückt und Borgil legt einen Wortschall zu Tage, wie sie es selbst noch nie in den mehr als eineinhalb Sonnenläufen, die sie jetzt schon in der Harfe wohnt, erlebt hat. Eine Frage nach der anderen prallt auf sie nieder, so dicht gefolgt von der nächsten das Azra noch nicht mal den Gedanken für eine Antwort fassen kann, geschweige denn nach Luft schnappen, um sie auch auszusprechen. In dem verzweifelten Versucht Borgil inne halten zu lassen, hebt sie die Hände, deutet in vagen Gesten an, dass er sich beruhigen soll, doch erst als ihr Blick hilfesuchend auf Halla fällt, die von einem Ohrläppchen zum Anderen grinst und so zufrieden und glücklich aussieht, als wäre Borgils Verhalten kein Anzeichen für vermeintliche Halluzinationen und eine deftige Überreaktion und alles stattdessen vollkommen in Butter ist, erst da macht Azra’s Herz einen so heftigen Sprung, bis zu ihrem Hals hinauf, dass es sogar in ihren, von Sorge und Verwirrung vernebelten Ohren klingelt. Borgil zetert und wettert nach Morgana, TianShi und Niniane gleichzeitig, hält das Personal jedoch sogleich davon ab, überhaupt auch nur einen Schritt zu tun und scheint erst jetzt zum ersten Mal wieder nach Luft zu schnappen, denn sein Gesicht ist so kirschrot angelaufen, wie der Stoff von Grids Kleid, dass die fülligere Schankmaid heute trägt und seine feuerroten Brauen hängen weit oben, als wollen sie aus seiner Stirne flüchten. Hinter der Stirn kann sie die Zahnräder wie Brummkreisel rotieren sehen, bis er:“Langschnee!“, keucht und dann auf seinen Stuhl zurücksinkt, der ein jammerndes Ächzen von sich gibt, dann jedoch knarrend seinem Schicksal entgegentritt und sich sogar äusserst tapfer hält.
Auf Borgils Lippen, die von Azras so heiss und innig geliebt werden, liegt ein Grinsen, schlimmer als wenn er einem Narge mit seiner Axt den Schädel gespalten hat und irgendwie weiss Azra nicht, ob sie nicken, einfach den Mund halten oder ihm um den Hals springen soll, bei genauerer Betrachtung scheint ihr alles irgendwie falsch. Die Lippen fest zusammen gepresst, starrt sie Borgil skeptisch und mit hochgezogener Augenbraue an, beinahe erwartend, dass er sogleich wieder aufspringt und erst einmal wie eine Heuschrecke auf dem Marktplatz herumhüpft und jedem, der in seine Finger gerät, die freudige Nachricht erzählt. Doch es bleibt wirklich still, totenstill, keiner wagt irgendwas zu sagen, bis schliesslich eine der Schankmaiden sich getraut, leise aufzulachen und es dauert keine Sekunde, bis die Balken der Schenke sich unter dem teilweise frohem, teilweise auch spöttischem Gelächter der Gäste und Arbeiter biegen.

Der Blutelbenmischling hat jedoch damit zu tun, unter dem verliebten Blinzeln ihres Gatten über den Tisch hinweg, nicht doch noch jegliche Naturgesetze über den Haufen zu werfen und ein himmlisches und sattes Rot anzunehmen und ringt die Hände, bis schliesslich von allen Seiten lauthals Glückwünsche und Gratulationen erklingen und sogar der dicke rote Kater, der sonst immer auf Hundejagd ist, lässt sich dazu hernieder von dem Metfass runter zu kriechen, auf dem er sich sonst immer breitflächig hingefläzt hat, und nun mit einem tiefen Brummen um die Tischbeine herum zu streunen, die listigen, blauen Augen fest auf die Ratte gerichtet, die es gerade wagt ihre Nase aus ihrem Lock zu stecken. Halla bringt samt Glückwünschen auch gleich einen Pott Dunkelbier für Borgil und einen weiteren Tee für Azra, den Zwergen neckend darauf aufmerksam machend, dass seine Frau nur schwanger und nicht todkrank sei und ein Heiler wohl erst in vier Monden notwendig sei, doch vielleicht bräuchte er ja einen.
Azra spürt ihr Herz fest gegen ihre Brust hämmern und kann sich doch eines Kicherns nicht verwehren, sich der ganzen Szene, die ihr Gatte ihr da bühnenreif präsentiert hat, erst jetzt richtig bewusst werdend. Zaghaft beginnt sich ihr Mund zu einem Lächeln und schliesslich zu einem scheuen Grinsen zu formen, bis schliesslich aus ihrem Bauch heraus ein ungebändigtes Kichern heraufsteigt, dass sie bei allem was ihr heilig ist, nicht unterdrücken kann und gleich darauf gackernd wie ein Huhn am Tisch sitzt, sich mit einer Hand am Stuhl festkrallt und sich mit der anderen die Lachtränen aus den Augenwinkeln wischt. Der Met geht plötzlich aufs Haus, die wenigen anwesenden Gästen freuen sich und versuchen noch stets ihre erhitzten und amüsierten Gemüter zu beruhigen.
Derweil keucht auch Azra immer noch leise lachend nach Luft, erhebt sich schliesslich, Borgils besorgten Blick mit einem beruhigenden Kopfschütteln quittierend und setzt sich, wie sie es oft tut, wenn sie mal mehr als zwei Herzschläge dafür Zeit haben, auf seinen Schoss und schmiegt sich an ihn. Seine Reaktion auf ihre Schwangerschaft hat ihr auch noch die letzten Ängste genommen, dass ein Kind zu kriegen etwas Schlimmes sein könnte und nun spürt sie ein solch sanftes und doch so wildes und übermässiges Glücksgefühl in sich aufsteigen, dass es sie reizt vor Freude taumelnd durch den Schankraum zu tanzen, zusammen mit ihrem Borgil. <<Unser Kind>>, denkt sie leise für sich und drückt ihm einen zärtlichen Kuss auf die vernarbte Stirn, einen Arm um seinen Nacken schlingend und mit der anderen Hand die Seinige ergreifend, die sie zärtlich auf ihr kleines Bäuchlein legt: „Unser Kind!“, flüstert sie ihm ins Ohr und diesmal sind es Tränen der puren ungestümen Freude, die über ihre Wangen laufen und dann ist auch nur noch wichtig, wo um Himmels Willen sein verheissungsvoller Mund zu finden ist.
Der Kuss vernebelt ihre Sinne, lässt sie alles um sie herum vergessen, das Feuer, Morgana, die letzten Monde, Tage, Stunden, Minuten, die Leute um sie herum und sie lässt erst wieder von ihm ab, als sie beide heftig nach Atem keuchen. Ihre Finger tasten über jeden Millimeter seines Gesichtes, zeichnen seine Züge nach und verlieren sich schliesslich in dem feuerroten Bart, der schlussendlich doch noch sauber gewaschen, gebürstet und geflochten worden ist. Am liebsten möchte sie ihn jetzt zurück in ihr Bett zerren, ihn küssen, ihn liebkosen, ihn lieben bis zur Besinnungslosigkeit und als sie stumm in seine schwarzen, viel versprechenden Augen blickt, brennt jegliche Vernunft in ihr ab und ohne ein Wort zu sagen erhebt sie sich und zieht Borgil – Zu ihrem Glück ist zu sagen, dass er sich überhaupt nicht dagegen wehrt – hinter sich her zurück in ihr Zimmer, wo die Laken und Decken auf dem Bett von der unruhigen Nacht noch stets so zerwühlt daliegen, wie sie es am Morgen verlassen haben und was vielleicht auch noch ganz gut so ist... Spätestens jetzt wäre die Unnützigkeit der Ordnung zu Tage getreten, als sowohl Azra, wie auch Borgil in die Kissen fallen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 01. Sept. 2005, 17:56 Uhr
In der Harfe herrscht trunkene Ausgelassenheit, mag Talyra niederbrennen soviel es will, niemand scheint sich nach diesen Neuigkeiten auch nur noch ansatzweise für das Feuer am Nordtor zu interessieren. Draußen treibt ein kühler Ostwind goldenes Birkenlaub - der Herbst scheint es eilig zu haben dieses Jahr - über den Marktplatz, drinnen feiert man Borgil und Azra und den zu erwartenden Nachwuchs frenetisch und mit Freibier, was erheblich zur guten Stimmung beiträgt. Die Harfe ist nicht sonderlich gut besucht, die Salzhändler sind natürlich da und schmauchen grinsend ihre gluckernden, wohlriechenden Wasserpfeifen (und halten sich ansonsten an Tee) und vielleicht ein Dutzend sonstiger Gäste sitzt in der Wirtsstube beisammen, aber das hält das Gesinde nicht davon ab, lautstark auf ihre Herrin und Meister Borgil anzustoßen und die Gunst der Stunde und die unerwartete freie Zeit zu einer improvisierten Feier zu nutzen. Borgil dagegen folgt Azra wie ein Schlafwandler in ihre Gemächer hinüber, noch immer erfüllt von fassungsloser Ehrfurcht und irgendjemand scheint das verzückte, von einem Ohr zum anderen reichende Grinsen in seinem Gesicht festgenagelt zu haben... so sehr er sich auch bemüht, er wird es einfach nicht mehr los. Selbst, als Azra den schweren Gürtel von seiner Taille löst und einfach zu Boden fallen lässt, seinen Wams öffnet und sich an der Verschnürung seines Hemdes zu schaffen macht, grinst er immer noch wie ein Honigkuchenpferd und er hat immer noch kein einziges Wort gesagt (wie auch, seine Kiefermuskeln sind ja anderweitig beschäftigt). Erst, als sie an seinen Hosenknöpfen nestelt, wird ihm bewusst, was sie da im Begriff ist zu tun und er klappt entgeistert den Mund zu. Er fragt nicht, was sie will, denn was sie will ist offensichtlich und dass sie ihn will, ist für Borgil (neben der Tatsache, dass sie sein Kind unter dem Herzen trägt) noch immer das größte Wunder beider Rohahälften und Hemisphären überhaupt. Dennoch drängt ihn irgendetwas dazu, wenigstens anstandshalber Protest einzulegen, auch wenn es ihn mit Sicherheit umbringt. "Huch...was äh... hast du da eigentlich vor, Herzblatt?" Erkundigt er sich mit einer Stimme, die zwischen Amüsiertheit, Verblüffung und leisem Schrecken hin und her schwankt. "Wenn das ein Anschlag auf meine Tugend werden soll, dann schlag dir das ganz schnell wieder aus deinem hübschen... oh!" Eine Weile lang sagt Borgil erst einmal gar nichts mehr zusammenhängendes. Sein sich ohnehin in kosmischer Auflösung befindender und von ihrem Tun restlos benebelter Verstand flüstert zwar energisch, dass er ihr eigentlich Einhalt gebieten sollte - sofort, bitteschön- , bevor es zu spät wäre, schließlich sei sie schwanger und hätte ein wenig Rücksichtnahme verdient und überhaupt, wo es ihr doch gar nicht gut gegangen war in letzter Zeit und Himmelgötternochmal das könne er nicht tun und so fort, aber sein Körper, und der hat im Moment eindeutig Oberwasser, ist da ganz anderer Meinung.

"Himmel! Wirst du wohl sofort damit auf.... auf... au...uh! Mach das... noch mal..." Die Stimme der Vernunft, wenn man es so nennen will, verabschiedet sich unbeachteterweise endgültig, um irgendwo in seinem Hinterkopf ausgelassen zu feiern, und Azras Kleider, soweit noch vorhanden, segeln in hohem Bogen davon. Seine hat er ohnehin schon größtenteils nicht mehr an. Es folgt ein wildes Gestrampel, um aus Leibwäsche, Beinlingen, Hosen oder sonstigen hinderlichen Stoffteilen zu kommen und dann hat er sie endlich, wo sie ihn haben will. Er liebt sie sehr langsam und sehr zärtlich und hält sie noch lange Zeit danach fest, als umklammere er einen sehr persönlichen Talisman, ohne den er ganz bestimmt nicht mehr sein kann. Aber irgendwann hält es ihn beim besten Willen nicht mehr friedlich neben ihr, er muss sich dieses Wunder näher ansehen... und diesmal unabgelenkt von Verlangen und ganz anderen, aufmerksamkeitsheischenden Körperteilen. Er schiebt sich also unter der Decke nach unten - da Zwerge im Dunkeln hervorragend sehen können, braucht er sein Schneemädel gar nicht erst der kühlen Luft auszusetzen - und legt seine schwielige Hand auf ihren Leib, dort, wo eine kleine kugelförmige Erhebung, die er bisher schlicht für einen Teil ihrer neuerrungenen Fraulichkeit gehalten hatte, ihren Zustand verrät. Noch ist die sanfte Rundung zwei fingerbreit unter ihrem Nabel kaum größer als seine Hand, die Haut darunter weich, nachgiebig und fest zugleich, aber er kann einfach nicht widerstehen und legt sein Ohr darauf. Eine Weile hört er außer leisem Gluckern und dem Rumoren der Magensäfte, die ihren Tee verdauen, gar nichts, aber dann mischt sich ein leises Klopfen darunter, kaum mehr als die Ahnung eines Geräusches, aber zu rhythmisch, um etwas anderes zu sein. "Heiliger Cobrin, Troilus und Cassandra," murmelt er. "Da ist ja tatsächlich jemand..." Er lauscht eine halbe Ewigkeit in völliger Verzückung, bis das Pochen sich wieder im sanften Blubbern ihres Magens und dem Rauschen ihres Blutes verliert und als er prustend wieder unter den Decken auftaucht, muss Azra sich doch mit der Kühle abfinden, denn er muss sie von Kopf bis Fuß sehen, all die vielen kleinen Veränderungen an ihr wahrnehmen, die ihm erst jetzt ins Auge springen, obwohl sie doch schon seit Wochen da sind und er sie längst hätte sehen müssen. Ihre Züge sind weicher geworden, ihre Brüste sehr viel voller, ihre Hüften kaum merklich runder... Azra lässt seine Erkundungen kichernd über sich ergehen, aber als er an ihre Füße kommt, seufzt sie schließlich, ganz erschöpfte Geduld: "Die Zehen. Was ist mit den Zehen?"
Borgil untersucht ihre Zehen akribisch und versichert dann todernst, die seien unverändert. Sie verbringen den halben Nachmittag im Bett und als sie sich schließlich widerstrebend aus den Kissen und Decken wühlen, gönnen sie sich noch ein schaumduftendes Bad, weil ohnehin gerade eine Menge heißen Wassers in allen Kesseln der Harfe vor sich hin simmert - Halla hatte beschlossen, die Wäsche zu erledigen, wenn heute ohnehin schon kaum etwas los ist. Ihr gemeinsames Bad endet allerdings mit jeder Menge Wasser auf dem Boden und einem reichlich zerbeulten Kupferzuber, aber darum scheren sie sich beide wenig... zumindest, bis sie sich ans Aufwischen machen müssen.

Nachdem auch das erledigt ist, rasiert Borgil sich den narbigen Schädel bis auf den dichten, fuchsroten Schopf am Hinterkopf, dessen längste Strähnen ihm inzwischen weit über den Rücken fallen. Bei der Gelegenheit schneidet er auch gleich seinen Bart zu, der ihm ebenso weit über die breite Brust fällt, ehe Azra ihn mit ihren geschickten Fingern einflicht, sie sich ankleiden und in die Schankstube zurückkehren. Mittlerweile ist dort keiner der vormittäglichen Gäste anwesend und der grautrübe Nachmittag dunkelt auch schon einen frühen Abend entgegen, so dass sie sich nur vom Gesinde anzügliche Grimassen und gutmütigen Spott gefallen lassen müssen. Jeder, der zwei und zwei zusammenzählen kann - und das bekommt selbst noch der dümmste Spüljunge hin -, kann sich ausrechnen, wo sie gewesen waren und was sie getrieben hatten. Borgil ignoriert seine Schankmägde und Knechte mit breitem Grinsen oder zahlt es ihnen mit gleicher Münze heim und er ist ohnehin so gut gelaunt, dass er nicht weiß, ob er nicht im nächsten Augenblick vor Freude platzen, es in schrittgroßen Lettern in den Himmel schreiben oder einfach drei Ellen über dem Boden schweben soll. Im Moment fühlt er sich jedenfalls, als könne er über Wasser wandeln. Mindestens. Die Harfe ist inzwischen gut besucht, aber es herrscht ruhige Stimmung und eifriges Gerede an jedem Tisch, allerdings ist es nicht übervoll und die Schankmädchen kommen leicht mit der Arbeit hinterher, so dass weder Borgil, noch Azra, ja, noch nicht einmal Halla eingreifen müssten. Halla allerdings treibt sich trotzdem hinter dem Tresen herum, poliert hier und da ein wenig und hat ein wachsames Auge auf alles. Grid bringt ihnen ein Abendmahl an Borgils Privattisch gleich neben dem Kamin und der Zwerg stürzt sich mit Heißhunger auf überbackene schwarze Nudeln mit Ildorelkrebsen und grünem Pfeffer. "Ich sterbe vor Neugier," brummt er zwischen zwei höllisch scharfen und kochendheißen Bissen. "Falls ich nicht vorher vor Stolz platze, heißt das. Was es wird, meine ich. Ein Sohn, eine Tochter... nein, lieber kein Junge. Mit denen hat man nur Ärger, sieht man ja an mir. Aber eine Tochter, falls du das in Erwägung ziehen könntest, mit deinem Haar und schönen Augen und diesem Grübchen, das du in der linken Wange hast, wenn du lächelst... und wir brauchen ein Kinderzimmer. Und einen Namen. Und ... als allererstes brauchst du neue Kleider!"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sayila_Arachelza am 01. Sept. 2005, 19:24 Uhr
Es kommt ihr so vor, als hätte sie sich gerade erst schlafen gelegt, da wird Sayila durch eine mächtige Explosion jäh aus dem Schlaf gerissen. Alarmiert steigt sie sofort aus dem Bett, zieht sich in Windeseile ihre Klamotten an und schnallt sich ihre Waffen um. Dann öffnet sie ihre Zimmertür einen Spaltbreit und lugt hinaus auf den Flur. Fußgetrappel lässt den Fußboden erbeben, alles rennt die Treppen hinunter, aufgeregte Stimmen plappern durcheinander. Sayila zögert einen Moment, dann schließt sie sich der Schar an, die in Windeseile die Treppen hinunter aus der Goldenen Harfe drängt.

--> Straßen der Stadt

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Schilama am 02. Sept. 2005, 12:28 Uhr
Als Schilama die Goldene Harfe betritt wird sie vom warmen Licht, Stimmengewirr und zahlreichen Gerüchen des Schankraumes empfangen. Ihr Blick schweift umher und trotz des Geschehnisses am Morgen, herrscht eine ausgelassene Stimmung, die sie nur schwer nachvollziehen kann. Wie können die Menschen an so einem Tag wie immer sein? Die Windelbin wird sich bewusst, dass sie noch immer an der Eingangstür steht, und sie geht zu einem der Tische hinüber. Ihren Umhang lässt sie an, ihre Kapuze auf dem Kopf, nur Köcher und Bogen legt sie neben sich auf die Bank. Eigendlich will sie sich nur noch zur Ruhe legen, aber auf dem kleinen Weg vom Badehaus hierher, hat sich ihr Magen deutlich bemerkbar gemacht. Ich habe seit dem Frühstück nichts gegessen.... Sie gibt ihrem Hunger nach und bestellt bei einer Schankmagd ein gutes Essen und einen leichten Wein, um ihr Inneres zu wärmen.

Schilama ist so müde, dass sie kurz einnickt, aber da sie in einer dunkleren Ecke sitzt, scheint es niemand bemerkt zu haben und es hat den Vorteil, dass sie nun wieder etwas wacher ist. Während sie auf das Essen wartet, schaut sie sich noch einmal genauer um und endeckt dabei Borgil und eine Blutelbin. Dass muss Borgils Frau Azra sein, von der Morgana mir erzählt hat. Schilama hat durch ihren Vater einige Geschichten über die Shebaruc gehört und wenn sie diesen auch glauben schenkt, so bringt sie der Blutelbin doch nicht viel mehr als gesundes Mißtraun entgegen. Sie selbst hatte die schlimme Vergangenheit nicht miterlebt, nur von ihr gehört und in Talyra scheint sowieso alles anders zu sein, als es normalerweise ist. Eine Schankmaid lenkt sie von ihren Gedanken ab und stellt ihr ein duftendes Essen auf den Tisch und einen Becher mit leichtem Wein.

Schilama hat gerade einen Schluck Wein getrunken und ein paar Bissen gegessen, als ihr Blick auf die Flammen im Kamin fällt und sie hält mitten in ihrer Bewegung inne. Sie sieht noch einmal das Feuer, dass aus einer eben noch heilen Kräuterkate schießt, meint noch einmal den ohrenbetäubenden Knall zu hören und hat das Gefühl den Boden unter den Füßen zu verlieren. Die Windelbin schluckt, steht auf, drückt der Schankmagd ein paar Münzen für Speiß und Trank in die Hand und geht zum Wirt der Harfe hinüber. "Herr Borgil", spricht sie ihn wie früher an, "hättet ihr noch ein Zimmer frei? Ich hab diesmal auch Geld", fügt sie hinzu, mehr ernst, als scherzhaft, falls er sich noch an ihre erste Begegnung erinnert. Schilama denkt dabei nicht daran, dass die zwei vor ihr als Nicht-Menschen, die im Schatten ihrer Kaputze noch immer leicht verweinten Augen sehen könnten, die sie darunter verberborgen hält.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 02. Sept. 2005, 17:06 Uhr
Das Lachen, Jubeln und die Trinksprüche verebben hinter ihnen, als Azra die Türe mit einem wölfischen Lächeln schliesst und Borgil berauscht von dem haltlosen Glück, dass sie in seinen Augen erkennen kann, liebevoll anblickt, wie er da steht und scheinbar noch nicht einmal weiss, was sie vorhat. Noch immer reicht sein Grinsen von einem Ohrläppchen zum nächsten und lässt ihn wie eine witzige Karikatur des richtigen Borgil wirken, der sich so leicht entkleiden lässt wie ein Toter, wie sie gerade feststellt. Mit geschickten Fingern ist der schwere Gurt gelöst und fällt achtlos und mit einem lauten Poltern zu Boden, denn ihre Aufmerksamkeit wird bereits von den Häkchen des grünen Wams beansprucht, unter dem Borgils Brust auf und ab sinkt und sie – die Hand flüchtig darauf gelegt – seinen beständigen Herzschlag fühlen kann, wild und schnell und nichts von der Ruhe ist zu erkennen, die er sonst inne hat. Auch die Verschnüre seines Hemdes ergeben sich gnädig und ohne grosses Widerwehr ihrem Schicksal, wobei Borgil noch immer wie eine steinerne Statue im Raum steht und ihrem Treiben zusieht, strahlend wie ein Kind, dem man gerade ein Bonbon in die Hand gedrückt hat.
Schliesslich beginnt sie gar an einer Hose herumzunesteln, spürend wie das Verlangen in ihr erwacht, so sanft und innig, wie es nur dieser Zwerg bei ihr entfachen kann. Ein leises Klacken lässt sie fragend aufblicken, bis sie bemerkt, dass Borgil lediglich seinen Mund geschlossen hat und scheinbar nun erst zu begreifen beginnt, was sie eigentlich im Begriff ist zu tun. "Huch...was äh... hast du da eigentlich vor, Herzblatt? Wenn das ein Anschlag auf meine Tugend werden soll, dann schlag dir das ganz schnell wieder aus deinem hübschen... oh!" Ein freches Schmunzeln huscht über ihr Gesicht, derweil ihre Hände andersweit beschäftigt sind und sie kann das Vibrieren seiner Haut unter ihren Fingern spüren, so leicht wie das Zittern eines Schmetterlingsflügels während er durch die Lüfte segelt. Sie denkt überhaupt nicht daran aufzuhören, dafür ist es auch schon viel zu spät, denn alles in ihr brennt darauf seine Wärme, seine Nähe, seine Hände auf ihrem Leib zu fühlen und obwohl er erneut versucht heroisch und voller Stärke ihren „Angriff“ abzuwehren, kommt er doch nicht weit. Eine hauchzarte Berührung und aus dem steinharten Zwergen wird ein geschmolzenes Häufchen Butter, dessen labiler Zustand nun doch noch – endlich – Azras eigene Kleider zum Opfer fallen und als sie sein Gewicht über sich spürt, schlingt sie die Arme um seinen breiten Nacken, hält ihn fest und bebt innerlich, lechzend nach dem Wunsch, dass die Zeit jetzt aufhören soll weiter zu laufen.
Auch lange nachdem sie sich geliebt haben, liegen sie noch still da, Azra in seinen Armen eingekuschelt und den Kopf auf seine breite, starke Brust gelegt. Behutsam fährt sie mit ihren Fingern über seine sonnengebräunte Haut, liebkost die darunter liegenden eisenharten Muskeln, das zähe Fleisch und  die drahtigen Sehnen, lauscht dem Rauschen seines Blutes, das sich mit ihrem vermischt und zu einem berauschenden Klang wird, dem ihre Sinne völlig erliegen. Sein Atem huscht über ihr Gesicht, ein Gefühl, als würde Seide darüber hinwegleiten und ein leises Schnurren ausstossend, mümmelt sie sich noch näher an seinen gemütlichen Leib und birgt ihr Gesicht an seiner Schulter, seinen Duft nach Honig, Leder und einem Hauch Rosen – Das Bad hatte einen betörenden Geruch ausgesandt - in sich aufsaugend.

Plötzlich jedoch schiebt er sie vorsichtig ein wenig zur Seite und verschwindet prompt unter der Decke, die nun einen grossen, unförmigen Hügel bildet. Kichernd hebt sie diese ein wenig an und beobachtet Borgil, wie er vorsichtig seinen Kopf auf die kleine Schwellung legt, die sich bei ihr bereits gebildet hat, und scheinbar gespannt lauscht, als würde ihm das kleine Leben, das dort heranwächst, die abenteuerlichsten Geschichten erzählen. Derweil nimmt Azra sanft eine Strähne seines feuerroten Haares zwischen ihre weissen Finger, lässt sie hindurch gleiten, schlingt sie um ihren Zeigefinger, um sie dann springen zu lassen. Weich ist sein Haar und dick und wundervoll lang und wenn das Licht der Sonne darauf fällt, glimmen kupfernde und bronzene Strähnen wie kleine Funken darin auf. Jetzt im zartgrauen Halbschatten des Lakens schimmert es verführerisch dunkel, wie satter, dicker Traubenwein und zögerlich vergräbt sie ihre ganze Hand darin, fährt hindurch und verliert sich in einem tiefen Seufzen, trunken vor Glück, noch stets abbrandender Leidenschaft und dem unendlichen Gefühl von Liebe – Für die es eigentlich keine Worte gibt – für den Mann, der sich gerade verzückt mit dem Kind unter ihrem Herzen unterhält.
Lächelnd lauscht sie seinem Ausruf und möchte liebend gerne selbst so daliegen und mit zuhören können, was die Beiden zu tuscheln haben und was solche Verzückung in Borgils Stimme auslöst.
Für einen Moment huscht bei diesem Gedanken ein dunkler Zug über ihr Gesicht. <<Vielleicht höre ich es ja auch, hätte es eigentlich schon die ganze Zeit gehört, wenn ich nicht zu naiv gewesen wäre, es als Laune abzuwürgen. Jetzt, hier zwischen zerwühlten Kissen und Laken, herumliegenden- und hängenden – denn Borgils Wollsocken winken ihr von der Spitze des Schrankes entgegen – Kleidungsstücken, inmitten von Leuten, die gerade ihretwegen feiern, obwohl gerade erst heute Morgen Morganas Kate abgebrannt ist, voll von Wünschen und Träumen, mit einem Mann an der Seite, bei dessen Anblick ihr Herz jedes Mal bis zum Hals klopft und der ihr gerade liebkosend über den Bauch streicht  und der süssen Trägheit beginnt ihr Verstand erst zu begreifen, dass dieses Kind bereits seit fünf Monden zu ihr gehört und in ihr heranwächst, wie eine kleine, zarte Blume, die es zu beschützen gilt.
Sturmwind, Grünglanz, Goldschein, Sonnenthron und der Beerenreif sind an ihr vorbeigehuscht wie die vom Wind getragenen, braungelben Blätter vor dem Fenster ihres Zimmers, welche die Kunde mit sich tragen, das der Herbst die Immerlande mit seinen wilden, verregneten, bunten und stürmischen Armen umschliesst. Fünf Monde, in denen sie Borgil zu jeder Tages- und Nachtzeit zur Seite gestanden ist, in der Harfe gearbeitet hat, Talyra mehr denn je zu ihrer Heimat geworden ist und in denen sie neue Wesen kennen gelernt hat. Fünf Monde, in denen ihre Laune hin und wieder dem eines depressiven Mäuschen geglichen hatte, in denen sie manch einmal nicht gewusst hat, ob sie nun schreien, weinen oder still sein soll und in denen sie mehr über Zwerge, Gaststätten und Rechnungsbücher gelernt hat als jemals zuvor. Fünf Monde, in denen das, nun mit seinem Vater palavernde, Ungeborene, in ihr herangewachsen war und sie nur bemerkt hat, wie ihr Leibesfülle sich mehrte. So viele Dinge, die sie nicht bemerkte in ihrer Naivität und die ihr nun umso deutlicher auffallen. So zum Beispiel zwei Rundungen, bei denen sie sich beim genaueren Betrachten dann doch frag, ob sie wirklich zu ihr gehören.
Borgil scheint auch der Meinung zu sein, noch nicht alles was sich an ihr verändert hat, herausgefunden zu haben und zieht ihr kurzerhand und ohne Erbarmen die Decke vom Leib. Gespielt verärgert zieht sie ihre Nase kraus und räkelt sich wie eine satte, dicke Katze in der strahlenden Morgensonne, einen leisen Unmutslaut von sich gebend.

Doch ihr Gatte hat kein Mitleid mit ihr und beginnt damit ihre Finger, Handgelenke, Ellbogen, Schultern, Brüste, ihren Hals Bauch, ihre Hüfte, Knie und sogar ihre Füsse wie ein Schwein auf der Fahndung nach Trüffeln, nach Veränderungen ab zu suchen. Als er jedoch dann ihren grossen Zeh leicht hin und herbewegt, kann sie ihre Belustigung über diese Inspektion doch nicht mehr zurückhalten und fragt leicht ungeduldig und mit einem Hauch von Spott: "Die Zehen. Was ist mit den Zehen?"
Erneut steigt ein Kicheranfall in ihr auf, als ihr Gatte systematisch beginnt jeden Zeh einzeln zu begutachten, zu untersuchen und an zu stupsen, nur um ihr dann versichern zu können, dass mit denen alles in Ordnung sei. „Das hätte ich dir auch sagen können“, feixt sie, dreht sich auf den Bauch und krabbelt aus dem Bett hinaus, beinahe noch vorne herausfallen, als sich ihre Füsse im weissen Laken verheddern. In der Zeit bis Borgil sich ebenfalls anhänglichem Bettzeugs entledigt hat und aus seiner endlosen Verzückung über das kleine Wunder aufgewacht ist, beginnt sie ein Bad vorzubereiten, oder hätte es gerne getan. Doch als Azra auch nur Anstalten macht, einen Kübel mit Wasser zu füllen und ihn dann zu der kupfernden Wanne zu schleppen, schreckt Grid wie eine Glucke auf und scheucht sie wieder zurück ins Zimmer, unter Azras entschuldigendem und betretenen Blick selber beginnend die Wanne zu füllen.
Wie unnütz diese Arbeit gewesen ist, lässt sich erkennen, sobald Borgil und Azra wieder aus dem gemütlichen Bad hinaus steigen, beide mit so schrumpeligen Fingerspitzen wie vierzig Jahre alte Pfirsiche. Das Wasser ist auf seltsame Art und Weise ja plötzlich nicht mehr in der verbeulten Wanne, sondern hat das Zimmer in ein Wasserbecken verwandelt. Kichernd und beide breit grinsend, machen sie sich schliesslich daran auf Knien herumzurutschen und das Chaos wieder in Ordnung zu bringen, das sie angerichtet haben. Nach dem Bad und dem Putzen schlüpft Azra schnell in ihr Kleid – das sie wirklich nicht mag, weil es an allen Enden und Ecken kratzt – und verfolgt mit verträumten Blick, wie Borgil sich über seinen Schädel hermacht, scheinbar bewaffnet mit einem Fleischermesser. Auf ihre Frage hin, ob er die Narbe vielleicht doch nicht von einer Nargenaxt, sondern seinem Rasiermesser stammt, gibt er nur ein hochnäsig beleidigtes:“Pffff!“, von sich und legt die Stirn in Falten, bis er den unverschämten Schalk, der offen in ihrem Gesicht prangert, entdeckt. Gleich darauf kann sie nur knapp einem weichen Kissen ausweichen, das haarscharf an ihr vorbeisegelt und Federn lassend an der Wand abprallt.
Als sie beide schliesslich sauber gewaschen, geschrubbt, gebürstet, enthaart in Borgils Fall und frisch gekleidet sind, kommen sie wohl trotz aller Behauptungen noch am gleichen Tag wieder aus ihrem Gemach heraus und werden sofort mit Augenzwinkern, leisem Gejohle und Gelächter, sowie zahlreichen verschmitzten Blicken empfanden. Azra läuft unter einigen gar zartrosa an, ist aus den Gesichtern doch nur zu genau das Wissen darüber zu lesen, was sie und Borgil die Zeit über getrieben haben... im wahrsten Sinne des Wortes.
Zwar scheinen einige Gäste sich verabschiedet zu haben, worüber Azra jedoch auch äusserst froh ist, denn an solch einem Tag ist es ihr lieber, wenn es nicht ständig „Borgil hier, Borgil da, Borgil überall“ tönt. Halla und Grid, sowie die Schankmädchen kommen gut alleine zurecht und eine helfende Hand scheint erst einmal auch nicht von Nöten. Erstmal jedoch wird gegessen und das nicht zu knapp. Sigrun scheint sich extra Mühe gegeben zu haben, wobei sie trotzdem leicht gequält schlucken muss, da ihr auffällt, dass ihr Teller scheinbar ein wenig gefüllter ist, als der ihres Gatten. Schwarze Nudeln mit herrlich duftender Sauce. Das zwischen Riechen und Schmecken jedoch ein winzig kleiner Unterschied liegt, kommt ihr spätestens in den Sinn, als der brutal scharfe Geschmack ihre Zunge lähmt, ihr die Hitze ins Gesicht treibt und Rauchwölkchen aus ihren Ohren aufsteigen lässt. Heftig schnappt sie nach Luft, keucht und sieht sich hektisch nach etwas um, was das Feuer in ihrem Rachen löschen könnte, bis sie schliesslich kurzerhand nach Borgils Krug greift und sich zu spät daran erinnert, was sich darin befindet. Es dauert nur einen Herzschlag, bis sie prustend und spuckend wie eine heisere Krähe das Dunkelbier über den halben Tisch verteilt, nur um gleich darauf hicksend und völlig ermattet von ihrer Begegnung mit dem Feuer auf den Stuhl zurücksinkt. Borgil klopft ihr derweil grinsend auf den schmalen Rücken und sie wirft ihm einen Blick zu, der zwischen Dankbarkeit und nicht erst gemeintem Vorwurf – er hat sie schliesslich nicht gewarnt – schwankt und ist doch leicht verstört, als er noch nicht einmal mit einer seiner nicht vorhandenen Wimpern zuckt, als er einen grossen Happen des scharfen Zeugs in den Mund nimmt, wie ein Butterbrot. Mit purer Empörung beginnt sie wie eine Henne beim Körnchen picken, die Besten und besonders von Sauce unbesuddeltsten Nudeln aus dem Haufen zu fischen, damit sie den Anwesenden nicht noch einmal einen Grund für gut gemeintes Gelächter bieten kann.

“ "Ich sterbe vor Neugier,", meint ihr Gatte schliesslich zwischen einem herzlichen Biss in das Fleisch und einem riesigen Schluck Bier und fügt noch hinzu: "Falls ich nicht vorher vor Stolz platze, heißt das. Was es wird, meine ich. Ein Sohn, eine Tochter... nein, lieber kein Junge. Mit denen hat man nur Ärger, sieht man ja an mir. Aber eine Tochter, falls du das in Erwägung ziehen könntest, mit deinem Haar und schönen Augen und diesem Grübchen, das du in der linken Wange hast, wenn du lächelst... und wir brauchen ein Kinderzimmer. Und einen Namen. Und ... als allererstes brauchst du neue Kleider!" Verdutz sieht sie ihn an. <<Muss ich das etwa wissen?>> Sie kann sich nicht erinnern, dass ihr Morgana etwas darüber gesagt hat und ein keimendes Gefühl von leisem Entsetzen macht sich in ihr breit und hilflos zuckt sie mit den Schultern, mit der Gabel eine Nudel zu Brei verarbeitend: „Ich weiss es nicht was es wird“, und wirft ihm quer über den Tisch schnell einen peinlich berührten Blick zu: „Ich glaube... ich glaube das lässt sich nicht sagen vor der Geburt.“ Zögerlich beginnt sie zu nicken, nicht wissend, ob das auch der Wahrheit entspricht und als könne ihr das Ungeborene eine Antwort geben, sieht sie auf die kleine Wölbung unter dem braunen Stoff ihres Kleides, doch es herrscht ausnahmslos Stille dort.
„Nein, ich weiss es wirklich nicht“, beginnt sie erneut und ein scheues Lächeln ziert ihre Züge, als sie eine Hand darauf legt und Borgil verliebt anblinzelt: „Aber einen Namen... Es sind doch noch vier Monde bis es zur Welt kommt, ich meine, da haben wir doch noch genug Zeit, oder nicht? Mir fällt nämlich so spontan keiner ein... Kinderzimmer, herrje“, als hätte sie plötzlich fürchterliche Kopfschmerzen schlägt sie die Hand gegen die Stirn und meint dann kopfschüttelnd: „So viele Dinge, um die man sich bereits vor der Geburt schon kümmern muss. Wie wäre es mit der Kammer neben dei... unserem Schlafzimmer, dort wo du all deine Rechnungsbücher, die Pergamente, alle Unterlagen über deine Häuser hier in Talyra und die Geschenke aufbewahrst, die man uns zur Hochzeit geschenkt hat. Eine Arbeitsecke liesse sich bestimmt auch im Kaminzimmer einrichten, dort steht doch eine noch völlig leer, die noch karg aussieht. Ich hätte dort ein paar Kissen hingelegt, und einen Wandbehang hingehängt, aber so lässt sie sich doch viel praktischer nutzen. Und mit ein paar dicken Truhen, mit Eisenschlössern wird auch die Türe ersetzt werden können, die du zuvor abschliessen konntest“, schlägt sie mutig vor und will schon weiter sprechen, als ein leises und seltsam trübe klingendes: "Herr Borgil“, sie innehalten lässt. Sowohl sie als auch Borgil sehen fragend auf und mit verwundertem Blick mustert sie die eher kleine, jedoch schlanke Gestalt, von der das Meiste unter einem langen Umhang und einer Kapuze verborgen bleibt. Nur ein dicker Zopf mit rotbraunen, geflochtenen Haaren, die im goldgelben Licht mahagoniefarben glänzen, hängt über die Schulter nach vorne hinab und die Gänsehaut auf Azras Nacken, der sich zu einem richtigen Gebirge entwickelt, lässt sie zumindest ahnen, dass sich unter dem braunen Tuch eine Elbin versteckt.
"Hättet ihr noch ein Zimmer frei? Ich hab diesmal auch Geld.“ Demnach ist sie bereits einmal hier gewesen und als Azra Borgil einen Seitenblick zuwirft, wollen ihr die gerunzelten Augenbrauen wohl nichts Gutes verraten.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 04. Sept. 2005, 11:09 Uhr
Borgil hat das hingerissene Grinsen immer noch nicht aus seinen Mundwinkeln vertreiben können, wenn es auch gelegentlich unterbrochen wird, weil er Nudeln, Käse und Krebse in sich hineinschaufelt. >Ich weiß es nicht, was es wird<, murmelt sie fast verlegen. >Ich glaube... ich glaube das lässt sich nicht sagen vor der Geburt.< Borgils Brauen heben sich verwundert, während er kaut und schluckt. "Natürlich lässt sich das nicht sagen vor der Geburt. Genau deshalb sterbe ich ja vor Neugier. Und was den Namen angeht..."er wedelt mit seiner leeren Gabel über dem Teller. "Nun, da wird uns schon etwas einfallen. Da wir nicht wissen, was es wird, müssen wir uns einfach einen für einen Jungen und für ein Mädchen überlegen."
Azra ist derweil in Gedanken und Worten schon bei einem zukünftigen Kinderzimmer und überlegt, wie und vor allem wo das wohl am besten einzurichten wäre. >Wie wäre es mit der Kammer neben dei... unserem Schlafzimmer, dort wo du all deine Rechnungsbücher, die Pergamente, alle Unterlagen über deine Häuser hier in Talyra und die Geschenke aufbewahrst, die man uns zur Hochzeit geschenkt hat. Eine Arbeitsecke ließe sich bestimmt auch im Kaminzimmer einrichten, dort steht doch eine noch völlig leer, die noch karg aussieht. Ich hätte dort ein paar Kissen hingelegt, und einen Wandbehang hingehängt, aber so lässt sie sich doch viel praktischer nutzen. Und mit ein paar dicken Truhen, mit Eisenschlössern wird auch die Türe ersetzt werden können, die du zuvor abschließen konntest...< Er kann ihr an der Nasenspitze ansehen, dass sie am liebsten sofort aufgesprungen und nach hinten in seine Gemächer gestürmt wäre, um dort sogleich alles auf den Kopf zu stellen. Borgil grinst still in sich hinein, aber er muss zugeben, dass alle ihre Vorschläge Hand und Fuß haben. Einen Arbeitsbereich im Kaminzimmer einzurichten, ist keine große Sache und damit wäre der Raum neben dem Schlafgemach frei. Er ist natürlich nicht so groß, aber er hat zwei hübsche, tiefgesetzte Fenster und wenn Borgil sich vor Augen hält, was Azra allein aus seinen spartanischen Quartieren gemacht hatte, die sie spielend und mit nicht mehr als ein paar Handgriffen in ein gemütliches Heim verwandelt hat, hat er keinerlei Bedenken, was die Einrichtung eines Kinderzimmers angeht, auch wenn sie von Babys noch so wenig Ahnung haben mag. Er will gerade zu einer Antwort ansetzen, als eine Elbin an ihren Tisch tritt, die selbst er erst auf den zweiten Blick als Schilama erkennt. Borgil tauscht einen Blick mit Azra... Schilama hin oder her, sie ist eine Rhaskeda'ya und seine Frau eine halbe Shebaruc, aber was immer die Heilerin davon halten mag, sie macht keine Anstalten, Azra ins Gesicht zu springen oder die ewige Verdammnis heraufzubeschwören, im Gegenteil: Schilama bleibt ganz ruhig und erkundigt sich nach einem Zimmer... und sie sieht dabei so verloren aus, dass Borgil in Gedanken hinzufügt: Armes Lämmchen.

Ihr Gesicht unter der Kapuze und ihre Hände mögen sauber sein, aber er sieht den Staub und die Asche auf ihren Stiefeln und die Rußflecken auf ihrem Umhang und schlagartig fällt ihm das Feuer wieder ein - zu seiner Entschuldigung sei gesagt, dass der Brand am Nordtor, die Zerstörung der Kate und überhaupt das ganze vormittägliche Chaos in der Stadt von Azras Schwangerschaft völlig aus seinen Gedanken verbannt worden waren. "Du liebe Güte, Schilama, natürlich! Kommt, setzt Euch. Ihr müsst völlig erledigt sein." Er fragt nicht, ob sie am Ort des Geschehens war, das ist ziemlich offensichtlich und wahrscheinlich hatte sie den ganzen Tag Verwundete behandelt und obendrein auch noch die Verwüstung dessen erlebt, was ihr so etwas wie ein zweites Zuhause gewesen sein muss. Borgil weiß nicht genau, wo die Windelbin eigentlich lebt, er hat da zwar etwas munkeln hören, sie lebe auf "einer großen Tanne im Larisgrün", aber sie war ja praktisch jahrelang ständig bei Morgana gewesen. "Schilama, das ist Azra, meine Frau. Azraschatz, das ist Schilama, die Heilerin. Sie war Morganas Lehrmädchen, aber ich denke, inzwischen hat sie sich den Titel Maestress redlich verdient." Er wendet sich wieder an die Windelbin. "Habt Ihr schon gegessen?" Er wirft einen Blick durch die Schankstube, als könne er so nachträglich noch feststellen, ob Schilama bereits versorgt war. "Sonst lasse ich Euch etwas bringen. Und selbstverständlich bekommt ihr ein Zimmer und wenn Ihr wollt auch eine Reinigung Eurer Sachen, meine Mägde werden dafür sorgen." Er winkt Grid heran, wechselt ein paar leise Worte mit ihr und sie bringt Schilama einen Schlüssel und verspricht, die Gewänder bis zum Morgen sauber zu haben, falls es dem Wunsch der Elbin entspräche. "Wir haben schon gehört, was passiert ist," murmelt er mitfühlend, schweigt aber was den angeblich toten Seher angeht. Auf Sethai ist Borgil noch immer alles andere als gut zu sprechen. Nicht nur, dass das blinde Langbeinelend in seiner Harfe gezaubert hatte, nein, er hatte damals auch Azra zu Tode erschreckt. Einen solchen Tod hast du ihm trotzdem nicht gewünscht, also halt gefälligst die Klappe! "Ich hoffe, es hat Morgana nicht zu hart getroffen. War es sehr schlimm?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Schilama am 05. Sept. 2005, 17:04 Uhr
Schilama hatte erwartet mit einem kurzen "ja" einen Schlüssel in die Hand gedrückt zu bekommen und sich somit gleich in eines der Zimmer zurückziehen zu können, aber es kommt ganz anders. > "Du liebe Güte, Schilama, natürlich! Kommt, setzt Euch. Ihr müsst völlig erledigt sein."< Sie ist überrascht und fragt sich woher er das weiß, aber wäre sie etwas wacher, hätte sie es wohl nachvollziehen können. Schilama zögert, der gut gemeinten Bitte nachzukommen, sie will keine Gesellschaft, auch keinen Stuhl, sie will ein Bett, aber angesichts eines noch fehlenden Zimmerschlüssels in ihrer Hand, setzt sie sich doch. Ihre Haltung wird angespannter und mit einem Auge scheint sie die Blutelbin immer im Blick zu behalten. >"Schilama, das ist Azra, meine Frau. Azraschatz, das ist Schilama, die Heilerin...< Azraschatz? Schilama fragt sich, was die Shebaruc bei so einem Kosenamen auf dem Stuhl hält, nach allem was sie über selbige gehört hat. Vielleicht Borgils Geld?. >"... Sie war Morganas Lehrmädchen, aber ich denke, inzwischen hat sie sich den Titel Maestress redlich verdient."< Maestress.... Es klingt für sie befremdend. Am Anfang war sie Morganas Lehrmädchen, dann ihre Gehilfen, aber Maestress... ? Vielleicht hat er aber auch recht.... Das muss sie sich wohl noch ein andermal durch den Kopf gehen lassen, jetzt ist sie einfach zu müde.
Borgils Frage, ob sie schon gegessen hätte, erwiedert sie mit einem: "Ein wenig, aber ich hatte genug, danke." Das die paar Bissen von ihrem Essen sie zwar keineswegs satt, sondern nur "nicht mehr so hungrig" gemacht haben, verschweigt sie und ihr Magen macht auch keine Anstalten sie zu verraten. Der Gedanken einer Maestress mit einer Knochensäge regt ihren Appetit auch nicht gerade wieder an. >"Und selbstverständlich bekommt ihr ein Zimmer und wenn Ihr wollt auch eine Reinigung Eurer Sachen, meine Mägde werden dafür sorgen."< "Danke", ist das einzige was sie dazu sagen kann, an Borgil und an die Magd gerichtet.

Der Windelbin fällt auf, dass Borgil ihr immer genau in in die Augen sieht, wenn er mit ihr spricht, obwohl sie ihr Gesicht im Schatten der Kapuze verbirgt. Er ist ein Zwerg und seine Frau eine Shebaruc!, ruft sie sich in Erinnerung. Sie können beide im Dunkeln sehen. >"Ich hoffe, es hat Morgana nicht zu hart getroffen."< Was? hätte sie beinahe laut gefragt. "Ich weiß es nicht... Ich habe mit ihr nur kurz gesprochen, es gab so viel zu tun und es herrschte so ein durcheinander." >"War es sehr schlimm?"< Schilama sieht Borgil lange an und die Frage: "Was kann bei so etwas nicht schlimm sein?" liegt ihr auf der Zunge, aber auch das spricht sie nicht laut aus. "Es hat viele bei der Explosion getroffen. Einigen war nicht mehr zu helfen, andere hatten zum Glück nur leichte Verletzungen, aber es gab auch Schwerverletze. Das Ungück traf nicht nur Erwachsene, auch Kinder waren darunter." Dabei fällt ihr der Junge ein, von dem sie nicht weiß, ob er seinen nächsten Geburtstag erleben wird und sie schluckt. "Von der Kräuterkate ist nicht mehr viel übrig, den Nordturm und die Stadtmauer hat es auch erwischt und alles drumherum ist voll Asche. Ja es war sehr schlimm." Diesmal gelten die Worte nicht nur Borgil, wie die ganze Zeit zuvor, sondern auch seiner Frau Azra. Schilama beobachtet die Blutelbin bei ihren Worten genau, ob es sie überhaupt intressiert. Ich muss ins Bett. Sie merkt, dass sie nicht nur müde, sondern auch gar nicht mehr richtig sie selbst ist.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aurian am 09. Sept. 2005, 09:15 Uhr
<-- Steinfaust

Reges Treiben bestimmt die Atmosphäre am  Marktplatz. Aurian hat auf die Uniform der Stadtgarde verzichtet und war stattdessen  in eine helle Lederhose und eine leichte Hemdbluse geschlüpft. Nachdem sie einige Zeit über den Marktplatz spaziert war, betritt sie die Goldene Harfe. Wie auch im Gastgarten herrscht reges Treiben und nur mit Mühe kann sie einen Platz ergattern. Eifrig laufen die Schankmägde hin und her und Borgil schenkt einen Krug nach dem anderen aus. Kurz winkt der Zwerg dem Mädchen zu und grinst dabei unter seinem Bart von einem Ohr zum anderen. Der Umsatz des heutigen Tages würde sich wieder sehen lassen können und Aurian kann sich rege vorstellen, wie der geschäftstüchtige Wirt bereits im Geiste die Zahlen überschlägt. Eine junge Frau, Haut beinahe weiß wie Schnee und mit ebensolchem Haar, stellt ihr einen Krug Met hin. Aurian blickt sie an und ein leichtes Lächeln umspielt ihre Lippen. Auch wenn sie sie noch nie gesehen hat, weiß sie wen sie vor sich hat: Madame Azra Blutaxt, Borgils Frau. Dieses seltsame Paar ist stadtbekannt, zum einen weil alles, was den Zwergenwirt betrifft von allgemeinem Interesse ist, zum anderen wegen der Herkunft seiner Angetrauten: Sie soll eine halbe Blutelbin sein, ein Umstand, der ihr das Leben wohl in der Vergangenheit wohl nicht erleichtert hat. Aurian wurde nicht im Gedankengut der Elben erzogen, sodass sie nicht den Hass auf diese Rasse verspürt, wie die anderen Elben. Auch weiß die junge Magierin, wie es ist, immer mit Misstrauen beäugt zu werden. Zu gerne hätte sie sich etwas mit Azra unterhalten, doch der Betrieb in der Harfe erlaubt ihr keinerlei Pause.
Mit einem Mal wird es dunkel. Eben hatte noch die Sonne ihre Strahlen  durch das Fenster in die Gaststube gesandt und nun. Für einen Moment herrscht gespenstische Stille. Dann ertönen Schreie vom Marktplatz. Die Gäste in der Harfe drängen an die Fenster und zur Tür. Ihre Neugierde schlägt jedoch augenblicklich in helle Panik um: Auf dem Marktplatz herrscht ein nicht zu beschreibendes Inferno. Feuerbälle durchschneiden die Luft, Gebäude stehen in hellen Flammen, überall ist das Stöhnen der Verletzten und Sterbenden zu hören. Die, die noch laufen können, fliehen in Panik, egal wohin nur weg. Von den Mauer sind die Hörner zu höre, dreimal und Aurian läuft ein kalter Schauer über den Rücken: dreimal die Hörner, das Zeichen der Finsternis.

Aurian starrt auf das Geschehen. Sie kann spüren, dass hier Magie ist, dunkel und bösartig, schwärzer als alles, was sie je gesehen oder erlebt hat. Und dann erschallt eine Stimme, die es ihr eiskalt über den Rücken rinnen lässt: >Sterbt Menschen! Brenne Talyra! Ihr habt versucht mich einzusperren, mir mein Recht und meine Freiheit zu verwehren. Dafür bringe ich nun den Tod über Euch. Keine Seele wird diese Stadt lebend verlassen. Alle die Ihr dies vernehmt, Ihr seid desTodes. Sterbt Menschen! Brenne Talyra!< Aus der Kugel, die wie eine schwarze Sonne über dem Marktplatz schwebt, schnellen Tentakeln, noch mehr Tod und Vernichtung bringend.    

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 09. Sept. 2005, 13:29 Uhr
Einige Tage sind vergangen, nachdem es nun auch die ganze Harfe weiss, dass Azra schwanger ist und Borgil versucht Azra in Watte zu packen. Der heutige Morgen beginnt mit Sonnenschein so hell und klar wie seit einigen Tagen nicht mehr. Ganz früh am Morgen ziehen noch leichte Dunstschleier durch die Strassen, die sich aber bald verflüchtigen. Halla reisst alle Fenster der Harfe auf, um die frische Luft und den Sonnenschein in die Gaststube zu lassen und damit auch den Geruch von abgestandener, bier- und weinhaltiger Luft aus dem Gastraum zu vertreiben. Die Geräusche vom Markt drängen hinein, Hühner gackern, Gänse schnattern und ein Pfau schreit von irgendeinem Stand. Das 'Shenrah u Akba' hatte Halla, wie in den letzten Monden auch, früh aus dem Bett getrieben und dank der Sonne versammeln sich die ersten Gäste draussen im Harfengarten. Es verspricht ein schöner Tag zu werden und Halla lässt deshalb die Fenster auch offen.

Im Gastraum selber sitzen nur wenige Gäste, dafür aber draussen umso mehr, um die Sonnenstrahlen zu geniessen. Der Vormittag vergeht fast wie im Flug und noch macht sich Halla keine Gedanken als dunkle Wolken beginnen Shenrahs Antlitz zu vertreiben. Aurian war in die Gaststube gekommen und Halla hatte sie höflich begrüsst. Eine komische Stimmung liegt plötzlich in der Luft und Halla tritt an eins der offen Fenster und sieht mit skeptischem Blick in den Himmel. Hätte sie gewusst was passieren würde, hätte sie das Fenster sofort geschlossen und sich in die hinterste und unterste dunkle Ecke des Kellers der Harfe verkrochen. Aber Halla ist eine Mogbar und nur ein einfaches Schankmädchen, keine Elbin oder Priesterin, die gewisse Dinge spüren und erahnen können. Der Himmel wird immer dunkler, die Tiere auf dem Markt verstummen plötzlich alle und auch die Menschen und anderen Wesen starren gebannt auf das Schauspiel am Himmel.

Und dann scheinen plötzlich alle neun Höllen gleichzeitig ihre Pforten zu öffnen, Feuerkugeln schiessen aus den Wolken, zerfetzen den grossen Baum mit der Anschlagtafel, brechen in Häuser und lassen sie zusammenfallen wie Kartengebilde. Irgendwo ganz hinten in Hallas Gehirn schreit etwas, sie solle das Fenster zumachen und verschwinden, und nicht nur dieses Fenster sondern alle Fenster der Harfe, sie verrammeln und sich dann in den Keller der Harfe flüchten. Aber nichts davon tut sie, sie kann nichts tun ausser gebannt auf das zu starren, was dort plötzlich mitten über den Markt stürmt, ein Wesen aus Flammen, mindestens drei bis viemal so gross wie sie selber. Es scheint genau auf die Harfe zuzulaufen und als es näher kommt, erkennt Halla auch was es ist ein Stier, ein verdammt grosser Stier aus Flammen. Noch immer will sich kein Muskeln in ihr rühren, bis schliesslich das aufgeregte Geschreie der Mägde sie aus der Trance holt.

Und dann geht plötzlich alles ganz schnell, von überall kommen die schauerlichsten Gestallten auf den Markt geströmt, Höllenogre, Goblins, Boghaniks mit reissscharfen Zähne, und dann erwacht in Halla nicht die Furcht sondern Wut, weil einige dieser Gestalten schnurstracks auf die Harfe zueilen, die bisher wie durch ein Wunder, noch von keiner Feuerkugel getroffen worden ist. "Schliesst die Fenster schnell, dann verrammelt sie, schliesst alle Türen, denkt auch an die Fenster in den oberen Stockwerken, diesen Viechern da draussen trau ich alles zu und nu macht und steht nicht nur herum!" Nach dem ersten Schock bricht nun geschäftiges Treiben in der Harfe aus, die Mägde und Knechte stürmen in die unterschiedlichsten Richtungen, schliessen alle Fenster und Türen und Halla selbst schliesst das Fenster vor dem sie selber gestanden hat, kurz bevor ein Boghanik hereinspringen kann. Er prallt gegen den Rahmen des Fenster und macht kurz ein erstauntes Gesicht."Ha, das hast du dir so gedacht was! Nicht mit mir, ihr kommt nicht hier in mein Reich, das verspreche ich euch, weg mit euch na los!" Das grässliche Gesicht verschwindet vom Fenster aber bald danach taucht ein neues auf.

Halla eilt in die Küche, auf nichts mehr achtend, greift sich das grösste Küchenmesser, das sie finden kann und eine gusseiserne Pfanne, so bewaffnet stapft sie wieder in den Schankraum. Irgendwo durch das Gerufe und Geschreie hatte sie Borgils Stimme gehört, aber gesehen hatte sie den Zwerg nicht, auch von Azra ist weit und breit nichts zu sehen, und so übernimmt sie kurzerhand den Oberbefehl hier im Schankraum, ordnet den Knechten an die Fenster mit den Tischen zu verrammeln, scheucht die jüngsten Mägde und Knechte hinunter in den Keller, wo es noch am sichersten sein wird. Sie selber würde oben bleiben und ihre geliebte Schankstube bis aufs Blut verteidigen. Sie weiss, dass sie gegen einen Höllenhund oder einen Ogre keine Chance haben würde, auch gegen ein Rudel Boghaniks wäre sie alleine machtlos, aber einen einzelnen Boghanik, den würde sie sich schnappen können. Einige Hühner haben es geschafft durch die noch geöffneten Fenster in den Schankraum zu flüchten und flattern nun wie von Sinnen durch die Gaststube. Halla klettert kurzerhand auf einen der Tische, als eine dicke Ratte über den Boden huscht und ebenso Schutz vor den Höllenkreaturen sucht, wie alle anderen in der Stadt. So klein Halla auch ist, ihr Gesicht zeigt eine entschlossene Miene, dass sie hier so schnell nicht aufgeben würde.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 10. Sept. 2005, 10:21 Uhr
Gerade ist Halla damit beschäftigt ein aufgescheuchtes Huhn davon abzuhalten ihre Haare als sicheres Nest zu missbrauchen, als sie Borgil erblickt, der soviel Waffen trägt, dass Halla sich fragt, wie der Zwerg das Gewicht davon tragen kann. Er brüllt irgendwas von Fenster verschliessen und Leute in Sicherheit bringen und das Halla auf Azra achten soll. Aber noch ehe Halla ihm auch nur ein Wort antworten kann, ist der Zwerg schon wutschnaubend aus der Tür hinaus. Es dauert nur wenige Wimpernschläge ehe Azra in dem Schankraum erscheint, sich umsieht, keine Gäste mehr findet, die sie retten könnte und dann schnurstracks auf die Harfentür zugeht. Das Huhn hat sich entdlich entschieden, dass es auf Hallas Kopf wohl doch zu unruhig ist und flattert auf einen der Balken der Harfe. Wirr stehen Halla die Haare vom Kopf, die das Huhn aus ihren Zöpfen gezogen hat. "HALT Azra! Bleib hier! Borgil...." Das wars, mehr würde Azra eh nicht mehr hören, denn sie ist längst aus der Tür und im Rauch davor verschwunden. "Verdammt, verflixt und zugenäht. Borgil wird mir den Hals umdrehen, wenn er merkt, dass ich Azra nicht aufhalten konnte, ganz toll."

Halla überlegt gerade noch, ob sie Azra vielleicht hinterher laufen soll, als sie von drei oder sind es vier Kreaturen abgelenkt wird, die durch die, von Azra offengelassene, Harfentür stürmen. Egbert, ein Schankbursche, ist so geistesgegenwärtig und verschliesst die Tür, obwohl man ihm ansieht, dass seine Knie vor Angst schlottern. Mit dumpfem Knall donnern weitere Gräber gegen die Harfentür, die gefährlich in den Angeln knirscht und Halla stösst ein Gebet gen Himmel, dass die schwere Tür halten würde. Aber im Grunde ist dafür keine Zeit, denn die vier Boghaniks, die den Weg in die Harfe gefunden haben, greifen gerade einen Gast an, der sich unter einen der Tische geflüchtet hatte. Ausserdem trägt einer der Gräber eine brennende Fackeln und versucht das Mobiliar der Harfe in Brand zu stecken. Obwohl Halla am ganzen Körper zittert und sie glaubt vor Angst unter sich lassen zu müssen, steigt auch die Wut in ihr auf diese Geschöpfe der Unterwelt.

Kurz wirft Halla einen Blick auf das Messer und die Pfanne und dann springt auch schon einer dieser Gräber auf den Tisch auf dem sie steht. Ein wildes Fauchen kommt plötzlich von irgendwoher und dann landet der grosse Kater der Harfe auf dem Tisch und faucht den Gräber wild an und fährt die Krallen aus. Der Kater ist fast genauso gross wie der Boghanik und scheint nicht die geringste Angst vor ihm zu haben. Das Nackenhaar des Katers ist gesträubt und sein Schwanz peitscht wütend durch die Luft, als er die Krallen ausfährt und sie dem Gräber quer über das schauerliche Gesicht zieht. In dem Moment löst sich Hallas Starre und sie holt mit der Pfanne aus und lässt sie auf den Kopf des Wesens herunterpoltern. Der Gräber stösst einen schauerlichen Laut aus, geht kurz zu Boden, rappelt sich dann aber wieder auf. Der Kater lenkt den Boghanik erneut ab und so kann Halla noch einmal zuschlagen und diesmal noch etwas heftiger. Diesmal bleibt der Gräber länger benommen und Halla schaut kurz auf das grosse Messer in ihrer Hand. Sie hatte noch nie ein Wesen getötet und auch wenn es darum ging Hühner oder Kanninchen zu Hause zu schlachten, hatte sie sich darum immer gedrückt. Aber das hier ist etwas anders, diese Wesen wollen ihre Harfe zerstören und trachten ihr auch nach dem Leben, und so schliesst sie die Augen und holt aus und sticht blinwütig zu, mehrmals, sie spürt das ekelhafte Blut, das ihr ins Gesicht spritzt und ein Schauer läuft durch ihren Körper, und sie übergibt sich über den nunmehr toten Körper des Boghaniks. Der Kater faucht immer noch und zerfetzt mit seinen Krallen das Wesen. Noch ein Stich und Halla spürt, dass kein Leben mehr in dem Wesen ist. Blinzelnd öffnet sie ihre Augen und stösst das Wesen aus den neun Höllen kurz mit dem Fuss an. Ihr ist imme rnoch speiübel und Halla ist froh heute morgen nicht viel gefrühstückt zu haben. Der Boghanik rührt sich nicht mehr, und auch der Kater lässt von ihm ab, springt vom Tisch und hilft Grid und Egbert, die sich gerade um einen anderen Boghanik kümmern.

Auch Halla springt vom Tisch um den beiden zu helfen. Aus der Küche dringt ebenfalls Kampflärm, einer der Gräber hat wohl den Weg in die Küche gefunden, aber Halla ist sich sicher, das Sigrun und einer der Küchenjungen damit fertig werden. Durch den Kampflärm hindurch, hört sie auch wie Sigrun brüllt."Du verdammtes Mistviech, raus aus meiner Küche." Und trotz der surrealen Situation muss Halla leise lachen. Dann ist sie auch schon bei Grid und Egbert und schlägt mit der Pfanne zu, bis auch dieser wütende Boghanik seinen Geist aufgibt. Um sicher zu gehen, dass er nicht nur betäubt sondern auch tot ist, sticht sie noch ein paarmal mit dem Messer zu. Und dann schreit sie urplötzlich vor Schmerzen auf. Der vierte Boghanik hatte sich von hinten angeschlichen und hat sich nun in ihrer Wade verbissen. Halla hat keine Möglichkeit an dieses Viech zu kommen, denn jedesmal wenn sie sich dreht, dreht sich auch der Gräber mit und bohrt seine spitzen Reihen von Zähnen nur noch tiefer in ihr Fleisch. Tränen schiessen Halla in die Augen und laufen über ihre Wangen."Aua,Aua AUA! Nun tut doch endlich was, nehmt dieses Biest von mir!"

Grid und Egbert können aber nur hilflos daneben stehen, da Halla sich wie ein Derwisch ständig wild um sich selber dreht. Dann löst sich Grid endlich aus ihrem Schock, tritt zu Halla und greift sie fest an den Schultern"BLEIB stehen, verdammt!" Es wirkt und Halla bleibt verdutzt einen Moment stehen, diesen Moment nutzt Egbert aus um dem Gräber ein Tischbein über den Schädel zu ziehen, dann Hallas Messer zu greifen und auch den letzten Gräber zu töten, der den Weg in die Harfe gefunden hatte. Trotz das der Gräber tot ist, lässt er Hallas Bein noch nicht los, und unter Hallas Gejammer und Gezeter versuchen Grid und Egbert sie von diesem Monster zu befreien. Als sie es endlich geschafft haben das Maul dieses Viechs zu öffnen und Hallas Bein zu befreien, atmen alle erleichtert auf. "Jetzt brauch ich erstmal einen Schluck Feuerwein und zwar schnell!" Sind Hallas letzte Worte ehe sie in Ohnmacht fällt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 13. Sept. 2005, 18:13 Uhr
Ein Schwall kaltes Wasser trifft Hallas Gesicht und wütend springt sie auf um dem Idioten, der sie gerade aus dem schönsten Traum gerissen hat, eine zu scheuern, als ihr Bein vor Schmerz aufheult und sie zu Boden fällt, weil ihr Bein sie nicht mehr trägt. „Auaaaa, aua, aua, aua!“ Tränen schiessen ihr in die Augen und kullern aus ihren geschlossenen Lidern, und vermischen sich mit dem Wasser, das ihr noch immer übers Gesicht läuft, während ihr Bein in Flamen zu stehen scheint, und dieses Feuer sich langsam durch ihren ganzen Körper frisst. Bei allen Göttern warum tut mir mein Bein so weh, und wo bin ich überhaupt, und was ist geschehen? Sie atmet einmal tief ein, um gleich darauf wild hustend wieder auszuatmen. Verdammt, was ist dass denn für ein Gestank? Langsam öffnet sie die Augen, sieht die Hälfte von Grids Gesicht und ansonsten die Decke, der ihr so bekannten und geliebten Harfe. Gut ich bin in der Harfe, wenigstens etwas! Aber warum lieg ich am Boden und warum schaut Grid so besorgt drein, und warum tut mir mein Bein immer noch so weh? Langsam und mühsam richtet die kleine Mogbar ihren Oberkörper auf, leicht von Grid gestützt und blickt auf ihr Bein. Ihr Rock ist zur Hälfte gekürzt und an ihrem Bein prangt ein provisorischer Verband und langsam kommt die Erinnerung zurück. Dunkelheit war über Talyra gekommen, verfluchte Gräber  hatten den Weg in die Harfe gefunden, einer hatte sich in ihrem Bein verbissen, und sie hatte zusammen mit Grid und Egbert einige dieser Viecher getötet.

Langsam lässt sie den Blick durch den Schankraum gleiten, während Wasssertropfen von ihrem Kinn gleiten und ihr dreckiges Kleid tränken. Im Schankraum sieht es chaotisch aus, fast kein Möbelstück scheint noch ganz zu sein, die meisten sind zerlegt und Teile davon verschließen die Fenster der Harfe. Fahles Licht fällt durch die Ritzen, aber es ist eindeutig Sonnenlicht und nicht mehr das diffuse Licht der Dunkelheit. Überall auf dem Boden liegen Glassplitter und als Halla die Hände aufstützt, um sich in die Höhe zu hieven, muss sie aufpassen sich keinen Splitter in die Hand zu rammen. Als sie schließlich steht und ihr ganzes Gewicht dabei auf ihr gesundes Bein verlagert, blickt sie Grid und Egbert fragend an. “Ist es vorbei? Ist der Dämon weg? Wie lange war ich denn ohne Bewusstsein. Nun sagt schon was ihr beiden und starrt mich nicht so an!“ Die beiden zucken nur mit den Schultern und Halla schüttelt missmutig den Kopf. Ihr Bein schmerzt immer noch höllisch, aber sie ist auch neugierig und die Neugier ist schlimmer als jeder Schmerz. Sie muss einfach wissen, was da draußen vor sich geht, ob der Spuk vorbei ist oder sie sich gegen mögliche erneute Höllenkreaturen zu Wehr setzen müssen, die versuchen wollen ihre schöne Schankstube dem Erdboden gleich zu machen.

Langsam humpelt sie zu einem der verrammelten Fenster hinüber, bei jedem Schritt leise vor sich hinfluchend und darauf achtend, in keine Scherbe zu treten, und die Warnungen von Grid und Egbert vollkommen ignorierend. Vorsichtig tritt sie an das Fenster und lugt durch einen Schlitz um zu sehen, was auf dem Marktplatz geschieht. Aber anstatt auf den Marktplatz schaut sie genau in ein gelblich, funkelndes, großes Auge. Vor Schreck laut aufquitschend, tritt sie einen Schritt zurück, stolpert über irgendwas und setzt sich auf den Allerwertesten, wobei sich ein Glassplitter in eben diesen bohrt und sie erneut aufquiekt, aber diesmal nicht vor Schreck sondern vor Schmerz. Noch immer vor Schmerz jaulend, dreht sie sich herum und krabbelt auf allen Vieren von dem Fenster weg, gegen dessen Barrikaden grade eine Faust –zumindest vermutet Halla dass es eine Faust ist- donnert und das Holz gefährlich knirscht. Rasch bringt sie sich auf die Füße nur um erneut erst einmal vor Schmerz aufzuheulen. Doch dann kehrt ihr Kampfgeist zurück und sie will verdammt sein, wenn sie ihre Schankstube einfach diesen Ungeheuern überlässt. „Los wir müssen uns bewaffnen! Egbert geh in die Küche und hol alles an Messern, Hackbeilen und sonstiges hierher, egal was, alles was als Waffe dienen kann, und du Grid, ziehst mir den verdammten Splitter aus dem Hintern. Da draußen ist immer noch die Hölle los, ich weiß zwar nicht was mich da eben aus gelben Augen angestarrt hat, aber es war nicht gerade klein und mit Sicherheit kein Gräber und ich glaube auch nicht, dass es alleine war. Die Götter mögen uns beistehen.“ Egbert ist schon in der Küche verschwunden , wo sie ihn laut mit Sigrun reden hört, die genauso wenig wie Halla kampflos ihre Küche übergeben würde. Halla dreht Grid ihre Kehrseite zu und zeigt mit dem Finger auf die Stelle, wo der Splitter steckt. “Nun mach schon Grid, das verdammte Ding tut weh!“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 13. Sept. 2005, 19:49 Uhr
Nach dem sie eine Weile im Stall der Harfe gestanden haben, keuchend und blutig, haben sie den Entschluss gefasst, dass es einfach nicht möglich ist sich hier zu verbarrikadieren und darauf zu hoffen diesen Tag mit viel Glück lebend zu überstehen. Waffen, aber woher? Suchend beginnen sie sich im Stall umzusehen, aber außer den Mistgabeln und den Schaufeln die sie ohnehin schon benutzt haben will sich dort nicht wirklich etwas finden lassen. Ein Hammer und eine Zange liegen noch da, mehrere Besen zum Kehren, aber ob sie mit denen wirklich etwas gegen Oger, Höllenhunde oder wenigstens gegen einen der kleinen Boghaniks ausrichten können, ist fraglich.
„Es nützt nichts, wir müssen rüber in die Harfe um Waffen zu holen!“ sagt Tiuri und die anderen nicken bestätigend. Sie sind sich dessen durchaus bewusst, aber der Gedanke dort hinaus zu gehen wo die Hölle auf Erden gerade einen neuen Standort gefunden hat, ist nicht wirklich motivierend und so nicken sie zwar murmelnd vor sich hin, aber keiner bewegt sich um auch etwas zu tun.
„Also wer geht?“ fragt Tiuri schließlich und hofft, dass sich jemand freiwillig melden würde. Er selbst möchte nicht gerne hinaus gehen, wobei ihm diese Kreaturen fast noch weniger Furcht einjagen als das Feuer das den halben Marktplatz schon verschlungen hat. Tiuri weiß einfach, dass er vor lauter Angst erstarren könnte, worauf hin ihm wohl der sichere Tod droht weil er von irgendeinem Ungeheuer gefressen wird und die anderen stehen ohne seine Hilfe und ohne Waffen da. Trotzdem hofft er natürlich vergebens, von den anderen möchte natürlich ebenso keiner nach draußen gehen.
>Also, es war doch deine Idee oder?< sagt einer der kleineren Stallburschen und die anderen nicken wieder, auch wenn sie dabei den Blick auf den Boden richten, denn es ist ihnen auch nicht wohl einen Freund dort raus zu schicken. Aber selbst sind sie sich doch immer noch die nächsten, besser er als sie selbst.
Tiuri setzt noch einmal zum Reden an, schließt aber dann den Mund wieder, für Streitereien oder Strohhalme ziehen, haben sie gar keine Zeit, sie müssen etwas unternehmen oder der nächste Goblin steht ihnen gegenüber und sie hätten diesen, der jetzt in seinem Blut vor ihnen liegt, ohne ihre List schon gar nicht zur Strecke bringen können. Er muss also nicht nur sofort handeln, sondern am besten Fall auch noch gleich, denn je weniger sie sind, desto schwieriger wird es sich zu verteidigen.
„Na gut, dann geh ich!“ sagt er und nickt bekräftigend, auch um sich selbst in die Gänge zu bringen. Vor dem ersten Schritt muss er tief einatmen, aber dann läuft er fast schon los. Das muss er auch tun, sonst wäre er mit Sicherheit irgendwann stehen geblieben oder hätte gar umgedreht und die Waffen Waffen sein lassen. Aber so, stößt er die Türe auf, wirft sie hinter sich zu, springt auf den Marktplatz hinaus und traut dort seinen Augen kaum. Der Dämon verschwindet gerade mit einem völlig unpassenden ‚Plopp’, aber sonst sind die Kämpfe im vollen Gange. Das Feuer breitet sich fröhlich aus und die Höllenwesen machen es sich auch fast schon gemütlich in Talyra. Dort wo Tiuri gerade die Harfe betreten möchte, nämlich bei der vorderen Eingangstür stellt sich ihm allerdings ein Hindernis in den Weg. Ein besonders großes und stinkendes Hindernis, mit einem Höllenhund an der Kette. Der Oger tigert vor der Harfe auf und ab, streicht erst um die Türe herum, scheint aber dann nicht das Hirn zu haben um sie auch zu benutzen. Jedenfalls hält er sich plötzlich mehr an eines der verbarrikadierten Fenster und schielt dort hinein.
Gut, dort werde ich wohl eher schlecht hinein kommen!
Kurz sieht sich Tiuri um und da ihm scheinbar niemand Beachtung schenkt, zu mindestens entdeckt er niemanden der ihn gerade ansieht als würde er ihn im nächsten Moment anspringen und den Kopf abbeißen. Leise und so unsichtbar wie möglich schleicht er in die andere Richtung um zum Hintereingang der Harfe zu gelangen. Immer wieder wirft er einen Blick über die Schulter, klammert sich an die Mistgabel, die er zu seinem Schutz mit sich genommen hat und übersieht dabei völlig den Boghanik der sich vor ihm aufbaut.
Selbst dann geht er ihm allerdings gerade erst bis zu den Kniekehlen, aber das Maul voller Zähne ist trotzdem nicht gerade einladend. Mit seinen hässlich großen Händen scharrt der kleine Kerl über den Boden und sieht Tiuri dabei an als überlege er wo er seinen ersten Biss am besten ansetzen möchte. Er öffnet das Maul leicht und der Speichel rinnt ihm aus dem Mundwinkel.
„Sehr schön kleiner, aber an mir ist sowieso nichts dran, vergiss es besser gleich wieder!“

Anstatt sich allerdings daran zu halten, fasst der Boghanik Tiuris Worte wohl als Aufforderung an, jedenfalls springt er blitzschnell ab und stürzt sich auf den Jungen. Der hat mit dieser plötzlichen Aktion nicht gerechnet und schon gar nicht mit der Geschwindigkeit die dieses hässliche Ding an den Tag legt. Er macht zwar gerade noch einen Schritt zur Seite, aber der Boghanik hat mit einer Hand schon sein Bein umfasst und klammert sich schließlich auch mit der zweiten daran nur um keinen Liderschlag später seine spitzen Zähne in die Wade Tiuris zu bohren.
Vor Schmerz schreit er auf und aus Reflex oder Rache, so genau weiß er das nicht, tut er genau das Richtige. Er hebt die Mistgabel und stößt sie dem Boghanik einfach ins Genick. Er legt dabei so viel Wucht in den Stoß, dass die Mistgabel dem Untier beinahe den Kopf abtrennt und sich Tiuri mit der Spitze der Mistgabel schon wieder in den Zeh sticht.
„Was für ein Scheißtag!“ schreit er wütend und schüttelt den toten Boghanik von sich ab, was gar nicht so einfach ist, denn selbst im toten Zustand, hängt er ganz schön fest an ihm dran. Er muss ihm regelrecht das Kiefer öffnen, was nicht nur ebenfalls recht blutig ist, sondern auch widerlich stinkt und Tiuri versucht so gut wie möglich die Luft anzuhalten.
Als er das Ding endlich los geworden ist, rennt er, so schnell wie das mit dem angeknabberten Bein möglich ist, weiter in Richtung Harfe.

Er reißt die Türe auf, rennt dort beinahe eine aufgebrachte Grid über den Haufen, will eben nach Waffen, Messern, Hacken oder wenigstens irgendwelchen Holzprügeln schreien, als er erstarrt, weil das Fenster, vor dem, wie er gesehen hat der Oger steht, bedenklich zu knirschen und schließlich auch zu splittern beginnt.
„Oger, mächtig großer Oger!“ teilt er den anderen überflüssiger Weise mit, aber etwas besseres fällt ihm nicht ein und dann bleibt ihm der Mund offen stehen und er starrt von Halla, die gerade Grid dazu motiviert ihr einen Glassplitter aus dem Allerwertesten zu ziehen, zu Grid, von Grid zu Egbert und von dem wieder zu dem splitternden und krachenden Fenster, von dem er nicht glaubt, dass es noch lange standhalten wird gegen den wuchtigen Ogerschlag von draußen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 13. Sept. 2005, 22:23 Uhr
Grid puhlt vorsichtig an dem Splitter herum, der Hallas Kehrseite ziert und ihr jedes Mal ein Stöhnen entlockt, wenn Grid diesen berührt. „Grid zieh das blöde Ding einfach mit einem Ruck heraus, so sterbe ich noch an den Schmerzen, ehe du ihn heraus bekommen hast.“ Gerade als Grid heftig ziehen will, erscheint Tiuri in der Schankstube und Grid dreht sich ruckartig um, weil sie eine dieser Höllenkreaturen vermutet, allerdings lässt sie den Glassplitter dabei nicht los und zieht ihn so mit einem Ruck aus Hallas Fleisch. “Aua!“ Dann kracht es wieder gefährlich auf das Holz der Barrikade vor dem Fenster, und man hört das Holz splittern, dass vor wenigen Stunden noch eine Tischplatte war. > Oger, mächtig großer Oger!< bricht es aus Tuiri hervor,  ährend Halla sich ihren Allerwertesten reibend, angstvoll dem Fenster zuwendet. Es kracht nocheinmal gegen das Holz und die Platte splittert endgültig in zwei Teile und Sonnenschein dringt in die Harfe, getrübt von dem Rauch, der in der Luft hängt.

Allerdings ist es nicht das Gesicht eines Ogers, was den Sonnenschein wieder verdunkelt, sondern eine Kreatur, wie sie ein Schauermärchen  nicht schlimmer hervorbringen könnte. Es sieht aus wie ein Wolf oder zumindest etwas das dem sehr ähnlich ist, Geifer tropft ihm von den langen Zähnen, als er sich durch das Fenster schiebt und noch die Reste der Tischplatte vernichtet. „Shenrah, Faeyris steh uns bei! Was ist denn das für ein Geschöpf.“ Hallas Beine beginnen zu zittern, als eine eiserne Kette rasselnd über die Fensterbank gleitet, und der eine grünlich-ledrig schimmernde riesige Hand folgt. Eine zweite ebenso grosse Hand folgt der ersten, und dann schiebt sich ein fürchterlich hässlicher Kopf durch das Fenster gefolgt, von breiten Schultern, die von langen, eklig fettigen Haaren verziert ist. Lauf Halla. lauf! Aber sie kann sich keinen Fussbreit rühren und starrt auf das, was da durch das Fenster in die Harfe will. Der Höllenhund, nichts anderes kann es sein, zerrt an seiner Kette und kommt Halla gefährlich nah, aber die Kette hält ihn auf, einen oder zwei Schritt von Halla entfernt.

Der Oger füllt mittlerweile das komplette Fenster aus, ein Teil seiner behaarten Brust ragt schon in die Harfe, als dieses Untier plötzlich anfängt sich mit seinen Pranken gegen die Wände der Harfe zu drücken und wild anfängt zu fluchen. Zumindest glaubt Halla, dass der Oger flucht, denn die unheimliche Sprache, die er spricht, versteht Halla nicht. Der Höllenhund zerrt an seiner Kette, kommt aber nicht weiter, weil sich diese zwischen Oger und Fensterbrett verklemmt hat und ein breites Grinsen läuft über Hallas Gesicht. „Ha! HA! Das habt ihr Ausgeburten der Hölle jetzt davon, was will auch so ein ekelhafter riesiger Klops durch ein kleines Harfenfenster klettern, Oger scheinen wirklich ein winzig kleines Hirn zu besitzen! Selber Schuld kann ich da nur sagen!“Triumphirend stemmt Halla ihre Hände in die Hüften und blickt sich das Schauspiel schon fast belustigt an. Allerdings vergeht ihr das Lachen schnell, denn der Oger brüllt auf einmal vor Wut los, und wirft seinen stinkenden Atem Halla entgegen, welcher schlagartig schlecht wird dabei, und die Mogbar sich die Hände an die Ohren hält, weil sie von dem Gebrüll anfangen zu klingen wie Bronzeglocken. Der Höllenhund zerrt weiter an der Kette, knurrt und sabbert seinen Geifer auf den Boden der Harfe und lansgam scheint die Kette nachzugeben.

Halla wird klar, dass sie schnell etwas tun müssen, ehe die Kette ganz nachgibt und der Bestie jede Bewegungsfreiheit wieder gibt, die sie braucht. „Wir müssen dieses Vieh töten und zwar schnell, sonst sind wir tot!“ Sie dreht sich zu den anderen um, den Blick der Kreatur überdeutlich in ihrem Rücken spürend. „Nur wie machen wir das?“, fragt sie jetzt fast schon verzweifelt in die Runde. Sie selbst ist bei weitem zu klein und würde mit ihren kurzen Armen kaum nahe genug an das Wesen kommen, um ihm auch nur einen Kratzer zuzufügen. Los Halla denk nach, denk nach! Schliesslich kommt ihr eine vage Idee, während der Oger noch immer vor Wut schnaufend und zeternd versucht durch das Fenster zu kommen. „Einer oder mehere müssen das Vieh ablenken, während ein andere versucht es mit einem Messer zu töten. Egbert was hast du in der Küche an Waffen gefunden?“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 14. Sept. 2005, 21:46 Uhr
Wie zu erwarten war, hält das Fenster dem Oger nicht stand und schon bald kommt ein großes Maul voller Zähne in den Schankraum, gefolgt von dem daran gewachsenen Kopf des Höllenhund. Der Atem des hechelnden Tieres wirft beinahe die Belegschaft der Harfe um, aber eigentlich sind sie sowieso zu geschockt um etwas zu tun und starren den Köter einfach an, als er in den Schankraum steigt, immer noch an der großen Kette hängend.
Halla schickt ein Stoßgebet zum Himmel, Grid verbeißt sich ein Aufschreien und wimmert leise vor sich hin, während Egbert, in der Küche verschwunden ist um dort hoffentlich nicht in Ohnmacht zu fallen, sondern alles an scharfen Gegenständen zusammen zu tragen das sich finden lässt. Der Hund an seiner Kette springt geifernd auf und ab, aber noch hält ihn der Oger eisern fest und versucht hinter ihm selbst in den Schankraum zu steigen.
Angesichts der Situation ist es verständlich, dass Tiuri nicht zu lachen beginnt, aber der riesige Oger, so hässlich und gefährlich er auch sein mag, sieht dermaßen lächerlich aus als er versucht durch das viel zu kleine Harfenfenster zu steigen, dass dem Jungen tatsächlich die Mundwinkel zu zucken beginnen.
Schlussendlich kommt es, wie es kommen muss und der Höllenogre steckt zur Hälfte im Fensterrahmen fest. Was er sagt versteht er nicht, aber es klingt als würde er gerade jeden einzelnen Stein mit dem das Haus gebaut worden ist verfluchen. Halla geht es wie Tiuri selbst, ein breites Grinsen läuft über ihr Gesicht und sie lacht triumphierend auf, auch wenn der Höllenhund nur zwei Meter vor ihr an der Kette zerrt als ginge es um sein Leben, auch wenn ihm die Zunge schon fast bis zum Boden hängt.

>Ha! HA! Das habt ihr Ausgeburten der Hölle jetzt davon, was will auch so ein ekelhafter riesiger Klops durch ein kleines Harfenfenster klettern, Oger scheinen wirklich ein winzig kleines Hirn zu besitzen! Selber Schuld kann ich da nur sagen!<

Auch wenn der Oger nicht genau versteht was das kleine unwürdige Wesen da vor ihm von sich gibt, den Tonfall kann er nicht missverstehen und er brüllt als könnte er damit die Harfe einfach aus ihren Grundfesten heben. Tiuri hält sich halbherzig die Ohren zu, denn während sich der Oger gebärdet und der Hund noch immer wie verrückt an der Kette zieht, fällt ihm auf, dass diese zwar fest steckt, aber bei weitem nicht so stabil wie es ihnen recht wäre. So lange sich der Oger bewegt, und das tut er, sitzt sie nicht vollkommen fest. Auch Halla hat das bemerkt und fordert die anderen in der Harfe auf, irgendetwas zu tun das dieses Vieh umbringt, weil das sonst ihr letzter Tag auf Roha ist. Als sie Egbert nach Waffen fragt, zieht der die Schultern etwas nach oben.
>Nichts was ich mir im Kampf gegen dieses Ungeheuer wünschen würde!< meint er und hält einige Messer aus der Küche hoch. Zugegeben es sind wirklich große, lange Fleischermesser, richtig scharf noch dazu und da können sich die Angestellten der Harfe selbst auf die Schulter klopfen und froh sein, dass sie sich nicht nur um die Gäste gut kümmern, sondern auch um die diversen Küchenutensilien.
Zusätzlich hat Egbert noch eine Hacke gefunden, selbst mit Tiuris Mistgabel macht das immer noch ein eher dürftiges Waffenarsenal und Tiuri wünscht sich nur für einen Moment zurück in die Waffenkammer der Kanalratten die sie damals zu ihrem Glück gefunden haben.
Aber selbst damit haben wir ein Problem, denn weder Halla noch Grid sehen aus als könnten sie mit einem Schwert irgendwie umgehen, ja nicht einmal als wären sie kräftig genug es zu halten!
Der Gedanke ist nicht gerade ermutigend, aber Tiuri versucht sich damit zu besänftigen, dass sie ja sowieso keine Schwerter haben, aber das hilft eigentlich auch nicht.

Streng dich an Tiuri, irgendetwas muss dir doch einfallen! Der Junge zermartert sich den Kopf, aber der geifernde Höllenhund und der brüllende Oger in seinem Nacken helfen ihm nicht wirklich sich zu konzentrieren. Alles was ihm einfällt ist, einfach von allen Seiten auf das Tier ein zu stecken und dem Oger dann so lange auf den Kopf zu schlagen bis sie ihm die Kehle durchschneiden können, aber es könnte daran scheitern, dass sie sich einfach nicht so nahe an die beiden heran wagen können. Das nächste was ihm einfällt, ist Messer werfen, aber er weiß auch, dass das viel einfacher aussieht als es eigentlich ist und dass man, selbst wenn man genügend Kraft aufbringen kann, noch lange nicht jedes Mal mit der Spitze in sein Ziel trifft, wenn man das Ziel denn überhaupt trifft.
Eigentlich läuft es immer wieder darauf hinaus, dass einer hingehen muss und dem Tier eines der Messer in die Kehle stechen.
>Wir hätten auch Feuer!< ruft Grid schließlich aus, froh auch etwas beitragen zu können und sich nicht einfach nur zu Tode zu fürchten. >Jaaa!< Egbert ist hoch erfreut ob der Idee und Tiuri stimmt gleich ein, mit einem nicht zu überhörenden Sarkasmus in der Stimme.
„Jaaa… fackeln wir das Untier ab und die Harfe gleich mit, wer braucht die schon!“ Er ist ungerecht und das weiß Tiuri auch, aber er ist, wie die anderen auch, gereizt und wenn die Sprache dann auch noch auf Feuer kommt, kann er einfach nicht ruhig bleiben und mit anhören, dass die anderen hier einfach einen Brand legen wollen oder auch nur mit einer brennenden Kerze wackeln möchten. Jedes Mal wenn auch nur einer das Wort „Feuer“ in den Mund nimmt, sieht er schon wie das Strohdach der Harfe als größte Fackel Rohas in die Geschichte eingeht und er war mitten drin.
Die anderen sehen ihn mit großen Augen an. Tiuri hebt entschuldigend die Hände und blickt dann von einem zum anderen. „Schon gut, aber wollt ihr wirklich dieses…dieses Ding da in Brand stecken? Wenn das mal Feuer gefangen hat können wir es vielleicht nicht so einfach löschen und dann brennt schon der erste Stuhl und dann der erste Tisch und bevor wir es uns versehen steht der ganze Schankraum in Flammen!“
Vielleicht hat er gar nicht recht und vielleicht könnten sie dem Feuer auch gleich wieder Herr werden, oder es einfach nur benützen um den Hund einzuschüchtern, aber egal was, sie verwerfen die Idee wieder und kommen schließlich zu den Entschluss, dass es keine andere Möglichkeit gibt, als dass sich irgendjemand näher an das Tier heran wagt.

„Also was diesen hässlichen Köter, (das ist doch ein Hund oder?) angeht, ich fürchte es wird nicht anders möglich sein, aber irgendjemand muss hin gehen und ihm einen Knüppel über den Schädel ziehen, oder eine Pfanne, haben wir eine Pfanne mit einem richtig langen Stiel?“ Grid und Halla laufen zusammen in die Küche und kommen bald darauf mit einer herrlich großen Pfanne zurück in der man Omelett für viele Gäste der Harfe machen kann.
„Gut!“ sagt er und schaut die Pfanne an die ihm Grid gleich darauf entgegen hält. Er nimmt sie etwas zögerlich und wiegt sie hin und her. Wieder sehen sie sich alle an und wissen, dass einer von ihnen jetzt gehen muss.
Sie entscheiden, dass die beiden Mogbars einfach zu klein sind und zu kurze Arme haben um sich dem Schattenhund zu nähern und weil Tiuri der größte ist und auch zufällig gerade die Pfanne in der Hand hält, außerdem war es seine Idee und er weiß am besten wie er es sich ausgeführt vorgestellt hat, bleibt es am Ende an ihm hängen.
Er sucht sich einen Punkt, relative nahe am dem, immer noch wie verrückt an der Kette zerrenden Höllenhund, aber auch so weit weg, dass er ihn nicht erreichen kann egal wie sehr er sich auch gebärdet. Der Hund fährt auch direkt auf ihn zu und Tiuri hebt die Pfanne, aber im gleichen Moment fragt er sich auch, warum er eigentlich gedacht hat, dass der Höllenhund keinen Funken Hirn besitzt. Das Tier bleibt jeden Falls nicht einfach stehen und wartet darauf, dass ihm jemand die Pfanne über den Schädel zieht, sondern macht einen Satz zurück und weicht Tiuris Schlag gekonnt aus. Der Junge setzt spontan hinter her, kann sich aber dann gerade noch vor den scharfen Zähnen in Sicherheit bringen.
„Irgendwer muss mit das Ding vom Leib halten damit ich drauf schlagen kann! So geht das nämlich nicht!“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 17. Sept. 2005, 20:35 Uhr
Halla hat stillschweigend den Überlegungen von Grid und Jungen gelauscht. Ihr Hintern schmerzt, ebenso wie ihr Bein und am liebsten würde sie jetzt in ihr weiches, warmes Bett krabbeln, und sich auskurieren. Leider geht das nicht, denn da ist ein Schattenhund, der geifernd an seiner rostigen Kette zerrt, und sie zu gerne als Mittagsmahl einverleiben würde, und ausserdem steckt einer der hässlichsten Oger, den sie je gesehen hat, in einem der Fenster der Harfe fest und kommt weder vorwärts noch rückwärts. Allerdings bezweifelt Halla, dass der Ogre soviel Hirn hat, um überhaupt auf die Idee zu kommen, dass er sich befreien könnte, wenn er sich zurück ziehen würde, zum Glück für sie. Die Idee mit dem Feuer ist schnell verworfen, ehe sie die ganze Harfe abfackeln, und so bleibt nur, dass der Junge versucht den Höllenhund irgendwie kampfunfähig zu machen. Schliesslich entscheidet sich der Junge für eine ziemlich grosse, gusseiserne Pfanne und versucht dem Biest den Kopf einzuschlagen. Der Köter scheint allerdings schlauer als sein Herr zu sein, und es gelingt Tiuri nicht auch nur einen Schlag zu platzieren.

>Irgendwer muss mit das Ding vom Leib halten damit ich drauf schlagen kann! So geht das nämlich nicht!< "Ablenken? Du hast gut reden! Wie denn? Soll ich hier vielleicht einen kleinen Tanz auf einem der kaputten Tische aufführen? Ich glaube das interessiert den Köter recht wenig." Doch dann kommt ihr eine Idee, sie könnten das Biest nicht anstecken, aber vielleicht würde Feuer es ablenken. "Entschuldige, aber meine Nerven sind wohl nicht gerade die besten heute, aber ich hab eine Idee, warte." Rasch greift Halla nach einem der Tischbeine, reisst ihren Rock noch weiter in Streifen, so dass noch mehr ihrer Beine zu sehen ist, was sie in einer anderen Situation sicher hätte bis an die Haarspitzen rot werden lassen. Dann wickelt sie den Stoff um das Tischbein, giesst etwas von dem Feuerwein darüber und bittet Grid es zu entzünden. Grid eilt zum Kamin holt Zunder und kurz darauf haben sie eine herrliche Fackel.

Langsam nähert sich Halla dem Untier und schwenkt dabei die provisorische Fackel vor sich hin. Zu ihrer aller Glück scheint das Tier wirklich so etwas wie Angst vor dem Feuer zu haben und lässt sich ablenken. Halla geht in die Ecke die Tiuris Position entgegengesetzt ist und das Tier ihn so nicht mehr sehen kann, bleibt dabei aber immer ausser Reichweite der Kette des Viech, so dass es sie nicht angreifen kann, sie geht noch einen Schritt vor, und ist nur noch einen Schritt von dem Tier entfernt."Jetzt Junge!", ruft sie dem Jungen zu, der schon startbereit auf ihr Zeichen gewartet hat, er schnellt vor und versetzt dem Viech einen kräftigen Hieb auf den Schädel. Das Biest allerdings schüttelt sich ein wenig, starrt kurz verwirrt umher und hat sich dann aber wieder gefangen. Tiuri schlägt noch einmal zu, das Vieh heult kurz auf, schüttelt sich erneut, schwankt, aber steht immer noch. "Verdammt! Verdammt! Verdammt! So geht das auch nicht. Egbert, Grid, ihr müsst auch helfen, stecht es ab oder tut sonst was!", schreit sie den beiden zu, während sie weiter mit der Fackel vor der Nase des Höllenhundes herumfuchtelt und ihn so immer wieder ablenkt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 27. Sept. 2005, 22:48 Uhr
Der Ablenkungsversuch funktioniert an sich gar nicht so schlecht und Tiuri kann dem Schattenhund endlich mit der Pfanne auf den Kopf schlagen. Das Problem bei der Sache ist nur, dass das den Köter noch lange nicht außer Gefecht setzt. Zwar taumelt er kurz, schüttelt denn den schmerzenden Kopf, aber als er sich wieder fängt ist er nur noch wütender als zu vor. Auch der zweite Schlag, so kräftig er auch ist, hilft nicht viel, der Höllenhund steht noch immer.
„Du elendes Mistvieh, jetzt fall doch schon um!“ wütend brüllt Tiuri den Hund an und wirft ihm schließlich die Pfanne auf den Schädel, mit aller Wucht, auch wenn er sie dazu auslassen muss. Noch einmal heult der Hund auf und versucht auf Tiuri los zu gehen, aber die Kette hält ihn zurück und im nächsten Moment weicht er auch vor der Fackel zurück mit der Halla vor seiner Nase herum fuchtelt. Anstatt jetzt nach ihren Armen und Beinen zu schnappen, beißt er eigentlich nur mehr in die Luft ohne dass eine Chance besteht, dass er wirklich etwas zwischen die Zähne bekommt. Wenigstens abgesehen von der Pfanne, denn in deren Griff verbeißt er sich und schüttelt sie, schleudert sie mit aller Wucht von sich gegen die Wand, wo sie scheppernd zu Boden fällt.
Der Oger unterdessen hört nicht auf zu brüllen und versucht sich mit aller Kraft irgendwie aus der Umklammerung des Fensterrahmens zu lösen, aber es bleibt ein Wunder, er ist zwar rein gekommen, aber wieder retour zu gehen scheint ihm einfach unmöglich zu sein. Trotzdem wünscht sich Tiuri der hässliche Kerl würde endlich still halten, denn wenn er sich auch nicht selbst befreien kann, jedes Mal wenn er sich bewegt wird die Chance, dass die Kette des Höllenhundes frei kommt größer.
Wenn wir nur richtige Waffen hätten! Der Junge streicht sich die wirren Haare aus dem Kopf und will wieder nach seiner Mistgabel greifen, aber im gleichen Moment schießt ihm ein anderer Gedanke durch den Kopf und die Erinnerung an eine Falltür im Boden, hier in der Harfe.
Warum hab ich eigentlich nicht gleich daran gedacht? Jetzt wo es ihm eingefallen ist, weiß er wirklich nicht warum er nicht schön früher darauf gekommen ist. Borgil ist ja schließlich nicht nur Wirt der Harfe und ein herzensguter Kerl, er ist auch ein Zwerg und ein verdammt guter Kämpfer ist er noch dazu. Aber was wäre ein Krieger ohne ein paar Hilfsmittel und von denen hat der Zwerg ja ein ganzes Sammelsurium.
„Haltet das Untier in Schach, ich besorg uns ein paar Waffen!“ ruft Tiuri den anderen zu, die ein wenig verdutzt da stehen und ihm hinter her schauen. Egbert fängt die Mistgabel die Tiuri zu ihm hinüber wirft geistesgegenwärtig auf und versucht zu verstehen wohin der Junge gerade verschwunden ist.
Eigentlich stiefelt Tiuri ja nicht in Borgils Privatgemächern herum, aber jetzt ist der Zwerg nicht da um gefragt zu werden und Tiuri ist sich ziemlich sicher, dass es Borgil lieber ist wenn er ihm den Keller ausräumt, als wenn die halbe Harfen Mannschaft von einem Höllenhund gefressen wird der eine Schädeldecke aus Stahl zu haben scheint. Er reißt die Türe auf und stürmt hinein, lässt sich fast sofort auf die Knie fallen und öffnet die Falltüre. Die Treppen hinein ins Dunkel wäre er beinahe hinunter gestürzt und obwohl von oben ein Lichtschein kommt, findet er keine Lampe oder Kerze um seine Sicht etwas zu verbessern. Natürlich stößt sich Tiuri dafür sofort den Kopf, denn der Keller ist eher in Zwergengröße gebaut und gleich darauf rennt er gegen ein Regal mit einigen Gerätschaften die Tiuri gar nicht alle benennen kann. Von Waffen hat er sowieso nicht viel Ahnung, aber er sucht etwas langes, scharfes.
Seine Hände tasten suchend vor sich her, an die Wände, über die Holzbretter, über irgendetwas metallisches das er auch sogleich mit einem Höllenlärm umwirft. Zischend zieht er die Luft zwischen den Zähnen ein und wartet kurz bis alles endlich am Boden liegt und keinen Laut mehr von sich gibt. Später, wenn er das hier überleben sollte, könnte er immer noch wieder kommen und aufräumen bevor Borgil die Schererei sieht, aber jetzt ist nicht die Zeit um daran zu denken. Seine Hände streichen über den Griff einer großen Axt, aber mit der kann der Junge nun wirklich nicht umgehen und die Chance, dass er den Hund verletzt bevor er sich selbst trifft ist nicht besonders groß. Also legt er sie zurück an ihren Platz, zumindest denkt er, dass er sie dort her genommen hat wo er sie danach wieder hingelegt hat. Nach einer halben Ewigkeit wie ihm scheint, obwohl er mit fliegenden Fingern und zitternden Beinen in dem Waffenarsenal gegraben hat, findet er endlich etwas, das ihm hilfreich erscheint. Es sind ein paar Einhänder, die er dankbar ohne sie näher zu betrachten, mit sich nach oben und zurück in den Schankraum nimmt.

Die Kette des Höllenhundes wird immer lockerer und Tiuri hat nicht lange Zeit zu zögern. Er bittet Halla den Hund noch einmal mit der Fackel abzulenken, wobei er selbst versucht sich ebenfalls so weit wie möglich von der Flamme fern zu halten und trotzdem irgendwie an das Tier heran zu kommen. Er weiß, falls er es diesmal nicht schafft das Tier zu verletzten wird der nächste Versuch nur noch schwieriger werden, denn noch scheint der Höllenhund das blitzende Schwert in der Hand des Jungen nicht als gefährlich erkannt zu haben. Tiuris Hände zittern und obwohl es ein Einhänder ist, greift er mit beiden Händen an den mit Leder umwickelten Griff und sticht nach einer halben Sekunde die er sich zum Anvisieren Zeit nimmt zu. Er trifft den Hund seitlich in den Hals und springt dann sofort wieder zurück, aus Angst, dass dieses Monster vielleicht einfach nicht umzubringen ist und ihn vor lauter Ärger auffrisst. Aber seine Sorgen diesbezüglich sind unbegründet und der Höllenhund kracht mit einem gurgelnden Geräusch zu Boden während das Blut aus ihm herausläuft.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 01. Okt. 2005, 11:33 Uhr
>Haltet das Untier in Schach, ich besorg uns ein paar Waffen!< Was glaubst du tu ich hier schon die ganze Zeit! Und dann läuft der Junge tatsächlich einfach weg. Halla bleibt für einen Moment der Mund offenstehen und sie will ihm noch etwas hinterher rufen, von wegen, dass er jetzt nicht feige sein soll und er sie jetzt nicht hier alleine lassen kann, aber da dringt auch der letzte Teil seinens Satzes zu ihr durch. Er holt Waffen, woher will er denn....oh bei den Göttern natürlich! Wie konnte ich so dumm sein, Borgils Waffenkammer natürlich! Da hätte ich selber drauf kommen müssen, ich bin so dämlich, wirklich! Während Halla so innerlich mit sich selber schimpft und über ihre eigene Dummheit lamentiert, schwenkt sie weiter ihre selbstgebastelte Fackel vor der Nase des Untiers hin und her. Das Höllenvieh scheint durch die Schläge auf seinen Kopf eher noch wütender geworden zu sein und zerrt wie wild an seiner Kette, und als der Ogre sich wieder einmal brüllend mit den Fäusten gegen die Wand stemmt, um selber in die Harfe zu gelangen, löst sich die Kette ein Stück und gibt dem Hund etwas mehr Freiheit. Halla macht einen Satz nach hinten, der an eine verschreckte Springmaus erinnert, und hält krampfhaft ihre Fackel fest. Ihr Herz schlägt erst im Hals, dann irgendwo in den Eingeweiden und rutscht tiefer, Angst bemächtigt sich für einen kurzen Moment ihrer, als die gelben Augen des Höllenhundes ihren Blick treffen. Aber noch ist er nicht gänzlich frei und die Kette hält ihn noch zurück und Halla dankt allen Göttern und deren Archonen, die ihr im Moment einfallen, dafür.

"Wo bleibt der Junge nur!", murmelt sie in ihren nicht vorhandenen Bart, traut sich aber nicht, sich umzudrehen und zu schauen, ob er wieder zurück ist. Halla will beim besten Willen der Name des Jungen nicht mehr einfallen, sie weiss, sie hat ihn eben noch gewusst und sie müsste ihn auch wissen, schliesslich arbeitet er hier in der Harfe, aber er ist ihr entfallen. Noch während sie über den Namen nachdenkt erscheint Tiuri wieder im Schankraum und sagt ihr sie müsse den Hund nun wieder ablenken. Eifrig fuchtelt die kleine Mogbar wieder mit ihrer Fackel herum und versucht die ganze Aufmerksamkeit des Viechs auf sich zu lenken. Wimpernschläge vergehen und nichts geschieht und es kommt Halla wie eine halbe Ewigkeit vor, ehe sie Stahl schimmern sieht, dass sich in den Hals des Scheusals bohrt. Für einen Moment scheint es als würde das Untier sie aus verdutzten Augen ansehen, ehe es zusammenbricht und sein schwarzes Blut den Holzboden der Harfe tränkt. Den Fleck bekomme ich nie wieder weg, denkt Halla völlig unsinniger Weise, ehe sie begreift, dass sie den ersten Unhold wirklich getötet haben. "Wir haben es geschafft, wir haben es geschafft!", brüllt sie dann durch die Harfe und fällt dem Jungen um den Hals, der noch immer auf das Tier starrt. Allerdings löst dieser sich sehr schnell aus der Starre und entwindet sich rasch aus Hallas Umarmung und starrt für einen Moment sehr ängstlich auf die Fackel in Hallas Hand.

Halla will ihn schon fragen, was er denn habe, als ein erneutes Krachen sie ablenkt. Der Ogre, der immer noch in dem Fenster steckt, hat erneut mit aller Kraft seiner Fäuste gegen die Wand geschlagen, wohl um sich so irgendwie zu befreien. Der weisse Putz ist mittlerweile von den Wänden gebröckelt und gibt das Mauerwerk darunter preis. Bei der erneuten Bewegung des Ogres rutscht die Kette, die immer noch unter Spannung steht, endgültig aus ihrer Befestigung und fällt rostig klirrend zu Boden. "Da haben wir aber wirklich Glück gehabt, " bemerkt Halla leise und starrt auf die Kette und dann wieder auf den Ogre. Von draussen scheint keine Hilfe zu erwarten zu sein und Halla kann sich vorstellen, dass dort noch mehr von diesen Monstern ihr Unwesen treiben und alle beschäftigen.

Von dem Feuerwerk und den Explosionen, die die Explosion von Morholdrims Alchemistenküche hervorgerufen hatten, hatten die vier hier in der Harfe nicht viel mitbekommen, nur am Rande hatten sie die Explosionen gehört, weil sie viel zu sehr mit sich und dem mörderischen Hund beschäftigt waren. Aber von dem Beben, das nun durch den Boden der Harfe rollt, bekommen sie alles mit. Der Boden scheint für einen Moment unter Hallas Füssen nachzugeben und alles was nicht fest ist in der Harfe, bewegt sich, als würden sie sich auf einem Schiff im Sturm befinden. Dann ist es aber auch schon wieder vorbei. "Was bei allen neun Höllen war das nun wieder?" Neugier und auch Angst halten sich bei Halla die Waage, aber der Ogre lenkt sie wieder ab. Durch das Beben ist noch mehr Putz von den Wänden gebröckelt und Halla befürchtet, dass die Wand vielleicht nicht mehr lange Stand halten wird.

Dann ertönen Befehle von draussen vor der Harfe und Sekunden später kreischt der Ogre auf, schlägt wild um sich und dann werden seine blutunterlaufenen Augen langsam glasig und sein Kopf sinkt nach unten. Kurz darauf ist ein Pochen an der Harfentür zu hören und weitere Stimmen, die fragen, ob noch jemand in der Harfe sei. Halla kann nicht antworten, nach all den Anstrengungen und ihren Verletzungen, gibt ihr Mut nun endgültig seinen Geist auf und sie sinkt auf ihre Knie, am ganzen Körper zitternd. Grid ist die erste, die sich wieder fängt und den Stimmen draussen etwas zuruft. Egbert beeilt sich die Barrikade vor der Harfentür bei Seite zu räumen und einige Wimpernschläge später stehen Blaumäntel in der Harfe. Das freundliche Lächeln eines Blaumantels ist das letzte was Halla sieht, ehe es ihr schwarz vor Augen wird und sie wie in Zeitlupe zur Seite kippt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 25. Okt. 2005, 22:44 Uhr
In der Harfe und auf der Straße der Stadt

Tiuri kann gar nicht sagen wie erleichtert er ist, als die Blaumäntel den Ogre töten und schließlich zur Tür herein kommen. Er ist froh, dass das nicht auch noch an der kleinen Gruppe in der Harfe hängen bleibt, denn jetzt merkt er, dass ihm die Knie doch ein klein wenig zittern. Man steht ja schließlich nicht jeden Tag einem Ogre und seinem Haustier mit den ellenlangen messerscharfen Reißzähnen gegenüber. Tiuri kann gerade noch die Arme ausstrecken und Halla zusammen mit Egbert auffangen als sie plötzlich umkippt. Er tauscht einen Blick mit dem Mann und dieser hebt die Mogbar hoch und trägt sie fort um sie auf ein Bett zu legen. Grid lässt sich derweil auf einen Stuhl fallen und es sich gefallen, dass sie einer der Blaumäntel nach ihrem Befinden fragt so lange bis sie ihm versichert, dass auch ganz bestimmt alles in Ordnung und sie nicht verletzt ist. Die Gardisten haben den Marktplatz abgesichert und damit auch den Stall der Harfe. Tiuri muss also nicht mehr zurück gehen, die Waffen dort hin bringen und am Ende vielleicht noch irgendeinem anderen Untier den hässlichen Kopf abschlagen. Er will einfach nicht mehr, er ist kein Krieger und er ist was solche offenen Kämpfe angeht auch nicht besonders mutig, am liebsten würde er sich jetzt einfach hinsetzen und ein Bier trinken, ganz genau so, als wäre außerhalb der Harfe alles in Ordnung.
Dabei wären ihm nur die inneren Schäden des Wirtshauses etwas im Wege und die Blaumäntel, denn obwohl er seit er in Talyra ist ein ehrliches Leben führt, sie machen ihn irgendwie etwas unruhig. An wenige von ihnen, wenn sie nicht im Dienst sind und in der Harfe etwas trinken und essen hat er sich ja schon gewöhnt, aber wenn sie in Gruppen auftreten und im Dienste der Steinfaust unterwegs sind, sind sie ihm immer irgendwie zuviel.
Als die Aufmerksamkeit der Gardisten nicht mehr auf den Leuten in der Harfe sondern wieder mehr auf das Geschehen außerhalb gelenkt ist, schleicht sich Tiuri also aus dem Gasthaus und fort von den Gardisten, was gar nicht so einfach ist, denn die Blaumäntel haben tatsächlich auf alles was am Marktplatz vor sich geht ein wachsames Auge geworfen.

Trotzdem schafft der Junge es irgendwie auf die Straßen hinaus zu kommen und sich vom Geschehen fort zu schleichen. Vom Marktplatz aus gesehen, qualmt und raucht es aus dem Süden recht gefährlich, also macht sich Tiuri in Richtung Norden auf. Es sind nicht mehr all zu viele Menschen auf den Straßen, ein paar Tote sind da, ein paar die auf dem Weg sind zu den Heilern der Stadt oder in irgendwelche Tempel, einfach an einen Ort von dem sie sich erhoffen, dass dort Hilfe auf sie wartet. Tiuri will keine Hilfe und er will eigentlich auch gar nicht helfen, aber immer wieder rufen Leute nach ihm die seine Hilfe brauchen und auch erwarten. Er hilft einem Mann eine alte Frau ein gutes Stück durch die Straßen ins Tempel Viertel zu schleppen. Als sie dort ankommen macht er sich wieder aus dem Staub, mehr kann er sowieso nicht tun und nachdem er die Verletzungen der Frau gesehen hat, glaubt er auch nicht, dass jemand anderes etwas für sie tun kann.
Sie ist sicher nicht die einzige die heute den Weg ins Totenreich antritt!
Es kommen beinahe keine von den elenden Höllenkreaturen entgegen nur einmal sieht er in einer Seitengasse eine Gruppe von Boghaniks und er versteckt sich schnell in einer Mauernische bis er sie davon laufen hört. Zum Glück kommen sie nicht in seine Nähe, denn er ist unbewaffnet und alleine und eine solche Gruppe kann ganz schön ungemütlich für einen einzigen Menschen sein.
Warum hab ich Idiot das Schwert in der Harfe gelassen? Tiuri schüttelt über sich selbst den Kopf, nicht nur, dass er den sicheren Ort hinter sich gelassen hat, er hat auch seine Möglichkeit zur Verteidigung einfach auf den Boden fallen lassen vor lauter Erleichterung, dass jemand kommt und ihnen hilft.
Nach einiger Zeit die er einfach so durch die Straßen zieht, wird sein zu anfangs etwas gehetzter Schritt ruhiger. Er trifft auf immer weniger Menschen, es ist ganz ruhig. Die ganze Stadt scheint beinahe wie ausgestorben zu sein, sie sind alle geflohen, verschanzt oder tot. Oder sie sind noch so elende Feiglinge wie du und kämpfen im Süden der Stadt gegen Feuer und Höllentiere!
Kurz denkt er darüber nach ob der damit leben kann dass er sich selbst einen Feigling nennen muss, dann zuckt er mit den Schultern und beschließt, dass er das sehr wohl kann und kein bisschen Lust dazu verspürt jetzt sein Leben aufs Spiel zu setzen. Sein Blick streift über den trügerisch blauen Himmel über dem Ildorel und die schwarzen Wolken im Süden. Die Häuser in diesem Teil der Stadt sind größtenteils heil geblieben, ein Glück für die, die hier leben. Die Harfe würde wohl die nächsten Tage lahm gelegt sein. Sie werden alle mithelfen müssen das Gebäude zu reparieren und wieder ordentlich her zu richten.

Was für Gedanken hast du eigentlich? In dieser Stadt rennen die seltsamsten Kreaturen herum und irgendwo wütet ein Dämon, Leute sind verletzt und sterben und alles worüber du nachdenkst, ist, wie es danach weiter geht. Wer weiß gibt es überhaupt ein danach. Wenn niemand diesem Dämon Einhalt gebieten kann sind wir vielleicht bald alle ein Häufchen Asche unter den Trümmern Talyras!

Solche und ähnliche Dinge versucht sich der Junge vorzusagen, weil es ihm irgendwie richtig erscheint, dass er sich fürchten müsste. Er sollte um sein Leben bangen und um das seiner Freunde, aber irgendwie ist in diesem Moment alles so weit entfernt. So weit sogar, dass er wieder an Faraday denken muss, ganz kurz nur und dann denkt er an die Mondprinzessin. Einer seiner Mundwinkel hebt sich zu einem Lächeln und er fährt sich durch das wirre Haar. Seit dem Inarifest hat er sie nicht mehr gesehen, vielleicht ist sie nicht mehr in der Stadt, vielleicht ist sie ja nicht einmal mehr am Leben, aber in diesem Moment wünscht er sich sie wäre an seiner Seite. Mit ihrer einzigartigen Art und ihrem Gemüt wie ein Nadelkissen wäre sie jetzt genau der Mensch den er neben sich wissen möchte.

Ein Schrei reißt ihn schließlich aus seinen Gedanken. Hinter einem Bretterhaufen hat sich ein Mann verschanzt und er ruft nach Hilfe, aber außer Tiuri ist niemand da der ihn hören kann. Nicht einmal Tiuri ist ignorant genug, dass er einfach weiter gehen würde und so geht er langsam an den Bretterhaufen heran und was er dann sieht verschlägt ihm erst einmal die Sprache, etwas das doch recht selten bei dem Jungen vorkommt. Der Mann hat tiefe Bisswunden und liegt in einer Lacke von Blut bei der Tiuri sich fragt ob eigentlich noch irgendetwas in ihm drin sein kann, denn er hätte nicht gedacht, dass ein Mensch so viel Blut besitzt. An den Stellen an denen man die Haut des Mannes noch unversehrter Weise erkennen kann, ist er bleich wie Kreide und seine Stimme wird mit jedem Mal rufen schwächer und leiser.
„Ich hab dich gehört, ich bin da!“ Tiuri macht einige schnelle Schritte auf den Mann zu und kniet sich neben ihn, hebt seinen Kopf etwas an. „Ich helfe dir, komm, steh auf!“ Er will den Mann hochziehen, hochheben, irgendetwas um ihn weiter bewegen zu können, aber der Verletzte hat keine Kraft mehr die er dafür aufbringen kann und als Tiuri versucht ihn zu schleifen, schreit er vor Schmerzen und dass er ihn auf der Stelle los lassen soll.
„Aber du stirbst wenn ich dich nicht zu einem Heiler bringe und ich kann dich nicht tragen Mann!“ Voller Verzweiflung brüllt er dem Mann ins Gesicht, hilflos gegenüber der Situation. Er kennt den Mann überhaupt nicht, aber er möchte ihm trotzdem helfen, irgendetwas daran stört ihn gewaltig diesen Fremden hier einfach verrecken zu lassen.
>Dann muss ich sterben.<
Die Stimme des Mannes bricht immer wieder ab während er spricht und seine Augen sind nur mehr zur Hälfte geöffnet. Seine Hand ist kalt als Tiuri wild den Kopf schüttelnd danach greift.
„Hier wird nicht einfach so gestorben!“
Noch einmal versucht er den Mann aufzuheben, geht dabei aber nur selbst in die Knie. Sanft legt er den Kopf des Mannes auf den Boden zurück und springt auf. „Ich gehe Hilfe holen, ich werde jemanden finden der mir hilft dich zu transportieren!“ ruft er und will schon los laufen, da legt der Mann seine Hand schwach auf Tiuris Fuß und bittet ihn bei ihm zu bleiben wenn er stirbt, denn das ist was jetzt passieren wird und dagegen kann er gar nichts mehr unternehmen.
Tiuri lässt sich wieder auf die Knie sinken und bettet den Kopf des Mannes auf seinen Schoß. „Schon gut, ich bleibe“, sagt er und bringt dabei so etwas wie ein Lächeln zustande. Er drückt die Hand des sterbenden vorsichtig und einen Moment schweigen sie sich beide an.
>Bist ein guter Junge!< sagt der Mann am Boden im Flüsterton und Tiuri schüttelt leicht den Kopf. „Nein bin ich nicht“, antwortet er, ohne dabei etwas zu erklären, obwohl er hier endlich jemanden vor sich hat dem er alles erzählen könnte, denn er würde es mit ins Grab nehmen.
>Doch!... Kenn dich!< Das Sprechen kostet den Mann wahnsinnige Kraft und die Welle von Mitleid die Tiuri durchströmt lässt ihn beinahe überhören was der Mann zu seinen Füßen gerade gesagt hat. Aber schon im nächsten Moment durchfährt es ihn wie ein Schwertstich.
„Du kennst mich?“ fragt er und starrt dem Mann ins eingefallene Gesicht.
Dieser nickt nur zur Antwort, er weiß ja nicht, dass Tiuri sich selbst nicht kennt und dass er jetzt besser anfangen sollte zu erklären.
>Guter Junge,< wiederholt er noch einmal und Tiuri will ihn am liebsten schütteln, damit er mehr preisgibt. >Evans Sohn< murmelt er und Tiuri saugt den Namen in sein Inneres auf, aber keine noch so kleine Erinnerung schießt durch seine Gedanken so wie es sonst manchmal passiert. Manchmal sind Bilder in seinem Kopf, Farben, Geräusche, irgendetwas das eine Bedeutung  für ihn hat und wenn sie noch so klein ist, aber nicht bei diesem Namen. Dabei sollte es der Name seines Vaters sein.
>Du,… Tiuri! Guter Junge.<
„Tiuri? Das ist mein Name? Bist du dir sicher?“ er hebt den Mann an den Armen ein Stück hoch, aber sein Kopf fällt ihm nur mehr in den Nacken und er sagt keinen Ton mehr. Tiuri fühlt seinen Herzschlag, sieht nach ob er noch atmet, aber der Mann ist tot. Voller Zorn schlägt Tiuri auf die Leiche ein.
„Du kannst doch jetzt nicht einfach sterben! STEH AUF! Du weißt was über mich, wach auf!“ In rage tritt er gegen den leblosen Körper und niemand hört wie er vor Wut und Verzweiflung laut schreit. Er lässt sich neben dem Mann auf den Boden fallen und stützt das Gesicht in die Hände. Die Tränen brechen nur so hervor, obwohl er bei den Göttern wirklich nicht weinen will, aber er war seiner Vergangenheit so nahe gekommen wie noch nie zuvor, er hatte tatsächlich jemanden gefunden der ihn kennt und jetzt… jetzt liegt dieser jemand da und hat sein Leben ausgehaucht. Nicht einmal den Namen des Mannes hat Tiuri erfahren und so sitzt er einige Minuten da und heult sich die Augen aus, ehe ihm etwas anderes in den Sinn kommt.
Du weißt nicht wer er war, du weißt nicht woher du kommst oder wer du wirklich bist, aber er hat dir einen Namen gegeben! Seine Augen sind noch rot und angeschwollen, aber er bricht in hysterisches Gelächter aus und hätte jemand die ganze Szene verfolgt, er hätte ihn wohl für wahnsinnig gehalten. Ein junger Mann der vor einem toten Menschen sitzt und weint und lacht wie ein Wahnsinniger. So wenig ihm auch der angebliche Name seines Vaters etwas sagt, so sicher ist er sich was seinen eigenen Namen betrifft. Er weiß nicht woher oder warum, aber er spürt einfach tief in sich, dass das sein Name ist, dass er Tiuri heißt und das ist alles was für ihn jetzt noch zählt.
„Danke Mann!“ sagt er zu dem toten Körper als er aufsteht und fort geht. Die Leiche lässt er liegen wo sie ist, irgendjemand würde ihn schon finden, aber er würde ihn jetzt nicht durch die Gegend ziehen, es bringt ja nichts mehr, er ist ja schon tot und beerdigen würde er ihn jetzt auch nicht.

Später vermag er nicht mehr zusagen wie lange er danach eigentlich durch die Gassen gegangen ist und wie oft er dabei die gleichen Stellen der Stadt durchquert hat. Er sieht überhaupt nicht wohin er eigentlich geht und als ihm irgendwann eine Gruppe von Leuten entgegen kommt, beeilen sie sich an ihm vorbei zu kommen, denn er ist über und über mit Blut beschmiert und grinst wie ein Verrückter. Zusätzlich murmelt er irgendetwas leise vor sich hin und macht im Ganzen keinen besonders Vertrauens erweckenden Eindruck.
An einem Boghanik wäre er beinahe vorbei gelaufen, aber dieser verbeißt sich in seinem Bein, so lange bis ihm Tiuri den Schädel einschlagt und ihn anschreit, dass sein Name Tiuri ist und dass er das bis in alle Ewigkeit nicht vergessen soll während er tief unter der Erde im Höllenfeuer schmort.

Als es langsam zu dämmern beginnt sieht sich Tiuri wieder dem Marktplatz gegenüber, müde wankt er auf die Harfe zu wo ihn ein Blaumantel aufhält und ihn fragt ob alles in Ordnung sei. Der Junge nickt nur was ihm einen misstrauischen Blick auf das viele Blut auf seinem Hemd und das humpelnde Bein einbringt.
„Nicht meins!“ Tiuri erkennt wohin der Blick des Blaumantels gerichtet ist und geht dann weiter zur Harfe. Der Stadtgardist sieht ihm etwas verwundert hinter her, aber Tiuri lässt sich auf seinem Weg nicht beirren. Er öffnet die Harfentüre, geht durch den Schankraum, die Treppen nach oben, hinein in seine Kammer wo auf dem Bett, halb unter dem Kissen versteckt Litli-Vinur kauert und auf ihn wartet.
Er hebt ihn hoch, legt sich, dreckig wie er ist in die Laken, legt die Ratte neben sich und schläft auf der Stelle ein.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 30. Okt. 2005, 23:00 Uhr
Die Träume die er in dieser Nacht hat sind äußerst wirr, aber es ist ihm nicht erlaubt immer wieder zu erwachen und den zum Teil recht quälenden Bildern zu entkommen. In seinem Traum beginnt dieser Tag noch einmal und wieder taucht der Dämon über der Stadt auf. Wieder fällt Feuer vom Himmel und wieder entspringen Kreaturen von denen Tiuri nicht einmal geahnt hat, dass es sie gibt, den Tiefen der neun Höllen. Eine Zeit lang steht er auf dem Marktplatz, die Füße fest im Boden verankert und kann keinen Schritt tun. Die Höllenkreaturen kommen immer näher und näher und erst als sie schon so nahe sind, dass er ihren Atem riechen kann, ist er fähig davon zu laufen. Sein Ziel ist die Harfe, die er gerade noch erreicht und die Türe hinter sich zu wirft, aber im gleichen Moment geht das ganze Gebäude in Flammen auf. Nicht langsam und stetig, so dass man sich vielleicht noch in Sicherheit bringen kann, sondern mit einem einzelnen „Puff“ brennt der ganze Schankraum. Tiuri steht mittendrin und starrt nach oben auf die unter der Behandlung stöhnenden und ächzenden Balken die auf ihn nieder zu fallen drohen. Er selbst brennt noch nicht, aber einen Liderschlag später sind sie da, die Flammen die sich um sein rechtes Bein züngeln, begleitet von der Stimme die ihn immer wieder einholt. Die Schreie der Frau dringen durch die ganze Harfe, hallen in seinem Kopf wieder, aber anstatt einfach nur vor Schmerz zu kreischen, ruft sie jetzt nach ihm, ruft ihn beim Namen an und bittet ihn um Hilfe. Tiuri dreht sich wie ein Kreisel um seine eigene Achse, aber er kann sie nicht entdecken und auch nicht ausmachen aus welcher Richtung ihm sein Name entgegen schallt. Als er sie endlich sieht, fällt sie gerade in sich zusammen und er selbst steht schon zur Hälfte unter Feuer. Es ist keine fremde Person wie er erwartet hätte, es ist die Mondprinzessin und anstatt zu ihr zu laufen und sie aus dem Haus zu bringen, steht er einfach nur da, völlig versteinert und muss zu sehen wie sie stirbt.

Mit einem leisen Schrei schreckt er hoch nach dem er sich wie ein Verrückter im Bett herum gewälzt hat. Vinur hat sich auf den kleinen Nachttisch neben dem Bett verzogen, weil er dort weit weniger gefährdet ist und blinzelt jetzt, irgendwo zwischen vorwurfsvoll und verschlafen hängen geblieben, zu Tiuri hoch. Dieser streicht sich Schweiß und Haare aus der Stirn, während er sich keuchend aufsetzt und auf seine zitternden Hände starrt. Es ist dunkel und er kann nicht erkennen wie schmutzig sie eigentlich sind. In seinem Bein pocht leiser Schmerz von den zwei Bissen die er sich heute eingehandelt hat und in seinem Kopf kreisen die Bilder seines Traumes. An Schlaf ist nicht mehr zu denken, nicht einmal mehr daran, dass er einfach eine Weile sitzen bleibt, denn die Kammer scheint ihm auf einmal unheimlich eng zu sein und ihn zu erdrücken, so dass er glaubt keine Luft zu bekommen.
Wie von der Tarantel gestochen springt er hoch und rennt aus dem Zimmer, hinaus auf den Gang. Vor der Türe bleibt er stehen, sobald er den Raum verlassen hat geht es ihm etwas besser. In der Harfe ist es totenstill, auch von draußen her kann er keine Geräusche vernehmen.
Wie lang ich wohl geschlafen habe?
Langsam geht er die Stufen zum Schankraum hinunter, stolpert dabei über irgendein Holzteil, das dort üblicherweise nicht liegen sollte, aber was den Schankraum angeht, darf man ja wirklich nicht von normal sprechen. Die Leute die noch mit ihm in der Harfe waren, haben den Schankraum erst einmal so gelassen wie er ist und er kann das gut verstehen. Er selbst war todmüde als er nach oben geschlurft ist und die Aufregung war für all die friedlichen und nicht kampferprobten Leute recht viel. Halla ist ja noch an Ort und Stelle einfach umgefallen und die anderen haben nicht wesentlich besser ausgesehen.
Als er den Schankraum durchquert, stolpert er einige Male über Teile von Tischen und Stühlen und sogar über ein Schwert, das aus Borgils Waffenkeller kommt und das er vermutlich einfach fallen hat lassen als er nicht mehr Gefahr gelaufen ist, dass ihm ein wütender Höllenhund die Kehle durchbeißt. Er bückt sich, hebt es auf und lehnt es an die Wand ehe er seinen Weg durch den Raum fortsetzt. Als er die Küche betritt kann er zwar kaum noch etwas erkennen weil es so dunkel ist, aber als er einige Schritte hinein macht, stößt er mit dem Fuß schon an den ersten Topf und so dreht er gleich wieder um, weil er sich vorstellen kann wie es dort drinnen weiter geht.

Stolpernd und mit einem ausgestreckten Arm um nirgendwo dagegen zu laufen, geht er bis zur Wand des Schankraumes und sucht nach den Fenstern, die, bis auf das eine in dem der Ogre gesteckt ist, immer noch verbarrikadiert sind. Er beginnt die Bretter und Möbelstücke mit denen die Fenster zugestellt sind weg zu stellen, mehr in die Mitte des Raumes, wo sie ihn derweil nicht stören. Er öffnet jeden Fensterladen mit bedacht und lässt immer noch mehr Mondlicht in den Raum um das ganze Ausmaß des vergangenen Tages sehen zu können, aber anstatt seinen Blick dann in den Raum zu werfen, hält ihn der Anblick des Himmels einen Augenblick gefangen. Wenn er jetzt nach oben schaut und die Sternbilder betrachtet, kann er sich kaum noch vorstellen, dass der Himmel heute von einer schwarzen Wolke verhangen war und aus dem Südviertel überall der Rauch aufgestiegen ist und die Sicht versperrt hat. Keine einzige noch so kleine Wolke steht am Himmel und der Mond schickt sein silbriges Licht in den Schankraum.
Einige Zeit betrachtet Tiuri einfach nur den Schankraum und wie sich das Licht mit dem Chaos vereinigt das in der Harfe herrscht, aber schließlich rafft er sich auf und zündet noch etwas Licht an, so dass er auch wirklich etwas sehen kann.
„Na dann“, er klatscht in die Hände und beginnt damit alles was ihm so an Möbeln in die Hände fällt zu stapeln und in der Mitte des Raumes aufzutürmen. Dabei fasst er nicht nur einmal in Blutspritzer und ist nur froh, dass die Stadtgardisten den Höllenhund hier irgendwie rausgeschafft haben und dass sich sogar irgendjemand erbarmt hat die größte Schweinerei zu entfernen.
Nach dem er alles zusammen getragen hat, beginnt Tiuri damit die verschiedenen Stücke zu begutachten und schiebt dann die, die tatsächlich heil geblieben sind, an ihren Platz zurück. Die anderen unterteilt er noch einmal, in Feuerholz und in kleinere, aber reparierbare Schäden. Mit dieser Arbeit hat Tiuri sich einige Zeit gut beschäftigen können, aber schließlich gibt es nichts mehr zu tun, das nicht unsinnig wäre bevor nicht aufgewaschen worden ist und bevor die Sonne am Himmel steht. Er ist kurz versucht in der Küche weiter zu machen, entscheidet aber dann, dass das doch warten kann. Die Müdigkeit sitzt ihm in den Gliedern als er wieder nach oben steigt, aber er kann nicht einmal durch den Türrahmen gehen, ohne, dass ihn der kleine Raum vor ihm und die Dunkelheit die darin herrscht fast wahnsinnig machen. Tiuri schließt die Augen, atmet tief durch, redet sich 100 Mal ein, dass er doch dort hinein gehen kann und greift dann doch nur nach der Ratte die ihm nach draußen entgegen gekommen ist und läuft die Stufen hinunter und hinaus auf den Marktplatz. Er richtet den Kopf gegen den Sternenhimmel und lässt den Blick dann über den Marktplatz streifen, der so ruhig aussieht, trotz der Verwüstung die natürlich noch nicht wieder behoben worden ist.

Ein Blick an sich herunter und es fällt ihm wieder auf, dass er sich nicht umgezogen hat. An ihm klebt immer noch das Blut des fremden Mannes. Fremd? Er kannte dich… deinen Namen. Tiuri! Ein Lächeln macht sich kurz auf seinem Gesicht breit und dann läuft er los, rennt über den Marktplatz einfach hinaus auf die Straße, ohne besonderes Ziel, einfach nur, um sich zu bewegen um frei zu sein.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 02. Nov. 2005, 10:46 Uhr
Das jemand sie auffängt und sie in ihr Bett trägt, bekommt Halla schon gar nicht mehr mit, und die kleine Mogbar gleitet übergangslos von der Bewusstlosigkeit in einen tiefen unruhigen Schlaf. Erst als die ersten Sonnenstrahlen in ihre kleine Kammer in der Harfe fallen, wird sie wach, verwirrt und mit den Augen blinzelnd. Irgendwas stimmt nicht, ist ihr erster Gedanke, bis ihr auffällt, das sie weder von einem Hahnenschrei, noch von dem Alles durchdringenden 'Shenrah u Akbar' geweckt worden ist. Und dann kommen die Erinnerungen, schlagartig wie mit einer Keule. Der dunkle Schatten über dem Marktplatz, Gräber, der Höllenhund mitten in der Harfe und ein fetter, hässlicher Oger im Harfenfenster. Grid, Egbert, der Junge und sie, wie sie gegen den Hund kämpfen, und dann die Blaumäntel, die den Oger töten und sie alle retten, und dann hören ihre Erinnerungen auf. Als Letztes hat sie das Bild eines zerstörten Schankraums im Kopf. Borgil reisst mir eigenhändig den Kopf ab, wenn er sieht wie seine Harfe aussieht! Wo ist er überhaupt, ist er schon zurück und wo ist Azra? Ich hoffe es geht den beiden gut. Halla schwingt rasch ihre kurzen Beine aus dem Bett, aber nur um kurz darauf mit einem lauten "AUA" wieder still zu halten. Ihr gut gepolsterter Hintern schmerzt ziemlich und sie setzt sich so, das ihr Hauptgewicht, auf der nicht verletzten Pobacke lastet, ausserdem brennt ihr Unterschenkel wie Feuer, da wo der Boghanik sie erwischt hat.

Erst traut sie sich gar nicht auf ihr Bein zu schauen, dann senkt sie doch langsam den Blick, der über schmutzige blutverschmierte, zerissene Kleidung gleitet und an ihrem Unterschenkel schliesslich hängen bleibt, von dem ihr ein weisser, sauberer Leinenverband entgegen blinzelt. Irgendjemand hat mich wohl noch gestern frisch verbunden. Aber wer das getan hat, weiss Halla bei aller Anstrengung ihrer Gehirnwindungen trotzdem nicht. Sie betrachtet sich weiter, aber ausser ein paar blauen Flecken, viel Dreck und ein paar kleinen Kratzern scheint ihr nichts zu fehlen. Der Schankraum kommt ihr wieder in den Sinn und ihr Tatendrang erwacht wieder. Die Harfe würde heute geschlossen bleiben müssen, so zerstört wie der Schankraum ist. Aber die Übernachtungsgäste würden sicher von wo auch immer sie hin geflüchtet waren, zurückkehren und wenigstens für die, müsste etwas zu Essen und ein Platz zum Sitzen da sein.

Mit leisen kleinen 'Auas' begleitet, wuchtet sie sich aus dem Bett. Stell dich nicht so an Halla, es gibt sicher weitaus schlimmer verletzte Leute wie du, und es gibt genug Arbeit zu tun, also hilft jammern jetzt gar nichts! So schnell es geht zieht sie ihre dreckige, kaputte Kleidung aus und wäscht sich, bis sie das Gefühl hat wirklich sauber zu sein. Rasch ist sie in neue Kleidung geschlüpft und eilt dann so schnell es ihr Bein zulässt die Treppe zur Schankstube hinunter. Unten im Schankraum trifft sie auf eine etwas verwundert dreinblickende Grid, die auf den fast aufgeräumten Schankraum schaut. Naja was heisst aufgeräumt, die Gegenstände, die keinen Schaden genommen haben, stehen wieder an ihren Plätzen, die Verbarrikadierungen der Fenster sind entfernt und goldenes Morgenlicht leuchtet durch die Fenster. Die Leichen der Monster sind aus dem Raum verschwunden und in der Mitte des Raumes sind zwei Stapel Möbel, der eine sieht aus, als könne man die Sachen noch reparieren und der andere ist nur noch Kleinholz. Aus der Küche dringt die befehlsgewohnte Stimme von Sigrun, die ihre Küchengehilfen gerade hin und her scheucht, um die Küche wieder zu dem zu machen, was sie einmal war.

Hallas Blick wandert zu Grid und fast gleichzeitig seufzen die beiden kurz auf. "Na dann wollen wir hier mal Ordnung schaffen Grid!" Während Grid heisse Seifenlauge holen geht, schnappt Halla sich eine Besen und beginnt humpelnd damit erst einmal ordentlich durch den Raum zu fegen. Da wo der Höllenhund gelegen hat, ist ein riesiger, grosser, dunkler Fleck Blut und Halla bezweifelt, dass sie den jemals würde wegschrubben können, vielleicht ist er in hundert Jahren verschwunden. Der Berg, den sie zusammenfegt, wird immer grösser, zerbrochene Krüge, Glassplitter, Holzspäne und weiteres undefinierbares Zeug. Grid ist mit dem dampfenden Eimer und Schrubber längst zurück und beginnt damit hinter der Theke zu schrubben. Halla fegt ihren Dreckhaufen Stück für Stück zur Tür  und dann hinaus auf den zerstörten Marktplatz.

Kurz bleibt sie stehen und betrachtet das, was vom Marktplatz übrig geblieben ist. Die Südhälfte des Marktes besteht nur noch aus kohlrabenschwarzen Ruinengerippen, der Baum mit der Anschlagtafel ist vollkommen zerstört und auch wenn die Blaumäntel und fleissige Helfer schon gut aufgeräumt haben, sieht es noch chaotisch aus. Die ersten Helfer sind auch schon wieder auf dem Marktplatz, räumen die kaputten Wägen der Händler auf Seite, und versuchen so weit es geht das Chaos zu beseitigen. Blaumäntel patroullieren durch die Strassen und helfen ebenfalls da, wo Hilfe gebraucht wird. Halla holt einen jungen Blaumantel zu sich und erkundigt sich nach allem, was er zu berichten hat. So erfährt sie, wo der Dämon gestellt wurde, das Borgil und Azra in TianAnmen verweilen und der Zwerg schwer verletzt wurde. Das die Protektorin ebenfalls schwer verletzt ist, die Heilerin Morgana erschöpft, aber ansonsten unverletzt und das ein junger Priester es leider nicht geschafft hat, Lady Awen in der Steinfaust weilt und so weiter und so fort. Halla bleibt das Herz fast stehen, als sie hört, das Borgil schwer verletzt ist und fast hätte sie ihren Besen hingeschmissen und wäre nach TianAnmen geeilt, aber sie lässt es dann doch, hier in der Harfe gibt es genug Arbeit und sie möchte die Harfe so gut es geht wiederhergestellt wissen, wenn Borgil zurückkehrt. Die kleine Mogbar bedankt sich bei dem Blaumantel und macht sich dann wieder an ihre Arbeit. Ein paar unverbesserliche Trinker haben doch tatsächlich die Dreistigkeit und wollen die Harfe schon wieder belagern, aber Halla scheucht sie weg und schliesst dann die Harfentür wieder hinter sich und dreht den Schlüssel herum. Ihr Bein und ihr Hintern tun weh, aber sie ignoriert dies und stürzt sich in die Arbeit.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 18. Nov. 2005, 00:49 Uhr
Von der Rückkehr aus TianAnmen bis in den Nebelfrost


"Cobrin, Troilus und Cassandra!" Während ihrer ganzen Holperfahrt durch die Stadt und quer über den Marktplatz, den die Blaumäntel nur deshalb für sie zur Passage freigeben, weil Borgil kreidebleich in einem Berg aus Heu auf der Ladefläche liegt, hört man außer diesen vier atemlosen Worte nichts von dem fassungslosen Zwergen. Dafür wiederholt er sie schätzungsweise zwei Dutzend Mal hintereinander, während der Karren vor sich hinzuckelt und sie durch ein Meer aus grauer Asche und kohleschwarzer Trümmerberge fahren, vorbei an langen Reihen aufgebahrter Leichen, müder Blaumäntel, und rußgeschwärzter Helfer. Er sieht Rhordri mitten im Gewühl und tauscht einen langen, stummen Blick mit dem Kastellan der Steinfaust, der um hundert Jahre gealtert scheint, er sieht bekannte und unbekannte Gesichter und schließlich - von fern - die traurigen Reste dessen, was von Anschlagsbaum und Harfengarten noch übrig ist. Diesmal bleibt ihm sogar sein Lieblingsfluch im Halse stecken und Borgil sagt gar nichts mehr. Natürlich war er hier gewesen, als der Dämon erschienen und das Herz Talyras in einen brennenden Hexenkessel aus schwarzer Magie, Feuerbällen und kakophonischem Entsetzen verwandelt hatte, aber jetzt, hier im hellen Tageslicht, das wahre Ausmaß der Zerstörung zu sehen, ist etwas ganz anderes. Der gesamte nordwestliche Marktplatz zwischen Elbenschmiede, Kupferkessel und Blaupfuhl hat kein Pflaster mehr und den Boden zieren immer noch Risse wie die Sprünge in einem ausgetrockneten Flussbett, auch wenn sie kaum mehr fingerbreit sind, dort, wo Eurons Zauberei gewütet und einen Großteil der Höllenkreaturen verschluckt hatte. Der Kupferkessel steht noch, aber er sieht reichlich ramponiert aus, außerdem ist sein schönes altes Schild und der ewig quietschende Kessel, der dort hing, abgerissen und verschwunden. Die ehemals weißen Mauern der Badehäuser mit ihren blauweiß gekachelten Arkaden ein wenig weiter östlich sehen aus, als habe jemand an der Ecke ein Stück herausgebissen. Götterlob scheinen nur ein paar der Bogengänge eingestürzt und das Fundament wirkt nicht beschädigt - dafür ist es geschwärzt von den Flammen des Feuerstiers, und die schönen azurianischen Kacheln der Arkadengänge davor sind so verformt und gesprungen, als seien sie im Höllenfeuer tausendmal geschmolzen und wieder erstarrt. Da ist das verdammte Mistvieh reingekracht. Die Überreste besagten Mistviehs liegen noch mitten auf dem Marktplatz herum, verkohlt und verbrannt, aber doch noch kenntlich, bleiche Knochen und bösartige Hörner unter einer Kruste weißgrauer Asche. Nicht weit davon stapeln sich die Kadaver der übrigen Höllenkreaturen, soweit sie nicht schon von den Feuern verbrannt wurden - Goblins, widerliche Gräber, räudige Höllenhunde und riesige Ogres, Knochen, Fleisch und stinkende Gedärme, und darüber schwärmen krächzend die Krähen.

Einen Moment fragt er sich, wo Cleyron eigentlich abgeblieben ist, stellt fest, dass es ihm leid täte, wenn der Spitzzahn draufgegangen wäre und nimmt sich vor, Rhordri bei der ersten Gelegenheit nach ihm auszufragen. Was für eine Prügelei, sagenhafter Kampf... Die Stadthalle sieht weitgehend heil aus, ein unbeteiligter Zeuge im Auge des Sturms. Ihre Bronze,- und Ebenholztore hinter den Säulen des Vordaches stehen sperrangelweit offen, und eine Armada von Schreibern und Leibwachen steht dort herum, um einen kleinen Pulk reichgekleideter Adliger, bunt wie Pfauen, und Stadträte, die sich wohl zu einer eiligen Krisensitzung zusammengefunden haben. Auf die Entfernung erkennt Borgil nur Lystrato, bleich wie ein Rad Puntrazener Ziegenkäse, Uliaris, den Hafenmeister und die steinalte Lady Gwyned in einem einfachen Wollgewand - von der alten Giftsprizte Tallard in seiner unvermeidlichen Sänfte ist weit und breit nichts zu sehen. Vielleicht haben wir Glück und ein Schattenhund hat ihn gefressen... Schäm dich, Borgil, ein solches Schicksal solltest du niemandem wünschen, nicht einmal Tallard. "Hmpf." Überall andernorts auf dem Markt sind Blaumäntel unterwegs und haben den ganzen, weitläufigen Platz von den Prangern bis zur Stadthalle, vom Blaupfuhl bis zu den schwarzverbrannten Fundamentresten dessen, was einmal das Roßsteinsche Stadthaus und der Wollhändlerladen gewesen waren, vollkommen abgeriegelt. Alle Brandstätten - was bedeutet fast der gesamte Straßenzug direkt südlich des Marktplatzes bis hin zum Fluß - sind zudem mit leuchtend roten Seilen abgesichert, und überall stehen Pikeniere mit finsteren Gesichtern Wache. Knechte und Sappeure der Steinfaust wühlen in den schmauchenden Trümmern und Mauerresten nach Leichen und versteckten Glutnestern, Hundeführer krabbeln mit ihren jappenden Tieren durch schwarzes Gebälk und über Schutthaufen, Botenkinder flitzen hin und her, Offiziere brüllen Befehle, Soldaten tragen Leichensäcke, Schweigende Schwestern segnen Tote und lassen sie auf Fuhrwerke laden, Skriptoren an ihren Robensäumen, welche die Namen der Gefallenen auf Listen notieren, die lang und immer länger werden. Borgil lässt seinen Blick schweifen und was er sieht, treibt ihm das Wasser in die Augen... doch den Blick abzuwenden hilft nicht viel, denn auch nach Norden hinauf sieht es kaum besser aus - und im Osten liegt die Harfe selbst, den Anblick, den er am meisten fürchtet und sich herbeisehnt. Steht sie noch? Ist sie heil geblieben? Der Festbaum ist es jedenfalls nicht, wie er bedauernd feststellt, als sie daran vorbeikommen. Die schöne, schlanke Goldbuche, die ihre Äste so stolz und bronzefarben in den Himmel gestreckt hatte, ein Bäumchen, das er hatte wachsen und gedeihen sehen... nur noch Stumpf und Stiel, ein abgebrochener, ausgebrannter schwarzer Finger. Und noch schlimmer, der uralte, riesige Anschlagsbaum ist ebenfalls nur noch Asche, mitsamt der Anschlagstafel und der alten Bank, die unter seiner mächtigen, ausladenden Krone gestanden hatte. Hier waren oft Marktbesucher in seinem Schatten gesessen, Jung und Alt, hatten einen Moment ausgeruht oder ein Schwätzchen gehalten... alles dahin.

"Ah, bitter und immer bitterer!" Als sie den Marktplatz, von Westen her kommend, nahezu überquert haben, hört er Azra, die in Fahrtrichtung starrt und deren Augen erst riesengroß und dann schmal werden, plötzlich aufkeuchen. Er weiß, was sie sieht - im Gegensatz zu ihm, denn er kann sich nicht umdrehen, ohne dass ihm schwarz vor Augen wird: die Harfe aus der Nähe. Ihr Blick huscht zu ihm und er schüttelt hastig den Kopf. "Nein, sag's mir nicht." Die Augen fest zugekniffen wartet Borgil ab, bis der Wagen schließlich göttererbärmlich quietschend und ruckelnd vor dem Gasthaus zum Stehen kommt, dann öffnet er probeweise ein Auge und blinzelt. Die Harfe steht noch und sie scheint keine größeren Schäden davongetragen zu haben - wenn sie auch alles andere als unverändert geblieben ist. Der Harfengarten ist nicht mehr, die schönen alten Bäume, die im Sommer hier den Gästen ihren Schatten gespendet hatten, sind bis auf die Wurzelstrünke niedergebrannt, ebenso der kleine Zaun mit seinen geschnitzten Latten und sämtliche Tische, Bänke und Stühle. Aber die Harfe erhebt sich dahinter, fest, breit, groß und sicher, so unverrückbar wie stets, wenn auch die die Tür mit ihrem Lärchenholzvordach und die hölzernen Erker und gelitten zu haben scheinen und leicht angesengt wirken. Außerdem scheint irgendetwas ziemlich Großes, vermutlich einer dieser götterverfluchten Ogres versucht zu haben, durch's Fenster einzusteigen, denn das ist funkelniegelnagel neu, samt Rahmen, Läden und bleigefasster Butzenscheibe. "Götter, sieh dir das an..." Einen Moment lang starren sie beide, Azra und er, sprachlos auf ihr geschändetes Zuhause, aber ebenso wie sie erschüttert sind, sind sie auch erleichtert. Es hätte wesentlich schlimmer kommen können und es ist das reinste Wunder, dass das Feuer, das den Harfengarten völlig verschlungen hatte, nicht auf das Dach oder die hölzernen Fenster und Erker des Hauses übergegriffen hatte. "Sie steht noch, Azra. Ein bißchen Farbe und Kalkputz und ein wenig Schleifarbeit hier und da an den Balken braucht das alte Mädchen wohl, aber sie steht noch..." Die Knechte fahren den Wagen in den Hof, wo es ebenfalls recht geordnet aussieht, gemessen an dem Chaos ringsum, nur das Hühnervolk ist noch reichlich verstört und außerdem ziemlich dezimiert. Die Knechte bringen Borgil ins Innere, wo sie der Geruch nach Seifenlauge, Bohnerwachs, Birkenholzfeuer und heimeliger Wärme umfängt. In der Harfe ist tatsächlich alles blitzeblank gescheuert und wie bei allen Neun Höllen Halla es geschafft hatte, in diesem ganzen Durcheinander - und ihr der kurzen Zeit! - einen Handwerker aufzutreiben, der die Schäden am Fenster repariert und eine neue Scheibe eingesetzt hat, das ist Borgil völlig schleierhaft. Es bleibt ihm allerdings kaum Zeit, irgendetwas von der Arbeit seiner Mägde wirklich zu würdigen, denn auf Azras Geheiß hin wird er von seinen Knechten schnurstracks in seine Gemächer und dort in sein Bett verfrachtet, da kann er protestieren und fluchen soviel er will.

Kaum liegt er, ein paar weiche Kissen im Rücken und begraben unter einem Berg weicher Pelzdecken, stürmt das Gesinde herein, denn ihre Ankunft ist nicht unbemerkt geblieben und hinter Halla schnattern Sigrun, Grid, die Knechte, die Schankmaiden und überhaupt alle herein - nur Jen kann er im Gewühl nicht entdecken. Halla sieht mitgenommen aus und erzählt atemlos von der todesmutigen Verteidigung der Harfe, was Borgil insgeheim zu Tränen rührt. Außerdem schlägt ihm und Azra von allen Seiten ein so warmes Willkommen und so deutlich zu sehende Sorge und Mitgefühl entgegen, dass ihnen wohl beiden ganz beklommen zumute wird. Nachdem das Gesinde sie und sie im Gegenzug auch das Gesinde in einem chaotischen Durcheinander von Fragen, Sätzen, Wortfetzen, Ausrufen und Mitleidsbekundungen - dem süssesten Geschnatter, sieht man einmal von Azras Stimme ab, das Borgil je gehört hat -, auf den neuesten Stand gebracht haben, scheucht seine kleine Frau alle bis auf Halla hinaus. Die Mogbarmagd und Borgils rechte Hand sitzt - mehr schlecht als recht, denn ihre Kehrseite hat wohl einiges abbekommen -, am Bettrand und lauscht mit großen Augen den knappen Anweisungen des Harfenwirts: als allererstes müsse seine Frau müsse versorgt werden, brauche ein Bad und Kleidung und sie solle sofort, noch heute, einen Botenjungen zu Meister Dornenbeutel, dem Schneider schicken. Da Azra nicht zu ihm kann, muss er eben herkommen, samt seinen Gehilfen, seinen Stoffen und seinen Schnittmustern, ganz gleich, was er dafür verlangen sollte. "Meine Frau," grollt er, "wird nicht in Lumpen gehen und wenn Dornenbeutel Ärger macht, lass ihm ausrichten, ich komme auch gern persönlich und hole ihn. So, als nächstes gehst du raus auf den Marktplatz zu Rhordri und bittest ihn, bei mir vorbeizukommen, wenn seine Schicht endet, ich muss mit ihm sprechen, aber das erledigst du persönlich, sei so gut. Oder du schickst Jen, aber niemand sonst, verstanden? Wo steckt der Bengel überhaupt? Herrje... ach ja: einen Botenjungen schickst du auch in die Stadthalle hinüber. Ich will den gesamten Stadtrat - außer Olyvar meinetwegen - morgen früh bei mir sehen, alle, auch Tallard. Ich kann nicht in die Stadthalle hinüberkriechen und wenn der Berg nicht zum Priester kommt, dann muss der Priester eben zum Berg, nicht wahr? Gut. Als nächstes schickst du einen Botenjungen mit einer Nachricht von mir persönlich zu
den Gildenmeistern der Zimmerleute und der Steinmetze ins Handwerkerviertel, sie sollen sich beide morgen bei mir einfinden, ich muss ein paar Abmachungen mit ihnen treffen, wir brauchen wieder einen funktionierenden Marktplatz und ich habe schätzungsweise drei Dutzend Häuser wieder aufzubauen. Wenn die Gildenmänner vor dem Stadtrat hier sind, müssen sie eben solang warten, bis ich mit den Räten gesprochen habe, aber ich denke, die Hohen Herren werden mir ohnehin zustimmen. So, was noch? Ach ja. Alle Knechte und Wagen, die wir hier nicht brauchen, stellst du den Blaumänteln zur Verfügung, damit sie die Leichen fortschaffen und den Schutt wegräumen können.

Hat irgendjemand Henry von Roßstein schon gesehen? Er war nicht im Haus, als es abgebrannt ist, oder? Nein? Ah, gut, sehr gut. Nun, was mit seinem Grund und Boden geschehen soll, muss er selbst wissen. Ravens Bogenmacherei ist auch weg, nehme ich an? Oh je, naja, nun... hrmhom, die Gute hat ja ein zu Hause... einerlei. Wenn sie in den nächsten Tagen oder Wochen hier auftaucht, und ich liege hier immer noch löchrig wie ein Sieb und nicht ganz bei mir, dann seid so gut und macht ihr ein Angebot über den Grund, ich kaufe ihn ihr wieder ab, wenn sie ihn los werden will. Die Blaumäntel - oder wer auch immer sich darum kümmern wird -, sollen auf jeden Fall die Trümmer mit wegräumen, sagt ihnen das, wenn sie fragen, den Rest kläre ich selbst mit ihr. Was meine Pächter angeht, deren Häuser abgebrannt sind, so sind die wahrscheinlich mit den anderen obdachlos gewordenen in der Steinfaust untergebracht und dort werden sie auch eine Weile bleiben können, aber der Pachtzins wird ihnen auf jeden Fall gestundet, bis sie wieder ein Zuhause haben und ihrer Arbeit nachgehen können. Bestell bei... ach nein, das kläre ich gleich mit den Zimmerleuten selbst. Azra, notier mir das irgendwo, bevor ich's vergesse. Die Harfe bleibt vorerst geschlossen, alle Gäste die hier sind, dürfen bleiben, aber wir nehmen keine auf, ehe nicht zumindest der Marktplatz wieder gepflastert ist. Grid und die anderen sollen sich in der Zwischenzeit gleich darum kümmern, dass alle Zimmer gründlich gescheuert und frisch gekalkt werden, wenn sie schon leer stehen. So, das wär's zunächst, aber bevor ich's noch vergesse: Sigrun soll mir einen schönen, fetten Krustenbraten in den Ofen schieben, ja? Und ich hätte schrecklich gern einen Humpen Malzbier, falls sich das einrichten lässt. Und dann, Halla, lässt du deinen Hintern ordentlich versorgen... sich mit einem Ogre und einem Schattenhund anlegen, du und Jen, ihr seid ja nicht mehr ganz bei Trost! Wenn der Bengel auftaucht, ich will mit ihm sprechen, sag ihm das. So, und jetzt richtest du Azra hier ein schönes heißes Bad und dann schickst du die Botenkinder los. Und danach schonst du dich gefälligst und lässt die arbeiten, die keinen Kaktushintern haben. Das ist ein Befehl!" Halla springt davon, um seine zahlreichen Anweisungen auszuführen und Azra schält sich mühsam aus ihren zerfetzten Gewändern. Betäubt vor Erschöpfung und völlig aufgewühlt von allem, was sie in den letzten Stunden gehört und gesehen und zuvor schon mitgemacht hatte, bewegt sie sich langsam, als wate sie durch zähflüssigen Honig, aber gleichzeitig scheint sie auch atemlos darauf zu warten, dass er ihr endlich erzählen würde, was sie nun eigentlich getan haben soll... etwas, das so vollständig aus ihren Erinnerungen verschwunden scheint, als wäre es ausradiert worden. Sie nimmt ein langes heißes Bad, zieht in Ermangelung irgendeines Kleidungsstückes, das ihr passen würde, eines von seinen Hemden an und setzt sich dann zu ihm. Borgil weigert sich allerdings standhaft, ihr auch nur ein Wort zu sagen, ehe sie nicht zu ihm unter die warmen Pelzdecken geschlüpft ist und er sie festhalten kann.

Aufrichtigkeit. Du hast ihr Aufrichtigkeit versprochen... Also gut, er würde aufrichtig sein. Langsam und sie dabei fest, aber behutsam zwischen seinen lederharten, schwieligen Zwergenpranken haltend wie ein Vögelchen mit gebrochenem Flügel, beginnt er, ihr alles zu erzählen, was er zuerst nur von Schilama gehört, und dann auf dem Knochenacker selbst gesehen hat. "Nach meinem kleinen Tänzchen mit dem Flammenstier dachte ich zunächst, du seist sicher in der Harfe... hätte ich mir doch nur die Zeit genommen, um nachzusehen, aber... alles hat gebrannt und überall waren Höllenkreaturen, ich konnte einfach nicht weg. Später, vor dem Kupferkessel, hat Schilama mich gewarnt, die Windelbin, erinnerst du dich? Sie hat dich auf dem Marktplatz gesehen.... sie ist dir begegnet und du hast ihr einen Mordsschrecken eingejagt. Sie sagte, du wärst völlig verändert gewesen, hättest die Priester belauscht und einen Höllenhund auf sie selbst gehetzt... ich dachte, mir bleibt das Herz stehen, als ich das hörte, aber mir war klar, dass du irgendwie unter den Bann des Dämonen geraten sein musstest. Schilama, sie hat... Andeutungen gemacht, dass du noch mehr angestellt haben könntest. Niemand weiß es sicher, sie nicht, ich nicht und auch sonst niemand, aber nach deinen Bemerkungen ihr gegenüber könnte es sein, dass du mit einem Blaumantel aneinandergeraten bist... Mein erster Gedanke war, dass ich dich irgendwie finden musste und im Sithechhain habe ich dich gefunden. Du hattest eine Knochenkeule in der Hand und warst gerade dabei, Arwen niederzumachen... deshalb habe ich dich geschlagen. Offenbar bist du gerade in diesem Moment wieder zu dir gekommen. Azra, alle denken, du warst besessen. Vermutlich auch Olyvar, denn Schilama wird ihm alles berichtet haben. Sollen sie es ruhig denken, schließlich können sie dich so nicht verantwortlich machen. Aber... Besessene haben normalerweise leuchtend rote Augen, denn das Höllenfeuer brennt in ihren Seelen. Und Besessene, Wesen unter dem Bann eines solchen Dämons, die... nun sie lassen normalerweise auch nicht von ihren Opfern ab, nur weil ihnen ein bekanntes Gesicht begegnet... Deine Augen waren nicht rot und du hast von Arwen abgelassen, sobald du mich gesehen hast. Ich weiß nicht, was mit dir geschehen ist, nein, bleib hier. Ich weiß nicht, Azra... vielleicht war es ja eine besondere Form von Besessenheit, vielleicht war es etwas, das mit deinem Shebarucblut zu tun hat, vielleicht ist es eine Art Wahnsinn, vielleicht liegt der Schlüssel dazu in deiner Vergangenheit... Bleib hier, mein Mädchen. Ich weiß, es ist hart, dir das jetzt alles anzuhören und ich weiß, dass du mir nicht glauben willst, aber ich hab dir Aufrichtigkeit versprochen und ich muss ehrlich sein. Ich glaube nicht, dass du besessen warst... aber was immer auch mit dir los war, du selbst warst du auch nicht. Ich habe nicht den blassesten Schimmer, was dir eigentlich fehlen mag... und du ja wohl auch nicht... aber wir werden es herausfinden. Wenn ich einigermaßen wiederhergestellt bin, und deine Wunden verheilt sind, müssen wir uns um diese Angelegenheit kümmern. Wir werden mit Niniane sprechen, mit Loba und auch mit der Weißen Dame... die drei weisesten Frauen, die ich kenne, sie müssen Rat wissen. Das meinte ich vorhin mit Schuld und Verantwortung, verstehst du mich? Azra, hör mir zu! Du bist nicht Schuld. Es ist nicht deine Schuld. Aber," er holt tief Luft und hält sie jetzt fast gewaltsam fest, damit sie nicht vor ihm und der bitteren Wahrheit seiner Worte flüchten und sich irgendwo verkriechen kann, "aber wir sind verantwortlich für unser Tun... auch wenn es keine Absicht war. Du wirst dich all dem stellen müssen, ob du willst oder nicht. Aber... du musst es nicht allein tun. Du bist meine Frau und ich lasse dich nicht allein. Hörst du mich? Ich lasse dich nicht allein damit."  

Für's Erste lässt Borgil sie jedoch einfach Weinen. Azra hat ihm schweigend gelauscht, ungläubig, entsetzt, völlig verwirrt und schließlich auch vollkommen erschöpft, ihre Sinne überladen von allem, was sie durchgemacht hatte. Zuerst hatte sie sich stumm gewehrt, hatte fort von ihm und seinen unerbittlichen Enthüllungen gewollt, als könne sie so der Wahrheit davonlaufen, aber dann hatte sie aufgegeben - selbst in seinem geschwächten Zustand hat sie seinem Griff nichts entgegenzusetzen und irgendwann hatte sie sogar zugelassen, dass er ihren Kopf an seine Schulter gezogen, und sie dort festgehalten und gewiegt hatte wie ein verstörtes Kind. Er weiß nicht wie lange er bestimmt, fast beschwörend, auf sie einredet, ihr versichert, dass er sie nicht allein lassen würde, dass sie einen Weg finden würden, dass sie die Wahrheit suchen und dass alles gut werden würde... er verspricht es ihr ebenso wie sich selbst, und was immer man über Zwerge auch sagen mag, eines der vielen Gerüchte über sein Volk entspricht der reinen Wahrheit: sie geben nie, niemals, auf oder lassen von einer Sache ab, die sie sich einmal in den Kopf gesetzt haben. Und ganz gleich, was diese elende Geschichte auch noch nach sich ziehen mag: sie ist seine Frau und er wird nicht zulassen, dass man ihr auch nur ein Haar krümmt und wenn es das Letzte ist, was er tut. Die nächsten Tage vergehen in einem seltsamen Paradoxon aus hektischer Aktivität und tiefer, fast benommener Ruhe. Halla hat alles erledigt, was er ihr aufgetragen hatte und so findet sich als erstes ein völlig abgekämpfter, schmutzstarrender, erschöpfter Rhordri bei ihm ein, vertilgt die Hälfte seines schönen Krustenbratens, leert mit ihm ein halbes Fass Malzbier und bringt Borgil auf den neuesten Stand der Dinge - die allesamt entsetzlich sind. Dann erscheint der Stadtrat, vollzählig, sogar Olyvar, zu einer Sitzung in Borgils Privatgemächern. Selbst Tallard lässt sich dazu herab, an einem Stock hereinzukrücken und ist ungewohnt friedvoll gestimmt, auch wenn er die Hälfte des Gesindes in den drei Stunden seiner Anwesenheit erfolgreich zur Weißglut bringt. Die nötigsten Schritte, was den Wiederaufbau der Stadt angeht, werden also an Borgils Krankenbett besprochen und eilig abgesegnet. Nach den Stadträten erscheinen die Gildenmeister und Borgil veranlasst sie mit einer wohldosierten Mischung aus Schmeicheleien, Drohungen und einer Menge baren Silbers dazu, sämtliche Zünfte Talyras, die auch nur im entferntesten etwas mit Bauen zu tun haben, zusammenzutrommeln, um die zerstörten Stadtteile neu aufzubauen - schon am nächsten Tag wimmelt es am Nordtor und - sobald die Blaumäntel abgezogen sind -, auch auf dem Marktplatz und in den niedergebrannten Straßenzügen von Helfern, Maurern, Gesellen, Lehrburschen, Zimmermännern, Steinmetzen und anderen Handwerksleuten, die wie die Wilden Schutt wegräumen, Dreck und Trümmer fortschaffen, und dann beginnen zu hämmern, zu sägen und zu mauern was das Zeug hält. Borgil verschläft die ersten Tage nach seiner Rückkehr in die Harfe und nach Erledigung der dringlichsten Dinge zumeist, - wenn Azra ihn nicht mit fürchterlichen Heiltränken traktiert oder seine Wunde neu verbindet, heißt das -, und kommt unverschämt rasch wieder zu Kräften. Er nimmt brav sein rostiges Wasser zu sich, schlürft Unmengen von in Rotwein verquirlten Eiern, ernährt sich weitgehend von blutiger Leber und Malzbier und schnarcht sich ansonsten gesund.

Schon nach einem Siebentag wünscht Azra ihn sich vermutlich ins Koma zurück, denn einmal auf dem Weg der Besserung, ist Borgil alles andere als ein angenehmer Patient. Kaum, dass er wieder länger als eine Stunde am Stück wach bleiben und sich allein in den Kissen aufrichten kann, hält er sich auch schon für gesund... und wird unerträglich. Er ist launisch, reizbar, unzufrieden mit sich und der Welt, selbstmitleidig, nörglerisch, knurrig, ungerecht und sehr, sehr anstrengend. Ihm ist langweilig, er stirbt vor Müßiggang. Er kann nicht mehr liegen, er kann nicht mehr sitzen, er will sie in seinem Bett haben. Er wird den Teufel tun und den Nachtstuhl benutzen. Die Verbände jucken, er will ein Bad nehmen, die Bücher führen, hinter seinen Tresen zurück oder - noch besser - eine Reihe Nargnacken mit der Axt bearbeiten. Die blutige Leber hängt ihm zum Hals heraus, er will lieber dies und das und jenes, die Heiltränke sind sowieso das reinste Gift. Er will allein sein, er will Gesellschaft, er bekommt kein Auge zu, er kann keinen Hagebuttentee mehr riechen und schmecken schon gar, nicht und, ja, das vor allem - er will aufstehen. Dass Azra ihm nach zwei Siebentagen noch nicht den Nachttopf über den Schädel gebraten und ihn zum Donnerdrummel gejagt hat, ist das reinste Wunder. Dreimal erwischt sie ihn auf den Füßen und zerrt ihn prompt am Hemdkragen ins Bett zurück, wo er sich Standpauken anhören darf, die sich gewaschen haben und allerlei Drohungen, was sie alles mit ihm anstellen würde, wenn er sich das noch einmal erlaube, aber immerhin erkämpft er sich gegen Ende des Erntemonds das Recht, allein auf den Abtritt wanken zu dürfen. Seine Frau war nachdem er ihr alles erzählt hatte, verständlicherweise wochenlang vollkommen verstört gewesen, aber er hat es trotzdem irgendwie geschafft, sie zu beruhigen und die Tatsache, dass er sie jetzt in seinem Zustand einfach braucht, hilft ihr wohl mehr darüber hinweg, als alles, was er sonst noch hätte sagen oder tun können. Vollauf beschäftigt mit seiner Pflege, hat sie überhaupt keine Zeit, in tiefe Verzweiflung zu stürzen - sie muss einfach stark sein, für ihn, für sich selbst, für das Baby und sie weiß es. Zwei Wochen später ist er soweit wieder hergestellt, dass man ihm kurze Ausflüge in die herbstliche Sonne gestattet... aber nur vor die Tür, wo er befriedigt feststellt, dass sämtliche Handwerker Talyras emsig wie Waldameisen ihren Arbeiten nachgehen... das Kopfsteinpflaster ist wieder heil, der ganze Dreck fortgeräumt, die Arkadengänge der Badehäuser werden gerade neu gekachelt - mit sündhaft teuren azurianischen Fliesen in blau und weiß -, in einem Siebtentag, zu Beginn des Blätterfalls, soll der Markt wieder geöffnet werden und südlich davon stehen die Balkengerüste der ersten neuaufgebauten Häuser, noch frisch und nackt im kühlen Sonnenlicht. Immerhin schläft Azra wieder neben ihm in seinem Bett und mit ihm obendrein, auch wenn er das mit seinem herzallerliebsten Benehmen eigentlich gar nicht verdient hat... wissen die Götter allein, was dieses Frauenzimmer nur an ihm findet. Etwas anzuziehen hat sie mittlerweile auch wieder - Leibwäsche, zehn Unterkleider, fünf Alltagsgewänder, fünf Tuniken, fünf Hemden, ein paar Seidenstrümpfe, Wollstrümpfe für den Winter, eine weiche Lederhose und vier aufwendigere Gewänder. Der alte Dornenbeutel hatte sich Borgils Einladung zu Herzen genommen und dann einen ganzen Siebentag lang in der Harfe logiert, samt zwei Nähmädchen und dem reinsten Materiallager, aber wenigstens ist Azra damit notdürftig ausgestattet. Auf Borgils - und auch Hallas - Drängen hin hatte sie allerdings bei Dornenbeutel eine komplette Ausstattung in Auftrag gegeben, die mit dem Beginn des Nebelfrosts fertig gestellt und in die Harfe geliefert werden soll.

Zunächst hält jedoch der Blätterfall Einzug in Talyra und mit ihm nebelfeuchtes Herbstwetter. Die Tage werden allmählich merklich kürzer, die Nächte kalt und windig, und die Wälder ringsum kleiden sich in einen Mantel aus Gelb, Rot, Gold, Bronze und Feuer. Die Büffel ziehen wie jedes Jahr aus den östlichen Grasländern ins Larisgrün, die ersten Herbstjagden finden statt, die Karawane aus Sûrmera kündigt Verspätung an und wird nunmehr erst Mitte des Nebelfrosts erwartet, doch wenigstens der Marktplatz wird endlich - runderneuert, zur Hälfte frisch gepflastert und obendrein mit jungen Bäumen bepflanzt - wieder eröffnet, und mit ihm die Harfe, was in frenetisches Schmausen, Schlemmen und Zechen ausartet. Azras Bauch rundet sich merklich und das Kind macht sich nun auch nicht nur ihr, sondern ihm ebenso bemerkbar - Borgil verbringt Stunden damit, seine Hand auf ihrer straff gespannten, weißen Haut herumwandern zu lassen auf der Suche nach einem vorwitzigen Ellenbogen oder einem Füßchen, das dem sanften Druck seiner Finger mit einem Tritt oder Knuff antwortet. Wann das Baby kommt, lässt sich so genau gar nichtsagen, vor allem nicht angesichts der Tatsache, dass es da im Taumond so viele Nächte gegeben hatte, die in Frage kommen - aber nach wochenlangem Nachrechnen und mehrmaligen Besuchen einer Hebamme (einer von Hallas zahlreichen Basen, die Azra gründlich untersucht), steht mehr oder weniger fest, dass das Kind wohl Anfang des Langschneemonds das Licht Rohas erblicken würde... und bis dahin ist noch elend viel zu tun. Die meiste Zeit verbringt Borgil folglich, nachdem er endlich vollständig wieder hergestellt ist und die heilige Erlaubnis seiner Frau hat, aufzustehen, auf der allgegenwärtigen Baustelle südlich des Marktplatzes, wo Heerscharen von Zimmerleuten die zerstörten Häuser wieder aufbauen... das hier ist schließlich sein Grund und Boden, sein Silber, das in allem steckt und es sind seine Pächter, die in der Steinfaust ausharren müssen, bis ihre Heime fertig gestellt wären - und so treibt Borgil alles und jeden an und sich selbst am härtesten. Die Maler müssen damit rechnen, dass ein knapp dreihundertsechzig Pfund schwerer Zwerg ihre höchsten Leitern erklimmt, um übersehene Stellen und ungerade Pinselstriche zu entdecken. Zimmerleute, die versuchen an Nägeln zu sparen, müssen darauf gefasst sein, dass eben dieser Zwerg am nächsten Morgen eigenhändig den Hammer schwingt, und das Getane nachbessert - und gnaden ihnen die Götter, wenn er sie erwischt. Neue Türen überprüft Borgil kurzerhand, indem er sie mit Gewalt zuwirft - das jeweilige Krachen hätte Tote wecken können. Hält die Tür ihm nicht stand, muss eine neue her und diesmal nicht aus minderwertigem Holz. Er überprüft den Zug der Kamine, klopft die gemauerten Fundamente aus Flussteinen ab, klettert auf Firsten herum und zählt die Dachschindeln nach, und wehe, durch eine Fensterritze pfeift der Wind oder ein Laden klappert. Jeden Abend, wenn die Dunkelheit hereinbricht, gibt es in der Harfe einen Krug Bier umsonst für jeden Mann, der solange gearbeitet hat und kaum dass die Scharen von Zimmerleuten, Maurern, Ofensetzern, Schreinern und Helfern wieder abgezogen sind, geht es für Borgil in der Schankstube weiter oder er sitzt über den Büchern.

Gegen Ende des Blätterfalls ist es dann soweit, die ersten Häuser werden fertig und die Bürger, die in der Steinfaust untergebracht worden waren, und praktisch alles verloren hatten, können in ihre funkelniegelnagelneuen Heime zurückkehren - die teilweise erheblich besser sind, als ihre Vorgänger, aber gegen derartige Unterstellungen und Gerüchte wehrt sich Borgil auf's heftigste, schließlich hat er einen Ruf zu verlieren. Auch der Nebelfrost zieht ins Land und mit ihm die Erwartung der ersehnten Karawane aus dem Süden - ein paar Händler aus Immerfrost und Ardun haben sich ebenfalls angekündigt, wie man so munkeln hört, doch auch von ihnen ist noch nichts zu sehen. Die Straße, in der die Bogenmacherei gestanden war, ist dafür bis auf ein, zwei Gebäude vollständig wieder aufgebaut und so gut wie alle Schäden am Marktplatz selbst sind behoben. Die Badehäuser erstrahlen in neuem Glanz, der Kupferkessel und die Harfe ebenso, auch wenn es Jahre dauern wird, bis die jungen Bäumchen im Garten vor dem alten Gasthaus soviel Schatten spenden würden, wie die alten - nur dort, wo das Anwesen der Roßsteins und nicht weit davon der Wollhändlerladen gestanden waren, gähnt immer noch eine rußschwarze Fläche. Es ist ein nebeltrüber, eiskalter Abend und in der Harfe sind nur wenige Stammgäste, so dass Borgil sie getrost Halla überlassen und in seine Gemächer gehen kann, wo Azra, hochschwanger und bewaffnet mit Zollstock, Griffel und Wachstäfelchen dabei ist, das zukünftige Kinderzimmer auszumessen und nebenbei auf die Lieferung ihrer übrigen Gewänder, Kleider, Wäsche, Schuhe und Winterumhänge wartet. Neben ihrer Kleidung würde Dornenbeutel auch einen Satz Kinderkleider liefern, winzige Kittelchen, Strümpfchen, Hauben, wollene Jäckchen und weiche Decken - darauf sind sie beide wohl am allermeisten gespannt. Im Kamin prasselt ein helles, warmes Feuer und vor den tiefgesetzten Fenstern wabert weißer Nebel. "Es gibt Frost heute Nacht, den ersten in diesem Jahr." Er sieht ihr über die Schulter, während er ihre Mitte umfasst, um beide Hände auf die herrlich runde Kugel ihres Bauches zu legen und dann versucht, die hieroglyphenartigen Kritzeleien auf der Wachstafel in ihren schmalen Fingern zu entziffern. Azra, seit Wochen schon mit hektischem Nestbau beschäftigt, kaut nachdenklich auf dem Griffelende herum. "Was tust du da, Schneemädel?" Erkundigt er sich im Plauderton. "Du willst doch nicht schon wieder deinen schönen Plan von letzter Woche über den Haufen werfen?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 18. Nov. 2005, 10:18 Uhr
Er schwankt irgendwo zwischen Wahnsinn und Verzweiflung als er das Ufer des Ildorel verlässt, aber es legt sich langsam während er die Straßen der Stadt entlang geht. Erstens hat er Zeit sich jetzt alles genau anzusehen und das Ausmaß der Verwüstung zu erkennen und zweitens kann er beim Gehen auch wieder zu Vernunft kommen und alles genau überlegen.

Denk einmal darüber nach Junge, du hast geschlafen, sie ist gegangen… Vielleicht warst du einfach nicht zu wecken? Genau, das muss es gewesen sein, sie war müde, musste fort, wollte sicher gehen, dass es ihren Freunden gut geht, Kana, genau, sie wohnt bei Kana, der Schusterin. Du kannst sie immer wieder sehen, du musst nur in der Schusterei nach ihr fragen, so einfach ist das. Außerdem weiß sie auch wo du so wohnst, das ist ganz einfach, sie kann auch immer in die Harfe kommen wenn sie das möchte, dort findet sie dich auf jeden Fall, wenn sie das will… Sie hat gesagt sie will, sie wird kommen!

Je näher Tiuri dem Marktplatz kommt, desto mehr Menschen sind damit beschäftigt immer noch schlimmere Schäden wieder in Ordnung zu bringen und obwohl sie arbeiten wie die Tiere, wird es Tage, wenn nicht sogar Wochen dauern bis alles wieder so aussieht wie es einmal gewesen ist. Als er schließlich auf dem Marktplatz steht, sich umsieht kann er es fast nicht glauben. Natürlich, er hat es in der Dunkelheit schon teilweise erkennen können, aber das richtige Ausmaß dieses Dämonenangriff kann er erst jetzt wirklich erfassen. Er atmet pfeifend aus und fährt sich mit einer dreckigen Hand durchs Haar. Überhaupt sieht er, obwohl kaum verletzt, immer noch leicht mitgenommen aus. Ringe unter den Augen, Schmutz und Blut verschmiert von oben bis unten, das strähnige Haar hängt ihm ins Gesicht und er humpelt leicht. In seinen Schuhen rieselt noch der Sand als letztes Bekenntnis der vergangenen Nacht als er durch den zerstörten Harfengarten geht. Die Bäume die dort einst den Besuchern Schatten gespendet haben gibt es nicht mehr und auch wenn man Zäune und Mauern wieder errichten kann, so braucht ein Baum doch Zeit um wieder zu wachsen und selbst in Jahren wird es hier nicht wieder so aussehen wie noch vor wenigen Tagen. Als er zur offenen Tür der Harfe hinein treten will, in der die Arbeiten schon in vollem Gange sind, wäre er beinahe Halla über den Haufen gerannt, oder sie ihn, sofern das bei dem Größenunterschied möglich ist. Sie fuchtelt wild mit Armen und Beinen, faselt etwas von Rhordri, er oder sie, aber nur er oder sie und meint dann, dass sie es doch besser selber erledigt und er soll gefälligst hineingehen und mit Borgil reden, sich waschen, denn er sehe eklig aus und dann mit anpacken und überhaupt wo er eigentlich gesteckt habe, aber bevor er noch auf irgendetwas davon antworten kann, ist sie schon an ihm vorbei und eilt über den Marktplatz auf den Kastellan der Steinfaust zu.

Tiuri sieht ihr nach und versucht dann alle Anweisungen nicht nur im Kopf zu behalten, sondern ihnen auch Folge zu leisten. In der Harfe läuft er als nächstes Grid über den Weg die ihn ansieht, meint er sähe schrecklich aus und er würde stinken, ihn dann dazu antreibt sich schneller zu bewegen, denn die Zeit stünde nicht still und das Schwert zurück zu bringen mit dem er dem Höllenköter abgestochen hat. Sie drückt ihm die Waffe auch gleich in die Hand und drängt ihn weiter nicht einfach rum zu stehen.
„Schon gut“, er muss ja fast schon lachen bei all den netten Komplimenten die er so bekommt und meint dann, dass er nur noch schnell zu Borgil geht.
>Der Herr Borgil sollte sich schonen,< sagt Grid noch kopfschüttelnd und huscht dann wieder geschäftig davon, lässt Tiuri mit sorgvollen Augen ob des Zustands des Zwergen zurück. Der Junge gibt sich einen Ruck und klopft an die Türe zu Borgils Privatgemächern.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 18. Nov. 2005, 22:47 Uhr
Am Tag von Borgils Rückkehr in die Harfe


Azra sitzt gerade hinter einem Paravent aus Rosenholz in der großen, mit Kupfer ausgelegten Holzwanne und mariniert sich in duftendem Seifenschaum und heißem Wasser, Halla ist gegangen, um alle von Borgils Aufträgen auszuführen und der Harfenwirt selbst döst sich in seinem Bett zwischen Wolfspelzen und Luchsfellen in angenehmes Halbkoma, als es an der Tür klopft - an der zur Harfe hin, draußen im Kaminzimmer. Borgil blinzelt, lauscht, wartet, bis das Klopfen sich wiederholt und knurrt dann ein "Herein", laut genug hofftentlich, um von seinem Besucher gehört zu werden. Die Tür zu seinen Gemächern knarrt leise, der Luftzug lässt das Feuer im Hauptraum wie hier hinten im Schlafgemach knistern und dann streckt Jen seinen aschebestäubten Kopf herein, rostrot und schwarz gesprenkelt, und mit einem Schwert in der Hand - offenbar war der Junge noch nicht einmal zu einem Bad gekommen. Borgil lächelt aus seinem Kissenberg heraus und winkt Jen zu sich. Als der Junge näher an das niedrige Podest an der rückwärtigen Wand tritt, auf dem das breite Bett mit seinem geschnitzten Haupt und den weichen Fellen steht, fällt Borgils Blick auf das Schwert in seiner Hand und verweilt kurz darauf, aber seine Miene bleibt dabei ziemlich unergründlich, wenn in seinen schwarzen Augen auch so etwas wie überraschte Belustigung aufschimmert. "Hallo Jen," brummt er und richtet sich vorsichtig ein wenig auf. Ein sehniger Zwergenzeigefinger deutet auf die Waffe, als der Junge sich vorsichtig am Bettrand niederlässt, das Schwert über den Knien. "Ich habe gehört, du hast damit einen Schattenhund erschlagen." Das ist eine Feststellung, keine Frage und so bleibt Jen auch gar nichts anderes übrig, als zu nicken. Borgil pfeift leise und anerkennend durch die Zähne. "Danke. Halla hat mir alles erzählt - du hast hier die Stellung gehalten, die Harfe und die Schankmädchen und auch den Stall verteidigt - und das war keine Kleinigkeit, gegen diese Höllenkreaturen schon gar nicht. Gut gemacht, Jen. Und es war ein guter Einfall, meine Waffenkammer zu plündern," fügt er grinsend hinzu, wird aber sofort wieder ernst.

Einen, vielleicht zwei Herzschläge lang fasst er den Jungen vor ihm musternd, fast abwägend ins Auge. Seine blauen Augen wirken merkwürdig hell in dem schmutzigen Gesicht, sein ohnehin immer wild zerwuscheltes Haar ist blutverkrustet und strähnig, und seine Kleidung hat auch schon einmal bessere Tage gesehen. Wenn Dornenbeutel kommt, um Azras Maße zu nehmen, soll er Jen auch gleich einen Satz Kleider schneidern. Hosen, Hemden, ein paar feste Winterstiefel und einen warmen Umhang. Groß war Jen schon immer, aber in den Monden, die er jetzt in der Harfe weilt, hat er sich noch ein wenig gestreckt. Noch wirkt er jungenhaft und schlaksig, aber seine Schultern sind breit und sein Körperbau verrät jetzt schon Kraft und Zähigkeit. Auch wenn es ihm noch an Masse fehlt, der Mann, der er einmal werden wird, ist bereits zu erkennen und tritt immer deutlicher hervor. "Ich möchte, dass du das Schwert behälst. Ich weiß, du bist kein Krieger, aber manchmal ist es nicht das schlechteste, eine Waffe zu haben - und ein freier Mann sollte ein Schwert sein Eigen nennen." Für einen Moment sieht es aus, als wolle Borgil noch etwas hinzufügen, aber dann zuckt er nur kaum merklich mit den Schultern und meint: "Wenn du lernen willst, richtig damit umzugehen, dann bringe ich es dir bei... sobald ich kann, heißt das. Und jetzt gehst du zu Sigrun in die Küche und lässt dir etwas ordentliches zu Essen geben. Und dann nimmst du ein langes, heißes Bad. Ich habe Halla gerade mit äh... ein paar Aufträgen ein wenig überfordert, fürchte ich. Wenn du sie siehst, dann hilf ihr dabei so gut du kannst - ist nichts weiter weltbewegendes, ein paar Botengänge und ähnliches, aber es ist wichtig. Ach ja - irgendwann im nächsten Siebentag sollte Meister Dornenbeutel hier auftauchen. Er ist Schneider und wird ein paar Gewänder für Azra nähen. Er soll dir gleich einen Satz Winterkleidung mit anfertigen." Borgil unterdrückt glucksend ein Gähnen und ein lautes Wasserplatschen hinter dem Paravent verrät, dass Azra wohl gerade aus der Wanne gekrabbelt kommt. "Pass gut auf das Schwert auf, Junge, aye? Sein Name ist Fahl."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 18. Nov. 2005, 23:45 Uhr
Erst passiert gar nichts, so lange, dass Tiuri noch einmal klopft. Von drinnen hört er ein Geräusch das genauso gut von einem genervten Bären hätte kommen können, aber als Tiuri die Türe öffnet, ist es doch nur Borgil der ihn hinein gebeten hat. Irgendwie kann der Junge gar nicht anders, als sich langsam und vorsichtig zu bewegen, als könnte er damit irgendwie Borgil schonen, auch wenn es nichts bringt. Der Zwerg sieht schwach und müde aus, ein Zustand in dem Tiuri ihn noch nie gesehen hat und der ihn deswegen gleich doppelt erschreckt. Er überlegt ob er Borgil irgendwie seine Hilfe anbieten soll, ob der Zwerg irgendetwas braucht, aber dann fällt ihm ein, dass bestimmt schon ein jeder Bewohner der Harfe ihm zuvor gekommen ist.
Im Raum ist ein Paravant aufgebaut und auch wenn er nicht dahinter sehen kann, hört er doch die Geräusche von einer Person die in einem Zuber sitzt und sich ausgiebig wäscht. Er braucht gar nicht Borgils mildes Lächeln zu sehen wenn sein Blick in diese Richtung abschweift um zu wissen, dass es nur Azra sein kann die sich dahinter befindet.

>Hallo Jen,< Tiuri hat diesen Namen schon viele Male aus Borgils Mund gehört, eigentlich hat er sich schon an ihn gewöhnt, aber jetzt kommt er ihm doch wieder fremd vor, genauso fremd wie das Gefühl des Schwertes in der Hand. Als Borgil sich ein Stück aufrichtet und sich dabei so vorsichtig bewegt als wäre jeder einzelne seiner Knochen in Gefahr zu zerbröseln, würde Tiuri ihn am liebsten zurück in die Kissen drücken und ihn anweisen in den nächsten zwei Siebentagen nicht einmal daran zu denken sich zu bewegen, aber sogar er weiß, dass das übertrieben ist und so hält er den Mund.
>Ich habe gehört, du hast damit einen Schattenhund erschlagen.< Tiuri senkt den Blick auf das Schwert in seinen Händen hinunter. Der Gedanke zu Protestieren schießt ihm durch den Kopf, denn ‚erschlagen’ klingt, als hätte er gegen das Untier in einem Kampf, Mann gegen Köter, gewonnen, aber eigentlich hat er nur im richtigen Moment zu gestochen. Vor Sigourny hat er noch damit geprahlt, aber Borgil hat er kämpfen sehen, richtig kämpfen und was er dagegen getan hat kommt ihm schlicht lächerlich vor. Trotzdem ist es wie es ist, er hat diesem Schattenhund das Schwert in die Kehle gerammt und ihn damit erschlagen, also nickt er einfach, denn Borgil hat ihn sowieso gar nicht gefragt, sondern es als gegeben hingenommen. Als Borgil ihm dann auch noch dafür dankt, dass er in der Harfe die Stellung gehalten hat, wäre er beinahe rot angelaufen, aber unter all dem Dreck hätte man es sowieso nicht gesehen. Er murmelt etwas völlig unverständliches in seinen nicht vorhandenen Bart das vermutlich: „Kein Problem, das hätte doch jeder getan“, heißen sollte, aber sicher gehen, dass die Botschaft ankommt, kann er nicht.

>Ich möchte, dass du das Schwert behältst. Ich weiß, du bist kein Krieger, aber manchmal ist es nicht das schlechteste, eine Waffe zu haben - und ein freier Mann sollte ein Schwert sein Eigen nennen.<
Jetzt aber sieht Tiuri überrascht zu Borgil hoch und krallt die Hände noch fester um den Schwertgriff, wenigstens mit der Linken tut er das, denn die Rechte will wie immer dabei nicht mitspielen. Ein freier Mann! Ja! Er streckt sich ein wenig, drückt das Schwert kurz an die Brust und nickt. „Danke! Und ich würde es sehr gerne lernen! Wenn es dann geht.“ Mehr kann er nicht dazu sagen, aber dafür kommt es völlig ehrlich vom Grund seines Herzens.

Er hört zu wie Borgil über die Aufträge redet die er Halla aufgetragen hat und Tiuri verspricht ihr so gut wie möglich zur Hand zu gehen und zu Helfen wo er nur kann, auch wenn er gedanklich schon dabei ist das Schwert zu schwingen. Er dankt Borgil auch dafür, dass ihm Meister Dornbeutel neue Kleidung machen soll, denn selbst wenn das mitgenommene Hemd das er trägt nicht das einzige in seinem Schrank ist, so sind sie ihm doch in den letzten Monden an den Armen wieder einmal etwas knapp geworden. Wenn ich so weiter wachse sollte ich Borgil vorschlagen die Türe einfach etwas größer zu bauen, sonst passe ich nicht mehr durch.
>Pass gut auf das Schwert auf, Junge, aye? Sein Name ist Fahl!<
„Fahl“, andächtig wiederholt der Junge den Namen des Schwertes. „Ich passe gut darauf auf, keine Sorge!“ Bei dem Namen des Schwertes fällt ihm sein eigenes Problem wieder ein. Anstatt jetzt zu gehen und Borgil endlich in Ruhe zu lassen, bleibt er auf der Stelle stehen und steigt von einem Fuß auf den anderen. Er kratzt sich am Kopf, dreht das Schwert in seinen Händen und zupft an seinem Hemd herum, bis Borgil ihn schließlich leicht entnervt fragt, was denn los sei.
Tiuri macht einen Schritt nach vorne auf Borgil zu und hebt die Schultern ein wenig ratlos an. Wie soll ich ihm das erklären? Ich kann ja nicht beim Anfang anfangen, mal abgesehen davon, dass ich nicht weiß was der Anfang eigentlich ist, aber bis ich dann fertig bin, sind wir beide schon tot. Aber ich kann ja auch nicht einfach sagen: Übrigens, mein Name ist nicht Jen, ich hab dich belogen, obwohl du mein Leben gerettet hast, mich aufgenommen, mir ein Heim und Arbeit gegeben hast und dich manchmal mir gegenüber schon fast wie ein Vater verhältst, hab ich einfach nicht die Wahrheit gesagt. Mir war eben nicht danach, ich hoffe du verstehst das und ich hätte jetzt gern, dass du mich Tiuri nennst. Gut?
„Ich weiß nicht wie ich es sagen soll, aber heute Nacht, hab ich einen Mann sterben sehen und er hat gesagt… hat mir erzählt; Nein, egal, jedenfalls, mein Name… ich heiße nicht Jen! Ich wollte nicht lügen, ich hab gar nicht gelogen, nicht wirklich, ich wusste nicht… ich wollte nur, dass du es weißt,… ich hätte es gar nie verschwiegen, aber ich hab… Mein Name ist Tiuri!“
Während er vor sich hin stammelt und stottert, hält er sich an dem Schwert fest als wäre sein dringend notwendiger Gehstock und ein leicht verzweifelter Ausdruck schleicht sich auf sein Gesicht.
Dabei ist es nur ein Name, es macht keinen Unterschied ob du so heißt oder anders, es ist,… nur ein Name!
Aber so sehr sich Tiuri das auch einredet, für ihn ist es eben nicht nur ein Name, es ist ein Stückchen Vergangenheit, etwas von dem er nicht viel besitzt und wovon er jedes Stück hütet wie einen Schatz von unvorstellbarem Wert.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 21. Nov. 2005, 00:47 Uhr
Auf Borgils anerkennende Worte und seinen Dank für die Verteidigung der Harfe nuschelt der Junge nur ein fast betretenes: >Kein Problem, das hätte doch jeder getan<, hervor, was Borgils Brauen ein ganzes Stück nach oben wandern lässt. "Von wegen," brummt er zurück, aber das Lächeln bei diesen Worten ist deutlich in seinen Augen zu sehen und in seiner Stimme zu hören. "Stell dein Licht nicht unter den Scheffel, Junge, du warst großartig."
Jen drückt Fahl in seiner schmucklosen, einfachen Lederscheide an sich wie der kostbare Schatz, der es ist, auch wenn der Junge davon nicht die geringste Ahnung hat. >Danke! Und ich würde es sehr gerne lernen! Wenn es dann geht.< Borgils leises Lachen auf diese Worte klingt, als hätte ein bronchitischer Drache einen Frosch im Hals. Er hat die Brandnarben an Jens Körper nie gesehen, jedenfalls nie ganz. Der Junge war immer peinlich darauf bedacht, niemandem ohne Hemd unter die Augen zu treten, aber er lebt jetzt seit einem dreiviertel Jahr in der Harfe und natürlich waren Borgil die Vernarbungen an seinem Hals und die auf seiner rechten Hand irgendwann aufgefallen, aber er hat nie danach gefragt. Es ist allein Jens Sache, darüber zu sprechen, wenn er will und an den Erinnerungen an solche Wunden rührt man nicht einfach so. Der Zwerg trägt selbst einige Spuren früherer Kämpfe am Körper, aber nach seiner auffälligsten Narbe, der mitten auf seinem Schädel, fragt auch selten jemand - als gebiete das zerstörte Fleisch einfach Schweigen. "Natürlich geht das... wenn deine Rechte nicht stark genug ist, können wir immer noch einen Linksausleger aus dir machen... wird deine Gegner mächtig verwirren, aber das sehen wir, wenn es soweit ist. Erst einmal muss ich wieder auf die Beine kommen... irgendwie. Ich hatte mit meinem Schattenköter nicht soviel Glück, das blöde Vieh hat mir die Halsschlagader angeritzt und ich bin ausgelaufen wie ein löchriger Eimer, aber genug von dem Geschwätz. Wenn es mir wieder gut geht und es im Winter ruhiger wird in Talyra, dann fangen wir mit deinen Schwertübungen an. Aber freu dich nicht zu früh. Du wirst die meisten Abende mit Blasen an deinen Fingern und mit Striemen an deinen Armen zu Bett gehen, und du wirst so blau und grün geprügelt und so fertig mit der Welt sein, dass du kaum Schlaf finden wirst." Auf seine Bitte, gut auf die Klinge zu achten, nickt der Junge nur und verspricht, es zu tun und Jen ist schon dabei, sich zu verabschieden, als er noch einmal zögert und dann auf der Stelle tritt wie ein unentschlossenes Pferd, das nicht weiß, ob es näher kommen oder doch lieber die Flucht ergreifen soll. "Was ist los, Jen? Du zappelst herum, als hättest du Kröten im Hemd."

>Ich weiß nicht wie ich es sagen soll, aber heute Nacht, hab ich einen Mann sterben sehen und er hat gesagt… hat mir erzählt; Nein, egal, jedenfalls, mein Name… ich heiße nicht Jen! Ich wollte nicht lügen, ich hab gar nicht gelogen, nicht wirklich, ich wusste nicht… ich wollte nur, dass du es weißt,… ich hätte es gar nie verschwiegen, aber ich hab… Mein Name ist Tiuri!<  
Borgil schweigt lange Zeit. Seine schwarzen Augen ruhen unverwandt auf dem aufgewühlten jungen Gesicht, aber er erlaubt sich keinen Ausdruck auf seinem eigenen. Du hast in Talyra einen Mann getroffen, der dich gekannt hat? Einen sterbenden Mann, der dir einen Namen gegeben hat... und du hast ihm geglaubt und tust es noch, ich kann es sehen. Tiuri also. Tiuri. Ein ungewöhnlicher Name, eher aus dem Süden der Herzlande, denke ich. Vielleicht sûrmerisch, vielleicht auch virinmaruni. Nicht Talyrisch, das ist sicher. Und wie kommt ein sterbender Talyrer zu der Ehre, dich zu kennen, Tiuri Brandhand? Ein ziemlich eigenartiger Zufall, wenn du mich fragst. Borgil war noch nie ein Mann, der an Zufälle geglaubt hat, angesichts der Tatsache, wie der Junge in sein Leben gestolpert war, ohnehin nicht. Aber jetzt ist er hier und nichts von dem was er getan hat, hat irgendetwas mit seinem Namen zu tun. Worte sind nur Worte, Namen nur Namen, ein paar Buchstaben machen keinen Mann aus, nur die Taten. Eine ganze Weile mustert er den hochgewachsenen jungen Mann vor ihm, dann lächelt er, langsam und leicht, aber durch und durch echt - wie ein Mann, der gerade ein kleines, aber wertvolles überraschendes Geschenk erhalten hat, und das hat er ja in gewisser Weise auch. "Willkommen in der Harfe, Tiuri. Sie ist dein Zuhause so lange du willst." Dann besinnt er sich - viel zu spät, wie er befürchtet, aber das ist jetzt auch nicht mehr zu ändern - auf seinen Ruf als polterndes Rauhbein und setzt umgehend eine finstere Miene auf. "Und nun fort mit dir und in einen Zuber mit heißem Wasser, Junge. Jetzt sieh dir an, was du angerichtet hast, hier sitze ich und werde glatt sentimental. Hrmhom! Das muss der Blutverlust sein, götterverdammt - und sieh zu, dass du auch Seife verwendest, du siehst schrecklich aus. Und dann hilf Halla, bevor die Gute noch einen Schwächeanfall bekommt. Und sie zu, dass sie ihren Hintern versorgen lässt, aye?"
Noch während sie sich unterhalten, tappt Azra hinter dem Paravent hervor, dampfend, blass, Perlenhaut und feuchte, seidige weiße Locken, die sich wirr wie glänzend nasse, schimmernd helle Schlangen um ihre Schultern ringeln. Sie sieht Tiuri einen Moment lang entgeistert an, offenbar hat sie seine letzten Worte gehört und vermutlich erinnert sie das  an ihre eigene Namensscharade, als sie gerade frisch nach Talyra gekommen war und die halbe Harfe mit ihren Launen und Eskapaden in Atem gehalten hatte... nicht zuletzt - oder sogar vor allem - ihn, bis er sie tatsächlich übers Knie gelegt und verwamst hatte.

Das bockige, streitlustige, vorlaute, arrogante Kind, das sie war. Jetzt ist sie meine Frau und trägt mein Kind unter dem Herzen... wer von uns beiden hat sich in diesem letzten Jahr mehr verändert, frage ich mich? Sie fällt neben ihm in die Kissen, schenkt Tiuri ein schwaches Lächeln und bettet ihren feuchten Kopf an seine unverletzte Schulter. Tiuri lässt sich von seinen harschen Worten weder beeindrucken noch beirren - verflixt, der Bengel kennt ihn schon viel zu gut - nickt nur, erwidert Azras Lächeln mitfühlend angesichts ihrer puren Erschöpfung und schlüpft dann hinaus, Fahl noch immer fest an sich gedrückt, als halte er sich an der Klinge in ihrer so schlichten ledernen Hülle fest... oder als trage er eine kostbare Trophäe. Siehst du das, Khairtamir? In welcher der Neun Höllen du jetzt auch sitzt, du verdammter Bastard, ich weiß, dass du dein Schwert beobachtest. Drachenstahl, dunkel wie Rauch und matt wie Kohle, aber scharf wie am Tag als er geschmiedet wurde und es war schon alt, als du es in die Finger bekommen hast, möchte ich wetten. Fast zweihundert Jahre habe ich gut darauf geachtet, jetzt trägt es Tiuri Brandhand. Ein Junge ohne Vergangenheit, aber mit vielen Geheimnissen... merk dir diesen Namen. Ich bin sicher, wir werden noch von ihm hören.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 21. Nov. 2005, 00:51 Uhr
Das heisse Wasser kocht sie beinahe durch, wie eines von Grids dicken Hühnchen für die Gäste und nur zu gerne lässt sich Azra bis zur Nasenspitze hinein sinken um alle schwermütigen Gedanken erst einmal von Trägheit und von dem Gefühl, keinen Körper mehr zu besitzen verdrängen zu lassen. Blut und Schmutz lösen sich von ihr und unter all den braunroten Krusten kommt endlich wieder etwas hervor, das entfernte Ähnlichkeit mit ihrer weissen Haut hat und obwohl es viel schneller gehen würde, wenn sie einfach den Lappen zur Hand nehmen und sich den ganzen Dreck abschrubben würde, überlässt sie diese Arbeit lieber dem Wasser. Sie kann das leise Knarren der Türe hören, wie durch dicken Honig hindurch, doch die Worte, welche gesprochen werden verlieren sich irgendwo auf dem Weg zu ihrem Bewusstsein, dass bereits so voll gestopft ist mit Eindrücken und Gefühlen, dass noch nicht einmal mehr ein Windhauch darin Platz gehabt hätte. Bilder huschen darin umher: Von dem ernsten Gesichts Borgils, über den beinahe heilen – die Götter seien gelobt – Zustand der Harfe, den schrecklichen Anblick des zerstörten Marktplatzes, den unzähligen Blaumäntel, Grauen Schwestern, Skriptoren, Leichenwagen, freiwilligen Helfern bis hin zu dem herrlichen Empfang von Halla, Grid, Sigrun, den Schankmaiden und den Knechten. Der entsetzte Ausdruck in Hallas Zügen, als sie Borgil gesehen hat, versetzt Azra erneut einen Stich und für kurze Zeit lässt sie sich einfach unter die Oberfläche des Wassers gleiten, als könne sie damit alle dem, was auf sie zukommt und von dem Borgil bereits angedeutet hat, dass es kommen muss, entfliehen. “ Aber eines musst du vorher wissen - ich gebe dir nicht die Schuld. Du trägst die Verantwortung, mit Sicherheit. Aber Schuld und Verantwortung, das sind immer noch zwei verschiedene Paar Stiefel.“ Er hat sich jedoch hartnäckig geweigert auch nur irgendwas zu sagen, bevor sie nicht zurück in der Harfe wären und schliesslich erst nachdem sie ein Bad genommen hätte und sie ich in aller Ruhe unterhalten könnten. Als Ihre Lungen gegen den Luftmangel zu protestieren beginnen, taucht sie leise prustend wieder auf und spürt, dass sich vielleicht jeglicher Mischmasch aus Blut und Asche sich von ihrem Körper gelöst hat, der eiskalte Brocken in ihrem Magen jedoch immer noch dasitzt, wo er entstanden ist, seit sie Borgil von dem erzählen musste, was sie in ihren Erinnerungen noch finden konnte. In Wirklichkeit, will sie gar nichts davon wissen, was sie getan haben soll, was zwischen dem Moment auf dem Marktplatz und dem Sithechhain passiert ist, nein, sie will nicht ein Wort von dem Ganzen hören und weiss trotzdem ganz sicher, dass es ihr nicht erlaubt sein wird, darum herum zu kommen und dass es wahrscheinlich auch besser so ist für sie und für all jene, denen sie etwas getan haben soll.

Als sie sich schliesslich dazu anschickt, aus dem Zuber zu steigen, sind ihre Beine im besten Fall nur noch weich gekochte Grütze und sie braucht mehrere Versuche um aus der kupfernen Wanne zu kommen, ohne dabei irgendwie auszurutschen und wieder in die angenehme Wärme zurück zu sinken. Schrumpelig wie ein vierzig Jahre alter Kaktus und ebenso anmutig, krabbelt sie schliesslich ächzend über den Rand, wickelt sich sogleich mit klappernden Zähnen, seltsam kraftlosen Händen und einem wilden Schopf von durcheinander gewirbelten, weissen Locken in ein weiches, übergrosses Tuch und stampft so, eine Spur aus feuchten, kleinen Fussabdrücken hinter sich herziehend, hinter dem hölzernen Paravan hervor, gerade noch den letzten Satz Jens mitbekommend: „… es weißt,… ich hätte es gar nie verschwiegen, aber ich hab… Mein Name ist Tiuri!“ Sie hält schlagartig inne und kurz muss sie sich angestrengt darauf konzentrieren, ihren Mund keinen Spaltbreit zu öffnen, um Tiuri damit nicht das Gefühl zu geben, ihn nun plötzlich zum Teufel schicken zu wollen. Nichts von dem hat sie vor, schliesslich ist er einer der Helden, die dafür gesorgt haben, dass ihre geliebte Goldene Harfe noch immer auf ihren Grundfesten steht und nicht von einem tollwütigen Ogre zu Kleinholz verarbeitet worden ist. Trotzdem spiegelt sich Verwirrung auf ihrer Miene wieder, zart und unscheinbar, doch ihr Verstand ist irgendwo auch einfach nur noch zu ausgelaugt und müde, um sich jetzt irgendwie wirkliche Sorgen darüber zu machen, was hier vor sich geht und so schenkt sie Jen… Tiuri nur ein flüchtiges, jedoch ehrliches warmes und ebenso dankbares Lächeln und stolpert dann bis an Borgils Seite, lässt sich dort auf der Bettkante neben ihrem Mann nieder und lehnt sich zurück, bis sie sich in seine Arme einkuscheln kann. Schläfrige, süsse Dunkelheit versucht sie zu umfangen und sie kann nicht ein weiteres Wort durch die dicke Suppe der Erschöpftheit hindurch verstehen, die noch gesprochen werden, bevor erneut das leise Krächzen der Türe ertönt. Mit halbgeöffneten Augen blinzelt sie zu Borgil auf, der ebenso ernst wie erleichtert aussieht und murmelt schliesslich leise: „Also Tiuri… ein schöner Name.“ Von Borgil kommt nur ein verhaltenes Brummen und aus seiner Miene ist nicht wirklich zu lesen, was er von dieser plötzlichen Veränderung halten will und wird, also kraucht sie nach kurzer Zeit doch noch einmal aus dem Bett hinaus, sich innerlich fragend, ob ihre Glieder plötzlich aus Blei zu bestehen scheinen, anstatt aus Fleisch, Muskeln und Knochen. Mit Mühe kämpft sie ihre Arme durch ein paar Ärmel von einem von Borgils Hemden, abgesehen von Sigruns Kleidern, wohl das Einzige, was ihr noch geht und sieht dann ihren Mann mit einerseltsamen Mischung aus „Jetzt?“ und „Ich will nicht“, an, doch Borgil lässt sich nicht davon überzeugen, es für sich zu behalten und ebenso wenig rückt er mit irgendeinem Wort heraus, bevor sie nicht sicher unter den kuschelig weichen, dicken Felldecken in seinen Armen liegt und ihren noch feuchten Haarschopf an seine Brust pressen kann.

Im Nachhinein wünscht sie sich, noch immer auf dem Knochenacker zu stehen, inmitten des gewaltigen Grauens und der Zerstörung, die sich wie flirrende Schatten über den heiligen Ort gelegt haben. Aber sie würde auch einfach ein Loch hinnehmen, worin sie sich ganz tief und ganz still verkriechen kann, ohne jemals wieder gefunden zu werden. Leider findet sich gerade davon nichts in der Nähe und der einzige Schlupfwinkel wird von einer besonders griesgrämigen Maus besetzt, die oft genug Jagdveranstaltungen mit dem dicken Kater durch die Harfe veranstaltet. Ihre schlanken Finger krallen sich in seinem Nachtgewand fest, dass sie ihm mithilfe von Halla so vorsichtig wie möglich übergezogen hat, um ja keinen seiner blauen, grünen, violetten oder aber bereits verblassenden gelben Flecken zu berühren, und kann ein unkontrolliertes Beben ihrer Lippen nicht mehr verhindern. Sie will „Nein“ schreien, will den Kopf schütteln, will vor ihm und der bitteren Wahrheit fliegen, will nichts von alledem wissen und es schon gar nicht aus dem Mund hören, der zu ihrem Mann gehört und dem sie somit bei allem was ihr lieb ist, noch nicht einmal unterstellen möchte das er sie vielleicht anlügt. Was für einen Grund hätte Borgil auch, ihr die Unwahrheit zu erzählen? Keinen, ihr will beim besten Willen nicht ein einziger einfallen und das macht es nur noch schwerer für sie. Mit einem leisen Schluchzen versucht sie sich von ihm zu lösen, aus seinem zarten und festen Griff zugleich zu entkommen, aber seine schwieligen Pranken halten sie fest umschlossen und obwohl er durch den starken Blutverlust mehr als geschwächt ist, hat sie ihm nichts entgegen zu setzen. Das meinte ich vorhin mit Schuld und Verantwortung, verstehst du mich? Azra, hör mir zu! Du bist nicht Schuld. Es ist nicht deine Schuld. Aber… aber wir sind verantwortlich für unser Tun... auch wenn es keine Absicht war. Du wirst dich all dem stellen müssen, ob du willst oder nicht. Aber... du musst es nicht allein tun. Du bist meine Frau und ich lasse dich nicht allein. Hörst du mich? Ich lasse dich nicht allein damit."   Haltlos rinnen Tränen über ihre Wangen und ihr ganzer Körper wird geschüttelt von den Schluchzern, die als leise Klagelaute aus ihrem Mund kommen, wie das verletzte Miauen einer verletzten Katze. Ihr Innerstes ist ein brodelnder Hexenkessel aus Schmerz, Angst, grässlichen Schuldgefühlen, schwindendem Widerstand gegenüber den Tatsachen, sowie einem Abgrund gähnender Leere, aus dem immer wieder, wie ein gemeines Echo, Borgils Worte widerhallen, die den Boden unter ihren Füssen zum Einsturz gebracht haben, als hätte er von jeher nur aus eine dünnen Schicht funkelnden und zerbrechlichen Eises bestanden : … vielleicht war es ja eine besondere Form von Besessenheit, vielleicht war es etwas, das mit deinem Shebarucblut zu tun hat, vielleicht ist es eine Art Wahnsinn, vielleicht liegt der Schlüssel dazu in deiner Vergangenheit… „Ich…“, bringt sie stammelnd und abgehackt hervor und weiss doch nicht, wie sie den Satz zu Ende bringen kann, ohne sich in den Wirren ihrer Gefühle und Gedanken – die nichts Besseres zu tun haben, als einen schrecklich verschlungenen Hexentanz aufzuführen – zu verlieren und bricht einfach ab, ihr Gesicht an seiner Schulter bergend und bis auf die Grundmauern all dessen, was sie in den letzten Jahren erfahren und gelernt und gesehen hat, erschüttert.

Borgil redet auf sie ein, wie auf ein kleines, verwirrtes Wesen, dem man gerade das Gleichgewicht gestohlen und es auf die Füsse gestellt hat und alles was Azra tun kann, ist sich an ihm fest zu klammern, als gäbe es kein Morgengrauen mehr und die Welt würde noch heute ihren Untergang erleben. Genauso fühlt sie sich auch, verlassen von jeglicher Sicherheit und jeglichem Schutz, der sie noch so zärtlich umhüllt hat, als sie Borgil von ihrer Schwangerschaft erzählt hat. All diese schönen Momente scheinen erdrückt zu werden von der Schwere des Geschehenen und der Schlaf der sie schliesslich holt ist durchdrungen von Alpträumen und schalem Dahingleiten durch bittere Tränen und fürchterliche Kälte, obwohl Borgil sie fest in seiner Umarmung hält, selber in einem Schlaf versunken, der genauso gut eine Leiche hätte halten können. Und jede darauf folgende Nacht wird nicht besser, obwohl die Tage bis auf den letzten Augenblick ausgefüllt sind mit hektischer Betriebsamkeit, wirrer Geschäftigkeit, ermüdender Strenge und erbarmungsvoller Arbeit, die sofort und ohne Umschweife erledigt werden muss. Azra hat gar keine Zeit sich zu viele Gedanken zu machen, zu fest in diesem Gefühl der Schuld und der Hilflosigkeit zu versinken, denn zu viel hat sie um die Ohren Borgils Wunden neu zu versorgen, den Gästen allen – in diesem Chaos – möglichen, alten Komfort entgegen zu bringen, dem stetigen Wiederaufbau der Harfe und dem Harfengarten, Borgil das Essen recht zu machen und sich nicht von seinem Gejammer nach etwas Anderem als Hagenbuttentee, Rindbraten, frisch gebackenem Brot, gebratenen Pilzen mit Zwiebeln und herrlich goldenem Dunkelbier abschrecken zu lassen, dem Putzen, Schrubben und Wienern des Harfenbodens, der Stühle, Tische, der Theke, den Zimmern und – nach einer heftigen Protest ihres Mannes - der Waffenkammer, dem Malen und neuen Verputzen der Fenster und der Wände, dem Fernhalten Borgils von irgendwas, dass sich weiter von seinem Bett entfernt befindet, als drei Schritt, dem Waschen, Schneiden, Einkochen und zu Kompott verarbeiten von Beeren und allen möglichen Sorten Obst, dem ständigen Beobachten des Fortschritts der Maurer, Schindler, Maler, Steinhauer und Gärtner, die versuchen die Zerstörung Talyras ein wenig zu beseitigen und sie unter neuer Schönheit erblühen zu lassen, dem Trauern über Tote, die man gut, wenig, oder auch nur flüchtig gekannt hat, dem Beruhigen Borgils, der götterverdammt nochmals genug davon hat, nur untätig in seinem Bett zu liegen, den blöden Nachttopf benutzen zu müssen, sich verflucht nochmals nur mit den Büchern beschäftigen darf, dem es bei Sils Bart zum Hals heraus hängt, allein zu sein, der vollends genug davon hat, immer jemanden um sich herumwuseln zu sehen, der sich prompt weigert, auch nur einmal noch etwas von Heiltränken und Mulden zu hören zu bekommen, der bei Cobrin, Troilus und Cassandra mit jedem und nichts zufrieden ist, an allem und niemandem etwas zu nörgeln hat, der aufstehen, rausspazieren und diesen Arbeitern da draussen die Hölle heiss machen will, wenn sie sich nicht endlich sputen, SEINE Häuser gefälligst so schnell und so sauber wie möglich zu erbauen und trotzdem verliert Azra nicht einmal die Geduld, sondern ist froh darum, dass seine Launenhaftigkeit, die manchmal in kindisches Genörgel und Trotzen ausartet, sie von alledem ablenkt, was er ihr erzählt hat.

Sie hilft Halla so gut es geht, erzählt ihrer Freundin in einer ruhigen Minute auch, was auf dem Marktplatz und dem Sithechhain geschehen sein soll und erfährt von der Mogbar anstatt Ablehnung, warme Sorge und Zuneigung, die ihr Herz bis zum Hals klopfen lassen. Auch Tiuri arbeitet fleissig und ohne Kommentar mit, steht ihnen jederzeit zur Seite und die drei stecken hie und da die Köpfe zusammen, wenn es wieder Neuigkeiten gibt. Ueber den plötzlichen Namenswechsel scheint sich niemand zu stören, wobei es am Anfang vielleicht einige verwunderte Blicke gab, doch Azra selbst ist es egal, sie vertraut dem jungen Mann und Borgil hat sowieso einen Narren an ihm gefressen. Wie sie auch schnell herausfindet, kann man mit ihm äusserst lang und ausgiebig Gespräche führen, die doch nur immer in wiederkehrenden Lachsalven enden. Hin und wieder steht Azra auch vor dem mannshohen Spiegel in ihrem Gemach und betrachtet mit finsterer Miene ihren Körper, der sich seltsam – sehr seltsam- verändert und mehr als einmal fragt sie sich, woher bloss diese Brüste herkommen, die aufzugehen scheinen wie Hefeteigbrötchen im Ofen und ebenso muss sie zum Blätterfall hin immer wieder ein paar wenige Pausen einsetzen, wenn das Ungeborene sich in ihrem Leib bemerkbar macht und schmerzhaft gegen ihre Wirbelsäule tritt, um damit seinen Missmut über ihre Geschäftigkeit zu zeigen. Still ist sie in dieser Zeit, stets nur darum besorgt, Borgil von irgendwelchen Dummheiten abzuhalten, ihn, wenn es sein muss, an den Ohren zurück ins Bett zu schleifen und am Besten gleich bei ihm zu bleiben, bis er sie schliesslich nach einer anstrengenden Argumentation dazu bringt, ihn wenigstens bis vor die Türe zu lassen, wo gehämmert, genagelt und gemauert wird, wo Häuser neue Dächer bekommen, völlig abgebrannte Ruinen verschwunden und dafür nackte, leicht verlassen wirkende Holzgerüste erschienen sind. Sie huscht umher, muss sich setzen, kocht, wäscht, führt mit ihrem Mann die Bücher, begleitet ihn auf seinen Ausflügen und gönnt sich selten eine Minute der wirklichen Ruhe, denn zuviel Furcht hat sie davor, dass ihr Kopf Zeit hätte, falsche Gedanken zu entwickeln. Nachdem Borgil endlich wieder soweit genesen ist, dass er ohne ständige Aufsicht bis auf den – sich im Wiederaufbau befindlichen - Marktplatz hinaus kann, ist er auch schon nicht mehr zu bremsen und die meisten Tage verbringt er ausserhalb der Harfe, um die Arbeiten an seinem Grund zu überwachen und wenn nötig, selbst daran herumzuwerkeln und nötige Fehler auszubessern und mehr als einmal darf sie miterleben, wie ein Zimmermann zur Schnecke gemacht wird, weil es Durchzug gibt, ein Fenster schief sitzt oder eine Türe der Kraft des Zwergen nicht standhält. Als dann jedoch der Schneider Dornenbeutel vorbeikommt beginnt für Azra eine heftige Diskussion über die Anzahl der Kleider, welche sie bekommen soll, denn in ihren Augen genügt ein Einziges vollkommen und als sie schlussendlich nach einem Siebentag mit einem ganzen Berg an Kleidern, Strumpfhosen, Hemden, Hosen und Tuniken dasteht, läuft sie so rot an wie die reifsten Tomaten in dieser Saison, weigert sich dann jedoch ebenso standhaft wie nutzlos gegen Borgils und Hallas Drängen, gleich eine ganze Garderobe zu bestellen. Sie hat nie so viel besessen und nun kommt es ihr falsch vor, auch wenn es eigentlich nur völlig natürlich wäre, wenn sie die Tatsache akzeptieren würde, dass ihr Mann nun einmal mehr Geld besitzt, als das sie jemals würde ausgeben können.

Jedes der Kleidungsstücke wird sorgfältig und liebevoll versorgt und sie wagt es beinahe nicht, etwas davon anzuziehen, da es doch einen Riss bekommen, die Naht aufgehen oder es aber irgendwo ein Fleck bekommen könnte, erntet von Borgil dafür mehr als nur einen belustigten Blick und ein amüsiertes Prusten und lässt sich trotzdem nicht davon abbringen die Gewänder zu behandeln, als bestünden sie aus purem Gold. Was sie vom emotionsvollen Wert her gesehen für Azra auch tun, denn noch nie in ihrem Leben hat so vieles ihr gehört und auch nach der Hochzeit ist es ihr nie in den Sinn gekommen, etwas von dem was ihr Mann besitzt, auch als das Ihre anzusehen und es für sich zu beanstanden. Da kann Borgil sie ebenso wenig davon überzeugen, wie Halla, Grid oder Sigrun und sie verspricht sich selbst, niemals um etwas zu bitten, dass sie nicht ganz, ganz dringend braucht. Die Bäume draussen – die, welche das Chaos ohne angebrannte Äste überlebt haben – beginnen sich zu verfärben, das Larisgrün verwandelt sich in ein Sammelsurium der verschiedensten Farben und wird zu einem schillernden Spiel aus Rot, Gold, Braun, Gelb und Grün und bezaubert so manchen Wanderer mit seiner einzigartigen Schönheit. Die neu erbauten Strasse Talyras werden von welken Blättern bedeckt und sogar der junge Keimling, dort wo zuvor die uralte Goldesche als Tummelplatz für jedermann gestanden hat, wird von bunten Blättchen geziert, die sich in der kurzen Zeit bis zum Herbstbeginn noch bilden konnten. Kühle, raue Winde streifen durch die Gassen und die Bewohner beginnen sich wärmer zu kleiden und in weite Umhänge zu hüllen, derweil das Stadtbild sich langsam wieder normalisiert und nicht an jeder Ecke grosse Kater dort klaffen, wo ehemals ein Haus gestanden hat. Azra hat jedoch selten Zeit die Harfe zu verlassen, denn neuerdings hat sie damit angefangen das ehemalige Arbeitszimmer ihres Gatten auszuräumen und zu einem akzeptablen Kinderzimmer umzufunktionieren, was ihr trotz jammern und klagen nicht so gelingen möchte, wie sie es gefälligst haben will und mehr als einen Abend verbringt sie mit Borgil über ein Wachstäfelchen gebeugt, um sich mit ihm über Vorhänge, Anstrich, Fenstergrösse, Einrichtung und Bodenbedeckung zu unterhalten, dabei auch noch entdeckend, wie sehr es ihr gefällt, etwas zu gestalten. „Blau oder weiss für die Vorhänge, und sollen sie dick oder dünn sein? Vielleicht wäre grün besser, das ist neutral, oder aber ein helles Gelb, das ist fröhlich und leicht. Und wenn wir die Wiege… herrje, eine Wiege muss auch noch her, also, wenn wir die Wiege in diese Ecke stellen und den kleinen Tisch an diese Wand, dann könnten wir den weichen, hellen azurianischen Teppich vor die Wiege, denk an die Wiege, legen… hmpf, dann bekommt man die Türe aber nicht mehr auf, also müssten wir die Wiege doch dorthin stellen, was aber mit den Vorhängen nicht passt und das Zimmer wäre dann wieder viel zu dunkel, dann müssten wir vielleicht wirklich weisse Wände haben, was mir aber nicht gefällt, besonders wenn die Vorhänge gelb werden sollen. Ich meine, wären sie grün, wäre dies keine grosse Sache, aber gelb… gelb und weiss, das geht nicht, vielleicht dann doch eher Blau, aber wenn es ein Mädchen wird, geht blau auch nicht mehr und…“ Irgendwann entdeckt Azra dann das unverschämt breite Grinsen auf Borgils Gesicht, wirft ihm den Griffel nach und verwirft ihren ganzen Plan prompt wieder, die auch die folgenden fünfmal, als sie ausmisst, einzeichnet, durchrechnet, schiebt, stellt und beinahe über dieses zwei Fingerbreit zu tief gelegte Fenster jammert, nur um dann jeglichen – von Borgil wie auch von Halla stets als gut empfundenen – Plan kurzerhand als unmöglich und schlecht einzustufen und einen neuen anzufangen.

Ihr immer grösser werdender Bauch ist ihr dabei immer und stetig nur im Weg, ebenso wie diese zwei Dinger, die einfach nicht aufhören wollen zu wachsen und die es ihr sogar verbieten, ihre Zehen zu sehen, wenn sie ihren Hals nicht arg reckt und streckt, doch solange Borgil nur verzückt davon reden kann, belässt sie es bei einem leisen Fluch hin und wieder und akzeptiert ansonsten ihr schreckliches Schicksal. Doch die Freude über die baldige Geburt des Kindes überwiegt und lässt sie jegliche Sorgen erstmal vergessen und sie geniesst Borgils Nähe und Fürsorglichkeit, obwohl sie ihn manchmal davon bewahren muss, sie wie ein Wattebällchen zu verpacken und sie nicht mehr aus dem Bett kommen zu lassen, wenn sie wieder einmal von ärgerlichen Rückenschmerzen geplagt wird. Leise seufzend kuschelt sie sich dann in seine Arme und raunt ihm mehr als einmal zu, wie froh sie ist, das Glück zu haben, an seiner Seite sein zu dürfen, ihn geheiratet zu haben und ihn überhaupt gefunden zu haben, bis er schliesslich rot bis unter die Haarspitzen irgendwas von „Gar nicht wahr“, und „Hmpf jetzt hör aber auf“, nuschelt und sie so Abend für Abend immer wieder zum Lachen bringt. Die Zeit, in der er launisch, nörglerisch, unausstehlich und absolut unmöglich gewesen ist, hat sie längst wieder vergessen und nun ist es wohl eher sie, die in so manchen Momenten glaubt, dass sie ihm nun sicherlich bald jeden seiner Nerven fein säuberlich zu Nichts verarbeitet hat, mit ihrem Tatendrang, ihrer Unaufhaltsamkeit und stoischen Sturheit das Kinderzimmer perfekt machen zu wollen. Borgil jedoch lässt sich durch keine ihrer überschwänglichen Launen aus der Ruhe bringen, die jedem Zwergen ebenso anzuhaften scheint, wie einem leblosen Stein. So auch des Abends im Blätterfall, als sie wieder einmal mit Wachstäfelchen, Griffel und Massband ausgestattet versucht, jeden Fingerbreit des Zimmers in den kaum zu entziffernden Plan einzubeziehen, der auf dem Wachs im dämmrigen Licht des Feuers zu entdecken ist. Sie hört das leise Knarren der Türe, ist jedoch gerade hochkonzentriert mit der Frage beschäftigt, wie gross die Wiege sein müsst, um den Teppich horizontal und nicht vertikal in dieses Zimmer legen zu müssen und beisst sich an diesem Problem beinahe die Zähne aus… oder aber zerbeisst das Ende des Griffels. "Es gibt Frost heute Nacht, den ersten in diesem Jahr." Mit fragender Miene sieht sie auf und betrachtet für einen Augenblick verträumt und verwundert zugleich, die schwebenden Dunstwolken vor dem Fenster, welche wie silberne Schleier auf und ab tanzen und an einen herbstlichen Reigen erinnern. Als sie das letzte Mal aus dem Fenster gesehen hat, war es noch hell gewesen und wieder einmal beschleicht sie das dumpfe Gefühl, dass die Zeit in diesem Herbst viel zu schnell zwischen ihren Fingern verrinnt, wie klares, viel zu köstliches Wasser. „Mhm“, bestätigt sie leise und lehnt sich an Borgils breite Brust, den Kopf auf seine Schulter lehnend und das zärtliche Gefühl von abertausenden Schmetterlingen in ihrem Bauch bannend, die dort wild und ungebändigt herumtollen und ein zärtliches Lächeln auf ihre Lippen zaubern. Liebevoll wandern Borgils raue Hände über ihren, nun bereits ansehnlich runden Bauch und kichernd nimmt sie das Kind wahr, wie es aufmüpfige Fusstritte und freche Boxhiebe verteilt, als wolle es die Handinnenflächen seines Vaters ausfüllen.

Was tust du da, Schneemädel? Du willst doch nicht schon wieder deinen schönen Plan von letzter Woche über den Haufen werfen?" „Schönen Plan“, prustet sie empört los und versucht sich dann Hals zu verrenken, um ihm in die Augen sehen zu können: „Nichts schöner Plan. Die Wiege passt nicht, der Teppich muss anders, die Farbe der Vorhänge…“ „Die Vorhänge“, schnaubt Borgil mit einem amüsierten Unterton und der kecke Funke in seinen Augen lasst sie schmollend nach Luft schnappen: „Ja, die Vorhänge, sie passen auch nicht und überhaupt will nichts passen, was passen sollte und wenn es nicht bald passt, dann werde ich es passend machen“, beginnt sie, aufgeplustert wie ein stolzes Hühnchen und beginnt mit Händen und Füssen über dieses und jenes zu argumentieren, weist ihn auf das Problem hin und auf dieses dort, welches wiederum etwas Anderes beinträchtig, was wiederum zur Folge hat, dass schon wieder die Farbe der Vorhänge nicht passen und dabei hüpft sie durch das kleine, jedoch angenehme Zimmer wie ein Eichhörnchen auf der Suche nach seiner Nuss. „Hier soll der kleine Kasten hin, für Kleider und allerlei und hier soll die Wiege, ach ja die…“, doch den Göttern sei dank beendet sie den Satz nicht, sondern bemerkt früh genug Borgils in die Höhe schiessende Augenbraue und fährt schnell räuspernd fort: „Nun ja, die Wiege sollte hierhin, wo sie das Licht und die Türe nicht stört und von jeglichen Lichtquellen aus unserem Zimmer verschont bleibt, egal wie weit offen die Türe steht und wenn das Fenster geöffnet wird, liegt das Baby nicht im vollen Wind. Den Teppich vergessen wir, dafür sollten die zwei kleineren, die du noch im Waffenraum an den Wänden hängen hast, hier liegen, da unten vergammeln sie nur, obwohl sie dafür eigentlich viel zu schön sind. Der Grüne vorne und der Beige hinten, der mit den braunen Stickereien, weil der weicher und angenehmer ist, um darauf herumzukrabbeln, obwohl ich sowieso denke, das… wie auch immer, die beiden Teppiche dachte ich mir, passen schön hier hinein und dann könnten wir grüne Vorhänge, helle dachte ich mir, nehmen, und auch die Wände in grün halten. Die Farbe passt für ein Mädchen, wie auch einen Jungen, daher dachte ich es würde so funktionieren, aber irgendwie passen Breite und Länge nicht und überhaupt lassen sich die Möbel nicht so zusammensetzen, wie ich es gerne möchte“, beendet sie schliesslich die Aufzählung und merkt erst jetzt, dass ihre Lungen panisch nach Luft verlangen. Borgil hat nur schweigend zugehört, hin und wieder genickt, gegrinst, versucht ernst auszusehen, gelacht und stiehlt ihr schliesslich einen zärtlichen Kuss, nur um dann kopfschüttelnd nach dem Wachstäfelchen zu greifen und mit geübtem Auge das kaum leserliche Gekritzel und die undefinierbaren Berechnungen ihrerseits zu entziffern. Nervös und gespannt wie eine Bogensehne, schmiegt sich Azra noch ein wenig mehr an ihn und kaut auf ihrer Unterlippe herum, bis sie es nicht mehr aushält und neugierig bis über beide Ohrspitzen hinaus schliesslich fragt: „Und? Was hälst du davon und warum passt diese Wiege nicht hinein, obwohl sie eigentlich müsste?“ Des Problems Lösung liegt in einem unscheinbar kleinen Fehler, den sie nun beim besten Willen nicht hätte entschlüsseln können, hat sie doch selbst schon genug Mühe damit, ihre eigene Schrift zu lesen und als sich schliesslich herausstellt, dass nur eine einzige Zahl falsch gewesen ist, verwirft sie prompt ihre Hände über dem Kopf, hüft im Raum auf und ab, als wäre sie in einen Cofeatopf gefallen und murmelt irgendwas von „Schluss“ und „Halla“ und „Kirschkuchen als Beruhigung“, nur um einen Augenblick später in ihrem Tun inne zu halten und Borgil mit entrüstet gekräuselten Lippen dabei zu betrachten, wie er heroisch versucht, sich das Schmunzeln zu verbeissen, ohne dabei puterrot anzulaufen.

„Also wirklich, du bist mir ja auch keine grosse Hilfe“, gibt sie theatralisch mit in die Luft gerecktem Näschen von sich und schreitet wie der personifizierte Stolz an Borgil vorbei, in ihr eigenes Gemach, wo warmer Feuerschein sie einhüllt und das Bett einladender denn je, darauf wartet, von ihnen zerwühlt zu werden. Er kommt ihr kopfschüttelnd hinterher und leise seufzend kuschelt sie sich erneut in seine starken, angenehmen Arme, die Finger ihrer Rechten in seinem roten Bart verschlungen und betrachtet Verträumt die Lichtflecken, die darin tanzen, wie kleine Glutfunken. „So rotes Haar, das soll es haben, das würde ich mir wünschen“, murmelt sie leise und vergräbt ihr Gesicht an seiner Halsbeuge, den Duft nach Leder und Met in sich aufsaugend, als wäre es die Luft, die sie vor dem Ertrinken retten würde. „Und diese dunklen Augen mit dem aufmüpfigen Funkeln, das sie gerade in sich haben. Ja, ja, ich sehe das schon Borgil Blutaxt, glaub ja nicht, ich wüsste nicht, dass du gerade bis über beide Ohren am Grinsen bist“, raunt sie leise und sein tiefes, herrlich klingendes Zwergenlachen lässt ihr Herz vor dem purem Glück, dass wie eine tosende Welle über ihr zusammenschlägt, stolpern und irgendwie finden ihre Arme den Weg um seinen Nacken, damit sie sich, oder besser gesagt ihren Bauch, an ihn drücken kann, als wolle sie das Kind unter ihrem Herzen für einen einzigen Augenblick mit ihm teilen können. Wie wenn dies eine Aufforderung gewesen wäre, pocht irgendwo ein eigensinniges Fäustchen gegen ihre Haut. Ein sanfter Schimmer überzieht ihre Züge und die Wärme, welche sich in ausbreitet und ihr einfach nur das Gefühl von Gemütlichkeit vermittelt, wie eine unbeirrbare, stetig glimmende Glut in ihrem Innern, setzt sich unauslöschlich in ihr fest. Ein Jüngling mit goldenem Haar, wie? Die können mir doch alle gestohlen bleiben, solange ich dich haben kann. Oh, genau! Wie aus einer angenehmen Trance erwacht dreht sie sich um – ohne dabei aus seiner Umarmung zu schlüpfen, oder ihre Finger aus seinem Bart zu nehmen – und betrachtet ausgiebig jeden Zug seines Gesichtes. Die buschigen, markanten Augenbrauen, seine gerade, kantige Nase, die Wangenknochen, welche stolz unter der sonnengegerbten Haut hervortreten, sowie die tiefschwarzen Augen, in denen sie allzu gerne versinken würde, wie ein einem dunklen Schlund voller Liebe. Und ich kann nur noch in diese Augen sehen, weil Raven ihn gerettet hat. Die ist ja auch schon schwanger, oh herrje, und wir haben noch nicht einmal gratuliert. „Wir müssen zu Raven“, kommt es prompt und in einem Ton aus ihrem Mund, der keine Widerworte duldet, und sie scheint ihn damit zu überrumpeln, als hätte sie ihm vorgeschlagen hier und jetzt die Harfe zu verkaufen und auf seiner Stirne zeigt sich eine steile Falte, die stumm die Frage stellt, warum sie jetzt so plötzlich zu Raven müssen. Mit etwas milderem Tonfall, der beinahe bittend klingt, fährt Azra daher fort, dabei plötzlich überaus grosse Neugierde für ihre Fingerspitzen an den Tag legend: „Na, ich wollte ihr halt… halt dafür danken, dass sie dir das Leben gerettet hat, damals… auf dem Sithechhain, als ich nichts tun konnte und Halla und ich haben uns halt einige Dinge dazu überlegt und da wir ihr noch nicht zu ihrem Kind gratuliert haben, dachte ich halt, wir könnten das nachholen und sie gleich dazu besuchen, um ihr etwas vorbei zu bringen.“

Eine leichte Röte schleicht sich auf ihre Wangen, als sie vage mit den Händen gestikuliert und dann kleinlaut fort fährt: „Halla hat da etwas für Raven genäht, und ich hab auch etwas als Dankeschön gemacht, genauso wie Sigrun, Grid und Tiuri“, und als ob dies eine schlechte Idee sein könnte, von der Borgil vielleicht gar nichts hält, fügt sie hastig hinzu: „Und es war meine Idee, um ihr… um… na ja, um ihr halt danke für sagen für ihre Hilfe und gleichzeitig als Geschenk für ihr Kind. Und dann wäre da noch etwas…“ Nun vergeht jegliches Lächeln und zurück bleibt nur ein kümmerliches und ebenso hoffnungsloses Zucken ihrer Mundwinkel. „Ich werde… muss… will Arwen bald einmal besuchen, um mich bei ihr… ich möchte mich bei ihr entschuldigen,“ beginnt sie, ihre Stimme nicht mehr als ein Lufthauch und fährt sogleich weiter, als Borgil etwas sagen möchte und die Spitzen seines Schnurrbartes sich bedenklich heben: „Und ich möchte das alleine tun, schliesslich… ich war es auch alleine, die ihr… nun ja… du… weißt schon.“ Wie so oft, wenn sie daran zurückdenkt, was Borgil ihr erzählt hat, von jenem einem dreimal verfluchten Tag, als sie nicht sie selbst gewesen ist, dreht sich ihr Magen und ihre Hände werden von einem schwachen Zittern heimgesucht, als hätte sie Angst, jeden Augenblick erneut die Kontrolle über sich zu verlieren: „Ich muss alleine zu ihr, ich bin schuld daran, oder auch nicht, vielleicht, dass weiss niemand, aber ich möchte mich entschuldigen, auch wenn ich nicht weiss, was ich getan habe, auch wenn ich mich überhaupt nicht daran erinnern kann, ich möchte ihr sagen, dass es mir leid tut und ich möchte ihr zeigen… zeigen…“ Was sie der Elbin eigentlich zeigen, oder gar beweisen möchte, vermag sie nicht in Worte zu fassen und daher blinzelt sie Borgil von unten herauf nur mit grossen, mit, aus dem Nichts erschienen, glitzernden Tränen gefüllten, bittenden Augen an und fleht leise: „Bitte, ich werde auch ganz bestimmt nichts Dummes tun.“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 21. Nov. 2005, 21:36 Uhr
Nach seinem Geständnis blinzelt Tiuri Borgil unter, für einen Mann erstaunlich langen Wimpern an, aber der Gesichtsausdruck des Zwerges ist nicht zu deuten. Auch das Schweigen in das sich der Harfenwirt hüllt, scheint eine Ewigkeit anzuhalten, bis Tiuri glaubt es kaum noch auszuhalten. Von einem Bein aufs andere zu treten wagt er gar nicht, dafür rollt er seine Zehen in den alten Stiefeln immer wieder ein und aus, als könnte er damit Löcher in den Boden graben. Als dann endlich ein Lächeln auf dem Gesicht Borgils erscheint, fällt Tiuri mindestens der ganze Wolkenthron vom Herzen und als Borgil auch noch >Willkommen in der Harfe, Tiuri. Sie ist dein Zuhause so lange du willst!< sagt, wäre er dem Zwergen am liebsten um den Hals gefallen. Aber nach dem dieser gerade erst erzählt hätte, dass er aus eben diesem Körperteil geblutet hat wie ein Schwein, lässt er es bleiben und seufzt nur erleichtert auf. Über die darauf folgenden harschen Worte kann er nur lächeln und mit einem Nicken bestätigen, dass er diese Befehle ausführen wird. Azras müdes Lächeln erwidert er aufrichtig und lässt die beiden dann alleine in ihren Gemächern zurück.
Fahl immer noch fest in beiden Händen haltend, geht er erst einmal nach oben wo er sich einen Zuber mit heißem Wasser bereitet. Zu gerne hätte er irgendwen darum gebeten und wäre einfach umgefallen, aber jeder der auch nur in die Nähe der Harfe gelangt bricht in hektischer Arbeit aus und Tiuri zweifelt nicht daran, dass diese wichtig ist. Außerdem möchte er nach einem Tag wie dem gestrigen, niemand mit einer Nichtigkeit belasten wie ihm ein Bad zu bereiten. Er holt sich von Grid zwei Lappen und eine Seife und steigt dann, mit eben diesen Gegenständen ins dampfende Wasser. Eine Weile lehnt er einfach nur da und tut gar nichts außer wach zu bleiben, aber als seine Haut beginnt schrumpelig zu werden, schnappt er sich den Lappen und die Seife und bearbeitet Haut und Haare. Neben dem Zuber liegen die schwarzen Stoffstreifen aus Sigournys Hemd und er lächelt schläfrig auf sie hinunter. Mit dem Gedanken, dass er sie vielleicht doch nicht wieder trifft will er sich nicht herum schlagen, also denkt er einfach an die vergangene Nacht zurück. Ihre weiße Haut fällt ihm ein und ihr silberhelles Haar, die hellen Augen die ihn manchmal so zynisch angeblickt haben und im nächsten Moment weich wie Seide waren. Aber vor allem kommen ihm ihre Lippen in den Sinn, weicher als der teuerste Stoff Rohas und behutsamer als die Hände einer Mutter mit ihrem schlafenden Kind.
„Ich vermisse sie schon jetzt, deine Lippen und alles was an ihnen dran hängt!“ murmelt er mit geschlossenen Augen, den Lappen auf dem Kopf liegend und heißes Wasser über seine Nase tropfend.
Fahl liegt nur eine Armlänge von ihm entfernt und weil er sowieso noch nicht aus dem Wasser möchte, schnappt er das Schwert und beginnt mit dem zweiten, trockenen Lappen, die Flecken vom dunklen Stahl zu putzen, bis es besser poliert ist als jedes teure Silberbesteck.

Irgendwann rafft sich Tiuri dann doch auf, steigt aus dem, ohnehin schon kühl gewordenen Wasser und trocknet sich ab. Dabei betrachtet er seine narbige Haut und zum ersten Mal seit langem fällt ihm dabei nicht dieser schreckliche Traum ein, der ihn an so vielen Nächten heimsucht, sondern ein ganz anderer Tag in seinem Leben. Er hat kaum noch an ihn gedacht, weil seine Erinnerungen auch getrübt sind von Mohnblumensaft, den trotzdem vorhandenen Schmerzen und den Schatten die über seinen Augen liegen. Tiuri hat beinahe nichts gesehen, trotz den geöffneten Augen und die Schmerzen haben ihm den Kopf vernebelt und damals hat er der Stimme recht gegeben, dieser körperlosen Stimme die ihn gerettet hat: >Er wacht auf, ein Wunder dass er lebt und es wäre wohl besser gewesen er wäre gestorben!<  Lange hat es nicht gut für ihn ausgesehen und die Möglichkeit, dass er doch noch ins Totenreich überginge war lange gegeben und oft von ihm herbei gesehnt. Jetzt aber blickt er triumphierend auf die helle Haut und erfreut sich an dem Gedanken Sithech getrotzt zu haben und gegen alle Erwartungen sich auch den Tod nicht mehr zu wünschen. Mit einer ganz plötzlich in ihm aufkommenden Motivation springt er in frische Kleidung und mit dem gleichen Elan die Stufen hinunter wo er zufällig auf Halla trifft, die gerade im Eilschritt durch den Schankraum saust. Tiuri erwischt sie gerade noch am Ärmel und hält sie auf.
„Halt an, ich weiß du hast viel zu erledigen, aber hast du dein edles Hinterteil schon ansehen lassen? Das ist nämlich wichtiger!“
Sie beteuert zwar, dass die Aufgaben die Borgil ihr aufgetragen hat noch viel wichtiger wären, aber Tiuri lässt sich nicht abwimmeln, erklärt ihr, dass sie ihm nichts erzählen könnte, denn er sähe ja wie steif sie daher kommt und lässt sich von ihr sagen welche Dinge noch sofort erledigt werden müssen und eilt dann davon. Es sind noch ein paar Botengänge zu tätigen, zum Maler, Tischler und ins Seehaus, wobei er das letzte einen Tag aufschiebt, weil auch die Bewohner dieses Hauses ihre Ruhe brauchen werden und sich wahrscheinlich eher nicht damit befassen werden wollen was sie mit ihrem kaputten Häuschen anstellen.

Die nächsten Tage sind von Arbeit ausgefüllt und Tiuri versucht zu helfen wo er nur kann. Nach dem er sich vergewissert hat, dass es seinen Freunden im Stall gut geht, hat er es sich zur Aufgabe gemacht besonders die Arbeiter zu überwachen die Hand an dieses Gebäude legen. Er kennt den Stall mittlerweile wie seine eigene Westentasche und es gibt ein paar Kleinigkeiten die jetzt besser gemacht werden können als im alten Gebäude und hauptsächlich praktischen Wert besitzen. Pferde gibt es momentan keine im Stall und da Tiuri keine wirklich fixe Aufgabe hat der er stattdessen nach gehen kann, tut er alles was er auch nur ansatzweise bewerkstelligen kann und wo ihn nicht irgendjemand schon völlig entnervt fort schickt. Hauptsächlich trägt er Dinge von einem Ort zum anderen, aber wenn er gerade an einer unfertigen Wand vorüber geht, schnappt er sich einen Pinsel und hilft dem überraschten Maler nur um dann weiter zu gehen und dem Tischler eine hilfreiche Hand anzubieten. Er überwacht und führt auch diverse Botengänge aus, bringt den Gästen der Harfe ihr Essen aufs Zimmer und kehrt gelegentlich den Dreck der Handwerker fort. Dazwischen huscht er zu Borgil ins Zimmer und erzählt ihm wie die Dinge so stehen um sich dessen Maulerei anzuhören weil er dank seiner Bettruhe schlecht gelaunt ist.
Abends sitzt er oft zusammen mit Azra und Halla und redet mit den beiden, Litli-Vinur auf der Schulter oder in der Hosentasche. Sie bleiben oft bis spät in die Nacht hinein wach, auch wenn sie alle drei müde sind und reden über die Götter, Roha und den neusten Klatsch Talyras. So erzählt Tiuri davon, dass die Frau eines alten Stammgastes der Harfe, die man für tot gehalten hat, tatsächlich nach sieben Tagen wieder aufgetaucht ist und völlig überrascht war von den Vorkommnissen in der Stadt, denn sie ist schon vor dem Dämonenangriff mit einem jüngeren Kerl durchgebrannt und hat ihren Mann verlassen. In einer dieser Nächte beschließen die drei auch, nach einer Idee Azras, sich, zusammen mit Grid und Sigrun, bei Raven erkenntlich zu zeigen, für die Rettung Borgils.
So kommt es, dass anstatt einfach nur miteinander zu reden, sie die nächsten Tage jeder mit einer Arbeit in Händen zusammen sitzen. Tiuri hat angefangen Puppen für das Kind, oder auch die Kinder, anzufertigen. Erst hätte es nur eine werden sollen, aber die sah schlimmer aus als jeder halbverweste Untote und so hat Tiuri begonnen, beinahe eine Armee von Puppen herzustellen, bis die letzten paar tatsächlich schon sehr ordentlich aussehen und der junge Mann sie sogar schon im Schlaf anfertigen könnte. Jeden Abend hat er seine Fortschritte präsentiert und die sind Halla und Azra die ersten Tage noch in nicht unterdrücktes Lachen ausgebrochen, sind sie am Ende schon begeistert von Tiuris Arbeit und als Überraschung für Azra fertigt er ihr zwei kleine Puppen an. Eine mit schwarzen Augen und einem feuerroten Bart und Haarschopf und die andere mit weißen Locken in einem kleinen Kleid, das er sogar selbst genäht hat, obwohl er sich dabei mindestens hundert Mal in den Finger gestochen hat.

Der Namenswechsel hat anfangs für etwas Verwirrung gesorgt und es passiert nicht nur einmal, dass ihn jemand mit Jen anspricht und sich dann erst ausbessert. Tiuri drängt niemanden und ist auch nicht böse wenn es passiert, aber trotzdem freut er sich jedes Mal wenn er seinen Namen aus einem anderen Mund kommen hört als dem seinen. Warum er jetzt eigentlich einen anderen Namen trägt hat ihn niemand gefragt, auch wenn sich manche vielleicht wilde Theorien überlegt haben mögen.

Irgendwann taucht auch Meister Dornenbeutel in der Harfe auf und das nicht nur für einen nachmittäglichen Besuch, sondern gleich für einen ganzen Siebentag. Er hat zwei Nähmädchen mitgebracht, wovon die eine es nicht lassen kann Tiuri schöne Augen zu machen und er enttäuscht sie nie, sondern schenkt ihr jedes Mal wenn er an ihr vorüber geht ein freundliches Lächeln und einmal bringt er ihr sogar eine einzelne Blume mit, manche Leute ändern sich eben nie. Sobald er aber auch nur an dem Mädchen vorbei gegangen ist, verschwendet er keinen Gedanken an sie, an eine ganz andere aber sehr wohl. Sigourny ist jeden Tag in seinem Kopf, aber obwohl schon einige Zeit vergangen ist, ist er kaum wehmütig, dass er sie noch nicht wieder gesehen hat, sondern behält sich vor Augen, dass er das immer tun kann, wann er auch möchte, wenn er nur endlich genügend Zeit dafür findet.
Mit dem Schneider selbst hat er so seine Schwierigkeiten, denn der ist nun mal ein Meister was seine Arbeit betrifft und achtet penibel genau darauf, dass alles stimmt, auch die Maße die er Azra und Tiuri abnimmt. Er bittet den Jungen sich zum Teil zu entkleiden, entweder um eben die Maße zu nehmen oder um ihm halbfertige Kleidungsstücke perfekt an den Körper zu nähen. Doch er hat nicht mit Tiuris Widerstand gerechnet, der den schmächtigen Schneider immer wieder von sich fort schiebt wenn ihm dieser zu nahe kommt. Meister Dornenbeutel gibt schließlich nach und meint er kann Tiuris Maße auch nehmen, wenn er seine alte Kleidung anbehält, obwohl er dann nicht verantwortlich dafür ist wenn etwas nicht perfekt sitzt, aber er versucht immer wieder dem Jungen das Hemd über die Taille zu schieben um mit dem Maßband besser arbeiten zu können. Tiuri ist irgendwann so genervt, dass er dem Mann fast wie einem schlimmen Kind auf die Finger geschlagen hätte. Nicht nur einmal sieht man den Schneidermeister am Ende mit seinen Nerven die Treppen hinunter kommen und nach einem starken Bier verlangen, weil er diesen mühsamen Bengel nicht mehr erträgt. Aber irgendwann sind auch Tiuris neue Sachen fertig gestellt und entgegen den Erwartungen des Schneiders, sitzen sie wie angegossen und Tiuri trägt sie voller Stolz, vom Stiefel bis zum wollenen Umhang.

Mit der Zeit wird die Arbeit weniger. Die meisten der zerstörten Gebäude sind wieder aufgebaut und die Leute können wieder in ihre Häuser zurückkehren. Jeder kann wieder seiner gewohnten Arbeit nachgehen und auch der Betrieb in der Harfe läuft wieder ganz wie üblich. Tiuri arbeitet weiter im Stall und wenn er nicht gerade das tut, dann sitzt er mit Azra, Borgil und Halla in der Harfe und redet, hängt an irgendeinem Dachbalken und macht Klimmzüge um fit zu sein wenn ihm Borgil sagt, dass sie endlich mit dem Schwertkampfübungen beginnen können oder ist wieder auf seinen nächtlichen Streifzügen. Er hat sich als er seine Hemden bekommen hat, von Azra, die ja auch immer Borgils Bart behandelt, die Haare ein Stück schneiden lassen, so dass sie nun fast alle gleich lang sind und nicht mehr aussehen wie das Stroh im Pferdestall. Damit sieht er auch gleich ein Stück seriöser aus und zusammen mit der neuen Kleidung macht er gleich einen ganz anderen Eindruck auf die Leute denen er begegnet und mit denen er des Nachts seine Gespräche führt.
Andere Gespräche werden in der Harfe geführt, nämlich über Farben, Formen, Stoffe und diverse Einrichtungsgegenstände. Azras Bauch rundet sich merklich und es ist wie ein Wunder für Tiuri dass er es beobachten kann, aber mit dem näher rücken der Geburt stellt sich für die werdende Mutter auch die Frage wie sie denn das Kinderzimmer einrichten soll und immer wieder beginnt sie über die Farben der Vorhänge und Wände zu sinnieren. Tiuri ist ihr bei der Entscheidung keine große Hilfe, anstatt ihr zu einer Farbe zu raten und diesen Rat intelligent zu begründen, meint er immer wieder sie solle es doch getupft machen oder gestreift und als Azra schnaubend feststellt, dass er keine Ahnung hat und den Ernst der Lage nicht erkennt, lächelt er sie mit seinem unschuldigsten Lächeln an und sagt: „Kariert?“

In diesen Tagen überkommt Tiuri immer häufiger der Wunsch Sigourny aufzusuchen, aber jedes Mal wenn er das Haus verlässt, verlässt ihn auch der Mut und er schlägt einen ganz anderen Weg ein als den zur Schusterei. Meistens geht er hinunter zum Harfenviertel und pflegt dort seine Kontakte beim Kartenspielen und Trinken. Er eignet sich dabei nicht nur die Fähigkeit an sich mit jedem zu unterhalten, egal wie sehr zuwider oder wie uninteressant der jenige auch sein mag, sondern entdeckt auch ein glückliches Händchen beim Kartenspielen an sich, so dass er nicht selten mit weit mehr Geld in den Taschen heim geht als er gekommen ist. Gelegentlich weiß er auch zu verlieren, um seine Gegner nicht zu verstimmen und lockert ihre Zungen und Geldbeutel damit noch mehr. Aber was er auch tut, er hält sich eisern an Borgils Vorschriften, er tut nichts wirklich unrechtes, außer ein paar Gerüchte zu verbreiten und sich daran zu erfreuen wie sie völlig verändert wieder an ihn zurückkehren.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 27. Nov. 2005, 23:17 Uhr
Das war Azras Stichwort. >Schönen Plan!< Hört er sie verächtlich schnauben. >Nichts schöner Plan. Die Wiege passt nicht, der Teppich muss anders, die Farbe der Vorhänge…<
"Die Vorhänge?" Echot er einigermaßen verwirrt, denn sie - das glaubt er jedenfalls, armer Unwissender - hat bereits Vorhänge ausgesucht, hübsche sonnengelbe Kattunschals mit kleinen weißen Irgendwas-Stickereien. "Was stimmt denn nun mit den Vorhängen wieder ni..." Das hätte er besser nicht gefragt, denn kaum hat er das Wort "Vorhänge" ausgesprochen, kommt Azra erst so richtig schön in Fahrt. >Ja, die Vorhänge, sie passen auch nicht und überhaupt will nichts passen, was passen sollte und wenn es nicht bald passt, dann werde ich es passend machen!< Sie eilt durch das ganze Zimmer und wirft mit Erklärungen, warum dies und das und jenes nicht gehe, nur so um sich. Borgil, der in den letzten Wochen schon Erfahrung mit solchen und ähnlichen Ausbrüchen gesammelt hat, denkt sich grinsend seinen Teil und fügt sich götterergeben in sein Schicksal - er hat ja schon gehört, dass werdende Mütter mitunter anstrengend sind und man sie tunlichst bei Laune halten sollte, aber Azras Nestbau nimmt langsam besorgniserregende Ausmaße an.  >Nun ja, die Wiege sollte hierhin, wo sie das Licht und die Türe nicht stört und von jeglichen Lichtquellen aus unserem Zimmer verschont bleibt, egal wie weit offen die Türe steht und wenn das Fenster geöffnet wird, liegt das Baby nicht im vollen Wind.<
"Wind?" Borgil misst das tiefgesetzte, bleigefasste Fenster mit seinen dicken Butzenscheiben mit einem langen Blick. Draußen liegt die schmale Gasse zwischen Harfe und Stadthalle, zu beiden Seiten in unregelmässigen Abständen flankiert von jungen Ahornbäumchen. Alles, was hier mitten im Herzen Talyras, abgeschirmt von hohen, uralten Gebäuden hereinwehen würde, wäre bestenfalls ein leises Lüftchen. "Was erwartest du denn, Liebling? Einen Orkan mit Windstärke zwölf auf dem Marktplatz? Eine Wiege mit geblähten Segeln und unser Kind mit verwehtem Haar im Auge des Sturms? Ich lasse einen Anker an der Wiege festschmieden, wenn es dich beruhigt."

Azra hat für derlei Späße ü-b-e-r-h-a-u-p-t nichts übrig, wie ihm ein langer, eisiger Blick unmissverständlich klar macht, ignoriert seine Einwände und hält ihm anschließend einen langen Vortrag über Teppiche, Vorhänge, Farben und Maße - und das alles in einem Ton, der mit jeder Silbe impliziert, dass er ein lausiger Einrichter wäre, ein Ignorant, ein unsensibler Trampel, der von möglichen Gefahren für Babies und Windverhältnissen in dicht bebauten Städten nicht den blassesten Schimmer habe, der außerdem unter einer irreparablen Geschmacksverirrung leiden müsse und zudem keinerlei Ahnung von Frauen im Allgemeinen (und von Frauen in anderen Umständen erst recht nicht) haben könne. Borgil unterdrückt ein Grinsen, fischt Azra ihre Wachstafel und den Griffel aus den Fingern und nutzt ihr Atemholen, um sie zu küssen. "Aye, schon gut. Du kannst jetzt wieder aufhören, Gift und Galle zu schnauben, ich ziehe dich nicht mehr auf mit deiner Wiege. Zeig mal her." Azras Schrift zu entziffern, ist etwa so leicht, wie die Zukunft aus verschmiertem Fliegendreck lesen zu wollen, aber nach ein paar Augenblicken hat er ihre Angaben enträtselt. >Und? Was hälst du davon und warum passt diese Wiege nicht hinein, obwohl sie eigentlich müsste?< "Äh..." Seit wann misst die Wand meines Arbeitszimmers vier und eine halbe Elle?  Borgil sieht sein ganzes Leben rasend schnell an sich vorbeiziehen und entscheidet sich angesichts von Azras schwangerschaftsbedingten Temperamentsausbrüchen spontan dafür, es mit der Wahrheit einmal nicht soooo genau zu nehmen. "Och... du hast hier nur eine Zahl vertauscht, Schatz." Kaum hat er das ausgesprochen, als Azra ihm das Wachstäfelchen auch schon aus der Hand rupft, drauf starrt, seine Korrektur anstarrt, hastig rechnet und dann wie ein Derwisch durch den Raum hüpft. Gut, nicht wie ein Derwisch, denn das lässt ihr hochschwangerer Leib nicht mehr zu, eher wie eine Riesenkrabbe, die es plötzlich sehr eilig hat und dabei obendrein Unverständliches vor sich hinbrabbelt. Borgil unterdrückt mit wahrhaft heroischer Anstrengung ein Lachen, woraufhin ihm beschieden wird, dass er wirklich - w-i-r-k-l-i-c-h! - keine große Hilfe sei und seine empörte kleine Frau mit stolz geschwellter Brust an ihm vorbeirauscht.

"Herrje..." Borgil kratzt sich den narbigen Schädel und folgt ihr ins Kaminzimmer hinüber, wo Azra innerhalb weniger Herzschläge schon wieder ihre Laune wechselt und ihm plötzlich (und unerwartet) wieder anschmiegsam wie ein Kätzchen um den Bart geht. Da soll noch einer sagen, für Männer sei eine Schwangerschaft nicht anstrengend... also wirklich, wie soll man da denn noch mitkommen? Azra hingegen ist mit ihren Gedanken längst schon ganz woanders. >So rotes Haar, das soll es haben, das würde ich mir wünschen,< murmelt sie verzückt und drückt sich an ihn. Du lieber Himmel! Borgil ist gerade noch geistesgegenwärtig genug, um bei diesem Gedanken den Mund zu halten. Bloß nicht... das arme Kind wird aussehen wie ein Rübchen ohne Grünzeug...  >Und diese dunklen Augen mit dem aufmüpfigen Funkeln, das sie gerade in sich haben. Ja, ja, ich sehe das schon Borgil Blutaxt, glaub ja nicht, ich wüsste nicht, dass du gerade bis über beide Ohren am Grinsen bist!<
"Och..." Er zuckt mit den Schultern, kämpft immer noch mit einem Lachen, kichert ein bisschen in sich hinein (was, wie wir wissen, bei Borgil klingt, als rollten schwere Steine unter Wasser) und brummt dann etwas von "Übertreibung", "schwarz wie Kohle" und "bloß kein rotes Haar". Azra dreht sich um, stellt sich auf die Zehenspitzen, legt ihm die Arme um den Nacken und drückt sich an ihn, den natürlichen Abstand, den ihr Bauch zwischen ihnen schafft, irgendwie überbrückend. Das Kind in ihrem Leib, dem die plötzliche Enge gar nicht behagt, tritt und boxt um sich, als wolle es jetzt schon an den Rohameisterschaften im Steinringen teilnehmen. Borgil legt entzückt eine Hand darauf und wird mit weiterem Gestrampel belohnt. Azras hochschwangerer Bauch hebt und senkt sich mit jeder trägen, räkelnden Bewegung des Kindes - für Purzelbäume ist es längst zu groß. >Wir müssen zu Raven!< Diese Aufforderung kommt so unvermittelt, dass sie Borgil aus den Gedanken an sein Kind reißt. "Hä? Äh... sofort?"

Azra schenkt ihm einen Augenaufschlag, der jedem Rehkitz ernsthaft Konkurrenz gemacht hätte, schiebt Zuckerwatte zwischen ihre Stimmbänder und erklärt: >Na, ich wollte ihr halt…dafür danken, dass sie dir das Leben gerettet hat, damals… auf dem Sithechhain, als ich nichts tun konnte und Halla und ich haben uns einige Dinge dazu überlegt und da wir ihr noch nicht zu ihrem Kind gratuliert haben, dachte ich, wir könnten das nachholen und sie gleich dazu besuchen, um ihr etwas vorbei zu bringen.<
Leben gerettet... Sithechhain... Halla und ich... Dinge überlegt... zu ihrem Kind gratuliert... Kind?! Borgils Stirn furcht sich zum reinsten Faltengebirge. "Raven ist schwanger?!" Hakt er nach und glaubt schon, sich verhört zu haben. Jetzt weiß er endgültig, dass er sehr lange und sehr schwer verletzt gewesen sein muss... geradezu auf Leben und Tod verwundet. Außerdem alt. Steinalt und unfähig... seine kleinen Vögelchen hatten zweifellos fleißig weiter gesungen in der Zeit seiner Rekonvaleszenz... allerdings wohl nicht in seine Ohren. Seine erklärte Lieblingskratzbürste ist schwanger und er hatte nicht den blassesten Schimmer. "Woher weißt du das?"
Azra wedelt ungeduldig mit ihrer schmalen Hand vor seiner Nase herum. "Oh, eine von Hallas Cousinen weiß es von ihrer Tante und das ist die Base vierten Grades der Schwester der angeheirateten Nichte von der Obersten Magd im Seehaus...." Azra fährt fort, ihm zu erklären, warum sie Raven gern besuchen würde, erzählt ihm von ihren Geschenken für die ehemalige Diebin, wird dabei bezaubernd rot und Borgil nickt. "Aber sicher gehen wir sie besuchen. Raven schwanger... herrje, das muss ich mit eigenen Augen sehen!" Er stapft zur Tür, brüllt nach einem Botenjungen und schickt den Bengel dann stehenden Fußes ins Seehaus weiter, wo er nachfragen soll, ob es recht wäre, wenn Borgil und Azra morgen zum Mittagmahl vorbeischauen würden. "Sag, dass es eilig ist und bring mir gleich Antwort von ihnen, aye? Wenn es ihnen morgen nicht passt, dann sollen sie dir einen Tag nennen, an dem es passt. Ich weiß, es ist kurzfristig, aber Himmel, das muss ich sehen." Der Junge flitzt davon und Borgil kehrt an Azras Seite zurück.

>Und dann wäre da noch etwas...< Jeder Bambiblick ist aus ihren Augen gewichen und sie wird schlagartig ernst... und nervös obendrein. "Was?" Azra sieht ihn einen Moment lang unschlüssig an, aber dann rückt sie doch mit der Sprache heraus, zuckt mit den Schultern und erklärt ihm dann, sie würde gern... nein, sie müsse Arwen besuchen und zwar bald, um sich bei der Elbin zu entschuldigen. Noch bevor er auch nur ein Wort erwidern kann, fährt sie schon fort. >Und ich möchte das alleine tun, schliesslich… ich war es auch alleine, die ihr… nun ja… du… weißt schon.< Du-weißt-schon-was... sie hatten seit jenem Tag, als sie aus TianAnmen in die Harfe heimgekehrt waren, nicht mehr über Du-weißt-schon-was gesprochen... oder kaum. Azra ist das Thema verständlicherweise mehr als unangenehm und Borgil hegt die leise Befürchtung, sie könne sich vielleicht inzwischen wünschen, tatsächlich besessen gewesen zu sein, denn dann könnte man sie nicht verantwortlich machen und die Schuld läge allein bei den finsteren Mächten des Dämons, der Talyra heimgesucht hatte. Er weiß sehr gut, dass es nicht so war und sie weiß es im Grunde ebenso. Sei nicht albern... sie sucht überhaupt keine Ausflüchte, im Gegenteil. Sie will ganz allein zu Arwen gehen und mit ihr sprechen. Er kann nicht sagen, warum, aber der Gedanke gefällt ihm nicht sonderlich. >Ich muss alleine zu ihr, ich bin schuld daran, oder auch nicht, vielleicht, dass weiss niemand, aber ich möchte mich entschuldigen, auch wenn ich nicht weiss, was ich getan habe, auch wenn ich mich überhaupt nicht daran erinnern kann, ich möchte ihr sagen, dass es mir leid tut und ich möchte ihr zeigen… zeigen…< "Aye, ich verstehe dich schon, Mädel. Ich weiß nur nicht, ob ich dich alleine dorthin gehen lassen will. Ich weiß nicht, Azra... oh nein, sieh mich nicht so an." Er fängt eine glitzernde Träne an ihrer Wange mit seinem schwieligen Daumen auf und betrachtet den silbrigen Tropfen mit gerunzelter Stirn. "Das ist unfair, kleine Frau."  >Bitte, ich werde auch ganz bestimmt nichts Dummes tun.< Borgil atmet hörbar aus und wieder ein und eine ganze Weile tut er nichts anderes, betrachtet nachdenklich die glitzernde Feuchtigkeit auf seiner Fingerspitze und seufzt schließlich resigniert.

Nichts Dummes tun? Ich weiß, dass du das nicht willst, mein Mädchen, aber wir beide wissen, dass du genau das vielleicht tun könntest... "Also schön," hört er sich selbst sagen. "Aber ich bringe dich nach Vinyamar und ich warte dort auf dich. Kann mich ja einstweilen mit Arwens Heckenrosen unterhalten... und jetzt ab ins Bad mit dir, Grid hat den Kessel schon vor einer Stunde angeheizt, das Wasser ist bestimmt schon halb verdampft. Ich muss vor dem Nachtmahl noch etwas an den Büchern erledigen und bis dahin ist der Botenjunge bestimmt bald aus dem Seeviertel zurück." Während Azra sich also in heißem Wasser mit Mandelmilch und Honigseife mariniert, setzt er sich seufzend an seine Schreibarbeiten, in Gedanken noch immer bei seinem Kind und bei Azras Ansinnen, was Arwen anbelangt. Er hat immer noch keinen plausiblen Grund, warum ihm ihre Bitte, allein zu der Elbin zu gehen, so missfällt, während er gleichzeitig den Gedanken, dass sie persönlich um Verzeihung bitten will, nur gutheißen kann. "Ach hör auf, dir den Kopf zu zerbrechen, Borgil," brummelt er zu sich selbst, während er seine Tintenklecksereien in Soll- und Habenspalten einträgt, und einige von Hallas Neuanschaffungen in die Bücher schreibt: Kohlenpfannen, Bettlaken, Kleinmöbel, Unmengen von Kalkfarbe, Bohnerwachs, Bienenwachskerzen, Talgkerzen, Schürhaken, Kohlenschaufeln, Feuerholzkörbe und und und... es dauert seine Zeit, bis alles ordnungsgemäß aufgeführt ist und gerade, als er Löschsand über das Pergament streut und seinen Federkiel aus der Hand legt, kehrt der Botenjunge zurück. Er kaut immer noch an den Rosinenlaibchen, die er im Seehaus abgestaubt hat, aber er schafft es immerhin ohne größere Krümeleien Borgil zu berichten, dass ihr Besuch bei Caewlin und Raven morgen in Ordnung sei. "Ah, sehr schön. Ab mit dir jetzt, sieh zu, dass du in die Federn kommst. Und iss nicht so schnell, dir wird nur schlecht von soviel Hefeteig."  In seinem Schlafgemach findet er Azra bereits im Bett und dort schon halb im Schlaf vor, also gönnt er sich nur eine Katzenwäsche, schält sich aus seinen Kleidern, deckt das Feuer für die Nacht ab und kriecht zu ihr unter die weichen Pelzdecken.

Am nächsten Morgen stehen sie mit der Sonne auf... gut, sie wachen mit der Sonne auf, die sich allerdings jetzt im Silthamond und mit dem vielen Nebel, der vom Ildorel her durch Talyra zieht, ohnehin nicht allzufrüh blicken lässt, aber sie haben eine ganze Weile noch besseres zu tun, als sofort aus den Federn zu springen... und sie kommen wirklich spät zum Morgenmahl. Nach dem Frühstück gönnt Borgil sich ein langes, heißes Bad, rasiert sich den Schädel bis auf den roten Haarschopf auf seinem Hinterkopf, lässt sich von Azra den Bart flechten und von Halla eine Amphore Sommerwein für Caewlin und Raven und ein paar Honigkugeln für den Kleinen einpacken und dann wartet er... und wartet... und wartet.... und wartet. Er wartet und wartet und... Azra zieht sich an und wieder aus, dann wieder an und noch zweimal um, schimpft dazwischen ein bißchen über ihren schwerfälligen, überall im Weg seienden Bauch, findet ihre schönen neuen pelzgefütterten Stiefel nicht, findet sie doch und stellt fest, dass sie nicht hineinpasst, sucht andere Schuhe, sucht ihren Umhang, ihren Korb mit den diversen Mitbringseln, findet ihren Zopf albern und ihre Erscheinung u-n-m-ö-g-l-i-c-h, lässt sich ein halbes Dutzend Mal versichern, sie sehe wunderschön aus, glaubt ihm kein Wort und wird irgendwann dann schließlich doch noch fertig. Sie verlassen die Harfe - es geschehen noch Zeichen und Wunder - tatsächlich noch vor der Mittagszeit und wenn sie sich ein wenig beeilen würden, könnten sie es sogar schaffen, nicht allzusehr zu spät zu kommen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 12. Dez. 2005, 22:00 Uhr
Er schnappt sie bei der Hand und unterdrückt nur mühevoll den Impuls sie einfach mit zu reißen und im Eilschritt den Weg zur Harfe anzutreten. Also legt er ihr wärmend den Arm um die Schultern, ehe er sich noch einmal bückt und sein Haarband aufhebt. „Davon hab ich nicht so viele“, sagt er lächelnd und führt sie dann weiter. Ganz unbewusst werden sie beide immer schneller, bis sie fast schon laufen und doch ist der Weg zur Harfe plötzlich schrecklich weit geworden. Der Klang seiner Stiefel auf dem Steinboden und Sigournys Atem neben ihm sind die einzigen Geräusche die sie durch die Nacht begleiten. Die Straßen sind so gut wie leer, manchmal sehen sie jemanden der in einer weiter entfernten Gasse ebenfalls irgendwohin unterwegs ist. Die Nächte sind zu kalt geworden für Bettler und Landstreicher mitten auf der Straße, es stehen genug Häuser oder Verschläge frei in denen diese Menschen eine Unterkunft für die Nacht finden können.
Tiuri kann es nicht lassen immer wieder eine der bleichen Haarsträhnen zwischen die Finger zu nehmen und sie über seine Haut gleiten zu lassen. Er hat nie etwas aus Seide getragen und auch nie einen solchen Stoff berührt, aber er stellt sich vor, dass es sich so anfühlen müsste. Gelegentlich küsst er ihr Haar, ihre Wange oder auch ihren Mund, all das im Gehen natürlich, denn Zeit will er bei all dem Sehnen nach ihren Lippen wirklich nicht verlieren.
Endlich tauchen die Lichter der Harfe vor ihm auf und im gleichen Moment stockt er in seiner Bewegung, so dass Sigourny ihn verwundert ansieht.
„Alles in Ordnung“, murmelt er und setzt sich weit langsamer als vorhin wieder in Bewegung. Tiuri weiß nicht was er eigentlich gedacht hat, dass er die Harfe ganz für sich haben würde? Dass niemand seine Ankunft mit der fremden jungen Frau bemerken würde und dass er neugierigen Fragen gänzlich entginge? Doch nicht im Ernst, oder?
Die Nacht ist fast noch jung, natürlich sind noch Gäste in der Wirtsstube und die Schankmädchen sind noch bei der Arbeit, vielleicht ist auch Borgil da und kümmert sich um sein Gasthaus und wenn er die Treppe nach oben in seine Kammer will, muss er an ihnen allen vorbei. Vielleicht sollten wir getrennt nach oben gehen, erst der eine und etwas später der andere? Er kratzt sich am Kopf und verwirft die Idee dann sofort wieder. So lange warten? Außerdem wüssten Halla oder Borgil sofort, dass Sig kein Gast in der Harfe ist und würden sie nicht einfach so nach oben lassen. Das geht nicht…
Er wirft einen kurzen Blick zu Sigournys Gesicht auf dem sich bewegte Schatten spielen und fragt sich dann, warum er sie eigentlich überhaupt verstecken will. Er schämt sich nicht für sie, aber trotzdem wäre es ihm angenehm wüsste nicht jeder in der Harfe, was er in dieser Nacht noch so vorhat. Das lässt sich jetzt nicht mehr ändern!
Also streckt er sich und greift fester nach ihrer Hand, ehe er die Tür zur Harfe öffnet und das Haus betritt, dass ihm jetzt schon bald für einen Jahreslauf ein Heim bietet. Ein Blick zur Seite sagt ihm, dass scheinbar alle beschäftigt sind und es vielleicht keiner merken würde, wenn er sie schnell mit sich nach oben zieht. Doch schon als er losstartet, blickt ihm Halla direkt in die Augen und Tiuri ignoriert sie und läuft einfach weiter. Wem er allerdings nicht mehr ausweichen kann, ist Grid, die ihm auf der Treppe entgegen kommt und erst Sigourny und dann ihn offenkundig anstarrt. Die Verwunderung in ihrem Gesicht weicht einem breiten Grinsen und schließlich einem leuchtenden Rot ihrer Wangen als sie den Blick senkt, ihm einen Stoß in die Seiten verpasst und an ihnen vorbei eilt.
Tiuri verdreht ein bisschen die Augen, aber er kümmert sich nicht um die mittlerweile kichernde Grid die sich sofort auf den Weg zu den restlichen Schankmädchen macht, damit niemand verpasst wie das Mädchen aussieht das Tiuri da mit sich nach Hause genommen hat.
Oben angekommen öffnet er die Türe des kleinen Raumes.
„Mein bescheidenes Zuhause!“ Er entzündet die Kerzen, damit Sig überhaupt etwas sehen kann und sein erster Blick fällt peinlich berührt auf die Ratte. Er kann nur hoffen, dass Sig sich nicht vor Ratten fürchtet oder gar ekeln würde. Man kann nie wissen, auch wenn sie von der Gosse kommt und mit Ratten wohl aufgewachsen ist!
Er schnappt Litli-Vinur, streichelt ihm sanft über den Kopf und packt ihn dann unters Bett wo auch zwei kleine Schalen stehen in denen Tiuri Futter und Wasser für seinen kleinen grauen Zeitgenossen bereithält. Sig steht etwas verloren im Zimmer und sieht sich um, viel mehr als die vier Wände und das Bett sind nicht zu sehen, ein Schrank und natürlich Fahl, frisch poliert lehnt es in einer Ecke und wartet darauf benutzt oder wenigstens getragen zu werden. Zu gern würde Tiuri damit einfach außer Haus herum spazieren, aber gleichzeitig möchte er keine Waffe tragen mit der er kein bisschen umgehen kann. Das muss noch warten bis Borgil mir Unterricht gegeben hat!
Er geht wieder auf Sig zu, versucht das Fiepen der Ratte unterm Bett irgendwie zu verdrängen, oder noch besser zu übertönen. „Ich weiß, es ist kein Palast!“ plötzlich ist es ihm unangenehm, dass er sie nicht in ein eigenes Haus führen kann, mit Marmorboden und Samtvorhängen, aber er versucht sich einzureden, dass sie das ja weder gewöhnt ist noch erwartet hätte. Im Gegenteil, wahrscheinlich fühlt sie sich hier sogar wohler! Mal abgesehen davon, dass in meinem Bett vor uns die Ratte geschlafen hat und sich gerade die halbe Harfenbelegschaft wundert wer sie ist.
„Aber ich hoffe es genügt trotzdem für heute Nacht!“ Er zieht sie an sich und hält sie erst einfach nur fest, damit sie nicht davon laufen kann zum einen und damit er sie einfach an sich spürt zum anderen.
Sig scheint sich nicht wirklich daran zu stören wie er hier lebt, sie konzentriert sich schnell auf etwas ganz anderes und bald sind sie dort wo sie im Hafenviertel aufgehört haben. Ganz in Ruhe, oder wenigstens ohne es diesmal mit irgendwelchen Klingen zu bearbeiten, öffnet er die Schnürung ihres Mieders und lässt es zu, dass ihre kühlen Hände unter sein Hemd fahren. Sie streicht über seine Haut als wäre sie kein bisschen anders als die ihre und streift ihm dann das Hemd über den Kopf. Der Junge hält kurz inne, löst seine Lippen von ihren und sieht sie an. Aber auf ihrem Gesicht ist nur ein Lächeln zu sehen, noch immer scheint sie sich nicht daran zu stören wie er aussieht und vor lauter Erleichterung hält sie Tiuri noch fester und befördert sie mit Schwung auf sein Bett, dass bei dem Gewicht von zwei Personen knarrend zu protestieren beginnt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sigourny am 14. Dez. 2005, 07:03 Uhr
Auf dem Weg zur Harfe können die beiden kaum ihre Finger voneinander lassen. Der Junge hat Sig den Arm um die Schulter gelegt und immer wieder finden sich ihre Lippen zu einem sanften Kuss, ohne jedoch ein einziges Mal stehen zu bleiben. Schließlich kommen die hell erleuchteten Fenster der Harfe in sicht. Bei dem Dämonenangriff war das Gasthaus arg in Mitleidenschaft gezogen worden, doch nun war alles wieder hergerichtet und nichts an dem Haus erinnert mehr an jenen schrecklichen Tag.
Tiuri zögert einen Moment und Sig sieht ihn fragend an. Sie kann sich denken welche Gedanken in seinem Kopf kreisen. Jetzt werden wir sehen. Schämt er sich für mich, bereut er es mich mitgenommen zu haben? Auch die junge Frau hat ein leicht mulmiges Gefühl in der Magengegend. Sie war noch nie in ihrem Leben in der Harfe gewesen, im ersten Haus am Platz. Der Junge sieht sie an und sein Lächeln sagt alles. Er verstärkt den Druck seiner Hand und gemeinsam betreten sie die Harfe, die in diesen, eigentlich noch jungen Nachtstunden gut besucht ist. Auf der Treppe stoßen sie beinahe mit einem Schankmädchen zusammen, die sie erst mit großen Kulleraugen mustert und anschließend kichernd verschwindet.
Die Kammer des Jungen ist einfach eingerichtet aber sauber. Eine kleine Ratte sitzt am Bett und betrachtet sie neugierig. Sig hat keine Angst vor diesen Tieren, wer in der Unterstadt lebt, ist sie gewohnt, hasst sie oder hat sich mit ihnen assozieriert; für Sig trifft zweiteres zu. So stößt sie sich auch nicht im geringsten daran, als Tiuri seinen kleinen Freund unters Bett bugsiert. >Ich weiß, es ist kein Palast! Aber ich hoffe es genügt trotzdem für heute Nacht!< Mit diesen Worten zieht er sie an sich und zur Antwort küsst Sig ihn erneut. „Es ist wunderbar.“ Sie sehen sich tief in die Augen, für einen Augenblick damit zufrieden, den anderen zu spüren. Dann senken sich die Lippen des Jungen auf ihre und mit einem leisen Seufzer erwidert sie den Kuss. Seine Finger nesseln an ihrem Mieder herum, dass diesmal im Unterschied zur Inarinacht ganz bleibt wie auch sein Hemd, das sie ihm über den Kopf zieht. Sanft fährt sie die Linien der Narben nach, die seinen Körper bedecken. Ein leises Lächeln umspielt ihre Lippen und dann findet sie sich mit einem Mal auf dem Bett wieder, Turi halb auf und halb neben ihr.
„Mein kleiner Galan!“ haucht Sig während ihre Finger mit seinem Haar spielen, die Strähnen immer wieder zu kleinen Locken geringelt werden. Seine Hand ruht auf ihrer Brust. Das Mieder ist schon am Boden gelandet und ihre Bluse würde wohl bald folgen. Für einen Moment sehen sie sich in die Augen, stilles Einvernehmen darin, was die heutige Nacht noch bringen würde.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Silver am 15. Dez. 2005, 18:42 Uhr
Je näher er sich der Harfe nähert umso mehr erkennt er das Ausmaß der Zerstörung, auch wenn Handwerker jeglicher Art damit beschäftigt sind die Spuren der Verwüstung zu beseitigen. Es gibt neue Häuser mit weiß getünchten Wänden und roten Schindeln auf den Dächern. Fensterläden riechen noch nach frischer Farbe und vieles sieht einfach neu und frisch aus. Doch als Silver den verbrannten Hafengarten sieht, stockt er. Verbrannte Erde und nur noch ein trauriger Stumpf erinnern an den großen Festtagsbaum unter dem einst so wunderbare Feste gefeiert worden sind. Nur wiederwillig löst er seinen Blick und wendet sich dem Gasthaus selber zu.
Ein kalter Wind streift über den Platz vor der Harfe und Silver läuft es kalt den Rücken herunter, über die Schulter schaut er noch einmal zurück, dann betritt er Borgils Gasthaus.

Im Inneren sieht es aus wie immer, es scheint fast so als habe die Zerstörung vor der Gaststube haltgemacht und der junge Sturmdrache wundert sich doch sehr das dieses Feuer das für den verbrannten Garten und den Festtagsbaum verantwortlich war, nicht auch auf das Gasthaus und deren Ställe übergegriffen hatte. Er wundert sich und ist gleichzeitig Erfreut darüber.
Einige Gäste unterhalten sich leise an einem runden Tisch und trinken ein heißes Getränk das immer noch aus den Zinnbechern dampft. Süßlicher Geruch, nach Zimt und Nelken steigt Silver in die Nase und er muss gleich an Gewürzwein denken, dieses widerliche Zeug das Cron ihm einmal verabreicht hatte. Kopfschüttelnd geht er Richtung Theke, damals hatte er sich geschworen seine Sinne nie wieder durch solche Geistverwirrende Mittel zu betäuben.

Er bestellt sich eine heiße Schokolade, was ihm einige seltsame Blicke einbringt von einem Mann der sich an einem Bierkrug festhält und fürchterlich nach Schweiß stinkt, seine abgetragene Kleidung hatte sicher auch schon bessere Tage gesehen und ein Badehaus hatte er sicherlich schon seit einem Jahr nicht mehr gesehen, nein sicherlich schon zwei nicht mehr. Silver wendet sich mit einer hochgezogenen Augenbraue von ihm ab und bestellt sich trotz seiner Vorsätze mehr über das Feuer in Erfahrung zu bringen, etwas zu Essen. Schließlich konnte man nicht mit einem Loch im Magen Nachforschungen anstellen. Was hilft es wenn ich herausfinde was hier geschehen ist und ich dann vor Hunger Tot umfalle? Nachdem er bestellt hat, setzt er sich an einen freien Tisch und schaut durch eines der Fenster nach draußen. Schon kurze Zeit später kommt eine der Bedienungen und bringt ihm seine heiße Schokolade und einen Teller mit Brot und Käse der in einer Pfanne erhitzt worden war und nun Golden über das knusprige Brot läuft. Dazu einige klein schrumplige Äpfel, die Zuckersüß schmecken. Ohne Worte macht er sich über diese kleine Mahlzeit her und hat sie recht schnell verschlungen, erst jetzt merkt er wie hungrig er ist.
Jaja der Hunger kommt beim Essen, wie ich schon immer zu sagen pflegte

Nachdem er halbwegs Satt ist, lehnt er sich zurück, schaut aus dem Fenster und denkt über sein weiteres Vorgehen nach. Er war mit Amalric Antero zurück nach Talyra gekommen, eben jenem Händler der Falcon die Baupläne für sein Hochzeitgeschenk überlassen hatte. Silver hatte ihn aufgesucht und einige Zeit bei ihm gelebt und ihm berichtet was geschehen war in der Schlacht bei Liam Cailidh. Amalric hatte den jungen Sturmdrachen bei sich aufgenommen und ihm sogar geholfen seine Ausbildung weiterzuführen. Und nach einiger Zeit waren die beiden Freunde geworden, ein seltsames Paar und nicht überall gerne gesehen, denn keiner wollte dem Jungen mit dem Silbegrauem Haar so recht trauen in Amalrics Heimat.

Und nun bin ich wieder hier ...um was zu tun? Seine Finger fahren über den Griff seines Dolches und er blickt gedankenvoll durch das Glas der Scheibe und sehen die ersten Schneeflocken fallen.



Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Uuma am 18. Dez. 2005, 19:38 Uhr
Uuma lenkt den kleinen Hengst zum Stall des alten Gasthauses und bringt ihn dort bei einem freundlichen Stallburschen unter, der sich gleich um den Kleinen kümmert. Ihre feine dünne, und doch trotzdem kuschelig warme Felldecke wie einen riesigen Schal um ihren Kopf und Nacken geschlungen geht Uuma auf die schwere Türe der Goldenen Harfe zu, als gerade eine Gruppe Handwerker in das dämmrige Licht des späten Nachmittags hinaus tritt. Ihr Heißhunger auf heiße Milch hat sich im Laufe des Nachmittags zur Gier gesteigert, die sie unbedingt noch diesen Tag befriedigen muss.

Uuma schaut sich in der Gaststube um und wählt einen Platz in der Nähe der Treppe, wo sie sich auf den Stuhl nieder lässt und gleich ihren Kopf auf ihre Hände stütz. Sie schaut sich gar nicht groß in der Gaststube um, wen sollte sie auch Bekanntes hier finden? Ihre Gedanken sind auch viel zu sehr mit einem großen kräftigen Nordmann beschäftigt, der ihr nicht aus dem Kopf geht, denn sie will so schnell wie möglich eine Entscheidung treffen. Den ganzen Tag hatte sie sich wieder und wieder in ihrem kleinen Haus am Bach im rhytmischen Tanz gedreht und dabei versucht sich in ihrem Innern mit Mutter Erde gefühlsmäßig zu verbinden, um eine Antwort zu erhalten, ob es recht wäre, den Stamm für immer zu verlassen, um mit Galrin ein gemeinsames Leben in Talyra oder auch im Norden zu leben, falls er einmal zurück in seine Heimat ziehen würde, aber sie hatte nicht den Ansatz einer Antwort gefunden, kein leises Gefühl, keine sanfte Stimmung, die ihr einen Weg aufzeigte. Sie war in Grübelei verfallen und hatte sich kurzerhand auf den Rücken ihres kleinen Hengstes geschwungen und nun war sie hier in dem warmen, nach köstlichem Fleisch riechenden Gasthaus und ihr läuft die Spucke im Mund zusammen.

Viele Stimmen sind um sie herum, fröhliche, schon leicht trunkene und auch zwei laute heben sich hervor und bei einem Seitenblick sieht Uuma zwei Betrunkene, die sich über irgendetwas lautstark unterhalten, aber das alles interessiert sie nicht im Geringsten. Nie war sie in so eine Grübelei versunken, wie durch Galrins Werbung, die ihr eine Entscheidung abverlangte, wie sie sie nie gedacht hatte, fällen zu müssen. Wie leicht wäre es, einfach nein zu sagen, dann würde sie nächstes Jahr zu ihrem Stamm zurückkehren und alles würde wie von ihr geplant weiter seinen Gang gehen. Aber er ist der Mann von Jolanthe, die Uuma sehr gemocht hat und die nun für immer gegangen war und Galrin traurig zurückgelassen hatte.

Uuma schüttelt den Kopf und ein Seufzen kommt aus ihrer Brust. Warum teilt Galrin nicht einfach das Bett mit ihr, sie würde ein Kind von ihm empfangen und alles wäre gut. Warum musste er so besitzergreifend sein und sie gleich als Frau wollen?, sie Uuma, eine Jägerin aus dem Dunkelwald? Uuma gehen tausend Gedanken durch den Kopf. Konnte sie überhaupt seinen Ansprüchen entsprechen? Mit so vielen Leuten hatte er tagtäglich auf der Werft zu tun, mit Schiffsbesitzern, Händlern und Bürgern der Stadt, die dies oder jenes von ihm gebaut bekommen wollen, das weiß sie von den Gesprächen, denen sie in Verd gelauscht hatte, als die Männer sich unterhielten.

Wieder stöhnt Uuma leise auf, während ihre Brust sich hebt und senkt, was sollte sie nur machen? Ein verträumtes Lächeln schleicht sich auf ihr Gesicht als sie an Galrins große warme Hände denken muss, als er sie in seinen Armen gehalten hat. Noch nie hat sie so eine Kraft gespürt, so einnehmend, als würde er sie nie wieder loslassen und doch hat er sie losgelassen, hat sie gehen lassen, damit sie sich entscheidet. Wie können Uuma entscheiden, gehen weg von Stamm? Uuma treten Tränen in die Augen und sie schluckt. Sie war ja schon weg von ihrem Stamm, war viele Monde schon und viele Tage weit fort von ihrem Stamm, zumindest wenn sie an eine Heimreise mit MoMs Kleinem denkt und ein leises Kichern kommt über ihre Lippen. Galrin würde nur ein paar Tage mit der Windkind brauchen und wieder steigt die Wärme für den großen kräftigen Nordmann in ihre Glieder und auch ist sie stolz, dass ein solch großer und mächtiger Anführer seiner Männer um sie wirbt und am liebsten würde sie in wildem Galopp zu ihm reiten und sich in seine starken Arme kuscheln und ihm sagen, dass er sie nie wieder loslassen soll. Noch lieber wäre es Uuma, Galrin würde augenblicklich durch die Türe treten und sie umschlingen, wie er es im Stall getan hat und seine weichen Lippen würden mit ihren spielen; nie wieder würde sie von ihm gehen.

Aber was würde dann aus ihrem Stamm? Uumas Blick geht zur Türe, die sich gerade öffnet, aber nur eine finstere Gestalt tritt herein und blickt sich suchend um. Der Blick des Mannes heftet sich kurz mit einem Aufflackern in seinen Augen auf sie und irritiert mustert sie den Kerl misstrauisch, denn ihre Nackenhaare stellen sich auf. Sie will jetzt in Ruhe eine heiße Milch trinken und dieser Kerl sollte ja nichts tun, was er später bereute. Uumas Hand geht instinktiv zu ihrem Gurt, an dem ihr Köcher mit den Betäubungspfeilen hängt und bleibt dort, sicherheitshalber, falls der Mann sich ihr auch nur einen Schritt breit nähern sollte, aber er setzt sich ein Stück weiter von ihr entfernt an einen Tisch an der Wand und senkt den Blick. Erleichtert atmet Uuma auf und wendet den Kopf von dem Kerl weg. Gasthaus seien da für alle... sagt sie sich, doch trotzdem ist irgendetwas an dem Kerl, was sie beunruhigt, wenn sie auch nicht sagen kann, was es ist.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 18. Dez. 2005, 20:04 Uhr
In der Harfe geht mittlerweile wieder alles seinen normalen Gang. Borgil und Azra sind zu einem Besuch bei Lady Raven und dem Sturmlord aufgebrochen und bis auf den noch nicht ganz wiederhergestellten Harfengarten, ist in der Harfe selber nichts mehr von dem Dämonenangriff und dem Eindringen des Höllenhundes und des Ogers zu sehen. Nein, das stimmt nicht ganz, eine dunklere Stelle in dem Dielenboden zeugt noch von dem Blut, das der Höllenhund dort vergossen hatte, nachdem Halla und Tiuri ihn getötet hatten. Halla hatte es mit allem versucht, geschrubbt, gewienert, sogar mit schleifen hatte sie es versucht, aber das Blut war tief ins Holz gezogen und so hatte sie es irgendwann aufgegeben, auch wenn es sie immer noch ärgert, wenn ihr Blick darauf fällt. Doch nun fällt Hallas Blick auf etwas, vielmehr jemand anderen. Die kleine Dunkelwäldlerin, die Halla schon öfters gesehen hatte, und von der die wildesten Gerüchte in der Stadt kursieren, seit dem Abenteuer mit den Piraten. Genau dieser Wildfang sitzt nun an einem Tisch gar nicht weit entfernt der Treppe und scheint alles andere als wild zu sein. Sie sieht eher bekümmert aus und mit ihren Gedanken gar nicht wirklich hier zu sein.

Da Grid ebenfalls Dienst hat und Halla sicher für einen Moment vertreten kann, deutet Halla mit ein paar Gesten an Grid hinüber zu der kleinen Wilden, Grid nickt nur kurz mit dem Kopf und geht dann schnell die Getränke austeilen, ehe sie Hallas Platz hinter der Theke einnimmt. Halla ist indessen zu dem Tisch der Wilden hinübergegangen und erst als sie ihn erreicht hat, fällt ihr auch wieder der Name der jungen Frau ein. Uuma, genau so heisst sie. Gerade als Halla den Tisch fast erreicht hat, öffnet sich die Harfentrr und eine recht zwielichtige Gestalt betritt die Harfe. Der Mann würde besser in eine der Schänken der Unterstadt passen, aber manchmal täuscht der Eindruck ja auch. Bei diesem winterlichen Wetter muss man schliesslich vermummt herum laufen, wenn man sich seine Nase nicht abfrieren will. Die Harfe ist mittlerweile auch mit Immergrün, Tannenzweigen und Misteln geschmückt, die darauf hinweisen, dass das Julfest nicht mehr weit ist.

Am Tisch angekommen, räuspert Halla sich kurz."Seid gegrüsst Uuma, darf ich euch etwas Würzwein bringen, gegen die Kälte draussen, oder lieber etwas ohne Alkohol, ein warmer Wintertee mit Zimt?" Es dauert einen Wimpernschlag ehe Uuma ihren Kopf hebt, was sie nicht weit tun muss, denn Halla ist ja selber recht klein und die beiden Frauen können sich fast geradewegs in die Augen sehen. Halla lächelt aufmunternd, aber das grüblerische Gesicht der kleinen Wilden scheint sich nicht viel zu ändern und Halla weiss schon jetzt, dass falls die junge Frau jemand zum reden brauchen würde, dies sicher kein kurzes Gespräch werden würde, aber Schankmägde und Burschen, sowie auch Wirte sind schon immer gute Zuhörer gewesen, und auch Halla hat sich schon die ein oder andere Lebensgeschichte angehört. Meist wollen die Leute noch nicht einmal eine Antwort haben, sondern es reicht, wenn man ihnen zuhört, einfach nur damit sie ihre Gedanken ordnen können.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Uuma am 18. Dez. 2005, 21:15 Uhr
Gerade hat sich Uuma wieder etwas entspannt, weil dieser Mann da an der Wand sie nicht weiter zu beachten scheint, da tritt die kleine Frau zu ihr, die hier die Mägde scheucht, wie Uuma einmal erstaunt beobachtet hatte, als sie nach dem Verkaufen ihrer Borten sich den Bauch in der Goldenen Harfe vollgeschlagen hatte.
>>"Seid gegrüsst Uuma, darf ich euch etwas Würzwein bringen, gegen die Kälte draussen, oder lieber etwas ohne Alkohol, ein warmer Wintertee mit Zimt?"<< Noch ganz in Gedanken versunken blickt Uuma in das freundliche Gesicht von Halla. "Zimt? Tee für Winter?" Uuma ist noch viele Schritte weit von dem Verstehen von Hallas Worten entfernt, da weht plötzlich ganz kurz der üble Geruch von dem finsteren Mann zu ihr her, als oben die Türe aufgeht und jemand in wallendem Gewand die Treppe herunter kommt. Nur wie ein fernes Wetterleuchten blitzt ein Erkennen in Uumas Erinnerung auf, doch die Worte der freundlichen kleinen Frau drängen auf eine Antwort. "Oh, nein, danke! Uuma gerne wollen Milch die seien heiß und Uuma riechen Fleisch, das seien fertig. Uuma gerne würde essen das mit ...Kartoffeln!"

Hallas Blick ist so offen und liebevoll, dass Uuma sich mit einem Mal auf sanfte Weise verstanden fühlt und lächelt verlegen. "Uuma waren weit weg mit Gedanken." Sie seufzt. "Nicht seien leicht, wenn Leben wollen Entscheidung. Nicht leicht, wenn Herz sagen dies und Kopf sagen das." Uuma verzieht das Gesicht zu einem ratlosen Lächeln, hebt die Schultern und blickt vor sich auf den Tisch, als würde dort ein tiefes Loch sein, in das sie ihre Sorgen hineinsprechen könnte, damit sie verschwinden.

"Galrin," sie überlegt kurz, "Ragnarsson, ja so heißen Galrin, verlieren Jolanthe, Frau von Galrin," fügt sie erklärend hinzu, "wenn Galrin seien auf große Reise in Norden, wo nur seien Eis und Schnee. Galrin sagen, das seien Land, wo nie waren Menschen." Uuma nickt dabei bedeutungsvoll mit dem Kopf und sie wundert sich, dass sie sich daran erinnert, denn sie hatte gar nicht so genau zugehört, als Galrin ihr das erzählte. "Jolanthe gerne seien auf Spitze von Schiff, die gucken raus vorne und da Jolanthe fallen runter und..." Uuma spricht nicht weiter, denn Halla blickt sie mit großen Augen an und die kleine Frau scheint genau zu wissen, was sie meint.

"Galrin Uuma das sagen, wenn Uuma werden wach bei Galrin." Uuma kichert, denn Uuma sieht den noch überraschteren Blick von Halla. "Uuma waren auf See und Wetter kippen um Boot von Uuma und Galrin retten Uuma." Nachdem sie das klargestellt hat fällt ihr ein, dass Halla wohl auch nicht weiß, woher sie den Nordmann und Jolanthe kennt und darum erklärt sie auch schnell, dass sie mit Henry seinerzeit mit nach Verd gefahren ist und so Jolanthe kennengelernt hat, doch dann versiegt ihr Redefluss, denn ihr Hals ist wie zugeschnürt und schwer wie ein Stein lastet es in ihrer Brust und dann sieht Uuma aus den Augenwinkeln, wie der Kerl an der Wand sie mit gesenktem Kopf beobachtet. Was wollen Mann von Uuma? Misstrauisch schießt der Gedanke durch ihren Kopf, während sie sich wieder an den Geruch erinnert. ...Hafen... Mann riechen nach Hafen... nach Schiff... Suchend rasen die Gedanken durch Uumas Kopf, denn da ist noch etwas, aber sie kann es einfach nicht fassen und da ist auch noch Halla, die sie unverwand ansieht. Uuma wird ganz schwindlig im Kopf und sie legt ihr Gesicht in ihre Hände und stützt die Ellenbogen auf den Tisch. "Uuma glauben, Uuma seien müde von Grübeln und seien hungrig von nicht viel essen den Tag."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 20. Dez. 2005, 11:16 Uhr
Halla braucht einen Augenblick, um sich an die seltsame Art des Sprechens zu gewöhnen, die Uuma so eigen ist. Nicht, dass die Dunkelwäldlerin nuscheln oder lispeln würde, aber sie verdreht die Sätze irgendwie und man kann nie genau voraussagen, was sie nun sagen will, etwas das Halla bei anderen Gästen schon aus dem Eff-Eff beherrscht. Die Kleine will heisse Milch und etwas von dem Wildschweinbraten mit Kartoffeln, dessen herrlicher Geruch durch die ganze Harfe zieht. Halla nickt zu der Bestellung und will gerade sagen, dass sie sie sofort erledigen wird, da setzt Uuma auch schon wieder an zu reden. Sie redet von einer Entscheidung, die sie wohl treffen muss und wenn Halla ihre Worte auch nicht genau versteht, so scheint es sich um eine Liebesangelegenheit zu handeln. Nicht das Halla sonderlich viel von solchen Dingen versteht, sie weiss nicht einmal, ob sie selbst schon jemals in ihrem Leben wirklich verliebt war. Ja sicher, sie hatte Borgil ganz besonders gemocht und war auch ziemlich enttäuscht gewesen, als dieser Azra geheiratet hatte, aber ob das wirkliche Liebe war oder eher nur sowas wie...Verehrung, kann sie noch nicht einmal sagen. aber Halla schweift mit ihren Gedanken ab, während Uuma schon wieder weiter berichtet, was sie quält, und Halla konzentriert sich wieder auf die Worte der Kleinen.

Uuma erzählt von Galrin und dem Tod seiner Jolanthe. Halla hatte von dem Unglück gehört, das auf dem Weg zu dieser seltsamen Expedition passiert ist. Sie selber hatte den Schiffsbauer für verrückt erklärt, solch ein Wagnis einzugehen, besonders weil er seine Frau und auch seine grade Neugeborenen mitgenommen hat. Sie hatte das absolut unverantwortlich gefunden, aber es war ja nicht ihre Entscheidung gewesen und sie befürchtet, dass Galrin diese nun selbst bereut, aber sie schweift schon wieder ab. Uuma berichtet weiter, wie sie selber Galrin kennen gelernt hat, und dass er sie vor kurzem aus dem Ildorel gefischt hat, als ihr Boot gekentert ist. Doch dann versiegt ihr Redefluss und sie schaut zu dem seltsamen Mann hinüber, der eben die Harfe betreten hat. Halla gefällt dieser Kerl auch nicht, aber solange er sich ruhig verhält und hier keinen "Unsinn" macht, wird sie ihn in Ruhe lassen. In der Harfe kann jeder einkehren, der sich aufwärmen, etwas trinken oder essen will, und solange niemand einen Streit vom Zaum bricht, ist auch jeder willkommen.

Uuma starrt den Mann eine Weile regelrecht an, ehe sie dann aufseufzt, ihren Kopf auf ihre Hände stützt und recht verzweifelt aussieht, so dass sie Halla schon richtig leid tut und Halla selber froh ist, nicht solche Probleme zu haben.>Uuma glauben, Uuma seien müde von Grübeln und seien hungrig von nicht viel essen den Tag. Auch aus ihrer Stimme klingt ein wenig die Schwere des Problems mit, so als würde jedes Wort zentnerschwer wiegen. Halla bekommt richtiges Mitleid mit der kleinen Frau und ihre Stimme ist liebenswürdig und fast schon bemutternd als sie spricht. "Ich hole euch jetzt erstmal die Milch und etwas zu essen, mit vollem Magen lässt sich besser denken und auch Gedanken entwirren." Halla streicht der Wilden kurz beruhigend über den Oberarm, ehe sie rasch in der Küche verschwindet, wo sie sich von Sigrun im Eilauftrag, warme Milch mit etwas Honig und einen Teller Wildschweinbraten mit Kartoffel und Schwarzwurzeln, in Butter geschwenkt fertig machen lässt. Mit dem Tablett beladen, von dem es wundervoll nach Esen duftet, kehrt sie zurück an den Tisch von Uuma und stellt beides vor der Frau ab, die wieder vollkommen in ihren Gedanken versunken und erst durch den Duft des Essen wieder zum Leben zu erwachen scheint. "So und nun esst erstmal in Ruhe, und wenn ich zurück komme und ihr fertig gegessen habt, dann können wir uns noch ein wenig unterhalten, wenn ihr möchtet." Ein warmes Lächeln zieht sich über Hallas Gesicht und sie nickt Uuma aufmunternd zu. Dann verlässt sie den Tisch, damit die Kleine in Ruhe essen und Halla Grid rasch helfen kann. Denn als Halla in der Küche war ist ein Trupp Händler in die Harfe gekommen, die nun lautstark, nach heissem Met, Würzwein und etwas zu essen verlangen. Aber auch bei dem ganzen Palaver, den die Händler veranstalten, lässt Halla Uuma nicht aus den Augen, immer wieder wandert ihr Blick zu der kleinen Wilden und auch zu dem komischen Mann, der sich an seinem Becher Met festhält und so unscheinbar zu wirken versucht, wie es nur geht. Als der Kerl seinen Becher hebt und ihn an den Mund führt, seltsamerweise mit der linken Hand, fällt Halla auf, dass ihm ein Stück des kleinen Fingers fehlt. Halla misst dem nicht viel Bedeutung bei, so manch einer der Bauern, Handwerker oder auch Krieger hat irgendwelche "kleinen" oder grösseren Verstümmelungen, die einem bei schwerer Arbeit nun einmal passieren können.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Uuma am 20. Dez. 2005, 14:00 Uhr
>>"Ich hole euch jetzt erstmal die Milch und etwas zu essen, mit vollem Magen lässt sich besser denken und auch Gedanken entwirren."<< Uuma nickt heftig mit dem Kopf und kann es gar nicht abwarten, denn sie hat riesigen Hunger. Die sanfte Berührung an ihrem Arm hat etwas Beruhigendes und ein dankbares Lächeln huscht über ihr Gesicht. Während sie auf das Essen wartet wandern jedoch ihre Gedanken wieder zu Galrin, der jetzt irgendwo in seinem Haus sitzt, mit seinen Kindern spielt, oder aber auch mit seinen Männern an irgendetwas arbeitet und Uuma vermutet, dass er genauso gedankenschwer an einer gemeinsamen Zukunft rumgrübelt. Wenn sie sich einmal entscheiden würde, dann wäre es sofort wieder leicht, aber es will sich ihr kein Weg aufzeigen, wie sie eine Antwort findet, wenn Mutter Erde in ihrem Innern nicht antwortet. Sollte sie es wirklich wagen, mit Galrin zu ihrem Stamm zu fliegen und ihre Mutter und die Älteste um Rat fragen? Es wäre so einfach, wenn da nicht die Gefahr für die Nordmänner wäre, nie wieder zurückzukehren, oder einiges aus ihrer Vergangenheit zu vergessen, auf jeden Fall den Dunkelwald und die Fahrt dorthin. Uuma weiß nicht, was genau die Alte ihres Stammes mit dem Fremden gemacht hat, der damals von den Jägern nach ihrem „Besprechen“ weit weggebracht wurde, um fern von ihrer Höhle zu erwachen. Diese Sachen sind für alle Tabu, nur die alten Frauen um die Älteste wissen da mehr und bilden bei solchen Ritualen einen Kreis, um ihre Kraft da mit einfließen zu lassen.

>>"So und nun esst erstmal in Ruhe, und wenn ich zurück komme und ihr fertig gegessen habt, dann können wir uns noch ein wenig unterhalten, wenn ihr möchtet."<< In dem Moment, wo Uuma die einzige Lösung  ihres Problems darin sieht, mit der Windkind weit genug von der Lichtung entfernt zu landen und mit ihrem kleinen Hengst die paar Stunden zu ihrem Stamm alleine hin zu reiten, tritt Halla mit einem großen Tablett zu ihr und stellt einen Teller mit Fleisch, Wurzeln und Kartoffeln ab, die in ihrer geliebten heißbraunen Butter schwimmen und sie muss sich zurückhalten, um sich nicht darauf zu stürzen. Vergessen sind Galrin und Windkind, Stamm und Entscheidungen, denn auch der süße Geruch der heißen Honigmilch steigt in Uumas Nase. „Oh! Hmmmhhh, da seien Honig von Bienen in Milch!“ Uumas Augen strahlen Halla an. „Danke!“ Zuerst muss Uuma die langen Wurzeln probieren, die dann ganz schnell eine nach der anderen zwischen ihren Lippen verschwindet. Sie saugt sie mit Genuss in ihren Mund, dass der Kerl wieder zu ihr hinschaut, aber jetzt will sie sich nicht den leckeren Braten mit allem Drum und Dran vermiesen lassen und dreht sich schräg von ihm weg, damit sie ihn nicht ständig neben sich sieht. Sie kann ihn trotzdem aus den Augenwinkeln sehen, so dass er keine Bewegung machen kann, die sie nicht registriert.

Das Essen ist bei allem Genießen ruck zuck in ihrem Bauch verschwunden und mit der letzten Kartoffel wischt sie die letzte Spur von Fett vom Teller und lehnt sich dann herrlich gesättigt zurück. Mit einem Mal erscheint ihr das Problem gar nicht mehr so groß und ein zufriedenes Lächeln erscheint auf ihrem Gesicht, als Halla neben ihr erscheint und die blitzblank leergegessenen und getrunkenen Sachen wieder auf das Tablett stellt und sie mit leicht schräg gestelltem Kopf ansieht. Bevor die Gute jedoch irgendetwas sagen kann schießt es aus Uuma auch schon hervor. „Uuma jetzt wissen was Uuma machen! Uuma fliegen mit Galrin in Dunkelwald und fragen Älteste von Stamm, ob Uuma sollen sagen ja zu Werben von Galrin!“ Wieder nickt sie heftig und genauso glücklich, wie beim Anblick des Essens und strahlt Halla an. Eine Bewegung des Mannes an der Wand lenkt sie ab und Uuma sieht den verstümmelten Finger. Ein Schreck fährt ihr durch die Glieder und sie sieht Halla entsetzt an. „Mann haben weg kleinen Finger,“ und sie schiebt unauffällig ihre Linke vor ihren Bauch, aber auf der Tischplatte, damit Halla ihre Hand sehen kann, „wie Uuma! Das machen Piraten, wenn Piraten wollen Schatz aus Haus von Uuma und auch wollen haben Uuma für Verkaufen Sachen auf Markt in Städe wo seien Schiffe.“

Aufgeregt nestelt sie an ihrem Lederbeutel herum, holt viel mehr heraus, als das Essen kosten würde und legt es Halla hin. „Uuma müssen gehen, müssen sehen, was Uuma jetzt machen....“ Ein fragender aufgeregter Blick zu Halla und schon ist sie von ihrem Platz auf und verschwindet aus der Türe nach draußen. Sie hatte sich zusammengerissen, damit es nicht hektisch aussieht, was ihr auch gelungen ist, wie sie meint, wenn sie auch Halla wahrscheinlich damit überrumpelt hat und sie hofft, der guten kleinen Frau das andermal besser erklären zu können, aber jetzt hat sie nicht die Ruhe, auch nur einen Augenblick länger da sitzen zu bleiben. Kaum fällt die Türe hinter ihr zu, da erinnert sie sich auch wieder an den Geruch. Die Männer von dem anderen Schiff hatten diesen Geruch, nicht nur nach Seewasser, Schiffsholz und Fischen, da war noch etwas anderes, was sie nicht kennt, schon damals nicht definieren konnte.
Erfreut stellt sie fest, dass die Dämmerung schon eingesetzt hat, so würde sie sich besser verstecken können und den Spieß umdrehen. Sollte der Kerl wirklich in der Harfe sitzen, weil Uuma nicht im Haus anzutreffen gewesen ist, um sie mitzunehmen, wie ihr der eine das damals auf dem Schiff prophezeit hatte, dann würde sie jetzt den Spieß umdrehen und Uuma den Kerl beobachten und sehen, woher er gekommen ist. Vielleicht würde sie dann das Versteck der Bandenmitglieder finden und dann könnte sie „von Terascon“ das sagen. Vorher wollte sie nicht einmal einer Wache etwas sagen, denn sie vermutet, dass sie sie für übergeschnappt halten, wenn sie ihnen die Geschichte erzählt. Selbst der Anführer der Männer der Stadt würde bestimmt mindestens eine Augenbraue heben und sie ungäubig angucken und sie muss in sich hineinkichern bei dem Gedanken. Uuma holt nicht ihren kleinen Hengst aus dem Stall der Harfe, denn der würde sie nur behindern und so geht sie so unauffällig, wie nur möglich in die Richtung, wo sie bald zu der Brücke kommen würde, über die sie muss, um im großen Bogen dann über die zweite zu gehen, neben der ihr Häuschen unten steht. Würde er ihr folgen, oder eine andere merkwürdige Gestalt, dann ist sie sich sicher, dass sie gekommen sind, um sie zu holen. Das Wetter würde auch passen, denn die dicken Nebel die Tage würden sie wieder in der Nacht vor neugierigen Blicken verbergen. Uuma grummelt leise in sich hinein, denn eigentlich hatte sie vor, Galrin von ihrer Lösung zu erzählen. Uuma weiß nicht, warum sie nicht auf die Idee kommt, auf ihrem Kleinen in wildem Galopp zu dem großen starken Nordmann zu reiten, der ihr den Schutz hätte bieten können, den sie jetzt brauchte. Sie kam einfach nicht auf die Idee, zu lange war sie auf sich allein gestellt.

 

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 23. Dez. 2005, 12:12 Uhr
Sig haucht Tiuri etwas ins Ohr und bei der altbekannten Anrede muss er leise lachen. Viel Zeit jetzt über die Inarinacht nachzudenken hat er nicht und will er sich auch wirklich nicht nehmen, aber zwischen Küssen und fliegenden Kleidungsstücken kommen ihm immer wieder Fetzen eben jenes Treffen zwischen ihnen beiden in den Sinn. Was haben sie sich gespielt und belogen, haben gedacht sich niemals wieder zu sehen und sich direkt damit abgefunden. Sie haben den Sand zerwühlt und im See gebadet und als sie sich jetzt lieben versuchen sie sich den gleichen Platz zu nehmen, den sie auch am Strand hatten, aber das Bett ist schmal. Lachend fällt Tiuri einmal von der Bettkante, nur um sofort wieder auf das knarrende Einrichtungsstück zurück zu kehren. Das Bett quietscht und schlägt immer wieder gegen die Wand, bis jemand aus dem Nachbarzimmer gegen ihre Wand schlägt und sich schreiend beschwert sie wären zu laut, er könne ja kein Auge zu machen.
Aber anstatt betreten zu sein und leiser weiter zumachen oder das Liebesspiel sogar ganz sein zu lassen, sehen sich die beiden nur mit einem verbissenen Lachen und blitzenden Augen an. Tiuris Haare sind völlig zerwuschelt und stehen wild vom Kopf ab, während sich Sigournys Haar wie ein Wasserfall aus goldener und silberner Seide über das Kissen ergießt. Ihre Fingerspitzen hinterlassen Spuren aus Feuer auf seiner Haut, aber es ist eine Hitze die er nicht fürchtet sondern genießt, eine die heilt und vergessen lässt.

Nach einiger Zeit liegen sie halb auf und halb nebeneinander, lassen das Bett sich erholen und sich selbst zu Atem kommen. Tiuris Arm liegt schwer über Sigournys Oberkörper und ihr Bein hat sich wie eine Eisenschelle um seines geschlungen. Die Ratte die sich bei der stürmischen Einweihung des Zimmers in einem Loch verkrochen hat, kommt vorsichtig wieder zum Vorschein und wartet ab ob die Gefahr gebannt ist und sieht gleichzeitig nach ob ihr Herrchen den Überfall auch überstanden hat. Es dauert nicht lange, da tappt der kleine Zeitgenosse auch schon über die Bettdecke nach oben und Tiuri ist drauf und dran ihn mit seinem langen Rattenschwanz zu erwürgen. Aber Sig sieht weder angeekelt noch irgendwie ängstlich drein, im Gegenteil, sie lächelt als die Ratte näher kommt und so vergisst Tiuri seine Mordgelüste sogleich wieder. Er streckt die Hand nach Vinur aus und hebt die Ratte dann zu ihnen, während er ihr sanft über das glänzende Fell streicht.
„Sigourny, das ist Litli-Vinur, Vinur, das ist Sigourny!“ stellt er die beiden einander förmlich vor und als hätte die Ratte es verstanden, springt sie von Tiuris Hand und stellt sich an Sigournys Arm auf. Die junge Frau begrüßt die Ratte ebenfalls und streichelt ihr den Kopf mit dem weißen Fleck auf der Stirn. Nach dem Vinur festgestellt hat, dass scheinbar alles in bester Ordnung ist, verschwindet er auch schon wieder, vermutlich um sich den Bauch voll zu schlagen, denn die Ratte ist in den letzten Wochen äußert rund geworden.
Tiuri und Sig liegen einige Zeit schweigend da, nehmen die Wärme des anderen in sich auf und halten sich wie ertrinkende aneinander fest. Bis Tiuri die Stille irgendwann zu viel wird und er sich auf einen Arm stützt um Sig besser ansehen zu können. Die Kerzen sind schon herunter gebrannt und es ist wieder einmal nur das Mondlicht das auf ihrer Haut liegt und sich in ihren Augen spiegelt als sie ihn fragend ansieht.
Alles was er eben noch sagen wollte bleibt ihm im Hals stecken und er schüttelt den Kopf über sich selbst. Du bist doch sonst nicht gerade schweigsam! Das einzige Wort das ihm in den Sinn kommt als er sie so an sich fühlt, ist wieder einmal Mondprinzessin, aber wenn er es noch oft ausspricht wäre es irgendwann wohl abgenützt und deswegen legt er es nur in sein Lächeln.
„Du hast mich heute neugierig gemacht, weißt du?“ Er zwirbelt eine lange Haarsträhne zwischen seinen Fingern und die Bilder des heutigen Abends ziehen noch einmal vor seinem Auge ab. Ihr Blick und die Erkenntnis, dass sie genau weiß, dass er betrügt, ihre Aufregung und ihr süßer Zorn, seine Wut und auch das Verlangen sie einfach an sich zu drücken und nie wieder los zu lassen.
„Ich will dich zu nichts drängen was du nicht möchtest und ich werde nicht nachbohren wenn du mir nichts sagen willst, aber ich wüsste zu gern mehr über dich. Du hast gesagt du stammst aus der Gosse, aus welcher denn?“ Er grinst sie an, natürlich will er keinen Straßennahmen von ihr erfahren. „Ich meine aus der Talyrer Gosse oder der einer anderen Stadt? Was hast du gemeint als du gesagt hast du hättest es im Blut? Ich kann mir schön langsam denken, dass du nicht immer den rechten Weg gegangen bist und keine Angst, ich werde dich mit Sicherheit nicht gleich wenn du mir etwas erzählt hast packen und bei der Stadtwache aussetzen, dafür hab ich zu viel Angst um meinen eigenen Pelz und“, er zögert und haucht ihr einen Kuss auf die Wange. Ein Glimmen liegt in seinen Augen als er weiter spricht und sich wieder ein Stück nach hinten lehnt um ihr ins Gesicht sehen zu können. „… dein Pelz ist mir auch zu schade dafür!“
Seufzend liegt er neben ihr, die Arme jetzt fest um sie geschlossen, mit den Fingern immer wieder ihre weiche Haut auf und ab fahrend. Die kleinen Härchen auf ihrem Arm richten sich auf und ein Schauer läuft über sie.
„Warum bist du ganz alleine hier, fernab von deiner Familie und warum wohnst du in einer Schusterei? Wie kann es sein, dass du nicht verheiratet, verliebt oder sonst etwas warst als ich dich getroffen habe und dass ich mich nicht durch zehn Verehrer schlagen musste um dich hier her zu bekommen? Du bist wie ein Geheimnis in mein Leben getreten, sag mir irgendwas, wenn es schon nicht alles ist, erzähl mir etwas… etwas Wahres. Etwas, das nur ich weiß, das ich festhalten kann wie einen Schatz.“
Er hat sie ja selbst schon wie einen unheimlich wertvollen Schatz in seinen Armen, aber das ist ihm noch nicht genug, er möchte nicht nur ihren Körper halten, er will auch ihre Seele erfassen können, wissen was in ihr vorgeht, in ihr Innerstes sehen und am besten sogar ihr Herz in seinen bloßen Händen festhalten, damit sie ganz alleine ihm gehört und nie wieder auch nur wagt an jemand anderen zu denken. Die Gedanken erschrecken ihn selbst, Tiuri hat nicht gedacht, dass er so Besitz ergreifend sein kann, er ist es noch nie gewesen. Er hängt an seinem Leben und dann kommt lange nichts das ihm so lieb und teuer ist, aber mit Sig ist es anders. Warum? Was ist anders? Aber so richtig einfallen will es ihm nicht. Er würde für die ganze Belegschaft durchs Feuer gehen, na ja, vielleicht nicht gerade durchs Feuer, aber durch jede Horde von Feinden, auch wenn er dabei sterben würde, aber irgendwie erfasst das noch immer nicht was er für Sigourny fühlt.
Der Junge beschließt den Gedanken auf später zu verschieben und dieses Chaos in sich ein andermal zu entwirren um der Frau neben ihm seine ganze Aufmerksamkeit zu schenken.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Theron am 24. Dez. 2005, 17:19 Uhr
Theron hat sich zu Fuß auf den Weg zur Goldenen Harfe gemacht, anstatt ein Pferd mitzunehmen. Ein Ausritt ist für ihn meist mit etwas unangenehmen Folgen verbunden. Nicht, dass er nicht ein guter Reiter wäre, aber diese eine Tierart scheint sich gegen ihn verschworen zu haben. Wenn immer er sich einem Pferd nähert, fängt es laut zu wiehern und mit den Hufen unruhig am Boden zu scharren an (selbst wenn der Boden aus hartem Stein besteht). Vielleicht liegt es daran, dass er in seiner wilden Jugend (die erst ein paar mickrige Jährchen zurückliegt) eines der Pferde seines Vaters fast zu Tode geritten hat und die anderen Pferde das instinktiv merken und nicht so recht glauben wollen, dass er sich geändert hat.

Egal, auch ein Spaziergang durch die halbe Stadt hat sein Gutes, und die kalte Luft hat seinen Verstand, der von dem Wein, von dem er ständig umgeben ist, getrübt ist,  klar gemacht. Außerdem kann man, wenn man nicht hoch zu Ross sitzt, viel mehr sehen und sich leichter mit anderen Menschen unterhalten. Der junge Mann ist an diesem Tag überraschend respektabel gekleidet. Da ist keine Spur mehr von dem Trunkenbold, der sich die Nächte um die Ohren schlägt. Er ähnelt eher einem Geschäftsmann … oder vielleicht doch einem etwas arroganten jungen Adeligen? Er trägt ein weißes Hemd, dessen Ärmel zwar ein bisschen zu lang sind, sodass seine Hände fast darin verschwinden, das aber ansonsten perfekt aussieht und perfekt sitzt, eine Hose aus weichem, hellbraunem Leder und hohe, schwarze Stiefel. Ein dunkler Umhang ist um seine Schultern gewickelt, um die Kälte abzuhalten, da ein Hemd allein doch recht wenig hergibt.

Darunter kommt ein blasses, durchaus ansehnliches Gesicht zum Vorschein, als er die Harfe betritt und die Kaputze lüftet. Ein Paar grüne Augen leuchtet darin auf. Diese Augen blicken ein wenig verwegen und belustigt drein, so als ob der junge Mann die ganze Welt für ein einziges großes Abenteuer hält oder etwas weiß, von dem die Leute um ihn herum keine Ahnung haben. Strähnen rotbraunen Haares fallen ihm ins Gesicht. Er schiebt sie mit einer raschen Handbewegung beiseite. Sein Haar ist immer ein wenig zu lang und zu wirr und will nie so recht gehorchen.

Er blickt sich ein wenig in dem Gasthaus um und stellt fest, dass die Harfe recht gemütlich ist, wenn sie auch etwas „rustikal“ wirkt. Sie hat ihren guten Ruf anscheinend nicht zu Unrecht. Er ist noch nie in diesem einen Gasthaus gewesen - seine Lieblingsgasthäuser sind etwas heruntergekommener und haben einen größeren Anteil an Betrunkenen. Nicht, dass er sich die Harfe nicht leisten kann – er mag nur diese ganz bestimmte Atmosphäre. Aber die Leute dort  sind eher arm. Er ist nicht nur hier, um zu trinken (ausnahmsweise einmal in Maßen) und Kontakte zu knüpfen, sondern auch, um Geschäfte zu machen. Von irgendetwas muss man schließlich leben, und dadurch, dass man von Taverne zu Taverne zieht und sich betrinkt, verdient man leider rein gar nichts.

Mit diesem Gedanken im Kopf bewegt sich der junge Mann – die Magd, die gerade in ein Gespräch mit irgendeinem Gast ist kurz anlächelnd und ihr zuwinkend – egal, wie die Umstände sind, er kann es einfach nicht lassen – durch den Schankraum, auf der Suche nach einem freien Tisch und dem Besitzer der Taverne, um wen auch immer es sich dabei handelt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von TianShi am 29. Dez. 2005, 14:44 Uhr
Mit einer kleinen Gruppe Händler, die sich wohl für die Dauer ihrer Geschäfte hier in Talyra in der Harfe niedergelassen haben, betritt auch TianShi samt ihrem Gefolge die Taverne. Wie immer, wenn sie einen Fuß in das Gebäude setzt, wird sie von warmer Luft voll von Rauch und Essensgerüchen empfangen. Überall laufen die fleißigen Mogbars durch die schmalen Gänge zwischen Stühlen und neuen Gästen und servieren eifrig alles was gewünscht wird. Das letzte Mal als sie hier gewesen war, scheint schon ewig her zu sein. Damals hatte sie den Schlüssel zu ihrem Anwesen von Borgil geholt und so auch gleich Azra kennen gelernt. Schon länger hat TianShi sie nicht mehr zu Gesicht bekommen, aber angesichts der anstehenden Schwangerschaft ist es auch nicht verwunderlich. Fast glaubt sie sogar, dass Borgil das arme Mädchen sogar fest ketten würde, damit sie sich ja nichts bricht, geschweige denn nur einen blauen Fleck bei irgendwelchen unbedarften Bemühungen abbekommt. Egal wie rau der Zwerg auch manchmal wirken mag und das besonders auf Fremde, tief in seinem Inneren kommt er TianShi manchmal ängstlicher als ein kleines Lamm vor. Gleich hinter der Tür bleiben sie einen Moment stehen, um sich umzublicken und einen möglichst guten Platz, nicht direkt in der Nähe von Pfeife rauchenden Männern zu finden. Eigentlich macht es wenig Sinn sich darüber in der Harfe Gedanken zu machen, aber TianShi möchte die Kleinen trotzdem nicht neben einer stinkenden Pfeife haben. Außerdem würden Amy und Maria nur weder Zeter und Mordio schreien, wenn sie die Kleinen aussehen und mehr als nur ein paar klebrige Flecken finden werden. Ein schwaches Lächeln liegt bei diesen Gedanken auf ihren Lippen, als Koben mit einer freien Hand auf einen Tisch, nahe eines Fensters zeigt. Mit einem Nicken zeigt sie, dass sich einverstanden ist und so schieben sie sich durch die Harfengäste bis zum besagten Tisch. Core und Nearah bestehen auf einen Platz auf der Bank, damit sie neben einander sitzen können. Sie wollen auch das Rosentau zu ihnen kommt, aber nachdem ihnen die Fee demonstriert, dass sie von dort absolut gar nichts sehen kann, darf sie auf dem Tisch Platz nehmen. Dafür bekommt dann die Einkäufe noch einen Platz auf der Bank. Koben sowie TianShi selbst lassen sich auf Stühlen nieder, so dass einer Core und einer Nearah neben sich hat, um eventuelle Missgeschicke vorzubeugen. Koben ist gerade damit beschäftigt Core aus seinen Sachen zu pellen, während TianShi mit einer Hand Kyriel hält und mit der anderen Nearah dabei hilft sich ihren kleinen Mantel und die Handschuhe, sowie den Schal, abzustreifen, als sich auch schon eine Bedienung an ihrem Tisch blicken lässt. TianShi weiß zwar gerade noch so, dass Halla wohl die oberste Magd von Borgil ist, aber wer genau sie nun von diesen halbgroßen Wesen ist, könnte sie nicht sagen. Der Erscheinung nach würde sie aber darauf schätzen, dass es nicht Halla ist, sondern noch eine recht unerfahrene Bedienung, da sie recht nervös wirkt. TianShi kommt gar nicht erst auf den Gedanken, dass es allein an ihr liegt und das sie wohl doch noch immer auf den ein oder anderen seltsam wirken mag.

„Wir hätten gerne dreimal heiße Schokolade für die Kleinen...“ Die Mogbar wackelt abgehackt mit dem Kopf zur Bestätigung und wendet sich dann an Koben und Rosentau, damit auch sie bestellen können. Nachdem alles geklärt ist und Rosentau noch einmal extra darauf hingewiesen hat, dass sie aber nur einen kleinen Becher braucht und nicht so einen großen wie die Menschen oder Elben kriegen, ist die Mogbar auch schon wieder verschwunden und sammelt noch von einigen anderen Tischen die Bestellungen ein. Core sowie Nearah sind mittlerweile aus ihren Mäntel und Schals heraus und bestaunen eifrig die Gäste in der Harfe, kichern wenn sie etwas lustiges sehen oder weisen Rosentau auf irgendwelche Dinge hin, die für sie scheinbar von besonderer Bedeutung sind. Etwa der Hund eines Mannes, der teilnahmslos unter dem Tisch liegt oder einem Adligen der extrem gestelzt durch die Harfe schreitet als sei er hier zum Schaulaufen. Auch Koben findet Gefallen daran und steckt tuschelnd immer wieder die Köpfe mit den beiden Kindern zusammen. TianShi hat sich derweil auch aus ihren Mantel geschält und befreit nun Kyriel von ihren tausend Schichten, die scheinbar nicht enden wollen und alle nach Amys und Marias Strickkünsten aussehen. Sämtliche Kleidung wird neben Nearah auf die Bank gelegt. Doch lange bleibt sie dort nicht liegen, denn das Mädchen schnappt sich die meisten Sachen, um sie unter ihren Hintern zu schieben, damit sie höher sitzt. Core findet dies prompt ungerecht und fängt zu stänkern an. Aber bevor sich einer von beiden richtig in das Geplänkel hineinsteigern kann, greift Koben kurzerhand zu seinem Mantel und reicht ihn Core. Natürlich werden vorher noch die Gewürze aus den Taschen geholt. Zufrieden trohnt Core nun auf seinem Platz und schaut erhobenen Hauptes über den Tisch. Kyriel wird indes auch immer munterer- angestiftet von dem vielen Gesprächen und Gewusel um sie herum- und klatscht mit ihren Patschehänden eifrig auf dem Tisch herum. Sie brabbelt auch einige Laute vor sich her, aber als Worte kann man sie noch nicht bezeichnen. Hin und wieder ist Amy zwar ganz verzückt und schwört auf die zwölf Götter, dass das Mädchen etwas gesagt hat, aber glauben tut ihr das so recht keiner.
Schneller als es der Harfenbetrieb eigentlich erlauben dürfte, befinden sich die bestellten Getränke auch auf ihrem Tisch. Weiß dampfend verspricht die Schokolade, dass sie sehr warm ist und so erlaubt TianShi den Kindern noch nicht davon zu trinken, denn allein das Anfassen des Bechers würde für die Kleinen zu heiß sein. Erst als sie keine Bedenken mehr hat, erlaubt sie Core und Nearah vorsichtig aus ihren Bechern zu trinken, hat aber ebenso wie Koben immer ein Auge auf die Kleinen, falls sie es doch nicht allein schaffen. Zufrieden und mit reichlich Schokolade um den Mund, stellen beide ihre Getränke wieder auf den Tisch und freuen sich über die wärmende Wirkung. Da sie nicht allzu schnell trinken, wird es eine Weile dauern, bis sie ihre Schokolade geleert haben, aber zwischenzeitlich hat TianShi wenigstens die Chance auf Kyriel etwas zu Trinken zu geben. Ihr weißes Gewand schreit förmlich danach bekleckert zu werden, aber es landet glücklicherweise kein einziger brauner Fleck auf dem Stoff.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 31. Dez. 2005, 18:05 Uhr
Ihr hochschwangerer Leib verbietet es ihr, sich irgendwie zu sehr zwischen den vollbesetzten Bänken, Tischen, Stühlen, Harfengästen und am Rad rotierenden Schankmaiden aufzuhalten, weswegen Borgil sie grösstenteils hinter die Bücher, oder aber hinter die Theke gebeten hat, dort wo er sie auch schnellsten wieder findet. Einige Tage sind seit dem Besuch bei Raven und Caewlin vergangen und der Langschnee hat sie eingeholt, mit sanften, weissen Flocken, kahlen Bäumen in denen bunte Lichter hängen, mit Mistelzweigen im Türrahmen und Immergrün an den Eingängen und an den Fenstern. Auch sie hat sich mit Halla daran gemacht, die Harfe ein wenig mit goldenen Feenfäden, frischen Tannenzweigen, Mistelkränzchen, gebundenen und verzierten Girlanden und allen möglichen Dingen zu schmücken, die ihnen noch eingefallen sind. Doch je näher der Tag der Geburt rückt, desto nervöser sind sie alle geworden und das Kind in ihr scheint auch überhaupt keine Ruhe geben zu wollen. Borgil schleicht zwischen den Stühlen umher, wie ein dicker Kater, der etwas verloren hat und gibt jeden Tag keine Ruhe, bevor sie ihm nicht sicherlich zig mal versichert hat, dass es ihr gut geht, das ihr nicht schlecht ist, dass sie alleine aufstehen kann, es ihr möglich ist ohne Hallas Hilfe den Abtritt zu benutzen und das er sich keine Sorgen um ihre Gesundheit machen muss, sondern viel eher um seine. Sie hat Borgil selten so nervös erlebt und wagt es nicht ihm zu sagen, dass ihr Rücken hin und wieder schmerzt, als sei eine Horde Kühe darüber hinweggedonnert, denn wahrscheinlich würde er sie sonst bis zum Tage der Geburt ans Bett fesseln, zusammen mit Halla, die sich um sie kümmern müsste und das will sie – möge Sil es bezeugen – nun wirklich keinem antun. So beisst sie lieber einmal die Zähne zusammen und beruhigt ihren Gatten. Die Arbeit in der Harfe geht dahin, durch den Aufbau der Stadt strömen neue Gesichter nach Talyra und es gibt jeden Tag irgendwelche sonderbaren, lustigen und hin und wieder auch ärgerlichen Vorkommnisse, nichts was jedoch von zu grosser Bedeutung wäre. Azra freut sich im Stillen so sehr, dass ihr manche Dinge überhaupt nicht mehr auffallen. Sie hat endlich das Kinderzimmer fertig gestellt – schlussendlich ist sie doch bei den gelben Vorhängen geblieben -, Dornenbeutel hat die Sammlung an Kinderkleider vorbeibringen lassen und einen halben Tag lang haben Borgil und Azra nichts besseres zu tun, als sich durch warme Deckchen, winzige Tuniken, süsse Häubchen und samtweiche Söckchen zu wühlen und es jedem, der sich auch nur auf fünf Schritt in ihre Nähe begibt, die ganzen Kleider auch mindestens dreimal unter die Nase zu halten. Azra ist vollkommen entzückt von den vielen Dingen, küsst Borgil dafür die Nase rot und bedankt sich sicher tausendmal bei ihm, ihn dabei in so tiefe Verlegenheit stürzend, dass er sein glühendes Gesicht gleich darauf in einem grossen Krug Feentau versenkt.

Doch der Tag der Geburt vergeht und obwohl sich das Kind noch immer munter regt, zeigt es nicht die geringste Lust aus ihrem Bauch zu kommen und je mehr Tage verstreichen, desto unruhiger werden sie beide. Borgil fragt sie aus, schleift die Amme beinahe an den Haaren noch einmal in die Harfe, die unter Borgils Protest, Gejammer und Gegrummel hindurch so ruhig wie möglich versucht zu erklären, dass so etwas passieren könnte, doch ihre Worte schaffen es nicht, ihre Nerven auch nur ein wenig zu beruhigen und Azra redet in stillen Momenten auf das Kind ein, als könne sie es dadurch bewegen, endlich heraus zu kommen. Sie schläft schlecht, schleicht des Nachts öfters durch die Harfe, ist unsicher und fahrig und sucht Borgils Nähe, als ob es das Einzige wäre, was sie noch von den Tränen abhalten könnte. So auch diesen Tag, als es draussen hübsch verschneit aussieht und die Harfe zum Brechen voll ist. Sie ist gerade dabei einige Becher zu putzen, als eine der Schankmaiden zu ihr huscht und sie leise fragt, wo denn Borgil sei. Suchend sieht sich Azra um, kann ihn jedoch in der Menge nicht erblicken und klatscht sich dann selbst gegen die Stirne, als ihr einfällt, dass er gerade dabei ist, neue Weinfässer aus dem Keller zu holen. „Ich mache das“, flüsterte sie der Schankmaid leise zu, mit einem vagen Lächeln auf den Lippen und streicht die Schürze über ihrem kugelrunden Bauch glatt. Die Gäste machen ihr, ohne dass sie gross etwas sagen muss, Platz, einige rücken sogar Stühle zur Seite und sie ist den Leuten äusserst dankbar. Aus den Augenwinkeln kann sie Halla erkennen, die wie ein Derwisch zwischen den Tischen hindurchtanzt, in jeder Hand drei Krüge und auch die anderen Bedienungen haben genug damit zu tun, es den Gästen Recht zu machen. Die Hände schützend vor dem Bauch gehalten, erreicht sie schliesslich den Gast, welcher nach dem Besitzer der Harfe gefragt hat und musterte ihn flüchtig. Vielleicht ein Händler? Oder gar ein Adeliger? Sie vermag es nicht wirklich abzuschätzen, denn irgendwie passen ihr Kleidung und Erscheinung nicht so zusammen, doch es stört sie auch nicht. Sie fühlt sich müde und ausgelaugt, lächelt trotzdem freundlich und nickt dem Fremden zu: „Seid gegrüsst in der Goldenen Harfe. Man sagte mir, ihr sucht den Besitzer der Harfe Borgil Blutaxt. Entschuldigt bitte, doch leider ist er gerade beschäftigt. Ich bin Azra, seine Frau. Wie kann ich euch behilflich sein?“ Das TianShi gerade die Harfe betritt, nimmt sie in diesem Moment nicht wahr, sonst wäre sie der weissen Dame wohl im nächsten Augenblick um den Hals gefallen und hätte sie gebeten, diesem Ungeborenen endlich zu sagen, es solle sich beeilen, da sein Vater sonst vor Angst, Sorge und Aufregung noch umkommen würde.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Galrin am 02. Jan. 2006, 22:58 Uhr
Den ganzen Tag lang hat Galrin mit sich selbst gehadert, hat nachgedacht, ob er zu Uumas Haus reiten und sie besuchen soll... und sich schließlich dafür entschieden. Das Julfest ist gekommen und wieder gegangen, und Uuma hat sich nicht wieder auf der Werft blicken lassen. Auch wenn der Normander ein wenig Angst vor der Antwort hat, hat er sich dazu entschlossen, die Frau, an die er sein Herz verloren hat, zu fragen, ob und wie sie sich entschieden hat.
Doch die kleine Stein- und Holzhütte am Bach, der durch Talyra fließt, steht leer, und keiner der Nachbarn, die Galrin befragt, scheint über Uumas Aufenthaltsort Bescheid zu wissen.

Wahrscheinlich ist sie in den Dunkelwald zurückgekehrt., denkt Galrin traurig, Das ist schon die zweite Frau, die mich verläßt, weil ihr ihre Freiheit wichtiger ist als ich.

Wütend spuckt der Schiffbauer aus, während er sein Pferd durch die verschneiten Straßen Talyras führt und soeben auf den Marktplatz einbiegt. Hie und da sind noch Tannen- und Fichtenzweige an den Häusern zu entdecken - Überbleibsel der Julfestdekoration, die so mancher an seinem Heim angebracht hat.

Aus der Goldenen Harfe klingt das Geklapper von Metkrügen, dringt der würzige Duft nach Gebratenem, und leuchtet das Licht von Öllampen und Kerzen. Dem Normander läuft. seinem Kummer über Uumas Verschwinden zum Trotz, das Wasser im Mund zusammen. So beschließt er, sein Pferd im Stall der Harfe unterzustellen und sich selbst in die Gaststube zu begeben.
Doch als der Schiffbauer seinen Rappen in den großen Stall der Goldenen Harfe führt, und ihn dort gerade einem Knecht übergeben will, reißt ihn der Anblick eines ganz bestimmten Pferdes aus seiner Mischung aus Hungergefühl und Appetitlosigkeit: Eines kleinen Pferdes mit langen, struppigen Haaren und einer noch längeren Mähne - Uumas kleiner Hengst!

Galrin hat das Tier kaum erblickt, da fährt er zu dem Pferdeknecht herum und packt ihn am Kragen. Der Blick des Schiffbauers hätte ausgereicht, um einen Narg in die Flucht zu schlagen, doch die eilends gefaßten Fluchtpläne des Knechtes werden durch den eisernen Griff an seiner Joppe zunichte gemacht.

"Du da, sag mir sofort, wie lange dieses Pferd schon hier steht!", grollt Galrin mit einer Stimme, die eher an das Brüllen eines zornigen Bären erinnert.
Im Gegensatz zu diesem drohenden Tonfall ist das Gestammle des Knechtes mit dem Quaken eines verschreckten Entenkükens vergleichbar: "Das.... das.... das Pferd da? Das steht seit.... aua.... seit zwei Tagen hier, Herr."
"Und wo ist seine Besitzerin? Wirst Du wohl das Maul aufreißen und mir antworten, wenn ich Dich etwas frage! Wo ist Uuma!?!"
"Sie.... aua.... sie ist hier gewesen und hat sich mit Halla unterhalten. Wann sie gegangen ist, weiß ich.... aua.... nicht!"

Mit einer beinahe wegwerfenden Handbewegung stößt der Normander den verängstigten Knecht von sich, so daß dieser sich unvermittelt (und glücklicherweise auch unverletzt) in einem Berg von trockenem Heu wiederfindet. Indes stürmt Galrin aus dem Stall, läßt den Rappen stehen, wo er ist und betritt eiligen Schrittes die Schankstube. Vergessen sind Hunger und Durst, vergessen die Tatsache, daß er eigentlich wütend sein müßte... nun ist er besorgt, hat sogar Angst um Uuma. Und einen Nordmann, der Angst um eine Person hat, die ihm am Herzen liegt, hält man nicht auf.

Es ist gar nicht so leicht, unter all den Mogbarbediensteten auf die Schnelle Halla auszumachen, doch der Schiffbauer gibt nicht auf. Als er schließlich vor der Ersten Magd des Zwergenwirtes steht, wendet er sich ohne lange Umschweife an sie:

"Seid gegrüßt, Halla. Man sagte mir, Ihr hättet vor wenigen Tagen mit Uuma gesprochen. Könnt Ihr mir sagen, wo ich sie finde?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Maus am 03. Jan. 2006, 20:31 Uhr
<-- Straßen der Stadt

Die übliche Mischung aus lärmenden Gegröle, Bratenduft und abgestandener Wärme strömt ihr entgegen, als sie die Tür der Schankstube öffnet. Einen Augenblick verharrt sie auf der Schwelle, während sich ihre zierlichen Nasenflügel witternd weiten. Ihre Augen huschen prüfend über die Gesichter der Anwesenden – manche bekannt – mache fremd – doch nur bei einem verweilt ihr Blick länger als einen Lidschlag. Dort am Tresen sieht sie Galrin Ragnarsson stehen – den Eigner sowohl der Windkind, als auch ihrer so schmerzlich vermissten Truhe mit Winterkleidung. Der Mann scheint in ein Gespräch mit der ersten Schankmagd der Harfe verwickelt zu sein und der gehetzt wirkende Ausdruck seiner Augen ist nicht zu übersehen. Maus beschließt, ihm einfach auszuweichen. „Dort herüber!“ sie weist zu einem freien Tisch ein wenig am Rande des großen Raumes, von dem aus man einen guten Überblick hat ohne selber im Mittelpunkt des Geschehens zu stehen. Dankbar lässt sie sich auf einen der blank gewetzten Holzstühle gleiten und wartet darauf, dass ihre Begleiterin ebenfalls Platz nimmt.

„Was darf ich Euch bringen?“ Eines der Mogbar-Schankmädchen hatte sich ihnen genähert „Würzwein für mich und …“ ein fragender Blick hinüber zu ihrer Begleiterin und auf deren leichten Nicken hin „…. für uns beide, bitte“. Am liebsten hätte sie ja zwei Eimer bestellt – einen für jeden verfroreren Fuß!

Dann wendet sie sich der schwarzhaarigen Frau zu und alles andere verblasst, als sie ihre Wahrnehmung auf die Frau fokussiert und sich auf die ihr eigenen Art und Weise auf dieses neue Ziel einstimmt. Nun, meine Schöne, was hast Du mir zu bieten? Das die Frau etwas zu verbergen hat ist offensichtlich – aber mal ehrlich - wer tut das nicht? Talyra scheint solcherlei Leute geradezu anzuziehen. Aber die wenigsten dieser so sorgfältig gehüteten Geheimnisse berühren irgendwie die Sicherheit Arduns – und sind damit für Maus interessant. Mit der Geduld eines Perlentauchers, der den weiten Ozean durchkämmt nach den wenigen Muscheln, die einen kostbaren Schatz in sich bergen, fischt auch sie in der Flut der Informationen nach den wenigen relevanten Details.

Die vor ihr sitzende Auster scheint indes ein besonders verschlossenes Exemplar zu sein – es würde nicht einfach werden, das richtige Werkzeug zum Öffnen zu finden. Durch Schmeichelei jedenfalls kommt sie hier bestimmt nicht weiter. Also entschließt Maus sich, ihr zum Auftakt mal ein wenig kräftiger auf die Schale zu klopfen.

„Nun – da Ihr offensichtlich nicht gewillt seid, mir Euren Namen zu verraten – vielleicht verratet ihr mir stattdessen was Euch zurück nach Talyra führt?“ fragt sie in leicht spöttischem Tonfall und ihre Augen blitzen vergnügt auf.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Theron am 04. Jan. 2006, 04:11 Uhr
Ein Lächeln huscht über das Gesicht des jungen Mannes, als er die Stimme der Frau vernimmt. Sein Blick haftet einen Moment lang an ihrem Gesicht – sie scheint von elfischer Abstammung zu sein, wenn er auch noch nie zuvor eine Elfe mit solchen Haaren gesehen hat. Dann bemerkt er ihren Bauch, der einer prall gefüllten Kugel ähnelt, und das Lächeln macht einem etwas belämmerten Gesichtsausdruck Platz, doch er fasst sich schnell genug.

Als Mann – besonders als Mann, der noch keine eigene Familie hat und noch nicht vielen schwangeren Frauen begegnet ist – weiß Theron nicht Recht, was er sagen soll, ob er ihr Glück wünschen oder lieber den Mund halten soll – die Scherze, die er so gerne macht, scheinen hier auf jeden Fall unangebracht - doch im selben Augenblick verbietet ihm die strenge Erziehung seiner Eltern, diese Unsicherheit zu zeigen. Es ist unhöflich.

„Setzt Euch doch bitte.“ Er weist mit einer Hand auf einen freien Stuhl. Jetzt gewinnt endgültig das gute Benehmen, das in den höheren Kreisen üblich ist, die Oberhand, auch wenn das Äußere des jungen Mannes nicht so ganz dazupasst. „Borgil Blutaxt ist ein Zwerg, nehme ich an?“ Er zieht eine Augenbraue hoch. Die einzigen, die solch eigenartige Namen haben, scheinen Zwerge zu sein. Er fragt sich immer, warum das so ist. Zwerge scheinen ein seltsames Volk zu sein, doch eines schätzt er an ihnen – die Liebe zum Alkohol, die bei ihnen weit verbreitet zu sein scheint. Sie sind in einigen Belangen durchaus verwandte Seelen. Nur – was macht ein Zwerg mit einer Frau wie dieser? Wie ist er wohl an sie gekommen?

„Nun ja, ich habe vor kurzem eine Weinhandlung eröffnet“, vertraut er ihr an. Seine Stimme hat jetzt einen charmanten, höflichen Tonfall, den man ihm eigentlich nicht so wirklich zutraut – er scheint eher zum Herumtreiber geeignet zu sein als zum großen Redner und Geschäftsmann – angenommen, und er wirkt sicher und von sich selbst überzeugt. Es scheint eine regelrechte Verwandlung vor sich gegangen zu sein. „Und ich habe mich gefragt, ob der Herr Blutaxt wohl einen Lieferanten braucht. Mir scheint, eine solche Partnerschaft könnte für beide Seiten von Nutzen sein. Glaubt Ihr, dass Euer Mann daran interessiert ist?“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 04. Jan. 2006, 12:50 Uhr
Der hochgewachsene Mann, der sie sogar im Sitzen noch beinahe überragt, mustert sie flüchtig und als sein Blick auf ihren Bauch fällt, huscht einen Augenblick Verwirrung über seine Züge, als wäre sie die erste schwangere Frau, welcher er auf Rohas weitem Rund jemals begegnet sei. Sie schmunzelt verhalten und ihre Augen streifen über seine Erscheinung. Weder das Hemd aus gutem Stoff, noch der dicke, wollene Umhang wollen irgendwie zusammen passen, ganz zu schweigen von seinem schulternlangen, braunen Haar, dass im Licht der flackernden Kerzen ein rotes Glimmen besitzt. Es sieht unordentlich aus, als hätte er am Morgen nie genug Zeit seine Bürste zu finden und diese auch einzusetzen. Sie schätzt ihm auf ungefähr 20 Lenzen, vielleicht ein wenig mehr, doch sicher ist sie sich nicht, denn in seinen Zügen streiten sich weiche Lippen mit schmalen, harten Zügen. „Setzt Euch doch bitte.“ Sie blickt überrascht auf, als er sie anspricht und im ersten Moment kommt es ihr vor, als hätte jemand anders einige Worte gegrollt, denn ebenso klingt es. Schliesslich nickt sie jedoch, kein undankbares Funkeln in den Augen und lässt sich mit einiger Mühe auf dem, ihr angebotenem Stuhl nieder, was sich zu einem wahren Kunststück entwickelt. Seit ihr Bauch sich vor einiger Zeit gesenkt hat, so dass es ihr möglich ist, ihre morgendliche Cofeatasse darauf abzustellen und damit Borgil zum Grinsen zu bringen, ist jede schnelle Bewegung und jedes Aufstehen so schwer geworden, als wolle sie auf einem Seil balancieren. Ihr Bauch ist ihr ständig und überall im Weg, ob nun bei Borgil, im Schankraum, auf dem Markt oder im eigenen Zimmer, irgendwo schafft er es immer, sich dazwischen zu drängen. So kämpft sie sich nun in die Höhe und lehnt sich zurück, die Hände vor ihrem Bauch verschränkend und den Fremden mit neugierig geneigtem Kopf anblickend. „Borgil Blutaxt ist ein Zwerg, nehme ich an?“ Sie ist einen Augenblick von der Frage leicht überrumpelt, sieht die Augenbraue des Gastes fragend in die Höhe wandern und kann im nächsten Augenblick ein leises Kichern nicht mehr unterdrücken, schluckt dann jedoch jedes weitere freundlich gemeinte Gelächter hinunter und nickt bestätigend: „Das nehmt ihr vollkommen zu Recht an Fremder. Mein Gatte und Besitzer der Harfe ist ein Zwerg.“ Zum einen glänzt der Mann mit überaus höflichem Benehmen, zum anderen scheint er doch nicht aus höheren Kreisen zu kommen, oder aber er will seinen Namen vorerst nicht verraten. Was auch immer es ist, sie wird es sicherlich noch herausfinden, aber vorerst lässt sie ihn weiterreden. „Nun ja, ich habe vor kurzem eine Weinhandlung eröffnet“, beginnt der Gast erneut und lächelt dabei so charmant, dass Azra sich beinahe sicher ist, dass er genau dieses Lächeln auch bei dem Schankmädchen gebraucht hat, dass jetzt in ihrer Nähe vorbeihuscht und dabei einen verstohlenen Blick in seine Richtung wirft.

Der Fremde selbst jedoch, fährt ungerührt weiter und trägt sein Anliegen vor, weswegen er wohl letztendlich in die Harfe gekommen ist. „Und ich habe mich gefragt, ob der Herr Blutaxt wohl einen Lieferanten braucht. Mir scheint, eine solche Partnerschaft könnte für beide Seiten von Nutzen sein. Glaubt Ihr, dass Euer Mann daran interessiert ist?“ Das musste wohl die Weinhandlung gegenüber dem Inaritempel sein, eines der Häuser, die den Angriff des Dämons unbeschadet überstanden haben und nicht neu aufgebaut werden mussten. Und augenscheinlich auch keines von Borgils Häuser, da sie den jungen Mann sonst sicherlich vorher bereits einmal in der Goldenen Harfe gesehen hätte. Sie zieht die Luft ein, lässt sie wieder entweichen und ein skeptischer Ausdruck schleicht sich auf ihr Gesicht. „Nun“, beginnt sie vorsichtig und fährt mit freundlicher Stimme fort: „Es könnte sein, dass er daran Interesse hegt.“ Dabei kehren ihre Gedanken zu dem Met- und Weinlieferanten zurück, der ihnen zu Herbstbeginn so viel Schwierigkeiten gemacht hat, oder, höflicher ausgedrückt, Borgil beinahe in den Wahnsinn getrieben hat und alle seine Schankmaiden, Knechte und letztendlich auch sie selbst. „Doch, vielleicht wäre es angebracht, ihr würdet mir zuerst euren Namen nennen“, fügt sie mit einem Schmunzeln hinzu und blickt sich schliesslich im Schankraum um, ob Borgil bereits irgendwo zu entdecken ist, doch noch immer fehlt von ihm jegliche Spur. Der Fremde nennt ihr seinen Namen und sie nickt: „Nun, ich werde sehen, was ich für euch tun kann Theron. Sobald mein Mann Zeit hat, wird er sich euch widmen. Trinkt doch derweil etwas Warmes, das Wetter soll heute nicht mehr besser werden.“ Sie erhebt sich ächzend von ihrem Stuhl, verschnauft kurz und beginnt sich dann einen Weg durch die Menge zu bahnen, sich vorkommend, wie eine zu fett geratene Melone, die man besser durch die Gegend kugeln könnte. Sie findet Borgil schliesslich hinter der Theke, wo er dem Fass grad den Zapfen verpasst und sich dann grollend einem Gast widmet, der röhrend nach Wein verlangt. Vorsichtig huscht Azra an seine Seite, legt eine Hand auf seinen Arm und meint mit einem Nicken in Therons Richtung: „Dort hinten sitzt ein junger Mann, welcher dich gerne sprechen würde. Er scheint der neue Besitzer der Weinhandlung gegenüber dem Inaritempel zu sein und ist daran interessiert, mit dir zu verhandeln. Ich dachte, es könnte dich interessieren, da der letzte Lieferant doch so Schwierigkeiten gemacht hat.“ Sie lächelt ihn sanft an und nimmt ihm dann den Krug aus den Händen, den er gerade füllen will: „Ich mach das hier schon.“ Im nächsten Augenblick hat er das Trinkgefäss jedoch schon wieder aus ihren Händen genommen und brummt mit einem breiten Grinsen in seinen roten Bart hinein: "Nana, du schaffst das schon. Ich habe noch mit den Fässern zu tun. Denk einfach daran, was ich dir über die Weine gesagt habe und was zu beachten ist und ein neuer Lieferant, so nah, das wäre nicht schlecht." Sie kann noch nicht einmal den Mund zum Protest aufmachen, da hat er ihr schon einen zärtlichen Kuss auf die Stirne gedrückt und zwängt sich zwischen Grid und dem Küchentürrahmen hindurch, um gleich darauf schnaufend im Keller zu verschwinden. Azra steht für einen Moment völlig perplex da, blinzelt dann und schnappt nach Luft.

"ICH soll das machen?", stammelt sie und ihr wird heiss und kalt zugleich, als sie sich langsam, wie ein Tier, das um eine Falle schleicht, wieder zurück an den Tisch begiebt, wo Theron noch stets wartet und vor ihm ein Krug heissen Mets, was genau das richtige ist, für dieses kalte Wetter. Mit einem halben Lächeln klettert sie wieder auf den Stuhl und verschlingt ihre Finger ineinander, mit einem Male sehr nervös. "Nun", beginnt sie fahrig, versucht ihre Schultern zu recken und merkt, dass ihr Bauch sie nach unten zieht. "Nun, er ist noch immer beschäftigt, daher werde ich mich mit eurem Anliegen befassen." Ist das richtig gewesen? Sie weiss es nicht und jedes Wort kommt ihr irgendwie falsch vor. Leicht verunsichert streicht sie sich eine imaginäre Strähne aus dem Gesicht und wenn ihre bereits weisse Haut noch bleicher werden kann, dann tut sie es jetzt. "Ich... ihr müsst mich entschuldigen, es ist das erste Mal, dass ich ein solches Geschäft führe, also bitte... zieht mich nicht über den Tisch." Sie gestikuliert vage, lässt ihre Hände dann wieder in ihren Schoss sinken und linst zur Theke hinüber, ob Borgil nicht vielleicht doch Zeit hätte, doch kein feuerroter Haarschopf taucht auf und beruhigt damit ihr wild pochendes Herz. "Also", fährt sie fort und wendet sich wieder Theron zu: "Wo war ich stehen geblieben? Achja. Also: Er, mein Mann, wäre sehr an diesem Geschäft interessiert, da der letzte Lieferant seinen Wünschen nicht mehr entsprechen kann. Ich habe gehört euer Geschäft hätte grossen Anklang gefunden, wohl besonders auch bei denjenigen, die den Tempel der Göttin besuchen." Dabei huscht ein schalkhaftes Funkeln durch ihre farblosen Augen und sie kann sich bildlich ausmalen, wie sich die Männer Mut antrinken, um der Göttin zu huldigen, oder was man auch immer in diesem Tempel unter beten verstehen mag. Sogleich fährt sie fort, um nicht zu lange inne zu halten: "Was habt ihr denn für Weine in eurem Lager? Würzweine, der Rote und der Weisse aus den Ostlanden, Vînnar, die Weissen Weine aus Fa'Sheel und der Feuerwein sind mehr oder minder Standart, aber auch Bernsteinwein wäre gut. Sommerwein solltet ihr ebenfalls zur Verfügung haben und wenn es geht, Borgil würde sich freuen, dann einmal im Jahr zum Inarifest den Inariwein, doch nur, wenn ihr ihn zu einem passablen Preis erhalten könnt. Ebenso den Rubinenwein zum Sommerfest." Sie zählt noch weitere Weine auf, nennt hie und da Daten, an welchen sie geliefert werden müssen, erzählt ihm, wieviel von was und wohin damit, weist ihn auch darauf hin, dass es hin und wieder zu plötzlichen Anfragen kommen kann, besonders im Sommer und im Frühling und das es Borgil überhaupt nicht gerne hat, wenn der Wein zu spät oder gar nicht kommt. "Nun, wenn ihr sicher seid, diese Erwartungen zu erfüllen, dann können wir über Preise reden."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Cadin am 04. Jan. 2006, 14:05 Uhr
Sie ist beinah versucht der anderen einen ordentlichen Schubs zu geben, als diese auf der Schwelle stehen bleibt.
Jetzt, wo ihnen Wärme und Erholung bevorstehen, werden ihre Beine immer schwerer. Als ihre Vorgängerin die Gesichter der Anwesenden überprüft hat, betritt Cadin hinter ihr endlich auch die Schankstube. Sie schenkt nur jenen einen zweiten Blick, die auch schon vorher eingehender gemustert worden sind - lauter Fremde.
Kurz nachdem Kilara einen freien Tisch am Rande gefunden und Platz genommen hat, streckt auch Cadin schon ihre müde Füße aus und lehnt sich zurück.  
Es ist einiges an Beherrschung nötig um den von der Magd gebrachten Würzwein nicht gleich mit einem Zug hinunter zu stürzen.

Der Wein schmeckt - und wärmt ihren leeren Magen. Bei einem kurzen Griff in die Taschen ihres Umhanges wird klar, dass sie sich kein Abendessen leisten kann. Es sind gerade noch genügend Münzen über, um eventuell einen zweiten Wein zu bestellen.
Es wird Zeit, dass ich zu Dancy komme und mein restliches Geld abhole. Und die verfluchten Papiere...
Ein stilles Seufzen gilt ihren eigenen, lästigen Gedanken und ihr Blick wandert durch den Raum, ohne dass sie viel wahrnimmt. Verflucht, nur einen Augenblick Ruhe!

>"Nun - da Ihr offensichtlich nicht gewillt seid, mir Euren Namen zu verraten - vielleicht verratet ihr mir stattdessen was Euch zurück nach Talyra führt?"<

Man holt sie unbarmherzig aus ihren Gedanken zurück in die Gegenwart - sie blinzelt und wendet sich wieder ihrem Gegenüber zu. Kilara klingt nicht ungeduldig, eher ein wenig angriffslustig. Cadin hebt eine Augenbraue; Hatte sie sich nicht schon vorgestellt? Ach nein - dass war schon in TianAnmen, und da war Madame nicht mehr bei ihnen gewesen.

"Meinen Namen könnt ihr haben; Cadin heiße ich."

Es macht keinen Unterschied, ob sie ihren Namen nennt oder nicht - trotz aller Vorsicht. Jene, die sie suchen mochten, kann sie nicht mit ein paar falschen Namen abschütteln, höchstens verwirren. Ihre äußerliche Ähnlichkeit mit ihrem Vater ist groß - was für eine Ironie - und sie ist für alle, die wissen wen sie suchen müssen, ein bunter Hund.  
Außerdem ist sie in den seltensten Fällen eine gute Lügnerin... dafür kann sie die Wahrheit meisterhaft umschreiben und umgehen. Nein, es bedarf anderer Wege, damit sie sich selbst in Sicherheit weiß; Einer davon ist die Flucht.

"Vor allem die Kälte!
Aber ich dachte wir sind hergekommen damit ihr mir meine Frage beantworten könnt. Wie ist es euch ergangen?
Sagt mir wenigstens was euch davon abgehalten hat nach... TianAnmen zu gehen und was in den Tagen nach dem Kampf passiert ist."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 04. Jan. 2006, 18:21 Uhr
Halla hatte das kleine Geplänkel um Uuma und den komischen Kerl schon fast vergessen gehabt, weil die Harfe Dank oder Trotz des schlechten Wetters jeden Tag gut gefüllt ist. Auch heute ist die Harfe durchaus gut gefüllt, an einem Tisch sitzt eine dunkelhaarige Frau mit leicht schräg stehenden Augen und einem sehr blassen Gesicht, die sich mit einer ebenfalls schwarzhaarigen Frau unterhält, deren weisse Strähnen im Haar allerdings aus dieser dunklen Pracht hervorstechen. Azra redet mit einem Gast, aber Halla kann nicht verstehen um was es geht, und eigentlich hat sie es auch nichts anzugehen, aber Halla ist immer sehr neugierig und wüsste schon gern was da grade so besprochen wird. Dann wird sie allerdings von einem Bauch aus ihren Gedanken gerissen, der sich plötzlich vor ihr aufbaut, und dessen Bauchdecke sich schnell hebt und senkt, so als wäre derjenige, zu dem dieser Bauch gehört, ausser Atem.

Noch ehe Halla ihren Blick heben kann und sich genauer betrachten kann zu wem nun dieser Bauch gehört, klingt schon eine Stimme zu ihr durch, die keinen Zweifel daran lässt, dass sie eine schnellstmögliche Antwort auf die gerade gestellte Frage haben möchte.<<Seid gegrüßt, Halla. Man sagte mir, Ihr hättet vor wenigen Tagen mit Uuma gesprochen. Könnt Ihr mir sagen, wo ich sie finde?>> Schon bevor Hallas Blick das Gesicht des Nordmannes erreicht hat, weiss sie, dass es der Schiffsbauer Galrin ist, der da vor ihr steht. Die Stimme ist ihr bekannt und das Galrin auch irgendetwas mit der kleinen Wilden zu tun hat, weiss sie ja von Uuma selbst. Das Uuma allerdings verschwunden zu sein scheint oder zumindest nicht mehr zu dem Schiffsbauer zurück gekehrt ist, scheint klar zu sein, sonst würde er kaum fragen.

"Seid mir auch gegrüßt Galrin." Der Nordmann scheint ziemlich aufgebracht zu sein, dass sieht man deutlich an seinem Gesicht und wohl auch sehr ungeduldig, aber das kann Halla jetzt nicht ändern. Ihr Tablett steht voll mit hoch gefüllten Krügen mit warmem Met, den die Zwerge hinten am Tisch bestellt hatten, und die sind erstmal wichtiger, denn wenn die nicht bald ihren Nachschub bekommen, werden die Zwerge wohl ungemütlich werden. "Holt erstmal ein wenig Luft Galrin, ich bringe eben die Bestellung weg und dann erzähle ich euch, was ich weiss." Ohne eine Antwort abzuwarten, eilt Halla zu dem Tisch der Zwerge, wo sie mit lautem Grölen empfangen wird, uns sie aufpassen muss, dass ihr die Zwerge, die Krüge nicht vom Tablett reissen. Dann kehrt sie zu dem Nordmann zurück, stellt das leere Tablett auf den Tresen und blickt zu dem für eine Mogbar halben Riesen hoch.

"Ihr habt recht, ich habe vor einigen Tagen mit Uuma geredet, sie schien ein wenig durcheinander zu sein und erzählte etwas davon, dass sie eine Entscheidung treffen müsste. Wir haben nicht lange geredet, weil sie immer wieder zu einem komischen Kerl gesehen hat, der eher in die schwarze Orchidee gepasst hätte, als hier in die Harfe. Dem Kerl fehlte ein Stück vom kleinen Finger und als Uuma dies entdeckt hat, ist sie aufgesprungen und aus der Harfe gegangen. Der Kerl hat noch einen Moment gewartet, seinen Krug leer getrunken, die Münzen auf den Tisch gelegt und ist dann auch verschwunden. Seitdem habe ich Uuma nicht mehr gesehen. Das ihr Pferd noch hier im Stall steht, erschien uns zwar etwas komisch, aber wir haben auch nicht weiter darüber nachgedacht, ihr seht ja selber, was hier los ist, da bleibt nicht viel Zeit für Grübeleien. Ich hoffe ich konnte euch helfen, aber wo Uuma jetzt ist, weiss ich auch nicht." Jetzt wo Halla es selbst noch einmal erzählt, kommt ihr die ganze Geschichte auch sehr komisch vor, besonders das Uumas Pferd noch hier in der Harfe steht, aber mehr helfen kann sie Galrin auch nicht.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Galrin am 04. Jan. 2006, 22:29 Uhr
Die Antwort Hallas trifft Galrin wie ein Schmiedehammer. Hätte die oberste Magd der "Goldenen Harfe" dem Normander erklärt, der Zwerg Borgil habe einen gewissen Gnom namens Ukko auf ein Fäßchen Bier in die Harfe eingeladen und mit ihm Brüderschaft getrunken, wäre das Erstaunen des Schiffbauers kaum größer ausgefallen.

Die Schmuggler von der Rubinküste!

Die Beschreibung des Mannes, die die Mogbar dem Schiffbauer aus Dirholmar liefert, bringt so einige Räder in dem Verstand des Normanders ins Rollen, und die Erinnerung durchzuckt ihn wie ein Blitzschlag bei einem Sommergewitter. Ein Kauffahrer aus Naggothyr hatte im vergangenen Jahr seine Kogge bei Galrin ausbessern lassen, bevor er sich auf den langen Weg über den Ildorel und den großen Fluß ins Südmeer gemacht hatte. Dabei hatte der Patrizier dem Nordmann berichtet, vor kurzem sei in den Küstengewässern vor Talyra ein Schmuggler- oder gar Piratenschiff aufgebracht worden. Jeder der Männer und Frauen an Bord habe als Zeichen der Zugehörigkeit zu diesem Gesindel einen kleinen Finger einbüßen müssen.

"Ein Mann, dem ein kleiner Finger fehlt, sagt Ihr? Und das war eine Gestalt, die eher in die Unterstadt gepaßt hätte? Was, bei Vendis' Atem, Amurs Blut und Inaris Augen, hat Uuma mit Schmugglern zu schaffen?", schnappt der Schiffbauer.

Bedauernd zuckt Halla mit den Schultern. Auch sie kann sich nicht erklären, welches Interesse solcherlei Gesindel an der freundliche und liebenswerten Jägerin haben könnte.
Doch bevor sie ihrem Bedauern über diesen Umstand Ausdruck verleihen kann, winkt der Normander schon ab: "Egal, was diese Figuren vorhaben. Ich werde jedenfalls nicht zulassen, daß irgendein Abschaum Hand an Uuma legt. Ich danke Euch für Eure Auskünfte. Auf bald, Halla. Und grüßt mir den Herrn Borgil und seine Frau, wenn Ihr ihrer habhaft werdet."

Mit diesen Worten wendet sich Galrin um und eilt raschen Schrittes zur Eingangstür. Aus dem Augenwinkel heraus bemerkt er zwei schwarzhaarige Frauen, die sich zusammen an eine etwas dunkle Stelle des Schankraumes setzen. Und trotz der Eile, die Galrin erfüllt, kann er ein grimmiges Lächeln nicht ganz verbergen.
Nun, Kilara, oder wie auch immer Ihr heißt... Habt Ihr Euch schon ein neues Opfer zum Spionieren herausgesucht?, denkt der Normander verächtlich, Oder sucht ihr wieder nach neuen Komplizen für Eure Machenschaften? Kommt nur nicht auf die Idee, mir abermals eine Laus in den Pelz zu setzen. Aber dazu seid Ihr wahrscheinlich zu klug.

Draußen im Stall hat sich der Pferdeknecht inzwischen wieder aufgerappelt und läßt seinem Unmut über den ungehobelten Normander freien Lauf. Der Rappe Galrins muß sich einige Verwünschungen über seinen Herrn anhören, nimmt die verbalen Breitseiten des Knechtes aber mit stoischer Gelassenheit hin.
>>Und ich sage Dir, wenn ich nur einen Stock gehabt hätte, einen tüchtigen Prügel, dann hätte ich Deinem Herrn, dem vermaledeiten Nordmann, schon gezeigt, was eine Harke ist.<<, tönt der Junge wütend, und schlägt dabei seine rechte Faust in die Handfläche seiner linken Hand.
"Da bin ich aber gespannt, Kleiner.", knurrt eine Stimme hinter ihm, die dem Pferdeknecht beinahe das Blut in den Adern gerinnen läßt. Der Schiffbauer, den er soeben über die sieben Berge und noch viel weiter gewünscht hat, steht in voller Lebensgröße kaum fünf Schritt hinter ihm, und sein Gesicht zeigt eine Mimik, die nichts Gutes verheißt. "Jetzt hör auf, mein Pferd derart anzuschnauzen, nimm das Silberstück da und pack Dich!"

Der Knabe weiß gar nicht recht, wie ihm geschieht, als ihm der Nordmann einen ganzen Silbertaler in die Hand drückt und anschließend den Rappen ins Freie führt. Behende schwingt sich Galrin in den Sattel und prescht die Straße entlang hinunter zum Hafen, um etwas über den Verbleib des Schmugglers - und somit, wie er vermutet, auch Uumas - in Erfahrung zu bringen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Rosentau am 06. Jan. 2006, 03:28 Uhr
Rosentau reckt neugierig den Kopf und flattert von Kobens Schulter in die Lüfte, bis sie sich über TianShi befindet, die die kleine Gruppe anführt. Die Wärme lässt die Wangen der Fee rot glühen, während sie interessiert die Gäste der Harfe und die umherhuschenden Mogbars in Augenschein nimmt. Sie erkennt den Zwerg wieder, den sie an ihrem ersten Tag im TianAmnen schon einmal gesehen hat, inzwischen weiß sie, dass er der Wirt der Harfe ist. Das erklärt, warum er auf Rosentau so wirkte, als hätte er eine Menge Durchsetzungsvermögen, denn es braucht sicherlich einiges um Herr dieses Gedränges zu sein. Die Fee schnuppert ein paar Mal, der Rauchgeruch ist ihr etwas unangenehm, dafür schmeicheln die Essensdüfte der Nase umso mehr, obgleich dem kleinen Wesen nach der Pampelmuse der Sinn nun wirklich nicht mehr nach Nahrung steht. Langsam beginnt die Wärme sich in ihrem Körper auszubreiten, woraufhin sie ihren Mantel geschickt im Flug abstreift und ihn in die Hände nimmt. Unterdessen hat Koben einen freien Tisch entdeckt, auf den er mit einer Hand zeigt. Ein wenig schuldbewusst schaut die Fee, als ihr Blick auf die Flecken auf seiner Schulter fällt, aber da schiebt sich die Gruppe auch schon zu dem Tisch, nahe an einem der Fenster. Die Kinder wollen Rosentau neben sich auf der Bank haben, und erst, nachdem sie ihnen gezeigt hat, dass sie von dort aus nun wirklich nichts sehen kann, darf sie einen Platz auf dem Tisch einnehmen. Nur zur Sicherheit, denkt sie, mit neuerlichem Blick auf Kobens Schulter, sicherlich mag er nicht auch noch Schokoladentupfer da haben. Unterdessen verstaut TianShi die Einkäufe auf der Bank, ebenso wie Mäntel, Mützen, Schals, und alles, worin Amy und Maria die Rasselbande sonst noch eingepackt haben. Es dauert auch nicht lange bis eine der Mogbar an den Tisch kommt, um ihre Bestellung aufzunehmen. Die kleine Fee ist sich zwar sicher, dass die Bedienung weiß, dass ein Großlingsbecher zu groß für sie wäre, aber sie weist, vorsichtshalber, noch einmal darauf hin. Auch wenn die Mogbar kleiner sind als die Großlinge, wahrscheinlich neigen sie trotzdem dazu, ihre Maßstäbe an die Welt zu legen. Core und Nearah beginnen, nachdem sie aus den Mänteln gepellt sind, um die Aufmerksamkeit der beiden Erwachsenen und der Fee zu ringen, wer wohl das Interessanteste entdeckt, und flüstern sich gegenseitig kichernd Dinge zu. Und Koben beteiligt sich nach einer Weile tatsächlich am Getuschel über die anderen Gäste, besonders der Adelige, der aussieht, als hätte er einen Stock verschluckt, sorgt für heiteres Gekicher. Als allerdings Nearah sich den Haufen Kleidung als Sitzkissen nimmt und somit ein ganzes Stück höher sitzt als Core scheint sich ein Streit anzubahnen, den Koben den Göttern sei Dank schon im Vorfeld zum Erliegen bringt, indem er seinen Mantel zusammenrollt und Core daraufsetzt.
Überraschend schnell stehen die dampfenden Becher mit heisser Schokolade auf dem Tisch, für Rosentau hat man irgendwo eine kleine Schale aufgetrieben. Begierig warten Core und Nearah darauf, dass TianShi endlich der Meinung ist, das süße Getränk sei nun genug abgekühlt. Die Fee ist erstaunt, als es der Seharim gelingt, Kyriel etwas von der Schokolade einzuflössen ohne dabei bekleckert zu werden. Sie selbst nippt vorsichtig an ihrem Fingerhut, und irgendetwas an ihrem Anblick belustigt Koben und die beiden Kinder, denn alle drei beginnen zu kichern, da die Schale mit der Schokolade in den Händen der Fee mehr wie eine ganze Suppenschüssel wirkt. Zudem hat sie einen kleinen braunen "Bart" als sie die Schale wieder absetzt. Breit grinsend schaut sie zu Koben. "He, jetzt musst du mir dein Rasierzeug leihen!" Nur wenige Momente später hat sie ihren Milchbart mit dem zierlichen Handrücken weggewischt - und dabei festgestellt, dass sie die Schale besser mit beiden Händen hält, fast wäre sie ihr entglitten, und etwas von dem Getränk ist übergeschwappt. Koben ist sicher froh, dass sie auf dem Tisch sitzt und nicht auch noch sein Hemd mit farbenfrohen Flecken verziert.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Maus am 06. Jan. 2006, 18:09 Uhr
Die Auster, von der sie nun weiß, dass sie Cadin heißt, lässt sich von dem plumpen Vorstoß erwartungsgemäß nicht beirren und setzt zum Gegenschlag an. >Sagt mir wenigstens was euch davon abgehalten hat nach... TianAnmen zu gehen und was in den Tagen nach dem Kampf passiert ist.<

Maus ist durchaus gewillt, eine umfassende Antwort auf diese Frage zu geben - das war irgendwie ja auch unvermeidbar. Mit einem leisen Lächeln lehnt sie sich in ihrem Stuhl zurück. „Die Sache in TianAmen - Ja, ich denke es war wirklich ziemlich unverantwortlich von Euch, mich so einfach gehen zu lassen, in diesem verwirrten Zustand und schwerverletzt wie ich war.“ Sie schüttelt missbilligend den Kopf -  dann seufzt sie auf. „Aber ich schätze, wir waren in dieser Nacht alle ein wenig überfordert ….. und immerhin habe ich es überlebt. Ein paar Männer von der Stadtgarde haben mich irgendwann gefunden, als ich auf den Straßen umherirrte. Ich habe wirklich Glück gehabt!“ Sie grinst spitzbübisch. „Ihr seht, ich bin Euch nicht länger böse deswegen.“ Und, frisst Du das?

In diesem Moment stolziert Galrin Ragnarsson an ihrem Tisch vorbei und wirft ihr einen grimmigen Blick zu. Maus ist versucht, sich ein paar klitzekleine unfreundliche Gedanken über diesen sturen, uneinsichtigen Nordmann zu machen  - dann sieht sie hinter der unnachgiebigen Maske so etwas wie Kummer, vielleicht sogar Schmerz. Der Verlust seiner Frau muss in furchtbar mitgenommenen haben! denkt sie betroffen. Dann ist der Mann vorbei und sie wendet sich wieder der Frau ihr gegenüber zu

Sie winkt einem der Schankmädchen, um neuen Würzwein für sich und Cadin zu ordern. Dann streckt sie mit einem wohligen Brummeln ihre Füße unter den Tisch aus. Sie nippt an ihrem Krug, lässt den Geschmack nach Zimt und Nelke auf der Zunge vergehen.

„Hach – der Wein hier ist wirklich gut! Ich sollte das eigentlich nicht sagen, der stammt nämlich nicht aus unseren Handel – aber ….. es ist die reine Wahrheit.“ erklärt sie mit einem leichten Augenzwinkern. Über irgendwas muss man sich schließlich unterhalten und Maus ist durchaus bereit einen Anfang zu machen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Cadin am 06. Jan. 2006, 20:39 Uhr
>Und, frisst du das?< Selbst wenn Cadin diese Aussage über Kilaras psychische und physische Verfassung zu jener Zeit und ihre eigene Schuld daran "fressen" würde (ihrer Miene ist leider keine Antwort abzulesen); Gedanken macht sie sich darüber nicht.
Im Pfirsich hat sie empfindlich auf die vielen Verletzten reagiert, vor allem, weil ihr die eigene, aufgezwungene Untätigkeit zuwider war. Wie sagt man so schön? "Die Götter geben denen Brot, die keine Zähne haben." oder zumindest so ähnlich. Mit anderen Worten; Was brachte ihr und anderen die Gabe der Magie, wenn sie mit dieser in solchen Fällen nichts ausrichten konnte.
Gerade wegen dieser, für sie typischen, Unruhe hat sie die Gruppe um Kilara überhaupt erst begleitet - und schon wären wir wieder bei dem Ereignis vor den "Toren" TianAnmens.
Langsam Kilara, nährst du mein Misstrauen um deine Person selbst.
Dennoch nimmt sie dankbar den zweiten Becher entgegen. Auch auf die Gefahr hin, dass sie nicht eingeladen ist oder ihre Gesprächspartnerin versuchen sollte sie "abzufüllen"; Genug Geld für diesen einen Krug hat sie noch, schmecken tut es ja und noch wird ihr der Kopf nicht schwer oder gar leicht, was bei ihr meistens an Anzeichen für die Wirkung des Alkohols ist. Das einzige was ihr Sorgen macht ist die Wirkung des Weins auf ihren leeren Magen.

"Umfassend" ist ihre Antwort nun nicht gerade, nein. Alles was daraus zu entnehmen ist, ist eine Portion Selbstmitleid. >"Immerhin hab ich es überlebt"< Oh ja, immerhin.
Was viel tiefer trifft, als Kilara es vielleicht beabsichtigt hat, ist das >"überfordert"<. Aber nun gut, dass kann man schlucken. Vorerst.
Jetzt, wo ihre Beine sie nicht mehr tragen, und die Arme nur dann und wann den Krug heben müssen, die warme, stickige Luft sie einhüllt und der Lärm der vielen Menschen im Raum in ihr Ohr dringt, hat die Müdigkeit sie fürs erste verlassen. Das Ziel ihrer Aufmerksamkeit ist jetzt ihre Begleiterin und eine Weile sitzt man sich lauernd gegenüber; zwei streunende Katzen, die sich irgendwo begegnen, und noch nicht wissen, ob man sich am besten gegenseitig die Augen auskratzt, sich aus dem Weg oder gemeinsam auf Mäusejagd gehen soll.
Zumindest Cadin geht es so, die weitaus angespannter als Kilara und auch um einiges erschöpfter wirkt.

>"Hach – der Wein hier ist wirklich gut! Ich sollte das eigentlich nicht sagen, der stammt nämlich nicht aus unseren Handel – aber ….. es ist die reine Wahrheit."<

Die Arme leicht verschränkt, den Rücken durchgestreckt und den schweren Umhang noch immer auf den Schultern, belässt sie es für einige Augenblicke bei einem schwachen Lächeln. Nach einem weiterem Zug stimmt sie zu.

"Er lässt sich trinken. Ihr handelt mit Wein?"

Eine Frage, die der Höflichkeit halber gestellt werden muss - und die Kilara sicher erwartet. Man muss sich ja irgendwie unterhalten, nicht?

"Nun, eure Geschichte war nicht besonders gut. Ward ihr die Tage danach in TianAnmen und habt das Mädchen oder den Jungen gesehen?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Maus am 09. Jan. 2006, 22:07 Uhr
Maus verliert so langsam die Lust an dem Spiel. Zeit ist eine Investition die sich auch irgendwie bezahlt machen muss – für die Gunst ihrer uneingeschränkten Aufmerksamkeit bezahlt man für gewöhnlich mit Informationen – diese Cadin jedoch denkt nicht daran, ihr auch nur das mindeste diesbezüglich anzubieten. Nein stattdessen sitzt die Frau da, als habe sie einen Stock verschluckt und quittiert jedes Wort, jede Regung ihrerseits mit einem irgendwie bockigen Gesichtsausdruck.

Oh ja – Maus kennt diesen Blick – für gewöhnlich trägt auch sie ihn zu Schau – und zwar wenn sie gerade mit auf den Rücken gefesselten Händen einem Pulk angesäuert wirkender Gesetzeshüter gegenübersteht, die sie mit den drei berühmten Fragen traktieren:

Wer bist Du?
Was suchst Du hier?
Und wie in Dreiteufelsnamen bist Du überhaupt hier rein gekommen?

Es ist eine Art roter Faden in ihrem Leben – irgendwie haben ihre Aufträge die latente Neigung, auf diese Weise zu enden. Aber trägt man so einen Blick in einem gemütlichen Gasthof bei einem Krug vortrefflichen Würzwein?

Also was treibt diese Cadin nun wirklich, sich so zu geben, als könnte jede noch so kleine Auskunft über ihre Person  – ob nun wahr oder erfunden, eine Katastrophe auslösen? Man sollte meinen, jemand der wirklich etwas zu verbergen hat, tut gut daran, sich nicht gar so auffällig unauffällig zu verhalten? Oder will sie sich mit dieser Geheimnistuerei nur interessant machen – in dem Fall ist es reine Verschwendung mit ihr hier zu sitzen und sich im Schalenknacken zu versuchen.

Oder liegt es gar nicht an dem eingefleischten Misstrauen der jungen Frau – und sie ist einfach nur viel zu müde und erschöpft, um ein Gespräch in Gang zu halten. Maus schnauft resignierend in ihr Glas, denn eigentlich ist dies eine müßige Frage, wenn es im Ergebnis doch auf das gleiche herauskommt. Na ja – immerhin sind ihre Füße jetzt halbwegs aufgetaut und in ihrem Magen hat sich ein warmes Glühen eingenistet, hervorgerufen durch den heißen Wein.

„Den anderen geht es gut.“ antwortet sie knapp, um dann einen letzten Vorstoß zu machen, eine Unterhaltung zu starten. „Und ja, ich arbeite im Weinhandel meines Onkels. Aber eigentlich bin ich Schreiberin.“ Hatte sie das richtig gesehen, war da ein kleines Zucken in den Mundwinkeln der Auster zu sehen? Maus setzt ein freundlich unverbindliches Lächeln auf „Also wenn ich Euch irgendwie behilflich sein kann, sagt es nur.“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Cadin am 14. Jan. 2006, 19:15 Uhr
Schreiberin? Auch wenn Cadin ehrlich überrascht ist – das neue Thema ihrer Unterhaltung ist gefunden. Draußen schwindet auch der letzte Rest Tageslicht, und im Schankraum wird es immer lauter und enger.
Die Grauäugige bemerkt ihr Interesse und erzählt ein wenig, während ihre erschöpfte Gesprächspartnerin nur ab und an nickt, lächelt oder eine kurze Antwort gibt. Ihr ist es nur recht, dass hauptsächlich Kilara redet, denn Cadin selbst ist viel zu müde um große Reden zu schwingen.
Das nicht schwindenwollende Misstrauen Cadins geht nicht nur auf die ihr angewohnte Vorsicht zurück, sondern auch auf das für sie unbegründete Interesse und die plötzliche Freundlichkeit Kilaras, während Kilara sie wahrscheinlich für verstockt und langweilig hält. Jedem seine Ansichten.

Aber was würde Cadin jetzt für eine alte, geschwätzige, gleichgültige Fremde geben, die sie einfach mit Neuigkeiten überschwemmt und nicht nachfragt!
Die andere neigt anscheinend nicht zu "redseligen Ausbrüchen", dennoch schmückt sie ihre Sätze reichlich aus und Cadin ist sich nicht sicher, ob sie Kilara alles glauben soll, was sie erzählt.

Der Themenwechsel belebt die Unterhaltung kurze Zeit, und Cadin berichtet ihr ein wenig von einem Bekannten aus Immerfrost, der mit Büchern und ähnlichen Dingen handelt und ebenfalls als Schreiber arbeitet. Einen Moment glaubt sie, dass Kilara überrascht aufhorcht, aber selbst wenn - Cadins Besorgnis darüber schwindet rasch.
Sie hatte keinen Namen genannt. Und... sieht sie selbst nicht eher wie eine Südländerin aus?
Kilara fragt nach und Cadin sagt ihr, dass sie schon weit herumgekommen sei. Quasi von einem Ende der Immerlande zum anderen.
Die Unterhaltung stockt an diesem Punkt erneut, und sie trinken eine Weile schweigend von ihrem Wein.

Kurz darauf verlässt Cadin die Harfe – Kilara hat gezahlt und beide haben sich kurz angebunden verabschiedet. Woher sie bloß das Geld nimmt, einfach jemanden einladen zu können, wenn sie sich anscheinend nicht einmal vernünftige Winterkleidung leisten kann!
Aber das sind nicht ihre Sorgen, und der Gedanke beschäftigt sie nicht lange, auch wenn sie ihn nicht vergisst.
Cadin hatte sie nach einem "Bücherhaus" gefragt, nach einem Ort, an dem sie vielleicht Arbeit finden könnte, und Kilara hatte ihr zwei, drei dieser Orte genannt.

Die Kälte und der Wind schlagen ihr entgegen, als sie den Marktplatz überquert. Sie zieht sich die Kapuze über den Kopf, denn der Wind ist selbst hier, zwischen den Häusern schneidend und eisig.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 16. Jan. 2006, 17:20 Uhr
Zufrieden. aber immer noch schwerfällig und sich fühlend wie eine fette Krabbe auf dem Rücken, erhebt sie sich lächelnd und schüttelte Therons dargebotene Hand. "Also gut, so machen wir es. Ihr kontrolliert eure Kompetenz, was die Beschaffung der verschiedenen Weine anbelangt und meldet euch, falls ihr unsere Anforderungen erfüllen könnt." Der Weinhändler nickte zufrieden und zeigte mit einem breiten Grinsen eine Reihe strahlend weisser Zähne: "Ja, das ist ein Angebot." Sie fühlt grenzenlose Erleichterung in sich aufkeimen, denn so ein Gespräch hat sie bisher niemals alleine geführt. Eigentlich hat sie bisher noch gar nie auch nur einen Pips von sich gegeben, wenn Borgil mit scharfem Verstand und noch schärferem Blick klug verhandelt hat, ohne dabei trotz dummer Kommentare, èberheblicher Angebote, grenzenloser Unverschàmheite oder zu Kopfschètteln verleitenden Preisen eine Geduld verloren hat. Natürlich, so mancher Möchtegernhändler hat sich nach wenigen Augenblicken bereits geschickt abgeschoben wieder vor der Türe gefunden noch bevor er überhaupt verstanden hat, dass die Verhandlung zu Ende gewesen ist, doch das sind dann bereits die deutlichsten Zeichen dafür gewesen, wenn Borgil den Händler für absolut unfähig einstufte. Wobei sie sich nicht gerne an den Fleischhändler aus dem Herbst erinnert, der es doch geschafft hat, ihrem Gatten mit seinem ewigen Gerede so dermassen die Nerven anzukratzen, dass Borgil den Kerl beinahe kopfüber in den Wassertrog für die Pferde getaucht hätte.
Immer noch strahlend sieht sie Theron hinterher und seufzt dann leise. Es gibt noch viel zu tun und die Harfe füllt sich immer mehr, als gäbe es irgendetwas gratis. Wie die Fliegen fallen die Besucher über Bier, Braten, warme Suppe und heissen Met her und die Schankmädchen rennen sich fast die Beine in den Bauch. Borgil scheint bereits wieder im Keller verschwunden, wuchtet wahrscheinlich noch ein paar Fässer durch die Gegend und versucht sich davon abzulenken, dass sein ungeborener Frechdachs sich mehr Zeit als nötig im Bauch seiner Mutter gönnt. Sich auf der Unterlippe herumkauend betrachtete sie den Ball von Bauch, den sie mit sich herumträgt und lässt ihre Finger zärtlich darüber wandern, nach einer Stelle suchend, wo sich das Kleine gerade regt, doch alles was sie findet ist gähnende Stille, die ihr mehr zu schaffen macht, als sie Tatsache, dass ihr Kind zu spät kommt. Da nützen auch die beruhigenden Worte der Amme nichts mehr, dass es solch einen Vorfall öfters gäbe und dies nicht von Bedeutung wäre, wenn das Ungeborene sich einige Tage mehr Zeit liesse. "Und was ist, wenn es noch länger dauert?", hatte Azra gefragt, Angst verspürend ob ihrer Unwissenheit und Borgils Hand zu Brei zerquetschend. Die Amme hatte geschwiegen, doch ihr bedeutungsschweres Seufzen hatte alles erklärt und seitdem war Azra mehr als einmal zu Weinen zumute. "Du kannst da nicht ewig drinn bleiben", flüstert sie mit zitternder Stimme und spürt, wie ihr die brennende Tränen in die Augen schleichen, genau jetzt, wo dies absolut ungünstig ist. Fahrig wischt sie sich deshalb mit dem Handrücken übers Gesicht und hofft inständig, dass nicht zuviele Gäste ihre Sorge bemerken. Als sie zurück zur Theke schleicht bemerkt sie Halla, welche mit einem Blick zur Türe sieht, der Verwirrung, Sorge und Beklemmung zugleich ausdrückt und verwundert fragt Azra nach dem Grund für diesen plötzlichen Wechsel der ehemals guten Laune ihrer Freundin. Halla berichtet in knappen Worten, was sie von Uuma erfahren hat, wie die junge Wildfrau wie vom Teufel verfolgt plötzlich aus der Harfe gestürmt sei, wie ein Mann ohne kleinen Finger ihr gefolgt ist und wie schliesslich der Schiffsbauer hierher gekommen sei, um eben gerade nach der kleinen Wildingsfrau zu suchen. Azra sieht Halla nur fragend an, denn obwohl ihr Galrin Ragnarsson sehr wohl ein Begriff ist, kann sie mit dem Namen Uuma wenig anfangen und so ist Halle gezwungen kurz zu erläutern, wer diese Uuma ist und woher sie kommt.  

Seit Azra in der Harfe arbeitet und erst recht seit sie Borgils Frau ist, weiss sie einiges mehr von der Wichtigkeit mancher Vögelchen und auch den allgemeinen Klatsch und Tratsch der Marktweiber hat sie schätzen gelernt, wenn sie es im Ganzen auch nicht wirklich leiden kann und keinen Gefallen daran findet. Hin und wieder erweist es sich jedoch als nützlich, sich anzuhören, was die Weiber schon wieder zu verzapfen haben, denn unter all dem unbrauchbaren Mist, den die Damen gerne bis zum letzten ausschmücken - Der hat was mit der und die hintergeht diesen Kerl und der hat dieses Geschäft mit diesem komischen Kerl und der ist wohl aus dem Gefägnis ausgebrochen und der ist bestimmt ein Mörder auf der Flucht und nur in Talyra um weitere Opfer zu finden und sie fand diesen in diesem Haus schon immer seltsam - ,gibt es doch auch immer wieder kleine Details, die sich als Gold im Schlamm  herausstellen. Und seitdem Borgil krank gewesen ist, hat sie auch seine persönlichen Vögelchen zum Teil kennen gelernt und auch schnell begriffen, wie sie es handhaben muss, damit diese Wesen auch für sie singen. Wirklich umgesetzt hat sie es jedoch nur während Borgils langer Erholungszeit, um diese Arbeit danach wieder freudig ihrem Mann zu überlassen, das Wissen wie man sich dabei anstellen muss und wo und wie man Lücken findet, an Neuigkeiten zu gelangen, die wichtig sind, hat sie aufbewahrt. Vielleicht kann es ihr irgendwann noch nützlich sein - Wahrscheinlich dann, wenn Borgil sich wieder auf Teufel komm raus mit einem Dämon angelegt hat, ohne dabei auch nur eine Sekunde an seine eigene Sicherheit zu denken, um dann von einem Höllenhund in Stücke gerissen zu werden, wobei Azra sich fragt, ob das letzte Monster jetzt, nachdem es einen Zwergen gekostet hat, noch alle seine Zähne besitzt. Hinter ihr taucht plötzlich Borgil auf, eine grosse Geldkatze in der Hand und sieht sie fragend an: "Und?" Sie zuckt vage mit den Schultern, greift nach einem Krug und beginnt diesen sauber zu machen, damit sein Boden wieder von anderen durstigen Säufern betrachtet werden kann: "Ich habe ihm die Bedienungen genannt und ihm den ungefähren Preis genannt, den wir bereit sind für jeden Wein für die bisher genutzte Menge zu zahlen. Er meint, er würde er kontrollieren, ob es in seinem Ermessen läge, alle unsere Forderungen zu erfüllen, denn bisher habe er nur mit herkömmlichen Weinen gehandelt, wie die Weine aus Vinnar oder aber die Weissen aus Fa'sheel und er war doch leicht verwundert, als ich von Sommerwein, Inariwein und Rubinenwein, oder auch dem Feuerwein aus dem Riathar." Borgil brummt irgendetwas in seinen Bart hinein und das Einzige was irgendwie verständlich ist, hört sich an wie ein Verächtliches: "... unfähig...", doch wirklich sicher ist sie sich nicht.

Sie will sich schon wieder den Krügen, Tischen und lachenden, trinkenden und palavernden Gästen zuwenden, als Borgil sie am Arm nimmt und zu sich zieht. Seine Augen sind zu Schlitzen verengt und seine Augenbrauen ziehen sich unheilvoll aus seiner kräftigen Stirn zusammen, doch er muss sich keine Worte zu Nutze machen, damit sie weiss, was er will und dieses eine Mal ist sie bereitwillig genug, es sich einzugestehen. "Jaja, ich werde mich hinlegen. Ich fühle mich, als wäre ich von einer Herde Pferde überannt worden und mein Rücken ist ein Trümmerhaufen aus Knochen und Muskeln. Ich werde mich hinlegen". kommt sie ihm zuvor, als er gerade den Mund öffnen will und fügt dann zärtlich hinzu: "Ich verspreche es, aber nur, wenn du bald nachkommst. Ich... ich möchte nicht allein sein." Allein in einem Bett zu liegen, die Geräusche aus dem Schankraum zu hören und dabei doch nur auf einen winzigen Stubbs aus dem Inneren zu hoffen erscheint ihr unterträglich und als Borgil schliesslich nickt, schleicht sie sich ins Zimmer davon. Sie weiss sehr wohl, wieviel Arbeit Borgil hat und ihr schlechtes Gewissen plagt sie deutlich mit ihrem Egoismus, doch jetzt alleine zu sein, alleine der Gedanke genügt um ihr Herz flattern zu lassen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 19. Jan. 2006, 10:55 Uhr
Irgendwann in der zweiten Hälfte des Langschneemonds


Borgil hat seine kleine Frau nicht einen Herzschlag lang aus den Augen gelassen, das ganze vermaledeit lange Gespräch mit dem Weinhändler über nicht.  Allerdings waren es nicht unbedingt die geschäftlichen Verhandlungen an sich oder die Tatsache, dass Azra hiermit praktisch ihren Einstand als Hausherrin gegeben hat, die ihn so aufmerksam sein ließen, sondern vielmehr der Weinhändler an sich - jung, charmant und gar nicht mal unansehnlich. Und da Borgil grundsätzlich auf jeden Mann in Azras Nähe, der mehr als neun und weniger als neunundneunzig Sommer zählt, eifersüchtig ist, hat er sehr genau hingesehen. Als sie nun hinter den Tresen kommt, kann er jedoch gar nicht anders, als furchtbar Stolz auf sie und ihr Geschick mit diesem - für seinen Geschmack viel zu charmanten - Weinhändler zu sein. Und furchtbar neugierig obendrein. "Und?"
Azra hebt und senkt ihre schmalen Schultern, ein wortloses Äquivalent zu einem leicht ratlosen "Weiß nicht so genau" und wäscht ganz selbstverständlich nebenbei ein paar benutzte Bierhumpen ab, während sie von ihrem Gespräch mit dem Händler berichtet. Als sie endet und ihr Blick auf der Suche nach noch mehr Beschäftigung für ihre Hände durch den Schankraum irrt, der sich allmählich wieder etwas lichtet, hält Borgil sie jedoch auf, zieht sie an sich so eng wie er es mit ihrem hochschwangeren Bauch eben noch wagt, ohne sie oder das Kind zu zerquetschen und sieht ihr eindringlich in die Augen. Er klappt gerade den Mund auf, um ihr zu sagen, dass sie sich lieber hinlegen soll, als sie seufzend nickt. >Jaja, ich werde mich hinlegen. Ich fühle mich, als wäre ich von einer Herde Pferde überannt worden und mein Rücken ist ein Trümmerhaufen aus Knochen und Muskeln. Ich werde mich hinlegen. "Du," hebt Borgil an, seine dichten, roten Brauen sträuben sich bis in die Spitzen und rutschen vor lauter Verwunderung bedenklich weit auf der narbigen Stirn nach oben, "willst dich freiwillig hinlegen?"

Einen Moment lang ist er so perplex, dass er sie nur ziemlich verdattert ansehen kann, aber dann kommt Leben in ihn und ihre folgenden Worte hört er nicht einmal mehr. Azra, seine Azra und freiwillig hinlegen, das lässt nur einen einzigen Schluss zu: Schmerzen. Mein Rücken ist ein Trümmerhaufen... Hatte sie nicht gerade gesagt, sie habe Schmerzen? Wehen? Nein, Rückenschmerzen, Idiot! Einerlei...  "Argh!" Krächzt er, blickt sich gehetzt um und entdeckt zu seinem tödlichen Schrecken nicht eine einzige seiner Schankmaiden oder Mägde in greifbarer Nähe. Im nächsten Augenblick hat er sie schon hochgehoben und rauscht mit ihr auf den Armen in Richtung seiner Privatgemächer davon. "Schmerzen..." japst er und klingt wie ein Mann, der im Begriff ist, einen mittleren Panikanfall zu bekommen. "Schmerzen... schon in Ordung. Ganz ruhig. Wir äh... kriegen das schon irgendwie... Halla, verdammt nochmal, nie ist eine von euch Weißschürzen da, wenn man sie braucht! Wo stecken die eigentlich alle? Was mach ich bloß... äh... Azra. Ja. du musst dich hinlegen. Armer Liebling. Kannst du laufen? Warte, ich trage dich...nein, halt, das tue ich ja schon. Soll ich dich absetzen? Willst du... äh lieber stehen? Solltest du überhaupt stehen? Warum hast du das nicht gleich gesagt... du hast Schmerzen und ich dämlicher Idiot schicke dich noch mit irgendwelchen verdammten Kaufleuten verhandeln! Irgendjemand muss Morgana holen oder die Weiße Dame! Und Niniane, ach was, am besten alle zusammen und die Hebamme, götterverdammter Dreck, ich habe doch keine Ahnung, wie man ein Baby auf die Welt holt verflucht noch eins..." Azra verfolgt seinen Ausbruch mit großen, runden und ziemlich verwirrten Augen, doch noch ehe sie auch nur strampeln, ihr hübsches kleines Köpfchen schräg legen, die Stirn runzeln, mit der Zunge schnalzen oder seinen Aufruhr sonstwie beenden kann, hat er sie schon in ihr Schlafgemach gebracht und dort aufs Bett gelegt - so vorsichtig, als sei sie randvoll mit einer möglicherweise gefährlichen, hochexplosiven Substanz angefüllt und obendrein noch mit einer brennenden Lunte versehen. Azra braucht eine geschlagene Viertelstunde, bis sie ihm begreiflich gemacht hat, dass sie wirklich, wahrhaftig und tatsächlich nur müde ist und Rückenschmerzen hat, von beginnender Geburt leider keine Spur und als sie das endlich fertig gebracht hat, sinkt Borgil ächzend auf den Bettrand.

Eine Weile schweigt er, während Azra sich ausstreckt, ihr zierlicher Körper schwer von dem Kind in ihrem Leib und sich umständlich ein Kissen in den Rücken stopft. "Tut mir leid," brummt Borgil schließlich kleinlaut. "Himmel, ich führe mich auf wie ein Narr. Tut mir wirklich leid, mein Mädchen. Ich bin nur langsam äh... ziemlich ungeduldig, fürchte ich. Hrmh! Mmpf, Warum muss dieses Baby sich auch soviel Zeit lassen? Die Warterei macht mich noch wahnsinnig, und du..." er dreht sich zu ihr um und sieht sie lange einfach nur an. Sie ist so wunderschön, dass er sie nicht einmal ansehen kann, ohne dass ihm das Herz stockt und sie quält sich mit dieser Schwangerschaft nun schon zwei volle Siebentage über die Zeit. Borgil mag ja keine Ahnung von Mutterschaft, Geburten und Babies haben, aber dass das nicht mehr ungefährlich ist, weiß selbst er. Doch trotz all seiner Stärke, seiner Kraft, seiner Macht, seinem Gold und seinem Einfluß kann er hier nicht das Geringste ausrichten und seine Hilflosigkeit - gepaart mit dem Wissen, dass schließlich er es war, der ihr das angetan hat - macht ihn ganz krank. "Ruh dich aus, Azra. Auch wenn es noch nicht so weit ist, das Kind wird bestimmt bald kommen und du brauchst deine Kraft. Versuch ein wenig zu schlafen, ich bleibe bei dir."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kaney am 25. Jan. 2006, 21:19 Uhr
Irgendetwas ist anders, als er zusammen mit dem nun sauberen - und vorallem besser riechenden - Lordcommander und seinem Hund durch die schneeverschneiten Straßen Talyras geht.
Einen Moment lang will sich Kaney einreden, dass es an der Anwesenheit des Lordcommanders liegt, dass alle ihn anschauen, aber wahrscheinlicher ist es, dass die Leute seinen blauen Offiziersmantel bemerken.
Er spürt die Blicke der Menschen, die Ihnen entgegenkommen, hört sie flüstern, tuscheln. Er sieht alte Männer, die ihn misstrauisch musternd betrachten:
"Seht ihr, dieser junge Bursche da ist Offizier." "So jung, und schon Offizier? Wie kann das sein? Haben die in der Steinfaust keine erfahrenen Leute mehr?"
Er sieht zwei ältere Mädchen die Köpfe zusammenstecken, tratschen, lachen "Ein Offizier... ein hübscher Bursche, eigentlich.. ob er schon irgendwie vergeben ist?"
Gut, es kann auch sein, dass er sich dieses Getuschel nur einbildet, dass er den Menschen Worte in den Mund legt, die eigentlich nicht gesprochen werden - aber es stimmt, die Leute schauen ihn intensiver an als an anderen Tagen.
Dieses Angeschaut werden und die Kälte die herrscht sind ausreichend Gründe, dass Kaney nichts dagegen hat, den Weg von Steinfaust bis zur Harfe schnell hinter sich zu bringen.

Tatsächlich haben Olyvar und Kaney einen guten Zeitpunkt in der Harfe erwischt: Sie ist nicht mehr vollkommen überfüllt, die letzten Männer essen ihr Mittagsmahl, bevor sie wieder zu ihrer Arbeit müssen und mehrere leere Tische stehen zu ihrer Verfügung.
Der Lordcommander steuert einen Tisch an, der etwas abseits im Raum steht, es ist relativ ruhig dort, und das ist Kaney ganz recht. Er befiehlt Garok, sich ruhig unter den Tisch zu legen, und zieht langsam - mit einem immer noch leicht geistesabwesenden, verwirrten Blick - seinen neuen, Offiziersblauen Umhang aus.
Wirklich gute Stiefel, die Füße sind immer noch warm... und das trotz der Kälte.
"Wisst Ihr schon was Ihr trinken wollt?" "Wie?" Der Wargenmischling hat nicht bemerkt, dass eine der Schankmaiden an ihn herangetreten ist.
"Eh... ja... Wein." stammelt Kaney los, fasst sich dann aber wieder: " Vielleicht einen Roten vom Ostufer?" Kaney schaut fragend zu Olyvar: "Oder was meint Ihr, Si...ehm... Olyvar?"
Das er den Lordcommander nicht mehr Sire nennen soll, daran muss sich Kaney erst einmal gewöhnen, und so kommt erst einmal die typische Kaney-Röte in das Gesicht des frisch ernannten Offiziers.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Uuma am 26. Jan. 2006, 04:00 Uhr
Galrin und Uuma erleben einen lustigen Ritt durch die weiße Winterlandschaft und nachdem Uuma ihren Steinehändler unversehrt auf dem Platz der Händler wiederentdeckt hat und ihre zwei Steine gegen angemessenes Gold eingetauscht hat, kauft sie nach Galrins fachkundiger Beratung die gute Klinge eines Langmessers, nachdem der Nordmann es geschafft hatte, ihr auszureden, ein komplettes Langmesser zu kaufen, weil er ihr einen Griff schnitzen will. Für Uuma ist der Gedanke fremd, aber tief in ihrem Innern ist sie glücklich über seine Hartnäckigkeit, mit der er sein Vorhaben verteidigt. An einem anderen Stand hat sie noch ein Geschenk für Halla gefunden, denn Uuma weiß von Galrin, dass es die gute Mogbar war, die ihn auf ihre Fährte geführt hat und sie will ihr darum unbedingt etwas Schönes schenken. Dieses Etwas liegt in dem Leinenbeutel, den Galrin in seine Satteltasche gestopft hat, wie ein paar andere 'Kleinigkeiten' die sie erstanden hat.

Den Weg vom südlichen Stadttor zur Goldenen Harfe legen sie zügig zurück, während Uuma und Galrin ihre Gedanken austauschen, denn auf der breiten Straße können sie ungestört nebeneinander gehen. Galrins Pferd trottet am Zügel hinter ihnen her und nicht selten ernten der große Nordmann und seine kleine Begleiterin neugierige Blicke, doch Uuma ist von Galrins Erzählungen viel zu abgelenkt, als dass sie es groß mitbekommt. Der höchste Stand der Sonne ist schon längst überschritten, als sie endlich den Stall der Harfe betreten und Uuma freut sich riesig, ihren kleinen Hengst wiederzusehen, der sie immer wieder fordernd anstubst, und ihr deutlich zeigt, dass er an die frische Luft will, aber nach reichlichen Streicheleinheiten, Fellklopfen und beruhigenden Worten stehen sie bald in der Wirtsstube und blicken sich um. Das warme Licht und die Geräusche geschäftiger Betriebsamkeit empfangen sie heimelig und Uuma fühlt sich erst jetzt wieder richtig zurück in Talyra, das sich nicht verändert hat, aber sie sich, zumindest äußerlich, dass man sie wohl erst auf den zweiten Blick erkennt.

Galrin hilft ihr aus dem warmen Umhang und sie kichert gerade leise über sein höfliches Verhalten, da sieht sie ein, nein zwei bekannte Gesichter unter den Gästen und stutz kurz, denn  auch der Junge aus dem Wald hat sich äußerlich mächtig verändert, der ihr letzten Winter mit Schlanker und Bleicher in ihrem Häuschen geholfen hatte. Auch ihn hätte sie draußen wohl auch nicht auf den ersten Blick wiedererkannt, denn er ist richtig gut gekleidet. Mit einem unauffälligen Nicken ihres Kopfes, zu den beiden Männern der Steinfaust, blickt sie Galrin vielsagend an. „Da sitzten 'von Tarascon' und Junge aus Wald.“ Im nächsten Augenblick entdeckt sie jedoch Halla aus dem Augenwinkel, die gerade hinter den Tresen geht. „Uuma schnell bringen das Halla.“ Sie deutet kurz auf ihr Bündel, und schon schlängelt sie sich zwischen den Tischen und Stühlen nach vorne zum Tresen.

„Uuma grüßen Halla!“ spricht sie die kleine Frau fröhlich an, die gerade leere Krüge von einem Tablett runter stellt und streckt ihr den Leinenbeutel entgegen. „Das seien Geschenk für Halla, für helfen Galrin, finden Uuma!“ Sie erhebt bei den letzten Worten  ihre Stimme, denn gerade grölt einer der Männer neben ihr angetrunken, aber  harmlos herum. Glücklich strahlt Uuma die kleine Frau an, der sie es zu verdanken hat, dass Galrin sie auf dem Ildorel gesucht hat.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Galrin am 27. Jan. 2006, 12:27 Uhr
Der Normander läßt sich, als Uuma wie der Blitz zu Halla hinüber flitzt, auf einem Stuhl in der Nähe des Lord Commander und seines Begleiters fallen und streckt mit einem zufriedenen Brummen die Beine aus. Die Einkaufstour über den Platz der Händler war für den Schiffbauer ein Spießrutenlauf zwischen Ständen und anderen Einkaufenden hindurch geworden. Wo Uuma einfach zwischen zwei Leuten hindurch huschen konnte, blieb dem Normander mit seinem Pferd nur die Alternative, sich einen anderen Weg zu suchen, wenn er nicht wollte, daß der Fuß eines anderen Marktbesuchers durch einen Pferdehuf ernsthafte Verletzungen davon trug.

Dem Lord Commander und Kaney schickt der Nordmann ein freundliches: "Seid gegrüßt, die Herren, und einen schönen Tag wünsche ich Euch." hinüber, bevor eine Mogbarmagd herbeiruft, um etwas zu Essen und zu Trinken zu bestellen. "Zweimal den Schweinebraten mit gebratenen Kartoffeln hätte ich gern, gute Frau. Dazu einen Krug Weißen und..." Galrins Blick wandert zu der Jägerin hinüber, die sich gerade mit Halla unterhält, und ein Lächeln huscht über sein Gesicht, "...und einen heißen Grog. Aber bitte verdünnt ihn, wenn Ihr mir den Gefallen tun wollt. Ich möchte eine Katastrophe vermeiden."

Die Wartezeit, bis das Essen kommt, vertreibt sich der Schiffbauer mit dem Beobachten der Gäste. An dem Kommandanten der Stadtwache und dem Wargjungen bleibt sein Blick hängen. Kaney scheint sich verändert zu haben, seit Galrin ihn das letzte Mal mit ein paar anderen Blaumänteln durch die Stadt hat gehen sehen, und nach kurzem Nachdenken fällt ihm auch auf, was das für eine Veränderung ist: Der Mantel.

Ein Offiziersmantel der Stadtgarde. Meine Hochachtung, der Junge hat's wohl bei den Blaumänteln zu etwas gebracht, seit er in Liam Cailidh mitgefochten hat., schießt es dem Mann aus Dirholmar anerkennend durch den Kopf. So hebt er seinen Weinbecher, den er inzwischen erhalten hat, und prostet den beiden Männern zu.

Ob ich den Herrn von Tarascon gleich darauf ansprechen soll, daß in seinem Hafen ein Schiff mit konfisziertem Schmuggelgut im Laderaum liegt? Sicher verbringt er hier seine Mittagspause, da will ich ihn nicht auch noch hier mit Arbeit belästigen. Vielleicht ist es besser, wenn ich später einen der Männer zur Steinfaust schicke. Andererseits hätte ich es jetzt hinter mir.  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 29. Jan. 2006, 10:45 Uhr
Die Fragen die auf Sigourny herein prasseln sind ihr scheinbar zu viel. Er kann es kaum sehen, denn es ist dunkel im Raum, aber ein Schatten legt sich über ihre Augen und sie wendet sich von ihm ab. Sie zögert und Tiuri kann spüren wie sie sich windet, überlegt was das Richtige zu sagen ist und dann doch schweigt.
Gerade als Tiuri alles zurück nehmen will, auch zu seinem eigenen Schutz, denn er erkennt, dass er gerade versucht hat einen Graben zu überqueren den er bis jetzt noch nicht einmal angesehen hat, beginnen sie beide zu sprechen.
„Hör zu…“
>Tiuri ich,“
Sie brechen beide ab und sehen sich an, für einen Moment wie Fremde die nur zufällig nackt im gleichen Bett liegen. „Was?“ seine Stimme ist etwas rau geworden und er nimmt seine Hand von ihrem Bauch und fährt sich damit durch das braune Wuschelhaar. Selbst jetzt wo Azra es etwas ansehnlicher gemacht hat, steht es manchmal noch etwas wirr vom Kopf ab wenn sich der Junge nicht die Zeit genommen hat es mit dem Kamm zu bearbeiten.
>Ich kann nicht,… möchte jetzt nicht darüber sprechen, bitte…< Sie sieht ihn so eindringlich an, dass der Junge nicht böse sein kann. Er sollte es auch gar nicht, er weiß es, denn er kann verstehen wie schwer es manchmal sein kann über die eigene Vergangenheit zu sprechen. Sofern man eine richtige Vergangenheit hat!
Er will nicht, dass sie sich zu irgendetwas gedrängt fühlt, aber irgendwie hat er einfach angenommen, dass jetzt der absolut richtige Zeitpunkt ist um einige Karten offen auf den Tisch zu legen.
„Schon gut“, flüstert er, von der Enttäuschung die ihm innerlich einen herben Stich versetzt hat, ist nichts in seiner Stimme zu hören, im Gegenteil, er schafft es ein Lächeln auf sein Gesicht zu zaubern und streicht ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Dann lass uns einfach nicht mehr sprechen heute!“
Mit diesen Worten legt er ihren Kopf an seine Brust und vergräbt sein Gesicht in ihrem Haar, nur um gleich darauf in einen tiefen Schlaf zu fallen. Er träumt, wie jede Nacht, daran kann wohl nicht einmal Sigourny etwas ändern, aber als er erwacht ist der Morgen schon längst angebrochen. Die Sonne hat ihre hellen Strahlen in seine Kammer gestreckt und trifft ihn jetzt viel zu grell in den Augen. Er ist zu schnell hoch gefahren, wie meistens aus dem Schlaf und sein Kreislauf benötigt einige Zeit um sich wieder in den richtigen Bahnen zu bewegen. Der Traum hält ihn noch eine halbe Sekunde gefangen und er versucht die Bilder von Feuer, fahlen stechenden Augen, das Schreien in seinem Kopf und den ekelhaften Gestank nach verbranntem Fleisch aus seinem Kopf zu bekommen. Seit dem Abenteuer im Kanal ist es nicht immer nur der gleiche Traum der ihn des nachts verfolgt, noch immer kann er Whytfisks Augen vor sich sehen, seine Stimme hören und er schimpft sich selbst einen Feigling, dass er noch immer vor Angst fast zu zittern beginnt wenn er auch nur an den Bleichen denkt.
Aber etwas ganz anderes fällt ihm nur einen Liderschlag später auf. Er ist alleine. Nicht mutterseelen alleine, unten in der Harfe kann er schon hören wie das tägliche Leben seinen Lauf nimmt, aber zu alleine für die letzte Nacht.
Sigourny ist nicht mehr hier, das Bett neben ihm ist kalt, als wäre sie nie da gewesen. Vor Schreck springt der Junge auf, schlüpft nur in eine Hose und läuft nach draußen, vor der Türe dreht er sofort wieder um, zieht sich ein Hemd über und rennt dann die Stufen nach unten. Er sieht sich im Schankraum um, aber dort ist sie nicht, Grid wünscht ihm einen guten Morgen, aber Tiuri ignoriert sie, hört sie ja nicht einmal, läuft nach draußen, aber auch dort ist sie nicht.
Er kann es nicht fassen, sie ist einfach gegangen, schon wieder. Wieso? Warum bleibt sie nicht einfach, was ist so schlimm daran? Kann sie nicht frühstücken in der Harfe, das kann halb Talyra, wieso nicht sie?
Wütend tritt der gegen die Pferdetränke vor der Tür, so dass dort drinnen das gefrorene Wasser knirscht. Jetzt tut ihm auch noch der nackte Fuß weh und das hebt Tiuris Laune kein bisschen. Als er wieder hinein kommt grinsen ihm mindestens drei Schankmädchen entgegen, und sagen Guten Morgen.
Zu einem freundlichen Gruß ist der Junge allerdings gerade nicht in der Lage, sondern er knurrt nur etwas unverständliches vor sich hin.
>Wo ist denn das Mädchen von gestern?< Kommt die Frage unweigerlich und Tiuris Knurren wird lauter, aber eine richtige Antwort ist noch immer nicht aus ihm heraus zu bekommen. Die Mädchen brechen in Lachen aus und Tiuri stampft zornig die Treppe nach oben. Er zieht sich richtig an, steckt das Hemd in die Hose, schlüpft in die Stiefel, findet irgendwo sogar einen Kamm mit dem er sich durchs Haar fährt. Nur seinen Gesichtsausdruck poliert er nicht auf und so schaut er immer noch grimmig drein als er die Treppe wieder nach unten geht, durch den Schankraum, ohne ein Wort hinaus aus der Tür und in den Stall. Er begrüßt auch hier niemanden, sondern stürzt sich wie ein Wahnsinniger in die Arbeit und beginnt eine Box nach der anderen auszumisten.
Normalerweise ist er eher angenehm, auch mit den Pferden und streicht ihnen erst sanft über die Nasen, so dass sie keine unnötige Aufregung erfahren, aber nicht heute. Ein Rappe wirft den Kopf hoch und weicht augenrollend vor ihm zurück, aber Tiuri ignoriert ihn. Noch immer kann er es einfach nicht fassen, dass sie schon wieder abgehauen ist. Der Zorn mischt sich mit einem Gutteil unterschwelliger Enttäuschung und schlägt fast Funken aus seinen Augen.
Nach dem er die Arbeit vor lauter Eifer fast ganz alleine zu Ende gebracht hat, ist es ihm noch immer nicht genug mit Bewegung und er hängt sich an einen Dachbalken und beginnt Klimmzüge zu machen.
Er hat ja schon die letzte Zeit immer wieder etwas derartiges gemacht um mehr Kraft zu bekommen wenn er anfangen darf mit dem Schwert zu üben und langsam kann man auch schon etwas Erfolg sehen. Seine Schultern, zwar immer schon breit, aber eher knochig denn muskulös haben etwas Fleisch angesetzt und er sieht nicht mehr aus wie ein zu groß geratenes Hühnchen, sondern ein bisschen mehr wie ein Mann, als wie jemand den man Stunden lang auf der Streckbank bearbeitet hat. Auch an seinem Bauch, ein Körperteil das ja niemand, außer Sig, zu Gesicht bekommt, kann man sehen, dass sich leicht Muskeln abzeichnen und der Junge spürt natürlich wie ihm jede Arbeit viel leichter von der Hand geht. Nach dem ihm die Klimmzüge zu einseitig werden, springt zu Boden und rennt von einer Stallseite durch den Gang wie ein Verrückter zur anderen Seite, hält irgendwann an um Liegestütze zu machen nur um wieder aufzuspringen und weiter zu laufen.

Irgendwann lässt er sich völlig erschöpft einfach fallen und landet hart auf dem Stallboden.
>Hast du dich jetzt wieder beruhigt?< Es ist Ninos Kopf der vor seinem Gesicht auftaucht und ihn etwas vorwurfsvoll ansieht. Tiuri kann nur noch nicken, jetzt ist es nicht mehr der Zorn der ihm den Mund verschließt, sondern die Anstrengung, die ihn vor lauter Keuchen nicht zu Wort kommen lässt.
>Gut, denn deine Laune war ja wohl nicht auszuhalten! Jetzt komm erst zu Luft und dann erzähl!<
So passiert es dann auch, Tiuri steckt erst den Kopf ins Wasser, atmet dann eine Minute erst mal nur vor sich hin und erzählt seinem Freund dann alles ganz genau. Naja, fast genau, die Kartentricks in der Taverne lässt er dabei einfach aus. Als er am Ende seiner Erzählung ankommt sieht ihn Nino etwas entgeistert an.
>Das wars jetzt?< fragt er und zuckt mit den Schultern. >Das hat dich so aufgeregt?<
Tiuris Mund klappt auf und zu wie der eines Fisches auf dem Trockenen. Ja, will er rufen und sich dabei entrüsten, dass das doch ganz normal ist, aber irgendwie scheint es ihm in dem Moment selbst lächerlich zu werden. Die Anwesenheit seines Freundes hilft ihm, sich einzureden, dass Sig auch nur irgendein Mädchen ist und dass er es mit Humor sieht, dass in diesem Fall eben nicht er es ist der die Mädchen nach einer gemeinsamen Nacht alleine lässt, sondern dass diese Frau den Spieß eben umdreht.
Bei dem Gedanken muss er fast schon wieder lachen und so beginnt er erst etwas lautlos zu kichern, bis Nino neben ihm wie ein Mädchen zu gackern beginnt und sie schließlich beide laut lachend am Stallboden liegen.

Abends betritt der den Schankraum gerade rechtzeitig um Azra und Borgil diskutieren zu hören. Borgil ist drauf und dran alle Heilerinnen der Stadt eigenhändig an den Haaren her zu ziehen und Azra versucht ihn davon abzuhalten. Dabei spricht sie ruhig und geduldig auf ihn ein wie auf einen bockigen Esel und Tiuri setzt sich und verfolgt das Schauspiel mit einem leichten Grinsen auf dem Gesicht.
Das Baby ist spät dran, dass hat er auch schon mitbekommen und Azras Bauch sieht mittlerweile so aus als würde dieses Kind nicht auf normalem Weg auf die Welt kommen, sondern eher in dem es seine Mutter einfach sprengt und so zum Vorschein tritt. Er selbst wird bei Azras bloßem Anblick immer schon ganz unruhig, es ist ihm ein Rätsel wie sie sich immer noch bewegen kann, wie sie ja immer noch arbeiten kann. Er sieht auf wenn sie sich an den Rücken fasst, wenn sie kurz stehen bleibt und seufzt, aber nie passiert etwas und dabei ist er nicht einmal der Vater dieses Kindes. Wie muss sich Borgil nur fühlen?
Er hofft in diesem Augenblick inständig niemals selbst Vater zu werden, denn er würde das wohl bei den Göttern nicht ertragen.
In diesem Moment kommt Grid lächelnd vorbei und stellt ihm einen Becher Bier hin.
>Na? Zorn verraucht?< fragt sie.
„Schweig, kein Wort mehr darüber!“ sagt Tiuri lachend und zwickt sie während sie vorbei geht in die Seite, so dass sie leise hohe Töne von sich gibt und schnell davon eilt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Olyvar von Tarascon am 29. Jan. 2006, 20:03 Uhr
Die Harfe ist gut besucht, aber nicht überfüllt und sie finden rasch Platz in einer etwas ruhigeren Ecke unweit des Kamins, in dem wie immer in der kalten Jahreszeit ein wärmendes Feuer prasselt. Der Flammenschein verbreitet eine angenehm gemütliche  Atmosphäre, die Sonnenstrahlen fallen schräg durch die tiefgesetzten, bleigefassten Fenster und glänzen auf dem polierten Holz überall im Schankraum, dem blinkenden Kupfergeschirr oder irrlichtern golden im Halbdunkel zwischen dem offenen Gebälk mit seinen kunstvollen Schnitzereien hoch über ihren Köpfen. Es riecht nach Pfeifentabak, malzigem Bier und duftet außerdem noch aus der Küche nach gebratenem Fleisch, knusprigem, frisch gebackenem Brot und Apfelkuchen. Von Borgil selbst oder von Azra, seiner Frau, ist nichts zu sehen, aber Halla steht hinter dem Tresen und ein paar weitere Schankmaiden eilen gutgelaunt zwischen den Tischen umher - und es dauert auch nicht lange, bis sich Grid sich von ihrem Geschäker mit einem von Borgils jungen Pferdeknechten zu ihnen verirrt. Olyvar wechselt ein paar Worte mit ihr, schließlich kennt er die Magd Borgils schon beinahe sein ganzes Leben und sie ihn, während Kaneys Blick noch im Raum umherschweift. >Wisst Ihr schon was Ihr trinken wollt?<
>Eh... ja... Wein,< murmelt Kaney nach einem Moment, >vielleicht einen Roten vom Ostufer. Oder was meint Ihr, Si...ehm... Olyvar?<
Grid spitzt den Mund, um nicht zu grinsen und Olyvar nickt. "Aye, ein Krug Syrahwein wäre nicht schlecht. Von einem Weingut der Merell, wenn ihr habt. Zwei Kelche. Und Grid, bring uns von dem Rinderbraten, Schmorkartoffeln und einen halben Laib frisches Brot und Butter, ich verhungere." Die Magd watschelt davon, um Halla eifrig ihre Bestellung zu überbringen und Olyvar schüttelt leicht lächelnd den Kopf. "Ist alles noch ein wenig neu, was? Ging mir auch nicht anders, als ich Lord Commander wurde. Aber deine Leute haben alle Vertrauen in dich und mit der Zeit gewöhnt man sich an seine neuen Aufgaben... und glaub mir, vor uns liegen einige. Als erstes wäre da das neue Übungsgel..."
Olyvar wird unterbrochen, da in diesem Augenblick Galrin und Uuma, die gerade die Harfe betreten haben, an ihrem Tisch vorbeikommen. Uuma eilt sofort weiter zum Tresen und spricht dort mit Halla, doch Galrin grüßt, ehe er sich selbst einen Platz sucht.

>Seid gegrüßt, die Herren, und einen schönen Tag wünsche ich Euch.< "Aye, latha math, euch auch Galrin," erwidert Olyvar grinsend. Er hatte keine Ahnung, dass Galrin und Uuma sich kennen, aber er ist im Augenblick auch viel zu abgelenkt vom Anblick der jungen Frau in diesem für sie so völlig fremden Aufzug, als dass er noch einen Gedanken an das gemeinsame Auftauchen der beiden hier verschwendet hätte. Anstatt ihrer gewohnten, zwar ziemlich exotischen, aber irgendwie einfach zu ihr gehörenden Kleidung aus moorgrünem Echsenleder trägt sie knautschende Lederhosen, ein Hemd, das ihr viel zu groß ist, Lederstiefel und über all dem eine Art Wappenrock mit einer Rose auf der Brust... das einzige Zugeständnis an "die alte Uuma" scheint ihr Gürtel zu sein, und Olyvar muss tatsächlich zweimal hinsehen, ehe er sie in dieser Verkleidung überhaupt erkennt. Gut, es ist Winter und damit nicht unbedingt die Zeit für knappe und eng anliegende Echsenledergewandung, aber er hätte vielleicht damit gerechnet sie in Pelzen und Fellen zu sehen, nicht so. Dann klappt er den Mund zu und kann sich eines Grinsens nicht erwehren. Kaney, der seinem Blick gefolgt ist, dürfte ahnen, warum - vermutlich ist der junge Warg von Uumas ungewohntem Anblick mindestens ebenso erstaunt wie Olyvar selbst. "Uuma ist unter die Freibeuter gegangen, wie mir scheint. Fehlt nur noch der Federhut und die Augenklappe." Diese Bemerkung bringt ganz unabsichtlich eine Flut anderer Erinnerungen zurück... und es braucht nur einen mit Kaney getauschten Blick, um sie beide an eine scheußlich kalte neblige Nacht und den Überfall der Schmuggler vor mehr als einem Zwölfmond denken ... und synchron sehr breit grinsen zu lassen. "Weißt du noch, wie Achim plötzlich mitten im Fluß stand, und gesungen hat? Ich dachte, mir bleibt das Herz stehen! Und Cleyron wurde fast geräuchert..." Einen Moment lang versinkt Olyvar in Erinnerungen, dann kommt ihr Wein und kurz darauf auch das bestellte Essen, zwei Fleischbretter, Schüsseln voll dampfender Köstlichkeiten, und sogar, schließlich weiß man in der Harfe um den Ruf des Gasthauses, zwei Gabeln. Olyvar will gerade beginnen, sich Kartoffeln und Brot auf sein Brett zu häufen, als er aus den Augenwinkeln Galrins nachdenklichen Blick auf sich ruhen fühlt und fragend den Kopf dreht. Der Tisch des Schiffbauers ist nur ein paar Schritt entfernt von ihrem und er sieht aus, als hätte er etwas auf dem Herzen, das er loswerden möchte. Dann lächelt der Nordmann und prostet ihnen... oder wohl eher Kaney in seinem neuen Offiziersumhang zu, und Olyvar widmet sich wieder Fleisch, Brot und Butter. Wenn Ragnarsson etwas bräuchte, würde er sich schon melden.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Uuma am 30. Jan. 2006, 17:59 Uhr
Halla blickt von ihrer Arbeit auf und Uuma hat den Eindruck, dass sie erleichtert ist, sie zu sehen, was ihre Worte auch kurz darauf bestätigen. Überrascht nimmt sie den Beutel entgegen und während sie sich die Hände an einem der Tücher trocknet  und davon spricht, dass es nicht nötig wäre und sie das doch nicht annehmen könnte, mustern ihre Augen jedoch schon nachdenklich den kleinen Beutel, aber Uuma verrät nichts. Halla stellt gerade hochkant ein blankpoliertes Messingtablett an ein paar große Bierkrüge, die zum Abtropfen auf dem Kopf stehen, dass Uumas Blick darüber huscht zu dem, was sie in dem so entstandenen 'Spiegel' sieht, wenn auch leicht verzerrt, aber deutlich genug um unter anderem zu erkennen, dass Kaney, der Junge aus dem Wald, und 'von Tarascon' über das ganze Gesicht grinsen ...und ganz offensichtlich über sie, über ihr verändertes Aussehen!

Wenn irgendwer sich über sie lustig gemacht hätte, ja sogar bei dem Jungen aus dem Wald hätte sie das nicht so getroffen, wenn es ihr auch nicht gleichgültig gewesen wäre, aber beim Anführer der Stadt, den sie beinahe wie ihre Älteste im Stamm achtet, seit der Geschichte mit den Schmugglern im vergangenen Winter und der Sache mit Schlanker, der sie auch immer gut behandelt hat, trifft sein Verhalten sie tief. In ihrem Stamm würde keiner wagen, sich über das Aussehen eines Jägers lustig zu machen, abgesehen von den kleinen Späßen, die man sich miteinander erlaubte, aber sie hatten gerade beide genau das getan. Uuma wird, ohne dass es ihr bewusst wird, voll mit ihrem Schmerz konfrontiert, dass sie sich ohne ihre Echsenlederkleidung, die ihr auch in gewissem Sinne eine Rüstung gegen alles Fremde war, dem sie begegnete, nicht mehr wie eine Jägerin fühlt.  

Hallas Freude über den Muff lenkt sie kurz ab, aber dann  ist Uuma der Frau äußerst dankbar, die Halla in die Küche ruft, weil irgenwas dringend ist, denn im nächsten Moment steht Uuma wie versteinert da und in ihr kämpfen die unterschiedlichsten Gefühle heftig gegeneinander. Irgendwann siegt ihr Verstand, der ihr sagt, dass sie es ignorieren wird, einfach erhaben ignorieren und so tun wird, als hätte sie es gar nicht gesehen. Mit dieser Haltung  dreht sie sich zum Schankraum um, will nur mit einem kurzen Gruß an dem Tisch der beiden vorbei, zu Galrin gehen, der  zwei Schritte entfernt von  ihnen  mit einem Lächeln auf sie wartet, doch Uuma schafft es nicht.

Sie kommt zwar zu den beiden Männer der Steinfaust, die vor einem köstlichen Essen sitzen und es zu genießen scheinen, aber als Uuma den Mund zu einem Gruß öffnen will, bricht ihr verletzter Stolz hervor. „Uuma das nicht finden lustig, wenn Uuma müssen tragen das, und sie deutet auf ihre Kleidung, „weil Hackse zerstören Echsenleder von Uuma, wenn suchen Steine von Uuma aus Dunkelwald unter Schuppen!“  Hat nur der größte Schmerz in ihr ein Ventil gesucht, so reißt der Damm ihrer Selbstbeherrschung weiter ein, dass Uuma bei der gerade empfundenen Erniedrigung diejenigen, die sie in ihrer Gefangenschaft erdulden musste, gleich mit aus ihr heraussprudeln, weil sie mit der Zerstörung ihres Echsenleders engstens verbunden sind. „Das passieren, wenn Schmuggler rauben Uuma aus Hafen ...und machen Kette an Bein von Uuma, auf Schiff. Tage Uuma so seien auf Ildorel nur in Hemd,“ und sie zupft mit zwei Fingern an ihrem Ärmel rum, „bis Galrin finden Uuma und retten von Schiff... Das alles ..nicht seien lustig“ japst sie hinterher, denn sie hatte kaum Luft geholt in ihrer Aufregung.

Plötzlich ist Galrin neben ihr, zieht sie liebevoll an sich und bringt sie damit ganz aus dem Konzept, denn seine Wärme signalisiert ihr Geborgenheit, sein starker Arm um ihren Schultern Angenommensein, lauter Gefühle, die ihr aufgebrachtes Gemüt besänftigen. Anstatt mit ihrer Aufzählung fortzufahren, was sie noch alles in Verbindung mit ihrem zerstörten Echsenleder nicht lustig findet, atmet sie kurz tief durch, lehnt ihren Kopf an Galrins Brust, schließt die Augen und mit einem Mal wird ihr bewusst, was sie angestellt hat. Was hatte sie sich vorgenommen?, nie etwas zu tun, was Galrins Ruf schaden könnte und hier steht sie in der Harfe und verteidigt ihre Ehre, wenn auch nur mit Worten, die leise genug gesprochen sind, dass sie nur die beiden hören konnten, meint sie zumindest, aber von wo alles gleich in der ganze Stadt verbreitet würde.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Galrin am 30. Jan. 2006, 18:13 Uhr
Olyvar und Kaney lassen sich ihr Essen schmecken, während der Nordmann mit einem belustigten Ausdruck auf dem Gesicht in Richtung Uuma blickt, die sich immer noch mit Halla unterhält.

Na, hoffentlich wird das kein fünfstündiges Frauengespräch., denkt der Schiffbauer, während er abermals an seinem Wein nippt, Wenn ich da so an Alwine und ihren Tratsch mit Halda denke... das kann dauern. Und bis dahin ist das Essen kalt, mein Becher mindestens dreimal leer und draußen ist es stockfinster.

Die Tatsache, daß Halla von einer anderen Magd in die Küche gerufen wird, unterbricht die Unterhaltung der beiden Frauen. Doch als Uuma sich umdreht, funkelt in ihrem Blick mühsam unterdrückte Wut. Die Augen blitzen entrüstet, und man braucht kein Hellseher zu sein, um zu sehen, daß die Dunkelwalderin kurz vor dem Siedepunkt steht.

Oh oh... das bedeutet Ärger.

Sicherheitshalber rutscht der Nordmann bereits an den Rand seiner Bank, um nötigenfalls schnell aufzuspringen, da wendet sich Uuma bereits an Olyvar von Tarascon und Kaney und spricht leise aber eindringlich auf die beiden ein. Zwar ist ihre Stimme sogar bei Galrin, der den Beiden am Nächsten sitzt, kaum zu verstehen,doch der Tonfall der Jägerin ist keinesfalls freundlich sanft, sondern ziemlich ungehalten.

Wie eine Marionette, an deren Fäden man gerissen hat, springt Galrin von seinem Sitzplatz auf und hastet an einem leeren Tisch vorbei auf den der beiden Offiziere zu. Bei einem Duo aus zwei normalen Blauröcken hätte Galrin sich nicht von der Stelle gerührt, aber hier handelte es sich um den Lord Commander und einen seiner Hauptleute. Wie die auf ruppige Worte einer Bürgerin, und mochte sie auch Uuma heißen, reagieren, will Galrin gar nicht erst herausfinden. Und sein Interesse daran, daß Uuma den Kerker der Stadtwache für einige Nächte von innen kennenlernt, ist überdies gleich Null.

>>Das passieren, wenn Schmuggler rauben Uuma aus Hafen und machen Kette an Bein von Uuma, auf Schiff Tage Uuma so seien auf Ildorel nur in Hemd, bis Galrin finden Uuma und retten von Schiff... Das alles nicht seien lustig!<<, faucht die Jägerin soeben, und der Schiffbauer zuckt zusammen.

Soviel zum Thema Katastrophen vermeiden. Na schön, dann brauche ich dem Commander das wenigstens nicht mehr zu erzählen.

Beruhigend legt er Uuma eine Hand auf die Schulter und zieht sie tröstend an sich. Während sie ihren Kopf an seine Brust lehnt und ihre Aufregung (und hoffentlich auch ihre Wut) langsam nachlassen, blickt der Normander den Lord Commander an: "Verzeiht, daß wir Euch beim Essen gestört haben, Mylord. Ich würde Euch jedoch in dieser Schmuggler-Angelegenheit gerne noch kurz sprechen, wenn Ihr, nachdem Ihr Euer Mahl genossen habt, die Zeit erübrigen könnt. Es dauert auch nur eine, allenfalls zwei Minuten."

Nach diesen Worten und einer kurzen aber höflichen Verbeugung in Richtung der beiden Offiziere, führt der Schiffbauer die Jägerin an ihren gemeinsamen Tisch zurück. Dort wurde inzwischen das Essen aufgetragen. Ohne auch nur mit einer Silbe auf Uumas hitzigen Monolog gegenüber dem Lord Commander einzugehen, setzt sich der Kapitän an den Tisch, saugt genießerisch den Duft des Bratens durch die Nase ein, und macht sich anschließend mit den Worten: "Laß es Dir schmecken, Liebes. Guten Appetit." über sein Mahl her.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Olyvar von Tarascon am 30. Jan. 2006, 20:33 Uhr
Olyvar bricht mit seinen großen Händen Brot und tunkt ein Stück davon in die Fleischsauce, will gerade seine Unterhaltung mit Kaney über den neuen Hauptmannsposten im Allgemeinen und die Pläne für die Einheiten der Stadtgarde im Besonderen wieder aufnehmen, als plötzlich Uuma vor ihm steht, nein, sich vor ihm im wahrsten Sinne des Wortes aufbaut, obwohl er sitzend immer noch größer ist, als die zierliche, kleine Dunkelwaldjägerin. >Uuma das nicht finden lustig, wenn Uuma müssen tragen das!< Schnappt sie, gestikuliert an sich herunter und funkelt ihn erbost von unten an. >Weil Hackse zerstören Echsenleder von Uuma, wenn suchen Steine von Uuma aus Dunkelwald unter Schuppen!< Olyvar versteht nicht die Hälfte von dem, was sie da von sich gibt, aber dass er eine wenn auch ziemlich kleine, so doch ziemlich wütende Frau vor sich hat, ist nicht zu übersehen. Zu mehr als einem misstrauischen und ziemlich verwirrten "Aye?" kommt er aber gar nicht, denn Uuma denkt nicht einmal daran, ihn in ihrem Zorn auch nur einmal zu Wort kommen zu lassen. Ihre Augen verengen sich zu grünen Dreiecken, ihre Arme verschränken sich angriffslustig unter ihrer Brust und dann faucht sie wutschnaubend: >Das passieren, wenn Schmuggler rauben Uuma aus Hafen ...und machen Kette an Bein von Uuma, auf Schiff. Tage Uuma so seien auf Ildorel nur in Hemd, bis Galrin finden Uuma und retten von Schiff... Das alles ..nicht seien lustig!< Sie rupft an ihrer Kleidung herum und Olyvar, dessen Miene sich inzwischen deutlich verfinstert hat, will ihr gerade erklären, dass weder Kaney, noch er sich irgendwie über sie lustig gemacht hätten, und dann ein paar Fragen stellen, die vielleicht etwas mehr Licht in ihr Gerede über Schmuggler, Ketten und Schiffe bringen würden, als plötzlich Galrin an ihrer Seite steht, ihre Arme nimmt und sie an sich zieht - um sie zu beruhigen oder zu beschützen, wie auch immer. Uuma jedenfalls flüchtet sich regelrecht an die breite Brust des Schiffbauers und der entschuldigt sich mit wenigen, ruhigen Worten für ihr Verhalten.

>Verzeiht, daß wir Euch beim Essen gestört haben, Mylord. Ich würde Euch jedoch in dieser Schmuggler-Angelegenheit gerne noch kurz sprechen, wenn Ihr, nachdem Ihr Euer Mahl genossen habt, die Zeit erübrigen könnt. Es dauert auch nur eine, allenfalls zwei Minuten.< Dann führt er Uuma zurück an seinen Tisch und Olyvar kommt wieder nicht dazu, auch nur einmal "Papp!" zu sagen oder eine Frage zu stellen. "Ifrinn, das reicht jetzt aber," grollt er so leise, dass ihn wirklich nur Kaney mit seinen scharfen Wargohren hören kann, steht auf, nickt seinem völlig verwirrten Späherhauptmann einmal kurz zu, und geht dann zu Galrin und Uuma hinüber. "Mir ist nicht mehr nach Mahl genießen, aber lasst euch bei eurem nicht stören. Und nun zu uns beiden, Uuma, auf ein Wort, a rìghinn." Er tauscht einen Blick mit Galrin, der ganz offensichtlich seit neuestem zu Uuma gehört, zieht sich einen Stuhl heran und setzt sich der Dunkelwäldlerin gegenüber, so dass er in ihr Gesicht sehen kann. Seine eigene Miene verrät nichts von dem, was in ihm vorgehen mag. Alle Gefühle hinter einer Maske absoluter Beherrschung zu verbergen ist etwas, das er früh gelernt und mittlerweile bis zur Perfektion gebracht hat, und im Augenblick interessiert ihn ohnehin nur, was eigentlich hinter diesem zornbebenden Auftritt von eben steckt. "Uuma, weder Kaney noch ich haben uns über dich lustig gemacht. Ich war erstaunt über deinen ungewöhnlichen Aufzug, weil ich dich noch nie in solcher Kleidung gesehen habe und Stein und Bein geschworen hätte, du würdest so etwas nicht tragen, aber das war auch schon alles," erklärt er sehr ruhig. "Wir haben dich ganz gewiss nicht verspottet. Wenn du noch einen Federhut dazu hättest, würdest du so verwegen aussehen wie eine waschechte Ildorel-Piratin und das ist gewiss nicht als Beleidigung gemeint. Wir lachten, weil uns das an die Geschichte damals an deinem Häuschen erinnert hat, und das bei aller Gefahr in dieser Nacht zumindest streckenweise ziemlich komisch war, vor allem mit dem sangesfreudigen Achim in unserer Mitte. So, ich hoffe, das ist jetzt klar. Und nun zu diesen Schmugglern," sein Blick heftet sich kurz auf Galrin in der Hoffnung, dass der Schiffbauer vielleicht etwas mehr Klarheit in dieser Angelegenheit schaffen könnte, und kehrt dann zu der Dunkelwäldlerin zurück. "Wer ist Hackse? Was für Steine hat er gesucht und von welchem Schmugglerschiff ist hier die ganze Zeit die Rede?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Uuma am 31. Jan. 2006, 11:46 Uhr
Galrin hat seinen Arm nicht von ihrer Schulter genommen, nicht während er zum Anführer gesprochen hat und auch nicht, als er sie zu ihrem Tisch geschoben und einfach auf die Bank gedrückt hat. >>"Laß es Dir schmecken, Liebes. Guten Appetit." Uuma starrt auf den Teller vor sich, auf dem ein Braten liegt, auf den sie sich normalerweise stürzen würde, aber sie weiß, sie würde keinen Bissen herunter bekommen, viel zu aufgewühlt ist sie. Sie will gerade nach ihrem Becher greifen, in dem sie den Grog riecht, so einen, wie Asa ihr die Tage zuvor gemacht hat, da hält sie mitten in der Bewegung inne. >>"Mir ist nicht mehr nach Mahl genießen, aber lasst euch bei eurem nicht stören. Und nun zu uns beiden, Uuma, auf ein Wort, a rìghinn.“<<

Die Stimme lässt Uuma erschrocken aufblicken und sie beobachtet mit großen Augen, wie sich 'von Tarascon' vor sie setzt und sie anblickt, dass Uuma sich plötzlich schuldig fühlt. >>"Uuma, weder Kaney noch ich haben uns über dich lustig gemacht.<< Uuma öffnet schon ihren Mund zum Widerspruch, denn sie hat es im blanken Messing deutlich gesehen, doch sie schließt ihn wieder, denn die Stimme des Anführers klingt nicht, als würde er das nicht auch so meinen. >>Ich war erstaunt über deinen ungewöhnlichen Aufzug, weil ich dich noch nie in solcher Kleidung gesehen habe und Stein und Bein geschworen hätte, du würdest so etwas nicht tragen, aber das war auch schon alles," Uuma spürt bei den Worten wieder ihren Schmerz über das zerstörte Echsenleder in sich aufsteigen, aber nur ihre traurigen Augen verraten das, während sie verstehend nickt.
>>"Wir haben dich ganz gewiss nicht verspottet. Wenn du noch einen Federhut dazu hättest, würdest du so verwegen aussehen wie eine waschechte Ildorel-Piratin und das ist gewiss nicht als Beleidigung gemeint. Wir lachten, weil uns das an die Geschichte damals an deinem Häuschen erinnert hat, und das bei aller Gefahr in dieser Nacht zumindest streckenweise ziemlich komisch war, vor allem mit dem sangesfreudigen Achim in unserer Mitte. So, ich hoffe, das ist jetzt klar.<< Erst entfleucht ihr ein überraschtes „Oh!“ dann muss sie bei der Erinnerung daran selber grinsen, dann nickt sie erleichtert mit strahlenden Augen, denn dann war ihre Welt wieder soweit in Ordnung, fast, wenn sie nicht das Gefühl hätte, dass das nicht der ganze Grund ist, warum er vor ihr sitzt und mit einem Male wird ihr ganz mulmig. Was seien, wenn Anführer wollen wissen... und da kommt es schon. Mit Augen, die Uuma an das Grau des Ildorel erinnern, an dem Tag, bevor der Sturm kam, hört sie seine Worte. >>Und nun zu diesen Schmugglern,"<<

Uuma atmet erleichtert auf, weil 'von Tarascon' zu Galrin guckt, doch dann sieht er sie so direkt an, dass sie das Gefühl hat, dass kein Tisch mehr zwischen ihnen ist und ihre Hände kurz tastend über das Holz fahren. >>"Wer ist Hackse? Was für Steine hat er gesucht und von welchem Schmugglerschiff ist hier die ganze Zeit die Rede?"<< Uuma starrt erschrocken in die grauen Augen und fragt sich im selben Moment, ob sie nicht einfach versuchen sollte, ihm alles zu erzählen, denn die Gelegenheit würde sich ihr vielleicht nie wieder bieten, und sie vertraut ihm, auch wenn sie vor Angst innerlich schlottert, aber nicht vor ihm, sondern vor dem, was dann vielleicht passiert und insbesondere vor dem Magier, wenn er das mitbekommen sollte. Uuma sieht den wartenden Blick und beeilt sich, die gestellte Frage so gut sie kann zu beantworten.

„Hackse seien Mann von... von Schmugglerschiff, der haben Sagen, aber nicht seien Kopf von Schmugglerbande, die nicht nur seien auf Ildorel, auch an Meer in Städte, die seien groß und haben Hafen.“ Uuma nickt bekräftigend. „Kopf von Bande suchen ...suchen  kleine weiße ...Steine aus Dunkelwald, die Uuma wissen wo seien und die Kopf schon suchen viele Sonnenläufe, weil seien selten und machen, dass Kopf werden mehr mächtig, als schon seien.“ und Uuma macht mit ganz düster aufgesetztem Blick eine Bewegung, als würde ein Zauberer irgendwas hervorzaubern, wie sie das bei Kindern auf dem Markt gesehen hat, wenn die 'zaubern' gespielt haben, an Stelle einer Bewegung, die ein Beschwören dastellt, denn sie weiß nicht, wie das aussieht, wenn ein Magier was beschwört. „Das verraten Hackse Uuma, weil Hackse nicht denken, Galrin kommen von oben und retten Uuma von Schiff.“ und ein Schmunzeln huscht über ihr Gesicht.

Uuma dreht sich zu Galrin um, lächelt ihn an und ihre Hand drückt seine. „Galrin können sagen wie Galrin erbeuten Schmugglerschiff und was Uuma sagen, wenn Galrin holen Uuma aus Kammer, ja? Uuma nicht können das.“ Sie blickt Galrin bittend an und hofft, dass er versteht und sie seufzt, denn es wird ihr klar, dass nichts etwas daran ändern wird können, dass sie die Tränen der Nacht aus ihrem See wird fischen müssen, um sie dem Magier zu bringen, weil sie es nicht schaffen würde, alles zu erzählen und so greift sie nach dem Becher mit dem Grog, kippt ihn durstig hinunter und kuschelt sich in Galrins Arm. Uuma wissen mehr, wollen sagen alles, aber nicht können. Uuma sogar wissen, wo finden Magier.... grummelt sie in Gedanken, aber es hilft alles nichts. Es dauert nur ein paar Atemzüge, dann beginnt Uuma hin und wieder, leise in sich hinein zu kichern, denn sie hatte den ganzen Grog wie Wasser getrunken und den Tag noch nichts gegessen. Eine Weile wandert ihr Blick ab und zu in das Ildorelgrau vor ihr, dann schüttelt sie irgendwann ihren Kopf, der mittlerweile an Galrins Brust gerutscht ist und flüstert verschwörerisch in sich hinein, während sie sich dabei ihren vor ihrer Brust erhobenen Zeigefinger beobachtet, der jedoch mehr in der Waagerechten hin und her wackelt: „Uuma nicht dürfen ...sagen was, ....von Sache!“ Erst seufzt sie, dass sich ihre Schultern heben und senken, doch dann kichert sie wieder leise und beobachtet die Stiefel vom Anführer unter dem Tisch, die sie in dieser Kuschelposition bestens sehen kann, weil auch ihr Kopf beginnt, schwerer zu werden.



Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Galrin am 31. Jan. 2006, 16:22 Uhr
>>Mir ist nicht mehr nach Mahl genießen, aber lasst euch bei eurem nicht stören.<<, läßt sich der Lord Commander vernehmen, der plötzlich, wie aus dem Boden gewachsen, neben dem Tisch der Jägerin und des Schiffsbauers steht.
Der Normander hatte den Auftritt Uumas gegenüber dem Herrn von Tarascon - ja, die gesamte Existenz Olyvars - für den Augenblick verdrängt. Er hatte sie verdrängen wollen, um sowohl sich als auch Uuma und auch den Kommandanten der Stadtwache samt seinem Offizier ein paar Momente der Ruhe zu gönnen und, das sei nicht vergessen, das bestellte Essen nicht verkommen zu lassen. Mag sich auch Galrin hauptsächlich mit Holz, Tau, Segelleinwand, Pech und Werg befassen, so ist er doch ein Mann, der ein gutes Mahl und die Ruhe, wenn man es seiner Bestimmung zuführt, sehr schätzt. Und es gehört zur Grundphilosophie des Handwerkers aus Dirholmar, daß nur in einem satten Körper auch ein zufriedener Geist steckt.

Inzwischen erklärt Olyvar von Tarascon der Dunkelwalderin, daß er und Kaney sich nicht über sie lustig gemacht hätten, und daß das Lachen lediglich ein Produkt der Erinnerung an gewisse singende Oger und ähnliche komische Begebenheiten gewesen sei.

Ach, daher weht der Wind. Der ungewohnte Anblick Uumas in Männerhemd, neuer Lederhose und Tunika hat dem Lord Commander und Kaney ein Lächeln auf die Lippen getrieben. Uuma hat das gesehen und vermutet, man würde sie verspotten. Diese Echsenlederkleidung muß ihr wirklich außerordentlich viel bedeuten. Ein Schutz nicht nur gegen Hauer und Horn, sondern auch gegen Hohn und Häme.

Olyvars Erklärung gegenüber der Jägerin scheint abgeschlossen. Stattdessen wendet er sich nun dem mit Uumas Aufzug zwar mittelbar zusammenhängenden, aber doch deutlich von Kleidungsfragen abweichenden Thema der Schmuggler zu. >>Wer ist Hackse? Was für Steine hat er gesucht und von welchem Schmugglerschiff ist hier die ganze Zeit die Rede?<<, fragt der Lord Commander. Da Uuma ihn nach ihrer eigenen Erklärung bittet, das Gesagte zu ergänzen, nickt der Schiffsbauer und antwortet: "Hackse war, wie Euch Uuma schon gesagt hat, ein Schmuggler. Einer von dem Piratenpack von der Südküste. Ich gehe davon aus, daß er der Kapitän oder zumindest der Erste Steuermann an Bord des erwähnten Schmugglerschiffes gewesen ist. Er und seine Spießgesellen waren mit ihrer Karavelle vor kurzem hier in der Stadt und haben ihren schmutzigen Machenschaften gefrönt. Das Schiff liegt inzwischen unten am Hafen, den Laderaum voll mit allerlei Schmuggelgut. Das war es auch, was ich Euch dazu sagen wollte. Dieses Zeug soll nicht noch einmal auf den Schwarzmarkt gelangen. Beschlagnahmt es, verbrennt es, werft es in den Ildorel... Hauptsache, dieser Dreck verschwindet. Wenn Ihr das Schiff nicht braucht, würde ich es gern nehmen, Mylord, aber mit dem Schmuggelkrempel will ich nichts zu schaffen haben."

Galrin trinkt einen Schluck Wein, um sich die Kehle zu schmieren, dann redet er weiter. Er ist sich bewußt, daß er vermutlich einige Sachen wiederholt, die Uuma bereits ausgeführt hat. Doch aus eigener Erfahrung weiß er, wie schwierig das Verstehen zuweilen sein kann, wenn die Jägerin etwas in ihrer eigenen Sprechweise beschreibt.

"Wie gesagt, dieser Hackse und seine Kumpane waren hier in Talyra. Sie hatten Uuma entführt weil sie eine bestimmte Sorte von Perlen besaß, die Uuma 'Tränen des Himmels nennt'. Die wollte dieser Taugenichts wohl seinem Meister bringen, einem Magier, der sie vermutlich zur Unterstützung seiner magischen Kraft benötigt. Durch Halla erfuhr ich davon, daß sich jener Galgenstrick namens Hackse in der Harfe befunden und Uuma so seltsam angesehen hatte. Vielleicht erinnert Ihr Euch, Mylord: Den Schmugglern, die Ihr letztes Jahr das Fürchten gelehrt habt, fehlte stets ein Glied an einem Finger. Ebenso war es mit Hackse und seinen Gefolgsleuten. Ich gehe davon aus, daß es sich dabei um einen größeren Ring dieser Burschen handelt. Nun, wie dem auch sei, eine Nachfrage beim Hafenmeister ergab, daß an jenem Tag zwei Leute mit abgetrennten Fingergliedern ein Boot genommen hätten, und damit zu einer Karavelle hinaus gerudert wären, die etwas südlich vom Hafen vor Anker lag. Das Schiff habe dann Segel gesetzt und Kurs auf Ildala genommen. Ich vermutete, daß diese Bande von Halsabschneidern Uuma entführt hatte. Also segelten wir ihnen mit dem Windschiff nach. Meine Vermutung wurde, nachdem wir die Karavelle gesichtet hatten, auch alsbald bestätigt. Uuma war an Bord, und, wie die Kette an ihrem Bein zeigte, sicher nicht freiwillig. Also haben wir in der Nacht das Schmugglerschiff aufgebracht und Uuma befreit. Die Besatzung des Seglers war der Meinung, uns mit Armbrust und Klinge attackieren zu müssen. Wir wehrten uns, und dabei kam sowohl Hackse als auch ein Teil seiner Galgenvögel ums Leben."

Abermals unterbricht sich der Schiffsbauer, diesmal, um einen Happen vom Braten zu essen. Das Fleisch duftet so köstlich, daß es Galrin eine Schande dünkt, es kalt werden zu lassen. Nachdem er gekaut und geschluckt hat, bringt er seinen Bericht mit den letzten Ereignissen auf der Schmugglerkaravelle zum Abschluß: "Schließlich tauchte auch dieser seltsame Magier auf, der wohl an Bord gewesen war. Anders kann ich mir sein plötzliches Erscheinen nicht erklären. Dem konnten wir allerdings mit unseren Pfeilen nichts anhaben, weiß Anukis warum. Jedenfalls hatten wir ihn wohl abgeschreckt, so daß er und die überlebenden Mitglieder der Schmugglermannschaft sich zurückzogen. Aber wenn Ihr mich nun fragt, wohin, so kann ich Euch, die Zwölf seien meine Zeugen, keine Auskunft geben. Er war einfach weg, fort, über alle Berge. Als wir nach Uumas Befreiung eine Entermannschaft auf die Karavelle schickten, war dort kein lebendiges Wesen mehr zu finden. Wohl waren die Toten noch da, das Schmuggelgut ebenso. Aber die Schmuggler, die den Pfeilhagel überlebt hatten waren, ebenso wie der Magus, wie vom Ildorel verschluckt. Wir bemannten die Karavelle mit einer Hälfte der Mannschaft und schickten sie zurück nach Talyra. Mit der anderen Hälfte segelten wir die 'Windkind' zunächst nach Ildala, um dort Vorräte einzukaufen, bevor wir uns ebenfalls auf den Rückweg nach Talyra machten. Und hier sind wir nun."

Der Nordmann zuckt die Achseln, als wolle er sagen: Und das war die ganze Geschichte. Allerdings gilt es noch, etwas zu erwähnen, das nicht ungesagt bleiben soll. Während der Schiffsbauer spricht, wird sein sonst ruhiger Tonfall zu einem gefährlichen Zischen, und der Gesichtsausdruck des Normanders ist bestenfalls noch als grimmig zu bezeichnen, während er die Knöchel seiner Hände knacken läßt: "Fakt ist, daß Uuma nur wenig über diese Angelegenheit erzählen kann. Wenn sie es versucht, hat sie starke Schmerzen, die sogar zur Bewußtlosigkeit führen können. Ich vermute stark, dieser elende Magier hat sie mit einem Zauberbann belegt. Wenn ich den Bastard erwische, dann wird er sich wünschen, niemals an so etwas wie Magie auch nur gedacht zu haben."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kaney am 01. Feb. 2006, 16:41 Uhr
Am Tag seiner Beförderung

>Ist alles noch ein wenig neu, was? Ging mir auch nicht anders, als ich Lord Commander wurde. Aber deine Leute haben alle Vertrauen in dich und mit der Zeit gewöhnt man sich an seine neuen Aufgaben... und glaub mir, vor uns liegen einige. Als erstes wäre da das neue Übungsgel...<
Ein _wenig_ neu? Das ist absolut... unglaublich.. ja, unglaublich, das passt wohl noch mit am besten...
>Seid gegrüßt, die Herren, und einen schönen Tag wünsche ich Euch.< >Aye, latha math, euch auch Galrin,< werden Kaney`s Gedanken und das Gespräch erst einmal unterbrochen, und bevor Kaney nachfragen kann, was Olyvar mit "Übungsgel" meinte, bemerkt auch er die sehr stark veränderte Uuma. Es ist seltsam, sie so zu sehen, in normaler Kleidung, nicht in diesem exotischen Leder, das ihn manchmal an eine zertrammpelte Blindschleiche erinnert hat, und auch die Größe der Kleidung verwirrt ihn. Gut, man kann sich jederzeit neue Kleidung besorgen, Uuma kann sich ja dazu entschlossen haben, sich andere Kleidung zu kaufen, aber sollte es dann nicht auch die passende Größe haben?
>Uuma ist unter die Freibeuter gegangen, wie mir scheint. Fehlt nur noch der Federhut und die Augenklappe.< Kaney grinst, nickt. Stimmt, irgendwie erinnert sie ihn wirklich an einen Freibeuter... oder an ihn selber. Oh ja, er erinnert sich nur allzu gut an die Kleidung, die er bei dieser Schmuggleraktion selber tragen musste - nur dass Uuma`s Kleidung wesentlich besser riecht, und nicht feucht ist.
Er muss den Lordcommander nur anblicken, und beide fangen breit an zu grinsen.
>Weißt du noch, wie Achim plötzlich mitten im Fluß stand, und gesungen hat? Ich dachte, mir bleibt das Herz stehen! Und Cleyron wurde fast geräuchert...<
"Und ob ich das noch weiß... es war schweinekalt, und dann mussten wir auch noch ins Wasser springen, als das Schiff unterging" Eigentlich ist die ganze Situation nicht zum lachen gewesen, nein, sie war wirklich ernst, aber heute kann Kaney darüber lachen. Und es war ja wirklich irgendwie lustig, wie Achim angefangen hat zu singen.
Das Essen wird an den Tisch gebracht, Fleisch, Gemüse, Brot, es duftet einfach nur köstlich, und wie immer bei einem solch guten Essen bemerkt Kaney, dass er Hunger hat, gleichzeitig bemerkt er, dass Galrin, Nordmann und Kapitän der Windkind, ihm zuprostet, was ihm einmal mehr die Röte ins Gesicht treibt.
Trotzdem bleibt der Hunger, gerade schaufelt sich der Wargenmischling erst einmal den Teller voll, als
>Uuma das nicht finden lustig, wenn Uuma müssen tragen das, weil Hackse zerstören Echsenleder von Uuma, wenn suchen Steine von Uuma aus Dunkelwald unter Schuppen!<
Was bei den Göttern? Überrascht hört Kaney zu, wie Uuma den Lordcommander und ihn mit ihren Worten niedermacht.
>Das passieren, wenn Schmuggler rauben Uuma aus Hafen ...und machen Kette an Bein von Uuma, auf Schiff. Tage Uuma so seien auf Ildorel nur in Hemd, bis Galrin finden Uuma und retten von Schiff... Das alles ..nicht seien lustig.<

Nein, es ist nicht wirklich lustig, nur sehr verwirrend, irgendwie sieht Uuma so aus, als würde sie jeden Moment vor Wut platzen, und schon im nächsten Moment steht Galrin neben ihr, >Verzeiht, daß wir Euch beim Essen gestört haben, Mylord. Ich würde Euch jedoch in dieser Schmuggler-Angelegenheit gerne noch kurz sprechen, wenn Ihr, nachdem Ihr Euer Mahl genossen habt, die Zeit erübrigen könnt. Es dauert auch nur eine, allenfalls zwei Minuten.< und zieht sie dann sanft beiseite, zurück an ihren eigenen Tisch.
Schmuggler? Nein, das kann nicht sein. Nicht schon wieder. Kaney verzieht das Gesicht. Er hat absolut keine Lust, sich wieder mit irgendwelchen Schmugglern anlegen zu müssen, hat keine Lust, sich wieder als Pirat zu verkleiden.
>Ifrinn, das reicht jetzt aber < knurrt Olyvar, nickt dann Kaney zu, und setzt sich erst einmal an den Tisch von Galrin und Uuma.
Kaney zuckt mit den Schultern. Er kann von seinem Platz aus hervorragend hören, was da erzählt wird, ohne sich großartig in den Vordergrund schieben zu müssen.
Und so lauscht Kaney, hört die Erklärung von Olyvar, dass sie beide Uuma keineswegs ausgelacht haben, er hört seltsame Geschichten von dem Mann namens „Hackse“, der anscheinend der Anführer der Schmuggler auf dem Schiff ist, hört wieder etwas von seltsamen Steinen aus dem Dunkelwald, dann erzählt Galrin aus seiner Sicht, was geschehen ist.
Er erinnert sich an die Schmuggler, deren Finger um ein Glied kürzer gemacht worden sind, hört von dieser seltsamen Befreiungsaktion (wer würde schon damit rechnen, dass jemand aus der Luft kommt, um jemanden zu befreien), Galrin berichtet von einem seltsamen Magier und davon, dass das Schmugglerschiff nun in Talyra ist.
Was für eine Geschichte.
>Fakt ist, daß Uuma nur wenig über diese Angelegenheit erzählen kann. Wenn sie es versucht, hat sie starke Schmerzen, die sogar zur Bewußtlosigkeit führen können. Ich vermute stark, dieser elende Magier hat sie mit einem Zauberbann belegt. Wenn ich den Bastard erwische, dann wird er sich wünschen, niemals an so etwas wie Magie auch nur gedacht zu haben.<
Bei diesen Worten zieht Kaney leicht die Augenbraue hoch, während er an seinem Wein nippt. Dieser Satz klingt sehr vertraut.. zu vertraut, irgendwie.. War da nicht irgend so ein Gerücht an seine Ohren gekommen, dass die Frau von Galrin nicht erst letztens gestorben war?
Egal, Kaney lauscht weiter, was Olyvar nun unternehmen wird, während er noch einmal an dem Wein nippt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Olyvar von Tarascon am 03. Feb. 2006, 21:03 Uhr
Uuma hört ihm zu, nun eher verwirrt und ziemlich betroffen, als zornsprühend, und nachdem er ihr das Ganze erklärt hat, gibt sie ein ziemlich überraschtes kleines >Oh!< von sich und strahlt erleichtert - nur um gleich darauf, kaum hat er sich nach den Schmugglern erkundigt, wieder eine ziemlich erschrockene Miene zu machen. Olyvar lauscht ihren Worten, an Uumas seltsame Erzählweise noch gut von früheren Begegnungen mit ihr gewöhnt. >Hackse seien Mann von... von Schmugglerschiff, der haben Sagen, aber nicht seien Kopf von Schmugglerbande, die nicht nur seien auf Ildorel, auch an Meer in Städte, die seien groß und haben Hafen.< Hackses geheimnisvolle Identität klärt sich allmählich, doch auf Uumas letzte Worte kann Olyvar sich nicht wirklich einen Reim machen. Was genau "an Meer in Städte die seien groß und haben Hafen" bedeuten soll, ist ihm nicht ganz klar. Der Ildorel hat nur eine einzige Verbindung zu einem der vier Weltmeere, den Blutfluss, der schließlich bei Naggothyr in die Große Perlenbucht mündet... im Süden Azuriens. Das kann sie kaum meinen... Naggothyr liegt jenseits der azurianischen Wüsten, tausende von Meilen weit entfernt. Keine Schmugglerbande der Welt kann über solche Distanzen operieren, und der Gurane ist für hochseetaugliche Schiffe, wie sie auf dem Ildorel segeln, auch gar nicht zu befahren. Aber vielleicht haben Ildorelpiraten durchaus Kontakte zu ähnlichem Gesindel, ganz gleich wo es sitzt... Uuma fährt fort und reißt ihn aus seinen Gedanken. >Kopf von Bande suchen ...suchen  kleine weiße ...Steine aus Dunkelwald, die Uuma wissen wo seien und die Kopf schon suchen viele Sonnenläufe, weil seien selten und machen, dass Kopf werden mehr mächtig, als schon seien. Das verraten Hackse Uuma, weil Hackse nicht denken, Galrin kommen von oben und retten Uuma von Schiff.< Allmählich kann er sich zusammenreimen, was geschehen sein muss, wenigstens vage, doch Uuma gibt das Wort an Ragnarsson weiter, der ihn genauer ins Bild setzt... zumindest versucht er es redlich, auch wenn Uuma, die den ziemlich verräterisch nach Rum duftenden Inhalt ihres Bechers hinuntergestürzt hat wie Quellwasser, nun leutselig kichernd an Galrins Brust hängt. Das, und die Tatsache, dass der Schiffbauer sein Essen gern wenigstens noch lauwarm hinunterbekommen will, lenken ihn hin und wieder etwas ab.

Olyvar übersieht die alkoholgeschwängerte Wackligkeit der Dunkelwäldlerin mit einem nachsichtigen kleinen Lächeln und konzentriert sich auf das, was Galrin ihrem Bericht hinzufügen kann - und das scheint einiges zu sein, wenn es auch einige Male von einem Schluck Wein oder einem Happen Bratenfleisch unterbrochen wird. Er hört dem Schiffbauer schweigend zu, ohne ihm ein einziges Mal ins Wort zu fallen oder eine Zwischenfrage zu stellen. Galrins Ausführungen sind durchaus verständlich und zeichnen ein Bild von den Ereignissen, mit dem Olyvar auch etwas anfangen kann - nur die geradezu höfischgezierte Ausdrucksweise des Schiffbauers erinnert ihn frappierend an die eines gewissen Nargenschreibers, der eine Zeit lang in seinem Dienst gewesen war. Erst als Galrins Miene sich verfinstert wie die eines erbosten Bullmastiffs, dem man gerade seinen Lieblingsknochen vor der Nase weggeschnappt hat, hebt Olyvar fragend eine Braue. Ragnarsson nickt ergrimmt und fügt schließlich noch, zischend wie ein Teekessel kurz vor dem Siedepunkt, hinzu: >Fakt ist, daß Uuma nur wenig über diese Angelegenheit erzählen kann. Wenn sie es versucht, hat sie starke Schmerzen, die sogar zur Bewußtlosigkeit führen können. Ich vermute stark, dieser elende Magier hat sie mit einem Zauberbann belegt. Wenn ich den Bastard erwische, dann wird er sich wünschen, niemals an so etwas wie Magie auch nur gedacht zu haben.< Olyvar weiß nicht, ob Uuma Galrins Worte gehört hat, aber wenn, dann ist ihr im Augenblick jedenfalls noch nichts davon anzusehen. Ihr Kopf ruht weich und schwer an Galrins Brust und ihr Blick beobachtet gedankenverloren irgendetwas unter dem Tisch... falls sie nicht schon halb eingeschlafen ist.
"Wenn Ihr den Bastard erwischt und dieser Magier mächtig genug ist, sich selbst und ich weiß nicht wie viele Schmuggler einfach so im Nichts verschwinden zu lassen, dann solltet Ihr vielleicht dafür Sorge tragen, dass Ihr besser gut gegen Magie aller Art gewappnet seid," erwidert Olyvar schließlich leise. Dann streckt er mit einem leisen Seufzen die Beine zur Seite und stützt seine Unterarme auf die Tischplatte. "Piraterie hat es auf dem Ildorel von jeher gegeben und das wird sich wohl auch nie ändern. Bis zum letzten Jahr allerdings sind Talyra und auch die Gewässer rund um die Stadt davon immer weitgehend verschont geblieben. Kleine Schmuggeleien hier und da, sicher, das gibt es in jeder größeren Stadt und in jedem Fürstentum der Herzlande, aber große Freibeuterschiffe..." er zuckt vage mit den Schultern.

"Seit mehr als zehn Zwölfmonden kreuzten auf dem westlichen und südlichen Ildorel nur noch vier größere Schmugglerschiffe. Die Bruya, die Marlin, eine geheimnisvolle Karacke namens Rache und ein weiteres, über dass ich bisher nichts wusste... das scheint mir euer Schiff zu sein. Die Bruya haben wir letzten Winter aufgebracht, sie ist verbrannt und Ihr sagt, die namenlose Karavelle liegt jetzt samt Ladung im Hafen vor Anker, also sind es nun nur noch zwei. Im Süden wird man Euch zweifellos dankbar dafür sein, denn wenn man den Gerüchten aus Ildala oder Virinmarun Glauben schenkt, tun die Seesoldaten dieser Städte die Hälfte ihrer Zeit nichts anderes, als irgendwelchen Piraten hinterherzujagen... In den Osten wagten sich die Piraten nie, zuviele Schauergeschichten über Nevis und zuviel Angst, die Magier von Sorbon würden ihre Kähne mit Mann und Maus versenken. In unsere Gewässer segelten sie bis zum letzten Winter auch nie." Tatsache ist, in über zehn Jahren hatten wir nur zweimal ein größeres Piratenschiff vor talyrischer Küste... und beide Male waren sie hinter Uuma her...
"Wie auch immer. Wir haben ein Schmugglerschiff im Hafen mit voller Ladung, die sicher einiges Wert sein dürfte. Da Ihr es aufgebracht habt, steht Euch eine Belohnung zu und meinetwegen behaltet ihr den Kahn gern, ich kann ihn nicht brauchen. Ich sorge allerdings dafür, dass die Schmuggelware heute noch von Bord gebracht und untersucht wird... vielleicht gibt uns ihre Beschaffenheit oder ihr Herkunftsort ein wenig mehr Aufschluß darüber, wo sich das Schiff in den letzten Monden herumgetrieben hat. Ich nehme an, die Angelegenheit ist..." sein Blick streift Uuma in Galrins Arm, "für euch etwas sehr persönliches und Ihr werdet Euch selbst darum kümmern wollen, aber wenn ich Euch irgendwie helfen kann, dann sagt mir Bescheid. So wie ich das sehe, habt Ihr es mit einem größenwahnsinnigen Llyfrawr zu tun, ob der sich nun mit den Piraten nur verbündet hat, um an seine Himmelstränen zu kommen, oder ob er schon von jeher zu ihnen gehört hat, sie vielleicht sogar anführt... Und da ist noch etwas... wenn Ihr den starken Verdacht habt, dass es sich hier um einen Zauberfluch handelt, dann solltet Ihr Euch darüber Gewissheit verschaffen und etwas dagegen tun und zwar möglichst schnell." Er winkt einer Magd, flüstert ihr ein paar leise Worte ins Ohr und kurz darauf erscheint einer von Borgils Botenjungen bei ihnen am Tisch, bei sich ein Stück Pergament, Federkiel, Tintenfässchen und Löschsand.

Olyvar schreibt eine kurze Botschaft für Uliaris, den Nauarchen Talyras und Meister der Schiffe auf und heißt ihn darin, die gesamte Ladung der Schmugglerkaravelle im Hafen zu beschlagnahmen und versiegelt in eines der städtischen Lagerhäuser zu schaffen, das Schiff jedoch Galrins Männern zu überlassen. Die paar wenigen, knappen Anweisungen zu verfassen dauert nicht lange und kurz darauf flitzt der Junge mit seiner aufgerollten Botschaft davon, um sie ins Hafenviertel zu bringen. "Ich werde versuchen, mir die Schmugglerware heute abend noch anzusehen, und euch wissen lassen, was ich herausgefunden habe... wenn ich etwas herausfinde und es euch interessiert. Und nun entschuldigt mich, Galrin, Uuma... mein Essen ist kalt und ich kann Kaney nicht länger warten lassen. Wenn es in dieser Sache noch mehr zu sagen gibt, wißt ihr ja, wo ihr mich findet." Ein ziemlich nachdenklich gewordenen Olyvar kehrt zu seinem eigenen Tisch zurück. Da sind ein paar Ungereimtheiten, nun ja, nicht wirklich offensichtliche Ungereimtheiten, aber doch Dinge, die ihn stutzig haben werden lassen, ohne dass er genau sagen könnte, was oder warum. Kalter Braten schmeckt jedoch genauso gut wie warmer, mit frischem Brot und guter Butter allemal, und so beginnt er endlich zu essen.  Ein Blick in Kaneys goldgelbe Wolfsaugen und Olyvar weiß, dass der Warg mit seinem scharfen Gehör jedes gesprochene Wort verstanden hat. "Komische Sache, was? Man könnte meinen, die arme Uuma ist neuerdings das Lieblingsopfer sämtlicher Ildorelpiraten."  Er schenkt sich Wein nach und kostet langsam davon, rollt den samtweichen Geschmack im Mund herum und schluckt. "Ich werde mir heute abend im Hafen die Ladung ansehen, vielleicht finde ich etwas heraus. Aber nun zu den Steinfaust-Plänen..." Olyvar senkt seine Stimme, auch wenn das in der angenehm leeren Harfe und ohne unmittelbare Tischnachbarn kaum nötig ist, und weiht Kaney in die wichtigsten Veränderungen und Neuerungen ein, die der Stadtgarde in den nächsten Monden ins Haus stehen, bis sie beide über ihre leeren Teller hinweg die Köpfe zusammenstecken wie Lausejungen, die begeistert ihren nächsten Streich aushecken. "Du kennst doch das verlassene Dorf mit dem stillgelegten Steinbruch und der alten Tempelruine, ungefähr sieben Tausendschritt südwestlich von Talyra im Rabenbruch? Ja, ich weiß, die Leute sagen, es sei ein verfluchter Ort und dort gingen Geister um, aber das wird unser neues Übungsgelände..."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Galrin am 04. Feb. 2006, 20:21 Uhr
Grimmig nickt Galrin, als Olyvar ihm ins Gewissen redet, sich gegen magische Angriffe seitens des verruchten Zauberers zu wappnen. Der Schiffbauer hält den Kommandanten der Stadtwache nicht für solch einen Narren, daß dieser allen Ernstes glaubt, Galrin würde ohne jede Vorbereitung gegen den Magier ins Feld ziehen wollen.

>>Wenn Ihr den starken Verdacht habt, dass es sich hier um einen Zauberfluch handelt, dann solltet Ihr Euch darüber Gewissheit verschaffen und etwas dagegen tun und zwar möglichst schnell.<<, bemerkt der Lord Commander überdies. Auch diese Feststellung quittiert der Kapitän mit einem Nicken und einem kurzen: "Das werde ich."
Der erste Gedanke hierzu hätte den Magister Malakai betroffen. Doch der Stadtrat und frühere Vorsteher des Hauses der Bücher war wohl nach werweißwohin verschwunden, so daß man ihn nicht zum Sachverhalt dieses Fluches befragen kann.
Den Magier vom Steinernen Dreieck will Galrin mit dieser Angelegenheit ebenfalls nicht betrauen, denn diesem haftet seit einigen Wochen ein etwas zwiespältiger Ruf an. Ein Mann, der sich von dem Magier und seiner Gefährtin, der Heilerin Selket, behandeln ließ, habe das Steinerne Dreieck in schlechterem Zustand verlassen, als er es betreten habe, erzählt man sich auf dem Markt. Und da Alwine, Halda und Asa stets den neuesten Stadttratsch aufschnappen und in die Werft tragen, ist man auch dort über die Vorgänge in der Stadt bestens auf dem Laufenden.
Doch wie man hört, soll auch der neue Verwalter des Hauses der Bücher ein Magus sein, und da Galrin dort ohnehin vorbei schauen will, bietet sich hier wohl die ideale Gelegenheit, dem Zauberfluch auf den Zahn zu fühlen.

Schließlich verabschiedet sich der Kommandant der Blaumäntel wieder und kehrt zu seinem Tisch und zu Kaney zurück, und die alkoholselige Laune Uumas indes läßt sich durch zwei Tassen starken Cofeas wieder vertreiben.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Uuma am 04. Feb. 2006, 23:41 Uhr
Eigentlich ist Uumas Welt gerade ganz und gar in Ordnung, sie fühlt sich wohlig geborgen, sie hört Galrins Herz gleichmäßig und stark in seiner Brust klopfen, doch dann hämmert es plötzlich darin, dass sie aus ihrer weichen Ruhe gerissen wird. Es dauert zwar ein Weilchen mit ihrem immer schwerer werdenden Kopf und den genauso langsamer gewordenen Gedankengängen zu reagieren, aber als dann auch noch die Stiefel, die für ihre Augen ein ruhender Punkt waren, so einfach aus ihrem Blickfeld verschwinden, rappelt sie sich auf und lauscht wieder nach außen.  >>"Wenn Ihr den Bastard erwischt und dieser Magier mächtig genug ist, sich selbst und ich weiß nicht wie viele Schmuggler einfach so im Nichts verschwinden zu lassen, dann solltet Ihr vielleicht dafür Sorge tragen, dass Ihr besser gut gegen Magie aller Art gewappnet seid,<< Uuma kann 'von Tarascon' nur Recht geben. Galrin sollte sich nur nicht zu nahe an den Burschen ranwagen, sie weiß, wie mächtig er ist, aber warum bei allen Baumkatzen, kriegt sie das nicht über die Lippen und kann nichtmal ihren Kopf zur Bestätigung heben und senken. Grog machen das! trifft sie die Erkenntnis viel zu spät, denn selbst an den köstlichen Braten, der ihr gemein duftend plötzlich wieder ins Bewusstsein rückt, kommt sie nicht dran und sie fasst den Entschluss, nie wieder Grog anzurühren, wenn er auch noch so köstlich duftet und schmeckt.

>>Und da ist noch etwas... wenn Ihr den starken Verdacht habt, dass es sich hier um einen Zauberfluch handelt, dann solltet Ihr Euch darüber Gewissheit verschaffen und etwas dagegen tun und zwar möglichst schnell."<< Zauberfluch? Es dauert, bis Uuma begreift, dass die Männer sich über den schwarzen Nebel in ihrem Kopf unterhalten. >>"Das werde ich."<< Was? Galrin wollen tun was gegen Molok in Kopf von Uuma? Panik bricht in ihr aus, wenn ihr Körper auch langsamer, als eine Schnecke reagiert, nämlich gar nicht. Uuma würde jetzt am liebsten aufspringen und nur noch flüchten, aber bis auf ihr eigenes Herz, das jetzt wie verrückt rast, tut sich bei ihr überhaupt nichts, wenn sie von ihren Gedanken absieht, die sich mühlsteinartig durch ihren Kopf wälzen. >>Und nun entschuldigt mich, Galrin, Uuma... mein Essen ist kalt und ich kann Kaney nicht länger warten lassen. Wenn es in dieser Sache noch mehr zu sagen gibt, wißt ihr ja, wo ihr mich findet."<<

Wollte Uuma gerade eben noch flüchten, würde sie 'von Tarascon' nach seinen letzten Worten am liebsten am Hemdsärmel zurückhalten und ihm erklären, dass Galrin stirbt, wenn wer was gegen Molok in ihrem Kopf tut, aber dann ist er auch schon weg und sie verflucht den Grog, den sie so runtergekippt hat, weil sie einfach nur Durst gehabt hatte.  Plötzlich spürt sie einen Becher an ihren Lippen und der Geruch des schwarzen Gebräus aus Ildala steigt ihr in die Nase. Mit kleinen Schlucken trinkt Uuma das bittere Zeug, das Galrin ihr einflößt und nach einem Becher davon ist sie wieder wacher und  in der Lage, von ihrem köstlichen Braten zu essen. Beim zweiten Becher besteht sie auf Rahm und süßen Sirup und genießt dann bis auf den letzten Krumen alles, was die Schankmagd ihr auf den Teller gegeben hatte, auch wenn es schon nicht mehr warm ist. Galrin ist die ganze Zeit sehr schweigsam, was Uuma einerseits verunsichert, andererseits aber auch sehr wachsam macht, denn sie ist gewarnt und würde aufpassen, wohin sie die Tage gehen und wem sie begegneten, denn sie würde niemanden in ihrer Nähe lassen, der meint, an ihrer Verbindung zu Molok rumwurschteln zu können.

Schon in ihren warmen Umhang gehüllt, Galrin hat seinen Arm liebevoll um sie gelegt,  kommen sie an dem Tisch der beiden Männer aus der Steinfaust vorbei und Uuma bleibt davor stehen. „Uuma danken 'von Tarascon' für alles.“ Uuma verneigt sich leicht und ihr Blick drückt nicht nur den Dank für das kurz zuvor stattgefundene Gespräch aus. Als sich jedoch die Sorge vor dem, was vor ihr liegt, in ihre Augen schleichen will, löst sie sich von seinen grauen Augen und blickt zu Kaney, den sie seinerzeit im Larisgrün am Bach das erste Mal gesehen hat. „Uuma auch danken Junge aus Wald für Hilfe damals, und in Häuschen.“ kommt es mit einem kleinen Lächeln über ihre Lippen, denn ihrer beider Bekanntschaft ist ganz anderer Art. In ihm sieht sie den Waldmenschen, der sie selber ist und deren Wege das  Schicksal einige Male gekreuzt hat, wobei er ihr jedesmal einfach so, ohne zu fragen geholfen hatte. Ein Seufzer schließt ihre Verabschiedung ab, dann verlassen sie die heimelige Wirtsstube und Uuma fürchtet tief in ihrem Innern, dass sie sie nie wieder sehen wird, wenn sie sich selber auch einredet, dass der Magier sein Versprechen halten wird, dass er sie mit Galrin in Ruhe leben lassen wird, wenn sie seinen Auftrag erledigt hat.

Fest in ihren warmen Umhang gehüllt stapft Uuma mit Galrin zum Stall, wo Klein-MoM sie stürmisch begrüßt und sie ihre Sorgen für eine Weile vergisst. Dem Stallburschen drückt sie aus ihrem Lederbeutel reichlich Münzen für die Unterbringung und die gute Pflege in die Hand, die man dem Hengst deutlich ansieht, denn sein Fell und seine lange Mähne waren noch nie so ordentlich gebürstet, dann reiten sie in die kalte Winterluft hinaus. Fest schlagen die Hufe auf den gefrorenen Boden auf, als begrüßten sie wieder die Freiheit und Uuma muss über den kleinen Kerl schmunzeln und genießt es, die unbändige Lebensfreude in dem Pferdchen unter sich zu fühlen, während Galrins Rappe ruhig daherstapft und nur hin und wieder einen Blick für den langhaarigen kleinen Weißen an seiner Seite übrig hat.  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kaney am 08. Feb. 2006, 20:56 Uhr
>Ich werde versuchen, mir die Schmugglerware heute abend noch anzusehen, und euch wissen lassen, was ich herausgefunden habe... wenn ich etwas herausfinde und es euch interessiert. Und nun entschuldigt mich, Galrin, Uuma... mein Essen ist kalt und ich kann Kaney nicht länger warten lassen. Wenn es in dieser Sache noch mehr zu sagen gibt, wißt ihr ja, wo ihr mich findet.<
Endlich beendet der Lordcommander sein Gespräch mit dem Meister der Windkind, eine Tatsache, die Kaney leise seufzen lässt. Zwar hat er seinen Teller etwas geleert, hat während des Gespräches mal hier eine halbe Kartoffel, mal da ein Stückchen Fleisch gekaut, aber insgesamt hat er sich zurückgehalten, er wartet lieber, anstatt dann Olyvar später beim Essen zu zu sehen.
>Komische Sache, was? Man könnte meinen, die arme Uuma ist neuerdings das Lieblingsopfer sämtlicher Ildorelpiraten.<
Kaney nickt. Stimmt, das war wirklich auffällig.
"Vielleicht sollten wir sie bitten, sich oft auf dem Ildorell aufzuhalten, in Begleitung von Uliaris und seinen Schiffen... vielleicht werden wir dann die Piraten ganz schnell los, wenn sie so an ihr interessiert sind..." flüstert Kaney, nur für Olyvar hörbar. Er will nicht, dass Uuma noch einmal so einen Wutanfall bekommt, der diesmal irgendwie auch zurecht kommen würde. Röte schießt ihm ins Gesicht, verlegen grinst er, zuckt mit den Schultern.
>Ich werde mir heute abend im Hafen die Ladung ansehen, vielleicht finde ich etwas heraus. Aber nun zu den Steinfaust-Plänen...<
Irgendwie wirkt Olyvar geheimnisvoll, wie er sich da nach vorne beugt und flüsternd zu erzählen beginnt:
>Du kennst doch das verlassene Dorf mit dem stillgelegten Steinbruch und der alten Tempelruine, ungefähr sieben Tausendschritt südwestlich von Talyra im Rabenbruch? Ja, ich weiß, die Leute sagen, es sei ein verfluchter Ort und dort gingen Geister um, aber das wird unser neues Übungsgelände...<
Kaney nickt. Er kennt das Gebiet, und ja, auch ihm ist nicht immer wohl dabei, wenn er dort vorbei kommt. Nicht wegen irgendwelchen Geistern, von denen hat er dort weder etwas gerochen, noch etwas gespürt, nein, der Wargenmischling hat nur ein kleines Gefühl des Unwohlseins, wenn er an die Tempelruine denkt. Ein verlassener, fast vollständig eingestürzter Tempel, dass kann doch nichts Gutes bedeuten.
Aber diese Gedanken verdrängt er erst einmal wieder, und kurz darauf rasen ihm einige andere Gedanken durch den Kopf.
Ein Übungsgelände... Ja, sicher, wenn wir wirklich mehr Männer bekommen, können wir nicht alle im äußeren Zwinger ausbilden... und ein ganzes Dorf nur für Blaumäntel..
"Ein Übungsgelände... hmm.. nur für die Neuen, oder für alle? Wie werden die Leute dort untergebracht, nur Zelte, oder vielleicht auch eigene Häuser, um dort zu übernachten? Oder jeden Tag dort hin marschieren, Sieben Tausendschritt sind ja nicht all zuviel... und inwiefern könnten... meine Männer das Gelände benutzen?"
Immer noch ein seltsames Gefühl, von seinen Männern zu sprechen...
Aber vorallem hat Kaney Fragen über Fragen. Das ganze klingt auf jeden Fall sehr interessant, Neugier breitet sich in dem Wargenmischling aus, und so beugt er sich ebenfalls nach vorne, und wirkt für andere genauso geheimniskrämerisch wie der Lordcommander ihm gegenüber.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Olyvar von Tarascon am 10. Feb. 2006, 21:58 Uhr
Olyvar schenkt sich Wein nach, aber wie Kaney auch trinkt er nur langsam und teilt sich mit seinem frischgebackenen Offizier Brot und Fleisch, während sie sich leise unterhalten. Als Olyvar das verlassene Dorf erwähnt, stutzt Kaney kurz und für einen Herzschlag meint er sowas wie Unbehagen in den goldgelben Raubtieraugen seines Gegenübers aufschimmern zu sehen, aber dann verschwindet es und der Wargmischling nickt langsam, als kaue er hinter seiner Stirn noch auf einem Dutzend Gedanken dazu herum. >Ein Übungsgelände... hmm.. nur für die Neuen, oder für alle? Wie werden die Leute dort untergebracht, nur Zelte, oder vielleicht auch eigene Häuser, um dort zu übernachten? Oder jeden Tag dort hin marschieren, Sieben Tausendschritt sind ja nicht all zuviel... und inwiefern könnten... meine Männer das Gelände benutzen?<
Der Brotkorb ist leer und Olyvar winkt der vorbeieilenden Grid um Nachschub, ehe er sich ein Stück Fleisch in den Mund schiebt, kaut und schluckt, und dann nickt, nur um fast gleichzeitig den Kopf zu schütteln. "Ja und Nein," erwidert er schließlich. Grid bringt ihnen noch ofenwarmes, weißes Brot und entfernt sich mit einem Lächeln wieder von ihrem Tisch, um weiter hinten ein paar verfrorene Zwerge zu bedienen, die gerade im wahrsten Sinne des Wortes hereingeschneit sind. "Unterbringen will ich dort zumindest auf Dauer eigentlich niemanden, es ist nur ein Übungsgelände... ich kann die Blaumäntel die geplanten Manöver schlecht mitten in Talyra ausführen lassen und die Höfe der Steinfaust sind zwar gut für Übungskämpfe Mann gegen Mann oder einen kleineren Buhurt, aber nicht für Scheingefechte in Truppstärke. Das Dorf liegt in einem breiten, aber gut versteckten Tal mit einem alten Steinbruch, wo sich wunderbar schnelle Schwenks, verschiedene Aufstellungen und Formationen, Schildwälle, Reiterangriffe und ähnliches üben lassen - und im Ort selbst ziehen Vareyar und ein paar Männer mit einer Schar Knechte und Baumeister gerade halbverfallene Mauern wieder hoch und setzen Gebäude instand.

Es ist eine ziemlich weitläufige Ruine, ein Labyrinth verwinkelter kleiner Straßen und Sackgassen... wie geschaffen, um darin Straßenschlachten zu üben, kontrollierte Durchsuchungen, Angriffe auf Häuser oder die Verteidigung von Gebäuden, Ausfalltaktiken... die Rettung von Verwundeten oder die Evakuierung größerer Menschenmengen. Du siehst, wir haben einiges vor in der nächsten Zeit und wir werden die Männer dort trainieren lassen, was uns an Szenarien nur einfällt. Und was deine Männer angeht... nun, als ihr Hauptmann musst du jeden einzelnen von ihnen kennen, um seine Stärken, wie um seine Schwächen und seinen Charakter wissen, und ihn nach seinen Fähigkeiten einsetzen können. Aber vor allem will ich, dass du sie lehrst. Sicher, die meisten von ihnen sind Menschen und haben nicht deine Sinne, aber bring ihnen trotzdem bei, was du kannst. Ich will für Talyra ein paar Kundschafter und Späher haben, die in ein Narglager hineinspazieren, die Schuhgröße des Anführers feststellen und ungesehen, ungehört und ungerochen wieder hinausspazieren können... verstehst du? Die meisten von ihnen sind gute Kundschafter, können Fährten lesen und auch in der pfadlosesten Wildnis noch einen Weg finden, und gute Jäger sind sie alle, aber ich will, dass sie wachsamer als ein götterverdammter Bluthund werden und am besten noch unsichtbar und lautlos dazu. Es wird in der nächsten Zeit sicher jede Menge gemeinsamer Manöver mit verschiedensten Blaumänteltruppen geben - Reiterei, Pikeniere, Sappeure, Schwertkämpfer, Wachen und die Späher, aber ich will, dass jeder Hauptmann seine Leute darüber hinaus untereinander so oft üben lässt, wie es nur geht und es die Dienstpläne erlauben."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 12. Feb. 2006, 16:16 Uhr
Vom 17. auf den 18. Langschnee

Sie hat nicht einmal die Zeit nach Luft zu schnappen, geschweige denn ein Wort des Widerspruchs in ihren Gedanken formen zu können und sie weiss schlichtweg nicht, wie ihr geschieht, als Borgil sie vom einen Moment auf den Anderen auf die Arme hievt und in Richtung ihrer Privatgemächer  schreitet. Sein Blick sucht hektisch den Schankraum ab, verhaltene Flüche über das pünktliche Fehlen jeglicher Mägde und Schankmaiden verklingen halblaut in seinem Bart und sie blinzelt doch leicht verstört über die seltsamen Schilderungen seinerseits, denn sie kann sich nicht erinnern, irgendwie geschrieen, um Hilfe gefleht oder bemerkt zu haben, dass ihre Beine sie nicht mehr tragen können. In Borgils Gesicht stehen tiefe Sorgenfalten und ihr Herz beginnt bei diesem Anblick zu flattern und schmerzlich gegen ihre Rippen zu pochen. Sie möchte ihn beruhigen, ihm all das ersparen, ihm sagen, dass es ihr gut geht, dass sie selber laufen kann, dass ihr Rücken verflixt noch mal einfach taub werden soll und alles was sie braucht ein warmes Bett ist, am besten mit ihm drin. Doch er lässt es nicht so weit kommen. Sie schmiegt sich an ihn, lehnt ihre Wange an seine Brust und sieht ihn aus grossen, weissen Augen an, bis er sie schliesslich wirklich bis ins Bett verfrachtet hat. Kaum hat er das getan will er schon wieder Hals über Kopf davon stürzen, um irgendjemanden, wenn es sein muss an den Haaren herbei zu zerren, der ihr helfen kann, doch sie erwischt gerade im letzten Moment noch den robusten Stoff seines Ärmels, bevor er abdampfen kann wie ein pfeifender und schnaubender Kessel. Sie versucht ein Lächeln auf ihre Lippen zu zwingen und es auch dort zu behalten, doch es gelingt ihr schlichtweg nicht und alles was sie zu Stande bringt, ist ein leises und ebenso klägliches: „Nicht...“ Er mustert sie erschrocken, sanft und fast ängstlich, lässt sich jedoch bereitwillig von ihr zurückziehen und setzt sich schliesslich seufzend auf den Bettrand, der trotz seiner robusten Bauart unter Bogils Gewicht knarrt. Unsicher greift sie vorsichtig nach seiner Hand, lässt ihre schmalen, weissen Finger vollkommen in seinen schwieligen, starken  Pranken verschwinden und drückt zärtlich zu, was sich für ihn anfühlen muss, als würde ein Schmetterlingsflügel seine Haut streifen. „Es ist alles in Ordnung“, beginnt sie stockend und scheltet sich selbst bereits im nächsten Herzschlag, denn eigentlich ist gerade überhaupt nichts so, wie es sein sollte und das macht es ihr nicht wirklich leichter, weiter zu reden. „Es ist wahrhaftig, wirklich und nur der Rücken der mir Mühe bereitet. Ich habe keine Wehen und das Kind ist nicht... immer noch nicht unterwegs. Es gibt noch keine Geburt, auch wenn ich es mir wünschen würde, auch wenn ich wollte und wenn ich könnte würde ich es herausholen, aber das geht nicht.“ Sie gestikuliert leicht verzweifelt mit einer Hand fahrig durch die Luft, lehnt sich zurück in die mühsam zurecht gedrückten und gezwängten Kissen und betrachtet Borgil aus den Augenwinkeln. Der starke Zwerg, der das Wort „unmöglich“ wahrscheinlich noch nie in seinem Leben in den Mund genommen hat und erst recht keinen Glauben daran hat, sitzt still an ihrer Seite und scheint begreifen zu müssen, dass er schlichtweg nichts tun kann, ausser zu warten, bei ihr zu sein und ihr gut zuzureden.

„Tut mir leid“, murmelt er schliesslich und sieht sie an. Seine Worte lassen eine seltsame Mischung aus Wut auf das Kind und Zorn auf sich selbst in ihr aufsteigen und beschämt sucht sie nach irgendwas, das sie ansehen kann. Ihr Blick schweift über azurianische, federweiche und herrlich bunte Teppiche, über wuchtige, dunkle Sessel, über ein dutzend Kissen, die darin liegen und die sie in der letzten Zeit mit vielen kleinen Runen bestickt hat – ihre ersten Versuche damit -, über die tanzenden Flammen, die gierig nach dem trockenen Holz lecken, über Wandteppiche, die Bilder von Geschichten und Sagen zeigen , über unzählige Truhen und Kisten, in denen die Dinge lagern, welche zuvor noch in Borgils ehemaligen Arbeitszimmer standen, über die geschlossene Tür des Kinderzimmers, dass noch immer leer und einsam steht, obwohl es endlich fertig eingerichtet wäre – Borgil hat schliesslich Recht behalten mit seinen gelben Kattunvorhängen mit den kleinen, weissen Zierstickereien darauf-, bis sie doch nicht mehr anders kann, als ihren Mann erneut anzusehen und nach seinen Augen zu suchen, um darin wie immer Geborgenheit und Wärme zu finden. All das ist dort zu lesen, jedoch von einem dunklen Schatten an Sorge und Furcht überschattet, der Steine auf ihre Schultern wuchtet. „Du brauchst dich nicht entschuldigen“, versucht sie es erneut und sucht händeringend nach Worten, die zu seiner Beruhigung, und zu ihrer dazu, beitragen könnten und als ihr nach mehreren Augenblicken noch immer keine einfallen wollen, gibt sie einen wimmernden Protestlaut von sich und lässt ihre Faust auf die weichen Laken fallen: „Das kann doch nicht sein!“ Dermassen unfähig hat sie sich selten gefühlt, nicht mehr, seit Borgil auf dem Sithechacker unter ihren Händen beinahe einfach so krepiert wäre, oder als er in den verfluchten Kanal gestiegen ist, um Raven aus den Fängen dieser stinkenden Kanalratten zu retten und als er nun, für seine Verhältnisse schrecklich unsicher, beginnt sein Verhalten zu erklären, zieht sich alles in Azra zusammen und unter ihren Lidern beginnen die Tränen zu brennen. Sie versteht wovon er spricht, fühlt selbst die nagende Ungeduld und die grausame Ungewissheit in sich, die ihre Gedanken zu einem verworrenen Spiel aus Wenns und Abers werden lässt, nur um schlussendlich einsehen zu müssen, dass jegliche Grüblerei kein Stück weiter hilft, ohne dabei wahnsinnig zu werden. Ich habe es wirklich versucht, ich hab es versucht und es bringt nichts, ich verliere nur den Verstand. „Ruh dich aus, Azra. Auch wenn es noch nicht so weit ist, das Kind wird bestimmt bald kommen und du brauchst deine Kraft. Versuch ein wenig zu schlafen, ich bleibe bei dir.“ Sie starrt in die Leere vor sich, nickt unmerklich und der schwache Schein eines Lächelns schleicht sich auf ihre gequälten Züge. Langsam entspannt sie sich, versucht in einer einigermassen bequemen Stellung zu liegen zu kommen und kuschelt sich in die Decken und Felle, ohne dabei auch nur einen Wimpernschlag daran zu denken, Borgils Finger los zu lassen. Ihr kleiner Körper sinkt, durch die Schwere des ungeborenen Leibes unter ihrem Herzen, in dem Lager ein und die Wärme, welche sie allmählich trotz aller Ängste, Befürchtungen und Sorgen einhüllt, lullt sie sanft in tiefen Schlaf. „Ich bin glücklich, dass dein Kind in mir wächst Borgil und egal was geschieht, ich würde es niemals ändern wollen“, wispert sie noch kaum hörbar und überaus schläfrig, als ihre Geist bereits in den Traumlanden ankommt und die Schmerzen in ihrem Rücken zu einem dumpfen Pochen verblassen.

Sie wacht erst auf, als ein schwaches Ziehen sämtliche ihrer Rückenwirbel zusammenstaucht und ihr das Gefühl vermittelt, gerade mit grosser Kraft auf einen harten Untergrund gepresst zu werden. Unförmig wie sie ist, wälzt sie sich mit einem leisen Ächzen zur Seite, um die Verspannung zu lösen und kuschelt sich näher an Borgil, ohne ihn dabei zu wecken. Der Krampf lässt allmählich nach, nachdem sie schliesslich ihre Beine gestreckt hat und behutsam vergräbt sie ihr Gesicht an Borgils Schulter, eine Hand auf seine Brust legend, um sein Herz, wie ein unermüdliches Vibrieren an ihren Fingerkuppen zu spüren. Das fahle Antlitz Faerys wirft lange, graue Schatten ins Zimmer und erhellt nur wenige Ecken mit ihrem schimmernden, blauen Glanz. In den silbernen Lichtern schweben kleine Staubkörnchen und der geringste Luftzug lässt sie auf und ab springen, wie übermütige, winzige  Feen. Verträumt verfolgt Azra einige Zeit dieses Spiel aus Illusion und Fantasie, geniesst Borgils Nähe und streicht die Decke über ihm glatt, zupft ein wenig an den Spitzen herum und kuschelt sich dann an seine Seite, wie ein kleines Kind, wobei sie sich so fest zusammenkugelt, wie es ihr grosser, runder Bauch zulässt. Sie kann das Ungeborene schwer in sich spüren, doch es regt sich nicht, nicht einmal zu einem einzelnen, kleinen Knuff, der ihre Angst verfliegen lassen würde, erbarmt es sich. Unruhe überfällt sie so plötzlich, dass ihr beinahe schlecht wird und mühsam rollt sie sich auf die andere Seite und schlägt die Decke zurück. Sie kann nicht länger liegen, nicht länger still sitzen und nichts tun, sonst wird sie noch verrückt und so erhebt sie sich träge und unanmutig wie ein fettes Walross und schlüpf in weiche, mit Hasenfell gefütterte, halbhohe Stiefel. Das Aufstehen ist in ungefähr so einfach, wie auf einem Seil zu balancieren und sie braucht drei Versuche, bevor sie schliesslich das Gleichgewicht am Rockzipfel erwischt und endlich steht. Ruhig holt sie ein paar Mal Luft und zuckt zusammen, als hinter ihr ein leises Brummen erklingt, das tönt, als würde ein Bär versuchen vorwurfsvoll und sanft zugleich zu sprechen: „Du glaubst ja wohl nicht, dass du aus dem Bett schleichen kannst, ohne das ich es bemerke und denk noch nicht mal daran, ich würde dich alleine irgendwohin gehen lassen.“
Sie will protestieren, als Borgil sich aus den Decken schält, ein Hemd überwirft, sich dicke, wollene Socken anzieht und dann zu ihr kommt. Das Licht umflutet ihn wie flüssiges Silber und sein Gesicht liegt im Schatten, doch als sie zu ihm hochblickt – Obwohl er ein Zwerg ist, misst er trotzdem sicherlich sechs Fingerbreit mehr als sie -, glaubt sie in dem roten Gewirr an Bart ein vages Lächeln zu erkennen und ohne ein Wort zu sagen, lehnt sie sich seitlich an ihn. Er schliesst die Arme um ihre schmalen Schultern und sie schmiegt sich, so weit es ihr kugelrunder Bauch zulässt, vertrauensvoll an ihn, Schutz- und Halt suchend. „Ich konnte nicht schlafen“, erklärt sie unnötigerweise und vergräbt ihr bleiches Gesicht in seinen Bart, so dass sich weisses und rotes Haar zu einem klirrenden Spiel aus Eis und Feuer vermischen.
„Ich habe Angst Borgil“, fügt sie mit zitternder Stimme hinzu und seufzt leise, spürend wie er flüchtig die Luft anhält und ihr dann einen Kuss auf den Scheitel drückt. Sie weiss, dass es ihm nicht anders geht, kann es an seinen Berührungen fühlen, in seinen Augen lesen, in seiner Stimme hören. Ihre Finger krallen sich in sein Nachtgewand und sie kann die steinharten Muskeln darunter ertasten, die sich bewegen, wie Schlangen unter der ledernen Haut und ihre Erinnerungen treiben ab, weit zurück zu einem Punkt, der in ihrer Vergangenheit liegt und auch dort bleiben soll. Ihre Augen bleiben vor dem grauen Aschehaufen hängen, wo nur noch eine dunkelrote Glut von dem wärmenden Feuer zeugt und Bilder steigen in ihr auf. Sie sieht den Waldläufer blutüberströmt vor sich liegen, Morgana zitternd und schluchzend daneben und kurz streift die Trauer ihre Züge.

Borgil hat ihr erzählt, was im Kanal geschehen ist und sie hat dem Toten gegenüber mehr als nur Dankbarkeit verspürt. Sie muss an die Worte denken, die Borgil so manches Mal spricht, wenn er es sich in dem Sessel vor dem Kamin bequem macht. Erinnerungen an den Halbelben. Doch weiter denken kann sie nicht, denn erneut schleicht ein dumpfes Ziehen von ihrem Becken zu ihrem Rücken auf und sie hält beinahe automatisch kurz den Atem an, versucht sich auf die Zehenspitzen zu stellen, um sich zu strecken und die Verspannung zu lösen. Borgil schreckt auf, wie ein Huhn, will schon den Mund aufmachen und sieht sie aus funkelnden, schwarzen Augen an, doch sie hebt nur kurz die Hand, klammert sich an ihm fest und flüstert ein leises: „Geht gleich wieder.“ Der Moment geht sogar wirklich schnell vorbei, der Krampf löst sich und sie lächelt sanft, als sie so ruhig und behutsam wie nur möglich erklärt: „Solche Verspannung habe ich hin und wieder. Wahrscheinlich weil ich zu lange gestanden bin heute, oder weil ich mich sonstwie übernommen habe, aber keine Sorge, es ist schon wieder vorbei.“ Borgil sieht keineswegs so aus, als würde er ihr glauben und bugsiert sie im nächsten Moment mit einem fast empört klingenden Schnauben auch schon wieder zurück zu den sicheren Gestaden des Bettes, wo sie sich gefälligst hinzulegen hat, doch sie gräbt die Fersen in den Boden – so gut wie das eben möglich ist – und hält ihn mit flehendem Blicken von seinem Vorhaben ab: „Bitte. Können wir nicht ein wenig durch die Harfe laufen. Es genügt bis in den Schankraum, aber die Bewegung tut gut, es ist angenehmer als zu liegen.“ Schliesslich haben sie es wirklich bis hinter die Theke geschafft und sie lässt sich vorsichtig auf eine Bank vor dem schneeverwehten Fenster nieder, Borgil dabei betrachtend und nach seiner Hand greifend, um sie auf ihren Bauch zu legen. Seine warmen, rauen Finger tasten über den dünnen Stoff ihres Nachtgewandes, doch nicht einmal ein winziges Klopfen bekommt er geschenkt. Schliesslich holt sie Luft, sieht in die vom Mond silbern erhellte Dunkelheit hinaus, in der träge die Schneeflocken tanzen, kaum mehr als eine Handvoll. „Borgil“, beginnt sie zögerlich und stockt noch beinahe im gleichen Augenblick, da sie einfach nicht weiss, wie sie ihr Anliegen erklären soll. Aus grossen, hellen Rehaugen sieht sie schliesslich zu ihm auf, ein beschwörendes Leuchten ist darin zu erkennen und ihre Finger schlingen sich regelrecht um die seinen: „Versprich mir etwas.“ Sie kann seine Verwirrung mehr spüren, als sehen und fährt mit leiser Stimme fort: „Wenn das Kind kommt, wenn es so weit ist… dann holst du TianShi, oder sonst jemanden, der das Kind vor mir beschützen kann.“ Trotz fahlen Schatten glaubt sie die Bestürzung in seiner Miene zu erkennen und ihre Stimme ist nur noch ein Hauch als sie weiterfährt: „Es soll nicht werden wie ich, soll nicht mein Blut haben, verstehst du? Das… was da in mir ist, dieses Böse, diese Besessenheit, was es bei allen Göttern auch immer sein mag… Das Kind, es darf es nicht bekommen, ich möchte es irgendwie davor beschützen.“ Sie weiss selbst nicht, ob es Resignation oder Traurigkeit ist, die in ihren Worten mitschwingt, doch sie lässt Borgil nicht los, bis er schliesslich nickt. Ein glücklicher Schein bedeckt ihr Gesicht, als ein erneutes Ziehen ihr langsam aber sicher bewusst macht, dass sie keine Dauerverkrampfung hat und obwohl Angst in ihr aufkeimt, wie eine dicke, fette und nicht wirklich verdaubare Schlange, bricht sie nicht in Hysterie aus, wie sie es eigentlich von sich selbst erwartet hat. So lange haben sie gewartet und jetzt will dieses Würmchen doch wirklich mitten in der Nacht heraus, als hätte es genug von seiner bisherigen wohligen, warmen Behausung. Beinahe ruhig zieht sie Borgil noch ein wenig näher, sieht ihn mit einem erzwungenen und doch ehrlich gemeinten Lächeln kurze Zeit tief in die Augen und flüstert dann mit eindringlicher Ernsthaftigkeit: „Könntest du dann bitte jetzt jemanden holen?“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 12. Feb. 2006, 23:49 Uhr
"Was hast du denn da vor, Herzblatt?Du glaubst ja wohl nicht, dass du aus dem Bett schleichen kannst, ohne das ich es bemerke und denk noch nicht mal daran, ich würde dich alleine irgendwohin gehen lassen." Borgil steht auf, schnappt sich ein Hemd, das über der Stuhllehne hängt und schlüpft hinein, angelt nach seinen Hosen und ein paar Strümpfen und tritt dann zu ihr. Sie ist zusammengefahren wie eines der kleinen Botenmädel, wenn er sie mit den Händen im Bonbonglas erwischt hat, aber als er ihre Arme nimmt, lehnt sie sich doch an ihn und lässt sich von ihm halten. Ihre kleine Nase bohrt sich in die warme Haut an seinem Hals und dann brummt sie halberstickt in seinen Bart, sie habe nicht schlafen können. "Hmph. Das merke ich. Immer noch Schmerzen?" Sie schüttelt den Kopf, nur um gleich darauf halbherzig zu nicken und schließlich zerknirscht einzugestehen. >Ich habe Angst, Borgil.< Bei diesen Worten schlägt sein Herz einen dumpfen Schlag schneller, aber er kann rein gar nichts tun - verdammt zu absoluter Hilflosigkeit, kann er sie nur festhalten, ihr beruhigend über den schmalen Rücken streichen, ihre Stirn küssen und so zuversichtlich wie möglich in seinen Bart brummen, dass schon alles gut werden würde. Unruhe flattert in ihr wie ein eingesperrter kleiner Vogel, er kann es im leichten Zittern ihrer Hände spüren, in der Unregelmäßigkeit ihres schnellen Atmens hören und im Klang ihrer Stimme wahrnehmen. Nach einer Weile, einer langen Weile, in der sie sich nur an ihn schmiegt, und als er schon glaubt, sie würde sich tatsächlich ein wenig entspannen und vielleicht bald ins Bett zurückkehren, erschauert sie sich plötzlich vom Scheitel bis zur Sohle, wippt auf ihren Füßen hin und her und japst leise nach Luft. "Azra?"
Sie grapscht nach seinem Arm, hält sich daran fest und erklärt dann mit einem wohl beruhigend gedachten Lächeln (das seinen Zweck allerdings nicht erfüllt) >Geht gleich wieder. Solche Verspannung habe ich hin und wieder. Wahrscheinlich weil ich zu lange gestanden bin heute, oder weil ich mich sonstwie übernommen habe, aber keine Sorge, es ist schon wieder vorbei.<

"Hmm," brummt er misstrauisch und versucht, sie in Richtung Schlafstatt zu schieben, "Soso. Verspannungen...? Ab ins Bett, Madame Blutaxt, und zwar..."  Weiter kommt er nicht, denn von Hinlegen und Ausruhen will Azra beim besten Willen nichts wissen, stattdessen schlägt sie allen Ernstes einen kleinen Spaziergang durch die mitternächtlich menschenleere Harfe vor. Borgil, jetzt nicht mehr nur misstrauisch, sondern wirklich wachsam, zieht die Stirn in Falten. "Äh... du meinst ich soll dich herumführen wie ein Pferd mit einer Kolik?" Erkundigt er sich leicht verwirrt, aber als Azra mitnichten auf seine flappsige Bemerkung eingeht, sondern nur nickt, tut er, worum sie bittet. "Also dann... nach Euch, Mylady."
In der Schankstube ist es warm und dunkel, riecht nach frischem Bohnerwachs und schwach nach dem Brotteig, der gerade in der großen Küche in zahllosen Schüsseln aufgeht, um am Morgen von der Köchin zu perfekten Laiben geformt und in den Ofen geschoben zu werden, und in der Feuerstelle des gewaltigen Kamins glimmt es noch schwach rot. Silbernes Mondlicht, reflektiert und vervielfacht von der Schneehelle draußen, geistert schimmernd durch den Raum und verwandelt die Tische und Stühle in bizarre Schattenrisse. Azra, die gerade noch geklungen hatte, als würde sie am liebsten einen kleinen Rundlauf durch ganz Talyra veranstalten, kommt  - im Schildkrötentempo ihren schwangeren Leib vor sich herschiebend -, doch tatsächlich bis zur erstbesten Fensterbank vor dem Tresen. Als sie sitzt, legt Borgil die Hände auf ihren Bauch, doch in der runden Kugel herrscht angespannte Stille. Das ist keine einfache Schlaflosigkeit, das ist die Ruhe vor dem Sturm. Ich weiß es. Ganz sicher. Bestimmt. Und du weißt es auch, was mein Kleines? Er will Azra gerade von seinen Gedanken erzählen, als seine kleine Frau vollkommen den Verstand verliert... jedenfalls scheint ihm das so, denn was er nun zu hören bekommt, schlägt nicht nur sämtlichen Fässern den Boden aus, es macht Borgil auch - zumindest für einen ziemlich entsetzten Augenblick, in dem er eindeutig an der Fähigkeit seiner Ohren zweifelt - völlig sprachlos vor Schrecken. Azra allerdings sieht ihn so eindringlich an, als wolle sie ihn mit ihren Augen beschwören und ihre Stimme klingt todernst.

>Versprich mir etwas. Wenn das Kind kommt, wenn es so weit ist… dann holst du TianShi, oder sonst jemanden, der das Kind vor mir beschützen kann.< Borgil klappt den Mund auf, um ihr zu widersprechen - und schließt ihn unverrichteter Dinge wieder. Beschützen?! Azras Blick wird beinahe flehend, als sie erklärend fortfährt: >Es soll nicht werden wie ich, soll nicht mein Blut haben, verstehst du? Das… was da in mir ist, dieses Böse, diese Besessenheit, was es bei allen Göttern auch immer sein mag… Das Kind, es darf es nicht bekommen, ich möchte es irgendwie davor beschützen.<
"Halt die Klappe! Bei allen guten Göttern, Weib, hast du jetzt den Verstand verloren? Nein, sei still und hör mir zu. Du bist nicht böse. Du bist nicht besessen. Das, was mit dir ist... was auch immer... liegt irgendwo in deiner Vergangenheit begründet, in den Erfahrungen, die du machen musstest, in etwas Entsetzlichem, das du erlebt hast, wissen die Götter allein, was du alles durchmachen musstest, als du noch klein warst. Und gnaden alle Götter Rohas denen, die dir das angetan haben, wenn ich sie jemals in die Finger bekomme! Makel im Blut? Krötendreck! Dein Blut ist so rot wie meines und keinen Deut weniger wert, und damit Basta! Unser Kind vor dir beschützen? Azra, unser Kind wird ganz anders aufwachsen, als du das musstest. Glaubst du im Ernst, ihm wird auch nur ansatzweise irgendetwas Böses widerfahren? Irgendetwas, das seine kleine Seele so verletzt, dass..." Borgil verstummt so unvermittelt, als habe ihm jemand das Wort mit einem Messer abgeschnitten und durch seine Augen huscht ein nachdenkliches Glitzern. Dann aber geht ein Ruck durch seinen bulligen Zwergenkörper und er schüttelt vehement den Kopf - nur um gleich darauf zu nicken. "Ich werde unser Kind immer beschützen, Azra. Aber vor dir muss ich es ganz sicher nicht bewahren, im Gegenteil. Es braucht dich, du bist seine Mutter. Und jetzt komm, mein Schneemädel. Du wolltest doch gerade eben noch einen Dauerlauf veranstalten, oder? Vielleicht hilft das ja..."

Azra lässt sich ziemlich geknickt und kleinlaut von seinem Ausbruch wieder auf die Füße zerren und murmelt etwas von "nur beschützen und Kind..." das Borgil schon wieder sämtliche Nackenhaare aufstellt, als sich ihr Gesichtsausdruck plötzlich völlig verändert - und das so gründlich, dass er vewirrt innehält. Wo eben noch betroffene Unsicherheit geherrscht hatte, liegt jetzt nämlich ein ganz und gar hingerissenes Strahlen. "Was... äh... ist... denn?"
Sie scheint ihn gar nicht zu hören, ihr Blick und sämtliche ihrer Gedanken sind nur noch nach innen gerichtet. Dann streckt sie so langsam wie in Zeitlupe die Hand nach ihm aus, nimmt seinen Arm, zieht ihn näher und näher an sich heran, bis ihre hellen Augen nur noch eine Handbreit von seinen entfernt sind, schenkt ihm einen enervierenden Blick und wispert: >Könntest du dann bitte jetzt jemanden holen?<
"Jetzt? Wie jetzt.. oh! Jetzt?! Agh!" Borgil macht einen Satz rückwärts, der die arme Azra fast aus dem Gleichgewicht bringt und starrt seine Frau einen Herzschlag lang an, als hätte sich ein hübsches, anschmiegsames weißes Kätzchen gerade mir nichts dir nichts in einen hungrigen Schneetiger verwandelt. Dann kommt Leben in ihn. "Sofort. Setz dich! Nein, du wolltest stehen. Aber du darfst nicht stehen. Also setz dich. Warte, ein Kissen. Oder nimm zwei. Nein, drei. Kannst du hier warten? Oder soll ich dich noch schnell... in Ordnung. Holen. Jemanden holen. Morgana. TianShi. Botenjungen. Halla. Heißes Wasser. Nein, Niniane. Ich hole Niniane." Kaum hat er Azra in die eilig herbeigezerrten Kissen gedrückt, dreht er auf dem Absatz um und hastet die Treppen hinauf, kehrt noch einmal um, schiebt ihr einen Hocker zu und legt ihre Füße darauf, rennt wieder davon, nimmt drei Stufen auf einmal, weckt mit seinem Gepolter Halla und die Köchin, erreicht auf Socken über die glattpolierten Bodendielen schliddernd Tiuris Zimmertür und rennt sie fast ein - den Göttern sei Dank erwischt er gerade so eben noch den Türrahmen.

Borgil wartet allerdings gar nicht erst ab, ob auf sein Klopfen hin jemand antwortet oder nicht, sondern donnert seine Faust einmal anstandshalber gegen die Tür, drückt sie auf, so dass sie mit lautem Rumms! an der Wand landet, stürmt hinein, zerrt den vollkommen verwirrten Jungen auf die Füße und jappst atemlos, er solle auf der Stelle zum Smaragdstrand hinauf, und zwar schneller als Windweiß persönlich, wenn ihm sein Leben lieb wäre, das Kind käme, jetzt sofort und er müsse Niniane herholen. Kaum hat Borgil das alles hervorgeknurrt, hastet er schon wieder nach unten und zurück zu seiner Frau. Eine verschlafene Halla steckt ihren Kopf samt Nachthaube kurz in die Schankstube, erfasst die Situation auf einen Blick, und schlurft gähnend in die Küche, während sie gelassen etwas von von "keine Aufregung", "erstes Kind", "stundenlang Zeit" und "heißem Wasser" murmelt. Borgils Herz dagegen macht ernsthafte Anstalten, ihm jetzt schon den Brustkorb zu sprengen und seine Kehle ist vollkommen zugeschnürt, als er Azra hochhebt, auf die Füße stellt und dann langsam durch den dunklen Schankraum führt. Wie er das noch stundenlang überleben soll, weiß er wirklich nicht. "Tiuri ist unterwegs, er holt Niniane her. Und wir beide gehen solange ein Stück miteinander, das hilft angeblich."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kaney am 15. Feb. 2006, 21:10 Uhr
Es ist seltsam anzuschauen, wie sich Olyvar erst ein Stück Fleisch in den Mund schiebt, dann nickt, und gleichzeitig doch den Kopf schüttelt, aber schon im nächsten Moment setzt Olyvar mit seiner Erklärung an:
>"Ja und Nein,< beginnt der Lordcommander, erzählt dann weiter: >Unterbringen will ich dort zumindest auf Dauer eigentlich niemanden, es ist nur ein Übungsgelände...<
Ein Übungsgelände.. gut und wofür?
> ich kann die Blaumäntel die geplanten Manöver schlecht mitten in Talyra ausführen lassen und die Höfe der Steinfaust sind zwar gut für Übungskämpfe Mann gegen Mann oder einen kleineren Buhurt, aber nicht für Scheingefechte in Truppstärke. Das Dorf liegt in einem breiten, aber gut versteckten Tal mit einem alten Steinbruch, wo sich wunderbar schnelle Schwenks, verschiedene Aufstellungen und Formationen, Schildwälle, Reiterangriffe und ähnliches üben lassen - und im Ort selbst ziehen Vareyar und ein paar Männer mit einer Schar Knechte und Baumeister gerade halbverfallene Mauern wieder hoch und setzen Gebäude instand. Es ist eine ziemlich weitläufige Ruine, ein Labyrinth verwinkelter kleiner Straßen und Sackgassen... wie geschaffen, um darin Straßenschlachten zu üben, kontrollierte Durchsuchungen, Angriffe auf Häuser oder die Verteidigung von Gebäuden, Ausfalltaktiken... die Rettung von Verwundeten oder die Evakuierung größerer Menschenmengen.<
Aha, das steckt also hinter diesem Übungsgelände...
Kaney kann sich irgendwie vorstellen, wie diese Übungen vielleicht ablaufen könnten: Eine Gruppe als Verteidiger, die andere als Angreifer. Oder aber eine Übung üben, üben, üben, bis sie sitzt.
Kurz überkommt ihn eine Art von Trauer, als er die Worte "Verwundete" und "Evakuierung größerer Menschenmengen" hört. Der Dämonenangriff steckt Kaney immer noch irgendwie in den Knochen, die Toten, die teilweise von ihren panischen Mitbürgern zertrampelt worden sind. Ja, es ist wichtig, das zu üben. Nicht dass so etwas wie dieser Dämonenangriff jemals wieder geschehen soll, aber sie müssen vorbereitet sein.
Aber wieso müssen wir..
Der Wargenmischling kommt nicht dazu, den Satz zu Ende zu denken, darüber nachzudenken, was ihm gerade durch den Kopf gehen will, da spricht der Lordcommander auch schon weiter:
>Du siehst, wir haben einiges vor in der nächsten Zeit und wir werden die Männer dort trainieren lassen, was uns an Szenarien nur einfällt. Und was deine Männer angeht... nun, als ihr Hauptmann musst du jeden einzelnen von ihnen kennen, um seine Stärken, wie um seine Schwächen und seinen Charakter wissen, und ihn nach seinen Fähigkeiten einsetzen können. Aber vor allem will ich, dass du sie lehrst. Sicher, die meisten von ihnen sind Menschen und haben nicht deine Sinne, aber bring ihnen trotzdem bei, was du kannst. Ich will für Talyra ein paar Kundschafter und Späher haben, die in ein Narglager hineinspazieren, die Schuhgröße des Anführers feststellen und ungesehen, ungehört und ungerochen wieder hinausspazieren können... verstehst du? Die meisten von ihnen sind gute Kundschafter, können Fährten lesen und auch in der pfadlosesten Wildnis noch einen Weg finden, und gute Jäger sind sie alle, aber ich will, dass sie wachsamer als ein götterverdammter Bluthund werden und am besten noch unsichtbar und lautlos dazu. Es wird in der nächsten Zeit sicher jede Menge gemeinsamer Manöver mit verschiedensten Blaumänteltruppen geben - Reiterei, Pikeniere, Sappeure, Schwertkämpfer, Wachen und die Späher, aber ich will, dass jeder Hauptmann seine Leute darüber hinaus untereinander so oft üben lässt, wie es nur geht und es die Dienstpläne erlauben.<

Kaney schluckt.
Er hat ja vorher schon gewusst, dass er seine Männer auch trainieren muss, aber dass Olyvar sie SO gut haben will...
>Sicher, die meisten von ihnen sind Menschen und haben nicht deine Sinne, aber bring ihnen trotzdem bei, was du kannst.< Was ich kann... wenn ich nur wüsste, was ich kann... also, wie ich es mache, und dass ich es dann den Männern beibringen kann...

Aber Kaney nickt nur, während er sich ein weiteres Stück Brot in den Mund steckt, darauf herumkaut, und dann
schaut er Olyvar direkt in die Augen - etwas das Kaney so direkt eigentlich nur selten tut.
"Ich werde mein Bestes geben, Sire"
Der Wargenmischling grinst, dieses Mal hat er absichtlich diesen Titel des Lordcommanders gewählt, nicht nur, weil er es einfach gewohnt ist.
"Ich denke, ich suche mir erst einige leichtere Aufgaben, und dann, sobald es anfängt zu tauen, werde ich mit jeden einzelnen der Männer mit in den Wald nehmen, um zu schauen, was er dort alles kann..."
Kurz verzieht Kaney das Gesicht, setzt dann weiter fort: "Wintertraining gibt es dann erst im nächsten Winter, ich will erst wissen, was sie in normalen Situationen können, dann kann man sich dem Wetter anpassen."
Hmm... vielleicht könnte ich dass dann so machen... oder aber...
In dem Kopf des Wargenmischlings formen sich einige Ideen, Vorstellungen, wie er versuchen kann, seine Männer den Ansprüchen des Lordcommanders entsprechend zu formen... Ideen, die er teilweise wieder verdrängt, teilweise aber auch im Hinterkopf behält, um sie zur richtigen Zeit wieder hervor zu holen.
Leicht geistesabwesend bestellt Kaney noch einmal Wein, irgendwie ist der Wein schon wieder leer, und dass obwohl Kaney immer noch etwas Weindurst hat.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Shyada am 17. Feb. 2006, 20:37 Uhr
An einem anderen Tag zur Mittagszeit


Ohne sich noch einmal nach den Wandler umzudrehen, bringt Shyada möglichst rasch viel Abstand zwischen sich und den beiden. Erst als sie in eine Seitengasse einbiegt, bleibt sie so stehen, dass man sie nicht sehen kann und sieht zu Kaney und Yamawadee. Wandler werden hier zwar nicht gejagt, aber nur die wenigsten tragen ihr Geheimnis offen zur Schau. Sie selbst kennt nur drei und so erstaunt wie Kaney ihr vorgekommen war, kann er auch nicht allzu viele kennen. Für ihn freut es sie sogar, dass er mal wieder auf einen seiner Rasse, wenngleich er auch eher eine Katze ist, zu treffen. Was Yamawadee angeht, so sollte sie sich eigentlich freuen, dass ihr Plan aufgegangen ist. Aber genaugenommen, ist er das nur für einen Tag, denn sie kann sich schwerlich vorstellen, dass sie beiden nun auch immer und ewig zusammenhocken und nicht mehr an sie denken. Dazu ist Yamawadee viel zu sehr Katze, um sich länger mit einem Hund einzulassen. Das haben seine Blicke eindeutig bewiesen. Also wird er dich doch wieder zur Verzweiflung bringen. Ihr Blick ist unergründlich, als sie sich abwendet, den Umhang fest zieht und dann der gewundenen Strasse folgt. Hin und wieder ist sein Blick so verklärt, als würde sie Erinnerungen in ihm hervorrufen, aber sie kennt ihn nicht. Ihn hätte sie nicht vergessen. Allein das Blau seiner Augen, selbst wenn es vor Zorn dunkel wird, ist so intensiv, dass es zu einprägsam ist. Ein verräterisches Zeichen, dass ihr bei der ersten Begegnung in Panthergestalt sein Geheimnis unwillkürlich verraten hat. Ohne auf die Leute zu achten, die ihr über den Weg laufen, bahnt sich Shyada durch das Gewirr aus Strassen, ohne wirklich darauf zu achten, wohin sie ihre Füße tragen.
Erst als sie auf dem Marktplatz ankommt, fällt ihr wieder ein, wo sie eigentlich hin wollte. Zwischenzeitlich war ihr Kopf vollkommen leer gewesen. Die kalte Winterluft lässt einen instinktiv alles unwichtige und wichtige vergessen und führt einen direkt zu dem Ort, der einen warmen Platz verspricht. Jetzt wo sie aber am Rande des überfüllten Platzes steht, kommen ihr Zweifel, ob die Harfe eine so gute Wahl ist. Dort ist es laut, voll und zudem spukt Borgil dort herum. Sie weiß nicht, warum es ihr immer noch solche Bedenken beschert, sich in der Reichweite von dem Zwergen, Olyvar oder Varin zu bewegen. Sie hat nichts unrechtes getan. Der Vorfall mit Aurian ist durch den Angriff des Dämons längst vergessen und überhaupt gibt es auch sonst nichts, weswegen ihre Nähe ihr unangenehm sein sollte. Sei’s drum.

Da es Wahnsinn wäre sich direkt über den Markt zu bewegen und sie ohnehin nichts dort kaufen will, umrundet sie das gesamte Gebiet und schleicht am Rande entlang, um mit möglichst wenigen Matronen oder Hausmädchen zu kollidieren, die ohnehin schon gestresst genug wirken. Nicht, dass sie Angst vor einer solchen Begegnung hat, aber ihr steht im Moment nicht der Sinn nach solchen Spielchen. Ganz wie erwartet öffnet sich die Tür zur Taverne allein auf ihrem Weg bis zur Schwelle mehrmals. Einige Gäste verlassen das Gasthaus, aber andere Hungrige stürmen sofort wieder nach. Die Chancen auf einen Platz am Feuer sind somit sehr gering, aber von hier draußen würde sie es nicht erfahren und so wird sie zumindest hineingehen und gucken müssen. Zur Not müsste der ‚Grüne Aal’ herhalten, auch wenn ihr der Geruch nach Fisch erheblich stört. Das andere Gasthaus am Markt kommt für sie aber auf keinen Fall in Frage und im Pfirsich lässt sie schon erst recht nicht blicken. Wie ein Besuch dort ablaufen würde, kann sie sich lebhaft vorstellen. Da wären ihr gestresste Mütter doch lieber. Die warme, rauchgeschwängerte Tavernenluft empfängt sie, kaum dass sich die Tür einen Spalt vor ihr öffnet. Ein angenehmes Prickeln geht durch ihren Körper als die Luft über ihre Haut streicht und so schlüpft sie schnell in das schummrige Innere, um noch mehr Wärme aufzunehmen. Nach der blenden Helligkeit von draußen, wirkt Shyada einige Augenblicke orientierungslos, aber ihre Augen gewöhnen sich schnell an das Zwielicht. Niemand bekanntes ist auf den ersten Blick zu erkennen und das ist ihr mehr als recht. Allerdings lässt sich aber genauso wenig ein vernünftiger Platz ausmachen. Hier und da sind zwar einige Stühle frei, aber es sind erheblich zu viele unangenehm wirkende Gäste in der Nähe. Also doch keine warme Mahlzeit. Es wäre ja auch zu schön gewesen. Glücklicherweise soll sie diese aber doch bekommen, denn kaum, dass sie zuende gedacht hat, steht eine kleine Gruppe Händler von ihrem Platz auf und räumt das Feld. Zurück bleibt ein Tisch, vollgestellt mit leeren Tellern und Krügen, und vier Stühlen. Zielstrebig bahnt sich Shyada ihren Weg zu dem Tisch. Er ist zwar nicht in direkter Nähe zu einer Feuerstelle, aber in der Harfe ist es auch so ausreichend warm genug. Wände aus Stein scheinen sich doch immer wieder bezahlt zu machen.
Mit einem zufriedenen Seufzen lässt sich Shyada auf dem Stuhl, der direkt an der Wand steht, nieder und schließt eine Weile die Augen, um sich allein auf die Wärme und das wiederkehrende Gefühl in ihren Beinen zu konzentrieren. Als jemand vor ihr mit Geschirr klappert, wird sie aber abrupt aus ihrem angenehmen Dämmerzustand gerissen. Es ist eine rundliche Mogbar, die mit geübten Handgriffen den Tisch leer räumt, einmal über Flecken und Krümel wischt und ihr dann kurz zugrinst. >“Was darf ich Euch bringen?“< Eine gute Frage. Shyada könnte alles mögliche essen, solange es etwas üppiger ist und ihren Magen am besten für den Rest des Winters versorgt. Allerdings ist ihr Geldbeutel da anderer Meinung. „Bringt mir verdünnten Wein und das, was ihr gerade an Eintopf da habt. Aber wenn es möglich ist, nicht nur Gemüse.“ Die Bedienung nickt und huscht dann zum nächsten Tisch, wo man schon die ganze Zeit nach ihr ruft.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Mirasche_Darkfals am 17. Feb. 2006, 23:55 Uhr
Später am selben Abend


Mirasche wandert vom Verder Stadttor Richtung Marktplatz. Er überquert die Brücke über dem Fluss, der das Straßennetz kurzzeitig trennt und sieht schon die große Hauptstraße der Stadt. Er geht nun etwas schneller, denn langsam verliert er das Gefühl in seinen Gliedern. Die Luft ist eiskalt und der Wind sticht ihn im Gesicht. Dann sieht er endlich den Marktplatz.
Puh na endlich. Dann muss ich hier noch einmal außen herum und dann sollte ich da sein. Zumindest hat mir das die Wache so erklärt. denkt Mirasche sich und beginnt den fast geräumten Platz zu umrunden. Dann sieht er den Harfengarten und auch die Taverne.
Hurra endlich ein warmes Plätzchen zum Schlafen. Er geht auf die Tür zu und knallt fast gegen sie, als diese abrupt geöffnet wird und mehrere Gäste herausströmen.
Hoppla. Ist zu so später Stunde immer so viel los? bringt er seinen Gedanken zu Ende als er nun endlich die warme Taverne betrit.
Hm schön warm hier. Ich glaube ich esse doch noch etwas bevor ich schlafe! überlegt er sich und schaut sich um. Der Raum ist groß und es sind viele Tische vorhanden, doch im ersten Momen sieht Mirasche keinen freien Stuhl. Nach ein paar Sekunden entdeckt er dann doch einen Platz mit vier Stühlen, an dem nur eine einzige Frau sitzt.
Mirasche geht auf den Platz zu und beeugt die Frau genauer.
Sieht fast wie eine der Amazonen aus. Davon habe ich ein paar kennengelernt. Ob diese Frau auch eine ist? fragt er sich in Gedanken. Dann steht er plötzlich am Tisch, wo die vermeintliche Amazone gerade in Gedanken versunken ist.
"Guten Abend, darf ich mich an den Platz dort setzten?" fragt Mirasche mit ruhiger Stimme und zeigt auf den leeren Stuhl auf der anderen Seite des kleinen Tisches.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Shyada am 18. Feb. 2006, 20:52 Uhr
Obwohl es so voll ist, geht es recht schnell, bis die Schüssel  mit ihrem dampfenden Inhalt und der verdünnte Wein bei ihr auf dem Tisch stehen. Wie immer bezahlt Shyada sofort, um nicht später, für den Fall das sie es plötzlich eilig hat, noch ewig auf eine Bedienung warten zu müssen. Es ist reichlich Eintopf, aber da sie schon so lange nichts vernünftiges mehr gegessen hat, leert sich der Teller rasch. Ihr Magen dankt es ihr mit einem Völlegefühl, dass sie schon lange nicht  mehr gespürt hat und beinah unangenehm schmerzt. Mit der Wärme zusammen, kommt es Shyada vor, als könne es ihr im Augenblick einfach nicht besser gehen. Die Luft könnte zwar angenehmer sein und auch der Lärmpegel ist ihr etwas zu hoch, aber es ist immer noch zum aushalten, so dass sie sich einfach zurücklehnt und langsam an ihrem Wein nippt. Mehr aus Langeweile, denn aus Interesse betrachtet sie die anderen Harfengäste. Einige Leute sehen so aus, als würden sie jeden Tag hier essen. Gut gerundet, scheinen sie jede der Bedienungen sehr gut zu kennen und rufen einige auch mit Namen oder scherzen gemeinsam mit ihnen. Andere hingegen, schlingen sich ihr Essen hinein und verschwinden auch schon wieder, kaum dass sie die Taverne betreten haben. Dazwischen mischen sich die üblichen Tavernenbesucher. Sie genießen ihr Essen in aller Ruhe, schwatzen eine Weile mit Diesem oder Jenen und machen sich dann allmählich wieder auf den Weg, denn von Müßiggang allein füllt sich kein Geldbeutel. Und deiner erst recht nicht...
Bei dem Thema angekommen, sollte sie sich eigentlich auch einmal ernsthaft Gedanken darum machen, wie sie es selbst am besten anstellt. Aber es liegt ihr fern etwas zu planen. Für die nächsten Tage ist schon anstrengend, aber dauerhafte und dazu noch zufriedenstellende Lösungen fallen ihr ohnehin nicht ein. Ohne es wirklich bewusst wahrzunehmen, leert sich ihr Weinbecher und sie bestellt sich einen zweiten. Er ist immer erschwinglich genug, dass sie es sich noch leisten kann. Eigentlich ist es nicht ihre Art hier einfach herumzulungern, aber sie verbieten ja schließlich niemanden die freien Plätze zu belegen, auch wenn bislang niemand davon gebraucht macht. Der Gedanke die Harfe rasch wieder zu verlassen, kommt ihr gar nicht erst. Alles was sie erwarten würde, wäre ein kleiner kalter Raum und ein weiterer Tag an dem sie nichts unternehmen kann, weil es einfach zu unangenehm wäre, durch kalten Schnee zu laufen.

Bei all den Grübeleien bemerkt sie nicht, wie die Zeit vergeht. Hin und wieder leihen sich die Gruppen an den benachbarten Tischen Stühle aus, aber das sind auch die einzigen Unterbrechungen, die sie nur kurzweilig aus ihren Gedanken holen. > "Guten Abend, darf ich mich an den Platz dort setzten?" Sie bezieht die Worte nicht auf sich, aber sie bemerkt die Gestalt aus den Augenwinkeln heraus und blickt doch auf. Der Mann ist ziemlich groß. Sein schwarzer Umhang wirkt an einigen Stellen eher grau, so dreckig ist er und auch die Hose hat wohl eindeutig schon bessere Zeiten gesehen. Ein Reisender der endlich sein Ziel erreicht hat. Wie schön. Und jetzt such er jemanden zum plaudern. Shyada seufzt innerlich auf, lässt sich aber nach außen hin nichts anmerken. Bei seiner kräftigen Statur würde sie auf einen Krieger schätzen, dafür spricht auch die Narbe in seinem Gesicht, aber etwas an seiner Art, wie er dort vor ihr steht, widerspricht sich mit dieser Vermutung. Sie kann nicht den Finger darauf legen, aber wahrscheinlicher ist wohl, dass er seine Kraft für seinen Beruf braucht. „Ich denke, ich kann Euch nicht davon abhalten, Euch hier hinzusetzen, also tut Euch keinen Zwang an. Er gehört Euch.“, knurrt sie leise, aber nicht unbedingt unfreundlich. Als er sich setzt und somit auf Augenhöhe mit ihr ist, fällt ihr das intensive Blau seiner Augen auf. Es erinnert sie stark an die Farbe von Yamawadees Augen, aber es fehlt das geheimnisvolle Funkeln darin.
Ein gewöhnlicher Reisender, der soviel von Talyra gehört hat, dass er unbedingt hierher wollte... Man sollte meinen Talyra besteht nur noch aus solchen Leuten und dabei gibt es hier gar nichts besonderes. Aber wenigstens ist ihre neue Bekanntschaft nett anzusehen und kein bierbäuchiger, rülpsender Kerl, der sie gleich dumm anquatscht.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Mirasche_Darkfals am 19. Feb. 2006, 20:12 Uhr
>„Ich denke, ich kann Euch nicht davon abhalten, Euch hier hinzusetzen, also tut Euch keinen Zwang an. Er gehört Euch.“< knurrt die Frau Mirasche an.
Es scheint wahrlich eine Amazone zu sein... denkt er als er den Stuhl heranzieht und sich an den Tisch setzt. Sie blickt ihm direkt in die Augen. Sie guckt als würde sie aus meinen Augen lesen können. Aber Amazonen entwickeln ja manchmal seltsame Fähigkeiten.

Eine Bedienung kommt zu ihnen gewusselt und fragt "Kann ich noch etwas bringen?" und blickt die beiden an.
Mirasche guckt kurz zu der Amazone und sagt dann "Ich hätte gerne ein starkes Bier und eine ordentliche Mahlzeit. Ich hatte schon lange nicht mehr das Vergnügen ein Gasthaus besuchen zu dürfen."

Er spürt plötzlich überdeutlich das Hungergefühl, das ihn seit ein paar Stunden Fußmarsch verfolgt.

"Sonst noch etwas" fragt die Bedienung nun direkt die Amazone, die nun etwas genervt aufschaut.
Oh gute Laune hat sie wohl nicht. überlegt Mirasche und sagt dann zu der Bedienung
"Ja da wäre wirklich noch etwas! Ich bräuchte ein Zimmer für die Nacht. Das hätte ich fast vergessen." Die Bedienung blickt wieder zu ihm und antwortet dann "Gut ich werde dem Wirt bescheid sagen. Eure Bestellung kommt dann sofort!" worauf sie wieder im Gewüll verschwindet.

Gut das hätten wir erledigt. denkt Mirasche und wendet sich der Amazone zu die ihn immer noch etwas misstrauisch mustert.
"Ich bin Mirasche Darkfals aus Brioca und ihr seit?" fragt er dann wagemutig, ohne genau nachzudenken.
Wollen wir doch mal sehen, ob sie wirklich eine Amazone ist.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Shyada am 20. Feb. 2006, 21:16 Uhr
Kaum dass sich der Fremde gesetzt hat, ist schon wieder eine der Mogbar-Bedienungen heran. Gegen den großen Mann wirken sie noch kleiner und das obwohl er schon sitzt. Was Shyada aber viel mehr erstaunt, ist die Fähigkeit sämtlicher Harfenangestellten immer genau zu wissen, was jemand ihrer bedarf. Egal wie voll es ist, sie behalten stets den Überblick und sind manchmal sogar zur Stelle, noch bevor man die Hand erhoben hat, um auf sich aufmerksam zu machen. Die Mogbardame stellt die übliche Frage und bekommt auf sofort eine Antwort von dem Fremden. Sein kurzer Seitenblick ist ihr nicht entgangen, aber sie wird sich nichts mehr bestellen. Hätte sie noch länger allein hier sitzen können, wäre es wahrscheinlicher gewesen, so aber wird sie nicht mehr allzu lange bleiben. Denn wenn dies wirklich seit langer Zeit das einzige Gasthaus ist, was der Fremde besucht hat, dann wird er bestimmt erzählen wollen und danach steht ihr gewiss nicht der Sinn. Aber sie will es auch nicht ganz nach Flucht aussehen lassen. Redende Leute können ziemlich häufig nerven, hin und wieder verraten sie einem aber auch brauchbare Sachen. Je nachdem woher der blonde Hüne kommt, würde es vielleicht etwas geben können, was Shyada hilfreich wäre, aber andererseits ist es Winter und abgesehen von den üblichen Krankheiten und Schneestürmen passiert da bekanntlich wenig. > "Sonst noch etwas." Shyada kann sich zwar nicht daran erinnern, dass Mogbars ein besonders aufdringliches Volk sind, aber diese Vertreterin scheint wohl von jedem einzeln eine Antwort haben wollen. Wenn ich etwas haben wollte, hätte ich es Euch schon wissen lassen. Shyada sieht die Bedienung kurz an und schüttelt dann unmerklich den Kopf.

Die Mogbar scheint zwar noch immer unschlüssig, ob es das gewesen sein soll, aber der Fremde nimmt ihr die Entscheidung ab, ob noch länger zu warten ist und erkundigt sich auch gleich noch nach einem Zimmer. Shyada verfolgt das gesamte Geschehen schweigsam und hat ihren Blick eher auf den Mann gerichtet. Er interessiert sie zwar nicht wirklich, aber schaden kann es nicht, sich Personen näher anzusehen. Wer weiß, wann man ihnen das nächste Mal über den Weg läuft.
> "Ich bin Mirasche Darkfals aus Brioca und ihr seit?“ Ein schwaches Lächeln umspielt ihre Mundwinkel, als sie die Frage hört. Scheinbar wollen alle immer sofort Namen wissen. Als ob sie sich ihn ewig merken würden. Spätestens wenn Shyada aus der Tür raus wäre, würden die Namen bedeutungslos werden und wären nur unnötiger Ballast, den man mit sich herumschleppt. „Warum sollte ich Euch meinen Namen nennen? Ich kenne Euch doch gar nicht.“ Mirasche wirkt mit einem Mal, als habe er diese oder eine ähnliche Antwort erwartet, allerdings kann sich Shyada nicht erklären warum. Unbewusst steigt in ihr der Verdacht auf, dass er nicht so zufällig an ihrem Tisch gelandet ist, aber Mirasche sieht nicht danach aus, als wenn er irgendwelche dunklen Geheimnisse hüten oder im Auftrag anderer handelt.
Die Bedienung taucht so unerwartet wie zuvor wieder bei ihnen auf und tischt das bestellte Essen vor Mirasche auf, aber bevor dieser zu essen beginnt, bekommt er doch noch eine vernünftige Antwort von ihr. „Shyada.“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Mirasche_Darkfals am 20. Feb. 2006, 21:36 Uhr
>„Warum sollte ich Euch meinen Namen nennen? Ich kenne Euch doch gar nicht.“< sagt die Amazone und Mirasche hatte es irgendwie erwartet, doch als die Bedienung wieder auftaucht und ihm sein Essen bringt spricht sie doch noch ihren Namen aus >"Shyada"<

Ein ungewöhnlicher Name denkt Mirasche etwas stutzig und versucht noch ein wenig mehr aus ihr herauszubekommen.
"Ein seltener Name. Sagt seit ihr vielleicht eine Amazone? Ihr seit mit gleich seltsam bekannt vorgekommen, da ich das doch leidige Vergnügen hatte einige Amazonen kennen zulernen." sagt er mit einem verhaltenem Lächeln.

Die Amazone blickt ihn etwas verdutzt an und scheint sich ihre Antwort genau zu überlegen.

Mirasche begutachtet in einem kleinen Moment, seine bestellte Mahlzeit. Es sieht weitaus frischer aus, als das was die Amazone an Eintopf hatte. Er überlegt einen Moment und fragt dann noch "Wollt ihr vielleicht noch etwas?" und bewegt langsam den Teller mit dem Brot zu ihr hin. Dann nimmt er erstmal einen stärkenden Schluck Bier. Dann wartet er gespannt auf ihre Antwort.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Shyada am 21. Feb. 2006, 19:27 Uhr
> "Ein seltener Name. Sagt seit ihr vielleicht eine Amazone? Ihr seit mit gleich seltsam bekannt vorgekommen, da ich das doch leidige Vergnügen hatte einige Amazonen kennen zulernen“.< Eigentlich ist es für Fremde eher schlecht Shyada einen Ausdruck des Unglaubens so früh zu entlocken, aber der Mann schafft es mit dieser merkwürdigen Bemerkung, die ihr beinahe etwas zu naiv vorkommt. Sie trägt weder den typischen Schmuck, noch gibt es irgendwelche besonderen Merkmale, die einem auf den ersten Blick verraten, wer eine Amazone ist und wer nicht. Und das Mal an ihrem Fuß kann er gar nicht gesehen haben. Unmerklich wandert eine ihrer Augenbrauen nach oben, während die den Mann ihr gegenüber eindringlicher mustert. Er sieht älter als sie selbst aus, aber für den Fall, dass ihn wirklich Amazonen über den Weg gelaufen wären, müsste er auch wissen, dass man sie nicht so einfach danach fragt. Viele verbinden ihr Volk zwar mit negativen Erinnerungen, aber keine würde es rechtfertigen, dass man Fragen dieser Art umgeht und doch würde keine richtige Amazone sich auf einen Marktplatz stellen und es in die Welt hinaus schreien. „Ich denke nicht, dass ich Euch bekannt vorkommen kann.“ Denn es gibt niemanden der mir ähnlich sieht... schon gar keine Amazone die ich kenne. Und da sowohl ihre Mutter, als auch vermutlich ihr Vater nicht mehr Teil dieser Welt sind, würde es auch unmöglich sein, dass sie noch Geschwister hat, bei denen es zutreffen könnte. Man weiß zwar nicht, was die beiden in ihrer Abwesenheit alles getan haben, aber zumindest bei ihrer Mutter kann sie sich sicher sein. Gleichwohl erscheint es ihr fast unmöglich, dass ein so junger Mann schon angeblich häufiger Amazonen begegnet sein soll. Es wäre zwar durchaus möglich, aber dann müsste er sich schon direkt nach Baile Craobh begeben haben und dann würde er nicht mehr vor ihr sitzen können. „Und warum Ihr glaubt, dass ich ausgerechnet eine Amazone sei, kann ich auch nicht ganz nachvollziehen.“

Sie lässt sich zu einem unverbindlichen Lächeln hinreißen und betrachtet dann wie Mirasche grüblerisch sein Essen ansieht. Fehlt nur noch, dass er gleich anfangt darin herumzustochern... Nach außen hin wirkt Shyada zwar gelangweilt, aber insgeheim fragt sie sich doch, warum der Mann ausgerechnet sie ausgesucht hat. Es sind mittlerweile einige weitere Plätze frei und somit hätte es noch andere Möglichkeiten gegeben. Der Verdacht, dass sich mehr hinter diesem zufälligen Treffen verbirgt ist noch immer nicht ganz von ihr gewichen. Es gäbe zig Methoden wie man so eine Unterhaltung geschickter führen könnte, wenn er etwas aus ihr herausquetschen soll, aber häufig werden die Naiven zu schnell unterschätzt. > "Wollt ihr vielleicht noch etwas?" < Dieses Mal verhindert sie noch im letzten Moment, ihn völlig entgeistert anzustarren. Glaubt er denn wirklich, dass sie dieses Angebot annehmen würde? „Nein, ich denke nicht“, antwortet ihre knappe Antwort. Bei all ihrer Oberflächlichkeit, die sie oft dazu verleitet sich nur aus Vergnügen mit hübsch aussehenden Männern zu unterhalten und sie zu locken, scheint es hier keinen Grund zu geben unnötig länger zu bleiben. Er würde nur weitere Fragen stellen, die sie nicht beantworten wird. Ihren Namen hat sie zwar beraten, aber mehr würde er nicht erfahren. Außerdem ist sie nun schon lange genug in der Harfe und ein Zusammentreffen mit Borgil möchte sie möglichst vermeiden. Ohne ein Wort erhebt sie sich, zieht den Mantel an und umrundet dann den Tisch. Vor Mirasche bleibt sie stehen, beugt sie zu ihm herunter und hauch ihm ein „Lasst es Euch schmecken.“ Entgegen, um dann die Harfe zu verlassen. Es wird ohnehin Zeit, dass sie zurückkehrt ehe es dunkel wird und man noch schwerer erkennen kann, was sich unter der Schneedecke an Stolperfallen verbirgt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Mirasche_Darkfals am 21. Feb. 2006, 21:47 Uhr
Fast geheimnisvoll wandert eine Augenbraue Shyadas nach oben, während sie Mirasche eindringlicher mustert. Dann antwortet sie ihm >"Ich denke nicht, dass ich Euch bekannt vorkommen kann.“< danach scheint sie kurz abgelenkt zu sein doch dann fragt sie ihn plötlich >„Und warum Ihr glaubt, dass ich ausgerechnet eine Amazone sei, kann ich auch nicht ganz nachvollziehen.“< und lächelt ihn danach komischerweise an.

Uff, naja wie soll ich ihr das erklären grübelt Mirasche und besieht sich wieder sein Essen.

Dann blickt er wieder Shyada an, die den Eindruck macht als wäre sie eher gelangweilt, als das sie seine Antwort wirklich interessieren würde. Sie guckt sich den Raum der Taverne an. Auch Mirasche lässt nun kurz seinen Blick durch den Raum gehen und ihm kommt der Raum plötzlich viel leerer vor, als zum Beginn des Gesprächs.

Er fragt sie "Wollt ihr vielleicht noch etwas?" und schiebt den Teller zu ihr hin. Für einen Moment kommt es ihm so vor, als wäre sie überrascht, doch dann sagt sie >„Nein, ich denke nicht“< und erhebt sich ohne ein Wort, zieht ihren Mantel an und umrundet dann den Tisch. Vor Mirasche bleibt sie stehen, beugt sich zu ihm herunter und hauch ihm ein >„Lasst es Euch schmecken.“< entgegen, um dann die Harfe zu verlassen.

Etwas verblüft blickt Mirasche ihr nach und wendet sich dann doch seinem Essen zu. Er zieht den Teller wieder näher zu sich heran. Er schnappt sich ein Brot und verspeist es hastig und nimmt einen weiteren Schluck Bier.
Er genießt sein Essen sehr und es wird später und später.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Niniane am 22. Feb. 2006, 22:35 Uhr
Tief in der Nacht vom 17. auf den 18. Langschnee in der menschenleeren Schankstube der geschlossenen Harfe


Der junge Mann blickt ein wenig verwirrt drein und das kann sie ihm nicht verübeln. Ihr wäre es umgekehrt vermutlich genauso gegangen, aber Zeit für lange Erklärungen haben sie jetzt einfach nicht. Trotzdem tut er, worum sie ihn gebeten hat und einen Moment später verschwinden ihre Finger völlig zwischen seinen - und sie hat keine kleinen Hände. Sie spürt warme Haut, einen beruhigend festen, Händedruck und Schwielen, wie man sie nur von harter, täglicher Arbeit bekommt. Es sind gute Hände... unendlich jung in ihren Augen, aber kräftig und sicher. Sie hebt den Kopf, sieht in das ein wenig gespannte Gesicht über ihr und lächelt. Dann holt sie langsam und hörbar Luft, und um ihre Füße sammelt sich aus dem Nichts eine schimmernde Wolke goldenen Dunstes. "Nicht bewegen jetzt. Und lass meine Hand nicht los," flüstert sie. Niniane schließt ihre Augen, summt einen bronzenen Ton hervor und murmelt dann fast unhörbar: "Sirîn îhiot te Rîl ty riviloim Sadya..." Der Golddunst steigt auf und  hüllt sie in flirrende Schwaden, als wirbelten Seidenschleier um sie her. Sie kann noch ein leises, überraschtes "Huch!" neben sich hören, dann sind sie weg - und dort, wo sie eben noch standen, ist nur eine kleine Wasserpfütze von schneefeuchten Stiefeln geblieben. Einen Moment später zittert mitten im nächtlich leeren Schankraum der Harfe die Luft, als spielten Sonnenstrahlen dort Haschmich mit glänzenden Staubkörnchen oder flimmere Hitze über dem Horizont, und einen Herschlag darauf finden sich Borgil und Azra, die dort anscheinend gerade herumgehen, Nase an Nase - oder eher Nase an Brust - mit einer grinsenden Niniane, bepackt mit Taschen, Beuteln und einem Babykörbchen, und einem etwas blass um die Nase aussehender Tiuri (mit einer geborgten Decke um die Schultern) wieder. "S'leja Borgil, Azra. Ich habe gehört, hier wird eine Hebamme gebraucht?" Sie löst ihre Finger aus Tiuris Hand, schenkt dem jungen Mann ein warmes Lächeln und stellt den schlafenden Leir samt seinem improvisierten Bett auf dem nächststehenden Tisch ab. Dann schält sie sich aus Umhang und Wolltuch, legt beides ab und nimmt Azras Hand in ihre. "Lass sie mich einen Moment ansehen, Borgil, ja?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Mirasche_Darkfals am 23. Feb. 2006, 11:09 Uhr
in der Nacht des 15. Eisfrosts


"Wollt ihr noch etwas?" fragt die Mogbar Mirasche nachdem er sein Essen beendet hat.
"Nein danke. Ich denke ich werde mich jetzt hinlegen und morgen dann wohl früh die Taverne verlassen, um die Gildenhalle aufzusuchen."
"Oh wisst ihr denn schon wie ihr dorthin kommt?" fragt die Mogbar ihn.
"Ja ich habe eine der Torwachen gefragt. Aber wisst ihr vielleicht den direkten Weg von der Goldenen Harfe zur Gildenhalle?"
"Natürlich ihr müsst von hier aus über den Marktplatz in Richtung des Verder Tores. Allerdings müsst ihr den Marktplatz nicht umrunden sondern ihr geht durch eine Seitengasse nach links. Dort solltet ihr gleich wieder rechts abbiegen, dann solltet ihr in der Nähe einer der Brücken sein. Ihr kommt an der Töpferei und an Asrai's Heim vorbei. Dort müsst ihr wieder nach links und dann seht ihr auf der linken Seite der Straße das Haus der Gilden!"
"Ah gut ich denke das kann ich mir merken. Ich danke euch. Gute Nacht!" antwortet Mirasche und steht auf.
"Euch auch eine gute Nacht." sagt die Mogbar noch bevor sie wieder davonhuscht.

Mirasche geht auf sein Zimmer und legt sich dort auf das Bett. Es ist warm in dem Zimmer und das Bett ist sehr weich. Er versucht noch einen Gedanken zu fassen doch die Müdigkeit übermannt ihn und er schläft ein.

Am nächsten Morgen


Mirasche erwacht mit einem kleinen Kater
Hui das ist wirklich ein starkes Bier denkt er und erhebt sich vom Bett.

Er geht in den Schankraum und fragt eine der Bedienungen "Könnte ich vielleicht ein Brot haben?"
"Natürlich wartet einen Moment." sagt diese und verschwindet kurz in der Küche und kommt dann mit einem Brot zurück "Hier bitte."
Mirasche bedankt sich und bezahlt.

Dann geht er hinaus auf die Straßen der Stadt

---->Straßen der Stadt

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 23. Feb. 2006, 19:37 Uhr
Tief in der Nacht vom 17. auf den 18. Langschnee in der menschenleeren Schankstube der geschlossenen Harfe


"Jetzt? Wie jetzt.. oh! Jetzt?! Agh!" Borgil stolpert rückwärts, starrt sie an, als hätte sie plötzlich blaue, grüne und rote Flecken im Gesicht und versuche zudem noch eine Gabel auf ihrer Nase zu balancieren. Sein plötzlicher Ortswechsel reisst jedoch auch sie einen Schritt nach vorne und einen Augenblick lang hat sie mit Zähnen und Krallen um ihr Gleichgewicht zu kämpfen, bevor sie schnaufend und mit einem erwartungsvollen, verunsicherten Blick zu Borgil hinauf sehen kann, der noch immer dasteht, als hätte ihm jemand aus dem Nichts einen Pfeil in die Brust geschossen. Er sieht fast so aus, wie zu dem Moment, als sie ihm offenbart hat, dass sie schwanger sei und dieser Gedanke, ist er noch so flüchtig und klein – denn für mehr hat sie schlichtweg nicht Zeit – beruhigt sie irgendwie. Dann ist sie schon damit beschäftigt sich zu setzen, wieder aufzustehen, sich wieder hinzusetzen, sich von Borgil eins, nein zwei, nein drei Kissen in den Rücken schieben zu lassen und dabei noch mit angestrengter Miene und in Falten gelegter Stirn Borgils Wortschwall zu folgen, der sie dermassen überrumpelt, dass sie vorerst nicht mehr als unartikulierte Einsprüche anbringen kann, die von ihm natürlich grosszügig überhört werden. Als er jedoch mit vollkommen gehetztem und ebenso überzeugtem Tonfall meint: „Ich hole Niniane.", macht sie zumindest den wertlosen Versuch ihre Nase empört zu kräuseln und ihn davon abzuhalten, doch da ist er schon davon gerauscht, wie ein Pferd mit einem brennendem Schweif. Sie sieht nur noch sein feuerrotes Haar in der Dunkelheit auf der Treppe verschwinden und dann füllt sein Gebrüll die ganze Harfe bis unter die vielen, von Meisterhand geschnitzten Dachbalken und sie kann sich nicht vorstellen, dass auch nur EIN einziger Gast jetzt noch tief in sein Kissen schnarchen kann. Es kracht und poltert oben, derweil Halla in aller Ruhe die Treppe hinab kommt, eine weisse Haube auf den dunklen, dicken Haaren, noch im Nachthemd und augenscheinlich höchst erfreut über die bald folgende Geburt. Etwas das man von Azra nicht wirklich behaupten kann, da können auch Hallas beruhigend gemeinte Worte: „Wird noch eine Weile dauern“, „Borgil darf sich beruhigen“, „Ist nicht so schlimm, wie Borgil glaubt“, „Alles kommt zu seiner Zeit“, nichts dran ändern und ihre Züge verziehen sich sorgenvoll, als ein lautes Donnern von der Treppe her erklingt. Halla schüttelt nur den Kopf, murmelt etwas von „Wasser aufsetzen und Tee machen“ und verzieht sich dann in die Küche und Sigrun folgt ihr nur wenig später. Leicht verwirrt von diesem ganzen Durcheinander, das gerade wie ein Sturm durch die Harfe wirbelt, lehnt sich Azra mit zusammengepressten Lippen zurück, schliesslich vorsichtig die Augen und versucht zu spüren, was da in ihr vorgeht. Ausdrückliche Stille ist die Antwort und leise seufzend legt sie die Hände auf die grosse, runde Kugel, in der sie das Gewicht ihre Ungeborenen sacht und schwer spürt. „Jetzt hast du uns so lange warten lassen und dann… ich meine… ich bin auch ein bisschen froh, zumindest weiss ich, dass du ganz nach deinem Vater kommst, denn so einen Sturschädel habe ich nun wahrhaftig nicht.“

Ihr zärtliches Geplänkel mit dem Dickschädelchen wird abrupt unterbrochen, als Borgil fast die Treppe hinunter fliegt, einen vollkommen verschlafen dreinblickenden Tiuri an einer Hand mit sich zerrend. Der Junge blinzelt müde gegen das trübe Licht der Talglampen, die Halla und Sigrun entzündet haben, strafft die Schultern und scheint dann plötzlich mit einem Schlag hellwach, als hätte man seinen Kopf in einen Eimer voll eiskalten Wassers getaucht. Seine blauen Augen werden eine Spur grösser, wandern von ihrem Gesicht zu ihrem Bauch und Azra ist, als könne sie den Kupferling sehen, der ganz langsam hinter Tiuris Stirn hin und her schlingert, bis er endlich beim schlafdurchtränkten Bewusstsein ankommt und schon wieder kann sie nur noch eine Rückseite sehen, die wie Windweiss persönlich in Richtung Stallungen davon flitzt.
„Wa…“, bringt sie gerade noch halberstickt hervor, da hilft ihr Borgil bereits mit aller Fürsorglichkeit auf die Füsse und meint keuchend: „Tiuri ist unterwegs, er holt Niniane her. Und wir beide gehen solange ein Stück miteinander, das hilft angeblich." Ängstlich betrachtet sie sein Gesicht, die in Furchen gelegte, narbige Stirn, die zwischen Sorge, Stress und Unsicherheit schwankenden Gefühle, die sich auf seinem Gesicht abspielen und sie kann seine Hand zitternd an ihrer Hüfte spüren. Alles, was ihr eben noch auf der Zunge gelegen hat, schluckt sie ohne weiter darüber nachzudenken, hinunter, würgt ein: „In Ordnung“, hervor und läuft dann neben Borgil her, sich dabei wirklich vorkommend, wie ein Pferd mit einer Kolik. Irgendwann kann sie sich schlicht nicht mehr zurückhalten und bringt ein, von plötzlich fliessenden Tränen des Glücks leicht unecht wirkendes: „Wihiiiier“, hervor. Borgil neben ihr scheint für einen Augenblick leicht verdattert, sieht sie mit fragend hochgezogener Augenbraue an und kneift plötzlich, wohl mehr aus Überraschung, grinsend die Augen zusammen und schnaubt in seinen Bart hinein. Lächelnd streicht sie sich mit den Handrücken die Tränen aus den Augen und gemeinsam setzten sie ihre Runden durch die nächtliche Dunkelheit der Harfe fort.

In unregelmässigen, langen Abständen ziehen sich von ihrem Becken zu ihrem Rücken hinauf sämtliche Muskeln leicht zusammen, ohne dass es schmerzhaft ist und doch muss sie Borgil jedes Mal sicher zehnmal versichern, dass sie sich nicht hinsetzen will und auch Halla bestätigt ihre Worte, versorgt sie mit köstlichem und zugleich beruhigendem Tee, will Borgil einen Humpen Dunkelbier aufschwatzen – für den er dann aber natürlich überhaupt keine Zeit hat, es gäbe ja soviel zu tun -, nur um dann in aller Ruhe in Borgils Gemach das Bett herzurichten. Azra dünne Finger klammern sich an den grossen, ledernen Händen ihres Gatten fest und mit aller Macht versucht sie die, bei jeder Wehe erneut aufkeimende Ungeduld, Unruhe und Angst zu verdrängen, die in ihr flattern, wie ein grosser Vogel, in einem viel zu kleinen Käfig. Dreimal hat das unangenehme Ziehen sie schliesslich schon wieder heimgesucht und ist ebenso stillschweigend wieder verschwunden, als die Luft vor ihren Nasen plötzlich zu flirren beginnt, verwackelt und sich dann aus dem Nichts heraus mit einem Male Niniane und ein, um die Nasenspitze reichlich blasser Tiuri schälen. Azra kann gerade noch ein entsetztes Quieken unterdrücken und starrt die Halbelbe mit grossen, runden Augen an, die sanft lächelt, sich von Beuteln und Umhang befreit, ein kleines Weidekörben auf einen der Tische stellt und sich dann mit in die Seite gestützten Händen dem blinzelnden Paar zuwendet. "S'leja Borgil, Azra. Ich habe gehört, hier wird eine Hebamme gebraucht?" Azra Blick zuckt umher, hektisch nach einer akzeptablen Antwort suchend, warum man sie so unsanft aus dem Schlaf geholt hat und zuckt dann leicht zusammen, als sich die warmen, schlanken Finger Ninianes um ihre Hand schliessen. "Lass sie mich einen Moment ansehen, Borgil, ja?" Borgil schnappt nach Luft, macht den Mund jedoch ebenso schnell wieder zu und lässt ihre Hand dann nach kurzem Zögern los, als hätte er Angst sie danach nicht mehr zurück zu bekommen. „Es…“, murmelt Azra hastig und weiss dabei gar nicht, wie sie sich fühlen soll. „Ich wusste nicht, ich meine…“ Die dunklen, bernsteinfarbenen Augen der Halbelbe ruhen warm auf ihr und schliesslich schafft es auch Azra, ein zaghaftes, halbherziges Zucken ihrer Mundwinkel zu Stande zu bringen: „Entschuldigt die späte Störung Niniane, aber… das… diese… unverschämte Bursche in mir muss ja genau nach seinem Vater kommen und alle mit seinem sturen Kopf aufrütteln.“ Ninianes Lachen legt sich wie ein beruhigender Schleier um ihre aufgewirbelten Gedanken und widerstandslos lässt sie sich von der Halbelbe den Puls und die Temperatur messen, die Pupillen anschauen, den Bauch abtasten – die schlanken Hände besitzen erstaunlich viel Kraft -, das Ungeborene ertasten. Niniane fragt nach allem und nichts: „Kommen die Wehen regelmässig? Hast du schon lange Wehen? Sind sie stark? Wie fühlst du dich?“ „Oh, ich könnte Bäume ausreissen“, wirft Azra kichernd ein und schüttelt grinsend den Kopf, nur um sich dann unter der nächsten Wehe leicht zu versteifen.

„Unregelmässig“, bringt sie schliesslich nach einem kurzen Augenblick des Atemanhaltens hervor, dreht sich einmal um sich selbst auf Ninianes Anweisung hin, die sie dann vorsichtig näher zieht, auf die Knie geht und ihren Kopf gegen die gespannte Haut drückt, anscheinend lauschend. Instinktiv hält Azra erneut die Luft an, sieht gespannt auf das rote, im flackernden Licht kupfern schimmernde Haar hinab und redet dann weiter, um sich selbst zu beruhigen und nicht nervös machen zu lassen, durch all das Neue, dass da so schnell über sie hinwegschwappt, dass sie mit dem Begreifen nicht nachkommt. „Die Wehen sind noch nicht lange, ich hatte höchsten fünf oder sechs seit ich aufgestanden bin, wie gesagt, alle nicht wirklich regelmässig. Es ist nur ein dumpfes Ziehen im Rücken, als würde eine grosse Hand leicht auf mein Kreuz drücken, aber wirklich noch nicht schlimm… ähm… wird es irgendwann schlimm?“ Grausige Spukgeschichten über die wildesten Geburten fallen ihr ein und sich innerlich heftig schüttelnd, versucht sie alle diese Bilder für die nächste Zeit zu verdrängen, denn die Leute um sie herum können alles besser gebrauchen, als eine hysterische, werdende Mutter. Als sauge sie die Entspannung durch die Luft in ihr Innerstes, atmet sie tief ein, legt den Kopf leicht schief und als Niniane sich schliesslich erhebt, wandert Azras Blick mit nicht geringer Neugierde zu dem Körbchen, aus dem ein leises Blubbern zu hören ist. „Oh“, bringt sie mit grösser werdenden Augen hervor und schalt sich im nächsten Moment eine dumme Nuss. Niniane war auch schwanger… und… ach du meine Güte, bei allen Göttern, die Geburt kann noch nicht lange her sein, sonst wüsste Borgil davon, aber der ganze Schnee und überhaupt und… Die Schuldgefühle kommen so schnell, dass sie mit rot angehauchten Wangen betreten zu Boden blickt, nervös auf ihrer Unterlippe herumkaut und dann, als Niniane sich gerade daran macht, einige Beutelchen zu öffnen, mit vor Neugierde glänzenden Augen auf das Körbchen zuwatschelt, dass noch immer auf dem Tisch steht. Tiuri wurde derweil von Halla mit einem heissen Tee versorgt und die Farbe ist zumindest ansatzweise wieder in sein Gesicht zurückgekehrt. Ungelenk beugt sich Azra so weit vor, wie es das dicke Fass von Bauch es ihr erlaubt und ein glänzendes Strahlen schleicht über ihr Gesicht, als sie das kleine, winzige und in weiche Hasenfelle eingepackte Bündel entdeckt, dass dort friedlich vor sich hin schlummert. Weiche, daumenweiche Wimpern werfen halbmondförmige Schatten auf die runden, golden schimmernden Wangen und die kleinen Lippen sind sogar im Schlaf zu einem schmollenden Mündchen verzogen. Mit unverhohlener Zärtlichkeit betrachtet Azra die rosig schimmernden Fingernägel, die kurzen, dicken Fingerchen und lauscht dem regelmässigen Atem des Kindes, dessen Haar dunkel und dicht ist. „Wie ist sein Name“, haucht sie leise, um das schlafende Bündel nicht in seiner Nachtruhe zu stören. “Leir“, kommt es ebenso leise zurück und verzückt streicht Azra eine Falte aus der seidenweiche Decke. „Leir… er ist wunderschön“, flüstert sie, wendet sich dann lächelnd zu Borgil um: „Aber unser Kind wird rotes Haar haben.“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Niniane am 01. März 2006, 22:07 Uhr
In der Nacht vom 17. auf den 18. Langschnee


Borgil überlässt ihr Azra nur zögerlich, gibt sich aber dann doch einen Ruck und die junge Halbblutelbin entschuldigt sich erst einmal ziemlich verlegen dafür, dass man sie mitten in der Nacht hierher geholt hat. >Es... Ich wusste nicht, ich meine… Entschuldigt die späte Störung Niniane, aber… das… dieser… unverschämte Bursche in mir muss ja genau nach seinem Vater kommen und alle mit seinem sturen Kopf aufrütteln.< Niniane lacht leise und schüttelt dann beruhigend den Kopf. "Das macht überhaupt nichts. Kinder kommen nie dann, wenn sie sollen oder es gerade passt, weißt du? Und Jungen sowieso nicht," fügt sie grinsend hinzu. Ihr eigener Sohn hatte es zwar wesentlich eiliger, war aber auch nicht viel kooperativer. Ihre Hände legen sich auf Azras straff gespannten Kugelbauch und ertasten behutsam die Umrisse des Kindes in ihrem Leib. Es erscheint ihr ziemlich groß... jedenfalls dafür, dass sein Vater ein fünf Fuß und zwei Zoll großer Zwerg ist (und damit für einen Zwergen zwar ein Riese, aber nichtsdestotrotz immer noch "nur" fünf Fuß groß), und seine Mutter gerade mal einen Schritt und vielleicht fünfzig Sekhel misst, aber es liegt schön tief im Becken und genau richtig, bereit, geboren zu werden. Dass Azra Bäume ausreißen könnte, wie sie sich ausdrückt, würde Niniane zwar nicht unterschreiben, aber es ist doch erleichternd, zu hören, dass die junge Frau sich gut und kräftig fühlt - dass die Wehen noch so unregelmässig kommen ist schon weniger schön, aber schließlich ist es das erste Kind und die lassen sich bekanntlich meistens ein wenig mehr Zeit. Niniane nickt nur und kniet sich hin, um ihr Ohr auf Azras Bauch zu pressen und in ihr Inneres zu lauschen. >Die Wehen sind noch nicht lange, ich hatte höchsten fünf oder sechs seit ich aufgestanden bin, wie gesagt, alle nicht wirklich regelmässig. Es ist nur ein dumpfes Ziehen im Rücken, als würde eine grosse Hand leicht auf mein Kreuz drücken, aber wirklich noch nicht schlimm… ähm… wird es irgendwann schlimm?< Tönt es leicht verschreckt irgendwo über ihr. "Psst," flüstert sie. "Sonst kann ich nichts hören, außer dass dein Magen knurrt."

Sie lächelt, lauscht, zählt und nickt schließlich nach einer Weile. "Der Herzschlag deines Babies ist schön kräftig, dem Kind jedenfalls geht es ausgezeichnet. Die Wehen werden stärker mit der Zeit, ja, aber du brauchst dir keine Sorgen zu machen, Azra, wirklich. Gegen Ende tut es verflixt weh, aber sobald man dann etwas tun und das Kind zur Welt bringen darf, wird es wieder besser." Als sie sich erhebt, fällt Azras Blick auf das Weidenkörbchen, in dem ihr eigener Sohn schläft und Borgils kleine Frau beugt sich neugierig und mit glänzenden Augen darüber. Niniane wirft ihr einen kurzen Blick zu und sucht dann in ihrem Lederbeutel nach den mitgebrachten Kräutern. Sie wählt Himbeer- und Brombeerblätter, ein wenig Zimtrinde, Frauenmantel, Schafgarbe und Zinnkraut und bringt es Halla mit der Anweisung, daraus für Azra einen Tee aufzubrühen, ehe sie wieder an den Tisch tritt und auf ihren friedlich schlummernden Sohn hinabsieht. >Wie ist sein Name?<
"Leir... Lhier."
Azra wiederholt den Namen leise, zupft die Decke glatt und flüstert: >Er ist wunderschön.<
"Das kleine Monster?" Echot Niniane belustigt, aber ihr zärtlicher Tonfall straft die Worte Lügen. "Nun ja, zugegeben, er ist wunderschön, schließlich sieht er aus wie sein Vater, aber du hast nicht die letzte Woche mit ihm verbracht... das ist die erste Nacht, in der er keine Blähungen hat und nicht zum steinerweichen schreit seit... ich weiß nicht mehr wie lange." Mit amüsiert schimmernden Goldaugen beobachtet sie, wie Azra sich zu Borgil umwendet und mit der unbegründeten, aber nichtsdestotrotz absoluten Sicherheit einer werdenden Mutter verkündet, ihr Kind würde aber rotes Haar haben. Die Art, wie sie den Zwerg dabei anstrahlt, ist so herzerwärmend, dass Niniane gar nicht anders kann, als zu lächeln, ebenso wie Borgil, der Azra so verliebt anblinzelt wie ein hungriger Hund einen saftigen Knochen, und selbst Tiuri kann sich nicht gegen ein Grinsen wehren.

"Ähem," räuspert sich Niniane irgendwann leise, "ich störe ja nur ungern bei eurer Tändelei, aber ich würde dich gern noch genauer untersuchen, Azra. Ihr entschuldigt uns kurz, es dauert nicht lange." Sie nimmt Borgils Frau am Arm und führt sie in Richtung des Schlafgemachs davon, wo sie Azra hilft, sich aufs Bett zu legen, noch einmal den Bauch abtastet, versichert, es sei alles in Ordnung und sie dann wesentlich gründlicher untersucht, als dass in der Schankstube vor drei neugierigen Augenpaaren möglich gewesen wäre. "Die Wehen kommen noch unregelmässig, sagst du? Hm, vermutlich wird es einfach eine Weile dauern. Der Tee, den Halla gerade für dich aufbrüht, sollte helfen, die Wehenarbeit ein bißchen besser in Gang zu bringen. Der Muttermund ist erst zwei Fingerbreit geöffnet, weißt du... und wir brauchen eine Handbreite, du siehst also...," sie lächelt ein wenig schief und aufmunternd zugleich. "Es liegt noch ein Stückchen Arbeit vor uns. Wenn du dich gut fühlst, dann gehen wir ein wenig miteinander... das Laufen und die aufrechte Haltung helfen auch, die Wehen zu fördern. Wichtig ist, dass du dich entspannst." Sie hilft Azra auf die Füße und stellt zufrieden fest, dass Borgils Frau nur ein einfaches, loses Gewand trägt und nichts am Leib hat, dass geschnürt oder geknotet ist. "Atme kurz und flach während einer Wehe, und tief und langsam dazwischen."
Als sie in die Schankstube zurückkommen, wartet dort schon ein dampfendes Gebräu auf Azra und sie nimmt - sobald es soweit abgekühlt ist, dass man es trinken kann ohne sich den Mund zu verbrennen -, immer wieder kleine Schlucke davon, wenn ihre langsamen, bedächtigen Harfenrunden sie im halbdunklen Gastraum an der Theke vorbeiführen. Die erste Stunde vergeht rasch, dann löst Tiuri Borgil eine Weile ab und zieht mit Azra ihre Kreise, und Niniane unterhält sich leise mit dem Zwerg am Tresen.

Halla steckt alle paar Minuten ihren Kopf herein und fragt, ob jemand etwas wünsche oder brauche und aus der Küche weht langsam der Duft von backendem Brot zu ihnen herüber. Irgendwann wird Leir wach und Niniane stillt ihn, befürchtet schon halb, sie würde ihn einer von Borgils Mägden überlassen müssen, weil er wieder mit einer Dauerbrüllattacke aufwarten würde, doch zu ihrer größten Überraschung schläft ihr Sohn nach einem Aufstoßen, das einem schmerbäuchigen Seemann zur Ehre gereicht hätte, sofort weiter. "Du bist deines Vaters Sohn," murmelt sie, während sie sacht den kleinen Rücken klopft und ihn dann in sein Körbchen zurücklegt. "Bist hungrig wie ein Wolf und weißt genau, was du willst. Deine Schwester war kein bißchen anders. Nur leiser." Sie deckt ihn wieder zu und schiebt den Weidenkorb in eine dunkle Ecke in sicherer Entfernung von vielleicht umherfliegender Funken aus dem Kamin. Azra kommt schnaubend wieder bei ihnen an und Tiuri überlässt sie Borgil, der ihr den Arm um die Mitte legt, so dass sie sich an ihn lehnen und auf ihn stützen kann. "Ich glaube, Azra hat recht und es wird ein Junge, aber sicher kann man sich nie sein. Habt ihr denn schon ein en Namen ausgesucht? Ach und Borgil, glaubst du, Halla könnte uns eine Kanne Cofea kochen?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 07. März 2006, 22:55 Uhr
In der Nacht vom 17. auf den 18. Langschnee


Geschlagene eineinhalb Stunden lang tigert Borgil mit gespielter Ruhe neben Azra durch den dunklen Schankraum der Harfe, eineinhalb Stunden, die ihm wie die Ewigkeit selbst vorkommen, und sein sonst so drahtseilartiges Nervenkostüm hart an die Belastungsgrenze treiben, bis endlich Niniane mit Tiuri bei ihnen eintrifft. Äußerlich beherrscht und vollkommen ruhig, ist er innerlich völlig am Ende, genaugenommen schon seit zehn Tagen, seit dieses Kind den errechneten Geburtstermin hatte verstreichen, und - bis vor zwei Stunden - nicht einmal mehr den allerkleinsten Fingerzeig von sich gegeben hatte, es wäre nun soweit auf die Welt zu kommen. Und das, wo die eigentliche Geburt noch nicht einmal begonnen hat - wie das erst werden soll, wenn Azra wirklich Schmerzen leiden muss, weiß er beim besten Willen nicht zu sagen. Normalerweise ist Borgil so ziemlich das unerschütterlichste Wesen, das man sich auf Rohas weitem Rund nur vorstellen kann (abgesehen von azurianischen Dreihörnern), und durch nichts, aber auch gar nichts (außer vielleicht gewissen grünen Gnomen, Flammenstieren und Erzdämonen) aus der Ruhe zu bringen, aber nun, jedesmal, wenn seine Frau auch nur innehält, sich leicht verkrampft und unbewusst schneller atmet, ist ihm, als müsse ihm das Herz in der Brust zerspringen - den Göttern sei Dank kommt das während sie warten noch nicht allzu oft vor. Heute nacht wirst du Vater. Vater. Du. Ein Zwerg. In ein paar Stunden. Sil an seiner Esse.... Es kann kein Zufall sein, dass es in keiner bekannten (oder unbekannten) Sprache Rohas die Redewendung "so beruhigend wie eine Geburt" gibt. Geburten sind nervenaufreibend. Manche sind sogar nervenzerrüttend. Vor allem für werdende Väter. Noch dazu für werdende Väter, die einem Volk entstammen, dass noch nicht einmal eigene Frauen besitzt und somit nie in die Verlegenheit gekommen war, so etwas wie eine "Ich-werde-Vater" Kultur überhaupt zu entwickeln. Borgil ist im Grunde eigentlich weder abergläubisch, noch sonderlich religiös, obwohl er natürlich wie jedes Wesen Rohas, das seine sieben Sinne einigermaßen beieinander hat, an die Existenz und das Wirken der Götter und an Sil im Besonderen glaubt.

Doch schon wegen des langen Wartens, der besonderen Umstände - die nicht zuletzt etwas mit dem Taillenmaß, der Zierlichkeit und der Jugend seiner Frau zu tun haben -, und der schlichten Tatsache, dass es sich hier um ihr wie sein erstes Kind handelt, ist er zunehmend bereit, zu glauben, dass auch die Götter aus irgendwelchen Gründen vorhaben, diese Geburt zur nervenzerfetzendsten aller Zeiten und bekannten Welten werden zu lassen. Das sang- und klanglose Verstreichen des Geburtstermins, die rastlose Zeit danach, Azras wachsende Unruhe und Angst, und dann auch noch ihr Gerede von Besessenheit und Makel im Blut und dass das Kind vor ihr beschützt werden müsse, das Einsetzen der Wehen schließlich mitten in der Nacht und noch dazu in einer mit unpassierbaren Straßen und arktischem Schneesturm... das alles hat den Anschein einer vom Schicksal angezettelten Behinderungstaktik, die langsam beginnt, göttliche Ausmaße anzunehmen. Kurz gesagt - als Niniane sich mit Tiuri samt Glitzerhokuspokus und Luftgeflimmer mitten in der Harfe aus dem Nichts materialisiert, hat Borgil schon erfolgreich sein gesamtes Gesinde in Angst und Schrecken versetzt, dreimal höchstpersönlich in der Küche heilloses Chaos angerichtet, die arme Halla mehrmals völlig grundlos angefahren, sie solle aufhören ihm ständig zu sagen, er müsse sich beruhigen, an Azras Seite eine sichtbare Furche in die frischgebohnerten Harfendielen gelaufen und ist kurz davor, einen hysterischen Anfall zu bekommen. Er versucht zwar eisern, seinen Gemütszustand  wenigstens vor Azra zu verbergen, denn das letzte, was sie jetzt gebrauchen kann, ist ein völlig kopfloser Zwerg an ihrer Seite, doch als Niniane endlich da ist, rattert ihm nicht nur ein Stein, sondern der gesamte Wolkenthron vom Herzen. Endlich jemand in seinem Haus, der von Geburten, Babies, Wehen, werdenden Müttern und Vätern (und wie man letztere möglicherweise zur Vernuft bringt) Ahnung hat - und Borgil überlässt ihr Azra zwar zögernd, aber auch unendlich erleichtert. Allerdings ist er zu diesem Zeitpunkt schon so durcheinander, dass er jedwede Führung bereitwillig angenommen hätte. Kaum ist die Waldläuferin hier, ändert sich die Stimmung in der Harfe schlagartig. Wo eben noch, hauptsächlich dank Borgils unmöglichem Benehmen, nagende Unruhe und ängstliche Sorge (unterlegt mit einer gehörigen Portion Ärger über einen gewissen Zwerg) den Ton angegeben hatten, herrscht nun gelassene Erwartung und  - allenfalls noch leicht nervöse - Vorfreude.

Borgil überlässt seine Frau zwar Ninianes Fürsorge und fachkundigen Untersuchungen, doch er klebt nach wie vor an Azras freier Seite und denkt überhaupt nicht daran, sich hier auch nur einen Sekhel fortzubewegen, auch wenn er vom beinahe gelassenen Geplauder der beiden Frauen und dem kleinen Leir in seinem Körbchen und überhaupt allem, was man als "unmittelbare Umgebung außer Azra" definieren könnte, so gut wie gar nichts bewusst mitbekommt. Das einzige, das irgendwann durch die Schleier von erwartungsvoller Verzückung, unglaublicher Ungeduld und kosmischer Auflösung zu ihm durchdringt, ist Azras Aussage, ihr Kind würde rothaarig werden - und ihr Gesichtsausdruck, der ihn glatt zwei Schritt groß werden lässt. Zumindest fühlt es sich so an. Dann dämmert ihm die Realität und er grinst, halb entsetzt, halb selig. "Solange es ansonsten nicht aussieht wie ich, kriegt es meinetwegen auch lilablassblaues Haar mit grünen Punkten."
>Ähem. Ich störe ja nur ungern bei eurer Tändelei, aber ich würde dich gern noch genauer untersuchen, Azra. Ihr entschuldigt uns kurz, es dauert nicht lange.< meldet sich Niniane zu Wort und gesagt, getan, nimmt sie Azra auch schon am Arm und führt sie davon. Borgil, der gerade drauf und dran war, sich neben Tiuri zu setzen, wäre in seiner Eile, den beiden zu folgen, fast in die Waldläuferin hineingerauscht, denn er trägt nur Socken und frisch gebohnerte Dielen sind rutschig. Im Türrahmen zu seinen Gemächern, Azra dicht auf den Fersen, sieht er sich allerdings abrupt einem Paar fragend dreinblickender Goldaugen und zwei dazugehörigen, vielsagend hochgezogenen Brauen gegenüber. "Was denn?"
"Allein, Borgil."
"Mmpf. Und? Wir sind doch allein."
Niniane plaziert sich mitten in der Tür, verschränkt die Arme vor der Brust und sieht ihn nur so lange schweigend an, bis selbst in Borgils Konfusion der Groschen fällt.
"Wie, ohne mich?"
Niniane lächelt ihr süffisantestes Lächeln und macht ihm glatt die Tür vor der Nase zu.

Derart aus seinem eigenen Schlafgemach gesperrt, läuft Borgil auch noch Spuren in den Fußboden des Ganges unmittelbar davor, während er wartet. Seine Stimmung verzieht sich dabei in die tiefsten Kellerräume seines Charakters, beginnt dort ihr Unwesen zu treiben und leise Knurrgeräusche von sich zu geben. "Allein Borgil, allein Borgil," äfft er und wirft der Tür einen Blick zu, der irgendetwas anderes als Eisenholz auf der Stelle in eine Wolke aus Atomen verwandelt hätte. "Glaubst du wirklich, du kriegst etwas zu sehen, dass ich noch nicht kenne?" Justement in diesem Augenblick öffnet sich die Tür wieder und heraus spazieren seine lächelnde Frau und hinterdrein eine grinsende Niniane, die irgendetwas davon murmelt, langsam und tief zu atmen und außerdem ein Gesicht macht, als hätte sie jedes Wort von ihm gehört. Borgils eigene Lungen erinnern ihn auch vehement daran, dass es da doch irgendwann einmal noch so etwas wie Sauerstoff gab, und er schnappt hektisch nach Luft. "Ist alles in Ordnung? Na sagt schon, schaut nicht alle beide wie Rehkitze wenn es blitzt, zum Donnerdrummel nochmal. Was ist mit dem Kind? Und was ist mit Azra? Und wieso hat das so lange gedauert? Und wie lange dauert es noch? Darf sie überhaupt noch stehen? Hatte sie Wehen? Wie oft? Wie lange? Wann ist es denn soweit?" Keine seiner Fragen wird zufriedenstellend beantwortet, aber Niniane bedenkt ihn mit einem strengen Blick, drückt ihm dann Azras schmalen Arm in die Hand und befiehlt ihm, mit ihr herumzugehen, das helfe, die Wehen anzuregen, die noch um einiges stärker und regelmässiger werden müssten. Und er solle dafür sorgen, dass sie den Trank nimmt, den Halla für sie aufgebrüht hat. Ein paar Augenblicke später sind sie zurück im mitternächtlich leeren, dunklen Schankraum, wo nur das Feuer und ein paar Kerzen auf der Theke Licht spenden, und nehmen dort ihre unermüdlichen Wanderungen wieder auf. Erst läuft Borgil, ohnehin schon ein seelisches Wrack, aber viel zu stur, um das sich - oder sonst jemandem - einzugestehen, mit ihr, dann Tiuri, dann Niniane... und die Stunden schleppen sich dahin. Die Wehen auch. Irgendwann verkündet Niniane, es werde wohl wirklich ein Junge und erkundigt sich nach einem Namen, und sie - Borgil ist gerade wieder an Azras Seite - antworten wie aus einem Mund: "Brenainn," sehen sich an und lächeln. >Ach und Borgil, glaubst du, Halla könnte uns eine Kanne Cofea kochen?<

"Natürlich, alles was du willst." Aus der einen Kanne Cofea werden vier und aus einer schneeverwehten schwarzen Nacht wird eine schneeverwehte Dämmerung - und irgendwann sogar so etwas wie ein völlig verschneiter Morgen. Borgil, am Ende seiner Belastungsfähigkeit angelangt, muss von vier Stallknechten und Tiuri, die gerade zum Frühstücken im Schankraum sind, ernsthaft davon abgehalten werden, nichtsahnende Stammgäste, die unbedarft an der Tür klopfen und sich darüber wundern, dass die Harfe heute einfach nicht öffnet, höchstpersönlich in der Pferdetränke zu ersäufen. Immerhin schafft er es bis an die Tür, reißt sie auf und - bevor man ihn mit vereinten Kräften wieder ins Innere zerren kann -, brüllt er dem armen Kerl, der da im glitzernden Weiß auf seiner Schwelle schlottert, noch entgegen: "Geschlossen! Hier wird heute noch ein Kind geboren du völlig verblödeter Hornochse, also sieh zu, dass du Land gewinnst, du störst meine Frau!" Da sich nach und nach das übrige Gesinde, sofern es nicht ohnehin schon wach und in der Küche ist, zur morgendlichen Tagesarbeit versammelt und auch Gäste aus den Zimmern zum Morgenmahl herunter kommen, zieht Azra samt Wehen, Babybauch, Niniane, deren Sohn, der jüngsten Cofeakanne und ihm selbst in ihre Gemächer um. Die Waldläuferin wirkt immer noch unverschämt gelassen, aber Azra ist müde und wird zusehends erschöpfter - und die Wehen, immer noch unregelmässig, aber sehr viel häufiger, sind längst wirklich schmerzhaft und anstrengend geworden. Acht Stunden und kein Ende in Sicht, Götter im Himmel, bitte... langsam hört der Spaß aber auf... Borgil ist schon mindestens tausend Tode gestorben und er hat das sichere, beunruhigende Gefühl, dass es noch einmal soviele werden, ehe das hier vorbei ist. Trotzdem hört er sich todesmutig tapfer und ganz und gar ruhig sagen: "Komm, mein Liebling. Wir drehen noch eine Runde. Ich habe den Kamin drüben schon mindestens fünf Minuten nicht mehr gesehen, ich vergesse noch, wie er aussieht..."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 08. März 2006, 12:39 Uhr
Tiuri kann gar nicht fassen was soeben passiert ist. Gerade steht er noch frierend und tropfend in Ninanes Baum, reicht ihr die Hand und im nächsten Augenblick steht er Borgil in der Harfe gegenüber. Er hätte vermutlich nicht verwirrter und erstaunter drein sehen können, hätten Borgil, Azra und eine blau getupfte Kuh vor ihm Stepptanz aufgeführt und dabei einen Ball auf der Nase balanciert. Es bleibt ihm allerdings keine Zeit für weiteres Erstaunen, also versucht er das warme Lächeln von Ninane in seinem eingefrorenen Gesicht wieder zu spiegeln und wartet ab was passiert.
Er sieht zu wie Niniane Azras Kugelbauch fachmännisch abtastet und dann das Ohr dagegen presst. Als Azra fragt ob die Schmerzen denn noch schlimmer werden, würde sich der junge Mann am liebsten die Ohren zu halten, er hat schreckliche Erzählungen gehört und er will nicht hören was Niniane Azra jetzt prophezeit. Ihre Worte sind allerdings gar nicht nervenaufreibend, sondern eher beruhigend und die Tatsache, dass sie selbst erst eine Geburt hinter sich hat beruhigt ihn noch mehr, sie wird wohl wissen wovon er spricht.
Halla drückt ihm eine Tasse Tee in die Hand und erst benutzt er sie einfach nur um seine Hände daran zu wärmen und sie nahe an sein Gesicht zu halten. Obwohl er mit dem ersten Schluck etwas wartet, verbrennt er sich gleich einmal die Zunge, aber dafür kommt endlich wieder Farbe in sein Gesicht und in seine blau verfärbten Lippen. Seine Finger zittern nicht mehr wirklich, aber er hält die Decke trotzdem eng um sich geschlungen.
Azras Bewunderung für das schlafende Baby lassen ihn lächeln und noch mehr, als sie dann schließlich fest stellt, dass ihr eigenes Kind rotes Haar bekommen wird. Ihr Blick zu Borgil hin ist so voller Liebe, dass man das Gefühl hat lauter kleine Sterne blinken hinter ihren Augenlidern.
„Vielleicht hättest du die Farbe der Vorhänge darauf anpassen sollen!“ meint er und grinst Azra schelmisch an. Niniane lässt ihr allerdings keine Zeit für eine erboste Antwort, sondern nimmt Azra mit um sie genauer zu untersuchen. Alleine, wie sie zu Borgil hin feststellt, als dieser den beiden folgt wie ein treuer Schoßhund. Ausgesperrt kann Borgil nicht aufhören seine Runden zu drehen, so viel wie Borgil in dieser Nacht noch laufen wird, verliert er vermutlich sechs Pfund an Gewicht. Er äfft die goldäugige Frau nach und Tiuri schüttelt augenrollend den Kopf, aber er kann es Borgil nicht verübeln, der Zwerg ist einfach schrecklich nervös, vermutlich nervöser als Azra selbst.
>Glaubst du wirklich, du kriegst etwas zu sehen, dass ich noch nicht kenne?< ruft der Zwerg zur Tür gewandt und Tiuri verzieht das Gesicht zu einem ‚Ich wusste ja, dass ihr das tut, aber musst du es aussprechen’-Egelkeits-Blick. Gerade in diesem Augenblick öffnet sich, den Göttern sei Dank, die Türe wieder und die beiden Frauen treten heraus und retten Tiuri davor noch länger mit dem wahnsinnigen Zwerg alleine in einem Raum zu sein.

Danach müssen sie gehen, sie alle und Azra am meisten. Erst läuft Borgil mit seiner Frau am Arm, dann er und er spürt wie er sich selbst bei jeder Wehe die sie in der Zeit hat unbewusst verkrampft und dafür bewusster atmet, als würde es ihr irgendwie helfen. Schließlich ist es Niniane die mit der Schwangeren läuft und dann wieder Borgil. Irgendwann in der Zeit beginnt Tiuri die Spur die sie immer wieder gehen misstrauisch zu beäugen, es würde ihn nicht wundern wenn sich bald eine tiefe Rinne zeigen würde, oder wenigstens ein abgelaufener Streifen. Aber der Harfenboden hält stand, Borgil und Azra verkünden, dass ihr Kind, falls es denn nun ein Junge wird den Namen Brenainn erhalten würde und sie trinken Cofea, massenhaft sogar. Tiuri hat das schwarze Gebräu noch nie vorher versucht, aber es macht ihn überraschend munter und es schmeckt ihm ausgezeichnet, obwohl er es ganz ohne Milch und Zucker trinkt. Trotzdem wird Tiuri gelegentlich von einer Müdigkeitsattacke angefallen und er lehnt, ja liegt dann halb über einem Tisch und sieht zu wie Azra ihre Runden dreht.
Er bewundert sie für ihre Ausdauer, seine eigenen Füße wollen sich ja schon gar nicht mehr rühren, aber sie geht unermüdlich und dabei ist sie es doch die hier nicht nur einen Bauch mit sich herumschleppt der tonnenschwer aussieht, sondern auch noch Schmerzen hat. Er fragt sich ob es nicht besser wäre, würde sie sich ausruhen, schließlich braucht sie doch die Kraft für die Geburt, aber er ist ja keine Frau und er hat keine Ahnung von Geburten, Niniane wird schon das richtige anordnen. Die Augen fallen ihm zu, also schenkt er sich Cofea nach und kann sich dann besser aufrecht halten.
Mit dem Licht verschwindet etwas von seiner Müdigkeit, obwohl der Himmel grau bleibt vor Wolken und Unmengen an Schnee. Ein paar arme Seelen verirren sich zu einem Frühstück zur Harfe und können von Glück sagen, dass das nicht die letzte Tat ihres Lebens gewesen ist, denn Borgil ist drauf und dran einen mit dem anderen zu erschlagen. Tiuri und vier seiner Stallkollegen können den Zwergen gerade noch so in der Schankstube halten und das vermutlich nur, weil er seit Stunden auf den Beinen ist, ansonsten hätten sie wohl ihre Schwierigkeiten gehabt.
>Geschlossen! Hier wird heute noch ein Kind geboren du völlig verblödeter Hornochse, also sieh zu, dass du Land gewinnst, du störst meine Frau!<
Der Gast sieht ziemlich schockiert drein und sein Mund öffnet und schließt sich ohne einen Laut hervor zu bringen, wie bei einem Fisch am Trockenen.
„Entschuldigung“, raunt Tiuri dem Mann zu, so dass Borgil es nicht wirklich mitbekommt und wirft dann die Türe ins Schloss.
Nach dem sich die Schankstube langsam mit Angestellten füllt und aus der Küche geschäftiges Treiben erklingt ziehen sie in Borgils und nun seit längerem ja auch Azras Privatgemächer um. Obwohl er bei dieser Geburt ja eigentlich keine maßgebliche Rolle übernimmt, lässt der junge Mann es sich nicht nehmen mit zu gehen, er wäre sowieso zu keinerlei Arbeit zu gebrauchen heute und er würde seine nervösen Runden lieber zusammen mit Azra drehen als alleine draußen zwischen den Pferden.
So rüpelhaft Borgil auch mit den Gästen vor der Tür gewesen ist, umso sanfter ist er mit Azra und er redet beruhigend auf sie ein, muntert sie auf noch eine weitere Runde mit ihm zu drehen und sie lächelt ihn an, etwas schwach zwar, aber wie immer mit diesem Blick in den Augen, den sie nur für Borgil bereit hält.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 08. März 2006, 20:09 Uhr
Morgen bis Nachmittag des 18. Langschnee

Sie folgt Niniane widerstandslos, und auch völlig unfähig irgendwie selber ihre durcheinander gewirbelten Gedanken anzukurbeln, in Borgils Privatgemächer und legt sich dort auf Geheiss der Waldläuferin so entspannt wie möglich auf die weichen, azurianischen Flickendecken. Niniane’s Finger huschen angenehm trocken und warm über die gespannte Haut ihres Bauches, ertasten die hauchzarten Umrisse des Kindes, das ebenso breit wie schwer in ihr liegt und Azra lauscht allen Erklärungen mit angestrengter Ruhe, die immer wieder von einem zuckenden, nervösen Lächeln unterbrochen werden. Sie ist nicht ängstlich, auf keinen Fall, sie ist nahe eines Panikausbruchs, trotz der fachlichen Kompetenz Ninianes und ihrer Sicherheit, dass mit dem Kind – Das sie alle einen Zehntag lag hat warten lassen – alles in Ordnung sei. Das Ungeborene mag ja gerade quietschfidel dabei sein, sich einen Weg in die Welt ausserhalb der Sicherheit gewährenden, mütterlichen Bauchkugel zu suchen, doch anscheinend kümmert es den kleinen, mit nervenaufreibender Geduld ausgestatteten Frechdachs dabei nicht einen Deut, dass Mutter und Vater von einer Verzweiflung in die Nächste gestürzt werden und regelrechte Schweissausbrüche durchstehen müssen. Niniane nimmt es jedoch gelassen, erläutert ihr in einfachen Erklärungen, wie weit der Muttermund – „Was ist ein Muttermund?“ – geöffnet sein muss und Azra bekommt stante pede auch noch die Fachliteratur für werdende Mütter erklärt, wo Niniane als wandelndes Lexikon Worte wie; Wehen, Presswehen, Nachgeburt, Nabelschnur, bis hin zu möglichen Nachwehen a.l.l.e.s erklärt. Das leicht vergeigt wirkende Lächeln Ninianes nach der versuchten Aufmunterung kann Azra dann aber nicht wirklich deuten, doch deren gleich darauf folgenden Worte sind mehr als deutlich und lassen  ihr Herz Luftsprünge machen,  erhitzt von sarkastischer Vorfreude auf dieses Stück der Geburt. „Also… aufrecht sitzen“, murmelt sie und hievt sich in die Höhe, kurz mit den Armen wild durch die Gegend rudernd, um nicht wieder das Gleichgewicht zu verlieren, und gibt dann schnaufend ein: „Geht auch…“, von sich, bevor sie die Beine über die Bettkante schlägt und drei lange Anläufe braucht, bis sie es mit Ninianes Hilfe schafft, auf die Füsse zu kommen. Zufrieden nickt sie, die Augenbrauen angestrengt und prüfend zusammengezogen und keucht dann zwischen zweimal tief Atem holen: „Stehen geht auch und das Atmen krieg ich bestimmffff…“ Sie erhält sofort die Möglichkeit, zu beweisen, ob sie die Anweisungen der Waldläuferin ebenso theoretisch, wie praktisch vollkommen begriffen hat, denn ein erneutes Ziehen kriecht ihre Wirbel hinauf, ihre Beine hinunter und hinterlässt ein unangenehmes Kribbeln in den Muskeln, als es nach und nach wieder verschwindet und sie die Luft bis ganz in ihre Lungen saugen kann. „Oh ja, ganz bestimmt!“, bestätigt sie noch einmal mit zerfurchter Stirn und  verschränkt die Arme über der runden Kugel, die einmal ihr flacher Bauch gewesen ist.

Borgil, der an der Türe pappte, wie eine Biene am Honig und es anscheinend für nötig hält, den Dielenboden sowieso bald mal wieder erneuern zu lassen, nimmt sie ohne Umschweife in Empfang und Azra blinzelt ihn glücklich an, bevor sein Wortschwall wie eine tosende Welle über ihren Köpfen zusammenschlägt und ihr nicht einmal mehr die Zeit gibt, amüsiert bis fragend eine Augenbraue hochzuziehen. Eine Frage nach der Anderen rattert ihr Mann herunter, holt nicht einmal Luft und sein Gesicht nimmt dabei die gleiche Röte an wie sein Bart, bis er ruckartig innehält, sich seiner Lungen entsinnt und nach Luft schnappt, als wäre er tausend Schritt ohne Unterbrechung gerannt. Azras heller Blick wandert in die Höhe, sieht das Grinsen auf Ninianes elbischen Zügen, und fühlt trotz der eigentlichen Komik dieser Situation, einen herben Stich, ein Gefühl der Sorge, das alleine Borgil gilt und als sie das ungeduldige Funkeln und die bedrückenden Schatten in seinen Augenwinkeln wahrnimmt, die er trotz Drahtseilen von Nerven und einer Ruhe, gleich der eines Steines, nicht überspielen kann, schleicht sich Schuldgefühl in ihr aufgewühltes Bewusstsein. Borgil, als Zwerg und dieses Mal insbesondere als Mann, hat wahrscheinlich in seinem ganzen Leben – und das will etwas heissen – noch nie eine Geburt miterlebt, geschweige denn jemals geahnt, dass er selbst eines – von Schnee und Sturm heimgesuchten – Tages ein Kind haben würde und nun wird er überrollt von Geschehnissen, bei denen er von Tuten und Blasen nicht einen einzigen, blassen Schimmer hat. Sie als Frau dagegen, die von den Göttern einfach dazu auserwählt worden waren, Kinder zu gebären, sie sollte ruhiger sein, ihrem Mann gut zureden, ihm sagen, dass es ihr gut gehe, die Geburt nichts Gravierendes sei und er ihr vertrauen könne, doch sie bringt keinen Laut über die Lippen, denn sie weiss, dass sie von alledem überhaupt nichts kann. Geburten, wann hatte ich jemals etwas mit Geburten zu tun! Madrinahs Tochter Jezeel wurde geboren, als ich bei ihr war, aber ich bin zu den Männern geflüchtet. Sind die auch so nervös gewesen? Es ist im Grunde genommen egal, denn Borgil vor ihr vergeht beinahe vor Furcht, um ihre und des Kindes Gesundheit und mit einem leisen Keuchen, sowie kurzer Anstrengung, schafft sie es ihn flüchtig aber sanft zu küssen und wird dann von Niniane dazu verdonnert mit Borgil zusammen einen Marathon im Schankraum zu veranstalten. Borgil brummt mit gesträubten Augenbrauen irgendetwas in seinen Bart, umschliesst mit seinen Pranken dann jedoch ihre kleinen, schmalen Finger und legt ihr eine Hand als Stütze ans Kreuz. Sie legen zwischen Stühlen, Theke, Tischen und Fenstern eine beachtliche Wegstrecke zurück, die wahrscheinlich bis nach Brioca und wieder nach Talyra gereicht hätte – samt Umweg über Liedberg -, nehmen dankbar Hallas Tee entgegen, lassen sich von Frühaufstehern und einigen wach gewordenen Gästen nicht in ihrem unermüdlichen Trab aufhalten und wenn Azra die Goldene Harfe nicht zuvor schon bis auf den letzten und hintersten Winkel auswendig gekannt hätte, so wäre diese Nacht dafür prädestiniert gewesen, alles, bis zur letzten Holzschnitzerei in den alten Balken zu erkunden.

Der Tee schmeckt bitter – wie jedes schmerzlindernde Gebräu, das irgendwelchen fachkundigen Händen entstammt -, doch er füllt ihre Brust und ihren Bauch mit wohliger Wärme und lässt das Ziehen ein wenig dumpfer werden. Unermüdlich zieht Azra ihre Kreise, einmal mit Niniane, dann wieder mit Borgil, dann wieder Tiuri, Borgil, Niniane, Borgil, Tiuri und wieder mit Borgil. Die Wehen werden stärker, länger und geben ihr das Gefühl alle zwei Meter stehen bleiben zu müssen, um ihre Füsse wieder koordinieren zu können und kaum haben sie eine Runde quer durch die Harfe geschafft, rollt auch schon die nächste Wehe über sie hinweg und lässt sie flach und gepresst atmen, doch eigentlich sind es nicht die Schmerzen, welche anstrengend sind, sondern die Zeit, die unaufhörlich verrinnt und es ihr dabei doch vorkommt, als wäre jede Sekunde zur Ewigkeit verdammt worden. Borgil ist gerade wieder an ihre Seite gehuscht, als Niniane fragt, ob sie denn schon einen Namen für das Kind hätten und prompt antworten sie beide gleichzeitig: „Brenainn.“ Leise kichernd blickt Azra ihren Mann an, lehnt sich gegen ihn und fasst seine Hand, um sich und den Babybauch wieder in Bewegung zu setzen und sich weiter zu schleppen. Der Name, sie weiss es noch genau, ist ihr aufgefallen, als Borgil ihr einige Pergamente einer seiner Abenteurerfreunde zu lesen gegeben hat, um ihre Kenntnisse der Schrift und Buchstaben zu verbessern. Auf den vergilbten, gelben Seiten standen wundervolle Lieder und Gedichte und auf ihr Drängen hin, hatten sie es sich eines verschneiten Abends, als die fahle Dämmerung über Talyra hereingebrochen war, zusammen, dick eingemummt in ein schwarzes Bärenfell, vor den Kamin gesetzt, um sich die alten Erzählungen und Lyren einmal gemeinsam durchzulesen. Während das Feuer in dem steinernen Einbau, mit den groben Metzarbeiten an den Ecken, langsam über die trockenen Scheite geleckt und goldenes Licht auf sie geworfen hatte, hatte Borgil ihre eine Weise vorgelesen – nachdem sie ihn eine geschlagene halbe Stunde davon überzeugt hatte, er solle sich nicht so anstellen, seine Stimme klinge nicht wie das Brummen eines heiseren Bären -, die sein Freund vor mehr als zwei Jahrhunderten verfasst und sie ihm schliesslich zum Abschiedsgeschenk gemacht hatte. Es war die Geschichte eines Zwergen aus dem Clan der N’arkam Dror, Borgils Clan, der weitab im Norden, irgendwo in der Nähe des höchsten Gebirges, des Wolkenthrons lebt und dort die Mienen in den uralten Stein schlägt um nach Erz, Silber und anderem, wertvolle, Gestein zu graben, doch sie haben nicht nur ausserordentlich geschickte Mienenarbeiter, sondern auch berühmte Gelehrte, Krieger und Priester hervorgebracht, wobei Letztere eher selten sind, denn Zwerge haben oft ihre eigene, ziemlich durchsetzungsfähige Art, den Glauben zu predigen.
Brenainn jedoch war nicht einer der grossen, überall bekannten Helden gewesen, sondern ein einfacher Zwerg, der sich von Stein und Eisen losgesagt hatte, um die Welt in langen, unzähligen Wanderungen und noch viel mehr Jahren zu erkunden und Wissen zu sammeln, Wissen, dass er irgendwann seinen Brüdern hatte bringen wollen, doch leider sah er seine Heimat nie wieder, denn statt Bücher und Sprachen, lernte er etwas anderes kennen, nämlich die Liebe. Azra hatte Borgil verliebt und süffisant zugleich angelächelt, als er mit deutlich unterdrückter Sentimentalität versucht hatte, die Worte über die blühende Verbundenheit zwischen Brenainn und der Menschenfrau hinunter zu lesen, als wäre es ein die Aufzählung über das gebräuchlichste Gemüse in einem Garten.

Das Brenainn seinen Traum aufgegeben hatte, um friedlich an der Seite seiner Frau, bis zu deren frühen Tod verweilen zu können, hatte Azra so ergriffen, dass sie sich am Ende der Weise ergriffen die Tränen von den Wangen gewischt und gemurmelt hatte: „Der ist fast wie du… Wahrscheinlich ist seine Frau auch jedes Mal tausend Tode gestorben, wenn er sich wieder einmal in einen Kampf gestürzt hat.“ Borgil hatte ihre gäääääääänzlich widersprochen, er gehöre nicht zu den ruhigen Vertretern, wie Brenainn es gewesen war und mit Wissen und Büchern hätte er schon überhaupt nichts am Hut, denn was er brauche, wäre lediglich ein gutes Bier und eine scharfe Axt, dann wäre das Leben ein Leichtes. „Sicher“, hatte Azra erwidert, sich mit ihrem – damals noch längst nicht so dicken – Bauch an ihn geschmiegt und den Kopf auf seine Knie gelegt: „Und genauso zärtlich, einfühlsam, liebevoll und sorgend.“
Und genauso ist ihr Mann momentan auch, wenn auch gleichzeitig noch hektisch, wie ein aufgescheuchtes Huhn, nervös wie ein Lehrbengel vor seiner Meisterprüfung und so ungebremst, wie eine geladene Karre in voller Fahrt, und seine Stirn legt sich je länger je mehr in tiefe Falten. Die Stunden schleppen sich dahin, während sie sich durch den Harfenraum wälzt und ihre Begleiter wechselt, wie Andere die Unterhose, gleichzeitig mit Wehen kämpfend, die ihr doch langsam Schmerzen bereiten. Das silbrige Licht, das fahlgrau durch die kleinen Butzenfenster fällt wird blasser und dunkler, bis schliesslich Shenras morgendliches Antlitz mit unschuldiger Röte seine Fühler nach dem, unter Massen an Schnee begrabenem Talyra ausstreckt und das kalten Weiss in eine glitzernde Fläche aus abermillionen von Diamanten verwandelt, deren Schönheit von so manchen Einwohnern überhaupt nicht gewürdigt, ja sogar verflucht wird, weil sie deswegen nicht auf den Markt kommen, oder die Türen ihrer Häuser nicht mehr öffnen können. Als die erste Gästen erwachen und einige der Bewohner draussen es geschafft haben, einen Weg bis vor die Tür der Harfe zu graben, um sich dann, wie das Unschuldslamm persönlich, erkundigen zu wollen, warum das Gasthaus denn heute geschlossen hätte, braust Borgil auf wie ein Sturm und gibt ein Donnerwetter von sich, dass Azras Herz ebenso belustigt, wie berührt in die Höhe schiessen lässt und ein so vollkommenes Gefühl von Liebe wärmt sie plötzlich von den Zehen bis zu den Haarspitzen, dass sie vor Rührung beinahe vergessen hätte zu atmen. "Geschlossen! Hier wird heute noch ein Kind geboren du völlig verblödeter Hornochse, also sieh zu, dass du Land gewinnst, du störst meine Frau!" Alle Köpfe drehen sich zu ihm um, starren ihn für einen Moment perplex an und diesen einzigartigen Moment, in dem gerade perfekte Stille, ohne Wehen und nervöses Gemurmel herrscht, nutzt Azra, um mit erschöpfter, leiser Stimme, in der jedoch ein deutlich hörbarer spöttelnder Unterton mitklingt, und mit hochgerecktem Näschen etwas klar zu machen: „Also dein Ruf, mein Herr, dein Ruf als skrupelloser Geschäftsmann ist jetzt endgültig dahin Borgil Blutaxt und du bist selbst schuld!“

Knechte, Schankmädchen und Mägde machen sich langsam auf, um ihren üblichen Tagesarbeiten nachzugehen und um den anwesenden Gästen keine Angst einzujagen – wer weiss schon, wie viele, durch Geburten traumatisierte, Männer sich darunter befinden -, beschliessen Niniane und Borgil bald, dass es besser wäre mit Sack und Pack und Tiuri in die privaten Gemächer umzuziehen, was Azra nicht kommentieren kann, da sie just in diesem Moment schwer damit beschäftig ist, die Zähne zusammen zu beissen und sich daran zu erinnern, dass ihre Lungen auch während einer Wehe mit verfluchter Luft versorgt werden müssen. Sie will es nicht zugeben, doch sie ist erschöpft, müde und ausgelaugt und ihre Beine haben gefährliche Ähnlichkeit mit Brotpudding angenommen, während ihr zudem einmal heiss und dann wieder kalt wird. Sie wankt mehr, als das sie geht, krallt sich blind an allem fest, was man ihr anbietet und ist noch blasser um die Nasenspitze als sonst. Auf dicken, von Halla gestrickten Wollsocken tappt sie hinter der Waldläuferin her, sich an Borgil abstützend und ein schiefes Lächeln liegt noch immer, wie angefroren, auf ihren Lippen, wenn diese sich denn auch des Öfteren in unterdrücktem Schmerz zusammenpressen, was sich anfühlt, als würde ihr Rücken und ihr Becken langsam auseinandergezerrt werden. "Komm, mein Liebling. Wir drehen noch eine Runde. Ich habe den Kamin drüben schon mindestens fünf Minuten nicht mehr gesehen, ich vergesse noch, wie er aussieht..." „Kamin?!“, echot sie angestrengt, macht einen Schritt und keucht: „Wir haben einen Kamin?!“ Borgil fasst sie ein wenig fester und sie bemüht sich nicht innezuhalten und kommt schliesslich schwer schnaufend und mit Schweiss auf der Stirne bei dem steinernen Sims an, vor dem sie vor, wie es jetzt scheint, unzähligen Monden den Namen für ihr Kind – im Falle eines Sohnes – herausgefunden haben, nachdem sie sich wohlweisslich und widerspenstig gegen Vorschläge wie Goren, Illgard, Nemion und Zafran gewehrt hatten. Gerade will Borgil sie kurz an Tiuri abgeben, um ihren Tee zu holen, als ein ebenso heftiger, wie kurzer Schmerz durch ihr Becken fährt und nur langsam wieder abebbt, das Gefühl hinterlassend, als wäre ihr Innerstes gerade zerrissen worden und ihr Bauch zieht sich unter ihren Händen zusammen. Mit einem leisen Schmerzensschrei krümmt sie sich, wird aschfahl und starrt mit grossen, vor Schreck geweiteten Augen auf die dunklen Flecken, die sich auf dem gebleichten Stoff ihres Nachtgewandes ausbreiten, und fühlt etwas warm und klebrig die Innenseite ihrer Beine hinab rinnen. Niniane erhebt sich katzenhaft aus dem breiten, gemütlichen Uromasessel, wo sie eben noch ruhig ihren zehnten Cofea geschlürft hat, legt ihren quäkenden Sohn zurück ins Weidekörben und eilt an ihre Seite, Azra mit einem beruhigenden Blick aus schimmernden, bernsteinfarbenen Augen bedenkend, nur um gleich darauf Borgil davor bewahren zu müssen, alle seine guten Manieren und seine beherrschte Ruhe kurzerhand aus dem Fenster zu schmeissen. Borgil bekommt fast einen Anfall – Was ungefähr die gleichen Folgen hätte, als würde man einen wild gewordenen Bären in eine kleine Porzellankammer sperren -, schnappt ächzend nach Luft, will schon anfangen den Mund aufzureissen, da erklärt die Waldläuferin bereits sanft, die Fruchtblase wäre jetzt geplatzt und das Kind wohl endlich willens, zur Welt zu kommen. Azra nickt nur fahrig, stakst auf zittrigen Beinen zum Bett, um sich in die weichen Kissen fallen zu lassen, doch noch wird ihr keine Ruhe gegönnt.

Sie muss laufen, laufen, laufen und sie tut es, ohne dabei überhaupt noch fähig zu sein, gedanklich zu begreifen, dass sie wie eine arme Verwirrte in ihrem eigenen Gemach herumtorkelt, wie ein Volltrunkener und dabei alle ihr Kraft darauf verwendet ihre Lungen in Gang zu halten und ihre Knie nicht nachgeben zu lassen. Das Gehen tut gut, auch wenn die Wehen deswegen nicht weniger und leichter werden, doch ihr Bewusstsein ist abgelenkt und sie ist froh darum. Borgil neben ihr ist fast so bleich wie sie selbst, wenn nicht noch mehr und zwischen zwei ziemlich starken und schnell nacheinander folgenden Wehen presst Azra leise hervor: „Als du zum ersten… ufff… Mal… meinen Hintern ge… sehen hast… meintest du…“ Sie beisst sich in die Lippe, als die Wucht des Schmerzes ihre Glieder versteift, gräbt ihre Nägel in Borgils lederne Haut und wölbt sich angespannt wie eine Bogensehne vor, die Augen starr auf ihre Zehen gerichtet, bis ihre Muskeln sich wieder weiten und sie gierig und pustend nach Atem schnappen kann: „Meintest du“, fährt sie keuchend wie ein Riese nach einer Bergbesteigung fort: „Du würdest es nicht… deswegen tun… ich wäre ja noch… ein ha… UH, tut das weh!... Kind…“ Dabei sucht sie mit glasigem Blick Borgils wächserne Miene, die Schrecken und Verwirrung so aus allen Fugen geraten ist, dass sie fast grinsen muss: „Dein halbes Kind… ist… argh… weniger bleich… als du…“ Dabei stösst sie ihm probeweise den Finger gegen die Brust, verfehlt diese jedoch mit absoluter Zielsicherheit, nur damit ihre Hände sich gleich darauf krallenartig um die Lehne eines Stuhls schlingen können, als brauche sie etwas, das sie erwürgen könnte. Es tut weh, sehr weh sogar und doch sind die Wehen noch immer nicht regelmässig und langsam gesellt sich nagende Bangigkeit dazu. Tränen kleben zwischen ihren Wimpern, doch sie wischt sie konsequent mit dem Handrücken fort, zwingt sich selbst, sich wieder halbwegs gerade aufzurichten und weiter zu stolpern, egal wohin, denn schon längst hat sie jedwede Orientierung aufgegeben, obwohl sie eigentlich immer noch nur von einer Wand zur Anderen laufen und dabei immer wieder brav vor dem Kamin innehalten und das Schmuckstück betrachten. Atmen hat sie gesagt, ruhig und tief atmen… einatmen, ausatmen… einatmen, ausaaaargh…
Die Sekunden werden länger und länger und sobald eine Minute endlich vergangen ist, fühlt sie sich gequetscht und auseinandergerissen zugleich, hofft das es bald zu Ende ist und mahnt sich selbst, so etwas nie wieder anzufangen, sich ein eigenes Bett machen zu lassen, oder sich am besten zur Einsiedlerin zu entwickeln, um nie wieder Borgils Charme erliegen zu können. Aus dem gemächlichen Morgen, wird ein unruhiger Nachmittag und in der Harfe ist es bis auf Azras gelegentliche Schmerzenlaute unheimlich leise geworden, die Kunden in der Schankstube wagen es nicht mehr lauter zu reden, als mit einem Flüstern, da Borgil, nach einigem, lauterem Gelächter, die bereits munteren Gäste beinahe höchstpersönlich, und am Ende seiner Nerven, vor die Türe in den Schnee geschmissen, oder sie sonst wie zur Ruhe gebracht hätte und die Schankmädchen schleichen auf Zehenspitzen zwischen den Stühlen und Tischen umher.

Irgendwann gewährt Niniane ihr, sich hinzulegen und mit göttlicher Erleichterung, einem kaum hörbaren: „Danke“, sowie purer Erschöpfung sinkt Azra in die eiligst, von Borgil und Tiuri – Der Junge sieht aus, als wäre er einem blutrünstigen Geist begegnet – zurecht gerückten und drapierten Kissen und hat doch nicht einen verflixten Augenblick Zeit die weiche Unterlage zu geniessen, denn die nächste Wehe kommt und geht und hinterlässt zitternde Knochen und matschigweiche Muskelmasse, sowie einen zeternden Zwergen, der sich über das unverschämte Verhalten dieses noch viel unverschämteren Kindes beschwert. Immer kürzere Abstände liegen zwischen den Wehen, von denen jede Azras zierlichen Körper bis aus Mark durchrüttelt und ihr schlichtweg den Atem verschlägt, bis ihr Gesicht die Farbe von glühendem Rot zu Schlohweiss so schnell wechselt, dass sie sich vorkommt, wie ein pfeifender Kessel, der übers Feuer gehalten wird. Mit einer Hand klammert sie sich eisenhart und absolut nicht willens, ihn auch nur für eine Sekunde frei zu geben, an Borgil fest, mit der anderen hat sie Tiuri in ihren Fängen und zerkratzt dessen Arm, in der Hoffnung, irgendwoher Linderung zu erhalten. „Götter.. im Himmel… hilfe…“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Niniane am 09. März 2006, 14:15 Uhr
Am 18. Langschnee in Borgils Gemächern


Die Stunden ziehen sich dahin, von der Nacht zum Morgen und bis weit in den Tag hinein, ohne dass Nennenswertes geschieht - selbst der wehenfördernde Trank, den Niniane mehrmals für Azra hatte zubereiten lassen, erfüllt seinen Zweck längst nicht so erfolgreich, wie sie sich das vorgestellt hat. Die Geburt verläuft zwar durchaus normal, aber auch so zäh wie dickflüssiger Sirup und bringt sowohl die arme Azra, als auch Borgil bis an die Grenzen des Erträglichen - von Tiuri ganz zu schweigen, Borgils einzigem männlichen Leidensgenossen, der schon genauso bleich und mitgenommen aussieht, wie der werdende Vater selbst. Niniane mag den Jungen, er hat eine absolut sympathische, leicht selbstironische Art, die ihr gut gefällt, aber seine Anwesenheit hier ist ihr doch nicht so ganz verständlich - obwohl sie nicht leugnen kann, dass er sowohl mit Azra, als auch zum Beruhigen des ständig am Rand eines Nervenzusammenbruchs herumbalancierenden Borgil eine große Hilfe ist. Sie sagt allerdings kein Wort dazu und lässt sich auch nicht das Geringste anmerken, schließlich geht das nur die drei etwas an - und weder der Zwerg, noch die werdende Mutter scheinen den jungen Mann nicht hier haben zu wollen. Leir verhält sich unerwartet kooperativ - er ist am Morgen zwei Stunden wach, trinkt regelmässig, stößt anstandslos auf, verziert Ninianes Kleid mit Milchflecken, döst wieder ein, gibt leise, blubbernde Laute von sich, fuchtelt mit den Ärmchen, schläft wieder ein Stündchen (oder auch länger) und bekommt wann immer nötig eine frische Windel... kurz, er ist das brävste, mustergültigste Baby aller Zeiten, wenigstens an diesem Tag. Niniane, praktisch wie immer, ergreift die Gelegenheit gleich beim Schopf und zeigt Azra - solange die Wehen noch erträglich sind und die junge Frau noch nicht zu erschöpft ist, um sich auf irgendetwas anderes zu konzentrieren, als die Vorgänge in ihrem Körper -, wie man ein Neugeborenes versorgt.

Sie erklärt ihr, wie der empfindliche, abheilende Nabel zu behandeln ist, dass das Restchen Nabelschnur nach spätestens einem Siebentag von allein abfällt, und zeigt ihr - und lässt sie es selbst tun -, wie man ein Baby sicher hochnimmt und hält, wie man das Köpfchen stützt, wie man es trockenlegt und wickelt, wie man es am besten herumträgt und so fort. Vieles hat Halla Azra schon erklärt, aber es selbst zu sehen und mit einem wenigen Tage alten Kind wie Leir umzugehen, ist vielleicht doch anschaulicher, als nur davon zu hören. Ihr winziger Sohn spielt seine Rolle als Übungsobjekt auch mit unendlicher Geduld und lässt klaglos alles mit sich anstellen - selbst solche Dinge wie fünfmal hintereinander wickeln, bis die richtige Technik, die widerspenstigen Tuchecken festzustecken, perfekt sitzt. Als der Morgen vorbei geht, platzt bei Azra die Fruchtblase und Borgils Gemächer füllen sich mit einem absolut einzigartigen Geruch, der zumindest Niniane immer an eine Mischung aus sonnenwarmer Erde, tiefer See und frischen Pfirsichen erinnert. Sie legt Leir fort, eilt an Azras Seite, untersucht sie kurz und steckt sie dann in ein frisches Hemd - ein sehr weiches, weites, altes Kleidungsstück von Borgil, das ihr knapp bis an die Knie reicht. Dann winkt sie kurz Tiuri herbei, damit er Azra stütze, schnappt sich den ganz und gar unberechenbaren, werdenden Vater, dirigiert ihn entschlossen in den Raum nebenan und beschwört ihn dort leise, sich nicht länger aufzuführen, als wäre er erst sieben und ein Vollidiot. "Borgil, Azra soll ein Baby auf die Welt bringen und du hilfst ihr keinen Deut damit, dass du wie ein durchgeknallter Leprechaun um sie herumhüpft und jeden, aber auch jeden!, in ihrer Nähe, einschließlich ihr selbst, völlig verrückt machst. Du gehst da jetzt raus und erzählst ihr in deinem beruhigendsten Zwergenbass irgendeine lange, närrische Geschichte, am besten eine, die sie zum Lachen bringt. Das entspannt."

Borgil nickt nur, aber er hätte wohl zu allem Ja und Göttersegen gesagt, wenn er dafür nur an die Seite seiner Frau zurück kann. "Und ich will keinen einzigen Fluch mehr von dir hören!" Schärft Niniane ihm noch ein - er hält sich auch tatsächlich eine ganze geschlagene Stunde lang daran. Dann heißt es Warten. Warten, und für Azra  - und die mehr oder weniger freiwilligen Geburtshelfer Borgil und Tiuri - Laufen. Zuerst scheint das allen Beteiligten noch wenig auszumachen, aber als es Mittag und schließlich Nachmittag wird, stolpert Azra längst erschöpft vor sich hin, und Niniane erntet irgendwann von Borgil nur noch empörte und von Tiuri unverständige Blicke. Sie bleibt jedoch unerbittlich und lässt Azra umhergehen, so lange es irgendwie machbar ist - sie ist so klein und zierlich, dass Niniane hofft, die Schwerkraft würde mithelfen, das Kind auf die Welt zu bringen. Außerdem weiß sie aus Erfahrung, dass Bewegung, wenn auch langsam und gemessen, hilft, die Wehen regelmässiger und schneller werden zu lassen... und sie fürchtet auch, dass Azra, ließe sie die junge Frau sich schon vor der Zeit hinlegen, sich nur noch auf den Schmerz in ihrem Inneren konzentrieren und sich noch mehr verkrampfen würde. Auch der Nachmittag zieht sich dahin und dunkelt einer frühen Winterdämmerung entgegen, als Azra, den Tränen nah, verkündet, sie wolle sich jetzt wirklich hinlegen. Niniane, die gerade Leir stillt, bleibt nichts anderes übrig, als es Tiuri und Borgil zu überlassen, Azra in das längst hergerichtete, breite Bett zu verfrachten, sie in die aufgeschüttelten Kissen zu legen und an ihrer Seite zu bleiben, bis ihr Sohn fertig getrunken hat. Die Wehen kommen jetzt so rasch nacheinander, dass dazwischen keine Zeit mehr für Worte oder auch nur ein Luftschnappen bleibt und ihre Stimme hat Azra ohnehin schon beinahe verloren... trotzdem kann Niniane selbst von ihrer Position in einem von Borgils breiten, ledergepolsterten Lehnstühlen aus sehen, wie sie die Zähne zusammenbeißt und versucht, tapfer zu sein.

Himmelgötternochmal! Als ihr Sohn endlich genug hat, steht sie auf, nimmt ihn hoch, nestelt einhändig Mieder und Kleid zusammen und drückt das Baby dann ohne viel Federlesen dem verdutzten Tiuri in die Hände, dem Azra gerade den Unterarm zerfleischt hat. "Hier. Nimm ihn und lass ihn aufstossen, sei so nett, und bring ihn zu den Mägden. Sag Halla bescheid, sie soll das abgekochte Wasser, sauberes Linnen, Windeln und weiche Tücher herbringen. Jetzt gleich, es dauert nicht mehr lange." Mit einem raschen Seitenblick vergewissert sie sich, dass ihre Tasche bereit steht - nur für alle Fälle - und setzt sich dann an Azras freigewordene Seite. An der anderen klebt Borgil und wäre im Augenblick vermutlich noch nicht einmal von vier Frostriesen auf einmal dort wegzubewegen gewesen. "Also dann..." Sie tastet Azras Bauch ab, nickt zufrieden und schiebt die junge Frau mit Borgils Hilfe ein wenig höher in die Kissen. "Es wird bald losgehen, schätze ich. Azra, hör mir zu. Nein, sieh mich an. Es ist wichtig, dass du dich jetzt entspannst. Atme flach, und wann immer du kannst ganz tief ein und aus. Dein Baby ist bereit, geboren zu werden, aber du musst es jetzt auch loslassen. Bei dir behalten kannst du's nicht. Borgil, schluss jetzt. Reiß dich zusammen, sie braucht dich. Setz dich ein wenig hinter sie, so dass sie sich an dich lehnen kann, wenn sie will und halt sie mit einem Arm, ja genau so, sie kann deine andere Hand blau quetschen." Schweißfeuchtes, silbernes Haar ringelt sich um Azras abwechselnd wachsbleiches und scharlachrotes Gesichtchen und im nächsten Augenblick geht ihr pfeifender, hektischer Atem in ein ungeheuer angestrengtes Stöhnen über, das Borgil den dichten roten Haarschopf und die ohnehin schon wild gesträubten Brauen im wahrsten Sinne des Wortes zu Berge stehen lässt. Niniane entlockt das jedoch nur ein aufmunterndes Lächeln.

"Du machst das ganz wunderbar, Azra. Nur ein kleines bißchen musst du noch durchhalten, das schlimmste hast du gleich geschafft. Schrei ruhig, wenn dir danach ist. Schimpf und fluche was das Zeug hält, wenn es dich erleichtert. Die Schmerzen, die du jetzt hast, sind die Gemeinsten - schlimmer wird es nicht mehr werden." Halla wuselt herein, einen Stapel Geburtslaken in den Armen, dicht gefolgt von Tiuri, der einen Kessel warmes Wasser herbeischleppt und berichtet, Leir werde in der Küche von Grid und den übrigen Mägden bestens versorgt. Mit ihnen summt die ganze vorfreudige, erwartungsvolle Spannung herein, die längst die gesamte Harfe und alles Gesinde von der Obersten Magd bis zum jüngsten Botenkind erfasst hat. Halla wuselt jedoch ebenso rasch auch wieder hinaus, und bringt ihnen kurz darauf noch einen Krug Mandelmilch, klares Quellwasser, falls Azra Durst hätte, und - in weiser Voraussicht - einen Humpen Feuerwein, der ausgereicht hätte, zehn Zwerge lahmzulegen, dann zieht sich die Mogbarmagd endgültig zurück.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 10. März 2006, 13:21 Uhr
Am 18. Langschnee in Borgils Gemächern

In ihrem eigenen, kleinen Durcheinander von Lutfholen, Ausatmen, Borgil als Kratzbaum benutzen und dem unwiderstehlichen Drang, hart vor sich in die Luft zu treten, um den Schmerzen zu entkommen, die ihre Lungen wie Kissen einfach zusammenstauchen, spürte sie trotzdem, wie Ninianes warme Finger über die mal weiche, mal steinharte Decke ihres Bauches tasten. Keuchend und schnaufend verdreht sie die Augen, verkrampft sich, lehnt sich zurück und schafft es mithilfe der Waldläuferin und Borgils sich irgendwie ein wenig aufrechter in die hunderten von Kissen zu setzen, die ihren - mittlerweile gefühlslosen - Rücken stützen. Eine Wehe nach der anderen überrollt sie, zieht an ihr und geht wieder, nur um gleich der nächsten Platz zu bieten. Atmen... atmen... atmen... , erinnert sie sich selbst. "Es wird bald losgehen, schätze ich. Azra, hör mir zu.“ Azra jedoch, gerade vollauf damit beschäftigt in einem winzigen, heiligen Augenblick der Entspannung ihre Lungen bis weit hinunter mit herrlichem Sauerstoff zu versorgen, spannt sich an wie eine Sprungfeder und hat noch nicht einmal Zeit bestätigend zu nicken. „Nein, sieh mich an. Es ist wichtig, dass du dich jetzt entspannst. Atme flach, und wann immer du kannst ganz tief ein und aus. Ihre hellen Augen treffen auf Ninianes Goldene, wo nur schemenhafte Schatten und fahles Funkeln die Bewegungen verraten und hörbar stösst sie die Luft aus und versucht ihre Nägel nicht tiefer als notwendig in den Arm ihres Gatten zu vergraben. Atmen... atmen... dauert nicht mehr lange... atmen... “Dein Baby ist bereit, geboren zu werden, aber du musst es jetzt auch loslassen. Bei dir behalten kannst du's nicht.“ Flüchtig verschwindet der Schmerz und die Anstrengung von Azras tomatemroten Gesicht und ihre Miene verzieht sich bizarr, was wohl irgendwie Erschrockenheit, eigensinniges Entsetzen und einen Ausdruck von: WILL-ICH-AUCH-NICHT! in sich birgt, doch ihre Lippen sind fest zusammengepresst und ihre Zunge will ausser unverständlichem Gestotter schon länger nichts mehr Kluges artikulieren. Borgil hinter ihr gebärdet sich für einen Moment wie Mais in der Pfanne, der kahle Schädel längst schon genauso rot, wie der Schopf an Haaren darauf, und seine Finger, die sich warm und beschützend um die ihren schliessen und zudrücken halten sie gerade, geben ihr Kraft. Als sie jedoch seine breite Brust an ihrem Rücken spürt, das feine, zarte Vibrieren seines hart schlagenden Herzens an ihrer Haut, und seinen Arm, den er sanft, als hätte er Rauchglas zwischen den Fingern, um ihre bebenden Schultern und ihre, sich ruckartig senkende und hebende Brust legt, fühlt sie sich geborgen und sicher, bereit, dieses sture Kind endlich auf die Welt zu bringen, wobei ihre Finger sich sofort und ohne Zögern um die andere Hand Borgils schliessen und dort wahrscheinlich Knochen und Knöchel brechen. „Uhhh... du... Balg...“, stösst sie heiser und hoch wie ein kranker Rabe hervor, hört irgendwo leises Ninianes Worte und reisst in absoluter Empörung die Augenbrauen in die Höhe: „Fluchen?... wie... denn... ich... versuche... Luft... zu holen... uhhhh...“ und ist dann schon wieder ganz gefangen davon, sich aufzubäumen und ihren Rücken durchzudrücken, wie ein Weidenzweig und die Zähne laut knirschend zusammen zu beissen.

“Schlimmer kann es nicht mehr werden.“ „Das... ist... ja... beruhigend!“, stösst sie pfeifend hervor, wie scharfer Wind, der durch eine winzig, schmale Mauerritze fährt, bis mit einem Male urplötzlich nur noch der Nachhall der letzten Wehe zu spüren ist, die Schmerzen in fast angenehmes, ein wenig angespanntes Pochen übergehen und ihr Körper dafür den grossartigen Wunsch verspürt sich vollkommen zusammenzuziehen und sich diesen kleinen – momentan verdammt grossen – Wesens endgültig zu entledigen.  Entsetzt über diese Veränderung stockt sie, öffnet die trockenen Lippen, doch ihre Muskeln reagieren von selbst, ihr Kopf hat längst aufgegeben auf Einspracherecht zu plädieren und alle ihre Sinne konzentrieren sich nur noch darauf zu pressen. Ein langes, tiefes Stöhnen kämpft sich durch ihre kratzenden Stimmbänder, die sie längst wundgescheurt hat, und sie kneift vor schweisstreibender Anstrengung die Augen zusammen, drückt die Fersen in die Matratze und hievt sich in die Kissen hinter sich, bis sie nicht mehr kann und hechelnd nach Luft schnappt, sich daran erinnernd, dass sie tief und ruhig atmen sollte, nur um gleich darauf wieder so fest wie möglich zu pressen und um nicht zu platzen vor Qual, Hast und dem hohen Druck, unter dem ihr Kopf die Farbe einer dunkelroten Beere annimmt, lässt sie zischend die Luft entweichen und starrt mit funkelndem Blick und rasendem Atem auf ihren Bauch, der Wellen schlägt unter ihren herzlichen Anstrengungen. Niniane redet mit ihr, obwohl Azra nur noch den samtenen, bronzenen Klang wahrnimmt und keinen Deut mehr von dem Sinn dahinter versteht. Sie ist schweissbedeckt, das lange Hemd von Borgil klebt feucht an ihrem Körper, derweil ihre Muskeln einen Marathon durchlaufen, der jedem Kampf die Ehre gereicht hätte. „Bitte... raus...“, japst sie und hört das Blut in ihren Ohren rauschen, wie die Fälle von Fianfaramar, doch obwohl sie die Lippen zu einem schmalen Strich verzieht, nicht mehr als eine dünne Narbe in ihrer verkrampfter Miene, die Fersen in die zerwühlten Linnen stemmt, presst und drückt und wirklich versucht, das Kind endlich aus ihrem Bauch heraus zu bugsieren bis es so spät ist, dass man die Kerzen in dem Zimmer auswechseln muss, weil der wild wirbelnde Schnee sich vor den kleinen Fenstern auftürmt, tut sich nichts und verzweifelt rinnen heisse Tränen über ihre bleichen Wangen. „Borgil“, jammert sie fast lautlos, weiss, dass sie nicht aufgeben darf und drückt erneut, krallt sich an Niniane und an ihrem Mann fest und fühlt sich auf seltsame Art und Weise unfähig oder der Situation schlichtweg nicht gewachsen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 13. März 2006, 22:53 Uhr
Am 18. Langschnee in Borgils Gemächern


Die Geburt, die angeblich gar nicht mehr lange hatte dauern sollen, tut genau das Gegenteil von dem, was Niniane so zuversichtlich verkündet hatte - sie dauert und dauert und dauert an, stundenlang, wie Borgil scheint. Azra, klitschnass vor Schweiß und vollkommen erschöpft, kämpft längst mit Kräften, die ihr sonst nicht zur Verfügung stehen, bäumt sich unter den Wehen auf und sinkt, sobald sie nachlassen, kraftlos in sich zusammen... sie hat noch nicht einmal mehr die Energie, zu fluchen oder zu schreien, alles, was sie mit dünner Stimme noch von sich gibt, ist leises, halberstersticktes Wimmern. "Cobrin, Troilus und Cassandra, Niniane, wenn du nicht gleich etwas tust, irgendetwas!, dann erwürge ich dich eigenhändig! Äh... falls du mich nicht vorher umbringst, heißt das. Sie wird nicht sterben, oder? Niniane, sie stirbt doch nicht?" Das einzige, das Azra noch aufrecht in den Kissen hält, ist sein Arm und sie zittert vor Überanstrengung von Kopf bis Fuß wie Espenlaub. Borgil mag keine große Ahnung von Kindbett und Wehen haben, aber er hat durchaus gewusst, dass ein Kind auf die Welt zu bringen harte Arbeit ist. Mit dieser stundenlangen Tortur hat er allerdings in seinen schlimmsten Alpträumen nicht gerechnet. Sich Azras Leid mit ansehen zu müssen und dabei nicht das Geringste für sie tun zu können, und das Wissen, das all das hier obendrein nur seine Schuld ist, bringt ihn fast um den Verstand. Niniane nimmt ihm seine harschen Worte den Göttern sei Dank nicht übel, aber dafür kennt sie ihn wohl auch schon viel zu lange und zu gut - die Waldläuferin schüttelt, ganz auf Azra konzentriert, nur den Kopf und murmelt dann beruhigend, dass "sie", wer immer damit auch gemeint ist, die werdenden Mütter oder die werdenden Väter, zu diesem Zeitpunkt immer glauben sterben zu müssen.

Was ihn angeht, er ist in den letzten Stunden mit Sicherheit schon tausend Tode gestorben. Und in seinem Herzen wohnt Angst, kalte, wirkliche, furchtbare Angst, jenseits aller aufbrausenden Panik und nervösen Unruhe, dass Azra tatsächlich sterben könnte - denn begründete Sorge oder nicht, es geschieht schließlich auch manchmal, dass Frauen sich nicht mehr vom Kindbett erheben. Und diese Geburt dauert schon Stunden und die Schmerzen müssen die reinste Hölle sein. Was, wenn ihr Herz einfach versagt? Was, wenn sie es nicht schafft, das Kind auf die Welt zu bringen? Was, wenn das Baby falsch liegt, was, wenn es zu groß ist, was, wenn sie innerlich blutet, was... was... was... Hundert mögliche "Was" geistern durch seinen Verstand, eines alptraumhafter als das andere, aber noch weigert er sich stur und verbissen, auch nur einen dieser Gedanken zu Ende zu bringen und betet in stummer Litanei vor sich hin. Seine Kehle ist viel zu zugeschnürt, um Azra noch Mut zuzusprechen oder auch nur zu flüstern und er kann sich noch nicht einmal räuspern, um den Ring aus Eis um seinen Hals zu lockern... wenn er sich räusperte, würde er sie nicht atmen hören und so lange er sie atmen hört, weiß er, dass sie am Leben ist. Azra gräbt die Fersen in die längst blutigen Laken, bäumt sich auf, sinkt wieder zusammen und presst und presst, um dieses widerspenstige Kind auf die Welt zu zwingen, bis sich die Sehnen unter ihrer sonst so weißen, nun vor Anstrengung geröteten Haut wie dicke, helle Stränge hervorheben - doch nichts scheint sich zu tun. Überall auf der Geburtsdecke aus samtweichem, weißen Leder, die irgendjemand hilfreich unter ihr ausgebreitet hat, ist jetzt Blut und Fruchtwasser und allein der Anblick hat Borgil schlagartig vollkommen ruhig werden lassen - als hätte jemand in seinem Inneren einen Hebel umgelegt. "Sag mir die Wahrheit, verblutet sie?" Niniane schüttelt den Kopf ohne ihn auch nur eines Blickes zu würdigen und antwortet leise, dass sei alles normal, er solle sich keine Gedanken machen, das Blut sei weder hellrot, noch genug, um Anlass zur Besorgnis zu geben.

"Warum kommt das Kind dann nicht endlich? Du hast gesagt, es würde nicht mehr lange dauern und..."
"Es ist groß, Borgil," hört er die Halbelbin mit einem seltsamen Unterton sagen. "Hat den Sturschädel seines Vaters und die breiten Schultern dazu. Und Azra ist sehr zierlich." Noch während sein Verstand mit der absurden Größenfrage hadert, murmelt Niniane beruhigend auf Azra ein, massiert und tastet, legt nachdenklich die Stirn in Falten, findet immer wieder aufmunternde Worte und lächelt ab und an gelassen - doch Borgil kennt sie gut. Gut genug jedenfalls, dass die stille, ausschließliche Wachsamkeit mit der sie Azra keinen Herzschlag lang aus den Augen lässt, ihm beinahe mehr Angst macht, als die Erschöpfung seiner Frau und ihr ersticktes Atmen. >Borgil...< "Ich bin hier, ich bin hier, mein Mädchen. Nicht sprechen, nicht... Bei allen Göttern im Himmel und sonstwo, sie kann nicht mehr. Niniane tu' endlich etwas..." Niniane wirft ihm einen langen, irritierenden Blick aus diesen undurchdringlichen, goldenen Augen zu und nickt dann knapp. Er kann von seiner Position am Kopfende des Bettes, Azras gekrümmte Schultern in den Armen, nicht sehen, was genau die Halbelbin eigentlich tut - was aber auch daran liegen mag, dass er seinen besorgten Blick nicht vom schweißnassen, kalkweißen Gesicht seiner Frau nehmen will -, aber als Azras schmaler Körper sich mit der nächsten Kontraktion anspannt, presst Niniane ihre Hände fest auf den runden Kugelbauch und drückt mit aller Kraft nach unten. Azras Aufkreischen gellt in Borgils Herz, als habe jemand einen glühenden Dolch hineingerammt, doch Niniane, von Azras Schreien wenig beeindruckt, lässt sie nicht los, bis die Wehe vorbei ist. "Halt sie gut fest, Borgil," kommt die knappe Anweisung, und ihre Stimme dringt durch das Rauschen des Blutes in seinen Ohren nur wie ein fernes, hohles Summen. "Das Köpfchen ist schon zu sehen, es ist fast geschafft."

Selbst in ihrer Agonie aus Schmerz, Angst und Erschöpfung richtet Azra sich zwischen pfeifenden Atemzügen und krächzendem Keuchen ein wenig auf, späht über ihren Bauch und will mit reibeisenrauher Stimme wissen, wie es aussähe. Niniane lächelt weich. "Wie ein Baby," kommt die prompte Antwort. "Und jetzt pressen!"
Azra spannt sich, und ihre Nägel graben sich sekheltief in Borgils ohnehin schon reichlich mitgenommen aussehenden Unterarm. Er verzieht keine Miene - hätte er nur gekonnt, er hätte ihr liebend gern alle Schmerzen abgenommen, aber er kann nicht. Ihm bleibt nichts anderes, als bei ihr zu sein und sie festzuhalten, während Niniane ihre Hände wieder über dem gewölbten Leib verschränkt und noch einmal von außen nachhilft, sein stures Kind auf die Welt zu bringen. Azras Jammerlaute sind nun kaum mehr als das Maunzen verwaister Katzenjungen, aber ihm gehen sie durch Mark und Bein - noch viel mehr als ihre Schreie von eben. "Sil an seiner Esse, bitte..." Doch Borgil hat offenbar keine Ahnung von der Leidensfähigkeit der Frauen im Allgemeinen und dem Kampfgeist seiner kleinen Frau im Besonderen, der vor seinen Augen gerade in halbgöttliche Sphären klettert, denn Azra presst und presst trotz aller Schmerzen in einer schier nicht enden wollenden Wehe weiter - und plötzlich geschieht es. Niniane hat kaum noch Zeit, helfend die Hände auszustrecken, als sein Sohn auch schon als langes, nasses Etwas in die Welt schliddert. Brenainn, klein wie alle Babys, natürlich, aber für das Kind eines Zwergen und einer nicht einmal fünf Fuß hoch gewachsenen Frau, erstaunlich groß, zappelt auf den blutigen, fruchtwasserdurchtränkten Geburtslaken und gibt leise, aber seltsamerweise ganz und gar nicht empört klingende Laute von sich. Borgil starrt wie betäubt das blutverschmiertes, kleine, runde Baby an, das Niniane gerade hochnimmt, und drückt Azra an sich. "Hei... ei.. eiliges Schmiedefeuer.... er ist tatsächlich da..."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Niniane am 14. März 2006, 14:15 Uhr
Niniane ist vom abrupten Ende der eben noch so langwierigen Geburt ebenso verblüfft wie Borgil und Azra selbst, doch dann nimmt sie das Baby hoch, gurrt ihm leise zu und streicht ihm sanft das winzige Näschen und den kleinen Mund von Schleim und Blut frei. Sie überprüft Hautfarbe, Atmung und Reflexe, stellt fest, dass Finger und Zehen in der richtigen Anzahl und an den richtigen Stellen vorhanden sind und wiegt den Kleinen - es ist tatsächlich ein er und ein kerngesundes, aufgewecktes Kerlchen noch dazu - mit einem überraschten Lächeln, kurz in den Händen auf und ab, um sein Gewicht zu schätzen. "Er ist mindestens so groß wie ein Menschenkind, Borgil. Ein gesunder, kräftiger Junge und wenn du mich fragst, hat er gute sieben Pfund... kein Wunder, dass die arme Azra sich so plagen musste." Sie wirft einen lächelnden, aber auch prüfenden Blick auf Azras blasses Gesicht, angelt nach einem sauberen, weichen Flanelltuch, wickelt das Baby hinein und reicht es seinem verdatterten Vater. "Halt ihn kurz, während ich die Nabelschnur abbinde und dann nach Azra sehe, ja?" Borgil lässt seine vollkommen erledigte Frau widerstrebend in die weichen Kissen sinken und nimmt seinen Sohn mit einem zugleich tödlich erschrockenen und völlig faszinierten Gesichtsausdruck entgegen, während Niniane sich um die dringlichsten Angelegenheiten kümmert. Azra atmet noch immer schwer, aber auf ihrem Gesicht liegt ein breites, erleichtertes Lächeln und ihre Augen hängen gebannt an dem kleinen Bündel in Borgils eisenharten Zwergenpranken.

"Gleich bekommst du ihn," versichert Niniane ihr und massiert kräftig den weichen, weißen Bauch der Halbblutelbin, bis sie spürt, wie sich irgendwo tief in deren Inneren die Nachgeburt löst und mit einer letzten, schmerzlosen Wehe abgestossen wird. "Jetzt hast du es endgültig überstanden." Azra blinzelt, als habe sie noch nicht ganz begriffen, dass die Qualen tatsächlich ein Ende haben, ihr Kind gesund und auf der Welt ist und sie es überlebt hat. Niniane wäscht sie behutsam mit warmem Wasser, hilft ihr in ein frisches Hemd und wechselt die blutigen Laken, ehe sie auch das Kind ein wenig säubert, einölt, wickelt und dann, endlich, seiner wartenden Mutter in die ausgestreckten Arme legt. "Hier hast du ihn. Sieh ihn dir an, er ist wunderschön." Das ist Klein-Brenainn tatsächlich, wie Niniane neidlos anerkennen muss. Seine Haut ist hell und rosig, aber lange nicht so blass wie Azras - vermutlich eine gute Mischung aus ihrem sahnefarbenen Weiß und Borgils ledrigem Firniston -, die wenn er größer ist, in der Sonne hübsch braun werden würde, und auf seinem runden Kopf ist ein weicher, wild abstehender Kükenflaum bronzeroten Haares. Seine Ohren weisen kleine, spitze Enden auf, aber ansonsten sieht er nicht anders aus, als ein ausgesprochen hübsches Menschenkind auch aussehen würde.

Im Augenblick sind dem Baby die bewundernden Blicke seiner Eltern und der nicht minder hingerissenen Hebamme allerdings herzlich egal. Es dreht und windet sich umständlich in den Armen seiner Mutter, gibt leise Schmatz- und Grunzlaute von sich und stupst mit seiner Nase energisch an Azras helle Haut, bis es endlich findet, was es sucht. Azra gibt einen leisen Quietschlaut von sich, als die richtige Verbindung hergestellt ist und Brenainn beginnt, zu trinken und Niniane grinst. "Kräftiges kleines Kerlchen, hm? Es kann ein, zwei Tage dauern, bis du Milch hast. Leg ihn einfach so oft an und still ihn, wie er möchte, dann spielt sich das ganz von selbst ein. Den Nabelstumpf behandelst du nur mit ein wenig Silberpuder, ich lasse dir welches hier. In ein paar Tagen fällt der Rest ganz von selbst ab." Sie tätschelt freundschaftlich Azras Arm. "Du hast deine Sache gut gemacht, ihr beide habt das." Dann sieht sie Borgil an und hebt spöttelnd eine Braue. Der Zwerg scheint irgendwo zwischen Wolken dahinzuschweben und sieht sie nicht einmal an, geschweige denn, dass er irgendetwas sagt - er klebt an Azras Seite, hält sie mitsamt dem Kind fest und blickt so gebannt auf das winzige Bündel neuen Lebens, als hätte er einen Erstarrungszauber erwischt.

Niniane steht seufzend auf und zieht sich ein wenig zurück, um die kleine Familie allein zu lassen - ein Blick aus dem Fenster zeigt ihr, dass es kurz vor Sonnenuntergang ist und aufgehört hat, zu schneien. Die Welt draußen ist weiß und rein und gelbe Winterabendsonne scheint mit honiggelben Fingern in Borgils Gemächer. Sie räumt die verschmierten Laken zusammen und schnürt ein Bündel daraus, entsorgt die Nachgeburt, legt Holz im Kamin nach, schenkt Azra etwas zu trinken ein und gibt dann leise Halla bescheid. Ihre Beine schmerzen, von ihren Armen und Schultern ganz zu schweigen - eine Geburt ist nicht nur für werdende Mütter anstrengend, sondern manchmal auch für die Hebamme harte Arbeit. Sie packt ihre Sachen in Borgils Kaminzimmer, lässt sich Leir bringen und verabschiedet sich dann von Azra, dem Zwergen und ihrem neugeborenen Sohn. Sie verlässt die Harfe, wie sie gekommen ist, mit einem Zauber - und als sie nur wenige Augenblicke später im letzten Licht des sterbenden Tages am Baum anlangt, kann sie das leise Echo von neuem Leben noch immer an ihren Händen spüren.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 16. März 2006, 18:31 Uhr
Vom 18 Langschnee bis zum Taumond

Sie blickt auf das feuchte, von Blut und Fruchtwasser verklebte, rot glänzende Haarbüschel ihres Sohnes, das Einzige was sie momentan von ihm zu Gesicht bekommt, denn er ist von Niniane behutsam in eine weiche, weisse Decke eingewickelt und seinem Vater in die Hände gedrückt worden, der das glucksende Bündel Leben in seinen Armen aus grossen Augen ebenso bezaubert wie fassungslos betrachtet, als könne er diesen Moment in seiner vollen Tragweite überhaupt nicht erfassen. Auch Azra möchte Brenainn in ihren Armen halten, klein und doch gross, sein respektables Gewicht spüren, seine  zierlichen Finger und Zehen sehen, sein Gesichtchen, die rosigen Wangen, sie will wissen wie er aussieht, doch Niniane ordert sie nur sanft wieder in die Kissen zurück und hilft ihr erst dabei sich von ihrem verschwitzten Hemd zu befreien, sich ein wenig zu waschen, die Bettlaken zu wechseln und etwas erfrischendes Quellwasser, das ihr momentan wie das köstlichste Nass überhaupt erscheint, zu trinken, um wieder zu Kräften zu kommen und, als sie frisch, doch mit einer bleiernen Müdigkeit in den Knochen, zurück unter die weichen, wärmenden Decke sinken kann, kümmert sich Niniane an ihrer Stelle um Brenainn, wäscht ihn mit sachkundigen Händen so gründlich und behutsam zugleich, dass er nicht einmal dazu kommt gluckend seinen Unmut zum Besten gibt, ölt ihn ein und verpasst ihm sogleich auch seine erste Windel aus weichem, gefaltetem Wollstoff. Erst dann kommt Niniane mit dem Kind zu ihr und gibt es ihr mit aller Vorsicht, das winzige Köpfchen besonders stützend. Brenainn windet und streckt sich quietschend und quäkt empört, aber nur so schwach, wie eine kleine Katze, die ihr erstes Miauen ausprobiert, streckt die Beinchen und öffnet den Schmollmund zu hungrig wirkenden Schmatzlauten. Vor Erwartung schon ganz fiebrig streckt Azra zitternd die Arme aus, heisse Tränen brennen unter ihren Lidern vor Freude über diesen Augenblick, auf den sie nun seit über neun Monden gewartet haben, und derweil draussen die Sonne mit den letzten verblichenen Fäden die Dächer in fahles, goldgelbes Licht taucht und den Schnee, der immer noch still und leise vor dem Fenster zu Boden rieselt, in glitzernden Feenstaub verwandelt, nimmt sie ihren Sohn zum ersten Mal an sich und hält ihn so achtsam in ihren schmalen Fingern, als bestünde er aus hauchdünnem, zerbrechlichem Glas. Die Erinnerungen an die vergangenen Stunden, in denen sie sich vor Schmerz und Qual gekrümmt hat, sind augenblicklich erloschen und alles was noch zählt ist der kleine Mensch, den sie hält. Vor Tränen der Entzückung fast blind, betrachtet sie seine kleine Stirn, die schmalen, dunklen Striche aus feinen Härchen als Augenbrauen, die geschlossenen Augen mit den halbmondförmigen, langen, seidenweichen Wimpern, sowie das winzig wirkende, runde Näschen und die schmalen, rosigen Lippen. Er ist wirklich schön, wunderschön und in Azras Augen sowieso das wundervollste Geschenk, das man ihr jemals – nach der Tatsache, dass sie Borgils achso hartes Zwergenherz erobern konnte – hat machen können.

„Ich sagte doch, er hat rotes Haar“, wispert sie ergriffen und fühlt eine Woge brennender Liebe für dieses kleine, hilflose Geschöpf in sich aufbranden und ihr Herz stolpert trunken vor vollendetem Glück. Noch immer liegt neben inniger Herzlichkeit auch haltungsloses Erstaunen auf ihren blassen Zügen, um das sich die weissen Strähnen feucht von der Katzenwäsche kringeln. Borgil neben ihr bringt den Mund anscheinend nicht zu und schafft es nur gerade so ein halbwegs erkennbares Nicken zu Stande zu bringen, sie und seinen Sohn gleichzeitig festhaltend, so dass sie sich an ihn lehnen kann, obwohl er selbst wahrscheinlich ein ganzes Quäntchen Schlaf vertragen hätte. Mit leicht verwirrtem Blick beobachtet Azra, wie Brenainn sein Gesicht an ihre Brust drückt, jammernd mit seinen Fingerchen, die nicht einmal so gross sind wie Silberstücke, nach allen Seiten grabscht – er hat ausserordentlich viel Kraft als halbe Portion - und viel zu spät wird ihr bewusst, was dieses wackere Kerlchen hat. Hunger! Und was für einen, das zeigt er ihr auch prompt, als sie ihn an die Brust legt und er so kräftig zu saugen beginnt, dass sie überrumpelt aufquietscht und erschocken zu Niniane aufschaut, die jedoch nur breit lächelnd abwinkt und ihr versichert, dass alles in Ordnung sei und dieses Schleckermäulchen nur gierig nach Muttermilch suche. Azra bewundert und staunt, lehnt sich ausgelaugt von den vorhergehenden Strapazen zurück und kuschelt sich an Borgils Seite, selbst todmüde und kaum mehr fähig sich zu regen. Liebevoll streicht sie  Brenainn dabei über die rosaroten Pausbäckchen, fühlt die samtweiche, reine Haut und drückt ihm warm einen feinen Kuss auf den runden Kopf, den seltsamen und doch so typischen Duft eines Kleinkindes, der an Pfirsich und einen Hauch von Vanille erinnert, in sich aufnehmend, um dann wieder dieses herzförmige Gesichtchen, das sich in Anstrengung verzieht, zu beobachten. Niniane, selbst von der körperlichen Arbeit deutlich mitgenommen, kümmert sich trotzdem noch um die Nachgeburt, dreckige Geburtslaken, Feuerholz und zu Trinken, ohne dabei die eben erst entstandene, noch aus zarten Banden bestehende Familienidylle zu zerstören und erst als die Waldläuferin mit Leir in seinem Weidekörben neben dem Bett auftaucht und sich verabschieden will, wird Azra sich ihrer Unfreundlichkeit bewusst. Lächelnd gibt sie Borgil den Kleinen, der, kaum satt getrunken und nun vollkommen entkräftet von dieser Saugerei, in ihren Armen eingeschlafen war, und umarmt Niniane so fest sie noch kann, spürt die natureigene Wärme der Halbelbe und flüstert ihr mit heiserer Stimme ins Ohr: „Niniane, ich danke dir… von ganzem Herzen, für alles, ich hätte das niemals alleine geschafft“ und blinzelt dann schnell, verlegen und rot bis unter die Haarspitzen, einige Tränen aus den Augenwinkeln, dabei fest Ninianes schlanke, aber kräftige Hände drückend, die es ihr ermöglicht haben einen gesunden, wackeren Sohn zu gebären. Borgil hebt nur den Blick, doch Azra kennt ihren Mann gut genug, um zu wissen, dass er keine läppischen, eigentlich nichtsaussagenden Worte braucht, um Niniane seine Verbundenheit zu beweisen. Die Waldläuferin weiss, ebenso wie Azra, dass er ihr für ihre fraglose Hilfe, ihren klugen Rat und ihren aufopferungsvollen Beistand bis in die tiefsten Winkel seines Herzens dankbar ist. Dann verschwindet die Halbelbe ebenso, wie sie gekommen ist: Mit einem goldenen, von glitzernden Funken durchzogenen Flirren, das in der Dunkelheit wie der schwache Abglanz eines sterbenden Sternes wirkt, und hinterlässt nur den schwachen, silbernen Geschmack nach Magie in der Luft.

Kaum ist die Niniane jedoch weg und hinterlässt traute, friedliche Stille, die nur von dem Knistern und Knacken des Feuers untermalt wird, das angenehme Wärme spendet, wird diese heilige Ruhe auch schon wieder durch eine wilde Meute an schnatterndem Gesinde unterbrochen, das auf einmal durch die Türe quellen will – den Göttern sei dank, sind die Türrahmen aus dunklem Eisenholz  und somit beständig gegenüber jeglichem Angriff - und dann in einem Durcheinander an Beinen und Füssen, in einem Gemisch aus Jubelrufen, herzlichen Glückwünschen und gut  gemeinten Ratschlägen ins Zimmer stolpert und sich auf die frisch geborene Mutter, den verdatterten Vater und das selig schlummernde Baby stürzt. Azra schmunzelt erschöpft und verbeisst sich ein spöttelndes Grinsen, als Halla wie ein erzürnter Derwisch durch das Zimmer tanzt, direkt vor Borgils Nase vorbei, und alle, auch Tiuri, der fast so begeistert wie der Vater auf das Kind starrt, mit der Drohung auf Prügel hinaus jagt, denn schliesslich hätte die Mutter jetzt ganz anderes nötig, als lautes Geplapper, dumme Fragen und nervtötende Lektionen über Kindeserziehung, nämlich ein, zwei Tage Schlaf und strenge Bettruhe, damit sie sich wieder erholen könne. Es gibt leise Proteste und enttäuschtes Gemurmel, das jedoch erstirbt, als Borgil drohend die Augenbrauen hebt und schliesslich schliesst Halla die Türe schnaufend hinter ihrem Rücken, schüttelt den Kopf, so dass die Haare, die sich schon längst aus dem alltäglichen Zopf gelöst haben, wild und ungebändigt durch die Luft fliegen und stemmt dann schnaufend die Hände in die Hüfte, etwas von: „Einfach zu neugierig“, murmelnd. Das sie jedoch selbst keinen Augenblick später an dem Baby klebt, wie die Bienen am Honig, scheint ihr dabei nicht aufzufallen und ein Schwall von Niedlichkeitsbefindungen und Versicherungen, wie schön und süss und niedlich und hübsch der Sohnemann doch sei, schwemmen wie eine starke Flut über Azra und Borgils Köpfe hinfort, bevor sie sich ihrer Aufgaben besinnt und Borgil das Kind schon aus den Armen nehmen will, um es in seine Wiege zu legen, die Borgil kurz vor dem Geburtstermin bei einem Tischler in Auftrag gegeben hatte. Ein kunstvoller, schwerer, jedoch nicht unhandlicher Schatz aus goldfarbener Eiche, heller, weisser Tanne und fast schwarzer, glänzender Eibe, versehen mit filigranen Schnitzereien, die eine bunte Schar an Feen und Kobolde in einem Reigen darstellen, und mit hauchzartem, gelbem Kattunstoff, sowie mit Gänsefedern gefüllten, perlmuttweissen Kissen und Deckchen ausgestattet. Sie ist so geschickt konstruiert, dass man das Körbchen selbst nur leicht anzustossen braucht, damit es sanft von einer Seite zur Anderen schaukelt und das Kind dabei in süssen Schlaf wiegen kann.
„Nein“, jappst Azra jedoch dazwischen und sieht Halla bittend an, bevor ihr heller, weicher Blick auf Borgil zu liegen kommt: „Nicht in die Wiege, ich möchte ihn hier haben, bei mir und Borgil.“ Kurz scheint die Mogbar unschlüssig, seufzt dann jedoch leise, gibt ein mütterliches, herzerwärmendes Lachen von sich und zieht dann die Decke über Azra zurecht, bevor sie das Feuer noch einmal anfacht und mit einem letzten, herzlichen Blick auf die kleine Familie aus dem Zimmer geht.

Brenainn bleibt nicht nur für diese Nacht, sondern auch für die Nachfolgenden, schlummert in weiche Tücher eingebettet in Azras Arm, schon allein weil weder Borgil noch Azra willens sind ihren Sohn in die so weit entfernte Wiege zu legen, was jedoch bedeutet das der Vater, aus Angst, er könnte das Baby wecken, oder ihm sonst wie schaden, schliesslich sei Brenainn ja so klein und zierlich und winzig und überhaupt, kaum eine Nacht mehr die Augen zu macht und nie mehr wirklich bis zum allzu frühen Morgengrauen durchschläft. Schliesslich wird die Wiege von Halla irgendwann, mithilfe eines Stallknechts, direkt ans Fussende des Ehebettes verfrachtet, damit auch Borgil wieder zu seiner wohlverdienten Nachtruhe kommt. Azra, die wirklich nur gerade die ersten zwei Tage ausnutzen will, um sich zu erholen, muss sich voller Empörung über mögliche Verschwörungen und indiskrete Machenschaften in der Harfe wieder ins Bett zurück ziehen, als sowohl Halla, als auch Sigrun und sowieso alle Gesindemitglieder ihr alle Arbeit wegnehmen und sie gar nicht dazu kommen lassen, sich hilfreich betätigen zu können. Dafür bekommt sie von ganz anderes Seite genug schweisstreibende Moment geschenkt: Wenn Brenainn wieder einmal gewickelt werden muss und trotz Ninianes Lehrgang mit dem Musterkind Leir, verzweifelt Azra zu Beginn an Zipfeln und Falten, an Grösse und Lage, an Puder und Häkchen und überhaupt an allem, denn nichts davon will ihr so gelingen, dass auch der kleine Naseweiss damit zufrieden ist. Dieser empört sich auch sofort, wenn sein wertvolles Hinterteil nicht sauber verpackt ist und mehr als nur einmal muss Halla Azra zur Hand gehen und ihr noch einmal in einzelnen, einfachen Handgriffen erklären, wie man so ein strampelndes, und natürlich nicht stillhaltendes, Baby sauber wickelt und anzieht. Auch Borgil hat seine liebe Mühe und strengt sich doch herzallerliebst an, um seinem Sohn die Windeln überziehen zu können, doch als er die Zipfelenden über den Schultern des Kindes festknotet und Halla ihn dabei entdeckt, gibt es für den Vater erst einmal noch extra Lehrstunden, damit sein Sohn nicht mit einer Ganzleibesunterhose herumgetragen werden muss. Tiuri hingegen scheint ein ausserordentlich gutes Gespür für das komplizierte Handwerk des Wickelns zu haben, denn ohne auch nur einmal von Halla oder Sigrun unter die Fittiche genommen worden zu sein, schnappt er sich Wolltuch und Puder und faltet Brenainn eine so perfekte Windel um den kleinen Hintern, dass Azra nur staunend und verblüfft zusehen kann, nur um ihn dann mit einem strahlenden Lächeln zu fragen, woher er so etwas – Das nun wirklich nicht Allerweltskönnen ist, schon gar nicht für einen gerade mal 18 jährigen Burschen - einfach aus dem Effeff könne. Tiuri jedoch hat keine Antwort und antwortet nur spärlich, dass er so was schon gemacht hätte, doch seine Stimme verrät, dass er selbst nicht sicher ist. Verwundert lässt Azra davon ab den drei Köpfen grösseren Mann zu fragen, was das heisst, doch ihr fällt die Nacht, nach dem Dämonenangriff in der Harfe ein. Er nannte sich Jens und jetzt heisst er Tiuri. Er hat nie mehr darüber gesprochen, überhaupt hat er nie mit jemanden überhaupt ein Wort gewechselt, was seine Namensänderung, sein Auftauchen und seine Vergangenheit anbelangt, ein weisser Fleck auf der Karte seines Lebens und doch ist es eigentlich gar nicht wichtig, zumindest nicht für Azra. Wie Tiuri darüber denkt weiss sie nicht, doch sie nimmt sich vor, ihn alsbald einmal zu fragen.

Die Harfe hat wieder geöffnet und kaum hat sich die frohe Kund, der Harfenwirt wäre Vater geworden, verbreitet, findet sich so mancher Stammgast ein, um dem jungen Paar zu ihrem Nachwuchs zu gratulieren und sich vielleicht auch eine Rundes aufs Haus zu erhoffen, die, dank Borgils guter Laune, auch so ziemlich jeden Abend, an dem irgendjemand einen Tost auf Brenainn ausspricht, vollzogen wird. Es wird gefeiert und gelacht, zu den kreuzfalschen Gesängen einer Zwergentruppe, die *Des Bäckers hübsches Weibe* zum Besten geben, getanzt und der Alkohol fliesst in gehörigen Mengen über die Theke. Der gefeierte Winzling selbst verhält sich überraschend ruhig, kein röhrendes Hungergeschrei in der Nacht und am Tag, nur ferkelartige Quieklaute und freudiges Geblubber, sowie entrüstetes Strampeln verraten seinen unersättlichen Hunger. Immer noch genug, um Borgil wie von der Tarantel gebissen aufspringen zu lassen an den späten, kalten Wintermorgen, die sich mit frühen, kraftlosen, rostroten Dämmerungen abwechseln, um dann in eisige, schneeverwehte, sternenklare Nächte überzugehen. Talyra versinkt im Schnee, wortwörtlich, und weder Mann noch Maus, die noch halbwegs ihren Verstand beisammen haben, wagen sich noch aus dem sicheren, trauten Heim und wer es doch tut, muss sich durch schritthohen, harten, kratzigen Schnee kämpfen und gegen schneidenden Nordwind bestehen, der sogar die Bäume, ja, das ganze Larisgrün mit silberblauem, glänzendem Reif und Eis bedeckt und spitze, armlange Eiszapfen wie winterliche Ranken von den Dächern wachsen lässt. Azra, dick eingepackt in warme Kleider, geniesst diese Zeit in vollen Zügen, steht oft mit ihrem Sohn im Arm vor einem der kleinen Fenster, sieht zu, wie die Flocken weich und sanft vom mausgrauen Himmel wirbeln und sich anmutige, hauchzarte Eisblumen dem durchsichtigen Glas entlang ranken, singt Brenainn mit leiser Stimme Lieder vor und fährt ihm dabei durch den kükenweichen Flaum an Haaren, die er ganz eindeutig von seinem Vater hat, ebenso wie die dunklen, schwarzen Augen, in denen schon jetzt ein schelmischer Funke glitzert, wenn auch noch nicht so ausgeprägt wie bei seinem Erzeuger.

Borgil selbst arbeitet wie immer in der Harfe, kümmert sich um die zahlreichen, vor der klirrenden Kälte fliehenden Gäste, bringt eine neue, gewaltige Lieferung köstlich duftenden und heiss begehrten Met hinein, befördert einen unangenehmen Trunkenbold in den frostigen Schnee hinaus, lässt die ganze Schankstube nach jedem Tag einer Grossreinigung unterziehen, diskutiert mit Sigrun über die Angebote im Frühling, holt Vorschläge und Angebote von Lieferanten und Händlern ein, nimmt Kluge an, weist Dumme ab, schickt Halla und ein paar Mägde zum Grosseinkauf auf den verschneiten Platz der Händler, gibt ein Donnergrummel von sich, als diese schwer beladen mit allem möglichen Zeugs, von dem die Hälfte sicherlich nicht auf der Einkaufsliste stand, zurückkehren, lässt sich mit einem kurzen Moment mit Brenainn wieder milde stimmen, schleicht sich sowieso so oft wie nur möglich in eine Privatgemächer zu Azra und seinem Sohn und lässt es doch nicht zu, dass die beiden vor drei Siebentagen im Schankraum auftauchen, zumindest nicht länger als ein, zwei Stunden. Azra ist doch froh, als sie sich endlich wieder bewegen und den Anderen zur Hand gehen kann – ohne dabei einen Wasserbauch, so gross wie ein Fass vor sich herzuschleppen – und nutzt ihre Freiheit auch sofort, um auch in sämtlichen Gästezimmern die Fussböden zu schrubben, die Betten neu zu beziehen und jedes zu findende Staubkorn in die kalte Einsamkeit hinaus zu verbannen, derweil Brenainn in einer Art, von Tiuri aus zwei langen Stoffbahnen schlau hergestelltes, Tragegestell auf ihrem Rücken schlummert, sich quietschend der Dinge erfreut, die in sein Blickfeld fallen, oder aber von dem Gesinde in Beschlag genommen wird, wobei besonders Tiuri anscheinend Gefallen gefunden hat, sich die seltsamsten Spiele für Klein-Brenainn auszudenken.  
In geschäftiger Tüchtigkeit vergehen auf diese Weise sowohl der Silberweiss, als auch der Eisfrost und der untypisch starke, frostige Winter hält die Stadt mit seinen harschen, kraftvollen Armen gefangen in einem bunten Chaos an Schnee, Wind, Sturm und Hagel und treibt mit vielen Unfällen, eingeschneiten Häusern und erfrorenen Bürgern die Stadtgarde in den Wahnsinn. Erst mit den ersten Tagen des Taumonds kommt Erlösung in Form von Shenras noch blassem, aber weitaus lebhafterem Antlitz, als die Tage zuvor und das Eis beginnt zu schmelzen, tropft, in dem kühlen Sonnenschein glitzernd, von den Dächern, bricht klirrend von den Fenstern und Bäumen, tränkt den Boden und lässt, während den immer noch kalten Nächte hindurch, gefährliche, spiegelglatte Eisplatten entstehen, welche besonders den Kindern eine Freude bereiten, die jauchzend und kreischend darüber hinweg gleiten und versuchen sich gegenseitig zu Fall zu bringen. Die ersten Sprösslinge recken mutig ihre Köpfe in die klare, winterliche Luft, der an einigen Tagen bereits von einem zarten, süssen Hauch von Frühling durchwirkt scheint und die ersten, kaum einen halben Finger grossen, jungen Blätter, noch hellgrün und verblichen gelb, spriessen an den kahlen Ästen der Bäume, welche den letzten Schnee von sich schütteln und ihre frischen, grünen, saftigen Zweige dem Himmel entgegen recken und als die Hälfte des Taumonds vorbei ist, scheint der Frühling endgültig seine Fühler nach Talyra und dem umgebenden Land auszustrecken und bereits die ersten Blumen strecken zaghaft und zögerlich ihre Köpfchen aus der, zum Teil, immer noch gefrorenen Erde.

Brenainn gebärdet sich so munter, wie ein Maiskorn in der Pfanne, lacht und jauchzt, zappelt und quiekt und ist überhaupt ein überaus fröhliches und Nerven schonendes Kind, der jedoch weiss, wie man mit Munterkeitsbekundungen ein ganzes Gasthaus in Atem hält. Zumindest am Tag, denn in der Nacht schläft er still und friedlich und – zu ihrer aller Glück – so tief, wie ein Stein, dass es fast befremdlich wirkt, wenn man daran denkt, was sich so viele Eltern über die unmenschlichen Fütterungszeiten ihrer Kinder erzählen. Der winzige Zwergelb, oder Elbenzwerg, oder Halbzwerg – Eine Diskussion, die beinahe zu handfesten Auseinandersetzungen geführt hat unter ein paar Gästen – weiss sich stundenlang alleine zu beschäftigen, indem er mit akribischer Genauigkeit seine Zehen, oder aber seine Füsschen im Allgemeinen untersucht, seine Finger in den Mund steckt und sie für unschmackhaft befindet, seinen Knetring als Wurfgeschoss benutzt, seinen Holzwürfel annagt, sein spinnwebfeines Lammfell rupft und er verlangt nur nach Vater oder Mutter, wenn ihm irgendetwas absolut gegen den Strich geht, lässt sich dafür jedoch auch bereitwillig umhertragen, von den Gästen in dem zurecht gemachten Körbchen begutachten und erträgt dies alles mit einer solch stoischen Gelassenheit, dass Azra nur sanft schmunzeln und Borgils Blick suchen kann. Bereits jetzt die Züge seines Vaters… das wird mir einer werden. Nebenbei ist sie damit beschäftigt den ersten Obst und die teuren Früchte aus dem Süden zu einem erschwinglichen Preis zu ersteigern, was ihr auch oft gelingt, aber wohl weniger dank ihrem Verhandlungsgeschick, sondern mehr, weil Borgil breitbeinig und stirnnackig hinter ihr steht und den Lieferanten streng bei jeder noch so kleinen Argumentation bezüglich der Kosten beobachtet. Bohnen, Erbsen, Wicken, Feldsalat, Lauch, Grünkohl, die ersten, süssen Sonnenbeeren, Pastinaken, Rosenkohl, Schwarzwurzel und anderes mögliches und unmögliches Gemüse landen sauber verpackt in Amphoren, Tiegeln und Körben in den Vorratskammern, die zudem mit edlen Tropfen aus Ildala, Vînar und der Rubinenküste gefüllt werden und wo auch die dickbauchigen, mannsgrossen Metfässer stehen, die Borgil samt männlicher Knechtschaft dort hinunter gewuchtet hat. Säcke voll Gerste, Hafer und anderem Korn stapeln in einer trockenen Ecke, auf den Regalen finden sich kleine, grosse, mittlere Tontöpfe voller feinster Gewürze, zermahlenen Wurzeln, kostbarem Salz und noch viel kostbarerem, scharfem Pfeffer aus Azurien, herbe duftenden Kräutern, wie süsse Minze, Rosmarin, Majoran, Paprika, Oregano, Knoblauch, Rosmarin, Chili, Minze, teure Vanille, Wacholderbeeren, Fenchel, Kümmel und Lorbeerblätter und an Haken an den Wänden hängen Zwiebelketten und getrocknete Datteln, noch grüne Bananenstauden und im kalten Erdkeller finden sich in grossen Körben auch Mandarinen, Ananas, Kiwis – die auch gerne mal von Halla oder Azra genascht werden -, Kokosnüsse, ein paar saftige Mangos, grosse, runde Orangen, viele Weintrauben und gelbe, fruchtige Zitronen. Im Eiskeller wird das Fleisch aufbewahrt, wo es jedoch meist nicht lange bleibt, denn schliesslich ist frisches Fleisch immer noch das Beste und nur das bietet die Harfe.

Doch je mehr Tage verstreichen, desto öfters wird Azra von Schuldgefühlen heimgesucht, die sich unangenehm und drängend in ihr breit machen und sie mit einem Gefühl der Leere piesacken. Sie erinnert sich sehr genau an die Worte, die sie mit Borgil, noch vor dem Besuch bei seiner schwangeren Lieblingskratzbürste und Caewlin, gewechselt hat, bezüglich Arwen und der Entschuldigung, welche die Elbe verdient hat, doch obwohl Azra ansonsten nicht diejenige ist, die sich vor solchen Sachen drückt, wird ihr nun doch alleine beim Gedanken daran, die stolze Elbe mit dem schwarzen Haar zu besuchen, mulmig zu Mute. So auch an einem Morgen, als später Schnee in vereinzelten Flöckchen zu Boden fällt und die Sonne kirschrot hinter den Wipfeln des Larisgrüns aufgeht, immer wieder hinter dunklen, träge dahin gleitenden Wolken verschwindend. Doch Borgil, aufmerksam wie immer und mit einem elefantenähnlichen Gedächtnis gesegnet spricht sie irgendwann darauf an und sie kann nur beichten, was sie in den letzten Tagen so sehr bedrückt hat. Ihr Mann, noch nie ein Zwerg langer Worte, verwischt ihre Bedenken im Handumdrehen und schickt dann – nachdem er sie doch sicherheitshalber noch einmal gefragt hat, ob sie denn wolle und auch könne – einen Boten zu Arwen, mit der Anfrage, ob Azra Blutaxt bei ihr vorbeisehen dürfte. Der Botenbengel kommt auch schon bald wieder und bringt eine erfreuliche Nachricht, auch wenn Azras Herz dabei im Kreis hüpft und ihre Beine zittern, als stünde eine Prüfung bevor und bis endlich der verflixte Tag kommt, an dem sie bei Arwen vorbeisehen darf, ist sie nervös und unsicher, überlegt sich diese und jene Worte, steht vor dem Spiegel und ahmt mögliche Mimiken und Gesten der Elben nach und erprobt ihre eigene Reaktionen darauf, aber natürlich nur, wenn sie kurz alleine – meist zu Abendstunden - im Zimmer ist. Sobald Borgil durch die Türe tritt, schnappt sie sich mit roter Nase Brenainn und schlüpft unter die Decken, kuschelt sich dicht an ihren Mann und hält das Kind zärtlich in ihrer Umarmung.
Es ist ein hübscher, sonnengefluteter Morgen, der angenehme Wärme und eine laue Frühlingsbriese verspricht, als Azra schon früh aufsteht, um sich ein bisschen zurecht zu machen. Borgil döst derweil noch ein wenig vor sich hin und Brenainn liegt an seiner Seite, eine kleine Kugel kaum drei Monde alten Lebens, eine Hand fest um den schwieligen Daumen seines Vaters geschlungen. Ein berauschendes Gefühl, das bis in die hintersten Winkel ihres Verstandes schlüpft, erfüllt Azra und für einen Moment betrachtet sie still dieses wunderschöne Bild und seufzt innerlich. Dann wäscht sie ihr Haar, flicht es zu einem einfachen Zopf, steckt diesen hoch, macht eine grössere, lästige Strähne mit der goldenen Haarnadel hinter ihrem Ohr fest und beginnt in ihrer Kleidertruhe zu wühlen, bis sie sich für ein einfacheres, dunkelgraues Kleid aus feinstem Wollstoff entscheidet, welches unter der Brust mit einem breiten, weissen Seidenband gebunden wird und dank des weitläufigen Ausschnitts momentan eines der wenigen Stücke darstellt, in welche sie mit ihrer unmöglichen Oberweite, die einfach nicht abschwellen will, passt. Da es trotz Frühlingsanfänge noch immer merklich kühl ist ausserhalb des Hauses, stellt sie ihre weichen, hellen Hirschlederstiefel bereit, weckt dann Borgil mit einem sanften Kuss und kümmert sich anschliessend stillschweigend darum, dass auch Brenainn warm – ein winziges, flauschig weiches Wollhemdchen, dicke Strumpfhosen und süsse, mit flaumigstem Lammfell gefütterte Finkchen und schlussendlich noch eine, von Halla handgestrickte Kappe - eingepackt wird, denn sie denkt nicht einmal im Traum daran, ihn Hallas oder Tiuris Fängen zu übergeben.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Olyvar von Tarascon am 21. März 2006, 22:52 Uhr
An einem Tisch im Schankraum


Kaneys goldgelbe Raubtieraugen blinzeln nicht einmal, als er den Blick hebt, um dem Olyvars zu begegnen, direkt und offen, und dann feierlich verkündet: >Ich werde mein Bestes geben, Sire.<
Olyvar erwidert das haarsträubend breite Grinsen seines funkelniegelnagelneuen Späherkommandanten und antwortet im selben Tonfall. "Ich weiß, Hauptmann."
Sie beenden ihr Mahl und Kaney bestellt bei der geschäftig vorbeieilenden Grid gedankenverloren noch einen Krug Wein, was Olyvar ihm Gegenüber einen Herzschlag lang verblüfft eine Braue heben lässt... der Wein ist gut, aber stark und mehr als noch einen weiteren Kelch  würde er nicht trinken. Obwohl... beim Gedanken daran, dass Kizumu auch an diesem Abend, wie an so vielen anderen seit diesem dreimal verfluchten Herbst, vermutlich kaum auf ihn warten würde, sondern doch nur wieder mit Sefra irgendwo, aber nicht zu Hause wäre, erscheint ihm der schwere Rote vom Ostufer schon viel verlockender. Kizumu. Er will nicht an seine Frau denken und an die Schwierigkeiten ihrer Ehe schon gar nicht, nicht jetzt, nicht in diesem Augenblick, aber natürlich tut er es doch... Der ganze endlose verdammte Winter, die ganzen letzten endlosen, verdammten Wochen. Als sie vom Sithechhain in die Festung zurückgekehrt waren, nach diesem Dämonenüberfall und dem Kampf gegen eine Horde wildgewordener Untoter, und die Reste derer eingesammelt hatten, die das Gemetzel auf dem Knochenacker überlebt hatten, war die Welt noch in Ordnung gewesen. Dann hatte sich der Graben zwischen ihnen wieder aufgetan - und Olyvar könnte nicht einmal sagen, wie oder warum. Sie hatten nicht gestritten, aber... irgendwie waren sie auseinandergedriftet, und die ganze Nähe, die den Sommer über zwischen ihnen geherrscht hatte, hatte sich wieder davongestohlen, leise und unbemerkt, bis irgendwann selbst in ihrem Bett ein breites Stück Laken unberührt geblieben war, öd und leer wie die Wüste. Kizumu und ihre Schwester hatten sich um die Verwundeten im Branturm gekümmert und er... ja, er hatte verdammt wenig Zeit gehabt, schließlich war er der Lord Commander der Steinfaust und die halbe Stadt war in Schutt und Asche gelegen.

Den ganzen Herbst über hatte er von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts anderes getan, als von einem Ende Talyras zum anderen zu hetzen, amnesische Vampire und verwundete Magiernovizinnen zu Weißen Damen zu schleppen, Wehrtürme wieder aufbauen zu lassen, Lebensberater für heiratswillige Elben und Heilerinnen zu spielen, Seuchen zu verhindern, Massengräber ausheben zu lassen, lang erwartete Archivare für uralte Bibliotheken zu empfangen, seine Stadtgarde auf Vordermann zu bringen, obdachlos gewordenen Bürgern wieder ein Dach über dem Kopf zu verschaffen und die tausend alltäglichen Dinge, die für die Sicherheit Talyras und ihrer Bewohner wichtig waren zu gewährleisten... Ja, er hatte allerdings wenig Zeit für seine Familie gefunden. Aber jede freie Minute seiner Tage hatte er im Westflügel mit seinen Kindern  verbracht... allein mit seinen Kindern, denn seine Frau war so gut wie nie da gewesen. Conn und Fianryn, beide sechzehn Monde alt und seit dem Nebelfrost auf den eigenen, stämmigen kleinen Beinchen unterwegs, hängen an ihm wie Kletten und er hat sie bei sich, wann immer es sein Dienst erlaubt. Sie sind es längst gewohnt, in seinem Solar zu spielen, wenn er den leidigen Pergamentkram erledigen muss, oder ihn, warm eingepackt in Winteranzüge aus Vielfraßpelzen, auf die Zwinger hinunter und durch die ganze Festung zu begleiten, wenn er seinen sonstigen Pflichten nachkommt. Sogar das Julfest hatten sie in der Großen Halle der Steinfaust mit allen Offizieren, Soldaten, Rekruten und dem gesamten Gesinde gefeiert, da Kizumu mit Sefra zur Jagd geritten und noch nicht einmal zur Wintersonnwendfeier zu Hause gewesen war. Bei allen Neun Höllen, selbst sein götterverdammter Skriptorenkobold hatte ein besseres Liebesleben als er.... hör auf, hör auf, du vermiest dir nur die gute Stimmung und Kaney muss deine schlechte Laune ausbaden, das hat er nicht verdient. Er ist heute zum Offizier ernannt worden, verdammt nochmal, du schuldest ihm wenigstens ein freundliches Gesicht.  

Kaney ahnt nichts von Olyvars finsteren Gedanken, jedenfalls scheint es so, denn der junge Wandler fährt nachdenklich fort: >Ich denke, ich suche mir erst einige leichtere Aufgaben, und dann, sobald es anfängt zu tauen, werde ich mit jeden einzelnen der Männer mit in den Wald nehmen, um zu schauen, was er dort alles kann...Wintertraining gibt es dann erst im nächsten Winter, ich will erst wissen, was sie in normalen Situationen können, dann kann man sich dem Wetter anpassen.<
"Sicher," Olyvar nickt, ihr Wein kommt und er schenkt sich noch einen Becher voll  - zum Dunklen mit den Weibern. "Wie du deine Männer auf Vordermann bringst, überlasse ich ganz dir. Ich weiß nicht, wieviele Einheiten wir letztlich bekommen werden und wie groß sie sein werden, aber wir brauchen natürlich genug Späher, Jäger und Kundschafter, um jede Truppe in jeder Sollstärke angemessen mit welchen auszustatten. Und wir brauchen mehr Hunde, unbedingt. Die Spürhunde, die nach dem Dämonenüberfall  mit den Sappeuren im Einsatz waren, haben wirklich ganze Arbeit geleistet - vielleicht wäre es gut, wenn wir unsere eigenen Hunde züchten, sowohl Kampf- und Schutzhunde, als auch Jagdhunde..." jetzt murmelt Olyvar nachdenklich vor sich hin, doch er weiß, dass Kaney ihm aufmerksam lauscht. "Am besten, du kümmerst dich darum, es gibt niemanden in der Steinfaust, der mehr von Hunden versteht, als du." Er leert seinen Weinkelch auf einen einzigen, langen Zug und spürt angenehme Wärme im Magen. "Vielleicht kann Garok sich da ja nützlich machen," grinst er weiter. "Rhordri hat ein paar hübsche Jagdhündinnen." Die düsteren Gedanken an sein trostlose Stimmung lösen sich langsam aber sicher in alkoholgeschwängertem Wohlgefallen auf - er ist nicht betrunken, noch nicht einmal angeheitert und er hat auch nicht vor, es hier in der Harfe noch zu werden, aber wenn er in den Westflügel zurückgekehrt wäre, würde er die Flasche Uisge dort leeren und sich damit gründlich und zielsicher den Rest geben. Spätestens morgen würde er das zwar bitter bereuen, aber im Augenblick ist es ihm vollkommen gleichgültig und heute nacht allein in seinem leeren Zuhause wäre es ihm erst recht egal. "Hab ich dir schon gesagt, dass mit dem Offiziersrang auch ein wesentlich höherer Sold verbunden ist? Nein? Oh, tut mir leid, dann tue ich das jetzt. Ab sofort erhälst du statt dreißig Silberlingen im Mond hundert. Wie steht es eigentlich mit deiner Hütte im Larisgrün? Fertig und eingerichtet?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kaney am 29. März 2006, 22:46 Uhr
Der Wein schmeckt, und tut gut, findet Kaney, während er einen weiteren Becher leert. Der Wein nimmt ihm etwas von der Aufregung, wärmt den Bauch (was bei diesem kalten Wetter wirklich eine gute Sache ist), außerdem macht sich ein "Warte erst einmal ab, was als nächstes geschieht" - Gefühl in ihm breit.
Sicherlich, er wird wohl gleich nicht mehr so ganz ordentlich gerade aus laufen können, aber das war ihm zur Zeit genauso egal, wie die Sorge, ob er seine Aufgabe gut erledigen würde.
>Sicher. Wie du deine Männer auf Vordermann bringst, überlasse ich ganz dir. Ich weiß nicht, wieviele Einheiten wir letztlich bekommen werden und wie groß sie sein werden, aber wir brauchen natürlich genug Späher, Jäger und Kundschafter, um jede Truppe in jeder Sollstärke angemessen mit welchen auszustatten.<
Kurz horcht der Wargenmischling auf. Irgendwie haben seine Worte einen Moment lang seltsam geklungen, aber.. nein, jetzt klang die Stimme wieder normal. Egal was es war, es war vorbei.
Stattdessen lässt sich Kaney das gerade eben gesagte durch den Kopf gehen, während er Garok, der immer noch unterm Tisch liegt, zwischen den Ohren krault.
Das werden viele Männer sein. Sehr viele. Wir werden auch neue Späher, Jäger, Kundschafter brauchen... Götter, dann muss ich ja auch Burschen und Mädels ausbilden, die vielleicht gerade mal so alt sind wie ich...
Kaney verzieht sein Gesicht zu einer Grimasse, doch schon spricht der Lordcommander weiter, und Kaney muss diesen Gedanken erst einmal beiseite schieben, um den weiteren Worten zu folgen:
>Und wir brauchen mehr Hunde, unbedingt. Die Spürhunde, die nach dem Dämonenüberfall  mit den Sappeuren im Einsatz waren, haben wirklich ganze Arbeit geleistet - vielleicht wäre es gut, wenn wir unsere eigenen Hunde züchten, sowohl Kampf- und Schutzhunde, als auch Jagdhunde...<
Kaney nickt. Ja, die Spürhunde hatten wirklich gute Arbeit geleistet, zusammen mit ihren Menschen. Sie hatten unter dem Geröll mehrere dutzend Menschen lebend gewittert, und dann angeschlagen, hatten angezeigt, wo lebende Menschen lagen... und später hatten einige wenige Hunde geholfen, Leichen zu finden, die unter den Haustrümmern verborgen waren, hatten so geholfen, die Seuchengefahr mit einzudämmen.
Eigene Hunde züchten...hmm... Keine schlechte Idee. Sicherlich, es gab schon Nachwuchs in den Zwingern, Olyvar hatte Kaney heute morgen ja von einem Wurf Welpen weg geholt, aber das waren keine gezielten Zuchtversuche... Wenn man nun...
>Am besten, du kümmerst dich darum, es gibt niemanden in der Steinfaust, der mehr von Hunden versteht, als du. Vielleicht kann Garok sich da ja nützlich machen, Rhordri hat ein paar hübsche Jagdhündinnen."
Als wenn er wüsste, dass gerade von ihm gesprochen wird, hebt Garok seinen Kopf an, steckt seine Schnauze halb unter dem Tisch hervor, und wedelt mit dem Schwanz.
"Ja, alter Junge, du willst dich gerne nützlich machen, hm?" Ein typisches Hundegrinsen erscheint um Garoks Schnauze herum, und Kaney muss sich ein Grinsen auf seinen Lippen verkneifen.
"Eine Idee, die ich irgendwann auch in Angriff nehmen werde... ich hab einige Ideen im Kopf, Hunde, die sich wohl gut eignen.. nunja, mal sehen."
Langsam nimmt er seinen Weinbecher, trinkt wieder etwas von diesem guten Tropfen, den er zur Feier des Tages bestellt hat, und schiebt die Gedanken an die Zucht von eigenen Hunden erst einmal beiseite. Warte erst einmal ab, was als nächstes geschieht - ein gutes Motto, für diesen Moment.
>Hab ich dir schon gesagt, dass mit dem Offiziersrang auch ein wesentlich höherer Sold verbunden ist?< Kaney runzelt die Stirn. Ja, er hatte so etwas vermutet. Zumindest kam es ihm so vor, dass die anderen Offiziere mehr Geld zum Ausgeben hatten als er. Aber er schüttelt erst einmal den Kopf, denn Olyvar hat diesen wesentlich höheren Sold bisher noch nicht erwähnt. >Nein? Oh, tut mir leid, dann tue ich das jetzt. Ab sofort erhälst du statt dreißig Silberlingen im Mond hundert. Wie steht es eigentlich mit deiner Hütte im Larisgrün? Fertig und eingerichtet?"  
Im ersten Moment ist Kaney sprachlos, ihm fällt die Kinnlade runter, seine Augen weiten sich, und im nächsten greift er nach seinem Becher mit Wein, trinkt diesen dann in einem Zug leer.
Hundert Silberlinge? Das war... mehr als das dreifache... ungefähr ( so ganz genau konnte Kaney immer noch nicht mit so großen Zahlen umgehen) und mehr als das dreifache war verdammt viel. Zumindest für ihn, wo er doch recht viele Dinge aus dem Wald bekam.
Einhundert Silberlinge... einhundert... Hundert... Das Wort zergeht dem Wargenmischling auf der Zunge. Er war reich. Nicht, dass ihm das so wichtig wäre, aber... ja, er war reich. Und das ist etwas, womit er in seinem Leben nie gerechnet hätte.
"Wie? was? Oh, die Hütte?" Krampfhaft versucht der Wargenmischling, sich auf die Worte seines Lordcommanders zu konzentrieren, dann antwortet er in einem immer noch seltsam verwirrt klingenden Tonfall:
"Die Hütte... ja, die ist fertig... schon seit einigen Mondläufen... und eingerichtet... nun, ich habe mir von meinem Sold immer wieder einige Dinge gekauft, die ich brauchte... einen Eisenkessel, Schürhaken, eine Kleiderkiste und so etwas... Man kann gut in der Hütte leben...." Es blitzt in den Augen des Wargenmischlings auf: "Von dem Sold könnte ich mir endlich einen ordentlichen Tisch kaufen...."
Sein bisheriger Tisch war ein selbst zusammengehämmertes Werk, dass durchaus als Tisch zu gebrauchen war. Allerdings war er weder absolut gerade, noch besonders stabil, insofern wäre ein neuer Tisch eine hervorragende Anschaffung.
Verlegen grinst Kaney, er war kurz wieder in seine Gedanken versunken, Gedanken, die sich wieder um seinen absolut unerwarteten Reichtum drehen.
"Wenn Ihr einmal die Zeit findet, wäre es mir eine Freude, Euch einmal mein Heim zu zeigen, auch wenn Ihr nicht zuviel erwarten dürft..."
Irgendwo in seinem Inneren weiß Kaney, dass es wohl lange dauern wird, bevor der Lordcommander dieses Angebot - wenn überhaupt - annehmen kann, immerhin ist dieser zeitlich stark in seine Aufgaben eingebunden, aber allein das Gefühl, jemanden zu sich nach Hause einzuladen, in SEIN Zuhause... dass ist es Kaney wert.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Selainee am 31. März 2006, 18:08 Uhr
Fast ein wenig stolz sieht Selainee zu wie ihre drei Begleiter die Stadt betreten. Eine gute Leistung, gibt sie für sich ein wenig selbstgefällig zu, der Mann hat die Anderen drei kaum beachtet und auch mich wird er wohl schwer wieder erkennen. Hut-sei-Dank. Wir können uns völlig unbemerkt in der Stadt bewegen, im Verborgenen agieren, blitzschnell zuschlagen… ihre angedachte Witzelei bricht ab und ihr leichtes Lächeln gefriert auf ihren Lippen, als ihr schlagartig klar wird, dass es wirklich so sein könnte. Was wenn die drei wirklich hier sind um Jemanden umzubringen?
In ihrem Hals bildet sich ein schmerzhafter Klos und ihr Magen fühlt sich an als würde er langsam eingefroren. Und ich dummes Huhn hab sie auch noch unbemerkt in die Stadt gebracht! Just in diesem Moment tritt der große, dunkelhäutige Mann neben sie und das erfrorene Lächeln stirbt auf ihrem Gesicht, als hätte man es totgeschlagen.
Verstohlen blinzelt sie unter ihrem Hut, zu ihm hinauf und ein Schauer läuft über ihren Rücken. Ich bin echt selten dämlich….

„Das Gasthaus soll direkt am Marktplatz im Zentrum der Stadt liegen. Die goldene Harfe. Sein Besitzer ist Borgil Blutaxt. Ihm Gegenüber wirst du kein unnötiges Wort verlieren- verstanden?“

Sie nickt, vielleicht ein wenig zu schnell und dann setzen sie sich in Bewegung. Von ihrer anfänglichen Abenteuerstimmung ist nicht viel übrig, blind für die belebte, schöne Umgebung zieht sie ihr Pferd hinter sich her während sich in ihrem Kopf die Phantasie selbstständig macht. Muss sie am Ende sogar dabei mithelfen oder zusehen wie jemand gewaltsam sein Leben aushaucht? Oder noch schlimmer, war sie nur wichtig um in die Stadt zu kommen…und jetzt…. Vielleicht lieg ich Morgen schon mit dem Gesicht nach unten im Schlamm einer stickigen Gasse. Ich hör schon die Totenglocken! Oh unbekanntes Mädchen, auf deinen letzten Weg geleiten wir dich…..mit Kraft beist sie sich auf die Unterlippe und schlägt sich unbemerkt mit der Hand an den Kopf. Jetzt reicht's aber! Dummes Kind! Wir befinden uns am helllichten Tag mitten in der Realität und nicht in einem Ammenmärchen das Kindern Angst machen soll um sie daran zu hindern bei Regen das Haus zu verlassen!

Sie zwingt ihren Herzschlag in normale Bahnen und lässt den Eisklotz in ihrem Magen langsam auftauen. Du liebe Güte, ich brauche echt ein bisschen Ruhe…Sie erreichen die Ställe und ihr Pferd wird ihr abgenommen. Sie gibt ihm zum Abschied  einen Klaps auf die breite Kuppe und schaut ihm nach wie es im Stall verschwindet.
Völlig wohl ist ihr immer noch nicht, doch sie drängt die Gedanken so weit in den Hintergrund, dass sie sich mit der seit Tagen anhaltenden Aufregung vermischen und sie nicht weiter stören. Ich darf nicht so leicht in Panik geraten, bis jetzt bin ich noch aus jeder Situation mit dem Bestmöglichen entwischt.
Das Vertrauen in ihre Fähigkeiten, vor allem in die Fähigkeit sich zügig aus jeder noch so prekären Affäre zu ziehen, gibt ihr ein Stück Selbstsicherheit zurück und lässt sie weniger geduckt  gehen, als sie das Gasthaus erreichen.

Das Haus gefällt ihr auf Anhieb und vor allem die hübsche Harfe über der Tür. Die gedämpften Stimmen aus dem inneren verstärken diesen Eindruck noch. Sel kann es kaum erwarten hinein zu gehen, die Aussicht auf ein weiches Bett scheint ihr fast noch verlockender als die positive Ausstrahlung des Gebäudes. Sie will schon vorgehen, als Jamar's Stimme sie zurückhält.

„Dieses Mal erzählst du nicht so viel. Schon gar nicht, wenn der Zwerg dich bedient. Wir brauchen zwei Zimmer, mit zwei Betten. Drei Mahlzeiten am Tag und das ganze für vier Wochen.“
Sie will schon erneut nicken als er ihr zwei Beutel reicht.
„Du bezahlst im Voraus. Es ist genau abgezählt... und der hier, ist für dich. Der erste Teil deines Lohnes.“

Sel's Augen werden groß. Das soll wirklich ihr gehören? Ungläubig umschließt sie den kleineren Beutel fest mit ihren dürren Fingern. Und ich hab echt gedacht die wollten mich….. ihr rechter Mundwinkel zieht sich ungläubig in die Höhe, vom Hut Gott sei Dank verdeckt bekommen ihre Augen jenes manische Glitzern das man sonst nur von Besessenen kennt. Die Gedanken an Mord, Verbrechen und Tod werden von dem leichten Druck der Münzen in ihrer Hand erschrecken endgültig verdrängt. In ihrem Kopf rasen Zahlen die sie nicht addieren kann. Vier Woche, niemand braucht vier Wochen um jemanden zu ermorden und außerdem…wenn sie jede Woche nur einen Bruchteil von dem bekommen würde was sie jetzt hat. Der Mundwinkel zuckt. Ich bin reich….
Hastig verstaut sie den Beutel tief in ihrer Hosentasche. Der ungewohnt Druck an ihrem Oberschenkel und das leichte Klimpern bei jedem Schritt beruhigt sie auf eine bedenkliche Art und Weise.

Im Schankraum ist es warm und freundlich. Sie lässt den Blick schweifen und hält Ausschau nach dem Zwerg, der ihr Ansprechpartner sein soll. Was sie von dem Gasthaus sieht gefällt ihr sehr. Ein geräumiger, gepflegter Raum mit einer Menge heimeligen Ecktischen und Nischen. Es riecht angenehm nach Essen und Holz und der säuerliche Geruch, den sie aus ähnlichen Lokalitäten kennt, scheint hier völlig zu fehlen. Alles wirkt sauber, aber auf eine wohlige Art und Weise, als wäre selbst das kleinste Spinnennetz über der Tür gewollt, gepflegt und am rechten Platz. Ein Ort an den man gerne kommt und an dem man gerne bleibt.
Das Haus ist für diese Tageszeit recht gut besucht. Einige Tische sind besetzt, doch kaum jemand schaut auf, als sie den Raum betreten. Fremde scheinen hier weder selten noch unerwünscht zu sein.
Selainee nimmt alle diese eindrücke in sich auf und entspannt sich langsam.

Schließlich macht sie nicht weit entfernt einen erstaunlich hochgewachsener Zwerg mit flammendem Haar aus, der ihr halb den Rücken zugekehrt mit irgend etwas beschäftigt scheint. Fast sicher, den richtigen Mann gefunden zu haben schiebt sie den Hut aus der Stirn und tritt an ihn heran.

„Entschuldigung?“ Sie verzichtet diesmal völlig auf Schauspielerei, Übertreibung oder Lügen, ihr Lächeln ist offen, wirkt aber durch die aufkommende Müdigkeit ein wenig kläglich.
„Ich suche den, der für dieses hübsche Gasthaus verantwortlich ist und mir weiterhelfen könnte“ Die Erschöpfung, die ihr schmales Gesicht zeichnet und tiefe Furchen unter ihre Augen gegraben hat, muss sie noch nicht einmal spielen. Trotzdem blickt sie ihn direkt an und wartet höflich auf eine Antwort.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 03. Apr. 2006, 22:20 Uhr
Die ersten warmen Tage hatten sich dann irgendwann  gegen Ende des Taumonds doch noch bequemt, auch den Herzlanden und vor allem Talyra einen Besuch abzustatten, und jedermann in der Harfe, einschließlich Borgils, ist noch ganz beschwingt vom sonnigen Frühlingswetter. Der Geruch nach blühenden Krokussen und Winterlingen, sprießenden Bäumen, fetter, schwarzer Erde, kurz, der Duft erwachenden Lebens, war mit jedem Windhauch durch die Straßen der Stadt gezogen und hatte alle wintermüden, schneegeplagten, kältegebeutelten Bürger endlich aus ihren Häusern gelockt. Jetzt herrschen wieder Trubel, Handel, Feilschen und buntes Treiben auf dem Marktplatz und davon profitiert auch die Harfe. Vor allem profitiert sie von der schon recht kräftigen Sonne, die sich die Leute gestern, vorgestern und vor zwei Tagen bei kühlem Bier, erlesenem Wein und köstlichem Essen schon im Harfengarten auf die Pelze hatten brennen lassen. Das hatte eine erkleckliche Anzahl zusätzlicher Kupferlinge und Silberstücke in Borgils Geldsäckel gespült und seine - seit dem Langschnee und Brenainns Geburt ohnehin haarsträubend gute - Stimmung in gar himmlische Sphären steigen lassen. Jetzt steht er am Tresen, vollauf beschäftigt mit den Bestellungen seiner Schankmaiden, die nur so durch die Harfe flitzen und wie buntberockte Vögel von Tisch zu Tisch schwirren. Der Schankraum ist gut gefüllt, aber nicht zu sehr, gerade richtig, um die Münzen ordentlich rollen und die Arbeit leicht von der Hand gehen zu lassen. Borgil zapft gerade einen großen Krug voll dunklen Verder Starkbiers von einem wuchtigen Fass, als hinter ihm ein fragendes >Entschuldigung?< ertönt, das ihn aufblicken lässt. "Hm?" Er versucht, über seine eigene Schulter zu spähen, aber Stiernacken, Haarschopf und Schultermuskeln, Hemdsärmel und Bart sind ihm eindeutig im Weg, also füllt er erst den Krug, stellt ihn auf Grid's Tablett ab, und dreht sich dann um, die schwieligen Hände an der Schürze abwischend.

Vor ihm an der Tresenecke steht ein dünnes, braunhaariges Mädchen mit einem breiten Schlapphut, der zwar aus der Stirn geschoben ist, aber trotzdem irgendwie aussieht, als würde er sich normalerweise eine Handspanne tiefer befinden. Sie ist nicht sehr groß, einfach, aber recht ordentlich gekleidet, ein wenig voller Reisestaub und sieht ansonsten ziemlich müde aus. Außerdem ist sie so zaundürr, dass Borgil sie für einen Herzschlag lang sogar für einen mageren Jungen hält... was ihn seinen Eindruck wieder revidieren lässt, kann er nicht einmal selbst sagen, aber nur einen Augenblick später steht fest: sie ist ein Mädchen, wenn auch ein sehr schmales. Borgils nächster Gedanke - er war ja von jeher schon ein Freund weiblicher Rundungen und saftiger Hintern -, ist auch prompt: Herrjemine, wer hat dich denn so verhungern lassen? Davon sagt er allerdings nichts, er lächelt nur, was seinem wettergegerbten, harten Zwergengesicht mit dem narbigen Schädel und der etwas unkonventionellen Frisur ein ziemlich zerfurchtes Aussehen geben muss. "Ja?"
>Ich suche den, der für dieses hübsche Gasthaus verantwortlich ist und mir weiterhelfen könnte.< Sie klingt auch ziemlich müde, versucht sich aber dennoch ein wenig in freundlicher Konversation, anstatt einfach nur knapp ihr Anliegen vorzutragen - und das macht sie spontan sympathisch.
"Dann hast du den richtigen gefunden, Mädel, ich bin Borgil. Was kann ich für dich tun?" Dem Wunsch, das arme Ding mit ein paar ordentlichen Mahlzeiten ein wenig aufzupäppeln, den er sich allerdings nicht anmerken lässt, schließlich hat er einen gewissen Ruf zu verlieren, folgt prompt die Annahme, sie suche vielleicht Arbeit als Botenmädchen, obwohl sie dafür eigentlich schon zu alt ist. Eine Stelle als Schankmaid vielleicht? Sie scheint ja neu in der Stadt, ihr Gesicht habe ich jedenfalls noch nie hier gesehen und an den Hut würde ich mich erinnern. Aber ein Tablett voller Bierkrüge und sie kippt mir zusammen... hm, Magd vielleicht, wenn Halla sie ordentlich füttert... Ihr Gesicht allerdings zeigt nicht den typischen Ausdruck arbeitssuchender junger Frauen, die nicht so recht wissen, wohin oder wovon leben und so sieht er sie nur fragend an.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Selainee am 06. Apr. 2006, 16:14 Uhr
Bei der freundlichen Antwort des Zwerges wird Selainees Lächeln eine Spur lebhafter. Als er sich zu ihr umgewandt hatte, war sie in der ersten Sekunde sogar ein wenig erschrocken gewesen. Unwillkürlich muss sie darüber nachdenken welches Folterinstrument seinem Gesicht diese imposante Narbe verpasst haben mochte. Charaktergesicht, fällt ihr dazu ein, jemand der viel erlebt hat, doch als er lächelt, fällt es ihr leicht jede Befangenheit abzuschütteln.

Sechs Tage spärlichster Kommunikation haben sie ein offen gesprochenes Wort, und sei es auch noch so belanglos, doch mehr vermissen lassen als sie bis jetzt bemerkte. Aus der beschwerlichen Reise resultierend fällt ihr auf, dass dieses zerfurchte Gesicht, das ein wenig so aussieht als hätte man es mit einer Harke gepflügt, das erste sympathische Gesicht seit langem ist. In einem Anflug von Übermut hätte sie auf Anhieb nicht übel Lust fröhlich drauf los zu palavern und sei es auch nur über das Wetter, doch die Anwesenheit der drei Anderen, die wie ein misstrauisches Dreigestirn in ihrem Nacken sitzen lässt sie ihre Worte, nach einem kurzen Schulterblick, weiterhin freundlich aber knapp bemessen wählen.

„Welchem Gott auch immer, es sei ihm gedankt….“ Sie wischt sich über die leicht eingestaubte Stirn und hinderte den Hut daran erneut über ihre Augen zu rutschen.
„Ich und meine drei stattlichen Begleiter sind, nach einem schrecklich langen Ritt, auf der Suche nach einer hübschen Bleibe für die nächsten vier Siebentage.“

Obwohl sie im eigentlichen Sinne nicht belügt fühlt sie sich doch ein bisschen schuldig, ihrem ersten wirklichen Gesprächspartner, seit dieses zweifelhafte Abenteuer begonnen hatte, eine Halbwahrheit aufzutischen. Jetzt beruhig dich, dummes Kind, du belügst ihn kein bisschen, bis jetzt war alles die reinste Wahrheit! Und überhaupt…du weist doch selbst nicht worum es geht.. Mit neuer Leichtigkeit schüttelt sie den Gedanken ab.

„Das Haus hat mir gleich gefallen, schon von außen.“ gibt sie zu, ohne ihm schmeicheln zu wollen. „und wenn’s möglich wär hätten wir gern zwei Zimmer mit je zwei Betten und…na ja…jeden Tag dreimal was zu beißen wär wirklich ne Wohltat.“
Sie klopft sich auf die Rippen, wie um unnützer Weise festzustellen, dass sie es gut gebrauchen könnte. Fast als hätte sie sein Vorhandensein vergessen hebt sie dann den Beutel mit dem Geld in die Höhe.
„Oh, ach ja! Bezahlen tu ich natürlich gleich für uns.“
Sie hält ihm ohne eine Spur von Misstrauen den Beutel entgegen, Is ja nich mein Geld, und das Lächeln auf ihrem Gesicht wird nur einen Moment leicht verzerrt, als sie mühsam ein Gähnen unterdrückt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jamar am 06. Apr. 2006, 20:36 Uhr
Wie ein dreifacher Schatten kleben Jamar, Ismael und Darwik an Selainees Fersen und lassen das Mädchen nicht aus den Augen. Sie weiß nicht, worum es hier geht, aber Jamar glaubt sie gut genug einschätzen zu können, dass sie angesichts der vielen Menschen, Elben, Zwergen und anderen Wesen doch gerne lieber das eine oder andere Schwätzchen halten würde. Er könnte sich zwar mit ihr unterhalten, damit sie ihrem Drang nach endlosem Geplapper an ihm auslässt, aber dazu fehlen ihm schlichtweg die Nerven. Ismael soll ebenfalls nicht und dem Mundwerk des knabenhaften Mädchens leiden und Darwik... nun ja er wird bei solchen Überlegungen eigentlich nie weiter in Betracht gezogen. Er ist eben einfach nur anwesend.
Es wäre kein allzu großes Risiko sie einfach auf die ahnungslosen Tavernenbesucher loszulassen, aber selbst belanglose Dinge könnten in den Ohren Fremder zu einer Gefahr werden. Niemand sollte sie hier in der Stadt kennen, aber das heißt nicht gleichzeitig, dass ihnen niemand in die Quere kommen kann. Selbst ein dummer Strassenbengel zur falschen Zeit am falschen Ort, könnte zuviel mitbekommen und ihnen alles vermasseln. Dennoch vergewissert sich Jamar, dass es in dieser Taverne kein Gesicht gibt, welches ihn auch nur annähernd bekannt vorkommt. Er ist bislang noch nicht viel gereist, aber es gibt seltsame Zufälle und dann auch noch die Götter. Schon so manches Mal hat er sich darüber den Kopf zerbrochen, wieso sie die Wege ihrer Geschöpfe immer wieder in ungünstigen Momenten kreuzen lassen.
Ohne allzu mürrisch zu wirken und sich damit jemanden feind zu machen, der in allem eine Verschwörung sieht, hält Jamar genau drei Schritt Abstand zu Selainee und folgt ihr durch den Schankraum bis zum Tresen. Die Harfe scheint gut besucht zu sein. Vielleicht nur heute, aber wenn seine Informationen stimmen, so ist es immer der Fall. Eigentlich kein Wunder, da sie mitten im Zentrum direkt am Marktplatz liegt, welcher Ort einer Stadt könnte besser sein? Der Kupferkessel ein Stück weiter könnte sicherlich auch so gut laufen, aber mit Magie hat bekanntlich ja nicht jeder etwas am Hut. Im Gehen weicht er den Gästen, Tischen und Stühlen nur halbherzig aus, aber dennoch weit genug, um nicht jeden unsanft anzurempeln. Bei seiner Größe kein leichtes Vorhaben, da diese kleinen Mogbars leicht zu übersehen sind, aber es würde sicherlich keinen guten Eindruck machen, wenn man in der Taverne, die einem Unterschlupf für die nächsten Tage gewähren soll, gleich am ersten Tag für Ärger sorgt.

Als Selainee am Tresen zum stehen kommt, bleiben auch die drei Männer wie auch Kommando hin stehen. Keiner von ihnen wirkt wie ein fanatischer Leibwächter, aber bei Jamar kann man dennoch unweigerlich spüren, dass er irgendwie zu dem Mädchen gehört. Und sei es nur, weil er sie selbst dann nicht aus dem Auge lässt, wenn er gar nicht direkt in ihre Richtung guckt. Gepäck haben sie nicht viel dabei. Nur einige Taschen und Beutel, die einige Kleidungsstücke, Reiseproviant und Geld beherbergen. Alles andere würde sich hier in der Stadt besorgen lassen. Außerdem hasst Jamar unnötiges Gepäck, da es ständig im Weg ist und sowieso meist unnütz. Und selbst für den Fall, dass man dies oder jenes hätte gut gebrauchen können, irgendwie lassen sich immer Alternativen finden, um ein Problem zu lösen. Jamar kann den Blick eines besonders unhöflichen Gastes direkt auf seiner Haut spüren. Man sollte annehmen, dass in Talyra niemand mit so dunkler Haut etwas besonderes darstellt, aber der Händler drei Tische weiter, starrt ihn so unverfroren an, dass sich Jamars Hand leicht zu Faust ballt. Die Geste ist für den Mann nicht sichtbar, aber dafür umso mehr der kalte, drohende Blick aus seinen hellen Augen. Normalerweise ist es ihm egal, wenn ihm Leute anstarren, aber heute und hier stört es ihn gerade gewaltig. Der Kerl, der vom Alkohol schon eine ganz rote Nase hat, scheint wohl geträumt zu haben, denn als er bemerkt, was er dort tut und wen er anstarrt, färbt sich auch das restliche Gesicht passend zur Nase und er versteckt sich augenblicklich hinter seinem Bierkrug. Auch besser so für dich. Jamar behält den Mann noch einen Moment lang im Blickfeld, als eine dumpfe Stimme seine Aufmerksamkeit erzwingt.
>"Dann hast du den richtigen gefunden, Mädel, ich bin Borgil. Was kann ich für dich tun?"<
Mit einer oberflächlichen Neugier die man jeder neuen Bekanntschaft entgegenbringt, mustert Jamar den Tavernenbesitzer. Es ist das eine von Personen ist ausführlichen Erklärungen zu hören und etwas ganz anderes, wenn man dann tatsächlich vor ihnen steht. Egal wie gut die Schilderungen sind, die Person wirkt doch ganz anders. Und in diesem Fall hat Jamar das Gefühl, als wenn man die Hälfte schlichtweg vor ihr geheim gehalten hätte. Gut, der Zwerg ist tatsächlich ein Zwerg, hat auch die gleichen äußeren Merkmale die man ihnen nachsagt, aber sein Anblick hat doch irgendwie etwas bedrohliches. Nicht auf eine direkt Art, sondern eher heimlich, von hinten herum. Ihm fällt ein, dass ein Informant mal meinte, dass der Zwerg angeblich mit einem Feuerstier gekämpft haben soll, aber angesichts der Haarfarbe, kommt Jamar Zweifel, ob es wirklich ein Stier oder nicht doch nur der Zwerg selber war. Dass Borgil kräftig ist, kann man schon auf den ersten Blick sehen, aber dieser Zwerg hat auch etwas an sich, dass einem ohne Umschweife sagt, dass man sich nicht mit ihm anlegen sollte. Prompt fängt Darwik- wegen was auch immer – in Jamars Nacken an zu kichern, so dass dieser das Gefühl hat, als wolle er ihm gewiss einen Strich durch die Rechnung machen. Er wirft seinem Begleiter einen raschen, bitterbösen Blick zu und bringt ihm so zum schweigen. Anschließend schenkt er dem Tavernenbesitzer ein knappes Lächeln zur Begrüßung, als dieser gerade in seine Richtung schenkt. Nichts aufdringliches, aber auch nicht allzu distanziert. Eben gerade auf die Art und Weise die man einem beliebigen Fremden immer zukommen lässt.
Wie ein artiges kleines Kind tut Selainee, was er ihr aufgetragen, als sie aber doch wieder anfängt belangloses Zeug zu erzählen, hätte Jamar sie am liebsten am Kragen gepackt. Mag ja sein, dass es kein Aufsehen erregt, wenn sie jeden und alles mit ihrem losen Mundwerk zutextet, aber wenn er ihr sagt, dass sie nicht reden soll, dann meint er auch genau das und nichts anderes. Glücklicherweise ist es aber nicht viel, was sie nebenbei von sich gibt, so dass es für ihn keinen Grund gibt, sich unnötig darüber aufzuregen. Viel mehr baut er darauf, dass er dem Blick, welchen Selainee dem gefüllten Geldbeutel zugeworfen hat, vertrauen kann und dass sie weiterhin leicht zu dirigieren oder auch zu manipulieren ist. Dass sie dem Zwerg das Geld gleich förmlich aufdrängt, würde zumindest Jamar misstrauisch machen, aber er hofft einfach darauf, dass es schon öfter derartige Gäste gab.

Ein leichter Stoß in seinen Rücken, lässt Jamar über die Schulter zurückblicken. Mit einer knappen Kopfbewegung deutet Ismael auf zwei Männer die soeben die Taverne betreten. Es sind Blaumäntel, zumindest ihrem Äußeren nach. Ihnen gegenüber haben sie sich ebenfalls sehr vorsichtig zu verhalten. Noch weiß niemand was sie planen oder was ihre nächsten Schritte sind. Aber auch wenn sie die bekannten Verbindungen wissen, wo kann man nie wissen, wer wen im Verborgenen kennt und über welche Bekanntschaften ihre Zielperson noch verfügt. Auch hier ist wieder äußerste Vorsicht geboten. Vier Siebentage scheint zwar eine lange Zeit zu sein, aber wenn die zusätzlichen Informationen nicht so leicht zu beschaffen wäre, wie sie es sich in Ardun ausgedacht haben, dann könnte so einiges durcheinander kommen. Sein knappes Kopfschütteln bedeutet für Ismael, dass sie sich nicht weiter um die Männer kümmern brauchen, die sich schon an einen Tisch gesetzt haben. Noch sind sie einfache Reisende und bald auch Gäste dieser Taverne. Nichts anderes.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 06. Apr. 2006, 23:29 Uhr
Für einen halben Herzschlag lang wird das Lächeln im Gesicht des Mädchens vor seiner Nase breiter und sie sieht glatt aus, als wäre sie drauf und dran, sich bequem zu ihm an den Tresen zu hocken und ein kleines Schwätzchen zu halten, aber daraus wird nichts. Stattdessen sieht sie sich nach ihren Begleitern um, die abwartend mitten in der Harfe zwischen Tischen, Gästen und Schankmaiden stehen und auch Borgil mustert die drei kurz über magere Schultern und eine breite Hutkrempe hinweg. Da wäre zunächst einmal ein ziemlich langes Langbein mit einer Haut so dunkel wie alter Firnis und pechschwarzem Haar. Der Mann sieht eindeutig südländisch aus, dazu als wäre er schon mit Messer und Scimtar zur Welt gekommen und bewegt sich, als wäre er es gewohnt, das ihm alle Welt freiwillig aus dem Weg geht. Sein Gesicht zeigt ungefähr soviel Regung wie eine Ebenholzmaske, auch wenn er Borgil irgendwann ein unverbindliches Lächeln schenkt, in das man alles hineinlesen könnte, wenn man will. In dem dunklen Gesicht wirken die ebenmässigen Zähne sehr weiß. Neben ihm steht ein weiterer Südländer, genauso dunkel und im Grunde eine etwas kleinere, schmälere Ausgabe von Südländer Nummer Eins, dessen Züge allerdings wenigstens so etwas wie den Ansatz von Mimik zeigen - und schließlich hinter den beiden noch ein auf den ersten Blick ein wenig tumb wirkender Blondschopf, der leise in sich hineingluckst, jedenfalls so lange, bis ihn der Krummschwertträger mit einem bohrenden Blick zum Schweigen bringt. Talyra ist eine riesige Stadt, und wenn auch in den Gasthöfen, Tavernen und Wirtshäusern vornehmlich Reisende, Händler oder fahrende Ritter absteigen, es gibt hin und wieder auch bunt zusammengewürfelte Abenteurergruppen - oft genug zumindest, um die hiesigen Wirte bei einem solchen Anblick nicht gleich Verdacht schöpfen zu lassen. Borgil auch nicht, obwohl er, einst selbst Abenteurer, sich ein gesundes Misstrauen stets bewahrt hat - und natürlich denkt er sich seinen Teil. Aha. Drei gestandene Kerle und sie schicken ein mageres Mädel vor? Herrje. Er hat keine Ahnung, was die drei, nein vier, das Mädel gehört ja offenbar zu ihnen, hier in Talyra zu suchen haben, ob sie gutes oder schlechtes im Schilde führen, und es interessiert ihn persönlich auch nicht sonderlich - solange sie sich unter seinem Dach benehmen und nicht vor seiner Nase gegen die Gesetze Talyras verstossen. Alles andere ist Olyvars Aufgabe - wenn er sich um das Vorhaben jedes Gast, der in der Harfe absteigt, den Kopf zerbrechen wollte, hätte er viel zu tun. Hmpf, wäre ja noch schöner.

>Welchem Gott auch immer, es sei ihm gedankt….< murmelt da das Hutmädel vor ihm und fährt sich über die Stirn. >Ich und meine drei stattlichen Begleiter sind, nach einem schrecklich langen Ritt, auf der Suche nach einer hübschen Bleibe für die nächsten vier Siebentage.<
"Aye. Sind eure Tiere schon im Stall? Gut. Vier Siebentage, das heißt den vollen Voshor bis kurz nach dem Inarifest?" hakt er rasch nach, nur um sicher zu gehen und nickt bedächtig. "Dann habt ihr Glück, dass ihr so früh dran seid, in zwei Siebentagen ist die Harfe vermutlich restlos ausgebucht."
>Das Haus hat mir gleich gefallen, schon von außen und wenn’s möglich wär hätten wir gern zwei Zimmer mit je zwei Betten und…na ja…jeden Tag dreimal was zu beißen wär wirklich ne Wohltat.<
"Jap, ist ein hübsches altes Mädchen, die Harfe," Borgil tätschelt liebevoll seinen Tresen und seine schwarzen Augen wandern gelassen, aber aufmerksam einmal durch den Schankraum. Zwei Blaumäntel, der junge Stürmisch und der Große Petyr, so genannt, weil er gerade mal fünf Fuß misst, betreten die Harfe, nicken grüßend herüber und suchen sich dann einen Tisch nahe am Fenster, vermutlich geht die erste Tagschicht gerade zu ende. "Zwei Zimmer mit je zwei Betten und Vollverpflegung, lässt sich einrichten." Er mustert kurz ihre zwar durchaus ordentliche, aber keineswegs wohlhabend zu nennende Erscheinung und die der drei Langbeine in ihrem Rücken und muss nicht nachfragen, welche Art von Zimmer gewünscht wird. Etwas einfaches, sauber, ordentlich, doch nichts Besonderes.  Was ihn allerdings etwas verwirrt, ist, dass das Mädel ihm gleich eine Geldkatze samt klingelndem Inhalt unter die Nase hält und verkündet: >Oh, ach ja! Bezahlen tu ich natürlich gleich für uns.<

Eine seiner dichten, kastanienroten Brauen rutscht belustigt ein Stück nach oben. "Du weißt schon im Voraus, was euch zwei Zimmer für vier Siebentage mit Verpflegung kosten? Nun ja, mal sehen. Ich hab da zwei hübsche Kammern im oberen Flur, Nordflügel, die Treppe hinauf und dann links." Er holt hinter dem Tresen von einem Wandbrett zwei Schlüssel mit schmalen Metallanhängern daran, auf welche die Zimmernummern geprägt sind. "Sechs und Sieben, beide mit Fenstern, die auf den Marktplatz gehen. Die Ausstattung ist sauber, aber einfach, ein Bett, ein Waschtisch, eine Truhe für die Kleider. Zum Morgenmahl gibt es Brot und Porridge, heißen Tee, Wasser, Dünnbier oder Milch, Shentags auch Eier. Zum Nachtmahl Käse, Brot, Butter, kalten Braten oder Geräuchertes, je nachdem. Fleisch zweimal im Siebentag, ansonsten nahrhafte Eintöpfe, Aufläufe und Mehlspeisen, es sei denn, ihr wünscht bessere Verpflegung, dann gebt in der Küche Bescheid und ich schlage es auf den Zimmerpreis auf. Ach ja - wenn ihr baden wollt, macht das sechs Kupferling pro Wanne zusätzlich." Er nestelt den Lederbeutel auf und zählt sorgsam Silber- und Kupferlinge ab... es geht tatsächlich auf, zwei Doppelzimmer für vier Personen zu achtundzwanzig Tagen mit Vollverpflegung, als hätte jemand seine Preise gekannt und genau gerechnet. Leute gibt's... Borgil schüttelt kaum merklich den Kopf und reicht dem armen Mädel, das schon ein Gähnen unterdrücken muss vor lauter Müdigkeit grinsend die Schlüssel. "Hier, du siehst aus, als könntest du dringend eine Mütze voll Schlaf gebrauchen. Ich lasse euch nachher gleich noch etwas zu Essen hinaufbringen."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 07. Apr. 2006, 19:22 Uhr
Vom Langschnee bis zum Anfang des Sturmwindes

Als die Geburt des kleinen Brennain endlich ihrem Ende zu geht, ist Tiuri am Rande des Nervenzusammenbruchs. Azra ist unglaublich, Borgil hält sie im Arm und Niniane spricht Azra unermüdlich Mut zu. Nur Tiuri fühlt sich leicht überflüssig, muss eingestehen, dass Frauen wohl doch das stärkere Geschlecht sind und dass es gut ist, dass er als Mann auf die Welt gekommen ist und schwankt zwischen Faszination und dem Wunsch irgendwo anders hin zu sehen, aber als das Kind endlich auf der Welt ist, siegt die Faszination. Obwohl er sich von dem Anblick kaum los reißen kann, verlässt er schließlich das Zimmer um die Eltern mit ihrem Kind in Frieden zu lassen und erstattet draußen Bericht, dass endlich alles gut zu einem Ende gekommen ist.
Das gesamte Gesinde ist, wie nicht anders zu erwarten, hingerissen von dem süßen, und tatsächlich rothaarigen, Fratz und die ersten Tage dreht sich alles nur um Azra und das neue Familienmitglied. Tiuri hat erst einmal seinen Schlaf nach geholt, danach die Stute von Niniane geholt und sich schließlich wieder zur Arbeit im Stall eingefunden. Dort belagern ihn schon die Stallknechte, die natürlich genau wissen wollen, wie diese Geburt denn so abgelaufen ist, aber Tiuri möchte es eigentlich nicht noch einmal schildern, zu stark sind ihm Azras Schmerzen in Erinnerung geblieben.
„Am Ende war er gesund und so groß wie Azras Bauch schon erwarten ließ!“ ist deswegen alles was er dazu zu sagen hat und so sehr sie ihn auch fragen, er schüttelt nur den Kopf. Wie auch die andern versucht er Azra und dem kleinen Halbzwergen sooft wie möglich am Tag über den Weg zu laufen, immerhin findet er viel mehr recht darauf zu haben, er war bei der Geburt dabei, das verbindet, wenigstens Tiuri. Es schwelgt ihm auch vor Stolz die Brust, dass Azra ihn fragt ob er das Wickeln nicht lernen möchte. Er hat ihr und Borgil dabei zu gesehen, wie die Windel gelegt und gefaltet werden muss und wie sie meistens eine Hand zu wenig haben. Als er an der Reihe ist, überkommt ihn ein unbestimmtes Gefühl, dass das nicht die erste Windel ist die er in seinem Leben schon in den Händen hält, aber er verdrängt es so gut es geht.
Wahrscheinlich hab ich schon so oft zugesehen, dass ich das Gefühl habe es schon selbst gemacht zu haben! Aber bei diesem unbestimmten Gefühl bleibt es nicht, sobald er die kleinen Füßchen in eine Hand nimmt und nach oben hebt, arbeiten seine Hände plötzlich wie von alleine. Die Windel ist fix und fertig und nahezu perfekt angelegt noch ehe er weiter darüber nachdenken kann. Einigermaßen verblüfft betrachtet er sein Werk und auch Azra ist das Erstaunen anzusehen.
>Woher kannst du denn das?< fragt sie ihn und schüttelt lächelnd den Kopf, zupft einmal an dem Leinenstoff um festzustellen ob die Windel auch hält oder nur gut aussieht. Der junge Mann zuckt mit den Schultern und fährt sich durch das wirre Haar.
„Hab das wohl schon mal gemacht“, sagt er und ist sich in diesem Augenblick ziemlich sicher, dass das auch so ist. Es kommt ihm vor wie beim Reiten, als er vor Brennains Geburt auf Bara zu Niniane geritten ist. Er kann sich nicht erinnern jemals davor auf einem Pferd gesessen zu haben, aber auf einmal wusste er einfach, dass es funktionieren würde.
Ich wünschte ich wüsste, was ich so alles kann und wofür ich kein Talent besitze, so muss ich alles neu ausprobieren, als wäre ich ein kleines Kind das alles von Grund auf neu lernen muss!

Von Sigourny hört und sieht er nichts die nächsten Tage, er begibt sich auch kaum auf Wanderschaft, sondern stürzt sich in die Arbeit. Er macht nicht nur seine übliche Arbeit im Stall, sondern hilft einfach überall mit wo er nur kann, denn alle sind sich einig, dass Azra die nächste Zeit Ruhe braucht für sich und ihr Kind, aber jeder in der Harfe weiß auch, was für eine wundervolle Arbeitskraft sie ist und ihr fehlen wird nicht unterschätzt. Am liebsten aber nimmt er Azra das Baby für ein paar Minuten ab und geht mit ihm durch die Arbeit und durch die Ställe, zeigt ihm jedes Pferd und erklärt ihm von jedem einzelnen die Eigenschaften ganz genau, so als hätte er es mit einem wahren Fachmann zu tun. Bei einem von diesen Spaziergängen fällt ihm auch auf, dass es manchmal trotz Baby am Arm gar nicht unpraktisch wäre, wenn man die Arme frei hätte und so bastelt er für Azra ein Tragetuch für den Jungen, so dass sie ihn an den Körper geschnallt mit sich rum tragen kann. Er selbst stellt für sich bald fest, dass er ja Glück hat, denn er ist für Brennain mehr so etwas wie ein Onkel und damit hat er die perfekte Stellung zu dem Kind um ihm all den Blödsinn beizubringen den ihm die Eltern austreiben wollen. Er denkt sich die verschiedensten Dinge aus um das Kind zum Lachen zu bringen, springt durch die Stube, verkleidet sich und denkt sich tausend Spiele aus. Er fühlt sich zum ersten Mal so als hätte er eine Familie, auch wenn sie nicht blutsverwandt ist. Umso schwerer lastet seine eigentlich ja gar nicht wirklich vorhandene Vergangenheit auf seinen Schultern und manchmal hat er das ungewohnte Bedürfnis irgendjemandem zu erzählen, dass er nicht weiß er ist, dass er keine Ahnung hat was er so getan hat in den ersten 16 Jahren seines Lebens, dass er irgendwann mit schlimmen Verbrennungen aufgewacht ist und seit dem von schlimmen Albträumen geplagt wird.
Aber jedes Mal wenn er mit seinen Freunden still an einem Tisch sitzt und ihn der Wunsch zu sprechen überkommt, verwirft er die Idee gleich wieder.
Die würden sich nur wundern was für Schwachsinn ich erzähle, jetzt läuft gerade alles so gut. Es kümmert sie nicht was ich früher war und mich sollte es auch nicht kümmern. Was zählt ist das hier und jetzt!

Das hier und jetzt lebt er auch aus so gut es geht. Als die Wochen ins Land ziehen und er nichts von Sigourny zu hören und zu sehen bekommt beginnt er wieder damit gelegentlich in die verschiedenen Tavernen zu ziehen. Manchmal kommt er dann an der Schusterei Nomadenstiefel vorbei und er bleibt kurz davor stehen, überlegt ob er klopfen und nach ihr fragen soll, aber dann ist er sich doch zu stolz dafür. Er verbringt so manche Stunde mit irgendwelchen Mädchen die ihm so viel bedeuten wie ein Sandkorn am weiten Strand und kehrt noch in der jeweils gleichen Nacht in die Harfe zurück. Er ist was das weibliche Geschlecht betrifft beinahe wieder in seine alte, nicht besonders rühmliche Verhaltensweise zurück gekehrt, aber an etwas anderes will und kann er gerade nicht denken, denn jedes Mal wenn er auch nur versucht sich vorzustellen, dass er irgendwann mit einer Frau sesshaft werden könnte und selbst ein Kind zu haben wie Brennain, dann kommt ihm Sigourny in den Sinn und der Zorn steigt in ihm hoch.
Ich bin für so ein Leben einfach nicht gemacht. Ich bin ein guter Onkel, aber als Vater wäre ich sowieso ein Versager und als Ehemann wäre ich wahrscheinlich noch schlimmer. Nein, besser so wie es ist, niemanden kennen lernen und keine Verpflichtungen eingehen.
Er ist nach solchen Überlegungen zwar irgendwie nur mäßig zufrieden mit sich selbst, versucht sich aber einzureden, dass alles bestens sei.
Das Ende des Winters kann er kaum noch erwarten, es frieren ihm die Finger blau wenn er im Stall arbeitet, genauso wie die Nase und die Ohren, aber die Pferde müssen essen und sauber gehalten werden, da hilft nichts, das ist bei jedem Wetter gleich. Als es endlich zu tauen beginnt ist Tiuri die ersten Tage bei etwas wärmerem Sonnenschein wie ein neuer Mensch. Er springt mit außergewöhnlich guter Laune durch die Harfe, fuchtelt auf seinem Zimmer schon einmal probeweise mit Fahl herum und hofft, dass er bald damit beginnen kann das Schwertkämpfen richtig zu erlernen. Er pflegt die Pferde im Stall mit einer neugewonnen Hingabe, so dass sie alle glänzen als gäbe es einen besonderen Anlass, besonders Bara an der er seit der langen Nacht im Langschnee einen besonderen Narren gefressen hat und die er immer wieder einmal mit Kleinigkeiten verwöhnt, und steckt jeden dem er begegnet mit seiner guten Laune an.

Als endlich der gesamte Schnee von Talyras Boden verschwunden ist, kriecht er wie eine hungrige Katze um Borgil herum um die richtige Gelegenheit abzupassen und ihn auf sein Versprechen hinzuweisen ihm das Kämpfen beizubringen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Selainee am 09. Apr. 2006, 13:11 Uhr
Selainee hört dem Zwerg aufmerksam zu, als er erwähnt, dass in einigen Tagen wohl kaum ein Schlafplatz zu bekommen gewesen wäre. Inarifest? Steht ein Fest an? Das Wort sagt ihr etwas, irgendetwas aus grauer Kinderzeit, doch weiss sie peinlicher Weise, nicht genau worum es sich handelt. Einmal mehr ärgert sie sich über ihr absolutes Desinteresse für Festtage, Termine und Daten und beruhigt sich damit, dass für jemanden der noch nicht mal seinen eigenen Geburtstag kennt, so eine Ignoranz wenigstens ansatzweise vertretbar ist.

Sie hat den Mund schon geöffnet um sich nach dem Fest oder besonderen Ereignis zu erkundigen, als sie, wie sie findet, ein besonders böser Blick in den Nacken trifft und sie wie aus Reflex den Mund wieder zuklappt. Sie wirft erneut einen verstohlenen Blick über die Schulter zurück und wirklich, ihr großer, mürrischer Arbeitgeben mustert sie just in diesem Moment, als wolle er sie an ihrem dürren Hals packen und in die Pferdetränke schmeißen. Für ungeübte Beobachter mag er ja neutral aussehen, nach den letzten Tagen ihrer Reise hat Selainee jedoch gelernt, wann man auch mal den Mund halten sollte. Jetzt ist es soweit.

Unwillkürlich zieht sie die Schultern ein wenig nach oben und widmet dem Zwerg wieder ihre volle Aufmerksamkeit.
Der erklärt gerade die Lager ihrer Zimmer, indem er ihr zwei Schlüssel entgegenhält und rezitiert, was die Essenskarte so alles hergibt. Allein bim Zuhören läuft Sel das Wasser im Mund zusammen und als er schließlich das Gespräch mit dem Versprechen abschließt, sie später auf dem Zimmer mit einigen Leckereien zu versorgen, ist sie so hingerissen, dass sie ihm am liebsten um den Hals gefallen wäre.
Mit einem seligen Lächeln, nimmt sie die beiden Schlüssel entgegen und macht eine überschwängliche Verbeugung, die ihr fast den Hut vom Kopf rutschen lässt.

„Vielen, vielen Dank! Ich kann es kaum erwarten.“ Und mit einem letzten fröhlichen Nicken wendet sie sich wieder ihren Begleitern zu die nah der Tür auf sie warten.

Auf dem, von der Reise ein wenig grau gewordenen, Gesicht steht echte Zufriedenheit. Zwischen mir und einem Bett stehen nicht mehr als ein paar tapfere Schritte…sie reibt sich über die Augen, eine müde, kindliche Geste, die sie einen Augenblick aussehen lässt wie ein kleines Mädchen und als ob sie um diesen Umstand genau wüsste, ruckt ihr Kopf leicht nach vorn, der Hut rutscht in seine angestammte Position und verbirgt die verräterische Geste.

Als sie so ihren Begleitern entgegen schaut, hat Jamar schon wieder diesen leicht missbilligenden Ausdruck im Gesicht, mit dem er sie mit Vorliebe mustert und eine Sekunde lang regt sich echter Unmut in ihr. Soll er’s doch beim nächsten mal selber machen! Ihr Mund verzieht sich einen Moment ärgerlich, doch das allgegenwärtige Klimpern in ihrer Tasche stimmt sie fast sofort wieder milde. Sie erreicht die Drei und als sie Jamar wortlos die beiden Schlüssel hinhält ist ihr Gesicht, auf der sichtbaren Hälfte, wieder so neutral wie eh und je.

Während sie auf eine Reaktion wartet, macht sie sich Gedanken darüber mit wem sie wohl das Zimmer teilen muss. Sie hofft auf Ismael, der noch irgendwie der Unkomplizierteste von allen ist aber auch der Tölpel wär nicht die schlimmste Wahl. Sie hofft bloß, dass nicht Jamar ihr Zimmergenosse werden würden. Seine Anwesenheit versetz sie konsequent in unbehagliche Anspannung, die eine entspannte Zeit, denn das erhofft sie sich von den nächsten Tagen, jedenfalls auf ihrem Zimmer unmöglich machen würde.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jamar am 10. Apr. 2006, 21:09 Uhr
Auch wenn sich Jamar ziemlich sicher ist, dass Selainee sich jedes einzelne Wort des Zwergenwirtes einprägen wird, lauscht er über den Lärmpegel der Taverne hinweg dem Gespräch der beiden, um möglichst alles mitzubekommen, was dort besprochen wird. Nicht dass er dabei wirklich etwas interessantes erfährt, aber besser so, als wenn ihm Selainee später etwas unterschlagen würde, was für sie unwichtig erscheint. Würde sie den Worten, die ihr der Zwerg entgegenbringt, etwas mehr Beachtung schenken, wäre ihr vielleicht aufgefallen, dass das Inarifest so ziemlich am Ende ihres Aufenthaltes hier in Talyra statt findet, aber diese winzige Kleinigkeit scheint ihr zu entgehen oder sie kann die Erkenntnis geschickt überspielen.  Wie auch immer, er ist sich ohnehin sicher, dass sie ihm etwas Böses nachhängt. Immerhin guckt er ständig grimmig, redet kaum und wenig mit ihr und verrät schon gar nicht worum es geht. Was außer irgendwelchen Schandtaten könnte man da noch im Sinn haben? Innerlich belustigt ihn die Vorstellung, dass sich das dürre Ding wahrscheinlich ständig Gedanken darum macht, des öfteren. Er hat auch nicht vor daran etwas allzu schnell zu ändern, denn solange sie im Ungewissen bleibt, kann sie ihnen nicht allzu gefährlich in den Rücken fallen. „Gehen wir“, meint er dann, als Selainee wieder vor ihnen steht und ihm die Schlüssel überreicht. Während die allesamt ihr Gepäck wieder aufnehmen und über die Schulter werfen, wiederholt das Mädchen die Worte des Wirtes noch einmal für alle und erklärt ihnen so, wo sie ihre Zimmer finden werden. Jamar ist dies schon bekannt und so hört er nur halbherzig zu. Viel mehr interessiert ihn im Moment ob die Lage der Zimmer nützlich wäre, aber die Aussicht auf den Marktplatz wäre wohl eher weniger hilfreich. Andererseits finden Feste ja bekanntlich immer auf den zentralen Plätzen statt und sollte sie dann hier auftauchen, hätten sie von den Zimmer aus sicherlich einen guten Überblick. In Gedanken noch immer damit beschäftigt, ist es Jamar, der dieses Mal das Schlusslicht bildet und den anderen den Vortritt lässt. Gemeinsam durchqueren sie den Schankraum, gehen die Treppe hoch und folgen dem Gang in die Richtung wo Zimmer sechs und sieben zu finden sind.

Da alle wissen, dass sie nicht eigenmächtig entscheiden dürfen, bleiben die anderen drei unschlüssig im Gang stehen und wartet darauf, dass von ihm eine Anweisung kommt. Langsam, so als müsse er gerade in diesem Augenblick entscheiden, wer mit wem welches Zimmer teilt, blickt Jamar von einem zum anderen und reicht dann Ismael den Schlüssel für Zimmer Nummer Sechs. „Du nimmst mit Darwik ein Zimmer. Ruht euch aus und heute abend besprechen wir dann das weitere Vorgehen.“ Ismael nickt nur knapp, schließt die Tür auf und ist mit Darwik dann auch schon darin verschwunden. Wenig später hört man erneut den Schlüssel, dieses Mal als er von ihnen das Schloss verriegelt. Zufrieden darüber, dass Ismael nicht leichtsinnig ist und auch ohne direkte Befehle weiß, was zu tun ist, sieht Jamar kurz zu Selainee. In seinen Augen liegt eindeutig ein böses Lächeln, aber es geht im schummrigen Halbdunkel des Ganges unter, so dass es für Selainee mehr eine Ahnung sein kann, wie sehr es ihn freut, dass er sie auf diese Weise weiterhin quälen kann. Ohne ein weiteres Wort an sie zu richten, schließt er die Tür zum gemeinsamen Quartier auf, bedeutet ihr mit einer knappen Geste einzutreten und verschließt dann ebenfalls die Tür wieder. Er glaubt zwar nicht, dass Selainee so dumm ist und irgendetwas gegen seinen Willen oder seine Anordnungen zu tun, aber ganz traut er dem Mädchen nicht und so zieht er kurzerhand den Schlüssel wieder ab und versteckt ihn in seiner Hosentasche. „Wenn du raus musst, sagst du mir Bescheid.“ Kurzzeitig beschleicht Jamar zwar das ungute Gefühl, dass Selainee selbst dann nichts sagen würde, wenn ihre Blase kurz vor dem Platzen wäre, aber wahrscheinlich wäre eine nasse Hose noch unangenehmer, als ihn kurz zu fragen, ob sie zum Abtritt dürfte. Nachdem sie seine Worte mit einem zögerlichen Nicken bestätigt, löst sie sich mehr oder weniger in Luft für Jamar auf. Jetzt wo sie einen dauerhaften Schlafplatz haben und am Zielort angekommen sind, fällt schon ein beachtlicher Teil der Belastung von seinen Schultern. Sicherlich, er liebt dieses Gefühl. Den unsichtbaren Druck, das nervöse Kribbeln und die Erwartungen, die einem bei solchen Auftrag immer begleiten, aber dauerhaft dieser Anspannung ausgeliefert zu sein, kann selbst den stärksten irgendwann umhauen. Er würde nie soweit gehen und alle Vorsicht fallen lassen, aber hier in einem abgeschlossenen Raum, fühlt er sich recht sicher, um einen Augenblick auf entspannen zu können. Wortlos einigen sie sich darauf, dass jeder das Bett in Beschlag nimmt, was an nahsten steht und genau vor seinem lässt Jamar seine Taschen fallen, schnallt seine Waffen ab, legt sie auf den Tisch und lässt sich dann auf sein Bett fallen. Aufgrund seines Gewichtes protestiert dieses knarrend, aber es hält ohne weiteres und bricht glücklicherweise nicht in sich zusammen.

„Ruh dich aus. Dir scheinen solche Reisen nicht zu bekommen...“ Selainee steht noch immer ein wenig hilflos im Raum und auch wenn er ihr Gesicht nicht sehen kann, spürt er doch, dass sie sich unwohl fühlt. Sie scheint nicht zu wissen, was sie tun soll, was sie erwartet und was sie davon halten soll, dass sie nun für den nächsten Mondlauf mit ihm ein Zimmer zu teilen hat. Auch wenn man vom Zimmer aus die Sonne nicht sehen kann, so scheint sie noch nicht weit vom Höchststand entfernt zu sein. Für den heutigen Tag hat Jamar nichts weiter außer einer Besprechung angesetzt, somit gibt es für keinen von ihnen wirklich etwas zu tun. Er könnte dem Mädchen frei geben, denn wichtig wird sie erst, wenn der Tag des Inarifestes erreicht ist. Vorher ist sie eher unnötiger Ballast, aber jemanden anzuheuern, den sie nicht im geringsten kennen, kommt für Jamar überhaupt nicht in Frage. Aber er mag ihr nicht zuviel Freiraum gewähren. Sicherlich kann er sie nicht Tag und Nacht hier einsperren, dann würde sicherlich der Zwerg unten misstrauisch werden, doch einen gewissen Gefallen findet er an diesem Gedanken trotzdem. Gleichzeitig gibt es aber auch eine schwache Erinnerung an längst vergessene Tage, dass sich alles in ihm gegen eine solche Maßnahme sträubt. „Leg dich schlafen. Ich weck dich, wenn das Essen gebracht wird.“ Nicht, dass du noch komplett vom Fleisch fällst. Schlafen wäre ihm zwar auch willkommen, aber er begnügt sich damit sich hinzulegen und die Augen zu schließen, um ein wenig zu dösen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Selainee am 13. Apr. 2006, 16:32 Uhr
Mit gleichmütiger Miene bringt Selainee den kurzen Weg zu ihren Zimmern hinter sich. In den letzten Minuten ist die Müdigkeit ganz deutlich in ihre Knochen gekrochen und sie fühlt sich schwummerig, als hätte sie sich zu schnell im Kreis gedreht.
Sie unterdrückt das Gähnen nicht mehr und macht sich nicht mal die Mühe eine Hand vor den Mund zu nehmen. Dumpf fragt sie sich erneut wer von den beiden nun ihr Zimmergenosse werden würde, denn sie ist sich relativ sicher, dass Jamar auf ihre Gesellschaft gut verzichten kann. Genau wie ich auf seine... Endlich sind sie bei den zimmern angekommen. Jamar wendet sich an Ismael.
„Du nimmst mit Darwik ein Zimmer. Ruht euch aus und heute Abend besprechen wir dann das weitere Vorgehen.“ Selainee glaubt, ihr müsse alles aus dem Gesicht fallen und mit Mühe schluckt sie einen Laut der Verwunderung herunterschlucken. Im stumpfen Licht der Diele kann sie Jamars Gesicht kaum sehen und den Gesichtsausdruck nicht deuten aber trotzdem trifft sie die Erkenntnis wie ein Schwall kaltes Wasser. Der macht das mit Absicht! Ihre Unterlippe schiebt sich zu einem verbissenen Schmollmund nach vorn als sie hinter ihm her ins Zimmer trottet. Was genau sie von all dem zu halten hat, dass er unbedingt sie mit in sein Zimmer genommen hat weiß sie nicht und sie befürchtet, dass ihr dies auch noch einige Kopfschmerzen bescheren würde.
Nun schließt er auch noch die Tür hinter ihr zu und meint, sie könne sich ja melden, wenn sie austreten müsse und Sel fühlt sich in ihre Kindertage zurückversetzt wie mit einem Fußtritt. Mama! Sel hat dies gemacht und jenes und überhaupt! Ohne jede Möglichkeit sich zurück zu ziehen, ohne Privatsphäre, ohne Ruhe.
Mit elf Geschwistern war ihr am Ende nichts anderes übrig geblieben als zu flüchten, hinter einen Hügel oder auf einen Baum und sich so lange nicht blicken zu lassen, bis die Schatten länger wurden und Mutters besorgte Rufe durch den Wald schallten, doch diesmal gab es keinen Baum und keinen Hügel sondern eine verschlossene Tür.

„Leg dich schlafen. Ich weck dich, wenn das Essen gebracht wird.“ Sel blinzelt und stellt mit leichter Verlegenheit fest, dass sie immer noch mitten im Raum steht und tumb vor sich hin starrt, wie die Kuh auf der Wiese. Dummes Mädchen… Mit einem leichten Kopfschütteln, das ihr selbst gilt, schlurft sie zu dem freien Bett neben dem, das Jamar besetzt hat und lässt sich mit einem leisen Seufzen darauf nieder. Kopf hoch Mädel, sind nur…vier Siebentage und außerdem kann er dir ja schlecht 24 Stunden Stubenarrest verordnen.

Sie seufzt erneut, diesmal leiser und macht sich daran ihre Schuhe auszuziehen, ein kritischer Blick entlarvt die linke Sohle, die sich verstohlen schon wieder vom Leder gelöst hat. Sie würde sich bald darum kümmern können. Doch nicht jetzt, sicher nicht.

Mit einem leichten Anflug von Vorfreude rutscht sie auf das Bett zurück, lässt sich fallen und rollt sich auf dem weichen Untergrund zu einer unscheinbaren Kugel. Nach dem unbequemen Ritt, der ihre Knochen so klapprig gemacht hat, dass es sich anfühlt, als säße sie nur noch lose in den Gelenken, ist das Bett so herrlich bequem, dass sie fast sofort ein wohlig, schläfriges Gefühl im Kopf bekommt das ihre Glieder warm und schwer und die Gedanken träge werden lässt. Schon hat sie plötzlich wieder ihr Zuhause im Kopf. Das langsame Verstummen aller Geräusche nach einem langen Tag, das leise Murmeln der Stimmen ihrer Eltern, die gedämpft durch die schweren Zelttücher dringen. Täuscht sie sich? Oder riecht das Kopfkissen plötzlich nach einem flüchtigen Hauch von Lavendel und dringt nicht durch das geschlossene Fenster seltsamerweise der schwere Geruch nach Gras und wilden Rosen?
Ein verträumtes, kaum bemerkbares Lächeln legt sich auf ihre Lippen, obwohl sie eigentlich genau weiß, dass dies alles nur ein Traum ist. Doch die Strapazen der letzten Tage verschwinden und die ganze Reise, Jamar und sogar die geschlossene Tür lösen sich in einem dankbaren Traum auf.
Als schließlich das Essen gebracht wird wacht sie von sich aus nicht auf sondern schlummert schon längst tief in einem erholsamen Schlaf.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jamar am 16. Apr. 2006, 13:24 Uhr
Er ist zwar nicht eingeschlafen, aber trotzdem kommt das Klopfen von der Tür so unerwartet, als habe man ihn gerade aus seinen schönsten Träumen gerissen. Mit schläfrigen Blick hebt er den Kopf, braucht einen Moment um zu realisieren wo er sich überhaupt befindet, und hört bereits das nächste Klopfen, gefolgt von einem >„Euer Essen, mein Herr.“< Langsam, vielleicht sogar zu langsam, da die Dame draußen erneut auf sich aufmerksam macht, da Jamar sich bislang noch nicht zu Wort gemeldet hat, erhebt er sich von seinem Bett und kramt im Gehen den Türschlüssel hervor. Quietschend löst sich das Schloss aus dem Scharnier und blickt als erstes gleich in ein verwundert misstrauisches Gesicht einer Mogbardame, als er die Tür öffnet. Man kann ihr zwar ansehen, dass sie ihm liebend gerne darauf hinweisen würde, dass dies hier nicht üblich und nötig ist, aber sie schenkt ihm nur ein reizendes Lächeln und hält ihm ein Tablett mit zwei Mahlzeiten vor die Nase. Oder zumindest versucht sie es, da sie aber nur ungefähr halb so groß wie er selbst ist, hat Jamar eher das Gefühl, dass sie einem anderen Körperteil von ihm das Essen anbietet. Ein „Danke“, bringt er noch knapp und genuschelt über die Lippen und sieht dann der Frau hinterher, die zum Zimmer von Ismael und Darwik hinüberhuscht. Dort wird ihr allerdings rascher die Tür geöffnet und Darwik scheint auch Gefallen, an der kleinen rothaarigen Person gefunden zu haben. Wundern tut es Jamar allerdings nicht, da der Einfaltspinsel alles Weibliche nehmen würde, was ihn anlächelt. Er steht noch immer in der Tür, als Darwik mit dem Essen längst wieder hinter der Tür verschwunden ist und die Mogbardame wieder an ihm vorbeischlendert. Sie wirft ihm erneut einen fragenden Blick zu, aber er registriert ihn gar nicht richtig, da er sich an der Holzmaserung der Tür gegenüber festgeguckt hat. Mit einem Kopfschütteln verscheucht er den träumerischen Moment, wirft der Frau einen raschen Blick zu und schließt dann ebenfalls wieder die Tür. Natürlich wird sie auch abgeschlossen und der Schlüssel landet wieder in einer Hosentasche.

Auf dem Tablett befinden sich zwei Teller mit Eintopf in den alles mögliche schwimmt. Ebenso zwei Krüge mit hellem Bier und vier Scheiben dunklen Brotes. Recht Appetit hat Jamar zwar überhaupt nicht, aber essen tut er deswegen trotzdem. Nach der eher kärglichen Kost der letzten sechs Tage hat er sich an weniges Essen gewöhnt, doch sollte der Zustand rasch wieder geändert werden, wenn er nichts an Kraft einbüßen will. Selainee neben ihm, scheint im tiefsten Traumland zu stecken. Sie bewegt sich zwar hin und wieder unruhig, aber sie wacht von keinem der Geräusche auf, die von unten oder dem Marktplatz zu ihnen ins Zimmer dringen. Er kann sich zwar nicht daran erinnern, dass sie auch während der Reise nach Talyra so gut geschlafen hat, aber ein weiches Bett und die Strapazen tun wohl ihr übriges. Selbst als sie sich schlafen gelegt hatte, war ihr dummer Hut auf dem Kopf geblieben. Jamar hat ihn von Anfang an gehasst. Er könnte ihr verbieten ihn zu tragen, aber das wäre unsinnig und wenig hilfreich, wenn Selainee merken würde, dass ihr Hut ihm so zusetzt. Er weiß genau, dass sie sich damit besser verstecken kann, da er es nur selten schafft direkt in ihre Augen zu sehen. Ein unschlagbarer Vorteil wenn es darum geht, jemanden einschüchtern zu wollen, der ihm nun aber fehlt. Im Schlaf hat sie den Hut allerdings verloren und nun kann er sie ohne weiteres sehen. Ihr Gesicht ist durch den Schlaf vollkommen friedlich. Sie scheint sogar einen angenehmen Traum zu haben, da auf ihren Mundwinkeln ein schwaches Lächeln liegt. Und durch die Haare die sich wild auf dem Kopfkissen verteilt haben und in alle Richtungen abstehen, sowie den eindeutig fehlenden Rundungen, wirkt sie mehr denn je wie ein Knabe. Zwar eine mit weiblichen Zügen, aber davon soll es bekanntlich auch genug geben. Selten macht sich Jamar Gedanken um sie, da man sie ihm zugewiesen hat und sein Auftraggeber wird schon wissen, was gut für das Vorhaben ist, doch aus allzu guten Verhältnissen kann das Mädchen nicht kommen. Viel zu dürr und dreckig für seinen Geschmack, aber er hat ja auch nicht vor ihr den Hof zu machen. Eher das Gegenteil und sie loszuwerden, wenn sie Schwierigkeiten machen sollte, würde auch nicht allzu schwer werden, da sie hier niemand kennt.

Er hat zwar gesagt, dass er sie weckt, wenn es Essen gibt, aber nicht, dass er es genau dann tun wird. In aller Seelenruhe widmet sich Jamar seinem Essen, wirft einen Blick zu Selainee oder aus dem Fenster und hört den Gesprächen der Gäste zu, die draußen auf dem Gang laufen. Von nun an ist oberste Vorsicht geboten. Alles muss durchgeplant sein, niemand darf sich verdächtig benehmen und sie müssen Sie finden. Auch muss Jamar sich langsam Gedanken darum machen, wann es Zeit wird, Selainee die nächsten Schritte zu erklären. Zu früh könnte zuviel vermasseln, zu spät aber ebenso. Aber noch sind ein paar Tage Zeit, in denen er sich darüber den Kopf zerbrechen kann. Erst als er fertig ist und nur noch Selainees Portion auf dem Tisch steht, tritt Jamar zu ihr ans Bett und schüttelt sie unsanft am Arm, bis sie hochschreckt und sich verdattert umguckt. „Dein Essen.“ Er deutet zum Tisch und lässt dann von ihr ab. „Ich geh’ zu den anderen, wenn etwas sein sollte, dann klopf gegen die Wand. Aber mach mir ja keine Dummheiten.“ Bis er sicher ist, dass sie seine Worte verstanden hat, blickt er zu ihr runter und verlässt dann das Zimmer, um zu den anderen zu gehen. Nicht aber ohne die Tür von außen auch wieder zuzuschließen, damit sie nicht abhauen kann. Das was sie jetzt kurz besprechen, geht sie noch nichts an. Vielleicht würde er sie nachher mit Ismael in die Stadt schicken, aber das würden sie erst noch bereden.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Selainee am 16. Apr. 2006, 19:35 Uhr
„Sel, komm da runter! Wenn ich das Mutter erzähle setzt es Backpfeifen für die nächsten sechs Jahre!“ das Gesicht ihres Bruders zeigt jenes faszinierte Entsetzen, hin und her gerissen zwischen  Begeisterung und Angst, dass ihr deutlich macht wie sehr er sie eigentlich beneidet. Das Grinsen auf ihrem Gesicht wird immer breiter.
„Halt die Goschen Jaki, du bist echt’n feiger Hund“ das Pferd lässt sich von ihrem Gerede nicht stören, es grast friedlich weiter während Selainee sich wie ein Ritter auf seinem Rücken in Pose wirft.
„Irgendwann hab ich auch so’n Pferdchen. Dann bin ich berühmt und hab Geld wie Dreck unter meinen Fußsohlen!“
Der dürre braun haarige Junge, der ihr fast wie aus dem Gesicht geschnitten scheint, verzieht eben dieses nun zu einer Grimasse.
„Ja klar und ich bin der Scheich von Soundso. Komm da endlich runter! Das Pferd gehört dem Kaufmann, der schlägt dich tot, wenn er das sieht!“
Selainee schiebt missmutig die Unterlippe vor. Immer muss er so ein Spielverderber sein. Sie ärgert sich, dass sie nicht mit Jun unterwegs ist, der hätte ihr nicht so den Spaß verdorben.
„Donner und Blitz, was machst du da, du kleine Rotzgöre!“
Jaki quietscht und flüchtet in Sekunden außer Sicht. Sel ist auf dem Rücken des Pferdes wie fest gefroren, ihre Augen weiten sich vor Schreck. Das Pferd hebt den Kopf und schnaubt seinem Herrn entgegen, der mit rotem Kopf und wild rudernden Armen auf sie zukommt.
„Dir werd ich beibringen deine Scherzchen mit meinem Pferd zu treiben“
Mit einem Griff wie ein Schraubstock packt er sie am Arm und befördert sie vom Pferderücken, sodass sie unsanft auf dem Boden landet. Sein Griff wird sogar noch stärker als er sie wieder in die Höhe zerrt und schüttelt.

„Dein Essen.“
Mit einem Gesichtsausdruck, der mehr Verwirrung als Angst zeigt starrt Selainee eine Weile auf die Zimmerdecke über sich. Der Traum sitzt ihr noch in den Knochen und sie braucht einige Sekunden um sich ganz davon zu lösen. Endlich scheint sie wieder völlig zurück in der Wirklichkeit und blinzelt Jamar verschlafen an. Erst ihr zweiter Blick fällt auf das Essen.
"Dangeschön" nuschelt sie undeutlich und befördert ihren Hut mit einer gekonnten Bewegung wieder zurück auf ihren Kopf.
„Ich geh’ zu den anderen, wenn etwas sein sollte, dann klopf gegen die Wand. Aber mach mir ja keine Dummheiten.“
Noch immer träge vom Schlaf nickt Selainee und noch bevor sie wirklich begreift, was er da gesagt hat ist die Zimmertür zu. Verdattert starrt sie auf die geschlossene Tür als ihr Denkapparat endlich zu rattern beginnt.
"H....hey!" mokiert sie sich halblaut, von draußen wird der Schlüssel herumgedreht, wenig später hört sie nebenan die Tür auf und wieder zugehen.

Perplex sitzt sie immer noch auf dem Bett und blinzelt. Hat der Kerl mich jetzt echt hier eingesperrt? Sie klettert vom Bett, geht zur Tür und drückt probeweise die Klinke. Es is echt abgeschlossen.....und ich bekomm schon wieder nichts mit! In einem typischen Ausdruck schiebt sich ihre Unterlippe vor, der Hut wird von ihrem Kopf wütend auf den Boden geworfen und sie reckt der Tür böse die dürre Faust entgegen. Na warte du... Ihr erster Weg führt sie zum Fenster, welches sie mit Schwung öffnet. Halblaute Geräusche von einigen Menschen die unterwegs sind erfüllen das Zimmer. Sel blickt nach unten. Eigentlich könnte ich ja....aber diese Reaktion ist sowieso viel mehr Trotz als echte Not. Sie seufzt.
"So ne Schweinerei." Das Geld klimpert tröstend und sie langt hinter sich nach dem Essen. In Gedanken mampft sie schweigend vor sich hin und lehnt sich dabei an den Fensterrahmen. Die frühe Nachmittagssonne wärmt ihr angenehm das Gesicht und stimmt sie gleich wieder etwas versöhnlicher. Bald ist das Essen vertilgt und Sel schaut sich im Zimmer um nach einer neuen Beschäftigung. Ich könnt noch was schlafen. Doch dummerweise fühlt sie sich gerade jetzt als könnte sie Räder schlagen. Trotzdem lässt sie sich auf das Bett fallen und grummelt leise.
"Klopf gegen die Wand, aber mach keine Dummheiten." äfft sie Jamar missgelaunt nach und überlegt einen Moment ihm irgendetwas Ekliges unters Kopfkissen zu schmuggeln.
"Klopf wenn was is....was soll schon sein? Soll mir die Decke auf den Kopf fallen oder soll ich spontan ein Kind gebären? So ne blöde Schweinerei."

Finster starrt sie auf die Wand als ihr plötzlich eine Idee kommt. Wenn der mein Klopfen durch die Wand hört....hör ich vielleicht auch was drüben geredet wird. Das Lächeln kehrt zurück auf das schmale Gesicht. Leichtfüßig hüpft sie vom Bett, hebt auf dem Weg den Hut auf und hockt sich an die Wand. Los, lass es klappen. Die Muskeln gespannt um sofort aufzuspringen wenn drüben die Tür geht legt sie den Kopf an die Wand, presst ihr Ohr dagegen und verfällt in angestrengtes Lauschen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jamar am 17. Apr. 2006, 11:46 Uhr
Mehr Gegenwehr hätte die ganze Sache zwar interessanter gemacht, aber allen Anschein nach, ist seine kleine Freundin wohl nicht gewillt ihm diesen Gefallen zu tun. So verschlafen wie sie ausgesehen hat, wird sie aber zumindest ein wenig später realisieren, dass er sie eingesperrt hat. Schade nur, dass er daran nicht teilhaben kann, denn immer mehr bereitet es ihm Freude der Kleinen einfach nur so zuzusetzen. Er weiß zwar auch, dass er es dabei nicht übertreiben darf, aber handgreiflich ist er bislang ja nicht geworden. Etwas, dass man ihm ruhig zugute halten sollte und alle anderen Dinge... nun ja, dass tun andere Leute auch und bislang hat es noch niemanden geschadet, wenn er weiß, wem gegenüber er sich respektvoll und folgsam zu verhalten hat. Mit dem vereinbartem Klopfzeichen, dass sie schon seit Jahren benutzen und dass es überflüssig macht Namen zu nennen, verschafft sich Jamar Eintritt in das andere Zimmer. Darwik ist noch immer mit seinem Essen beschäftigt und rührt angestrengt in dem Eintopf herum, um dann laut festzustellen, was er dort alles vorfindet. Mit verständnislosen Blick sieht Jamar ihm eine Weile dabei zu, wendet sich dann aber mit einem Kopfschütteln ab. So dumm er auch ist, sie brauchen ihn und sie können es sich nicht leisten, ihn einfach abzuschieben. Außerdem macht er keine Schwierigkeiten und solange sind seine Macken durchaus erträglich. Ohne dass es eines besonderen Wortes bedurft hätte, nimmt Ismael auf dem linken Bett Platz und lässt so für Ismael den Stuhl frei. Eigentlich gibt es zwischen ihnen beiden keine Rangordnung, sie kennen sich nur einfach schon viel zu lange und haben sich schon immer stumm geeinigt, wer wann Vortritt hat. Alles was sie laut aussprechen dient eher dazu, dass die anderen auch etwas von ihrer Kommunikation mitbekommen und nicht ganz außen vor gelassen werden. Im Fall von Darwik allerdings eher sinnlos. „Bislang haben alle Informationen gestimmt, aber ich denke wir sollten trotzdem auf eigene Faust einige Erkundungen anstellen. Wir müssen wissen, wie diese Stadt funktioniert, wer außer, den uns wenigen bekannten, wichtig ist und wer nicht. Auch über das Mädel sollten wir uns einige Informationen einholen. Das was wir haben ist eher weniger hilfreich...“

Das an der einen Zimmerwand jemand mit gespitzten Ohren lauscht, bekommt niemand in dem kleinen Raum mit. Wie auch, denn nichts deutet darauf hin, dass dem so ist. Die Geräusche der Taverne sind durch die geschlossene Zimmertür gut zu hören und dämpfen einen Teil ihrer Worte, aber längst nicht so gut, dass man absolut nichts von ihrem Gespräch mitbekommen würde. Allerdings sind die Informationen die sie austauschen eher spärlich und verraten einem Fremden nicht viel über ihn Vorhaben. Die drei Männer, oder eher Jamar und Ismael, besprechen nur im allgemeinen was sie vorhaben, wer welche Aufgaben übernimmt und wie die nächsten Tage ablaufen werden. Zur allgemeinen Erkundung, was diese Stadt angeht, müssen sie natürlich etwas über die Zielperson erfahren, inwieweit sie direkt nachfragen können, wissen sie nicht, aber sie wollen auch nichts unnötig riskieren. Zudem brauchen sie bis zum Inarifest einige Kräuter und Pflanzen, um eine spezielle Mixtur herzustellen. Durch das anstehende Fest würden sicherlich auch jede Menge Händler in die Stadt kommen und hoffentlich die gewünschten Waren bei sich haben. „Die ersten beiden Siebentage werden wir damit verbringen, diese Stadt zu durchkämmen. Unauffällig. Beschaff an Informationen was wichtig sein könnte und erkundige dich nach ihr. Sieben Tage zum aussonden, wo wir zuschlagen und noch einmal knapp einen Siebentag um alles vorzubereiten. Ich denke, Zeit haben wir genug. Selbst bei kleinen Komplikationen, aber ich hoffe, dass es nicht dazu kommen wird. Und falls wer Ärger macht, gehen wir wie gehabt vor. Auch bei der Kleinen...“ Ismael nickt ohne jegliche Regung im Gesicht. Es wäre nicht das erste Mal, dass sie jemanden getötet haben. Schuldgefühle haben sie dabei nicht. Solange es zum Auftrag gehört, ist es ein Teil des Spiels. Wenn jemand unschuldig ums Leben kommt, gibt es anonyme Zahlungen. Mehr nicht. Ihr Gewissen in diesen Dingen haben sie vor ewigen Zeiten abgelegt und niemand schafft es dieses zurückzuholen. Wer von dort kommt, wo sie einst lebten und erzogen worden, hat keine Skrupel mehr und ein eigenes Leben haben sie noch nie besessen.
„Gut, wenn du willst, nimm dir die Kleine und lauf mit ihr durch die Stadt. Ich glaube sie kann mich ohnehin nicht sonderlich leiden und wird dir dafür die Füße küssen.“ Ein böses Grinsen huscht über Jamars dunkles Gesicht. Keiner von ihnen beiden macht einen Hehl daraus, dass sie den andere mögen, aber das Schicksal hat sie zusammengeführt. Selainee hätte sich nicht auf sie einlassen brauchen, aber nun da sie es getan hat, wird sie bis zum Ende mitgeschleift und hat keine Wahl zwischendurch umzukehren. „Erkundet euch auf dem Platz der Händler und dem Marktplatz, was sie anbieten und wann neue Händler eintreffen.“
Damit ist dieses Gespräch, dass annähernd eine Stunde gedauert hat, vorbei. Darwik hat, nachdem er fertig mit essen war, zwar zugehört, aber ein Blick in sein Gesicht genügt, um zu wissen, dass er noch nicht einmal die Hälfte behalten, geschweige denn wirklich verstanden hat. An ihn muss man generell klare Aussagen machen, ansonsten würde er schlichtweg nicht darauf reagieren. „Leg dich schlafen Darwik und heute abend kannst du ein Bad nehmen, wenn du willst.“ Wie in zappeliges Kind wackelt Darwik mit dem Kopf und hüpft voller Vorfreude aufs Bett um sich gleich hinzulegen. Jamar und Ismael tauschen einen für sie so typischen Blick aus und verlassen dann gemeinsam das Zimmer. Auch wenn Darwik sich darin befindet, schließen sie wieder ab. Der Gute wird ohnehin die ganze Zeit über schlafen und sich nicht rühren bis sie wieder kommen. Als sie das andere Zimmer betreten, sitzt Selainee brav auf ihrem Bett und blickt die beiden Männer an, als habe sie seelenruhig darauf gewartet, dass endlich jemand zurückkehrt. Es würde vielleicht überzeugend wirken, wenn sie nicht Jamar vor sich hätte. Sofort ahnt er, dass sie etwas angestellt haben muss. Misstrauisch wandert sein Blick durch das Zimmer und bleibt am Fenster hängen. Es ist geöffnet. Kurz sieht er zu Selainee und dann wieder zum Fenster. Wenn sie geschrieen hätte, hätten sie es bemerkt. Doch es gibt auch andere Wege um sich zu verständigen. Ohne dass es wie panisches Überprüfen aussieht, geht Jamar zum Fenster hinüber, wirft einen raschen Blick hinaus, kann dort aber absolut nichts verdächtiges erkennen. Seine Waffen liegen auch noch immer auf der Stelle, wo er sie zurückgelassen hat, aber das Wissen, dass das Mädchen etwas angestellt hat, bleibt ihm hartnäckig im Nacken sitzen. Auch wenn er nicht sagt, so sprechen seine Augen eine ganz eigene Drohung. Sollte er herausfinden was sie in seiner Abwesenheit getan hat, und er weiß ganz genau, dass sie etwas verheimlicht, dann gnaden ihr die Götter.

Bevor es sich Jamar aber doch noch anders überlegt und aus dem Mädchen herausprügelt, was sie vor ihm versteckt, ergreift Ismael in einem günstigen Moment die Gelegenheit und erklärt Selainee, dass sie jetzt beide in die Stadt gehen. Von dem Mädchen geht plötzlich eine Erleichterung aus, die fast körperlich zu spüren ist. Lauernd wie ein Raubtier verfolgt Jamar jede ihrer Bewegungen als sie aufspringt und zu Ismael geht, damit sie loskönnen. Erst als sie sich die Tür hinter ihnen beiden schließt, rührt er sich wieder und durchsucht das Zimmer grob nach irgendwelchen verräterischen Spuren. Natürlich findet er nichts. Entweder hat die Kleine wirklich nichts getan oder es nur gut getarnt. Nachdem er sich sicher sein kann, dass ihm das Zimmer keinen Anhaltspunkt liefern wird, schnallt er sich seine Waffen um und verlässt dann ebenfalls das Gasthaus. Allerdings verschwindet er gleich in der nächstbesten Strasse und bewegt sich Richtung Hafen. Dort gibt es bekanntlich immer genug Plappermäuler.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jamar am 24. Apr. 2006, 15:48 Uhr
Während der ersten beiden Siebentage des Sturmwindes unternimmt die kleine Gruppe getrennt immer wieder kleine Erkundungstouren durch die Stadt. Während Ismael und Selainee sich eher um hier ansässige Händler, Kutschenverleiher, Schneider und andere scheinbar unwichtige Dinge kümmern, treibt sich Jamar überall dort herum, wo man für ein paar Kupfermünzen gleich alle dreckigen Geheimnisse einzelner Stadtbürger auf dem Silbertablett serviert bekommt. Vorzugsweise sucht er sich kleine Straßenkinder auf, die auch ohne weiteres zutun niemals auf die Idee kommen würden, ihn zu verraten. Darwik ist hin und wieder auch mit von der Partie, mal bei ihm, mal bei den anderen. Die meiste Zeit bleibt er jedoch in der Harfe zurück oder unternimmt eigene, eher sinnlose Rundgänge durch die Stadt.
Stückchenweise erfährt Jamar immer mehr über Talyra, deren Bewohner, wie das Leben hier abläuft und über sie. Der Informant in Ardun hatte damals lediglich erwähnt, dass sie dem Sohn der Reyes verdammt ähnlich sieht und dass sie auch seine Augen hat, aber schon damals hat Jamar genau gewusst, dass der Hundesohn etwas verheimlicht hatte. Nicht, dass die neuen Erkenntnisse ihn irgendwie abschrecken könnten, vielleicht würde es dadurch sogar noch eine Spur interessanter, aber sie hätten diese Informationen schon früher haben können. Viel früher...
Was ihm aber am allerwenigsten gefällt, sind die Bläumantel die immer wieder mit ihr im Zusammenhang gebracht werden. Mal heißt es sie arbeitet für die Stadtgarde, dann wieder nicht. Gelegentlich gibt es sogar Geschichten, dass sie mit dem ein oder anderen oder sogar dem Lord Commander höchstpersönlich zahlreiche Affären hatte. Was genau er davon glauben kann, weiß Jamar nicht, aber er weiß, dass sie wohl wirklich etwas mit der Steinfaust zu tun hat. Über Umwege hat er versucht sich über die Angehörigen der Kaserne zu informieren, aber da er nicht unnötig riskieren möchte, dass jemand auf ihm aufmerksam wird, hatte es nur oberflächliche Informationen gegeben, die besagten, dass wirklich Frauen für die Steinfaust arbeiten und dass scheinbar in recht beachtlicher Zahl. Ihren Namen weiß er zwar, aber ihn gegenüber gewissenhaften Gardisten zu erwähnen, wäre wohl nicht gerade ratsam. Da aber die Beziehungen zu den Blaumänteln so vielfältig sind, schiebt Jamar seine Bedenken in den Hintergrund, ohne sie aber ganz zu vergessen.

Da ihr Gepäck wirklich nur aus dem nötigsten besteht, ist es während Jamars Suchaktionen Ismaels Aufgabe, dass er sich nach günstigen Händlern erkundigt, die auch das führen, was sie benötigen. Darwik ist zwar in diesem Fall der Fachmann, aber bei der Beschaffung der einzelnen Dinge lassen sie ihn liebend gerne außen vor, bevor er jemanden aus Versehen erzählt, was genau sie mit Stechapfel, Mohn, Traumkraut und Schattenglanz vorhaben. Ursprünglich war vorgesehen die Dosis recht gering zu halten, aber nach den neuen Informationen möchte Jamar lieber kein Risiko eingehen und sie fast vollständig außer Gefecht setzen. Das letzte was er gebrauen könnte, wäre ein zeterndes Frauenzimmer. Somit brauchen sie alle vier Pflanzen möglichst frisch oder in einem Zustand der ihre Wirkungen nicht beeinflusst. Glücklicherweise gibt es alles hier in Talyra zu finden, aber noch wird nichts davon gekauft. Dafür wäre später auch noch immer genügend Zeit. Außerdem wäre andernfalls die Gefahr zu groß, dass Darwik die Pflanzen entdeckt und gleich schon drauf los mischt und braut, ohne dass sie das Zeug gebrauchen können. Da sie auch unauffällige Gewänder für sie brauchen und Selainee nicht einmal annähernd ihrer Figur gleicht, müssen sie zudem noch jemanden finden, der bereit ist sich für ein paar Münzen ausmessen und betatschen zu lassen. Da Jamar sie bislang nur aus der Ferne gesehen hat, kann er nur grob schätzen, was die Körpergröße und Maße angeht, aber es findet sich schneller als gedacht jemand, der mehr als bereitwillig für sie Model steht. Um die Kleidung bei einem Schneider in Auftrag zu geben, wird wieder einmal Selainee vorgeschickt, die abermals perfekt den Laufburschen mimt und dabei von Ismael- ihrem Wächter- begleitet wird. Da die Schneider hier in Talyra scheinbar sehr gefragt sind, brauchen die Kleidungsstücke eine gewisse Zeit um fertig zu werden, da sie aber noch genug Zeit aufweisen können, stellt dies kein allzu großes Problem da.

Es ist Abend am Ende des zweiten Siebentages, als sich Jamar allein unten im Schankraum niedergelassen hat. Bekanntlich wird bei gutem Bier und Essen am meisten erzählt und so kann man auch interessante Dinge erfahren, ohne dass man direkt nachfragen muss. In einer Ecke nahe der Tür hat er sich auf einem Stuhl niedergelassen und nippt eher an seinem Bier, als dass er wirklich davon trinkt. Er hat keinen Durst und das Bier stellt eher seine Berechtigung dar, hier unten auch länger zu sitzen, ohne dass man ihn deswegen schief anguckt. Gelegentlich kommen neue Gäste, die sich zu ihm an den Tisch setzen wollen, darunter auch eine blonde Frau, die er aber allesamt mit einem drohenden Blick fortscheucht. Er will sich mit niemanden unterhalten, ist ohnehin nicht der gesprächigste und zieht es eindeutig vor, allein an seinem Tisch zu bleiben. Allerdings weiß er auch genau, dass er es nicht übertreiben darf. Der Zwerg, der gelegentlich am Tresen auftaucht oder selbst durch die Taverne läuft, scheint ein Auge auf ihn geworfen zu haben, was ihm überhaupt nicht zusagt. Er mag etwas vermuten, aber Jamar hat ihm keine Gründe geliefert, um ihm etwas anhängen oder nachsagen zu können. Allerdings weiß er auch, dass seine Haut, sein grimmiges Auftreten und seine wortkarge Art auch oft ausreichen, um ihn zum bösen Buhmann zu machen. Bei dieser Vorstellung grinst er schwach und entblößt kurz eine Reihe vollkommen weißer Zähne. Diejenigen die ihn wirklich fürchten sollten, tun es meist nicht und jene die ihm schlichtweg egal sind und denen er deswegen nicht mal ein Haar krümmen würde, laufen
in Scharen vor ihm davon. Da sich das Gespräch am Nebentisch gerade um die Oberweite gewisser Damen im Pfirsich geht, überschlägt Jamar in Gedanken grob den Ablaufplan der nächsten beiden Siebentage. Noch ist von dem nahenden Inarifest nichts zu spüren, aber laut den Prophezeiungen des Wirtes würde sich das innerhalb der nächsten Tage rapide ändern.
Vorsichtshalber sollten sie demnächst die Kutsche mieten, damit sie nicht am 30. des Sturmwindes vor leeren Ställen stehen und zu Fuß zurück nach Blurraent müssen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aswhang am 24. Apr. 2006, 19:06 Uhr
Eine warme, angenehme Atmosphäre schlägt Aswhang entgegen, als sie das Wirtshaus betritt. Sie streicht ihr silber-weißes Haar zurück, welches der Wind durcheinander gebracht hat. Verschiedenartigste Gerüche und Geräusche umgeben sie. Nach der langen Zeit unter freiem Himmel ist die lebhafte Stimmung ungewohnt für die Elbin.
Die goldene Harfe scheint sehr beliebt in der Stadt zu sein, denn sie ist überaus gut besucht. Für Aswhangs Geschmack ist der große Schankraum beinahe zu überfüllt. Zu viele Eindrücke auf einmal strömen auf sie ein. Sie hasst es, den Überblick zu verlieren und bei derart vielen Leuten ist genau das die Folge.
Rötlich-gelber Lichtschein erfüllt die Harfe und lässt die Haut der Elbin weniger blass als gewöhnlich erscheinen. Für einen Moment legt sie ihre Hand an die Schläfe. Zu ihrer Erschöpfung ist nun noch zusätzlich ein pochender Kopfschmerz gekommen. Doch beinahe sofort lässt sie den Arm wieder sinken. Ihr Stolz lässt es nicht zu, dass sie vor anderen Schwäche zeigt. – Vor allem nicht vor der Person, wegen welcher sie sich in diesem Wirtshaus befindet. Zumindest hofft sie, dass sie Glück hat und ihn bereits an diesem Abend im Schankraum antrifft.
Als erstes wird sie auf einen kleinen Mann mit flammend rotem Haar aufmerksam. Kleiner Mann? – Blödsinn, Es muss sich um einen Zwerg handeln. Trotz ihrer zahlreichen Reisen hat Aswhang bisher nie nähere Begegnungen mit Zwergen gemacht. Nach kurzer Beobachtung vermutet sie, dass er der Wirt der goldenen Harfe ist. Eine lange, tiefe Narbe verunziert sein Gesicht, die darauf schließen lässt, dass er nicht  immer in diesem Gasthaus tätig war. Aber die Elbin hat momentan Wichtigeres zu tun, als sich über derart belanglose Dinge den Kopf zu zerbrechen. Mit Sicherheit werde ich mir später ein Zimmer nehmen, aber das kann warten. Ein paar junge Männer spähen neugierig zu ihr herüber. Aswhang wendet sich mit einem kalten Blitzen in den Augen zu ihnen um, sodass sie schnell in eine andere Richtung schauen. Es soll bloß niemand auf die Idee kommen, mir auf die Nerven zu gehen. Mein Kopf schmerzt auch ohne das Zutun dieser Idioten zur Genüge. Gereizt lässt die Elbin den Blick schweifen. Von beinahe jedem der schweren Holztische im Raum vernimmt man angeregte, fröhliche Gespräche und Lachen. Sie scheint die einzige in der Harfe zu sein, deren Gesichtsausdruck ernst und abweisend ist... – Nein, ihre Vermutung trifft nicht zu. Auf einem Platz, gar nicht weit von ihr entfernt, entdeckt sie schließlich die Person, die sie gesucht hat. Die finstere Gestalt sitzt allein an einem der Tische, vor einem fast vollem Glas Bier. Seine extrem dunkle Haut, das tiefschwarze Haar und die unheimlichen Augen hätten ihr eigentlich sofort beim Betreten der Harfe auffallen müssen.
Nicht, dass Aswhang sich freut, ihn zu sehen. (Vielmehr ist das genaue Gegenteil zutreffend!), spürt sie doch eine gewisse Erleichterung, ihn gefunden zu haben. Wären die Angaben falsch gewesen, hätte sie ihn in dieser riesigen Stadt niemals aufspüren können.
Mit zielstrebigen Schritten geht sie auf ihn zu und bleibt vor seinem Tisch stehen. Ihr Gesichtsausdruck wird noch eine Spur abweisender, als sie ihn ansieht. „Khel'Anar, Jamar“ grüßt sie, wie üblich in ihrer Muttersprache.
Bereits als sie Jamar kennen lernte, hatte der Anblick des kriegerischen, dunklen Mannes stets ein ungutes Gefühl bei ihr ausgelöst, das beinahe an Furcht grenzte. Daran hat sich nichts geändert, doch Aswhang würde den Teufel tun, ihn auch nur das geringste davon spüren zu lassen. Wie alle anderen Emotionen konnte sie auch dieses Gefühl geschickt verbergen. Ich kann ihn nicht ausstehen, doch mir wird nichts anderes übrig bleiben, als wieder einmal mit ihm zusammenzuarbeiten... Sie seufzte innerlich. Nun gut, für die dauer eines Auftrages kann ich ihn ertragen. - Das hoffe ich zumindest.
Ohne auf eine entsprechende Einladung oder etwas ähnliches zu warten nimmt die Elbin gegenüber Jamar platz und betrachtet ihn mit kaltem Blick. Sicher gefällt ihm mein Auftauchen genausowenig, wie es mir gefällt ihn treffen zu müssen. Wenigstens dieser Gedanke hob ihre Laune ein klein wenig an.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Olyvar von Tarascon am 24. Apr. 2006, 21:08 Uhr
Ein anderer Tag in der Harfe


Kaneys Gesicht, als er von dem höheren Sold für Offiziere erfährt, vor allem, als die genaue Höhe der Summe fällt, ist jeden einzelnen Silberling davon wert. Dem Kundschafter-Offizier steht höchst wargjungenhaft der Mund offen und seine gelben Wolfsaugen fliegen soweit auf, dass ringsum das Weiße zu sehen ist. Als Kaney in seiner Verlegenheit und Überraschung hastig nach dem Weinkelch greift und dessen Inhalt in einem einzigen Zug hinunterkippt, nimmt auch Olyvar seinen Becher, prostet ihm kurz zu und trinkt. "Sláinte." Kaney ist in Gedanken noch immer mit den hundert Silberlingen beschäftigt, um ihm das von der Nasenspitze abzulesen, muss man wirklich kein Hellseher sein. >Wie? was? Oh, die Hütte?< Tönt es schließlich verwirrt aus seinem Mund und Kaneys Stimme klingt dabei schon ein ganz klein wenig belegt... zuviel Wein oder zuviel des Gefühls, einen halben Schritt über dem Boden zu schweben vermutlich. >Die Hütte... ja, die ist fertig... schon seit einigen Mondläufen... und eingerichtet... nun, ich habe mir von meinem Sold immer wieder einige Dinge gekauft, die ich brauchte... einen Eisenkessel, Schürhaken, eine Kleiderkiste und so etwas... Man kann gut in der Hütte leben...<berichtet er, dann glänzt ein spekulativer Funken in den Wolfsaugen, als sei ihm gerade etwas wichtiges aufgegangen. >Von dem Sold könnte ich mir endlich einen ordentlichen Tisch kaufen....<
"Könntest du," bestätigt Olyvar grinsend. "Und eine Menge anderer nützlicher Sachen auch." Er leert seinen Becher und beschließt, keinen weiteren mehr zu trinken, sonst bekäme er auf seinem Weg in den Hafen vermutlich leichte Schlagseite. Verdammt, der Hafenmeister, die Schmuggelware... Der Nachmittag ist inzwischen ziemlich weit fortgeschritten und er hat keine Ahnung, wie lang man in der Hafenmeisterei auf ihn warten würde. Borgil hatte zwar einen Botenjungen für ihn hingeschickt, aber wenn er nicht bald dort aufkreuzte, würde Wielang Landunter, der alte Hafenmeister, noch glauben, ihm wäre irgendetwas dazwischen gekommen und er wäre kein bißchen schlauer, was die Ladung der aufgebrachten Schmugglerkaravelle angeht.

Noch bevor er allerdings dazu kommt, Kaney zu sagen, dass er bald würde aufbrechen müssen, bekommt er eine weinselige Einladung präsentiert. >Wenn Ihr einmal die Zeit findet, wäre es mir eine Freude, Euch einmal mein Heim zu zeigen, auch wenn Ihr nicht zuviel erwarten dürft...< Kaneys Tonfall hört sich immer noch leicht abwesend von der Wirklichkeit an, als sei er in Gedanken noch immer ganz bei dem unverhofften Soldzuwachs, und Olyvar lächelt wissend. "Ich komme gern. Ich kann dir allerdings nich versprechen, wann, denn du weißt selbst, wie es bei mir mit freier Zeit aussieht. Aber im Frühsommer, wenn sich die Gelegenheit vielleicht bei einer Jagd oder ähnlichem ergibt, werde ich sehen, dass ich dich im Larisgrün besuchen komme. Aber jetzt..." er winkt unauffällig Grid und macht eine eindeutige Geste, dass er die Zeche zu zahlen wünscht. Die Schankmaid nickt im Vorübergehen, gut ein Dutzend Maßkrüge vor den voluminösen Busen gestemmt, und nur einen Moment später zwängt sich Borgil samt Geldkatze zwischen den Tischen hindurch in ihre Richtung. "...muss ich gehen. Der alte Landunter, du weißt schon, der Hafenmeister, wartet nicht ewig auf mich und ich habe Ragnarsson versprochen mir die Ladung des Schmugglerschiffes noch anzusehen, das er aufgebracht hat." Olyvar verdreht vielsagend die Augen und nestelt die eigene, gut gefüllte Geldkatze vom Gürtel. Dann erscheint Borgil bei ihnen, von Kopf bis Fuß vor stillvergügter Euphorie vibrierend. Ifrinn, seit er Vater eines Sohnes ist, benimmt er sich, als sei er glatt drei Schritt groß! Olyvar hatte vom Nachwuchs im Hause Blutaxt schon im Langschnee kurz nach dessen Ankunft gehört und den mehr oder weniger frischgebackenen Eltern längst seine Glückwünsche ausgesprochen. Ab und an hatte er Klein-Brenainn auch schon zu Gesicht bekommen, wenn er in der Harfe gewesen war, ein außerordentlich hübsches Baby mit einem dichten Schopf roten Haares, das ansonsten jedoch allen Göttern sei Dank eher nach der Mutter kommt. Diesmal verschont der Zwerg ihn allerdings mit ausschweifenden Tiraden über Brenainns neueste Fähigkeiten oder detaillierte Beschreibungen des Inhaltes diverser Windelpakete. War ich auch so, als meine Kinder neu geboren waren? Vermutlich... Er zahlt die Zeche für Kaney und sich selbst, legt ein ordentliches Trinkgeld für Grid obendrauf und verabschiedet sich dann von Borgil und dem Wargjungen. Kaney steht jedoch ebenfalls auf, schwankt einmal leicht und strafft sich aber dann, ehe er verkündet, er müsse zur Steinfaust zurück, nachsehen, ob seine Männer die Große Halle heil gelassen hätten. Sie verlassen die Harfe also gemeinsam, doch auf dem Marktplatz trennen sich ihre Wege - Kaney wendet sich nach Westen, Olyvar nach Osten in Richtung Hafenviertel.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jamar am 25. Apr. 2006, 18:25 Uhr
Eigentlich ist es schwer auf seinem Gesicht einen Unterschied zwischen normaler und wirklich schlechter Laune zu sehen, doch als sich die Frau mit dem silberweißem Haar in sein Blickfeld schiebt, wird es um ein ganzes Stück düster. Seine Augen werden zu bedrohlichen Schlitzen, als er Aswhang ansieht. Man könnte von Zufallen sprechen. Die soll es ja bekanntlich immer und überall geben, egal wie weit man von der eigentlich Heimat entfernt ist. Aber wenn sie auftaucht, dann hat dies selten mit Zufällen zu tun. Viel wahrscheinlicher ist, dass sie geschickt worden ist. Vom wem, ist Jamar sofort klar. >„Khel'Anar, Jamar“< Das knappe Lächeln das daraufhin in seinem Gesicht erscheint, hätte ein unwissender als ehrlich bezeichnen können, aber Aswhang weiß, dass es eher dem eines Raubtieres gleicht, das genau weiß, dass es im Vorteil ist. „Spar dir deine Worte für jemanden, der sie dir abnimmt und bei dem du es ernst meinst...“ Er kann sich nicht daran erinnern, sie irgendwie mit Gesten darauf aufmerksam gemacht zu haben, dass er sich ihrer Gesellschaft erfreut und sie sich zu ihm setzen soll. Allerdings weiß er auch, dass Aswhang, auch wenn sie immer einen respektvollen Abstand zu ihm hält, ihm gerne in seine Arbeit pfuscht. Der Gedanke, dass die Silberelbin zufällig vom Auftrag erfahren hat und ihn jetzt wieder ausboten will, taucht nur kurz in seinem Kopf auf. Das würde sie gewiss nicht tun. Dazu ist der Weg aus Torhof zu weit, aber es würde ihr Ansehen bei den von Reyes vermutlich steigern. Nachdem sie eine Predigt über unerwünschtes Eingreifen zu hören bekommen würde. Was auch immer der Grund für ihr Auftauchen ist, sie ist jetzt hier und bekanntlich lassen sie sich gegenseitig kaum eine Sekunde aus den Augen. Unabhängig davon, was genau sie nun in Talyra will, kann es für ihn nur Ärger und zahlreiche Wutanfälle mehr bedeuten.
Endlose Momente vergehen in denen keiner weitere Worte verschwendet. Sie starren sich einfach nur an. Jamar hauptsächlich aus dem Grund, weil ihm gewiss nicht nach einem Plausch mit Aswhang ist. Soll sie doch zum Dunklen gehen. Er wird garantiert nicht zulassen, dass sie das Vorhaben zu ihren Gunsten manipuliert. Oh nein, denn sollte der Auftrag erfolgreich sein, so wäre das für seine Herrschaften kein geringer Glückstreffer. Immerhin könnten sie damit ihre Reichweite vergrößern und ihren Reichtum anhäufen.

Ewig können sie aber auch nicht hier herumsitzen und sich anstarren. Er könnte einfach aufstehen und sie hier sitzen lassen, aber sie würde ihm mit großer Wahrscheinlichkeit hinterherlaufen und so lange verfolgen, bis sie ihm das gesagt hat, weswegen sie ihn aufgesucht hat. Aber genaugenommen will er es gar nicht hören. In ihren hellgrauen Augen liegt trotz des schummrigen Lichtes etwas, dass ihm gar nicht gefallen will. Möglicherweise nur eine böse Vorahnung, aber genauso gut kann es auch die Gewissheit sein, dass ihr Auftauchen immer einen schlechten Beigeschmack hat. „Und? Ich nehme an, dass du einen Grund hast, hier aufzutauchen... Meine Zeit ist knapp und ich will sie schon gar nicht mit dir vertun, also sag endlich was du zu sagen hast...“ Auffordernd sieht er sie an und nimmt einen Schluck von seinem Bier, dass plötzlich einen eigenartig fahlen Geschmack bekommen hat.
Egal was sie ihm sagt, er würde nicht mit ihr zusammenarbeiten und wenn er sie dafür zur Strecke bringen müsste. Bis sie wieder in Torhof wären, würden ihm hunderte Ausreden einfallen, warum sie nicht mit zurück gekommen ist. Unfälle passen immerhin genauso häufig wie Zufälle...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Selainee am 25. Apr. 2006, 19:40 Uhr
Seit dem Tag an dem sie die Männer im Nebenzimmer belauscht befindet sich Selainee in einem grauenhaften, anhaltenden Zustand nervöser Anspannung. Bis heute weiß sie nicht ob sie richtig verstanden hat, doch allein die Andeutung dessen was sie glaubt gehört zu haben reicht um ihr Tag und Nacht den kalten Schauer durch die Knochen zu jagen. Über die Zeit wird sie immer wieder mit diversen kleinen Aufträgen betraut, doch dies trägt keineswegs dazu bei die Angst abzubauen die sich tief in ihre Gedanken gegraben hat, da immer jemand bei ihr ist, jemand passt auf, beobachtet jeden ihrer Handgriffe und irgendwie landet alles was sie getan, gesagt und manchmal sogar nur gedacht hat irgendwie am Ende des Tages immer bei Jamar.

Das Geld macht es manchmal besser, so lange sie bezahlt wird ist sie sich sicher, ihre Arbeit gut zu machen und so lange alles gut läuft besteht auch keine Gefahr, sagt sie sich jeden Abend bevor sie sich in einen unruhigen Schlaf zwingt. Durch die spärlichen Informationen die sie legal erhalten und die wenigen Dinge die sich sich aus ihrem Lauschangriff zusammengereimt hat hat sie ein unklares Bild ihres Auftrages zusammengebastelt. Sie suchen Jemanden, anscheinend eine Frau, die sie irgendwo hin bringen sollen. Selainee hat keine Ahnung wie und warum das geschehen soll und über die langen Tage hinweg wird ihr Gefühl was diesen Auftrag angeht immer schlechter. Sie wünscht sich manchmal jemanden zu haben um sich auszutauschen, dem netten Zwerg aus dem Gasthaus oder sonst irgendwem, sie ist sich sicher das ihr dann alles nur noch halb so schlimm vorkommen würde und das rotierend Gefühl in ihrem Magen sich endlich beruhigen würde, doch die Worte die sie aus dem Gespräch hinter der Wand erahnte lassen sie eisern schweigen. Es wird schon alles gut.

Auf ihren Rundgängen durch die Stadt schafft sie es ein wenig aufzuatmen, das Lächeln auf ihren Lippen wird dann weniger gezwungen und ein wenig Farbe kommt auf ihre blassen Wangen die durch die ständige Sorge seltsam fahl geworden sind. Ihr Hut scheint über die Wochen noch fester auf ihrem Kopf gewachsen zu sein und sie hat eine eigenartige Art des Schlafes entwickelt die so regungslos ist, dass er selbst dann nicht von ihrem Kopf zu rutschen scheint. Sie lässt sich nichts anmerken, doch die bösen Blicke des ihres Zimmergenossen lassen ihr Herz jedes mal schmerzhaft gegen den schmächtigen Brustkorb schlagen, und manchmal, ganz selten regt sich ein leichter Ärger in ihr, weil sie ahnt, dass es ihm einen höllischen Spaß macht ihr so zuzusetzen. Auch dies ist ein Grund, neben der Angst, der sie an Flucht nicht denken lässt, der Trotz in ihr wiegt immer noch mehr und irgendwie vertraut sie noch auf ihr Glück, dass sie im Leben noch nicht verlassen hat.

Das Fest unterdessen rückt immer näher und zu gleichen Teilen wie ihr Unwohlsein wächst auch eine fast schon fiebrige Aufregung die nicht nur alle zehn Fingernägel ihrer Hände sondern auch einen großen Teil ihres Schlafes raubt. Es soll endlich passieren.

Auch heute Abend liegt sie wieder auf ihrem Bett, die Arme hinter dem Kopf verschränkt und lauscht mit pochendem Herzen den dumpfen Geräuschen aus dem Schankraum. Jamar hat sie allein gelassen, die Tür wie immer verschlossen, wo die Anderen sind weiß sie nicht. Seit jenem Tag hat sie nie wieder gewagt an der Wand zu lauschen. So lange Jamar nicht da ist kann sie etwas entspannen und sich beruhigen, sie hat auch die Vorteile der abgeschlossenen Tür erkannt. So hat sie, wenn Jamar zurück kommt, noch genau 5 Sekunden in denen er die Tür aufschließt, genug Zeit um sich wieder in einen äußeren Zustand völliger Teilnahmslosigkeit zu begeben. Das wird schon alles. Und mit einer gewohnt gewordenen Bewegung holt sie den nun schon etwas mehr gefüllten Beutel aus ihrer Tasche und beginnt mühsam ihr Geld zu zählen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aswhang am 25. Apr. 2006, 22:32 Uhr
Jamars Gesichtsausdruck wird noch eine Spur bedrohlicher, als es für gewöhnlich der Fall ist. (Und das will schon etwas heißen.) Seine Augen verengen sich gefährlich, so dass selbst das sonst so hervorstechende Weiß kaum noch zu erkennen ist.
>„Spar dir deine Worte für jemanden, der sie dir abnimmt und bei dem du es ernst meinst...“< Diese Art von Begrüßung hat die Elbin erwartet. Jamar gibt sich nicht die geringste Mühe, seine Feindseligkeit zu verbergen. Doch Aswhang lässt sich davon nicht einschüchtern. Er würde ihr nichts tun - schon gar nicht hier, in diesem überfüllten Wirtshaus und so kurz vor der Entführung. Ihm ist mit Sicherheit daran gelegen, so wenig wie möglich Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Dennoch beobachtet sie ihn aufmerksam und konzentriert, ohne auch nur eine Sekunde den Blick abzuwenden.
Bei ihm kann man nie sicher sein was er als nächstes tut. Und Vorsicht ist bekanntlich immer besser als Nachsicht.
Aswhang starrt Jamar schweigend an und ihr Gegenüber hält es sichtlich nicht für nötig, weitere Worte zu wechseln. Die Abneigung, welche die beiden für einander empfinden ist beinahe körperlich spürbar. Einige lange Momente vergehen, bevor Jamar schließlich die angespannte Stille unterbricht. >„Und? Ich nehme an, dass du einen Grund hast, hier aufzutauchen... Meine Zeit ist knapp und ich will sie schon gar nicht mit dir vertun, also sag endlich was du zu sagen hast...“<
Einen Augenblick lang liegt Aswhang eine entsprechende Entgegnung auf der Zunge, doch sie bleibt ruhig, spielt die Gelassene. Der Gedanke an die hohe Bezahlung nach erfolgreicher Beendigung des Auftrages trägt seinen Teil dazu bei.
Je schneller der Auftrag abgeschlossen ist, desto schneller bin ich ihn los.
„So höflich wie eh und je.“ stellt sie mit spöttischem Unterton in der Stimme fest.
Nur um Jamar noch einen Moment länger auf ihre Antwort warten zu lassen wendet sie sich um und hält nach einer Kellnerin Ausschau. Leider befindet sich augenblicklich keiner der Bediensteten in der Nähe ihres Tisches. Also richtet sie ihre volle Aufmerksamkeit wieder auf ihr Gegenüber. „Selbstverständlich habe ich einen Grund, dich in Talyra aufzusuchen.“, Ihr Tonfall ist nicht minder grob, als Jamars zuvor. „Jeder nur erdenkliche Beschäftigung würde ich lieber nachgehen, als ein Gespräch mit dir zu führen.“
Sie lehnt sich ein Stück zurück und sieht sich misstrauisch im Schankraum um. Die Elbin hat nicht vor, auch nur die geringste Kleinigkeit über die Entführung zu erwähnen, mit der ein Fremder irgendetwas anfangen konnte, doch zahlreiche Erlebnisse haben sie gelehrt, stets auf der Hut zu sein. Beinahe alle anderen Gäste sind in ihre Unterhaltungen vertieft und für Aswhang besteht kein Grund zur Beunruhigung.
Das laute, nervige Geplapper verstärkt ihre Kopfschmerzen. Am liebsten würde sie aufstehen, sich ein Zimmer nehmen und sich hinlegen. Aber sie reist sich zusammen. Das hier war wichtig und Zeit zum Schlafen würde sie später immer noch haben. Ihre Müdigkeit weiter unterdrückend fährt sie fort. „Nun gut. Wie du dir eventuell denken kannst, geht es um den Auftrag, den man dir gegeben hat... Es gibt eine Änderung am ursprünglichen Plan.“ Sie öffnet ihren schwarzen Ledersack und holt einen versiegelten Brief hervor. Diesen reicht sie Jamar über den Tisch. "Darin steht alles was du wissen musst." Bei ihren nächsten Worten kann die Elbin ein kurzes hinterhältiges Lächeln nicht ganz unterdrücken. „Außerdem wirst du dich an den Gedanken gewöhnen müssen, dass ich an der Sache teilnehme.“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jamar am 26. Apr. 2006, 19:45 Uhr
>„So höflich wie eh und je.“< Seine Antwort besteht aus einem geringschätzigen Schnauben. Sie sollte ihn gut genug kennen, dass er sich ihr gegenüber niemals so verhalten würde, wie es sich im Normalfalls einer Frau gegenüber verhält. Nicht, dass es bei ihm einen Unterschied machen würde, wenn jetzt jemand anderes vor ihm sitzen würde, aber Aswhang ist wohl die Letzte, die er mit irgendwelchen höfischen Nettigkeiten versorgen würde. Dass sie auch noch der Meinung ist, sich jetzt etwas zum Trinken oder zu Essen bestellen zu müssen, entlockt Jamar beinah einen genervten Seufzer. Könnte sie nicht ihrer beiden Willen schnell machen? Ihre gegenseitige Abneigung ist keinem ein Geheimnis, warum also will sie jetzt so tun, als wenn sie sich zu einem gemütlichen Plausch getroffen haben? Den Göttern sei es gedankt, ist gerade keine der Mogbarbedienungen erreichbar, so dass Aswhang unnötig nicht, aufgrund eines noch nicht geleerten Bechers, länger bei ihm sitzen bleiben muss. Als sie sich wieder zu ihm umwendet und ihn aus ihren grauen Augen taxiert, hätte er schwören können, dass dort schon wieder dieser böswillige Funke darin aufblitzt. Nicht, dass er ein Unschuldslamm oder die Silberelbin vor ihm sein schlimmster Alptraum wäre, aber bekanntlich kann ja auch eine äußerst nette Person einem schlechte Träume bescheren. Er will gerade noch einmal nachhaken, was sie denn nun hier will, als sie von alleine anfängt und den Grund ihrer Reise nennt. >„Jeder nur erdenkliche Beschäftigung würde ich lieber nachgehen, als ein Gespräch mit dir zu führen.“< Bei diesen Worten muss er nun doch unwillkürlich lächeln. Genaugenommen ist es nur ein schwaches hochziehen der Mundwinkel, aber bei Jamar kann man es wohl schon beinah als Lachen bezeichnen. Man könnte fast so weit gehen und behaupten, dass sie sich gegenseitig hassen und doch sitzen sie hier seelenruhig am Tisch zusammen und nur jemand der genau hinsieht, bemerkt, dass ihr scheinbar harmloses Gespräch gar nicht so harmlos ist. Jamar der mit dem Rücken zur Wand sitzt, weiß genau, dass niemand zu ihnen rübersieht und sie belauscht, aber Aswhang braucht diesbezüglich noch einmal Bestätigung ehe sie sich nun wirklich dazu durchringt mehr preiszugeben.

>„Nun gut. Wie du dir eventuell denken kannst, geht es um den Auftrag, den man dir gegeben hat... Es gibt eine Änderung am ursprünglichen Plan.“< Eine Änderung? Jamar kann sich nicht vorstellen, was es daran zu ändern geben sollte. Der Auftrag wurde schon lange bis ins Detail durchgeplant, warum also sollten sie ihn jetzt über den Haufen werfen? Misstrauisch zieht er die Augenbrauen zusammen. Wenn diese gleiche Miststück ihm gegenüber damit zu tun hat, dann würde er ihr doch noch ihren hübschen gleichen Hals umdrehen. Statt aber weiter etwas über die Änderungen zu sagen, kramt sie einen Brief hervor und hält ihn ihm mit beinah unheilsverkündenden Worten entgegen. >„Außerdem wirst du dich an den Gedanken gewöhnen müssen, dass ich an der Sache teilnehme.“< DAS ist es, was er garantiert nicht hören will. Alles, jede noch so unsinnige Planänderung könnte er akzeptieren, aber nicht, dass dieses Weibsbild ihm fortan wieder ständig an den Fersen klebt. Ohne sich seinen Ärger darüber allzu deutlich anmerken zu lassen, taxiert er den Brief, als wäre es eine Schlange, die nur darauf wartet ihm ihr tödliches Gift zu injizieren. Er könnte den Brief auf der Stelle vernichten. Einfach in die nächstbeste Flamme halten und das trockene Stück Leder würde auf der Stelle Feuer fangen. Dann wüsste er nichts und könnte nicht mal unter Folter so tun, als ob er etwas verberge, aber den Brief nicht zu lesen heißt auch, dass sie ihm gegenüber im Vorteil ist. Sie weiß jetzt schon mehr als er und das kann er nicht auf sich sitzen lassen. Mit einer ruppigen Bewegung reißt er ihr den Brief aus der Hand und sieht sich das rote Siegel an. Es ist eindeutig das Zeichen seiner Herren.

Immer wieder dreht er den Brief, um zu sehen, ob ihn nicht doch schon jemand anderes gelesen hat, aber es gibt keine Anzeichen dafür. Aswhang sitzt seelenruhig vor ihm, blickt ihm wieder mit diesem hintergründigen schwachen Lächeln an und wartet darauf, dass er den Brief öffnet. Aber das wird er nicht tun, nicht hier unten. Er würde ihr gewiss nicht zeigen, was er von den Änderungen hält. „Ich hoffe, du erwartest jetzt nicht von mir, dass ich mich dafür bedanke... ich werde ihn später lesen... allein.“ Du weißt zwar scheinbar ohnehin schon was darin steht... Mit einem einzigen Zug leer er seinen Bierkrug und knallt das Gefäß etwas zu laut auf den Tisch. Für den heutigen Abend hat er schon zuviel Aswhang ertragen müssen. „Such’ dir eine andere Taverne... Ich lass es dich wissen, wenn ich dir etwas mitzuteilen habe...“ Damit beendet Jamar dieses rührselige Wiedersehen und verlässt seinen Platz. Innerlich kocht er schon wieder so stark, dass er dem erstbesten der sich ihm in den Weg stellt oder ihn aufgrund seiner Hautfarbe anstarrt die Nase auf der Stelle blutig schlägt. Im Schankraum ist aber niemand so tollkühn und so kommt Jamar zähneknirschend im Zimmer an. Nicht mal der Anblick von Selainee, die sich neuerdings darin übt die Unerschütterlichkeit in Person zu sein, kann seine Stimmung aufheitern.
Gleich nachdem er die Tür wieder verriegelt hat, bricht er das Siegel und beginnt den Brief zu lesen. Da das Licht bei einer Kerze aber nicht genügt, muss er sich direkt an den Tisch setzen, um die verschörkelte Schrift erkennen zu können.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 26. Apr. 2006, 23:02 Uhr
Der Taumond und der Sturmwind vergehen in wundervollem Wetter und noch schönerer, zumindest zeitweiliger Ruhe, denn nun, wo die Sonne endlich den Winter vertrieben hat und es überall blüht und spriesst, als ginge es um das liebe Leben, suchen die Gäste die Goldene Harfe nicht mehr wie eine Horde wilder Elefanten heim, denn viele von ihnen machen es sich nun draussen gemütlich. Dafür steht der Frühjahrsputz an, der so gründlich ausfällt, dass nicht einmal mehr Halla oder Azra, welche penibel genau auf die Sauberkeit achten, irgendwo mehr ein Staubkörnchen finden können. Azra kriecht wenn nötig auch auf ihren eigenen Knien über die Flure und hält mit Argusaugen nach jedem Fleckchen Ausschau. Der Boden wird geschrubbt, gewienert und gewachst, die Bänke und Tische einer Ganzreinigung unterzogen, das alte Gebälk wird entstaubt und ausgebürstet, sämtliche Spinnfäden und ihre Bewohner, die sich über die winterliche Zeit angesammelt haben, werden mit Ach und Krach aus dem Haus vertrieben, sämtliche Fenster geputzt, bis sie blitzblank alles in den dicken Scheiben spiegeln, was zu sehen ist. Die Flure werden gebohnert, jedes Gästezimmer persönlich einmal gänzlich auf den Kopf gestellt, um auch noch den letzten Winterdreck von irgendwelchen Stiefeln hinauszufegen, die Decken werden geflickt und gestopft, die Kissen neu aufgefüllt, Ersatz für viel zerbrochenes Geschirr wird nachbestellt, eine weitere Holzwanne wird geordert, da die Nachfrage der Gäste nach einem frischen Bad im Sommer immer steigt, frische Spezialitäten werden ins Haus geholt, die ersten saftigen Früchte finden ihren Weg in die Goldene Harfe, zusammen mit den jüngsten Kräutern, direkt entsprungen aus dem Harfengarten. Die noch zarten Sprösslinge der neu gepflanzten, silbern schimmernden Buchen strecken ihre ersten Blätter den blassen Strahlen von Shenras Antlitz entgegen und doch weckt es bei Azra einen vagen Stich des Verlustes, als sie an die alten, hohen Buchen denkt, die zuvor ihre grünschwarzen Schatten für den Harfengarten gespendet haben. Von ihnen sind nach dem Dämonenangriff nur schwarze, verkohlte Stümpfe geblieben.
Azra selbst arbeitet wieder voll in der Harfe mit und trägt dabei Brenainn entweder auf ihrem Rücken, lässt ihn in einem Weidekörbchen bei Sigrun in der Küche, wo er von sämtlichem Harfenpersonal verwöhnt wird, oder, was ihr das Liebste ist, wenn sie selbst keine Zeit hat, sich um ihren Rabauken zu kümmern, sie lässt ihn in Tiuris Obhut, der sich sofort darauf versteht Brenainn den ganzen Tag durch am Lachen und Quietschen zu halten, bis der Kleine aus dem letzten Kessel pfeift und hochrote Backen hat und genau richtig durchgeweicht ist, um die ganze Nacht hindurch in einen todesähnlichen Schlaf zu verfallen, ohne seine Eltern aus dem Bett zu schreien.
Nebenbei, durch die Cousine vierten Grades der Base, der weit entfernten Grosstante von ihrem Cousin dritten Grades mütterlicherseits erfahren Borgil und Azra schliesslich von Grid, dass Raven im Seehaus eine gesunde, über sieben Pfund schwere Tochter namens Ykenai geboren hat und sowohl Mutter, als auch Tochter seien wohlauf. Azra kann Borgil gerade noch so daran hindern stante pede zum Seehaus zu hasten und seiner erklärten Lieblingskratzbürste die Glückwünsche samt einer innigen Umarmung zu überbringen, die sie in ihrem, vielleicht noch leicht angeschlagenen Zustand, ihre letzte Kraft hätte kosten können. So schicken sie einen Boten mit den herzlichsten Glückwünschen vorbei, samt einer frischen Torte von Sigrun, einer winzigen Tunika für Ykenai, einen Strauss süss duftender Blumen für die frischgebackene Mutter, sowie das Versprechen, bald einmal vorbei zu sehen.

Zärtlich hebt Azra Brenainn aus seinem Kunstwerk von Wiege und betrachtet ihren friedlich schlafenden Sohn mit einer Mischung aus immer noch bestehender Verwunderung und einem liebevollen, glänzenden Funkeln in den hellen Augen, wie der hauchdünne Schein von Shenras Antlitz, der auf eine junge Blüte fällt. Die Augen und Haare hat er eindeutig von seinem Vater, die helle Haut, die unter der Sonne sicherlich einen satten Bronzeton annehmen würde, von ihnen beiden und auch wenn sie sich noch so sehr anstrengt, kann sie nichts entdecken, dass er direkt von ihr zu haben scheint. Vielleicht auch besser so, ein Halbzwerg der aussieht wie ein zu klein geratenes, ausgehungertes Würmchen wäre bestimmt nicht von Vorteil. Brenainn strampelt träge mit seinen Beinchen, quäkt leise und rollt sich dann in ihren Armen zusammen, wie eine winzige Katzenwaise. Zärtlich haucht sie ihm einen Kuss auf die gewölbte Stirn, welche sich gleich darauf in hauchfeine, durchscheinende, empörte Fältchen legt und vorsichtig kitzelt sie ihn an den weichen Innenseiten seiner unscheinbar kleinen Händchen, die sich reflexartig um ihren Daumen schliessen und das mit einer Kraft, als wolle er später an den Rohawettstreiten im Armdrücken teilnehmen. „Hei, da ist unfair kleiner Mann, du bist ja viel stärker“, nuschelt sie ihm leise ins Ohr, doch Brenainn blinzelt nur ein, zweimal verschlafen zu ihr hinauf, mit einem Blick, der sie prompt an Borgil erinnert, und lullt sich dann wieder in ihre Umarmung.
Der Morgen hat eben erst seine zarten, weichen Goldfäden über die Lande geschickt und in der Harfe herrscht noch angenehme Ruhe, denn nun im angehenden Sommer ist es nur normal, dass es früher hell wird. Geschickt wickelt sie seinen hoheitsvollen Hintern, stopft die Zipfel fest und hebt dann warnend eine Augenbraue, als Brenainn das Werk anscheinend skeptisch begutachtet: „Keine Kritik, sonst überlass ich dich deinem Vater.“ Die Erinnerung an die Ganzkörperwindel scheint Brenainn noch gut in Erinnerung zu sitzen, denn er kreischt nur leise auf und grabscht mit einem Lächeln, das ihr Herz wie Butter in der Sonne schmelzen lässt, nach seinen Füsschen, um sich in einer akrobatischen Höchstleistung seinen grossen Zeh in den Mund zu schieben. „Also wirklich, sei nicht so gierig“, mahnt sie ihn mit gespielter Strenge und einem breiten Lächeln, packt ihn in eine weiche, lange Flanelltunika und begibt sich dann, gewandet in ein einfaches braunes Schankmaidkleid in die Küche, wo sie Feuer anfacht und sich einen Kessel schnappt, um Wasser zu holen. Sie hält jedoch abrupt inne, als sie im Türrahmen zum Schankraum entdeckt, dass sie gar nicht so alleine ist, wie sie sich gedacht hat. An einem der runden, wuchtigen Tische, in das fahlweisse Licht des Morgens hinausblinzelnd, sitzt Tiuri und scheint sie trotz allem Geklapper und Gescheppert, das sie bisher verursacht hat, noch nicht bemerkt zu haben. „Guten Morgen“, flüstert sie leise, um ihn nicht zu erschrecken, doch er zuckt zusammen, als hätte sie ihn von hinten angesprungen, oder ihn aus keinem sichtbaren Grund angebrüllt und entschuldigend lächelt sie ihn an. Wahrscheinlich hat sie ihn aus irgendwelchen tiefsinnigen Gedanken herausgerissen.

Er sieht müde und verschlafen aus, das dunkelbraune Haar hängt ihm wirr um das schmale Gesicht mit den hübschen Zügen und dunkle Augenringe zeugen von einer eher kurzen Nacht, wie auch das Stroh in auf seinem Kopf verrät, dass er den Stall seiner Kammer wieder einmal vorgezogen hat. Es müsste dringend wieder einmal geschnitten werden. Wie sie einmal mehr mit schwacher Anerkennung feststellt ist aus dem einstigen, kleinen, - nun ja, zumindest kleinerem - , mit dem Tode ringenden Jungen, den Borgil damals aus der Kanalisation zu sich genommen und aufgepäppelt hat, ein mindestens zwei Schritt grosser, vielleicht ein wenig zu dünner, jedoch trotzdem kräftiger Mann geworden, der ihr sehr ans Herz gewachsen ist. „Ich mache uns einen heissen Tee“, sagt sie leise, geht an Tiuri vorbei und drückt ihm Brenainn in die Arme, nur um dann demonstrativ den Holzeimer hochzuhalten: „Du kümmerst dich derweil um den kleinen Hausherrn und ich hole Wasser.“ Ein vages Grinsen begleitet ihre Worte, bevor sie sich aufmacht, eben dies auch zu tun. Das ihr Sohn bei Tiuri in guten Händen ist, dessen ist sie sich sicher, schliesslich hat er von Anfang an ein seltsames Talent für die Versorgung eines Kleinkindes aufgewiesen und Azra kann sich bereits heute ausmalen, dass aus Tiuri später einmal ein wunderbarer Vater werden wird. Vorsichtig hievt sie den vollen Eimer Wasser wieder in die Küche zurück und setzt einen Teil davon auf, lauschend, ob bereits jemand wach geworden ist, doch jeder scheint noch in seligen Träumen zu schlummern, einschliesslich Borgils, der Schlaf dringend nötig hat. Fachkundig mischt Azra einige Kräuter zusammen und streicht dann, aus einer plötzlichen Eingebung heraus, über ihren wieder flachen Bauch, der keine Zeichen einer Schwangerschaft mehr aufweist. Auf eine gewisse Weise vermisst sie es, die Bewegungen Brenainns unter ihrer Haut zu spüren… andererseits ist sie froh, die Tortur einer Geburt hinter sich zu haben, wunderbares Glück hin oder her. Noch zu frisch sind die Erinnerungen an ewig langes Wandern durch die Harfe und der stündlichen Bekanntschaft mit ihrem Kamin, den sie seitdem nur noch mit leisem Vorwurf im Blick betrachtet, als hätte er etwas für die Schmerzen gekonnt. Überhaupt ist ihr, als würde sie die Harfe seit dieser langwierigen Geburt noch besser kennen, zumindest weiss sie jetzt aus dem Gedächtnis, welcher Balken welche Schnitzerei trägt und wie viele Astlöcher sich in welcher Holzdiele finden, oder aber überhaupt wie viele Dielen genau der Boden der Harfe hat. Und die Längsseite meines Fusses passt 27 Mal in eine Diele… Ich war wirklich nicht mehr bei Sinnen, mir so einen Unsinn zu merken.
Bald schon erfüllt der milde, verführerische Geschmack nach wilder Minze den Raum und Azra giesst das kochende Wasser sorgfältig über das Beutelchen Kräuter, lässt diese einen Augenblick ziehen und bringt dann zwei, mit Tee gefüllte Becher in den Schankraum, wo Brenainn gerade hell erfreut quietscht und mit seinen Ärmchen ruckartig durch die Luft wedelt, strahlend wie das goldene Lichtmeer, das durch die kleinen Fenster in das Zimmer fällt und die Staubkörnchen tanzen lässt.

Azra geniesst flüchtig den Geruch nach Frühling, Met und leicht abgestandener, bracher Luft, die hier vorherrscht, schliesst die Augen und stellt sich vor, wie es hier in ein paar Stunden bereits wieder aussehen mag, muss jedoch kichern, als sie an die letzten Tagen denkt, an denen es hier zum Teil ausgesehen hat, wie in einem Ameisenbau. Das Inarifest steht schon bald vor der Tür und die Goldene Harfe platzt gelinde gesagt, aus allen Nähten, wie jedes Jahr zu dieser Zeit und da es in diesem Frühling wieder an den Wirten und Wirtinnen ist, den Gästen, Schaustellern, Tänzern, Besuchern, Gauklern und Sängern ein rigoroses Festmahl zu bieten, verschanzen Sigrun, Grid und Borgil sich schon seit längerem immer wieder für mehrere Stunden in der Küche und überlegen sich die köstlichen und festlichen Mahlzeiten, die man feilbieten könnte. Die anderen Schankmaiden und Harfenangestellten richten den Harfengarten mit Girlanden, Blumenschmuck, Sonnendach, Tischen und Stühlen her, damit er die Besucher dazu bringt, sich doch eher in die warme Shenrasonne zu setzen, als sich im Innern zu verschanzen. Ob nun Azurianische Pfefferhändler, normandische Jäger, ein Rudel Eisenzwerge, bunt gekleidete Mogbars oder sonstige, wild durcheinander gewürfelte Menschen, Elben und sogar Feen, alles findet den Weg in ihre Gästezimmer und sogar der Stall ist jetzt bereits belegt. Lächelnd schiebt sie Tiuri den einen Becher zu und setzt sich neben ihn, Brenainn wieder an sich nehmend und dem hungrigen Mäulchen, das penetrant über den Stoff ihres Kleides schnüffelt, wie ein Schwein auf der Suche nach Trüffeln, die Brust gebend, bis schliesslich zufriedene Schmatz- und Grunzlaute verraten, dass zumindest eine kleine Sorge verschwunden ist. Erst dann sieht sie auf und betrachtet Tiuri, neigt nachdenklich den Kopf und ein Hauch von Sorge schleicht sich über ihre Züge, bis sie schliesslich eine Hand auf die Seine legt, die von roten, alten Brandnarben gezeichnete ist, und ihre dünnen Finger schlingen sich behutsam um die seinen. „Tiuri“, beginnt sie zaghaft, nicht wissend, wie sie ihn auf etwas ansprechen soll, von dem sie selbst nicht weiss, ob sie es sich nur einbildet. Der junge Mann ist von jeher still gewesen und hat nie etwas über sich erzählt, doch seit jener Nacht, in welcher der plötzliche Namenswechsel stattgefunden hat, verspürt sie das dringende Bedürfnis mit ihm darüber zu reden, schon alleine, weil er anscheinend noch nie jemandem, nicht einmal Halla oder Sigrun, - die ihn nun wahrhaftig wie einen Sohn behandelt haben – seine Sorgen ausgeschüttet, oder auch nur etwas davon erwähnt hat. Nicht einmal Borgil, obwohl dieser sich seiner sicherlich angenommen hätte. Auch von dem Mädchen, das für eine einzige Nacht bei ihm gewesen sein soll, ist nie mehr ein Wort gefallen und er hat sie nie wieder erwähnt und regelrecht abweisend, hin und wieder sogar fast kalt auf irgendwelche Sticheleien reagiert.
„Tiuri“, setzt sie erneut an und sieht den jungen Mann von unten in die ernsten, rauchblauen Augen, die, wenn er wütend wird, so dunkel werden können, wie der Nachthimmel im Winter. „Ich weiss nicht, wie ich dich fragen soll, aber… wenn du nicht darüber reden möchtest, ist das auch kein Problem, doch… Sag, was bedrückt dich immer? Was trägst du immer wie eine unsichtbare Last auf deinen Schultern herum, seit du in der Nacht, nach dem Borgil und ich von TianAnmen zurückgekehrt sind deinen richtigen Namen genannt hast?“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 26. Apr. 2006, 23:21 Uhr
Tiuri hat mal wieder im Heu geschlafen. Das macht er manchmal noch, wenn seine Kammer in der Harfe, die er trotz allem liebt und als sein Heim ansieht, ihm wieder einmal zu eng wird, wenn er die Wände und die Einsamkeit dort drinnen nicht ertragen kann. Im Stall gibt es zwar auch Wände, aber dort sind wenigstens auch die Pferde, das leise mahlen ihrer Zähne, ihr Schnauben, ihre Schritte, ihr Geruch, als das ist für Tiuri beruhigend und nicht mehr weg zu denken aus seinem Leben. Als er erwacht ist die Sonne noch nicht einmal aufgegangen, die anderen Stallknechte schlafen wohlverdienter Weise noch in ihren Betten, aber Tiuri macht sich trotzdem an die Arbeit. Zwar wird er sich ihr Gezeter anhören können, denn obwohl sie eigentlich froh sind wenn sie die Arbeit nicht machen müssen, müssen sie doch lautstark kundtun, dass er das nicht für sie zu entscheiden hat.
Nach dem er alle Boxen ausgemistet hat, geht er in sein Zimmer, wäscht sich und zieht sich um. Ein helles Hemd, eine dunkelblaue Hose, unauffällig, so wie er es gerne mag. Die dunklen Haare frisiert er nur mit den Fingern ehe er sich in den Schankraum setzt. Shenrah beginnt gerade erst seine ersten Strahlen über das Land zu schicken und noch ist niemand auf den Beinen. Wie groß der, Schankraum scheint wenn man ganz alleine ist und wie viel lieber er ihn hat wenn jemand bei ihm ist. Wie groß der Raum ist, ist ihnen allen die letzten Tage aufgefallen, als es Zeit für den Frühlingsputz war. Azra und Halla haben mit ihren Adleraugen jeden Fleck erspäht und Azra war sogar in die finstersten Ecken gekrochen. Tiuri und die Stallknechte haben sich zum Glück immer wieder zurück ziehen können und auf ihre Arbeit berufen, dass sie jetzt wirklich keine Zeit haben den Lappen zu schwingen, sondern ausmisten oder füttern müssten. Aber auch der Stall war von vorne bis hinten gefegt und gewischt worden, damit die Harfe ihrem guten Ruf auch im Stall gerecht wird.

Tiuris Blick fällt auf seine verbrannte Hand die er auf den Tisch gelegt hat. Warum fragt er nicht mehr, woher auch nicht, nur mehr ob es noch Sinn macht sich diese Fragen zu stellen, ob er sich jemals erinnern wird können was passiert ist.
Vielleicht wäre es besser gewesen ich wäre damals gestorben… Doch er vertreibt den Gedanken schnell wieder, sicher, er ist nicht zu viel nütze, aber wenigstens hat er ein gutes Leben, Freunde auf die er sich verlassen kann, ein Heim in das er immer wieder zurück kehren kann und jeden Tag den er hier ist, hat er ein Stück mehr Vergangenheit hinter sich von der er auch weiß.
Aber was wenn ich sie verliere, vielleicht wach ich morgen auf und weiß gar nichts mehr und alle halten mich für verrückt. Ich selbst halte mich für verrückt und von den neun Höllen ausgespuckt weil nicht einmal die mich noch haben wollten. Dann beginne ich wieder zu suchen, nach jemandem der mich kennt und all das findet nie ein Ende!
Der Gedanke macht ihn halb wahnsinnig und er ist drauf und dran aufzuspringen und nach draußen zu rennen, als Azra plötzlich neben ihm steht.

>Guten Morgen!<  sagt sie leise, den kleinen Brenainn auf dem Arm. Wie ertappt zuckt er zusammen und schämt sich seiner Gedanken, kann sie aber trotzdem nicht von sich schieben.
Azra lächelt und verkündet, dass sie für sie beide Tee aufsetzen würde und er derweil Brenainn halten soll. Bei diesen Worten hat sie ihm den Jungen auch schon in die Arme gedrückt und ganz selbstverständlich hält Tiuri ihn fest. Der kleine Halbzwerg strampelt mit Armen und Beinen und Tiuri grinst automatisch. Er kann gar nicht anders, jedes Mal wenn er in Brenainns kleines Gesichtchen blickt geht die Sonne auf und er fängt an auf ihn ein zureden. Erzählt ihm dies und das, das und jenes, das meiste davon der größte Unsinn Rohas und nur irgendeine Geschichte aus den Tiefen von Tiuris verquertem Kopf. Er spielt und stubst Brenainn, so dass der bald am Glucksen und Jauchzen vor Freude ist, obwohl er gerade noch ein wenig verschlafen drein geblickt hat. Er brabbelt etwas vor sich hin und Tiuri nickt bekräftigend.
„Das finde ich auch, du hast vollkommen recht!“ sagt er und kitzelt das Baby ein wenig hinterm Ohr. Sein roter Haarflaum ist so weich, dass Tiuri ständig darüber streichen könnte, genauso wie er am liebsten dauernd seine Nase an ihn halten würde, weil er so wunderbar riecht, wenn er nicht gerade gewickelt werden muss.
Azra kommt mit zwei dampfenden und wohlriechenden Bechern Tee zurück und stellt einen vor ihm ab, weit genug weg, dass Brenainn ihn nicht mit seinen schlankernden Armen und Beinen erwischen kann. Sie streicht ihrem Sohn über den Kopf, als hätte sie ebenfalls gerade an die samtweichen Haare denken müssen und hebt ihn zurück auf ihren Schoß. Azra gibt dem Jungen der sofort seine Finger in ihrer Bluse vergräbt die Brust und sieht ihn aus den Augenwinkeln mit einem undefinierbaren Blick an.
Es ist erstaunlich wie schnell sie sich in die Mutterrolle eingelebt hat, alles geht ihr ganz selbstverständlich von der Hand, nirgendwo fehlt es ihr an Zeit, als hätte sie all das schon immer gemacht, aber vielleicht steht sie morgens auch einfach nur früher auf.
Als sie den Kopf hebt, hebt sich auch Tiuris Augenbraue, denn ihr Blick wird noch eindringlicher und sie sieht aus, als läge ihr irgendetwas auf dem Herzen, aber sie weiß nicht so recht wie sie es sagen soll. Ihre Hand, weiß wie Schnee, als hätte sie nie die Sonne gesehen, legt sich über seine. Seine Rechte, er lässt es zu, sie kennt sie ja, was ändert es, aber in diesem stillen Moment ist es ihm fast etwas unangenehm. Sie hält seine Hand fest und Tiuri klappt die Finger um ihre. Ihre Hand ist so viel kleiner als die seine, die gerade wie eine Bärenpranke unter ihrer schmalen Hand wirkt.
>Tiuri< sagt sie schließlich und der angesprochene ist froh, dass sie das Schweigen bricht und scheinbar endlich mit der Sprache heraus rückt. Er kann gar nicht sagen wieso, aber das Herz klopft ihm bis zum Hals, als fürchte er was sie ihm sagen könnte. Er muss die Harfe verlassen, sie wird die Harfe verlassen, Borgil schließt das Wirtshaus, das Ende Rohas ist angebrochen, diese und ähnliche Horrorszenarien spielen sich vor seinem inneren Auge ab und er weiß nicht welche davon das schlimmste wäre.
>Tiuri< sagt sie noch einmal und die Spannung steigt ins unermessliche. ‚So heiß ich’, will er fast sagen nur um irgendetwas von sich zu geben und nicht wie ein Depp auf ihre umschlungenen Hände zu starren.
>Ich weiss nicht, wie ich dich fragen soll, aber… wenn du nicht darüber reden möchtest, ist das auch kein Problem, doch… Sag, was bedrückt dich immer? Was trägst du immer wie eine unsichtbare Last auf deinen Schultern herum, seit du in der Nacht, nach dem Borgil und ich von TianAnmen deinen richtigen Namen genannt hast<

Das ist es also! Aber nicht nur weiß Azra nicht wie sie ihn fragen soll, er weiß auch nicht wie er antworten soll. Es gibt keine ganz einfache kurze Antwort auf diese Frage, die alle seine Sorgen ausdrückt und ihr erklärt was mit ihm los ist, er hat ja selbst gar keine wirkliche Erklärung dafür was mit ihm los ist. Er ist eines Morgens aufgewacht und die Welt war ihm fremd, fast wie ein Kind eingesperrt in den Körper eines Erwachsenen und die Zeit der Gefangenschaft im Kanal hat mit Sicherheit nichts verbessert. Wie hat er auch erwarten können, dass ihn nie jemand darauf ansprechen wird, dass er seinen Namen einfach so von Jen zu Tiuri geändert hat. Jen… so lange hat er ihn getragen und jetzt wirkt er so alt und fremd, Tiuri gehört schon längst zu ihm, wie seine Nase, seine Augen oder seine Stimme.
Er lacht etwas unbeholfen und fährt sich, wie so oft wenn er nervös ist, durch die Haare.
„Ich…“, das ist keine Antwort, er weiß es selber, aber viel mehr bringt er nicht zu Stande. Er möchte ihr Antworten, eigentlich schreit schon einige Zeit alles ihn ihm danach irgendjemandem zu erzählen wie er sich fühlt und wovor er Angst hat, aber jetzt wo die Gelegenheit gekommen ist, fürchtet er, dass alles plötzlich schwachsinnig erscheint und er nicht die richtigen Worte dafür findet. Aber wem wenn nicht Azra?
„Können wir nicht ein Stück gehen? An den Strand oder so? Es ist eine längere Geschichte weißt du und ich weiß nicht wo ich anfangen soll, wie ichs erklären soll. Ich hab das noch nie jemandem erzählt. Ich weiß nicht ob ich es dir so erklären kann, dass du es verstehst, weil ich es selbst nicht ganz verstehe. Wahrscheinlich klingt es völlig sinnlos was ich sage, ich werde es versuchen, wenn du versuchen magst zu zuhören. Aber du kannst es dir noch gerne anders überlegen, das würde ich auch verstehen. Es ist ja auch eine blöde Geschichte und die will ja auch keiner hören, drum hab ich sie ja nicht erzählt.“
Er winkt ab, stürzt seinen Tee in einem Zug hinunter und steht auf. Wenn Azra nichts hören mag, würde er alleine gehen, einfach nur um sich zu bewegen und wenn doch, dann jetzt, oder gar nicht, er kann nicht warten.

---> Weiter am Ufer des Ildorel

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aswhang am 27. Apr. 2006, 17:23 Uhr
Ein paar Augenblicke starrt Jamar den Brief in ihrer Hand einfach nur grimmig an und einen Moment lang glaubt Aswhang schon, er würde ihn nicht nehmen und die Entführung einfach nach dem ursprünglichen Plan durchführen. Ähnlich sähe es ihm...Schließlich entreißt er ihr den Brief jedoch und dreht ihn prüfend mehrmals hin und her. Wahrscheinlich glaubt Jamar, der Brief sei geöffnet worden. Allerdings beweißt das unversehrte Siegel eindeutig das Gegenteil. Aswhang hat es nicht nötig, die Planänderung zu lesen, denn die von Reyes hatten sie in alles eingeweiht. Für den eher unwahrscheinlichen Fall, dass mit dem Brief etwas geschehen wäre, hätte die Elbin Jamar die nötigen Informationen mündlich mitteilen müssen. Aswhang bezweifelt jedoch, dass er ihr in diesem Fall irgendetwas geglaubt hätte.
Ungeduldig wartet sie, dass ihr Gegenüber endlich den Brief öffnet. Doch als hätte er ihre Gedanken gelesen meint er: >„Ich hoffe, du erwartest jetzt nicht von mir, dass ich mich dafür bedanke... ich werde ihn später lesen... allein.“< Er kracht das Bierglas, welches er in einem Zug geleert hat, zurück auf dem Tisch. Diese heftige Bewegung lässt trotz seiner vermeintlichen Gelassenheit durchscheinen, wie wenig er von dieser Planänderung und von Aswhangs Anwesenheit allgemein hält. Nicht, dass der Elbin das nicht ohnehin klar ist.
>„Such’ dir eine andere Taverne... Ich lass es dich wissen, wenn ich dir etwas mitzuteilen habe...“< Dann verlässt er den Tisch, ohne Aswhang noch weiter zu beachten. Mit wütendem Funkeln in den Augen blickt sie ihm hinterher.
Was bildet dieser Kerl sich eigentlich ein, zu glauben, sie herumkommandieren zu können? Einen Augenblick spielt sie mit dem Gedanken sich aus purem Trotz ein Zimmer in der Harfe zu nehmen. Doch dann siegt ihre Abneigung gegen Jamar. Sie hat nicht die geringste Lust, ihm mehr als unbedingt notwendig zu begegnen und alle Informationen über die Entführung besitzt sie auch selbst. Wenn er ihr etwas wegen den Plänen mitteilen muss würde er sie, wie er selbst gesagt hatte, schon finden. Und wenn nicht... Sie zuckte mit den Schultern. Ihrer Ansicht nach reicht es vollkommen, ihn erst am Tag der Entführung wieder zu sehen.
Nachdem Jamar aus Aswhangs Blickfeld verschwunden ist erhebt sie sich ebenfalls.
An einem der Tische muss irgendwer etwas ungemein Komisches gesagt haben, denn alle brechen in schallendes Gelächter aus, welches für ihre Kopfschmerzen nicht gerade dienlich ist. Gereizt, wie jedes Mal nach einem Treffen mit Jamar, verlässt sie mit schnellen Schritten das Wirtshaus.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jamar am 29. Apr. 2006, 17:06 Uhr
Immer und immer wieder liest er die Zeilen und hofft, dass vielleicht doch etwas anderes darin stehen könnte oder sich die Buchstaben und Zahlen anders formieren und einen besseren Sinn ergeben. Aber sie tun ihm diesen Gefallen nicht und bleiben dabei ihn ärgern zu wollen. Es war keine Lüge gewesen, als Aswhang meinte, dass sie wieder einmal zusammenarbeiten müssten. Aber so wie er es ihr bereits angekündigt hatte, er wird es nicht tun. Nie im Leben, wird er sie an seinem Auftrag teil haben lassen und dann ist es ihm auch egal, wenn Aswhang die Enkelin der von Reyes abliefern soll oder nicht. ER hat den Auftrag gekriegt und ER wird es auch sein, der ihn bis zum Ende ausführt. Silberelbin hin oder her. Die würde er schon irgendwie loswerden. Zähneknirschend und mit hundsmiserabler Laune geht Jamar zu Bett und seine Laune bessert sich auch nicht in den nächsten Tagen. Er hat nicht vor Ashwang gleich von seiner Entscheidung in Kenntnis zu setzen und so lässt er sie noch gut einen Siebentag schmoren, wo er weiter seinen Erkundigungen nachgeht. Auch Selainee und Ismael sind wieder unterwegs und besorgen unter anderem schon ein paar Zutaten für die Beruhigungs- und Rauschmittel sowie das Kleid. Jamar hat zwar nicht viel übrig für teure Kleidung, aber seine Herrin hat darauf bestanden, dass ihre Enkelin auch entsprechend ihrer Abstammung gekleidet werden soll. Er hatte zwar versucht der alten Frau klar zu machen, dass es für eine Reise äußerst hinderlich ist, wenn man jemanden in ein solches Kleid steckt, aber natürlich hat sie keine Widerrede gelten lassen.

Mitten in den hektischen Festvorbereitungen lässt sich Jamar schließlich im Kupferkessel blicken und verlangt nach Aswhang. Da man ihm nicht die Zimmernummer verraten will- er kann sich eigentlich nicht vorstellen, dass er nun so doll grimmig geguckt hat, aber etwas anderes fällt ihm als Grund nicht ein-, lässt er ausrichten, dass er die Silberelbe unten im Schankraum sprechen möchte, wo diese auch prompt mit ihrem absolut widerlichen freundlichen Gesicht auftaucht. Wortkarg und in einem Ton der keinerlei Widerrede duldet, macht er ihr unmissverständlich klar, dass er sie nicht dabei haben will. Weder für den ersten Teil der Entführung, noch für den zweiten. Zu keiner Zeit möchte er sie zu Gesicht bekommen und am besten wäre für sie, wenn sie noch heute abreist. Ashwang reagiert genau wie er erwartet hat. Sie fängt an zu diskutieren, versucht ihm zu erklären, dass es die Entscheidung der von Reyes ist und dass sie sich nicht dagegen stellen dürfen, aber egal wie lange sie auch mit ihm streitet, er ignoriert sie rigoros und bleibt bei seiner Meinung. Um ihr dies in aller Deutlichkeit noch einmal klar zu machen, droht er ihr sogar öffentlich, dass er sie notfalls umbringen wird und damit ist das Gespräch für beide beendet.

Durch Ismael lässt Jamar den Kupferkessel zeitweise beschatten und erfährt so, dass sie die Stadt nicht verlassen hat. Er weiß genau, dass sie ihm dazwischenfunken wird, aber das wird er nicht zulassen. Er weiß jetzt immerhin, dass er zu jeder Zeit damit zu rechnen hat, dass sie auftauchen wird und dass macht es leicht, die Schritte so zu planen, dass ihre Anwesenheit den eigentlichen und nun teilweise geänderten Plan nicht gefährden wird. Der letzte Siebentag vergeht rascher als Jamar lieb ist, aber sie schaffen trotzdem alles, was es zu erledigen gilt. Auch Darwik ist nun schon kräftig dabei sich als nützlich zu erweisen und braut bereits tagelang in seinem und Ismaels Zimmer Tränke zusammen. Da die Gerüche nachts zu offensichtlich wären, arbeitet Darwik meist am Tage, wenn der Duft von Essen ohnehin durch alle Zimmer zieht und überall präsent ist. Glücklicherweise reicht die Flamme von ein paar Kerzen aus, um das Gemisch zu erhitzen, so dass sie sich nicht noch wegen einer Feuerstelle bemühen müssen. Denn das hätten sie nun wirklich nicht auf ihrem Zimmer tun können. Oder nur, wenn sie wollten, dass der Zwerg sie hochkant rausschmeißt, weil sie seine Harfe in Brand gesetzt haben.

Es ist spät, als sie sich am Abend vor dem Fest voneinander verabschieden und Jamar in sein Zimmer zurück kehrt. Selainee liegt schon unter ihrer Decke auf dem Bett, aber sie blickt ihn an, als er das Zimmer betritt. Da er nicht weiß, wie turbulent der morgige Tag wird und ob sie eventuell kurz entschlossen Kleinigkeiten umplanen müssen, ist jetzt der günstigste Zeitpunkt, um sie einzuweihen. Sie sieht zwar nicht so aus, als wolle sie mit Jamar reden, aber groß eine Wahl hat sie auch nicht. Nachdem Jamar sich auf die Kante seines Bettes gesetzt hat, fixiert er Selainee solange, bis sie ein gereiztes >"Was?"< von sich gibt. Bei aller Angst die sie vor ihm hat, war doch eine gewisse Vertrautheit in den letzten vier Siebentagen, bedingt durch das kleine Zimmer, zwischen ihnen entstanden, dass sie genau weiß, wann sie sich solche schnippischen Fragen erlauben darf. "Ich schätze du möchtest wissen, was du zu tun hast, oder nicht?" Er sieht ihr misstrauen, obwohl sie sich wie immer unter dem Hut versteckt. Aus einer seiner Tasche holt er die üblichen Geldbeutel hervor, doch dieses Mal sieht er ein ganzes Stück praller aus. Abschätzend wiegt er ihn mit der Hand und wirft ihn dann auf ihr Bett, wo des Geld direkt auf ihrem Bauch landet. "Das gehört dir, aber ab morgen, wirst du dein Geld nicht mehr mit faulenzen verdienen." Er macht eine kurze Pause, in der sich des Geldes bemächtigt und überlegt, wie er ihr am besten alles wichtige, aber möglichst gar nichts verraten kann. "Ich muss jemanden nach Hause bringen. Meine Auftraggeber wollen ihre Enkelin wieder haben, die ihnen vor vielen Jahren entführt worden ist und die sie jetzt erst wieder gefunden haben." Soweit so gut, denn bis hier hin ist fast nichts gelogen. "Da sie leider schwachsinnig und vergesslich geworden ist, kann ich nicht davon ausgehen, dass sie mir glauben wird, wenn ich sage, dass ich sie zurückbringe. Darwik hat ihre Medizin, die ihr helfen wird hergestellt, aber es wird dauern, bis sie wirkt und sie sich wieder erinnern kann. Wir haben aber keine Zeit zu verlieren und können deswegen keine Rücksicht auf sie nehmen. Sie wird sich also wehren und vielleicht auch versuchen wegzulaufen. Deine Aufgabe ist es, ihr die Medizin alle acht Stunden zu geben, selbst wenn sie schläft. Und du wirst dich Tag und Nacht um sie kümmern. Notfalls auch waschen und füttern..."

Jamar glaubt nicht, dass Selainnee ihm die Geschichte abnimmt, aber sie ist gar nicht mal so weit von der eigentlichen Wahrheit entfernt. Laut Kestra von Reyes ist jede Frau, die sich als Amazone aufspielt, irgendwie nicht ganz richtig im Kopf und die Gute würde sich mit Sicherheit zur Wehr setzen. Und dass er sie nach Hause bringt, stimmt auch. Nur weiß die Frau noch nichts davon und hat auch noch nie von ihrer Verwandtschaft in Torhof gehört.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Selainee am 30. Apr. 2006, 11:59 Uhr
Als sich die Tür ihres Zimmers öffnet ist Selainee gerade in einem unruhigen Halbschlaf, das morgige Fest hat ihr schon seit Tagen den letzten Schlaf geraubt. Als die Tür geschlossen wird reißt sie das aus ihrer leichten Träumereien und sie setzt sich automatisch auf.
Jamar ist zurück und sie merkt schon an seinem Blick, dass heute etwas anders ist. Sofort beginnt ihr Herz zu klopfen und die wohlige Aufregung, die sie am ersten Tag ihrer Ankunft hatte bricht wieder über sie herein. Über die Wochen war es immer mehr abgeflaut doch in den letzten Tagen hatte es wieder an Kraft gewonnen und Angst, Zweifel und auch ein bisschen ihre aufgesetzte Unerschütterlichkeit in den Hintergrund geschoben.

Erwartungsvoll schaut sie ihm entgegen als er das Zimmer durchquert und sich auf sein Bett setzt. Was jetzt kommt hasst sie und er weiß das sie es hasst. Es ist der, wie sie ihn bei sich nennt „Starre-Blick“, was bedeutet, dass er sie einfach nur anstarrt als erwarte er, dass gleich weiße Pferde aus ihren Ohren galoppieren oder sie aus dem Stand einen Salto rückwärts macht und aus dem Fenster fliegt. Sie verzieht das Gesicht und durchbricht das grimmige Schweigen mit einem gereizten „Was?“ Wie immer lässt er sich nicht anmerken ob ihre patzige Ausdrucksweise falsch, richtig oder völlig gleichgültig war. "Ich schätze du möchtest wissen, was du zu tun hast, oder nicht?" unter ihrem Hut verborgen hebt sie eine Augenbraue. Was ist denn das für ne dumme Frage? Denkt der ich hab Spaß dran immer das Dummchen zu sein? Ist das ne Fangfrage? In ihre sinnlose Grübelei hin wirft er ihr einen Beutel Geld auf den Bauch und wie immer erzeugt das Geräusch der Münzen die unter dem Stoff dumpf aneinander klimpern augenblickliche Gedankenstille. Sie starrt den Beutel an, der schwerer als sonst zu sein scheint. In ihren Gedanken marschieren ganze Karawanen von Besitztümern vorbei, die sie sich nun endlich leisten kann.

"Das gehört dir, aber ab morgen, wirst du dein Geld nicht mehr mit faulenzen verdienen." Ein wenig zu gierig greift sie nach dem Beutel und verstaut ihn hastig möglichst nah bei sich. Ohne das Geld hätte sie ihm wohl jetzt murrend an den Kopf geworfen, dass er ihr gern mal sagen könne was außer Rumsitzen man eingesperrt in einem Zimmer denn so machen kann aber die heitere Gedankenstille hält noch immer an und sie lauscht ihm gefügig ein beunruhigend seliges Leuchten in den Augen.

"Ich muss jemanden nach Hause bringen. Meine Auftraggeber wollen ihre Enkelin wieder haben, die ihnen vor vielen Jahren entführt worden ist und die sie jetzt erst wieder gefunden haben." Mit einem Schlag ist es vorbei mit der Gedankenstille, das war es endlich, das worauf sie vier Wochen gewartet hat. Endlich erfährt sie worum es hier eigentlich geht. In ihrem Kopf zerpflückt sie den Satz. Entführte Enkelin zurückbringen…gut gut…soweit nicht schlimm… "Da sie leider schwachsinnig und vergesslich geworden ist, kann ich nicht davon ausgehen, dass sie mir glauben wird, wenn ich sage, dass ich sie zurückbringe. Darwik hat ihre Medizin, die ihr helfen wird hergestellt, aber es wird dauern, bis sie wirkt und sie sich wieder erinnern kann. Wir haben aber keine Zeit zu verlieren und können deswegen keine Rücksicht auf sie nehmen. Sie wird sich also wehren und vielleicht auch versuchen wegzulaufen. Deine Aufgabe ist es, ihr die Medizin alle acht Stunden zu geben, selbst wenn sie schläft. Und du wirst dich Tag und Nacht um sie kümmern. Notfalls auch waschen und füttern..." Mit einem Ruck ziehen sich Selainees Augenbrauen zusammen, irgendetwas stimmt da nicht, sie hat ein untrügliches Gefühl für Halbwahrheiten und hier scheint eindeutig etwas nicht zu stimmen. Im Kopf überschlägt sie alle Informationen und versucht der Sache auf den Grund zu gehen. Eine Verrückte….in Ordnung…sie kennt verrückte. Die meisten waren lustig und harmlos, redeten wirres Zeug über Götter oder sich selbst und wenn man ihnen lang genug zuhörte bekam man nutzlosen Kleinkram oder Geld geschenkt, von einer Medizin gegen Verrückheit hatte sie noch nie gehört. Warum suchen wir sie erst jetzt auf beim Fest? Warum hat man ihr die Medizin nicht schon früher gegeben? Warum….sie zwingt sich die Gedanken abzubrechen. Schwachsinn darüber jetzt zu grübeln. Sie hatte ihre Aufgabe, sie hatte eine Menge Geld und….eine verlorene Enkelin Heim zu bringen war ein….sie bringt den kleinen Skeptiker in sich zum schweigen….ein erstaunlich wohltätiger Auftrag.
Das Geld an ihrer Brust tut ihr übriges. „Geht klar.“ Murmelt sie nickend und versucht ihre Stimme nicht so misstrauisch klingen zu lassen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 30. Apr. 2006, 14:19 Uhr
Während Azra und Tiuri sich mit ihrem Morgenspaziergang am Strand vergnügen, ist Borgil im Hafen und holt dort das lang erwartete und heiß ersehnte Fass Rubinwein ab, das mit der Dämmerung gerade noch rechtzeitig eingetroffen ist. Als die beiden wieder an der Harfe ankommen - überall auf dem Marktplatz wird schon gefegt, gescheuert und aufgebaut was das Zeug hält -, ist Borgil schon reichlich spät dran mit seiner kostbaren Fracht. Erst hatte Kapitän Maraes, der alte Schwindler, ihn mit einen endlosen Schwatz über völlig unwichtige Sachen an den Docks aufgehalten und dann war kurz vor dem Marktplatz auch noch dem kleinen Karren, mit dem der Harfenwirt unterwegs gewesen war, ein Rad gebrochen. Borgil, der keine Zeit und Geduld für solchen Unsinn hat, an einem Tag wie heute schon gar nicht, hatte das Fass kurzerhand vom Wagen gewuchtet, seinen Knecht und das Pony zurückgelassen und rollt sein Mitbringsel gerade holpernd über das Kopfsteinpflaster auf die Harfe zu, justement in dem Augenblick, als Azra und Tiuri um die Ecke biegen, der Bengel seiner Frau galant eine Blume reicht und dann unschuldigst fragt: >Was habt ihr vor? Du und Borgil zu Inari? Also, nicht abends, da kann ich es mir denken und das ist schon zu viel. Tagsüber, gibt es wieder ein Essen mit einer großen Tafel für die wichtigen Leute der Stadt?<
"Zwerg-ärgere-dich-nicht spielen," schnappt er. "Du kannst Fragen stellen. Hilf mir mit dem Fass, Junge, japp, so ist es gut. Kleiner Morgenspaziergang, was?" Er bedenkt die Blume in Azras Hand mit einem so finsteren Blick, dass sie auf der Stelle anfangen müsste, zu welken. Der ist zwar gespielt, aber das muss ja keiner wissen. "Und überhaupt, was bitte schön soll das eigentlich heißen, hä? 'Also, nicht abends, da kann ich es mir denken und das ist schon zu viel.' Eine gesalzene Ohrfeige hast du dir für solche Sprüche verdient mein lieber Junge, nur damit du's weißt," Borgil schüttelt energisch seinen knorrigen Zeigefinger unter Tiuris Kinn und funkelt den Jungen böse an. "Wenn ich nicht zu faul wäre, mir erstmal eine Leiter zu besorgen, dann würdest du die jetzt auch bekommen. Hast du deine Übungen heute schon gemacht? Alle, die ich dir aufgetragen hatte?"

Gegen Ende des Winters, ungefähr vor acht Wochen, hatte Tiuri beschlossen, Borgil nachdrücklich an sein gegebenes Versprechen, ihn im Schwertkampf auszubilden, zu erinnern, und war tagelang um den Zwergen herumgeschlichen, bis der sich endlich erbarmt hatte. Wennd er Junge allerdings gehofft hatte, gleich eines der bleigefüllten Übungsschwerter aus glattem Eichenholz aus Borgils Waffenkammer in die Finger zu bekommen, hatte er sich getäuscht - noch waren sie nicht soweit. Borgil hatte Tiuri dagegen eingehend gemustert, die Muskeln in Armen, Kreuz und Beinen inspiziert und dann entschieden, dass noch einige Arbeit vor ihm liegen würde - ersteinmal müsse er kräftiger werden. Und dann hatte der Zwerg, von Haus auf mit einer gehörigen Portion Sadismus und einer unerschütterlichen Autorität gesegnet, sich mit Feuereifer daran gemacht, sich jede nur erdenkliche Folter für den armen Jungen auszudenken, mit der er ihn fortan zweimal täglich bei Sonnenauf- und Sonnenuntergang je eine Stunde lang traktiert. Holzklötze stemmen, Sandsäcke wuchten, Schlaghölzern ausweichen, Sandsäcke verprügeln, zwanzig, vierzig, sechzig Liegestütze (mit dem Versprechen, dass es noch mehr werden würden) machen, komische Schrittfolgen überkreuz, parallel, hinter- und voreinander einüben, die Tiuri möglichst blind, taub und ohne Nase absolvieren muss (und das Ganze in weniger Zeit bitteschön, als Borgil dafür bräuchte, um "Mach's nochmal, Tiuri" zu sagen.) Vor allem ist Borgil jedoch daran gelegen, die verkümmerte Hand des Jungen zu kräftigen oder, wenn die Finger sich als irreparabel erweisen, wenigstens die dazugehörigen Armmuskeln und Sehnen zu stärken. Dazu hat er einen kleinen Ball aus festem Leder, gefüllt mit feinem Sand angeschleppt, den Tiuri in möglichst jeder freien Minute mit den Fingern seiner kaputten Hand kneten und drücken muss - so fest er kann. "Wenn deine Hand nicht wieder wird, machen wir einen Linksausleger aus dir. Wird deine Gegner mächtig verwirren, aber dann solltest du rechts wenigstens einen Schild oder zumindest eine Tartsche tragen können, und dazu muss dein Arm etwas aushalten. Tut er das nicht, bist du tot. Also übe!" Und Tiuri übt, fleissig, geradezu verbissen - und nach ein paar Wochen zeigt die ganze Schinderei auch erste Ergebnisse: der große, schlanke und von Natur aus schon kräftige Körper des jungen Mannes beginnt, sich zu runden, und langsam, aber stetig, ein wenig Gewicht und Masse zuzulegen. Tiuri kann mit Sicherheit noch lange nicht mit der Kraft und Ausdauer eines ausgebildeten Kämpfers mithalten, aber einen Rekruten der Steinfaust im ersten Jahr würde er ganz gewiss schon übertrumpfen, da ist sich Borgil sicher - und vielleicht ist es ja bald schon an der Zeit, die Übungsschwerter auszupacken.

Jetzt gerade ist allerdings ganz anderes an der Zeit, nämlich alles für das vermaledeite Fest vorzubereiten, die Harfe herzurichten, zu schmücken, den Harfengarten - wer zum Donnerdrummel hatte denn hier draußen Gäste bewirtet? Ach herrje! - vorzubereiten, die Tische und Bänke und Stühle auf den Marktplatz zu schaffen und tausend andere Dinge mehr. Eine Horde lachender und schwitzender Handwerker baut schon den Tanzboden auf und noch kein einziges Sonnensegel ist gespannt, verflixt noch eins! "Äh... Tiuri, sei ein guter Junge, schnapp dir Grid und zwei Knechte und hol die verdammten Sonnensegel aus dem Keller der Stadthalle." Borgil nestelt an einem schweren Schlüsselbund herum und reicht ihn dann dem jungen Mann. "Hier irgendwo, der bronzene mit dem Löwenkopf, ja genau der. Es sind achtundvierzig. Sonnensegel, mein ich, aber die Schnüre sind bestimmt endlos verheddert, wie letztes Jahr auch. Ein paar von den Kindern Grids oder Hallas Nichten sollen sie entwirren, die flitzen ohnehin hier nur kreischend herum. Azraschatz, trägst du ein Fass Rubinwein in die Bücher ein? Ich muss noch kurz zu Euron, und dann die Festtafeln aufbauen. Tallard hat dieses Jahr keine Grippe, wir werden das alte Wiesel also ertragen müssen. Dafür ist Lystrato nicht da. Und ich hoffe, Olyvar kommt wirklich, versprochen hat er es. Krötenrotz, wo ist denn jetzt schon wieder meine verdammte Liste? Ah, hier. Das hast du überhört Brenainn! Gib ihn mir eine Weile ja? Ich kann ihn eine Zeitlang mitnehmen." Er pflückt Azra seinen Sohn aus den Armen und hebt ihn hoch, was der Kleine mit einem begeisterten Quietschen beantwortet. "Ah ja. So. Aha. Sehr scharfsinnig, mein Junge. Na wenn du meinst..." Dann klemmt er sich das kleine Bündel sicher in den Arm und marschiert in die Harfe, um seinem Gesinde Beine zu machen. Auf dem Weg dorthin kehrt er allerdings noch einmal um, geht zu seiner Frau zurück, und küsst sie, kurz, aber alles andere als oberflächlich. "Treffen wir uns in einer halben Stunde am Festbaum? Äh... nun ja. Am Rand des Tanzbodens, ein Festbaum wird das mickrige kleine Dingelchen vielleicht irgendwann mal. Bringst du die Tischtücher mit? Halla soll dir helfen."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 30. Apr. 2006, 16:10 Uhr
"Zwerg-ärgere-dich-nicht spielen," schnappt Borgil als Antwort und lässt seine Brauen vielsagend in die Höhe schnellen. "Du kannst Fragen stellen. Hilf mir mit dem Fass, Junge, japp, so ist es gut. Kleiner Morgenspaziergang, was?" Tiuri eilt ihm sofort zu Hilfe, doch Borgil wendet sich noch flüchtig den Blumen zu, die Azra nebst Brenainn im Arm hält und hätte sie es nicht besser gewusst, würde es ihr jetzt vorkommen, als müssten die Blumen durch die säuerliche Eifersucht, die aus seinen schwarzen Augen blitzt, kümmerlich verwelken. Kopfschüttelnd drückt sie einen Kuss auf Brenainns weiches Haar und lächelt Borgil derweil sanft an: „Sieh dir deinen Vater an. Eifersüchtig auf Blumen…“ Ihr Ehemann ist derweil beschäftigt Tiuri mit zu Schlitzen zusammengekniffenen Augen scharf zu betrachten, einen seiner schwieligen Finger durch die Luft zu schwenken und dem Jungen dabei einzuprägen, dass, wenn er gerade könnte, wollte, Lust hätte und dazu noch eine Leiter bereit stehen würde, er ihm jetzt für diese Frechheit eine Ohrfeige geben würde. „Borgil!“, fährt Azra auf und betrachtet ihn für einen Moment vorwurfsvoll, derweil sie ihren Sohn, der quicklebendig mit den Ärmchen wackelt, ein wenig hin und herwiegt: „Hör auf dich zu benehmen wie ein zwanzigjähriger, eifersüchtiger Rosenbengel aus Verd.“ Die liebevolle Zärtlichkeit in ihren Worten, straft die Mahnung Lüge und auch ihr Lächeln ist nicht gewichen, kann gar nicht verschwinden, denn Borgil's Gehabe hat sie längst durchschaut und sie weiss sehr wohl, wann er Schirade spielt, und wann ihm etwas wirklich ernst ist. Das Fass mit dem kostbaren Inhalt wird schliesslich doch noch an den richtigen Platz gewuchtet und Azra befreit sich mit flinken Fingern aus ihrem Umhang und sieht sich flüchtig um, damit sie den Raum und das hektische Treiben darin überblicken kann. Die Schankmädchen sind fast alle draussen beschäftigt, Knechte und Stallburschen schaffen die Bänke, Tische und Stühle aus dem Harfengarten auf den Marktplatz, damit der Platz vor der Harfe frei sein würde, für die Kinder der Besucher. Girlanden werden aufgehängt, der Steinboden sauber gefegt, und es rumort und summt auf dem ganzen Marktplatz, wie in einem riesigen Bienenstock. Durch all den Tumult bekommt sie gerade noch mit, wie Borgil sie bittet, das Fass Rubinwein, das mit Gold schlichtweg nicht aufzuwiegen ist, in die Bücher einzutragen und mit einem Schmunzeln nickt sie ihm zu und will schon in Richtung der Küche verschwinden, wo sie das schwere, in Leder eingebundene Buch, zuletzt gesehen hat.
Doch Borgil, fleissig dabei alle um sich herum und sich selbst am meisten mit seiner Hast in den Wahnsinn zu treiben, sieht sich plötzlich mit einen Donnergrummel nach seiner Liste um und Azra hält sie ihm schnellsten unter die Nase, damit er keinen weiteren Grund findet unschuldige Schankmädchen vor lauter Eifer und Zeitrückstand ohne Grund anzufahren. Sie weiss genau, dass es ihm schlichtweg darum geht, das alles zur rechten Zeit, am rechten Ort und am besten auch noch in der rechten Verfassung steht, was bei dem Durcheinander an hunderten von Arbeitern, Mägden, Knechten, Freiwilligen und Blaumänteln eine akrobatische Höchstleistung darstellt.

“ Das hast du überhört Brenainn! Gib ihn mir eine Weile ja? Ich kann ihn eine Zeitlang mitnehmen." Sie kann nur Ja und Amen sagen, denn da hat Borgil seinen Sohn schon auf dem Arm und schwenkt in Richtung der herumwuselnden Wesen, die allesamt rennen wie die Hasen, hält dann plötzlich inne, dreht wieder um und bevor Azra nur den Mund aufbekommt küsst er sie innig. "Treffen wir uns in einer halben Stunde am Festbaum? Äh... nun ja. Am Rand des Tanzbodens, ein Festbaum wird das mickrige kleine Dingelchen vielleicht irgendwann mal. Bringst du die Tischtücher mit? Halla soll dir helfen.", ordert er noch flüchtig und sie kann nur stumm nicken, bevor er auch schon wieder mit einem Fluch auf den Lippen, der einem jungen Burschen gilt, der nicht sputen will, kehrtmacht und sich unter seine Leute mischt, die unter seinen Argusaugen noch eine Spur schneller werden, um bloss nicht seine Verärgerung auf sich zu ziehen. Für einen flüchtigen Augenblick betrachtet sie das hübsche Bild, wie Borgil zwischen dem Mobiliar hindurchrauscht und gleichzeitig innige Gespräche mit seinem krakeelenden Sohnemann führt, bevor sie sich sputet und sich auf die Suche nach dem Buch macht, das sie schliesslich in ihren Gemächern auf dem Tisch findet. In der ihr eigenen zittrigen, schnörkellosen Handschrift, die an die Anfänge eines Kleinkindes erinnern, trägt sie fein säuberlich die Menge des Rubinweins und seinen Preis ein, streut ein wenig Löschsand darüber und schreckt auf, als ein lautes Poltern von draussen erklingt, dicht gefolgt von Borgils alles übertönendem Fluchen, als er die Männer, die die robuste Bank haben fallen lassen, kurzerhand anbrüllt, dass das hier kein Spielplatz wäre und sie gefälligst aufpassen sollen, was sie mit SEINEM Eigentum anstellen. Seufzend legt Azra die Feder weg, bindet sich eine Schürze um, schnürrt in fliegender Hast ihre Haare im Nacken zusammen und sammelt dann in der Küche sämtliche Tischdecken zusammen, die für die Festtafel benötigt werden. Zusammen mit Halla, die bis über beide Schultern mit Besteck, Tellern und Bechern beladen ist, finden sie in dem ganzen Chaos doch recht schnell den Weg zur Festtafel, wo mehr als dreissig Mann gerade versuchen die riesigen, gelben Sonnensegel zu spannen. Auch Borgil hüpft dort herum, brüllt mal hie und mal da einen Befehl, fasst alle mit einem finsteren Blick zusammen und nimmt dann selbst ein Tau in die Hand, damit die Arbeit endlich richtig gemacht wird. Mit kundigen Händen verteilen Azra und Halla, sowie zig andere Mädchen und Frauen die Tischtücher und lassen das Geschirr klappern, derweil sich über ihnen langsam goldgelber Schatten breit macht und angenehme Kühle vor der heissen Shenrasonne spendet. Auch Tiuri ist zu sehen, wie er die Fersen zwischen die Ritzen der Pflastersteine stemmt und ihr Blick fliegt zu Borgil, derweil sie sich an ihr Versprechen erinnert und irgendwie… ihr ist, als wäre genau jetzt, wo Borgil keine Zeit hat, sich noch mehr über etwas aufzuregen, als dass er es bereits tut, der beste Augenblick, um ihn mit ihrem Anliegen zu konfrontieren. Mit eiligen Schritten hetzt sie also um den langen Tisch herum, verteilt Becher in einem Tempo, dass es verwunderlich ist, das ihre Hände nicht schon längst glühen und kommt schliesslich bei ihrem Mann an, der pustend dabei ist den Männern Feuer unterm Hintern zu machen. Ganz in der Nähe beginnen nun einige damit den Tanzboden aufzubauen, doch in den Augen ihres Mannes kann es wohl gar nicht schnell genug gehen. „Borgil, ich muss mit dir reden“, beginnt sie deswegen schnell, damit er ihr nicht schon wieder, wie ein wilder Gaul davonrauschen kann, und fährt sogleich fort, derweil ihre Hände Messer und Gabeln fein säuberlich neben den flachen Tellern aus fein poliertem Kupfer deponieren.

„Heute Morgen, als ich mit Tiuri geredet habe, da hat er mir erzählt, dass er sich seit einem Brand nicht mehr an seine Vergangenheit erinnern kann, deswegen auch die Namensscharade zu Beginn.“ Falls Borgil irgendwie überrascht ist, so verbirgt er es ziemlich gut und sein Blick fegt skeptisch über den Marktplatz hinweg. „Auf jeden Fall“, fährt sie fort, derweil Halla und die Mädchen Stühle und Kissen plazieren, die Azra so schnell wie möglich, um die Festtafel verteilt, dabei im Kopf abzählend, wie viele Gäste sie erwarten und wie viele Gedecke sich auf den blendend weissen Tischtüchern befinden. „Auf jeden Fall weiss er, dass er in Sûrmera aufgewacht ist und durch die Umstände, die er mir berichtet hat, kann es nur so sein, dass das Dorf, in dem dieser Brand geschehen ist, ganz in der Nähe des Flusses ist, der von Sûrmera zu den Erikabergen führt.“ Sie schielt flüchtig über die Schulter und nimmt Borgil gerade in letzter Sekunde Brenainn ab, als das Sonnensegel mit einem Male auf einer Seite nachzugeben scheint und ihr Mann ruckartig beide Hände braucht um das Seil fester zu fassen. „Tiuri möchte aber mehr, - Halla! Es ist ein Gedeck zu wenig! Was?! Ach, Lystrato nicht?, Gut! - von seiner Vergangenheit wissen“, fährt Azra ungerührt ob Borgils Schimpftirade fort, hastet zu Grid, um ihr einige Stoffbahnen, die den noch jungen Baum in der Mitte des Marktplatzes schmücken sollen, abzunehmen und für kurze Zeit ist sie mit der haarsträubenden Arbeit beschäftigt, die unzähligen Knoten und Verwicklungen aus den Feenfäden und dünnen, bunten Stoffbahnen aus Feenseide, die sich durch das Lagern in einer kleinen Truhe in den Klimbim geschlichen haben, zu knobeln und hat keine Zeit sich darum zu kümmern, dass sie Borgil eigentlich gerade ihr Anliegen hat nahe bringen wollen. Zu ihrem Glück hat sie im Gegensatz zu manch anderen viel kleinere und dünnere Finger und so fällt es ihr leichter diese Fuselarbeit zu erledigen. Kaum ist sämtlicher Firlefanz erledigt kommt bereits ein Knecht mit einer kleinen, dreistufigen Leiter und Azra drückt Brenainn Halla in die Fänge, um die noch zarten, jungen Äste des Sprösslings ein wenig zu verzieren und ihn so ein stückweit imposanter wirken zu lassen, als das er mit seiner geringen Grösse in Wirklichkeit ist. Es dauert nicht lange und um die hellgrünen Zweige schlingen sich Girlanden aus goldglitzernden Fäden und hauchdünnen Stoffbahnen in den verschiedensten, schillerndsten Farben. In Eile krabbelt Azra wieder von der Leiter hinunter, rutscht beinahe von der letzten Stufe, kann sich mit rudernden Armen gerade noch fangen, schnappt sich Brenainn, sieht sich suchend um und entdeckt Borgil, wie der gerade im Halbdunkeln der Harfe verschwindet. Hurtig rafft Azra ihre Röcke und rennt ihrem Mann hinterher, derweil Brenainn auf ihrem Arm nur mit grossen, staunenden Augen das Geschehen um sich herum betrachtet. „Borgil“, jappst sie, windet sich um drei Knechte herum, die einen wuchtigen Holztisch nach draussen befördern, duckt sich unter einer Schankmaid hindurch, die den Eingang der Harfe mit Girlanden aus roten Rosen behängt und steigt über eine weitere Magd hinweg, die dabei ist einen Flecken Wein vom Boden aufzuwischen, der Borgil ein gestresstes Grollen entlockt.

„Sûrmera“, raunt sie ihm entgegen, greift, um nur für einen winzigen Augenblick seine volle Aufmerksamkeit zu haben, nach seinem Ärmel und setzt dann schnell hinterher: „Ich möchte mit Tiuri dort hinreissen, um…“ Weiter kommt sie nicht, denn Borgil gibt ein Lautes: „WAS?!“, von sich und sieht sie dabei an, als wäre sie aus allen Wolken gefallen. Bestätigend, dass er sehr wohl richtig verstanden hat, nickt sie kräftig, holt gleichzeitig saubere Krüge unter der Theke hervor und drückt sie einer vorbeiflitzenden Frau mit der Anweisung, diese auf der Festtafel zu verteilen in die Arme. „Ja Borgil, ich möchte mit Tiuri dort hin reissen. Ich will ihn nicht alleine lassen, wer weiss, was er herausfindet, vielleicht braucht er dann jemanden“, erklärt sie mit einem flehentlichen Glimmen in den Augen, doch ihr ist, als wäre das noch längst nicht genug, um ihren Mann davon zu überzeugen, sie gehen zu lassen. „Wir dachten… Nein! Noch nicht anzapfen, er muss kühl bleiben! Hol doch bitte den Wein aus dem Keller! Und die Fässer Honigmet, die in der rechten hinteren Ecke! Danke... Wir dachten wir könnten mit einer Kutsche reisen, wir beide zusammen… Der Inariwein kommt erst später, aber Feentau könnte man schon bereit stellen… und ja“, ächzt sie schnell, um ihn nicht zu Wort kommen zu lassen, derweil er schon wieder dabei ist in den Harfengarten zu hetzen und dort zu überwachen, dass sämtliche Laternen sicher befestigt werden, damit sie nicht von irgendwelchen Volltrunken einfach heruntergeholt werden können. Während er lauthals seine Anweisungen zetert spricht sie weiter, als hätten sie alle Zeit der Welt und es gäbe keinen besseren Augenblick, um dieses Thema genau jetzt anzusprechen: „Ja, Brenainn würde ich mitnehmen. Es würde doch nicht lange sein, für ein paar Wochen und vielleicht finden wir etwas heraus, dass Tiuri helfen könnte, sich zu erinnern. Vielleicht verstehst du gerade nur die Hälfte von dem, was ich hier erzähle, aber im Grunde genommen ist auch nur wichtig, dass ich Tiuri helfen und deswegen mit ihm nach Sûrmera reisen möchte. Bitte Borgil.“ Der flehentliche Ton in ihrer weichen Stimme ist trotz des beachtlichen Geräuschepegels um sie herum nicht zu überhören und während Borgil noch damit beschäftigt ist zu verhindern, dass eine ganze Girlande sich wegen mangelnder Befestigung der Schwerkraft ergibt, reicht Azra einem anderen Knecht eine Laterne in die Höhe, damit dieser Platz auch des Abend hell erleuchtet sein wird. Die Idee aus dem Harfengarten einen Spiel- und Tummelplatz für Kinder zu machen stammte ursprünglich von Halla und Grid, doch sie war von all den anderen Schankmaiden erfreut aufgenommen worden und angesichts einer solchen Übermacht von kindervernarrten Frauen hatte Borgil nur  ein „Ja und Amen“, von sich gegeben und sich götterergeben seinem Schicksal gefügt, seinen geliebten Harfengarten zu einem Kinderauffangbecken zu deklarieren.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 30. Apr. 2006, 16:59 Uhr
>Heute Morgen, als ich mit Tiuri geredet habe, da hat er mir erzählt, dass er sich seit einem Brand nicht mehr an seine Vergangenheit erinnern kann, deswegen auch die Namensscharade zu Beginn.<
"Hum?" Borgils Blick schweift über den Marktplatz. Azra und Halla decken die Festtafel auf, an der sich später einige ihrer Freunde versammeln würden - eine weitere für den übrigen Stadtrat und die versammelte Priesterschaft ist bereits gedeckt und strahlt im Glanz schweren Silbers, kostbaren Porzellans, noch viel kostbarerer Glaskelche und blutroter Rosen zwischen samtgrünem Efeu und zartgoldenen Lilienblüten.
>Auf jeden Fall weiss er, dass er in Sûrmera aufgewacht ist und durch die Umstände, die er mir berichtet hat, kann es nur so sein, dass das Dorf, in dem dieser Brand geschehen ist, ganz in der Nähe des Flusses ist, der von Sûrmera zu den Erikabergen führt.<
"Oh, na sehr schön für ihn. Oder nicht? Halt... die bunten Stoffbänder aus Feenschleiern hierher!" Azra nimmt ihm Brenainn ab, gibt ihn aber alsbald an Halla weiter. Eine Weile driften sie auseinander, während Azra den noch mickrigen jungen Baum ein wenig schmückt, der die schöne junge Goldeiche, die das Dämonenfeuer leider nicht überlebt hatte, irgendwann einmal ersetzen soll, dafür aber noch viel zu klein ist. Er selbst hilft derweil seinen Knechten, auch die letzten Tische noch an ihren Platz zu rücken. Kaum ist er damit fertig, weiß er, dass er die restlichen Arbeiten nun getrost anderen überlassen kann und eilt in die Harfe, um sich selbst endlich umzukleiden, schließlich steigt die Sonne schon hoch und in zwei, drei Stunden wäre es Mittag und dann... allerdings kommt er nicht weit, als seine kleine Frau plötzlich hinter ihm auftaucht und ganz und gar Närrisches Zeug von sich gibt. >Sûrmera. Ich möchte mit Tiuri dort hinreissen, um…<
"WAS?!" Er ist sich sicher, sich verhört zu haben, bis Azra nickt, gleichzeitig aber nach links und rechts wilde Anweisungen an sein Gesinde verteilt, die sich hauptsächlich um Bierkrüge und Getränke drehen.
"Azra, ich habe jetzt wirklich keine Zeit für..."

>Ja Borgil, ich möchte mit Tiuri dort hin reissen. Ich will ihn nicht alleine lassen, wer weiss, was er herausfindet, vielleicht braucht er dann jemanden...<
"Mit Tiuri nach Sûrmera reisen? Was redest du da nur für einen Unsinn! Hast du einen Sonnenstich? Sûrmera, also wirklich.."
Eigentlich auf dem Weg in seine Gemächer, dreht er noch einmal um, um im Harfengarten das Anbringen der Laternen zu überwachen - notgedrungen auf geschnitzte, gedrehte Säulen angewiesen, da seine schönen, alten Buchen das Dämonenfeuer auch nicht überlebt hatten. Azra gibt jedoch nicht auf. >Ja, Brenainn würde ich mitnehmen. Es würde doch nicht lange sein, für ein paar Wochen und vielleicht finden wir etwas heraus, dass Tiuri helfen könnte, sich zu erinnern. Vielleicht verstehst du gerade nur die Hälfte von dem, was ich hier erzähle, aber im Grunde genommen ist auch nur wichtig, dass ich Tiuri helfen und deswegen mit ihm nach Sûrmera reisen möchte. Bitte Borgil.<
"Bist... du... übergeschnappt?" Ächzt er, wartet gerade so eben noch ab, bis sie die letzte Laterne aus der Hand gegeben hat, packt sie dann am Ellenbogen, lässt Marktplatz und Festvorbereitung sein und bugsiert sie entschlossen in ihrer beider Schlafgemach. Er wollte sich ja ohnehin umziehen. Er nimmt ihr Klein-Brenainn ab, legt ihn in seine Wiege, wo er hingebungsvoll seinen roten Stoffball knautscht und eilt dann zum Schrank - immer noch völlig fassungslos von dieser haarsträubenden Sûrmerageschichte. Dann legt er los. "Auf gar keinen Fall! Welches Kleid willst du anziehen? Das Rote? Gut." Er holt es aus dem Schrank und wirft es auf das Bett, dann kramt er wild nach einem reinen Hemd und ein paar sauberen Hosen für sich selbst. "Sûrmera, das ich nicht lache! Mit Tiuri! Und Brenainn will sie auch noch mitschleppen, ein fünf Monde altes Baby! Azra, hör mir zu. Grün oder Braun? Braun? Schön, der grüne müsste ohnehin gewaschen werden." Seine knotigen, kräftigen Zwergenfinger pfeffern das grüne Festwams zurück in den Schrank und er zieht sich schnaubend das fleckige Arbeitshemd über den Kopf. Als er prustend wieder daraus auftaucht, ist Azra gerade dabei, ihr eigenes Kleid abzulegen und einen Moment lang laben sich seine Augen an weißer Haut und weißen Rundungen und diesem wundervollen kleinen, weißen... schweif bloß jetzt nicht ab!

"Was zur Hölle wollt ihr eigentlich in Sûrmera? Hast du eine Vorstellung davon, wie weit das entfernt ist? Ich weiß es. Weit. Weit, weit weg. Neunhundert Tausendschritt in etwa. Eine Kutsche nehmen, mmpf! Ihr wäret nicht Wochen, sondern Monde lang unterwegs, ganz zu schweigen davon, dass das Geruckel und Geschüttel in einer dieser blöden Karossen für Brenainn alles andere als gut wäre... und einmal abgesehen von Wegelagerern, Räubern, Banditen, Vogelfreien und was weiß ich noch allem, das sich im Larisgrün herumtreibt. Wie weit würdet ihr beide mit dem Baby kommen? Bis Liedberg vielleicht und dann? Nein, Azra, tut mir leid, aber ich kann dir auf gar keinen Fall eine solch gefährliche Reise erlauben. Nein," er schüttelt den Kopf und schlüpft in ein paar weiche, braune Lederhosen, die an den Seitennähten mit zwergischen Runen bestickt sind. "Und du brauchst mich gar nicht so anzusehen, das wird nichts nützen! Himmel, ich möchte mal wissen, wie du auf einen solchen Gedanken kommst. Du warst doch mit deinem Wanderer unterwegs und weisst eigentlich, dass die Immerlande keine Gegend für Sonntagnachmittagsspaziergänge sind. Und Tiuri? Er ist ein feiner Kerl und ich mag den Jungen wie meinen eigenen Sohn, glaub mir, aber er kann nicht sich selbst, dich und Brenainn beschützen. Und du... Azraschatz, du kannst dich in Talyra frei bewegen, weil die Leute dich hier inzwischen alle kennen und respektieren und die meisten mögen dich auch wirklich gern, aber in Sûrmera kennt dich niemand. Was glaubst du, wird passieren, wenn dich jemand sieht, eh? Und mit Brenainn? Und dann auch mit Tiuri, weil er bei dir ist? Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass ich meine Frau ganz bestimmt nicht hunderte von Tausendschritt weit mit einem so jungen und gutaussehenden Bengel durch die Weltgeschichte reisen lasse. Niemals, schlag dir das aus deinem hübschen Kopf und zwar besser schnell." Er schlüpft in sein Wams und hilft ihr dann mit der Schnürung ihres Mieders. Ihr Kleid ist rot. Mehr als rot, mit einem gewagten Ausschnitt und sie sieht umwerfwend darin aus mit ihrer weißen Haut und dem silberweiß schimmernden Haar, aber er lässt sich ganz bestimmt nicht davon ablenken, dazu ist die Angelegenheit auch viel zu ernst.  "Ich will nichts mehr von Sûrmera hören. Wenn wir fertig sind, sollten wir gehen. Nach dem Mittag werden die ersten eintrudeln und am Nachmittag ist die Prozession... ich hoffe nur, das Wetter hält. Die Wolken da im Osten gefallen mir gar nicht..."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 30. Apr. 2006, 18:58 Uhr
"Bist... du... übergeschnappt?", ächzt Borgil und bugsiert sie dann entschlossen durch die Menge zurück in die Harfe in ihre eigenen Gemächer, damit auch sie sich endlich für das Fest herrichten können. Etwas das Azra fast vergessen hätte nebst der viele Arbeiten, die da draussen noch auf sie warten. „Nein, bin ich nicht“, schnappt sie und streckt ihr Näschen in die Höhe, bevor sie Brenainn seinem Vater gibt, der ihn in seine Wiege legt, wo ihr Sohn sofort nach seinem Ball grabscht und ihn probehalber in den Mund steckt. Das tut er seit einiger Zeit mit allem, was er zwischen seine neugierigen Fingerchen bekommt. Borgil wendet sich dann dem hohen, breiten Schrank zu, um mit seinem Schädel darin zu verschwinden, kurzzeitig wieder aufzutauchen und ihr ein striktes: "Auf gar keinen Fall! Welches Kleid willst du anziehen? Das Rote? Gut.", entgegen zu pfeffern. Sie stemmt die Hände in die Hüfte, sieht ihm flehentlich an und beginnt dann sich aus ihrer Arbeitskleidung zu schälen, derweil sie gleichzeitig versucht gestikulierend ihren Standpunkt zu vertreten und das am Besten noch ohne das Gleichgewicht zu verlieren: „Warum nicht Borgil?! Ich werde Tiuri nicht alleine dort hinreisen lassen. Auf gar keinen Fall!“, ahmt sie seine Stimmlage nach, die wie ein endgültiger Entscheid in ihren Ohren geklungen hat, doch dieses eine Mal ist sie nicht bereit einfach so aufzugeben, schon alleine um Tiuris Willen. "Sûrmera, das ich nicht lache! Mit Tiuri! Und Brenainn will sie auch noch mitschleppen, ein fünf Monde altes Baby! Azra, hör mir zu,“setzt Borgil erneut an, holt zwei seiner Festwamse hervor und hält sie ihr unter die Nase:“Grün oder Braun?“ Mit einem indignierten Seufzen deutet sie auf das Braune, von dem sie weiss, dass es keinen Flecken am Saum hat und die Naht noch nicht ausgerissen ist.“ Braun? Schön, der Grüne müsste ohnehin gewaschen werden." Resignierend nickt sie, zieht das Kleid über ihre Schultern und schnappt sich dann ihr Festgewand, dass ihr der alte Dornenbeutel im Winter geschneidert hat, nebst unzähligen Anderen, die sie noch nicht gewagt hat, anzufassen. Sie ist gerade dabei in die engen, mit schimmernden, kaum merklichen Stickereien aus hauchdünnen Goldfäden verzierten Aermel zu schlüpfen, als Borgil richtig loslegt und ihr in einem gewaltigen Wortschwall klar macht, welche tausende von Gründe es gibt, dass sie nicht, unter keinen Umständen, nie nach Sûrmera reisen kann, schon gar nicht alleine mit Tiuri. Sie bedenkt ihn mit einem bittenden Blick aus grossen Augen, die einem Rehkitz Konkurrenz gemacht hätten, doch dieses mal prallt die Wirkung an ihm ab, wie Wasser an einem Stein und er rattert ihr sofort noch einmal zig Argumente gegen die Reise hinunter, bis ihr die Ohren klingeln. “Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass ich meine Frau ganz bestimmt nicht hunderte von Tausendschritt weit mit einem so jungen und gutaussehenden Bengel durch die Weltgeschichte reisen lasse. Niemals, schlag dir das aus deinem hübschen Kopf und zwar besser schnell." Borgils Finger sind gerade noch damit beschäftigt die goldenen Samtbänder, die das enge, ebenfalls blutrote Mieder aus glänzendem, schwerem Brokat auf ihrem Rücken zu schnüren, da fährt sie zu ihm herum, - er kann gerade noch seine Finger retten -  und ihr Brustkorb hebt sich ruckartig unter der gewaltigen Menge an Luft, die sie auf einmal und mit funkelndem Blick in ihre Lungen saugt. „Borgil Blutaxt! Glaubst du Tiuri würde es auch nur wagen eine Hand an mich zu legen oder glaubst du wahrhaftig, ich würde irgendwie vergessen, dass ich hier zu Hause einen wundervollen Ehemann hätte? Glaubst du überhaupt, dass es irgendwo auf dieser ganzen Welt auch nur einen verdammten Mann gibt, der mir jemals mehr bedeuten könnte, als du?“ Aufgebracht wedelt sie mit einem Finger vor seinem Gesicht herum, hört ihr Herz gegen ihren Gaumen pochen und sucht gleichzeitig verzweifelt nach Worten, bis sie mit einem entrüsteten „Pfff“ und einem Schmollmund kehrt macht und ihre Haare aus dem Nacken streicht, um ihm wieder die Möglichkeit zu geben an das Mieder zu kommen.

"Ich will nichts mehr von Sûrmera hören. Wenn wir fertig sind, sollten wir gehen. Nach dem Mittag werden die ersten eintrudeln und am Nachmittag ist die Prozession... ich hoffe nur, das Wetter hält. Die Wolken da im Osten gefallen mir gar nicht..." „Anstatt einfach nein zu sagen, könntest du mir sagen, wie ich denn sonst verreisen könnte“, wirft sie etwas leiser als zuvor ein, rückt ihren Ausschnitt zurecht und fragt sich einmal mehr, woher diese schreckliche Oberweite bloss kommt. Nicht einmal fünf Monate nach Brenainns Geburt hat sie wieder irgendwelche Ausmasse angenommen, die man annähernd als annehmbar, geschweige denn als normal bezeichnen könnte. Das Kleid selbst ist ein Traum aus Rot und Gold und wohl eines der kostbarsten Gewänder, das sie in ihrem Schrank hängen hat, jedoch ebenso auch eines der Gewagtesten. Es lässt sowohl ihre Schultern, als auch einen grossen Teil ihres Dekolletees frei und für den Rock, der mit verschwenderisch vielen Goldstickereien versehen ist, sind wohl Unmengen an Stoffberge drauf gegangen. „Na gut, nicht mit der Kutsche, in Ordnung. Hm…“, fachsimpelt sie ungeachtet seiner Anweisung, derweil sie den gewaltigen Rock mit den unzähligen Stoffschichten bis zu den Oberschenkeln rafft, auf die Knie geht und unter dem Bett ihre kleine Eibenholzschatulle mit verschiedenen, kleinen Wertsachen hervorkramt. Nebst einem einfachen Silberkettchen, verschiedenen Bändern in den unterschiedlichsten Längen und Farben, einem kleinen, silbernen Ring, sowie einer zierlichen, elfenbeinfarbenen Perlenkette findet sich dort auch ein blutrotes Seidenband, sowie ihre goldene Haarnadeln. Beides landet zwischen ihren Fingern und hektisch erhebt sie sich wieder, fein säuberlich die Falten aus dem schweren Rock streichend: „Was gibt es denn sonst noch für Möglichkeiten nach Sûrmera zu reissen? Und was das allein reisen anbelangt…“ Ihre Finger vergraben sich in ihrem Haar, bürsten es ein wenig durch und stecken es dann gekonnt an ihrem Hinterkopf fest, damit es in weichen Locken bis auf die Schultern hinab fällt. Dann flechtet sie das Band hinein und befestigt schlussendlich mit dem Geschenk ihres Wanderers eine vorlaute Strähne hinter ihrem Ohr. Keuchend erhebt sie sich wieder, drückt und zerrt, bis das Mieder nicht mehr so sehr drückt, dass sie Angst haben muss bald nach Luft zu jammern und wendet sich dann wieder Borgil zu, der dabei ist seinen Wams mit den Goldknöpfen zu schliessen und dabei immer noch nicht aussieht, als wäre er bereit auch nur ein Stückweit nachzugeben. „Ich kann und will nicht mit einem Aufgebot von Beschützern, Blaumänteln oder was auch immer in Sûrmera auftauchen. Im Grunde genommen möchte ich doch nur Tiuri helfen, verstehst du das denn nicht?“, fleht sie, leicht verzweifelt ob seiner Unnachgiebigkeit und hebt zärtlich Brenainn aus seiner Wiege, dessen Finger, die er sich gerade mit hinreissender Begeisterung in den noch zahnlosen Mund gesteckt hat, erst mit einem Tuch abwischend, damit es keine Flecken auf ihrem Kleid gibt. Gleichzeitig schiebt sie Borgil seine polierten, schwarzen Wildlederstiefel zu, die äusserst edel an ihm wirken und ihr ein stolzes Lächeln entlocken. „Gut siehst du aus“, gurrt sie leise und tritt dann auf ihn zu, sofort wieder ernst. Sorgfältig zupft sie an seinem Hemdkragen herum, richtet diesen zurecht und seufzt dann leise, ihre Finger in dem weichen Samt vergrabend, aus dem Borgils Wams hergestellt wurde. „Ich weiss, dass es plötzlich kommt und du gerade alles andere um die Ohren hast, als dich darum zu kümmern, was ich tun möchte, doch… bitte Borgil, ich will ihm doch nur helfen. Oder, wenn ich schon nicht mitkann, dann geh du mit ihm und ich passe auf die Harfe auf, so wie damals, bei Phelans Beerdigung. Tiuri wäre sicherlich froh dich an seiner Seite zu haben. Er liebt und respektiert dich. Alles was ich nicht möchte ist ihn allein gehen zu lassen und einer von den Knechten, Halla oder sonst jemand, sie alle wissen nichts davon, dass er seine Vergangenheit vergessen hat.“

Sie hat dieses Mal nicht vor nachzugeben, obwohl sie seine Bedenken versteht, zumindest die Meisten. „Ich meine…autsch, Brenainn, lass deine Finger von meinem Haar… ich meine damit nur, dass es doch irgendwie, irgendwo bestimmt einen Weg geben wird, das auch ich irgendwohin reisen kann, ohne… nun…“, ihre Stimme bricht ab, denn es fällt ihr schwer sich vorzustellen, wie die Leute in Sûrmera auf ihr Erscheinen hin reagieren könnten. Ich lebe schon viel zu lange in der Sicherheit Talyras und die Blicke bemerke ich längst nicht mehr. Schnell genug jedoch kehren die Erinnerungen an frühere Tage zurück und sie erschaudert ohne ersichtlichen Grund, derweil sie sich, soweit es Brenainn ohne aufgebrachtes Brabbeln zulässt, an Borgil schmiegt und ihr Gesicht an der warmen Haut an seinem Hals vergräbt, ohne dabei einen Hintergedanken hegen. Ihr Sohn reckt sein Köpfchen nach hinten, sieht staunend zu seinem Vater hinauf und kreischt dann so laut und freudig, dass es wahrscheinlich bis in den Schankraum zu hören ist. "Wenn es dir lieber ist, können wir nach dem Fest weitersprechen", versucht sie es in einem versöhnlicheren Tonfall und fährt mit ihren Fingern durch sein weiches Haar, das viel länger und dicker ist als das ihre. Ein leises Seufzen kommt aus ihrem Mund und als sie Borgil zwischen den Wimpern hindurch noch einmal anblinzelt, liegt Wärme und Hoffnung gleichermassen darin, ebenso wie ein winziger, vorwitziger Funke und ein schelmisches Schmunzeln liegt auf ihren Lippen, als sie sich leise räuspert und ihm mit einem verführerischen Augenaufschlag zuschnurrt: "Oder wir überspringen das Fest und beginnen sofort mit den angenehmen Angelegenheiten. Wir haben ja noch Zeit..." Dabei schmiegt sie sich an ihn und achtet nicht auf Brenainns Gebrabbel, welches ihr Gehabe anscheinend in den höchsten Tönen kommentieren soll.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jamar am 30. Apr. 2006, 20:03 Uhr
Mehr als ein einfaches >„Geht klar.“< bekommt er nicht von ihr. Sie macht zwar nicht den Eindruck, als würde sie ihm die Geschichte vollends abnehmen, aber sie hat wenigstens begriffen, dass sie keine dummen Fragen stellen soll und dass sie ohnehin keine andere Wahl hat. Immerhin bekommt sie nicht gerade wenig Geld dafür, dass sie die Klappe hält und das tut, was man ihr sagt. Mit einem geringen zufriedenen Nicken, beendet Jamar die Unterhaltung und löscht das Licht. Mehr gibt es für diesen Abend nicht zu sagen. Morgen wäre der Tag woraufhin sie den letzten Mond hier in Talyra gearbeitet haben. Wie genau sie auf die Zielperson in all dem Gewühl aufmerksam werden sollen, gibt ihm zwar noch Rätsel auf, aber er hat sich im Vorfeld schon einige Dinge ausgedacht, die ihnen dabei behilflich sein könnten. Kurz geht er in Gedanken noch einmal den heutigen Tag, dessen Gespräche und alle Vorbereitungen durch, dann löscht er die Kerzenflamme und legt sich zu Bett.

Es ist früh, als Jamar erwacht. Etwas an diesem Tag ist anders und liegt nicht allein daran, dass heute der Tag ist an dem sie Talyra verlassen. Das Fenster ist geschlossen und trotzdem hat er das Gefühl, als würde direkt vor seinen Füßen ein Sklavenmarkt abgehalten. Laute Befehle werden gerufen, hektische Stimmen klingen von überall gleichzeitig zu ihnen ins Zimmer und allgemein scheint von außerdem dieser vier Wände eine enorme Unruhe auszugehen. Ein wenig verschlafen reibt er sich die Augen und steigt dann aus dem Bett, um einen Blick aus dem Fenster zu werfen. Wo sich sonst eigentlich die Stände der Markthändler aneinander reihen, befinden sich nun eifrige Mitarbeiter der Harfe und unendliche viele Festtafeln. Niemand scheint auch nur eine Sekunde lang still zu stehen und alle springen sie im Kreis, wenn der rote Schopf des Zwerges auftaucht. Jamar war schon bei ihrer ersten Begegnung der Meinung, dass man es sich mit dem Zwergen nicht verscherzen sollte, aber als er dann auch noch hört wie er pausenlos vor sich hinflucht, zetert und herumkommandiert, ist sich Jamar sicher, dass er nicht mit dem Zwergen aneinander geraten will. Er verspürt zwar keine Angst vor dem Mann, der ihm gerade mal so bis zur Brust reicht, doch einen erheblichen Respekt. Und was Borgil Blutaxt an Höhe fehlt, hat er eindeutig in der Breite. Aber wenn alle mit dem Fest beschäftigt sind, so kümmert sich niemand um sie. Ein unschlagbarer Vorteil. Selbst im dollsten Getümmel würden sie nicht auffallen, egal wie unvorsichtig sie agieren würden. Spätestens heute Abend, wenn sie zuschlagen, wäre wohl die halbe Stadt sturzbetrunken und würde sich ausgiebig den neu gewonnenen Bekanntschaften widmen. Jamar hat nicht viel übrig für solche Feste, aber er weiß sie auf seine ganz eigene Art zu nutzen. Jeder der ihn gestern noch schief angeguckt hätte, würde ihn heute willkommen heißen und sogar mit ihm einen trinken. Egal wie grimmig ergucken würde. Feste machen die Leute immer viel zu rühr- und vertrauensselig, besonders wenn es dabei um die Göttin der Liebe geht. Mit einem geringschätzenden „Pff.“ wendet er sich vom Fenster ab und blickt zu Selainee die scheinbar noch schläft. Bis zum Mittag müssen sie die Harfe verlassen haben, aber sie würden schon vorher gehen. Solange wie er seine Sachen zusammenpackt rührt sich das Mädchen kein bisschen auf ihrem Bett, doch als er fertig ist, weckt er sie kurzerhand und gibt ihr zu verstehen, dass sie auch ihre Sachen zusammensuchen soll. Dann verlässt er das Zimmer kurz. Dieses Mal allerdings ohne abzuschließen. Es vergeht noch nicht einmal eine Minute und Jamar kehrt mit Ismael und Darwik im Schlepptau zurück. Auch sie haben schon gepackt und warten nur noch darauf, dass auch Selainee fertig wird.

Während sie packt, gibt Jamar die ersten Instruktionen des letzten Tages an seine Leute weiter. Darwik würde zum Smaragdstrand rausgehen und dort ein Auge auf sie werfen. Sollte sie sich in Richtung Stadt begeben, würde er ihr auf Schritt und Tritt folgen. Jamar ist sich ziemlich sicher, dass es der Amazone auffallen wird, aber selbst wenn sie Darwik bedroht, würde sie kein bisschen aus ihm heraus bekommen. Er weiß schließlich nichts und angesichts des Festes mag er einfach wie ein liebestoller Nordmann wirken, der einfach nicht von ihr ablassen kann. Somit wird sie seine Nähe hoffentlich akzeptieren und keine weiteren Fragen stellen. Für Ismael und Selainee steht zur Aufgabe gegen Mittag die Kutsche abzuholen und sie im Norden der Stadt, nahe des Tempelhains abzustellen. Dort wäre auch ihr Treffpunkt nach Sonnenuntergang, wenn die Feuer entzündet werden.
So wie Darwik die Amazone nicht aus den Augen lassen wird, darf Ismael sich kein Stück von der Kutsche entfernen. Was Selainee angeht, hat sich Jamar nicht festgelegt, aber da bislang alles gut geklappt hat, gibt er sich großzügig. „Nachdem du mit Ismael die Kutsche abgeholt hast, hast du frei. Beim Sonnenuntergang bist du bei der Kutsche... solltest du nicht auftauchen, gnaden dir die Götter!“ Für jemanden wie Jamar ist es ein erhebliches Risiko sie jetzt, nachdem er sie eingeweiht hat, einfach unbeaufsichtigt gehen zu lassen, aber gleichzeitig weiß er bis zum Abend dann auch mit großer Sicherheit, ob er sich auf sie verlassen kann. Selbst wenn es nur wegen des Geldes und nicht wegen ihm ist. Sie weiß zwar genug, um zu plaudern, aber keine Namen um genaueres zu verraten. „Das wäre es. Hier Ismael, du nimmst das Gepäck von Darwik. Ich komme später zu dir.“ Nachdem sie noch Kleinigkeiten besprochen haben und Selainee auch endlich abreisefertig ist, kontrollieren alle noch einmal, ob sie auch alles eingepackt haben und verlassen dann das Zimmer. Unten am Tresen drücken sie einer der umherschwirrenden Mogbars die Schlüssel in die Hand und versuchen sich dann unbehelligt aus dem Getümmel zu verdrücken.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Selainee am 01. Mai 2006, 12:34 Uhr
Anders als an anderen Tagen ist Selainee mit einem Schlag hellwach als Jamar sie unsanft wie immer aufweckt. Als ob ihr Körper nur darauf gewartet hat gestartet zu werden beginnt es in ihren Fingerspitzen zu kribbeln und ihr Herz beginnt schneller zu schlagen. Es ist so weit. Heute ist es endlich so weit. Endgültig hat nun die Aufregung über Misstrauen und Angst gesiegt und sie verspürt jenen ungesunden Tatendrang der sie schon als Kind in die unmöglichsten Situationen gebracht hat.

Von draußen dringen Rufe in ihr Zimmer, alle scheinen in heller Aufregung zu sein und Selainee lässt sich nur zu gern davon anstecken. Als Jamar ihr zu verstehen gibt, dass sie ihre Sachen nun packen soll macht sie sich mit fast schon fieberhaftem Eifer daran dies auszuführen. Sie bemerkt kaum wie Jamar das Zimmer verlässt und schließlich mit den beiden anderen zurückkehrt und blickt erst wieder auf als er ihre weitere Vorgehensweise erklärt. Eine leichte Enttäuschung macht sich in ihr breit als er sagt sie und Ismael seien für die Kutsche verantwortlich, sie hatte gehofft wenigstens etwas vom Fest mitzubekommen, als er dann jedoch sagt sie könne bis zum Abend machen was sie will hätte sie am liebsten einen Luftsprung gemacht. Die Drohung am Ende seines Satzes überhört sie großzügig.

Endlich fertig damit ihre spärlichen Habseeligkeiten zusammenzupacken hüpft sie vom Bett und wippt unruhig von den Zehenspitzen auf die Fußballen. Noch eine Sekunde länger und sie ist sich sicher vor Aufregung platzen zu müssen, doch Jamar hat sich schon zur Tür gewand und macht sich auf den Weg in den Schankraum.

Was durch das Fenster als dumpfes Rumoren angekommen war stellt sich hier als eine wahre Volkswanderung heraus. In ihrem jungen Leben war es Selainee bis jetzt noch nicht vergönnt gewesen an einem solch großen Fest teilzunehmen und schon allein der Anblick der vielen umherschwirrenden Menschen macht ihren Kopf ganz schwindelig und lässt sie begeistert wie ein kleines Kind umherschauen. Sie kann es nicht erwarten sich hier selbstständig zu machen und ein wenig ihres verdienten Geldes unter die Leute zu werfen. Ihre Aufregung wandelt sich in eine Art kindische Hochstimmung die bei unruhigen Gemütern wie sie eines ist schnell zu einem gefährlichen Leichtsinn werden kann, nicht nur für ihren Geldbeutel sondern auch für ihre Gesundheit.

Ismael und Jamar sind wie immer die Ruhe selbst, nur Darwik scheint ihre Begeisterung irgendwie zu teilen und das macht ihr den dümmlichen Mann ein kleines Stück sympathischer, er grinst ihr zu, als sie endlich auf die Straße heraustreten und Selainee grinst zurück. Für den Umstand, dass sie dabei ist an der illegalsten Unternehmung ihres Lebens teilzunehmen hat sie zur Zeit keinen Gedanken übrig.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 01. Mai 2006, 23:41 Uhr
Borgil, dessen kräftige Finger vielleicht für den Schaft einer Axt oder ein paar kurze Wurfbeile geschaffen sind, aber nicht für dünnen Seidenfirlefanz, müht sich grummelnd mit den Schnüren ihres Mieders ab und Azra, die gerade eben noch in feinsten Batistleibchen und blutroten Seidenstrümpfen vor seiner Nase herumgehüpft war, und nun in dieser wandelnden, weinroten Versuchung vor ihm steht, denkt natürlich nicht einmal daran, aufzugeben. Sie hat es sich offenbar in ihr hübsches Köpfchen gesetzt, mit Tiuri eine Sommerreise zu veranstalten und er weiß bald beim besten Willen nicht mehr, wie er ihr die handfesten Gefahren ihres Vorhabens klar machen soll, ohne dabei grob werden zu müssen. Und gerade, als er endlich - endlich! - eine Schleife in ihrem Rücken zustande gebracht hat, fährt sie auch noch wie von der Tarantel gestochen zu ihm herum, und beginnt zu fauchen wie ein aufgebrachtes Kätzchen. >Borgil Blutaxt! Glaubst du Tiuri würde es auch nur wagen eine Hand an mich zu legen oder glaubst du wahrhaftig, ich würde irgendwie vergessen, dass ich hier zu Hause einen wundervollen Ehemann hätte? Glaubst du überhaupt, dass es irgendwo auf dieser ganzen Welt auch nur einen verdammten Mann gibt, der mir jemals mehr bedeuten könnte, als du?<
"Himmelgötternochmal... halt still, jetzt ist alles wieder auf!"
Sie funkelt ihn noch einen Moment an, spitzt ihren kleinen Mund, gibt ein entrüstetes Pfff! von sich und dreht sich wieder um. Also noch einmal Schnüre und Knoten... als er nach einer halben Ewigkeit, wie ihm scheint, endlich damit fertig ist, und Azras ohnehin schmale Taille dank Korsett noch schmäler ist, sucht sie noch dies und jenes zusammen, frisiert ihr Haar, zupft an ihrem ziemlich beeindruckenden Ausschnitt herum, holt Brenainn aus seiner Wiege und schiebt ihm seine Stiefel zu -  doch sie ist all seinen Warnungen zum Trotz einfach nicht bereit, das leidige Thema Sûrmera und die Reise dorthin fallen zu lassen, und Borgil ringt innerlich mit den Händen. Sie hakt nach und fragt nach anderen Reisemöglichkeiten, sie will einfach nicht wahrhaben, dass es für sie gefährlich sein kann, sie will von Schutz, Eskorten und Wachen nichts wissen, sie schlägt ihm sogar allen Ernstes vor, dann solle doch ER Tiuri begleiten und sie bliebe hier, geht ihm um den Bart und klimpert mit den Augen - und gibt keinen Sekhel nach. Sil an seiner Esse selig, langsam weiß ich, warum wir Zwerge uns nie, nie, nie eigene Frauen geleistet haben!

"Nein, Azra," grollt er irgendwann leise und todernst. "Ich verstehe ja sehr gut, dass du Tiuri helfen willst und ich kann mir wirklich denken, wie wichtig diese Sache für ihn ist, aber nein. Es ist zu gefährlich - und zwar nicht nur für dich, sondern auch für Tiuri und von Brenainn, den du mitnehmen müsstest, schließlich braucht er dich, reden wir einmal gar nicht. Ich wäre ein lausiger Ehemann, wenn ich dir das erlauben würde. Der einzige halbwegs bequeme Weg nach Sûrmera ist der per Schiff, aber das schlag dir gleich wieder aus dem Kopf. Was tätet ihr denn in Sûrmera? Wenn ich dich richtig verstanden habe, kommt der Junge ja nicht aus der Stadt selbst. In Sûrmera hättet ihr also wieder das Problem, dass ihr Pferde bräuchtet oder einen Wagen und wie soll das mit Brenainn gehen? Und wenn ihr zwei euch in der Stadt aufhaltet... wie soll das aussehen? Möchtest du wieder gejagt und vertrieben werden oder gar Schlimmeres? Glaubst du, allein Tiuri kann dich vor einem aufgebrachten Mob beschützen? Und Brenainn? Soll ich seelenruhig erlauben, dass meine Frau und mein Sohn gesteinigt, gequält, verfolgt oder umgebracht werden nur weil du dir eine solche Reise einbildest? Wie ist es dir auf deinem langen Weg hierher mit dem Wanderer ergangen? Soll sich das wiederholen? Möchtest du deinen Sohn einem solchen Pöbel aussetzen? Und Tiuri? Glaub mir, wenn ich einen gangbaren Weg sehen würde, dem armen Jungen zu helfen, ich würde es tun, aber ich sehe keinen!" Brenainn beendet seinen langen Vortrag mit einem ohrenbetäubenden Quietschen und Borgil nimmt seinen Sohn auf den Arm. Azra gibt immer noch nicht auf, klingt aber schon versöhnlicher. >Wenn es dir lieber ist, können wir nach dem Fest weitersprechen...<
Borgil ist jedoch nicht in der Stimmung für Unterhandlungen, und er wird ihr auf gar keinen Fall solch lebensgefährlichen Unsinn erlauben. "Das wird gar nicht nötig sein..." Brummt er missmutig und hätte noch mehr gesagt, hätte sie sich nicht plötzlich an ihn geschmiegt und mit Honig auf den Stimmbändern verkündet: >Oder wir überspringen das Fest und beginnen sofort mit den angenehmen Angelegenheiten. Wir haben ja noch Zeit...<
Borgil klappt den Mund auf und zu und sieht dann mit einem wahrlich dämonischen Grinsen auf ihren weißen Scheitel, die runde Stirn, die kleine Nasenspitze und diese beiden herrlichen Rundungen, die ihm aus ihrem Ausschnitt entgegenquellen. "Tztztz... Azraschatz, Azraschatz, wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich glatt vermuten, das ist eine Art Bestechungsversuch. Wenn du allerdings glaubst, du könntest mich so um den Finger wickeln, hast du dich getäuscht, Herzblatt. Aber du kannst es natürlich gern weiter versuchen..."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 02. Mai 2006, 02:01 Uhr
Von der Harfe zur Festtafel


„Von wegen Bestechung“, gurrt sie mit rosensüsser Stimme in seinen Bart, linst verstohlen zu ihm hinauf und lächelt dann watteweich. „Ich dachte eher an einen Moment nur für uns, bevor der ganze Trubel da draussen los geht, aber wenn du glaubst, dass sei nur Bestechung… Ts… Jetzt hast du es dir verspielt“, fertigt sie ihre Worte achselzuckend ab, schlingt trotzdem im nächsten Augenblick – soweit es Brenainn zulässt, ohne sich zerquetscht zu fühlen – ihre Arme um Borgils kräftigen Nacken und küsst ihn so gründlich, dass sie Beide nach Luft schnappen müssen, kaum lässt sie von ihm ab. Dann wird jedoch auch ihre Miene wieder ernst und – sehr wohl wissend, dass sie die Nerven aus Drahtseilen ihres Mannes momentan gefährlich strapaziert – rückt sie ein wenig von ihm ab, neigt den Kopf und meint schliesslich streng: „Also mit dem Schiff.“ Sie kann sehen, wie eine Ader auf seiner Stirne anschwillt und schnell fährt sie fort, ihm nicht einmal Zeit lassend, Luft zu holen, um sie mit einem barschen Wort zu unterbrechen: „Was glaubst du wie ich den Weg bis nach Talyra überlebt habe? Mir würde es nichts ausmachen mich erneut zu verhüllen, das ist doch nichts Seltenes, wenn eine Frau mit einem Kopftuch oder dergleichen herumläuft.“ Verzagt verschlingt sie ihre Finger ineinander, ohne jedoch den Blick von Borgils durchdringend, tiefschwarzen Augen zu nehmen, die warnend funkeln. „Und überhaupt“, braust sie mit neuem Mut auf und reckt ihr Kinn in die Höhe, einen bitteren Zug um die Lippen, verstummt jedoch sofort wieder, als sie sich ihres eigenen Betragens bewusst wird und erklärt schliesslich mit fahrigen Gesten und in einem bittendem, sanften Tonfall: „Ich werde bestimmt  nicht los reisen, bevor ich nicht sicher sein kann, dass Brenainn und Tiuri gut genug geschützt sind…Ich…  Aber ich werde den Versuch, einen anderen Weg zu finden, auch nicht aufgeben. Ich bin 15 Jahre lang durch die Immerlande gereist und ich lebe immer noch und jetzt, wo ich mit dir verheiratet bin und einen gesunden Sohn habe fühle ich mich sicherer als jemals zuvor. Meine Güte Borgil, ich werde Tiuri auf k.e.i.n.e.n. Fall ohne jemanden von uns Beiden dort hinunter reisen lassen. Was wenn er etwas herausfindet, dass ihn um den Verstand bringen könnte?! Seine Mutter ist bei dem Brand gestorben! Was wenn er erfährt, dass noch weitere Leute bei diesem Unglück umgekommen sind, vielleicht seine Familie! Er könnte sich etwas antun!“ Sie muss nach diesem Wortschwall, der für sie nun wahrlich überhaupt nicht üblich ist, keuchend nach Atem ringen, was ihr das Mieder auch nicht unbedingt einfacher macht. Fest presst sie ihre flache Hand gegen ihren Bauch. Von wegen Kleidungsstück! Foltermethode!, schimpft sie das kostbare Stück insgeheim und obwohl sie spürt, wie ein Funke Wut ihre natürliche, fast unbeugsame Ruhe langsam verbrennt, da sie keine handfesten Argumente findet, die ihrem Vorhaben starke Stützen verleihen könnten, ist ihre Stimme immer noch leise und ohne Ärger. Sie will keineswegs mit ihm streiten und es schmerzt sie schon fast, dass ihr Wunsch nach Sûrmera zu reisen einen solchen Disput zwischen Borgil und ihr ausgelöst hat, doch hat sie ebenso wenig vor, einfach aufzugeben. Beschämt starrt sie schliesslich auf den Punkt, wo ihre Füsse sein sollten, würde ihr nicht ein Rock aus Samt und Feenseide, der wirkt, als hätte man das Feuer eingefangen, die Sicht versperren. „Es tut mir leid Borgil“, wispert sie schliesslich leise und nestelt mit bebender Unterlippe an den Goldstickereien auf dem Mieder herum und kann sich noch nicht einmal dazu durchringen ein freudloses Lächeln in ihre Mundwinkel zu zwingen.

Nur um sich noch kurz zu versichern, dass alles sich am rechten Ort befindet und ihr Gewand auch nicht schief sitzt huscht sie kurz vor ihrem Aufbruch vor den mannshohen Spiegel und erstarrt augenblicklich, als sie ihr Ebenbild entdeckt. „Was bei allen Götter!“, entkommt es ihr fluchtartig und sie kann den Mund nicht mehr schliessen, während ihre Augen über diese Illusion huschen, die ihr mit weit offenem Mund entgegenstiert. Was sie da sieht, diese zierliche Person, ist jemand ihr vollkommen Fremdes, jemand der in einem Wunder aus Seide, Samt und Brokat gewandet die Hände in die schmale Taille stemmt und dabei aussieht, wie eine Prinzessin. Das bin ich nicht! Niemals! Nie! Unter keinen Umständen! Bei allen Göttern… Das geht nicht! In den Stoff und den Schnitt hat sie sich verliebt, als sie einst eine hübsche, elegante Frau auf dem Marktplatz gesehen hatte und doch war es ein regelrechter Kampf gewesen, über den eigenen Schatten zu springen und Dornenbeutel ihren Wunsch preis zu geben. Spätestens als sie durch geschickte Fragen und das Klimpern der Münzen im Beutel herausgefunden hatte, wie viel dieser Sprung ihren Mann gekostet hatte, hat sie es sofort bereut und sich geschworen nie mehr etwas zu kaufen, dass mehr wert war als zehn einfache Kleider und das dazu eine ganze Bauersfamilie über einen langen Winter gebracht hätte. Einen langen, harten, schweren Winter wohlgemerkt. Scharf ziehen sich ihre Augenbrauen zusammen, schnellen dann in die Höhe und kritisch schüttelt sie den Kopf, bis sie auf den Fersen kehrt macht und zum Schrank hetzt, Borgils fragenden Blick rigoros ignorierend. Entsetzt sucht sie zwischen den anderen Gewändern, die sie besitzt, umher, schiebt eines nach dem anderen zur Seite, den Blick nervös in alle Richtungen fliegen lassend und atmet schliesslich erleichtert aus, als ihr das Stück in die Finger kommt, nach dem sie gesucht hat. Glücklich zupft sie mit einem freudestrahlenden Lächeln ihr azurblaues Wollkleid mit den winzigen Flussperlen an Saum und dem halbrunden – und nicht sooooooo tiefblickenden – Ausschnitt hervor und legt es mit einem selbstzufriedenen Grinsen über das Bett. „Aehm… Azraschatz? Was tust du da?“ Verdattert, dass Borgil noch immer da ist, hält sie inne, schnappt nach Luft und erinnert sich gerade noch rechtzeitig daran, dass ihr Mieder es nicht erlaubt, zuviel zu atmen. Kurzerhand zerrt sie ihn postwendend vor den Spiegel und deutet mit weit aufgerissenen Augen auf ihr Spiegelbild, bevor sie vollkommen geplättet ächzt: „SO kann ich ja wohl nicht zum Fest gehen!“  Um ihm genauestens zu verbildlichen was sie damit meint, denn er scheint ihren Gedankengängen nicht ganz folgen zu können, zupft sie hektisch am oberen Rand des engen Mieders entlang, aus dem ihr zwei Brüste entgegen starren, die locker für zwei von ihrer Statur gereicht hätten, deutet auf ihren Rocken und gestikuliert wild durch die Luft, damit ihr Mann sich ein _ganz_ genaues Bild von ihrem Problem machen kann: „Das ist viel zu… zu… zu wertvoll! Ja! Genau! Das könnte schmutzig werden! Oder die Bänder könnten reissen! Oder ich könnte stolpern und der Rock bekommt einen Riss! Oder der Saum des Rockes wird dreckig! Oder ich beuge mich nach vorne und etwas fällt heraus! Oder ich hänge irgendwo fest und ein Ärmel reisst ab! Oder die Stickerei geht auf! Oder ich verliere die winzigen Steinchen! Oder ich bekomme plötzlich keine Luft mehr…“ Sie schafft es das zwergische Äquivalent für ein bedeutungsschweres Räuspern perfekt nachzuahmen und wirft dann so heftig den Kopf nach rechts und links, dass ihre Locken in alle Richtungen fliegen.

„Nein, nein, nein, neeein, neein, neinein!“ Ohne auf eine Antwort zu warten eilt sie zu dem blauen Kleid zurück und beginnt mit hilfloser Verzweiflung an dem Rückenmieder herumzunesteln, hüpft Pirouetten drehend zwischen Bett, Sessel und Kamin hin und her, wirft Borgil einige flehentliche, verzweifelte Blicke zu und übersieht dabei den azurianischen Teppich, der in aller Unschuld dort liegt, wo er seit einigen Jahren schon gelegen hat. Ein überraschtes: „Huch?“, kommt noch aus ihrem Mund, dann dreht sich die Welt um sie herum mit rasender Geschwindigkeit und stellt sich ob ihrer Tollpatschigkeit doch wirklich prompt auf den Kopf. Nur Borgils Geistesgegenwärtigkeit ist es zu verdanken, dass Azra nicht den Boden mit dem Hinterkopf küsst und mit einem vollkommen belämmerten Gesichtsausdruck starrt sie ihn sein erschrockenes Gesicht über sich. Die Hitze schiesst augenblicklich in ihre Wangen und färbt ihr Gesicht bis unter die Haarwurzeln in dem prächtigsten Feuerrot, das sie auf Lager hat. „Uh.. ähm…“, echot sie vollkommen zerstreut und nickt dann kräftig, ihn mit einem siegessicheren, hoffnungsvollen Lächeln tadelnd ansehend: „Siehst du! So was kann passieren!“ Schnaufend rauft sie sich wieder in die Höhe und dreht sich mit dem Rücken zu Borgil: „Los, mach schnell auf, sonst ko…“ Ob es nun daran liegt, dass Borgil nicht mehr im Geringsten die Lust verspürt, sich noch einmal die quälerische Schnürung eines Mieders anzutun, oder ob seine Geduld einfach den Nullpunkt schon überschritten hat; sie spürt zwar sehr wohl seine Finger im Rücken, aber nur weil er sie mit einem energischen und keine Widerrede duldenden: „Wir gehen jetzt!“, unerbittlich in Richtung Türe schiebt. „Aber… nein! Moment!“, wirft sie eiligst ein, duckt sich unter seinem Arm durch, zerrt kurzerhand das Band aus ihrem Haar und legt es behutsam aufs Bett, wo auch kurz darauf die goldene Haarspange landet, so dass sich ihre weissen Locken wieder wild um ihre schmalen Züge kringeln und ihr offen über die Schultern fallen. Dann hat Borgil sie sich schon wieder geschnappt und schafft es dieses mal sogar, sie bis VOR die Türe zu bugsieren. Egal wie sehr sie jammert und debattiert, dass sie dieses Kleid nicht anziehen könne, weil es zu prunkvoll und zu schön wäre, ihr Mann ignoriert ihre Klagen dermassen gründlich, dass sie schliesslich seufzend ihrem unausweilichen Schicksal fügt. Mit einer Hand klammert sie sich an seiner fest, während sie durch das Gewusel von bunt gekleideten Schaustellern, trällernden Barden, hinterlistigen Scharlatanen, die leise ihre Tränkchen und Phiolen anpreisen, Knechten, Mägden, in den schönsten Kleidern gewandete Gäste und Besucher hasten, um noch vor Mittag die Festtafel zu erreichen. Ruckartig wendet sie den Kopf, als hinter ihr irgendwo ein Ueberlautes: "HALLO! HIER BIN ICH! ICH HAB DICH DIE GANZE ZEIT SCHON GESUHUUCHT!", erschallt. Fragend sieht sie sich nach dem Schreihals um, der anscheinend vergeblich versuchte jemanden auf sich aufmerksam zu machen, doch in der Menge an Leute, die ihr entgegen strömte, kann sie nicht mehr sehen, als alle möglichen Beine und Unterleiber, egal wie sehr sie ihren Hals reckt. Ohne weiter über den Hilfesuchenden nachzudenken, erreicht sie mit Borgil schliesslich die festlich geschmückte Tafel und atmet erleichtert auf. Blendend weisse Tücher, über welche schillernde, tanzende Feen ganze Berge von Rosen- und Tulpenblätter gestreut haben, strahlen ihnen entgegen, darauf ein Sortiment sauber geputztes, wertvolles Porzellan, das nur einmal im Jahr, genau für diesen Anlass, aus den staubigen Kellern des Stadtratshauses hervorgekramt wird.

Die meisten Stadträte sind bereits anwesend und höflich begrüsst Azra einen nach dem Anderen und entkommt dabei nur knapp Tallars spitzer Zunge, der angesichts von einem ebenso breiten, wie hohen Zwergen in ihrem Rücken anscheinend lieber den Mund hält und sich seines wertvollen Lebens bewusst wird. Auch Lady Gwnyed, Uliaris und dessen südländische, wunderschöne Gemahlin mit den grossen, dunklen Mandelaugen begegnen ihr und Azra muss sich zusammenreissen, um bei der alten Lady, die ihr pfeilspitzes Kinn hoch in den Regenschauer von herrlich duftenden Mandelblüten reckt, nicht zu tief einzuatmen, sonst wäre sie an der Duftwolke, welche die Dame schrittweit umgibt, sicherlich erstickt. Als die Begrüssung endlich vorbei ist, strahlt Azra Borgil durch einen Schimmer von rieselndem Goldstaub glücklich an, holt sowohl für ihn, als auch für sich selbst einen Becher mit honiggelbem, süssen Sommerwein und drückt erst ihrem Mann einen zärtlichen Kuss auf die Nase und danach ihrem Sohnemann, der begeistert nach den aufgewirbelten Blütenblättern grabscht und dabei mit seinen langsamen Bewegungen noch nicht wirklich nach kommt. Umso heiterer wird sein kleines Gesichtchen, als er mit einem Male eine zarte, durchscheinende, hellrosa Mandelblüte zwischen seinen ungeschickten Händchen gefangen hält. Sofort ist er allenthalben damit beschäftigt jeden Fusel, der durch die Luft segelt und es wagt in seine Reichweite zu kommen, einzufangen, mit kindlichen Lauten zu betrachten und sie dann um anderer, viel stärker glitzernder Stücke willen wieder fallen zu lassen. Ganz im Gegensatz zum letzten Jahr, als sie gerade frisch verheiratet gewesen war und Talyra erst seit einigen Monaten wirklich gekannt hat, freut Azra sich dieses mal mit klopfendem Herzen auf alle, die kommen mögen. Auf Raven, Caewlin, Niniane, Cron, auf Stelze – sie betet dafür, dass der alte Hund auch mitkommen darf - und auch auf Olyvar, obwohl sie sich nicht ganz sicher ist, wie sie sich ihm gegenüber verhalten soll, ohne ihn mit jedem neuen ungeschickten Wort an die Trennung von seiner Frau zu erinnern. Am besten ich spreche ihn nicht auf seine Frau an, ja, das wird das Beste sein. Vorsichtig nimmt sie einen Schluck und schliesslich genüsslich die Augen, als der fruchtige Geschmack ihre Kehle hinunter rinnt. Das Kleid und die Reise hat sie erstmal weit weg geschoben und schon halb vergessen, aber dass die Diskussion noch nicht zu Ende ist, ist deutlich zu spüren.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Pert_v._Rellut am 28. Mai 2006, 20:39 Uhr
Mit jedem Schritt den Pert in Richtung Goldene Harfe zurücklegt und je mehr er über seine „Entdeckung“ nachdenkt, desto mehr hebt sich seine Laune. Am Ostflügel der Goldenen Harfe angekommen klopft er mit Knauf des Gehstocks gegen das Holz des offen stehenden Stalltores und ruft – mit ungewohnt freundlicher Stimme – „He da, Stallbursche! Her mit ihm, es soll sein Schaden nicht sein!“
Sehr zu Perts Zufriedenheit eilt auch unverzüglich der solcherart angesprochene junge Mann herbei. „Euer Gnaden wünschen…?“
„Versorg er mein Pferd und mein Fuhrwerk“ – bei der hochtrabenden Bezeichnung „Fuhrwerk“ muss sich der Stallbursche auf die Lippen beißen um nicht frech zu grinsen oder sogar laut heraus zu lachen, was Pert jedoch glücklicherweise verborgen bleibt – „Gebe er dem Tier ausreichend Wasser, Heu und Hafer“ nach kurzem Zögern und geistigem Überschlagen der Kosten fügt er in einem seltenen Anfall von „Großzügigkeit“ noch hinzu „und gebe er vom Hafer die doppelte Ration!“
Pert kramt in den Taschen seines Wamses nach seinem Geldbeutel, fischt zwei Münzen heraus und wendet sich dann wieder an den Stallburschen, dem immer noch der Schalk in den Augen blitzt, der es aber vorzieht besser nichts zu sagen, um sich nicht dadurch selbst um eine kleine Extraeinnahme zu bringen. „Hier hat er zwei Kupferlinge, einen für den Hafer, einen für seine Bemühungen. Dafür kümmert er sich aber besonders gut um mein Eigentum, will ich hoffen!“
„Natürlich euer Gnaden! Zu Diensten euer Gnaden!“ erwidert der Stallbursche und führt auch gleich Perts Pferd und Wagen in den Stall, wo er beginnt den Gaul auszuspannen.
Zufrieden wendet Pert sich um und geht in Richtung Vorderseite der Goldenen Harfe. „Jetzt noch schnell ein Zimmer beziehen und dann werde ich mir im Gastgarten eine schmackhafte, kräftige Mahlzeit und einen Humpen guten Bieres gönnen“ denkt er bei sich und schultert den Reisesack, den er unter dem Kutschbock verwahrt gehabt hatte und in dem sich seine wichtigsten Besitztümer befinden.
Pert betritt die Gaststube der Goldenen Harfe, sieht sich kurz in dem Raum um und winkt schließlich eine der Schankmaiden herbei.
Nach kurzem Palaver ist Perts Gepäck in einem sauberen Zimmer der Harfe sicher verstaut und er kann sich endlich im Harfengarten direkt an der Mauer zum Marktplatz niederlassen, seine müden Beine unter dem Tisch ausstrecken und das bunte Treiben der vielen Festteilnehmer beobachten. Wenig später wird von einer der ständig hin und her eilenden Schankmaiden ein Krug Verder Dunkel vor ihm auf den Tisch gestellt, dazu die gewünschte deftige Mahlzeit.
Bevor die junge Frau sich wieder entfernen kann, hält Pert sie kurz zurück. „Ich weiß wohl, dass der Herr Wirt an einem Tag wie heute gar viel zu tun haben mag. Doch könnte sie ihn bei Gelegenheit fragen, ob er mir nicht vielleicht ein paar Minuten seiner kostbaren Zeit opfern könnte? Ich wäre ihm außerordentlich verbunden…“
„Ich kann euch nichts versprechen, aber ich werde es ihm ausrichten!“ antwortet die Magd, knickst kurz und macht sich wieder an ihre Arbeit.
Pert setzt den Krug an, genießt den tiefen ersten Schluck kühlen Bieres, der immer der beste des Abends ist und beginnt zu essen. Da er heute während der Anreise auf eine Mittagsrast und somit auch auf eine Mahlzeit verzichtet hatte, ist er nun bereits entsprechend hungrig und so ist es kein Wunder, dass das Abendessen schnell verzehrt ist. Auch der Krug Bier ist bereits geleert und Pert ordert mit einer entsprechenden Geste einen neuen. Heute, so findet er, darf er es sich ruhig einmal gut gehen lassen, ohne auf den Heller zu achten. Er ist endlich in Talyra angekommen und alles scheint sich günstig für ihn zu entwickeln. In so guter Stimmung war er schon lange nicht mehr und das wertet er als gutes Zeichen für seinen Neubeginn hier in der Stadt. Er nimmt einen tiefen Zug aus dem frisch gefüllten Krug, der ihm serviert wurde und betrachtet weiter das ausgelassene Treiben auf dem Marktplatz, im Moment sogar ohne sich über diesen „unsinnigen Müßiggang“ zu ärgern, wie er das normalerweise gewiss getan hätte.
Sogar als spielende Kinder beim Umhertollen derart heftig an seinen Tisch stoßen, dass etwas Bier aus dem noch fast vollen Krug schwappt und er schon den Gehstock ergreifen will, um sie zu vertreiben, überlegt er es sich anders und nimmt statt dessen einfach einen weiteren Schluck des wirklich vorzüglichen Dunklen, der an diesem Tag nicht der letzte bleiben sollte.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Pert_v._Rellut am 29. Mai 2006, 17:40 Uhr
Noch bevor Pert den Humpen zur Hälfte geleert hat, kommt die Schankmaid neuerlich zu seinem Tisch. „Es tut mir leid, gnädiger Herr, ich habe Borgil unserem Wirt eure Bitte vorgetragen, doch er lässt euch ausrichten, dass er heute wegen des Festes wohl leider kaum Zeit finden wird, sich in der Harfe mit den Gästen zu unterhalten. Nach dem Ende des Festes, soll ich euch sagen, steht er euch gerne zur Verfügung.“
„Hmmmm wie außerordentlich bedauerlich“ brummt Pert etwas enttäuscht, hat er sich doch vom Wirt wichtige Informationen erhofft.
„Was hättet ihr denn von Borgil so dringend gebraucht, gnädiger Herr“ fragt die junge Frau neugierig und mustert den alten Mann, den sie zuvor noch nie in der Harfe gesehen hat.
„Ach nichts Weltbewegendes, Kindchen. Ich dachte nur als Wirt müsste er doch vieles wissen was so in der Stadt vor sich geht und daher wollte ich ihn fragen, ob er denn wohl wisse, wem dieses Haus da drüben gehören mag.“ Pert dreht sich halb Richtung Mauer und deutet mit dem Gehstock auf das Objekt seines Interesses. „Das da an der nächsten Gasse, das zum Verkauf feilgeboten wird…“
Das Mädchen lacht glockenhell auf. „Warum habt ihr das nicht gleich gefragt, gnädiger Herr. Das hätte ich euch auch sagen können.“ Wieder lacht sie herzlich. „Das Haus gehört Anselm Stipen. Da sitzt er, gleich einen Tisch neben euch. Ein trauriges Schicksal, das er zu ertragen hatte. Vor zwei Zwölfmonden hat ihm die Auszehrung Weib und Kind genommen. Danach ging es auch mit seinem Laden bergab und er musste ihn letztendlich schließen. Nun hält ihn nur mehr der Umstand, dass sein ganzes Vermögen in dem Haus steckt, hier in Talyra. Er versucht es schon seit fast einem Zwölfmond zu verkaufen, weil er nach Vinnar ziehen möchte, wo noch Verwandte von ihm leben. Bislang hatte er damit aber noch keinen Erfolg. Soll ich ihm ausrichten, dass ihr…“
„Untersteh sie sich!“ unterbricht Pert die Bedienung mit scharfer, aber gedämpfter Stimme, damit der Mann am Nebentisch nichts davon mitbekommt. „Keine Silbe davon zu ihm, dass ihr mit mir über ihn und das Haus gesprochen habt.“
Die Schankmaid nickt erschrocken und huscht davon, um weiterer Schelte seitens des seltsamen Gastes zu entgehen.
Pert hat seine Aufmerksamkeit jedoch schon dem Mittdreißiger zugewandt, der da am Nebentisch sitzt und dem Bier kräftig zuzusprechen scheint. Groß und kräftig scheint er zu sein, vom Gesichtsausdruck her, wie Pert bei seiner Musterung feststellt, dürfte er aber nicht der Hellste sein. „Oh ja, trink nur“ denkt Pert und grinst innerlich, während er selbst seinen Bierkonsum sofort drastisch reduziert und nur ab und zu an dem Humpen nippt. „Umso leichter gehen nachher unsere Verhandlungen von statten.“
Obwohl Pert weiterhin gut gelaunt das Treiben auf dem Marktplatz verfolgt hat er doch immer ein Auge auf den Nebentisch um sofort handeln zu können, falls Stipen Anstalten machen sollte zu gehen. Nach etwa einer Stunde findet Pert, dass nun die Zeit reif ist. Er erhebt sich ächzend, greift nach Gehstock und Bierhumpen und begibt sich zum Nebentisch. Stipen blickt überrascht auf, als ein Fremder an seinen Tisch tritt.
„Pert von Rellut, Alchemist und Medicus“ stellt Pert sich vor. „Gestattet ihr mir an eurem Tisch Platz zu nehmen? Ich hätte Geschäftliches mit euch zu besprechen.“
„Anselm Stipen“ antwortet der Mann mit schon etwas schwerer Zunge. „Setzt euch ruhig, was auch immer ihr besprechen wollt, ich habe kaum Besseres zu tun als euch zuzuhören.“
Pert stellt seinen Humpen ab, lehnt den Gehstock an den Tisch und nimmt umständlich Platz. Dann winkt er eine Schankmaid herbei und bestellt eine weitere Runde Bier.
„Gestattet, dass ich euch einlade?“ wendet er sich an Stipen als die Frau zwei Krüge auf den Tisch stellt. „Das lob ich mir“ antwortet Stipen erfreut „ihr seid fürwahr ein feiner Herr“ Darauf stößt er mit Pert an und nimmt einen tiefen Schluck, der den Humpen fast zur Hälfte leert. „Um Faeyris Willen, wo trinkt der Kerl das hin?“ denkt Pert bei sich und schaudert innerlich bei dem Gedanken einen derart großen Schluck Bier auf einmal trinken zu müssen. Schnell jedoch konzentriert er sich wieder auf das Wesentliche und wendet sich an Stipen, der ihn bereits erwartungsvoll aus leicht vom Bier geröteten Augen ansieht.
„Nun ich will nicht lange um den heißen Brei herum reden. Mir ist zu Ohren gekommen, dass ihr in finanziellen Schwierigkeiten steckt.“
„Was… wie…?“
„Mir ist weiters zu Ohren gekommen, dass ihr die Stadt verlassen und nach Vinnar ziehen wollt, es aufgrund besagter finanzieller Probleme nicht könnt.“
„Also… ich…“
Die Einwände Stipens ignorierend fährt Pert fort zu reden.
„Auch habe ich in Erfahrung gebracht, dass euch das Haus dort am Rande des Marktplatzes gehört und ihr es seit fast einem Zwölfmond verkaufen wollt. Bislang wartet ihr jedoch vergeblich auf einen Käufer…“
„Ihr wisst erstaunlich viel für einen Fremden!“ stellt Stipen irritiert fest. „Was zum Henker wollt ihr von mir?“
„Nun ich kann unter Umständen eure Probleme auf einen Schlag lösen, indem ich euer Haus erwerbe“ schlägt Pert vor und nippt an seinem Humpen. „es kommt letztendlich nur darauf an, ob wir uns wegen des Preises einig werden.“
„Nun ja… also… ich weiß nicht recht… was… würdet… ihr den zahlen wollen?“
„Oh, ihr seid der Verkäufer! Nennt mir euren Preis und dann lasst uns verhandeln.“
„Nun ja ich hatte da so an 250 Goldstücke gedacht….“ antwortet Stipen nach einigem Nachdenken.
Pert lacht meckernd, obwohl er insgeheim den Preis  als durchaus angemessen erachtet. „Nun guter Mann, vielleicht sollten wir die Verhandlungen im Inneren des Hauses weiter führen, damit ich mich vom Zustand überzeugen kann?“ schlägt Pert vor.
„Aber ja doch“ erwidert Stipen und erhebt sich schwerfällig. Auch Pert steht vom Tisch auf und gemeinsam gehen die beiden in Richtung ihres Verhandlungsobjektes. Vom Garten der Harfe aus gesehen geben die beiden ein durchaus lustiges Bild ab: Der große, breite, behäbige Stipen, der mehr wankt als geht, neben ihm der hagere, deutlich kleinere Pert, der, mit  seinen Gehstock heftig fuchtelnd, ständig auf den Hünen neben ihm einredet.
Beim Haus angekommen nestelt Stipen einen Schlüssel hervor und schließt das Schloß auf. „Tretet bitte ein“ fordert er Pert auf und öffnet die Türe.
Pert tritt ein und ist, ohne sich das anmerken zu lassen, begeistert. Der erste Raum, in den man von der Gasse aus gelangt, ist als Verkaufsraum eingerichtet, Regale, Schränke, Truhen, eine Verkaufstheke, Tonkrüge und andere Behältnisse sind vorhanden und offensichtlich noch in gutem, brauchbaren Zustand.
„Hmmmmmmmmm“ brummt Pert und macht ein zweifelndes Gesicht, „ich weiß nicht…“
„Seht euch doch den Rest erst an, bevor ihr euch entscheidet“ drängt Stipen, der jetzt seine Chance sieht, das Haus endlich an den Mann zu bringen und führt Pert in den nächsten Raum. Dieser Raum, der genau wie der Verkaufsraum an der Vorderfront des Hauses zum Marktplatz hin gelegen ist und auch die gleiche Größe aufweist, wurde, wie aus dem Mobiliar zu entnehmen ist, früher offensichtlich als Lagerraum für die Waren benutzt. „Ich werde hier gar nicht viel ändern müssen“ denkt Pert erfreut, ohne jedoch nach außen seinen skeptischen Gesichtsausdruck aufzugeben „eine kleine Alchemistenküche mit den Gerätschaften von meinem Wagen passt hier leicht noch herein, zum Beispiel da in die Ecke…“
Schon öffnet Stipen die nächste Tür, die vom Lagerraum nach hinten in den vom Marktplatz abgewandten Wohnbereich führt.
Auch hier war für Perts Bedürfnisse ausreichend Mobiliar vorhanden, es würden somit keine teuren Umbauten oder Schreiner- und Tischlerarbeiten anfallen.
„Nun jaaaa, ich weiß nicht so recht… „ setzt Pert an.
„Über den Preis kann man reden“ wirft Stipen hoffnungsvoll ein.
„Oh durchaus, mein Lieber, das wird man auch müssen!“ antwortet Pert. „Euer Angebot wäre mir schon zuvor zu hoch erschienen, aber nun da ich diese ganzen unnützen Dinge hier sehe, die ich wegschaffen oder umarbeiten lassen muss… das kostet mich ein Vermögen allein dafür!“
„Ich.. ich… hönnte auf 225 Goldstücke hinunter gehen?“ schlägt Stipen vor, der sich vor seinem geistigen Auge schon als gemachter Mann Richtung Vinnar reisen sieht.
„Guter Mann, ich verteile keine Almosen, ich möchte ein Haus kaufen. Wenn ihr mir nicht schleunigst ein vernünftiges Angebot macht, bin ich mir nix-dir nix wieder bei der Türe draußen und trinke in der Harfe weiter mein Bier. Ihr dagegen könnt einen weiteren Zwölfmond darauf warten, dass jemand diese Bude zu einem Wucherpreis zu erwerben bereit ist“ kontert Pert und wendet sich scheinbar schon zum Gehen.
„Halt halt, so bleibt doch da. Lauft doch nicht gleich weg. Ihr habt mir ja noch nicht gesagt was ihr zu zahlen bereit seid? Man kann doch ein bisschen handeln!“
„Gut, da habt ihr nicht unrecht“ lenkt Pert ein und lässt sich auf einem Lehnstuhl nieder der in der Stube steht. „Ich wäre bereit euch… sagen wir… unter Berücksichtigung eurer Notlage… in etwa… 150 Goldstücke zu bezahlen. Bar auf die Hand!“
„150 Goldstücke? Das ist doch Raub und kein Angebot!“ ruft Stipen erschüttert „Na gut ich gehe bis auf 200 Goldstücke hinunter. Aber tiefer kann ich nicht gehen.“
„Nun denn, ich bin bereit auf 175 Goldstücke zu erhöhen. Aber höher kann wiederum ICH nicht gehen.“
„Ich kann doch nicht um 175 verkaufen. Kommt mir doch noch etwas entgegen, ich brauche doch Geld um in Vinnar wieder etwas auf die Beine zu stellen.“
„Nun gut, dann will ich über meinen Schatten springen und biete euch 190 Goldstücke. Das ist allerdings unwiderruflich mein letztes Angebot. Es gilt nur jetzt und nur wenn ihr sofort mit mir zur Stadthalle geht um den Vertrag aufsetzen und siegeln zu lassen! In dem Fall zahle ich euch das Gold noch in der Stadthalle bar auf die Hand und ihr seid diesen Klotz an eurem Bein endgültig los und könnt ziehen wohin es euch beliebt, ohne dass euch dieses Haus an Talyra fesselt. Überlegt es euch… und trefft jetzt eure Entscheidung. Ich werde jetzt aufstehen und wieder zur Harfe gehen… sobald ich die Haustüre erreicht habe, ist mein Angebot hinfällig.“
„Gut. Das geht in Ordnung“ versichert Stipen hastig „Ich bin mit 190 Goldstücken einverstanden, wenn ich nur dieses Haus endlich los bin. Folgt mir, ich führe euch zur Stadthalle.“
„Nicht so hastig, guter Mann, wir müssen noch einen kurzen Umweg über die Harfe machen, oder denkt ihr ich schleppe so viel Geld mit mir herum?“
Nacheinander treten die beiden wieder aus dem Haus auf den belebten Marktplatz. Schon will Stipen Richtung Harfe losmarschieren, da lässt ihn Perts nörgelnde Stimme herumfahren. „Holla Stipen, schließt gefälligst mein Haus ab! Ich will nicht, dass mir Diebsgesindel mein Eigentum davonträgt während ich noch dabei bin es zu erwerben.“ Pert lacht meckernd über seinen eigenen Scherz, während Stipen die Tür versperrt und gemeinsam machen sie sich wieder auf den kurzen Weg zur Harfe.
Schnell hat Pert, der Stipen während dessen im Schankraum warten lässt (Schau, trau, wem? hatte seine Mutter immer gesagt), das Gold aus dem Zimmer geholt und in einem Münzgürtel verwahrt, mit dem er die Summe noch am unauffälligsten transportieren kann.
Die wenigen Schritt von der Harfe zur Stadthalle sind schnell zurückgelegt und die beiden Männer betreten das Büro eines Stadtschreibers. „Guter Mann, setz er uns einen Vertrag auf. Herr Anselm Stipen hier…“ sagt Pert und deutet auf seinen Begleiter „…möchte sein Haus verkaufen und ich beabsichtige es zu erwerben. Als Kaufpreis trage er uns 190 Goldstücke ein.“ „Hier hat er die Schreibgebühr und ein kleines Entgelt für seine Mühen!“ fügt Pert hinzu und schiebt schnell ein Goldstück über das Schreibpult. Der Schreiber, der bereits eine Bemerkung wegen des Preises machen wollte, überlegt es sich angesichts der Münze anders, steckt das Geld ein und beginnt zu schreiben.
Pert nimmt unterdessen seinen Münzgürtel ab und zählt Stipen 190 Goldstücke auf ein kleines Tischchen im Büro des Stadtschreibers. Als er damit fertig ist, hat auch der Schreiber seine Arbeit beendet. Stipen malt sein Zeichen unter den Vertrag, Pert benutzt seinen Siegelring um das Pergament zu „unterzeichnen“. Danach wird der Vertrag noch vom Stadtschreiber mit dem Siegel Talyras versehen und der Handel ist perfekt. Als dann noch Gold und Hausschlüssel den Besitzer wechseln, ist Pert endgültig im Besitz des Hauses, das er so dringend haben wollte.
Während Stipen mit dem Gold in den Gassen der Stadt verschwindet, geht Pert in die Harfe zurück und verstaut seinen Kaufvertrag sorgfältig in seinem Gepäck. Den Einzug in sein neues Heim wir er erst morgen vornehmen, heute ist ihm nach feiern zumute. Schon bald sitzt er wieder auf seinem Platz im Harfengarten und lässt sich wieder einen Humpen Verder Dunkel bringen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Atevora am 29. Mai 2006, 23:14 Uhr
Langsam schält sich eine Gestalt aus den Schatten einer verwinkelten Gasse nicht unweit des Blaupfuhl’s und sieht mit finsterer Miene auf das rege Treiben im hellen Scheine der vielen Nachtfeuer. Die Straßen sind  reich verziert und mit unzähligen zarten Blüten, die ihr Leben aufgereiht als eintägiger Festtagsschmuck verwirken und ein letztes mal ihren süßen Duft mit einer lauen Sommerwindbrise in die Welt entsenden, geschmückt. Missmutig lässt Atevora ihren Blick über die fröhliche und glückliche Menschenansammlung schweifen und flucht bereits im geheimen, dass es wohl ein Ding der Unmöglichkeit wird ohne großes Anrempeln und Gedränge anderer durch die Leibermassen zu gelangen.
Der Magierin war gänzlich entgangen, dass HEUTE das alljährliche Fest zu ehren Inari’s gefeiert wird – oder sie hatte es schlicht und einfach verdrängt. Heute war das Fest der Freundschaft, Liebe und der körperlichen Begierden – es war ihr zuwider! Wozu brauchte man ausschweifende Festlichkeiten an einem festgelegten Tag im Jahr um die Freundschaft in Ehren zu halten, um seinen Liebsten zu danken, dass es sie gab, oder offiziell seinen intimsten Gelüsten zu frönen? Seinen Freunden konnte man auch an jedem anderen beliebigen Tag des Jahreskreises mittels einer netten Geste oder kleinen Aufmerksamkeit zeigen wie viel sie einem bedeuteten, und den Forderungen des Leibes könnte man auch gut und gerne zu jeder beliebigen Stunde eines jeden Tages nachgehen, in der Unterstadt warteten ohnehin an jeder Ecke Freudenmädchen die einem für lachhaftes Endgeld bereitwillig die bizarrsten Wünsche erfüllten – doch scheinbar war vielen auch das zu teuer.
Womöglich suchte Atevora auch bloß nach irgendwelchen abstrusen Begründungen um das Inari-Fest nicht als Ehrung einer Gottheit anzuerkennen oder generell abzulehnen und übler Laune sein zu können, oder vielleicht auch nur, bzw gerade desshalb, weil sie selbst niemanden hatte mit dem sie die Freuden des Festes teilen und zusammen genießen konnte.
Schnell verdrängt Atevora jeden aufkeimenden Hauch von Melancholie der ihren Missmut und Ärger abzuschwächen vermochte und konzentriert sich wieder auf das scheinbar Wesentliche: Ihren Magen.

Ein genüsslicher kleiner Imbiss auf der Straße war für sie heute undenkbar bei dieser Menschenansammlung. Heute würde sie es sich leisten in einer gemütlichen Taverne zu speisen. Die „Goldene Harfe“ war für ihre aufgeweckte und schnelle Bedienung sowie für ihre gute Atmosphäre bekannt und es wurde nach der langen Zeit in der sie sich bereits in Talyra und Umgebung aufhielt ohnehin längst einmal fällig zu überprüfen ob das Geschwätz der Leute auch wahr war.
Mit einem Seufzer begibt sich Atevora auf die Hauptstraße, mischt sich unter das Menschengetummel und versucht sich einen Weg zur „Goldenen Harfe“ zu bahnen.

Entgegen Atevoras Erwartung ist das vorankommen nicht einmal sonderlich schwierig, nur bei den Verkaufsständen und kleinen Ausschanken stauen sich die Leute, aufdass man sich ein wenig in Geduld üben und warten muss, bis sich wieder ein Teil in Bewegung setzt und man sich dem zähen Strom anschließen kann. Schon bald ist auch schon des Strohdach des errettenden Zieles zu erhaschen und wenig später ist auch der Eingang des Gebäudes erreicht.
Wie erwartet ist das Gasthaus gut besucht und wirkt fast ebenso überfüllt wie sämtliche Straßen der Stadt und beinahe alle Plätze sind belegt.
Im äußersten Eck nahe der Theke ist noch ein Sesselchen frei, doch Atevora steht kaum der Sinn danach sich dem dort verweilenden laut gröhlenden und feiernden Männerkreis aufzudrängen, und so geht sie weiter. Als sie den Gastgarten erreicht entdeckt sie einen weiteren freien Platz. Am Tisch sitzt ein bereits betagterer Mann, der seinen Gehstock unvorteilhaft angelehnt hat, sodass beinahe ein weiterer Harfenbesucher darüber stolpert, und scheins gut gelaunt genüsslich an einem Humpen Bier nippt.

Dieser Platz erscheint Atevora schon ungemein anregender als jeder zuvor bei diesen versoffenen lauten Herren der Schöpfung und so hält sie zielstrebig auf den freien Platz beim älteren Herren zu, bleibt mit höflichem Abstand stehen und spricht mit gespielt heiterer Miene sowie freundlichem Tonfall:
„Wunderschönen guten Abend der Herr. Dürfte ich mich zu euch setzen und euch ein wenig Gesellschaft leisten?“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Pert_v._Rellut am 30. Mai 2006, 16:24 Uhr
>„Wunderschönen guten Abend der Herr. Dürfte ich mich zu euch setzen und euch ein wenig Gesellschaft leisten?“<
Pert, der gerade einen Schluck aus seinem Humpen nehmen will, blickt auf und mustert die Person, die diese Worte an ihn gerichtet hat. Dann steht er, sich dabei auf seinen Gehstock stützend, auf, deutet eine leichte Verbeugung an und sagt „Oh durchaus dürft ihr das, junge Dame. Es wäre mir sogar eine ausgesprochene Ehre“. Danach bleibt er stehen bis die junge Frau Platz genommen hat und setzt sich sodann selbst wieder.
Als er gerade wieder das Wort an sein Gegenüber richten will, spürt er einen Moment lang dieses eigenartige Gefühl, das ihm die Präsenz einer arkan begabten Person signalisiert, in einer selten erlebten Intensität und er revidiert sofort für sich das Bild von dem hübschen, aber harmlosen jungen Ding, das beim ersten Eindruck entstanden war.
„Erlaubt mir mich vorzustellen – Pert von Rellut, Alchemist und Medicus, stets zu euren Diensten. Wenn es euch genehm ist, würde ich mir gerne erlauben euch einzuladen, mir steht heute der Sinn nach feiern und das nicht nur wegen des Inarifestes. Und in Gesellschaft feiert es sich doch wesentlich angenehmer als alleine. Ausserdem…“ Pert beendet den letzten Satz nicht, sondern betrachtet statt dessen mit deutlich zur Schau getragener Skepsis die immer größer werdende Anzahl Betrunkener.
Dann hält er eine der vorbeihuschenden Schankmaiden auf und sagt zu der jungen Frau die ihm gegenüber Platz genommen hat „Ich bitte euch, scheut euch nicht zu bestellen, wonach euch ist…“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Atevora am 30. Mai 2006, 20:57 Uhr
Als sich der ältere Herr erhebt und sich schwer auf seine Stolperfalle stützend – wobei dahingestellt ist, ob er diesen Stock tatsächlich benötigen würde, oder bloß gebrechlicher zu wirken versucht als er tatsächlich ist – vorstellt ist Atevora einen Moment lang ein wenig überrascht. Normalerweise bleiben die Meisten stur auf ihren Hintern Sitzen und sie würde es wohl kaum anders handhaben. Welch ungemeine Freude es war auf jemanden zu treffen, der noch frei nach den guten Manieren und Sitten handelte.

Sich in ihrer Platzwahl bestätigt und mit deutlich besserer Laune als noch kürzlich zuvor, setzt sich die Magierin.
Der alte Mann mustert sie daraufhin etwas genauer und Atevora lässt sich natürlich nicht davon abhalten es ihm gleich zu tun.
Des Mannes Haut ist bereits faltenknittrig wie ein oft in der Hand gehaltenes Pergament und es hat – nach dem Straßenstaub auf seiner Kleidung zu urteilen - den Anschein als hätte er erst kürzlich eine längere Reise hinter sich, nur seine Augen mochten nicht ganz ins Bild passen, sie wirkten seltsam jünger und „wacher“ als der Rest des Mannes.
Ihr gegenüber beendet schließlich als Erster das beobachtende Schweigen.

>„Erlaubt mir mich vorzustellen – Pert von Rellut, Alchemist und Medicus, stets zu euren Diensten.“<
Ein Alchimist? Dann dürfte er tatsächlich erst kürzlich in der Stadt angekommen sein, denn sonst wäre mir bereits etwas zu Ohren gekommen. Außerdem wäre die Ankunft an seinem Ziel nach einer Langen Reise eine zusätzliche Begründung für die vorteilhaft gute Laune. Kommentiert Atevora im stillen für sich, doch entgegen ihren Überlegungen schweigt sie höflich während Herr von Rellut munter weiter spricht:
>“Wenn es euch genehm ist, würde ich mir gerne erlauben euch einzuladen, mir steht heute der Sinn nach feiern und das nicht nur wegen des Inarifestes. Und in Gesellschaft feiert es sich doch wesentlich angenehmer als alleine.“<

Normalerweise liebte es Atevora nicht sonderlich, wenn man mit regem Redeschwall über sie  herfällt, doch in diesem speziellen Fall wird sie wohl eine Ausnahme machen. Zudem, wer wäre schon so leichtsinnig dieses wundervolle Angebot einfach auszuschlagen? So Langsam aber sicher begann sogar sie einen Gefallen an diesen Göttertag zu finden. Die Leute waren ausgesprochen Guter Laune an Festtagen, und weshalb sollte man diese nicht einfach ausnutzen wenn es sich einem bot?
Bevor sich Atevora noch bedanken kann, oder auch nur dazu käme das Angebot abzulehnen, nimmt ihr der Alchemist die längst gefällte Entscheidung ab, hält eine vorbeihuschende Schankmaid auf und nötigt Atevora dazu auch gleich und völlig ungeniert zu bestellen.

Ein für Atevora so völlig untypisches offenes Lächeln ziert ihre Lippen als sie sich freundlich bei Herrn von Rellut bedankt und sich danach der leicht gehetzt wirkenden Bedienung zuwendet:
Ich hätte, wenn möglich, gerne etwas Ziegenmilch, dazu ein paar Scheiben Brot und Honig“
Mit einem hastigen „Natürlich, Kommt sofort“ ist die Frau auch schon wieder eifrig davongeeilt, sodass sich Atevora wieder vollends ihrem Gegenüber widmen kann.

„Man nennt mich übrigens Naema Shin. Es freut mich ihre Bekanntschaft zu machen.“
Ihre kommunikative Offensive wird kurzfristig von einer Gruppe laut einander zuprostenden Tavernenbesuchern nur drei Tische weiter unterbrochen, sodass Atevora kurz wartet bis sich das Lärmen wieder etwas gelegt hat und spricht wieder mit ehrlicher Interesse in der Stimme weiter:
„Seid ihr erst kürzlich in Talyra angekommen? Zumindest war, soweit mir bekannt ist, bereits seit letzten Spätsommer kein Alchimist mehr in Talyra wohnhaft und auch das letzte laboratorium hatte sich zu dieser Zeit mit einem wundervollem lauten Farbszenario von der Stadt verabschiedet“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Pert_v._Rellut am 30. Mai 2006, 21:38 Uhr
<„Man nennt mich übrigens Naema Shin. Es freut mich ihre Bekanntschaft zu machen.“>
„Hocherfreut!“ antwortet Pert und nimmt die Vorstellung der jungen Frau mit einem höflichen Kopfnicken zur Kenntnis.
„Ich hoffe es stört euch nicht, wenn ich mir ein Pfeifchen stopfe?“ sagt er und beginnt nach einem fragenden Blick ein langes Gelehrtenpfeifchen mit vorzüglichem Südländer von den Sommerinseln zu füllen. Als auf einen weiteren fragenden Blick keine Einwände kommen, winkt Pert  wieder einmal eine Schankmaid herbei, die kurz darauf einen neuen Humpen Bier und einen brennenden Span herbei bringt, an dem er seine Pfeife entzünden kann.
<„Seid ihr erst kürzlich in Talyra angekommen? Zumindest war, soweit mir bekannt ist, bereits seit letzten Spätsommer kein Alchimist mehr in Talyra wohnhaft und auch das letzte Laboratorium hatte sich zu dieser Zeit mit einem wundervollem lauten Farbszenario von der Stadt verabschiedet“>
Pert zieht genüsslich den aromatischen Rauch ein und nickt. „Fürwahr, ihr irrt euch nicht. Ich bin neu in der Stadt, doch ist es mir durch eine glückliche Fügung des Schicksals bereits gelungen, ein geeignetes Haus zu erwerben. Das da drüben genauer gesagt“ erklärt Pert und deutet mit dem unvermeidlichen Gehstock auf das erst vor kurzem erworbene Gebäude am Rande des Marktplatzes. „Das ist auch der Grund meiner außerordentlich guten Laune und der Anlass, warum mir heute nach einer kleinen Feier zumute ist. Da ich wesentlich schneller als erhofft ein geeignetes Haus erwerben konnte, werde ich wohl bald meinen Laden eröffnen und dort Arzneien, alchemistische Produkte und medizinische Behandlungen feilbieten können. Dass es dabei nach eurer Auskunft keine Konkurrenz gibt, betrachte ich nicht gerade als Nachteil! Auch was die Explosionsgefahr betrifft kann ich euch beruhigen. Ich betreibe die Alchemie nun schon seit vielen vielen Jahren und explodiert ist mir noch nichts“ kichert Pert und pafft weiter sein Pfeifchen. „…wenngleich der eine oder andere Fehler…. „ setzt er fort und dabei fällt kurz ein Schatten vergangener Ereignisse auf sein Gemüt, doch an einem Tag wie diesem will er nicht darüber nachdenken und verdrängt die Erinnerung rasch.
“Talyra scheint für mich ein gutes Pflaster zu sein, um den Rest meiner Tage zu verbringen“ setzt er stattdessen fort „Das Bier ist ebenfalls vorzüglich!“ Diese Feststellung unterstreicht Pert durch einen weiteren kräftigen Schluck.
„Und ihr junge Dame? Seid ihr in Talyra ansässig oder seid ihr aus dem Umland wegen des Festes in die Stadt gekommen?“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Atevora am 31. Mai 2006, 18:06 Uhr
Wie erwartet bestätigt Herr von Rellut, dass er sich noch nicht lange in der Stadt aufhält und verkündet zufrieden den eigentlichen Grund seiner vorzüglichen Laune: den glücklichen und schnellen Erwerb eines Gebäudes – und lässt es sich natürlich nicht nehmen stolz mittels des Krückstockes auf seinen Neuerwerb zu deuten.
Kurzfristig droht Atevoras Interesse dabei wieder abzugleiten und sie sieht unauffällig über die Tischreihen ob eventuell die Schankmaid bereits mit ihrer kostenlosen Mahlzeit in Sicht ist, denn was interessierten sie schon Groß die glücklichen Fügungen anderer. Als der faltengezeichnete Mann allerdings etwas von Arzneien in Verbindung mit Feilbieten erwähnt ist der Magierin Interesse umgehend wieder hergestellt.
Eventuell befindet sich auch das eine oder andere brauchbare für sie unter dem Warenangebot und Gewiss waren diese Waren ungemein günstiger zu erwerben als die Mittelchen zu den Wucherpreisen am Wolfsmarkt.
Obwohl Atevora die anschließende eher unerfreuliche Bemerkung bezüglich irgendwelcher Fehlerchen registriert, beschließt sie jene großzügig zu Ignorieren und nicht weiter darauf einzugehen, schließlich wollte sie von Relluts gute Laune nicht trüben und sich somit ihren Gönner vergraulen.
>“Talyra scheint für mich ein gutes Pflaster zu sein, um den Rest meiner Tage zu verbringen“<
Weiterhin im überaus verschmilzt falschfreundlichem Tonfall setzt Atevora abermals zur Antwort an:
„Wohl war. Talyra ist wirklich ein ausgesprochen empfehlenswerter Flecken in den Immerlanden. Die Stadtwache arbeitet lobenswert besonnen, die Bevölkerung ist Großteils äußerst aufgeschlossen und freundlich und bis auf einen mehr oder minder kleinen Disput mit einem etwas rachsüchtigen und übermütigen Dämon gab es keine sonderlich erwähnenswerten Vorkommnisse..
Bei der letzten Bemerkung kann sich die Magierin ein schelmisches Schmunzeln nicht verkneifen, doch ihr gegenüber ignoriert den letzten Abschnitt ihrer Aussage und wechselt verständlicherweise das Thema. Wer hatte an einem schönen Abend wie heute – mit Ausnahme von ihr natürlich – auch schon das Bedürfnis über blutrünstige Monsterhorden welche Stadtbewohner aus purer Mordlust zerfleischen zu reden?
>„Und ihr junge Dame? Seid ihr in Talyra ansässig oder seid ihr aus dem Umland wegen des Festes in die Stadt gekommen?“ <
Es war zwar beinahe unumgänglich zu erwarten, dass solch eine Frage noch kommen musste, doch Atevora hatte dennoch gehofft, dass sie nicht gestellt würde, und hätte sie nun an einem Getränk genippt, dann hätte sie sich nun vermutlich versehentlich verschluckt.
Die Magierin hasste es offen zu lügen, doch man musst schließlich nicht alles absolut Wahrheitsgemäß beantworten, und so Antwortet sie schließlich nach kurzem zögern:
„Ich bin stets wohin mich das Schicksal treibt.“ Schicksal? Wie kann man bloß solch einen Schwachsinn von sich geben? „Aber im Großen und Ganzen kann man durchaus behaupten, dass ich hier ansässig bin“
Bevor von Rellut jedoch genauer nachhaken kann startet die Magierin eine Flucht zurück und nimmt sich heraus das Thema wieder auf bereits angesprochenes zurückzuführen:
„Ihr habt vorhin den Verkauf diverser Arzneien angesprochen. Darunter befände sich nicht zufälligerweise auch etwas zum Schutze vor dem Sonnenlicht?
Meine Haut ist zeitweise ... etwas sensibel wenn es um Shenrah’s gütige Strahlen geht. Ich könnte mir bezüglich dieses Umstandes eine zukünftige Geschäftsbeziehung zum beiderseitigen Vorteil vorstellen.“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Pert_v._Rellut am 31. Mai 2006, 19:48 Uhr
<„Ich bin stets wohin mich das Schicksal treibt. Aber im Großen und Ganzen kann man durchaus behaupten, dass ich hier ansässig bin“>
„Gut ausgewichen“ denkt Pert, beschließt aber nicht weiter nachzufragen. Sollte er zu diesem Thema irgendwann näheres wissen wollen oder müssen, so würde er schon seine Erkundigungen einziehen. Im Moment erscheint ihm dies jedoch nicht von Bedeutung.
<„Ihr habt vorhin den Verkauf diverser Arzneien angesprochen. Darunter befände sich nicht zufälligerweise auch etwas zum Schutze vor dem Sonnenlicht?  
Meine Haut ist zeitweise ... etwas sensibel wenn es um Shenrah’s gütige Strahlen geht. Ich könnte mir bezüglich dieses Umstandes eine zukünftige Geschäftsbeziehung zum beiderseitigen Vorteil vorstellen.“>
„Nun ja…. Was ihr da äußert ist…“ bevor Pert weiter antworten kann, stellt die Schankmaid seiner Gesprächspartnerin einen Becher frische Ziegenmilch sowie die bestellten Brotscheiben und Honig hin und huscht schon wieder zum nächsten Tisch weiter.
„Guten Appetit, junges Fräulein“ wünscht Pert und wartet höflich mit der Fortsetzung der Konversation, bis die junge Frau ihr Mahl beendet hat. Dann stopft er sich ein weiteres Pfeifchen, lässt es sich entzünden, nimmt wieder einen Schluck Bier und wendet sich dann wieder an Naema.
„Um auf eure etwas außergewöhnliche Frage zurück zu kommen… zum Schutze vor den Strahlen der Sonne vermag ich euch gewiss etwas herzustellen wenn mein Labor erst in Betrieb gegangen ist, doch wird dies sicherlich nicht von heute auf morgen möglich sein, da ich einige Zutaten erst besorgen müsste.“ Pert stößt mehrere Rauchringe aus und verfolgt kurz wie sie in der Abendluft emporsteigen und über dem Harfengarten in Nichts zerfasern. Nach einem weiteren Schluck Bier spricht er weiter. „Ich fürchte auch, dass einige der benötigten Zutaten nicht ganz billig sein werden. Aber über den Preis werden wir uns bestimmt handelseins werden“ versichert Pert ihr zuversichtlich. Nach einigen Zügen aus der Pfeife und zwei, drei weiteren Schlucken aus dem Bierhumpen spricht er weiter.
„Ihr müsst mir nur rechtzeitig Bescheid geben, da wie gesagt die Herstellung einige Zeit erfordern wird. Zunächst muss ich mich ja auch noch um einige Formalitäten kümmern, wie zum Beispiel um meine Anmeldung im Haus der Gilden. Wenn ich mit meinem Gewerbe vorher schon beginne, handle ich mir am Ende noch Ärger mit der Obrigkeit ein und das möchte ich aus Neuankömmling doch besser vermeiden“ grinst Pert.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Atevora am 31. Mai 2006, 21:44 Uhr
Pert von Rellut möchte gerade zur Antwort ansetzen, doch in diesem Moment ist die Schankmaid heran und stellt die gewünschten Lebensmittel auf den Tisch.
Ihr Mahlzeitspender wartet, unterdessen sich Atevora an Honigbrot und Milch gütlich tut, geduldig und nippt hin und wieder an seinem Humpen Verder Dunkel. Erst als die Magierin den letzten Schlucken Milch geleert hat setzt der alte Herr im grüblerischen Tonfall fort.

Die erklärenden Umschweife die letztendlich wohl auf den Preis und zwischen den Zeilen die deutlich zu erkennende Frage anspielen ob sie sich diese kostspieligen Arzneien denn überhaupt leisten könnte, erfreuen Atevora schon viel weniger als der bisherige Verlauf des Gespräches. Sie war sich des Preises durchaus im klaren und auch der benötigten Zutaten war sie sich großteils bewusst. Ihr war allerdings auch klar, dass von Rellut nicht wissen könnte, dass sie sich in der Welt der Pflanzen – wenn auch auf die eher verpönten Kräutlein spetzialisiert mit denen man so manchen hinterhältig des Lebens entrauben konnte – ein wenig auskannte, und so ringt sie sich weiterhin zu einem freundlichen Lächeln durch.

Den Lärm der Taverne und die Unterhaltung aus Lalllauten der bereits überaus angeheiterten Tavernengäste am Nebentisch nicht mehr wahrnehmend hört sie weiterhin aufmerksam und geduldig von Relluts Ausführungen zu und Antwortet schließlich im westentlich ernsteren Tonfall wie bisher in welchem zudem wieder Atevoras übliche distanzierte Kälte mitschwingt:

„Natürlich wollen wir vermeiden, dass ihr irgendwelche Probleme mit den tonangebenden Persönlichkeiten in eurem Gewerbekreis bekommt“
Ein kühles Schmunzeln huscht für einen Augenblick über der Magierin Lippen bevor sie sachlich – wenn auch wieter mit einem Hauch mehr Wärme in der Stimme – fortfährt:
„Und was die benötigte Herstellungszeit betrifft, so kann ich mich gerne ein wenig in Geduld üben, so überaus eilt es schließlich nicht. spiele ich eben weiterhin ein wenig Nachtschwärmerin und Mondscheinanbeter „Ich kann auch gerne einmal unverbindlich in eure Geschäft sehen, ich weißt glücklicherweise bereits wo es zu finden sein wird, und ihr gebt mir dann einfach weiteres bekannt, und über den Preis, dessen bin ich mir sicher, werden wir uns bestimmt einig.“
Nicht weiter auf Pert von Relluts erfreut wirkendem Mienenspiel achtend macht Atevora Anstalten sich zu erheben.
„Ich hoffe ihr entschuldigt mich, es ist mittlerweile spät geworden und ich werde mich für heute wieder zurückziehen. Ich danke euch vielmals für eure großzügige Einladung und für den überaus anregenden Abend. Unsere Wege werden sich mit Sicherheit in naher Zukunft wieder kreuzen“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Pert_v._Rellut am 02. Juni 2006, 19:09 Uhr
<„Und was die benötigte Herstellungszeit betrifft, so kann ich mich gerne ein wenig in Geduld üben, so überaus eilt es schließlich nicht. Ich kann auch gerne einmal unverbindlich in euer Geschäft sehen, ich weiß glücklicherweise bereits wo es zu finden sein wird, und ihr gebt mir dann einfach weiteres bekannt, und über den Preis, dessen bin ich mir sicher, werden wir uns bestimmt einig.“>
Pert nickt  während er den Ausführungen der jungen Frau lauscht. „Oh bestimmt werden wir das“ bekräftigt er dann. „Und scheut euch nicht auch einfach nur so vorbei zu kommen und euch anzusehen, was ich so alles im Angebot habe. Sollte ich etwas gerade nicht vorrätig haben, kann ich es gerne auf Bestellung mischen.“
<„Ich hoffe ihr entschuldigt mich, es ist mittlerweile spät geworden und ich werde mich für heute wieder zurückziehen. Ich danke euch vielmals für eure großzügige Einladung und für den überaus anregenden Abend. Unsere Wege werden sich mit Sicherheit in naher Zukunft wieder kreuzen“>
Ächzend erhebt sich Pert auf seinen unvermeidlichen Gehstock gestützt und verbeugt sich galant. „Aber selbstverständlich. Ihr werdet zu dieser fortgeschrittenen Stunde gute Gründe haben, nicht länger bei diesen eigenartigen Festlichkeiten zu verweilen. Es war mir ein ausgesprochenes Vergnügen, junge Dame. Und betreffend unsere Wege…“ Pert lächelt mit leicht geneigtem Kopf und mustert Naema dabei „…bin ich ebenso wie ihr überzeugt, dass wir uns wohl noch das eine oder andere mal begegnen werden. Ich wünsche euch eine gute Nacht.“
Nachdem Naema sich entfernt hat, trinkt Pert aus, bezahlt seine Zeche und begibt sich dann in sein Zimmer.
Morgen, so nimmt er sich vor, wird er als erstes das Haus der Gilden aufsuchen und danach mit der Übersiedlung in sein neues Domizil beginnen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 20. Juli 2006, 11:23 Uhr
Ziemlich spät in der Inarinacht


Zurück in der Harfe angekommen, empfängt sie nach der lärmenden Kinderfröhlichkeit und den wenigen Feiernden im Harfengarten dunkle, warme Stille - das Gesinde hat hier im Inneren nichts zu tun und folglich frei, die Schankstube ist aufgeräumt und leer, riecht nach frischem Bohnerwachs und Kerzen, süß duftenden Kräutern und dem Brotteig, der in der Küche zu Laiben aufgeht, und Borgil trägt Azra schnurstracks in ihre Gemächer. Er lässt sie so sanft es eben geht aufs Bett plumpsen und kümmert sich erst einmal darum, dass sein Sohn eine frische Windel und sein Schlafkittelchen erhält, und in seine Wiege kommt, wo er längst hingehört. Als das erledigt ist und Klein-Brenainn auch keinerlei Anstalten macht, aufzuwachen und in markerschütterndes Gebrüll auszubrechen, wendet Borgil sich seiner Frau zu. Sie auszuziehen hatte er sich zwar ein wenig anders vorgestellt, aber immerhin geht sein glorreicher Plan soweit auf, dass er sie irgendwann nackt in seinem Bett hat - und jetzt ärgert er sich schwarz über seine eigene Gedankenlosigkeit. Borgil Blutaxt, du bist doch wirklich der größte Hornochse, der herumläuft! Sieh sie dir an - völlig hinüber. Er zieht ihr die Schuhe aus, streift ihr mit bedauernden Riesenseufzern die seidenen Strümpfe von den schlanken Beinen, dreht sie sanft auf den Bauch, um ihr das Mieder aufzuschnüren, befreit sie von schimmernder Seide und raschelnden Röcken, und deckt sie dann entschlossen zu. Azra lässt alles willenlos mit sich geschehen, klebt dabei jedoch an ihm wie ein Senfpflaster und macht mehr als deutlich, was sie eigentlich will - das heißt, sie versucht es. Zu Borgils Leidwesen ist sie aber nicht einmal mehr in der Lage, die Augen offenzuhalten oder mehr als einen halbgemurmelten Protest von sich zu geben, weil er sie immer wieder mit geradezu heldenhafter Anstrengung von sich schiebt. "Nein, du bist betrunken und du schläfst jetzt," entscheidet er mit geradezu sträflicher Ritterlichkeit - und Azra schafft es doch tatsächlich, selbst in ihrem Zustand noch einen hinreißenden Schmollmund zu ziehen, der ihn fast den Verstand kostet. Um dieser Folter nicht noch länger ausgesetzt zu sein, steht er hastig auf, leert einen ganzen Krug Quellwasser, immerhin hat er genausoviel Inariwein intus, wie sie, wenn nicht noch mehr, und streift seine Stiefel ab. Nur nicht hinsehen... kaltes Bad nehmen... ersteinmal aus den Kleidern heraus... nicht hinsehen... lösch die Kerzen... kaltes Bad... Aus den Schatten des Bettes dringt ein leises Maunzen, jedenfalls hört es sich irgendwie so an. "Dir äh... wird doch nicht schlecht oder?" Borgil schnallt seinen Gürtel ab und schlüpft aus Wams und Hemd. "Soll ich einen... Azra?" Nichts. "Azra?"

Alles was ihm noch antwortet ist ein leises "Kchchbsss..." und Borgil wirft einen schicksalsergebenen Blick an die wuchtigen Balken der Zimmerdecke. Seine Frau ist sturzbetrunken - was allein seine blöde verdammte Schuld ist! - und die Tatsache, dass rein zufällig Inarinacht ist und sich ohnehin ganz Roha hemmungslos den Freuden des Fleisches hingibt, wie man so schön sagt, macht das Ganze noch unerträglicher. Hmmpf! Und ich habe mich noch über Caewlin und Raven lustig gemacht, die in Zwangsabstinenz leben. Das habe ich jetzt davon - Cobrin, Troilus und Cassandra es ist doch wirklich zum Haare raufen! Einen langen, langen Moment liebäugelt er mit dem Sessel am Kamin, was angesichts der Tatsachen wirklich vernünftiger wäre, aber dann schilt er sich einen Narren. Betrunken oder nicht, er würde ganz bestimmt mit ihr ein Bett teilen... und was sich so ergibt, wenn sie wieder aus dem Weindelirium zu sich kommt, das würde die Nacht schon noch zeigen. Gesagt getan - mit dieser Hoffnung geht auch Borgil zu Bett, und irgendwann, nach stundenlangem Wachliegen mit einer in seinen Armen schnurrenden Azra in seligem Tiefschlaf, döst auch er endlich ein. Als der Himmel im Osten sich bereits perlgrau verfärbt, die nahende Dämmerung sich ankündigt und die ersten Vögel ihre trillernden Gesänge anstimmen - Borgil hat das Gefühl gerade eben erst die Augen geschlossen zu haben - wird er prompt und ziemlich rüde wieder aus dem Schlaf gerissen. Allerdings keineswegs wie erhofft von Azras zarter Hand oder irgendeinem sonstigen Körperteil seiner Frau, sondern von Poltergeräuschen aus dem Schankraum. Was zum Donnerdrummel...? Er strampelt sich aus den Decken, während das Scheppern und Schaben von Holz erneut laut wird und wieder verstummt, steht hastig auf und schlüpft in Hemd, Hosen und Stiefel. Schwere Schritte schleifen torkelnd über die Bodendielen, halten inne, poltern noch lauter und eine ziemlich bekannte Stimme brüllt, gedämpft zu hören durch die dicken Wände, etwas von: Scheiß Ding! Borgil, die Axt schon in der Hand, lässt selbige wieder sinken und reißt die Augen auf, nicht wissend, ob er lieber lachen oder brüllen soll. Das weiß er auch immer noch nicht so genau, als er die Tür seiner privaten Gemächer öffnet, um in die Harfe zu gehen, den offensichtlich rotzbesoffenen Jungen aufzusammeln und ins Bett zu verfrachten. Scheint mein Schicksal in dieser Nacht zu sein, herrje... Gerade, als er in den breiten Gang zur Schankstube hinaustritt, taucht plötzlich Azra hinter ihm auf, mit wirrem Haar in einem dünnen Nachtgewand aus Seidenbatist, die Füße bloß, die Augen rund vor Schreck und ganz und gar ernüchtert von dem nächtlichen Lärm. "Wasisdennloswokommtderkrachherborgil?" nuschelt es dicht an seinem Ohr und er schüttelt halb grinsend, halb empört den Kopf.

"Tiuri ist gerade nach Hause gekommen und äh... kämpft mit den Stühlen, so wie sich das anhört. Komm, mein Herz, bringen wir ihn ins Bett, bevor er noch versucht, sich mit den Tischen zu tjostieren und wer weiß was anstellt." Sie holen eine Laterne, doch als sie mit derem hellen Schein in die Schankstube treten, ist dort nichts mehr zu sehen außer die schlaftrunkenen Gesichter einiger Schankmaiden, die über die Ballustrade der Treppe im ersten Stock blinzeln, ein paar umgekippte Stühle und verschobene Tische - und ein zerrissenes Hemd am Boden. Von Tiuri fehlt jede Spur. "Potzblitz, wo ist der Lümmel hin? Klang nicht so, als könnte er alleine sehr weit kommen... siehst du ihn irgendwo?" Azra kann auch nur den Kopf schütteln, aber plötzlich malt sich Schrecken auf ihre Züge und Borgil hört nur noch ein gemurmeltes "Oh nein!", als sich seine Frau schon mit wehendem Nachtgewandsaum in Richtung Hof und Stall aufmacht. Die Gesindetür zum Innenhof der Harfe steht auch prompt sperrangelweit offen und aus dem Stall selbst dringt empörtes Schnauben, nervöses Wiehern und eine alkoholschwere Stimme, die etwas von "Marsch!" und "Geh!" bellt - oder besser lallt. Im Stall angekommen finden sie als aller erstes eine reichlich verwirrte Brana am äußersten Ende der Stallgasse vor, die Borgil mit ein paar leisen Worten einfängt und an ihren Platz zurückbringt, und aus Bildurs Box kommen Geräusche, die sich verdächtig nach einem Ringkampf anhören. Im goldgelben Laternenschein bietet sich ihnen ein Bild, das Azra trotz ihres Schreckens in hiflloses Kichern ausbrechen lässt und auch Borgils Verwirrung und sich mehr und mehr erschöpfende Geduld mit ungewollter Erheiterung durchsetzt. Tiuri hängt fluchend und wild entschlossen halb an, halb über Bildurs Seite, in der einen Hand ein Mähnenbüschel, in der anderen Hand die Schweifrübe und versucht verzweifelt, seine Beine so zu sortieren, dass er irgendwie auf den Rücken des stämmigen Frithponys kommt. Zum ersten Mal sieht Borgil die Brandnarben Tiuris ganz, da er in nüchterndem Zustand selbst bei den schweißtreibendsten Schwertübungen immer darauf bestanden hatte, sein Hemd anzubehalten, doch er kann sich jetzt beim besten Willen nicht darauf konzentrieren, und dem Zwergen sind in seinem langen Kriegerleben ohnehin schon die übelsten Verwundungen vor Augen gekommen. Bildur, der kein Mitleid mit sonst zwar heißgeliebten, aber momentan anscheinend völlig übergeschnappten Stallburschen aufbringen will, und nicht einmal im Traum daran denkt, solch schnapsdrosseligen Firlefanz mitzumachen, stampft wiehernd im Kreis, zwingt den Jungen so, sich festzuklammern, will er nicht fallen und schnaubt immer ungehaltener über die rüde Behandlung seines schönen Langhaars. "Ärrrrhem!" Räuspert Borgil sich vernehmlich, was sowohl Bildur als auch Tiuri mitten in der Bewegung erstarren lässt, so dass er den betrunkenen Jungen über die Pferdekruppe hinweg fixieren kann. "Kannst du mir vielleicht erklären, was genau das hier werden soll, junger Mann?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 20. Juli 2006, 14:23 Uhr
In der Goldenen Harfe ist alles still, jedenfalls bis Tiuri die Gaststätte betritt. Der Schankraum, in den er als erstes seinen nackten Fuß setzt, ist stockfinster und normalerweise hätte sich Tiuri vorsichtig zwischen den Tischen, von denen er eigentlich sehr gut weiß wo sie sich befinden, hindurch getastet und dann die Treppe nach oben gehantelt, aber nicht so in dieser Nacht. Wankend, fällt er schon über den aller ersten Tisch der sich ihm heimtückisch in den Weg gestellt hat und fluchend krabbelt der Junge über den Holzboden. Dabei übersieht er natürlich einen Stuhl an dem er sich den Kopf schlägt und vor lauter Wut gibt er dem Mobiliar einen Tritt und befördert es quer durch den Schankraum.
„Scheiß Ding!“ brüllt er den Stuhl an, und kracht beim Umdrehen schon gegen den nächsten Tisch, dem er gegen das Tischbein tritt und jedes weitere Möbelstück schiebt er fluchend von sich weg. Schließlich schafft es der Betrunkene bis zur Treppe, doch schon bei der ersten Stufe stellt sich Tiuri dermaßen ungeschickt an, als müsste er die Stadtmauer erklimmen. Auf den Knien, die Hände um das Geländer geschlungen, krabbelt er schlussendlich über die ersten drei Stufen. Ein Blick nach oben lässt ihn schließlich feststellen wie weit der Weg in sein Zimmer noch ist und so beschließt Tiuri, der immer noch vorhat noch in dieser Nacht nach Sûrmera zu reiten, das Schwert Fahl, welches er eigentlich von oben holen wollte, Schwert sein zu lassen und unbewaffnet gen Süden zu ziehen. Also lässt er sich die Stufen wieder nach unten rollen und krabbelt von dort wieder in Richtung Türe die er zum Glück offen stehen gelassen hat, sonst wäre er wohl fünf Mal dagegen gerannt bis er zur Türklinke gegriffen hätte. So läuft er nur wieder einige Male gegen Tische und Stühle, die ihm, liegend wie stehend, den Weg versperren, rutscht auf seinem eigenen Hemd aus, das ihm, da er es ja verkehrt getragen hat von den Schultern gerutscht ist.
Bei der Türe hinaus hat er wohl schon die halbe Harfe mit seinem Gepolter und Geschrei geweckt, aber daran denkt er gar nicht, es fällt ihm ja nicht einmal auf wie laut er war, alles was jetzt wichtig ist, ist zum Stall zu kommen. Er schafft es sogar den Stall auf zwei Beinen zu betreten und sich zu wundern warum die Pferde alle verschreckt die Köpfe hoch werfen.
Brana steht in der zweiten Box und weil sie sein persönlicher Liebling ist, öffnet er auch sogleich ihre Tür. Normalerweise blubbert die Stute Tiuri schon entgegen, während er ruhig auf sie einspricht, doch jetzt fällt er mehr in ihre Box, als dass er geht und das Pferd springt in die hinterste Ecke, wirft den Kopf hoch und rollt mit den Augen, so dass man das Weiße darin aufblitzen sehen kann. Tiuri greift nach ihrer Mähne und versucht sich irgendwie auf den Rücken des Pferdes zu ziehen. Er landet jedoch sofort wieder im Stroh und auch drei weitere Versuche bringen ihn nicht weiter und bringen Brana nur dazu sich wie ein Kreisel um die eigene Achse zu drehen und auf die Stallgasse hinaus zu springen. Irgendwann sieht Tiuri ein, dass das so nicht geht und sein nächster Versuch ist mit Borgils dickem Frithpony. Das Pony ist so dick, dass er immer wieder abrutscht, aber wenigstens schafft er es sich bäuchlings über den Rücken des Tieres zu hängen und ruft dabei Befehle wie: „Los! Marsch!“ und „Geh!“ vor sich hin, während er sich mit einer Hand in die Mähne und mit der anderen in den Schweif des Ponys krallt und trotzdem gleichzeitig versucht das rechte Bein über die Kruppe seines Reittieres zu schwingen. Das Pony hat eindeutig keine Lust mehr und möchte dem Schwachsinn ein Ende setzen. Tiuri auf seinem Rücken schwankt gleichmäßig in der Bewegung wie ein Bettlaken auf der Wäscheleine. Gleichzeitig beginnt sein Magen sich zu drehen und über die rüde Behandlung zu beschweren.

Während Tiuri noch mit seinen eigenen Gliedmaßen kämpft und krampfhaft versucht sich auf den Rücken Bildurs zu kämpfen, hört er hinter sich ein lautes Räuspern. Ertappt halten Bildur und er in der Bewegung inne und über die breite Kruppe des Frithponys hinweg sieht Tiuri sich Azra und Borgil gegenüber. Azra hat beide Hände vor den Mund gepresst und trotzdem kann er ihr Kichern noch deutlich hören, aber ehe er etwas sagen kann hat Borgil das Wort ergriffen.
>Kannst du mir vielleicht erklären, was genau das hier werden soll, junger Mann?< fragt er in seinem tiefen Zwergenbass und blickt Tiuri direkt in die Augen. Tiuri versucht wie üblich mit Händen und Füßen seine etwas missliche Lage zu erklären, dafür muss er aber erst einmal loslassen. Jeder andere wäre erst, mit den Beinen voran, nach unten gerutscht und zum Stehen zu kommen, nicht so Tiuri. Der Junge lässt beide Hände gleichzeitig los und fällt Borgil kopfüber vor die Füße. Der Zwerg sieht ihn aus kohlschwarzen Augen unter buschigen Brauen streng an und Tiuri wimmert nur mehr kleinlaut nach oben.
„Ich,…. Ich reide… naach, reid nach Surea,… Sumra,… Sûrmera! Jetzt!“ verkündet er und wundert sich warum ihm dieses dumme Wort so viel Schwierigkeiten bereitet. Welcher Idiot sich den Namen wohl ausgedacht hat!
Tiuri zieht sich am dichten Schweif des Ponys wieder nach oben und startet einen weiteren Versuch, der tatsächlich auch glückt! Mit einem Schwung seines rechten Beines sitzt Tiuri auf Bildurs Rücken… verkehrt herum.
„AH!“ schreit er erschrocken auf. „Kein Kopf!“ Seine Augen sind weit aufgerissen und sein Schrei lässt nun auch Bildur die Geduld verlieren, mit einem einzigen Sprung buckelt er Tiuri von seinem Rücken und verzieht sich dann mit angelegten Ohren soweit von dem Stallburschen weg wie nur möglich.
Mit festem Griff zieht Borgil ihn nach oben und macht Tiuri klar, dass er jetzt überhaupt nirgends mehr hin reiten wird und schon gar nicht nach Sûrmera, er sei ja stockbetrunken und gehöre ins Bett oder über Borgils Knie um eine Tracht Prügel zu beziehen.
„Bett… bitte!“ Tiuri ist plötzlich sehr froh, nicht mehr aufs Pferd zu müssen und die Aussicht auf sein weiches Bett ist tatsächlich genau nach seinem Geschmack. Wenn nicht der verdammte Weg so weit wäre und wenn sich der Boden nicht so drehen würde.
„BORGIL!! Die Türe!“ ruft er und deutet mit einer Hand in einem Halbkreis um sich. Die Türe dreht sich wie wild um ihn herum und möchte ihn nicht mehr aus dem Stall heraus lassen, er ist gefangen und sofort beginnen die Wände um ihn herum zu zittern und drohen über ihm einzustürzen. Als ob das nicht genug wäre hat er durch diese Panikattacke plötzlich das Gefühl als würde der Stall in Flammen stehen und überall um ihn sind Whytfisks bleiche Augen und starren ihn an und sie lachen. Es sind nur Augen, aber er hört ihn lachen und Tiuri zittert wie Espenlaub.
„Das Feuer, seht ihr nicht das Feuer!“ brüllt er Borgil und Azra an, als die nicht aussehen als wollten sie jeden Augenblick aus dem Stall flüchten. „Und der Weißfisch!“ wimmert er und versucht die beiden, die ihn verständnislos ansehen, dazu zu bewegen endlich los zu gehen, denn er würde sie nicht verbrennen lassen. Außerdem kann er den Ausgang nicht finden, es gibt so viele davon.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 26. Juli 2006, 19:13 Uhr
Das Gepolter, durch welches sie erwacht, schlägt hinter ihrer Stirn ein wie ein Donnerschlag und mit einem schmerzvollen Stöhnen, dreht sie sich zur Seite, wird schlagartig bleich wie der Tod und eine Welle der Übelkeit stülpt ihren Magen um. Gerade noch schafft sie es zitternd wie eine Weide im Wind aus dem Bett zu krabbeln und nach der hölzernen Waschschüssel zu greifen, die auf dem kleinen, robusten Holztisch neben ihrer Seite des Bettes steht, bevor sich ihr Abendessen unter grossem Würgen und Spucken zurückmeldet. Ächzend beugt sie sich nach vorne, übergibt sich noch einmal und lässt sich dann mit einem Plumps einfach zu Boden sinken. „Bäh.“ Der ekelhafte, saure Geruch nach Erbrochenem klebt an ihrem Gaumen und in ihrem Kopf ist ein ganzes Zwergenregime damit beschäftigt, ihr mit spitzen Hacken den Schädel zu zertrümmern. Wimmernd drückt sie die Hände gegen die Schläfen und tastet nach der Bettkante, um sich hochzuziehen. Ihre Beine sind schwer wie Blei und überhaupt fühlt sich jeder verdammte Fleck ihres Körpers unendlich träge und müde an, doch als ein erneutes lautes Poltern erklingt, wird sie schlagartig hellwach. Spuckkübel und bestialische Kopfschmerzen sind vergessen, als sie Borgil in der nächtlichen Dunkelheit ihres Gemachs entdeckt, wie er gerade seine Axt wieder fort legt. „Wasnlos?“, nuschelt sie kaum verständlich und dann hört auch sie die gedämpften Flüche, die keineswegs mehr sonderlich kreativ sind und auch wenn die Stimme nach Singsang und mindestens zehn Bechern Alkohol zuviel klingt, erkennt sie diese trotzdem. Oh nein, Tiuri. Augenblicklich mischt sich unter den Schreck eine gehörige Portion Sorge und obwohl die Wände sich in einem lustigen Reigen um sie herum bewegen, schnappt sie sich das erstbeste Nachtgewand, streift es über und hastet dann – sich blinzelnd und leicht verwirrt, über den frohen Farbenwirbel an allem entlang tastend, was ihr in die Finger kommt – Borgil hinterher, der bereits auf dem Gang steht. Mit grossen Augen starrt sie in die fahle, bleiche Gräue vor sich und ergreift unsicher Borgils Arm, sowohl weil sie sich fürchtet, als auch weil sie das Gefühl hat, jeden Moment ihr Gleichgewicht zu verlieren. „Wasisdennloswokommtderkrachherborgil?“, rattert sie in einem Satz hinunter und verschluckt dabei die Hälfte der Worte, weil es ihr viel zu schwer fällt, ihre Zunge richtig zu bewegen. Sie sieht es glitzern in Borgils Augen und weiss nicht genau zu deuten, was die winzige Spur von Empörung in seiner Stimme zu suchen hat. „Tiuri ist gerade nach Hause gekommen und äh… kämpft mit den Stühlen, so wie sich das anhört. Komm, mein Herz, bringen wir ihn ins Bett, bevor er noch versucht, sich mit den Tischen zu tjostieren und wer weiss was anstellt.“ Müde nickt sie nur und wartet, bis er eine Laterne geholt hat, derweil sie mit ihrem Magen um die Vorherrschaft über den Rest ihres Essens ringt. Schlaftrunken und immer noch mit ihrem Gleichgewicht kämpfend, folgt sie Borgil in den Schankraum und betrachtet dann mit wachsender Verwunderung die umgeworfenen Stühle, die verschobenen Tische, sowie das zerrissene Hemd, das morgen eindeutig von Halla als Putzlappen beschlagnahmt werden würde.

Doch trotz des warmen, hellen Lichtscheins kann sie nirgendwo etwas entdecken, dass aussieht wie ein betrunkener Tiuri, der sich gerade mit irgendwelchen Möbeln anlegt, und auch Borgil weiss anscheinend nicht, was er davon halten soll. Tiuri… wo bist du bl… Götter, nein! Der Gedanke durchzuckt sie so hart und unerwartet, dass es ihr einen Moment lang fast den Atem verschlägt. Nein, so dumm wird er doch wohl… Doch der Rest ihres Flehens bleibt ihr im Hals stecken, denn ein dumpfes Wiehern dringt von fern an ihr Ohr. „Oh nein!“, murmelt sie halb entsetzt, halb ungläubig und nimmt die Beine und das Nachtgewand in die Hand. Die Tatsache, dass Tiuri es in seinem betrunkenen Zustand wirklich in Erwägung zieht, was sie vermutet, ist eine vollkommene Ernüchterung für ihren von Schwindel erfassten Kopf. Du dummer Tor! Ihre Füsse fliegen über die Dielen und ohne nachzudenken huscht sie durch die offene Türe in den Innenhof und von dort aus schnurstracks in den Stall, von wo aus seltsames Gemurmel und gelallte, kaum zu verstehende Befehle in die noch junge Nacht hinaus dringen. Kaum hat sie jedoch die Schwelle in den wohlig warmen, nach frischem Stroh duftenden Stall betreten, verharrt sie wie erstarrt und versucht das seltsame Bild vor sich in irgendeine Kategorie der Realität unterzuordnen. Trotz der Angst und Panik, die eben noch mit klammen Fingern nach ihr gegriffen haben, kratzt ein Kichern ihre Kehle, bis sie es nicht mehr unterdrücken kann. Tränen treten ihr in die Augen und nach Luft japsend klammert sie sich an Borgil und gluckst vor sich hin, während sie Tiuris seltsamen Versuchen, sich auf dem breiten Rücken des Ponys zu halten, zusieht. Das Frithpony wirft empört seinen Kopf in die Höhe, schnaubt, dreht sich wie ein Kreisel und versucht allem Anschein nach dem komplett wahnsinnigen Stallburschen endlich los zu werden. Doch erst als Borgil sich vernehmlich räuspert und die buschigen Augenbrauen sich in der Mitte seiner breiten Stirn treffen, halten sowohl Tiuri auch als das Pony mit simultan verdutzten Mienen inne und blicken zu ihnen hinüber. Im nächsten Moment gibt es einen lauten Rums und Tiuri, mit Armen und Beinen seltsam uneinig, rutscht wie ein nasser Sack vor ihnen zu Boden, direkt vor ihre Füsse. Hastig schlägt Azra die Hände vor den Mund um lautes Gelächter zu unterdrücken, doch wie Tiuri da so liegt, den Haarschopf voller Stroh, die Augen verdutzt und irgendwie auch eine Spur verwirrt nach oben gerichtet, kann sie schlichtweg nicht anders, als lachen. Beinahe unverständliches Gefasel lässt sie fragend eine Augenbraue heben, doch ihr Verdacht bestätigt sich und ein sanftes Schmunzeln schiebt sich über den amüsierten Zug. Nach Sûrmera. Ach du Dummkopf. Sie will ihm schon mit ein wenig beruhigendem Geflüster aufhelfen, als Tiuri den dicken Schweif des Ponys ergreift und sich selbst in die Höhe hievt, nur um sich dann – wissen die Götter, woher er die Kraft noch nimmt – todesmutig wieder auf den Rücken des Tieres zu schwingen… leider verkehrt herum. Einen Herzschlag lang herrscht angespanntes Schweigen und Tiuris Augen weiten sich vor Panik, bis er heiser und zu Tode erschrocken hervorstösst: „AH! Kein Kopf!“ Sein Schrei setzt der überstrapazierten Geduld des Ponys endgültig ein Ende und Azra sieht nur noch, wie Tiuri hilf- und machtlos einfach nach rechts abrutscht, als Bildur einen monströsen Sprung zur Seite macht, um sich dann mit angelegten Ohren und gefletschten Zähnen in eine Ecke zu verziehen.

Borgil hat anscheinend ebenfalls genug von diesem Mummenschanz. Kopfschüttelnd packt er Tiuri am Arm und zieht ihn hoch, dem Jungen androhend, ihn hier - und wenn es nötig wäre sofort - übers Knie zu legen, sollte er sich jetzt nicht bereitwillige freiwillig dazu erklären, sein Bett aufzusuchen. Tiuris Gesichtsfarbe wechselt von Weiss zu Grün und mit plötzlicher Erleichterung schwenkt er seinen Kopf im Versuch eines Nickens wild hin und her und stösst ein flehentliches: „Bett… bitte!“, hervor. Immer noch grinsend will sich Azra schon abwenden, um Borgil und seiner sturzbetrunkenen Fracht den Weg frei zu machen, als Tiuris Gebrüll sie zusammenfahren und sich umdrehen lässt. Der Junge wankt wie ein Schiff auf den Wellen, wedelt mit angstvoll geweiteten Augen mit einem Arm ziellose in der Luft herum, und wird schlagartig kreidebleich. “Das Feuer, seht ihr nicht das Feuer!“ Sein heiseres Krächzen hallt laut im Stall wieder und das unruhige Wiehern der Pferde erklingt. Azra sieht es in Borgils Blick verdächtig funkeln und hastig tritt sie vor, um Tiuris Hand zu ergreifen. “Und der Weissfisch!“ Kaum mehr als ein trockenes Husten und doch laut genug, damit sie es versteht. Der alte, doch noch immer bekannte Name lässt eine unsichtbare Gänsehaut über ihre nackten Schultern kriechen und ein eisiger Schauer rieselt ihren Rücken hinab. Fast schon instinktiv sieht sie sich um, obwohl sie genau weiss, dass es nicht sein kann, dass es gar nicht möglich ist, bis sie entschlossen jedes Gefühl der Kälte von sich abstreift und Tiuris Finger greift. Flüchtig wechselt sie einen Blick mit Borgil, der nahe dabei ist die Augen genervt zu verdrehen und den Jungen einfach hinter sich her ins nächstbeste Zimmer zu schleifen. „Lass mich“, haucht sie kaum hörbar, doch ihre Finger auf Borgils Arm scheinen ihm genug Geduld zu geben, damit er ihr den Vortritt lässt. „Tiuri! Tiuri!“ Der panische Blick des Jungen fliegt umher, als erwarte er, jeden Augenblick angegriffen zu werden und um endlich seine Aufmerksamkeit zu erlangen, kneift sie ihn schliesslich einfach hart in die Seite, mitten zwischen die Rippen. Er stöhnt auf und sieht zu ihr hinunter und in seinen blauen Augen sieht sie seine Furcht, die ihn peinigt und ihn fast wahnsinnig werden lässt. Vorsichtig stellt sie sich auf die Zehenspitzen und nimmt sein heisses Gesicht in ihre Hände, streicht über seine Wangen und flüstert in sanftem Tonfall: „Es ist alles gut Tiuri. Es ist alles gut. Hier ist kein Feuer und auch keinen Weissfisch. Er ist tot, er wird nie wieder kommen und du bist hier in Sicherheit. Sieh mich an… sieh mich an!“ Tiuri wimmert, doch er erwidert ihren Blick, starrt sie an, fällt plötzlich in die Knie und übergibt sich geräuschvoll direkt vor ihre Füsse und, sie ist nicht schnell genug, leider auch darauf. Leer schluckend, um der eigenen Übelkeit entgegen zu wirken, hält sie Tiuri die Haare aus dem Gesicht und verzieht keine Miene, bis auch der letzte Rest aus seinem Magen raus ist. Erst dann lässt sie ihn kurz los, schnappt sich eine Pferdedecke und legt sie dem Jungen über die Schultern, denn sie weiss, wie sehr er darum bemüht ist, das rote Narbengeflecht auf seinem Körper zu verbergen. Er schämt sich nicht dafür, glaube ich, aber er will keine Fragen, die er nicht beantworten kann… oder nicht beantworten will. Borgil, vollkommen entnervt, brummt etwas in seinen Bart und packt Tiuri kurzerhand auf die Schulter, wobei Azra dafür sorgen muss, dass dessen Kopf nicht gegen jede Treppenstufe prallt, die ihnen in den Weg kommt. Ihr Ehegatte grummelt und beklagt sich dumpf darüber, dass die Köchin den Jungen nicht so mästen soll, er sei ja schon viel zu schwer, doch eine gewisse Spur von Belustigung kann auch er nicht verbergen und Azra ist mehr als froh darüber. Und eigentlich sollte er Tiuri dankbar sein, ich wär ja sonst nie aufgewacht…wo er mich abgefüllt hat wie ein Zwerg, nur um dann zu lamentieren, ich könne nicht mehr aufrecht stehen. Pff… jetzt bin ich wach, aber das wird ihm nichts mehr bringen. Sie bedenkt Borgil mit einem katzenhaften Blick über die Schulter und ihre weissen Zähnen blitzen im Halbdunkeln auf.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 19. Aug. 2006, 23:25 Uhr
Von Grünglanz bis Beerenreif


Kaum haben sie Tiuri endlich vom Rücken des armen Bildur herunten und soweit, dass er mehr oder weniger freiwillig bereit ist, sein Bett aufzusuchen - oder vielmehr sich dorthin verfrachten zu lassen -, geht das Theater schon von neuem los. Diesmal nicht mehr mit nächtlichem Fernweh, sondern mit alkoholgeschwängerten Halluzinationen. Borgil hat sich, ebenso wie Azra, schon halb umgedreht, um in Richtung Harfe zurückzukehren, den vermeintlich folgsamen Tiuri im Schlepptau, als der hinter ihnen plötzlich loskreischt wie eine Katze, der man auf den Schwanz getreten war. >Das Feuer, seht ihr nicht das Feuer!< Brüllt der Junge so entsetzt, dass selbst Borgil erschrocken zusammenfährt. >Und der Weißfisch!< "Häh?" Alle wilden Blicke in dunkle Stallecken oder auf den mondbeschienenen Harfenhof offenbaren Borgil nur friedliche, nächtliche Stille. Keine Kanalratten und erst recht kein Weißfisch und auch nicht das allerkleinste Fünklein irgendwo, sieht man vom schummrigen Dämmer der Laterne an einem der Stallpfosten einmal ab. "Zum Donnerdrummel, jetzt reicht's mir aber, du versoffener Floh!" Knurrt Borgil hin und hergerissen zwischen Belustigung, Ärger und auch ein wenig Mitleid, aber leider schon von seinem wenig einfühlsamen Naturell her völlig ungeeignet, einen panischen Jungen zu beruhigen. "Kein Feuer und kein Weißfisch weit und breit, du fantasierst nur," ist daher auch alles, was er resolut erklärt. "Keinen Tropfen Alkohol vertragen, aber Saufen bis zum Umfallen, das haben wir gern... du bist voll wie ein Uisgefass, Jungchen und du stinkst wie eine ganze Uisgebrennerei und jetzt..." Azra, mit mehr Gespür für derlei heikle Situationen gesegnet, legt Borgil beschwörend die Finger auf den Arm. >Lass mich,< murmelt sie nur und nimmt sich gleich darauf des zitternden Häufleins Elend an, das abwechselnd grün und weiß im Gesicht vor ihnen durch die Gegend torkelt, und um sich stiert, als sei der Dunkle persönlich hinter ihm her. Zuerst kneift sie ihn ordentlich, was Borgil ein zufriedenes Schnauben entlockt, dann redet sie so sanft und einlullend zu ihm, wie sie auch mit Brenainn spricht, wenn der partout keine Ruhe geben will. >Es ist alles gut Tiuri. Es ist alles gut. Hier ist kein Feuer und auch keinen Weissfisch. Er ist tot, er wird nie wieder kommen und du bist hier in Sicherheit. Sieh mich an…< Es wirkt und Azras säuselnde Stimme zwingt Tiuri in die Knie - und zwar buchstäblich. Den abrupten Höhenwechsel macht jedoch der uisgeüberforderte Magen des Jungen nicht mehr mit und so kotzt er sich folglich erst einmal die Seele aus dem Leib - direkt vor und auf Azras Füße. "Buäh! Cobrin, Troilus und Cassandra, das darf doch nicht wahr sein..." Anstatt ihn dafür ordentlich zu ohrfeigen oder ihn mit der Nase direkt in die Schweinerei zu stupsen, als wäre er ein inkontinentes Katzenbaby, streicht Azra Tiuri nur beruhigend über den Kopf und packt ihn in eine Pferdedecke, um seine Narben zu verhüllen. Borgil schüttelt nur noch den Kopf - aber selbst er sieht, dass Tiuri in keiner Verfassung für Moralpredigten oder Standpauken mehr ist und noch nicht einmal in der Lage, sich allein wieder auf die Füße zu kämpfen.

"Rück zur Seite mein Herz," seufzt er also mit Seharimgeduld, hievt sich das stöhnende Bürschchen samt Decke über die Schulter, bekommt eine einzigartige Geruchsmischung aus Schweiß, Angst, Uisge, Erbrochenem und Pferd in die Nase, und stapft in seinen Bart grollend in Richtung Harfeninneres davon. "Azra, pass auf seinen Kopf auf... Göttererbarmen, wieviel wiegt der Kerl eigentlich?" Schwankend und ächzend geht es durch den Gang zum Hof, die nächtliche Schankstube und dann die Treppen in die oberen Stockwerke hinauf, wobei Tiuri ächzt und schlaff wie ein entgräteter Fisch über Borgils Schulter hängt, und Azra schwankt, weil sie den Kopf des Jungen halten und davor bewahren muss, über die Stufen zu holpern oder den Boden zu schleifen. Borgil trägt Tiuri in seine Kammer hinauf und spürt den ganzen Weg über Azras Blick in seinem Rücken, so deutlich, als hätte sie ein Wort gesagt. In seinem Bett angekommen und sowohl der Pferdedecke, als auch seiner stinkenden Kleidung entledigt, kommt Tiuri zum ersten Mal wieder einigermaßen zu sich - was sich darin äußert, dass er Borgil, der ihn gerade in die Kissen drückt, während Azra sicherheitshalber einen alten Eimer besorgt, begeistert angrinst und lallt: "Borgil...? Isch freu...hicks... misch... wirkl... wirklisch riiiiiesig, disch su... hicks... su sehen..."
"Äh... ja. Schon in Ordnung, Jungchen. Ich hab dich auch gern. Der Eimer kommt gleich...."
"Wasnfürneimer...? Borghicks... Birgo... Lirbgo... Borgilischmussnachsurmaridings... sermora... verdammich... Sûrmera. Kannnich... Kannnichliegenbleiben, ich muss..."
"Oh nein! Du bleibst jetzt schön liegen, Freundchen! Du gehst nach Sûrmera, ganz bestimmt, aber nicht mehr heute nacht und auch nicht morgen oder übermorgen."
"Isch... hicks... isch geh nach Sûrm... Sâm... Samsamsam... Samara?"
"Sûrmera! Ja doch, Junge, aber..."
"Ooh... mir wird schlecht."
"Hier, der Eimer, schnell!"
Eine Weile gibt Tiuri gar nichts mehr von sich außer unartikulierten Würgegeräuschen, und als sein bleiches Gesicht endlich wieder aus dem Eimer auftaucht, sieht er zwar zum Göttererbarmen elend, aber immerhin wieder einigermaßen ansprechbar aus. Borgil, Azra neben sich, die den Jungen besorgt mustert, jederzeit bereit, wieder vorzuspringen und ihm den stinkenden Kübel unter die Nase zu halten, schüttelt mitleidig den Kopf. "Wir fahren nach Sûrmera und suchen deine Vergangenheit und deine Familie." Oder was davon übrig ist. "Aber ich werde den Teufel tun, und meine Frau und meinen Sohn allein mit dir fahren lassen, verstanden? Du kannst ja noch nicht einmal auf dich aufpassen, geschweige denn auf euch alle zusammen, also... komme ich mit."

Wie immer Tiuri diese Eröffnungen aufnimmt, Borgil gibt ihm gar keine Gelegenheit zu einer Antwort, die wer weiß wie ausgefallen wäre, sondern schickt ihn mit einem strengen Blick und einem warnend erhobenen Zeigefinger endgültig in die Horizontale. "Und jetzt wirst du deinen Rausch ausschlafen, Jungchen. Denn bis du deine Reise nach Sûrmera antreten kannst, musst du noch einiges dazulernen. Zum Ersten, dass man mitten in der Nacht keine Pferde stiehlt. Zum Zweiten, dass man nicht halbnackt und rotzbesoffen randaliert. Zum Dritten, dass man nicht mehr trinkt, als man auch verträgt, und zum Vierten, wie man ordentlich mit einem Schwert umgeht. Und morgen bei Sonnenaufgang, fangen wir gleich mit Nummer Vier an - nachdem du die Sauerei im Stall beseitigt hast und ganz gleich, was dein Schädel dir erzählt. Also schlaf jetzt, du hast nur noch drei Stunden. Zweieinhalb." Gesagt getan - der Eimer wird zur Sicherheit in Reichweite deponiert und die Bettdecke bis zu Tiuris Nasenspitze hochgezogen, dann lassen sie den Jungen allein. Kaum hat Borgil die Tür hinter sich zugezogen, wendet er sich mit einem wahrhaft diabolischen Grinsen seiner Frau zu. "Und nun zu dir, Madame Blutaxt. Da du ja jetzt wach und einigermaßen bei Sinnen bist..." er hebt seine Frau schwungvoll hoch und legt sie sich ähnlich wie Tiuri, wenn auch sehr viel sanfter, über die Schulter. "Kommen wir zum interessanten Teil der Nacht..."  Azra quittiert diese Aktion erst mit einem überrumpelten Quietscher und trommelnden Fäustchen, die jedoch vollkommen wirkungslos von Borgils Rücken abprallen, dann mit empörten Vorträgen über gewisse Zwergenmänner, die meinten, sie könnten ihre Frauen erst sturzbetrunken machen und dann so mir nichts dir nichts zu ihrem Vergnügen kommen, er solle sie aber sofort wieder herunter lassen und das komme ja wohl gar nicht in Frage und er könne sich das gleich wieder aus dem Kopf schlagen, es vergessen, brauche sich gar keine Mühe geben, nicht einen Kuss wolle sie ihm geben und sofort, was jedoch ebenso an Borgil abperlt, wie ihre wilden Strampeleien. An Schlaf ist ohnehin nicht mehr zu denken, wie er bestechend logisch anführt, im Morgengrauen hat er eine Verabredung mit einem bestimmt völlig verkaterten Jungen, der lernen muss, wie man eine Waffe führt, die Füße seiner Frau brauchen dringendst ein Bad und Inari wäre sicherlich verstimmt, wenn sie ihnen in dieser Nacht nicht die ihr gebührende Ehre erweisen würden. Schließlich ist diese Göttin - neben Sil selbstredend -, so ziemlich die Macht des Pantheon Rohas, die Borgil auf gar keinen Fall verärgern will - was er denn auch nicht tut (hofft er zumindest, den Geräuschen nach zu urteilen, die Azra von sich gibt, nachdem sie ausgeschmollt hat, jedenfalls nicht).  

Der nächste Morgen beginnt, wie versprochen, mit einer haarsträubenden Tortur für Tiuri. Borgil hält Wort und wirft den allerärmsten Jungen mit dem ersten Hahnenschrei (und die Harfe nennt einen früh aufstehenden Gockel ihr Eigen) aus den Federn, nur um ihn erbarmungslos über den Hof und durch den Stall zu scheuchen, und ihn dann drei Stunden lang ordentlich in die Mangel zu nehmen. Tiuri, grün im Gesicht und mit schmerzendem Schädel, ohne Frühstück oder ordentliche Wäsche und mit nichts als einem Kanten Brot im gebeutelten Leib, hält jedoch wacker durch und verzieht nicht eine Miene, auch wenn er jede Gelegenheit nutzt, den Zwerg auszuquetschen, ob er wirklich zugesagt hatte, sie alle nach Sûrmera zu bringen und wie, wann, wo und warum überhaupt das geschehen soll, bis Borgil dem Jungen verspricht aufzubrechen, sobald es im Herbst nach der Erntezeit ruhiger würde. Allerdings würde er, Borgil, die Vorbereitungen übernehmen, sich um ein Schiff nach Sûrmera kümmern und diese Fahrt organisieren, und Tiuri würde bis dahin jeden Tag sein Schwerttraining verbessern und nie wieder versuchen, sich heimlich davonzustehlen - ob nüchtern oder betrunken. So vergehen Matha, Aurtha und Hestha (Grünglanz, Goldschein und Sonnenthron) in der Harfe mit der täglichen Arbeit, und die ist in einem so großen Gasthaust wie immer nicht zu knapp bemessen, und mit ebenso täglicher, stundenlanger Schinderei für Tiuri. Vom Krafttraining, um die Muskulatur des Jungen und vor allem seine verkrüppelte Hand zu stärken und einfachen Schrittfolgen, gehen sie bald über zu komplizierteren Bewegungsabläufen und bestimmten Grundhieben... einfache Kenntnisse, das kleine Einmaleins des Schwertkampfes sozusagen, die Borgil ihm gründlich, Stück für Stück und mit unendlicher Geduld einbleut, bis der arme Tiuri sie blind und selbst im Schlaf in und auswendig kann, und sie vermutlich noch in seinen Träumen durchexerziert. Im Sonnenthron entscheidet Borgil, dass es nun Zeit wäre, die Übungsschwerter anzupacken und Tiur bekommt zum ersten Mal ein solches in die Finger - glatt, aus steinhartem Eichenholz und mit einem bleigefüllten Kern versehen, ist der stattliche Eineinhalbhänder - in etwa das Kaliber Fahls - den der Junge in die Hände bekommt, viel schwerer als ein echtes Schwert, doch Borgil kennt keine Gnade: Tiuri muss das elende Ding mit einer Hand führen, ganz gleich wie hart es geht und wie ungeschickt er sich die ersten Stunden anstellt. "Es gibt genug Schläge, die du mit beiden Händen führen wirst, aber vorerst ist eine alles, was du brauchst. Es ist nicht zu schwer. Es ist niemals zu schwer, dein Arm ist nur zu schwach." Borgil hält sein Versprechen vom letzten Winter tatsächlich und zwar Wort für Wort: er hatte Tiuri prophezeit, dass er an sechs von sieben Abenden einer Woche mit Blasen und Striemen übersät, grün und blau geprügelt und todmüde in sein Bett fallen und vor lauter Schmerzen doch kein Auge zu tun würde. Trotz dieser Qualen ist der Junge mit Feuereifer bei der Sache und übt eisern. Neben den täglichen Schwertübungen, die Borgil mit links - Kunststück, er hat ja auch jahrhundertelange Erfahrung damit - und Tiuri im Schweiße seines Angesichts absolviert, zieht noch der herzländische Sommer ins Land - und zwar ungewöhnlich heiß und sehr trocken, selbst für hiesige Verhältnisse.

Die ganze Stadt, das Umland und das nördliche Larisgrün ächzen wochenlang unter glühender Hitze und staubtrockenem Wetter, und nicht das allerkleinste Sommergewitterchen läßt sich am Nordwestufer des Ildorel blicken. Im Goldschein finden das noch alle, vor allem die Kinder und die Bauern, die eine prächtige Heuernte einfahren, wunderbar, doch als der Sonnenthron ins Land zieht und es noch immer nicht regnet, das Korn auf den Feldern mager und dürr steht, der Mais einen guten Schritt niedriger bleibt, als üblich und die Feldfrüchte ähnlich mickrig ausfallen, weil ihnen einfach das nötige Wasser fehlt, können sich nur noch die Kinder für den Sommer begeistern... die Bauern wettern was das Zeug hält und alles und jeder betet um Regen, doch es regnet einfach nicht. Die Hitze und die Dürre halten an bis zum Beginn des Beerenreif - dann ändert sich das Wetter schlagartig, und aus den ersten Gewittern, die Talyra endlich die lang ersehnte Abkühlung bringen, werden gleich drei Wochen Dauerregen mit empfindlicher Kühle. Das Korn auf den Feldern ersäuft, das Larisgrün ist ein einziges Schlammfeld und die Getreideernte fällt buchstäblich ins Wasser... oder zumindest sehr viel magerer als sonst aus. Hatten zuerst alle stöhnend um Regen gebeten, beten die Bauern des talyrischen Umlandes jetzt nur noch für ein paar trockene Tage am Stück, damit sie ihr Korn einbringen können, das nass und abgestanden auf den Feldern steht und trostlos der Dinge harrt, die da noch mit ihm geschehen sollen. Borgil, der das alles als Stadtrat mit einer gewissen Sorge im Auge behält, plädiert bei ein paar hastig einberufenen Ratssitzungen dafür, aus Virinmarun und Ildala Korn zu kaufen, falls es im Herbst zu wirklicher Knappheit käme, doch die Speicherhäuser der Stadt sind von den letzten, fetten Jahren auch so gut gefüllt - zu tatsächlicher Not wird es also kaum kommen. Klein-Brenainn wächst und gedeiht prächtig und ist mit knapp acht Monden schon ein richtig großer Junge, der immerhin schon allein sitzen und fast auch schon krabbeln kann... legt man ihn auf den Bauch, robbt er jedenfalls eifrig vorwärts und seitwärts, immer auf der Suche nach dem begehrten Lieblingsspielzeug, dem schwarzen Kater, der sich zugern in der Nähe des Babys hält oder aber Mamas Rockzipfel, der nie weit weg sein darf. Außerdem nennt Borgils Sohn mittlerweile zwei winzige Zähnchen sein eigen, die perlweiß durch das rosige Zahnfleisch im Unterkiefer schimmern und sowohl ihn, als auch seine armen Eltern einige schlaflose Nächte gekostet haben. An einem Abend Mitte des Beerenreif, oder Lingitha, wie der Mond bei den Zwergen heißt, an dem es, wie könnte es anders sein, in Strömen regnet, weswegen die Harfe auch kaum besucht ist, sitzt Borgil in seinen Gemächern vor dem Kamin und sinniert vor sich hin, während Azra ein heißes Bad nimmt und Tiuri wahrscheinlich gerade seine hundertste Quetschung mit stolzgeschwellter Brust Halla oder Grid vorführt... Brenainn schläft längst in seiner Wiege. Borgil hört seine Frau leise im Wasser plätschern - sie sitzt nebenan in dem großen Zuber und mariniert sich in Mandelmilch und Honigseife - und denkt darüber nach, wie er mit Tiuri am besten weiterarbeitet. Der Junge ist, zumindest was den Schwertkampf angeht, Linkshänder und wird es wohl auch bleiben... seine Rechte ist mit den Brandnarben und den Verkrüppelungen einfach nicht stark genug. Seufzend schlägt Borgil sich in Gedanken eine Weile mit diesem Problem herum, dann wuchtet er sich aus dem breiten, ledergepolsterten Holzsessel und geht zu Azra ins Schlafgemach hinüber.

Ein paar Kerzen brennen und es duftet verführerisch nach allem möglichen Zeugs, das sie immer ins Badewasser kippt. Borgil zieht sich einen Schemel heran, setzt sich zu ihr an den Zuberrand und fischt einen Lappen aus dem Wasser, um ihr den Rücken zu waschen, den sie ihm lächelnd zudreht. "Anfang Anjantha," brummt er nach einer Weile, "Anfang Blätterfall läuft die "Roter Bulle" nach Sûrmera aus. Ich war heute im Hafen unten und habe die Überfahrt gebucht, für Tiuri, dich und mich. Wir müssen uns mit dem Jungen etwas einfallen lassen. Am besten wäre ein Linksausleger, so wie er... Außerdem brauche ich verdammt nochmal jemanden, der genauso groß ist, wie er, damit er die Konterschläge richtig setzt und seine Reichweite nicht immer so gnadenlos überschätzt... aber da fallen mir spontan nur zwei Männer ein, nein drei, aber Olyvar hat wissen die Götter etwas anderes zu tun."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 23. Aug. 2006, 20:07 Uhr
Gerade damit beschäftigt, sich in Mandelmilch und Rosenöl zu räkeln, reisst Borgil sie aus einer Flut von Gedanken, die sich allesamt um Tiuri, Brenainn, den verflixt lang andauernden Regen, sowie die bald anstehende Reise drehen. Mit einem warmen lächeln sieht sie zu ihm auf und wendet ihm dann mit einem schelmischen Schmunzeln ihren Rücken zu, die Knie anziehen und ihren Kopf darauf legend. Als seine rauen Zwergenpranken mit dem Lappen sanft über ihre Haut fahren, rieselt ein feiner Schauer über ihre Rippen und sie zuckt kichernd zusammen. „Hei, nicht kitzeln“, haucht sie höchst empört und schliesst dann die Augen, mit einem leisen Schnurren Borgils zärtlichen Berührungen kommentierend. Das Wasser ist angenehm warm und auf der Oberfläche tanzen winzige sahnehelle Schaumkrönchen, die bei der kleinsten Bewegung lustig auf und ab tanzen. Eine Weile lang ist nur das leise Knistern der Kerzenflammen und ihr eigener Atem zu hören, bis Borgil mit rauer Stimme zum Reden ansetzt: „Anfang Anjantha, Anfang Blätterfall läuft die "Roter Bulle" nach Sûrmera aus. Ich war heute im Hafen unten und habe die Überfahrt gebucht, für Tiuri, dich und mich.“ Am liebsten hätte sie sich auf der Stelle umgedreht, sich ihm nackt wie sie war, an den Hals geworfen und ihn für diese Offenbarung heiss und innig geküsst. Dass er in die Reise eingestimmt hat, ist in ihren Ohren noch nicht allzu lange her und bis jetzt ist ihr nie wirklich bewusst geworden, dass sich Tiuris, und auch ihr geheimer Wunsch, bewahrheiten würden. Wir fahren nach Sûrmera. Wir fahren… wir fahren! Doch sie kommt nicht dazu, sich auf irgendwelche Art und Weise erkenntlich zu zeigen, denn Borgil fährt ohne Punkt und Komma fort, sprunghaft von einem Thema auf ein anderes wechselnd. „Wir müssen uns mit dem Jungen etwas einfallen lassen. Am besten wäre ein Linksausleger, so wie er... Außerdem brauche ich verdammt nochmal jemanden, der genauso groß ist, wie er, damit er die Konterschläge richtig setzt und seine Reichweite nicht immer so gnadenlos überschätzt... aber da fallen mir spontan nur zwei Männer ein, nein drei, aber Olyvar hat wissen die Götter etwas anderes zu tun." Nachdenklich geht sie seine Worte noch einmal durch und Erinnerungen an Streitereien, ein chaotisches – und für manche Irren lebensgefährliches- Inarifest, sowie eine noch viel haarsträubendere Nacht mit vollen Eimer, verrückt gewordener, zwei Schritt grosser Bengel und demoliertem Mobiliar, sowie einer herrlichen, leidenschaftlichen Nacht streifen durch ihren Kopf. Doch nach allem ist es ihr, oder eher der Tatsache, dass Tiuri dort unten etwas geschehen könnte, doch noch gelungen, Borgil von Haus und Hof und Stadtrat loszureissen und in die Ferne zu entführen, samt Frau, Kind und Fastsohnemann. Irgendwo in ihrem Innern hüpft ein Freudenfunken gerade im Kreis, doch andererseits ist ihr in den letzten Tagen auch immer mehr bewusst geworden, was diese Reise für Gefahren mit sich bringen kann und mehr als einmal hat sie sich für ihr unmögliches Benehmen am Inarifest plötzlich geschämt. Die langen Stunden, in denen Borgil nichts anderes getan hat, als Tiuri das Kämpfen zu lehren, ihn mit Ausfallschritten, Ablenkungsmanövern, Parierungen und Angriffen zu taktieren, haben nicht nur Bewunderung für das Können ihres Mannes und für die Hartnäckigkeit Tiuris in ihr geweckt, sondern auch eine Spur von Angst und Unwohlsein, gegen das sie sich nicht zu wehren weiss. Und oft hat sie dabei das Gesicht ihres Sohnes vor Augen gehabt.

„Du weißt, ich habe von diesen Dingen so viel Ahnung, wie ein Gänseblümchen von den Künsten der Magie“, beginnt sie nach kurzer Zeit zaghaft und mit leiser Stimme, über die Schulter zu Borgil schielend und genau wissend, wie lange ihn diese Überlegungen schon plagen. Sicherlich versteht sie auch das Problem des Grössenunterschieds und sie weiss auch, welche zwei Männer ihr Gatte in Erwägung zieht, schliesslich gibt es ausser Cron und Caewlin, sowie Olyvar niemanden, der gleichzeitig gross und gut genug wäre, um als Partner herhalten zu können. Unmerklich zuckt sie mit den Schultern, sieht wieder nach vorne, zum entgegengesetzten Rand der Wanne und murmelt: „Ich glaube es wäre gut, würde er sowohl mit Cron, als auch mit Caewlin einmal üben. Cron kämpft mit Schwert und Rüstung, ein Gegner, wie er ihn in einem Kampf am ehesten antreffen würde, wenn auch nicht in dieser Grösse… was ich als Glück bezeichnen würde.“ Allein der Gedanke, in einem Kampf gegen Cron antreten zu müssen, lässt sie erschauern und sie ist mehr als froh, nicht zu seinen Feinden zu zählen. „Und Caewlin“, fährt sie fort: „Wäre ebenfalls als Übungspartner ideal, da er nicht mit einer normalen Waffe kämpft. Sobald Tiuri ein richtiges Schwert in der Hand hält, müsste er auch lernen, sich gegen Gegner durchzusetzen, die mit Mistgabel, Degen oder eben Morgenstern kämpfen. Ich sehe mit beiden Männern Möglichkeiten für ihn, sich weiter zu entwickeln. Vielleicht wäre es das Beste, du würdest ihn abwechselnd einmal mit Cron und einmal mit Caewlin trainieren lassen, damit er sich nicht an einen Kampfstiel gewöhnt?“ Unsicher hält sie inne und ein Hauch von Rosa schleicht sich auf ihre Wangen. „Oh, entschuldige, eigentlich habe ich davon keine Ahnung, ich dachte… naja… Borgil?“ Er hat in seinen Anstrengungen, ihren Rücken schneeweiss zu schrubben, innegehalten und sie dreht sich leicht nervös zu ihm um, nicht gänzlich sicher, ob ihm gefallen wird, was ihr auf dem Herzen liegt. Ihr Oberkörper erzittert unter einem weichen Seufzen, als sie sich so hinlegt, so dass sie ihr Gesicht in seinen Händen und auf seinen Armen bergen kann, die Augen auf die Tür zum winzigen Zimmer ihres Sohnes gerichtet. Aus den Augenwinkeln nimmt sie wahr, wie das Licht der Kerzen einen goldenen Schein auf Borgils Gesicht wirft und einige Strähnen seines roten Haares wie glühende Eisenfäden aufleuchten. „Ich habe euch oft zugesehen, wenn ihr zusammen geübt habt, Tag für Tag. Und hin und wieder… habe ich dabei auch an den Dämonenangriff vor fast einem Jahr gedacht und… und, ich will nicht aufdringlich erscheinen und ich will auch nichts Falsches sagen… ich… Solange du da bist, kannst du uns beschützen, mich und Brenainn, aber was ist, wenn du einmal nicht da bist? Ich könnte nicht auf unseren Sohn aufpassen, auch wenn ich es wollte und deswegen… ich meine, nur falls du nichts dagegen hast…“ Tief holt sie Luft, um endlich auszusprechen, was ihr schon so lange auf dem Herzen liegt und was ihr mehr als einmal Kopfzerbrechen bereitet hat. „Ich wollte fragen, ob du auch mich trainieren würdest. Ich… möchte lernen mich zu verteidigen, mich und vielleicht irgendwie auch ein wenig dich und Brenainn.“ Dabei senkt sie verlegen den Blick und kuschelt sich näher an ihn, hoffend, dass er ihr diese Bitte nicht übel nimmt. „Und“, hakt sie kleinlaut nach und blinzelt unschuldig und unwissend zu ihm auf: „Was ist ein Linksausleger?“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 23. Aug. 2006, 23:42 Uhr
„AUFGESTANDEN!“
Tiuri hat erst einmal gar keine Zeit darüber nach zu denken was eigentlich los ist. Borgils Schrei bringt ihn fast senkrecht aus dem Bett und erst als er steht realisiert er auch wie sich sein Magen nach innen und dann wieder nach außen wendet, wie sein Kopf rhythmisch im Gleichtakt zu seinem Herzen pulsiert und dass er sich allgemein fühlt als hätte die Nacht über ein Fuhrwerk auf ihm geparkt. Mit einem Stöhnen sieht er sich um und stellt fest, dass er in seinem Zimmer in der Harfe ist, bloß, dass er keine Ahnung hat wie bei den neun Höllen er hier her gekommen ist. Borgil gibt ihm auch keine Gelegenheit weiter darüber zu grübeln, sondern treibt ihn voran und während Tiuri sich mit hämmernden Kopfschmerzen in frische Kleidung quält ist der Zwerg schon hinunter gegangen, nicht ohne ihm vorher sehr deutlich klar zu machen, dass er gefälligst seinen Hintern hinunter in den Stall bewegen soll und zwar schleunigst wenn ihm eben dieser Hintern lieb wäre. Beim Abstieg der Treppen lässt Tiuri nur einen gequälten Laut vernehmen und läuft dann so schnell ihn seine wackeligen Beine tragen, mit eingezogenem Kopf aus der Harfe und in den Stall, wo ihn schon einiges an Arbeit erwartet.
Es braucht erst Borgil und Azra die ihm erzählen was er des nachts noch angestellt hat und außerdem noch einige Stunden Bewegung bis Tiuri tatsächlich wieder nüchtern ist, von völlig einsatzfähig ganz zu schweigen. Borgil bleibt trotzdem unerbittlich und Tiuri ist die ganze Angelegenheit so peinlich, dass er keinen einzigen Mucks von sich gibt. Eher würde er sich die Zunge abbeißen, als sich zu beschweren, denn er kann froh sein, dass Borgil ihm nicht den Kopf abgerissen hat. Im Gegenteil, der Zwerg hat sich tatsächlich dazu bereit erklärt mit ihm und Azra nach Sûrmera zu reisen, was Tiuri in helle Aufregung versetzt und ihn mindestens 20 mal nachfragen lässt, wie genau Borgil sich diese Reise denn vorstellen würde. Dass erst die Erntezeit verstreichen muss macht natürlich Sinn, scheint aber noch eine Ewigkeit zu dauern.
Eine Ewigkeit dauert es natürlich nicht, die Monde verstreichen wie immer wie im Flug wenn genügend Arbeit da ist und genügend Arbeit gibt es immer. Tiuri verrichtet seine üblichen Arbeiten wie immer gewissenhaft, zusätzlich aber übt er in jeder freien Minute an seiner Kampfkunst. Wenn Borgil nicht selbst mit ihm übt, kräftigt der Junge seinen Körper und trotz alledem, als er das Übungsschwert das erste Mal in der Hand hält hat er das Gefühl der Arm würde ihm gleich abfallen. Selbst die leichten Bewegungen, (an die komplizierteren, die er eigentlich auch schon ganz gut beherrscht will er ja gar nicht denken) sind kaum durchführbar mit diesem Monstrum in der Hand. Mit beiden Händen hätte er es möglicherweise noch irgendwie hinbekommen, aber mit einer Hand ist er Borgil äußert hilflos ausgeliefert. An diesem Abend bleibt er nicht wie üblich zum Scherzen und Abendessen in der Harfe, sondern lächelt nur gequält als Grid ihm etwas zuruft und verschwindet dann, vom Scheitel bis zur Ferse grün und blau, in sein Bett nur um für den nächsten Tag fit zu sein und Borgil etwas mehr entgegen zu bringen. Der Junge hat gewusst worauf er sich einlässt, das muss er sich auch jeden Abend in Erinnerung rufen wenn er nicht weiß wie er vor Schmerzen eigentlich in seinem Bett liegen soll und wenn ihn seine steifen Glieder abends kaum noch die Stufen nach oben tragen. Aber bei all der Schinderei ist ein Ehrgeiz in Tiuri erwacht, der ihn voran treibt und der Schuld daran ist, dass Tiuri trotz allem Spaß an der Sache hat. Mal ganz abgesehen davon, dass er keinerlei Zeit dafür hätte, verschwendet Tiuri keinen einzigen Gedanken daran sich in der Stadt herum zu treiben und Leute mit unlauteren Kartentricks auszunehmen, irgendwelchen armen Mädchen falsche Versprechungen zu machen oder sich mit blonden Diebinnen zu treffen.
Bleibt ihm überhaupt noch Zeit zwischen all diesen Dingen, dann isst er, denn bei der harten Arbeit hat Tiuri einen Hunger entwickelt der Halla dazu treibt die Hände über dem Kopf zu ringen und bei jeder Portion die sie ihm serviert zu sagen, dass er sie noch kahl fressen wird und ob er sich nicht gleich aufs Feld stellen möchte und die Ernte abgrasen. Tiuri zuckt jedes Mal nur grinsend mit den Schultern und schiebt den Löffel in den Mund.
„Ich arbeite für drei, da muss ich auch essen für drei!“ stellt er fest und ist bei diesem Satz schon wieder auf den Beinen um weiter zu arbeiten. Während er ausmistet oder die Stallgasse kehrt, gibt der Junge ein seltsames Bild ab, das seine Freunde immer wieder zum Lachen bringt, denn es sieht aus als würde Tiuri mit dem Besen tanzen. In Wahrheit wiederholt er aber jede Schrittfolge die Borgil ihm beigebracht hat, immer und immer wieder. Trotzdem nennt Nino ihn nur noch Tanzmaus und bewirft ihn mit Stroh wenn er übt, so dass er gleich noch mehr zu kehren hat. Tiuri stört sich nicht daran, er lacht über die Worte des Freundes und droht ihm an, dass er irgendwann eine Tracht Prügel beziehen wird, sodass ihm das Lachen ein für alle mal vergeht. Das glaubt ihm Nino auch aufs Wort, denn Tiuri, ist zwar schmal um die Hüften, hat aber um die Schultern und an den Armen ziemlich an Muskeln zu gelegt.
Seine Kleidung hat natürlich bei der rüden Behandlung seines Körpers ebenfalls gelitten und so muss wieder einmal bei ihm Maß genommen werden, was allerdings nicht Meister Dornenbeutel übernimmt, sondern Azra, denn der Meister will nicht in Tiuris Nähe kommen, denn er hätte sich bei ihrer letzten Begegnung äußerst rüpelhaft benommen.
„Rüpelhaft? Ich?!“ Tiuri streitet alles ab, weiß allerdings genau worauf der Meister anspielt. Tiuri hatte gar keine Lust gehabt seine Kleidung vor dem Meister abzulegen, nur für diese dummen Maße und hat ihm angedroht ihm die Hände zu brechen wenn er noch einmal versuchen würde ihm das Hemd zu öffnen. Bei Azra ist er natürlich umgänglicher und steht ruhig während sie mit dem Maßband hantiert und sich immer wieder Notizen macht. Jeden einzelnen blauen Fleck und jede Schramme sieht sie sich an und fragt nach woher er den denn nun wieder hätte. Meistens weiß Tiuri nicht mehr genau wie diese Blessuren zustande gekommen sind, außer, dass Borgil ihn mal wieder vermöbelt hätte, kann er nicht viel dazu sagen. Azra ist eine überaus interessierte Zuhörerin und lässt sich die Schritte des Trainings genau erläutern und Tiuri ist ein mindestens so begeisterter Erzähler wenn es um seine Übungen geht. Nach fünf Minuten schon steht er nicht mehr ruhig, sondern untermalt seine Erzählungen mit den zugehörigen Bewegungen, zeigt Azra seine Schrittfolgen und erklärt natürlich auch wofür die denn gut seien. Die meisten Erklärungen Borgils hat Tiuri praktisch aufgesaugt und sofort verinnerlicht, bei einigen allerdings kommt er ins Holpern und vermischt sie sträflich miteinander, so dass nichts von dem Gesagten noch einen Sinn ergibt.
Nach dem Azra ihn vermessen hat, geht es Tiuris Haaren wieder an den Kragen. Die braunen Zotteln auf seinem Kopf wuchern wie Unkraut. Azra stutzt sie zurück auf Schulterlänge und kämmt sie dann auch sogar noch mit einem Hornkamm, so dass sie glatt und glänzend sein Gesicht umrahmen. So ordentlich sieht man ihn selten und Tiuri muss bei seinem Anblick im Spiegel auch lachen, denn er findet sich so einfach nur lächerlich und wuschelt sofort mit beiden Händen durch seine Frisur. Azra stöhnt nur auf, deutet mit einem strengen Blick auf dem Stuhl und kämmt ihr Werk noch einmal zurecht, diesmal mit der Auflage, dass er versuchen soll wenigstens ein paar Minuten so zu bleiben. Brummend geht Tiuri in den Schankraum zurück und wird sofort aufgezogen, dass er so ja beinahe schon präsentabel wäre und er müsse jetzt nur noch an seinem Gesichtsausdruck arbeiten. Mit einem als Lächeln getarnten Zähnefletschen verschwindet der Junge unter dem Vorwand, dass er Borgil rufen gehört hat nach draußen und geht im Stall seiner Arbeit nach.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 06. Sept. 2006, 09:36 Uhr
>Du weißt, ich habe von diesen Dingen so viel Ahnung, wie ein Gänseblümchen von den Künsten der Magie,< tönt es leise über eine porzellanweiße Schulter, dann wird ihm wieder selbige gezeigt und zwar zum Abwaschen mit einem weichen Schwamm und Seifenschaum. Borgil unterdrückt ein Grinsen und wäscht Azras schlanken Nacken unter den wirren Locken, die sich wild in alle Richtungen kringeln. >Ich glaube es wäre gut, würde er sowohl mit Cron, als auch mit Caewlin einmal üben. Cron kämpft mit Schwert und Rüstung, ein Gegner, wie er ihn in einem Kampf am ehesten antreffen würde, wenn auch nicht in dieser Größe… was ich als Glück bezeichnen würde,< erklärt seine Frau gerade fachmännisch und ganz ernsthaft dem Wannenrand. >Und Caewlin wäre ebenfalls als Übungspartner ideal, da er nicht mit einer normalen Waffe kämpft. Sobald Tiuri ein richtiges Schwert in der Hand hält, müsste er auch lernen, sich gegen Gegner durchzusetzen, die mit Mistgabel, Degen oder eben Morgenstern kämpfen.<  Borgil, der Azras Ausführungen ohnehin schon mit hochgezogenen Brauen lauscht, kann gerade noch ein Prusten in einen improvisierten Frosch-im-Hals umwandeln und nimmt sich im Stillen vor, seine Frau beizeiten über verschiedene Waffengattungen aufzuklären. >Ich sehe mit beiden Männern Möglichkeiten für ihn, sich weiter zu entwickeln. Vielleicht wäre es das Beste, du würdest ihn abwechselnd einmal mit Cron und einmal mit Caewlin trainieren lassen, damit er sich nicht an einen Kampfstil gewöhnt?< Diesmal kann Borgil seine Verblüffung beim besten Willen nicht mehr verbergen und sperrt Mund und Nase auf. "Du siehst mit beiden Männern Möglichkeiten für Tiuri, sich weiterzuentwickeln?" Echot Borgil ungläubig und fragt sich erheitert, wann seine kleine Frau eigentlich als Kampfkunstexpertin bestellt worden ist... und von wem.

"Ja, mein Gänseblümchen," erwidert er schließlich belustigt, als er sich wieder gefangen hat und mit einem lautlosen Lachen kämpft. "Am besten, ich überlasse Tiuris Training einfach dir, du Expertin. Nein, du brauchst gar keinen Schmollmund zu ziehen, Herzblatt, auch wenn er dir hervorragend steht. Hör zu, Tiuri hat viel gelernt, aber für Männer wie Cron und Caewlin ist er beileibe kein Gegner. Das ist er für noch gar keinen ausgebildeten Krieger mit ein wenig Erfahrung, um genau zu sein. Und ichhabe gar nicht zu entscheiden, ob überhaupt und wenn ja, wann , sie dem Jungen etwas beibringen. Noch wissen sie ja gar nichts von ihrem Glück. Alle Krieger kämpfen im Normalfall mit Rüstung und die meisten auch mit... dabei fällt mir ein... die braucht der Junge ja auch noch. Nun sieh mich nicht so an, er bekommt bestimmt keinen maßgefertigten Harnisch aus Blurraent, für den Anfang muss es auch ein eisenbeschlagenes Wams tun. Aber ein Kettenhemd sollte er schon haben... irgendwann. Ich werde sehen, was sich machen lässt...." Von diesen Überlegungen kurzzeitig abgelenkt, hält Borgil einen Moment inne und Azra, verlegen rosig geworden, murmelt etwas von einer Entschuldigung und das sie eigentlich gar keine Ahnung habe. Dann dreht sie sich zu ihm um und Borgil kann ihr prompt von der Nasenspitze ablesen, dass sie etwas Wichtiges auf dem Herzen hat. "Was ist los, Azra?" Sie dreht sich in dem kupfernen Zuber um, bettet ihr Gesicht auf seine am Rand aufgestützten Unterarme und blinzelt in Richtung Brenainns Zimmer >Ich habe euch oft zugesehen, wenn ihr zusammen geübt habt, Tag für Tag. Und hin und wieder… habe ich dabei auch an den Dämonenangriff vor fast einem Jahr gedacht und… und, ich will nicht aufdringlich erscheinen und ich will auch nichts Falsches sagen… ich… Solange du da bist, kannst du uns beschützen, mich und Brenainn, aber was ist, wenn du einmal nicht da bist? Ich könnte nicht auf unseren Sohn aufpassen, auch wenn ich es wollte und deswegen… ich meine, nur falls du nichts dagegen hast…<

Noch während Azra hörbar nach Atem ringt, um weiter zu sprechen, hält Borgil selbigen an. Er ahnt, was jetzt kommt. >Ich wollte fragen, ob du auch mich trainieren würdest. Ich… möchte lernen mich zu verteidigen, mich und vielleicht irgendwie auch ein wenig dich und Brenainn.< Noch während sie spricht, blickt sie ganz betreten drein. Doch während Azra offenbar eher Sorge hat, er könnte ihr die Bitte an sich übel nehmen, denkt Borgil da praktischer und glaubt, sie überlege in ähnliche Richtungen wie er, nämlich wie bei allen Göttern er das nur anstellen soll. Selbstverteidigung gut und schön, aber wie soll er sie nur im Kampf trainieren bei einem Gewicht von lächerlichen neunzig Pfund und der zierlichen Zerbrechlichkeit einer Orchideenblüte? Azra könnte üben bis zum Tag von Sithechs Hochgericht, sie würde nie die nötige Kraft, Masse, Größe und Reichweite aufbringen, um eine ernstzunehmende Schwertkämpferin zu werden. Nur wie zum Donnerdrummel soll er ihr das nur beibringen?  Azra gewährt ihm gnädigerweise ein paar Augenblicke Aufschub, in dem sie ihn gekonnt von unten herauf anklimpert und mit seharimgleicher Unschuldsmiene fragt, was eigentlich ein Linksausleger sei. "Ein Linksausleger ist ein Kämpfer, der mit der linken Hand kämpft. Tiuri ist Linkshänder, zwangsweise, er kann seine Rechte ja nicht gebrauchen. Caewlin hat seine rechte Hand verloren und kämpft nun ebenfalls mit der Linken. Und Cron hat zwar dieses verdammte Zweihandschwert, aber ich glaube, er ist Linkshänder von Geburt an...ja ist er. Ich hab ihn oft genug kämpfen sehen. Und nun zu dir. Es wäre nicht das Schlechteste, wenn du lernst, mit einem Dolch umzugehen und dich zu verteidigen. Aber Azra, Liebling... du musst so kämpfen lernen, wie es deine Statur erlaubt. Äh... am besten wäre für dich eine leichte Waffe, ein Dolch, oder ein Rapier vielleicht. Und eine leichte Armbrust oder Wurfdolche für den Fernkampf. Auf schweißtreibende Nahkämpfe darfst du dich nicht einlassen, denn darin wird dir beinahe jeder Gegner, dem du gegenüberstehen wirst, haushoch überlegen sein... verstehst du, worauf ich hinauswill? Wenn du kämpfen lernen willst, musst du auch lernen, deine Stärken auszuspielen und deine Schwächen gar nicht erst eine Rolle spielen zu lassen."  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 09. Sept. 2006, 14:17 Uhr
"Ja, mein Gänseblümchen,", grinst Borgil unter seinem Bart hervor und bewirkt damit, dass sie rot bis unter die Ohrspitzen wird und sich prompt bis zur Nasenspitze im Wasser versenkt, betreten ihre weissen, kleinen Zehe anstarrend, als hätten sie Schuld an ihrem losen Mundwerk. Ich tu so, als wüsste ich wovon ich rede, obwohl ich gerade mal weiss, wo man ein Schwert anfasst… glaube ich. Als er es dann aber immer noch nicht lassen kann, und sie über ihre fachmännische Kompetenz aufzieht, schielt sie schmollend und mit einem beleidigten Blick über ihre Schulter zu ihm hinauf und reckt ihr Näschen in die Höhe. „Pf“, gibt sie höchst würdevoll von sich und setzt sich wieder gerade auf. Bei der Erwähnung, dass Tiuri noch eine Rüstung benötige, hüpft sie auf, wie von einer Tarantel gestochen und will schon strahlend den Mund öffnen, um Borgil die glorreiche Idee zu unterbreiten, dem Jungen doch auf der Reise etwas zu besorgen, da hat ihr Mann sie längst durchschaut. Ohne ein Wimpernzucken vernichtet er ihre gut gemeinte Hoffnung im Keim, ergibt sich jedoch ihrem bittenden Rehblick und fügt hinzu, dass der Junge jedoch ein Kettenhemd gebrauchen könne.
Zufrieden und siegessicher lächelnd lehnt sie sich gegen seine Hände und beginnt ihr Haar mit spitzen Fingern zu entwirren und gleichzeitig auf die ersehnte Antwort auf ihre Bitte hoffend. Doch als Borgils erste Erklärung vollkommen verstanden hat, quiekt sie vollkommen perplex dazwischen: „Du meinst SCHWERTkampf?“ Sie schüttelt so fest den Kopf, dass ihre Nassen Locken in sämtliche Richtungen fliesen und en wahrer Platzregen auf Borgil niedergeht. „Nein!“, jappst sie: „Bloss kein Schwert. Das könnte ich nicht einmal hochhalten… und kämpfen: _Damit_!“ Bildlich taucht vor ihrem inneren Auge die furchtbare Situation auf, wie sie verzweifelt heroisch darum bemüht sein würde, ihr Schwert in die Höhe zu hieven, währenddem ihr Gegner sich den Bauch hält vor Lachen. Wahrscheinlich würde ich sogar siegen, weil der Kerl irgendwann vor Gekicher über mein hilfloses Getue ersticken würde.

Doch dieser Schande möchte sie sich wenn möglich entziehen und schon wieder mit einem peinlich berührten Hauch von Rot auf ihren Wangen geht sie wieder bis zum Kinn unter. Noch immer durch die blosse Vorstellung verschreckt, blubbert sie in das warme Wasser hinein: „Nein, kein Schwert… Bin noch zu jung zum Sterben.“ Borgil denkt dabei bereits weiter und erklärt ihr gütig einen einfacheren und weitaus eleganteren Weg einen Gegner ehrenvoll zur Strecke zu bringen. Gespannt folgt sie seinen vagen Andeutungen und macht sich gleichzeitig daran, sich aus dem Sud aus Wasser und Duftölen zu krabbeln, um gleich darauf unter die warmen Decken des Bettes zu schlüpfen. Weil ihre Knochen die Konsistenz von frischem Brotteig haben, braucht sie für diese akrobatische Höchstleistung einige Zeit, bis sie – sich am Wannenrand festklammern auf den Füssen steht und ihr Gleichgewicht sucht. Borgil hält ihr – eher wider- als freiwillig – das Tuch entgegen und ihn neckisch ankichernd wickelt sie sich fest darin ein. Ihr Haar ringelt sich in silbernen Locken bis über ihre nackten Schultern und Wassertropfen perln über ihre weisse Haut. Ihre kleinen Füsse hinterlassen feuchte Fussabdrücke auf dem Holzboden, als sie in Richtung Schrank tappst. „Pfeil und Bogen“, murmelt sie, in Gedanken noch immer bei der Problematik der Lächerlichkeit, und seufzt leise, denn auch hier hat sie das ungute Gefühl, bald als Gespött der Leute zu enden. „Damit würde ich bestimmt jemanden verletzten“, ist daher ihr logischer Schlussgedanke und unzufrieden zieht sie eine Schnute. Dann macht sie plötzlich auf der Ferse kehrt, tapert schnellstmöglich zu Borgil zurück und versinkt keinen Herzschlag später in seinen starken Armen, gleichzeitig darum bemüht, ihre Bedeckung nicht zu verlieren. „Am liebsten“, gurrt sie mit honigsüsser Stimme in seinen Bart hinein und drückt ihr Gesicht gegen seinen sehnigen Hals: „Lasse ich mich aber immer noch von dir beschützen. Wozu brauche ich eine lächerliche Waffe, abgesehen von meinem eigenen Unheil, wenn ich den grössten Zwergen auf ganz Roha habe.“

Ihre Brust hebt sich unter einem entrückten Seufzen und ihre Herz schmilzt wie Butter in der Sonne, während sie sich dichter an Borgil schmiegt und den typischen Geruch nach Leder, Met und Herbst einatmet, den sie bisher nur an ihm finden konnte. Würde man mir alle wegnehmen, nur nicht ihn, es wäre mir vollkommen egal. Solange ich an deiner Seite sein darf, bin ich ewig glücklich. Nichts davon verlässt auch nur Ansatzweise ihren Mund, dafür drückt sie sich zärtlich näher an ihn und schnaubt mit gerümpfter Nase empört auf, als die Finger ihrer Linken die Schnürung seines Hemdes nicht in zufrieden stellend kurzer Zeit öffnen können. Missmutig und versuchend, das festgezurrte Werk allein mit ihren tödlichen Blicken zum Aufgehen zu bewegen, nimmt sie schliesslich auch die zweite Hand zur Hilfe und lässt das Tuch dabei achtlos zu Boden fallen. „Reden wir doch morgen über Rechtsausleger und lachende Gegner, ich glaube erstmal würde dir ein wenig… ähm…“ Ihre Mundwinkel zuckten und einem Anflug von Amüsiertheit: „Erholung gut tun.“ Ihr Vorschlag mithilfe des Druckmittels ihres unschuldigen Rehblicks ist natürlich frei von jeglicher Art von Hintergedanke… zumindest so lange, bis erst sein Hemd, dann seine Schuhe, schliesslich sogar seine Hose irgendwo im Zimmer und sie selber unter lautem Gequietsche im Bett landet.
Der Morgen bringt etwas, das sie alle schon fast erwartet haben, nämlich wunderschönes, strahlendes, blaues Regenwetter, das Talyra in einen Sumpf verwandelt und es hätte Azra nicht gewundert, wäre plötzlich ein Orchester aus Krötengequake zu hören gewesen. Die ganze Woche scheint verhext und niemand wagt sich freiwillig in das Sauwetter hinaus, sieht er sich nicht dazu gezwungen. Azra nutzt die Leere und Ruhe in der Harfe dafür ein wenig mehr Zeit mit ihrem Sohn zu verbringen, der schon eifrig dabei ist, jede Ecke für sich allein auf allen vieren zu erkunden. Ausserdem sitzt sie abends, wenn die Gäste zufrieden auf ihren Bänken sitzen und ihr Mahl geniessen, oft stundenlang mit Halla zusammen und vergrössert, oder erneuert Brenainn’s Kleidung, denn der krähende Krabbelwurm wächst dermassen schnell, dass immer wieder neue Tuniken, Hosen, Kleidchen und Jäckchen – in Azra’s Augen – viel zu aufwändig und teuer wären.

Auch Borgil’s Sortiment an Gewandung braucht dringend einmal hier und dort eine heilende Naht. Säume werden ausgebessert, Socken gestopft, Schnüre neu eingefädelt, Risse und Löcher mit akribischer Genauigkeit zugenäht, die Stiefel geputzt, Flecken ausgemerzt und Tiuri, der mit einer Mähne herumläuft, die einem Sagoralöwen alle Ehre macht, kommt unters Messer. Zwar murrt er herum, von wegen: Er hätte genug Wasser jeden Tag, doch Azra lässt sich davon nicht beeindrucken und kürzt sein Haar auf eine angenehme Länge, gleichzeitig darüber den Kopf schüttelnd, wieso sie so schnell wachsen. Tiuri, der stundenlang mit Borgil draussen im grössten Unwetter trainiert, gibt verschiedene Möglichkeiten von sich, eine lächerliche als die Andere, bis Azra bald an Atemnot leidend einen Lachkrampf nach dem Anderen hat und sich mit Tränen in den Augen irgendwo festklammern muss.
Auch Brenainn will sich festklammern, und zwar an ihren Hals. Wieder einmal ein Nachmittag, an dem kaum etwas läuft, weil es draussen aus Kübeln giesst und bald die ganzen Immerlande unter Wasser stehen. Azra trägt Brenainn grosszügig mit sich herum, da er seit einigen Tagen, kaum kommt ein Fremder in seine Nähe, beginnt zu weinen und mit ungelenken Bewegungen zu ihr krabbelt. Sogar Sigrun und die Harfenangestellten gehören plötzlich nicht mehr zu seinen auserwählten Lieblingen und das Dauerstrahlen, mit dem er ansonsten immer stolz seine milchigweissen Zähnchen gezeigt hat, ist ihm gründlich vergangen. Unsicher hat Azra bei Halla nachgefragt, was denn mit ihm los sei, ob er sich vielleicht gar eine Krankheit eingefangen hätte, doch die Mogbar hat nur gelacht und ihr beruhigenden den Rücken getätschelt. „Das ist vollkommen normal. In ein paar Wochen ist es wieder vorbei.“ Nur Borgil, sie selbst, Tiuri und Halla können sich ihm noch ohne Bedenken nähern, was hin und wieder zu Trageproblemen führt. Heute aber nicht, da scheinbar keiner wirklich etwas zu tun hat. Keiner ausser Borgil, der zusammen mit einem etwas hageren, älteren Mann mit schütterem Haar an seinem Privattisch sitzt und ellenlange Diskussionen über die Weinlieferungen für diesen Herbst diskutiert. Tiuri, dessen Training heute bereits über die Bühne gelaufen ist, samt dazugehörigem heissem Bad und einer Predigt über diese Dummheit, weil man sich ja eine Grippe, oder Schlimmeres einfangen könnte, sitzt lustlos in einer Ecke und starrt trübe in die Gegend, den Blick in die Leere gerichtet.

Unter dem Tisch zucken seine Füsse jedoch hin und her und Azra stellt grinsend fest, dass er in Gedanken wohl wieder und wieder die Schrittfolgen durchgeht, die Borgil ihm unter blauen, grünen und roten Flecken eingetrichtert hat. Er wirkt dabei so gelangweilt, dass es Azra irgendwann den Deckel hebt. Seufzend hält sie Brenainn davon ab, ihr Haar anzunagen und drückt ihn Halla in die Fänge, doch der kleine Herr ist keineswegs erfreut darüber, einfach so abserviert zu werden und stimmt ein energisches Brüllkonzert an, um seinen rechtmässigen Platz an Mama’s Schulter zurückzukriegen. Halla gibt sich davon ziemlich unbeeindruckt und nimmt den Kleinen kurzerhand mit in die Küche, wo er keine Sicht mehr auf seine Mutter hat und sie somit auch nicht beanstanden kann. Azra baut sich derweil mit in die Hüfte gestemmten Händen vor Tiuri auf, dem sie, dank dessen das er sitzt, gerade bis auf Augenhöhe reicht und schüttelt vorwurfsvoll den Kopf: „So was kann man ja nicht mit ansehen. Du wirst noch sterben, weil dir nichts einfällt, was du tun könntest. Komm mit, solange Borgil beschäftigt ist, könnten wir die Gemächer ein wenig sauber machen.“ Tiuri bricht zwar nicht gerade in Begeisterung aus, doch immerhin scheint er diesen Vorschlag besser zu finden, als weiterhin an einem Tisch zu schmoren und im Geiste seine Übungen durchzugehen, bis er schwarz wird. Sie schnappen sich zwei Eimer mit Wasser, Lappen, einen Besen und beginnen dann das Schlafzimmer erstmal von oben bis unten zu fegen, zu scheuern und zu entstauben. Schon nach kurzer Zeit nimmt Azra Tiuri den Besen aus der Hand und degradiert ihn zum Spinnentöter, denn der Junge hat mit dem Putzinstrument nichts Besseres vorgehabt, als ihn wie einen Tanzpartner umschlungen zu halten und in den Kampfschritten über den zu putzenden Boden hinweg zu tänzeln. Gerade ist sie seufzend damit beschäftigt, im Nebenzimmer, wo jetzt auch Borgils Tisch mit seinen Unterlagen steht, zu kehren, kommt ihr der grosse, kheyrisische Teppich mit den grünen Ornamenten an den Säumen in den Weg. Pingelig, wie sie ist, rollt sie das edle Stück zusammen, um es später auszuklopfen, hält dann jedoch mittendrin verdutzt inne und starrt den silbernen Ring an, der sich perfekt in das darunter liegende Holz einschmiegt und auf diese Weise keine Stolperfalle bildet. Was… oh… stimmt… das ist der Keller. Dort unten war ich noch nie. Ob er dort auch schon einmal geputzt hat?, überlegt sie praktisch und zuckt mit den Schultern. Wenn nicht, dann werden sie es eben jetzt tun. „Tiuri, bring doch bitte den zweiten Eimer hierher… du musst mir helfen.“ Der Junge kommt mit fragender Miene zu ihr hinüber und folgt dann mit seinem Blick ihrem ausgestreckten Arm, der auf den Eisenring zeigt. „Ich… naja… werde den kaum öffnen können.“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 11. Sept. 2006, 23:44 Uhr
An einem völlig unspektakulären Morgen erwacht Tiuri in seinem Zimmer in der Harfe. Von draußen hört er den prasselnden Regen. Obwohl die Sonne schon aufgegangen ist, ist es finster und sieht aus als wäre die Welt kurz davor unter zu gehen. Der Sommer geht langsam aber sicher seinem Ende zu und Tiuri ist klar, dass sich die Regenfälle ab jetzt wieder häufen werden. Die Angst, dass Borgil keine Lust haben könnte ihn bei dem Wetter weiter zu trainieren steigt in ihm auf, aber wie sich keine zwei Minuten später heraus stellt ist diese völlig unbegründet. Der Zwerg hämmert nämlich schon gegen seine Türe weil Tiuri zu lange geschlafen hat und der Junge erhebt sich ächzend. Er kann jeden seiner 210 Knochen spüren, was nicht gerade angenehm ist und doch kann er es nicht erwarten weiter zu üben. An keine einzige Sache in seinem Leben kann sich Tiuri erinnern, die er mit einer solchen Begeisterung ausgeübt hat, allerdings kann er sich auch nicht erinnern jemals etwas wirklich gelernt zu haben.
Das ändert aber trotzdem nichts, dass die Arbeit weniger wird und dass Tiuri nach seinem Training an einem Tisch im Schankraum sitzt und Löcher in die Luft starrt. Seine Füße zucken unter dem Tisch, teils weil er die Schrittfolgen gedanklich wiederholt, teils weil er einfach nicht ruhig sitzen kann. Seit Wochen schon ist er ständig beschäftigt und ununterbrochen auf den Beinen, eigentlich hätte er eine Pause durchaus genießen müssen, aber der Regen macht ihn unruhig. Als er auch noch beginnt mit den Fingern auf der Tischplatte zu trommeln und damit wohl bald alle in den Wahnsinn treiben würde, baut sich Azra vor ihm auf, blickt ihm streng in die Augen und sagt, dass das ja nicht zum Ansehen wäre und dass er wohl noch sterben würde wenn man ihn nicht bald beschäftigt. Azra hat auch die richtige Beschäftigung für sie beide. >…die Gemächer sauber machen!<
„Oh, toll…!“ Entfährt es Tiuri lakonisch, aber er erhebt sich dennoch und folgt Azra zwei Eimer zu befüllen. Erst trägt jeder von ihnen einen, doch Azra müht sich schrecklich und nach zwei Schritten ist die Hälfte des Wassers auf ihrem Rock und so befüllen sie ihn erneut und Tiuri trägt beide Eimer in die Privatgemächer des Ehepaars Blutaxt.
Er stellt die beiden Eimer ab, schnappt sich den Besen um das Zimmer erst einmal gründlich durch zu fegen und es fällt ihm gar nicht auf, dass er dabei, wie er es auch immer im Stall macht, seine Schritte übt. Erst als Azra ihm den Besen aus der Hand nimmt grinst er peinlich berührt, kratzt sich am Kopf und nimmt den Mopp entgegen um Spinnweben zu entfernen.
„Ich fordere euch zum Duell!“ ruft er die Spinnen an, sticht dann mit dem Wedel mitten in das Netz hinein und wirbelt ein paar Mal herum. „Besiegt!“ stellt er fest und widmet sich dann der nächsten achtbeiner Behausung. Azra ignoriert seine Verrücktheit Augen rollend und schiebt derweil den schweren Teppich beiseite.
Kurz darauf ruft sie ihn mit einem Eimer zu sich und bittet ihn die Kellertüre zu öffnen.
„Der Waffenkeller!“ Tiuris Stimme ist leise und ehrfurchtsvoll. Er war schon einmal dort unten, am Tag des Dämonenangriffs hat er Fahl von dort unten herauf geholt um den Schattenhund zu erschlagen. Damals hatte er wenig Zeit gehabt um sich umzusehen, sondern hat einfach das erst beste Schwert genommen das ihm in die Hände gefallen ist, jetzt aber kann er sich die Zeit nehmen.
„Ihr Wunsch ist mir Befehl Madame Blutaxt!“ ruft Tiuri freudig aus, packt den Ring und öffnet die dunkle Kammer mit viel Schwung und einem Ächzen von Seiten des alten Holzes. Sobald die Kammer offen ist springt Tiuri auch schon, den Eimer praktisch im Flug gepackt, die Treppe hinunter. Er fühlt sich wie im Paradies als er da vor unzähligen Schwertern, Äxten, Morgensternen und anderen Waffen steht die irgendein Hirn einmal erdacht hat. Azra folgt ihm, mit dem Besen bewaffnet und mit einem vor Staunen offenen Mund nach unten. Sie hat noch nicht einmal die letzte Stufe passiert, da hält Tiuri schon das erste Schwert in der Hand.
„Sieh doch!“ ruft er beim Anblick des großen Bihänders begeistert aus. „Es ist riesig!“ Doch als er diesen Satz ausgesprochen hat fällt sein Blick schon auf eine mächtige Streitaxt und er stellt das Schwert wieder zurück an seinem Platz. Ehe er jedoch bei der Axt angekommen ist, kommt er an einem langen schlanken Dolch vorbei den er beinahe automatisch ergreift und mit aufgesetzter Kennermiene betrachtet.
„Ein Schwert für dich!“ stellt er fest und reicht den Dolch an Azra weiter, den Griff voran versteht sich.
„Es ist unglaublich hier unten, Borgil könnte eine halbe Armee ausstatten wenn er das möchte. Ich frag mich nur warum er all diese Waffen hortet, so viele Leute kennt er ja gar nicht, wie er hiermit ausstatten könnte und wir beide wissen wie viele Leute Borgil kennt! Die halben Immerlande sind es mindestens!“
Blubbernd wandert Tiuri zwischen blitzenden Klingen hindurch und greift dann nach einem an der Wand aufgehängten Langbogen. Der Bogen ist nur wenig kleiner als er selbst und allein damit fasziniert er Tiuri ungemein.
„Ob Borgil mir auch das Bogenschießen beibringen wird?“ fragt er mehr sich selbst als Azra, spricht es aber dennoch laut aus, während seine Finger vorsichtig über die Sehne gleiten. Nach nur fünf Minuten hat Tiuri beinahe jede Waffe aus Borgils Arsenal berührt und einen Laut der Verzückung nach dem anderen ausgestoßen. Bei seiner Begutachtung einer Klinge fällt ihm eine zweischneidige Axt ins Auge die er noch gar nicht entdeckt hat, weil sie weit hinten liegt und vor ihr ein etwas wirrer und wackelig aussehender Haufen anderer Waffen. Obwohl er vorsichtig sein muss verschwendet Tiuri keinen Gedanken daran die Axt nicht von ihrem Platz zu holen. Er beugt sich weit nach vorne, stellt sich auf die Zehenspitzen und streckt die Hand nach der Axt aus. Er wackelt verdächtig, fängt sich aber gleich wieder nur um urplötzlich einen Satz nach hinten zu machen weil er sich mit dem Bauch auf eine Schwertspitze gelehnt hat die ihn natürlich erbarmungslos gestochen hat. Die Axt hat Tiuri zwar in der Hand und der Stapel vor ihm steht auch noch, doch bei dem Satz nach hinten streift eine andere Waffe von ihrer Halterung, die bei ihrem Fall auf Tiuris Fuß noch gleich drei andere mit nimmt um mit einem lauten Klirren auf dem Boden auf zu kommen.
Verlegen lächelt Tiuri Azra an und bückt sich dann sofort um nach zu sehen was er da gerade zu Boden fallen hat lassen.
Bitte lasst nichts kaputt gegangen sein! bittet die Götter und tatsächlich hat er Glück, nichts von den drei gefallenen Stücken hat Schaden davon getragen, doch als Tiuri sich mit Schwung wieder aufrichtet und einen Schritt zurück macht, fällt ihm doch noch der vorherige Haufen entgegen und er kann sich gerade noch retten um nicht von einem Berg von Stahl begraben zu werden.
„Ups…“ ist alles was er sagen kann und seine Mundwinkel schaffen es nicht einmal sich zu seinem üblichen unschuldigen Dackelblick zu verziehen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 13. Sept. 2006, 22:54 Uhr
Als Tiuri die Falltüre erblickt, schleicht sich etwas in seine Augen, dass ihr nicht geheuer ist, etwas, das sie irgendwo vage vermuten lässt einen winzigen Fehler mit ihrer Bitte gemacht hat. Es ist nur ein funkelnder Splitter in dem dunklen Grün, der sie an das schelmische Grinsen eines Kindes erinnert, dass gerade aus dem Honigtopf genascht hat, ohne erwischt zu werden. „Wa…“…s weißt du, was ich nicht weiss?, will sie ihn fragen, da hat er den Ring bereits mit einer Hand fest gegriffen und zieht die schwere Türe unter kaum sichtbarer Anstrengung in die Höhe. Ein schwarzes Loch tut sich vor ihr im Boden auf, in dem Tiuri keine Sekunde später mit einem Satz samt Holzeimer verschwunden ist. Entsetzt und erstarrt erwartet Azra bereits das hässliche Geräusch von brechenden Knochen zu vernehmen, doch alles was zu ihr dringt ist knisterndes Schweigen und gleich darauf eine Unmenge an begeisterten Ausrufen, die nicht nach einem schwer, ach was, tödlich verletzten Jungen erinnern, der ein paar Treppenstufen übersehen hat. Die Neugierde wächst über ihre Skepsis. Hastig schnappt sie sich den Besen und den zweiten Eimer und linst dann in die Dunkelheit hinunter, wo nur vage Umrisse im blassen Schein der aufgestellten Lampen hier oben zu erkennen sind. Ha… Licht!, kommt ihr der rettende Einfall und sie schnappt sich eine Kerze, um dann, vorsichtig, die Treppe hinunter zu steigen. Mit jedem Schritt den sie tut, und mit dem die flackernde Flamme mehr enthüllt, sinkt ihre Kinnlade ein Stück tiefer, bis ihre Kiefer schmerzen. „Was um alles in der Welt… ist das?“ Vor ihr schält sich aus der Schwärze ein Sammelsurium von Waffen, dass sie nicht einmal überblicken könnte, wäre sie die grösste Expertin in Ausrüstungsfragen der Immerlande. Am Ende der Treppe bleibt sie stehen, erschlagen von dem Schatz, der hier unten die ganzen Jahre, oder vielleicht gar schon Jahrhunderte, vor sich hinlagert, bereit sämtliche Männer Talyras auszustatten, wenn nötig. Schwert, Äxte, Bögen, Dolche, Speere, Morgensterne, alles hat sich in dieser trauten Runde versammelt. An den Wänden sind Regale zu erkennen mit allerlei Krimskram darauf, der von kleinen Lederbeutelchen, über goldgeränderten Schatullen, bis hin zu einem geschwärzten, breiten Drachenstahlhelm reicht. Ein silberner Schild funkelt halb verborgen hinter einer grossen Holzkiste hervor, auf welcher,  fein säuberlich über ein schmales Holzgerüst gehängt, sich ein Kettenhemd befindet. Direkt daneben an der Wand hängen weitere Rüstungsteile, die ihr vage bekannt vorkommen und spätestens als der Brustharnisch in ihr Blickfeld gerät, erinnert sie sich dumpf daran, sich mit ihren Fingern bereits einmal wie eine Irre daran festgeklammert zu haben, für keinen Preis der Welt bereit loszulassen.

„Hier unten bewahrt er das also alles auf“, schlussfolgert sie mit der Intelligenz eines unwissenden und in Unschuld gebadeten Kükens. Sie hat sich bisher nie gefragt, woher Borgil seine Waffen und seine Rüstung genommen hat… schliesslich hat sie sich bisher eher weniger darum gekümmert ihn hineinzukriegen, als ihn wieder daraus zu befreien, aber das dafür mit umso grösserem Eifer. „Sieh doch!“, hallt es plötzlich von den Wänden wieder und vor Schreck hätte Azra beinahe Eimer und Besen fallen lassen. Ihre Augen weiten sich entsetzt, als Tiuri das monströse Schwert hochhebt, als wöge es nicht mehr als ein paar Stein, nur um es dann fachgerecht und mit Kennermiene ein paar mal zu drehen und zu kommentieren. Gerade noch rechtzeitig kann sie sich gegen die Vorstellung wehren, was wohl geschehen würde, wenn Tiuri dieses Monstrum fallen lässt, oder ausrutscht, oder es durch die Luft schwingt. Doch, zu seinem Glück, tut er nichts davon, sondern stellt es schön brav gleich darauf wieder zurück an den abgestammten Platz. Erst jetzt merkt sie, dass sie unbewusst den Atem angehalten hat und schnappt nach Luft, mit einer Hand, mitsamt dem Besenstiel, den sie noch immer hält, an ihre Brust greifend, um diesen Schreck ersteinmal zu verdauen. Tiuri denkt leider keinen Augenblick daran, die Finger von all den wertvollen Stücken zu halten, sondern schnappt sich schon den nächsten Griff, der ihm in die Quere kommt. Dieses Mal ist es ein Dolch, den er ihr nach kurzer Betrachtung als Kurzschwert verkaufen will und ihr den Knauf hinhält. Heftig und ein wenig blass um die Nase schüttelt sie den Kopf, die Waffe anstarrend, als würde sie sich jeden Moment selbstständig machen und sie anspringen. „Es ist unglaublich hier unten, Borgil könnte eine halbe Armee ausstatten wenn er das möchte. Ich frag mich nur warum er all diese Waffen hortet, so viele Leute kennt er ja gar nicht, wie er hiermit ausstatten könnte und wir beide wissen wie viele Leute Borgil kennt! Die halben Immerlande sind es mindestens!“ Sie kann dem Wortschwall nur in ungefähr folgen, wird sich jedoch langsam klar darüber, dass es vielleicht besser wäre, sie würde hier unten alleine sauber machen. Sich zur Sicherheit noch einmal umsehend, um auch genug Platz zum Passieren der Treppe bleiben würde, stellt sie den Eimer und den Besen neben und die Kerze auf eine grosse Eisenholztruhe, deren schwere Beschläge matt schimmern. Hier unten wird es genug zu tun geben für den Rest des Tages und irgendwann wird auch Brenainn wieder Hunger bekommen, weswegen Azra beschliesst jetzt sofort anzufangen, um Borgil am Abend einen aufgeräumten und sauber geputzten Keller zeigen zu können.

Sie kommt nicht einmal dazu den Stauflusen mental den Kampf anzusagen. Ein Scheppern zu Krachen, dass es ihr in den Ohren dröhnt und schlagartig flüchtet auch der letzte Rest an Farbe aus ihrem Gesicht, als sie die Bescherung erkennt. Tiuri, wie ein kleines Kind, dass die Finger von nichts lassen kann, auch noch die hinterste Axt ausgraben müssend, steht inmitten eines Durcheinanders an umgefallenen Waffen, die nun den Boden zieren. Azra hat das dumpfe Gefühl gleiche einen hysterischen Anfall zu erleiden, kann sich dann jedoch gerade noch so fassen und muss heftig schlucken. Mit zitternden Fingern und gehörigem Respekt vor den tödlichen Dingen, die sie da anzufassen wagt, hilft sie Tiuri das ganze wieder aufzuräumen und will dem Jungen schon sagen, dass sie hier auch wirklich gut alleine zurecht kommen wird, als der auch schon ins nächste Fettnäpfchen tritt und eine erneute Salve aus scheppernden, klirrenden und kreischenden Geräuschen verursacht. Azra bleibt, gelinge gesagt, das Herz stehen, während ihr Verstand hastig Vorarbeit leistet und ausrechnet, was Borgil mit ihnen anstellt, wenn er dieses Chaos sieht. Zumindest für Tiuri entdeckt sie eine rabenschwarze Zukunft, doch der Bursche hat anscheinend dieselbe dunkle Vorahnung und macht sich stante pede ungeschickt daran, die Waffenlawine, die er losgelöst hat, schnellstens wieder sicher zu lagern. In der verblüffend kurzen Zeit, die er dazu braucht, kehrt Azra zu ihren Putzutensilien zurück, schnappt sich den Besen, mit den Strohborsten nach oben und sieht dann Tiuri mit einem scharfen Blick an. „Raus. Hier! Du Unglücksrabe!“ Er linst auf sie hinunter, damit beschäftigt herauszufinden, ob die winzige Spur von Ärger, der offen in ihrem Gesicht prangt, wirklich vorhanden ist, oder er sich das nur einbildet und entscheidet sich dann rasch dazu, sich seines Lebens zu entsinnen. „Azra, ic…“, will er schon anfangen und sich wieder einmal mit seiner schmeichelhaften Zunge aus dem Schlamassel retten. Doch hier geht es nicht um ihre Sachen – die bei weitem auch niemals den Wert, des hier gelagerten Waffenarsenals erreichen -, sondern um die von Borgil und sie kennt Tiuri gut genug, um zu wissen, dass er auch trotz säuselnder Versprechungen nicht davon ablassen könnte, all den Verlockungen nachzugeben, die hier auf ihn warten. Deswegen lässt sie ihn nicht ausreden, sondern schwingt den Besenkopf bedrohlich nah vor seinem Kopf durch die Luft sausen und scheucht ihn dann, wie sie es normalerweise mit den Hühnern macht, unter lautem: „Gschhhhhh! Gschhhhh! Verschwinde, los, gschhhhhh, raus hier, aber dalli“ die Treppe hinauf, den Besen immer mal wieder in seinen Rücken stossen, damit er bloss nicht stehen bleibt. Erst als sie oben angekommen sind, lässt sie von ihm ab, baut sich breitbeinig vor der Falltüre auf und hält den Besen wie ein Schwert in Richtung Tiuris. „Und hier bleibst du jetzt und wehe du wagst es noch einmal in den Keller zu kommen, dann mach ich dir wirklich Beine!“, grummelt sie, mehr entsetzt als wütend und schleicht sich dann wieder hinunter, um der Unordnung auf den Pelz zu rücken. Bevor Borgil Tiuri vierteilt... oder gar achtteilt... Götter im Himmel, steht dem armen Jungen bei und macht, dass Borgil noch eine Weile beschäftigt ist.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 16. Sept. 2006, 11:23 Uhr
"Was zum Donnerdrummel ist denn hier los?" Alarmiert von einem ohrenbetäubenden Scheppern und Krachen war Borgil aus dem Schankraum in seine privaten Gemächer gestürzt, nur um hier einen aufgerollten Teppich, eine sperrangelweit offen stehende Kellerluke und einen etwas düpiert hinunterstarrenden Tiuri zu entdecken. Von Azra, die schon den ganzen Tag mit Großreinemachen beschäftigt war und alle Mägde der Harfe prompt mit ihrer Putzwut angesteckt hatte, ist keine Spur zu sehen, von unten allerdings dringt leise metallisches Klirren an sein Ohr und dazwischen das rhythmische Wisch! eines fegenden Besens. "Wa...? Macht sie etwa meine Waffenkammer sauber?" Will er entgeistert wissen, drängelt sich an Tiuri vorbei, zieht den Jungen mit sich und stapft die hölzerne Stiege prompt nach unten, die unter seinem Gewicht beträchtlich ächzt. "Aaaah!" Entfährt es ihm gequält, als er seine Frau im Kerzenschein zwischen Schilden, Helmen und Schwertern den Besen schwingen sieht. Und ein noch viel entsetzteres Aufstöhnen dringt aus seinem Mund, als er das Durcheinander seiner ehemals so sorgsam und ordentlich aufgestapelten Beutestücke bemerkt, alle sortiert nach den Schlachten und Kämpfen, in denen er sie den besiegten Feinden abgenommen hatte... oder, bei Stücken die er anderweitig erstanden hat, akribisch genau platziert nach der Lebenszeit und Bedeutung ihrer einstigen Besitzer. "Was bei allen Göttern macht ihr hier unten? Seht euch nur an, was ihr angerichtet habt! Narghelme aus dem dritten Zeitalter zwischen Takubas! Virinmaruner Tartschen aus der Zeit des Blutes mitten unter antiken Froschspeeren der Waldkinder!" Ihm blutet das Herz und das ist ihm auch anzuhören.

"Argh! Wer hat die Axt von Taurim Schädelspalter angefasst?! Wo ist Eichenschilds Eichenschild, hä? Und wie zum Kuckuck kommen die Armschienen des Hohen Hauses Licht in die Kiste mit den Pfeilen der Tharndrakhi? Wo ist die neunschwänzige Katze Sorkhatanis, sie hing genau hier. Aaaaaah, nein, nein, nein, nein!" Borgil, dem das sofort ins Auge sticht, hechtet jammernd zu einem relativ schlanken, etwa fünfeinhalb Fuß langen Zweihänder und rückt ihn mit fast liebevollem Tätscheln wieder an seinen angestammten Platz, in diesem Fall sage und schreibe einen Sekhelrin weiter nach rechts. Dann funkelt er Azra und Tiuri erbost an und baut sich vor dem Schwert auf, als müsse es beschützt werden. "Finger weg von meiner Waffenkammer," Schnappt er. "Hier wird nicht sauber gemacht. Hier wird auch nicht gefegt. Hier unten herrscht Putzverbot. Kein Eimer, kein Besen, noch nicht einmal ein Staublappen gehen durch diese Luke nach unten. Freiheit für Spinnweben! Es lebe der Staub!" Borgil holt Luft, eigentlich um seine Schimpftirade noch viel länger fortzusetzen, doch die Unordnung in seiner geliebten Waffenkammer, seinem Heiligtum, seinem Ein und Alles wenn es um blanken Stahl geht, lenkt ihn prompt davon ab. "Alles durcheinander! Oh! Meine schönen Dolche! Meine belgraver Kurzschwerter... meine armen, armen laiginschen Rundschilde... oh.... Oh nein, seht mich nicht so an. Ich will gar nicht wissen, wer das war. Ihr sortiert das alles wieder so, wie es sich gehört, aber zackig. Azra, hol noch eine Laterne. Tiuri, komm hierher und fisch mir sofort alle Tartschen aus dem Korb mit den Froschspeeren. Himmelgötternochmal, dich kann man keinen Herzschlag lang aus den Augen lassen Junge! Aaagh! Vorsichtig mit dem Zweihänder! Das ist Schattenfluch, verstehst du? DER Schattenfluch!"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 23. Sept. 2006, 21:59 Uhr
Ungefähr halb so groß wie Tiuri selbst, funkelt Azra zu ihm hinauf und schickt ihn postwendend nach draußen. Er möchte ja protestieren und ihr versprechen ganz artig zu sein und alles aufzuräumen und wirklich mit keinem einzigen, auch noch so klitzekleinen, Schwert zu spielen, aber Azra lässt ihn gar nicht zu Wort kommen, sie würde ihm sowieso kein einziges davon glauben. Also schleicht er nach oben und wartet vor der Kellertüre weil er es nicht wagt hinaus in den Schankraum zu gehen.
Als die Türe plötzlich aufschwingt und Borgil in den Gemächern steht glaubt Tiuri sein letztes Stündlein habe geschlagen.
Gleich wird er die Unordnung sehn und dann wird er mich hängen, ausweiden, vierteilen und was ihm sonst noch so einfällt!
Der Junge schickt ein Stoßgebet zu den Göttern als Borgil an ihm vorbei hastet, entsetzt darüber, dass Azra wohl gerade seine geliebte Waffenkammer säubert. Als Tiuri gerade glaubt entkommen zu sein, fährt Borgil einen seiner mächtigen Arme aus, krallt sich Tiuri und zieht ihn mit sich hinunter.
Das wars, danke für die nette Zeit hier, morgen steh ich am Eingang zur Hölle!
Doch anstatt sich sofort eine der unzähligen Waffen zu packen und Tiuri an Ort und Stelle zu köpfen, steht Borgil nur händeringend da und kann überhaupt nicht fassen was hier passiert ist. Ein Wortschwall bricht über sie hinein, von dem Tiuri bestenfalls „Eichenschilds Eichenschild“ versteht und Borgil wirbelt durch die Waffenkammer und ruft schließlich >Nein, nein, nein!<
Was er schließlich als erstes wieder gerade rückt ist der Bihänder den Tiuri von seinem Platz geholt hat und an eben diesen auch wieder zurück gebracht hat. Doch Borgils wachsamen Augen entgeht nichts und schließlich baut er sich vor den beiden auf und Tiuri ist sich in dem Moment nicht sicher wer von ihnen über 6 Fuß groß ist. Anschließend hält Borgil eine feurige Rede über die Rechte von Staub in seiner Waffenkammer und verbietet ihnen jemals wieder auch nur daran zu denken hier sauber zu machen. Er schickt Azra eine weitere Laterne zu holen um die Sicht zu verbessern und schafft Tiuri an unter seiner Anleitung mit dem Ordnen der Waffen zu beginnen. Die Tartschen aus dem Korb mit den Froschspeeren fischen, das kriegt der Junge deswegen hin weil er weiß was ein Froschspeer ist und das andere was da drin ist, müssen dann wohl die Tartschen sein, obwohl er diesen Ausdruck sein Lebtag noch nicht gehört hat.
Als er sie allerdings an ihren standesgemäßen Platz räumen möchte, muss er erst an einem mächtigen Zweihänder vorbei, den er schnell zur Seite legt.
> Vorsichtig mit dem Zweihänder! Das ist Schattenfluch, verstehst du? DER Schattenfluch!<
Tiuri erstarrt in seiner Bewegung und sieht Hilfe suchend zu Azra, die gerade mit einer Laterne bewaffnet die Treppe hinunter kommt. So genau weiß Tiuri nicht was er jetzt tun soll, den Zweihänder an Ort und Stelle fallen lassen und nie wieder auch nur ansehen oder ihn an seinen Platz bringen und dabei Gefahr laufen irgendetwas edles zu zerstören. Er entscheidet sich dafür das Schwert in seine, an der Wand angebrachte, Halterung zu hängen, wo es von Borgil liebevoll zurecht gerückt wird.
„Schattenfluch?“ stammelt Tiuri, während er schon nach dem nächsten Teil greift. Es ist ein breites Schild aus massivem Holz. „Ist das Buchenschilds Buchenschild oder so?“ fragt er und merkt gar nicht was für einen Fauxpas er sich leistet. Er grinst Borgil freundlich an und hält ihm das Schild entgegen als dieser noch immer nichts erwidert.
„Hübsch!“ stellt er fest und es dämmert ihm langsam, dass er irgendeinen mächtig großen Fehler begangen hat, noch größer als die geliebte Waffenkammer des Harfenwirtes zu verwüsten. Unter Borgils Blick wird er hinter dem Eichenschild immer kleiner und kleiner, wünscht sich ein Loch in dem er verschwinden kann und versucht sich schnell noch zu retten als ihm einfällt wie das Schild und sein Herr tatsächlich geheißen haben.
„EICHENSCHILD!“ ruft er schnell. „Er hieß Eichenschild, oder?...Eichenschilds Eichenschild... wie doof...“ Sein Lächeln erstirbt und seine Stimme wird immer leiser, während Borgil ihm das Schild abnimmt und Tiuri nur noch darauf wartet, dass ihm der Zwerg das schwere Teil mit heftiger Wucht über den Schädel ziehen wird.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 06. Okt. 2006, 19:16 Uhr
"Bu... bu...buchenschild?!" Ächzt Borgil und an seiner Stirn beginnt warnend eine Ader zu pochen, während sein kantiges Zwergengesicht langsam aber sicher die Farbe einer überreifen Feuermelone annimmt. Er klappt schon den Mund auf, um einen zweifellos infernalen Zwergenbrüller loszulassen, als Tiuri gerade noch rechtzeitig einfällt: >EICHENSCHILD! Er hieß Eichenschild, oder?... Eichenschilds Eichenschild... wie doof...<
"Thorin Eichenschild, der große Thorin, der Anführer der legendären wilden Dreizehn, der den Feuerdrachen besiegt hat, du Riesenhornochse! Du wie oft hast du deine Nase eigentlich in Rumriks Almanach der großen Helden und ihrer Waffen gesteckt, den ich dir schon vor Monden zum lernen gegeben hab', hä? Und überhaupt, was..." Borgil hätte seine Standpauke sicherlich noch viel länger fortgesetzt, doch diesmal hat er – und das im wahrsten Sinne des Wortes – die Rechnung ohne die Wirtin gemacht und wird abrupt von einem nassen Scheuerlappen ausgebremst, der ihm klatschend vor den Füßen landet. "Hoppla...!" Derart aus dem Konzept gebracht, wendet er den Kopf, und sieht sich einer ziemlich aufgebrachten Azra gegenüber. Sein Schneemädel, für gewöhnlich das anschmiegsamste und nachgiebigste Geschöpf auf Rohas weitem Rund, hält offenbar gar nichts von Putzverboten in Waffenkammern oder Refugien für Spinnen und Kellerasseln. "Borgil Blutaxt!" Tönt es ihm so warnend wie herausfordernd entgegen. Diesen Tonfall kennt er, und er ist mittlerweile lange genug verheiratet, um zu wissen, wann es besser ist, den taktischen Rückzug ins Auge zu fassen – was war er auch so wahnsinnig, sich einer putzenden Azra in den Weg zu stellen. "Äh... Liebling?"
"Staub und Dreck? Staub und Spinnweben und Spinnen und Dreck?! Bitteschön!"
"Ah, was ich meinte war..."
"Oh nein. Nicht unter unserem Schlafzimmer!"
"Naja, aber die Luke..."
"Papperlapapp, die Luke, die Luke! Nichts da. Ich mache hier sauber. Sieh mich nicht so an, ich bringe nichts durcheinander. Schaff nur den Herren Tiuri "Ich-kann-nichts-anfassen-ohne-Ärger-zu-machen" hier weg. Und dann geh."
"Aber, Azra, Schätzchen..."
"Jetzt."
"Du wirst doch nicht..."
"Raus. Alle beide. Los. Hopphopp. Ksch! Ksch! Weg... raus. Raus!"
"Auweia. Tiuri, schnell, sie kommt mit dem Besen..."
"Raus!"  

Derart in die Flucht geschlagen, hasten sie beide die schmale Holzstiege hinauf und bringen sich klugerweise gerade noch hinter besagter Kellerluke vor Reisigbesen und seifenlaugetriefenden Schwämmen in Sicherheit. Dann hören sie Azra unten rumoren, das kratzige Fegen des Besens und dazwischen halblaute, rechtschaffen empörte Schimpftiraden über Männer im Allgemeinen und ihre Vorstellungen von Sauberkeit im Besonderen. Das und die Tatsache, dass in diesem Zusammenhang ihre Namen mit bösen Zischlauten versehen fallen, veranlasst die beiden dazu, den Sicherheitsabstand zu einer aufgebrachten Frau bewaffnet mit Schrubber und Besen doch besser noch weiter zu vergrößern und sie trollen sich. "Na schön, auch gut. Ich werde meine Waffenkammer nicht wieder erkennen, lebt wohl ihr antiken Spinnennetze und Mäusefallen, aber was soll's..." Borgil wirft einen Blick aus dem Fenster, doch der offenbart ihm nur Regen, Regen, nichts als Regen, aufgeweichte Schlammpfützen und glitschiges Kopfsteinpflaster. "Können wir ebenso gut ein wenig üben..." Tiuris Gesicht, das sich bei diesen Aussichten trotz des miserablen Wetters schon erhellt, wird wieder missmutig, als Borgil trocken hinzufügt. "Theoretischen Unterricht. Es ist viel zu nass draußen. Hol den Almanach, mein Junge, wir bringen dir zur Abwechslung mal ein wenig Bildung bei."
Alles betteln und bitten, doch lieber praktisch zu üben hilft nichts, Tiuri muss das dicke Buch heraussuchen und sich die folgenden zwei Stunden einen ernsthaften Vortrag eines ziemlich entgeisterten Borgil darüber anhören, wie es einem ergeht, wenn man nicht lesen kann und diese Tatsache einfach verheimlicht. Dann klappt das dicke Buch mit einem vernehmlichen Knall einen halben Sekhelrin vor Tiuris Nase wieder zusammen und er muss ein paar Fetzen alten Pergaments, Tinte, Löschsand und eine Feder holen. Die nächste Stunde vergeht damit, dass der Junge lernt, seinen Namen zu kritzeln, die Buchstaben T I U und R richtig aneinander zu reihen und das Alphabet auswendig herunterzubeten. Für den morgigen Tag verspricht Borgil ihm einen Buchstabenkasten, was sich jedoch zugegebenermaßen aus dem alten Zwergenmund eher wie eine Drohung anhört. "Nun sieh mich nicht so an. Ein junger Mann wie du, schlau wie ein Fuchs, der nicht lesen und schreiben kann? Du solltest dich schämen. Nicht, dass du's nicht kannst, sondern dass du kein Sterbenswort davon gesagt hast, bei allen Göttern im Himmel!" Borgil mag poltern so viel er will, er weiß genau, dass der Junge eine verflixt rasche Auffassungsgabe hat... vermutlich würde er schon halbwegs sicher lesen, seinen Namen und ein paar einfache Wörter schreiben können, wenn sie in zwei Wochen nach Sûrmera und in Tiuris Vergangenheit aufbrechen würden.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 07. Okt. 2006, 00:42 Uhr
Besorgt betrachtet sie das Durcheinander und fragt sich mit wachsender Verzweiflung, wie sie das bloss beseitigen soll, bevor Borgil zurückkommt, und besonders, wie sie es schaffen soll, ohne dass Borgil danach noch etwas davon bemerkt. Unsicher lässt sie den Besen ein-, zweimal über den Boden huschen, in Gedanken alle Möglichkeiten durchgehend, die Borgil davon abhalten könnten, sie allesamt am Kragen zu packen und zu schütteln. Ein wenig Staub wirbelt auf und dann zuckt sie wie ein Rehkitz zusammen, als ihr werter Gatte samt Tiuri im Schlepptau die Stiege hinuntergestolpert kommt. Es braucht nur einen flüchtigen Blick in sein Gesicht, um den Untergang ihres präzisen Planes zur Rettung von Tiuris Leben dahinschwinden zu sehen. "Was bei allen Göttern macht ihr hier unten? Seht euch nur an, was ihr angerichtet habt! Narghelme aus dem dritten Zeitalter zwischen Takubas! Virinmaruner Tartschen aus der Zeit des Blutes mitten unter antiken Froschspeeren der Waldkinder!" Erschrocken über diesen Ausbruch weicht sie ein wenig zurück, den Besen von sich gestreckt und konfus in die Gegend blinzelnd, um zu sehen, wovon Borgil eigentlich spricht. Da liegen ein paar Helme und dort ein paar Schwerter, sie kann sogar zwischen einem Kurz- und einem Langschwert unterscheiden, die beide in ihrer Nähe liegen, doch wo um Himmels willen denn irgendwelche Tuben und Virintscher zwischen Frostspeeren von verlorenen Kindern sein sollen, kann sie wirklich nicht sagen. „Aehm… meinst du vielleicht das hier?“, startet sie zaghaft einen Schlichtungsversuch und hebt fatalerweise etwas in der Nähe liegendes hoch, das einem halbrunden Stück Rinde mit Silberbeschlägen gleicht. "Argh! Wer hat die Axt von Taurim Schädelspalter angefasst?! Wo ist Eichenschilds Eichenschild, hä? Und wie zum Kuckuck kommen die Armschienen des Hohen Hauses Licht in die Kiste mit den Pfeilen der Tharndrakhi? Wo ist die neunschwänzige Katze Sorkhatanis, sie hing genau hier. Aaaaaah, nein, nein, nein, nein!" Ihre Hand zuckt blitzartig zurück und das Ding fällt klirrend wieder auf den Haufen von Rüstungsteilen zurück, woher sie es genommen hat. Borgil, am Rande der Hysterie, ruft irgendwelche Namen, von denen ihr die Hälfte genauso verständlich sind, wie Normandisch und mit einem entsetzten Quieken springt sie zur Seite, als ihr Mann an ihr vorbeihechtet und den – aus ihrer Sicht vermeintlichen – Fünfhänder so zärtlich keinen sichtbaren Tick weiter nach rechts rückt, dass sie sich langsam des Ausmasses des Chaos bewusst wird, das sie beide angerichtet haben.

Dann wirft er ihnen einen Blick auf schwarzen, funkelnden Augen zu, so vorwurfsvoll, dass ihr das Herz prompt in die Hose rutscht und sie zwei Köpfe kleiner wird. „A…“, will sie schon einwenden und ihm nur ihre guten Absichten unterbreiten, als er sich schon warnend vor das eben zuvor zurechtgerückte Schwert schiebt und sie knapp unterbricht: “Finger weg von meiner Waffenkammer. Hier wird nicht sauber gemacht. Hier wird auch nicht gefegt. Hier unten herrscht Putzverbot. Kein Eimer, kein Besen, noch nicht einmal ein Staublappen gehen durch diese Luke nach unten. Freiheit für Spinnweben! Es lebe der Staub!" „Es lebe der Staub!“, echot sie einigermassen perplex und weiss gar nicht wie ihr geschieht, bis Borgil nach Luft schnappt und sie eine weitere Laterne holen schickt. Viel zu verwirrt über die seltsamen Ideen, die ihr Mann da plötzlich an den Tag legt, gehorcht sie aufs Wort und huscht davon, den Besen an Ort und Stelle einfach fallen lassend. So schnell ihre Füsse sie tragen, hetzt sie in ihre Gemächer, schnappt sich die nächstbeste Lampe, sowie ein Sortiment an Lappen und Eimern und spurtet mit fliegenden Röcken wieder zurück, hoffend, dass Borgil Tiuri in der Zeit nicht schon gefressen hat. “ Vorsichtig mit dem Zweihänder! Das ist Schattenfluch, verstehst du? DER Schattenfluch!“ Hört sie gerade noch, als sie die oberste Treppenstufe schon hinter sich gebracht hat und Tiuri zu Hilfe eilt, der diese anscheinend gerade dringend nötig hat. Panisch sieht sie sich nach neuen, umgestürzten Waffentürmen um, aber ausser dem, dass Tiuri gerade mit zittrigen Fingern den ärmlichen Versucht startet, Borgils präzisen und pingeligen Platzanweisungen gerecht zu werden, kann sie nichts entdecken. Tiuri gleicht einem in Wasser getauchtem Katerchen, das schnellstmöglich das Weite suchen möchte. Leider denkt der Bursche gar nicht daran, das nächste Fettnäpfchen auszulassen und reicht Borgil mit einem kümmerlichen, hoffnungsvollen Lächeln einen Schild, den er falsch betitelt. „Ist das Buchenschilds Buchenschild oder so?“ Borgil greift wortlos und blass vor Empörung nach dem Schild und setzt schon zu einer langen, ausführlichen und einprägenden Lehre über Waffen und die Wichtigkeit ihrer Namen ansetzten zu wollen, da brennen ihr die Nerven durch.

Mit einem lauten Klatschen landet ihr zielsicher geworfener Lappen in Borgils Gesicht, wo er kurz kleben bleibt und dann zu Boden gleitet. Die beiden Männer sehen verdattert zu ihr hinauf, doch sie hat nur Augen für Borgil, und was in diesen Augen geschrieben steht, scheint er als Leuchtbuchstabenschrift zu erkennen.
"Staub und Dreck? Staub und Spinnweben und Spinnen und Dreck?! Bitteschön!", polter sie pikiert los und wedelt mit einem Finger in der Gegend herum, auf alle Plätze deutend, die ihr spontan ins Auge fallen, ohne dabei Borgil aus ihrem Blick zu entlassen.
"Ah, was ich meinte war..." Sie lässt nicht zu, dass er ausredet, innerlich fast kochend bei dem Gedanken, wie jemand so eine Unordnung dulden kann, Waffen hin oder her. "Oh nein. Nicht unter unserem Schlafzimmer!"
"Naja, aber die Luke..."
"Papperlapapp, die Luke, die Luke! Nichts da. Ich mache hier sauber. Sieh mich nicht so an, ich bringe nichts durcheinander. Schaff nur den Herren Tiuri "Ich-kann-nichts-anfassen-ohne-Ärger-zu-machen" hier weg. Und dann geh."
"Aber, Azra, Schätzchen..."
"Jetzt." Drohend hebt sie den Besen in die Höhe und ihre Augenbrauen treffen sich gefährlich in der Mitte ihrer Stirn.
"Du wirst doch nicht..." Und ob ich werde!, denkt sie sich noch und macht mit erhobener Schlagwaffe einen Schritt auf die plötzlich gleich drei Köpfe kleineren Männer zu: "Raus. Alle beide. Los. Hopphopp. Ksch! Ksch! Weg... raus. Raus!"
"Auweia. Tiuri, schnell, sie kommt mit dem Besen..."
"Raus!"
Keine Sekunde später herrscht Ruhe in der Truhe und Azra macht sich besenschwingend über den Dreck her, den sie mit ihren Argusaugen auch auf den am meisten polierten Schilden, Schwertern und Streitäxten noch findet. „Pff… Spinnen, wart es nur ab Borgil Blutaxt, du Erretter der armen Staubkörnchen und der stählernen Schilde, ich hätte dir Spinnen gegeben, und Dreck, und Netze, und… STAUB! Überall Staub! Und da noch mehr Staub! Und nach dem Staub wären Krusten gekommen, und dann Masen, und dann Kellerrasseln und dann Ratten! Götter im Himmel, wann wurde hier zum letzten Mal sauber gemacht, vor dreihundert Jahren? Zweihundert? Männer! Ha! Von wegen nicht sauber machen, von wegen „Es lebe der Staub!“. Nix da! Raus, kuscht euch, ich brauch euch Spinnenviecher nicht, nicht unter meinem Schlafzimmer, das ist unseres, und Borgil kann euch noch so gerne haben, jetzt geht’s raus, aber dalli!“

So und noch anders klingen ihre Verwünschungen und die Achtbeiner nehmen auch eiligst Reissaus, als sie mit Scheuerlappen und Seifenlauge daran geht jeden Zentimeter des Kellers auf Hochglanz zu polieren, bis kein einziges, noch so winziges Staubkörnchen sie mehr in der Nase kitzelt. Auf Knien kriecht sie zwischen Kisten und Podesten herum, verschiebt und ordnet, sortiert – natürlich nach ihrem System, was schlicht nach Grösse und Waffengattung geht -, verstellt, packt aus, packt ein, holt zweimal frisches Wasser und kriecht schliesslich staubig, verdreckt, mit Spinnweben verklebt und mit vom Waschen runzligen Fingern aus dem Loch, die Haare grau vom Schmutz. Aber das interessiert sie herzlich wenig, viel zu stolz ist sie darauf, was sie geleistet hat und so wie es dort unten funkelt, könnte  man es mit dem best gehüteten Hort eines Drachen vergleichen. Unter einiger Kraftanstrengung schafft sie es die Luke wieder zuzuklappen, ohne gleich einen riesigen Krawall zu veranstalten, entsorgt dann Schmutzwasser und Lappen und rollt schlussendlich noch den Teppich mit spitzen Fingern wieder aus. „Ha! Nieder mit den Spinnen! Ich habe gesiegt“, grinst sie mit stolzgeschwellter Brust und sinkt im nächsten Moment wie ein Schluck Wasser zusammen, legt sich auf den Rücken und breitete alle Viere von sich. Kurze Zeit erklingt nur ihr gleichmässiger Atem, dann seufzt sie theatralisch: „Aber einen Krieg zu führen macht müde… ich sollte mir das mit dem Training nochmals deutlich überlegen. Spinnen sind mir Feinde genug.“
Müde rappelt sie sich auf, überlegt es sich zweimal, ob sie wirklich aufstehen will und entscheidet sich dann trotzig dagegen. Auf Knien, die Röcke bis zur Hüfte gerafft, kriecht sie bis zu ihrem gemeinsamen Bett und zieht sich dort an den Pfosten in die Höhe. „Meine Güte… wo sind bloss meine Arme geblieben?“, entfleucht es ihr verdattert, als sie das Gefühl hat, einen ganzen Felsbrocken und nicht nur ihr eigenes, mickriges Gewicht in die Höhe ziehen zu müssen.

Nachdem sie sich einer Katzenwäsche hingegeben hat, fühlt sie sich stark genug, Borgil gegenüber zu treten und ihm zu gestehen, was sie dort unten jetzt genau angerichtet hat und wo er vielleicht noch ein wenig Hand anlegen muss. Sie findet ihn zusammen mit Tiuri an einem Tisch, wo der Junge in völliger Konzentration über einem Pergament gebeugt sitzt und seltsame Zeichen kritzelt, die sie unter wilden Kopfverdrehungen als Buchstaben erkennen kann. Sie hat gewusst das Tiuri nicht lesen kann und ihm heimlich hin und wieder geholfen, den dicken Wälzer zu lesen, den Borgil ihm vor langer Zeit gegeben hat, aber ihn wirklich überzeugen, Borgil endlich zu gestehen, dass er weder des Lesens, noch des Schreibens mächtig ist, das hat sie nicht geschafft. Sie erreicht den Tischrand gerade, als Borgil seine Tirade an Unglauben abschliesst und dann mit gesträubten Augenbrauen zu ihr hoch linst und sich wahrscheinlich darüber wundert, wie wenig sie überrascht ist, von der, für ihn, unbekannten Tatsache. Unschuldig zuckt sie mit den Schultern und setzt sich dann frech auf Borgils Schoss, ihr Gesicht an dessen Hals vergrabend. Die Worte „umgestellt“, „nur ein bisschen“, „Eichenschilds Eichenschild“ und „Bärbeissigen Brüder“ nuschelt sie halb in seinen Bart hinein und schmiegt sich noch ein wenig näher an seine Brust.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 09. Okt. 2006, 22:07 Uhr
Bevor die heraustretende Ader auf Borgils Stirn explodieren kann und der Zwerg Tiuri den Hals umdreht, ist es Azra die sie mit überraschend entschiedener Stimme aus der Waffenkammer wirft. Die zierliche Madame Blutaxt möchte gar nichts davon hören, dass unter ihrem Bett eine Kolonie von Spinnen so viel Raum und Ruhe bekommt, dass diese dort ungestört die Weltherrschaft planen könnte. Borgil und Tiuri ergreifen also die Flucht und lassen Azra mit der Arbeit alleine zurück.
Als Borgil erwähnt, dass jetzt die geeignete Zeit für etwas Training wäre, ist Tiuri hellauf begeistert und praktisch schon auf dem Weg nach draußen um die Übungsschwerter zu holen und sich bereit für ein paar weitere blaue Flecke zu machen. Doch der Harfenwirt bremst seinen enthusiastischen Lehrling sofort wieder und selbiger erstarrt mitten in der Bewegung als er die Worte „theoretischer Unterricht“ hört. Tiuri versucht Borgils Argumente abzuschwächen und dem Zwerg einzureden, dass es gar nicht so schlimm regnet und dass Abhärtung schließlich alles ist und dass er weiteres Training dringend nötig hätte, weil er diesen neuen Schlag den er gestern gelernt hat, schon beinahe wieder vergessen hat und er ihn üben muss bis er wirklich sitzt.
Doch Borgil bleibt unerbittlich und schickt Tiuri den Almanach zu holen. Das dicke Buch hat Tiuri unter seinem Bett verstaut und er wischt schnell die Staubschicht vom braunen Ledereinband, damit Borgil nicht sofort bemerkt, dass Tiuri es erst ein einziges Mal geöffnet hat. Azra hat zwar ein paar Seiten für ihn gelesen, aber so richtig warm ist der Junge nicht mit den Schriften geworden. Er kann einfach nicht lange genug ruhig sitzen und nur zu hören, noch dazu von irgendwelchen unbekannten Leuten die schon seit Jahrhunderten tot sind und die ihn kein bisschen interessieren. Wenn schon, dann möchte Tiuri lieber von den großen Kriegern seiner Zeit lernen und keine Geschichten hören die genauso verstaubt sind wie das Buch in dem sie geschrieben stehen. Nicht, dass Tiuri wirklich eine Ahnung hat was in diesem Buch genau drin steht, schließlich kann er es nicht lesen.
Die Tatsache, dass er wirklich keinen einzigen Buchstaben des Alphabets benennen kann, ist auch gleich das nächste was er Borgil gestehen muss und damit natürlich, dass er auch noch nichts von dem gelernt hat was er aufgetragen bekommen hat. Völlig ungläubig und wutschnaubend darüber, dass der junge Mann das verheimlicht hat, klappt der Zwerg das Buch dicht vor Tiuris Gesicht zusammen und setzt zu einem Vortrag über die Wichtigkeit des Lesens im allgemeinen und das Schicksal von zu groß geratenen Stallburschen die solche wichtigen Dinge vor dem Zwergen verheimlichen der ihnen ein Dach über dem Kopf bietet, im besonderen. Zähneknirschend muss Tiuri schließlich zugeben, dass es vielleicht nicht so schlecht wäre, wenn er die Kunst des Lesens beherrschen würde, obwohl er, wie er betont, sie noch nie vorher gebraucht hat!

Die nächste Zeit verbringt Tiuri also damit einzelne Buchstaben zu kritzeln und schließlich sogar seinen Namen zu schreiben. Auch beim lernen des Alphabets stellt er sich nicht dumm an, im Gegenteil, seine Auffassungsgabe und sein Gedächtnis sind ausgezeichnet, das ist auch sein Glück, denn leider ist seine Konzentrationsspanne furchtbar klein und er würde nie etwas lernen, würde er es sich nicht in kurzer Zeit merken. Er bemüht sich, aber nach einiger Zeit lenkt ihn ständig irgendetwas anderes ab und er rutscht auf seinem Stuhl auf und ab, als hätte würde er auf einem Ameisenhaufen sitzen.
A B C D E F Geeht da etwa Halla mit frischen Keksen vorbei?“
Borgil ermahnt ihn wiederholt sich endlich zusammen zu reißen, er könne es doch und so schwierig wäre es wirklich nicht. Schwierig findet es Tiuri ja auch nicht und er möchte es ja können, aber still sitzen macht ihm eben nur für wenige Augenblicke Spaß.
„A B C Dauert gar nicht mehr lange bis wir nach Sûrmera aufbrechen, oder?“
Aber schließlich schafft sogar der langsam etwas gelangweilte Tiuri die Buchstaben in der richtigen Reihenfolge auf zu sagen und als er seinen Namen sogar schreiben kann, ist er völlig hingerissen und freut sich wie ein Kind über diese neue Sache die er da gelernt hat. Plötzlich möchte er gar nicht mehr aufhören und das nächste Wort das er zu schreiben lernt ist Borgil und danach Brenainn und Azra.
Als Azra nach Stunden zu ihnen nach oben kommt und erst Tiuri über die Schulter blickt, so dass der ihr gleich begeistert die Worte zeigen kann die er in krakeliger Schrift auf das Pergament gekratzt hat und sich dann an Borgils Schulter lehnt. Sie nuschelt und murmelt etwas davon, dass die Sachen jetzt wohl ein kleines bisschen umgestellt sind, jedenfalls soweit Tiuri sie richtig versteht und Borgil beendet diese Unterrichtsstunde mit einem Seufzen.
Tiuri legt die Feder zur Seite und stellt erstaunt fest, obwohl er doch eigentlich nichts gemacht hat, dass sein Magen knurrt als hätte er seit Tagen nichts mehr gegessen. Überhaupt, er ist müde und angestrengt, dabei hat er sich kaum bewegt. „Macht ganz schön müde, das Schreiben und Lesen…“ stellt er erstaunt fest und fügt dann noch „und hungrig!“ hinzu und begibt sich in die Küche um kurz darauf mit dem Abendessen zurück zu kommen. Auf einem Tablett trägt er eine Kanne Cofea, Becher, Teller, Brot, Wurst und Käse, so dass es für fünf Personen gereicht hätte.

Die darauf folgenden Tage versucht Tiuri seine beiden „Studien“ unter einen Hut zu bringen. Einerseits macht ihm das Kampftraining immer noch am meisten Spaß, andererseits hat ihn der Ehrgeiz gepackt was das Lesen und Schreiben betrifft. Irgendetwas nur halbherzig zu machen liegt nicht in Tiuris Natur und er kann es gar nicht ertragen wenn er etwas einfach nicht kann obwohl er es doch wirklich versucht. Die Buchstaben aufzusagen hat er ja noch schnell gelernt und auch das dazugehörige Symbol kennt er bald, schwieriger ist es jedoch sie in einem Wort zusammenhängend zu lesen. Anfangs müht er sich damit ab die einzelnen Buchstaben zu lesen, ohne dabei zu verstehen was das für ein Wort ist das er vor sich hat und diese Tatsache wurmt ihn ungemein. Mit einer Öllampe bleibt er nachts wach in seinem Bett, den Almanach vor sich aufgeschlagen und so übt er einzelne Worte zu lesen. Erst sucht er sich die kurzen aus und wenn er einige von ihnen geschafft hat, versucht er es mit einem langen, an dem er dann erstmal doch noch scheitert. Ein Hahnenschrei reißt ihn aus seiner Arbeit und aus dem Fenster blickend stellt Tiuri fest, dass der Morgen graut. Aber mit den ersten Strahlen Shenrahs geht Tiuri auch der Knoten auf und er kann die leichten Worte, die er auch kennt, lesen ohne erst darüber nachzudenken, sich die Buchstaben hintereinander vor zu sagen und zu hören was dabei für ein Wort heraus kommt. Glücklich über diese Feststellung, lässt er den Kopf auf die Seiten des Buches sinken und schläft bis irgendjemand so gegen Mittag irritiert an seine Tür klopft um ihn zu suchen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sayila Arachelza am 18. Okt. 2006, 20:04 Uhr
An einem Abend anfang Blätterfall


<-- Die Straßen der Stadt

Die Wärme, die Sayila aus der Goldenen Harfe entgegenschlägt tut gut, und sie nimmt die Kapuze ihres Umhangs ab, bevor sie sich eingehend in der Schankstube umsieht.
Nicht viele Tische sind besetzt, und an den meisten sitzen halb oder völlig betrunkene Männer, die noch dazu recht unangenehm aussehen - nach Sayilas Geschmack zumindest. Sie rümpft kurz die Nase und steuert dann einen noch freien Tisch im hinteren Teil der Schankstube an, direkt neben dem großen Kamin.
Das Prasseln des Feuers verbreitet eine gemütliche Antmosphäre, und einige Augenblicke starrt Sayila nur in die rotgolden züngelnden Flammen, ehe sie bei einem der Schankmädchen, das herbeigeeilt ist, einen Krug Met bestellt.
Noch einmal lässt sie ihren Blick durch den Raum gleiten und mustert die restlichen Gäste abschätzend. Nein, da scheint tatsächlich kein sonderlich angenehmer Zeitgenosse dabei zu sein.
Sie seufzt leise und lehnt sich dann behaglich auf der Holzbank zurück. Mit halb geschlossenen Augen sitzt sie da und wartet auf ihre Bestellung.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von faylin Lionora am 25. Okt. 2006, 20:17 Uhr
Mit einem gedämpften Quietschen öffnet sich die Eingangstür zur Goldenen Harfe. Unter dem Rahmen steht eine alte Frau, auf ihrem Rücken in geduckter Haltung, mit den Pfoten über dem kleinen Köpfchen erhoben, sitzt ein Äffchen. Seine schwarzen runden Augen schweifen durch den Schankraum.
Qualm wabbert im defusen Licht der Beleuchtung. Von den Kleidern tropft das Regenwasser welches die Alte bis auf die Haut durchnässt hat. Mit ihrem Eindringen zieht auch ein eisiger Wind durch die warme Stube. Doch keiner scheint den unangenehmen Luftzug zu spüren. Witze reißend und dröhnend lachend sitzen mehrere Männer jeweils in Gruppen um ihre Tische.

Nimmt jemand Notiz von der Alten mit ihrem weißen langen Haar? Ein weitere Zug lässt die Tür im Rücken der Frau zuschlagen und die Frau zusammen zucken. Mit dem Blick auf den Boden gerichtet  und schwer auf ihren Stock aus Ebenholz gestützt schleppt sich die Alte in den hinteren Teil wo es ruhiger zuzugehen scheint.  Doch kein Tisch ist mehr frei. Um sich schauend sucht die Frau nach einem passenden Sitzplatz und zupft dabei ihr grünes Schultertuch gerade.

Schließlich entschließt sie sich an den Tisch mit der einzigen anderen Frau zu gehen. Der hölzerne Stab gibt leise Geräusche von sich als sie sich gemächlich fortbewegt. Der Saum ihrer Robe, die verschmutzt von Staub und Wiesen  ist, schleift über den Boden. Sie räuspert sich höflich, den Blick immer noch gesenkt und fragt, als sie die Aufmerksamkeit der jungen Frau, mit dem schönen schwarzen Haar, errungen hat: „ Sag an, mein Mädchen ist noch Platz an deinem Tisch für eine müde, weit gereiste Alte?“ Ihre Stimme ist sanft und beruhigend. Eine ihrer schlanken runzeligen Hände legt sich auf den großen Beutel an ihrer Hüfte.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sayila Arachelza am 25. Okt. 2006, 20:35 Uhr
Es ist der mittlerweile fünfte Krug Met, der vor Sayila auf dem Tisch steht. Noch hat sich kein vernünftiges Wesen in der Schankstube blicken lassen, und so ist ihre Laune nicht gerade die beste. Eigentlich ist sie ja hierher gekommen, um endlich wieder unter Leuten zu sein. Aber anscheinend verbringen die meisten Bewohner Talyras diesen Abend lieber in ihrem gemütlichen Heim.

Sayila seufzt und trinkt einen weiteren Schluck Met, dann lehnt sie sich zurück und starrt wieder in die züngelnden Flammen des Kamins. Das Glühen der Scheite erinnert sie an die heimische Esse, und ein versonnenes Lächeln tritt auf ihr Gesicht. Mag sie sich auch damit Tyraels Missfallen eingeholt haben, das war es wert, endlich auf eigenen Füßen zu stehen. Und schließlich, er ist auch nur ein Mann, einer von diesen überflüssigen, nichtsnutzigen Typen, vor deren verschlingenden Augen und grabschenden Händen keine Frau sicher ist...
Sie merkt nicht, dass sie in Wirklichkeit nur versucht, sich Tyrael schlecht zu reden - denn eigentlich hat sie ihn über die Monate hinweg recht lieb gewonnen. Dass er jetzt noch gut auf sie zu sprechen sein könnte, glaubt sie nicht. Wahrscheinlich wird er sie nicht einmal grüßen, sollte sie ihm über den Weg laufen.
"Tja, aber so läuft es eben", murmelt sie trotzig vor sich hin, "er kann doch nicht im Ernst glauben, dass er sich mit seiner Waffenschmiede das Monopol in einer solch großen Stadt auf Dauer sichern kann!"

In diesem Moment schwingt die Tür der Schankstube auf und bringt einen Wirbel kalter Luft und Millionen kleiner Regentropfen mit sich hinein. Sayila sieht nur kurz auf und erkennt die Gestalt einer alten, gebückten Frau mit einem Affen auf der Schulter.
'Ein Affe?', wundert sie sich, 'wie lange mag es her sein, dass ich das letzte Mal einen gesehen habe?'
Und ihr wird schmerzlich bewusst, dass das zu jener Zeit war, als sie noch mit ihren Eltern und den Händlern durch die Immerlande zog - vor all den schrecklichen Ereignissen. Sie beißt die Zähne zusammen und verdrängt die Gedanken rasch aus ihrem Kopf.

Unauffällig beobachtet sie die alte Frau, die sich nun in der Goldenen Harfe unsieht und schließlich langsamen Schrittes in ihre Richtung geht.
Ihre Kleidung ist einfach und recht heruntergekommen, und sie scheint sich an das grüne Schultertuch geradezu zu klammern.
Schließlich steht sie vor Sayila, räuspert sich und sagt mit einer sanften und sympathischen Stimme:
<„Sag an, mein Mädchen ist noch Platz an deinem Tisch für eine müde, weit gereiste Alte?“>
'Weit gereist muss sie tatsächlich sein, wenn dieser Affe ihr Begleiter ist', denkt sich Sayila und weist mit einer einladenden Handbewegung auf die freien Stühle, 'und dass sie müde ist - nun verständlich, wer weiß, wann sie heute aufgebrochen ist.'

Sie trinkt einen weiteren Schluck Met und beobachtet dabei die alte Frau, die sich nun am Tisch niederlässt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von faylin Lionora am 29. Okt. 2006, 13:17 Uhr
Ruhig wartet die alte Frau bis sie den einladenden Handwink bekommt. Sie zittert leicht, doch es ist schwer zu sagen, ob dies vom Alter herrührt oder von den nassen Kleidern die an ihrer Haut kleben. Das Äffchen auf der Schulter schüttelt sich etwas und feine Tropfen fliegen herum. „ Tinka!“, rügt die Alte ihren Affen, der darauf sofort aufhört und sich damit begnügt sich sauber zu lecken.

Ächzend lässt sich die Frau auf der Holzbank nieder, wobei das Äffchen, so scheint es, die junge Tischnachbärin neugierig betrachtet. „Endlich einmal wieder sitzen!“ , meint die Frau erleichtert, stellt ihren Stock in die Ecke der Nische, fährt sich leicht übers Haar um es zu glätten. Vom Regen hatte es sich leicht gewellt. Ein paar Tropfen Regenwasser fallen von ihrem Haar auf ihr Rock. Da plötzlich hebt die Alte den Blick, als würde sie ihrem Gegenüber ins Gesicht sehen wollen. Doch durch diese Augen wird die Frau nichts mehr erkennen können. Das dunkle Braun, welches einmal lebendig, dem Gesicht Ausdruck verliehen hatte, war getrübt von einem Schleier aus Grau.

Die Frau ist blind und trotzdem hat sie so mühelos an den Tischen vorbei in den hinteren Teil der Schankstube gefunden und scheinbar auch erkannt zu wem sie sich an den Tisch setzte. Ja, das war ihr kleines Geheimnis, ein wundervolles Geschenk von einem Menschen, dem sie auf ihrer langen Reise nach Talyra begegnet war. Ein leises Seufzen entringt sich ihrer Kehle als sie an die Vergangenen Jahre denkt. ` Es hat keinen Sinn Trübsal zu blasen. Ich habe es bis hier her geschafft und bald am Ziel meiner Reise…doch, was soll ich dann machen? Soll ich eine Weile hier verbringen. Sehen ob sie für eine Alte wie mich einen Platz zum Arbeiten haben? Denn Geld brauche ich. Nur noch wenig Metall ist in meinem Säckchen. Wenn ich meinen alten Körper nicht umbringen möchte muss ich Geld verdienen um etwas zum Essen zu bekommen. Und neue Kleider! ´
Die weit gereiste Frau klopft sich auf die feuchte Kleidung als wolle sie Staub ausklopfen und zieht sich dann etwas ungelenk das grüne, nasse Tuch von den Schultern. Legt es auseinander, damit es trocknen kann und bettet es neben sich auf die Bank.

`Ja so mache ich es. Ich werde hier bleiben und versuchen Arbeit zu finden!´
Sie grinst fröhlich wie ein kleines Kind die junge Frau ihr gegenüber an, wobei ihre Falten Täler und Spalten in ihre Haut ziehen und ihre Augen zwei Fischen mit gefächerter Schwanzflosse gleichen. „ Sag Mädchen, wie heißt du?“

Die Alte versucht gleich ihren Vorwand umzusetzen und sich daher erst einmal mit einem Ortsansässigen anzufreunden. Grade in diesem Moment läuft jedoch eins der Schankmädchen vorbei und schneller als man es der alten Vettel zugetraut hätte, hat sie die Bedienstet am dürren Ärmchen gepackt. „Moment!“ Das Mädchen sieht verdutzt auf die runzelige Hand, welche ihr Handgelenk leicht umschlossen hält und dann zu der Alten. Sichtlich erleichtert, dass es kein grobschlächtiger Kerl mit finsteren Hintergedanken ist, aber doch leicht verärgert, weil man sie so erschreckt hat fragt sie: „ Was kann ich ihnen bringen Mütterchen?“  

>Mütterchen < Das Wort scheint wie eine Ohrfeige für die Alte. Sie zieht die Hand zurück und setzt sich wieder aufrecht hin. Die Mine leicht verbissen, dann legt sich dieser Zug wieder und sanft antwortet sie: „ Etwas heißes Wasser, wenn das nicht zu viel verlangt ist.“ Die Bedienung schaut leicht verdutzt. Zuckt dann mit den Schultern und meint: „ Wenn sie weiter nichts wollen. Das haben wir sicherlich gerade so noch da.“ Dann kehrte die bedienstete dem Tisch den Rücken. Die Frau, mit dem weißen Haar sah ihr nach, wendet dann jedoch den Blick ab und mustert wieder ihr Gegenüber. „ Wo waren wir stehen geblieben?“ Ein leichtes Lächeln liegt wieder auf ihren Zügen, wobei eine Spur Melancholie das Lächeln trübt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sayila Arachelza am 31. Okt. 2006, 19:25 Uhr
<„Endlich einmal wieder sitzen!“>Die Worte der Alten klingen richtig erleichtert, als sie sich auf die Holzbank sinken lässt. Sayila beobachtet sie einige Augenblicke, wie sie ihre Kleidung ordnet, und trinkt dabei noch einen Schluck von ihrem Met.
Als ihr Gegenüber ihr plötzlich direkt in die Augen sieht, verschluckt sich Sayila beinahe vor Überraschung. Die wohl einst strahlend braunen Augen der Frau blicken wie tot aus dem Gesicht heraus und ein grauer Schleier trübt den Blick der Alten.
'Sie ist blind?', denkt Sayila verblüfft, 'aber... wie bei allen Göttern hat sie es so zielsicher zu diesem Tisch geschafft?'
Sie schließt kurz die Augen und schüttelt leicht den Kopf - es wäre ja immerhin möglich, dass der Alkohol ihren Augen und ihrem Verstand einen Streich gespielt hat. Doch als sie wieder zu der Alten hinübersieht sind die Augen genauso blind wie vorher.
Sayila schaudert leicht. Sie hat viel merkwürdiges in ihrem Leben gesehen, doch noch immer sind ihr solche nicht erklärbaren Dinge nicht ganz geheuer. Sie mag es nicht, wenn sie nicht begreift, was um sie her vor sich geht. Und eine Blinde, die sich zielsicherer bewegen kann als mancher Sehende - das ist eindeutig etwas, das sie nicht begreift.
Das Gesicht der Alten verzieht sich nun zu einem herzlichen Lächeln und verschwindet beinahe unter all den Falten und Fältchen.
<"Sag, Mädchen, wie heißt du?">, wendet sie sich direkt an Sayila.
'Mädchen?', echot diese im Stillen und sofort macht sich so etwas wie Unwillen in ihr breit. Dass diese Frau einige Winter mehr auf dem Buckel hat, ist nicht zu übersehen, aber dennoch gibt ihr das nicht das Recht, sie mit 'Mädchen' anzusprechen - als sei sie eine einfältige Dienstmagd!
Äußerlich jedoch lässt sie sich ihren Unmut nicht anmerken - aber auch wenn sich in ihrem Gesicht eine Regung gezeigt hätte, so wäre das der Alten wohl entgangen, denn sie wendet sich rasch einem vorbeieilenden Schankmädchen zu und bestellt ein wenig heißes Wasser.
'Heißes Wasser!', denkt Sayila verächtlich und verzieht den Mund, 'sie ist zwar alt, aber doch kein Säugling! Es fehlte noch, dass sie nach einer Schale Ziegenmilch verlangte!'
<„Wo waren wir stehen geblieben?“>, wendet sich die Alte nun wieder Sayila zu, und es ist nicht zu leugnen, dass ihr Lächeln nicht mehr ganz so breit ist, wie zuvor.
Sayila lässt sich Zeit, ehe sie antwortet. Mit einem langen Zug lehrt sie den Metkrug und setzt ihn dann vor sich auf dem Tisch ab. Dann blickt sie der Frau prüfend ins Gesicht.
"Sayila", antwortet sie schließlich schlicht, "mein Name ist Sayila."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von faylin Lionora am 02. Nov. 2006, 20:58 Uhr
< "Sayila, mein Name ist Sayila“>, der nüchterne etwas kühle Tonfall der Frau lässt die Alte aufhorchen. Sie legt den Kopf schief. Sofort wechselt sie von du zu einer höflicheren Anrede. „ Habe ich Euch verärgert? Wenn ja, dann tut es mir leid und ich würde mich freuen, wenn Ihr mir verraten, wie ich es das nächste Mal verhindern könnte, eine so kurz angebundene Antwort zu bekommen.“
Die Alte lächelt sanft. „ Mein Name ist Faylin Lionora , aber nennt mich bitte Lionora.“ „ Das ist dem Alter entsprechender“, spricht sie leise zu sich selbst.

Eine kurze Stille entsteht zwischen den beiden. Nur der Lärm der Schenke verhindert ein peinliches Schweigen.  „Sayila“, wiederholt sie langsam, als müsse sie den Namen auf jeden seiner Buchstaben prüfen. „ Wirklich hübsch! Ein schöner Name für eine schöne junge Frau wie ihr es seid.“ Bei dem Wort „jung“ verzieht Lionora leicht das Gesicht. Doch ist es so kurz, dass es keinem auffällt.

Die Alte neigt sich etwas vor und stützt ihren Kopf in eine Hand und deutet, wie ein kleines neugieriges Kind, mit der Anderen auf Sayilas Gesicht. Der Affe tut es ihr gleich und hält sein Kopf mit den weißen Pfötchen fest. „ Woher habt ihr dir Narbe auf eurer Wange?“, fragt sie ruhig und lehnt sich nach einem kurzen Monet wieder zurück, zieht ihren großen Leinenbeutel von ihrer Hüfte und packt ihn auf die hölzerne Tischplatte, die verschiedenste Spuren der Abnutzung aufweist. Hier waren einige tiefe Kratzer, dort eine Abschabung. Hier ein paar schwarze Stellen von glühendem Tabak, der das Holz verkohl hat und dort einige dunkle Kreise von verschüttetem Met oder Bier. „ Wer wohl älter ist von uns beiden?“

Langsam beginnt sie den Knoten des Beutels zu öffnen und scheinbar völlig konzentriert in ihre Arbeit, holt sie nacheinander kleine grob gezimmerte Schatullen, welche nicht größer wie eine Handfläche und nur zwei Fingerbreiten hoch sind, hervor und stellt sie in einer Reihe auf. Auf den Kästchen sind mit dunkler Tinte seltsam anmutende Namen in schnörkeliger Schrift geschrieben. Lionora und ihr Affe sehen kurz auf und begegnen dem Blick Syilas. „ Könnt ihr lesen?“ , fragt Lionora ihre Tischnachberin. Dann zieht sie geschäftig weitere Gegenstände aus ihrem Beutel. Kleinere Säckchen in verschiedenen Farben und Mustern und sogar eine Blechdose. Diese öffnet sie und ein Geruch nach Kräutern und Fett steigt einem in die Nase. Lionora lacht amüsiert über den Ausdruck im Gesicht der jungen Frau. „ Riecht nicht gut, doch wirkt Wunder bei rauen Händen.“ Mit diesen Worten tunkt sie ihre Fingerspitzen in die Halbvolle Dose und verreibt die Salbe auf ihren Händen. Dabei trübt etwas ungewisses ihr Lächeln. „Du bist so alt und runzelig, ein paar raue Hände würden da nicht viel auffallen.“ spottet sie in  Gedanken. Schnell lässt sie die Hände unter den Tisch gleiten. Ihr Rock ist immer noch klamm. „Ich könnte ihn leicht trocknen…“ Verstohlen sieht sie sich um und mustert Sayila. „Nein, lieber nicht. Noch nicht.“

„Ahh, endlich! Mein Wasser!“ Klappernd wird ihr die Tasse vor die Nase gesetzt. „ So, Mütterchen, sonst noch was?“ Lionora übergeht die, in ihren Augen, abwertende Anrede und antwortet: „ Ja, einen Teller Knödel mit Soße und ein gutes Stück Fleisch dazu!“ „So viel Geld habe ich noch, dass ich mir das leisten kann!“

Die Bedienung nimmt die Bestellung an und ohne jegliche Gefühlsäußerung verschwindet sie wieder. Lionora zieht die Tasse zu sich heran. Schreiend springt das Äffchen von ihrer Schulter und setzt sich vor sie auf den Tisch. Nach und nach öffnet Lionora die Schatullen und kleinen Säckchen. Dann legt sie kurz einen Finger an ihre Lippen um zu Überlegen. Doch ein Niesen stört sie. „ Ach du meine Herren! Ich werde doch jetzt nicht krank werden! Gerade jetzt wo ich Arbeit und eine neue Bleibe such!“ Kopfschüttelnd wendet sie sich wieder den Dingen zu, nimmt hier und da verschiedene getrocknete Substanzen heraus und gibt sie in ein großlöchriges Säckchen, das ihr der Affe hinhält. Als sie fertig ist schließt sie wieder alle Kästchen und Säckchen und lässt sie in ihrem beute verschwinden. Währenddessen taucht der Affe das Säckchen ins heiße Wasser. „ Danke, Tinka“, lobt Lionora ihr Äffchen und streichelt ihm über das Köpfchen. „ Möchtet ihr auch Tee, Sayila?“


Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sayila Arachelza am 03. Nov. 2006, 19:15 Uhr
Ihre kurz angebundene Antwort lässt die Frau fast ein wenig zusammenzucken.
<„Habe ich Euch verärgert? Wenn ja, dann tut es mir leid und ich würde mich freuen, wenn Ihr mir verraten, wie ich es das nächste Mal verhindern könnte, eine so kurz angebundene Antwort zu bekommen.“< Sayila ist ein wenig überrumpelt von der offenen Art der Alten. 'Ist sie so naiv, dass sie Fremden direkt so vertraut? Oder warum sonst spricht sie so direkt mit mir, als kenne sie mich schon lange?', grübelt sie vor sich hin.
<„Mein Name ist Faylin Lionora , aber nennt mich bitte Lionora.“>, stellt sich die Alte nun lächelnd vor.

Sayila mustert sie schweigend. Sie ist ihr irgendwie unheimlich, ohne dass sie genau sagen kann, warum.
Eine kleine Unsicherheit liegt in der Stimme von Lionora, als sie Sayilas Namen wiederholt.
<„Sayila. Wirklich hübsch! Ein schöner Name für eine schöne junge Frau wie ihr es sind.“>
Das verwirrt Sayila noch mehr. Sie runzelt die Stirn und mustert die Frau genauer. Sollten ihre Augen ihr einen Streich gespielt haben? Ist es möglich, dass sich unter diesen abgetragenen Kleidern in Wahrheit ein Mann verbirgt?
'Jetzt komm mal wieder auf den Boden der Tatsache zurück!', schmipft sie im Stillen mit sich selbst, 'wahrscheinlich kommt sie einfach aus einer Gegend, wo es andere Bräuchen und Sitten gibt, als du es gewöhnt bist.'
Diese Gegend muss sich dann aber tatsächlich weit weg befinden - schließlich hat Sayila schon beinahe die gesamten Immerlande bereist. Zumindest den Teil, den man ohne Probleme betreten kann.

Sayila wird schlagartig aus ihren Gedanken gerissen, als Lionora sich plötzlich vorneigt, ihr Gesicht mustert, und dann mit neugieriger Stimme fragt:
<"Woher habt Ihr die Narbei auf eurer Wange?">
In Sayilas Ohren beginnt etwas zu klingeln. Dass die Frau blind ist, und die Narbe trotzdem entdeckt hat, stört sie nicht weiter - dieses Phänomen hat sie längst in die Schublade "unerklärbar" geschoben.
Nein, es ist die Frage selbst.
Sie schluckt. Auf einmal scheint ihre Kehle staubtrocken zu sein und ihre Augen beginnen zu brennen.
'Wieso ausgerechnet jetzt?', denkt sie beinahe panisch, 'ausgerechnet heute - ich wollte doch nur mal wieder unter Leute - nicht die ganze Zeit alleine zu Hause sitzen - und dann so etwas!'
Sie beißt die Zähne zusammen. Was soll sie sagen? Sie hat das ungute Gefühl, dass ihre Stimme ihr den Dienst versagen wird, wenn sie jetzt den Mund aufmacht.

Zum Glück scheint Lionora nicht sofort eine Antwort zu erwarten, denn sie lehnt sich in aller Sehlenruhe zurück und beginnt, ihren Leinenbeutel zu öffnen.
Noch immer zittern Sayila Hände leicht, doch sie beruhigt sich langsam wieder, als die Frau nicht weiter nachfragt. Sie mustert die Holzschatullen, die die Alte nun aus dem Beutel kramt und vor sich aufstellt. Mit gerunzelter Stirn versucht sie zu entziffern, was auf den Döschen steht, doch es ergibt keinen Sinn für sie. Die wenigen Buchstaben, aus denen sich ihr Name zusammensetzt, reichen nicht aus, um die Wörter lesen zu können. Hier und dort erkennt sie ein A, hin und wieder ein E, ein paarmal kann sie auch ein R oder ein S sehen, doch sie gibt es rasch auf.
<„Könnt ihr lesen?“>, wendet sich Lionora unvermittelt an Sayila.
"Kaum", lautet ihre knappe Antwort. Sie traut dieser Frau immer noch nicht so ganz, und das wird sich wohl auch so schnell nicht ändern.
Diese kramt nun weitere Dinge aus ihrem Leinenbeutel hervor und öffnet schließlich eine kleine Blechdose. Sayila rümpft leicht die Nase, als ihr der penetrante Geruch von Fett und einigen starken Kräutern in die Nase steigt. Die Alte scheint ihren Gesichtsausdruck bemerkt zu haben, denn sie lächelt und meint: <„Riecht nicht gut, doch wirkt Wunder bei rauen Händen.“> Dann beginnt sie, sich die Pampe auf die Hände zu verteilen.
Sayila muss beinahe amüsiert grinsen - sie kennt diese Geste bisher nur von den Reichen Mitgliedern der Gesellschaft, die stets makellos schön und gepflegt daherkommen. Dass diese alte, verhutzelte Frau sich die Hände mit einer Salbe pflegt, wirkt auf sie äußerst grotesk.

In diesem Moment bringt das eine Schankmädchen das heiße Wasser für Lionora und diese bestellt sich noch etwas zu essen.
Neugierig beobachtet Sayila, wie die Alte nun verschiedene getrocknete Pflanzen oder Ähnliches in ein Säckchen mit Löchern füllt. Noch erstaunter ist sie, als der Affe das Säckchen daraufhin in das heiße Wasser taucht.
<„Möchtet ihr auch Tee, Sayila?“>, wendet sich Lionora nun an Sayila.
'So macht sie Tee?', denkt diese verblüfft, 'das habe ich ja noch nie gesehen!'
Sie lächelt höflich und meint dann:
"Nein, vielen Dank."
Dann lehnt sie sich zurück und mustert die Alte erneut. Sie grübelt. Woher mag sie wohl kommen? Von weit her, soviel ist klar. Und aus keinem Gebiet der Immerlande, das Sayila schon bereist hat. Fragen will sie nicht; damit würde sie der Alten das Recht geben, von ihr das selbe erfahren zu wollen. Und sie will sich schließlich an ihre Prinzipien halten. Deshalb schweigt sie weiterhin und beobachtet die Frau und ihr seltsames Äffchen aufmerksam.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von faylin Lionora am 06. Nov. 2006, 20:12 Uhr
Lionora bemerkt schnell, dass die Fremde eher schweigsam ist. Nicht so wie die Alte selbst. Sie mag die unangenehme Stille zwischen den beiden Frauen nicht. Sie ist nicht aufgelegt für Ernsthaftigkeit. Der Ernst spielt in ihrem Leben eine zu große Rolle. Ein Schatten der sie auf Schritt und Tritt verfolgt. Nicht abzuschutteln aber zu ignorieren. Würde er sich nur einmal ihrer Gefühle bemächtigen, kein Lächeln würde mehr über ihre Lippen gleiten.

Auch das Kompliment, was nicht nur so dahergesagt ist ,scheint nicht den erwünschten Effekt zu haben die Distanz zwischen den beiden Frauen zu überbrücken. Der Versuch der Nachbarin ein paar freudige Worte oder vielleicht sogar ein Lächeln zu entlocken scheitert. Stattdessen erntet Lionora einen abschätzenden misstrauischen Blick. „ Sie kann mich nicht leiden.“, denkt sie leicht betrübt.

Ihre Frage über die Herkunft der Narbe bleibt unbeantwortet. „ Herrje, da habe ich wohl wieder genau ins Schwarze getroffen. Was muss ich auch immer so neugierig und direkt sein! … Mist! Ich verderbe mir alles mit ihr durch meine offene Art. Welch ein Unglück!“ Um Sayila einen Augenblick zu geben um sich wieder fangen zu können, tut Lionora so als hätte sie die Frage nie gestellt und widmet sich ihren Kräutern.

< „ Kaum“ >, hört Lionora Sayila auf ihre Frage nach deren Lesekunst antworten. „ Ihr solltet es lernen“, wirft Lionora lieb ein. „Ist nur ein gut gemeinter Rat.“, meinte sie dann wieder abschwächend, während sie mit der Zubereitung ihres Tees beschäftigt ist.

< "Nein vielen Dank!“ > „ Klar, dass das junge Ding kein Tee möchte!“ Und doch dieser Gewissheit bietet Lionora nochmals an : "Ein wohlschmeckender Tee, der Euch stark macht gegen die Krankheiten, die solch ein fürchterliches Regenwetter mit sich bringt. Du bist doch sicherlich Wärmeres gewöhnt, wo Ihr doch scheinbar aus dem Süden kommt“, sagte Lionora mit einem Blick auf Sayilas braune Haut. „ Möchtet Ihr nicht einmal probieren? Ich mische auch kein Gift hinein!“ Belustigt heben sich die Augenbrauen der Alten und die Mundwinkel wandern steil nach oben. Aufmunternd nickt sie Sayila zu. Dann nimmt sie das Säckchen, welches immer noch in ihrem Tee hängt und gehalten wird von ihrem Äffchen, dem Tier ab und tunkt es immer wieder in das dampfende Wasser während Tinka ihren Arm hinauf auf ihre Schulter kraxelt, sich es dort bequem macht. Das Tier fasst Sayila in seine dunklen, fast schwarzen kugelrunden Äuglein  und urplötzlich streckt es Sayila die Zunge hinaus. Einen leisen Schrei danach ausstoßend hüpft er erfreut auf Lionoras Schulter herum. Diese hatte davon nichts gesehen und weißt das Äffchen mit einem dohenden „Tinka“ nun zuerecht, weil er ihr zu wild auf der Schulter herumhüpft. Sofort sitzt das Tier wieder still. Mit einem scheinbar frechen Grinsen im Gesicht. „ Ach, herrje! Wie lange dauert denn das bis der Tee kalt ist!“, stöhnt sich auf und pustet leicht. „ Mit meiner Magie ginge es schneller“ ,denkt sie missmutig. Doch die fremde Umgebung hält sie davon ab, diese zu gebrauchen.

Endlich kommt das Essen und heißhungrig macht sich die Alte darüber her. So etwas, für ihre Maßstäbe, vortreffliches hat sie schon lange nicht mehr gegessen. „ Lecker!“, mampft sie mit vollem Mund wie ein ungezogener Bauersbengel wobei sie bis über beide Ohren strahlt und eine merkwürdige Jugend von ihr ausgeht.
Sie isst den Teller bis auf den letzten Bissen leer, wischt sich kurz mit der Hand über den mund und satt lehnt sie sich wieder an die Rückenlehne. Während sie sich zurücklehnt nimmt sie die Tasse Tee auf und nippt vorsichtig daran. Dabei sieht Lionora Sayila scheinbar direkt an und fragt diese nun frei heraus: „ Habt ihr vielleicht eine Ahnung, wo ich in dieser Stadt Arbeit finden könnte? Wohin müsste ich mich da wenden? Und gibt es hier eine günstige Unterkunft? Wenn ja wo? Und einen Friedhof?“ fällt ihr noch ein. Hoffend schaut sie über den Tassenrand hinweg Sayila an.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sayila Arachelza am 06. Nov. 2006, 20:48 Uhr
Dass die Alte ihr rät, lesen zu lerne, übergeht Sayila einfach. Sie hat es bisher nicht gebraucht, und wird es auch in Zukunft nicht brauchen. Selbst wenn ein Kunde einen Schriftzug in ein Schwert graviert haben möchte - schließlich ist das nichts anderes, als ein Bild abzumalen. Sie muss ja nicht wissen, was dort steht.

Lionora versucht, sie doch noch für ihren Tee begeistern zu können, aber Sayila ist beinahe wild entschlossen, ihrer Tischnachbarin zu demonstrieren, dass sie kein Weichling ist, und so lehnt sie erneut höflich ab und bestellt sich stattdessen bei der Schankmagd einen weiteren Krug Met.
"Ich komme nicht aus dem Süden", erwidert sie schlicht auf die Bemerkung der Frau. 'Oder etwa doch?', denkt sie, 'möglich wäre es, dass zumindest Vater von dort war - ursprünglich. Seiner Hautfarbe nach zu urteilen.'

Sayila behält diesen frechen Affen genau im Auge, wie er auf dem Tisch und seinem Frauchen herumhüpft. Und als er ihr die Zunge herausstreckt, muss sie sich ein Grinsen verkneifen. Das Äffchen gefällt ihr irgendwie.

Zusammen mit Lionoras Essen kommt auch Sayilas Met, und so beobachtet sie die Alte Frau über den Rand ihres Tonkruges hinweg. Sie scheint eine solche Freude am Essen zu haben, dass es Sayila beinahe unheimlich ist. 'Wie lange muss sie nichts anständiges mehr gegessen haben, dass sie so begeistert davon ist?', denkt sie bei sich.

Als die Alte mit dem Essen fertig ist, hat auch Sayila ihren Metkrug schon wieder halb geleert, und ihr ist wohlig warm zumute.
<„Habt ihr vielleicht eine Ahnung, wo ich in dieser Stadt Arbeit finden könnte? Wohin müsste ich mich da wenden? Und gibt es hier eine günstige Unterkunft? Wenn ja wo? Und einen Friedhof?“>, wendet sich Lionora nun fragend an Sayila. Diese überlegt kurz.
"Arbeit - nun, ich denke, der beste Anhaltspunkt wäre die Anschlagtafel hier auf dem Marktplatz, dort hängen auch immer wieder Anzeigen, wenn Arbeitskräfte benötigt werden. Und was die Unterkunft betrifft, da seid Ihr hier in der Goldenen Harfe schon richtig. Eigentlich sind hier immer noch einige Fremdenzimmer frei", sie trinkt noch einen Schluck Met, bevor sie auf die letzte Frage antwortet, "einen Friedhof gibt es hier auch. Der Sithechhain, im Süden der Stadt. Man kann ihn kaum verfehlen, haltet Euch einfach in Richtung der Nyzemia - das ist der Platz der Händler vor den südlichen Stadtmauern - und wenn ihr linkerhand eine Schneiderei seht, so biegt dort nach links in die Straße ein. Sie führt Euch dann direkt zum Sithechhain."
Diese ungewöhnlich lange Redeschwall ist definitiv auf die Menge an Alkohol zurückzuführen, die Sayila an diesem Abend bereits zu sich genommen hat. Ihr selbst ist es natürlich wieder nicht bewusst, doch der Met hat ihre Zunge doch etwas gelöst. Und so fragt sie - nach einem weitern Schluck des delikaten Honigweins:
"Wo kommt Ihr her? Affen gibt es hier in diesen Gegenden nicht, soweit ich weiß. Ich habe nur selten in meinem Leben welche gesehen - und das war nicht hier."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von faylin Lionora am 07. Nov. 2006, 17:05 Uhr
< "Ich komme nicht aus dem Süden", > diese schnippisch dahin geworfene Antwort lässt die Alte die Stirn runzeln. `Und woher dann die dunkle Hautfarbe? Allein von der Sonne kommt die sicherlich nicht! Aber vielleicht waren ja nur ihre Eltern oder ein Elternteil aus dem Süden und sie wurde hier in dieser Gegend geboren. Wer weiß. Sagen will sie es mir scheinbar nicht! ` Damit gibt sie sich zufrieden.

Die kurze Veränderung in Sayilas Miene, als der Affe sein wildes Tänzchen auf ihrer Schulter vollführt erleichtert Lionora etwas. `Sie ist wohl doch ein Mensch, der Gefühle hat!` stellt sie fest. Doch um Sayila nicht gegen sich aufzubringen überging sie dieses kurze Zucken in der Miene der anderen.

Ein Stein fällt Lionora vom Herzen als Sayila auf ihre Frage nach einer Arbeit antwortet. Eine Antwort die die Alte überrascht weil sie so lang ist. `Ein Mensch, der Gefühle hat und noch dazu auch länger wie zwei Sätze sprechen kann! Langsam wird sie mir sympathischer! `

<"Arbeit - nun, ich denke, der beste Anhaltspunkt wäre die Anschlagtafel hier auf dem Marktplatz, dort hängen auch immer wieder Anzeigen, wenn Arbeitskräfte benötigt werden. Und was die Unterkunft betrifft, da seid Ihr hier in der Goldenen Harfe schon richtig. Eigentlich sind hier immer noch einige Fremdenzimmer frei. Einen Friedhof gibt es hier auch. Der Sithechhain, im Süden der Stadt. Man kann ihn kaum verfehlen, haltet Euch einfach in Richtung der Nyzemia - das ist der Platz der Händler vor den südlichen Stadtmauern - und wenn ihr linkerhand eine Schneiderei seht, so biegt dort nach links in die Straße ein. Sie führt Euch dann direkt zum Sithechhain." >Aufmerksam hört Lionora zu. Doch dann hat sie noch ein paar Fragen. Dann lehnt sie sich über den Tisch zu Sayila damit nicht jeder hören konnte was sie nun sagt. Es war ihr doch etwas peinlich. „ Die Goldene Harfe scheint mir ein gemütliches Gasthaus. Aber… ich suche eigentlich noch etwas billigeres. Mein Beutelchen in dem die Münzen klimpern sollten ist nämlich schon fast leer. Und wer weiß wie lange ich auf Arbeit warten muss. Allzu lange darf es nicht dauern.“, seufzt sie und lehnt sich wieder zurück. „ Nun habt ihr eine andere Idee?“
Auf den Friedhof ging sie nicht näher ein. Sie prägt sich nur die Wegbeschreibung ein und schwört sich so bald wie möglich ihn zu besuchen.

Fast erschrocken reagiert die Alte auf die plötzlich gestellte direkte Frage. Doch fängt sie sich schnell und ein Lächeln huscht über ihr Gesicht. Stolz ohne Beklemmungen antwortet sie. „ Das Äffchen ist ein Geschenk. Ich erhielt es während ich durch die Wälder der Ostlande hierher lief.“ Sie schweigt kurz bei der Erinnerung an den jungen netten Mann mit dieser liebevollen Geste und eine Träne schimmert in ihren Augenwinkeln. Schnell neigt sie den Kopf und versucht unauffällig die Träne wegzuwischen. Das Äffchen scheint den Kummer seiner Halterin zu spüren und schmiegt sich ganz fest an ihren Hals. Legt sogar die Pfoten darum. Eine allzu menschliche Geste die verwirrend wirkt.

Schnell hat sich Lionora wieder gefangen und während sie einen Schluck ihres Tees trinkt meint sie etwas neckisch: „ Findet Ihr es nicht unhöflich eine alte Frau auszufragen aber selbst nichts von sich preiszugeben?“ Lionora weiß, dass sie sich mit dieser Frage auf einen See mit allzu dünnem Eis darauf gewagt hat. Doch sie kann es nicht lassen. Hat ihre Zunge nicht unter Kontrolle.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sayila Arachelza am 12. Nov. 2006, 22:27 Uhr
<„Die Goldene Harfe scheint mir ein gemütliches Gasthaus. Aber… ich suche eigentlich noch etwas billigeres. Mein Beutelchen in dem die Münzen klimpern sollten ist nämlich schon fast leer. Und wer weiß wie lange ich auf Arbeit warten muss. Allzu lange darf es nicht dauern. Nun habt ihr eine andere Idee?“>
Sayila runzelt kurz die Stirn.
"Nun ja, es gibt noch ein paar andere Gasthäuser hier in Talyra. Der Kupferkessel ist gleich hier am Marktplatz, richtung Verder Tor im Westen der Stadt ist der Pfirsisch - das würde ich Euch allerdings nicht empfehlen, nach allem was ich gehört habe, geht es dort eher wie in einem Bordell zu", meint Sayila abfällig, "und soweit ich weiß gibt es am Hafen unten noch ein Gasthaus, doch näheres ist mir darüber nicht bekannt. Ich bezweifle allerdings, dass die Unterkunft in den anderen Gasthäusern billiger ist als hier. In Talyra bekommt man nichts geschenkt, wisst Ihr."
Sie trinkt einen tiefen Schluck ihres Mets und lauscht der Erklärung Lionoras, woher sie den Affen hat.
<„Findet Ihr es nicht unhöflich eine alte Frau auszufragen aber selbst nichts von sich preiszugeben?“>
Die Frage kommt so plötzlich, dass Sayila die Frau erst einmal verdutzt ansieht. Dann runzelt sie leicht die Stirn und schürzt die Lippen.
'Denk an deine Prinzipien!', sagt sie sich selbst warnend, 'du kennst sie keine Stunde und schon will sie dich aushorchen!'
Doch ein anderer Teil in ihr meldet sich voller Protest zu Wort, der Teil, der während der letzten Monate in Talyra immer stärker geworden ist:
'Sie ist eine Frau und kein Mann! Außerdem wirkt sie nett und hat auch über sich selbst etwas verraten. Es wirkt wirklich unhöflich, einer alten Frau so gegenüberzutreten.'
Sayila trinkt einen weiteren Schluck Met, um sich Bedenkzeit herauszuschinden. Sie ist hin und her gerissen.
Schließlich stellt sie den Krug ab und blickt der Blinden in die Augen.
"Nun, was wollt Ihr denn wissen?", fragt sie schlicht.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von faylin Lionora am 13. Nov. 2006, 20:28 Uhr
< „ In Talyra bekommt man nichts geschenkt, wisst Ihr.“ > Mit einem tiefen Seufzer erwidert Lionora: „ Ach, ja ich weiß… dann werde ich mich wohl hier einquartieren.“ Sie sieht sich in dem verrauchten Schankraum um und  hebt die Hand und krault zärtlich den kleinen Affen der genüsslich den Kopf in den Nacken legt. `Auf jeden fall werde ich dann heute Abend wohlig warm schlafen. Hundert mal besser wie die vorherigen Tavernen wird diese sicherlich sein!`

< „ Nun, was wollt Ihr denn wissen?“> Der schlichte, fast gelangweilte, ergebene Tonfall lässt die Schultern der Alten kurz hoch zucken. „ Zwingen will ich dich nicht.“ Sie lächelt wieder ihr leises sanftes Lächeln. „ Aber eine Frage hätte ich schon…“. Die zuvor gestellte Frage nach der Herkunft der narbe brennt noch auf ihren Lippen, doch sie schluckt sie wohlweislich hinunter und begibt sich auf einen hoffentlich weniger verletzlichen Weg: „ Was arbeitet Ihr in dieser Stadt? Ihr seht mir nicht wie eins der Mädchen aus, das für den Ehemann die Kinder hütet und kocht oder als Dienstmagd im Staub herumkriecht.“
Gespannt wartet sie auf die Antwort. ´So verschlossen wie sie ist, hat sie wohl keine gute Erfahrung mit Fremden gemacht´, denkt Lionora nur kurz für sich und ihr Gesicht neigt sich zu dem Affen hoch der immer unruhiger wurde.

" Tinka. Was ist denn nur mit dir los!? Sonst machst du mir doch auch nicht solchen Ärger!" Der erzürnte Tonfall scheint den Affen beleidigt zu haben, denn er hüpft von der Schulter herunter in ihren Schoß und klettert dann an ihrem Rock weiter hinunter unter den Tisch " Tinka, bleib da!" Die Alte bückt sich, doch anstatt das Äffchen gepackt zu bekommen stößt sie sich den Kopf an der Tischkante an. Mit einem leisen Fluch richtet sie sich wieder mit schmerzverzerrtem Gesicht auf und streicht sich eine weiße Strähne aus dem geröteten Gesicht und hält sich dann den Kopf. " Blödes Vieh!", ruft sie und wirft die Arme in die Luft. Der Affe kam unter dem Tisch hervor geschossen und rennt zwischen den Tische hindurch und verschwindet.  Die Alte versucht Aufzustehen, doch ihr fehlt ihr Stock sie muss sich zu sehr an der Tischkante festhalten um grade zu stehen und kommt keinen Schritt vorran. " Mein Stock", murmelt sie und hilflos tastet sie über die Bank um den Stock zu finden. " Wo ist er denn? Wo?", die Alte klingt völlig verzweifelt, als habe sie erst eben ihr Tageslicht verloren und etwas schimmert in ihren grauen Augen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sayila Arachelza am 14. Nov. 2006, 11:58 Uhr
<„Was arbeitet Ihr in dieser Stadt? Ihr seht mir nicht wie eins der Mädchen aus, das für den Ehemann die Kinder hütet und kocht oder als Dienstmagd im Staub herumkriecht.“>
Bei dieser Aussage der Alten huscht ein kleines zufriedenes Lächeln über Sayilas Gesicht. Nein, wahrhaftig, da hat Lionora Recht. Zu dieser Sorte gehört sie ganz gewiss nicht.
"Ich bin Schmiedin", erwidert sie und trinkt einen weiteren Schluck Met, "Waffenschmiedin. Ich habe vor kurzem meine Meisterprüfung absolviert und eine eigene Waffenschmiede eröffnet."
Der Stolz in ihren Worten ist nur allzu deutlich zu hören, und man könntet meinen, sie hätte den Streit mit Tyrael schon wieder vergessen, so zufrieden wie sie in diesem Moment aussieht.
Bevor allerdings die Alte dazu kommt, auf Sayilas Erklärung zu reagieren, hat sich das kleine Äffchen schon unter lautem Gekreische davongemacht und die Frau wirkt mit einem Mal völlig hilflos.
'Sie ist ja blind!', ruft sich Sayila in Erinnerung. Diese Tatsache hat sie wirklich schon beinahe wieder vergessen.
Rasch steht sie auf - erstaunlich sicher für die Menge Alkohol die sie an diesem Abend schon auf nüchternen Magen getrunken hat - und drückt der Frau ihren Stock in die Hand, nachdem sie so hilflos getastet hat. Dann sieht Sayila sich stirnrunzelnd um und sucht den diffusen Raum nach einem Hinweis nach dem frechen Äffchen ab.
"Weit kann er nicht sein", meint sie sachlich, "wir fangen Euer Tier schon wieder ein, keine Sorge."
Sie tritt hinter dem Tisch heraus und geht mit raschen Schritten auf den Teil des Raumes zu, wo sie das Äffchen zuletzt gesehen hat.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von faylin Lionora am 14. Nov. 2006, 18:12 Uhr
<"Ich bin Schmiedin, Waffenschmiedin. Ich habe vor kurzem meine Meisterprüfung absolviert und eine eigene Waffenschmiede eröffnet." > der Stolz ist so deutlich vernehmbar, das Lionora grinsen muss. Doch sie staunt nicht schlecht über Sayilas Beruf. „ Die Schmiede würde ich gerne einmal sehen!“, meint sie ehrlich. Und etwas freut sie sich auch, dass sie scheinbar die richtige Richtung gewählt hat.´ Sie scheint etwas aufzutauen.`

Doch bevor das Gespräch weiter gesetzt werden kann verschwindet auf einmal der Affe.

Die Verzweiflung schnurrt Lionora den Hals ab. `Wo ist nur der Stab!` Plötzlich das kühle blanke Holz in der Hand haltend beruhigt sie sich etwas : „ Danke“ flüstert sie in die Richtung aus der Sayilas Stimme gekommen war. Die Bilder die durch ihren Kopf schossen verwirren sie. Helfen ihr aber auch den Standort ihres Äffchen zu sehen.

„ Das kleine freche Ding sitzt unter einem der Tische, an denen vier Männer sitzen. Drei davon haben helle Hosen und einer eine dunkle. Seht ihr sie?“ fragt sie an Sayila gewandt und mit ein paar tastenden unbeholfenen Bewegungen mit dem Stock um die Umgebung des Bodens abzufühlen  bewegt sie sich in die Richtung aus der der meiste Lärm kommt. Der Stab in ihrer Hand gleitet vibrierend über den Holzboden. Sie fühlt jede Rille und jede Unebenheit. Plötzlich stößt ihr Stock an etwas Weiches. „ Hee! „, ertönt da die erboste Stimme eines Mannes und erschrocken stolpert die Alte zurück. Die Tränen der Verzweiflung die bisher nur in ihren Augen geschimmert haben, fließen nun über ihre runzligen Wangen. „ Pass doch auf altes Weib!“, ärgerte der Mann sich weiter und reibt mit der Sohle des einen Schuhs über den Fuß der von dem Stock getroffen worden war. „ So fest war es nun auch wieder nicht, ihr Weichei!“, schrie Lionora wobei ihre Stimme unter Schluchzern erzittert. Sie setzt sich plötzlich auf den Boden wie ein quängelndes Kind und schluchzt: „Ich will nicht mehr!“ „Ich will nicht mehr!“, ihre Stimme wird immer leiser. Die Umstehenden sehen verwirrt auf das Häufchen Elend.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sayila Arachelza am 14. Nov. 2006, 21:02 Uhr
<„Das kleine freche Ding sitzt unter einem der Tische, an denen vier Männer sitzen. Drei davon haben helle Hosen und einer eine dunkle. Seht ihr sie?“>
Sayila sieht sich verdutzt nach der alten Frau um. Sie begreift nicht, woher die Frau das weiß, und wenn sie es weiß, warum sie dann trotzdem nicht weiß, wo sich das Tier befindet, und überhaupt ist es ihr sehr unheimlich was Lionora da gerade von sich gegeben hat.
Bevor sie allerdings dazu kommt, irgendwie auf die seltsamen Worte zu reagieren, ergreift Lionora schon die Innitiative und steuert, sich mit dem Stock vorantastend, auf einen Tisch zu, an dem einige Männer sitzen. Allerdings kann es sich hierbei nicht um den Tisch handeln, den Lionora soeben beschrieben hat, denn es sind fünf Männer, die hier sitzen, und das verwirrt Sayila noch mehr.
'Weiß sie jetzt, wo das Äffchen ist, oder nicht?', grübelt sie vor sich hin, als plötzlich einer der Männer am Tisch laut aufschreit und Lionora wütend anfährt. Offenbar hat sie mit ihrem Stab aus Versehen seinen Fuß erwischt, denn er verzieht das Gesicht. Sayilas Augen verengen sich zu Schlitzen, als der Rüpel die alte Frau so beschimpft und sie merklich zusammenzuckt.
Mit wenigen Schritten ist sie bei ihr, doch Lionora weiß sich ihrer selbst durchaus zu verteidigen und schreit den Mann mit vor Wut und Verzweiflung zitternder Stimme an. Sofort darauf sinkt sie allerdings in sich zusammen und bleibt schluchzend auf dem Boden sitzen.
"Verfluchter Rüpel!", fährt Sayila den Mann mit blitzenden Augen an, "sturzbetrunken in der Kneipe rumhängen und alte Frauen so beleidigen, das könnt ihr, ihr Nichtsnutze! Statt euren faulen Hintern hochzukriegen und ihr zu helfen macht ihr sie lieber noch fertiger, als sie ohnehin schon ist!"
Und sie spuckt dem Mann verächtlich vor die Füße. Dabei lässt sie wie zufällig ihren Umhang ein wenig zur Seite gleiten, sodass der Kerl die beiden Schwerter an ihrem Gürtel auf keinen Fall übersehen kann.
Dann beugt sie sich zu Lionora herunter und streicht ihr behutsam über das Haar.
"Kommt, steht auf, es ist ja nichts weiter passiert", sagt sie sachte und stützt die alte Frau. Dabei sieht sie sich um und entdeckt schließlich den Tisch mit den vier Männern, auf die Lionoras Beschreibung von eben gepasst hat. Die vier haben die Situation offenbar beobachtet, denn sie starren mit halb geöffneten Mündern zu ihnen hinüber.
"Ich glaube, ich weiß, wo Euer Äffchen sich befindet", sagt Sayila mit ruhiger Stimme zu Lionora, "kommt."
Und sie führt die Blinde zu dem Tisch hinüber.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von faylin Lionora am 15. Nov. 2006, 15:08 Uhr
Den Kopf  in den Händen vergraben hadert Lionora mit ihrem Schicksal. ` Wieso kann nicht wieder alles so sein wie früher. Ich hasse diesen alten gebrechlichen Körper! Und nun ist auch noch Tinka abgehauen. Ohne ihn bin ich völlig hilflos. Eine alte, blinde hässliche Frau die es nicht mehr verdient das Leben für sich zu beanspruchen! Tinka bitte komm zurück!`

Doch die Bilder in ihrem Kopf haben sich nicht verändert. Immer noch sieht sie verschwommen die Hosenbeine der Männer. Sie fühlt die Blicke der Umstehenden und versucht sich in ihrer selbst geschaffenen Dunkelheit zu verkriechen.

Da vernimmt sie plötzlich Sayilas Stimme.  
< "Verfluchter Rüpel!", fährt Sayila den Mann mit blitzenden Augen an, "sturzbetrunken in der Kneipe rumhängen und alte Frauen so beleidigen, das könnt ihr, ihr Nichtsnutze! Statt euren faulen Hintern hochzukriegen und ihr zu helfen macht ihr sie lieber noch fertiger, als sie ohnehin schon ist!" >  

Ihr wird warm ums Herz während sie ihren Worten lauscht. `Sie nimmt mich ja ganz schön in Schutz. Sie ist netter als sie tut`
Von dem imponierenden zur Schau stellen ihrer Schwerter bekommt Lionora jedoch nichts mit. Nur die sanfte Berührung, das zärtliche Streicheln über ihre Haare wird sie gewahr und verdutzt hebt sie den Kopf. Die blinden Augen gerötet vom Weinen.

<"Kommt, steht auf, es ist ja nichts weiter passiert" > , die aufmunternden Worte und die freundliche Geste lassen Lionora nach der dargereichten Hand greifen und sich auf die Beine helfen. Dabei hebt sie den Stab, der ihr polternd auf den Boden gefallen war, wieder auf und steht nun etwas zittrig und aufgelöst in dem Schankraum, gestützt von der jungen Waffenschmiedin. „ Danke!“ , murmelt Lionora und sieht mit einem dankbaren Lächeln zu der großen Frau auf.

Der Mann der die Alte so angefahren hatte sitzt nun ganz still da und schaut betreten zu der Blinden. „ Tut mir ja leid…“, nuschelt er in seinen Bart und wendet sich dann wieder seinem Bier zu.

<"Ich glaube, ich weiß, wo Euer Äffchen sich befindet“>
meint da Sayila und zögerlich lässt sich Lionora durch den Raum führen. Immer wieder verlangsamt sie das Tempo, weil sie Angst hat gegen etwas zu stoßen. Den Stock hat sie an sich gedrückt, damit er ja keinen mehr berühren kann.
Und dann bleiben sie auch schon wieder stehen. Starker Tabak- und Schweißgeruch steigen in ihrer Nase auf und sie hört das ängstliche Räuspern von einem der Männer.

`Wie klarer man doch hört und wie viel mehr man mit der Nase wahrnimmt wenn einem der Blick durch die Augen fehlt.` wird Lionora bewusst.
Abrupt verändert sich das Bild in ihrem Kopf. Plötzliche Helligkeit und dann erkennt sie sich selbst, eine ungewaschene runzlige Frau mit langen weißem Haar und neben sich sieht sie eine kräftige, schlanke Frau mit schwarzen, in einen Zopf gebundenen, Haare; Sayila.

Zögerlich hat sich das Äffchen unter dem Tisch hervorgetraut. Die vier Männer sehen mit riesigen Augen auf das kleine Wesen das unter ihrem Tisch hervorgekommen ist. Einer springt sogar entsetzt auf und ein Schrei wie der aus einer weiblichen Kehle hallt durch den Raum. „ Was ist das?!“ will ein anderer wissen. Doch Lionora kümmert sich nicht um diese. Beugt sich nur ächzend hinunter und lockt das Tierchen zu sich. „ Komm Tinka…“, mit den Fingern spielt sie in der Luft. Mit herabhängendem Köpfchen scheinbar seiner Schuld bewusst hüpft Tinka auf ihren dargereichten Arm und klettert auf seinen Stammplatz. Vorsichtig richtet sich die Alte wieder auf. Den Kopf hoch erhoben. „ Welch Durcheinander!“, meint sie leise. Wirkt jetzt wo sie ihr Tier wieder hat viel ruhiger.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sayila Arachelza am 16. Nov. 2006, 19:17 Uhr
Lionora scheint noch immer etwas neben der Spur zu sein, denn sie klammert sich an ihren Stock, den sie feste an sich gepresst hat, und lässt sich widerstandslos von Sayila zu dem Tisch mit den vier Männern führen.

Kaum sind sie vor dem Tisch zum stehen gekommen, als auch schon das kleine Äffchen zögernd zwischen den Beinen der Männer hervorkriecht und offenbar schuldbewusst auf Lionoras Lockungen hin zu der alten Frau hinüberhuscht.
Die Männer am Tisch scheinen zu Tode erschrocken beim Anblick des exotischen Tieres. Sayila mustert sie spöttisch, verkneift sich jedoch eine bissige Bemerkung. Stattdessen vergewissert sie sich mit einem prüfenden Blick, dass mit Lionora wieder alles in Ordung ist.
"Das hätten wir", meint sie zufrieden und fügt mit einem leichten Grinsen hinzu, "Ihr solltet besser auf den frechen Kerl aufpassen."
Dann geht sie rasch wieder zurück zu ihrem Tisch, gerade aufgerichtet, und versucht so wenig wie möglich zu schwanken. Es gelingt ihr auch einigermaßen, aber sie beschließt, den Metkrug nun vorerst nicht mehr anzurühren.
Mit einem Seufzter lässt sie sich auf der Bank nieder und schaut Lionora entgegen, die ihr etwas langsamer gefolgt ist. Die Blicke der Männer im Raum, die noch immer auf ihr und der Alten ruhen, ignoriert sie vollkommen. Sollen sie doch glotzen, diese blöden Esel, wahrscheinlich tut es ihnen ganz gut, aus ihrem alkoholisierten Dämmerschlaf ein wenig aufgerüttelt worden zu sein.

Das eine der Schankmädchen hat die Szenerie offenbar mitbekommen und eilt nun rasch herbei.
"Ist alles in Ordnung?", fragt sie besorgt an Lionora und Sayila gewandt, "die Kerle haben Euch doch nichts getan, oder?"
"Soweit würde es niemals kommen, keine Sorge", gibt Sayila kühl zurück. Auch das Schankmädchen muss wohl die Flucht des Äffchens und Lionoras Hilflosigkeit mitbekommen haben, und dass sie der Alten trotzdem nicht zur Hilfe gekommen ist, lässt sie in Sayilas Wertung nicht gerade steigen.
'Es ist doch immer und überall das selbe', denkt sie bitter, 'niemand kümmert sich um die Probleme und Schwierigkeiten der anderen. Mir hat damals auch niemand geholfen.'
Sie schluckt den dicken Kloß im Hals herunter und wendet sich dann wieder Lionora zu.
"Ist Euch oder dem Äffchen etwas geschehen?", fragt sie freundlich und schiebt den Metkrug unauffällig ein wenig weiter von sich weg.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von faylin Lionora am 19. Nov. 2006, 13:56 Uhr

Tinka kuschelt sich an seine Herrin und reibt sein Kopf an ihrer Wange. Erleichtert das Tinka wieder da ist lacht Lionora befreit und schenkt dem Tierchen sogar einen Luftkuss. Dann hebt sie jedoch mahnend den Zeigefinger und schimpft: „ Das du das ja nicht noch mal machst!“  Nun wendet sie sich wieder Sayila zu die sie prüfend mustert. „ Es ist alles wieder in Ordnung. Danke für Ihre Hilfe!“

<"Ihr solltet besser auf den frechen Kerl aufpassen." >
meint Sayila grinsend und Lionora erwidert das Lächeln herzlich. „ Das werde ich wohl! Aber wirklich kontrollieren kann ich Tinka eben nicht. Er hat schon seinen eigenen Kopf. Wobei so etwas noch nie passiert ist.“ , erwidert sie.

Aus dem Augenwinkel heraus sieht sie das Tier genauer an. `Was war mit ihm los? Hat er Gefahr gewittert? Könnte es sein das….ach nein…Tinka kennt ihn ja noch nicht einmal. Wie sollte er ihn dann riechen können und mich warnen wollen. Aber wieso hat er es dann gemacht. Habe ich ihn so sehr beleidigt? Oder ist es noch etwas anderes? Ach, Tinka wenn du doch nur auch sprechen könntest!`

Sayila wendet sich ruckartig ab und kehrt zu ihrem Tisch zurück. Genau wie die vier Männer und eigentlich der ganze Schankraum sieht auch Lionora ihr nach. `So eine Hilfsbereitschaft hätte man nicht von jedem erwartet. Ich bin ihr etwas schuldig! Vielleicht sollte ich ihre bei der Ausnüchterung helfen`. Die Alte grinst in sich hinein. `Sie strengt sich ja an gerade zu laufen und sich nichts anmerken zu lassen.  Und scheinbar wirkt sie auch auf die anderen Betrunkenen sehr nüchtern. Doch für einen nüchternen Beobachter fällt der leicht unkoordinierte Gang und der starre Blick mit dem sie auf dem Boden schaut schon auf. `

Langsam folgt Lionora Sayila zurück an den Tisch. Den Stock nahm sie wieder um sich aufzustützen. Nicht jedoch um sich umher zu tasten. Dem Schankraum bleibt es unerklärlich wie die Blinde es nun schafft direkt durch die Tische zu laufen.

Aufatmend setzt sich die Alte wieder zu Sayila an den Tisch und murmelt leise: „ Wie sie alle gaffen!“
Als das Schankmädchen angerannt kommt  raunt Lionora: „ Immer wenn die Gefahr vorbei ist kommen sie an und wollen Helfer spielen….wie ich solche Menschen verabscheue!“
Doch als das Mädchen seine Frage an sie gerichtet hat antwortet Lionora sanft: „ Nichts ist passiert, Kleines. Geh zurück an die Arbeit. Die junge Dame hier gegenüber“, sie weist mit einer schrumpligen Hand auf Sayila „ kann gut für sich , und für anderen, sorgen!“

<"Ist Euch oder dem Äffchen etwas geschehen?" >  „ Nein , sagte ich bereits und ich bin ihnen tausendmal zu dank verpflichtet. Wie kann ich es wieder gut machen? Kann ich euch bei irgendetwas helfen? Habt ihr körperliche Beschwerden? Ich kenne mich etwas in der Heilkunst aus und könnte euch etwas geben. Auf jeden Fall…wenn Ihnen etwas einfällt, ich würde es gerne für Euch tun Und ich werde solange nicht mehr ruhig schlafen können bis ich meine Schuld getilgt habe!“, nachdrücklich ruckt sie mit dem Kopf und das kleine Äffchen ahmte sie nach. „ Wenn ich euch jedoch heute keinen Gefallen mehr erweisen kann werde ich mich wohl so langsam um ein Zimmer kümmern müssen. Wobei es mich ja viel mehr juckt zu diesem Baum zu gehen den ihr mir beschrieben habt. Ich bin zu gespannt ob eine Arbeit für mich dabei ist!“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 19. Nov. 2006, 21:38 Uhr
An einem Herbstmorgen in Borgils Privatgemächern


An dem Tag, an dem Tiuri in seinem Zimmer den Schlaf der Gerechten, aber den der des Lesens mächtigen Gerechten schläft, herrscht im Rest der Harfe am frühen Morgen schon helle Aufregung. Borgil und Azra und mit ihnen das gesamte Gesinde, wie es scheint, packen nämlich für ihre Reise nach Sûrmera – denn das Schiff, auf das sie wochenlang gewartet haben, würde heute bei Sonnenuntergang in Richtung Süden auslaufen. Halla, Grid und die übrigen Mägde flitzen umher wie eine Schar aufgebrachter Hühner, holen, bringen, befördern hinein und hinaus, tragen wieder fort, ersetzen, flicken noch schnell lose gewordene Säume oder Hornknöpfe wieder an ihren Platz, jammern, schniefen, schimpfen oder wünschen ihnen Glück, suchen Tiuri, der unauffindbar scheint, und schaffen ganz allgemein die anheimelnde Atmosphäre eines durcheinanderwimmelnden Ameisenhaufens. Mittendrin in dem ganzen Tohuwabohu steht Borgil, packt einen uralt aussehenden, aber gut gepflegten ledernen Beutel voll mit Kleidung für sich selbst und lässt eine erkleckliche Anzahl Waffen und anderer Ausrüstung in eine lederüberzogene, bronzebeschlagene Truhe wandern... seine Rüstung würde er von jetzt an tragen und seine üblichen Waffen – Beil und Wurfäxte – ebenfalls. Nur die große Kriegsaxt, mit der er schon sehr liebäugelt, schlägt er dann doch lieber in ein paar Tücher und einen festen Lederüberzug ein. Hier lassen würde er sie auf gar keinen Fall, und wenn Azra deswegen noch so ungehalten mit der Zunge schnalzt und ihm zehnmal erklärt, dass sie in einer... nun ja, in einer Familienangelegenheit unterwegs wären, nicht in Kriegstreiberei. Aber die Axt ist nun einmal seine Lieblingswaffe, ein Ungetüm aus Eisenholz und Stahl, genauso hoch wie Borgil selbst, mit einem bösartigen Dorn und einem beeindruckenden, sichelförmigen Blatt... ein herrliches Stück zwergischer Schmiedekunst und eine geradezu wundervoll monströse Waffe. "Sie kommt mit und damit basta," knurrt er also zum zehnten Mal an diesem Morgen. "Zur Not kann ich damit auch einem Höhlenbären in Schach halten. Wenigstens für eine Weile, bevor er mich frisst. Wenn ich den mit dem Handbeil angreife, lacht er sich höchstens tot. Jahaaa... es gibt Höhlenbären in den sûrmerischen Wäldern. Höhlenbären, Wölfe, Waldkatzen, Narge, Räuber, Wegelagerer, den ein oder anderen Werwolf... och, nun sieh mich nicht so an, als hätte ich dir das nicht schon alles zigmal zu erklären versucht..."
Brenainn, längst ein aufgeweckter und quietschlebendiger Neunmonats-Bengel ist auch keine große Hilfe beim Packen ihrer Sachen, die sich rasch zu einem wahren Berg an Kisten, Körben, Truhen und Bündeln auswachsen.

Er hat nämlich jüngst die Fähigkeit entdeckt, sich auf allen Vieren vorwärts zu bewegen und wuselt ihnen folglich dauernd zwischen den Füßen herum, kriecht in Körbe, krabbelt in Seesäcke oder wirft mit Wonne sorgsam zusammengelegte Hemdenstapel um, nur um sie anschließend kichernd zu zerrupfen. Und so ist es auch kein Wunder, dass es von den Frauen um ihn her – und die sind gerade eindeutig in der Überzahl – dauernd tönt: "Borgil, schaff deinen Sohn hier weg!" oder "Meister Borgil, nehmt sofort Euren Sohn hier fort!" Borgil pflückt Klein-Brenainn gerade aus dem Korb mit Azras Wäsche und klemmt ihn sich kopfüber unter den Arm, was mit wild rudernden Ärmchen und kreischendem Kinderlachen quittiert wird. "Ja, du hast gut lachen. Immer, wenn du etwas anstellst, bist du mein Sohn... und wenn du ausnahmsweise mal brav bist, bist du Mamas Junge, ja, schon klar. Komm, wir suchen Tiuri. Wo zum Henker steckt der Bengel bloß? Sollen wir vielleicht ohne ihn nach Sûrmera fahren?" Tiuri ist allerdings weder im Stall, noch auf dem Hof, nicht im Keller, nicht in der Scheune, nicht bei den Hühnern, nicht in der Schankstube, nicht hinter dem Tresen oder in der Küche und nicht am Brunnen - und im Brunnen ist er auch nicht. Sie finden ihn nach einer halben Ewigkeit wilder Sucherei schließlich auf seinem Zimmer, in seinem Bett und in tiefstem Schlaf und schönsten Träumen... jedenfalls lässt das sein genießerischer Gesichtsausdruck schließen. "Das glaube ich einfach nicht..." Borgil stampft ins Zimmer und vor dem Bett des Jungen mit dem Fuß auf, dass die Wände wackeln. "Wirst du wohl sofort aufstehen du nichtsnutziger Bengel?!" Dröhnt es, was Tiuri in die Senkrechte schnalzen lässt wie eine Sprungfeder. "Himmelgötterverdammtnochmal, was glaubst du eigentlich, was heute für ein Tag ist, hä?"
Tiuri, der sich hektisch den Schlaf aus den Augen reibt, nuschelt etwas von "kein guter", allerdings so leise, dass Borgil nicht darauf reagieren muss. "Raus aus den Federn, aber dalli. Es sei denn natürlich, du willst, dass das Schiff ohne dich fährt."
Das wirkt. Tiuri wird erst bleich vor Schreck, dann springt er aus dem Bett und rast zur Waschschüssel, hellwach und schwer schockiert, den großen Tag seiner Reise in die ungewisse und unbekannte Vergangenheit fast verschlafen zu haben. Borgil dagegen trägt Klein-Brenainn, der das ganze sehr zum Kichern fand, wieder nach unten zu seiner Mutter und weist dann den Großknecht an, all ihr Gepäck auf dem Wagen zu verstauen. "Na dann... in einer Stunde müssen wir los. Azraschatz, sieh nach, ob wir auch alles für Brenainn eingepackt haben, ich besorge unser Reisegeld. Und wenn Tiuri nicht in fünf Minuten beim Morgenmahl sitzt, ziehe ich ihn an den Ohren die Treppe herunter..."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sayila Arachelza am 22. Nov. 2006, 20:08 Uhr
Sayila lächelt ein wenig müde, als die Alte Frau von Schuld spricht.
'Sie scheint das ja wirklich ernst zu nehmen', denkt sie sich, 'als hätte ich wer weiß was getan! Ihr beim Einfangen des Äffchens zu helfen war doch selbstverständlich.'
"Vielen Dank, aber mir fehlt nichts", antwortet sie freundlich, "und es ist wirklich nicht nötig. Ihr steht nicht in meiner Schuld, es war doch selbstverständlich."
'Und so langsam sollte ich mich auf den Heimweg machen, wenn ich morgen nicht bis in die Puppen schlafen will', denkt sie noch bei sich.
"Wie gesagt, es gibt hier in der Goldenen Harfe Fremdenzimmer, aber auch drüben im Kupferkessel, der auch am Marktplatz liegt, kann man wahrscheinlich ein Zimmer beziehen. Womöglich kommt Ihr da ein wenig günstiger weg. Den Baum könnt Ihr Euch ja auch jetzt noch ansehen, vorausgesetzt, es ist nicht zu dunkel, um etwas zu erkennen."
Sie winkt der Schankmagd zu, dass sie zahlen will, und diese kommt herangewuselt. Sie rechnet die Metkrüge zusammen, die Sayila an diesem Abend bestellt hat, und runzelt ein wenig missbilligend die Stirn. Unbeeindruckt davon zählt Sayila die genannte Geldsumme aus ihrem Beutel auf den Tisch - ein Trinkgeld gibt sie jedoch heute nicht, dafür ist sie zu nachtragend wegen der Sache mit dem Äffchen vorhin.
"Gut, ich muss mich jetzt auch so langsam auf den Weg nach Hause machen. Morgen wartet einiges an Arbeit auf mich, und in meinem Gewerbe kann man es sich nicht leisten, spät aufzustehen."
Sie erhebt sich und wartet auf Lionoras Reaktion, während sie den Umhang zurechtzupft und kurz ihre Schwerter überprüft.

-->Waffenschmiede Arachelza

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von faylin Lionora am 27. Nov. 2006, 19:32 Uhr
Lionora erhebt sich mit ihr, sie hatte ihr Essen und das heiße Wasser bezahlt, nachdem das Schankmädchen Sayila abgezogen hatte.
Selbstverständlich nicht für jedermann. Aber gut wenn ihr meine Hilfe nicht annehemen wollt…Welche Hilfe kann man schon von einem alten klapprigen Weib erwarten“, fügt sie trübselig hinzu und streichelt Tinka.

„ Nun aber gut!“ , wischt sie die trüben Gedanken beiseite, lächelt Sayila an und bedankte sich nochmals. „ Und kommt gut nach Hause! Ich werde mal zum Baum gehen und sehen was ich noch entziffern kann. Es juckt mich doch zu sehr in den Fingern. Und ich denke ich werde mir lieber einen Platz im Kupferkessel suchen“ , meint sie mit leicht gesenkter Stimme.
`Vielleicht werde ich sogar noch schnell an den Friedhof gehen. Er ist zwar etwas weiter weg, aber frische Luft bringt keinen um!`

Sie wendet sich zur Tür. Auf den Stock gestützt läuft sie an den immer lauter , lustiger und aggressiver werdenden Gästen vorbei. Und öffnet schließlich die Tür. Kühle Luft und ein feiner Nieselregen kommen ihr entgegen. Sie dreht sich zu Sayila um. „ Wie sehen uns vielleicht!“ sind ihre abschließenden Worte bevor sie über den Marktplatz hinkt und auf den Baum zu hält.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Arisfaer am 19. Dez. 2006, 20:53 Uhr
Arisfear betritt die Harfe am frühen Morgen, er war die letzte Nacht durchgeritten und hatte am Tor einen dieser Soldaten mit den blauen Mänteln nach dem besten Gasthaus der Stadt gefragt. Ruhig und gelassen bleibt er einige Zeit im Eingang stehen und schaut sich in der Gaststube um. Es sieht zumindest sauber aus, denkt er bei sich und geht mit einem leichten lächeln auf die große Theke zu. Natürlich hat er vergessen die Türe zu schließen und das Wetter ist bei weitem nicht mehr so gut das man morgens die Türe aufstehen lassen kann, so dauert es auch nicht lange bis ein rotbärtiger Zwerg loswettert  “Hallo! Könntet ihr bitte so freundlich sein und die Türe schließen, oder habt ihr dort wo ihr herkommt Säcke vor der Türe?”
Arisfear dreht sich langsam zu dem Sprecher hin, ein Zwerg der wahrscheinlich die Nacht über nicht nur Milch getrunken hatte, nach seinen Augenringen die er zur Schau trägt. Mit einer schwungvollen Bewegung und einem lächeln im Gesicht verbeugt sich der Elb vor dem rotbärtigen Zwergen. “ Oh verzeiht Ehrenwerter Zwerg, nichts lag mir ferner als für euer unwohl zu sorgen. Natürlich werde ich sofort die Türe schließen, damit es euch nicht friert.”
Ein brummeln ist von dem Zwerg zu hören, das alles heißen könnte dennoch meint Arisfear so etwas wie “ geht doch “ heraus zu hören. Gerade will er zur Türe gehen um diese zu schließen als ein weiterer Gast hereinkommt und diese schließt.


Wenig später sitz der Elb an einem Tisch, vor sich ein ausgiebiges Frühstück und einen dampfenden Becker mit heißer Milch in das er zwei Löffel Honig rührt. Eine Zeitlang begnügt er sich damit zuzusehen wie die goldene Flüssigkeit sich mit der Milch vereint, dann nimmt er kleine Schlucke und schaut sich im Gasthaus um und wieder trifft sein Blick auf den rotbärtigen Zwerg der einige Tische weiter sitzt und sich fast Schüttelt vor Lachen, der Gast der nach ihm herein gekommen war hatte sich zu ihm gesetzt  hatte ihm etwas leise gesagt, zu leise als das er es hören konnte. Immer wieder blicken beide Zwerge in seine Richtung und grinsen unverschämt, da Arisfear nicht weiß worum es geht lächelt er und hebt dabei seinen Becher grüßend in ihre Richtung. Beide schauen sich mit großen Augen an und brüllen dann los vor lachen. Unverschämte Bande, was ist denn bitte so lustig?
Wieder tuscheln die beiden wie Marktweiber und schauen in seine Richtung “ Na das ist zuviel” Kurzerhand steht der Elb auf und schiebt dabei geräuschvoll seinen Stuhl nach hinten und geht mit einem wirklich freundlichen lächeln auf die beiden zu “ Verzeiht wenn ich eure fröhliche Runde störe, doch dürfte ich vielleicht Wissen was euch so amüsiert?”
Wieder schauen sich beide Zwerge an, schauen ihn an und lachen wieder. Nur mit mühe gelingt es einem der beiden ein ernstes Gesicht zu machen und ihm zu antworten “ Aber natürlich dürft ihr Fragen” Arisfear wartet geduldig, doch bekommt er keine Antwort. “ Meine Herren, ich würde gerne mitlachen wenn es gestattet ist. Der rotbärtige Zwerg reibt sich über die Augen und reicht ihm einem blank polierten Bierkrug hin in dem er sich spiegeln kann. Arisfear sieht sein Gesicht und den sich darin spiegelnden Milchbart “ Oh Mann wo kommst du denn her? Kommst hier in deinen piekfeinen Sachen rein und bestellst warme Milch und dann auch noch mit Honig, das Bild von einem Elbenkrieger verändert sich gerade gewaltig in unseren Augen!” Arisfear bemerkt wie ihm das Blut ins Gesicht schießt und nur langsam senkt er den Bierkrug, mit einer langsamen Bewegung wischt er sich den Mund sauber und versucht sein lächeln bei zu halten” Nun es freut mich doch das ich euch erheitern konnte” mit einer knappen Verbeugung und einer Drehung verlässt er den Tisch, brüllendes Gelächter begleitet seinen Weg zurück Ganz hervorragend Arisfear führst dich ja gut ein hier, lässt dich von Zwergen auf den Arm nehmen

Wenig später bezahlt er sein Frühstück und beschließt sich eine andere Unterkunft zu suchen, er wollte den beiden Zwergen nicht noch mal über den Weg laufen.

“ Bitte Herr, ich möchte mich entschuldigen,” versucht die Magd noch gut auf ihn ein zu reden. “Es sind Zwerge und sie haben nun mal einen seltsamen Sinn für Humor, denkt bitte nicht schlecht über sie!”

Arisfear lächelt Grit die Magd freundlich an und schüttelt nur leicht den Kopf “ Nein nein, ich denke nicht schlecht von ihnen, ich bin hier um zu lernen, um andere Kulturen zu erkunden und da gehört es wohl auch dazu das sich Leute über einen Lustig machen, und mal ehrlich ich sah ja wohl wirklich etwas albern aus, oder?” Fragt er Augenzwinkernd. Grit schmunzelt und gibt ihm sein Wechselgeld zurück “ Schaut euch um, achja Willkommen in Talyra! “

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Helena Shiradi am 12. Feb. 2007, 16:16 Uhr
Helena fand die goldene Harfe recht schnell und nun ist sie froh, wenn sie ein Zimmer nehmen kann um sich auszuruhen. Den ganzen Tag war sie in der Stadt unterwegs gewesen, trotz des miesen Wetters. Aber es hatte sich auf jeden Fall gelohnt, wie zum Beispiel der Besuch bei Kitty. Als sie den Schankraum betritt, ist es nicht ganz so voll wie sie erwartet hat, was vermutlich daran liegt, dass es erst später Nachmittag ist. Sie tritt an den Tresen und bestellt sich ein Wasser, Hunger verspürt sie noch keinen. Sie erkundigt sich nach einem Zimmer, kurz darauf ist sie darin verschwunden und legt sich aufs Bett um sich auszuruhen. Sie denkt noch einmal an den vergangenen Nachmittag zurück, an den Besuch bei Kitty und der alten Schneiderei, an die neuen Gewandungen und die gewonnene Lehrstelle bei der Heilerin. Lange ruht sie sich auf dem Bett aus, beobachtet aus dem kleinen Fenster die Dämmerung und schläft schließlich schnell ein.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Mya am 13. März 2007, 11:26 Uhr
Mya betritt den kleinen Garten vor dem Haus. Drei beachtliche Bäume nehmen ihren Blick gefangen. Gut gewachsene Buchen, die ihre Äste im leichten Wind wiegen.  Sie genießt eine Weile die Ruhe, die dieser Anblick in ihr auslöst, dann schaut sie weiter. Das Gebäude ist mit Wein bewachsen und wirkt sehr einladend und dort prangt ein Schild mit einer Goldenen Harfe. Kein Zweifel, dies ist das Gasthaus.

Mya betritt die Schankstube und blickt um sich. Der verwinkelte Raum strahlt Gemütlichkeit aus und ist noch recht leer. Kein Wunder es ist ja noch früh am Tag. Aber sie kann sich durchaus vorstellen, dass der Raum Abends aus allen Nähten platzt. Sie stellt sich vor die Theke und wartet bis einer der Angestellten Zeit für sie findet. Dabei schaut sie gedankenverloren durch den Raum und summt eine heitere Melodie vor sich hin.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 14. März 2007, 12:08 Uhr
Halla ist noch ganz mit den allmorgendlichen, täglichen Arbeiten in der Goldenen Harfe beschäftigt, wie etwa Mägde hin und her scheuchen, Grid ein wenig Feuer unter dem ausladenden Hinterteil machen, die Hämorrhoiden der Köchin bemitleiden, die Stallburschen nach mehr Feuerholz schicken, den Fleischer ausbezahlen und die wöchentliche Lieferung im Eiskeller verstauen, zwei Fässer Bier anstechen und ähnliches, als der erste Gast auch schon zur Tür hereinschneit. Die Schankstube ist – bis auf diesen einen, eine junge Frau, wie ihr ein rascher Blick hinter dem Tresen hervor, zeigt - , ansonsten völlig leer. Kunststück, schließlich hab ich ja auch gerade erst aufgesperrt, nicht wahr? Die Stammgäste, die hier jeden Tag pünktlich wie die Maurer zum Morgenmahl auftauchen, erwartet Halla erst in gut einer Stunde, und die meisten Gäste des Hauses schlafen noch den Schlaf der Gerechten. Trotzdem hat sie wie jeden Morgen, seit Borgil, Azra und Tiuri auf dieser verflixten Reise sind, von der sie eigentlich längst wieder da sein sollten, die "Harfe" mit der Morgendämmerung aufgesperrt. So hält es Borgil schließlich auch, wenn er da ist und Halla würde nicht im Traum einfallen, das Gasthaus irgendwie anders zu führen, als sein eigentlicher Wirt und so, wie sie es selbst von der Pieke auf gelernt hat. "Ja," schnauft sie also dienstbeflissen, wohl wissend, dass von ihr, klein wie sie nun einmal ist, vor der Theke kaum etwas zu sehen sein wird. "Moment. Komme gleich. Muss nur noch..." ächzt sie... "die frischen Tücher verstauen." Dass sie dafür halb in den Schrank kriechen muss und obendrein in jeder Hand einen Berg reiner Leintücher balanciert, erwähnt sie nicht, aber dafür hat sie auch gar keine Luft. Als sie schließlich hochrot und immer noch ein bisschen prustend hinter dem Tresen hervorwatschelt, sich die pummeligen Mogbarhände an der blütenweißen Schürze abwischt, und ihr Gegenüber in Augenschein nehmen kann, nickt sie freundlich. Da sie so außer Atem ist, dass sie außer ihrem Lungenrasseln erst einmal gar nichts hört, entgeht ihr das Summen der jungen Frau leider völlig. Das Mädchen, das da vor ihr steht, scheint noch ziemlich jung zu sein, jedenfalls ist sie schmal und klein. Ihre Kleidung ist einfach, aber gut und über ihrer linken Augenbraue prangt ein Mal, dass Halla im ersten Moment für einen Rußfleck hält. Sie will das Mädchen gerade freundlich darauf hinweisen, dass sie ein bisschen schmutzig an der Stirn ist, als ihr auffällt, dass es tatsächlich ein blattförmiger und ziemlich dunkler Leberfleck ist. Herrje, und ich starre sie so an! Ein bisschen rot um die Nase nickt sie eilig. "Ich bin Halla, Oberste Magd der Goldenen Harfe. Was kann ich denn für Euch tun?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Mya am 14. März 2007, 14:48 Uhr
Mya schaut, noch immer summend, aus einem Fenster und denkt darüber nach, was sie heute noch alles erledigen will.

Den Beutel verstauen, gut Frühstücken, baden, einen Papiermacher finden, Vaters Kunden ausfindig machen...
Über diesen Plänen bemerkt sie nicht einmal, dass Leben hinter die Theke gekommen ist. Sie hört weder Hallas Schnaufen, noch das Rumoren als diese halb im Schrank verschwindet. Erst alls sie wiederum angesprochen wird, schreckt Mya auf.
"Oh! Ich ähh..." Sie muss sich kurz sammeln. "Ich bräuchte ein Zimmer - für mindestens vier Tage - wohl eher mehr...und ich würde gerne Frühstücken, aber ruhig erst später, wenns sonst Umstände macht. Eure Zimmer sind doch sicher oder? Ich meine,  da kommt doch kein Fremder hinein? Und vielleicht könnt ihr mir sagen, wo man hier baden kann? Oder habt ihr sogar eine Stadtkarte? Und was kostet das Zimmer eigen.."
Mya holt Luft. Sie hat ohne Punkt und Komma geredet und ärgert sich nun ein wenig über sich selbst.

Was redest du denn da zusammen? Bennimst dich ja wirklich wie ein nervöses Huhn aus der Provinz - zum ersten mal allein in der Hauptstadt!

"Verzeiht, das wahr wohl etwas viel auf einmal. Das wichtigste ist zunächst ein Zimmer...und erlaubt, dass ich mich vorstelle: Ich heiße Mya und bin, wie ihr sicher schon erraten habt, zum ersten mal in Talyra."

Schon wesentlich ruhiger lächelt Mya die kleine Magdt an. Diese ist ganz rot im gesicht und außer Atem. Sie macht einen quirligen Eindruck und Mya ist, froh gleich an eine so sympathische Ansprechpartnerin gelangt zu sein. Sicher wird sie sich hier wohlfühlen.


Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 14. März 2007, 15:41 Uhr
Während Halle sich noch beschämt ein dummes Huhn nennt, die arme Fremde so anzustarren, scheint das Mädchen... oder die junge Frau, wie man es nimmt... gar nichts davon bemerkt zu haben und das lässt die Mogbarmagd erleichtert aufatmen. >Oh!< Tönt es ihr überrascht entgegen. >Ich bräuchte ein Zimmer - für mindestens vier Tage - wohl eher mehr...und ich würde gerne Frühstücken, aber ruhig erst später, wenn's sonst Umstände macht. Eure Zimmer sind doch sicher oder? Ich meine,  da kommt doch kein Fremder hinein? Und vielleicht könnt ihr mir sagen, wo man hier baden kann? Oder habt ihr sogar eine Stadtkarte? Und was kostet das Zimmer eigen...< Halla lächelt nachsichtig und aufmunternd, während ihre Hände, die nie lange untätig sein können, sich einen Bierkrug vom Tresen neben dem Spülstein schnappen und ihn eilig polieren. Darauf legt Borgil sehr viel wert, auf Sauberkeit, und sie, nebenbei bemerkt, sowieso. Sie ist ja schließlich eine Mogbar. Ihre Großtante Milli, die Götter haben sie selig, hatte immer behauptet, Mogbarfrauen kämen schon mit Putzwut zur Welt. Ach ja. So unrecht hat sie nicht. Ich kann keinen Dreck sehen. Und dort hinten, das ist eine Staubfluse, herrje, diese zwei neuen Mädchen aus Vierlinden, die Grid da im letzten Mond angeschleppt hat, können auch gar nichts richtig machen. Halla poliert, und die junge Frau reißt sich selbst ein wenig am Riemen. > Verzeiht, das wahr wohl etwas viel auf einmal. Das wichtigste ist zunächst ein Zimmer...und erlaubt, dass ich mich vorstelle: Ich heiße Mya und bin, wie ihr sicher schon erraten habt, zum ersten mal in Talyra.<
"Ah," macht Halla und kann sich nicht vorstellen, überhaupt jemals irgendwo anders zu sein. Natürlich weiß sie, dass Roha nicht nur aus Talyra besteht, sie ist ja nicht auf den Kopf gefallen, aber sie selbst ist nun einmal in Talyra geboren und aufgewachsen und war nie weiter von der Stadt entfernt als bis Siebenföhren, wo sie einen missratenen Vetter fünften Grades ihr Eigen nennt, den sie einmal hätte heiraten sollen (das konnte sie Tantchen Gerde aber gerade noch ausreden). Sie zwinkert verschwörerisch und raunt: "Bisschen nervös, was? Schon gut, Ihr seid hier bestens aufgehoben, die Harfe ist schließlich das größte und angesehenste Gasthaus der Stadt. Natürlich könnt Ihr ein Zimmer haben, das ist überhaupt kein Problem."

Bis zum Inarifest sind es ja Götterlob noch ein paar Wochen, die Harfe platzt also noch nicht aus allen Nähten. Und wenn der Herr Zwerg bis dahin nicht zurück ist und mich hier mit der ganzen Arbeit allein lässt, dann... dann... Dann weiß Halle ehrlich gesagt auch nicht, was sie tun soll. Kein Porridge wird so heiß gegessen, wie er gekocht wird, beruhigt sie sich rasch, ebenfalls mit einer von Großtantchen Millis Binsenweisheiten. "Ein einfaches, aber bequemes und natürlich sauberes Gemach mit einem guten Mahl am Morgen kostet Euch einen Silberling pro Tag. Die Hälfte muss ich als Anzahlung nehmen, den Rest könnt ihr begleichen, wenn ihr abreist. Nehmt ihr das Zimmer mit allen Mahlzeiten, also Frühstück, Mittags- und Nachtmahl, sind alle Getränke frei, der Preis beläuft sich dann aber auf zwei Silberlinge pro Tag. Unsere Zimmer sind natürlich sicher, wir halten das Haus von Gesindel frei. Das Haus ist fest gebaut, die Türen zu jedem Gastraum aus massiver Eiche und Ihr habt einen Schlüssel. Ein Bad werden Euch selbstverständlich auf Wunsch die Mägde richten, und wenn Ihr ein Mädchen braucht, das Euch zur Hand geht, müsst Ihr es nur sagen. Um Eure Schmutzwäsche werden sich auch gern die Mägde kümmern, sorgt Euch um nichts. Ihr könnt natürlich auch die Badehäuser benutzen, die liegen gleich hier am Marktplatz, das große, alte Gebäude aus weißem Marmor mit den Säulen am Eingang. Es ist sehr fein dort... und vielleicht auch ein bisschen verrucht. Aber leider auch etwas kostspielig. Eine Stadtkarte habe ich leider nicht, aber ich kenne mich in Talyra gut aus, wenn Ihr also etwas wissen möchtet, fragt mich einfach. So, ich glaube, das wäre alles. Darf ich Mistress also eines unserer Zimmer anbieten? Und ein schönes Frühstück? Der Winter war hart und die Ernte im letzten Herbst sehr schlecht, doch hungern muss keiner unserer Gäste, auch wenn ich um diese Jahreszeit leider noch wenig Frisches anbieten kann. Es gibt Omelett, gebratene Eier und Speck, Zwiebelkuchen, Haferbrei mit Honig oder lieber mit Salz, frisches Brot, gekochte Eier, Butter, Schinken in Honigkruste, verschiedene Marmeladen oder, wenn Ihr wünscht, natürlich auch Kuchen. Oder lieber zunächst ein Bad?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Mya am 15. März 2007, 09:33 Uhr
Während Myas Redeschwall, hat Halla sich einen Bierkrug gegriffen, den sie nun gründlichst poliert. Sie beruhigt Mya vollends und sichert ihr ein verschließbares, gutes Zimmer zu.
"Ein Zimmer mit Frühstück wird mir reichen, danke." antwortet sie und nestelt zwei Silberlinge aus dem Beutel um ihrem Hals. Diese drückt sie Halla in die Hand.
"Und dann würde ich gerne zu allererst ein Bad nehmen und mich umziehen. Für Fragen ist danach wirklich noch genug Zeit."
Daraufhin lässt sich Mya in ihr Zimmer führen. Es ist klein aber hell und das Bett sieht so weich aus, dass Mya sich am liebsten gleich hineinkuscheln würde.
Aber nicht mit den staubigen Kleidern! Hört sie die Stimme ihres Vaters im Hinterkopf, als wenn sie wie als Kind mit verdreckten Röcken am Esstisch platznehmen wollte.
Also räumt sie zunächst ihre Habseligkeiten und die Hälfte ihres Geldes in eine kleine Kommode neben dem Bett und setzt sich dann auf einen Schemel vor dem Fenster. Sie kann auf die Buchen und einen Teil des Marktplatzes blicken. Dort sind schon viele Stände errichtet und das Menschengewimmel nimmt stetig zu.
Nachdem sie ihr den Schlüssel übereicht hat, ist Halla fortgehuscht um eine Magd zu suchen, die das Bad herrichtet. Mya verstaut ihn und fängt fröhlich an zu pfeifen als es an die Tür klopft.
Ein Mädchen steht dort, um ihr zu sagen, dass das Bad bereit ist. Erfreut folgt Mya ihr und steigt bald darauf in einen dampfenden Badezuber. Der Staub und auch die Anstrengungen des Weges fallen im heißen Wasser von ihr ab und erst jetzt fühlt sie sich wirklich angekommen. Ihre Reisekleidung überlässt sie dem Mädchen und schlüpft selbst in ein hellbraunes Kleid. Die nassen Haare bindet sie ausnamsweise zusammen, damit ihr nicht ständig Tropfen in die Augen rinnen. Dann schlendert sie zurück in den Schankraum und nimmt an einem lichtüberflutetem Tisch Platz. Sie bestellt ein Omeltett und Brot mit Marmelade. Dazu schlürft sie Milch, während Halla geschäftig hin und her läuft.

Nachdem der erste Hunger gestillt ist begint Mya erneut, Halla mit Fragen zu löchern.
"Es ist wirklich sehr schön hier. Ihr sagtet, dass ihr euch gut auskennt in Talyra? Nun vielleicht könnt ihr mir sagen, ob es hier einen Papierhändler oder ähnliches gibt? Vielleicht einen Schreiber? Und dann hat mir mein Vater vom Haus der Bücher vorgeschwärmt - wo finde ich das?" Sie beißt in ihr Brot und wischt verstohlen den Marmeladenklecks weg, der dabei auf der Tischplatte landet. "Ach und noch etwas. Ihr brenötigt nicht zufällig die Dienste einer schnellen Schreiberin? Ich übernehme auch gerne Botengänge..." Sie nimmt einen weiteren Bissen und schaut erwartungsvoll zu Halla.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Halla am 15. März 2007, 21:59 Uhr
Die junge Frau, die sich als Mya vorstellt, möchte doch zuerst ihr Zimmer beziehen und ein Bad nehmen, und Halla erfüllt ihr diesen Wunsch natürlich gern, schließlich ist die Harfe ja ein Gasthaus. Nachdem das alles erledigt ist und sie einem der Mädchen aufgetragen hatte, sich um den neuen Gast zu kümmern, kehrt Halla selbst in die Schankstube zurück, die sich wie jeden Morgen langsam füllt. Der Duft von frischem Brot zieht durch den Raum, vermischt sich mit dem Geruch des Bohnerwachses und der Birkenholzscheite im Kamin, und aus der Küche dringen noch allerlei andere verführerische Aromen. Es dauert jedoch nicht lange, bis Mya wieder unten im Gastraum erscheint und sich einen der Tische am Fenster sucht. Halla lächelt ihr kurz zu, aber Grid, Mairenn und sie selbst sind gerade ziemlich mit einer eben angekommenen Reisegruppe bestehend aus dreizehn Zwergen und ihren fetten Ponies beschäftigt und haben obendrein ja noch die Stammkundschaft, die zum frühstücken hier ist, zu versorgen, also dauert es ein paar Augenblicke, ehe die Mogbarmagd wieder Zeit für die junge Frau findet. Nachdem auch Mya mit einem Morgenmahl versorgt ist, ergibt sich jedoch Gelegenheit für einen kleinen Plausch. >Es ist wirklich sehr schön hier. Ihr sagtet, dass ihr euch gut auskennt in Talyra? Nun vielleicht könnt ihr mir sagen, ob es hier einen Papierhändler oder ähnliches gibt? Vielleicht einen Schreiber? Und dann hat mir mein Vater vom Haus der Bücher vorgeschwärmt - wo finde ich das? Ach und noch etwas. Ihr brenötigt nicht zufällig die Dienste einer schnellen Schreiberin? Ich übernehme auch gerne Botengänge...<

So leid es Halla tut, auf das Arbeitsgesuch der jungen Frau muss sie den Kopf schütteln. Sie vertritt Borgil nur, sie ist nicht der Herr Zwerg und der Harfenwirt selbst und selbst wenn es so wäre, sie bezweifelt, dass Borgil eine Skriptorin einstellen würde, schließlich kann er das selbst... schreiben und die Bücher führen und all das. Schreiben kann sie auch, auch ein wenig Lesen und natürlich gut Rechnen, schließlich ist sie Schankmaid und zählt die längsten Zahlenreihen in Nullkommanichts im Kopf zusammen. "Natürlich kenne ich mich gut aus in Talyra, ist meine Heimatstadt, wisst Ihr," erwidert sie. "Arbeit habe ich leider nicht für Euch. Borgil, der Wirt der Harfe, ist mit seiner Frau auf einer Reise nach Sûrmera und so lange vertrete ich ihn hier. Hm... Papierhändler, lasst mich überlegen. Papier, also richtiges Papier? Das ist doch so selten und so sündhaft teuer, habe ich gehört. In der Bindergasse im Handwerkerviertel gibt es allen möglichen Schreibkram, aber für richtiges Papier würde ich es eher in den Tausendwinkelgassen versuchen. Dazu müsst ihr in den Kupferkessel, der ist am Nordende vom Marktplatz, und dort im Hinterhof durch die äh... Tür gehen. Einen anderen Zugang zu dem Gassenlabyrinth gibt es nicht... na,  Ihr werdet es selbst sehen, wenn Ihr dort seid. Das beste Papier soll ja aus Brioca kommen, oder vielleicht auch von noch weiter her aus den Südlanden, aber wer weiß das schon." Halla zuckt mit den Schultern. Das Haus der Bücher ist im Südwesten der Stadt, gleich in der Nähe des Shenrahtempels, ihr könnt es nicht verfehlen. Dort findet Ihr vielleicht auch Arbeit als Schreiberin, aber dafür müsst Ihr Euch an Meister Aberthol Silberbart persönlich wenden. Das ist ein mächtiger Erzmagier und er ist ein Stadtratsmitglied," Halla senkt ihre Stimme zu einem verschwörerischen Flüstern. "Sehr wichtiger Mann, unser Aberthol. Und natürlich steht er dem Haus der Bücher als Gelehrter vor."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Mya am 16. März 2007, 10:21 Uhr
Die Gaststube hat sich gefüllt. Einige scherzende Kunden haben sich um einem großen Tisch versammelt und lassen sich von Halla und ihren Helferinnen ein deftiges Frühstück servieren. der Geruch nach Eiern mit Speck zieht durch den Raum und vermischt sich mit dem Duft von frisch gebackenem Brot.
Gleich darauf quillt eine Horde Zwerge durch die Tür.
Zwerge! Und gleich eins, zwei, sieben...dreizehn Stück! Mya staunt nicht schlecht - sie hat nur selten andere Wesen als Menschen erblickt. Es kam wohl schonmal ein Zwerg durch ihre Heimatstadt, aber nie eine Guppe. Und selbst die einzelnen hat sie nur von weiter weg gesehen.
Unauffällig versucht sie die Wesen zu mustern, aber die Zwerge verschwinden bald hinter einer Magd im oberen Stockwerk um ihre Zimmer zu beziehen. So konnte sie nur wenige Blicke auf die stämmigen Gestalten mit ihren wilden Bärten werfen. Sie schaut ihnen noch hinterher, da kommt Halla auf ihre Fragen zu sprechen.
Leider kennt sie weder einen Papierhändler, noch hat sie Arbeit für Mya aber sie gibt ihr den Rat, sich an Aberthol Silberbart im Haus der Bücher zu wenden. Praktisch, da wollte ich ja sowieso hin...
Halla wird bereits wieder von ihren Gästen in Beschlag genommen und so beendet Mya ihr Frühstück und bricht bald darauf in die Stadt auf. Das Haus der Bücher wird noch etwas warten müssen, denn die Besorgungen für ihren Vater haben Vorrang.

---> Das Handwerkerviertel

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nuwayrah am 20. Juni 2007, 22:47 Uhr
Schnaubend hält Sauda vor dem dreistöckigen Haus an, welches unübersehbar in der Mitte des Marktplatzes steht. Erschöpft, mit schlaf getrübten Augen, steigt Nuwa vom Rücken des schwarzen Hengstes und schaut sich um. Das Haus hat ein Dach aus Stroh und ein schräger Kamin ragt, graue Rauchfahnen ausstossend, daraus hervor. Ein kleiner Garten breitet sich wie ein grüner Teppich vor dem Eingangstor aus und drei mäch
tige Buchen stehen darin, die wie ruhige Wächter des Hauses wirken.

Nuwayrah fühlt sich sofort noch schläfriger, bei dem warmen, freundlichen Anblick des Gasthauses. „Hier sind wir wohl Richtig mein Schöner.“ Flüstert sie leise und gähnt ausgiebig. Mit einem Blick auf den Ostflügel, entdeckt die Halbelbe auch die Stallung für die Pferde und sie wankt auf müden Beinen hinüber, gefolgt von Sauda, der wie immer an keinem Halfter geführt werden muss.

Erstmal bemerkt Nuwa den Stalljungen nicht, der in einem Bett aus Stroh eingenickt ist und sie schaut sich verwundert um. Doch dann ertönt ein leiser Schnarcher aus dem goldenen Haufen und ein paar strubblige schwarze Haarbüschel schauen aus dem Stroh hervor. „Hei!“ Ihre Stimme ertönt etwas schroffer als beabsichtigt, doch sie tut seine Wirkung und der Stalljunge springt wie ein erschrockenes Fohlen aus seinem Schlafplatz.

„Guten…ehm Morgen die Dame.“ Nuschelt der Junge verschlafen und wirft einen Blick auf die aufgehende Sonne. „Möchtet Ihr euer Pferd hier unterstellen?“ Aus schlaftrunkenen, kornblauen Augen schaut der Bursche sie fragend an und Nuwayrah nickt mit ernster Mine. „Pass gut auf mein Pferd auf. Er duldet keine Fremden auf seinem Rücken und versuche ja nicht ihn mit einer Peitsche zu schlagen.“ Warnend schaut die Halbelbe ihn an und wirft ihm schlussendlich einen Kupferling zu. Sie streicht ein letztes Mal über Saudas weiches Fell, bevor sie sich umdreht und mit erschöpften Schritten zu der Eingangstür geht.

Als sie die eisenbeschlagene Holztüre aufstösst, steigt ihr ein Geruch von Pfeifentabak, Bier und Essen in die Nase. Sie verzieht einen Moment das Gesicht und tritt dann weiter in den Raum. Nervös, mit ihren Handschuhen spielend, schaut sie sich um, bis sie in einer Ecke eine Magd entdeckt, welche gerade einige Stühle gerade rückt. Anscheinend hat der Tag für die Angestellten schon begonnen und das Mädchen kommt mit einem freundlichen Lächeln auf die Halbelbe zu und begrüsst diese. „Guten Morgen. Ich nehme an das Ihr ein Zimmer wünscht?“ Nuwa nickt nur und drückt der Magd einige Geldstücke in die Hand. Diese verschwindet und bringt Nuwa einen grossen Eisenschlüssel.

Mit dem Schlüssel und einer Beschreibung wie sie in ihr Zimmer kommt, steigt Nuwayrah die Treppe hoch in den ersten Stock des Gebäudes. Ohne Probleme hat sie das kleine, aber sehr saubere, Zimmer ausgemacht und schliesst die Türe erleichtert hinter sich zu. Sofort öffnet sie das grosse Fenster und lässt die frische Frühsommerluft hinein. Ohne sich auszuziehen wirft sich die rothaarige Frau auf ihr Bett und versinkt sofort in einen tiefen, traumlosen Schlaf.  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nuwayrah am 24. Juni 2007, 09:43 Uhr
Als der nächste Tag in den Immerlande erwacht, öffnen sich auch die grünen Augen der Halbelbe. Mit einem leichten Seufzer richtet sie sich in ihrem zerwühlten Bett auf und wischt sich das Netz des Schlafes von ihrem Gesicht. Ein Blick zwischen die halboffenen Gardinen, verrät Nuwayrah, dass Shenrah heute wohl besonders warm scheinen würde, denn der Himmel leuchtet in einem strahlenden Blau und die Strahlen, welche den Weg in ihr Gemach finden, erwärmen schon jetzt ihre kalten Hände.

Etwas verschlafen sucht sie nach ihrem Leinenbeutel, aus dem sie ein frisches, schwarzes Leinenhemd und einen groben Holzkamm hervor nimmt. Mit geschickten Fingern öffnet die Halbelbe ihr Hemd und wirft es auf ihr Bett. Ihre braune Haut glänzt silbern im Sonnenschein, doch sie ist von vielen, striemenartigen Narben entstellt, welche sich über den ganzen Rücken erstrecken. Auch ihr schwarzes Band legt Nuwa ab, aber nur weil sie weiss, dass sie ungestört ist und sie niemand beobachten kann.

Sie greift den Wasserkrug, welcher sich auf der kleinen Kommode befindet und schüttet dessen Inhalt in die dafür vorgesehene Schüssel. Mit Schwamm, Seife und einem Tuch bewaffnet macht sich Nuwa daran, sich selber etwas frisch zu machen. Eigentlich sollte ich ja in die Badehäuser gehen, aber zuerst möchte ich mich um Suada kümmern und dann schauen ob ich etwas zu Essen auftreiben kann.

Ihr Schwamm fährt über die Wölbungen ihrer Brüste, den flachen Bauch und ihr Gesicht, welches sie besonders gründlich schrubbt, fast um zu versuchen die Narben ihrer Vergangenheit davon zu befreien. Als sie ihre Waschprozedur beendet hat, streift sie sich ihr frisches Leinenhemd über und bindet sich das Band wieder um ihre Stirn. Das hüftlange, blutrote Haar fällt nun locker über ihren Rücken und schnell bindet sie noch ihren Ledergurt, an dem ihr Mondstahlschwert hängt um die Hüfte. Zum Schluss stülpt sie noch ihre Lederstiefel über die Füsse und streicht ihre gutsitzende Lederhose glatt, damit sie einen nicht allzu verwahrlosten Eindruck auf die Bewohner der Stadt hat. Mit einem letzten prüfenden Blick in ihr Gemacht, verlässt sie dieses und macht sie auf den Weg in die Stallungen.

Der frische Duft von Heu erwartet die Halbelbe, als sie das Tor zu den Stallungen öffnet. Der Stalljunge von letzter Nacht, versucht gerade eine störrische Stute zu putzen, als Nuwayrah an ihm vorbei geht. Er wirft ihr einen unsicheren Blick zu, doch die Halbelbe beachtet ihn nicht und geht schnurstracks zur Box in der sich Suada befindet. „Na mein Grosser, hattest du eine angenehme Nacht.“ Prüfend schaut sich Nuwa ihr Pferd an, um sicherzugehen, dass er auch unbeschadet ist und stellt erschrocken fest, dass seine rechte, vordere Fessel etwas geschwollen ist. „Oh, es tut mir so leid Sauda. Ich hätte dich nicht so hetzen dürfen die letzten Tage.“ Mit sorgenvollem Blick geht die Halbelbe in die Knie und betastet das Bein des Hengstes. Es fühlt sich heiss an und das Culpferd sträubt sich etwas gegen die Berührung.

„Hei Junge.“ Wie ein Blitz kommt der Stalljunge aus der Box der Stute geschossen und schaut die Halbelbe schüchtern an. „Kennst du einen guten Heiler in der Stadt, welcher sich um mein Pferd kümmern kann?“ Der Junge nickt eifrig und lächelt dann. „Wir haben einige sehr gute Heiler in der Stadt, my Lady. Da ist Morgana oder TianShi und natürlich die Priester der Stadt.“ Nuwayrah nickt dem Jungen dankbar zu und verschwindet ohne ein weiteres Wort aus dem Stall. Ich muss mich sofort darum kümmern, aber zuerst muss ich etwas in meinen Magen bekommen, sonst kann ich nicht klar denken.

Mit Sorgenfalten auf der Stirn betritt Nuwa erneut die Harfe und setzt sich an einen der leeren Tischen. Wie immer wenn sie sich in geschlossenen Räumen befindet, fängt sie an nervös mit ihren behandschuhten Fingern zu spielen und schaut dabei unruhig zur Türe, als würde sie in der nächsten Sekunde aufspringen und davon laufen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nguyen am 25. Juni 2007, 02:07 Uhr
Mit einem tiefen Seufzer bleibt Nguyen kurz stehen als er die Tür der „Goldenen Harfe“ erreicht. Genau hier hatte vor zwei Jahren eigentlich alles begonnen. Doch der Duft des Essens vertreibt diesen Gedanken schnell und er tritt ein. Kurz überfliegt sein Blick den Raum, mehr suchend ob jemand Bekanntes gerade ebenfalls sein Frühstück hier einnimmt oder er in Ruhe wird speisen können. Aber niemand der wenigen Bewohner der Stadt die er kennen gelernt hatte weilt gerade hier. Eigentlich ist es sogar überraschend leer. Nur wenige Gäste scheinen so früh am Morgen schon auf den Beinen zu sein. Und keiner von ihnen wirkt besonders erpicht auf ein Gespräch mit einem Fremden. Gut… ich möchte einfach nur etwas essen… Als er sich gerade einem der Tische in den hinteren Bereichen der Gaststube zuwendet erhascht er aus den Augenwinkeln etwas Rotes und für einen Herzschlag lang erstarrt er. Doch als er genauer hinschaut erkennt er das die Frau die dort an einem der Tische sitzt und scheinbar wartend zur Türe blickt nicht Selket ist. Nein, sie hat nicht viel mit der Elbe zu tun. Ihr Haar und Ihre Haut haben eine andere Färbung, überhaupt hat sie eine gänzlich andere Gestalt…

Doch bevor sein kurzes Mustern zu einem Starren werden kann, und sein Blick sein aufgewühltes Inneres verraten kann, wendet er sich wieder ab und setzt seinen Weg zu dem Tisch fort den er sich ausgesucht hat. An einem Fenster gelegen, so dass das Licht der Morgensonne einfällt, aber doch weit genug von der Tür und der Theke entfernt das niemand in Versuchung geraten sollte ihm ein Gespräch aufzuzwingen. Schnell setzt er sich und streift die Kapuze seiner Robe nach hinten. Das einfallende Licht lässt sein grausilbriges Haar leicht glänzen und er ist froh das er sich die Mühe gemacht hat es zu einem Zopf zu binden anstatt sich sofort auf den Weg zur „Harfe“ zu machen. Auch trägt er die schlichteste seiner Roben, die braune Reiserobe, um nicht zu auffällig zu wirken. Seinen Stab hat er neben sich an die Wand gelehnt, so das der Drachenkopf dem Gastraum abgewendet ist.

Bald schon tritt eine Magd an den Tisch und nimmt seinen Frühstückswunsch auf, und kurze Zeit später bringt sie auch schon das üppige Morgenmahl an seinen Tisch. Schon immer hatte Nguyen einen gesunden Appetit und auch die Erfahrungen der letzten Zeit konnten ihm diesen nicht nehmen. So würde das Essen das vor ihm auf dem Tisch steht sicher für Zwei reichen. Ein Laib gutes Brot, ausreichend Wurst und Käse, eine Kanne voll dampfendem Tee, etwas Milch und sogar etwas Obst – ein Apfel und einige Trauben. Dieses Art Frühstück zeigt eindeutig, der Essende besitzt Geld. Lächelnd beginnt er damit sich Brote zu schmieren und die Freude auf den ersten Bissen ist ihm anzusehen, denn die Entbehrungen der Reise die hinter ihm liegt sind ihm noch gut in Erinnerung. Nur selten konnte er unterwegs mehr als das Nötigste zu sich nehmen. Immer wieder mal schaut er dabei auf ob es weitere Gäste in die „Harfe“ verschlägt oder ob welche aus den Zimmern herunter kommen um selbst zu frühstücken.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nuwayrah am 25. Juni 2007, 19:35 Uhr
Nach dem die Halbelbe eine Weile gewartet hatte, begibt sich eine pausebäckige Magd an ihren Tisch und nimmt ihre Bestellung auf. Da Nuwayrah nicht gerne viel Geld für unwichtige Dinge wie Essen ausgibt, bestellt sie sich nur eine Schüssel Haferschleim und einen Becher mit Kräutertee. Während sie auf ihr Frühstück wartet, betritt ein Mann die Harfe. Erst beachtet die Halbelbe den Gast kaum, doch als sie merkt, dass sie beobachtet wird, schaut sie auf und wirft dem grossgewachsenen Menschen einen prüfenden Blick zu.

Das silbergraue Haar hat er sich zu einem langen Zopf geflochten und der ebenfalls silbergraue Bart ist sauber gestutzt. Seine Statur ist stämmig und sein Gesicht etwas rundlich, dennoch erkennt Nuwa, dass sie einen Halbelben vor sich hat. Was sie aber am meisten an dem Mann fasziniert ist seine Berufung, welche durch seine, wenngleich einfache, braune Robe und dem Stab mit dem Drachenkopf schnell erkennbar ist. Er ist tatsächlich ein Magier.
Schon immer war Nuwa fasziniert von der Kunst der Magie und seinen Vertretern. In ihrer Vergangenheit hat sie einige davon getroffen, obwohl diese sich eher der bösen Magie verschrieben haben und die Halbelbe dadurch leiden musste. Dennoch, Nuwa fühlte sich schon immer von der Magie angezogen, wie ein Metall von einem Magneten.

Während sie den Magier beobachtet, bringt die Magd ihr das Frühstück und Nuwa beginnt langsam den gesüssten Haferschleim mit einem Holzlöffel in ihr Mund zu befördern. Was er wohl hier macht. Er scheint vermögend zu sein, so wie er sich benimmt, sich kleidet und isst. Vielleicht könnte er mir ja mit Suada helfen. Gedankenverloren starrt Nuwa den Mann an und merkt gar nicht, dass dieser ihren Blick sicherlich schon lange gespürt hat. Ihre Stirn liegt in Falten und sie streicht immer wieder über ihr schwarzes Band, während sie mit der anderen einen Löffel Haferschleim vor ihrem geöffneten Mund hält.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nguyen am 25. Juni 2007, 20:01 Uhr
Während der Magier sein Essen überkommt ihn langsam, aber sicher, ein Gefühl das er zu erkennen gelernt hat: Das Gefühl das fremde Augen ihn anstarren. Denn oft war er in der Vergangenheit das Subjekt des Interesses anderer, sei es da seine spitzen Ohren seine Abstammung verraten, oder da Studenten der Magie einen neuen Meister suchten während er im Orden arbeitete. Und es hatte immer nur zwei Arten gegeben darauf zu reagieren, entweder ignorieren oder aber darauf eingehen. Da es hier immerhin möglich ist das eine Gefahr davon ausgeht blickt er von seinem Frühstück auf und sieht sich abermals im Raum um, den Markt als Ausgangspunkt des Gefühls angestarrt zu werden ausschließend. Und wirklich, schnell entdeckt er die Quelle. Es ist die Frau die ihm vorher schon ob Ihres Haarschopfes aufgefallen war und sich dann doch nicht als Selket herausgestellt hatte.

Genau diese Frau starrt ihn geradezu an, in irgendetwas – Ihren eigenen Gedanken? – gefangen, denn der Löffel mit ihrem nicht sehr appetitlichen Haferschleim harrt kurz vor Ihrem Mund und etwas der nicht sonderlich schmackhaften Masse, zumindest nach Nguyens Maßstäben, tropft langsam, beinahe einen faden ziehend, wieder zurück in die Schüssel. Gerade noch kann der Magier verhindern das sein Gesicht einen angewiderten Ausdruck annimmt, nicht das man sich zu früh neue Feinde in der Stadt macht. Und wer weiß was das für eine Frau ist. Ihr äußeres Erscheinungsbild wirkt wie jemand der durchaus in einer eher raueren Umgebung aufgewachsen ist. Für einen Moment schießt ihm durch den Kopf ob vielleicht der Rüpel von damals nach ihm Ausschau hält um sich an ihm zu rächen, aber er verwirft diesen Gedanken schnell wieder.

Nach einem Moment des unschlüssigen Nachsinnens entschließt er sich sie nicht einfach zu ignorieren und hebt seinen Tee um Ihr freundlich, aber stumm, zu zuprosten und schenkt Ihr ein neutrales Lächeln, das von einem Reisenden zum anderen, das auf der Landstraße soviel aussagt wie „Ich bin nur ein weiterer Fremder und möchte dir nicht ans Leder, welche Reichtümer auch immer Du bei dir trägst.“, ein Gruß der ihn schon vor manchem bewahrt hat auf seinen Reisen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nuwayrah am 25. Juni 2007, 23:05 Uhr
Gerade will Nuwayrah ihren starrenden Blick von dem Magier abwenden, als dieser sie direkt anblickt und ihr zuprostet. Etwas überfordert fällt der Elbe ihren Löffel in den grauen Haferschleim und sie beschmutzt ihre frische Bluse mit einigen Spritzern der grauen Masse. Etwas genervt, aber ohne eine Regung in ihrem Gesicht, wischt sie sich die Flecken ab so gut es geht und schaut dann wieder zu dem Magier rüber. Ohne zu lächeln hebt sie ihren Becher ebenfalls und mustert den Magier mit ihren grünen Augen, welche für einen Augenblick aufleuchten wie zwei Saphire.

Da sie ohnehin ihr Frühstück fast beendet hat, steht die Halbelbe auf, nimmt ihre Leinentasche und ihren Becher und gesellt sich an den Tisch des anderen Halbelben. „Khel Dar, Shadâno. Darf ich mich zu Euch gesellen?“ Ihre Augen mustern den Mann weiterhin, als würde sie durch seine Kleidung bis tief in seine Brust hineinsehen und sie setzt sich ohne ein Lächeln oder eine sonstige Regung, wobei ihre Haltung und ihre Anrede aber von Respekt zeugen. „Mein Herr, ich möchte Euch nicht stören, aber ich frage mich, ob ihr vielleicht ein Heilmagier seid? Mein Pferd hat eine Verletzung und ich möchte ihn in bessere Hände geben, als die meinen es sind.“ Die Worte zeugen davon, dass die Halbelbe wirklich am Wohle ihres Tieres liegt, denn sie spricht die Worte mit einem leichten Anflug von Sorge, was schon eine grosse Gefühlsregung bei Nuwa darstellt. Sie schaut den Magier fragend an und stellt sich dann mit ihrer ruhigen, tiefen Stimme vor. „Mein Name ist Nuwayrah Ly’ria und ich bin eben erst in Talyra angekommen.“

Um etwas ihre Nervosität zu dämpfen, welche sie immer hat, wenn sie auf neue Personen trifft oder in einem geschlossenen Raum ist, probiert Nuwayrah einige Schlucke von dem noch sehr heissen Tee. Ihr Blick gleitet noch einmal über das freundliche Gesicht ihres Gegenübers, bevor sie in ihren Tee starrt, als würde sie versuchen, aus den darin schwimmenden Teeblättern zu lesen. Ihr blutrotes, dunkles Haar fällt ihr dabei etwas ins Gesicht und überdeckt so die Narben, welche ihre rechte Wange etwas verunstalten.


Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nguyen am 26. Juni 2007, 01:15 Uhr
Erst jetzt als sie vor ihm sitzt erkennt Nguyen das es sich bei der fremden Frau ebenfalls um eine Halbelbe handelt, und noch dazu, das lassen zumindest Ihre Narben vermuten, eine der es ähnlich schlecht ergangen ist wie ihm vor so langen Jahren. Und wenn man an der Entstellung in Ihrem Gesicht vorbeischaut dann könnte man sie durchaus als sehr attraktiv beschreiben. Was Dir wohl widerfahren ist… Bei diesem Gedanken spürt er einen sachten Schmerz auf seinem Rücken, genau dort wo seine eigenen Narben sind, und dieser unerwartete Stich ist auch in seinem Gesicht zu sehen als er kurz, kaum merklich zusammenzuckt. Ihre Nervosität ist der Frau, die sich als Nuwayrah vorgestellt hat, deutlich anzumerken. Sie wirkt fast wie ein gehetztes Tier das an einem fremden Ort Unterschlupf gefunden hat, aber nicht ganz sicher ob die Häscher nicht zurückkehren. Aber noch etwas anderes ist offensichtlich, die Sorge um Ihr Pferd. Um so mehr tut es Nguyen leid das er Ihre Hoffnungen vielleicht enttäuschen muss.

„Meine Dame, leider erstrecken sich meine Fähigkeiten der Magie nicht auf das Gebiet der Heilung. Aber wenn es dringend ist könnte ich mir die Wunden eures Tieres einmal ansehen. Ich habe selbst des Öfteren mein eigenes Tier versorgen müssen. Aber ein ausgebildeter Tierheiler bin ich auch nicht. Doch sicher gibt es entsprechend ausgebildete Heilkundige in der Stadt… Aber vielleicht wollt Ihr Euch erst noch stärken?“ Mit einer Handbewegung deutet er auf sein üppiges Mahl. Da sie für sich selber nur Haferschleim geordert hat vermutet er das sie sich mehr nicht leisten kann oder zumindest auf Ihr Geld schauen muss. „Nehmt Euch ruhig von allem das Euch anspricht. Es ist mehr als genug und bevor Ihr weiter diesen abscheulichen Haferschleim zu euch nehmen müsst…“ Mehr sagt er zu dem Thema nicht, will er sie doch auch nicht beschämen, wie ihm erst jetzt einfällt.

„Übrigens dürft Ihr ruhig zu mir aufschauen… sicherlich kann es sehr interessant sein den Schlieren und Strömungen im Tee zu folgen, aber ich sehe meinem Gegenüber gern ins Gesicht, denn was dort zu sehen ist, das ist meist um ein Vielfaches interessanter und aufschlussreicher.“ Mit einem freundlichen Lächeln unterstreicht er seine Worte. Der Morgen ist für ihn gerade weitaus interessanter geworden. Die „junge“ Halbelbin hat seine Neugier geweckt, eine Neugier die ihn erst einmal Anderes vergessen lässt.

"...Ich bin übrigens Nguyen von Elda, es freut mich Eure Bekanntschaft zu machen Nuwayrah." Damit verstummt er, gespannt auf die Reaktion der Halbelbe und eigentlich auf alles was sie ihm zu erzählen bereit ist.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nuwayrah am 26. Juni 2007, 20:24 Uhr
Noch immer in ihren Tee starrend, hört sie dem Magier zu und seufzt leise. >Meine Dame, leider erstrecken sich meine Fähigkeiten der Magie nicht auf das Gebiet der Heilung. Aber wenn es dringend ist könnte ich mir die Wunden eures Tieres einmal ansehen. Ich habe selbst des Öfteren mein eigenes Tier versorgen müssen. Aber ein ausgebildeter Tierheiler bin ich auch nicht. Doch sicher gibt es entsprechend ausgebildete Heilkundige in der Stadt… Aber vielleicht wollt Ihr Euch erst noch stärken?< Er konnte ihr also auch nicht wirklich helfen, aber ein Versuch wäre es wert und wenn es nicht klappt, könnte sie ja noch immer zu einer der Heilerinnen gehen, welche der Stallbursche vorgeschlagen hatte.

Neue Leute betreten die Harfe, bestellen Frühstück oder bringen Zutaten für die Küche und die Gaststube füllt sich langsam. Die Gespräche summen stetig wie ein Bienenschwarm, doch bleiben im Hintergrund, so das man die eigene Stimme beim Sprechen nicht anheben muss. Der Duft von frischgebackenem Brot, Pfeifenqualm, Kräutertee und Kuchen umspielt die feine Nase der Halbelbe und sie merkt, dass sie immer noch etwas hungrig ist. Deshalb zögert sie nicht, als der Magier ihr sein Frühstück anbietet und macht sich über ein Stück des weichen Brotes her, welches köstlich frisch duftet. Die Anspielung auf ihr nicht vorhandenes Geld übergeht sie, aber sie wirft dem Magier einen funkelnden Blick zu und schaut dann auf ihre wertvolle Waffe, welche an ihrem Ledergurt befestigt ist. Ein kleines Lächeln umspielt ihre Lippen für einen Hauch einer Sekunde und sie wendet sich wieder ihrem Tee zu.

>Übrigens dürft Ihr ruhig zu mir aufschauen… sicherlich kann es sehr interessant sein den Schlieren und Strömungen im Tee zu folgen, aber ich sehe meinem Gegenüber gern ins Gesicht, denn was dort zu sehen ist, das ist meist um ein Vielfaches interessanter und aufschlussreicher.<
Nuwayrahs Augen lösen sich von der grünen Brühe und sie schaut dem Magier direkt in die Augen. „Nun, wenn Ihr, Nguyen findet, dass mein Antlitz so viel Interessantes zu bieten hat, bitteschön.“ Mit einer raschen, nervösen Handbewegung wirft sie ihr hüftlanges Haar zurück auf die Schulter, damit ihr Gesicht frei von Haaren ist. Die Narben kommen so etwas deutlicher zum Vorschein, doch dies stört die Halbelbe kaum, so lange ihre Stirn mit dem schwarzen Band bedeckt ist.

„Ich würde mich sehr freuen wenn Ihr nach dem Mahl mein Pferd anschauen würdet. Vielleicht kennt Ihr ja auch einen guten Heiler, dem Ihr vertraut? Anscheinend seid Ihr nicht ein Fremder in dieser Stadt.“ Nuwayrah war nicht entgangen, dass einige der Gäste der Harfe den Magier anscheinen zu kennen schienen und er wirkte wirklich nicht wie ein Fremder, welcher die Stadt nicht kannte. Fragend schaut sie zu Nguyen und verschlingt dabei hungrig ihr Brot und einen Apfel. Die Sonne scheint wärmend zu einem der zahlreichen Fenster herein und lässt ihr blutrotes Haar aufleuchten, als wären funkelnde Rubine darin versteckt. Der silberne Schein ihrer Haut ist nun deutlicher zu sehen und verrät so ihr Erbe der Silberleben.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nguyen am 26. Juni 2007, 20:49 Uhr
Kein Fremder… Ich bin fast überall ein Fremder gewesen, mein ganzes bisheriges Leben lang… „Nein, fremd bin ich hier wirklich nicht, aber auch kein bekannter Stadtbewohner. Ich lebe erst seit weinigen Jahren in dieser Stadt und die meiste Zeit davon war ich auf Reisen. Sicherlich bin ich manchen Bürgern ein Begriff, vielleicht würden sie mich sogar auf der Straße erkennen, aber wahrscheinlich ranken sich weit mehr Gerüchte um mich als das man mich wirklich kennt.“ Und das entspricht sicherlich zum größten Teil der Wahrheit. Nguyen hat sich, wenn er in der Stadt war, meistens in sein Anwesen zurückgezogen oder seine Zeit mit Selket verbracht. Nur während der Kämpfe vor zwei Jahren hatte er seine Tore geöffnet um den Flüchtenden einen sicheren Hort zu gewähren. Und diejenigen die die Zeit fanden sich dort umzusehen oder die ihn kämpfen gesehen haben hatten danach sicherlich noch weit interessantere Geschichten zu erzählen. Bei diesen Gedanken schleicht sich ein Lächeln auf sein Gesicht und seine Augen scheinen kurz zu funkeln, bevor er weiterspricht. „Nein, bekannt bin ich wirklich nur sehr wenigen.“

„…Aber euer Pferd werde ich mir gerne ansehen. Erwartet nur nicht zuviel von mir. Allerdings habe ich noch nie ein Pferd verloren das sich verletzt hatte auf meinen Reisen.“ Mit einem Lächeln versucht er Nuwayrah aufzumuntern, denn sie scheint sich wirklich große Sorgen um Ihr Tier zu machen. Und Du würdest dir die gleichen Sorgen machen, oder noch schlimmere, wenn Izir verletzt wäre… also nimm Ihre Sorge ernst… Langsam trinkt er die letzten Reste seines Tees aus und nimmt sich einen weiteren Apfel, rot leuchtend und vielversprechend, fast wie die Haare der Frau ihm gegenüber. Nachdem sie sie gerade zurückgeworfen hat werden Ihre Narben besser erkennbar und er fühlt Mitleid mit der Halbelbe. Es muss sehr schmerzhaft gewesen sein als sie die Wunden empfangen hat die zu dieser Narbenbildung geführt haben und er kann den schmerz den sie damals gefühlt haben muss vollends nachvollziehen, da er selbst ein solches Mahl trägt, nur besser versteckt, das glaubt er zumindest. Und noch bevor er sich zurückhalten kann – vielleicht wäre es weiser gewesen – hat die folgende frage auch schon seinen Mund verlassen, in etwas leiserem Tonfall, so das keiner im Gastraum der nicht über ein äußerst gutes Gehör verfügt mitbekommen kann was er sagt, denn inzwischen ist er weitaus voller geworden da nach und nach immer mehr Gäste eingetroffen sind, sowohl aus den Zimmern im Obergeschoss, als auch aus der Stadt selber. Immerhin ist die „Harfe“ ein beliebter Ort für die besser betuchten Bürger und jene die die Schatten meiden um ihre Mahlzeiten einzunehmen.  „Wie ist das passiert…?“ Sein Blick ruht auf Nuwayrahs Gesicht, am Rande ihr silberelbisches Erbe registrierend, es im Hinterkopf vermerkend, aber nun auf seine frage und Ihre Verletzung konzentriert.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nuwayrah am 26. Juni 2007, 23:50 Uhr
Die Halbelbe bemerkt den mitleidvollen Blick des Magiers und etwas rührt sich in ihr. Sie hasst Mitleid, es lässt sie schwach und verletzlich erscheinen und dennoch kann sie es niemandem verübeln. Wenn sie ihr Herz nicht schon lange zu Stein geworden wäre, hätte sie für eine Person wie sie es ist, ebenfalls Mitleid gehabt. Möglichst ruhig legt sie ihren angebissenen Apfel auf den Tisch und schaut ihr Gegenüber kalt an. „Nun, diese Narben stammen von meiner Arbeit in der Schmiede.“ Als Beweis krempelt sie die Ärmel ihres Leinenhemdes hoch und zieht ihre Handschuhe aus. Auf ihren Unterarmen wie auch auf ihren Handoberflächen sind überall Verätzungsnarben zu sehen und ihre Hände sind schwielig und die Fingernägel abgebrochen und schwarz verfärbt. Kein schöner Anblick, vor allem nicht wenn es sich um eine Person mit elbischem Blut handelt, denn diese Geschöpfe sind meist etwas eitel und achten stets auf ihr Äusseres.

„Wie Ihr seht, braucht ihr also kein Mitleid mit mir zu haben. Dies war mein Werk, doch dadurch wurde ich eine gute Schmiedin.“ Nuwa ergreift ihren Apfel und beisst ein grosses Stück von der saftigen, leicht säuerlichen Frucht ab und kaut genüsslich während sie den Magier beobachtet. Er muss ja nicht wissen, dass die restlichen Narben und Zeichen an meinem Körper nicht von meiner Arbeit stammen. Als sie ihren Apfel beinahe mit Stiel und Gehäuse aufgegessen hat, schmeisst sie den Rest auf den Tisch und streicht sich ihre Hände an ihren Lederhosen ab. Sie schlüpft wieder in ihre Handschuhe und streicht die Ärmel des Hemdes glatt. Da scheint doch das Erbe ihres Vaters durch, denn etwas Eitelkeit steckt auch in ihr. Nicht alle Leute brauchen diese Dinge zu sehen, vor allem weil sie dann nur wieder mit den mitleidigen Fragen kommen, welche Nuwayrah aufs Blut nicht ausstehen kann.

„Wollen wir zu meinem Pferd gehen? Ich möchte schauen wie es ihm geht.“ Als sich ihren Ärger wegen des Mitleids etwas gelegt hat, kommt auch sofort wieder die Sorge um ihr Pferd zum Vorschein und sie spielt wieder nervös mit ihren Fingern. Ich kann Suada nicht so lange alleine lassen. Wer weiss schon, was ihm fehlt?


Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nguyen am 27. Juni 2007, 01:44 Uhr
Mitleid brauchen wir alle, meine Dame… Das sein offensichtliches Mitleid Nuwayrah missfällt entgeht ihm nicht und er meint Ihre Gründe dafür zu erahnen, sind sie doch seine Vergangenheit. Aber darauf will er jetzt nicht eingehen, nicht das Ihre Verärgerung in blanke Wut umschlägt. Und da er die Frau nicht kennt zieht er diese Möglichkeit durchaus in Betracht und verkneift sich weitere Mitleidsbekundungen. Stattdessen erhebt er sich mit einer Geschmeidigkeit die man ihm gar nicht zugetraut hätte, langt in eine Tasche seiner Robe, legt einige Münzen auf den Tisch die mindestens für das georderte Essen ausreichen, greift nach seinem Stab und blickt Nuwayrah mit neuerlichem Elan auffordernd an. Offensichtlich hat auch er sein Mahl beendet. Einen Apfel und einige der Trauben lässt er jedoch noch unter seiner Robe verschwinden und da sie nicht zu Boden fallen liegt die Vermutung nah das dort noch weitere Taschen sind, dem Auge verborgen.

„Natürlich, euer Pferd, lasst uns gehen und keine weitere Zeit verlieren. Ich nehme an das es hier in der „Harfe“ in den Stallungen sich befindet…“, antwortet er Ihr, den letzten Teil nicht als Frage formuliert. Das er Ihr kein Wort davon glaubt das alle Ihre Narben durch Ihre Arbeit entstanden sind, darüber schweigt er sich vorerst aus. Denn wie auch immer ein Schmiedeunfall aussehen mag, die Narben in Ihrem Gesicht zumindest können so nicht entstanden sein, soviel glaubt er zu wissen. Denn auf dem elterlichen Gut seiner Kindheit war auch ein Schmied beschäftigt und so konnte er damals aus erster Hand erleben wie Verletzungen durch Feuer und heißes Eisen aussehen. Die an Ihren Händen jedoch sind zweifelsohne so entstanden. Insgeheim ertappt er sich dabei wie sein Geist wieder zu wandern beginnt und er über Dinge nachdenkt die nicht einmal im Ansatz angemessen sind. Ob sie noch Gefühl in Ihren Fingern hat bei all den Verätzungen?... Diese ganzen Gedanken und den Unglauben über einen Teil dessen was sie gesagt hat lässt er sich jedoch nicht anmerken.

„Nach Euch, meine Dame. Wenn Euer Tier nur im Ansatz einen ähnlichen Charakter hat wie das Meine, dann wäre es sehr unklug wenn ich mich ihm vor Euch nähern würde.“ Ohne darüber nachzudenken wie das nun wieder ausgelegt werden könnte von der scheinbar leicht reizbaren Nuwayrah – besonders wenn man den Eindruck erweckt Ihr Stärke absprechen zu wollen – reicht er Ihr eine Hand um Ihr, in beinahe höflicher Manier „beim Aufstehen behilflich zu sein“. Die Ausbildung in der Schule des Ordens, besonders in Fragen der Etikette, sitzt einfach zu tief als das er sich nicht schwer anstrengen müsste um solche Impulse zu unterdrücken. Beinahe augenblicklich geht ihm auf das dies nun wieder unpassend sein könnte, doch nun die Hand wieder zurückzuziehen erscheint ihm noch weitaus unangebrachter und so fügt er dem Ganzen einfach noch ein freundliches Lächeln hinzu in dem keinerlei Spur von Mitleid zu finden ist, das stattdessen einfach nur Freundlichkeit zum Ausdruck bringt. Vielleicht kann ich Ihr wenigstens etwas von der Sorge um Ihr Tier nehmen, wenn schon alles Andere was ich tue und sage eine große Rundreise durch persönliche Fettnäpfchen ist…

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nuwayrah am 27. Juni 2007, 09:46 Uhr
Als der Magier bezahlt und aufsteht, wirft auch Nuwayrah eine Münze auf den Tisch, nur damit klar ist, dass sie ihr Haferschleim und den Tee selber bezahlen kann. Gerade will sie sich aus ihrem Stuhl erheben, als sie die Hand des Magiers sieht, der ihr doch tatsächlich beim Aufstehen helfen will. Ach du meine Güte, nur wegen ein paar Kratzern an meinen Fingern bin ich doch nicht gleich ein Krüppel. Die Halbelbe verdreht etwas genervt die Augen, steht auf, ohne auf seine Hand zu achten und geht ohne ein Wort an ihm vorbei nach draussen.

Das sommerliche Wetter bringt viele Leute auf die Strasse und auch der Harfengarten ist voll mit Gästen. Nuwayrah, die grosse Menschenmengen nicht wirklich mag, drängt sich schnell durch und marschiert mit eiligen Schritten zu den Stallungen hinüber. Noch als sie die Tür aufstösst, hört sie schon das schmerzverzerrte Wiehern ihres Hengstes, was ihre Schritte noch mehr beflügelt. „Ich bin ja da mein Schöner.“ Sendet sie Suada zu und wirft kurz einen Blick nach Hinten, um zu sehen ob der Magier ihr gefolgt ist. Als dieser zur Tür reinkommt, wartet sie auf ihn, damit sie dann gemeinsam zu der Box von Suada gehen können.

„Wie Ihr bereits gesagt habt, ist es besser ich gehe zuerst in die Box. Suada mag keine Fremden und ich denke nicht dass die Schmerzen seine Laune verbessert haben. Ich bin mir aber sicher, dass ich ihn beruhigen kann.“ Mit diesen Worten verschwindet Nuwayrah in die Box des nachtschwarzen Hengstes und streicht sanft über das weiche Fell. Das Culpferd schnaubt unruhig, doch er beruhigt sich langsam in der Gegenwart seiner Herrin. Die Halbelbe kniet sich in das frische, goldfarbene Stroh und betastet die vordere Fessel des Hengstes erneut. Schon ohne zu spüren sieht man, wie geschwollen sie ist und bei Berührung kann man die heisse, fiebrige Geschwulst gut spüren. „Es ist meine Schuld. Wir sind tagelang ohne Pause geritten. Wie konnte ich ihm das nur antun.“ Flüstert die Halbelbe mehr zu sich selbst als zu Nguyen.

„Suada, gleich wird ein Mann zu dir kommen. Er wird dir nichts tun sondern versucht dir zu helfen, also bitte lasse ihn seine Arbeit tun.“ Der Hengst schnaubt leise und Nuwa erkennt dadurch, dass er sich ihrem Wunsch ergibt. „Ihr könnt kommen, er wird Euch nichts tun.“ Mehr sagt die Halbelbe nicht, denn sie fühlt, dass sich der Magier mit Pferden auskennt und sich bestimmt richtig verhalten wird.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nguyen am 02. Juli 2007, 19:26 Uhr
Vorsichtig betritt der Magier ebenfalls die Box des Tieres. Er hat gehörigen Respekt vor allem das größer ist als er selbst und da er schon mehrmals das Missvergnügen hatte zu sehen was passiert wenn man sich Pferden nähert die das nicht wollen oder sie gar überrascht ist er sogar überaus vorsichtig.  Als er sich schließlich wirklich sicher ist das ihm das Pferd nichts zu Leide tun wird – zumindest nicht sofort – nähert er sich ganz an und betrachtet die Verletzung genauer. Es zu berühren wagt er jedoch noch nicht. Er erinnert sich gut daran was Izir seiner Haushälterin angetan hat als sie es wagte eine seiner Verletzungen behandeln zu wollen… und bei ihm handelt es sich nur um einen Kater.

Schnell erkennt aber auch er genau das was Nuwayrah sicherlich auch schon ahnt, immerhin hat sie so etwas schon angedeutet als sie fragte ob er sich mit Heilmagie auskennt: Das Tier hat eine Verletzung der Art bei der es eine einfache Kräutersalbe und ein paar Wickel nicht tun, nein, hier würde ein hauptberuflicher Tierheiler Hand anlegen müssen und, ob es der Frau gefiel oder nicht, wenn sie nur auf der Durchreise durch Talyra ist dann würde sich Ihr Aufenthalt um mindestens einige Wochen verlängern.

„Meine Dame, die übersteigt meine Fähigkeiten bei weitem. Ich kann Euch eine Salbe zukommen lassen die seine Schmerzen lindert und den Heilungsprozess unterstützt, aber Ihr werdet nicht umhin kommen einen fachkundigen Heiler aufzusuchen. Denn ohne die Künste eines solchen werdet Ihr Euch bald von Eurem Ross verabschieden können und ich weiß das Ihr das nicht wollt.“ Einen Moment lang überlegt er, aber dann entscheidet er das Wohl des Tieres über einen möglichen weiteren faux pas zu stellen und fährt fort, „…falls dessen Lohn Eure finanziellen Mittel übersteigen sollte könnt Ihr euch gerne an mich wenden. Versteht mich bitte nicht falsch, ich möchte nicht implizieren das Ihr ärmlich wirkt oder mit meinem Reichtum protzen, aber falls eine Heilung eines solch stolzen Tieres am Geld alleine scheitern sollte, dann ist es mir gleich ob ich Euch damit vielleicht abermals ungewollt beleidige.“

Mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht das nichts anderes als seine Sorge um das Tier ausdrückt wartet er Ihre Antwort ab. Er vermutet das sie sein Angebot annehmen wird falls sie wirklich nicht über ausreichende Finanzen verfügt, denn Ihre Sorge steht Ihr deutlich in das attraktive, wenn auch gezeichnete, Antlitz geschrieben. Und diese Augen in Tränen zu sehen über den Verlust des Pferdes, das möchte er verhindern. Sie wirken auf ihn als haben sie schon genug von Ihrem einstigen Glanz und Ihrer Fröhlichkeit verloren.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nuwayrah am 03. Juli 2007, 20:20 Uhr
Nuwayrah beobachtet etwas nervös wie der Magier die Box des Pferdes betritt und streicht dem Hengst abermals über das seidene Fell. Dieser schnaubt leise, als er die fremde Gestalt bemerkt, lässt es aber zu, dass der Mann näher tritt und seine Verletzung begutachtet. Schön, dass er so viel Respekt hat, wenigstens einer der weiss wie mit einem Pferd umzugehen ist. Die Halbelbe betrachtet aufmerksam das Gesicht des Magiers, welcher sich immer noch vorsichtig dem Pferd nähert. Seine Stirn ist in Falten gelegt und er mustert die Verletzung, ohne sie zu berühren. Seine Augen glänzen im trüben Licht der Scheune und eine Strähne des silbergrauen Haares fällt ihm verspielt ins Gesicht. Eigentlich wirkt er wirklich sehr freundlich, aber man kann ja nie wissen. Der junge Schmiedgehilfe in Bluarrent, verdammt soll er sein, war auch freundlich, bis er seine wahre Absicht gezeigt hat.

Während der Magier den Hengst genauer betrachtet, kaut Nuwayrah ungeduldig an ihrem Handschuh herum und seufzt leise. Geduld war noch nie ihre Stärke gewesen. Als sich der Halbelb wieder erhebt, schaut er sie ernst, aber freundlich an und seine Stimme schneidet durch die beruhigende Stille des Stalles. >„Meine Dame, die übersteigt meine Fähigkeiten bei weitem. Ich kann Euch eine Salbe zukommen lassen die seine Schmerzen lindert und den Heilungsprozess unterstützt, aber Ihr werdet nicht umhin kommen einen fachkundigen Heiler aufzusuchen. Denn ohne die Künste eines solchen werdet Ihr Euch bald von Eurem Ross verabschieden können…..“< Der Magier spricht weiter, doch die Halbelbe hört ihm nicht mehr zu. Sterben? Suada darf nicht sterben. Das würde ich nicht verkraften. Was soll ich denn ohne ihn tun?

Ihr Gesicht zeigt kaum eine Regung bei dem Gedanken, doch ein Sturm tobt durch ihr Herz, während sie an die Folgen dieser Verletzung denkt. „Ich werde ihn sofort zu einem Heiler bringen lassen. Er wird nicht sterben, nein er darf nicht sterben.“ Murmelt Nuwa und lehnt für eine Sekunde ihren Kopf an den Hals des Hengstes und man sieht ihr kurz an, wie erschöpft die Frau ist. Sie fasst sich aber kurzerhand wieder und schaut dem Magier wieder fest in die Augen. „Vielen Dank für euren Rat Meister Nguyen. Ich bin Euch zu tiefem Dank verpflichtet. Ich werde mich sofort darum kümmern. Ich würde mich sehr freuen, falls Ihr mich zu einem der besten Heiler der Stadt bringen könntet. Zahlen kann ich selber, dass sollte kein Problem darstellen.“  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Rashid am 04. Juli 2007, 16:00 Uhr
Müde klopft sich Rashid den Staub von seinem langen Reisemantel, um dann mit den Schultern zu rollen. Asha, sein treuer Begleiter, schnaubt durch die riesigen Löcher seiner Dromedarnase, als er die Bewegung seines Reiters spürt, was einen skeptisch drein schauenden Passanten einen Satz zurück machen lässt. Ja, so ein Wüstenschiff ist sicher kein alltäglicher Anblick im Zentrum Talyras, denn im Normalfall ist das Ziel für derlei Duo der Platz der Händler. Im Moment ist Rashid aber nicht als Händler unterwegs. Die letzten Monde hatte er damit verbracht, Kontakte aufzufrischen und Asha wieder aufzutreiben, nachdem er ihn auf seiner Odyssee mit Janna, Del, Sira und Brak zurücklassen musste, um ein Schiff besteigen zu können. Kurz taucht ein hübsches Gesicht mit hohen Wangenknochen, das von hellbraunem, schulterlangem Haar eingerahmt wird, vor seinem geistigen Auge auf. Janna. Die Frau mit der eine Weile angebandelt, und die seinen vermeintlichen Sprössling unter dem Herzen getragen hatte. Nach ihrer dramatischen Rettung und ihrer zeitgleichen Niederkunft, waren die innigen Gefühle jedoch schnell abgeflaut. Vielleicht fehlte das gemeinsame Bindeglied eines gemeinsamen Kindes, denn der Säugling war offenkundig nicht mit Rashid blutsverwandt. Trotzdem mochte er Janna noch immer gern, nur eben nicht genug, um seinen rastlosen Lebenswandel für sie zu ändern. Ein Umstand, der vermutlich nicht gerade zu Jannas guten Meinung über ihn beigetragen hat. Aus diesem Grund entscheidet er sich auch gegen sein übliches Domizil in Talyra, den Pfirsich, denn die Chancen stehen gut, Janna dort über den Weg zu laufen, und er hatte bereits einmal das zweifelhafte Vergnügen, eine Ladung Wein von ihr ins Gesicht geschüttet zu bekommen. Darauf konnte er zumindest heute gut verzichten.

Vom Verder Stadttor her, steuert er den zentralen Marktplatz an und überlegt kurz, ob er schon in den Kupferkessel einkehren, oder doch lieber eine Bleibe in der Goldenen Harfe suchen soll. Schließlich ist es Sigruns kräftiger Eintopf, der den Ausschlag für Borgils Gasthaus gibt. Die kleine Mogbardame, die schon seit ewigen Zeiten in den Diensten des kahlköpfigen Zwerges mit dem feuerroten Bart steht, kann zwar ohne Schemel sicher kaum über den Herd sehen, vermutet der hünenhafte Südländer schmunzelnd, aber im Kochen macht ihr so schnell niemand etwas vor. Es herrscht reges Betriebsamkeit zwischen den Ständen, die dicht gedrängt den gesamten Marktplatz ausfüllen, an dessen gegenüberliegendem Ende die Goldene Harfe liegt. Aussichtslos mit einem massigen Reittier wie Asha einen Weg einschlagen zu wollen, der ihn möglichst schnell an sein Ziel bringen würde, also wendet er sich nach Süden, um den Platz in einem Bogen zu umrunden. Es ist ein heißer Tag, und die Schreie der fahrenden Händler, Bauern und Handwerker, die ihre Waren feil bieten, vermischen sich mit der Schwüle der Luft und der Vielfalt an Gerüchen zu einem sinnverwirrenden Kaleidoskop, dem Rashid lieber jetzt als gleich entkommen würde. Seine langen, schwarzen seidigen Haare sind zu einem vor Staub starrenden Zopf geflochten, der über dem mit zahlreichen Schrammen übersäten Rundschild baumelt, den er auf dem Rücken trägt. Der breite Krummsäbel klatscht bei jeder von Ashas Schaukelbewegungen gegen Rashids Oberschenkel, und das engmaschige Kettenhemd unter seinem weit geschnittenen Obergewand lastet schwer auf seinen Schultern. „Ich werde wohl alt, Asha.“, sinniert der erfahrene Karawanenwächter leise, obwohl er mit seinem 35 Sommern und dem athletischen Körperbau alles andere als greisenhaft wirkt. An sich will er nur etwas zu Essen. Etwas zu Essen und ein Bad. Oder noch besser: Etwas zu Essen, ein Bad und danach ein wenig Vergnügen. Die nahe Aussicht auf die Erfüllung dieser drei Wünsche weckt Rashids Lebensgeister, und er treibt sein Reittier zu ein wenig mehr Eile an.

Als er die Harfe erreicht, führt ihn sein erster Weg zum Stall, wo ihn der Stallbursche ob seines seltsamen Reittiers mit großen Augen ansieht. „Du darfst ihn nicht so mustern, sonst wird er böse, es schlagen Flammen aus seiner Nase und er will Dich fressen!“, raunt der Wüstenkrieger dem Knaben zu, der ihn daraufhin ungläubig ansieht. „Ja, so hat mich der letzte Stalljunge auch angesehen, bevor ich ihn im letzten Moment noch an den Füßen zu fassen bekam, um ihn mit einem Ruck aus Ashas Maul zu ziehen. Er war bestimmt schon so weit verschlungen, dass er das Feuer an seinen Haarspitzen spüren konnte, das im Magen dieses Untiers brennt.“ Rashids Übertreibungen verfehlen ihr Ziel nicht, und der junge fängt nach einer Schrecksekunde an zu kichern. „Ehrlich! Stell Dir bloß vor, Asha hätte, statt ihn ganz verschlingen zu wollen, irgendwann abgebissen!“ Der Junge prustet los, und winkt Rashid ihm zu folgen, nachdem dieser ihm ein Geldstück zugeworfen hat. Asha wird in einer Box einquartiert, die neben einer bereits belegten liegt. Dort steht ein prächtiges Tier, dessen Blessuren gerade von einem recht großen Mann begutachtet werden. Er ist fast gänzlich in der Box verschwunden, so dass Rashid nicht viel von ihm erkennen kann. Eine Frau mit Rundungen an den richtigen Stellen, wie Rashids fachkundiger Blick sofort erkennt, scheint die Besitzerin zu sein. Ihr blutrotes Haar ist hüftlang und ein echter Blickfang und ein hübscher Kontrast zum silbrigen Schimmer ihrer Haut. “Vielen Dank für euren Rat Meister Nguyen. Ich bin Euch zu tiefem Dank verpflichtet. Ich werde mich sofort darum kümmern. Ich würde mich sehr freuen, falls Ihr mich zu einem der besten Heiler der Stadt bringen könntet. Zahlen kann ich selber, dass sollte kein Problem darstellen., bekommt Rashid den letzten Satz des Gesprächs mit. „Also wenn Ihr einen guten Heiler sucht, seid Ihr eindeutig in der richtigen Stadt, Mylady. Ich empfehle Euch die Dienste von Lady Selket oder Lady Morgana. Von ihnen hört man nur das Beste.“, antwortet des große Südländer freundlich.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nuwayrah am 09. Juli 2007, 17:14 Uhr
Während sich der Magier wieder erhebt und Nuwayrah gerade eine Antwort geben will, spricht überraschend ein Mann dazwischen, der wohl einen Teil ihrer Unterhaltung mit angehört haben muss. >„Also wenn Ihr einen guten Heiler sucht, seid Ihr eindeutig in der richtigen Stadt, Mylady. Ich empfehle Euch die Dienste von Lady Selket oder Lady Morgana. Von ihnen hört man nur das Beste.“<

Die Halbelbe mustert den grossen Mann, welcher am Boxeneingang steht, mit zusammengekniffenen Augen und schaut dabei zwischen ihm und dem Magier hin und her. Dieser scheint ihn aber auch nicht zu kennen und Nuwayrah dreht sich wieder zu dem Fremden hin. Das schwarze, staubige Haar, welches zu einem Zopf geflochten ist gibt dem Mann ein noch exotischeres Aussehen als er ohnehin besitzt. Sein Krummsäbel und der lange Reisemantel sind ebenfalls mit Staub überdeckt und der Reisende sieht müde aus. Er scheint ebenfalls eine lange Reise hinter sich zu haben. Es scheint, als würde nicht nur ich nach Talyra getrieben werden.

„Seid gegrüsst und habet Dank für Euren Rat, doch Ihr solltet vorsichtig sein mit Euren Ohren. Es gibt genügend Leute, die es nicht mögen, wenn sich Andere in ihre Angelegenheiten mischen.“ Ihre Stimme ist kalt und mit einem warnenden Blick aus ihren grünen Augen, dreht sich Nuwayrah zum Magier um und nickt diesem zu. „Wie es aussieht wäre Lady Selket keine schlechte Wahl. Vielleicht wäret Ihr so freundlich und würdet mich zu ihr geleiten?“ Während Nuwayrah eine Antwort abwartet, beobachtet sie den Fremden weiter, der noch immer am Eingang der Box steht. Sie weiss wo her er stammt, da sie selber in ihrer Vergangenheit mit den Leuten der Rubinküste zu tun hatte, doch daran will sie nicht denken. Ihr Gesichtsausdruck verrät die Abneigung gegenüber dem Mann, welche sie verspürt während in ihrem Kopf die Bilder ihrer Versklavung in Loan Arc auftauchen.



Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Rashid am 10. Juli 2007, 12:41 Uhr
Erwartungsgemäß reagiert die Frau überrascht, als sie von hinterrücks angesprochen wird, und bei ihrer raschen Drehung umwallen sie die roten Haare wie eine Lohe reinsten Feuers. In ihren grünen Augen liegt ein Nachhall von Jahrzenten, die sie haben kommen und gehen sehen, doch erst als sie Rashid mustert, blitzt so etwas wie Glanz in ihnen auf. Leider weniger vor Begeisterung, wie der kräftige Südländer schnell feststellen muss. "Seid gegrüsst und habet Dank für Euren Rat, doch Ihr solltet vorsichtig sein mit Euren Ohren. Es gibt genügend Leute, die es nicht mögen, wenn sich Andere in ihre Angelegenheiten mischen." Die Stimme ist kalt und schneidend wie ein Eissplitter, der ihm wohl am Liebsten bis ins Herz fahren sollte. Irritiert zieht er eine Augenbraue nach oben, während sich die Besitzerin des stattlichen Pferdes wieder dem Mann in der Box zuwendet. „Wie es aussieht wäre Lady Selket keine schlechte Wahl. Vielleicht wäret Ihr so freundlich und würdet mich zu ihr geleiten?“ , richtet sie das Wort deutlich freundlicher an den leicht untersetzt wirkenden Mann, der das Tier begutachtet hat. "Hm, Asha, Wenn wir geheime Gespräche führen, dann tun wir das auch immer in einem gut besuchten Stall in Zimmerlautstärke." Der Südländer klopf den sehnigen Hals seines Reittiers, das mit einem tiefen Blöken antwortet, während es vom Stallburschen in die benachbarte Box geführt wird.

Der leicht reizbare Rotschopf wendet sich wieder Rashid zu, ohne eine Antwort des Mannes abwartet, den sie um Hilfe gebeten hat. Kennen wir uns, oder warum schaust Du mich an, als würdest Du mich am Liebsten auffressen...bei lebendigem Leib?! "Wir hatten einen schlechten Start, Mylady." Der ehemalige Karawanenwächter verneigt sich knapp. "Aber da unsere Reittiere wohl eine Weile Nachbarn sein werden, gehe ich davon aus, dass sich unsere Wege auch hin und wieder kreuzen. Ich werde jetzt ein Bad nehmen und vielleicht gelingt es mir dabei, abzuspülen, was Euch an mir nicht genehm ist." Rashids Mundwinkel zucken freundlich im Ansatz eines Lächelns, welches jedoch ebenso wirkungsvoll zu sein scheint, wie ein Tropfen kühlen Wassers auf einen heißen Stein. "Ich hoffe, Lady Selkets Künste lassen Euer Pferd schnell genesen." Mit einem Nicken verabschiedet er sich, um sich ein Zimmer zu nehmen und danach das Badehaus aufzusuchen und sich wieder in einen Menschen zu verwandeln. Er lässt den Stall hinter sich und betritt die Schankstube der Goldenen Harfe. Wie meistens ist die gute Stube ordentlich gefüllt und trotz Rashids massiger Gestalt dauert es einen Moment, bis er sich zum Tresen vorgearbeitet hat, wo er sich ein Zimmer geben lässt. Bei meinem Glück gleich neben dem rotharigen Racheengel!, denkt er ein wenig amüsiert.

Eine kleine Mogbardame führt ihn zu seinem Zimmer, wo sie ihm den Schlüssel überlässt, und ihm einen angenehmen Aufenthalt wünscht. Rashid entlässt sie mit einem kleinen Trinkgeld, um sich dann aus seiner Reisekleidung und seiner Rüstung zu mühen. Schweiß und Schmutz beschleunignen dieses Unterfangen nicht gerade und verstärken den Wunsch danach, sich grundlich zu waschen. Der Wunsch ist sogar stärker als sein knurrender Magen, und so streift er sich das ehemals dunkelblaue Hemd wieder über, schnappt sich saubere Kleidung aus seinem Beutel. Das Badehaus liegt in der Nähe der Harfe, und mit diesem Ziel verlässt er das Gasthaus. Als er die Eingangstür durchschreitet, verlassen gerade seine neue Freundin und ihr Begleiter die Stallungen. Aller Guten Dinge sind drei, und beim nächsten Mal heute, wo wir uns über den Weg laufen, muss einer dem anderen etwas ausgeben.

>>> Die Badehäuser

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Verae am 08. Aug. 2007, 19:13 Uhr
Durch die alte, eisenbeschlagene Holztür dringt ein schwacher Lichtschein.
Verae drückt langsam und still die Tür auf, geht hinein und sieht sich um.
Der Schankraum ist sehr groß und wohlüberlegt eingerichtet. Es ist auf den ersten Blick niemand zu sehen. Doch hängt ein unverwechselbarer Geruch von Bier in der Luft und die großen, groben und wuchtigen Holzbalken sowie die schweren, dunklen Eichenholztische lassen das Gebäude einladend wirken. In jeder Nische und Ecke steht ein solcher Tisch, der  ausreichend Platz für eine beachtliche Menge an Bier bietet. Ein großer Tresen, neben der Tür gelegen und ebenfalls aus jenem Holz gefertigt, zieht sich durch den gesamten Raum. Als sich seine müden Augen langsam an das schummerige Licht gewöhnen, erkennt er drei Gestalten die um einen, mit Bier überzogenen, Tisch sitzen ; was erahnen lässt das dieses private Saufgelage sich schon über einen längeren Zeitraum erstreckt. Sie rühren sich kaum und wirken eher apathisch. Nur von Zeit zu Zeit ist ein dumpfer Seufzer zu vernehmen oder ein trockenes Husten zu hören. Also lohnen sie keinen zweiten Blick, geschweige denn den Versuch einer Konversation. Verae sieht sich trotzdem noch mehrmals genau um, wobei sein Leinenumhang zu jeder noch so kleinen Bewegung mitschwingt. Verae bemerkt jemanden hinter der Theke und schreitet gelassen, und entspannt auf ihn zu. Es ist die Wirtin des Lokals. Nach einem kurzen, aber hilfreichen Gespräch, erhält er den Schlüssel für ein Zimmer. Verae öffnet seine speckige Gürteltasche, während die Nässe seiner Kleider auf den Boden tropft,  fördert ein paar Münzen zutage und gibt sie der Wirtin mit einem freundlichen Lächeln. Er geht die breite Treppe, auf den ausgetreten Stufen ganz nach oben in die ihm zugewiesenen Gemächer. Es ist ein sauberes und dem Anschein nach oft benutztes Zimmer. Es vermittelt einem den Eindruck von Gemütlichkeit und erinnert Verae daran, wie müde er doch eigentlich ist. Mit einem seltenen Gefühl der Sicherheit entschwindet Verae in das Land der Träume. Am nächsten Morgen und nach einer geruhsamen Nacht, macht sich Verae auf die Stadt zu erkunden und eine Arbeit zu finden.



Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Rashid am 29. Aug. 2007, 14:58 Uhr
<< Die Badehäuser

„Jorun Ånderdalen.“, wiederholt Rashid mit seiner sonoren Stimme und einem freundlichen Lächeln auf den Lippen. „Mein Name lautet Alat Rashid Ibn Tarfaya, aber belassen wir es bei Rashid, denn sonst ist unser Essen kalt, bevor Ihr mich darum gebeten habt, dass ich Euch das Salz anreiche.“ Aus seiner galanten Art, wie er Jorun die Tür des Badehauses aufhält, kann man leicht erkennen, dass er gute Manieren nicht gekünstelt zur Schau stellt. Die Normanderin zögert einen Moment, als wäre sie solche zuvorkommende Behandlung nicht gewohnt, folgt dann aber der auffordernden Geste des Südländers und tritt hinaus auf den Marktplatz. Es ist Abend, und aus Richtung Ildorel leuchtet der versinkende Ball der Sonne in einem glutigen Rot den Himmel aus. Die Marktstände weichen nach und nach den Schaustellern und Musikanten, und ein steter Strom von Menschen aller Regionen der Immerlande, füllt den Platz kaum weniger als zur Mittagsstunde.

Das ungleiche Paar reiht sich ein und lässt sich mit der Menge in Richtung Harfe treiben. „Ich bin eine ganze Weile nicht in Talyra gewesen und es hat sich doch vieles verändert. Ward Ihr zu der Zeit hier, wo dieser Dämon die Stadt verwüstet hat? Die Stadtherren müssen dies zum Anlass genommen haben, um einiges gleich mit auf Vordermann was in all den Jahren liegen geblieben ist.“, Rashid mustert die hoch gewachsene Frau neben sich, „Aber Ihr seht gar nicht wie eine typische Bewohnerin Talyras aus.“ “Sondern?!“, fragt Jorun keck und mustert den ehemaligen Karawanenwächter ihrerseits. „Nun ja, zumindest versuchen die meisten Bürgerinnen Talyras nicht den Eindruck zu erwecken, sie wären Männer!“ Rashid weiße Zähne blitzen in einem neckischen Lächeln zwischen seinen Lippen auf, während sie auf die Tür der Harfe zuschreiten. Als er jedoch diesmal die Tür für Jorun öffnen will, kommt sie ihm zuvor und schlüpft vor ihm in den Schankraum.

Die Goldene Harfe ist, unschwer zu erkennen, eines der am Besten besuchten Gasthäuser der Stadt, und am Duft der gut gefüllten Teller, die auf breiten Tabletts von eifrigen Bedienungen an ihnen vorbei getragen werden, erkennt man auch leicht warum das so ist. Es dauert eine Weile. Bis sie einen freien Tisch gefunden haben, aber als eine Gruppe junger Burschen einer äußerst hübschen Dame nach draußen folgt, packen sie die Gelegenheit beim Schopfe. „Ich für meinen Teil habe nach dem ganzen Geplansche im Wasser ordentlich Hunger und könnte ein halbes Rind verspeisen. Wie steht es mit Euch?“ Rashid winkt eine der kleinen Mogbar-Damen heran und fragt sich, wie sie bei dem ganzen Trubel den Überblick behalten können.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jorun am 04. Sept. 2007, 13:44 Uhr
« Die Badehäuser

»Ich bin eine ganze Weile nicht in Talyra gewesen und es hat sich doch vieles verändert. Ward Ihr zu der Zeit hier, wo dieser Dämon die Stadt verwüstet hat? Die Stadtherren müssen dies zum Anlass genommen haben, um einiges gleich mit auf Vordermann was in all den Jahren liegen geblieben ist«, erklärt Rashid, während er und Jorun in Richtung Harfe aufbrechen. Die Normanderin will gerade zu einer Antwort ansetzten, doch der Südländer spricht  bereits weiter. »Aber Ihr seht gar nicht wie eine typische Bewohnerin Talyras aus.« Jorun verdreht die Augen. „Sondern?!“, entgegnet sie keck. »Nun ja, zumindest versuchen die meisten Bürgerinnen Talyras nicht den Eindruck zu erwecken, sie wären Männer!«, antwortet Rashid lächelnd. Die Normanderin schnaubt verächtlich. „Pffff, dann liegt das vielleicht daran, dass ich nicht aus Talyra komme ...“, während sie den Südländer abschätzend mustert. Sie kommt ihm zuvor, öffnet die Tür der Goldenen Harfe und tritt ein. Beim Verlassen der Badehäuser hat der Südländer durchaus erkennen lassen, dass seine guten Manieren nicht nur bloßes Gehabe sind, aber derartig zuvorkommendes Gebaren ihr gegenüber ist Jorun nicht gewohnt. Das Gasthaus ist wie üblich sehr gut besucht und so müssen sich die beiden Neuankömmlinge erst einmal eine Weile nach einem freien Tisch umsehen, bevor sie Platz nehmen können.

Schließlich haben sie Glück und eine Gruppe Burschen drängt zum Aufbruch. Diese Gelegenheit lassen sich der Südländer und die Normanderin natürlich nicht entgehen. Rasch nehmen sie auf den frei gewordenen Stühlen Platz. »Ich für meinen Teil habe nach dem ganzen Geplansche im Wasser ordentlich Hunger und könnte ein halbes Rind verspeisen. Wie steht es mit Euch?«, meint Rashid gut gut gelaunt und Jorun grinst. „Ich? Ich gebe mich auch mit einer ordentlichen Schüssel Lammtopf und zwei Maultaschen zufrieden“, entgegnet sie. „Und dazu noch ein frisches Dunkel aus Verd, denke ich.“ Sie lacht kurz auf, verstummt aber sogleich wieder, als die Mogbar-Magd, die der Südländer herbei gewunken hat, zu ihnen an den Tisch tritt und sich nach ihren Wünschen erkundigt. Die Normanderin nutzt die Gelegenheit, ihre Worte wahr werden zu lassen und bestellt wie bereits gesagt eine Schüssel Lammtopf, zwei Maultaschen und ein großes Verder Dunkel. Anschließend nennt auch Rashid seine Wünsche und die Mogbar entfernt sich gleicht darauf, um die Bestellung der beiden zu erfüllen.

„Und, seit wann seid Ihr wieder in Talyra?“, erkundigt sich Jorun, sich an Rashids Worte erinnernd. Sie sieht den Südländer geradewegs an, während sie auf ihr Essen warten. „Glaubt mir, Ihr habt nichts aufregendes verpasst, wenn Ihr nicht in der Stadt ward, als der Dämon alles in Schutt und Asche gelegt hat“, fährt sie fort. Außer ihr findet Höllenhundangriffe abenteuerlich genug und habt nichts gegen klaffende Bauchwunden einzuwenden ... Immer noch kann sie sich allzu lebhaft an ihre Bekanntschaft mit der Höllenbestie zurück erinnern, und wenn man sie so dasitzen sieht, kann man kaum glauben, dass sie sich tatsächlich mit Axt und Dolch bewaffnet einem solchen Ungetüm  stellen musste. „Die Stadt war ein einziges chaotisches Schlachtfeld auf dem nicht nur viele meiner Kameraden starben“ Sie schweigt einen Moment. „Ich  selber habe die Stadt danach so schnell es ging verlassen und bin seither selten länger als nötig in Talyra gewesen, wenn überhaupt ... Die Schwinge macht erst seit kurzem wieder häufiger in Talyra fest.“ Jorun starrt nachdenklich in die Menge. „Aber erzählt von Euch“, meint sie schließlich. „Was führt Euch in die Stadt? Geschäfte? Sicher, was sonst ...?“ Sie betrachtet den Südländer kritisch.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sayila Arachelza am 22. Sept. 2007, 20:00 Uhr
<< Waffenschmiede Arachelza

Obgleich der Erntemond sich noch nicht seinem Ende zuneigt, ist es in den Straßen recht kühl, als Sayila sich auf den Weg in die Goldenen Harfe macht, und so zieht sie ihren Umhang enger um die Schultern. Raschen Schrittes geht sie durch die nun schon recht leeren Gassen, die beiden Kurzschwerter an ihrem Gürtel sanft hin und her schwingend.
Dass der Winter es in diesem Jahr etwas eilig hat, ist nicht zu leugnen; die Temperaturen der letzten Wochen erinnern eher an den kühlen Nebelmond, nur dass die Bäume dafür noch zu viel Laub tragen.

Als Sayila endlich die Goldene Harfe erreicht, ist sie erleichtert, wieder die Wärme eines Hauses betreten zu können.
Die Luft ist wie immer stickig und schwer, und der Pfeifenqualm wabert unter der Decke wie grauer Nebel. Fast alle Tische scheinen besetzt zu sein, lachende, sich unterhaltende und vor allem trinkende Leute sitzen hier, und obgleich an manchen Tischen noch mehr als die Hälfte der Stühle frei ist, zieht Sayila es doch vor, sich zwischen die vielen Leibern hindurch einen Weg in den hinteren Teil des Schankraumes zu bahnen, zu dem Tisch mit der Eckbank, zwischen der Treppe ins obere Geschoss und dem Wärme spendenden Kamin.
Hier hat sich zu ihrem Glück bisher noch niemand niedergelassen, und so setzt sie sich auf den Bank, in die kleine Nische hinter dem Kamin und streckt erst einmal die Beine aus.
Für einen kurzen Moment schließt sie die Augen. Es war ein anstrengender Tag heute, und die raue Atmosphäre der Harfe ist nun genau das Richtige für sie.
Bei einer vorbeieilenden Schankmagd bestellt sie - wie immer - ein Verder Dunkel und lehnt sich dann gemütlich zurück und lässt ihren Blick an der Ecke des Kamins vorbei in den für sie sichtbaren Teil der Schankstube wandern. Mit einem leichten Lächeln beobachtet sie die restlichen Gäste, von denen einige schon einen gehörigen Alkoholkonsum hinter sich zu haben scheinen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Rashid am 24. Sept. 2007, 12:16 Uhr
Um das ungleiche Paar herum, wallt der Trubel der Gäste wie ein stürmisches Meer um einen Fels. Beide müssen sich ein wenig einander zubeugen, um sich gut verstehen zu können. Die ausgelassene Stimmung herrscht eigentlich jeden Abend in der Harfe, und kurz wägt Rashid geschäftsmännisch ab, wie viel Gewinn ein solches Gewerbe wohl abwerfen wird. Sicherlich genug, um nach einer Weile nicht mehr selbst arbeiten zu müssen., stellt er dabei schnell fest, woraus folgt, dass Borgil seine Arbeit in der Tat sehr gern erledigt. Joruns Bericht über das Unheil, welches der tobende Dämon über Talyra gebracht hatte, während Rashid mit seiner kleinen Reisegesellschaft fern ab eine Reihe gefährlicher Abenteuer bestritten hatte, holt den kräftigen Südländer jedoch schnell wieder ins Hier und Jetzt. Jorun scheint sich nicht gern an diesen Tag zu erinnern, so dass Rashid das Thema nicht vertieft, auch wenn ihn der Bericht einer Augenzeugin sehr interessiert. „Ich bedauere Euren Verlust, auch wenn ich Eure Kameraden nicht kannte. Früher, und auch heute noch dann und wann, habe ich meinen Lebensunterhalt damit verdient, dass ich Karawanen und Handelreisen vor Übergriffen bewahrt habe. Dabei habe ich natürlich auch immer wieder Waffengefährten verloren, und kann Euren Verlust deswegen gut nachvollziehen.“

Jorun erwähnt ganz nebenbei auch die „Schwinge“, was Rashid dann schon etwas mehr sagt, denn mit Handel kennt er sich aus und weiß sehr wohl, welche Schiffe regelmäßig im gut besuchten Perlenhafen vor Anker liegen. Bevor er jedoch nach einer grüblerischen Pause Joruns dieses Thema vertiefen kann, erkundigt sie sich über seine Absichten hier in Talyra. „Hm, also eigentlich habe ich mich ein wenig mit dem Wind treiben lassen, und Ashas Füße haben mich quasi wieder her geführt, aber diese Stadt bietet einem Handelstreibenden viele Möglichkeiten, um sich den Lebensunterhalt zu sichern. Im Grunde beschäftige ich mich mit dem Import und Export seltener Güter auf Bestellung und der Organisation von Handelsreisen vom Lasttier über Proviant bis hin zum Begleitschutz. Ich hatte bereits vor meiner letzten Abreise damit begonnen, meine Kontakte hier aufzufrischen, bin dabei aber noch nicht soweit gekommen, wie ich es wollte. Das letzte Inari-Fest hat mich irgendwie davon abgehalten, und in dessen Anschluss haben sich die Ereignisse ein wenig überstürzt.“

Rashid hält kurz inne, um sich ein weiteres Verder zu bestellen, denn das ausgiebige Saunabad sorgt für ordentlichen Durst. Dann mustert er seinerseits Jorun, die trotz ihres burschikosen Aussehens sehr ansprechend auf Rashid wirkt. Vermutlich hat sich schon so mancher Mann über diesen hübschen „Jüngling“ gewundert!, denkt er verschmitzt. „Vielleicht ließe sich eine Geschäftsbeziehung zwischen uns beiden schließen, von der wir beide profitieren. Da Ihr den Ildorel regelmäßig bereist, könntet Ihr vielleicht hin und wieder eine kleine Lieferung für mich transportieren. Häufig handelt es sich um ein Kästchen mit erlesenen Gewürzen, seltenen Münzen usw., die in Eurem Gepäck nicht viel Platz wegnehmen würden, aber vermutlich müsstet Ihr das erst mit Eurem Kapitän absprechen. Oder ist euch so ein Nebenverdienst jeder Zeit gestattet?“ Das nachbestellte Verder Dunkel verhindert eine sofortige Antwort von Jorun, die nachdenklich drein blickt, so dass Rashid Zeit hat, um sein Glas zum Anstoßen zu heben. „Aber da wir nun schon eine Wanne geteilt haben und hier gemütlich beim Essen sitzen, sollten wir vielleicht die Förmlichkeiten ein wenig ablegen und uns Duzen, oder?“ Ein breites Grinsen lässt Rashid perlweiße Zähne blitzen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jorun am 01. Okt. 2007, 10:51 Uhr
»Ich bedauere Euren Verlust, auch wenn ich Eure Kameraden nicht kannte. Früher, und auch heute noch dann und wann, habe ich meinen Lebensunterhalt damit verdient, dass ich Karawanen und Handelreisen vor Übergriffen bewahrt habe. Dabei habe ich natürlich auch immer wieder Waffengefährten verloren, und kann Euren Verlust deswegen gut nachvollziehen.« Jorun nickt knapp ohne Rashids Worte weiter zu kommentieren. Rashid mag nachvollziehen können, wie es ist, einen Waffengefährten bei einem gewöhnlichen Überfall oder ähnlichem zu verlieren, aber sie bezweifelt, dass er vollständig verstehen kann, wie es sich anfühlt Freunde und Kameraden durch einen derart erschütterndes Ereignis wie dem Dämonenangriff zu verlieren. Bis zu jenen vergangenen schicksalhaften Stunden hatte die Normanderin niemals Probleme mit schlechten Träumen, doch seitdem ...? Auch wenn mittlerweile viel Zeit vergangen ist, plagen sie hin und wieder des Nachts alptraumhafte Erinnerungen, sodass sie gelegentlich tief in der Nacht schweißgebadet hochschreckt. Und auch wenn keiner ihrer Kameraden dies offen zugeben würde, so manchem Mann an Bord der Schwinge geht es ähnlich. Aus diesem Grund ist sie mehr als froh darüber, dass der Südländer das Thema offenbar nicht weiter vertiefen will und stattdessen auf andere Dinge zu sprechen kommt.

»Hm, also eigentlich habe ich mich ein wenig mit dem Wind treiben lassen, und Ashas Füße haben mich quasi wieder her geführt, aber diese Stadt bietet einem Handelstreibenden viele Möglichkeiten, um sich den Lebensunterhalt zu sichern. Im Grunde beschäftige ich mich mit dem Import und Export seltener Güter auf Bestellung und der Organisation von Handelsreisen vom Lasttier über Proviant bis hin zum Begleitschutz. Ich hatte bereits vor meiner letzten Abreise damit begonnen, meine Kontakte hier aufzufrischen, bin dabei aber noch nicht soweit gekommen, wie ich es wollte. Das letzte Inari-Fest hat mich irgendwie davon abgehalten, und in dessen Anschluss haben sich die Ereignisse ein wenig überstürzt.« Bei Rashids letzten Worten verzieht Jorun unwillkürlich das Gesicht und grinst schief. Typisch. Sie kann sich lebhaft vorstellenen, welcherart die Ereignisse des Inarifest waren, die die Pläne des Südländers durcheinander gewirbelt haben. Sie selber erinnert sich nur zu gut an ihr eigenes Inarifest-Erlebnis und muss schmunzeln, als sie kurz an Sayila und ihre lebenslustige Bekannte denkt. Bisher hat sie keine der beiden Frauen wieder getroffen, was sie in Sayilas Fall auch nicht sonderlich bekümmert, so abweisend wie sich diese ihr gegenüber verhalten hat.

Eine Schankmaid kommt an ihrem Tisch vorbei und Rasid nutzt die Gelegenheit, um ein weiteres Verder Dunkel zu bestellen, während Jorun dieses Mal ein Kupfer ordert. Fast schon gewohnheitsmäßig erwidert sie das Lächeln der Mogbar, die _die_beiden_Männer_ verstohlen mustert, errötet und sich anschließend kichernd entfernt. »Vielleicht ließe sich eine Geschäftsbeziehung zwischen uns beiden schließen, von der wir beide profitieren. Da Ihr den Ildorel regelmäßig bereist, könntet Ihr vielleicht hin und wieder eine kleine Lieferung für mich transportieren. Häufig handelt es sich um ein Kästchen mit erlesenen Gewürzen, seltenen Münzen usw., die in Eurem Gepäck nicht viel Platz wegnehmen würden, aber vermutlich müsstet Ihr das erst mit Eurem Kapitän absprechen. Oder ist euch so ein Nebenverdienst jeder Zeit gestattet?« Noch bevor die Normanderin auf die Frage des Südländers antworten kann, kehrt die Schankmaid zurück und stellt zwei volle Bierkrüge vor ihnen auf dem Tisch ab, von denen Rashid sogleich einen ergreift, um mit Jorun anzustoßen. »Aber da wir nun schon eine Wanne geteilt haben und hier gemütlich beim Essen sitzen, sollten wir vielleicht die Förmlichkeiten ein wenig ablegen und uns Duzen, oder?« Die Normanderin sieht in kurz abschätzend an, zuckt dann die Schultern und erhebt ebenfalls ihren Bierkrug. „Hm, meinetwegen“, brummt sie. „Nenn mich Ånderdalen, wenn's recht ist.“ Sie grinst keck. Das Jorun heb' ich mir lieber noch ein bisschen auf.

„Was _dein_ Angebot angeht, ich werde mit meinem Käpt'n darüber sprechen“, erklärt sie langsam. „Gegen einen kleinen Nebenverdienst hätte ich durchaus nichts einzuwenden, wenn Myre sich einverstanden erklärt.“ Sie lächelt unverbindlich. „Nun, wie gesagt, ich werde das mit ihm besprechen müssen.“ Nachdenklich nippt sie an ihrem Bier. „Wo kann ich _dir_“, die Anrede kommt ihr noch etwas schwerfällig über die Lippen, „gegebenenfalls in Talyra eine Nachricht zukommen lassen? Hier, oder hast _du_ einen festen Wohnsitz in der Stadt?“ Irgendwie kann sie sich nicht richtig vorstellen, dass dem so ist. Der Südländer scheint eher einem Menschenschlag anzugehören, der viel unterwegs und selten für längere Zeit an einem festen Ort anzutreffen ist. Zumindest glaubt sie dies ein wenig aus seinen Worten herausgehört zu haben ...

... Das Gespräch plätschert so dahin und Jorun wird zusehends entspannter. So neigt sich der Abend schließlich seinem Ende zu, während die verbliebenen Gäste ringsum immer heiterer werden, entscheidet sich die Normanderin irgendwann dafür zur Schwinge zurück zu kehren. Sie zahlt, verabschiedet sich von Rashid und verlässt letzten Endes die Harfe um in Richtung Harfen zu verschwinden.

Die 'Rabenschwinge' »

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lindan am 10. Dez. 2007, 19:45 Uhr
Dieser Morgen ist so gar nicht nach Lindans Geschmack. Nicht nur, dass das Wetter zum abgewöhnen ist - Schneeregen konnte er seinen Lebtag noch nicht ausstehen -, nein, wie er mit wenig Begeisterung feststellen musste, hat er anscheinend Mäuse als Untermieter. Zumindest lassen die Nagespuren und Köttel in, am und um den Sack mit der Hirse in seiner Vorratskammer darauf schließen. Und besagte Hirse körnchenweise zu verlesen, ehe er dazu kommt, sich was zum Frühstück zu machen, darauf kann er dankend verzichten. Außerdem ist das Brot schon wieder aus. Wenn ich es nicht besser wüsste, dann würde ich annehmen, dass hier noch jemand heimlich mitisst. Er weiß es besser, immerhin hat er selber einen Bannkreis um sein Haus und den Garten gelegt. Das würde zwar niemanden abhalten, es zu betreten, aber er würde es zumindest wissen, sollte er ungebetenen besuch haben. Einen Zauber gegen Mäuse... das wäre was... hmpf... Ich sollte mir eine Katze zulegen, oder besser einen Kater, dann laufe ich wenigstens nicht Gefahr, dass das Vieh irgendwann Junge wirft... Mit solchen und ähnlichen Gedanken stapft er mit finsterer Miene durch die Straßen Talyras, auf dem Weg in die Goldene Harfe. Nicht, dass er zuviel Geld hätte, aber dort kann er wenigstens sicher sein, dass das Essen seinen Preis auch wert ist.

Als er durch die Tür in den Gastraum der Harfe tritt, stellt er mit einem raschen Blick fest, dass er nicht der einzige Gast ist. Aber es wundert ihn nicht. Die Harfe ist das beste Haus in der Stadt, und schon von seinem früheren Aufenthalt in der Stadt weiß er, dass die Zimmer hier das ganze Jahr über gut belegt sind - erstrecht dann, wenn die Karawanen in der Stadt sind, so wie jetzt. Ein buntes Gewirr an Menschen, Zwergen, Elbenblütigen und anderen Völkern sitzt an den Tischen und widmet sich mehr oder weniger schweigsam der Nahrungsaufnahme. Lindan sucht sich einen freien Platz weiter hinten im Raum, in einer Ecke, die wohl nur deshalb noch nicht besetzt ist, weil sie am weitesten vom warmen Kaminfeuer weg ist. Hier hat er seine Ruhe, fällt nicht auf und kann sich neben dem Frühstück auch gleich auf den aktuellen Stand der städtischen Gerüchteküche bringen, als kostenlose Dreingabe sozusagen.
Er muss nicht lange warten, bis eine der Schankmägde an seinem Tisch erscheint und fragt, was sie bringen soll. Da er am Vorabend auch schon nicht richtig gegessen hat, entscheidet er sich für die deftige Variante: Ein Omelett, belegt mit Käse, reichlich salzigen Schinkenstückchen, Pilzen und würzigen roten Zwiebeln. Die Magd will ihm dazu so ein bitteres Gebräu aufschwatzen, Cofea, etwas ganz Neues aus Azurien, aber er lehnt dankend ab. Er bleibt lieber bei dem altgewohnten Tee. Der kostet nicht einmal die Hälfte von diesem neumodischen Schnickschnack, und schmeckt ihm auch besser. Die Magd verschwindet wieder und er ist sich selber, seinen Gedanken und dem gewisperten Gerede überlassen, dass von den anderen Morgengästen durch den Raum wandert. Er ist nicht immer stolz auf seine halbelbische Abstammung, aber in Situationen wie dieser ist er auch nicht böse drum. Es bereitet ihm nur wenig Mühe, Gespräche und Wortfetzen in seiner Umgebung wahrzunehmen und sich die für ihn interessanten Nachrichten heraus zu picken. Wenig später kommt ein Servierbursche und bringt eine irdene Kanne mit einer flachen Teeschale. Das Omelett dauert etwas länger, ist dafür aber ganz sicher frisch und auch dampfend heiß, als es auf seinen Tisch kommt. Mit reichlich Hunger macht er sich dann auch daran es restlos zu verspeisen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lindan am 15. Dez. 2007, 09:22 Uhr
Mit dem fortscheitenden Morgen füllt sich die Schankstube der Harfe immer mehr. Gäste, die hie rein Zimmer haben und auch erstaunlich viele Bürger auf dem Weg zum oder vom Markt. Aufmerksam beobachtet Lindan das Treiben um sich herum unter halb geschlossenen Lidern heraus. Wer ihn nicht kennt, würde glatt denken, dass er satt und zufrieden nach einer reichlichen Morgenmahlzeit ein klein wenig vor sich hin döst, ehe ihn sein Tagwerk erwartet. Doch dem ist nicht so. Zumindest nicht ganz. Sicher, sein Tagwerk erwartet ihn noch, er hat heute noch die eine oder andere Verabredung auf dem Platz der Händler. Aber er döst nicht vor sich hin, ganz im Gegenteil.

Seine Aufmerksamkeit gilt dem Kommen und Gehen, dem "Wer setzt sich zu wem" und "Wer kennt wen". Was ihm zu allererst auffällt, ist das Fehlen des Harfenwirtes. Dann die energische Mogbar hinter dem Tresen, die schon bald einen Burschen schickt, der weitere Schankmägde und Servierburschen rufen soll. Anscheinend ist hier am heutigen Morgen mehr los als sonst. Und vor allem mehr, als man erwartet hat. Und neben den alltäglichen Gesprächen unter Reisenden über das Wetter, den Zustand der Straßen und wann wohl der erste richtige Schnee käme und vor allem, wieviel davon, gibt es an diesem Morgen bloß ein einziges Thema: Die Tote, die man am Nordtor gefunden hat. Ein Bauer beschwert sich lautstark bei seinem Tischnachbarn darüber, dass die Blaumäntel die ganze Straße abgesperrt hätten und er mit seinem Karren über üble Trampelpfade im Wald einen Bogen machen müssen, um überhaupt in die Stadt zu kommen. "Ein Wunder, dass sich der Esel nicht die Beine gebrochen hat dabei", zetert es zwischen zwei Schluck heißem Met. "Die Blaumäntel tun bloß ihre Pflicht," versucht ein anderer zu beschwichtigen und erntet dafür zustimmendes Nicken von den einen und gegrummelte Unverständlichkeiten von dem eben noch zeternden Bauern. An anderen Tischen ergehen sich die Gäste in allen möglichen und unmöglichen Spekulationen darüber wer die Tote wohl sei, ob sie aus der Stadt ist oder vom Fahrenden Volk. Und an dem Tisch direkt neben dem von Lindan erzählt gerade ein hausierender Messerschleifer seinen Begleitern von dem Kesselflicker, der die Tote gefunden hat. "Doch, wenn ich es euch doch sage. Ich hab vorhin auf dem Markt neben ihm gestanden. Sein Maultier ist fast drauf getreten ehe es gescheut hat. Soll'n junges Ding gewesen sein. Und dann sind fünf Blaumäntel aufgetaucht um ihn in die Steinfaust zu holen, is noch gar nich lange her. Es gäb da noch Fragen ham se gesagt. Seine ganzen Sachen hat er einpacken und mitkommen müssen. Und bisher isser noch nich wieder aufgetaucht." Sichtlich zufrieden mit der Aufmerksamkeit seiner Begleiter nimmt der Mann einen tiefen Schluck aus seinem Krug. Und die Gerüchteküche kommt nach diesem Bericht auch am Nachbartisch ordentlich in Gange.

Lindan lehnt sich auf der Bank zurück, winkt die Schankmagd heran um seine Zeche zu begleichen und verlässt dann die Harfe wieder. Soso, ein Mord in Talyra. Wie es scheint ist auch die angeblich sicherste Stadt am Ildorel nicht gegen solche Taten gefeit. In Gedanken sortiert er die gehörten Gerüchte, das Gerede und Getratsche, streicht offensichtliche Übertreibungen und die wildesten Spekulationen und reduziert das Gehörte auf das, was nach seiner Meinung die einzig einigermaßen gesicherten Informationen sind. Ein totes Mädchen am Nordtor. Ein Kesselflicker hat sie gefunden und wurde später zur Befragung in die Steinfaust geholt. Und was auch immer passiert ist, es war so schlimm, dass sie anscheinend die Nordstraße und das Nordtor für einige Zeit komplett gesperrt haben... Hoffentlich klärt sich das schnell auf. Wenn das zu lange dauert, werden die Leute unruhig und misstrauisch, und wenn überall Stadtwachen herumschnüffeln, ist das noch nie gut für das Geschäft gewesen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Shyada am 05. Jan. 2008, 17:36 Uhr
Lange Zeit hatte sie sich wieder von Talyra fern gehalten. Wie sie oft in ihrem Leben war die Entscheidung zu gehen, recht spontan gewesen und auch wenn sie sie damals nicht bereut hatte, spätestens mit Einbruch des Herbstes, war ihr klar geworden, dass sie etwas an ihrem ewigen Fluchverhalten ändern musste. Im Süden, wo es permanent warm ist, wäre es ihr möglich ohne feste Behausung in den Tag hinein zu leben, aber hier wo die Winter von Schnee geprägt sind, ist es ein Ding der Unmöglichkeit. Und doch hatte sich alles in ihr gesträubt nach Talyra zurück zukehren. Aber wenn sie jemals etwas wie eine Heimat hatte, dann war es wohl dieses Stadt gewesen. Eine Stadt in der sie kein unbeschriebenes Blatt ist und in der mehr als eine handvoll Personen sie kennt oder schon  mal von ihr gehört hatte.
Einem ersten Impuls zufolge hatte sie sich kurz nach dem Inarifest auf Reisen begeben wollen. Einfach irgendwohin, ohne groß darüber nachzudenken, wohin sie ihre Füße tragen würden. Aber so schnell wie diese Idee entstanden ist, wurde sie auch wieder verworfen.
Sie hatte Zeit für sich gebraucht. Zeit um zu analysieren was geschehen ist während der vergangenen Monde, die sie mal wieder in der Steinfaust verbracht hatte. Während ihrer Überlegungen war sie zu dem Schluss gekommen, dass ihr Leben wohl unweigerlich mit dem steinernen Gebäude verbunden war. Wann immer sie Talyra den Rücken gekehrt hatte, irgendwann war sie doch wieder innerhalb der Mauern der Kaserne aufgewacht. Ein Zeichen? Ihre Bestimmung? Sie hatte oft darüber nachgedacht, ob ihr die Götter damit etwas sagen wollten, doch sie war nie zu einem Ergebnis gekommen und genauso genommen spielte es auch keine Rolle. Sollte wirklich etwas oder jemand festgelegt haben, dass ihr Weg sie immer wieder zur Steinfaust führen wird, so wäre es egal, was sie entscheidet, es würde doch geschehen.

Den ganzen Sommer hindurch hatte sie sich in den Wäldern rund im Talyra herumgetrieben und ihr in der Steinfaust wieder aufgenommenes Training fortgeführt. Es war ihre Beschäftigung gewesen und es hatte sie davon abgehalten wieder Dummheiten zu begehen. Allerdings hatte es ihr keineswegs dabei geholfen, sich endlich für einen Weg in ihrem Leben zu entscheiden. Sie wusste, dass der Zeitpunkt gekommen war. Schon lange bevor sie die Steinfaust verlassen hatte, doch auch wenn sie es nie jemanden offen gestehen würde: sie hatte Angst. Angst vor dem Unbekannten das sie allein betrifft. Würde sie zu einem braven Mütterchen werden, welches ihr Leben vor dem Herd verbringt? Würde sie Kinder kriegen und sie schlecht behandeln? Würde sie überhaupt fähig sein, Leute an ihrem Leben teil haben zu lassen, ohne ihnen permanent vor den Kopf zu stoßen? Auch wenn sie sonst selten eine Antwort auf ihre unzähligen Fragen wusste, bei der letzten kannte sie sie doch... Sie würde immer und immer wieder Leuten vor den Kopf stoßen. Egal ob beabsichtigt oder nicht. Niemand hatte ihr beigebracht sich zu integrieren und abgesehen von Olyvar hatte sich wohl auch nie jemand die vergebliche Mühe gemacht es doch noch einmal zu versuchen.
Aber auch wenn all die vergebliche Fragerei sie über den Sommer gebracht hatte, die kälteren Temperaturen der darauf folgenden Herbstmonate zeigten ihr nur allzu deutlich, dass sie sich entscheiden musste. So schnell wie möglich.
Sie hatte sich nur selten innerhalb talyrischer Stadtmauern gezeigt und es bewusst vermieden gesehen zu werden. Es wäre trotzdem naiv davon auszugehen, dass Olyvar nichts von ihrer Anwesenheit wusste. Mögen viele der Gardisten sie auch nicht mehr kennen, es gab von jeher genug Spitzel, die Olyvar alles mögliche Wissenswertes und Neuigkeiten zukommen ließen. Durch eine Verkettung von Zufällen war es Shyada schließlich gelungen an eine Möglichkeit zu kommen, um den Winter in einem warmen Bett zu verbringen, statt sich draußen frierend in einer Höhle zu verkriechen. Während einer ihrer seltenen Stadtbesuche war sie auf einen Mann gestoßen, der dringend jemanden als Schutz für seine Kinder suchte. Es war ein leicht paranoider Mann, der erst vor kurzem seine Frau durch einen tragischen Unfall verloren hatte und seit dem der Meinung war, dass man seinen Kindern nach dem Leben trachtete. Aus diesem Grund wollte er jemanden, der seinen beiden Mädchen lehrte wie man sich ein wenig verteidigen konnte und der ihnen auf Ausflügen Geleit bot.

Kindermädchen zu spielen hielt Shyada anfangs nicht für eine sehr angenehme Aufgabe, aber sie hatte sich genug Informationen eingeholt, um zu der Einsicht zu gelangen, dass es wenig Aufwand für eine warme Unterkunft, Essen und Geld wäre. Kurzum hatte sie sich mit dem alten Herren in Verbindung gesetzt und war mit ihm überein gekommen, dass sie Geleitschutz für seine Töchter spielen würde. Auf ewig dankbar dafür, dass er jemanden gefunden hatte, war es Shyada möglich weitere Vorteile für sich herauszuarbeiten, so dass man in der Stadt möglichst wenig von ihrer neuen Tätigkeit herausfinden würde.
Fortan zeigte sie den verwöhnten Gören, wie man sich gegen handgreifliche Männer verteidigen konnte und fuhr brav mit ihnen zu Besuchen von Verwandten oder Bekannten. Anfangs hatten diese Ausflüge ihr einiges an Selbstbeherrschung abverlangt, aber nach einer gewissen Zeit stellte sich eine Routine bei der Ausübung ihres Geleitschutzpostens ein und sie betrachtete die Sache seitdem aus einer gewissen Distanz. Sie aß weder auf Familienfeiern, noch bei den alltäglichen Mahlzeiten mit der Familie zusammen, sondern hielt sich außerhalb ihrer Dienstzeiten oft allein oder außerhalb des Hauses auf. Sie wollte keine persönliche Verbindung zu der doch leicht merkwürdigen Familie, aber sie sicherte ihr einen gewissen Luxus zu, so dass Shyada ihre Pflichten ausübte, aber darüber hinaus so unnahbar wie üblich blieb. Ein weiterer Vorteil dieser Zusammenarbeit war die Beziehung des Hauses zum Haus der Bücher. Shyada hatte so die Möglichkeit noch mehr über Ardun und Torhof zu erfahren, denn obwohl von anderen Sorgen geplagt, waren die Fragen nach dem Warum ihrer Entführung nie verstummt. Aber abgesehen von den allgemeinen Fakten, die man über jede Stadt wusste, konnte sie nicht viel in Erfahrung bringen. Trotzdem half ihr jedes neu gewonnene Wissen, kleinere Puzzelstücke zu einem Größeren zusammenzufügen und sie wusste, dass sie in nicht allzu ferner Zukunft nach Torhof reisen würde. Auch wenn sie auf allerhand Fragen nie eine Antwort kriegen würde, auf diese würde sie nicht verzichten. So einfach beließ sie es nicht dabei, wenn man sie scheinbar nicht grundlos entführen wollte...

Durch das neu verdiente Geld hatte sich Shyada auch endlich des stark beschädigten grünen Kleides entledigt, dass sie eins von Olyvar bekam. Es hatte der üblichen figurbetonten Kleidung Platz gemacht, die sich aber besser mit den kalten Herbst- und Wintertemperaturen vereinbaren ließ. Auch der Dolch von Diantha wurde nicht länger von ihr benutzt und gegen zwei neue ausgetauscht, die extra für sie gefertigt worden waren und darum besser in der Hand lagen. Dennoch hatte sie Dianthas Dolch nicht entsorgt, sondern bewahrte ihn weiterhin in ihrem Zimmer des etwas heruntergekommenen Hauses im Nordwesten der Stadt auf. Die Erfahrung hatte sie gelehrt, dass sie zu oft ihr Hab und Gut verlor und dass es von Vorteil wäre Ersatz zu haben.
Auch hatte sie sich daran gewöhnt häufiger mal in den Gasthäusern der Stadt zu speisen, da es dort mehr Abwechslung gab, als bei den verwöhnten Töchtern ihres Auftraggebers. Zwar bedeutete dies immer potentielle Gefahr angesprochen zu werden, aber sie zog sich meist verhüllt in dunkle Ecken zurück und wurde dann auch oft in Ruhe gelassen oder gesellte sich zu ebenfalls schweigsam aussehenden Tavernengästen.

Auch an diesem Abend, nach einem weiteren Besuch des Haus der Bücher hat sie sich wieder einmal dafür entschieden außer Haus zu essen und sich zur Goldenen Harfe begeben.
Es hatte Gerüchte in der Stadt gegeben. Nicht, dass Shyada viel darauf hält oder sich sonderlich dafür interessiert, wer wie den Tod gefunden hatte, aber das Leben in der Stadt verleitet einen dazu, eine gewisse Neugierde für derlei Dinge zu entwickeln. Viel amüsanter findet sie es jedoch, sich die zig unterschiedlichen Versionen anzuhören, die zusammen einen derartigen Kauderwelsch ergeben, dass es absurd erscheint, dass die Leute ihr eigenes Seemannsgarn glauben. Einzig die Tatsache, dass ein junges Ding den Tod gefunden hat, bleibt gleich. Und auch, wenn man sich wohl im Allgemeinen darüber einig ist, dass es wohl kein schöner Tod gewesen sein soll –manche sprechen sogar von riesigen Mengen an Blut, die wohl halb Talyra hätten versinken lassen können- so schert sich Shyada kein bisschen darum und zieht es weiterhin vor den albernen Geschichten bezüglich des Mordes zuzuhören, die so manch Besoffener in der Harfe zum Besten gibt.
Als ihr Essen und der verdünnte Wein gebracht wird, nickt Shyada kurz zum Dank und reicht auch gleich die Münzen an die Bedienung weiter. Es würde später lästiges Warten ersparen und sie könnte gehen, wann immer ihr danach ist. Die Männer am Nebentisch sind mit ihrem Kartenspiel beschäftigt, werfen aber gelegentlich spekulierende Blicke in Shyadas Richtung, die sie alle gekonnt ignoriert. Alle anderen Tische scheinen ebenfalls von Leuten besetzt zu sein, die sich kennen oder wahrhaftig sympathisch sind. Was aber auch nur ein netter Nebeneffekt des Alkohols sein mag. Einzig an ihrem Tisch sitzt ein alter, bereits gebeugt gehender Mann, und löffelt eifrig seine Suppe, ohne Shyada auch nur den Hauch von Beachtung zu schenken. Also die ideale Gesellschaft von ihr. Während sie langsam von dem Braten und dem frischen Brot isst, geht sie der Reihe nach die Tische durch, findet heute aber nur wenig interessantes Gesprächsmaterial und belässt es dabei. Stattdessen macht sie sich innerlich schon auf den morgigen Tag gefasst, denn da steht erneut ein Ausflug der Töchter des Hauses an, da man ja schließlich Glückwünsche für den neuen Zwölfmond überreichen muss. „Was für ein Spaß...“ murmelt sie leise vor sich hin und schüttelt sacht mit dem Kopf, als der alte Mann sie kurz ansieht.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 06. Jan. 2008, 15:55 Uhr
~ Von Grünglanz bis Silberweiss ~


Als hätte die Belegschaft der Harfe auf ihre Rückkehr gelauert, wie die Katze auf die Maus, hört man den Tumult aus dem Innern schon, als sie mit dem voll bepackten Wagen und den zwei Pferden um die Ecke auf den Marktplatz einbiegen. Azra, kalkweiss im Gesicht und im Kampf mit ihrem Abendessen verstrickt, lehnt an Borgils Schulter, blickt aber aus grossen Augen auf, als die helle Fassade ihres Hauses in Sicht kommt. Beim Anblick des unverrückbaren, standhaften Gebäudes mit dem markanten Strohdach, den kleinen, hell erleuchteten Butzenfenstern und den Wildrosen, die Halla mit einigen Schankmädchen zusammen im Frühling einmal gepflanzt hat, und die nun wild um den rustikalen Türrahmen des Eingangs wuchern, geht Azra das Herz auf und Freudentränen verschleiern ihr die Sicht. „Oh Borgil“, seufzt sie erstickt und beginnt zu strahlen, während ihre Augen an ihrem Zuhause kleben. Endlich daheim, endlich wieder im eigenen Bett schlafen, Halla, Grid, Sigrun! Über ein halbes Jahr sind sie fort gewesen, haben nur hin und wieder einen Briefe geschickt, um Halla zu versichern, dass es ihnen gut gehe, jedoch keine Antwort erhalten, da der Bote sie nicht erreicht hat. Vor lauter Glück jauchzt Azra leise und Tränen rinnen ihr über die Wangen. Eine davon tropft auf Brenainns Gesicht, der aufwacht, sich schläfrig aufrichtet und wie ein verschrecktes Käuzchen in die Dunkelheit blinzelt. Beruhigend streichelt sie dessen weiches Haar und fragt sich insgeheim, ob das Ungeborene – mittlerweile ist sie sich sicher, dass sie schwanger ist – auch so rotes Haar haben wird. Hoffentlich, schmunzelt sie und schielt zu Borgil auf, dem die Erleichterung ins Gesicht geschrieben steht.
Und dann geht die Welt in Freudengeheul und herzerwärmenden Umarmungen unter. Azra schafft es nicht einmal beide Füsse auf den Boden zu setzen, da ist Halla auch schon bei ihr und zieht sie in eine herzliche, innige Liebkosung. Azra lässt es sich widerstandslos gefallen, drückt ihre Freundin an sich und weiss nicht wohin mit der Freude, die sie schluchzen und strahlen lässt, als gäbe es kein Morgen mehr. Dann wird sie mit Sorgenbekundungen, Fragen, Ausrufen und halbernst gemeinten Drohungen überhäuft, so dass sie gar nicht erst dazu kommt, sich zu erkundigen, ob alles in Ordnung sei, es jedem gut gehe, niemand krank gewesen wäre, die Harfe nicht in der Zwischenzeit einmal abgebrannt wäre und dergleichen. „Erging es euch allen wohl? Warum hat es so lange gedauert? Was habt ihr alles gemacht? Wo seid ihr überall gewesen? Hattet ihr Schwierigkeiten? Seit wann kann Brenainn richtig laufen? Wem sind die Pferde? Wir dachten schon, wir würden euch nie wieder sehen! Die wenigen Briefe sind immer viel zu spät gekommen... jeden Tag einen Burschen geschickt… nie Nachricht… Sorgen gemacht… viel zu lange… blass… Tee… Hochzeit…“ Azra lächelt nur noch und weint, strahlt in die Runde, umarmt und grüsst, umarmt noch einmal, lässt sich von einem Paar Arme ins nächste schieben, reicht Brenainn weiter, der glatt das Brüllen anfängt, als man ihn mit Küssen und Streicheleinheiten überhäuft. Tiuri ergeht es nicht besser, er hat lediglich das Glück an die zwei Schritt heran zu reichen und damit die Reichweite mancher zu herzlicher Hände zu sprengen. Natürlich ist auch er überglücklich wieder zu Hause zu sein, doch sich wie ein kleiner Junge in die Wange kneifen und sich sagen zu lassen, er sei wieder einmal unverschämt viel gewachsen, ist ihm dann doch zu viel und Azra sieht noch, wie er sich mit abwehrenden Gesten der Mauer entlang in Richtung seines Hengstes schleicht. Der schnaubt bereits unruhig und macht damit auch ihre kleinere Stute nervös, die schon gar nicht mehr weiss in welche Richtung sie eigentlich tänzeln soll. Azra jedoch kann jetzt nicht zu der jungen Stute, selbst wenn sie wollte, denn Sigruns eiserner Griff lockert sich nicht, bis sie endlich in der Harfe stehen und dann ist das Merenspferdchen vergessen.
Azra erstarrt noch auf der Eingangsschwelle, blinzelt in eine Wolke aus Rauch und Bratenduft und muss sich am Türrahmen festkrallen, um nicht einfach in haltloses Schluchzen und Weinen auszubrechen. Der letzte Rest an eiserner Willenskraft, sich nicht völlig gehen zu lassen, verwandelt sich in Plumpudding und mit kaum mehr als einem leisen Fiepen macht sie einen Schritt nach vorne, hinein in den Schankraum, hinein in ihr Haus, hinein in ihr Leben. Ihr Herz stolpert über vor Glücksgefühlen, springt freudekreischend im Kreis und lässt Azra schwer nach Luft schnappen, bis sie irgendwann von all denen, die noch draussen stehen sanft nach vorne gedrängt wird. Einige der Gäste erheben sich und strömen zusammen, andere bleiben verdattert sitzen und wissen mit dem plötzlichen Chaos gar nichts anzufangen. Fremde, ganz offensichtlich, denn alle Stammgäste stehen auf, oder heben zumindest zum Willkommensgruss ihre Becher und Krüge in die Höhe. Borgil steht schon mitten im Schankraum, kann sich kaum noch retten vor lauter Schulterklopfen und Händeschütteln, aber Azra kann es seiner Nasenspitze ablesen, dass ihn das mehr rührt, als er zugeben will. Stumm sieht sie ihn an, während rundherum ein einziger Freudentaumel losbricht, beobachtet, wie er sich bemüht trockene Kommentare in die Runde zu werfen und den eisernen Zwergen zu markieren, den man ja so vermisst hat. Irgendeine gute Seele reicht ihr schliesslich ein Taschentuch, dann findet endlich Brenainn auch wieder den Weg zurück an ihre Brust und dann wird sie prompt auch schon zum nächsten Tisch geschoben. Borgil braucht gar nicht darum bitten, dass man sich um den Wagen und die Pferde kümmert. Letzterer hat Tiuri sich längst angenommen – und sich damit um weitere Peinlichkeiten gedrückt – und Ersterer wird bereits von dem Stallknecht und einem Harfenburschen versorgt. Borgil kann nur noch dasitzen und blinzeln, derweil Halla um die beide herumhüpft und Azra sich mit so grossen Augen umsieht, als wäre sie zum ersten Mal in der Goldenen Harfe. Als Borgil das Bier für den heutigen Abend auch noch für frei erklärt, ist es aus mit der Ruhe und selbst die wenigen Gäste, die den Harfenwirt nicht kennen, stimmen ins laute Grölen und Jauchzen ein. Sigrun eilt mit wehenden Röcken in die Küche, scheucht die Mädchen auf, Halla scharwenzelt zwischen den Tischen umher und dirigiert die Knechte, welche das Gepäck abladen, Grid sorgt sich um jene hungrige Mäuler, die auch noch gefüttert werden wollen und als schliesslich jemand irgendwo eine Fidel auspackt, beginnt der Spass erst.
Sehr viel später erfährt Azra von einer bereits leicht angetrunkenen Halla – Tiuri hat sich kleinlaut zu ihnen an den Tisch gesellt, als Sigrun Wildfleischragout mit Beerenweinsauce aufgetischt hat – dass sie wahrhaftig jeden Tag einen der jungen Boten persönlich ausgesandt hat, um die Schiffe aus Richtung Sûmera abzupassen und mit wehenden Fahnen zurück zu eilen, sollten sie ankommen. So auch an diesem schwülen Sommerabend. Mit einem sanften Lächeln auf den Lippen nimmt Azra einen Schluck von dem besten Met der ganzen Immerlande und erinnert sich an die ausgelassene Hektik, die von Besatzung wie Passagieren Besitz ergriffen hatte, als Talyras goldgezeichnete Umrisse sich im Dunst der Ferne abgezeichnet hatte. Von Brioca herauf war Nebel aufgestiegen und hatte die Stadt in ein Gespinst aus Grau und Silber gekleidet. Wäre die tiefrote Sonne nicht gewesen, Talyra wäre im blassen Rest des Tageslichts versunken. Doch auch dann hätte Azra sich keinen schöneren Anblick vorstellen können.

Wie auch jetzt, hatten ihr damals Tränen die Sicht verschleiert, als sie an der Reling geklebt war, den Kopf an Borgils Schulter gelehnt und den Blick starr auf Talyra gerichtet. Heimat, hatte sich ihr ein Gedanke aufgedrängt und ehrfurchtsvoll hatte sie das Wort in den lauen Seewind geflüstert. Niemals zuvor war ihr so klar geworden, was Heimat wirklich bedeutete. Wie viel Sehnsucht hatte allein im Gedanken an Talyra verborgen gelegen, wie schwer hatte jeder Herzschlag gewogen, während dem sie sich all ihrer Freunde erinnert hatte? Borgil hatte sie Abend für Abend trösten und einmal gar schwören müssen, dass sie bald wieder zu Hause wären, in Talyra, in der Goldenen Harfe, dort, wo sie hingehörten.
Abgelenkt hatte Azra sich damit, auf dem Marktplatz der Tausend Farben in Surmerâ allerlei exotischen Krimskam zu erstehen – beim Anblick eines kheyrisischen Teppichs, der genau so alt aussah, wie er war, hatte Borgil nur noch die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen und gefragt, ob sie die die Harfe in einen azurianischen Sultanspalast verwandeln wolle. Mit wildem Gefuchtel und noch viel verzweifelteren Argumenten hatte Azra hastig zu erklären versucht, dass ihrer beider Zimmer ein wenig mehr Farbe ruhig vertragen würde, ihr alter Teppich mehr Löcher hätte als Sigruns grösstes Sieb, dass es auch ganz sicher nicht viel gekostet hätte und sie doch eigentlich gar nichts gegen die alte Einrichtung habe, nur es halt ein wenig karg wirke, obwohl das natürlich nichts Schlechtes sei und… Sie redet sich um Kopf und Kragen, bis ihr die Luft weg bleibt. Bevor Borgil sich versieht hat er es geschafft seine Frau völlig aus der Bahn zu werfen. Er ist es aber auch, der danach fast eine volle Stunde in einem nahe gelegenen Gasthaus sitzt, seiner hicksenden und schniefenden Frau den Rücken tätschelt und gleichzeitig seinen putzmunteren Sohnemann davon abhält den Schankmaiden unter den Rock zu kriechen.
Tiuri hatte sich in der Zwischenzeit mit Borgils Segen (und Geld) alleine auf die Suche nach einem passenden Pferd begeben, denn mittlerweile mutet seine Gestalt auf einem der Harfenponys nicht nur lächerlich an, seine Zehen streifen dank seinen nicht enden wollenden Beine auch schon über den Boden. Azra hatte sich für ihn gefreut, doch als Borgil ihr offenbart hatte, dass er gedachte auch für die ein Pferd zu besorgen, war sie erst kalkweiss und dann quietschrot geworden. „Das ist… unmöglich!“, hatte sie, nachdem sie den ersten Schock überwunden hatte, hervorgebracht, dann waren halbernste und, angesichts Borgils zuckenden Schnurrbartspitzen ganz offensichtlich, amüsante Einfälle gefolgt wie: „Viel zu teuer!“, „Ich habe Angst vor Pferden!“, „Ich kann nicht reiten!“, „Ich könnte jemanden verletzen! Wirklich!
Ihr Gejammer hatte überhaupt nichts geholfen. Borgil hatte sie eigenhändig auf den berühmten, surmerischen Pferdemarkt geschleift, der legendär war für seine Vielfalt und seine Grösse. Fast den ganzen Morgen hatte Azra ihrem Mann dabei zugeschaut, wie dieser ein Pferd nach dem anderen unter die Lupe genommen hatte, ohne sich lumpen zu lassen. Nach einigen Patzern, Fehlgriffen und Misserfolgen hatte er ihr schliesslich eine kleine, noch junge Stute gekauft und im gleichen Augenblick waren sämtliche Sorgen und Bedenken verflogen. Obwohl Azra weder Rasse noch Name gekannt hatte und der Preis ihr auch jetzt noch die Röte ins Gesicht treibt, war es ihr unmöglich gewesen sich damals nicht sofort in das wunderschöne, kleine Pferdchen zu verlieben. Fast so weiss wie frisch gefallener Schnee, mit einem Schimmer von Gold und Beige von den zierlichen Beinen, dem schlanken Hals, über den drahtigen Rücken bis zu dem schmalen, eleganten Kopf. Lediglich die weichen Nüstern zeichnet ein Hauch von Rosa und Schwarz. Seufzend und verzückt lächelnd hatte Azra vor der Stute gestanden, sie gestreichelt und angeschaut und hatte sich kaum von ihrem Anblick losreissen können. Irgendwann hatte Borgil sie darauf hingewiesen, dass auch Tiuri hier irgendwo noch sein musste… nur wenige Augenblicke, bevor in einiger Entfernung bei den schwereren Pferden ein mittlerer Tumult ausgebrochen war.
Azra hatte fest daran geglaubt, Tiuri wisse was er tue, sie hatte ihm heimlich die Daumen gedrückt und ihm Glück gewünscht, auf dass er ohne Schwierigkeiten und ohne die ausgemachten Bedingungen zu umgehen ein Pferd fände. Gefunden hatte er auch eines… aber als Azra dem von oben bis unten vollkommen dreckigen, tobenden Ungeheuer gegenüber  gestanden hatte, war sie hastig hinter Borgils Rücken gehuscht und hatte alle Götter gleichzeitig um einen Funken Verstand für Tiuri angefleht. Erst sehr, sehr, sehr viel später – als ihr nicht alleine die Nähe des alten, abgehärmten Schlachtpferdes einen Schrecken eingejagt hatte und Borgil seine „Begeisterung“ überwunden hatte – hatte sie Tiuri gefragt, warum es genau dieser Hengst hatte sein müssen.
Tiuri hatte den Schwarzen angesehen und dann leise erzählt, wie auf dem Pferdemarkt vorgefallen war und wie es ihm dabei ergangen war. Azra hatte stumm zugehört, hin und wieder genickt und Tiuri schliesslich vor lauter Rührung um die Hüfte umarmt und ihn gleichzeitig einen heillosen Chaoten geschimpft. Leider nur halb so ernst, wie sie es eigentlich gerne gehabt hätte.
Trotzdem hatte sie Tiuri nicht erlaubt Brenainn auch nur auf zehn Schritt Nähe an den Hengst heran zu lassen.

Mittlerweile, nach der ewig langen Seefahrt, fürchtet sie sich nicht mehr so sehr vor dem Grossen, wie sie den Hengst nennt. Aber eine gehörige Menge an gesundem Respekt ist ihr trotzdem geblieben – und bleibt, als sie nur wenige Wochen nach ihrer Ankunft in Talyra die ersten, schmerzhaften Versuche Tiuris miterlebt, wie er versucht sich dem Hengst zu nähern und ihn gar zu reiten. Das Tier bockt, tritt aus und beisst und wenn Tiuri es schafft den Sattelgurt zu schliessen, grenzt es schon fast an ein Wunder. Manchmal, wenn der Junge sich einmal mehr vom Boden aufrappelt und sich den Staub von den Hosen klopft kommen Azra Zweifel, ob der Hengst die richtige Wahl gewesen ist, doch Borgil wie auch Tiuri kämpfen verbissen weiter. Wochenlang arbeiten sie mit dem Hengst, der Borgil, wie dieser ihr irgendwann gesteht, gar nicht so unbekannt ist, wie zuerst angenommen. Der Hengst soll einst einem bekannten Ritter gehört haben und damals galt der Grosse als unglaublich fähiges Schlachtross. “Es muss ihm schlecht ergangen sein“, gibt Borgil auf ihre Bitte, diesem Unsinn doch endlich ein Ende zu bereiten, zu bedenken und plötzlich kann Azra gar nicht mehr anders als Beten, dass Tiuris Dickschädel länger hält als die Angst und die Verbitterung des Hengstes.
Mit ihrer jungen Merensstute verhält es sich leider genau umgekehrt. Nicht das Pferd muss dazu gebracht werden ruhig zu bleiben – das tut die Stute mit überraschender Disziplin für ihr Alter -, sondern Azra davon überzeugt werden auch nur einen Fuss in die Steigbügel zu setzen. Vier Siebentage lang weigert sie sich vehement dagegen Reiten zu lernen, obwohl sie sich tagtäglich um das kleine Merenspony sorgt und es ihm an nichts fehlen lässt. So lange, bis Borgil ihr erklärt, dass er die Stute jemandem anderem überlassen muss, wenn sie sich nicht endlich getraut. Das junge Ding könne nicht ewig im Stall herumstehen und nur Heu fressen. Es brauche Bewegung, Erziehung, Auslauf, zählt er mit ernster Miene eines Abends auf, nachdem sie sich mal wieder um verschiedene Arten von Prellungen, Schürfwunden und Kratzern bei Tiuri gekümmert hat. Als er mit seiner vorsichtigen Zurechtweisung fertig ist, ist Azra längst auf ihr schlechtes Gewissen zusammen geschrumpft und kaum noch grösser als ein Gnom mit Hut.
Es ist ein sonniger Beerenreifmorgen, als sie schliesslich zum ersten Mal auf dem Rücken der Stute sitzt. Rotgoldenes Laub raschelt unter den kleinen Hufen, als Borgil die Stute vorsichtig am Zügel einmal im Kreis gehen lässt und Azra das Spiel der Muskeln unter sich konzentriert mitverfolgt. Angespannt klammert sie sich an der hellen Mähne der Stute fest und wagt sich nicht einen Sekhel zu rühren. Alles was die Stute tut, ist laufen. Gemächlichen Schrittes und mit sicheren Bewegungen schreitet sie Borgil so würdevoll es ihr mit dem versteinerten Päckchen auf dem Rücken möglich ist hinterher. Nicht einmal als Azra leise aufquietscht, weil sie seitlich abrutscht, rührt das Pferdchen sich. Ganz im Gegenteil. Es bemüht sich hastig das Ungleichgewicht aufzufangen, was aber leider nur dazu führt, dass Azra prompt auf der anderen Seite zu Boden geht. Dank dem weichen Laubteppich, der die Lichtung bedeckt, passiert aber nichts und ein paar Minuten später sitzt Azra wieder oben auf.
Irgendwann ist aber auch die Geduld der jungen Stute erschöpft und tänzelnd versucht sie gegen Borgils eisenharten Griff anzukommen. Azra kann nicht verleugnen, dass sie glücklich darüber ist, denn in der Zwischenzeit tun ihr sogar Knochen weh, von deren Existenz sie nicht einmal etwas geahnt hat. Unter Borgils breitem Grinsen schleicht sie breitbeinig durch den Hintereingang der Harfe und lehnt die darauf folgenden Tage höflich ab, wenn ihr jemand einen Stuhl anbietet.
Zur gleichen Zeit geht es in der Harfe drunter und drüber. Die Herbstkarawane ist in Talyra eingetroffen und Halla, Sigrun, Borgil und Azra sind tagelang damit beschäftigt Warenlisten zu erstellen, den Vorrat aufzustocken und sich mit ehrlichen und weniger ehrlichen, aber immerzu gewitzten Händlern herumzuschlagen, die ihre Waren auch völlig überteuert verkaufen, finden sie einen einfältigen Tölpel, der ihnen in die Falle tappt. Da Azra für zähneknirschende Verhandlungen bis aufs Blut noch nie sonderliches Geschick bewiesen hat, überlässt sie das Feilschen lieber Halla und Borgil und kümmert sich derweil darum die ergatterten Güter vollständig zu erfassen und zu versorgen. Einen ganzen Siebentag lang erfüllt der Geruch nach orientalischen Gewürzen die Harfe. Salz aus Harkan’nar, elend teurer Safran in allen Farben aus Culuthux, Pfeffer aus Kheyris, Datteln, Feigen, Olivenöl, alles was Sigruns Herz ein paar Takte höher schlagen lässt. Zwischen kostspieligen Einkäufen, Buchführung und allgemeinem Rummel finden Borgil und Azra trotzdem noch Zeit Niniane, Cron, Raven, Caewlin und auch Arwen zu besuchen, um ihre Rückkehr zu feiern und sich ausgiebig über die Geschehnisse während ihrer Abwesenheit informieren zu lassen. Halla hatte zwar schon alles Wichtige heruntergerattert, aber es in Ruhe noch einmal zu besprechen und zu durchdenken ist dann doch etwas anderes. Zwischen Orangentee und Wacholderplätzchen erfahren sie so einiges, was nicht nur nachdenkliches Augenbrauenzucken weckt. Borgil bleibt gelinde gesagt der Mund offen stehen, als Niniane ihnen von Olyvars überstürzter Hochzeit auf dem Inarifest berichtet. Dabei ist es wohl weniger die Tatsache an sich, dass der Lord Comander wieder geheiratet hat – wer will es ihm verdenken -, sondern eher die Wahl seiner Braut, die ungläubiges Staunen hervorruft. Azra kann sich zwar nur noch vage an das Aussehen des blassen, blonden und vor allen Dingen sehr unhöflichen Mädchens auf dem Inarifest vor einem Jahr erinnern, aber die Unruhe und die krampfhafte Anspannung am Tisch ist ihr geblieben. Diantha ist ihr Name und sie sei eigentlich sogar sehr nett, und natürlich über beide Ohren heillos in Olyvar verliebt. Azra gibt ein entzücktes Seufzen von sich, während Borgil noch immer skeptisch wirkt.
Und dann gibt es da noch Ninianes unerwarteten Gast, dessen Unhöflichkeit und Respektlosigkeit ihrer Gastgegeberin, aber vor allem auch Cron gegenüber, die Halbelbe dazu gebracht haben, ihn vor die Tür zu setzen. Soraya, wie die Elbe heisst, wohnt nun in einer kleinen Hütte nahe des Ufers des Ildorel. Azra hat zwar bereits Gerüchte kursieren hören über eine seltsame Elbe am Stadtrand, wäre aber nicht im Traum darauf gekommen, sie könnte etwas mit Niniane zu schaffen haben. Deren Gesicht wird undurchschaubar, als sie schliesslich davon berichtet, was Soraya genau hier zu suchen hat. Im Verlaufe des Gesprächs fallen einige Namen, mit denen Azra überhaupt nichts anfangen kann, die Borgils Miene aber so finster werden lassen, dass selbst Brenainn vom Schoss seines Vaters flüchten will. Azra, völlig ahnungslos, fragt vorsichtig nach, was es denn mit diesem Serassher auf sich hat und erhält eine knappe Zusammenfassung dunischer Geschichte samt tragischem Ende.
Erst als der Mond schon hoch am Himmelszelt steht und alle Kekse auf geheimnisvolle Art und Weise verschwunden sind, machen Azra und Borgil sich auf den Heimweg. In der Harfe angekommen bringen sie Brenainn zu Bett – Azra klaubt sämtliche Kekse und Krümel aus seinen Hosentaschen – und reden dann bis weit in den Morgen, denn Azra lässt die Geschichte um die Elben Dunes und den Normandern nicht los. „Sind nicht Cron und Caewlin Normander? Warum hat dann Niniane… ist doch schon so lange her… Blödsinn…“ Erst als Azra sich über die Dummheit der Elben und die Grausamkeit der Normander ausgelassen hat und gleichzeitig mit fester Überzeugung erklärt hat, dass das so nicht weitergehen könne, schlafen sie ein.
Wenige Tage später holen sie den Besuch bei Raven und Caewlin nach und auch bei Arwen schauen sie vorbei. Erntemond, Blätterfall und Nebelfrost ziehen vorbei, bis Azra sich endlich einen Ruck gibt, Brogil von seinen Rechnungsbüchern fortzieht und zu einem Spaziergang im Larisgrün zwingt. Zwar weiss sie es nun bereits eine geraume Weile, aber irgendwie hat sie nie die Zeit und die Ruhe gefunden Borgil von ihrer Schwangerschaft zu erzählen. Ihn inmitten von Fässern mit eingelegtem Dörrfleisch und ganzen Säcken frischer Pilze darauf hinzuweisen, dass er in einigen Monden wieder Vater werden würde, war ihr weder richtig, noch sonderlich vorteilhaft erschienen. Das letzte Mal hatte er sich schwungvoll auf den Boden gesetzt und sie hatte nicht riskieren wollen, dass eines der teuren Fässer zu Bruch ging.
Dieses Mal hat er sich zwar soweit im Griff, dass ihm die Beine nicht nachgeben, aber die Nachricht trifft ihn ganz offensichtlich auch beim zweiten Mal vollkommen unterwartet. „Wie… schwanger?!“, echot er völlig belämmert und starrt sie an.
„Na, schwanger eben… wie man… ähm… eben schwanger ist“, stammelt sie und blinzelt verwirrt zurück, bevor sie entsetzt aufquietscht, als Borgil sie plötzlich durch die Luft wirbelt und von einem Ohr zum nächsten grinst. Sofort ist der Augenblick der Unsicherheit verflogen und kichernd versucht Azra mit wildem Strampeln wieder Boden unter den Füssen zu gewinnen, um Borgil dann mit betretener Miene zu erklären, dass sie es ja schon länger wisse und eigentlich nur keinen passenden Zeitpunkt gefunden hätte es ihm zu erzählen. Er liest ihr gründlich die Leviten, macht klar, dass es für so etwas IMMER Zeit gebe und sie sich bloss hüten solle ihm solche Dinge nicht IMMER sofort und auf der Stelle zu berichten. Dann wechselt er das Thema so abrupt, dass sie erst nicht mitkommt und als sie schliesslich begreift, klappt ihr der Kiefer auf die Brust. Mit dezenten Hinweisen macht er sie auf dem Rückweg zur Harfe darauf aufmerksam, dass es Möglichkeiten gäbe eine Schwangerschaft zu verhindern und er ihr auch niemals verbieten würde Kräuter oder dergleichen zu nehmen. Azra hört zwar die Besorgnis aus Borgils dunklem Bass heraus, versteht aber im ersten Augenblick nur Hafen und blinzelt ihn wie ein verschrecktes Kätzchen von unten herauf an.
„Aber…“, wispert sie irgendwann händeringend und kaut auf ihrer Unterlippe: „Ich möchte doch noch mehr Kinder haben… Du… Du etwa nicht?“ Ihre Stimmt zittert bei der letzten Frage so fest, dass kaum ein Wort davon zu verstehen ist und ihre Augen glitzern schon wieder verräterisch. Azra hat sich, obwohl sie schon von der Möglichkeit gehört hat, nie darum geschert Kräuter gegen eine mögliche Schwangerschaft einzunehmen. Wäre es nach ihr gegangen, hätten sie längst ein zweites Kind bekommen, weswegen es nicht verwundert, dass sie mit Borgils Offenbarung vorerst ein wenig überfordert ist. Die, wie sie später herausfindet, nur aus seiner Sorge und Angst heraus resultiert, die anstehende Geburt würde genau wie die letzte werden.
Brenainns Geburt steckt ihm trotz der zwei Jahre, die seitdem vergangen sind, noch immer in den Knochen. Azra verübelt es ihm nicht, doch ihr selbst ist nur der Augenblick im Gedächtnis geblieben, als sie ihren Sohn endlich in Händen halten durfte. All der vorangegangene Schmerz, die ewig langen Spaziergänge von der Theke zum Kamin, die Panik und die Anstrengung, all das war vergessen. Nichtig geworden beim Anblick Brenainns.

Aus dem mittlerweile ein wackeres und vor allem neugieriges Kerlchen geworden ist. Nichts ist mehr vor seinen Fingern sicher, nicht einmal der alte, rote Kater, der sich schon gar nicht mehr zwischen Met- und Bierfässern hervorgetraut. Der Nebelfrost kommt und geht, der Langschnee rückt näher und während Halla und die Schankmädchen die Harfe von Innen und Aussen mit Stechpalmengirlanden und Kränzen aus Immergrün schmücken, räumt Azra ihr und Borgils Gemach um.
Auf dem Platz der Händler hat sie zu Zeiten der Karawane noch eine grosse, grob gehauene Truhe aus immerfroster Schneetannenholz für Brenainn, eine schmale, aber praktische Vitrine aus dem gleichen Material und ein ganzes Sortiment bunter Stoffe aus allen Teilen Azuriens erstanden. Ausserdem hat sie ein schmales, aber grosses Bett in die Finger bekommen, denn Brenainn ist längst aus seiner Wiege herausgewachsen und schläft zwischenzeitlich im Bett seiner Eltern. Leider genügt das aber nicht, denn die Harfe ist zwar gross, aber Borgils Gemächer begrenzt und Brenainns Zimmer das Einzige, das es noch gibt nebst dem Schlafgemach und dem Arbeitsbereich. Einen Abend lang wird darüber diskutiert, wie man das Platzproblem am besten lösen könnte, ob nicht vielleicht zwei Gästezimmer eingestampft und mit den Zimmern darunter verbunden werden sollen, oder ob es vielleicht besser wäre gar eine der Scheunen hinter der Harfe umzubauen, aber keiner der Einfälle gefällt Borgil. Azra hält raus, versteht nichts von Eckbauten und Schindeldächern und versucht gar nicht erst sich in die hitzige Diskussion um Strohabdichtungen und Butzenfenster einzumischen. Irgendwann, nach mehren Stunden des Hin und Her, ist man sich einig. Keine Umfunktionierung der Gästezimmer, keine Instandsetzung der Scheune, sondern ein Anbau soll her und Borgil zögert nicht, ihn sofort zu veranlassen.
Die Zeit zwischen Langschnee und Silberweiss bekommt Azra ihren Gatten kaum zu Gesicht, denn da das Wetter trotz Wintereinzug milde bleibt und der Bau damit schon angefangen werden kann, schleicht er wie ein Wolf zwischen den Handwerkern umher und inspiziert jeden Balken den sie legen, jeden Stein den sie setzen und jede architektonische Besonderheit, die eingefügt wird höchstpersönlich. Sie hält sich, wie bereits während der letzten Schwangerschaft, mit Nestbau beschäftigt. Stundenlang misst sie aus, teilt ein, verschiebt, setzt zurück, näht, dekoriert und hängt um und schlägt damit die halbe Belegschaft der Harfe in die Flucht. Pünktlich zum Julfest sieht dann aber alles so aus, wie sie es sich vorgestellt hat. Oder zumindest gibt sie sich zufrieden, auch wenn ihr nach und nach noch tausend Dinge einfallen, die nicht passen, geändert gehören oder völlig unsinnig sind. Borgils bestimmtes: „Es ist schön“ hält sie vor neuen Umräumungsaktionen ab und entlockt allen anderen ein synchrones, erleichtertes Aufatmen.
Der azurianische Kaminvorleger musste unter Borgils Schreibtisch weichen. Jetzt ziert Azras kheyrisische Eroberung den Platz vor dem Feuer. Die alten, blassblauen und dunkelgrünen Kissen müssen vor Gold und Rot kuschen und der deutlich mitgenommene, lederne Ohrensessel Borgils bekommt einen dunkelroten Überwurf verpasst, auf dessen Säume Azra mit grösser Sorgfalt eine Reihe zwergischer Runen aufgestickt hat.
An der Wand, über ihrem breiten, rustikalen Bett, hängt Borgils Julgeschenk. Eine Axt, die Azra zwischen einem Sack billiger Halsketten und einem Haufen ausgedienter Rüstungsteile aufgestöbert hat. Der dürre Immerfroster hatte sie ihr für einen lächerlichen Preis von 20 Silber überlassen – IHR Geld, hart zusammengespart in den letzten vier Jahren. Der sorglose Verkauf hatte sie jedoch stutzig werden lassen. Um Borgil nicht gänzlich irgendwelchen Schund anzudrehen, der nur von ihren schlechten Waffenartenkenntnissen zeugen würde, war sie rasch bei Niniane und Cron vorbeigeeilt. Dort hatte sie sich mindestens ein dutzend Mal versichern lassen, dass mit der Axt alles in Ordnung sei und der Händler mit grosser Wahrscheinlichkeit keine Ahnung hatte, was für ein wertvolles Stück er für diesen Spottspreis verschachert hatte.
Ob Borgil sich ehrlich gefreut hat, oder er nur geschickt seine Belustigung über ihren Versuch sich mit Waffen zu beschäftigten verborgen hat, ist ihr einerlei. Da er die Axt über dem Bett befestigt hat, kann sie allzu schlecht nicht sein und ausserdem passt sie zum Rest der Innenausstattung.

Es ist Anfang Silberweiss, als Azra sehr früh morgens erwacht, sich eine zeitlang von einer Seite auf die andere dreht und dann die Decke zurückschlägt. Obwohl die Kohlen des Feuers vom Abend zuvor noch glimmen, ist es eisig kalt und eilig grabscht Azra nach ihrem Schultertuch aus feiner, immerfroster Wolle, um dann auf nackten Sohlen ums Bett herum zu huschen und den Kamin mit neuem Holz zu füttern. Vor dem Fenster ist es noch stockdunkel, aber ein weisses Glitzern auf dem Sims verrät, dass es geschneit hat in der Nacht. Als die ersten Flammen über die Scheite lecken huscht Azra rasch zurück unter die warme Decke. Mit einem leisen Schnurren vergräbt sie ihre Eisklumpen zwischen Borgils Beine und küsst liebevoll seine Wange, seine knorrige Nase, die kräftige, hohe Stirn, den rasierten Schädel und anschliessend auch alles, was tiefer liegt. Borgil revanchiert sich und irgendwann sind sie so fest ineinander verschlungen, dass Azra nicht mehr hätte sagen können, wem welches Bein und wem welcher Arm gehörte. Schwer schnaufend, aber zufrieden wie ein voll gefressenes Kätzchen liegt sie auf ihm, lächelt ihn an und zupft mit zwei Fingern an seinem Haar herum, das dringend wieder einmal geschnitten werden muss. Seine Hände liegen auf ihrem Rücken, streichen zärtlich darüber und kitzeln sie, bis sie leise kichert und ihr Gesicht in seinem Bart vergräbt. Unter seiner Brust spürt sie das Hämmern seines Herzens, stark und unnachgiebig, so wie überhaupt alles an ihm und ein Kloss steckt ihr plötzlich in der Kehle, als sie einmal mehr von alle den wunderbaren Gefühlen überrascht wird, die alleine Borgil auslösen kann. Es fängt als Flirren im Magen an und endet in einem Freudentaumel, dem nichts und niemand standhält und aus einem Anflug völligen Glücks drängt Azra sich so fest es ihr möglich ist an ihn und birgt ihr Gesicht an seinem Hals. „Ich liebe dich, Borgil. Alles an dir. Dein rotes Haar, das Glitzern in deinen Augen, deine Stimme, deinen Dickschädel, dein goldenes Herz, deinen Ruf als knorrigen, alten Zwergen und die Kinder, die ich von dir bekomme. Alles…“, haucht sie nahe seines Ohres, hebt den Kopf wieder und sieht plötzlich mit einem schelmischen Grinsen an: „Ausgenommen wenn du krank und wehleidig bist.“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nathan am 09. Jan. 2008, 16:38 Uhr
<-- Der Marktplatz Talyras

Ein Schwall warmer, mit dem Geruch von deftigem Essen, Bier und Wein gesättigte Luft schlägt Nathan entgegen als er die Goldene Harfe betritt. Sein Magen reagiert sofort mit einem unüberhörbareren Knurren auf die gut riechenden Düfte. Seine letzte Mahlzeit ist schon Stunden her und bestand nur aus einem steinharten und wenig appetitlichen Stück Dörrfleisch, das nach allem möglichem, nur nicht mehr nach Fleisch geschmeckt hat. Die Speisen, die hier vor seiner Nase von den Schankmägden auf großen hölzernen Tabletts hin und hergetragen werden, lassen ihm sprichwörtlich das Wasser im Munde zusammen laufen. Gefüllte Teller mit herzhaften Eintöpfen, Brot, fetttriefendem Fleisch, Käse und Schinken werden vor seinen Augen zu den wartenden Gästen gebracht, die schon den größten Teil der Stühle und Bänke der geräumigen Gaststube belegt haben.

Ohne groß zu überlegen, wählt Nathan den erst besten freien Stuhl und setzt sich. Er nickt nur flüchtig seinen Tischnachbarn, einem alten Mann, der gebeugt über seiner Suppe sitzt und sie gierig in sich hineinlöffelt und einer nicht unansehnlichen Frau, mit langen braunen Haaren, zur Begrüßung zu. Weitere Höflichkeiten spart er sich. Zufrieden stellt er fest, dass die Beiden, ebenso wie er, kein großes Interesse an ausladenden Gesprächen zu haben scheinen, denn beide erwidern seine Begrüßung ebenfalls nur stumm.
Nathan braucht nicht lange zu warten und schon steht eine der Schankmägde vor ihm, um seine Bestellung entgegen zu nehmen. Wenn es nach seinem Magen gegangen wäre, so hätte er sich ein saftiges Stück Schwein bestellt, aber angesichts seiner düsteren finanziellen Lage belässt es Nathan bei einem großen Teller Schinken, Käse und frisch gebackenem Brot und einem Krug Bier. Sein Bauch quittiert die Bestellung mit einem gierigen Brummen, das weder der grinsenden Schankmaid noch seinen Tischnachbarn verborgen bleibt.
„Ich beeile mich.“, sagt sie lachend und verschwindet hinter einem hölzernen Tresen im hinteren Teil des Gasthauses. Und tatsächlich dauert es nicht lange, bis sie wieder mit meinem beachtlichen Humpen Bier in der Hand und einem prall gefülltem Brotzeitteller auf Nathan zu gesteuert kommt.
„Wohl bekomms und guten Appetit!“, sind ihre Worte, während sie Nathan sein Essen auftischt und ihm 5 Kupferlinge dafür abknöpft.

5 Kupferstücke und 1 Silberling plumpsen zurück in seinen Geldbeutel. Wie war das noch mal: zuviel zum Leben, zu wenig zum…..Nathan ignoriert das ungute Gefühl, das ihm der Gedanke an seinen immer leerer werdenden Geldbeutel bereitet und widmet sich stattdessen lieber ausgiebig seinem teuer bezahlten Essen. Endlich verschwindet auch die Kälte aus seinen Gliedern und macht einer angenehmen Müdigkeit platz. Die Hände und Füße werden das erste mal an diesem Tag wieder richtig warm und nach einiger Zeit muss Nathan sogar seinen alten schweren Lederumhang ausziehen, weil ihm darunter zu heiß wird. Auch seine Stimmung verbessert zusehends mit jedem Schluck des wirklich köstlichen Biers.
Vielleicht war es ja doch keine so schlechte Idee nach Talyra zu kommen. Hier wird er bestimmt weniger auffallen als auf dem Land, wo er schon des öfteren während seiner Reise das Gefühl hatte, dass sie ihm sehr dicht auf den Fersen waren. Er ist sich nicht sicher, wie viel sie von ihm wissen. Vielleicht haben sie inzwischen seinen Namen herausgefunden. Wie er aussieht und welche Fähigkeiten er besitzt, das wissen sie bestimmt! Er muss diesmal vorsichtiger sein. Dieses verfluchte Ding hat schon einem seiner Freunde das Leben gekostet.
Nachdenklich nimmt Nathan einen weiteren Schluck Bier. Er braucht eine Tarnung. Auch wenn es ihm nicht passt, für andere den Hampelmann zu spielen, muss er sich irgendeine Arbeit suchen. Etwas unauffälliges, alltägliches…..
Sein Blick fällt auf seine beiden Tischnachbarn, die beide mit ihrer Mahlzeit fast fertig sind.
„Entschuldigt, mein Name ist….Iestin“ sagt Nathan plötzlich und bricht damit, die unausgesprochene Vereinbarung zwischen den Dreien zu Schweigen. Der Name Iestin ist natürlich eine glatte Lüge, aber die Not gebiert oft seltsame Auswüchse.
„Ich bin neu in der Stadt und Suche nach Möglichkeiten, meinen Geldbeutel wieder aufzufüllen. Könnt Ihr mir sagen, an wen ich mich am besten wenden kann, wenn ich Arbeit suche. Es ist mir egal, um welche Art Arbeit es sich handelt.“ Nathans Gesicht ist immer noch zum größten Teil von seiner Kapuze bedeckt, so dass seine Gesichtszüge sich nur schwer lesen lassen.
„Nur eine ehrliche Arbeit sollte es schon sein.“, meint er und verzieht dabei seine Lippen zu einem Grinsen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Shyada am 09. Jan. 2008, 22:18 Uhr
Sie hatte gehofft, dass es bei dem Alten als Gesellschaft für den heutigen Abend bleiben würde, aber es hätte ihr schon vorn herein klar sein müssen, dass in der Harfe nie ein Tisch leer oder schlecht besetzt bleibt. Wie gewohnt, wenn sich jemand in ihrer Nähe dauerhaft niederlassen will, mustert sie den Neuankömmling unverhohlen, während sie an ihrem Wein nippt und seinem Wortwechsel mit der Mogbarbedienung verfolgt. Vermutlich neu in der Stadt... irgendwie scheint es ja jeden in die Harfe zu ziehen...
Die Vermutung, dass der Mann noch nicht allzu lange in Talyra leben kann, ist einfach ein Rückschluss aufgrund seiner Kleidung. Er könnte genauso gut vor kurzem eine Straßenschlacht hinter sich gebracht haben, ohne Geld für neue Kleidung zu besitzen, aber Shyada weiß wie es ist, wenn man lange gereist ist und wie es sich anfühlt fremd zu sein. Wie immer sind es die kleinen Gesten die einen verraten. Ein Blick dort hin, ein nervösen Zupfen an der Kleidung, der ständig grübelnde Ausdruck, ob die Entscheidung richtig war. Sie erwidert den Gruß halbherzig, aber ohne die sonst von ihr gewohnte Ablehnung. Seit den Ereignissen des letzten Jahres und ihrer neuen Tätigkeit hatte sie gelernt es einigermaßen im Zaum zu halten und nicht jeden gleich die Pest an den Hals zu wünschen, der sie auch nur schief anguckt. Zumindest wenn man den Vergleich zu vorher kennt. Wer sie nicht kennt, könnte immer noch davon ausgehen, dass sie einem gleich die Kehle aufschlitzen will. Sie beobachtet ihn noch eine Weile nachdem er sein Essen und Bier in Empfang genommen hat, findet aber auf Anhieb nichts Interessantes an dem Fremden, so dass sie sich wieder auf die vielfältigen Gerüchte der Talyrer konzentriert.

Lang bleibt ihr der Spaß der lächerlichen Gespräche jedoch nicht vergönnt, als die Stimme des Fremden abermals erklingt. Allerdings ist dieses Mal keine Bedienung in Sicht. Der Alte guckt einmal kurz auf, blinzelt unverständlich und löffelt weiter fröhlich vor sich hin. Shyada wirft einen abschätzenden Blick zu dem Greis und kommt zu dem Schluss, dass er entweder völlig senil ist oder sich nicht im geringsten angesprochen fühlt. Das kurze Stocken, als Iestin sich vorgestellt hatte, ist ihr keinesfalls entgangen. Ihre Mundwinkel heben sich schwach zu einem wissenden Lächeln, was man aber durchaus auch als rein höfliche Geste halten könnte, wenn man nicht weiß, wer oder was sie ist. Schöner Name, wo habt Ihr den her? Hieß Eure letzte Begegnung so? Shyada erspart es sich Iestin danach zu fragen. Sie weiß, dass es nicht sein echter Name ist. Zu oft hat sie selber gelogen und zu oft sind ihr ungeübte Lügner über den Weg gelaufen. Wer es nicht gewohnt ist seine Geheimnisse zu verstecken verrät sich nur allzu schnell von allein.  Seine Vorstellung ist kurz und knapp und kommt sofort zum Punkt. Er sucht Arbeit und ist neu, wodurch sich Shyada in ihrer ersten Vermutung bestätigt fühlt. Was sie aber im Stillen viel mehr erheitert ist sein kleiner Zusatz am Ende. > „Nur eine ehrliche Arbeit sollte es schon sein.“<
Und glaubt Ihr wirklich, dass eine ehrliche Arbeit Eure Schandtaten wieder gut macht? Shyada kennt den Mann erst wenige Augenblicke, wobei von kennen eigentlich nicht die Rede sein kann, aber sie ist sich trotzdem sehr sicher, dass dieser Mann einiges zu verbergen hat. Ob sie Olyvar gleich einen Wink mit dem Zaunpfahl geben sollte? Wobei der wohl genug andere Sorgen zur Zeit hat. Ein fragendes „Arbeit?“ ist schließlich das Erste was man von ihr zu hören bekommt. „A leannan, was genau versteht Ihr denn unter ehrlicher Arbeit?“
Ihre ehrliche Arbeit hatte auch schon mal daraus bestanden Leute zu töten... Huren halten ihre Tätigkeit auch für ehrliche Arbeit und doch würde sich nicht jeder auf derlei Arbeit einlassen.
Shyada hätte gern mehr vom Gesicht des Mannes gesehen. Es würde ihr leichter machen darin zu lesen und Augen konnten so viel verraten. Aber Iestin hat noch immer seine Kapuze tief ins Gesicht gezogen. „Und findet Ihr es nicht ein wenig unhöflich mit mir zu reden, ohne mir Euer Gesicht zu zeigen? Schließlich verstecke ich mich auch nicht.“ Alles was sie bislang sehen kann, sind einige schwarze Haarsträhnen und ein halbes Gesicht. Der Rest liegt versteckt von Schatten, die durch die flackernden Lichter in der Harfe umso dunkler wirken.
Sie beugt sich ein wenig vor. „Oder habt Ihr etwas zu verbergen? So hässlich könnt Ihr doch gar nicht sein. Und falls Ihr etwas verbrochen habt... nun die Leute haben zur Zeit andere Sorgen, das kann ich Euch versichern“, schnurrt sie ihn halb verführerisch an, während ihre Finger gelangweilt mit dem Weinbecher spielen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nathan am 10. Jan. 2008, 20:49 Uhr
Der Alte sieht Nathan kurz an und löffelt dann, als könnte er kein Wässerchen trüben, genüsslich an seiner Suppe weiter. Kurzzeitig fragt sich Nathan, ob er ihn überhaupt verstanden hat. Vermutlich ist der Greis halb taub und so alt und gebrechlich wie er aussieht, wird er schon bald in Sheilairs Armen ruhen. Was in diesem Fall einer Erlösung gleich käme, denn Nathan kann sich beim besten Willen nicht vorstellen, so zu enden wie sein Nebenmann: schwach, nutzlos und hinfällig.

>„Arbeit?“< Nathan wendet den Kopf und schaut in das Gesicht seiner Tischnachbarin. Der flüchtige Blick, den er bei seiner ziemlich kurz geratenen Begrüßung auf sie geworfen hat, bestätigt sich. Sie ist recht hübsch geraten und hat etwas Wildes, Aufmüpfiges an sich. Nicht gerade das schlechteste Gegenüber, stellt Nathan innerlich lächelnd fest, während er einen weiteren Schluck des süffigen Biers genießt.
>„A leannan, was genau versteht Ihr denn unter ehrlicher Arbeit?“< fragt sie ihn direkt und ohne Umschweife. In ihren Augen spiegeln sich Hohn und Ironie, die Nathan zwar nicht verborgen bleiben, ihn aber eher amüsieren als abschrecken. Langsam beginnt er die Wirkung des Biers zu spüren, nicht unangenehm oder benebelnd, vielmehr machen sich eine wohlige Entspanntheit und Müdigkeit in ihm breit, die seine Sorgen nicht mehr so schwer wiegen lassen und ihn in eine für seine Verhältnisse redselige Laune versetzen.
„Ehrliche Arbeit? Nun, das kann ich Euch gerne sagen. Das bedeute für mich eine Arbeit, die mir Essen, ein Dach über den Kopf und vielleicht noch die eine oder andere Münze hierfür verschafft“, sagt Nathan und hebt den Humpen Bier hoch, „und die mich nicht über kurz oder lang in die Kerker Eurer herrlichen Stadt verfrachtet!“

Ein spöttisches Lächeln umspielt seine Lippen als er ihr zu prostet und schließlich ein weiteres mal trinkt. Wieder mustert sie ihn genau. Er bemerkt wie sie versucht, in seinem durch Schatten verdeckten Gesicht zu lesen, was ihr aber nicht so recht gelingen mag.
>„Und findet Ihr es nicht ein wenig unhöflich mit mir zu reden, ohne mir Euer Gesicht zu zeigen? Schließlich verstecke ich mich auch nicht“<, fragt sie ihn prompt und beugt sich dabei ein wenig vor. Ihre Augenbrauen sind neckisch zusammengezogen und ihre Mundwinkel zu einem verführerischen Lächeln verbogen.
>“Oder habt Ihr etwas zu verbergen? So hässlich könnt Ihr doch gar nicht sein. Und falls Ihr etwas verbrochen habt... nun die Leute haben zur Zeit andere Sorgen, das kann ich Euch versichern“<
Ganz schön frech, die Kleine. Ihm gefällt ihre direkte und unverblümte Art, auch wenn er sich sehr wohl bewusst ist, dass sie mit ziemlicher Sicherheit zu der Sorte von Frauen zählt, an denen man sich nur all zu leicht die Finger verbrennen kann.
„Wenn wir schon von Höflichkeit reden, dann ist es erst einmal an Euch, Euch mir vorzustellen. Dieses kleine Detail habt ihr wohl vergessen“, antwortet er belustigt. Er stützt sein Kinn auf seiner Hand ab und betrachtet sie ungeniert. Vielleicht wird sein erster Abend in dieser verdammten Stadt, ja doch angenehmer als erwartet. Zumindest ein wenig Ablenkung verspricht dieses dreiste Weib ja.
„Aber ich kann Euch beruhigen ich habe nichts verbrochen, was Talyras Obrigkeit auch nur annähernd interessieren könnte. Ihr könnt also unbesorgt sein! Mit mir hier zu sitzen wird Euch in keine Schwierigkeiten bringen.“ In seiner Stimme schwingt eine unverhohlene Gehässigkeit mit.

Schließlich greift er nach seiner Kapuze und zieht sie sich aus dem Gesicht, das jetzt zum ersten Mal für seine Gesprächspartnerin gänzlich sichtbar wird. Dunkelblaue Augen funkeln sie herausfordernd, aber nicht unfreundlich an. Die ungewaschenen, tiefschwarzen Haare fallen ihm über die Schultern und ein ungepflegter kurzer Bart bedeckt sein Kinn. Sein Alter lässt sich nur sehr schwer schätzen, aber er scheint nicht weniger als 20 und nicht viel mehr als 30 Sommer gesehen zu haben.
„Nun.....wie sieht es aus. Könnt Ihr mir weiterhelfen?“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Shyada am 11. Jan. 2008, 00:06 Uhr
Ihr Gegenüber scheint sich nicht an ihrer direkten Art zu stören, was Iestin bei Shyada einen Pluspunkt einbringen würde, wäre sie darauf aus Kontakt zu anderen Personen zu pflegen oder Beziehungen aufzubauen. >Ehrliche Arbeit? Nun, das kann ich Euch gerne sagen. Das bedeute für mich eine Arbeit, die mir Essen, ein Dach über den Kopf und vielleicht noch die eine oder andere Münze hierfür verschafft und die mich nicht über kurz oder lang in die Kerker Eurer herrlichen Stadt verfrachtet!“<
Es ist das übliche was sie zu hören bekommt. Arbeit die einen nicht auffallen lässt. Wohl jeder der nach Talyra kommt sucht danach, um die Stadt erst einmal kennen zu lernen, bevor man sich entscheidet sich ihr mehr anzutrauen. „Oh, also ich kann Euch versichern, dass die schwarzen Zellen gar nicht so schlimm sind. Während der Sommermonate hat sich zumindest noch nie jemand über einen Sonnenbrand oder Hitze beschwert.“ Sie lächelt katzenhaft und folgt dem Beispiel Iestins um einen Schluck zu trinken. Sie könnte den Becher mit einem weiteren Schluck leeren, aber sie hebt ihn sich für später auf. Es wäre ein guter Grund, um später ohne allzu großes Drama verschwinden zu können. Immerhin sollten schwache, hilflose Frauen wie sie in diesen Zeiten nicht allzu spät allein durch die Strassen irren.
><„Wenn wir schon von Höflichkeit reden, dann ist es erst einmal an Euch, Euch mir vorzustellen. Dieses kleine Detail habt ihr wohl vergessen.“<
„Meinen Namen? Meint Ihr der wäre von Bedeutung? Namen sind Schall und Rauch... wer kann Euch denn schon versichern, dass es mein Richtiger wäre?“ Genau genommen könnten es viele in der Stadt, aber das kann Iestin nicht wissen. Würde er von ihr gehört haben, würde er wohl kaum mit ihr hier sitzen. „Gesichter sind da wesentlich einprägsamer... aber wenn Ihr unbedingt einen Namen braucht. Shyada.“ Auch wenn sie sich sicher ist, dass er seinen wahren Namen nicht genannt hat, sie hat nichts zu verbergen. Zumindest nicht ihren Namen.

> „Aber ich kann Euch beruhigen ich habe nichts verbrochen, was Talyras Obrigkeit auch nur annähernd interessieren könnte. Ihr könnt also unbesorgt sein! Mit mir hier zu sitzen wird Euch in keine Schwierigkeiten bringen.“<
Ihre linke Augenbraue wandert ein Stück nach oben, als sich Iestins Stimme deutlich wandelt und eine gewisse Ablehnung herauszuhören ist. Trotzdem muss sie unwillkürlich lächeln. „Oh... um mich braucht Ihr Euch ganz gewiss keine Sorgen machen, a leannan. Ihr solltet lieber aufpassen, dass Ihr nicht in Schwierigkeiten geratet, weil Ihr mit mir hier sitzt.“ Sie überlässt es Iestin sich darüber Gedanken zu machen, was genau sie meinen könnte. Er bräuchte vermutlich nur einen der Männer am Nebentisch fragen und sie könnten ihm eine ganze Reihe von Dingen aufzählen, die ihm aufgrund ihrer Nähe Schwierigkeiten bereiten könnten. Aber sie ist im Moment nicht auf Streit aus, obwohl es ihr durchaus gut tun würde sich aufgrund zweier gewisser Damen ordentlich abzureagieren. Immerhin muss sie sich in Anwesenheit ihres Arbeitgebers zurückhalten.
Was Shyada allerdings nach einigen Herzschlägen bewusst wird ist, dass Iestin erwähnt, dass nur die Stadtgarde Talyras kein Interesse an seinen Schandtaten zeigen würde- aber andere schon? Um was wollen wir wetten, dass Ihr kein braver Junge seid?

Er unterbricht ihre Gedanken indem er ihr nun doch sein Gesicht offenbart. Der Eindruck, dass er bereits länger unterwegs ist, wird durch sein ungepflegtes Äußeres ebenfalls bestätigt, was ihn allerdings nicht unbedingt unansehnlich macht. Shyada lächelt zufrieden und kann sich nahezu bildlich vorstellen, wie die Hälfte talyrischer Mädchen ihm hinterher rennt, kaum dass er sich zu einem Bad und einer Rasur hinreißen lassen hat. > „Nun.....wie sieht es aus. Könnt Ihr mir weiterhelfen?“<
„Wer weiß, vielleicht könnte ich das. Aber ich bin nicht gerade dafür bekannt, dass ich jedem Dahergelaufenen helfe“, erklärt sie ihm geradeheraus und weicht seinem Blick keinen Augenblick lang aus. Sie lässt das eine Weile zwischen ihnen beiden stehen, fühlt dann aber doch einen Anflug von Höflichkeit in sich aufkommen. „Eigentlich nein... ich kenne niemanden der zufällig im Moment ehrliche Arbeit anbietet. Versucht es bei der Anschlagtafel auf dem Markt, falls Ihr lesen könnt. Fragt hier in der Harfe herum...Irgendwer kann immer eine Arbeitskraft gebrauchen. Es gibt doch bestimmt irgendetwas was Ihr ganz besonders gut könnt, nicht wahr?“ Ihr ist anzusehen, dass es sie eigentlich nicht im geringsten interessiert und ihre Spekulationen sich nicht unbedingt um Arbeit drehen, aber sie gibt sich auch keine Mühe ihre Gedanken zu verbergen.
„Am Hafen sollte sich immer etwas finden lassen.... sofern Ihr kein Problem mit Fischgeruch habt.“ Erneut wirft sie einen spekulierenden Blick auf den fast leeren Weinbecher, entscheidet sich aber dafür noch eine Weile zu bleiben. Es würde ohnehin nur ein kaltes Bett und eine höchstgradig anstrengende Adelsfamilie auf sie warten.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nathan am 11. Jan. 2008, 19:48 Uhr
Shyada heißt sie also. Nathan nippt an seinem Bier und lauscht, der knappen und nicht sehr höflichen Vorstellung seiner Gesprächspartnerin. Er macht sich keine Gedanken darüber, ob ihr Name der Wahrheit entspricht oder nicht. Um ehrlich zu sein, interessiert es ihn auch überhaupt nicht. Sie kann heißen wie sie will, Hauptsache sie lenkt ihn ein wenig von sich selber und dem unsichtbaren Sack voller Probleme, den er seid vielen Monden mit sich herumschleppt, ab.
>„Oh... um mich braucht Ihr Euch ganz gewiss keine Sorgen machen, a leannan. Ihr solltet lieber aufpassen, dass Ihr nicht in Schwierigkeiten geratet, weil Ihr mit mir hier sitzt.“<
Nahtan muss unwillkürlich Grinsen als sie ihm diesen Satz an den Kopf wirft. Die Kleine ist wirklich schlagfertig und er kann sich nur zu gut vorstellen, was für einen Haufen an Schwierigkeiten Shyada einem Mann, der einfältig genug ist, sich auf sie einzulassen, bereiten kann.
Auf seine Frage, ob sie ihm bei seiner Suche nach Arbeit helfen kann reagiert sie mit einem: >„Wer weiß, vielleicht könnte ich das. Aber ich bin nicht gerade dafür bekannt, dass ich jedem Dahergelaufenen helfe.“<
Interessiert stellt Nathan fest, dass diese recht unfreundliche, aber ehrliche Aussage auch von ihm stammen könnte. Mehr belustigt als in irgendeiner Art beleidigt oder verärgert blickt er in ihre grünen Augen und genießt die knisternde Stille, die sich zwischen den Beiden aufbaut. Die Kleine hat es erfasst, es gibt tatsächlich keinen guten Grund, warum sie einem daher gelaufenen Fremden wie mir helfen sollte. Und ich werde mich hüten ihr einen ein zu reden.

Schließlich ist es Shyada, die zu Nathans großem Erstaunen als erste wieder das Wort ergreift und zu ihm in einem weitaus gefälligeren Ton sagt:
>“Eigentlich nein... ich kenne niemanden der zufällig im Moment ehrliche Arbeit anbietet. Versucht es bei der Anschlagtafel auf dem Markt, falls Ihr lesen könnt. Fragt hier in der Harfe herum...Irgendwer kann immer eine Arbeitskraft gebrauchen.“<
Bei dem Wort Lesen wandern Nathans Augenbrauen kurzzeitig zusammen und verleihen seinem Gesicht etwas Düsteres. Es ist ihm sehr genau anzusehen, das Lesen und alles was damit zusammenhängt, nicht zu seinen Lieblingsbeschäftigungen zählt. Auch die Aussicht hier in der Harfe von Tisch zu Tisch zu wandern und wie ein Bittsteller nach Arbeit zu betteln, ruft in ihm keine Begeisterungsstürme hervor. Es ist in seinen Augen schon Schmach genug, seine eigene Existenz verleugnen zu müssen und wie ein gesuchter Verbrecher durch die Lande zu ziehen!
>„Es gibt doch bestimmt irgendetwas was Ihr ganz besonders gut könnt, nicht wahr?“> In Shyadas Frage schwingt ein seltsamer Unterton mit, der Nathan aber momentan nicht näher interessiert. Stattdessen antwortet er kurz und knapp: „Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen und habe viele Jahre als Knecht gearbeitet. Außerdem kenne ich mich recht gut mit Heilkräutern aus.“
Ihm ist wohl bewusst, dass sein Gegenüber sich viel brennender für die anderen Dinge, die er erlebt und gelernt hat, interessieren würde, aber er wäre schön dumm dieser Frau auch nur ein Stückchen mehr aus seinem Leben Preis zu geben, als wirklich notwendig ist.

Während Shayda etwas unschlüssig auf ihren fast leer getrunkenen Weinbecher starrt, reibt sich Nathan mehrmals nachdenklich seinen kratzigen Bart. Seine schmutzigen Finger fahren dabei ein paar mal über seine Unterlippe, eine Geste, die er immer zu tun pflegt, wenn er am Grübeln ist. Die Aussicht draußen in der Kälte vor einer verfluchten Anschlagtafel stehen zu müssen, und Hinz und Kunz zu fragen, ob sie ihm gnädiger Weise die Aushänge vorlesen, behagt ihm so ganz und gar nicht. Schließlich kehrt dieses leicht ironische Lächeln in sein Gesicht zurück und er nimmt wieder Blickkontakt zu Shyada auf.
„Wisst ihr was...“, setzt er an „ich spendiere Euch noch einen Becher Wein, wenn Ihr mir einen Gefallen erweist. Ihr habt da gerade eine Anschlagtafel auf dem Markt erwähnt. Kommt mit mir und lest mir vor was darauf steht. Als Gegenleistung bin ich natürlich gerne bereit, Euch nach Hause zu begleiten. Eine Dame sollte wenn es dunkel wird, nicht mehr alleine unterwegs sein. Zu viele Gefahren könnten dort auf sie lauern.“ Nathans Augen blitzen provozierend auf, als er den letzten Satz zu Ende bringt und es bedarf keiner großen Menschenkenntnis, um zu erkennen, dass ihm sehr wohl klar ist, dass Shyada weder eine Begleitung will, noch im entferntesten nötig hat. Außerdem ist es mehr als offensichtlich, dass er in Shyada genauso wenig eine „Dame“ wie in sich einen „Herrn“ sieht.
Er stützt den leicht schief gelegten Kopf auf einem seiner Hände ab, während er seine Gesprächspartnerin eingehend mustert und gespannt wartet wie sie auf sein Angebot reagiert.
Wer hätte gedacht, dass der Abend trotz all seinen Widrigkeiten noch so eine unterhaltsame Abwechslung bietet.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Shyada am 11. Jan. 2008, 23:34 Uhr
Es überrascht Shyada noch immer ein wenig, dass Iestin sich scheinbar keineswegs an ihrer direkten Art oder unfreundlichen Weise zu stören scheint. Vielmehr scheint ihn das Ganze eher zu amüsieren- fast so als sei dies normalerweise seine Art mit Fremden umzugehen und er müsse es nun aus einer anderen Perspektive kennen lernen.
Was auch immer Iestin als Antwort von ihr erwartet zu haben scheint, ihre Worte sind jedenfalls nicht die Richtigen wie es den Anschein hat. Er mag vielleicht für den Bruchteil eines Augenblicks über ihre Vorschläge nachdenken, aber es ist ihm deutlich anzusehen, dass er groß herumfragen wird. Wahrscheinlich hofft er, genauso wie Shyada sonst, dass ihm ein ordentliche Arbeit einfach in den Schoß fällt und sich bei Zeiten schon was passendes finden lassen würde. Nur bietet sich der Winter und fehlendes Geld meist nicht an um allzu lange zu warten. > „Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen und habe viele Jahre als Knecht gearbeitet. Außerdem kenne ich mich recht gut mit Heilkräutern aus.“<  
Shyada erspart sich die Mühe Iestin darauf hinzuweisen, dass Bauern ihn wohl frühestens im Frühling erst wieder gebrauchen könnten. Niemand würde jetzt wohl freiwillig einen weiteren Magen zum füllen in sein Haus holen, wenn er selbst zu sehen hat, wie er über den Winter kommt. „Heilkräuter? Versucht Euer Glück bei den Heilern der Stadt, aber ich bezweifle, dass dort jemand gebraucht wird.“
Je länger Shyada redet und bei Iestin am Tisch sitzen bleibt, umso deutlich wird ihr bewusst, dass sie ein derartiges Geplänkel vermisst hat. Zwar nicht aus vollstem Herzen, aber nach all der Zeit in der Steinfaust hatte sie sich an derartige Gespräche gewöhnt. Nichts von Bedeutung, aber wesentlich angenehmer als ständiges Schweigen oder höfisches Getue.

Ohne von ihrem Weinbecher aufzusehen, vermutet Shyada allein aufgrund des kratzenden Geräusches von ihrem Tischnachbarn, dass er nachdenkt. Worüber weiß sie zwar nicht, aber Männer mit Bart hatten im allgemeinen alle diese Angewohnheit. Mit einem > „Wisst ihr was...“< fordert er wieder nach ihrer Aufmerksamkeit und fährt sogleich fort. > „Ich spendiere Euch noch einen Becher Wein, wenn Ihr mir einen Gefallen erweist.“
Er erklärt ihr ohne Umschweife, was er sich soeben feines ausgedacht hat. Shyada lacht kurz auf. „Und Ihr glaubt tatsächlich, dass das eine gute Idee wäre?“ Iestin hat nicht unbedingt einen wunden Punkt von ihr getroffen, aber im allgemeinen mag sie keine Zugeständnisse die eine gewisse Schwäche ihrerseits beinhalten. „Ihr würdet Eure restlichen Münzen nur unnötig ausgeben, a leannan.“ Sie hätte den Wein einfach so annehmen können, um ihm später zu erklären, dass sie nicht lesen kann, aber der Mann scheint ernsthaft vorzuhaben länger in der Stadt zu bleiben. Man würde sich somit garantiert ein zweites Mal über den Weg laufen und wer kann schon sagen in welcher Weise er sich ihr dann präsentiert.
„Sucht Euch lieber jemanden, der auch lesen kann, bevor Ihr solche Angebote vorschlagt, denn Ihr erweckt nicht gerade den Eindruck, als ob Ihr es Euch leisten könntet halb Talyra auf diese Weise abzuarbeiten, falls Ihr nur auf Personen trefft, die nicht lesen können.“ Sie macht eine kleine Pause, ehe sie sich ein Stück weiter nach vorne beugt, als habe sie ihm ein Geheimnis mitzuteilen. „Aber schön zu wissen, dass Ihr Euch Sorgen um mich macht!“ erklärt sie grinsend, wobei ihr deutlich anzusehen ist, dass genau weiß, wie egal sie ihm im Grunde ist. „Doch wer könnte mir schon versichern, dass Ihr so aufrichtig seid, wie es mir Euer Vorschlag weis machen will. Vielleicht seid Ihr ja nach Talyra gekommen, weil dort wo Ihr herkommt schon jede hübsche Frau aus Tavernen verschleppt worden ist.“

Irgendwo neben ihr scheint der alte Mann plötzlich wieder zu Leben erwacht zu sein. Er blickt ein wenig verwirrt zu seinen Tischnachbarn, die sich nun wesentlich näher sind, als zu dem Zeitpunkt wo er an seiner Suppe gelöffelt hat und wirft seine Stirn in Grübelfalten. Zu welchen Schluss auch immer er gekommen ist, er entscheidet sich dafür, dass es wohl Zeit für ihn ist, um ins Bett zu gehen. Es kommt kein Wort über seine Lippen, als er mit wackligen Beinen aufsteht, seinen Mantel anzieht und von dannen schlurft. Shyada sieht ihm kurz hinterher, ehe sie wieder zu Iestin blickt. „Sieht so aus, als wären wir beide nun fast allein. Und? Muss ich mir jetzt Sorgen um mein Wohlergehen machen, weil Ihr den nächsten Plan ausheckt, wie Ihr mir im Dunklen nachstellen könnt? Vielleicht bin ich ja dann die nächste Leiche, die man in Talyra findet.“ Wieder schleicht sich ein katzenhaftes Lächeln auf ihre Lippen, das nur allzu deutlich macht, dass sie ihn nicht als Gefahr einstuft.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nathan am 12. Jan. 2008, 17:45 Uhr
Nathan wartet interessiert Shyadas Reaktion auf seinen Vorschlag ab. Als sie ihm ohne große Umschweife erklärt, dass sie ebenfalls nicht lesen könne und er sich besser jemand anderes suchen solle, ist er doch ein wenig erstaunt.
„Seid, wann so ehrlich, Kleine!“, fragt er sich im Stillen.
Ihn verwundert, dass sie sich von ihm nicht einfach aushalten lässt, was viele Weiber ohne mit der Wimper zu zucken getan hätten. Aber vielleicht liegt das auch nur daran, dass sie vorhin als er seine Mahlzeit bezahlt hat, entdeckt hat, dass bei ihm nicht viel zu holen ist. Die meisten Frauen reagieren auf leere Geldbörsen, je nach Anstand und Erziehung, wie auf einen schrecklichen Dämon, nämlich entweder mit der Flucht an einen anderen Tisch oder mit dezenter, aber unverkennbarer Ablehnung.
Shyada dagegen legt eine direkte und unverfrorene Art an den Tag, die es ihm unmöglich macht ihre nächsten Handlungen vorher zu bestimmten. Er hätte zum Beispiel nie gedacht, dass sein Gegenüber, ebenso wie er, nicht des Lesens mächtig ist. Nicht das man Bildung jemanden an der Nasenspitze ansehen kann, aber irgendetwas an Shyada, hatte seine Vermutung genährt, dass sie der Zunft der Schreiberlinge angehört. Aber vielleicht lügt sie ihn ja auch nur an, weil sie in Wirklichkeit überhaupt keine Lust hat, einem „Dahergelaufenen“ irgendeinen Gefallen zu tun. Zuzutrauen wär's ihr.
„Ihr könnt also auch nicht Lesen und schreiben“, stellt er lächelnd fest. „Das macht euch ja richtig sympathisch. Ich hatte schon Bedenken, das ihr dem Volk der Stubenhocker und Pinselschwinger angehört, die den ganzen Tag ihre Nasen in irgendwelche Pergamente und Bücher vergraben.“

Shyada grinst ihn an und erklärt kurz darauf, auf sein so lapidar formuliertes Angebot sie nach Hause zu begleiten:
>“Schön zu wissen, dass Ihr Euch Sorgen um mich macht! Doch wer könnte mir schon versichern, dass Ihr so aufrichtig seid, wie es mir Euer Vorschlag weis machen will. Vielleicht seid Ihr ja nach Talyra gekommen, weil dort wo Ihr herkommt schon jede hübsche Frau aus Tavernen verschleppt worden ist.“>
Nathan lacht auf und schaut ihr herausfordernd in die Augen. Er will gerade nach ihrer Hand greifen und wieder das Wort an sie richten, als der Greis neben ihm an seinem Stuhl herum rückt. Quietschend schiebt er ihn nach hinten und steht ein paar Augenblicke später auf seinen wackeligen, dürren Beinen. Es dauert bis seine Arme den Eingang in seinen Mantel gefunden haben und er sich mühsam den Weg durch das nun vollbesetzte Gasthaus Richtung Tür bahnt. Ein gut erzogener Mann oder auch eine gut erzogene Frau hätte ihm zumindest Hilfe angeboten. Aber weder Nathan noch Shyada machen irgendwelche Anstalten in dieses Richtung. Um ehrlich zu sein, denkt Nathan nicht im entfernten daran dem alten „tatter Greiz“ zu helfen, stattdessen wendet er sich, nachdem der Alte sich endlich verzogen hat, wieder seiner Tischnachbarin zu.

Er will gerade ansetzten etwas zusagen, als sie ihm zuvor kommt: >„Sieht so aus, als wären wir beide nun fast allein. Und? Muss ich mir jetzt Sorgen um mein Wohlergehen machen, weil Ihr den nächsten Plan ausheckt, wie Ihr mir im Dunklen nachstellen könnt? Vielleicht bin ich ja dann die nächste Leiche, die man in Talyra findet.“ >
„Eine Leiche....“, wiederholt er interessiert. “Deshalb tuscheln hier alle wie verrückt. Das erklärt die aufgeregten Wachmänner und das junge Ding, dessen hübsches Gesicht an jeder Mauer hängt. Ich kann euch versichern, dass ich damit nichts zu tun habe.“ sagt er zu Shyada gewandt mit diesem typisch zweideutigem Lächeln, dass sie jetzt schon öfters in seinem Gesicht gesehen hat. Die Leiche interessiert Nathan kein Stück, warum sollte sie das auch. Er legt die seine Hand über die ihre und schert sich dabei einen Dreck darum, dass seine Hand von Erde und Matsch ganz schmutzig ist.
„Und ich glaube, dass nicht einmal ein wahnsinniger Mörder so dumm ist, Euch nachts auf zu lauern. Ihr und Euer Mundwerk müsst doch in ganz Talyra bekannt sein und wenn wirklich jemand diesen Irrsinn wagen sollte, dann tut er mir schon jetzt Leid.“ sagt er lachend und beugt sich etwas weiter über den Tisch.
........
Doch statt das er, wie vielleicht zu erwarten wäre, versucht noch näher an sie heran zu rücken, lehnt er sich plötzlich wieder zurück und und betrachtet sie mit einem verschmitzten Gesichtsausdruck. Er greift nach seinem Bierkrug und dreht ihn ein paar mal um die eigene Achse, Shyada lässt er dabei aber nicht aus den Augen.
„Mein Krug ist leer. Es wird Zeit, mich um einen Ort zum Schlafen zu kümmern. Nicht das alle annehmbaren Schlafplätze schon belegt sind und mir wieder nur der Strohballen neben einem Versoffenen bleibt. Es war nett mit Euch zu plaudern....und wer weiss, vielleicht sieht man sich ja wieder.“ Sein Blick verrät, dass die Aussicht Shyada einmal wieder zu treffen ihm nicht unangenehm wäre.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Shyada am 12. Jan. 2008, 22:54 Uhr
>„Ihr könnt also nicht auch nicht Lesen und schreiben. Das macht euch ja richtig sympathisch. Ich hatte schon Bedenken, das ihr dem Volk der Stubenhocker und Pinselschwinger angehört, die den ganzen Tag ihre Nasen in irgendwelche Pergamente und Bücher vergraben.“< Sie lächelt schwach, denn in gewisser Weise tut die Letzteres seit einiger Zeit öfter. Zwar ist es nicht sie, die für die in Büchern nachlesen und forschen muss, aber immerhin sitzt sie stundenlang daneben, während ihr jemand Textpassagen vorliest, die möglicherweise hilfreich für sie sein könnten. Aber diese Information würde Iestin von ihr nicht bekommen. Da wäre dann doch zuviel des Guten und gewisse Dinge sollte man auch einfach für sich behalten. > „Eine Leiche... deshalb tuscheln hier alle wie verrückt. Das erklärt die aufgeregten Wachmänner und das junge Ding, dessen hübsches Gesicht an jeder Mauer hängt. Ich kann euch versichern, dass ich damit nichts zu tun habe.“<
„Wie ich Euch bereits erklärt habe. Solltest Ihr ein unartiger Junge gewesen sein, so wird das hier zur Zeit niemanden interessieren. Wenn diese Sache allerdings vorbei ist... nun, dann solltet Ihr Euch doch benehmen. Der Lord Commander schätzt es nicht Störenfriede in seiner Stadt zu haben.“ Ein Wunder, dass er mich dann immer noch duldet. fügt sie grinsend in Gedanken hinzu, weiß aber sehr wohl, dass Olyvar wohl der Einzige in ganz Talyra ist, der sich wirklich jemals um sie kümmern würde. Auch wenn sie noch immer nicht nachvollziehen kann, warum dies so ist.
Als seine Hände sich plötzlich auf ihre legen, verhärten sich ihre Züge für einen kurzen Moment. Harmloses Geplänkel ist das Eine, sie anzufassen oder ungefragt näher zu kommen, etwas ganz anderes. Schätzchen, spielt nicht mit dem Feuer... Ohne groß auf die Geste zu reagieren entzieht sie ihm ihre Hände, ohne dass man genau erkennen kann, ob die Nähe oder der Schmutz die Ursache dafür ist.

>„Und ich glaube, dass nicht einmal ein wahnsinniger Mörder so dumm ist, Euch nachts auf zu lauern. Ihr und Euer Mundwerk müsst doch in ganz Talyra bekannt sein und wenn wirklich jemand diesen Irrsinn wagen sollte, dann tut er mir schon jetzt Leid.“<
Für ihr Gerede ist sie in Talyra vielleicht nicht unbedingt bekannt, dass man mit ihrer Erscheinung oder einige mit ihren Namen etwas anfangen können, ist jedenfalls nicht zu leugnen. Sie lächelt wissend und überlässt es Iestin weiter darüber zu spekulieren, ob seine Worte stimmen oder nicht. „Ihr scheint Euch um allerhand Leute, die Ihr gar nicht kennt, Sorgen zu machen. Man sollte meinen Reisende in fremden Städten hätten genug eigene.“
Erneut kommt Iestin ein Stück näher, so dass sich Shyada unwillkürlich anspannt für den Fall, dass er ihr zu nahe kommen will, aber entgegen jeder Erwartung lehnt er sich anschließend genüsslich zurück und betrachtet sich von seiner neuen Position aus. Ihr wollt mit mir spielen? Dann passt bloß auf Eure Finger auf, a leannan! Ihre Augen funkeln herausfordernd bei diesem Gedanken. Etwas angenehmer Zeitvertreib käme ihr durchaus mal wieder sehr gelegen. Zu lange schon muss sie sich einigermaßen anständig benehmen und vor allem die ständige Anwesenheit der braven Adelstöchter steigert ihr Verlangen etwas „unartiges“ zu tun. Allerdings scheint Iestin für heute Abend genug gespielt zu haben.
> „Mein Krug ist leer. Es wird Zeit, mich um einen Ort zum Schlafen zu kümmern. Nicht das alle annehmbaren Schlafplätze schon belegt sind und mir wieder nur der Strohballen neben einem Versoffenen bleibt. Es war nett mit Euch zu plaudern....und wer weiss, vielleicht sieht man sich ja wieder.“<
„Ihr wollt mich schon verlassen? Dabei habt Ihr mir eben noch angeboten, mich nach Hause zu begleiten... soviel dann zu Euren edlen Gedanken.“ Sie leert ihren Wein ebenfalls und schiebt den Becher dann ein Stück von sich fort, um sich dann auch auf den Rückweg zu machen. „Wenn Ihr noch kein Bett habt, dann solltet Ihr Euch besser beeilen. Die Harfe ist nicht dafür bekannt, dass hier jederzeit Betten zu haben sind. Aber falls ihr lieber ein vorgewärmtes möchtet, so solltet Ihr Euch eher zum Pfirsich begeben.“ Sie zwinkert ihm grinsend zu und greift anschließend zu ihrem Umhang, welchen sie noch im sitzen umlegt und verschließt. Einen Moment wartet Shyada noch ab, dann erhebt sie sich von ihrem Platz und umrundet den Tisch, um neben Iestin zum Stehen zu kommen. „Viel Erfolg bei der Bettsuche und immer schön artig bleiben“, haucht sie ihm leicht vorgebeugt entgegen und streicht ihm mit einem Finger über die Kinnunterseite. Amüsiert lächelnd wendet sie sich schließlich von ihm ab und verlässt die Harfe.
Es ist kalt draußen. Kalt, dunkel und ein unangenehmer kalter Wind streift durch die Strassen. Aber Shyada hat kein Problem damit. Nach der stickigen Luft der Harfe tut die Frische gut. Immerhin hat sie noch ein Stück zu laufen und müde durch die Strassen zu irren sollte man zu keiner Zeit. Egal ob ein Mörder frei herumläuft oder nicht.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Nathan am 14. Jan. 2008, 20:54 Uhr
Kopfschüttelnd sieht Nathan Shyada nach.
„Dieser Frau möchte ich nicht in einem angetrunkenen Zustand begegnen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie jeden Mann dazu bekommt, dass zu tun was sie will. Wobei..“, denkt er immer noch vor sich her lächelnd, “.....das bestimmt nicht das Schlechteste ist was einem passieren kann.“
Er bereut es fast, dass er das unsichtbare Spiel und die Tändelei, die sie beide am Tisch betrieben haben, nicht zu Ende geführt hat. Es wäre sicherlich ein größeres Vergnügen gewesen, als sich jetzt wieder eine kratzige, verflohte Schlafstätte neben wer weiß wem zu suchen. So gepflegt wie Shyada aussieht, erwartet sie jetzt ein schönes, warmes Bett, etwas was Nathan seid einigen Monden schon nicht mehr zu Gesicht bekommen hat und abstoßend oder hässlich, so dass man sich weigern würde, mit ihr das Bett zu teilen, kann man sie nun wirklich nicht nennen. Ganz im Gegenteil, es wäre bestimmt ein besonders reizvolles Vergnügen gewesen.…
Aber andere Probleme wollen gelöst werden, bevor er sich irgendeine daher gelaufene Frau ans Bein bindet lässt und dann noch so eine.

Also nimmt er brav seinen Umhang, steht auf und zieht sich wieder seine Kapuze über den Kopf. Als er seinen Platz verlässt, stehen sogleich zwei Männer und eine Frau bereit, um den freigewordenen Tisch einzunehmen. Ohne es zu wollen schnappt er ein paar Worte ihres Gesprächs auf. Wie sollte es anders sein, dreht es sich bei ihrer Unterhaltung um den „dramatischen“ Mord vor Talyras Toren. Das Thema scheint wirklich, die ganze Stadt um zu treiben. Doch Nathans Interesse an den neusten Gerüchten und aufgeregten Geschnatter ist immer noch nicht besonders groß. Stattdessen begibt er sich lieber zum Tresen des Gasthauses, um sich eine möglichst billige Übernachtungsmöglichkeit zu beschaffen. Und tatsächlich bietet man ihm einen Platz auf dem Heuboden des Stalls für wenig Geld an. Nathan überlegt nicht lange, er ist müde und selbst ein Heuboden, klingt in seinen Ohren besser als eine Nacht draußen in der Kälte.
Er bezahlt die Münzen und zieht sich zurück.
In seinem Geldbeutel bleiben nur noch ein paar Kupfermünzen zurück.
Aber darüber will er sich jetzt keine Gedanken machen. Morgen ist schließlich auch noch ein Tag.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 29. Jan. 2008, 22:23 Uhr
Von Sommer bis Langschnee


Zwischen Stroh und Heu, vom Boden des Harfenstalls aus, kann Tiuri haltloses Kichern hören. „Halt die Klappe!“ faucht er und rappelt sich, die schmerzende Schulter reibend, langsam hoch. Sein Zorn und sein Fluchen hilft ihm kein bisschen, wenige Schritt weiter fällt Nino vor lauter Lachen fast von der Boxenwand auf der er sitzt. Zum wiederholten Male hat sich Tiuri gerade noch mit einem Sprung aus der Box seines Hengstes retten können und war dabei, schon wieder, recht unsanft gelandet. Damit ist er allerdings noch recht glimpflich davon gekommen, denn ein blauer Fleck mehr oder weniger fällt unter denen die er schon durch Tritte und Bisse kassiert hat wirklich nicht mehr auf. Seufzend schaut der junge Mann seinem Pferd in die blauen Augen und schüttelt den Kopf über seinen eigenen Wahnsinn. Wieso hat er diesen Höllenogre von einem Pferd eigentlich mitgenommen? Warum genau hat er gedacht, dass er mit ihm fertig werden würde. Bis jetzt sieht es jedenfalls eher so aus, als würde das Pferd bald mit Tiuri fertig werden und ihn endgültig in einen leblosen Haufen aus Knochen und Fleisch verwandeln.
Voller Stolz hatte Tiuri noch am Tag ihrer Ankunft den Hengst Nino - der schon länger als Tiuri Stallbursche in der Harfe ist, aber noch nie auch nur länger als fünf Minuten auf einem Pferderücken verbracht hat – vorgeführt. Seit genau diesem Zeitpunkt kann Nino nicht mehr aufhören zu lachen sobald er Tiuri dabei beobachtet wie er einen erneuten Versuch startet sich seinem Pferd zu nähern. Es scheint fast als hätte der Rappe gar nicht die Fähigkeit seine Ohren auch anders zu tragen als eng an den Kopf angelegt, jedenfalls hat Tiuri ihn noch nie anders gesehen. Der Schwarze hat wirklich den bösesten Blick den Tiuri jemals an einem Tier gesehen hat und manchmal hat der junge Mann das Gefühl, als hebe sich der Hengst die allerbösesten Blicke nur für Tiuri auf. Die Tritte und Bisse bekommt allerdings tatsächlich nur noch Tiuri ab, denn schon nach drei Tagen die der Hengst im Harfenstall verbringt, traut sich niemand mehr in seine Nähe. Füttern, Ausmisten oder der seltene Versuch sich dem Hengst mit einem Striegel zu nähern bleibt allein Tiuri vorbehalten und eigentlich ist ihm das auch recht. Von Borgil weiß er, dass dieses Pferd nicht immer so ein Monster war und wahrscheinlich eine schlimme Zeit hinter sich hat, dass er jetzt eine feste und konsequente Hand braucht, der er aber auch vertrauen und folgen kann ohne sich zu fürchten.

„Ängstlich siehst du nicht aus“, stellt Tiuri fest, während er darüber nach denkt wie er die Mistgabel, die immer noch in der Box liegt, wieder heraus bekommen soll. „eher hinterlistig!“ Er klopft sich den Staub vom Hemd und nähert sich noch einmal, ganz langsam und vorsichtig, dabei so viel Ruhe wie möglich ausstrahlend der Box. Mit tiefer Stimme spricht er auf den Hengst ein, hält dabei beide Hände vor sich, sodass der Rappe sie sehen kann und sich nicht bedroht fühlt. „Schon gut, feines Pferd, pass auf, ich komme jetzt zu dir, keine Angst, ich hole die Mistgabel. Dazu muss ich mich bücken, aber dir wird nichts passieren.“ Mittlerweile hat Tiuri genug Erfahrung mit dem Hengst gesammelt, dass er weiß, wenn er sich auch nur ein einziges Mal zu schnell bewegt ist es vorbei, der Rappe würde sich sofort anfangen nach ihm zu schlagen und zu beißen, als ginge es ums nackte Überleben. Immer noch leise murmelnd, dem Hengst fest in die Augen schauend, als könnte er ihn damit hypnotisierend, kommt er neben die Mistgabel, bückt sich äußerst langsam, greift nach dem Werkzeug und schafft es, wie kann er nicht erklären, sie aufzuheben ohne, dass sich der Hengst in seiner Ecke weiter bewegt.
Erleichtert und unversehrt verlässt er die Box seines Pferdes und schließt die Türe hinter sich. Nino springt von seinem Sitz auf einer der Boxenwände zu ihm hinunter, immer noch grinsend und deutet nach hinten zu Tiuris Pferd. >Hat er denn jetzt eigentlich schon einen Namen? Ich finde du könntest ihn Monster oder Biest nennen, irgendetwas schreckliches, so wie er. Dämon wäre auch gut, so wie der, der damals am Marktplatz war, nicht wahr?< Nino hat noch einige andere Einfälle, keiner netter als der vorherige, aber Tiuri schüttelt nur zu allem den Kopf. Nino ist gar nicht davon abzubringen dem Hengst irgendetwas gefährlich klingendes zu verpassen, während Grid Tiuri dazu rät seinem Pferd doch einen hübschen Namen zu geben, der etwas von seinem schlechten Charakter ablenkt. Aber auch für Butterblume oder Windspiel kann sich Tiuri nicht so wirklich begeistern und so läuft – oder steht – der Hengst noch einige Tage namenlos herum, ehe sich Tiuri schlussendlich für Njördyr entscheidet.
Die nächsten Tage mit Njördyr vergehen keinen Deut besser als die vorher gegangenen. Es dauert mehere Siebentage ehe Tiuri den Hengst zum ersten Mal an einem Halfter aus der Box führen kann, nur um darauf hin den Marktplatz in ein mittleres Chaos zu stürzen, weil Njördyr sich mit einem kräftigen Ruck los reißt, gegen einen Stand mit Backwaren springt und es fast eine Stunde dauert bis Tiuri den mit Buttercreme beschmierten Hengst wieder in die Box gebracht hat und noch eine Stunde länger bis er mit Borgils Hilfe die wütenden Händler beschwichtigt hat. Von diesem Tag an, verlassen Tiuri und Njördyr für mehrere weitere Siebentage den Stall nur noch nachts, wenn die meisten Leute schon in ihren Betten liegen, oder morgens, wenn noch niemand auf den Straßen ist. Es dauert, aber jeder Schritt, den der Hengst ruhig neben Tiuri geht oder sogar jede Minute, die er still steht, sind ein kleiner Erfolg und geben dem jungen Pferdedompteur das Gefühl, das Pferd doch noch irgendwann wieder zu einem Reitpferd zu machen. Als er nach einer seiner Morgenarbeiten, zum ersten Mal eine ganze Runde über den Marktplatz gedreht hat, ohne dabei gebissen, getreten oder durch den Dreck gezogen worden zu sein, springt er den restlichen Tag freudestrahlend wie ein kleiner Junge durch die Harfe und erzählt von nichts anderem mehr.

Natürlich beginnt die Arbeit praktisch von neuem, als Tiuri das erste Mal versucht Njödyr zu satteln. Der Hengst hatte seinen Herren und das seltsame Ding auf dessen Arm, erst einmal misstrauisch gemustert und dann schneller als Tiuri „Sattel“ hätte sagen können, mit einem kräftigen Tritt zusammen aus der Box befördert. Für einige Tage, geht Tiuri also zurück zu seiner alten Arbeit mit dem Rappen, lässt aber einen alten Sattel tagein tagaus über der Boxenwand hängen, so dass sich Njördyr langsam an den Anblick gewöhnt. Darauf schafft er es erst den Sattel auf den Rücken des Pferdes zu bringen, darf aber nicht einmal einen Gedanken daran verschwenden, dass er vielleicht den Sattelgurt schließen könnte.

Eines frühen Morgens steht er wieder einmal mit Njördyr am Marktplatz. Borgil, der ihm immer wieder Ratschläge gegeben hat, so dass sich Tiuri nicht eines Tages das Genick bricht, steht neben ihnen und hält den Hengst an einem extra Strick. Tiuri hat nun schon seit einigen Tagen längere Spaziergänge mit dem Rappen unternommen, während dieser sowohl Sattel als auch Zaumzeug getragen hat. Njördyr zu zäumen hat beinahe noch länger gedauert als ihn zu satteln und Tiuri hätte dabei beinahe nicht nur einmal einen Finger eingebüßt. Jetzt aber ist es endlich so weit, das erste Mal wird Tiuri versuchen sich auf den Rücken des Pferdes zu begeben. Seine Nervosität kann er dabei kaum unterdrücken, schon am Vortag, als Borgil endlich sein Einverständnis dafür gegeben hat, hatte er kaum noch ruhig sitzen können. Natürlich versucht er wie immer ruhig zu bleiben, denn Njördyr spürt es sofort wenn Tiuri sich seiner Sache nicht völlig sicher ist. Ein Ohr hat der Hengst zu Borgil, eines zu Tiuri gerichtet, während er am Marktplatz steht, gespannt wie eine Sprungfeder und aussieht als würde er nur darauf warten jeden Moment in die Luft zu gehen. Vorsichtig und äußerst langsam, setzt Tiuri den ersten Fuß in den Steigbügel und wartet erst einmal ab. Unwillig schüttelt Njördyr den Kopf, legt die Ohren an, stellt sie sofort wieder auf, rollt die Augen und weiß ganz eindeutig nicht was er von der Situation halten soll. „Wir machen das noch mal, keine Sorge Alter!“ Wie immer wenn Tiuri mit dem Hengst spricht, ist seine Stimme sehr leise und gedämpft, fast ein wenig summend. Er nimmt den Fuß wieder aus dem Steigbügel, stellt ihn am Boden ab und streicht fest über den kräftigen Hals des Pferdes um ihm zu zeigen, dass er zufrieden mit seiner Reaktion ist. Er wiederholt das Spiel noch drei Mal und zieht sich beim vierten Mal ein gutes Stück nach oben über Njördyrs Rücken. Sofort hängt Tiuri mit einem Fuß und beiden Händen in der schwarzen Mähne an einem Quader hüpfenden Pferd, das einerseits versucht Tiuri von seinem Rücken zu bekommen und andererseits Borgil los zu werden, benimmt sich aber immerhin so weit, dass er keine Anstalten macht dem Zwerg ganz absichtlich den Schädel einzuschlagen. Beim zweiten Versuch schleift der Hengst Tiuri, der mit einem Fuß im Steigbügel verhakt ist, einige Schritt mit sich, was ihn dazu bringt für die nächsten Versuche den Steigbügel weg zu lassen und sich von Borgil nach oben helfen zu lassen. Nach einigen geklappten Anläufen ist es dann aber doch so weit und Tiuri sitzt tatsächlich zum ersten Mal auf Njördyrs Rücken. Sowohl Reiter als auch Pferd rühren für einen Herzschlag keinen Muskel, abwartend wer sich als erstes bewegen würde. Es ist Tiuri der als erstes unbedacht ausatmet und den Schwarzen dazu bringt zu steigen, zu buckeln und sich zu gebärden als wäre der Dunkle persönlich auf seinem Rücken zu sitzen gekommen. Selbst Borgils kräftiger Griff vermag den Hengst jetzt nicht mehr an Ort und Stelle zu halten und so toben sie über den Marktplatz. Mit beiden Händen versucht sich Tiuri so fest wie möglich an Sattel und Mähne fest zu halten, aber er hält nur wenige Runden durch, dann wird es dem Hengst zu dumm und er macht Anstalten sich mit seinem gesamten Gewicht gegen eine Häuserwand zu werfen und Tiuri hat Angst um sein Bein und springt ab. Er weiß selbst nicht wie er es schafft, aber er landet dabei tatsächlich auf den Füßen, greift nach den Zügeln und zieht einmal fest um das Pferd anzuhalten. Anstatt der erhofften Bremsung und einkehrender Ruhe, wirft sich Njördyr nun aber zur anderen Seite und befördert Tiuri mit großer Wucht quer über den Marktplatz, wo er erst einmal liegen bleibt und versucht sich darüber im klar zu werden wo bei ihm oben und wo unten ist.
>Alles in Ordnung Junge?!< Borgils Stimme klingt nur leicht besorgt, als er sich über ihn beugt und mit einer Hand vor seinen Augen herum wachelt. >Na? Wie viele Borgils?< „Sechs?“ Tiuri reibt sich den schmerzenden Kopf, ergreift Borgils Hand und lässt sich von ihm nach oben ziehen, Njördyr steht in einer Ecke des Marktplatzes und sieht drein als würde er ihn auslachen.
Es ist dennoch ein kleiner Erfolg, denn anstatt, dass sie jetzt drei Stunden hinter dem Hengst durch die Stadt rennen, bleibt er beinahe sofort stehen und lässt sich zu einem zweiten Versuch überreden.

Es ist Anfang Langschnee, ein normaler Abend in der Harfe, an dem Tiuri mal wieder in der Gaststube aushilft. Auch wenn er das nicht so häufig macht wie eine Zeit lang, er findet immer noch Gefallen daran und es fällt ihm schon lange nicht mehr so einfach etwas aus den Händen. Gerade unterhält er sich mit ein paar Zwergen die Meister Borgils Harfe loben, bringt dann so viele Humpen Bier wir er halten kann an den Nachbartisch, weicht einem hageren Kerl aus der gerade die Harfe betritt und bleibt erstaunt stehen, als ihn selbiger am Ärmel fest hält und nach Meister Borgil fragt. Der Zwerg ist gerade mit einem Baumeister und Azra in Borgils Privaträumen und bespricht den neuen Anbau der Harfe und will nicht gestört werden. „Kann ich vielleicht was ausrichten? Der Herr Borgil hat gerade keine Zeit!“ >Ja, ich soll ihm ausrichten, dass Yarranwyn die Bardin heute noch kommt und ein Zimmer für längere Zeit braucht. Ihr Zeug hab ich aufm Wagen, das muss auch rauf getragen werden!< Tiuri nickt, gibt Halla bescheid, lässt sich von dem Fuhrmann den Wagen zeigen und schaut zweimal zwischen Wagen und Fuhrmann hin und her. „Das gehört alles einer Person?“ Der Mann nickt, lacht >Und da fehlt noch die Tasche mit der Laute!< und hilft Tiuri zwar noch den Wagen abzuladen, die Truhen, Kisten, Beutel und was sonst noch so alles dabei ist, muss er aber alleine die Treppen nach oben tragen in das Zimmer das Halla derweil bereit macht. Die Mogbar erzählt ihm kurz, dass Borgil die Bardin schon länger kennt, dass sie aber lange nicht mehr hier gewesen ist und er sich wohl darüber freuen wird sie zu sehen. Tiuri nimmt das wohl zur Kenntnis, denkt aber nicht weiter darüber nach. Borgil kennt viele Leute und noch viel mehr kennen ihn, Tiuri hat zwar das Gefühl schon lange in der Harfe zu wohnen, aber es ist wirklich unmöglich sich in dieser Zeit all die verschiedenen Namen und Gesichter zu merken die hier ein und ausgehen.
Zurück in der Gaststube bringt er drei Teller Suppe an einen Tisch und kann nicht überhören, dass auch diese Leute sich über den Mord unterhalten der wohl in der letzten Nacht geschehen ist. Es ist wirklich nicht das erste Mal, dass Tiuri davon gehört hat, dass jemand erschlagen worden ist, so genau hat er gar nicht hingehört, erst jetzt bemerkt er, dass das Opfer wohl ein junges Mädchen gewesen ist und dass sie gar schrecklich zugerichtet gewesen sein muss.
>Überall Blut.<
>Schreckliche Sache, seit einer Ewigkeit der widerlichste Mord!<
>Eine Schande, so ein junges Ding!<
>Blaumäntel in der ganzen Stadt unterwegs!<
Schweigend, aber mit gerunzelter Stirn stellt Tiuri die Teller ab und geht dann zurück in die Küche um die nächsten Teller zu holen. Er bleibt kurz neben Sigrun stehen während die einige Scheiben Brot und Fleisch gleichmäßig auf die Teller verteilt und schaut ihr nachdenklich zu. „Hast du von dem Mord gehört?“ Bei seiner Frage hält die Köchin kurz inne und nickt traurig. >So ein junges Ding, eine Magd, sie haben sie heute Morgen erst vor dem Nordtor gefunden. Furchtbar, wer zu so etwas fähig ist frag ich mich!< „Mhm…“, Tiuri kann ihr nur recht geben, aber er greift trotzdem nach den Tellern und bringt sie in die Wirtsstube. Den ganzen restlichen Abend geht er mit gespitzten Ohren durch die Gegend und hört sich alles an was die verschiedenen Leute schon so über den Mord am Nordtor gehört haben. Es sind die verschiedensten, zum Teil wahnsinnigsten Dinge. Ein Monster soll es gewesen sein und ein Dämon, könnte auch ein schrecklicher Unfall gewesen sein, man kenne ja den der sie gefunden hat und der übertreibt immer, aber nicht zu vergessen sei dabei, dass ihr Blut bis zum Tor geflossen ist und dass ein großer Auflauf von Blaumäntel am Nordtor war. Tiuri schwirrt schon bald der Kopf und wie immer kann man nicht einmal der Hälfte dieses Geschwätz überhaupt Beachtung schenken, aber er auch die ganze Nacht hinweg kommt er nicht darum herum immer wieder über das tote Mädchen nachzudenken.

Am nächsten Morgen ist er wie meistens als einer der ersten auf den Beinen um mit Njördyr zu arbeiten. Es dauert immer noch einige Zeit bis er den Hengst gesattelt hat, bis er auf seinem Rücken sitzt und selbst dann kommen sie immer noch nicht weit bis der Rappe irgendetwas in seiner Umgebung als Raubtier zu erkennen glaubt und durchgeht. An diesem Morgen ist es besonders übel und anstatt wie üblich eine kleine Runde durch verlassene Gassen zu drehen, prescht der Hengst die ganze Straße entlang in Richtung Verder Tor, lässt sich selbst dort noch nicht aufhalten, fürchtet sich aber vor einem Fuhrwerk das ihm entgegen kommt und bricht seitlich aus in Richtung Larisgrün. Bis Tiuri, wieder am Stadttor ist und den Weg durch die, mittlerweile belebte Stadt, zu Fuß zurück legt vergeht einige Zeit. Er kommt dabei, wie schon einige Male auch an der verlassenen Hufschmiede vorbei. Sofort nach dem sie aus Sûrmera zurückgekehrt waren, hatte Tiuri seine Schwester besuchen wollen, doch auch damals schon hatte er die Schmiede völlig leer vorgefunden. Bei seiner Rückkehr in die Harfe, steht ein ganzer Pulk von Leuten auf dem Marktplatz und alle reden wild durcheinander. Tiuri kann nicht so einfach mit Njördyr dort stehen bleiben, als er es kurz versucht bedankt sich der Hengst damit in dem er halbherzig nach einem Hund tritt der hinter ihm vorbei geht und Tiuri beeilt sich das Pferd zurück in den Stall zu bringen. Die wichtigste Neuigkeit hat er aber trotzdem gehört, ein Mord, schon wieder! Er sattelt Njördyr schnell ab, läuft wieder nach draußen und kommt hinter einer rundlichen Frau zu stehen, die empört die Hände in die Hüften stemmt. „Gute Frau, was ist denn passiert?“ Sie lässt sich nicht lange lumpen und erzählt sofort, dass die Leiche von Yarranwyn der Bardin am Perlenhafen gefunden worden ist und es wieder so eine Sauerei war wie beim letzten Mord. Im ersten Moment kommt ihm der Klang des Namens zwar bekannt vor, doch es dauert einen Augenblick bis Tiuri einfällt wo er ihn schon einmal gehört hat. Das Opfer war die gute Bekannte Borgils, die gestern Nacht eigentlich noch in die Harfe kommen hätte sollen. Schnell eilt er in die Schankstube und trifft dort zum Glück schon eine verschlafene Halla an, die mit einem nassen Tuch eine Tischplatte bearbeitet.
„Halla? Ist Yarranwyn die Bardin gestern noch gekommen?“ fragt er, noch nicht einmal ganz bei der Türe herein.
>Nein, jetzt wo du es sagst. Wieso fragst du?< Die Mogbar hält in der Bewegung inne und schaut Tiuri den aufgeregten Tiuri fragend an, so dass ihm klar wird, dass sie noch gar nichts davon gehört hat.
„Ich fürchte sie ist ermordet worden! Ich habe gerade so etwas am Marktplatz gehört!“
>Götter!< Halla schlägt sich die Hand vor den Mund und lässt sich langsam auf einen Stuhl nieder sinken. Es dauert eine Weile ehe sie wieder fähig ist etwas zu sagen, aber dann schickt sie ihn Borgil zu benachrichtigen. Der Zwerg ist schockiert und fuchsteufelswild über die Nachricht und Tiuri beschließt sofort mehr darüber heraus zu bekommen.

--> Perlenhafen

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Njucon am 12. Feb. 2008, 19:43 Uhr
<< -- Am Ufer des Ildorel


In der goldenen Harfe angekommen hatte Njucon sein Hauptaugenmerk darauf gerichtet eine Unterkunft für sich und Luth zu bekommen. Nicht zu vergessen den guten Wein, der ihm einen guten Schlaf schenken sollte. Nach einigen Gesprächen und Absprachen mit einer der Angestellten der Harfe hatte Njucon dieses Ziel auch schnell erreicht und ein kleines Zimmer im Obergeschoß in der Harfe bekommen. Luth wurde im Stall untergebracht wo er gutes Futter bekam.

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Als Njucon dann auf seinem Zimmer die Vorhänge am Fenster zuzieht, den letzten Schluck des Weines leert ist es fast Mittagszeit. Ihm ist aber weder zum Essen noch zu etwas anderem zu mute.
Einen kurzen Blick wirft er noch seinem Schwert zu, das in der Ecke an einen Stuhl lehnt auf dem er seinen Umhang und Hemd abgelegt hat.

Wer hätte das jemals gedacht? Hm… niemand vermutlich! Spricht er gedanklich zu sich selbst, setzt sich auf das Bett und stellt den leeren Krug auf den kleinen Tisch.
Seht es als Bestimmung das wir uns fanden M`Lord! Nicht nur ihr müsst euch daran gewöhnen, auch ich habe …sehr lange nicht mehr zu jemanden Kontakt gehabt.
Njucon nickt und denkt gleich daran ob Ilai diese Geste mitbekommt, sehen kann oder ?!

Ich sagte bereits, ich sehe nicht wie ihr sehen versteht! Da ich keine Augen besitze müsste dies klar sein, aber …
Der Albino seufzt und legt sich auf das Bett und beginnt sich genüsslich auszustrecken, während Ilai einen Vortrag über seine Wahnnehmung hält.

... man könnte, die Betonung liegt auf KÖNNTE, sagen ich sehe und  höre durch Euch. Sprechen kann ich nur auf diesem Wege  mit Euch und niemandem anders.

„Das wäre ja auch noch schöner wenn ihr laut sprechen würdet. Es reicht das ihr meine Gedanken…hört und ich eure! Und wo wir grade dabei sind… ich möchte schlafen, Ilai!“ knurrt Njucon und schließ die Augen.

Wenn ein Schwert oder etwas was sich in einem befindet grinsen oder lächeln zeigen könnte würde Ilai es tun. So ist es nur ein Gefühl, so als könnte Njucon spüren das Ilai schelmisch grinst!
Wenige Herzschläge später liegt Njucon ruhig da und schläft.


Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lilith am 15. Feb. 2008, 13:15 Uhr
<-- Perlenhafen

In der Schankstube


Als Lilith die Goldene Harfe betritt, verdunkelt sich schon langsam der Himmel über der Stadt und das glühende Abendrot taucht alles in ein warmes, rotes Licht. Als die Magierin die Türe zum Schankraum betritt, weht ihr der Geruch von Met, gutem Essen und Tabakrauch entgegen und ein Schwall warmer Luft drängt sich an ihr vorbei in den immer kälter werdenden Abend. Die Schankstube ist gefüllt mit Leuten und das Stimmgewirr scheint im ersten Moment so laut wie eine ganze Horde wilder Narge, weswegen Lilith eine Weile braucht um sich an die Lautstärke zu gewöhnen. Sie schlägt ihre Kapuze zurück und schaut sich nach einem freien Tisch um, was eine aussichtslose Angelegenheit ist, denn der Raum ist zum bersten gefüllt. Eine Mogbardame mit dichtem, schwarzem Krausehaar tritt auf die Magierin zu und lächelt diese freundlich an. „Guten Abend die Dame. Ihr seht etwas ratlos aus. Darf ich Euch an einen Tisch bringen?“ Ohne eine Antwort abzuwarten drängt sich die Schankmagd durch die Leute und Lilith muss sich beeilen, damit sie die kleine Frau nicht aus den Augen verliert. An einem langen Tisch, an welchem bereits einige Männer vor ihren Metkrügen sitzen, hält die Mogbar an und blickt zu Lilith rauf. Diese setzt sich, ohne einen der Männer mit einem Blick zu würdigen und hört der Schankmagd zu, welche ihr die Spezialitäten des Hauses vorstellt. „Ich nehme ein gebratenes Braesshuhn mit Kartoffeln und dazu einen grossen Krug Wolfsbier.“


Während Lilith auf ihre Bestellung wartet, schaut sie sich unverhohlen im Raum um und mustert die verschiedenen Gesichter. Allerhand verschiedene Völker Immerlandes sind hier vertreten, so viele verschiedene, wie sie Lilith noch nie auf einem Haufen gesehen hat. „Hier bin ich wohl richtig. Endlich falle ich einmal nicht auf, zumindest nicht allzu sehr.“ Sie blickt in Richtung eines Herrn, der sie interessiert mustert und wirft ihm einen kalten, abschätzigen Blick zu. Der Mann dreht sich hastig weg und starrt in seinen leeren Teller, auf welchem nur noch die dreckige Holzgabel liegt. Plötzlich steht wieder die kleine Mogbar vor ihr und stellt einen grossen Krug Bier und einen Teller mit dampfenden Kartoffeln und einem gutriechenden, mit knusprig, brauner Haut überzogenen Braesshuhn auf den Tisch. „Guten Appetit wünsche ich.“ Mit diesen Worten verschwindet sie wieder im Getümmel und Lilith beginnt genüsslich ihr Abendmahl zu verzehren. Das saftige Fleisch des Huhnes schmeckt hervorragend und die Haut ist würzig und knusprig. „Nun, wenn man hier überall so gut Speisen kann, habe ich noch einen Grund mehr in Talyra zu bleiben.“

In einem Zimmer der Goldenen Harfe


Mit einem wohligen Gefühl im Bauch und einem etwas Alkoholgetrübten Blick lässt Lilith sich einen Schlüssel für eines der Zimmer geben und schleppt sich dann müde die Treppen hinauf zu ihrem Raum. Die Kammer ist klein, aber sehr sauber und mit schönen Holzmöbeln eingerichtet. Ein Bett, eine Kommode mit einer kleinen Waschschüssel darauf und ein Stuhl ist alles was im Raum vorzufinden ist, doch für mehr hätte es auch nicht Platz. Lilith schmeisst ihre Tasche auf den Stuhl, entledigt sich ihrer Lederschnürstiefel und lässt sich erschöpft aufs Bett fallen. Schon nach wenigen Herzschlägen geht ihr Atem ruhig und sie schläft tief und traumlos.


Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Stormgrimm am 16. Feb. 2008, 17:03 Uhr
<<<--- Der Marktplatz Talyras

Das Schwert kratzt in das angeschlagene Holz. Einen kurzen Hustenanfall erleidend schließt Aegnor die dicke Holztür, die die Wärme in den stickigen Räumen behält, hinter sich. Im Hintergrund wird irgendwo Musik gespielt und die Laune scheint in permanente Euphorie auszuarten. Viele Leute sitzen an den vollen Tischen, die von einem oftmals feuchten, aber mit einer schönen Borte verzierten Leinentischtuch und dem daraufliegenden Speis und Trank geprägt sind.

Die Leute lachen und reden laut über ihr Tagesgeschäft, einige Pärchen schmiegen sich eng aneinander -oft auch zu demonstrativen Zwecken- und die Schankmaiden bewegen sich rasend schnell und voll beladen zwischen den Tischen hin und her. Manchmal erfolgt auch ein Klaps auf den Hintern, was in mädchenhaftes Kichern und ab und an einem Missgeschick endet. Im Hintergrund steht, die Arme permanent verschränkt habend, die Oberste Schankmagd, die ständig ihre Schützlinge im Auge behält.

An der Theke steht, ein übergroßer, stämmiger Zwerg, der von allen Borgil genannt wird, und starrt in die weite Menge. Schweren Schrittes passiert Aegnor die Tische und Gäste. Sein Kumpan folgt ihm etwas eingeschüchtert. Einen Hustenkrampf erleidend, bittet er Borgil um ein Zimmer, während er in die Reisetasche fasst und den Geldbeutel zum Vorschein bringt. Der Wolf, der schwanzwedelnd neben ihm sitzt, wartet neugierig auf ihn.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lilith am 17. Feb. 2008, 14:30 Uhr
In Liliths Kammer


Mit einem leicht verkaterten Kopf wacht Lilith am nächsten Morgen schon zeitig auf und versucht halbherzig sich aus ihren Laken zu winden, was ihr ziemlich schwer fällt anhand der frühen Stunde. Einer Katze gleich streckt sie alle Glieder von sich und gibt ein wohliges Schnurren von sich, bevor sie sich endgültig aus dem Bett erhebt und sich ihres zerknitterten Gewandes entledigt. Nackt stellt sie sich zu ihrer Kommode und lässt etwas Wasser aus einem Krug in die irdene Waschschüssel fliessen, bevor sie mit ihrem Waschtuch in das eisigkühle Nass taucht. Mit Magie erwärmt sie das Wasser leicht, damit es etwas angenehmer auf der Haut ist und wäscht gründlich ihr Gesicht und ihren Körper, bevor sie wieder ihren Unterrock und ihr Kleid anzieht. Mit geschickten Fingern löst die Magierin ihren schon etwas aufgelösten Zopf und bürstet das lange, gelockte Haar geduldig mit einem Holzkamm aus, bis es in seidigschwarzen Wellen über ihre Schulter fällt. „Heute muss ich mich dringend auf die Suche nach neuer Arbeit machen, sonst kann ich bald schauen wo ich schlafen kann.“ Mit einer Sorgenfalte auf der Stirn glättet Lilith die Falten in ihrem Gewand und befestigt einige Haarsträhnen an ihrem Hinterkopf. Prüfend schaut sie an sich hinab und nickt zu frieden, bevor sie ihren Langgurt umbindet und ihren Umhang geschickt mit der Fibel verschliesst.

In der Schankstube



Mit dem Magierstab in der Hand verlässt Lilith ihre Kammer, in der sie wohl noch einige Nächte bleiben wird und macht sich auf in die Gaststube um sich ein kleines Frühstück zu gönnen. Unten angekommen, erwartet sie bereits der Duft nach frischem Brot und gebratenem Speck und ihr Magen gibt knurrende Laute von sich. „Nun, auch Heute wird’s für mich nur Haferschleim geben, was anderes lässt mein Geldbeutel nicht zu.“ In Gedanken ihren alten Meister verfluchend, setzt sich Lilith an einen kleinen Tisch und bestellt ihr karges Frühstück. „Wieso hat mich Nirgand bloss auf diese Reise geschickt. Der alte Bastard wollte mich bloss loswerden. Hat ihm wohl nicht gepasst wie ich seine kleine Prinzessin behandelt habe.“ Murmelnd macht sich Lilith über ihr gebrachtes Frühstück her. „Dann noch das Problem mit dem Zirkel in Alayz…wenn ich so weiter mache, kann ich bald nirgends mehr hin. Ich sollte mich hier in Talyra wohl etwas zurückhalten mit meiner Art, aber vielleicht gefällt es mir hier ja wirklich und die Leute sind hier vielleicht ganz anders?“ Gedankenversunken beendet Lilith das nur halbwegs geniessbare Frühstück und verlässt mit einer Wegbeschreibung zum Haus der Bücher, welche sie einem Schankmädchen entlocken konnte, die Goldene Harfe.


--> Haus der Bücher

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lyall am 17. Feb. 2008, 16:52 Uhr
Ein, im ersten Moment, ohrenbetäubender Schwall von Geräuschen, schwappt wie eine Welle über Lyall hinweg, als Aegnor die Tür zur Schankstube öffnet. Laute Gespräche und auch etwas Musik lässt sie ihre Ohren anlegen und sie duckt sich hinter ihres Begleiters Gestalt. Schon lange war sie nicht mehr an einem Ort wie diesem. Der Wald war ihr oberster Ernährer gewesen und ein Mahl an solch einem Ort, hatte sie sich nie leisten können. Der erste Schreck ist jedoch schnell überwunden, als sie die gefüllten Teller erspäht unter denen sich die Tische fast schon durchbiegen. Ihre Nase umschmeicheln Gerüche von gut gewürzten Speisen und würzigen Weinen, welche ihr fast augenblicklich das Wasser in ihr Maul schießen lassen.

Die Tür fällt hinter ihr wieder ins Schloss und sie sieht sich gefangen in einem Wald aus Beinen, von denen manche hin und her wuseln ohne offensichtliches Ziel. Die Meisten gehören den Schankmaiden und Lyall bemerkt fasziniert, wie sie sich durch die Menge schlängeln ohne in dem Gedränge auch nur einen Krug Bier über den Kopf eines Gastes zu entleeren. Ihr Blick wandert weiter durch den Raum, vorbei an Männern, Frauen und Gestalten von denen sie meint, sie noch nie gesehen zu haben. Hier und dort tauchen sogar Hörner zwischen den vielen Köpfen auf. Doch letztendlich sieht sie wieder zu ihrem Begleiter hoch, welcher mit einer zierlichen Schankdame spricht. Sie scheint erstaunt über das viele Geld, welches Aegnor unbeholfen in seine hohle Handfläche schüttet. Das Gespräch an sich kann sie nicht wirklich verstehen, da ein Mann neben ihr so laut zu lachen anfängt, dass es in ihren Ohren zu klingeln beginnt. Verärgert setzt sie sich neben Aegnor und schaut zum Tresen hinauf, auf dem ein saftiges Kotelett thront. Eine Hand schiebt sich in ihren Blick und hebt alsbald auch das Tablett hoch um das saftige Fleisch aus ihrem Blick zu entführen.
Lyall seufzt und legt den Kopf auf ihre Pfoten. Fleisch… Beute… springen und schnappen! Verärgert hebt sie den Kopf und schüttelt ihn ein paar Mal mit Nachdruck.
Oh nein nicht diese Gedanken! Ich muss die Gestalt alsbald wechseln. Meine Gedanken verlieren sich…

„… auch für meinen Begleiter dort“, versteht sie noch und ein Pfiff schreckt sie aus ihren Gedanken auf. Sie hebt ihren Kopf und kann gerade noch erkennen wie Aegnor mit einer schnellen Kopfbewegung signalisiert, dass die ihm folgen soll als er sich auch schon umdreht, um der vorauseilenden Zimmermagd zu folgen. Trotz ihrer Pummeligkeit ist die Magd schon fast aus ihrem Sichtfeld verschwunden und Aegnor folgt ihr hastig stolpernd die Stufen hinauf, als sich Lyall langsam erhebt um den Beiden hinterher zu trotten. Selbst mit einer Wäscheklemme auf der Nase und dem Kopf in einem Eimer hätte sie dem überschwänglichen Maiglöckchengeruch der Bediensteten blind folgen können. Mehr aus Protest niest sie laut.

Lyall ist noch halb auf der Treppe zu den Zimmern des Gasthauses, während die Magd auch schon wieder hinunter an ihr vorbeieilt. Kurz bleibt Lyall stehen und blickt ihr nach, doch dann setzt sie ihren Weg die Treppe hinauf fort. Ihre Krallen verursachen klickende Geräusche auf den von eisenbeschlagenen Stiefeln verkratzten Holzstufen, die in der Mitte schon recht ausgetreten sind.
Ihr Gefährte wartet oben auf dem Treppenabsatz auf sie, schwer gestützt auf das knarrende Geländer. Er wendet sich um und schließt mit einem schweren Eisenschlüssel die Türe zu ihren Gemächern auf und bedeutet ihr einzutreten. Ihre Schritte beschleunigend, trabt sie auf das helle Viereck in der Wand zu und muss blinzeln, als die Sonne direkt in ihre Augen scheint. Schräg fällt sie durch das Glas der Scheiben und taucht das Zimmer in ein freundliches blassgelb.

Sie tapst weiter in das Zimmer hinein, welches eine ungefähre L- Form hat, da es sich um den Kaminschlot windet. Da der Kamin unten im Schankraum gut befeuert wird um die Kälte vor der Tür zu lassen, ist die Wand auch recht warm. Ein kleiner Beistelltisch steht neben Lyall und sie erblickt ein großes Bett an dessen Seiten Lammfelle liegen um die Füße am Morgen vor kalten Bodendielen zu schützen, einen schweren Eichenholztisch mit gedrechselten Beinen in Löwentatzenform auf dem ein weißes Tischtuch drapiert ist sowie einen einzelnen Stuhl nahe der Fenster zu ihrer Linken. Um die Ecke des Zimmers sind an der Wand Haken angebracht und in einer kleinen Nische drängt sich ein Waschtisch mit einem faustgroßen Anarshunjaseifenstück in der leeren Waschschüssel. Der Duft dieser Seife verdrängt den penetranten Maiglöckchengeruch und erfrischt ihren Geist wundersam. Ein kleines Vermögen wurde nur für diese Seife ausgegeben, das Zimmer ist wohl eines der Teureren.

Aegnor schließt mit einem leisen Klacken die Tür, doch hat er sich noch nicht wirklich von ihr abgewendet als auch schon ein forderndes Klopfen zu hören ist. Die Klinke noch in der Hand haltend wird er beherzt zur Seite gedrängelt während die, auf einer Maiglöckchenduftwolke schwebende, Magd ins Zimmer rauscht. Mit einem freundlichen Lächeln stellt sie einen dampfenden Teller und Wolfsbier auf den imposanten Tisch, füllt warmes Wasser in den Krug an der Waschgelegenheit und bevor sich Lyall versieht, steht auch vor ihr eine Holzschüssel mit hohem Rand dessen Inhalt dem auf Aegnors Teller vollkommen gleicht.
Etwas in einer für Lyall unverständlichen Sprache murmelnd, verabschiedet sie sich von Aegnor und tätschelt Lyall den breiten Kopf als wäre sie ein normaler Hund. Ihre dicken Finger wuscheln durch das Fell und bevor Lyall sich noch weiter wundern kann, ist die Tür auch schon ins Schloss gefallen. Verwirrt blickt sie noch ein paar Herzschläge auf die geschlossene Tür, doch sie wird wieder ins Hier und Jetzt gerissen als ein Geräusch an ihr Gehör dringt. Sie wendet den Kopf und sieht in das Gesicht des Mannes, der seit Tagen das erste mal wieder lächelt. Er hat den Löffel noch in der Hand mit dem er gegen den Zinnteller geschlagen hat um ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Sein Schwert lehnt am Fußende des breiten Bettes und sein Reisebeutel liegt mitten im Zimmer wo er ihn hat achtlos fallen lassen.
„Lass es dir schmecken!“ lässt er verlauten und stürzt sich schon auf das Mahl in seinem Teller. Mit fettverschmiertem Mund blickt er zu ihr hinüber, deutet er mit einer Kopfbewegung auf die Schüssel vor ihr, bevor er sich wieder dem Essen widmet.

Kleine Fetttropfen schwimmen auf der Soße und schauen sie wie Augen an. Aus diesem sämigen Meer erhebt sich eine Haxe wie ein Berg, dessen Knochen wie der Zeiger einer Sonnenuhr in die Höhe ragt. Eine dicke Fettschicht umgibt das weiche rote Fleisch darunter und runde, durchsichtige Kügelchen rollen an der Haxe hinab um sich mit der Soße zu vermischen. Kurz glaubt Lyall es wäre Fett, welches sich durch die Hitze des Fleisches noch aus den Poren löst, bis sie bemerkt, dass es ihr eigener Speichel ist. Konstant tropft er aus ihrem Maul auf ihr Mahl, bildet mittlerweile schon kleine Rinnsale. Schnell schließt sie ihr Maul und hofft ihr Begleiter möge nichts mitbekommen haben. Stell dich nicht so an… für ihn bist du ein zahmer Wolf. Nichts weiter. Zumindest noch nicht. Und nun… Fleisch… Blut… Tod… Schnell schüttelt sie wieder ihren Kopf um sich nicht in den animalischen Gedanken zu verlieren und beisst beherzt in das warme, fast noch heiße Fleisch. Wie lieb von ihm, er hat mir das gleiche Essen gekauft wie sich selbst. Sogar gewürzt ist es!, freut sie sich.

Nach dem ausgiebigen Mahl scheint ihr Gefährte müder als die Tage davor. Ächzend erhebt er sich vom Stuhl und sammelt sein benutztes Geschirr ein. Mit schlurfenden Schritten kommt er zu ihr herübergewankt, bückt sich und hebt auch ihre Schale auf. Sie folgt ihm mit den Augen während er das benutzte Geschirr vor die Tür auf den Flur stellt und die Tür hinter sich abschließt. Sie schaut zu ihm hoch, da er neben ihr stehen bleibt. Nachdenklich und müde schaut er sie an, seufzt und streichelt ihren Kopf.
„Wer… oder besser Was bist du?“, in der Frage schwingt Trauer mit auch wenn sie sich nicht erklären kann woher.
Ihre Blicke folgen ihm noch als er sich teilweise entkleidet, wäscht und ins Bett fallen lässt. Kurz richtet er sich ein letztes Mal auf. Sie erwidert seinen Blick als er zu ihr sagt „Auf jeden Fall etwas das mir gefehlt hat…“. Mit seiner rechten Hand wischt er sich über das Gesicht und fährt sich durch die Haare. „Vergiss es… jetzt rede ich schon mit einem Tier… als könntest du mich verstehen. Nichts für ungut.“. Und schon ist er eingeschlafen noch bevor Lyall ihren Ärger kundtun kann. Auch wenn sie nicht genau weiß wie.
So schluckt sie ihre Wut hinunter und schlendert an den Rand des Zimmers. Die Sonne bescheint diesen Platz mit einem verzerrten Abbild des Fensters und erwärmt ihn stetig. Mit dem Rücken zur warmen Zimmerwand lässt sie sich auf dem sonnigen Fleckchen nieder und rollt sich zu einer festen Fellkugel zusammen. Er weiß es ja nicht besser… ich sollte nicht wütend sein. Ihre Augen schließen sich langsam und sie gleitet hinüber in einen leichten Schlaf.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 18. Feb. 2008, 15:31 Uhr
Im Schankraum der Harfe


Borgil steht mit finsterem Gesicht hinter dem Tresen der goldenen Harfe und poliert gedankenverloren ein paar Bierhumpen, an denen schon seit einer halben Ewigkeit nicht mehr das kleinste Staubkorn zu finden ist. Seine Gedanken weilen bei Yarranwyn, der Bardin, die das zweit Opfer dieses Irren geworden war und da Borgil die kecke Südländerin gut gekannt hatte, sitzt ihm ein Kloß aus Trauer und Betroffenheit im Hals. Man könnte nicht sagen, dass die Sängerin und er wirklich befreundet gewesen waren, wie auch, wenn man jemanden immer nur ein paar Wochen oder Monde am Stück zu Gesicht bekam? Aber sie waren gut miteinander bekannt, hatten durchaus auch das ein oder andere Vertrauliche voneinander gewusst und waren sich schon immer einfach sympathisch gewesen. Hätte Yarranwyn nicht so ein Zugvogeldasein geführt, immer unterwegs von einer Stadt zur nächsten, immer auf Reisen, sie wären befreundet gewesen, das weiß Borgil ganz sicher. Und jetzt ist sie tot, umgebracht von diesem Schweinehund, der auch das Mädel am Nordtor auf dem Gewissen hat, nach allem, was man so hört und ihr Gepäck steht in dem Zimmer, das Grid extra für sie hergerichtet hatte. Niemand wird es auspacken, niemand wird... heilige Radegund, das Gepäck... was mach ich denn jetzt damit zum Donnerdrummel? Tiuri hatte ihm die traurige Nachricht überbracht und war dann abgerauscht, um "mehr in Erfahrung zu bringen", wie er sich ausgedrückt hatte, und Azra hatte versucht, ihn auf andere Gedanken zu bringen, doch so recht gelungen, war es ihr nicht. Natürlich sind die beiden Morde Stadtgespräch in Talyra und da die Harfe regelmäßig von Blaumänteln außer Dienst frequentiert wird, redet man unter seinem Dach ganz besonders viel darüber, in der Hoffnung, den Männern in ihrer Freizeit vielleicht das eine oder andere Detail zu entlocken - Olyvars Blaumäntel schweigen allerdings wie die Steingräber. Immerhin geht der Anbau, der direkt an der rückwärtigen Fassade der Harfe anschließt, zügig vonstatten, nachdem endlich einmal die Grundmauern aus grauem Flussstein gelegt sind, was Borgil ganz höchstpersönlich überwacht hat... allerdings haben sie nun tagaus tagein Heerscharen von Zimmerleuten, Maurern und sonstigen Bauhelfern zum Frühstück, Mittag- und Abendmahl in der Harfe hocken. Soll mir auch recht sein, Hauptsache sie werden fertig, ehe Azra das Kind zur Welt bringt.

Seine kleine Frau hat sich als höchst fruchtbares Wesen herausgestellt, wie Borgil im Spätherbst erfahren durfte und nicht, dass er sich nicht gefreut hätte, erneut Vater zu werden, aber überrascht hatte ihn die Nachricht doch. Nach Brenainns mörderischer Geburt war er fest davon überzeugt gewesen, Azra könne nie wieder ein Kind von ihm austragen, vielleicht nicht einmal mehr schwanger werden und wenn doch, so würde sie es ganz gewiss nicht wollen. Nicht nach dieser Tortur. Azra dagegen scheint da ganz anderer Ansicht zu sein und Borgil sieht sich schon händeringend endlose Diskussionen mit ihr führen, ob und wenn ja wie viele Kinder sie wann bekommen sollte und ob es nicht besser wäre, eine Empfängnis in Zukunft lieber zu unterbinden. Oh, er mag Kinder, sogar sehr, und wäre Azra nun einmal nicht mit der Figur eines Porzellanpüppchens gesegnet, dann hätte er gern ein halbes Dutzend, aber ihr Becken ist leider alles andere als das, was man gemeinhin gebärfreudig nennt und Borgil kann vieles verlieren - aber nicht seine Frau. In alle möglichen und unmöglichen Überlegungen verstrickt steht Borgil also am Tresen, poliert, sinniert, hadert mit sich selbst und seiner Trauer um Yarranwyn, zu vielen Fragen und noch allem möglichen anderen, als ein seltsames Gespann die Harfe betritt und die Gaststube offenbar auf der Suche nach ihm, dem Wirt, durchquert. Ein mittelgroßer Mann, etwa 6 Fuß, mit dunklem Haar und auffallend blauen Augen im langen, melancholischen Gesicht, und ein schwarzer Wolf... oh, nein, eine Wölfin. Der Mann verlangt ein Zimmer und zahlt auch gleich mit klingelnder Münze, doch er hustet dabei so zum Göttererbarmen, dass Borgil ihm am liebsten eine Heilerin empfohlen hätte. Der Wolf sitzt dabei andächtig neben ihm und hypnotisiert ein saftiges Fleischstück auf einem Teller, den Grid gerade im Vorbeieilen kurz abgestellt hatte. Herrje, die beiden sehen aus, als hätten sie ein paar harte Tage hinter sich.
Borgil reicht dem Fremden den Schlüssel für eine gemütliche Kammer im ersten Stock und nimmt die Essensbestellung auf, die er brummend an die Köchin weitergibt, doch noch ehe so etwas wie eine Unterhaltung zustande kommen kann, sind die zwei auch schon die Treppe hinauf verschwunden. "Hmph. Soll mir auch recht sein. Morgen ist auch noch ein Tag. Azra, Herzblatt, lass dich nicht dabei erwischen, dass du die schweren Bierhumpen schleppst... das kann Halla oder sonst wer tun, aber du nicht!"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Stormgrimm am 21. Feb. 2008, 20:47 Uhr
Mit einem leichten Satz begibt Aegnor sich in das warme Bett, einen kurzen Hustenanfall erleidend und lässt die flauschige, duftende Decke über seinen frisch gewaschenen Körper gleiten. Einen letzten Blick auf seinen, sich in eine entspannte Position in der Ecke des wohligen Raumes begebenden, animalischen Kumpan werfend, versucht Aegnor -trotz Übermüdung- seine Augen zu schließen und einen ruhigen Schlaf zu finden.

Aegnor denkt an die vergangenen Nächte, durch welche er sich durchschlagen musste, das Pfeifen des Durchzugs an der Tür im Ohr habend. Vor allen Dingen aber, denkt er an seinen Begleiter. Den freudigen Blick im Kopf habend, den Aegnor nach Hinstellen eines vorzüglichen Essens erhalten hatte, welches Aegnor selbst auch verzehrte, verschwimmen die Grenzen und der Schlaf hält Einzug.

Verschwommene, unklare Träume belagern seine Gedanken und verhindern Aegnors innere Ruhe.

Laub fällt von den Bäumen und der Wind weht stark durch das Dickicht. Schnee fällt langsam und in unregelmäßigen Abständen und bedeckt somit das ganze Umfeld des Waldes. Aegnor stapft durch den matschigen Untergrund, einige Hustenkrämpfe erleidend. Der Teil des Waldes, indem Aegnor sich befindet ist von dichten Nebelschwaden wie hermethisch abgeriegelt.

Es herrschen völlige Finsternis und eine beängstigende Stille. Der schwere Schnee, der sich an manch dünnen Ästen gesammelt hat, fällt mit einem dumpfen Geräusch zu Boden. Aegnor folgt weiter einer Linie, weiß jedoch nicht wohin diese ihn führt. Angst macht sich breit und Schmerzen zehren bei jedem seiner Schritte an ihm.

Sein Atem evaporiert an der kalten Nachtluft zu einem feinen Schwaden. Weiter hinten erspäht Aegnor etwas im Schnee. Oh mein...Der Wolf! Aegnor benutzt seine verbleibenden Kräfte und läuft in Richtung des regungslosen, schneebedeckten Körpers. Nach einigen kurzen Sekunden schmerzerfüllten Gelaufes stürzt er sich in den fahlen Schnee und drückt auf den Bauch seines regungslosen Kumpan. Mit der Hand versucht er, das Gesicht seines Begleiters in seine Richtung zu ziehen. Plötzlich erschrickt Aegnor...Zwischen Haut und Haaren ist bloße Leere...

Schweißgebadet erwacht Aegnor aus dem Traum und fährt um sich. Mittlerweile ist es Nacht geworden. Auf den Straßen hört man in unregelmäßigen Abständen einige Kutschen passieren. Die stickige Luft hält sich immer noch im Raum. Der fahle Mondschein spendet Licht, und ist auf die Ecke der Stube fokussiert. Aegnor konzentriert sich, die Müdigkeit aus seinen Augen zu verbannen...

Er ist atemlos. Eine wunderschöne Frau liegt, halb unbekleidet zusammengekauert auf dem Boden, ihre Haut wirkt durch das Licht des Mondes noch blasser. Kleine fellige Ohren zieren ihr Antlitz. Aegnors Worte möchten aus seinem Mund fahren, dieser jedoch ist zu erstaunt und/oder verängstigt, sich zu öffnen. Einige Minuten lang betrachtet er die vor ihm liegende Frau.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lyall am 23. Feb. 2008, 18:16 Uhr
Ihr Vater tritt in ihre Träume. Langsam wird das Bild klarer und sie sieht sich auf der Lichtung im Nachtwald stehen, einen Bogen in der linken Hand und den, mit stilisiertem Laub verzierten, Köcher in ihrer Rechten. Sie ist nicht allein mit ihrem Vater, mehrere Kinder und Halbwüchsige ihres Clans befinden sich in ihrer Nähe und zielen mit ihren eigenen Bögen oder Wurfmessern auf den Stamm eines abgestorbenen Baums. Als Ziel dient eine Scheibe aus geflochtenem Riedgras, in der auch schon zwei Pfeile und das Wurfmesser ihres Vaters stecken. Die meisten Pfeile und Wurfmesser befinden sich jedoch hinter dem Baum im Dickicht des Waldes und das Suchen nach ihnen ist der verhasste Teil am Ende jedes Unterrichts mit ihrem Vater.

Das Bild wechselt. Nun ist Lyall an der Reihe und zielt mit ihrem Jagdbogen aus zugfestem Eibenholz auf die Scheibe. Geschmeidig zieht sie sie Sehne zurück, bis sie ihre rechte Wange berührt und holt tief Luft. Zwischen zwei Atemzügen, völlig regungslos, zielt sie sorgfältig und lässt die Sehne von ihren Fingern gleiten. Der Pfeil schießt mit einem leisen Summen in Richtung Baum und trifft das Ziel mit solch einer Wucht, dass die Scheibe regelrecht an den Baum genagelt wird und beide Pfeile sowie das Messer zu Boden fallen. Stolz lächelt sie ihren Vater an und senkt ihren Bogen, doch er schenkt ihr nur ein knappes Nicken, bevor er sich einem Jungen zuwendet und diesem freundschaftlich auf die Schulter klopft. Mit ein paar knappen Worten ermuntert er ihn weiter zu üben, da sein Wurfmesser ohne das Ziel zu treffen im Wald verschwunden ist. Traurig lässt sie ihren Kopf hängen. Die anderen Kinder schauen sie an und rücken von ihr ab. Sie fühlt die Schmach noch heute glühend heiß in sich aufsteigen. Am liebsten wäre Lyall zu ihrem jüngeren Abbild geeilt um es zu trösten doch das Bild ändert sich wieder.

Sie kann fast den Geruch des Leders riechen, welchen ihr Zelt ausströmt, als sie im Traum ihr altes Heim sieht. Doch Stimmen werden lauter. Sie erkennt schwach, dass es ihre Mutter und ihr Vater sind. Ein Streit ist zwischen beiden entbrannt, was zu der damaligen Zeit öfters der Fall gewesen ist. Es geht zum hundertsten Mal um Lyall… Sie sieht ihr Traumabbild hinter einer Holzpritsche kauern. Die Hände auf die Ohren gepresst, versucht die Lyall ihres Traums, die Worte von sich fern zu halten, welche zu ihr hindurch dringen wollen. „Ja es ist eine Ehre, einen Gestaltwandler in der Familie zu haben… Aber warum muss es meine Familie sein? Warum ist sie nicht wie alle anderen Kinder? Sie ist hervorragend im Jagen, dies wiegt jedoch die Schmach nicht auf! Wenn ich ihr doch nur nach der Geburt die Ohren abgeschnitten hätte!“, die Worte ihres Vaters schneiden in ihr Herz wie ein glühender Dolch.
Tränen laufen der kleinen Lyall über die Wangen. „Du verstehst überhaupt nichts! Wie kannst du so etwas sagen? Wir sind von den Göttern beschenkt worden! Und du behandelst dein eigen Fleisch und Blut wie einen getretenen Hund! Was ist aus dir geworden? Wo ist der Mann, der mir die Sterne des Himmels versprochen hat?“, sagt ihre Mutter und Zorn blitzt in ihren Augen. Mit einem Schnauben wendet sich ihr Vater ab und verlässt das Zelt. Einige Herzschläge lang bleibt ihre Mutter mit geballten Fäusten stehen und blickt zu Boden.
Dann wendet sie sich jedoch Lyalls Versteck zu, als hätte sie das Schluchzen aus der Ecke gehört. Sie schlägt das Fell eines Barakals zurück, welches als Raumteiler dient und kniet sich neben Lyall um sie zu umarmen.

Ihr Traum verblasst bereits, doch die alten Gefühle bleiben zurück. Nie wirklich vergessen oder überwunden, lauern sie im Dunkel der Seele auf eine Schwäche des Geistes um die Betroffenen auch Jahre danach noch zu quälen.
Warum bist du so Kalt geworden? Wir hatten so viel Spaß zusammen… War ich dir nicht gut genug? Ich habe sogar nachts mit Pfeil und Bogen geübt, nur um dir zu gefallen. Tiere zu töten war nie mein Begehr. Warum konntest du mich nicht so akzeptieren wie ich bin? Wie konntest du Mutter und mir nur so etwas antun…

Langsam wird sie sich wieder ihrer Umgebung bewusst, spürt das kalte Holz der Bodendielen und hört das lauter werdende Treiben in den Gassen unter dem Zimmerfenster.
Sie lässt ihre Augen geschlossen, streckt sich jedoch genüsslich noch einmal im Liegen und verscheucht die schlechten Erinnerungen. Ein kühler Lufthauch stiehlt sich unter der Tür hindurch und streicht sanft über ihre Haut. Diese Frische lässt sie schaudern und eine Gänsehaut bildet sich auf ihren Armen und ihre Nackenhärchen stellen sich auf. Moment… Gänsehaut? Mit schnellen Bewegungen fährt sie sich mit ihren Händen über die nackten Arme. Sie reißt ihre Augen auf und sieht sich hastig um. Als erstes blendet sie das Licht, welches durch das Fenster dringt und sie hebt eine Hand um ihre Augen abzuschirmen. Doch die Konturen des Zimmers werden wieder klarer und verschwimmen nicht mehr vor ihren Augen. Sie sieht an sich hinab und Flucht leise.
Nackt! Und das jetzt! Meine Kleidung ist noch im Wald… So ein verdammter… Sie erbleicht. Und wenn er mich… gesehen hat? Ich wollte ihm ja noch meine Menschengestalt zeigen aber… Bekleidet!!! Ich muss mich vor lauter Erschöpfung zurückverwandelt haben. Langsam hebt sie den Kopf und schluckt laut. Ihr Blick gleitet am Bett empor, über die zurückgeschlagene Decke. Es ist leer.

Mit einem Satz ist sie auf den Füßen und sieht sich im Zimmer um, doch von ihrem Begleiter keine Spur. Sie schnappt sich das dünne Laken des Bettes und wickelt es sich provisorisch um den Leib. Mit kleinen Schritten läuft sie zur Tür und drückt die Klinke so leise wie möglich hinunter. Sie zuckt, als der Mechanismus des Türschlosses in ihren Ohren laut schnarrend entriegelt. Ein normaler Mensch hätte dieses Geräusch wohl als sehr leise empfunden aber Lyalls Wolfsohren sind feiner und ausserdem sind ihre Nerven zum zerreißen gespannt. Mit klopfendem Herzen zieht sie die Tür vorsichtig nur so weit auf, dass sie in den Gang spähen kann und da er leer ist, streckt sie den ganzen Kopf vor die Tür. Von unten dringen Gespräche, Lieder und einige Lacher zu ihr herauf doch der Gang bleibt leer. Auch die Zimmer scheinen um die Zeit schon verlassen oder die Bewohner sind ausgesprochene Langschläfer.

Sie schließt die Tür und lehnt sich von innen dagegen. Er ist noch hier. Er hätte die Tür sonst abgeschlossen. Oder nicht? Will er Wachen holen? Oder… Sie schluckt und fährt sich mit der rechten Hand über die Augen und die Haare. Vielleicht habe ich mich auch erst verwandelt, als er schon aus dem Zimmer heraus war… Ja… Ja, so muss es gewesen sein.
Sie stößt sich von der Tür ab und stolpert mehr als das sie läuft, zu dem kleinen Waschtisch in der Zimmernische.
Ruckartig hebt sie den halbvollen Krug an. Fast hätte sie sich den Inhalt über gegossen, da sie noch nicht die volle Kontrolle über ihren Körper hat. Den Krug mit beiden Händen festhaltend, gießt sie das erkaltete Wasser in die filigrane Schüssel. Mit einem freudigen Plätschern ergießt sich das Wasser in die Schüssel, ein Teil jedoch durchnässt Lyalls Füße und den Boden und bildet eine kleine Pfütze unter ihr. Desinteressiert und etwas wütend, schaut Lyall kurz nach unten, dann jedoch in die Schüssel. Ein graues Gesicht schaut sie an, Tränenschleier ziehen sich über ihre Wangen. Mit dem Eintauchen ihrer Hand zerstört sie das Bild, welches kleine Wellen schlägt. Sie wäscht sich gründlich das Gesicht und fährt sich mit noch feuchten Händen über die Ohren, um das vom Schlaf struppige Fell zu glätten.

Jetzt darf ich auch noch wischen! Und nirgends ein Lappen… Lyall schaut sich um und erblickt einen braunen, zerschlissenen Lappen neben dem Bett. Beherzt hebt sie ihn auf, wischt die Pfütze weg und mit dem noch trockenen Teil des Lappens versucht sie die Dielen so gut es geht zu trocknen. Auch die Schüssel wird entleert und zwar auf die Gasse unter dem Fenster. Sie richtet alles wieder so her wie es war und will gerade den Lappen so zum trocknen aufhängen, dass er nicht gleich ins Auge fällt, als sie ihn auseinander faltet und ein Hemd in Händen hält. Sein Hemd. Sie sieht sich nach seinem Beutel um, greift in ihn hinein und befördert ein frisches, jedoch zerknittertes Leinenhemd zutage. Sie drapiert es kunstvoll auf den Platz, wo sie das alte Hemd gefunden hat und lässt das nasse, geschundene Ding unter dem Bett verschwinden. Sie breitet gerade das Laken über dem Bett aus und zieht es an den Seiten straff, als sie Schritte hört. Noch weit entfernt aber sich stetig nähernd. Hastig streicht sie das Laken glatt und beginnt vorsichtshalber mit der Verwandlung, da sie sich nicht sicher ist, ob es Aegnor oder einfach nur ein anderer Gast ist.

Sie schließt die ihre Augen und denkt an Freiheit, Wald, Feld und Wind in ihrem Fell. Ihr Gesicht beginnt sich zu strecken und ein dichter Pelz wuchert auf ihrer Haut. Ihre Knochen und Bänder dehnen sich, um sich gleich darauf wieder zu verkürzen und ihr Rückgrat verlängert sich zu einem Anfangs nur von Haut überzogenen Knochenstrang, welcher jedoch beständig dicker wird und schwarzes Fell sprießen lässt. Ihre Ohren zucken leicht als sie die Augen  öffnet und wieder das Sehvermögen eines Wolfes hat. Scharf sind die Konturen der Möbel und selbst Schatten haben ihre eigenen Nuancen an Farbe. Doch Lyall beeilt sich nur an den Platz zu kommen an dem sie sich abends zuvor hingelegt hat und setzt sich hastig hin.

Die Tür schwingt auf und Aegnor tritt herein, den gleichen mürrischen Ausdruck auf dem Gesicht tragend wie die Tage zuvor. Er schließt die Tür hinter sich ab, was Lyall stutzen lässt aber sie folgt seinen Bewegungen unablässig mit den Augen.
Er stellt eine Schüssel mit Fleischstücken vor ihr ab, an denen noch kalte Soßenreste kleben.
Für sich hat er, dem Geruch nach zu urteilen, Haferbrei, gesüßt mit Honig. Mit einem Husten lässt er sich auf dem Bettrand nieder und schaut sie beständig an, während er monoton seinen Haferbrei isst. Kurz stößt Lyall mit der Schnauze ihre Schüssel an und beginnt zu fressen, wirft jedoch ab und zu Seitenblicke auf ihren düster dreinblickenden Kumpanen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Njucon am 25. Feb. 2008, 20:16 Uhr
Langsam...gaaanz langsam von einem murrenden Geräusch der Unzufriedenheit begleitet öffnet Njucon seine Augen. Um ihn herum ist es dunkel, nur schemenhaft lässt sich das Zimmer und seine  Einrichtung vermuten. Wieder und wieder fährt er sich mit der linken Hand übers Gesicht, schiebt einige Haarsträhnen zu Seite, massiert seine Stirn und einige andere Gesichtszonen in der Hoffnung dadurch schneller wach zu werden.

Doch der Schlaf will ihn nicht gehen lassen und hält ihn mit kräftigen Händen fest. Zu recht, hat er doch die letzte Nacht nicht und jetzt nur ein paar Stunden geschlafen. Schwer atmend zwingt sich der Albino dazu die Augen offen zu halten. Versucht die wohlige Schwere, die immer wieder von ihm Besitzergreifen will wenn er die Augen schließt zu überwinden.

Tief atmet er ein und setzt sich ruckartig auf. Zwei ... dreimal holt er tief Luft und reckt seine Arme über seinen Kopf. Immer noch schlaftrunken und mit schnauben und verächtlichen geknurre erhebt er sich und geht zu einem der zwei Fenster.

An die Wand gelehnt schiebt er den Vorhang zur Seite und blickt auf die leicht beleuchtete Straße die seitlich der goldenen Harfe liegt. Nur wenige scheinen in dieser Nacht unterwegs zu sein. Ob es wohl an den Gerüchten die er auf dem Marktplatz an diesem Morgen aufgeschnappt hat liegt, fragt sich Njucon. Der Schneeregen hat sich gelegt, die Starße ist trocken, doch der Wind fegt durch die Straßen und zerrt an den kleinen Feuern die die Straße erhellen.

Erst jetzt, da langsam die Müdigkeit von ihm weicht, bemerkt er die Stiefel wohl noch an den Füßen, was soviel bedeuten muß, dass er mehr als übermüdet war und noch immer ist. Und wenn da nicht diese eine unbedeutende, und doch so wichtige Sache wäre, würde er bis Morgen früh ruhig und genüsslich durchschlafen. Niemand in ganz Immerlande könnte ihn dazubekommen mitten in der Nacht aufzustehen… niemand außer er selbst.

Mürrisch betrachtet er die Straße und wendet dann seinen Blick auf seine Hand die immer noch den Vorhang hält und schon leicht zu zittern beginnt. Bei Ealara dies wird irgendwann ein Ende haben!

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Stormgrimm am 05. März 2008, 22:12 Uhr
Der Morgen bricht über der Stadt herein. Durch den Kamin hört man das leichte Säuseln des frischen Windes. An einem, von der Kammer aus gesehenem, nicht weit entfernten kleinen Baum zwitschern die ersten Vögel in unregelmäßigen Abständen. Die feinen Sonnenstrahlen fallen weich in fast alle Ecken des Raumes, und erzeugen somit eine wohlige Atmosphäre.

Sich die Müdigkeit aus den Augen reibend, erwacht Aegnor aus seinem unruhigen, aber dennoch erholsamen Halbschlaf. Immer noch leichte Schmerzen habend erhebt er sich aus seiner liegenden Position und blickt aus einiger Entfernung zum Fenster hinaus. Er hatte sich doch noch einmal hingelegt. Die Essensreste des Frühstücks liegen etwas verstreut in der Kammer herum. Die Müdigkeit hatte alle Informationen vernebeln lassen, er kann sich nur noch vage, an den Zorn, den er verspürt hat erinnern. Warum er diesen in sich trug, weiß er nicht mehr.

Seine Gedanken kann er immer noch nicht korrekt ordnen, jedoch scheinen sie dies mit einem dumpfen, kopfschmerzerzeugenden Nachhall selbst in die Hand zu nehmen. Die Ereignisse der Nacht haben ihn verdutzt gemacht. Sie... So wie ein Pfeil von der Sehne eines Bogens schnellt, kommt ihm der Gedanke plötzlich wieder in den Kopf.

Etwas überrascht fährt Aegnor um sich und sucht nach seinem tierischen Begleiter...oder Begleiterin. Sein Augenmerk fällt nach recht kurzer Suche auf die Nische, in die diese sich zu Beginn der Rast gelegt hatte. Der Halbschatten, der von den auf die Wand einfallenden Sonnenstrahlen geworfen wird, spendet Ruhe und wirkt, trotz der Kälte des Spätwinters überaus einladend.

In der etwas abgedunkelten Nische liegt sie. Allem Anschein nach im Tiefschlaf befindlich. Aegnor weiß jedoch, daß sie sie seit letzter Nacht nicht schläft. Sie weiß davon, das sie gesehen wurde. Ihre Nervosität hat in den vergangenen Stunden merklich zugenommen.

Neben dem feinen Aufblitzen ihrer bernsteinfarbenen Augen hört man nur ihr leises, vorsichtiges Atmen. Ansonsten gibt sie nichts anderes von sich preis. Die Dunkelheit des Schattens gibt ihr eine simple, aber dennoch erschreckend effektive Tarnung.

Nachdenklich, am Rande des Bettes sitzend, packt er seine von den winterlichen Verhältnissen zerfledderte Lederbeinrüstung und versucht diese anzulegen, muss sich aber konzentrieren, die Schnürungen richtig einzufädeln, mehr in Gedanken als in der Realität. Seine Füße nach schmerzhaften Abfrierungen oder Ergüssen abtastend, schlüpft er in die etwas feuchten, aber großteils getrockneten Stiefel und versinkt anschließend mit dem Kopf in seinen Händen.

Sie... Sie ist...Ich kann es nicht beschreiben, aber es ist so als ob ich sie schon einmal gesehen hätte...Nicht leibhaftig...aber...Im Traum...Ach... Aegnor ist immer noch tief in seinen Händen versunken, murmelt jedoch unverständlich vor sich hin. Was nun? Sie hat mir schließlich das Leben gerettet...Es ist...kein Unterschied...und doch ist es anders, wenn mir ein Mensch das Leben gerettet hätte...ist ja auch so...Aus einem bestimmten Grund wollte sie hierher...Ich werde ihr weiterhin folgen...oder sie mir? Und...Ich kann auch nicht mehr ohne sie...Von daher bleibt mir auch keine andere Wahl...

Sich wieder in eine aufrechte Position begebend, rauft Aegnor sich nachdenklich die Haare. Aegnor blickt seiner Begleiterin tief in die Augen. Die Situation ruft in ihm jedoch eine nervöse Situation hervor. Ohhh Mann...

Einen Satz hervorzupressen versuchend, äußert er sich etwas leise gegenüber seiner tierischen Kumpanin: "Ich...bin nicht gut in solchen Sachen...aber...na gut...ich...du...Du musst mir nichts erklären, dich nicht vor mir rechtfertigen...Ich weiß jetzt nur, daß es dich wirklich gibt...und das ist...wie soll ich sagen...wundervoll..."
Das Ende des Satzes löst eine leichte Errötung in Aegnors Gesicht aus.

"Ich werde jetzt nach unten gehen...mit dem Wirt reden...Du kannst die Zeit nutzen...und...naja Dinge tun...Danach wollte ich die Stadt besichtigen...Ich fühle mich heute schon viel besser, wenn es dich beruhigt..."
Etwas benebelt erhebt sich Aegnor, und begibt sich in Richtung Flur, die Tür hinter sich schließend.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Njucon am 09. März 2008, 16:14 Uhr
In Njucons Zimmer


Auch am nächsten Morgen gestaltet sich das Aufstehen als schwieriges Unterfangen. Nicht weniger muffig wie einige Stunden zuvor wirft der Albino die Decke zur Seite und schält sich mühsam aus dem Bett. Er braucht einige Zeit sich gedanklich zu ordnen und sich seine momentanen Lage Bewusst zu werden.

Lange und gut schlafen, ein- und durchschlafen bis zum nächsten Morgen ist für ihm schon seid vielen Jahren unmöglich. Jede Nacht, jeden Morgen dasselbe Lied. Müde und zerschlagen sich dazu zu zwingen aufzustehen um diese Tropfen einzunehmen, diese Notwendigkeit die ihm schon lange zuwider ist, die ihn nicht schlafen... keine ruhe finden lässt.

Langsam kehrt die Energie, die benötigte Kraft in seinen Körper zurück. Es ist früh am Morgen und Njucon spürt eine große leere in der Magengegend die er beschließt bald drauf zu füllen. Nach einer kurzen Katzenwäsche mit kaltem Wasser und zurechtrücken seiner Kleidung, dessen ablegen ihm am gestrigen Tag wohl entfallen war, gürtet er mit einem Kopfschütteln sein Schwert.

Morgen Mylord, wieder eine unruhige Nacht gewesen? Ich dachte schon ihr würdet euch meiner entledigen
" So niederträchtige Gedanken schon am frühen Morgen Ilai? Wo ist euer Optimismus? " lacht Njucon und legt sich den Umhang um die Schultern. Aus den Satteltaschen fördert er anschließend ein dickes Buch, ein kleines Gefäß und ein Gantenkiel zutage, " Wirklich, nicht gerade freundlich von euch, ihr solltet mir mehr vertrauen schenken." Doch Ilai hatte wieder einmal beschlossen zu schweigen, wie in so manchen Situationen. Recht eigenwillig entscheidet Ilai wann es sich zu Wort meldet und wann stille herrscht. Aus oft unerklärlichen Gründen brach schon so manches Gespräch erprupt ab. Njucon hat dafür nur noch ein grinsen übrig.


Im Schankraum der Harfe



An einem der zahlreichen Tische findet der junge Albino einen freien Platz und bestellt bei einer der Schankmägden ein deftiges Frühstück und einen Pintgen guten Wein. Sogleich verschwindet die Schankmagd hinter dem Tresen und gibt die Bestellung in die Küche weiter. Währendessen legt Njucon sein Buch, Schreibkiel und das Gefäß mit Tinte auf den Tisch und beginnt nachdenklich einige Seiten durchzublättern.

Manche Seiten schneller einige blättert er langsam weiter. Bei einer Seite auf der eine junge Frau mit einigen Sommersprossen zu sehen ist hält er inne und lächelt. Es ist eine kunstvolle Kohlezeichnung die ein sanftes jugendliches Gesicht seitlich zeigt. Leicht gelocktes Haar fällt ihr auf der einen Seite über die Schulter während es auf der anderen von einem Windhauch gepackt nach hinten fliegt. Die Augen scheinen als würde sie in der ferne auf etwas sehnsüchtig schauen, etwas was sie beehrt oder nie erreichen kann. Wenn du von diesem Bild wüsstest… ich habe dich gesehen und musste diesen Blick aufzeichnen, diese traurigen wunderschönen blauen Augen. Verzeih, dass ich von der Farbe absehen habe, ich zeichne nur mit schwarzer Kohle oder Tinte. Dein schönes Gesicht, deine strahlenden Augen und die roten Haare kommen mir sogleich in den Sinn wenn ich das Bild betrachte.

Als dann schließlich sein Essen und Wein auf den Tisch gestellt wird nickt er freundlich und schließt das Buch dessen maße ca. 3 Handbreit und 1 Spannt beträgt. Ein herrliches Mahl steht dort auf dem Tisch dessen sich Njucon sogleich annimmt es zu verspeisen. Sein Hunger, der ihm eben noch so unermesslich groß erschien schrumpft nun auf eine Kleinigkeit. Gerade mal die Hälfe hat er gegessen, da schiebt er den Teller beiseite und widmet sich wieder seinem Buch. Dieses mal blättert er schnell zu einer Seite auf der weder etwas geschrieben steht noch gezeichnet ist, und beginnt mit einer recht ordentlichen Handschrift zu schreiben. Hin und wieder hält er inne um entweder einen schluck aus dem Becher zu nehmen oder nachdenklich aus einem der Fenster zu schauen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 13. März 2008, 13:30 Uhr
An einem Abend im Nebelfrost

„Verflixt und zugenäht“, tönt es verzweifelt aus der Küche, dicht gefolgt von einem lauten Scheppern und Krachen, als der Stapel sauberer Holzteller zu Boden geht. Mittendrin Azra, die hektisch mit den Armen rudert, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Schon ist eines der Küchenmädchen herbeigeeilt, um ihr zu helfen das Chaos zu beseitigen, aber Azra scheucht sie unter nervösem Gefuchtel wieder davon, was ihr einen besorgten Blick von Grid einbringt. „Ich mache das schon, lass es, bitte, ich kann das“, stottert sie atem- wie mutlos und seufzt schwer. Das ist jetzt das vierte Mal an diesem Morgen. Und der Tag hat ja erst begonnen! Zwei Krüge, ein Tablett mit drei vollen Suppenschüsseln und ein teurer Becher voller Traumwein mussten bereits dran glauben, die gerissene Schürze, die umgekippte Milch und die Flecken auf dem Hemd noch nicht eingerechnet. Heilige Götter, hört das denn niemals auf, denkt sich Azra, derweil sie Teller für Teller wieder einsammelt und versucht nicht putterot anzulaufen, als Borgil kurz in die Küche linst, das Chaos entdeckt und fragend eine Augenbraue hochzieht. „Nichts!“, ruft sie hastig aus, schüttelt heftig den Kopf und hebt abwehrend die Hände, als er eintreten will: „Es ist nichts! Gar nichts! Alles in Ordnung, wirklich, es ist nichts passiert, nur ein paar Teller… auf dem Boden, genau.“ Seine Miene zeigt eine Mischung aus Sorge und Belustigung, was sie aufgesetztem Schmollmund beantwortet. Er nimmt es ihr nicht übel, sie weiss es, aber ihre Ungeschicklichkeit hält jetzt bereits mehrere Tage an und es hat ihn schon weitaus mehr gekostet, als nur ein paar unzufriedene Gäste. Mit seiner ihm eigenen Feinfühligkeit hatte er ihr sogar vorgeschlagen, doch vorerst einfach die Bücher zu führen und die Markteinkäufe zu machen, anstatt im Schankraum zu helfen, aber nachdem sie dem alten Bäcker Círdan einen ganzen Korb voller frischer Brote zunichte gemacht hatte, war sie zu dem Entschluss gekommen, dass es noch immer einfacher war sich bei einem Gast zu entschuldigen, dem man den Wein über das Hemd geleert hat.
Nachdenklich bleibt ihr Blick flüchtig auf dem letzten Teller in ihren Händen ruhen, dann legt sie die gespreizten Finger ihrer Rechten behutsam auf ihren Bauch, wo bisher nur eine ganz leichte Wölbung ihre Schwangerschaft erahnen lässt. „Du machst mir ganz schöne Schwierigkeiten“, murmelte sie liebevoll, aber müde, legt den Teller zur Seite und schnappt sich einen Lappen und ein Tuch, um sich dem Putzen der Tische zu widmen. Da kann ich nur schlecht etwas kaputt machen, oder etwas umstossen.
Mittlerweile ist die Goldene Harfe  rappelvoll mit hungrigen Mäulern, denen nach köstlichen Backwaren, deftigem Speck und warmem Tee mundet. Die Hälfte davon besteht aus Zimmerleuten, Handwerkern, Dachdeckern und Maurern, die allesamt an dem Ausbau der Goldenen Harfe beteiligt sind und natürlich so lange hier essen und trinken dürfen.
Azra lächelt ihnen zu, begrüsst einige und wedelt dabei geschäftig mit dem Lappen herum, einen grossen Bogen um alle Schankmaiden machend, die auch nur im Entferntesten etwas balancieren oder bei sich tragen. Dabei kommt sie an dem jungen Mann vorbei, der seit einigen Tagen bei ihnen untergekommen ist und der ihr schon vom ersten Moment an aufgefallen war. Nicht etwa, weil er sich schlecht benommen hat, sondern weil er… Er sieht aus wie ich. Nur grösser. Und ohne spitze Ohren. Ausserdem hat er rote Augen. Oh, und er ist natürlich ein Mann, geht sie insgeheim alle Punkte durch, die sie beide unterscheiden, bevor sie ihn schon erreicht hat. Er hält ein grosses, in dunkles Leder eingebundenes Buch in den Händen und scheint in Gedanken versunken etwas aufzuschreiben. Da Azra ihn keinesfalls stören möchte, aber doch registriert, dass die Hälfte des Essens schon kalt ist und der Teller so weit weggeschoben wurde, dass es aussieht, als habe er keinen Hunger mehr, räuspert sie sich vorsichtig. „Ähm“, meint sie leise und scheu und lächelt freundlich, als er über den Rand seines Buches aufblickt und sie ansieht. Den Lappen zwischen den Finger knetend und den Kopf leicht geneigt, deutete sie auf den Teller und fragt leise: „Habt ihr keinen Hunger mehr? Oder hat euch das Essen nicht geschmeckt?“ Dabei kommt ihr Blick unweigerlich auf seinem weissen Haar und den edlen Zügen zu ruhen, die sein Gesicht zeichnen. Eigentlich ist sie sich ziemlich sicher, dass er ein Mensch ist, aber andererseits hat seine Gestalt viel von der elbischen Eleganz, die ihr ja in aller Gänze fehlt, obwohl sie wirklich eine Halbelbe ist. Rasch streicht sie eine Strähne hinter ihr Ohr, die sich frech aus dem rückenlangen Zopf gelöst hat und hebt die Hand, stockt, als sie merkt, dass sie ihm gerade den schmutzigen Wischlappen unter die Nase hält, und verschränkt peinlich berührt die Finger hinter ihrem Rücken. Ja, genau, fuchtel ihm mit dem dreckigen Wischlappen vor dem Gesicht herum. Hmpf!, scheltet sie sich selbst und murmelt hastig eine Entschuldigung.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Njucon am 14. März 2008, 21:31 Uhr
Also gut, die Wirkung erfüllt zwar ihren Zweck, doch hält diese nicht lange an. Es muss eine Möglichkeit geben, die verschiedenen Extrakte in ein Gleichgewicht zu bringen. Die Wirkungsdauer und -stärke… verdammt ich war so nahe dran, doch weiß ich nicht ob ich eine ähnliche Pflanze hier in Talyra finde. Mir bleiben noch einige Tage, dann …
Njucon sieht wieder aus dem Fenster. Daran, das seine Mischung zur Neige geht und er keine wirkliche Alternative gefunden hat, welche ihm verhilft den Tag ohne lästige Nebenwirkungen zu überstehen, nein daran möchte der junge Albino lieber nicht denken. Er muss sich zunächst auf diese eine wichtige Sache  konzentrieren, die Herstellung seiner Tropfen. Eine längerfristige Unterkunft zu finden, in der er seine Forschungen ungestört weiter betreiben kann, wäre dabei sehr hilfreich und steht gleich nach einem Besuch auf dem Markt auf seiner Wichtigkeitsliste. Ja, sicherlich hatte er lange genug  für seinen Geschmack allein in Abgeschiedenheit gelebt…doch lies sich das nicht ver...
>“Ähm“<  

Seine Gedanken kommen ins Stocken als er eine Frau mit weißen, lange Haaren und einem wunderschönen, schneeweißen Gesicht an seinem Tisch stehen sieht. Sag noch mal, da hab ich sie tatsächlich nicht kommen sehen. Seine innere Verwunderung über das so plötzliche Auftauchen dieser ihm so ähnlichen, weißen Schönheit trägt er nicht nach außen und betrachtet sie zunächst genau, jedoch nicht aufdringlich. Sie scheint hier zu arbeiten und zu seiner Schande hat er sie erst jetzt das erste Mal wahrgenommen. Dabei hätte sie ihm doch gleich auffallen müssen.

>„Habt ihr keinen Hunger mehr? Oder hat euch das Essen nicht geschmeckt?“< fragt sie leise mit leicht geneigtem Haupt. Er hat noch nicht viele Elben gesehen oder gar mit ihnen gesprochen, doch sie, das ist ihm gleich klar, sie ist etwas besonderes. Klein, nun gut kleiner als ich selbst zu sein ist wahrlich keine Kunst.
Njucon lächelt und legt das Buch zur Seite. Zierlich, fast zerbrechlich, etwas, das man ihm lange als Schwäche vorgehalten hat. Schneeweiße Haare und zarte, ebenso weiße Haut… ist das ein kleiner silberner Schimmer der die Haare leicht glänzen lässt…

Gerade möchte er ihr antworten und sie aufhalten die Haarsträhne wieder nach hinten zu zwingen als er fast ihren Wischlappen einmal durchs Gesicht gewedelt bekommt. Einen Moment schaut Njucon ziemlich verdutzt drein, beginnt dann aber wieder freundlich zu lächeln und spricht sie direkt nach der von ihr gemurmelten Entschuldigung zu dieser Wischlappenwedelaktion an.
„Nun, vielleicht hätte ich mich gründlicher waschen sollen! Ich hoffe ihr verzeiht mir, dass ich erst für den späten Nachmittag einen Besuch im Badehaus vornehmen wollte“ sagt er ernst und beginnt leicht zu schmunzeln. „ Und wegen dem Essen, es war reichlich und hat mir gut geschmeckt! Ein Lob an die Küche!“ Njucon schaut ihr in die weißen Augen, solche hat er noch nie gesehen, dachte immer seine wären so Anders...
Dann wird sein Blick ernster, er zieht beiläufig das Buch wieder zu sich und blättert einige Seiten ohne von ihr fortzusehen um.

„ Wartet einen Moment!“ sagt er ruhig und zieht schnelle, gezielte Striche mit der Feder auf der freien Seite. Aus dem Meer einzelner, schwarzer Linien und Wellen aus Tinte wird binnen weniger Zeit ein Gesicht…Ihr Gesicht umgeben von langen lockigen Haaren und der einen Strähne die sich frech aus dem Zopf gelößt hat! Die weißen Augen, die von dichten langen und dunkeln Wimpern umrahmt sind. Die Nase, die leicht nach oben zeigt, die feinen Gesichtszüge die perfekt die vorherige Situation wiederspiegeln als sie sich die Strähne wieder zurück streichen wollte. Die spitzen Elbenohren die zwischen den Haaren hervorlugen…

Njucon hält inne und legt die Feder beiseite. Er blickt auf das entstandene Bild, das noch nicht fertig ist und doch schon ihre ganze Ausstrahlung und Schönheit wiedergibt! In seinem Kopf hat er das Bild schon fertig gestellt, er könnte es sogar noch größer und detailreicher zeichnen…doch…
„ Nun bitte ich euch um Verzeihung. Es ist wohl unhöflich von mir, ohne Eure Erlaubnis ein Bild von Euch zu zeichnen! Und wohl ebenfalls unhöflich mich nicht vorgestellt zu haben.“ Mit den Worten steht er auf, sieht sie an und neigt dann kurz bei der Vorstellung seinen Kopf. „Verzeiht Lady, mein Name ist Njucon Aleris und ich würde Euch gern zeichnen.“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lyall am 15. März 2008, 21:26 Uhr
Lyalls Gedanken rasen. Einerseits ist sie beunruhigt, da Aegnor sie in menschlicher Form gesehen hat aber andererseits muss sie sich konzentrieren, ihre Gedankenfäden nicht zu verlieren. Tierische Gedanken mischen sich mit verzweifelten menschlichen und bilden in ihrem Kopf eine Kakophonie wirbelnder Eindrücke.
Aufgeregt sah er nicht aus. Im Gegenteil… ruhig und etwas… in sich gekehrt. Eigentlich wie immer und doch… anders. Sicherlich hat er mich gesehen. Und jetzt? Lyalls rechtes Hinterbein zuckt kurz aus Reflex, als sie etwas kitzelt.
Vielleicht sollte ich gehen. Vielleicht war er nur so ruhig, weil er schon Leute angeheuert hat um mich zu fangen? Will er mich in ein Monstrositätenkabinett stecken? Nein…nein… das glaube ich nicht, er war die letzten Tage zu nett zu mir um mir dann so etwas anzutun. Oder doch? Kann ich mich so irren? Bilder eines Waldes strömen Lyall in den Kopf, ein Hirsch hetzt durch ihn hindurch. Instinktiv spannt sie ihre Muskeln an, bereit zum Sprung und den tödlichen Biss in die Kehle. Doch sie verdrängt diese Gedanken und presst ihre Kiefer fest aufeinander bis es unangenehm knirscht. Ich muss mich einfach länger zurückverwandeln, egal wie und wo. Oder ich bleibe wirklich nur ein Wolf und verliere mich in der Gestalt. Ich bin nicht so weit gekommen um hier so zu enden. Ich möchte ihm vertrauen. Ich weiß nicht warum aber ich möchte endlich wieder jemandem ganz vertrauen können. Ja… Ich möchte ihm vertrauen… Das Rascheln der Bettdecke lässt sie ihre Augen öffnen. Aegnor schwingt sich aus dem Schlafgemach und begibt sich in seine Kleider. Plötzlich senkt er seinen Kopf in seine Hände und verharrt in dieser Position. Gerade als Lyall zu ihm laufen will, um zu schauen ob ihm etwas fehlt, schaut er sie an und sein Blick versenkt sich in ihrem.

Er schaut sie nur kurz an, doch in seinem Blick sieht sie keine Feindseligkeit. Verwirrung und etwas was sie nicht deuten kann, sind in ihm zu lesen und machen Lyall klar, dass sie nicht flüchten muss oder sich ängstigen braucht. Sie wird bei ihm bleiben.
>>Ich...bin nicht gut in solchen Sachen...aber...na gut...ich...du...Du musst mir nichts erklären, dich nicht vor mir rechtfertigen...Ich weiß jetzt nur, dass es dich wirklich gibt...und das ist...wie soll ich sagen...wundervoll... Ich werde jetzt nach unten gehen...mit dem Wirt reden...Du kannst die Zeit nutzen...und...naja Dinge tun...Danach wollte ich die Stadt besichtigen...Ich fühle mich heute schon viel besser, wenn es dich beruhigt...<< Er erhebt sich und ist auch schon zur Tür hinaus. Seine Schritte im Flur werden immer leiser, bis sie schließlich ganz verklingen.

Verdutzt sieht sie ihm nach, obwohl die Tür sich schon längst geschlossen hat. Er hat mich also doch gesehen. Ich habe es ja schon fast gedacht. Nun… dann ist es beschlossen. Ich habe nichts mehr zu verlieren… Langsam steht Lyall auf, schüttelt sich ein letztes Mal und blickt noch einmal Prüfend zur Tür, bevor sie mit ihrer Gestaltwandlung beginnt.Am Anfang, hatte ihr dieser Prozess noch Schmerzen bereitet und war ihr sehr unheimlich gewesen. Doch nun beherrschte sie es nahezu perfekt, wobei ihr jedoch ein ruhiger Platz für diesen Vorgang lieber war als ein von Zuschauern überfüllter Ort. Oder die Angst im Nacken zu haben, dass sich plötzlich doch die Tür öffnet. Sie stubst die Bettdecke mit ihrer Schnauze nach oben und kriecht unter sie. Das Bett knarrt kurz, als sie wacklig versucht in eine sitzende Position zu kommen. Sie schließt die Augen und versucht Ordnung in ihre Gedanken zu bringen. Stoßweise atmet sie ein und aus. Mit einem Kribbeln auf der Haut registriert sie, dass ihr Fell verschwindet. Die Bettdecke erzittert, als ihre Knochen sich strecken und sie größer werden. Muskeln verändern ihre Größe und Anordnung, ihr Rückgrat verkürzt sich, da ihre Rute sich zurückbildet. Krallen ersetzen sich durch Finger und Nägel, Geruchsinn und Wahrnehmung verändern sich unwillkürlich.

Als sie die Augen wieder öffnet, ist die Verwandlung abgeschlossen. Nur ihre Ohren sind die Gleichen wie in Wolfsgestalt. Unruhig zucken sie umher.
Lyall spreizt die Finger und wackelt kurz mit ihnen, um wieder ein Gefühl für sie zu bekommen. Kurz streicht sie sich über die Ohren und schlägt dann die Decke zurück.
Etwas hat sich das Zimmer verändert. Es hat an Tiefe verloren, die Schatten sind einfach nur graue Flecken an der Wand. Ohne Nuancen von Grau und Schwarz. Jedoch hat die Farbvielfalt zugenommen.
Kurz reibt sie sich mit den Händen über die Augen und schwingt ihre Beine über den Bettrand. Ein Schwindelgefühl packt sie plötzlich und mit einem Arm stützt sie sich auf dem Bettpfosten ab. Ein kurzer Schmerz durchzuckt ihren Kopf. Ihr Körper muss sich erst wieder an die Vertikale gewöhnen, ihr Kreislauf kommt langsam in Schwung.
Langsam und immer noch auf den Bettpfosten gestützt, steht Lyall auf. Sie lässt los und macht ein paar noch wacklige Schritte durch den Raum. Ich war doch sonst nie so mitgenommen. Wo kam das Schwindelgefühl her? Ich habe es wohl doch etwas zu lange herausgezögert. Am Fenster angelangt, schaut sie hinaus. Viel gibt es nicht zu sehen, da die Aussicht sich auf die Wand des gegenüberliegenden Hauses beschränkt. Die Gasse zwischen den Häusern ist jedoch nicht unbelebt. Handwerker sind geschäftig unterwegs und unterhalten sich lautstark, ab und an ertönt auch ein Lachen.
Lyall lehnt sich etwas vor und versucht weiter die Gasse hinunter zu blicken. Anscheinend verschwinden die Handwerker hinter der Goldenen Harfe.
Ein Arbeiter unter ihr stellt die Eimer ab, die er trägt und holt einen relativ verdreckten Lappen aus seiner Arbeitsweste hervor, mit dem er sich die Stirn abwischt. Geistesabwesend sieht er hoch und erblickt sie dabei. Ein Lächeln schleicht sich auf sein Gesicht. Ein lauter kurzer Pfiff lässt Lyall hinunter blicken. Ihre Ohren drehen sich in seine Richtung. Er nickt ihr zu und zwinkert anzüglich.
Im ersten Moment weiß sie dies nicht zu deuten, doch ihr wird schlagartig klar, dass sie nichts an hat und nackt vor dem Fenster steht.
Röte schießt ihr ins Gesicht und sie huscht vom Fenster weg. Mit dem Rücken lässt sie sich gegen die Wand sinken und schlägt sich mit der flachen Hand gegen die Stirn.
Auch das noch! Ich bin wirklich so was von… Ein Knurren entfährt ihrer Kehle.

Sie stößt sich mit ihren Armen von der Wand ab und geht in Richtung des Bettes. Sie stützt die Arme auf das hölzerne Bettende und lässt kurz den Kopf hängen. Mit einem Ruck hebt sie den Kopf und schnappt sich die Decke und hüllt ihren Körper darin ein. Mit dem Blick in Richtung Fenster setzt Lyall sich auf den Rand des Bettes und zieht das Laken enger um sich. Sie seufzt kurz.
Nun heißt es wohl warten…

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Stormgrimm am 21. März 2008, 18:57 Uhr
Langsam trottet er die steile Treppe hinab, die menschliche Gestalt und das Wesen seiner animalischen Begleiterin im Kopf. Seine Schritte sind durch die letzte Nacht vereinfacht worden, die Schmerzen nahezu verschwunden. Langsam erreicht Aegnor den Eingangsbereich zum Gasthausbereich, in dem der Betrieb scheinbar nie stillzuliegen scheint.

Die Leute lachen einander lauthals ins Gesicht, ihre Hühnerschenkel und andere Speisen essend. Zwischen den beschmutzten, mit Essensresten übersäten und personenbefüllten Tischen tanzen ein, zwei mehr oder minder beschwipste Individuen eine lasche Art von Tanz.

Pärchen umarmen und halten einander immer noch fest. Die umherzischenden Schankmaiden liefern den Alkohol zeitgerecht an die Tische und erhalten ihren entsprechenden Dank durch anzügliche Witze und / oder manuelle Übergriffe.

Aegnor blickt noch einmal auf die sich vergnügende Menge, die ihn scheinbar nicht einmal bemerkt hat, nieder und wendet sich dann zum auf Hochglanz polierten Tresen, der als Ablage abfuhrbereiter Getränke und auch als Rezeption für ankommende Gäste dient.

Das fahle und karge Licht der Morgendämmerung fällt durch die matten Fenster im Unterhaltungsbereich ein und lässt Schatten bilden, die überall kühlend wirken und eine Art Schutz vor der faulen Luft bilden. Hinter der Theke steht nicht Borgil selbst, sondern ein jüngerer, etwas bleicher und müder junger Mann, der sich mit der einen Hand am Kopf kratzt und mit seiner anderen einige Rollen Papier beschreibt und nebenbei die aus der Küche kommenden Schankmaiden und ihre Bestellungen wissbegierig und detailliert prüft.

Von den immer noch anhaltenden Kopfschmerzen benebelt wendet Aegnor sich räuspernd an den vielbeschäftigten Herrn mit einem vorsichtigen "Hallo, ich bin Aegnor, ich habe das Zimmer neben der Treppe im ersten Stock genommen, ich würde gern Borgil sprechen..." Der Mann schüttelt wortlos den Kopf. "Gut, ich würde dann etwas ausrichten?!" Sein gegenüber nickt Aegnor gelangweilt aber aufmerksam zu.

"Gut, richte ihm bitte meine Grüße aus, ich wollte ihn auch fragen, ob es in Ordnung ist, den Wolf im Haus zu haben, und wie lange ich das Zimmer mit 35 Silberlingen behalten könnte..." Aegnor schiebt der Aushilfe eine Münze zu um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Der junge Mann aber nickt desintressiert und richtet das noch vorhandene Augenmerk nun auf das von Aegnor ausgestellte Handgeld.

--->>> Der Marktplatz Talyras

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Stormgrimm am 21. März 2008, 19:37 Uhr
--->>> Der Marktplatz Talyras

Schnell eilt Aegnor an der vergnügten Menge vorbei und die Treppe hoch. Ich hoffe "sie" freut sich... Mit den Sachen in seinen Händen öffnet er etwas schwerlich und hüstelnd die Tür und legt die Garnitur auf das Bett. Seine animalische Begleiterin sitzt, wieder als Mensch in ein Bettlaken gehüllt, auf dem Stuhl neben dem Fenster,  und lässt sich von den Sonnenstrahlen scheinbar gerne wärmen, während sie aus dem Fenster starrt, einen gedankenleeren Gesichtsausdruck tragend. "Ich habe dir...naja Sachen mitgebracht...Ich werde erstmal nach unten schauen...Lass dir Zeit..." Etwas errötet blickt er noch einmal auf seine ehemals tierische Kumpanin und verlässt das Zimmer hastig.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lyall am 22. März 2008, 20:26 Uhr
Die ersten zarten Sonnenstrahlen wärmen Lyalls Gesicht, während sie mit geschlossenen Augen am Fenster sitzt. Vögel lassen ihre Lieder erklingen und langsam klart auch der Himmel über der Stadt auf. Gedankenverloren bemerkt sie kaum, als Aegnor das Zimmer betritt und hastige Worte an sie richtet. Kaum hat sie die Augen geöffnet und das Gesicht in seine Richtung gedreht, ist er auch schon wieder zur Tür hinaus und poltert unsicheren Schrittes die Treppe hinunter.
Er hatte es aber eilig mich wieder zu verlassen… Ein gestandener Mann aber errötet so schnell wie ein Knabe. Ein Lächeln stiehlt sich auf ihre Lippen, gleichzeitig fällt ihr Blick auf ein sorgsam verschnürtes Stoffbündel auf dem Bett. Sie legt den Kopf schief, ihre Ohren drehen sich interessiert nach vorn. Wie waren seine Worte doch gleich? Es ist für mich? Kleidung? Das Bettlaken raschelt empört, als sie sich erhebt und ans Bett tritt. Sanft lässt sie eine Hand über den sorgsam gewobenen Stoff gleiten, bevor sie die Schnürung des Päckchens öffnet. Schwarzer Stoff breitet sich vor ihr aus sowie ein weißes Hemd.
Das Bettlaken gleitet zu Boden, als sie beide Hände benutzt um die Kleidungstücke zu entfalten und sie mit ausgestreckten Armen begutachtend vor sich zu halten.

Es ist ein schwarzes Leinenkleid mit einer Schnürung vorne am Ausschnitt sowie ellenbogenlange Ärmel, leichte Stoffschuhe für den häuslichen Gebrauch, ein weißes Hemd mit Trompetenärmeln und Raffung an der Schulter sowie ein einfacher dünner Ziergürtel und Leibwäsche. Alles ist sauber verarbeitet und der Stoff weist keine Webfehler auf.
Es muss sehr teuer gewesen sein. Ich habe meine Kleidung doch! Nur eben im Wald…
Das kann er ja nicht wissen… und hier habe ich wirklich nichts. Er hat recht gehandelt.
Probeweise hält sie das Hemd an ihren Körper, dreht es ab und zu hin und her.
Sie streift es sich über den Kopf und steckt die Arme hindurch. Es passt ihr, auch wenn die Raffnaht am Ärmelende etwas kratzt. Schnell zieht Lyall auch die Leinenunterhose an, nur mit dem Brustwickeltuch weiß sie nichts anzufangen. Und das Kleid… ja das Kleid…
Viele Frauen hat sie schon mit solch einem Kleidungsstück gesehen, nur selbst hat sie noch nie ein solches besessen.

Sie schaut es von oben bis unten an, nimmt es dann in die Hand und versucht durch das Kopfloch hinein zu steigen. Doch ihre Hüften kommen nicht durch es hindurch und so muss sie es wieder ausziehen. Kurz überlegt Lyall und streift es sich kurzerhand über den Kopf.
Das Kleid ist enger als gedacht und nur mir Mühe bekommt sie ihre Arme durch die Ärmel.
Sie streift es mit den Händen an ihrem Körper glatt und zupft das Hemd unter dem Kleid zurecht.
Ihre Brust wird durch die Enge unnatürlich nach oben gequetscht, was Lyall missfällt. Unter ihren Jagd-Kleidungsstücken ist ihre Weiblichkeit nur zu erahnen gewesen und so muss sie sich an den neuen „Ausblick“ gewöhnen. Mit den Händen versucht sie die Schnürung fest zu ziehen, um ihre sonst nicht so ausladend wirkende Brust wieder unter Kontrolle zu bringen.
Einen tiefen Atemzug nehmend versucht sie den Stoff zu weiten und knotet dann eine kleine Schleife in die Schnürung des Kleides. Es ist ungewohnt für sie in einem Stoffsack ohne Aussparungen für die Beine zu stecken. Prüfend läuft sie barfuss ein Stück im Zimmer auf und ab. Ab und zu springt sie auch ein kleines Stück um die Beinfreiheit in dem Kleid zu prüfen.
Anscheinend gibt es in der Stadt keine Gefahren. Mit diesem Kleidungsstück kann man nicht einmal vor einem Gronabär davonlaufen. Aber die gibt es hier wohl kaum. Ich brauche so schnell wie mögliche meine Hosen!
Mit gerafftem Rock, trippelt Lyall zum Spiegel in der Wandnische. Sie begutachtet das Ergebnis ihrer Bemühungen und ist damit zufrieden auch wenn es hier und dort manchmal zwickt. Sie ist Aegnor dankbar für seine Umsichtigkeit.
Sie schaut auf das Bett zurück und erblickt die Schuhe. Auf dem Bett sitzend probiert sie sie an und ist erstaunt über die Bequemlichkeit und wie weich diese Schuhe doch sind. Dünnes Leder bildet die Sohle des Halbschuhs und der Verschluss sitzt mittig auf dem Rist des Fußes, gehalten durch kleine zierliche Hirschhornknöpfe.
Lyall wackelt mit den Zehen und ist erfreut, mit welcher Leichtigkeit der Schuh ihre Bewegungen teilt.

Mit einer geschmeidigen Bewegung stellt sie sich auf, betrachtet kurz ihre Schuhe und Kleidung von oben auch wenn dies durch ihre Brust etwas verhindert wird.
Bei Ealara! Wie müssen sich Frauen fühlen, die wirklich solch einen mächtigen Busen haben? Ich war immer zufrieden mit dem was ich habe…
Gerade will sie das Brusttuch ordentlich zusammenfalten, als ihr ein dunkler Fleck auf dem sonst so weißen Laken auffällt. Sie tritt vornüber gebeugt näher und erkennt rasch, dass es sich um ein kleines Medaillon handelt.
Gold bricht sanft das einfallende Licht und Ebenholz erwidert kühl ihre Berührung. Es ist oval und zeigt ein vergoldetes Kreuzsymbol in der Mitte sowie zwei flügelartige, geschwungene Gebilde am Rand. Es hängt an einem Lederbändchen, welches aus zwei ineinander verflochtenen dünnen Lederriemchen gebildet wird.
Das Symbol kennt sie nicht aber sie findet es sehr hübsch und der Anhänger liegt angenehm in der Hand. Leicht beugt sie den Kopf nach vorne und streift sich die Haare aus dem Nacken um die Kette hinten zu verschließen.
Kühl hängt das Amulett an ihrem Hals, doch langsam erwärmt es sich. Sanft streicht sie mit ihrem rechten Zeigefinger über das goldene Kreuz. Sie schlingt noch den Gürtel um sich, fasst sich ein Herz und geht zur Tür.
Auf einem kleinen Tischchen liegt der Schlüssel des Zimmers, welchen sie an sich nimmt.

Kurz verharrt ihre Hand zitternd auf der Türklinke. Angst durchfährt sie und lässt eine Gänsehaut auf ihren Armen entstehen, wie ein kühler Luftzug.
Ich kann mich nicht ewig verstecken. Wir sind hier in der Stadt! Die Bewohner gehören vielen Völkern an… Ich glaube ich habe einen Elben gesehen… und einen Zwerg! Vielleicht war es aber auch nur ein Kind? Oh aber Elben und Zwerge sind so edel und jedermann liebt sie! Was ist mit mir? >> Räudiger Köter!<< Die Stimme ihres Vaters hallt laut durch ihre Gedanken und lässt Lyall zusammen fahren. Fest presst sie ihre Lippen zusammen bis nur noch ein dünner roter Strich zu sehen ist. Nein… So wird es nie wieder sein!
Ruckartig drückt sie die Klinke runter, huscht durch die Tür und schließt sie schnell hinter sich ab, bevor sie auch nur auf die Idee kommen könnte sich doch wieder in das Zimmer zu begeben.

Sie blickt den Flur hinab, doch niemand ist zu sehen. Nur von unten dringen die gewohnten Gasthausgeräusche zu ihr. Langsam, fast schon schleichend überwindet sie die Strecke bis zur Treppe und auch diese geht sie äußerst vorsichtig hinunter. Doch sie trifft auch hier auf keine Seele und so werden ihre Schritte unbekümmerter.
Sie erreicht die Tür, welche zum Schankraum führt und stellt sich in den Schutz des Türrahmens. Von dort aus lässt sie ihren Blick über die Gäste schweifen auf der Suche nach ihrem Begleiter.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Stormgrimm am 23. März 2008, 23:38 Uhr
Um sich fahrend blickt Aegnor den Massen des Schankraumes entgegen. Der fahle Geruch von Speis und Trank benebelt seine Sinne und wirkt leicht beruhigend, wenn nicht sogar berauschend. Zwischen einem Tisch, an dem einander drei ältere Herren, während sie allem Anschein nach auf ihre Kost warten, mit bedrohlichen Blicken duellieren und einem anderen an dem sich 2 leicht angetrunkene Paare mit Wortwitzen vergnügen, findet Aegnor einen freien Tisch.

Die ohrenbetäubende Lautstärke aller Gäste im Ohr habend, setzt Aegnor sich vorsichtig und denkt über seine Begleiterin nach, ohne die Schankmaid, die sich nahezu, wie eine Schattenkatze, deren Territorium verletzt wurde, lautlos an ihn herangepirscht hat und in einer demonstrierenden und auf Bestellungen wartenden Position verharrt, bemerkt zu haben.

Erst das dezente, vorsichtige Räuspern katapultiert Aegnor wieder aus seinem Trancezustand heraus. "Öhm...Einen sehr kleinen Krug Bier und eine Karaffe Wasser...Eine Einbrennsuppe und eine...sagen wir, eine Sämige Suppe mit Fleischbrocken...Schwein wenn möglich...Gut, Habt Dank..." Die Schankmaid nickt kurz und beginnt dann ihren Weg in Richtung Küchentür, während sie sich, etwas genervt und gestresst, das Haar aus dem Gesicht bläst.

Immer noch etwas in Gedanken bei seiner Begleiterin, starrt Aegnor auf die einzelnen übriggebliebenen Brotkrümel herab. Plötzlich öffnet sich knarzend die etwas ältere Tür zum Gästebereich, deren Geräusch Aegnor erneut aus dem Zustand der Geistesabwesenheit befördert. Die Sonnenstrahlen, die diesen Punkt bescheinen, erleuchten die junge Frau mit schwarzem Kleid, die sich als Aegnors Begleiterin entpuppt.

Die Hände verschränkt, verdeckt sie ihre befellten Ohren mit ihrem langen, schwarzen Haar, und starrt schüchtern zu Boden. Aegnor erhebt sich von seinem Platz und begibt sich vorsichtig zu ihr, einen erröteten Gesichtsausdruck besitzend. "Hallo...Ich habe etwas zu Essen bestellt...Ich hoffe die Kleidung passt...Da drüben habe ich eine Sitzgelegenheit für uns..." Mit einem leichten Lächeln im Gesicht folgt sie ihm, immer noch zu Boden starrend.

Nachdem beide sich setzen, fahren vorsichtig die ersten Worte, in Form einer etwas helleren Stimme, aus ihrem Mund. "Ich heiße Lyall..." Etwas errötet knittert sie geistesabwesend an ihrem Kleid herum, einen ständigen, vorsichtigen Blick auf die anderen Gäste habend. Sie ist...hmm Er hustet. "...Deine Ohren finde ich wundervoll...Du musst sie nicht verstecken..." Aegnor errötet. Sein Gegenüber tut ihm dies gleich, lächelt ihm aber kurz zu und richtet dann ihr Haar zurecht. "Lyall also...Ich habe uns Suppe bestellt...Ich hoffe du magst Fleisch..."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lyall am 28. März 2008, 13:12 Uhr
Die Gesichter gleiten auf sie zu. Hämisch grinsend oder auch lauthals lachend umkreisen sie sie, ausgestreckte Finger zeigen auf ihre Ohren. Schnell kneift Lyall die Augen zusammen und versucht die Fratzen aus ihren Gedanken zu verbannen. Plötzlich ist es wieder still.
Als sie ihre Augen wieder öffnet, sieht sie nur die Schankstube, wo ihr nicht mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird wie jedem anderen Gast.
Ihr Blick fällt auf den Mann vor ihr. „Was? Oh ja… Fleisch… Ich mag Fleisch. Tapadh leibh.“
Seine Worte >> Deine Ohren finde ich wundervoll.<< kommen ihr schlagartig wieder in den Kopf. Vor lauter Panik in den überfüllten Raum zu gehen, hat sie diesen Satz fast überhört. Unsicher streicht sie sich über ihre Ohren auf denen nun ihr Haar ruht, um sie etwas zu verdecken. Leicht errötend nickt sie ihm zu und lächelt kurz, bevor sie ihren Blick um sich gleiten lässt. Die Schankmaiden sind geschäftig unterwegs um alle Gäste sowie Neuankömmlinge zu bewirten. Die Tür des Gasthauses steht praktisch niemals still.

Ihr Blick bleibt an einem bulligen Mann hinter dem Tresen hängen. Es ist der Wirt der Goldenen Harfe. Wie ein grimmiger Bär steht er hinter der Holzkonstruktion und fast scheint es, als sei sie zum Schutz der Gäste vor ihm gebaut worden und nicht um Getränke und Essen darauf abzustellen. Eine Narbe ziert sein Gesicht und sein teilweise rasierter Schädel glänzt im matten Licht der Schankstube. Ab und zu bellt er ein paar Befehle in die Küche, lacht dann aber wieder über die Antwort, welche aus der Küche dringt. Lyall kann das Gespräch nicht verstehen aber ihr scheint es, als wäre dieser Mann nicht so grimmig wie sein Äusseres vielleicht anmuten mag. Ein gutes und stolzes Herz scheint in seiner Brust zu schlagen.

Ein Klappern auf dem Tisch vor ihr lässt sie kurz alarmiert hochfahren, wodurch ihr Stuhl fast rückwärts umgefallen wäre, doch Aegnors Hand hält die Lehne schnell genug fest.
Schweißperlen stehen auf ihrer Stirn als sie sich zitternd wieder setzt. Schwer schluckt sie einen dicken Kloß herunter, welcher sich in ihrem Hals gebildet hat.
Mit einer Hand wischt sie sich über das Gesicht. Beruhige dich! Noch bist du nicht aufgefallen… und hier scheinen alle recht freundlich zu sein. Keiner beachtet dich mehr als du es verdient hättest… Reiß dich zusammen!
„ Alles in Ordnung, Mädchen? Du sieht so blass aus… Die Suppe wird dir sicher gut tun! Und wenn du willst, lasse ich einen Doktor nach dir sehen?“ Die freundlichen braunen Augen schauen auf sie herunter, als Lyall den Blick durch ihre Haarmähne erwidert. Sie schüttelt den Kopf in Richtung der Schankdame und langt mit zittrigen Fingern nach dem Holzlöffel vor ihr. Fast wäre er ihr wieder entglitten, doch sie krampft ihre Hand regelrecht um den Stiel, so dass ihre Fingerknöchel weiß hervortreten. „ Mir fehlt nichts, danke. Ich bin nur etwas müde. Danke für die Suppe… Sie riecht sehr verlockend.“, stammelt Lyall. Mit einem besorgten Blick klopft ihr die Schankmaid nochmals aufmunternd auf die Schulter um dann in Richtung Tresen davon zu rauschen.

„Es tut mir Leid… Ich bin so viel… Gesellschaft nicht mehr gewöhnt. Aber es geht wieder, nur keine Sorge.“ Sie hebt den Blick und sieht ihn kurz an. Dann widmet sie sich vorerst schweigend ihrem Essen. Die Suppe ist wirklich hervorragend und mit jedem Löffel gegessener Suppe wird das mulmige Gefühl in ihrem Magen kleiner und sie kann sich etwas beruhigen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Stormgrimm am 13. Apr. 2008, 19:30 Uhr
Langsam löffelt Aegnor die letzten Klumpen der Suppe aus der an einigen Stellen etwas angebrochenen, aber dennoch schönen, braunen Schüssel, ständigen Blickkontakt zu seiner Begleiterin haltend. Sie ist sehr schüchtern, sie war wohl länger nicht unter Leuten, ich kann es ihr nachfühlen... Nahezu im Sekundentakt streicht sie sich das, von ihrer Stirn herabgleitende Haar wieder auf diese labile Position hinauf.
Einen ständigen, leicht verstohlenen Blick auf die, auf Aegnor eigentlich normal, und ab und an etwas neugierig wirkenden, hinter Lyall sitzenden Gäste werfend und diesen mit einem erröteten Gesicht und einem kleinen, ablenkendem Hüsteln zu erklären versucht, isst sie ebenfalls weiter.

Mit einem klirrenden, etwas nervenaufreibenden Geräusch fällt Lyalls Löffel zu Boden. Einige entschuldigende Worte um sich werfend, hebt sie den Löffel auf und wischt ihn, sichtlich nervös, mit der Borte ihres Kleides trocken. Ihre Hand zittert leicht, sie versucht aber, auch die geringsten Anzeichen von Nervosität zu unterdrücken. Aegnor überlegt nicht lange, und fasst nach Lyalls Händen, um sie fest drücken zu können. Wie zart sie sind... "Beruhige dich, niemand beobachtet dich, außerdem bist du für manche wunderschön...Und wenn dich sonst jemand beobachten würde, würde ich es ohnehin nicht zulassen..." Etwas errötet, aber geistesabwesend lässt sie die Wärme der Hände ihres Gegenübers auf sich wirken, setzt dann aber ihr Mahl fort.

"Nun, was haben wir jetzt vor?" Etwas abgelenkt vom Lärm der Gäste, und dem Gebrülle des netten Borgil, genießt er den letzten Löffel seiner Suppe, lässt die Schankmaid zu sich rufen, und scheint zu allem Übermaß zeitgleich mit seiner Begleiterin fertiggeworden zu sein. Einige Herzschläge später erhebt Lyall sich. Etwas konfus über diese Aktion, wird Aegnor wieder durch die ihm entfallene Aussage Lyalls wachgerüttelt. Bevor sie seine Griffreichweite verlässt, schnappt Aegnor noch einmal ihre Hand und entlässt sie mit den Worten: "Du kommst doch wieder zurück oder? Ich wüßte sonst nicht, was ich hier tue..." Als beide erröten, Lyall die Harfe verlässt entlohnt Aegnor die ankommende Schankmaid und bleibt noch einige Minuten lang an dem Tisch.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lyall am 14. Apr. 2008, 17:16 Uhr
>>Nun, was haben wir jetzt vor?<<, fragt Aegnor, während er sich in seinem Stuhl zurück lehnt und seinen Arm ausstreckt um die Schankmaid zu sich zu rufen.
Lyalls Ohren tanzen unruhig auf ihrem Kopf umher, so dass die Tarnung aus Haaren von ihren Ohren hinab zu gleiten droht. Ihre Finger ziehen fahrig die Umrisse des Löffels nach, welcher ihr erst kürzlich ungeschickt aus der Hand geglitten ist.
Leise räuspert Lyall sich und schluckt schwer, bevor sie leise erwidert: „Ich… Ich  werde zurück in das Larisgrün gehen. Meine Sachen befinden sich noch dort. Ich danke dir wirklich für das…Kleid. Aber ich bevorzuge Hosen.“ Kurz streicht sie mit einer Hand abwesend über den knittrigen Rocksaum. „Also… das soll nicht heißen, dass es mir nicht gefällt! Im Gegenteil…Ich mag die Farbe gerne.“
Langsam erhebt sie sich und nestelt ihren Ausschnitt zurecht. Sie will sich gerade umwenden, als sich Aegnors Hand um ihr Handgelenk schließt und sie recht festhält. Sie dreht sich zögernd um und begegnet seinem Blick mit den unnatürlich wirkenden blauen Augen.
>> Du kommst doch wieder zurück oder? Ich wüsste sonst nicht, was ich hier tue...<<
Sie senkt ihren Blick zu Boden, nur schwer dem Flehen in seinen Augen standhaltend.
Leise seufzt sie und windet ihren Arm aus der Umklammerung. „Ja… Ich werde zurück kommen. Auch wenn ich selbst nicht genau weiß, was ich hier soll oder was mich hergeführt hat. Aber…Nein, ich werde dich nicht im Stich lassen. Gib mir einen Tag. Dann bin ich zurück. Das Geld sollte noch reichen um das Zimmer einen weiteren Tag bezahlen zu können. Wenn nicht, zieh in ein Kleineres. Ich… werde dich finden.“ Ihm ein letztes Lächeln schenkend, wendet sie sich in Richtung Tür.

Mit eingezogenem Kopf verlässt sie die Harfe. Vor der Tür empfängt sie der Lärm der Straße und lässt sie kurz zusammenschrecken. Schüchtern stellt sie sich neben die Tür und schaut sich mit gesenktem Kopf um. Ihr Blick schweift über die Straßenzüge und Häuserwände, während sie versucht sich an den Weg zu erinnern.
Wie anders doch die Welt aussieht, wenn man sie auf dem Blickwinkel eines Wolfes betrachtet. Fast kein Haus kommt mir bekannt vor. Nur die Geräusche sind die Selben. Vielleicht sollte ich als Wolf ins Larisgrün zurückkehren. Es würde das Unterfangen beschleunigen und es ist doch recht kalt. Zu spät fällt ihr auf, dass sie keinen Umhang oder etwas ähnliches bei sich führt. Zu hastig, hat sie die Harfe verlassen und ihre Gedanken rinnen ihr davon.

Doch wo soll ich diese Kleider lassen? Ich hätte noch mal in das Zimmer gehen sollen. Jetzt möchte ich nicht zurück. Plötzlich fällt ihr Blick auf einen kleinen Schuppen neben dem Hauptgebäude der Harfe. So unauffällig wie möglich schiebt sie sich in Richtung des kleinen Schuppens und stellt sich kurzerhand auf die Zehenspitzen um durch das Fenster schauen zu können. Innen ist es dunkel und viel kann sie nicht erkennen aber es scheint trocken und relativ sauber. Kurz rüttelt sie an der Klinke der Tür. Mit einem lauten Quietschen geht die Tür auf. Ihre Ohren legen sich an ihren Kopf an um das laute, unangenehme Geräusch
zu dämpfen. Schnell sieht sie sich um, um sich zu vergewissern, dass niemand sie beobachtet und schlüpft in die kleine Kammer.
Hastig zieht sie sich aus, faltet die Kleidung zusammen und versteckt sie unter einem großen Sack aus groben Fäden. Auch die Schuhe aus feinem, dünnem Leder legt sie dazu auch wenn diese durch das Laufen auf der Straße etwas feucht geworden sind.
Kalt legt sich ihr plötzlich das Amulett auf ihre Haut und erinnert sie so an seine Anwesenheit. Ihre rechte Hand schließt sich um den Anhänger und nach einer kurzen Phase der Überlegung, nimmt sie ihn ab und versteckt ihn unter ihren Kleidungsstücken.

Kurz darauf verlässt ein schwarzer, etwas struppiger Wolf den Schuppen. Mit seiner Schulter drückt er die Tür zu. Er scheint sich etwas orientieren zu müssen, doch verschwindet dann schnell in den Schatten, den die großen Häuser auf die kleine Gasse hinter der Harfe werfen.

---> Das Larisgrün

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 16. Apr. 2008, 14:46 Uhr
„Nun, vielleicht hätte ich mich gründlicher waschen sollen! Ich hoffe ihr verzeiht mir, dass ich erst für den späten Nachmittag einen Besuch im Badehaus vornehmen wollte.“ Azra wird so rot, dass sie glatt aussieht wie eine von Hallas prächtigen Rubinrosen, die hinter der Harfe im Garten blühen und zieht betreten mit den Zehen Kreise über den bislang noch sauberen Boden des Harfenschankraums. „Ah, nein, ich… das… ähm…“ Sie sieht sein Grinsen nicht, was es ihr vielleicht erleichtert hätte eine Entschuldigung zu stammeln, aber seine nachfolgenden Worte unterbinden ihr unbeholfenes Geschnattert. „Und wegen dem Essen, es war reichlich und hat mir gut geschmeckt! Ein Lob an die Küche!“ Jetzt kehrt das strahlende Lächeln auf Azras Gesicht zurück und eifrig nickend ereifert sie sich: „Ja. Ich wüsste gar nicht, was wir ohne Sigrun machen würden. Sie zaubert sogar aus einer Handvoll trockener Pilze und etwas Salz noch ein königliches Mahl.“ Dabei hebt sie den Blick und sieht ihrem Gegenüber in die Augen. Rot sind sie. Hell und glänzend, wie Blut. Ihr schauert bei der Vorstellung, die Farbe seiner Augen sei aus Blut gewonnen. Jetzt hör aber auf!, scheltet sie sich rasch selbst und streicht ihre Schürze glatt:Von wegen Blut. Es gibt andere, die haben violette Augen, wie die Tinkturenmischerin aus der Winkelgasse, diese  Nevisyoli. Vorschnelle Urteile haben schon zu oft zu vorschnellen Handlungen geführt, das weiss sie aus Erfahrung, und allein der Gedanke einem Gast mit Vorurteilen aufzuwarten verärgert sie. Das gehört sich, nach ihrer Ansicht schlichtweg nicht, sofern es sich nicht um bekannte Raufbolde, Säufer oder den Gnom Ukko handelt. Auch Narge dürften durchaus mit Skepsis betrachtet werden, aber bisher hat es nur ein Narg – noch nicht einmal ein reinblütiger - lebend bis in die Harfe geschafft – um dann von Borgils Axt in zwei Hälften geteilt zu werden.
Da plötzlich wechselt die Miene ihres Gegenübers von dezent amüsiert und freundlich zu immer noch freundlich, aber ernst. „Wie? Was?“, entfährt es ihr, als er sie in einer Hast bittet kurz zu warten und gleichzeitig nach seinem Buch und einer Feder greift. Sie kann nicht einmal Einspruch erheben und ihn von was auch immer er vorhat abhalten, da kratzt die Federspitze auch schon in geübten Linien übers Papier. Es dauert einen langen Moment, bis Azra versteht, was hier vor sich geht und ihr das Kinn auf die Brust kippt. Ungläubig starrt sie den jungen Mann an, völlig erstarrt und erstmal gar nicht fähig sich irgendwie dazu zu äussern, dass er sie hier einfach so, ohne ihre Erlaubnis, mitten im Schankraum und VOR den Augen aller anderen zu zeichnen beginnt. Das… das… das ist doch… Ihr wollten partout die richtigen Worte nicht einfallen, aber sich zu bewegen getraut sie sich ebenso wenig, und bevor sie sich hätte besinnen und ihm die Leviten hätte lesen können – was sie sowieso nie machen würde bei einem Gast – ist er auch schon fertig. Nun ist es an ihm schuldbewusst das Buch zuzuklappen und kleinlaut zuzugeben: „Nun bitte ich euch um Verzeihung. Es ist wohl unhöflich von mir, ohne Eure Erlaubnis ein Bild von Euch zu zeichnen! Und wohl ebenfalls unhöflich mich nicht vorgestellt zu haben.“ „Das… also… allerdings“, ist alles was Azra halbwegs verständlich hervorbringt, wenn auch nicht halb so tadelnd, wie sie es gerne hätte. Ausserdem kämpft sie grad mit sich selbst, denn einerseits hat er vollkommen Recht, andererseits… wenn das Bild denn nun schön aussieht? Ob er gut zeichnen kann? Wie er mich wohl gemalt hat? Ob ich das Bild sehen darf? Von Neugierde geplagt beisst sie sich auf die Lippen und weicht verdutzt einen Schritt zurück, als der Elb sich erhebt – und sie damit um sicherlich mehr als einen Fuss überragt. Sie muss den Kopf weit in den Nacken legen, um noch zu ihm aufsehen zu können, wobei sie das eigentlich bei fast jedem Gast tun muss. Der Fremde deutet formvollendet eine Verbeugung an und spricht so galant, dass die Röte auf Azras Wangen zurückkehrt: „Verzeiht Lady, mein Name ist Njucon Aleris und ich würde Euch gern zeichnen.“
Azra reisst erstaunt die Augen auf, dann fuchtelt sie auch schon abwehrend mit den Händen unter seiner Nase herum und stottert in einem Tempo: „Oh, nein, ich, ähm, keine Lady, nie und nimmer, ich doch nicht, Azra, ganz einfach. Also ja, das ist mein Name, Azra, genau.“ Als müsse sie sich kurz erinnern, ob das wirklich wahr ist, legt sich ihre Strn in nachdenkliche Falten, dann zwingt sie sich selbst mehrmals tief durchzuatmen. Er ist auch nur ein Gast. Keine Hoheit, kein Graf, nichts wovor ich mich fürchten müsste. Um endgültig ihre Fassung wieder zu gewinnen, deutet sie Njucon an, einen winzig kleinen Augenblick Geduld zu zeigen, und dreht ihm den Rücken zu. Alles in Ordnung. Eine Zeichnung, was ist schon dabei. Was dabei ist, entdeckt sie, als sie zur Theke blinzelt und dort einen Zwergen stehen sieht, dessen Argusaugen ganz genau im Visier behalten, was an diesem Tisch vor sich geht. Sofort wird Azra leichter ums Herz und ein völlig närrisches, verliebtes Lächeln huscht über ihre Lippen.
„Azra“, meint sie schliesslich, dreht sich wieder um und strahlt Njucon an: „Azra Blutaxt ist mein Name und ich bin erfreut euch kennen zu lernen, Njucon Aleris. Und gezeichnet habt ihr mich ja schon, wenn ich das… richtig begriffen habe. Es ist nur, also, ich meine, darf ich das Bild auch sehen, und…“ Plötzlich kommt ihr ein Gedanke und verstohlen beugt sie sich ein wenig vor, was nur zur Folge hat, dass sie sich auf die Zehenspitzen stellen muss, damit Njucon sie noch versteht: „Würdet ihr noch eines malen, dass ich dann behalten darf? Ich würde natürlich dafür bezahlen, keine Frage.“ Dabei linst sie nach allen Seiten, als ob eine der Schankmägde sie hören könnte. Spitze Ohren gibt es in der Harfe reichlich und es ist selten, wenn ein Geheimnis hier länger als ein paar Stunden überdauert. „Und“, fügt sie noch hinzu, sehr viel leiser als eben noch zuvor und nervös senkt sie nun den Blick und nestelt an den Bändern ihres Hemdes: „Also, dürfte ich, natürlich nur wenn es euch nichts ausmacht, ähm, vielleicht eure anderen Bilder noch sehen? Ich möchte nicht neugierig erscheinen, also, mich nicht aufdrängen, nur, ähm, also, ich habe zuvor schon etwas gesehen, natürlich nicht bewusst. Aber es sah sehr schön aus!“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Stormgrimm am 19. Apr. 2008, 09:03 Uhr
In seinen Gedanken setzt Aegnor das Gespräch zwischen ihm und seiner Begleiterin Lyall fort. Eine geisterhafte, nur in seinen Gedanken existierende Stimme, die sich über allem zu stehen scheint beschreibt Lyalls letzte Worte. >>Das Geld sollte noch reichen um das Zimmer einen weiteren Tag bezahlen zu können. Wenn nicht, zieh in ein Kleineres. Ich… werde dich finden. << Aegnors Gedanken vollziehen den Rest. "Du brauchst mich nicht zu finden...Ich bleibe immer bei dir...Aus einem, für mich undefinierbaren Grund, hast du meinem Leben in den letzten paar Tagen einen Sinn gegeben...

Aegnor seufzt. So schnell wie sie kommt, ist sie immer wieder verschwunden... Die Schankmaid braust an ihm vorbei, die beiden Schalen aufnehmend, und erzeugt dabei einen angenehmen Luftzug, der sich jedoch innerhalb von Herzschlägen wieder verflüchtigt. Aegnor fährt um sich. Das fahle Licht, welches mittlerweile durch den sich anbahnenden Mittag von einem helleren, aber ebenso matten Licht abgelöst wird, durchscheint den Raum nahezu vollständig. Borgil, mit selbstverständlich unveränderter Miene, wacht über die Gäste und Schankmaiden wie ein Schäfer die Herde.

Aegnor lehnt sich zurück -gedanklich immer noch bei seiner Begleiterin- und überlegt seine nächsten Schritte. Sie sagte sie würde einen Tag brauchen...Nun, ich werde wohl einfach etwas durch die Straßen wandeln und auf sie warten...Lyall... Ein leichtes Lächeln prägt Aegnors sonst strenge Mimik. Aegnor erhebt sich, sich den Weg durch die enge Gasse bestehend aus den, sich nahezu ineinander verzahnten Stühlen der einzelnen Tische bahnend, und verlässt die Harfe. Draußen bläst ihm ein kühler, vormittäglicher Wind entgegen.

--->>> Der Marktplatz Talyras

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Frey am 20. Apr. 2008, 22:55 Uhr
Noch immer Ende Nebelfrost


Ja, wann weiss man, wann sie einen mit diesen pupillenlosen, goldenen Augen ansieht? Frey wusste es in dem Augenblick, als die Protektorin des Larisgruen es tat. Sie sah ihn an und ihr Blick lastete schwer auf ihm. Sie weiss... Obwohl sie keine Miene verzogen hatte, hatte man ihr angemerkt, wie unwohl sie sich in ihrer Haut gefuehlt hatte, und fuer einige Augenblicke wirkte sie in sich gekehrt, weit weg in der Vergangenheit, in Zeiten, die schon eine halbe Ewigkeit her zu sein scheinen. Auch ihm lief es eiskalt den Ruecken herab, als sie erklaerte, dass dieser Steinsplitter zu den Schattenjuwelen gehoeren soll, ein Mormoril, schwaerzer als die Nacht und mit einer Boesartigkeit behaftet, die scheinbar nur dem Dunklen Konkurrenz machen koennte, wenn er nicht von ihm selbst erschaffen worden waere. Er kennt sich nicht im Geringsten mit den Lehren der Edelsteine aus, auch wenn er einen etwaigen Wert erkennt, wenn er einen sieht, um ihn zu verkaufen. Aber was die Bedeutsamkeit und Macht der Steine betrifft, weiss er nur soviel, wie die Lady mit den goldenen Augen gerade erzaehlt hat und er glaubt ihr jedes einzelnde Wort.

Nun hocken sie allesamt im Schankraum der Goldenen Harfe, nachdem sie vom Smaragdbaum in die Stadt zurueckgekehrt sind, und brueten ueber Ninianes Worte, die ihnen offenbart hatten, mit was sie da eigentlich zutun haben. Ein Schwarzmagier, bestenfalls ein Mensch, der mit den dunklen Kuensten hantiert, aber nur allzugut weiss, was er da tut, und dennoch muesste es nur ein Wahnsinniger sein. Jemand, der nicht ueber das Wissen und genug innere Stabilitaet besitzt, den Stein zu ertragen oder gar teilweise zu beherrschen - auch wenn es einer Farce gleichkommt, soetwas wie einen Mormoril beherrschen zu wollen - wuerde wohl schlichtweg durchdrehen. Dieser waere dann auch wohl kaum zu Handlungen wie solch ausgetueftelte Morde faehig. Das kann sich selbst ein Laie wie Frey nicht vorstellen. Er weiss ja selbst, wie er sich gefuehlt hatte, als er auch nur in die Naehe kam, ohne ueberhaupt die Ursache zu kennen. Erneut erfasst Frey einen Schauer, der ihm wie kaltes Wasser ueber den Ruecken laeuft. In all jener Zeit seiner Laufbahn als Seeraeuber war ihm noch nie soetwas dunkles wie dieser Mormoril begegnet, schon gar nicht jemand, der sich seiner Kraft bemaechtigen versucht. Und auf dem Synamuris, an den Skelettkuesten, auf den Sommerinseln und auch in der einzigen Zufahrt vom Suedmeer zum Ildorel, durch die er - unter diversen Gefahren in Form winziger Blutfliegen, an jene er zwei seiner Maenner verlor - sein Schiff gesteuert hatte, begegnet man genuegend finsteren Gesellen, als man sich wuenschen koennte.
Ninianes Warnung hallt in seinem Kopf wider. >>Sehr gefährlich. Ich hoffe, euch allen ist klar, wie gefährlich. Mormorile sind die Steine der Finsteren, aber sie werden von vielen gebraucht, die ihre Seelen der Dunkelheit verkauft haben...<< Nun, dieser Moerder erscheint einem auf jeden Fall als seelenlos, wenn er auf so grausame Art und Weise jemanden umzubringen weiss und die Koerperteile entweder mitnimmt oder ringsherum verteilt. Dies waere wohl die Gelegenheit, in Erwaegung zu ziehen, aus der Sache auszusteigen. Er hatte schon vor Ninianes Worten den Verdacht, dass es sehr gefaehrlich werden wuerde, und nach ihrem Besuch bei ihr im Baum hat sich dieser Verdacht verfestigt. Dennoch denkt er nicht im Traum daran, sich aus den Ermittlungen zurueckzuziehen. Er waere nicht Frey Mac Mael, wenn er das tun wuerde.

Frey hatte sich einen Humpen Bier bestellt, doch dieser steht schon seit einer geraumen Weile unberuehrt vor ihm, so dass schon kein Schaum mehr vorhanden ist. Er muesste auch mal was essen, aber irgendwie ist ihm nicht danach. Muede ist er zudem auch noch, den ganzen Tag schon auf den Beinen, seitdem Bane ihn am fruehen Morgen wegen der toten Bardin aus dem Schlaf gerissen hatte. Aber noch wartem sie auf die anderen, um sich gegenseitig auf den neusten Stand zu bringen. Er hebt den Blick und sieht in eine Runde von ernsten Gesichtern. Der Maester zumindest wusste wohl in etwa was es bedeutet, als Niniane ihnen den Namen des Juwels verkuendete. Er hatte es ihm angemerkt und auch, dass sich Sayila sowie der Faun nicht besonders wohl in ihrer Haut gefuehlt haben, obwohl sie nicht so aussahen, als wuessten sie mehr ueber diese Schattenjuwelen. Es ist es ihnen ja auch nicht zu verdenken, schließlich erging es ihm nicht anders. Und auch jetzt steht die Sorge ihnen allen ins Gesicht geschrieben. Nun warten sie nur noch ab, was die anderen der Gruppe herausgefunden haben, die ja noch im Haus der Buecher befinden. Ob sie auch schon etwas darueber herausgefunden haben? Oder sogar noch mehr wissen...?

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Njucon am 04. Mai 2008, 12:30 Uhr
Ja, es war mehr als nur verschämt... einfach so ein Bild von ihr zu zeichnen, ohne zu fragen und dazu noch vor den neugierigen Blicken der zahlreichen Anwesenden in der goldenen Harfe. Sie hätte allen Grund dazu ihn einfach hinauszuwerfen oder den rothaarigen Zwerg an der Theke, der sie beide schon eine ganze weile beobachtet, zu bitten, ihn wegen der Frechheit einen Kopf kürzen zu machen.

>„Das… also… allerdings“< sind die zögerlichen Worte auf sein verhalten. Njucon kümmert es recht wenig was andere über ihn denken oder sagen könnten, doch war es wahrlich nicht seine Absicht sie in irgendeiner form in Verlegenheit zu bringen. Seine roten Augen betrachten sie als sie versucht ihren Namen herauszubringen.
>„Oh, nein, ich, ähm, keine Lady, nie und nimmer, ich doch nicht, Azra, ganz einfach. Also ja, das ist mein Name, Azra, genau.“

Keine Lady…nun gut Lady Azra!denkt er bei sich, lächelt verschmitzt innerlich und versucht zu ergründen was es ist das sie so flatterig wie einen Vögel in Käfig werden lässt. Sein Aussehen sollte es nicht sein, gibt es doch in einer solchen großen Stadt viele Wesen und Sonderbahre Gestalten. Zumal sie, Lady Azra, ihm ähnelt...oder er ihr, wie man es nun sehen möchte. Beide sind sie auf ihre eigene At und weise Anders als  andere. Vielleicht ist es grade dieses "Anders" sein?
Immer noch betrachtet er ihre weichen Gesichtszüge als sie sich plötzlich von ihm abwendet.

Njuocn! Du solltest anstatt dir so viele Gedanken zu machen mehr den mit denen die dir gegenüberstehen reden, sprechen!schießt es ihm durch den Kopf.
" Wenn ich oder etwas euch Unbehagen bereitet, seid gewiss, dass es keinesfalls meine Absicht ist euch zu verunsichern. Ihr seid die erste Person, seid langem, mit der ich spreche. Ich bin wohl etwas aus der Übung fürchte ich. "Er spricht die Worte klar, ernst und freundlich, wobei ihm beim letzteren Satz ein breites Lächeln auf dem Gesicht liegt das sich in der Worten klar widerspiegelt.

Ja, so ist es wohl. Auch wenn ihm die Kunst des Lügens, ...nein, nicht doch! Das klingt ja so als wäre er ein Lügner und das ist er wahrlich nicht! Doch lässt sich nicht abstreiten, dass Njucon es sehr gut versteht nicht die reine Wahrheit zu sagen... wenn es denn sein mußt, versteht sich! Nun, in dieser Situation  musste es nicht sein, aber gewiss musste er auch nicht die ganze Geschichte ausführen warum er mit kaum jemanden die letzten Monate gesprochen hatte.

>„Azra“, meint sie schließlich, dreht sich wieder um und strahlt Njucon an: „Azra Blutaxt ist mein Name und ich bin erfreut euch kennen zu lernen, Njucon Aleris. Und gezeichnet habt ihr mich ja schon, wenn ich das… richtig begriffen habe. Es ist nur, also, ich meine, darf ich das Bild auch sehen, und…“< sie stellt sich auf ihre zehenspitzen und füg leise hinzu. >„Würdet ihr noch eines malen, dass ich dann behalten darf? Ich würde natürlich dafür bezahlen, keine Frage.“
Njuocn lächelt, als sie schließlich so Selbstbewusst an ihn wendet.

"Ist mir ebenfalls eine Freude euch kennen zu lernen... Lady, Azra Blutaxt!" Ein harter Name für eine zierliche junge Frau fährt es ihm durch den Kopf als sie noch etwas leiser eine weitere Frage stellt.
> „Und, Also, dürfte ich, natürlich nur wenn es euch nichts ausmacht, ähm, vielleicht eure anderen Bilder noch sehen? Ich möchte nicht neugierig erscheinen, also, mich nicht aufdrängen, nur, ähm, also, ich habe zuvor schon etwas gesehen, natürlich nicht bewusst. Aber es sah sehr schön aus!“

Im laufe der Jahre hatten sich tatsächlich einige Bilder angesammelt. Schiffe, Menschen, Elben, Mischwesen, Tiere, Gruppen und auch Gebäude. Viele hatte er entweder verkauft oder verschenkt… so waren nur noch 3 große Rollen übrig. Das große Schiff im Haven von Amber, das Markttreiben in Cardossa und Luth auf seinen viel zu langen Fohlenbeinen auf einer der grünen Wiesen in Laigin…
Laigin…kurz wandert er gedanklich Richtung Ostlande bevor er dann antwortet.

" Ihr habt Glück, " sagt er langsam und leise, dass nur sie ihn versteht, „ ein großes leeres Pergament habe ich noch und es wäre mir eine Freude euch darauf zu zeichnen." Ja eines noch, das war eines der vielen Dinge die er noch erledigen wollte.
„ Und, was die anderen Bilder angeht. Ich zeige sie euch gern, wobei hier in meinem Buch nur Skizzen sind.“ Njucon hält kurz inne und überlegt einen Augenblick bevor er weiter Spricht. „ Doch, nicht das ich euch noch ärger bereite wenn ihr eure Arbeit so lange niederlegt.“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aurian am 05. Mai 2008, 13:15 Uhr
Im Nebelmond

Aurian betritt, gefolgt von den anderen den Schankraum. Wie immer ist die Harfe gut besucht, kaum ein freier Platz ist zu finden. Sie runzelt die Stirn. Zu viele Ohren, die Worte aufschnappen könnten, die nicht für sie bestimmt sind. Andererseits…der stetige, relativ hohe Geräuschpegel macht es auch sehr schwer, etwas zu erlauschen, ohne dabei aufzufallen. An einem der hintern Tische entdeckt Aurian Faron und dann auch die anderen. Frey starrt düster in sein Bier und auch sonst sind nur ernste Gesichter zu sehen. Die Magierin zwängt sich an einigen Gästen vorbei, ehe sie zu dem Tisch in der hintersten Ecke gelangt, einem der wenigen eher ruhigeren Orte des Gasthauses. Sie müssen etwas zusammenrücken, um Platz zu finden, aber es geht und als sie schließlich zwischen Tiuri und Kaney eingeklemmt sitzt und ihre Bestellung aufgegeben hat, findet sie Zeit, genauer in die Gesichter zu sehen. Was sie sieht ist Besorgnis und ein gewisses Mass an Erschütterung und nur schwer wagt sie es, die Frage zu stellen: „Was habt ihr herausgefunden?“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lilith am 05. Mai 2008, 13:56 Uhr
Nach dem Besuch des Erzmagiers ist Lilith tief in Gedanken versunken und folgt der Truppe gemächlich zur Goldenen Harfe zurück. Ihre Gedanken drehen sich um die Dinge die der alte Silberbart erwähnt hat und besonders um die Tatsache, dass es sich bei dem dunklen Stein, der bei der Toten gefunden wurde, tatsächlich um ein Schattenjuwel handelt. Nicht irgendein Schattenjuwel, nein sogar der Stärkste, welcher nur den ranghöchsten Nekromanten vorbehalten ist. „Mit einem solch starken Gegner, werden wir wohl kaum zu Recht kommen, auch wenn ich den Leuten hier ja einiges zutraue. So erfahren können sie auch nicht sein.“

Lilith beobachtet die einzelnen Personen auf dem Weg genau und versucht sich ein Bild von den jeweiligen Fertigkeiten der Leute zu machen, was ihr aber nur schwer gelingt. Sie hat den Verdacht, dass es sich zumindest bei Aurian ebenfalls um eine magisch Begabte handelt, doch ob nun Heilerin oder Magierin kann sie nicht sagen. Auch die weisshaarige Frau scheint nicht gerade eine typische Kämpferin zu sein. Aus dem Raubtierhaften Mann wird Lilith ebenfalls nicht schlau. Sicherlich ist er ein guter Kämpfer, vor allem wenn diese Bestie, die allem Anschein nach irgendwo in ihm drin steckt, hervorbricht, doch Lilith ist sich nicht sicher, ob er sich dann noch immer kontrollieren kann. Der letzte in der Runde, der etwas tollpatschige Junge kann kaum eine grosse Hilfe sein, er würde sich wohl eher selber verletzen, denkt sich die Feuermagierin und wendet sich in Gedanken dann wieder dem Gespräch mit dem Erzmagier zu. „Er meinte, es könnte auch ein Magier oder ein Priester sein und nicht zwingend ein Nekromant. Das wäre zu schade, wobei wir dann vielleicht bessere Chancen hätten. Doch so komme ich nicht an mehr Informationen heran.“ Lilith ist so beschäftigt, dass sie kaum bemerkt, dass sich die Gruppe der Harfe nähert. Erst als Aurian die Türe zum Gasthof aufstösst, kehrt Lilith wieder zum Ort des Geschehens zurück und tritt mit den anderen in die warme Stube hinein.

Auf dem Weg zur Harfe erwähnte die Weisshaarige, welche die Einzige war, die sich mit Lilith unterhalten hatte, dass es eine zweite Gruppe gibt. Diese wartete bereits in der Harfe auf die Nachzügler und deren Tisch steuerte Aurian nun an. Nach dem alle Platz an dem Tisch gefunden haben, stellt Aurian den anderen Lilith vor und erklärt kurz wieso die Feuermagierin nun auch mit dabei ist. Danach beginnt der Austausch der erhaltenen Informationen und Lilith sitzt genauso gespannt am Tisch, wie die anderen auch. Sie beginnt sich langsam aber sicher wirklich für diese ganze Mordserie zu interessieren, schon zu lange hat ihr Intellekt sich nicht mehr mit solch spannenden Rätselfragen beschäftigen können.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Faron am 05. Mai 2008, 18:40 Uhr
« Der Baum am Smaragdstrand

Nebelfrost

Schweigend lässt Faron sich auf dem freien Stuhl neben Frey nieder und sieht sich in der Taverne um. Ihr Erscheinen, ja, selbst seine Anwesenheit, wecken hier glücklicherweise nur mäßiges Interesse - immerhin eine gute Seite an diesem lärmenden, überfüllten Ort.
Nachdenklich runzelt er die Stirn und sieht sich um, noch immer muss er darüber nachdenken, was sie von der Protektorin des Larisgrüns - Lady Niniane - erfahren haben und er kann an den Gesichtern seiner Gefährten ablesen, dass es ihnen nicht anders geht.

Als sich schließlich eine Mogbarmagd an ihren Tisch geeilt kommt, schließt sich der Faun der Bestellung des Seemanns an und lässt sich ein großes Verder Dunkel kommen. Kaum ist die Magd zurück und hat den Krug vor ihm abgestellt, da hat er ihn auch schon ergriffen und nahezu in einem Zug zur Hälfte wieder geleert. Die Anspannung fällt ein wenig von ihm ab und sieht sich um, wobei er Aurian bemerkt, die sich zielstrebig ihrem Tisch nähert und schließlich in ihrer Runde Platz nimmt. »Was habt ihr herausgefunden?«, erkundigt sich die junge Magierin und schaut besorgt in die Runde. Der Faun nickt ihr bedächtig zu und will schon zu einer kurzen Erklärung ansetzen, als sein Blick auf den Maester fällt. Er schluckt die Worte, die ihm bereits über die Lippen wollen, wieder hinunter und beschließt es gelehrteren Zungen als der seinen zu überlassen, Aurian zu erzählen, was sie in Erfahrung gebracht haben.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kaney am 07. Mai 2008, 19:03 Uhr
- Nebelfrost -

Kaney schweigt auf dem Weg zur Harfe so wie er es meistens tut, wenn er nachgrübelt.
Ein Mormoril, Nekromanten des Höchsten Ranges... RitualMorde und Blutmagie, möglicherweise doch ein Magier oder Priester, Dämonenbeschwörungen... und er mittendrin.
Eine tiefe Falte wäre deutlich auf der Stirn des Wargenmischlings zu sehen, wäre seine Stirn wie der restliche Kopf nicht unter der Kapuze verborgen, während sie alle die Harfe betreten.

Ich werde aufpassen müssen, wenn es geheim bleiben soll, dass die Steinfaust ihre Hände mit im Spiel hat...
Unter der Kapuze seufzt Kaney. Er ist in der Stadt fast so bekannt wie ein bunter Hund...

Er setzt sich zu den anderen inmitten der Harfe Ich werde Borgil mal fragen, ob er uns für unsere Besprechungen vielleicht ein größeres Gästezimmer zur Verfügung stellen kann... und lauscht dann dem, was die anderen erfahren haben...
Wieder kreisen seine Gedanken um Mormorile, Nekromanten, Gefahren für ganz Talyra... und dem Wissen, dass sie nichts herausgefunden haben, um die Person hinter den Morden identifizieren zu können...

"Heute werden wir wohl nichts mehr machen können..." spricht der Wargenmischling, als alle schweigend ihren eigenen Gedanken nachgehen.
"Ich schlage vor, dass wir uns noch einmal die Zeugen vornehmen.. vielleicht hat ja doch jemand etwas mitbekommen, und traut sich nur nicht mit den Leuten der Stadtwache zu sprechen..."

So teilt sich die Gruppe auf, einige wollen den Harfen und den Aal nochmal genauer unter die Lupe nehmen, andere die Straßen der Stadt...

"Ich hoffe, wir finden den Mistkerl, bevor..." sagt Kaney zu Aurian, als sie beide die Harfe Richtung Steinfaust verlassen, schüttelt dann den Kopf..
"Ich bete zu den Göttern dass wir ihn finden, bevor noch etwas geschieht.. und ich hoffe die Götter sind gnädig und erhören die Gebete..."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kaney am 08. Mai 2008, 11:31 Uhr
In der Zeit von Nebelfrost bis Anfang Grünglanz


Die Götter waren entweder nicht gnädig, hatten nicht zugehört oder hatten andere Pläne mit den Menschen Talyras.

Die Ermittlungen der nächsten Tage bringen nicht wirklich etwas Neues. Gut, man hatte verschiedene Verdächtige gehabt, aber die meisten dieser Spuren hatten sich in Nichts aufgelöst, oder aber man konnte ihnen nicht nachgehen, weil sich die Verdächtigen wie im Nichts aufgelöst hatten.

Es wird tiefster Winter, Langschnee geht vorbei, und beinahe schon macht sich die Hoffnung breit, dass alles nur ein schlimmer Alptraum war, dass der Mörder auf seinen irren Wegen die Stadt verlassen hat ohne weiter zu morden...
Aber der Alptraum hat sich nur kurzzeitig zurückgezogen, um dann mit aller Macht wieder zurück zu kommen.

Mitte Silberweiß informiert Olyvar die Männer der Steinfaust darüber, dass in Vinnar ein Hexenmeister aus den Kerkern der Stadt entkommen ist, ein Hexenmeister der angeblich sehr mächtig sein soll...
Kaney spürt wie sich sein Magen zusammenzieht, er informiert die anderen leise in einem der Gästezimmer in der Harfe, weist darauf hin, nichts nach draußen kund zu tun, um eine Panik zu vermeiden - unnötige Worte, die anderen nicken nur schweigend.
Er schickt seine Späher los, um diesen Kerl zu suchen - dann macht sich Kaney auf seine Art auf die Suche nach möglichen Spuren des Hexenmeisters - in wölfischer Gestalt durchkämmt er das Larisgrün - leider ohne großen Erfolg.
Vielleicht.. hofft der Wargenmischling Vielleicht hat der Mistkerl die Stadt kurz aufgesucht, hat die Leute ermordet, und ist dann weitergezogen.. Vielleicht hören wir irgendwo anders von einem weiteren Toten...

Doch leider hört man keine Geschichten von Toten aus anderen Städten, denn die nächste Tote wird wieder in Talyra gefunden.

Es ist wieder eine Frau die ermordet aufgefunden wird, dieses Mal liegt die Leiche am Waldtor der Steinfaust.
Direkt unter unserer Nase
Kaney kommt sich verhöhnt vor. Hätten die Wachen am Waldtor etwas bemerken können? Hätten sie vielleicht wen auch immer festnehmen können, dem Mörder so sein Handwerk legen können?
Aber er gibt den Wächtern keine Schuld.
Es herrschte Nebel in dieser Nacht, Nebel dick wie Suppe.. sie konnten nichts sehen... dennoch bleibt ein ungutes Gefühl in dem Wargenmischling.

Kaney ist bei der Obduktion anwesend, betrachtet die Frau, die für ihn nach Tod und Maultier riecht - sie soll die Maultiere der Herbstkarawane versorgt haben...
Diese Arbeit schien wie für die Frau gemacht, denn die Frau wirkt irgendwie grob, sehnig wie ein Muli, die Haare sind kurz geschoren und somit auch nicht viel länger als das Fell eines Maultieres...
Eine Frau, die manche Menschen als hässlich bezeichnen würden.... und die dadurch, dass ihr die Augen entfernt wurden, noch hässlicher wirkt.
Während der Obduktion starrt Kaney vor allem auf die leeren Augenhöhlen... Augen, Kehle, Becken.. wo war da der Zusammenhang... dazu die Herzen, die - auch in diesem Fall - außerhalb des Körpers platziert sind und die blutgemalten Sternzeichen - in diesem Fall das Zeichen des Drachen...
>..Sie war definitiv bereits tot, als ihr die Augen und das Herz entfernt wurden...< erklärt einer der Maester während der Untersuchung, hierbei blitzt ein Gedanke in dem Wargenmischling auf Yarranwyn... sie ist doch DURCH die Entnahme der Kehle gestorben... nicht vorher, oder? Und Muriel...


Das IniariFest wird aufgrund dieses weiteren Mordes und der Tatsache, dass man nicht weiß wer oder was dahinter steckt, abgesagt.
Empört schreit das Volk auf, so etwas ist seit Jahrhunderten nicht mehr passiert - aber Olyvar und der restliche Stadtrat bleiben hart. Keine Feiern, keine Segnung - Frauen, die an diesem Tag trotzig rote Füße tragen, werden höflich aber bestimmt zurück in ihr Heim gebracht.
Olyvar schlägt auch vor, dass nicht nur die Wachen und Patrouillen verdoppelt werden, nein, es soll auch eine Sperrstunde mitsamt Ausgangssperre verhängt werden... hierbei stellt sich der Stadtrat jedoch quer.
Mehr Wächter, gerne, kein Problem... aber die Bewohner Nachts in ihre Häuser zu verbannen, nachdem man ihnen schon das IniariFest genommen hat? Nein, das geht nicht...

Kaney hat in diesen folgenden Siebentagen viel zu tun... zusammen mit seiner Hundestaffel, vorallen den Such und Spürhunden, sucht er die Häuser der Leute ab, die man für höchst verdächtig hält.
Es sind vorallem die Häuser von Magiern mit einem zweifelhaften Ruf, die höchst verdächtig sind, und die Durchsuchungen sind aufgrund der Magiebegabtheit der Besitzer nicht gerade ungefährlich...
Einer der Hundeführer löst einen Schutzzauber aus, der dafür sorgt dass der Mann erst starr wird, und dann wie ein Baum umfällt (zum Glück konnte der Zauber wieder aufgehoben werden, so dass hier alle mit einem Schrecken davongekommen sind), Garok hingegen hatte die nächsten Tage mit einem rosa Fell zu kämpfen, dass ihm aufgrund irgendeines magischen Pulvers gewachsen ist.. Dass der Rüde sich während dieser Zeit nicht gerne in der Öffentlichkeit zeigt, ist Kaney absolut verständlich...

Weitere Zeugen werden befragt, weiteren Hinweisen werden nachgegangen... aber sie sind keinen Schritt in die Richtung des Mörders weitergekommen, als Kaney mit den anderen zusammen ungefähr 5 Mondläufe nach dem ersten Mord in ihrem Zimmer in der Harfe sitzen...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lilith am 08. Mai 2008, 13:12 Uhr
~Vom Nebelmond 507 bis zum Grünglanz 508~

Nach dem sich Lilith zum ersten Mal mit der gesamten Gruppe in der Goldenen Harfe getroffen und die Informationen ausgetauscht sind, beginnt die mühsame Arbeit der Recherche. Zusammen mit Lady Shin bezieht Lilith in der Harfe ein grösseres Zimmer, welches sie aber etwas billiger bekommen, da Borgil ihnen seine Unterstützung anbietet, was den Frauen sehr entgegenkommt, da beide keinen Goldesel vor der Türe stehen haben.
Durch die weisshaarige Frau erfährt Lilith einiges über die anderen Gruppenmitglieder und auch darüber, was sonst alles passiert ist. Auch der Lord Commander besucht die Truppe bei einem der Treffen und nimmt Lilith etwas in die Mangel. Er ist nicht gerade erfreut über weiteren Zuwachs, doch er scheint Liliths Erklärung zu akzeptieren und willigt ein, dass sie nun vollständig integriert wird. Dadurch lernt Lilith auch die anderen der Gruppe besser kennen und diese verlieren etwas die anfängliche Skepsis gegenüber der Feuermagierin, was auch Lilith dazu bringt sich angenehmer zu verhalten. Zum ersten Mal in ihrem Leben fühlt sie sich irgendwo integriert und akzeptiert, was in ihr ein merkwürdiges Gefühl auslöst, welches sie aber noch nicht ganz beschreiben und akzeptieren kann.

In den ersten Siebentagen nach dem zweiten Mord passiert nicht viel. Jeder in der Gruppe geht Hinweisen und Aufgaben nach, doch nicht sehr viele neue Erkenntnisse können gewonnen werden. Lilith und Shin beschliessen nochmals beim grünen Aal vorbeizuschauen und dort einige Leute zu befragen. Dabei kommt heraus, dass die Bardin anscheinend einige Bewunderer hatte, darunter einen Halbelben mit roten Haaren, eine ältere Frau mit Tätowierungen und einen Fremden mit Umhang, an dessen Gesicht sich niemand erinnern kann. Die Laute der Bardin taucht aber weiterhin nirgends auf, auch nach dem die beiden Magierinnen bei Borgil nochmals nachgefragt haben, ob sich etwas Spezielles im Gepäck der Bardin befindet. Entweder wurde sie von jemandem gestohlen oder der Mörder nahm sie mit.
Die Suche nach den Verdächtigen gestaltet sich schwieriger als geplant und die Truppe kommt kaum weiter mit ihren Ermittlungen. Die Stimmung wird immer wie schlechter, doch irgendwann kommt das Gefühl auf, dass der Mörder vielleicht weiter gezogen ist. Keine weiteren Morde passieren und die Stadt atmet wieder etwas auf.

Mitte Silberweiss überbringen Faron, Aurian und Kaney bei einem Treffen die Botschaft, dass ein verrückter Hexenmeister aus Vînnar geflohen ist und nun gesucht wird. Diese neue Information bringt wieder etwas Leben in die Gruppe und jeder macht sich seine Gedanken, ob es vielleicht dieser Hexenmeister sein könnte, welcher sich in der Stadt herumtreibt und nun vielleicht wieder weiter gezogen ist.
Als die meisten Stadtbewohner schon glauben, dass der Mörder wohl nicht mehr in der Stadt ist, passiert ein weiterer, schrecklicher Mord und das auch noch direkt vor dem Waldtor der Stadtwache. Es scheint, als möchte der Mörder die Stadtwache und den Lord Commander damit verhöhnen und wieder beginnen die Ermittler die Spuren zu verfolgen, doch scheinen sie nicht viel weiter zu führen. Die Obduktion bringt heraus, dass die Frau bereits tot war, als ihre Augen entfernt wurden. Auch dieses Mal wurde ein astrologisches Zeichen bei der Leiche hingemalt und auch das herausgeschnittene Herz lag über der Leiche. Alles deutet auf den gleichen Mörder und doch weichen jedes Mal einige Dinge vom letzten Mord ab.
Nach dem dritten Mord wird zur Bestürzung Aller - ausser Lilith welche Feste hasst wie die Pest - das Inarifest abgesagt. Die Stadt wimmelt nun von Blaumänteln, welche bei Tag und Nacht durch die Stadt patrouillieren, was bei einigen Leuten für Unruhen sorgt. Kaney und einige weitere beginnen damit die Häuser bestimmter Magier zu durchsuchen, welche natürlich nicht gerade erfreut sind über diese Besuche, doch auch diese Untersuchung bringt nichts weiter.  

Nach dem dritten Mord beginnen Shin, Aurian und Lilith damit sich regelmässig in einem Raum im Haus der Bücher zu treffen, um zu studieren und ihre Magie zu verbessern, damit sie gewappnet sind für einen eventuellen Kampf. Da die drei unterschiedlichen Elementen angehören, ist der Unterricht sehr lehrreich und interessant und die drei Frauen freunden sich etwas mehr an. Sie wälzen Bücher, versuchen neue Sprüche und Formeln, messen ihre Kräfte und versuchen ihre Zauber zusammen zu schliessen, damit sie sich im Falle eines Kampfes besser schützen oder stärker angreifen könnten. Lilith macht diese Arbeit viel Spass und gibt so viel Wissen an die anderen Beiden weiter, wie sie kann. Auch die anderen in der Gruppe verbringen ihre Zeit mit Übungen, Nachforschungen und Studien, doch leider führt kein Weg sie weiter und die Anspannung und Unzufriedenheit deswegen, ist deutlich zu spüren. Lilith war einige Male darauf und daran ihre Sachen zu packen und die Stadt zu verlassen, doch mittlerweile liegt ihr etwas an der Stadt, ihren Bewohnern und vor allem an ihren neuen Freunden, auch wenn sie dies nie zugeben oder zeigen würde.

~Irgendwann im Grünglanz in einem Zimmer der Goldenen Harfe~

Etwas erschöpft von der Wärme, doch sichtlich zufrieden sitzt Lilith mit ihren neu gewonnenen Freunden in einem Zimmer der Goldenen Harfe. Sie war froh, dass sie nicht draussen sitzen müssen, denn dort brennt die Sonne frisch fröhlich zwischen den grünen Blättern der mächtigen Buchen hindurch, genau auf die begehrten Sitzplätze welche nun beinahe alle belegt sind. Seit dem Frühlingsbeginn hat sich Lilith Laune etwas verschlechtert, was man jedoch kaum bemerkt, da sie ja trotz allem immer kühl wie das ewige Eis im Nordwall ist. Ihr schwarzes Haar hat sie zu einem dicken Zopf geflochten und aufgesteckt, nur einige vorwitzige Strähnen haben sich gelöst und kitzeln ihre Wangen, welche bereits etwas rosig geworden sind. Die, ihr so verhasste Sonne, welche sofort Spuren auf Liliths empfindlicher Haut hinterlässt, dringt nur knapp durch das verstaubte Fenster in das Zimmer ein und die Magierin hat sich zusammen mit Shin in die dunkelste Ecke verzogen. Die Anderen scheinen die Sonne aber geradezu zu lieben und Aurian wirft ab und an einen sehnsüchtigen Blick durch die Fenster nach draussen, wo die Sonne fröhlich scheint. Es war mal wieder eines der vielen Treffen, bei welchem die neusten Informationen ausgetauscht werden sollten, jedoch gab es in den letzten Siebentagen kaum etwas Neues zu berichten. Seit geschlagenen fünf Monden versucht die Gruppe auf die Spur des Frauenmörders zu kommen, welcher sich in der Stadt herumtreibt, jedoch ohne grösseren Erfolg. Nur wenig ist passiert und das was passiert ist war vor allem negativ. Ein weiterer Mord, weitere mysteriöse Hinweise, doch keine Spur von einem Verdächtigen. Liliths Nerven sind langsam aber sicher etwas gereizt, da sie es hasst, wenn etwas nicht so läuft wie sie es sich vorstellt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 08. Mai 2008, 17:38 Uhr
Von Nebelfrost bis Grünglanz


Normalerweise fühlt sich Tiuri in seinem Heim, der Goldenen Harfe, ja pudelwohl, aber als er mit diesem äußerst ungewöhnlichen Suchtrupp in das Wirtshaus marschiert zieht er doch ein wenig den Kopf ein. Nicht, dass ihn das so viel kleiner machen würde, dass es etwas nützen könnte, aber innerlich wappnet sich Tiuri schon für Donnerwetter. Aber Borgil sagt erst einmal gar nichts solange die anderen noch dabei sind. Der Zwerg, zieht zwar eine seiner dichten Augenbrauen misstrauisch in die Höhe, gibt ihnen aber den Schlüssel für ein Zimmer in dem sie ungestört sind und Tiuri führt die anderen zu dem richtigen Raum.
Erst später, als sie alles was sie über Nekromanten, Magier, Mormorile, Sternzeichen und so weiter untereinander ausgetauscht haben, erklärt haben warum sich schon wieder ein neues Gesicht in ihrer Runde befindet und sich schließlich für diesen Abend erst einmal verabschiedet haben, klopft Tiuri an die Tür zu Borgils privatem Wohnbereich. Er erklärt ganz einfach und ohne Umschweife wer diese Leute sind, dass sie wieder kommen werden und dass er, Tiuri, vor hat sich auch weiterhin an der Aufklärung des Mordfalls zu beteiligen. Sowohl Borgil, als auch Azra, die gerade Brenainn zum Schlafengehen fertig macht, bleibt erst einmal der Mund offen stehen. Wie Tiuri es nicht anders erwartet hat, ist Azra sofort dagegen. Wie er überhaupt glauben kann, dass sie ihn so etwas Gefährliches machen lassen würden. Er gehört zu ihrer Familie und sie würde ihn eher in seinem Zimmer ans Bett ketten als zuzusehen wie er sich mit einem wahnsinnigen Mörder anlegt.
Doch während Azra schimpft und jammert und schließlich Borgil dazu auffordert ein Machtwort zu sprechen, ist der Zwerg zwar ebenfalls etwas besorgt, bittet Tiuri sich die Sache lieber noch einmal gut zu überlegen, legt ihn aber wider erwarten nicht einfach noch einmal übers Knie bis er wieder alle fünf Sinne beieinander hat. Im Gegenteil, er hat zwar die Augenbrauen fest zusammen gezogen, so dass eine steile Falte auf seiner Stirn erscheint, aber er schärft Tiuri nur ein, sofort bescheid zu geben falls er Hilfe benötigen sollte, egal welcher Art. Den restlichen Abend verbringt Tiuri also damit eine äußerst aufgewühlte Azra zu beruhigen und ihr tausendmal zu versprechen sich nicht kopflos in irgendwelche gefährlichen Situationen zu stürzen.

In den nächsten Tagen teilt sich die Gruppe auf um noch einige Leute zu befragen. Tiuri geht zusammen mit Frey ins Hafenviertel, doch was sie dort zu hören bekommen ist wenig hilfreich. Die Leute schwärzen ihre Nachbarn an, erzählen widersprüchlichen Unsinn und haben am Ende eigentlich doch gar nichts gesehen was ihnen weiter helfen könnte. Ein paar Hinweisen gehen sie nach oder leiten sie an die Blaumäntel weiter die diese weiter verfolgen, doch jede einzelne Spur verläuft im Nichts.
Den ganzen Langschnee geschieht praktisch nichts. Es schneit viel, sie sitzen zusammen in der Harfe und beratschlagen sich, jeden Tag aufs Neue, doch es fällt ihnen nichts mehr ein was sie noch tun können. Lilith und Atevora sind in der Harfe eingezogen und so ist es nicht verwunderlich, dass Tiuri ihnen dort jeden Tag über den Weg läuft. Er hat sich schon bald nicht mehr über die kühle Art der beiden gewundert, nimmt zynische Antworten gelassen und kein bisschen persönlich, sondern bleibt gelassen, freundlich und spricht einfach genug, dass es für alle drei reicht.  
In der Mitte des Langschnees beginnt Tiuri dann auch wieder in der Gaststube der Harfe zu helfen und auch seinen Pflichten im Stall nachzugehen. Natürlich vernachlässigt er auch nicht sein Schwertkampftraining oder die weitere Ausbildung Njördyrs. Jeden Morgen reitet Tiuri den schwarzen Hengst mit den blauen Augen, mal mehr und mal weniger erfolgreich, aber mit jedem Siebentag der verstreicht macht sich die Arbeit etwas mehr bezahlt.

Mitte des Silberweiß erhalten sie über Olyvar die Information, dass ein verrückter Hexenmeister aus Vînnar geflohen ist und sofort machen sie sich auf die Suche. Doch nichts weist darauf hin, dass ein wahnsinniger Hexenmeister, falls er denn der Mörder gewesen ist, oder auch sonst ein irrer Serienmörder in Talyra sein Unwesen treibt. Schon bald schleicht sich die Hoffnung bei den Bewohnern der Weltenstadt ein, dass der Mörder vielleicht weiter gezogen ist und sie nichts mehr zu befürchten haben.
Doch diese Wünsche werden nicht erhört und am Morgen nach der Faêrysnacht wird die dritte Frauenleiche vor den Toren Talyras gefunden. Die junge Frau, der Augen und Herz entfernt worden sind, scheint erst niemand zu kennen, doch schließlich treffen einige Beschreibungen von ein paar Händlern auf sie zu und so erfährt man schließlich, dass sie mit der Herbstkarawane in die Stadt gekommen ist. Zusammen mit Sayila geht Tiuri zum Platz der Händler um sich dort noch einmal einige Fragen beantworten zu lassen. Einerseits mag er es lieber den Leuten ins Gesicht sehen zu können wenn er annehmen muss, dass sie vielleicht Lügen verbreiten und andererseits hat er von ein paar Blaumänteln von einer äußerst hübschen Stoffhändlerin gehört die einen Stand an der Nyzemia haben soll. Während sich Sayila mit einer Waffenhändlerin aus Immerfrost unterhält, begibt sich Tiuri also schnurstracks zu der grünäugigen Stoffhändlerin, die wahrlich eine Augenweide ist. Sie erzählt, dass sie die Tote nur vom Sehen her kannte, dass ihr aber ein paar finstere Gestalten aufgefallen wären die ständig um ihren Stand herum schleichen und sie schmeichelnd dazu bringen wollen ihnen das Geheimnis ihrer feinen Ware zu erzählen.
Nichts davon scheint Tiuri wirklich hilfreich zu sein, aber er lässt sich trotzdem jedes Gesicht das der Händlerin unangenehm aufgefallen ist genau beschreiben.
Sie befragen noch einige andere Leute, von denen niemand auch nur den Namen des Opfers gekannt haben möchte, was Tiuri doch äußerst seltsam vorkommt. Bei den Beschreibungen die die Händler über die Tote abliefern, fällt jedoch auf, dass der Mörder ihr scheinbar auch die Haare abgeschnitten hat.
Vielleicht fand er sie würde ohne besser aussehen…
Als sie gehen verabschiedet sich Tiuri noch einmal von der Stoffhändlerin, mahnt sie vorsichtig zu sein in so gefährlichen Zeiten und nimmt sich insgeheim vor sie zu Inari wieder zu treffen. Doch aus dem Inarifest wird dieses Jahr nichts, denn das wird zu Tiuris Erschütterung abgesagt. Kein Inarifest ist so ziemlich das Schlimmste was Tiuri sich vorstellen kann, denn trotz der schrecklichen Morde hat er sich schon seit einiger Zeit darauf gefreut. Seit dem Zwischenfall mit dem wütenden Vater in Sûrmera hat Tiuri praktisch enthaltsam gelebt – naja, zumindest was kleine heiratswütige Jungfrauen angeht. Dafür entgehen ihm nicht die gelegentlichen etwas koketten bis anzüglichen Blicke Atevoras und schon wieder verflucht er die Tatsache, dass Inari dieses Jahr ausfällt.

Mit dem Grünglanz kommt auch das schöne Wetter und die Wärme zurück nach Talyra und missmutig sitzt Tiuri bei einem Treffen mit den anderen in einer der kleinen Kammern in die sie sich üblicherweise zu ihren Gesprächen zurück ziehen. Er hat die Ärmel nach oben gekrempelt und kümmert sich nicht darum, dass man dann mehr von seinen Narben sehen kann - er hat sich mittlerweile schon so an diese ungleiche Gruppe gewöhnt - und versucht so viel Sonne wie möglich zu erwischen. Schon jetzt, nach nur wenigen Siebentagen Schönwetter, ist seine Haut nicht mehr ganz so blass wie im Winter, sondern nimmt einen leichten Bronzeton an. Er kann Aurians sehnsüchtigen Blick aus dem Fenster nur zu gut verstehen und hofft, dass sie ihre Besprechungen irgendwann nach draußen verlegen können.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sayila Arachelza am 09. Mai 2008, 10:57 Uhr
~Von Nebelmond bis Grünglanz~

Ein wenig erstaunt ist Sayila schon, als der andere Teil der Gruppe aus dem Haus der Bücher eine junge Frau mitbringt, die sich als Lilith Veri'kuu vorstellt. Ihr soll es recht sein; je mehr Leute sich an den Ermittlungen beteiligen, desto größer ist die Chance, den Mistkerl zu fangen.
Leider haben auch die Nachforschungen der Delegation im Haus der Bücher nicht wirklich mehr ergeben als ihre eigenen, und so trennt sich die Gruppe mehr oder weniger unzufrieden.

Auch die kommenden Wochen fördern keine allzu hilfreichen Hinweise zutage. Zwar hält Sayila Augen und Ohren offen, versucht, aus jedem Kunden irgendwie unauffällig etwas herauszubekommen, aber mehr als aus der Luft gegriffene Spekulationen sind es nicht.
Die ein oder andere Zeugenaussage scheint im ersten Moment vielleicht eine gute Spur zu sein, aber das meiste erweist sich als Sackgasse und als das Jahr schließlich zur Neige geht, hat Sayila das äußerst unbefriedigende Gefühl, nichts, aber auch gar nichts erreicht zu haben.
Auf Yalena gibt sie nun so gut Acht wie schon lange nicht mehr. Zu tief sitzt die Angst, der Mörder könnte sie als nächstes auswählen. Sie schärft ihr ein, niemals im Dunkeln alleine durch die Straßen zu gehen, und begleitet sie so oft es ihr möglich ist.

Das neue Jahr bricht an und noch immer hat sich der Mörder nicht wieder gemeldet. Langsam keimt in Sayila die leise Hoffnung auf, dass er es vielleicht bei diesen beiden Morden belassen hat, oder einfach weitergezogen ist, in eine andere Stadt. Dieser Gedanke versetzt ihr allerdings auch einen leichten Stich, denn das würde bedeuten, dass sie ihn wohl nie in die Finger bekommt.

Eine Neuigkeit seitens des Lord Commanders lässt die ganze Ermittlergruppe Mitte Silberweiß aufhorchen: Ein Hexenmeister aus Vînnar ist aus den Kerkern entkommen, und das schon im vergangenen Nebelmond. Womöglich eine erste Spur, die allerdings auch nicht sehr viel hilft, denn schließlich wissen sie immer noch nicht, wo sie suchen sollen.

Und dann, einen Tag nach der Faêyrisnacht, erschüttert ein weiterer Leichenfund Talyra. Wieder eine Frau, wieder ein merkwürdiges mit Blut gemaltes Zeichen, wieder wurde das Herz entfernt und diesmal sind es die Augen, die fehlen.
Sayila würde Yalena von nun an am liebsten zu Hause einsperren, so groß ist ihre Angst um das Mädchen, und gleichzeitig spürt sie wieder diesen unbändigen Zorn in sich, der sie fast vergessen lässt, mit was für einem Gegner sie es hier höchstwahrscheinlich zu tun haben.

Die Konsequenzen, die nach dem dritten Mord gezogen werden, finden bei Sayila mehr als volle Unterstützung. Mit dem Inarifest konnte sie ja noch nie sonderlich viel anfangen, und insgeheim hatte sie schon gefürchtet, Yalena auch dieses Jahr nicht davon abhalten zu können, an der Feier teilzunehmen. Die verstärkten Patrouillen erscheinen ihr ebenfalls das Mindeste an Sicherheitsmaßnahmen, und sie bedauert ein wenig, dass die vorgeschlagene Ausgangssperre doch nicht realisiert wird.

Gemeinsam mit Tiuri macht sich Sayila nun daran, die Kaufleute auf dem Platz der Händler noch einmal zu befragen. Von einer Waffenhändlerin aus Immerfrost erfährt Sayila, dass sie kürzlich ein Chirurgenbesteck verkauft hat, doch leider kann die Frau sich nicht mehr an den Käufer erinnern. Nachdem Sayila Tiuri beinahe mit Gewalt von dem Stand einer äußerst hübschen Stoffhändlerin wegzerren muss – „Wir sind hier, um drei Morde aufzuklären, und nicht, um hübschen Frauen schöne Augen zu machen“, zischt sie ihm halb entnervt, halb belustigt zu – befragen sie noch die restlichen Händler. Ein wenig horchen sie beide auf, als hier wieder der merkwürdige Halbelb mit den roten Haaren erwähnt wird, von dem schon im Zusammenhang mit dem Mord an der Bardin die Rede war. Außerdem treffen sie hier auf eine Frau, deren Aussehen Sayila vage an die Beschreibung von den Zeugen aus dem Aal erinnert. Die offene Art, mit der die Frau allerdings auf Fragen antwortet, verwirrt Sayila ein wenig; dass die Frau tatsächlich etwas mit den Morden zu tun hat hält sie für äußerst unwahrscheinlich, wohl auch, weil sie sich sehr darauf festgefahren hat, dass es ein Mann sein muss, der die Frauen getötet hat.

Es ist ein sonniger, warmer Tag im Grünglanz, als sich die kleine Ermittlergruppe wieder einmal in einer kleinen Kammer in der Goldenen Harfe eingefunden hat, um zum wohl hundertsten Mal alle Fakten und Spuren zu drehen und zu wenden, in der Hoffnung, doch noch irgendetwas übersehen zu haben, das ihnen weiterhilft.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aurian am 09. Mai 2008, 13:04 Uhr
~Nebelmond 507 bis Grünglanz 508~

Viel mehr Informationen hat auch der Rest der Gruppe nicht aus dem Larisgrün mitgebracht und so trennen sich ihre Wege, um weitere Spuren zu suchen. Doch der Rest des Jahres verläuft eher Ereignislos, sieht man einmal davon ab, dass einige Leute in der Stadt nun meinen, alte Rechnungen begleichen zu können und eine regelrechte Anzeigenflut über die Steinfaust hereinbricht. Wer da nicht auf einmal schon immer verdächtig war und in welchen Häusern denn nicht schon immer seltsame Personen ein und aus gingen. Den Vogel schießt aber ein alter Adeliger, Sire Kolvert ab, der, sicher schon nahe wenn nicht jenseits der 100 Sommer, den alten Tallard, der ihn um Streitsucht und Grieskram noch übertrift, bezichtigt, mit den Morden in Beziehung zu stehen. Natürlich will er die Sache diskret behandelt wissen und nur dem Commander persönlich mitteilen…was Olyvar drei Stunden seiner Zeit und unsägliche Nerven kostet. Aurian hat das Pech, eben in dieser Stunde im Solar anwesend zu sein und so kommt auch sie in den Genuss der detailierten Anschuldigungen des Alten, der immer wieder beifallsheischend in ihre Richtung schaut, den >Mistress de Winter Sie müssen ja wissen und beurteilen können was Tallard für einen Charakter hat, nach allem was er ihrer Familie angetan hat!<

Aber auch diese Beschuldigungen nehmen wieder ab, vor allem weil keine weiteren Morde geschehen. Von der Öffentlichkeit unbemerkt, kommt Aurian und den anderen eine beunruhigende Nachricht zu Ohren: In einem ernsten Gespräch berichtet der Commander ihr, Kaney und Faron, dass ein gefährlicher Hexenmeister aus Vinnar geflohen sein, wo er unter schwerer Bewachung im Kerker gesessen hatte. Aurian war nur wenige Monate zuvor in dieser Stadt gewesen und sie kann sich nur zu gut an die mächtige Befestigungsanlage erinnern, die auch den Kerker beheimatet. Daraus zu entkommen bedarf großen Geschicks…oder großer magischer Fähigkeiten und bei dem Gedanken, es mit so jemandem zu tun zu bekommen schaudert ihr. So ist es nicht von der Hand zu weisen, dass sie gemeinsam mit Lilith und Shin beginnt, ihre magischen Fähigkeiten weiter zu verbessern. Die drei jungen Frauen verbringen Stunden in der Bibliothek beim Studium oder im Larisgrün, wo sie das gelesene an Bäumen, Sträuchern und ähnlichem erproben. Sie werden auch immer besser, doch würde es reichen?

Dann, es ist Tag nach der Faêyrisnacht, erschüttert ein weiterer Mord die Stadt. Diesmal sind es Wachen der Steinfaust, die die Frau Nahe dem Waldtor finden und wieder ist ein Zeichen mit Blut auf den Boden gemalt. Aurian ist gemeinsam mit Rhordri am Tatort und während der Kastellan die Leiche in den Branturm geleitet, hastet Aurian ins Haus der Bücher. Sie muss nicht suchen, sie weiß welches Buch sie sucht und nach wenigem Blättern ist sie bei den gesuchten Seiten:
Das Zeichen des Drachen

Monat:      Beerenreif
Gottheit:      Shenrah
Planet:      Sonne
Element:      Gold
Geboren in der Mitte des Sommers, durchströmt einen Drachengeborenen die gesamte Energie und Kraft der Sonne und nicht selten werden jene die "Kinder Shenrahs" genannt. Drachengeborene scheinen ebenso wie die Sonne eine schier unerschöpfliche Energie und Kraft zu besitzen und ihr Gemüt ist so hell und freundlich wie die Sonne selbst. Sie halten sich meistens für den Mittelpunkt sämtlichen Geschehens und können gar nicht verstehen, wenn es sich einmal nicht um sie drehen sollte. Optimistisch und hin und wieder auch naiv tragen sie ein Unsterblichkeitsgefühl mit sich, das alle negativen Einflüsse verdrängt. So ist es nicht verwunderlich, wenn der Drachengeborene oft eines besseren belehrt wird und erkennen muss, dass es nicht nur Gutes, sondern auch Schlechtes gibt. Die Kinder Shenrahs sind großherzig und stolz, temperamentvoll und eigenwillig. Sie hassen die Mittelmäßigkeit und strotzen nur so vor Selbstvertrauen, allerdings würde ihnen ein wenig Bescheidenheit und Vorsicht oft nur gut tun, denn sie schießen gern über das Ziel hinaus.


Aurian hatte bereits in ruhigen Minuten die Textstellen zu den anderen Zeichen abgeschrieben und fügt ihren Aufzeichnungen nun diese Angaben hinzu. Dann hastet sie zurück in die Steinfaust, wo die Leicheschau in vollem Gange ist. Amarius und Kaney sind ebenfalls anwesend und gemeinsam mit dem Alchemisten lauscht sie Maester Ballebars Bericht über die unbekannte Fremde: Das Herz, dass man neben der Toten gefunden hatte, war fachmännisch entfernt worden, ebenso wie die Augen. Diese sind verschwunden. Zuvor schien das Opfer betäubt worden zu sein, denn Spuren verschiedener Extrakte fanden sich in ihrem Magen. [i]Wenigstens war sie schon tot, als man ihr das angetan hat! [i] denkt Aurian, als sie den Branturm verlassen.

Die Stimmung der Ermittlergruppe ist am Tiefpunkt, kaum greifbare Spuren und eine weitere Tote. Aber auch in der Stadt brodelt es zusehens und als das Inarifest angesagt wird, hat die Stadtgarde einiges zu tun, Unruhen zu vermeiden; zu denen es wohl gekommen wäre, hätte Olyvar die nächtliche Ausgangssperre durchsetzen können. So bleibt es halbwegs friedlich und einige feiern in privaten Kreisen mehr oder weniger dezent Inari. Aurian kann ob solcher Unvernunft nur den Kopf schütteln.

Mittlerweile naht der Sommer und die Natur lässt sich von dem Schrecken, der Talyra heimsucht nicht einschüchtern. Die Bräume treiben aus, die Vögel gehen auf Nestbau und überall summt und brummt es ob der wieder erwachten Insekten. Zu gerne hätt e die Halbelbe die Sonne und ihre warmen Strahlen genossen, doch zu ihrem (und vermutlich auch Farons, Tiuris und Kaneys) Leidwesen finden die Besprechungen der Ermittler nur in der Harfe, in einem eigens für sie reservierten Zimmer statt. Ihre beiden Magierkolleginnen scheinen extrem lichtscheu zu sein und nun da die Sonne wieder vermehrt am Himmel steht, wird das nur immer deutlicher. Sehnsüchtig blickt Aurian aus dem Fenster, als sie eines Nachmittags erneut alle Fakten durchgehen, zum xten Mal.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Faron am 09. Mai 2008, 17:44 Uhr
Nebelfrost 507 bis Grünglanz 508

Die kleine Zusammenkunft in der Harfe währt nicht lange und so trennen sich die Wege der Gruppe bald wieder. Faron schließt sich Aurian und Kaney an, die sich ebenso wie er zur Steinfaust begeben. Dort angelangt verabschiedet er sich knapp von den beiden und begibt sich in die Stallungen, wo ebenfalls noch eine Menge Arbeit auf ihn wartet, bevor er sich endlich von den Anstrengungen des zurückliegenden Tages erholen kann.
Die restlichen Siebentage des Jahres verlaufen relativ ruhig und ereignislos und ihre Ermittlungen kommen allenfalls schleppend voran. Nachfragen im Aal ergeben, dass die tote Bardin dort aufgetreten ist und für die Tavernengäste gesungen hat. Offenbar hat sie dabei vor allem die Aufmerksamkeit eines mysteriösen Halbelben mit merkwürdig rotbraunen Augen und langem, rotem Haar, einer älteren unbekannten Frau mit dunklen Tätowierungen auf den Armen sowie einem großen Mann in dunklem Umhang (dessen Gesicht aber niemand gesehen haben will) – zumindest wissen dies ein paar Stammgäste zu berichten. Auch die Untersuchungen in der Harfe ergeben nicht sehr viel: Borgil, der Wirt, gibt lediglich an, nichts Ungewöhnliches unter Yarranwyns Gepäck entdeckt zu haben ...

Mitte Silberweiß des neuen Jahres erhält der Lord Commander der Steinfaust schließlich per Botenraben ein Schreiben aus Vînnar, über dessen Inhalt er Aurian, Kaney und Faron umgehend in Kenntnis setzt: Allem Augenschein nach ist in Vînnar im vergangenen Nebelfrost ein berüchtigter Hexenmeister dem dortigen Kerker entflohen und das Schreiben lässt keinen Zweifel daran, dass dieser Mann als äußerst gefährlich, ja sogar verrückt, angesehen wird. Darüber, welche Verbrechen dem entkommenen Hexer genau zur Last gelegt werden, schweigt sich Olyvar von Tarascon Aurian, Kaney und Faron gegenüber allerdings beharrlich aus ...
... und wieder verstreichen die Tage, ohne das die kleine Ermittlergruppe irgendwelche nennenswerten Erfolge vorzuweisen hätte. Ihre Stimmung erreicht indes einen neuen Tiefpunkt, als am Tag nach der Faêyrisnacht eine weitere Frauenleiche gefunden wird. Da Faron in den Stallungen zu tun hat, kann er bei der Obduktion nicht persönlich anwesend sein, wird später am Tag aber umgehend von Kaney über deren Ergebnisse informiert. Herz und des unbekannten Opfers wurden entfernt. Die Augen fehlen, das Herz wurde sorgsam über dem Kopf der Toten auf dem Weg zum Waldtor platziert. Um die Leiche herum wurde aus Blut ein Symbol gezeichnet, welches die Gelehrten der Ermittlergruppe recht bald als das Zeichen des Drachen identifizieren – womit Faron allerdings kaum etwas anfangen kann.

Die Zeit verstreicht weiter ohne das sie brauchbare Spuren entdecken. In der Stadt kursieren die wildesten Gerüchte und ein lauter Aufschrei geht durch die gesamte Bevölkerung, als das Inarifest aufgrund der zahlreichen unkalkulierbaren Risiken vom Rat der Stadt abgesagt wird. Stattdessen werden die Wachen und Patrouillen in und um Talyra verdoppelt. Hinweise aus der Bevölkerung (nach dem dritten Mord wurde die Belohnung für sachdienliche Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen um 500 Silberlinge erhöht) haben mehrere Festnahmen und Hausdurchsuchungen durch die Blaumäntel zur Folge – wovon vor allem unliebsame Magier, Wundscherer und Heiler in der Tausendwinkelgasse betroffen sind. All diese Untersuchungen bleiben jedoch ergebnislos und auch Befragungen auf dem Platz der Händler erbringen keine nennenswerten Ergebnisse: Eine Waffenhändlerin aus Immerfrost berichtet von einem Chirurgenbesteck, welches sie kürzlich verkauft haben will, kann sich aber nicht mehr genau an den Kunden erinnern. Mehrere Befragte erzählen außerdem etwas von einem Südländer, während andere von einem Halbelben mit rotem Haar schwatzen und wieder andere von einer älteren Karawanenwächterin mit dunklen Tätowierungen berichten, die einem Viehhändler aus den Rhaínlanden dient. Über die unbekannte Tote bringen die Ermittler indes lediglich in Erfahrung das sie sich der Karawanen, mit der sie nach Talyra kam, in den Rhaínlanden anschloss. Viel mehr ist aus den Befragten bedauerlicherweise nicht herauszubekommen, da die Unbekannte offenbar eher für sich blieb und zu ihren Mitreisenden nicht mehr Kontakt als nötig pflegte.

Die kalte Jahreszeit ist mittlerweile dem Sommer gewichen und Faron genießt jeden Augenblick, den er z.B. draußen auf den Waldkoppeln verbringen kann, denn zu seinem und auch einiger anderer Leidwesen finden die Zusammenkünfte der Gruppe nach wie vor in der Goldenen Harfe statt, wo eigens für diesen Zweck ein kleines Zimmer für sie reserviert ist, in welchem sich der hünenhafte Faun nicht sonderlich wohl fühlt. Als er Aurians sehnsüchtigen Blick hinaus aus dem Fenster bemerkt, als sie sich an diesem Tag in der stickigen Kammer eingefunden haben, kann er sich nur zu gut vorstellen, was der jungen Magierin gerade durch den Kopf geht und auch sein Blick bleibt für einen Moment am strahlend blauen Himmel hängen vor dem Cara, sein Schellenfalke, elegant seine Kreise zieht, bis er sich schließlich auf dem Sims draußen vor dem Fenster nieder lässt und abschätzend zu ihnen herein blickt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Armarius-Kar-Shei am 11. Mai 2008, 14:20 Uhr
Nebelfrost 507 bis Grünglanz 508

Trotz der intensiven Bemühungen aller inzwischen Beteiligten, ergeben die scheinbar so offentlichen Spuren nichts was ihnen bei der Suche nach dem Mörder weiterhilft. Es ist frustrierend, für alle. Sie wissen um die enorme Gefahr, doch tun können sie nichts dagegen.

Es ist wie ein Labyrinth aus Spiegeln. Immer wenn man glaubt am Ausgang zu sein stellt man fest, dass es eine Sackgasse ist, denkt Armarius oft genug bei sich. Der anfängliche Enthusiasmus, der Ehrgeiz den Mörder so schnell wie nur irgendmöglich zu stellen ist einer Mischung aus Resignation, Zorn und verzweifelter Suche nach der übersehenen Spur gewichen. Zu sehr fühlt er sich an sein Versprechen erinnert, dass er sich selbst gegeben hat: Ich werde den Fehler von damals nicht nochmal machen. Ich will nicht noch einmal Opfer zu Mördern machen.

Doch alles deutete daraufhin, dass er nun einen anderen Fehler beging. Doch so sehr er sich bemüht, kann er nicht erkennen welcher es ist. Im Gegenteil, als wolle der Mörder sie verhöhnen, wächst die Hoffnung, dass alles sei doch nur die Tat eines Wahnsinnigen gewesen.

Nach dem zweiten Mord geschieht zwei Monde lang nichts mehr. Doch es bleibt eine trügerische Hoffnung. Das Licht am Ende der Höhle, von dem man glaubt es sei der Ausgang. Hat man es erreich stellt man jedoch fest, dass man es niemals erreichen kann. Der 2. Eisfrost ist jener Tag, an dem diese letzte Hoffnung verfliegt. Es ist nicht die Tat eines Wahnsinnigen oder Sinn und Verstand. Der irrwitzige Glaube, es ginge von allein vorüber, erstickt in einer Wahrheit, die niemand so recht glauben will, doch die Augen vor ihr zu verschließen wagt niemand.

Bei der Leichenschau überschlagen sich seine Gefühle in einer endlosen Woge aus Gleichgültigkeit. Die sehnige aber recht kräftig anmutende Frau entspricht erst so gar nicht den anderen Opfern zuvor. Doch je länger er darüber nachdenkt, je mehr die Leichenschau voranschreitet, desto klarer wird das Unfassbare. Die endgültige Bestätigung erbringen jedoch seine Untersuchungen im Anschluss an die Leichenschau.

Im Magen der Unbekannten hatten die Maester und er eine eigenartige Flüssigkeit gefunden. Dem Geruch nach zu urteilen handelt es sich um Wein, doch Kräuter und nähere alchimistische Überprüfungen deuten auf etwas anderes hin. Mohnblumensaft und Reste von Seharimfanfaren sprechen für den Gelehrten eine deutliche Sprache. Er ist sicher, dass es sich dabei nur um die Reste des Giftes Bab el Sama handeln kann. Jenes Gift, welches ihm seine Mutter mit den Worten: "Es ist der Hauch Sithechs und die barmherzige Hand Faêyris. In den falschen Händen jedoch ist es die Dunkelheit des Bösen." Bab el Sama oder auch die Tür zum Paradies wie es von Laien genannt wird hatte diese Frau heimlich und ohne jede Möglichkeit der Gegenwehr niedergestreckt.

Es ist beinah grotesk, aber die Natur scheinen diese Grausamkeiten nicht zu kümmern. Der Taumond und Sturmwind ziehen vorrüber und die Pflanzen erblühen auf ein Neues. Vögel zwitschern, als wäre nie etwas geschehen. Wolken ziehen am Himmeln vorbei, als müssten sie Talyra nicht einmal eines Blickes würdigen. Aramrius schmerzt es, wenn er wie auch heute hinüber zur Harfe geht, wo sie Gruppe inzwischen immer wieder in einem Zimmer sich zusammen findet um die aktuellen Fakten durchzusprechen, die Hoffnung auf Neuigkeiten niemals aufgebend.

Die Zeit brachte Gerüchte mit sich, von denen die meisten so haltlos waren, wie ein welkes Blatt im Wind. Immer wieder hatten Sie Ideen, scheinen Spekulationen Anlass zu geben doch noch den Mörder zu ergreifen. Doch statt dessen ist es nun soweit gekommen, dass sogar das Innarifest abgesagt wurde, auf dass sich der Alchemist doch so sehr gefreut hatte. Aber wer will schon angesichts dieser Morde feiern?

Er ist ein wenig hin und her gerissen, doch diesmal hat er sich entschieden, alle Vermutungen die ihm glaubwürdig erscheinen, alle Fakten die er kennt noch einmal geordnet zusammen zu tragen und so vielleicht doch noch die eine Spur zu finden, die sie zu dem Mörder führen würde. So gelangt der Weißbart auch diesmal mit einem Pergament in der Hand an jener Tür in der Harfe an und öffnet sie.

Vielleicht ist es ja diesmal die Tür zur Hoffnung, denkt er bei sich, als er den Raum betritt. So wie er es schon so viele Male zuvor tat.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Erzähler... am 15. Mai 2008, 12:21 Uhr
Ein magerer Bengel, vielleicht elf oder zwölf Jahresläufe alt, hüpft eilig die Stufen zum Eingang der Goldenen Harfe hinauf. Seine Kleidung ist abgerissen und staubig, die fadenscheinigen Hosen schon vielfach geflickt und die bloßen Füße starren förmlich vor Dreck. Seinem ärmlichen Aussehen zum Trotz hat er jedoch eine so wichtigtuerische Miene aufgesetzt, als wäre er der Botschafter der Drachenkönige persönlich, und seine Fracht, die er mit beiden Armen fest umklammert hält – ein in Pergament eingeschlagenes Paket, das seinem Keuchen nach ziemlich schwer sein muss - mindestens deren Thronschatz. Das Kerlchen scheint es fürchterlich eilig zu haben, in die Harfe zu kommen, stößt jedoch an der massiven Eingangstür auf ein unerwartetes Hindernis: einen kleinen Mann mit wallendem Bart und langem, weißen Haar, der von einem überdimensionalen blauen Spitzhut gekrönt wird. Am Eingang hält der Bärtige kurz inne, als ob er überlegen würde, ob er mitsamt diesem Turmbau von Hut überhaupt unter dem Türsturz hindurchpassen würde, und prompt prallt der Junge bei dessen plötzlichem Halt mit der Stupsnase voraus in den blaubemäntelten Rücken und ein wahres Meer weißen Haupthaars.  

"Verpfeihung, Fire", nuschelt er entschuldigend, den Mund voller Haare, und drängelt sich unter Einsatz seiner knochigen Ellbogen an dem spitzhuttragenden Hindernis vorbei, das einer erfolgreichen Ausführung seiner Mission eindeutig im Weg steht. "Ich hab'f freckliff eilig." Flink wie ein Wiesel ist er in der Gaststube verschwunden, hinterlässt eine Menge staubiger Fußabdrücke auf den frisch gewienerten Bodendielen und sieht sich im nächsten Augenblick einem schürzentragenden Zwerg gegenüber, der ihn anstarrt, als wolle er gleich Hackfleisch aus ihm machen. "Junge....", knurrt dieses rotbärtige Muskelgebirge drohend und zeigt auf die staubigen Spuren, doch bevor es auch nur ansatzweise zu einer Ausführung dessen kommt, was er mit Straßenjungen machen wird, die ihm die Wirtsstube einsauen, fällt ihm der Bengel auch schon ins Wort: "Ihr feid Meifter Borgil, oder? Bäh ..." Angewidert spuckt er die letzten weißen Haare aus. "Ich habe etwas abzugeben, etwas sehr Wichtiges. Es ist für die Leute von der Steinfaust, sind die hier?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 15. Mai 2008, 20:55 Uhr
Borgil traut seinen Augen nicht, als ihm der verstaubte Dreikäsehoch die ganze, frisch gebohnerte Gaststube mit seinen Fußabdrücken pflastert, aber seinen Ohren traut er bei dem wichtigtuerischen Redeschwall, den der Knirps so angestrengt hervorsprudelt, noch viel weniger. "Leute von der Steinfaust?" Echot der Zwerg und seine dichten Brauen rutschen auf der narbigen Stirn bedenklich weit nach oben. "Hier sind keine Blaumäntel, du Naseweis, aber da hinten ist ein Besen und du wirst jetzt gleich..."
"Nein, nein, Meift... ich mein' Meister Borgil. Keine Blaumäntel, die anderen. Die wegen der...", der Junge senkt die Stimme zu einem bedeutungsvollen Flüstern, "der Morde ermitteln..." Der Bengel tritt von einem Fuß auf den anderen, als würde er sich gleich in die Hosen pinkeln und Borgil nimmt ihm stirnrunzelnd das schwere Paket ab. Die einzigen, die wissen, dass die "Ermittlertruppe" der Steinfaust (nach Borgils bescheidener Meinung das reinste Himmelfahrtskommando, aber das ist nicht sein Bier, sondern Olyvars) hier in der Harfe residiert (und das seit Monden erfolglos) sind die übrigen Stadtratsmitglieder und die Männer der Stadtgarde. "Ich nehme das," knurrt der Zwerg. "Und du verschwindest, bevor Halla dich erwischt und dich die ganze Wirtsstube schrubben lässt. Tu mir nur einen Gefallen und mach nicht noch mehr Dreck, wenn du raus gehst." Gedankenverloren schnippt der Zwerg dem grinsenden Bengel einen Kupferling als Botenlohn zu und der Kleine lächelt bis über beide Ohren und das tropfenförmige Muttermal auf seiner Wange, dann flitzt er davon, als sei der Dunkle persönlich hinter ihm her. Kaum hält Borgil jedoch das unbekannte Präsent in den schwieligen Zwergenpranken, entwickelt das raue Pergament, in das es eingeschlagen ist, ein bedenkliches Eigenleben und entfaltet sich raschelnd. Zum Vorschein kommt ein dickes, ledergebundenes Buch von sicherlich 30 Sekheln Höhe, 25 Sekheln Breite und mindestens fünf Fingern Dicke. Es ist abgewetzt und abgegriffen, doch das Leder ist seidenglatt und von wundervoller, weinroter Farbe. Das Auffälligste daran ist jedoch der faustgroße, rund geschliffene Stein in der Mitte des Buchdeckels, der, in kostbares Silber gefasst, in schimmernden Pastelltönen leuchtet. Er glänzt in allen Nuancen von zartem Pfirsich über hellstes Lavendelblau bis hin zu warmem Honiggold und glüht in allen Schattierungen zugleich, je nachdem, wie sich das Licht in seiner Oberfläche bricht. Borgil, noch immer verblüfft, starrt auf das Buch in seinen Händen, als die Farben im Stein in Bewegung geraten und geradewegs aus seinen Tiefen zwei Wörter aufschimmern, die an die Oberfläche des Kristalls steigen wie Luftblasen in einem Teich.

Lies mich...
 

Vor Schreck hätte Borgil das verwünschte Ding fast fallen lassen, und der Zwerg ist wahrlich nicht leicht zu erschüttern. "Hmph!" Grunzt er verärgert und knallt das Buch vernehmlich auf den blank polierten Tresen. "Cobrin, Troilus und Cassandra! Verdammtes Zauberwerk, das hat mir grade noch gefehlt..." Mit solchen und ähnlich aufgebrachten Worten nuschelt Borgil eine Verwünschung nach der anderen in seinen gestutzten Zwergenbart, während er unter lautem Klappern ein Tablett mit Cofea, Kuchen und Gebäck für die kleine Gruppe zusammenstellt, die sich in seinem Hinterzimmer wie jeden Tag die Köpfe heiß redet. "Olyvar, ich schwöre dir, das kostet dich was..." Als er alle Teller und Tassen, Tee und Cofeakannen, den Rahm, das Schälchen mit dem kostbaren Zucker und die Kuchenteller aufgeladen hat, klemmt er sich noch die vermaledeite magische Schwarte unter den Arm und bringt alles in den Nebenraum. Allen Göttern sei Dank ist der weißbärtige Alchemist auch gerade auf dem Weg dorthin und öffnet Borgil die Tür, sonst hätte er das Buch vermutlich noch in Tee und Cofea ertränkt, weil auch er keine fünf Hände hat. Alle sind versammelt - Aurian, Kaney, der laiginische Seefahrer, die beiden mageren, magischen Hühnchen, die Borgil am liebsten in seiner Küche angekettet und eine Weile gemästet hätte, damit sie endlich etwas auf die Rippen bekämen, Faron der Faun, die Schmiedin Sayila, mit der er schon das ein oder andere fachsimpelnde Gespräch über Eisen und Stahl geführt hatte, Tiuri natürlich, der ziemlich gefrustet dreinblickt und Armarius, der hinter ihm die Tür schließt. "Danke, Maester Kar'Shei," brummt Borgil und lädt alles auf dem Tisch ab. "Ich habe hier eine kleine Stärkung für euch alle. Ach ja... und das hier. Wurde gerade für euch abgegeben." Borgil legt das Buch mitten auf den Tisch und beobachtet kopfschüttelnd, wie sich neun neugierige Augenpaare darauf richten, als prompt ein erneutes

Lies mich...


im Stein erscheint. Pff. Jetzt schickt man ihnen schon magische Bücher, um ihnen Botschaften zu überbringen. Ein Geheimschrift hätte es doch auch getan... dann zieht er sich zurück und überlässt die Truppe wieder ihren Beratungen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Erzähler... am 15. Mai 2008, 20:56 Uhr
Mitten auf dem Tisch, zwischen dampfenden Teekannen, Bechern, Zuckerdosen und Rahmkrügen liegt das Buch, der Einband aus rotschimmerndem Leder abgegriffen und glattgewetzt, die silbernen Beschläge dunkel vom Alter. Es macht den Eindruck, schon sehr häufig gebraucht worden zu sein, doch trotzdem wirkt es kostbar und ehrwürdig, wie ein Überbleibsel aus längst vergangenen Zeiten. Eine unwiderstehliche Aura umgibt das Buch, vibrierend wie Magie und Zauberwerk. Der rundgeschliffene Stein auf dem Buchdeckel schimmert im Licht und in seinem Inneren sind deutlich die Worte zu erkennen:

Lies mich...


Was wollt ihr tun ? Schlagt ihr das Buch auf und schaut euch die erste Seite an?

(Bitte geht alle in Planungsboard und teilt uns in dem entsprechenden Thread eure Antwort mit. Erst dann geht es weiter.)

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Armarius-Kar-Shei am 16. Mai 2008, 17:19 Uhr
Der Weißbart in völlig in Gedanken verloren, als er vor der Goldenen Harfe anlangt. Immer wieder war die Notizen durchgegangen, ob er noch etwas übersahen hat und gerade als er eintreten will kommt ihm ein weiterer Verdacht. Wie vom Blitz getroffen und ohne jede Vorwarnung hält der Alchimist vor der Türe inne.

Was ist wenn..., weiter kommt er mit seinen Gedanken nicht, als ihn jemand wesentlich kleineres und das ist bei Armarius Körpergröße nicht unbedingt oft der Fall, geradewegs versucht über den Haufen zu rennen.

„Autsch!“ ruft der Weißbart, denn wer auch immer hat ihm glatt in die Wade getreten. Allerdings scheinen es keine Holzpantoffeln zu sein. Schnell wendet er den Kopf um seiner Entrüstung Ausdruck zu verleihen. Doch sogleich spürt er die Ellenbogen des Bengels, der sich geradewegs mit den Worten > Verpfeihung, Fire < an ihm vorbei drängelt. > Ich hab'f freckliff eilig. < wirft ihm der Knirps noch entgegen, bevor er flink wie eine Maus im Getümmel des Gasthauses verschwindet.

Sogleich bemerkt er die dreckigen Fusstapsen auf dem sonst sehr sauberen Boden der Goldenen Harfe. Einige Augenblicke und Handbewegungen später, stellt er fest, dass wohl nicht nur die Füsse des Bengels über und über mit Dreck besudelt waren, sondern wohl auch seine Kleidung.

Mit einem Seufzer quittierend begibt sich Armarius in Richtung jenes Hinterzimmers, in dem sich die Ermittlergruppe schon seit einigen Monden traf um bisher vergeblich über mögliche Neuigkeiten und Spuren zu diskutieren.

Hm, ich hatte doch gerade noch eine Idee? grübelt er, doch der Bengel hatte wohl nicht einige seiner Haare, sondern wohl auch jene Idee mitgehen lassen. Verdammt, dabei war der Gedanke doch gar nicht so abwegig. Mit diesem Gedanken öffnet der Alchimist die Tür zum Hinterzimmer, als er aus dem Augenwinkel Borgil bemerkt, der vollbepackt und mit einem etwas rätselhaften Gesichtsausdruck heran kommt.

Krüge in der einen Hand, ein Tablett mit allerlei Gebäck in der Anderen und zu guter Letzt einem unter dem Arm geklemmten Buch überlegt sich Armarius, während er dem Besitzer der Goldenen Harfe die Tür offen hält. Was, ein Buch?

Sicherlich, soviel weiß der Alchimist noch nicht über Borgil, aber mit einem auch noch auf den ersten Blick recht wertvollen Buch durch das Gasthaus zu laufen, war bisher nicht seine Art.

> Danke, Maester Kar'Shei <, brummt der Zwerg den Weißbart an. Etwas irritiert blickt Armarius drein und dem wandelnden Muskelpaket hinterher, während er die Tür schließt. Noch bevor jemand etwas hätte sagen oder fragen können, stellt Borgil die Krüge und das Tablett auf den Tisch und lässt das Buch mehr oder minder mit auf den Tisch fallen. Es hat ein wenig den Anschein, als wenn ihm irgend etwas nicht ganz geheuer zu sein scheint.

> Ich habe hier eine kleine Stärkung für euch alle. Ach ja... und das hier. Wurde gerade für euch abgegeben. < Bei diesen Worten deutete er auf das Buch, welches sogleich die Blicke aller Anwesenden auf sich zog. Wie auf Bestellung erscheinen unter der Oberfläche  des eigenartigen Kristalls in der Mitte des Buchdeckels zwei Worte:

Lies mich...


Das Buch scheint recht wertvoll, aber schon oft genutzt worden zu sein. Dennoch wirkt es sehr edel und hat eine ehrwürdige und zugleich geheimnisvolle Ausstrahlung.

Obwohl Armarius ein mulmiges Gefühl bei der ganzen Sache hat, dauert es nicht lange, bis ihn seine Neugier übermannt. Als würden alle auf den großen Knall warten, greift erstaunlicher Weise niemand ein, als die Hand des Weißbarts den Buchdeckel aufklappt und die erste Seite freigibt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Erzähler... am 16. Mai 2008, 17:26 Uhr
Diejenigen, die es wagen wollen, öffnen das Buch, während andere sich im Hintergrund halten und misstrauisch die Geschehnisse verfolgen, zu argwöhnisch, um einen Blick hinein zu wagen. So sind es nur Frey, Aurian, Armarius, Kaney, Tiuri und Lilith, die ihre Köpfe über das Buch neigen und neugierig die erste Seite beäugen. Vielleicht mag die eine oder andere Schutzrune geschlagen, der ein oder andere Hilfe heischende Stoßseufzer an die Götter oder auch ein kleinerer Schutzzauber gesprochen worden sein in der illustren Runde der Ermittler, doch es nützt ihnen alles nichts, denn die erste Seite des Buches ist aus feinstem Pergament, glatt und seidig, und vollkommen - leer.

Noch während alle Augen jener, die sich ein Herz gefasst und das Buch geöffnet hatten, um hineinzusehen und so vielleicht etwas zu erfahren, perplex auf das weiße Nichts starren, tauchen haarfeine Linien in der Oberfläche auf, verbinden sich, werden größer und klarer und schließlich steht dort ein kleiner Vers zu lesen - doch wundersamer Weise ist es nicht für jeden der gleiche Reim, der auf der ersten Seite des "Lies mich!" erscheint, jeder der sechs Mutigen sieht andere Worte und auch nur die für ihn bestimmten.


Kaney:
Das Buch wurde geöffnet. Auf der ersten Seite erscheinen für dich folgende Verse:

Unter Birken, unter Linden,
wirst du viele Blumen finden,
Sprich zu ihnen jederzeit
auf dass dich nicht der Tod ereilt!
An diesen Reim wirst du gebunden,
übersteh' ein Dutzend Stunden
und du sollst es nicht bereuen,
darfst dich an einem Kleinod freuen!



Frey:
Das Buch wurde geöffnet. Auf der ersten Seite erscheinen für dich folgende Verse:

All die schauderhaften Weiber,
Und dann ihre graus'gen Leiber,
Oh du armer, kleiner Wicht
Fürchte sie, vergiss das nicht!
An diesen Reim wirst du gebunden,
übersteh' ein Dutzend Stunden
und du sollst es nicht bereuen,
darfst dich an einem Kleinod freuen!
 


Armarius:
Das Buch wurde geöffnet. Auf der ersten Seite erscheinen für dich folgende Verse:


Fluche tobe und krakele
Schrei den Frust dir von der Seele
Wann immer du auftust den Mund  
Erklingt "Verdammt!" im Weltenrund.
An diesen Reim wirst du gebunden,
übersteh' ein Dutzend Stunden
und du sollst es nicht bereuen,
darfst dich an einem Kleinod freuen!



Aurian:
Das Buch wurde geöffnet. Auf der ersten Seite erscheinen für dich folgende Verse:


Wo man singt, da lass dich ruhig nieder,
böse Menschen kennen keine Lieder...
An diesen Reim wirst du gebunden,
übersteh' ein Dutzend Stunden
und du sollst es nicht bereuen,
darfst dich an einem Kleinod freuen!



Lilith:
Das Buch wurde geöffnet. Auf der ersten Seite erscheinen für dich folgende Verse:


Lug und Trug sind deine Stärken
Die Ehrlichkeit nicht deine Welt
Doch Lügenzunge muss sich merken
Von Stund an nur noch Wahrheit zählt.
An diesen Reim wirst du gebunden,
übersteh' ein Dutzend Stunden
und du sollst es nicht bereuen,
darfst dich an einem Kleinod freuen!



Tiuri:
Das Buch wurde geöffnet. Auf der ersten Seite erscheinen für dich folgende Verse:


Denn wo das Strenge mit dem Zarten,
Wo Starkes sich und Mildes paarten,
Da gibt es einen guten Klang.
Drum prüfe, wer sich ewig bindet,
Ob sich das Herz zum Herzen findet!
Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.
An diesen Reim wirst du gebunden,
übersteh' ein Dutzend Stunden
und du sollst es nicht bereuen,
darfst dich an einem Kleinod freuen!




Kaum hat auch der letzte den merkwürdigen Vers entziffert, der wie von Geisterhand auf der zunächst völlig leeren Seite augenscheinlich nur für ihn dort erschienen und wieder verblasst war, klappt das Buch von ganz allein mit einem vernehmlichen Schnappen wieder zusammen und erwischt dabei fast Freys vorwitzige Nasenspitze. Eine höchst seltsame Stimmung breitet sich im Nebenzimmer der Harfe aus. Bevor jedoch auch nur irgendjemand ein Wort verlieren kann, beginnt das Buch zu zittern und zu beben, und der anfänglich so wunderschöne, regenbogenfarbene Kristall in seinem Einband verfärbt sich mit einem Mal blutig rot und unheilvoll dunkel. Finstere Schlieren kreisen in den purpurnen Schatten in der Mitte des Kristalls, dann fliegt das Buch förmlich wieder auf und mit einem lauten Ratschen löst sich die erste Seite des feinen Pergaments, schwebt ein paar Sekhel in die Höhe, faltet sich in wahrhaft bemerkenswerter Geschwindigkeit zu einer gehässigen Fratze - falls man ein Stück Papier so bezeichnen kann - , rauscht in die Höhe, holt vernehmlich Luft, blickt aus dunklen Sehschlitzen drohend in die Runde und kreischt mit einer Stimme wie hundert heisere Banshees im Chor: "Ihr Unwürdigen, die ihr es gewagt habt, das "Lies mich!" zu ignorieren, seid verdammt!


Bis ans Ende eurer Tage,
Müsst ihr eure Bürde tragen,
nur ein Diener der Zwölf Mächte
euch zu erlösen er vollbrächte!

Hättet ihr den Mut gefunden,
Und euch nicht in Angst gewunden,
Nur zwölf lächerliche Stunden,
Hätt' euch dieser Fluch gebunden.

Doch wer feig' ist, muss bezahlen,
Muss winden sich in Höllenqualen
- oder einen Weg ersinnen,
Um dem Banne zu entrinnen!



Faron, feiger Faunenmann
Hast das "Lies mich!" ignoriert
dafür Strafe dir gebührt!

Es führt über den Rhaín,
Eine Brücke aus Stein,
wer darüber will gehen,
muss im Tanze sich drehen...



Sayila Arachelza, Angsthasenschmiedin
Hast das "Lies mich!" ignoriert
dafür Strafe dir gebührt!

Schalte, walte, Sorge trage
Dass ein jeder Mann sich frage
Warum er nicht längst gefreit
Eine derart tücht'ge Maid.


Atevora Lady Magiermemme
Hast das "Lies mich!" ignoriert
dafür Strafe dir gebührt!

So freundlich und bescheiden wie die Veilchen im Grase stehen,
So freundlich und bescheiden sollst du fortan durchs Leben gehen."



Keine 30 Sekunden, nachdem das magische Blatt Pergament verstummt ist und seine Drohungen in die Runde gezetert hat, verschwindet das Buch und das Stück Papier mit einem leisen Plopp und einem dramatischen Rauchwölkchen.

Was das "Lies mich!" genau für euch bereithält und wie die Konsequenzen eures Handels sind, erfahrt ihr im Planungsbord

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lilith am 17. Mai 2008, 10:06 Uhr
Im Hinterzimmer der Goldenen Harfe haben sich alle bis auf den Alchemisten eingefunden und leises Getuschel füllt den Raum. Jeder der Ermittlertruppe scheint darauf erpicht zu sein, dass endlich etwas passiert und die Unruhe ist deutlich zu spüren. Zusammen mit Shin sitzt Lilith in der dunkelsten Ecke des Raumes und die beiden Frauen unterhalten sich gerade über kürzlich gelesenen Aufzeichnungen, als die Türe mit einem leisen knarren aufgestossen wird.
Borgil, beladen mit einem Tablett voller Köstlichkeiten und Armarius, welcher wie immer einen etwas zerzausten Eindruck macht, treten in den Raum ein und schliessen die Türe. Der rothaarige Zwerg setzt mit einem etwas grimmigen Gesicht das Tablett auf den Tisch und schaut in die Runde. >"Ich habe hier eine kleine Stärkung für euch alle. Ach ja... und das hier. Wurde gerade für euch abgegeben."< Erst jetzt sieht Lilith, dass der Zwerg ein grosses, in weinrotes Leder gebundenes Buch unter seinem Arm trägt, welches er jetzt mit angewidertem Gesichtsausdruck auf den Tisch legt. Liliths Fingerspitzen kribbeln bei dem Anblick des Buches, als würden ihre Hände in einen Topf mit Weberameisen stecken und ihr Herz macht einen kleinen Sprung. Neugierig und doch etwas misstrauisch, schaut sie sich den Ledereinband genau an. Das Buch scheint sehr alt und wertvoll zu sein, das weinrote Leder ist abgegriffen doch von so guter Qualität, dass es nicht brüchig ist. In der Mitte des Einbandes sitzt ein in Silber eingefasster Stein, welcher in den wundervollsten Farben schimmert. Die Farben beginnen sich plötzlich  zu drehen, sich zu einem Strudel zu formen, was Lilith dazu bewegt noch näher heran zu gehen. Gerade will sie die merkwürdige Materie berühren, als aus den Tiefen des Steins die Worte:

                             
Lies mich


heraufsteigen. Erschrocken springt Lilith einen Schritt zurück und starrt wie gebannt auf die beiden Worte, bevor sie sich dem Buch langsam wieder nähert. Wie in Trance will die Magierin gerade ihre Hand nach dem vibrierenden Buch ausstrecken, als Armarius ihr zuvorkommt und vorsichtig den Deckel öffnet. Lilith schnappt nach Luft und schlägt einen kleinen Schutzzauber, bevor sie sich wie einige Andere ebenfalls über die erste Seite beugt. Im ersten Moment passiert nichts und Lilith will schon ihre Endtäuschung über die leere Seite kundtun, als feine Linien auf dem weissen Pergament erscheinen, sich zu Worten bündeln und schlussendlich ein Vers zu lesen ist


Lug und Trug sind deine Stärken  
Die Ehrlichkeit nicht deine Welt  
Doch Lügenzunge muss sich merken  
Von Stund an nur noch Wahrheit zählt.  
An diesen Reim wirst du gebunden,  
übersteh' ein Dutzend Stunden
und du sollst es nicht bereuen,
darfst dich an einem Kleinod freuen!


Mit weit geöffneten Augen starrt Lilith auf die Worte. Ihr Herz hämmert in ihrer Brust, so dass sie kaum noch Atmen kann und ihre Hände umklammern verkrampft den schwarzen Magierstab. Kaum hat sie den Text zu ende gelesen, klappt das Buch mit einem Knall zu und Kaney, Aurian, Frey, Tiuri, Armarius und sie selber springen wie von einer Sandhornisse gestochen zurück. Für einen Moment herrscht totenstille, doch dann fängt das Buch an zu beben und zu zittern und die Regenbogenfarben des Steins verwandeln sich in hässliche Schlieren. Wie dunkles Blut, ergiesst sich die Farbe in den Stein bis er unheimlich düster schimmert. Bebend springt der Buchdeckel wieder auf, die erste Seite löst sich mit einem lauten Ratschen vom Rest des Buches und schwebt unheilvoll in die Höhe.

Mit vor Schreck geweiteten Augen beobachten die Ermittler, wie sich die Seite in eine hässliche Fratze verwandelt und mit lauter, kreischender Stimme das Unheil verkündet: >"Ihr Unwürdigen, die ihr es gewagt habt, das "Lies mich!" zu ignorieren, seid verdammt!“<
Nach dem es die Flüche ausgerufen hat, verschwindet das Pergament wie auch das Buch in einer Rauchwolke und zurückbleiben nur die neun, vor Schreck gezeichneten, Freunde.

In Liliths Kopf drehen die Gedanken wie wild gewordene Pferde. Noch immer pocht ihr Herz so hart gegen ihre Brust, das sie Angst hat es müsse gleich platzen. Schweissperlen glänzen auf ihrem weissen Gesicht, ihre grünen Augen starren in die Leere und mit ihrem halboffenen Mund sieht sie aus wie ein hypnotisiertes Kaninchen. „Bei den Göttern, was ist denn bloss passiert?“ Lilith dreht sich um und ihr Blick fällt zuerst auf den grossen Faunenmann, welcher anmutig wie ein Breeschwein durch den Raum tanzt. „Die Flüche…sie, sie wirken wirklich!“ Langsam beruhigt sich die Magierin wieder, versucht sich die Worte in Erinnerung zu rufen, welche in dem Buch standen und erblasst noch mehr, falls dies überhaupt möglich ist. „…von Stund an nur noch Wahrheit zählt…bei allen neun Höllen, das kann doch nicht Wahr sein! Erzählen etwa jetzt alle nur noch die Wahrheit?“

Genervt von dem Hufgetrappel des Faunen dreht sich Lilith nach dem tanzenden Stallmeister um und will ihn zurechtweisen, doch sie kann ihre Worte nicht zurechtlegen wie sonst und so sprudeln ihre Gedanken eins zu eins aus ihrem Mund, bevor sie etwas dagegen tun kann: „Halt dich doch endlich still du missratenes Etwas!“ Lilith schlägt sich die Hand vor Schreck auf den Mund und schaut entschuldigend zu Faron. „Es tut mir überhaupt nicht leid.“ Sagt sie in entschuldigendem Tonfall und merkt dann erst, dass sie schon wieder nicht kontrollieren konnte, was sie da eigentlich gesagt hat. „Ich darf nichts sagen, bei den Göttern…ich darf einfach nichts mehr sagen.“ Die sonst so kühle und gelassene Magierin wirkt auf einmal hilflos,verloren und aufgelöst. Stolpernd geht Lilith rückwärts bis sie an der Wand steht, hält ihren Stab abwehrend vor sich und schaut mit vor Schreck gezeichneten Gesicht zu, was dieses Buch mit der sonst so geordneten Gruppe angestellt hat.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 17. Mai 2008, 14:22 Uhr
Mit Amarius und Borgil kommt nicht nur der angenehme Duft von Cofea und Kuchen in die kleine Stube. Borgil überreicht ihnen ein dickes, in Ledergebundenes Buch, mit einem schön geschliffenen Stein in dem die Worte „Lies mich“ geschrieben stehen.
Von dem Buch geht eine Art Knistern aus, das Tiuri nicht erklären oder verstehen kann, aber irgendwie zieht es ihn magisch an. Still schweigend sehen sie sich an und sind sich nicht sicher ob sie das Buch denn überhaupt öffnen sollen. Woher kommt es? Wer hat es geschickt? Warum gerade ein magisches Buch? Macht das irgendeinen Sinn?
Noch ehe irgendjemand Einspruch erheben kann greift der Alchimist schließlich nach dem verhexten Wälzer und öffnet ihn. Sofort beugt sich Tiuri über das große Buch um zu lesen was denn nun tatsächlich dort geschrieben steht, denn die Magie ist ihm zwar etwas unheimlich und es ist ihm durchaus bewusst, dass sonst jemand dieses Buch geschickt haben könnte, aber er schließlich folgt er wie meistens dem Wahlspruch „Wer nicht wagt der nicht gewinnt“. Aufgeregt hält er den Atem an und sieht… nichts.
Kurz ist der junge Mann verwirrt, blickt zu den anderen hinunter, denn er hat sich um etwas sehen zu können, einfach über sie drüber gebeugt, aber dann erscheinen auch schon feine Linien die sich zu schön geschwungenen Buchstaben formen und schließlich ein kleines Gedicht formen.

Denn wo das Strenge mit dem Zarten,  
Wo Starkes sich und Mildes paarten,  
Da gibt es einen guten Klang.  
Drum prüfe, wer sich ewig bindet,  
Ob sich das Herz zum Herzen findet!  
Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.  
An diesen Reim wirst du gebunden,  
übersteh' ein Dutzend Stunden
und du sollst es nicht bereuen,
darfst dich an einem Kleinod freuen!


Verwirrt starrt Tiuri auf den seltsamen Reim, versteht rein gar nichts, außer, dass irgendetwas von nun an 12 Stunden dauern wird und dass er dafür aber schließlich belohnt werden soll. Drum prüfe wer sich ewig bindet…? Für Tiuri klingt das schwer nach Heirat und das jagt ihm allerdings einen gehörigen Schrecken ein. Es bleibt ihm aber keine Zeit weiter darüber nach zu denken, oder auch nur irgendetwas zu sagen, denn der Mund bleibt ihm offen stehen als sich die Seite aus dem Buch löst und sich tatsächlich wie von Geisterhand zu einer gehässig dreinblickenden Fratze formt. Tiuris Kinnlade kommt jetzt schon beinahe am Harfenboden zu liegen als die Fratze auch noch zu sprechen… oder besser gesagt zu kreischen beginnt und wild mit gereimten Flüchen um sich wirft.
Auch jetzt bleibt ihnen keine Zeit eventuell die Hand zu heben und zu sagen: Moment, ich hätte da noch eine Frage…, denn sowohl die Pergamentsfratze als auch das schöne rote Buch verschwinden mit einem leisen Plopp, das Tiuri irgendwie an Olyvars Skriptor Pumquat erinnert, und einem Rauchwölkchen das sie kurz zum Husten bringt.
Beinahe im gleichen Moment beginnt Faron durch den Raum zu hopsen dass der Boden bebt und Tiuri sich fragt ob der Faun irgendwelche Schmerzen hat.
>Die Flüche…sie, sie wirken wirklich!< stellt Lilith neben ihm verblüfft fest, nur um gleich darauf hin den Faun anzuschnauzen er soll endlich damit aufhören und auch wenn sie sich die Hand vor den Mund schlägt, sie verkündet trotzdem, dass ihr das auch kein bisschen leid tut.
Währenddessen bekommt Tiuri so ein seltsames Gefühl in der Halsgegend, als wolle irgendetwas aus ihm heraus brechen und während er sich fragt ob in seinem Hals ein Frosch steckt und was die Paarung von Starkem und Mildem damit zu tun haben, dass Lilith scheinbar jeglichen Anstand und Höflichkeit verloren hat, platzt es auch schon aus ihm heraus.
Ganz automatisch greift er nach Aurians Hand, denn die Magiernovizin steht direkt zu seiner Linken und drückt sie sanft während er mit etwas verzweifeltem Blick nicht aufhören kann zu sprechen.

„Ich weiß nicht, was über mich gekommen,
Hab mich oft sehr blöd benommen.
Ich weiß ich war eine rechte Plage,
und du immer so nett die letzten Tage.
So will ich sagen „es tut mir leid“,
bist auch du mir zu vergeben bereit?“

Leicht erschrocken über den seltsamen Blödsinn den er da von sich gibt, schlägt sich Tiuri die Hand auf den Mund um ihn daran zu hindern weiter zu sprechen. Doch er spürt schon wie seine Lippen sich unter seiner Handfläche schon wieder bewegen um fort zu fahren und so sehr er sich auch bemüht, er kann die Hände nicht vor dem Gesicht halten um sein Gefasel wenigstens unverständlich zu machen.
Während er sich noch dreht und windet hält er schließlich ganz automatisch vor Lady Shin an und beginnt schon wieder sich zu entschuldigen.

„Während du in der Harfe dem Mörder geharrt,
hab ich ständig nur auf deinen Hintern gestarrt.
Das war nicht richtig, ich weiß jetzt Bescheid,
und möchte dir sagen es tut mir sehr leid!“

Er kann seine Dichtermuse nur kurz mit einem Wimmern unterbrechen, dann wendet er sich auch schon an die immer noch leicht entsetzt drein schauende Lilith, die dicht an der Wand steht und aussieht als wollte sie ihn mit ihrem Magierstab verprügeln.

„Es tut mir Leid, dass ich dir nicht glaubte,
Dir bei unserer ersten Begegnung misstraute.
Ich hoffe du wirst es mir nicht nachtragen,
ich kann nur noch ein Mal Entschuldige sagen!“

Tiuri versucht schon gar nicht mehr sich dagegen zu wehren, beinahe schon lächelnd wendet er sich Sayila zu und fährt weiter fort.

„Hinter deinem Rücken hab ich dich zickig genannt,
doch da hab ich dich auch noch nicht so gekannt.
Verzeih ich will versuchen mich zu bessern,
und nie wieder über irgendwen zu lästern.“

Innerlich schon darauf gefasst sich jetzt weiter zu drehen und sich auch bei den anderen mit den dämlichsten Reimen zu entschuldigen, scheint der Zauber aber fürs erste einmal vorbei zu sein. Vorsichtig schaut er von einem zum andern, wünscht sich ein Loch im Harfenboden in das er verschwinden kann und versucht sich dann an einem sinnvollen Satz.
„Was bei allen neun Höllen war das?“

Langsam beginnt Tiuri den Reim und seine wahnsinns Poesieattacke zu verstehen und er muss wirklich nicht lange darüber nachdenken warum dieser Fluch gerade ihn ereilt hat, denn im Zusammenhang mit Frauen kommen ihm einige Namen von ein paar armen Mädchen in den Sinn die er nicht besonders gut behandelt hat.  
"Ich glaube nicht, dass wir alle das gleiche gesehen haben..." Der Verdacht liegt nahe, denn außer ihm spricht keiner in Reimen und sogar Faron, in dessen Augen noch immer ein leicht entsetzter Ausdruck liegt, steht endlich wieder still.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Frey am 17. Mai 2008, 16:36 Uhr
Der Harfenwirt schiebt sich samt seinem Tablett mit dem ersehnten, duftenden Cofea durch die Tuer, die ihm Armarius aufhaelt und stellt es auf dem Tisch ab, ehe er das große, dicke Buch im weinroten ledernen Einband, das er unter dem Arm klemmen hat, dazu legt. <Ich habe hier eine kleine Stärkung für euch alle. Ach ja... und das hier. Wurde gerade für euch abgegeben.>, meint Borgil brummend, ehe er dann auch das Zimmer verlaesst, waehrend sich alle neugierig und gebannt ueber das Buch beugen, auf dessen Deckel ein großer, schimmernder Stein eingefasst ist, in dem ploetzlich zwei Worte zu erkennen sind.


Lies mich...



Frey blinzelt ein paar Mal, als wuerde er nicht glauben, was da gerade geschieht. Magie... Was bei allen neun Hoellenpforten ist das und wer hat es ihnen geschickt? Ihm bleibt keine Zeit, die Frage auszusprechen oder anzuzweifeln, ob das hier mit rechten Dingen vor sich geht, als Armarius schon den Buchdeckel aufklappt und die erste Seite erscheint, die zunaechst leer zu sein scheint. Kurz ist er ein wenig enttaeuscht und will sich auf seinem Stuhl, auf dem er sich zuvor herumgeluemmelt hat, wieder zuruecklehnen, als da etwas sonderbares geschieht. Seine Augen bleiben wie gebannt auf der Seite haften, als sich langsam in haarfeinen Buchstaben, die immer groeßer werden, eine Schrift abzeichnet, als wuerde sie gerade eben erst von unsichtbarer Hand geschrieben werden. Dass das ganze hoechst seltsam ist, ist nicht von der Hand zu weisen, doch die Neugierde ist staerker, als dass er sich dazu ueberwinden kann, die Augen abzuwenden. Er will lesen, was dort steht. Und er liest:


All die schauderhaften Weiber,
Und dann ihre graus'gen Leiber,
Oh du armer, kleiner Wicht
Fürchte sie, vergiss das nicht!
An diesen Reim wirst du gebunden,
übersteh' ein Dutzend Stunden
und du sollst es nicht bereuen,
darfst dich an einem Kleinod freuen!



"Was...?", entfaehrt es ihm und er runzelt die Stirn, als das Buch urploetzlich sich schon von selbst wieder zuklappt und Frey noch gerade rechtzeitig den Kopf zurueckziehen kann. Er starrt nur noch auf den Bucheinband, auf dem der Stein eine blutrote Farbe annimmt, ehe er heftig zusammenzuckt und von seinem Stuhl aufspringt, weil der Buchdeckel wieder aufschlaegt und die erste Seite sich herausloest, sich zu einem haesslichen Knautschgesicht wie von Geisterhand zusammenfaltet, um mit unheilvoll und mehrstimmig weitere Flueche loszukreischen und danach in Schall und Rauch zu verschwinden. Geschockt und Entsetzt starren die neun auf die Stelle, auf der das Buch noch eben gelegen hatte. Sein Herz haemmert in seiner Brust und das Blut rauscht nur so in seinen Ohren, als wuerde er direkt neben einem Wasserfall stehen.
Und ploetzlich bricht das Chaos in dem Zimmerchen der Harfe aus. Der Faun beginnt zu huepfen und einen albernen Tanz darzubieten, waehrend Lilith ihn barsch zurechtweist und ueber ihre eigenen Worte erschrocken scheint. Tiuri beginnt in Reimen sich an die Frauen im Raum zu wenden, was Frey nur entsetzt die Augen aufreissen laesst. "Bist Du des Wahnsinns, Mann?!" Er starrt die anwesenden Frauen alle nach der Reihe an, Lilith, Atevora, Sayila und Aurian, die genauso verwirrt und geschockt wirken wie die restlichen der Truppe. Mit einem Mal ergreift ihn die Panik und der Raum scheint sich zusammenzuziehen, so dass ihm dieser viel zu eng erscheint und er das Gefuehl hat, die Frauen wuerden ihm viel zu nahe kommen, was eine unangenehme Beklemmung in seiner Herzgegend erzeugt und ihm den Schweiß auf die Stirn treibt. Frey presst sich angstvoll gegen die naechste Wand und sieht sich hektisch nach einer Fluchtmoeglichkeit um, waehrend er sich an der Wand entlang schiebt um zur Tuer zu gelangen, die ihm trotz der Enge in diesem Raum viel zu weit weg erscheint. "Tiuri! Hilf mir! Ich muss hier raus!", wimmert er erst ziemlich erbaermlich und laesst die Stimme in Panik und Entruestung umschlagen, als der Bursche sich an die naechste wendet, um ihr seine Reime vorzutragen. "Und hoer auf, verdammt nochmal, Dich bei diesem verteufelten Weibsvolk zu entschuldigen! Die sind doch an dem Hexenwerk schuld!"
Was ist hier bloß los?! Hatte Bane Recht und ich haette die Finger von den Faellen lassen sollen? Der aberglaeubische Steuermann hat ihm regelmaessig in den Ohren gelegen und die Jammerei sogar auf fast taeglich verlegt, als die dritte Frau getoetet und mit leeren Augenhoehlen aufgefunden wurde. Er war froh, Bane zu entkommen, waehrend er mit Tiuri den Hafen abgeklappert und die Arbeiter dort befragt hatte, oder sich mit den anderen in der Goldenen Harfe zu den regelmaessigen Besprechungen zu treffen, wobei er zwischendurch sogar glaubte, Halluzinationen aufgesessen zu sein, als er - wenn auch nur fluechtig und beim Vorbeigehen - einen jungen Mann mit heller Haut und weissen Haaren im Schankraum der Harfe gesehen hat, den er zu kennen glaubt. Doch ganz genau konnte er bislang auch nicht herausfinden, ob es sich tatsaechlich um den jungen Burschen aus Tomberlaine handelt, und hatte es auch nicht geschafft Borgil danach zu fragen. Und nun sitzt er hier in diesem Zimmer fest, bei diesen schrecklichen Weibern und keiner der anwesenden Herren scheint auch nur in Betracht zu ziehen ihn zu retten. Sehen sie denn nicht, was hier vor sich geht?! Nein, stattdessen muessen sie reimen, tanzen, fluchen und das Schnittbluemchen auf dem Tisch in ein Gespraech verwickeln, wodurch sich Kaney einen sehr zweifelhaften Blick vonseiten des Piraten einhandelt.

Frey spuert das Fenster in seinem Ruecken und tastet blind nach dem Griff, waehrend er sich weiterhin aengstlich umsieht. Als er den Fenstergriff endlich findet, ruckt er zu diesem herum und zerrt verzweifelt an dem Fenster, um es endlich aufzukriegen. Er hat offensichtlich vor, durch das Fenster seinen Daemonen zu entkommen, und naehme sogar in Kauf, ueber das Dach zu fliehen, wenn das Zimmer nicht schon im Erdgeschoss liegen wuerde. Er will hier weg!

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sayila Arachelza am 17. Mai 2008, 18:02 Uhr
Sayila ist dieses merkwürdige Buch, das Borgil anschleppt, mehr als suspekt. Es schreit förmlich nach Magie, und sofort stellen sich die kleinen Härchen in ihrem Nacken auf.
Sie ist nicht die einzige, die der Sache offensichtlich misstraut, denn auch Faron und Atevora halten sich im Hintergrund, während der Rest der Truppe scheinbar begierig das Buch aufschlägt und die Nasen hineinsteckt.
Sayila hält die Luft an - es würde sie nicht wundern, wenn das Buch im nächsten Moment in Flammen aufgeht oder irgendwelche schrecklichen Kreaturen daraus hervorspringen, doch zunächst einmal geschieht nichts. Das Buch klappt urplötzlich wieder zu, doch bevor irgendjemand im Raum dazu kommt, etwas zu sagen, fängt der Stein auf dem Einband plötzlich an blutrot zu schimmern und das Buch öffnet sich ein weiteres Mal.
Sayilas Hand  zuckt zum Griff ihres Schwertes, als sich die erste Seite aus dem Buch löst und sich zu ihrem großen Unbehagen zu einer Art Fratze verformt - doch sie lässt die Waffe an ihrem Platz. Was soll sie auch tun; auf ein Stück Pergament einschlagen?
Die unheilvollen Worte, die nun den Raum erfüllen, sind für Sayila mehr als verwirrend. Sie wird einfach nicht schlau daraus, aber ganz wohl ist ihr bei der Sache nicht. Noch weniger gefällt es ihr, dass dieses - Ding - sich ganz offiziell an sie wendet. Woher weiß dieses Buch meinen Namen?, schießt es ihr durch den Kopf.
Kaum hat die schaurige Ansprache geendet, als sich auch schon das Buch mitsamt der herausgerissenen Seite mit einem -Plop!- ins Nichts auflöst.
Einen Herzschlag herrscht fassungslose Stille im Raum.
Was, bei allen Göttern, sollte das bedeuten?, rattert es in Sayilas Kopf.
Doch ihre Aufmerksamkeit wird rasch von etwas äußerst merkwürdigem beansprucht. Schwankend zwischen Beunruhigung und Belustigung sieht sie zu, wie Faron mit einem Mal durchs Zimmer tanzt, als befände er sich gerade mitten auf dem Inarifest, und dabei auch noch einen äußerst gequälten Gesichtsausdruck hat. Zu ihrer noch viel größeren Verwirrung spürt sie bei seiner Leidensmine mit einem Mal den unwiderstehlichen Drang, ihm - wobei auch immer - zu helfen. Unbewusst macht sie ein paar Schritte auf den Faun zu, wird jedoch durch Lilith unterbrochen, die lautstark zuerst ihr Entsetzen über das Geschehene und dann ihren Unmut über die Tanzkünste des Fauns verkündet. Ihr erschrockener Gesichtsausdruck passt dabei so gar nicht zu ihren Worten.
Was geht hier vor? Immer und immer wieder hämmert dieser eine Gedanke in Sayilas Kopf. Sprachlos sieht sie zu, wie nun auch Tiuri offenbar den Verstand verliert, und aus heiterem Himmel anfängt, zuerst Aurian, dann Lady Shin in Reimform um Entschuldigung zu bitten. Auch er scheint sich alles andere als wohl in seiner Haut zu fühlen, und wieder keimt der unbändige Wunsch, ihm zu helfen in Sayila auf. Mit wachsender Panik bemerkt sie, dass er sich nach Lilith nun auch ihr zuwendet und sie mit einem äußerst verwirrenden Gedicht überfällt.
Ohne, dass sie etwas dagegen tun kann, zuckt ihre Hand nach oben und zupft einen Staubflusen von seiner Schulter.
Entsetzt starrt Sayila auf ihre eigene Hand.
Was habe ich da gerade getan?, fragt sie sich in Gedanken völlig verstört, verdammt, was passiert mit mir?!
Auch Frey scheint es nicht sonderlich gut zu gehen, denn er krümmt sich wimmernd zusammen und weicht mit panischem Blick zum Fenster zurück. Automatisch geht Sayila ein paar Schritte auf ihn zu, was das Entsetzen in seinem Gesicht allerdings noch verstärkt. Fieberhaft tastet er nach dem Fenstergriff.
"Du ärmster, was ist denn los?", hört Sayila sich mitfühlend sagen, "ist dir nicht gut? Kann ich dir etwas gutes tun? Soll ich dir etwas zu trinken besorgen?"
Die Bestürzung über ihre eigenen Worte steht ihr ins Gesicht geschrieben, und für die restliche Gruppe dürfte es in diesem Moment schwer sein, zu sagen, wer gerade entsetzter sein Gegenüber anstarrt - Sayila oder Frey. Letzterer scheint fest dazu entschlossen, den Raum durch das Fenster zu verlassen. Reflexartig schnellt Sayilas Arm vor und umfasst den Griff.
"Tu es nicht!", redet sie beschwörend auf Frey ein, "dir geht es gleich wieder besser." Was rede ich da? Soll er doch aus dem Fenster springen, wenn er unbedingt will! Verzweifelt registriert Sayila, wie ihre Hände sich ganz selbstverständlich um Freys Handgelenke legen und ihn mit sanfter Gewalt vom Fenster weg zum Tisch ziehen, wo noch immer die vollen Krüge stehen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Armarius-Kar-Shei am 18. Mai 2008, 17:09 Uhr
Armarius sieht das Buch erst nur von der Seite, aber als er es aufschlägt, verfliegt für einen kurzen Augenblick die Spannung im Raum, denn die erste Seite scheint leer. Bitte? fragt sich der Alchimist in Gedanken, zu mehr kommt er allerdings nicht. Zu Beginn hält er es für Spinnfäden, doch diese formen sich zu Linien, Symbolen und Buchstaben, bis am Ende ein kleiner Text erscheint.

Seinen Kopf weit über das Buch schiebend beginnt er zu lesen, wobei er die Seite in Gedanken ersteinmal in seine Richtung drehen muss.

Fluche tobe und krakele  
Schrei den Frust dir von der Seele  
Wann immer du auftust den Mund  
Erklingt "Verdammt!" im Weltenrund.  
An diesen Reim wirst du gebunden,  
übersteh' ein Dutzend Stunden
und du sollst es nicht bereuen,
darfst dich an einem Kleinod freuen!


Wie bitte? halt sogleich die Frage durch seinen Kopf. Es war ein Reim, soviel erkennt er noch, dann schlägt das Buch plötzlich mit einem Knall zu. Dabei streift der Einband die Haare des Alchimisten, der daraufhin zurück zuckt, sich wieder setzen will, den Stuhl dabei verpasst und mit einem schmerzerfüllten Aufschrei auf dem Boden der Goldenen Harfe landet.

Mit schmerzverzerrtem Gesicht und rasendem Herz bekommt er nur einen weiteren Knall mit, der ihn auf ein Öffnen des Buches schließen lässt. Nur wenige Augenblicke später scheint jemand eine Seite aus dem Buch zu reißen, was bei ihm als Gelehrten einen gewissen Unmut hervor ruft.

Plötzlich erhebt sich über der Tischkannte, die ihm bisher den Blick verwehrte, schwebend das Buch und eine Pergamentseite aus diesem, die sich zu einer grausam anmutenden Fratze verzerrt und plötzlich schrill beginnt loszukreischen. Zwar ist sein Gehör als Halbelf nicht ganz so empfindlich, dennoch hält er sich die Ohren zu. Nachdem das in seinen Ohren schmerzhafte Krächzen ein Ende hat, löst sich das Buch samt Fratze in Luft auf.

Für einige Sekunden herscht Stille im Raum. Was bei allen Göttern war das denn? Was soll dieser Reim und warum dieses Buch? Noch bevor er die Fragen mit möglichen Vermutungen beantworten kann, spürt er den Holzboden der Harfe erzittern und erblickt Faron, der langsam um den Tisch getanzt kommt. Nur wenige Augenblicke später, faucht daraufhin Lilith den Faun an, auf eine Art, die er von ihr nie erwartet hätte. Ihr Gesicht und ihre Handlung wiedersprechen jedoch ihren Worten derart, dass der Alchimist sofort an irgend eine Art Gift denkt, das ihren Verstand vernebellt hätte.

Tiuri hingegen beginnt sich in skuriler Form bei den anwesenden Weiblichkeiten offensichtlich zu entschuldigen. Bei seiner Art der Entschuldigung hätte er sie jedoch besser für sich behalten, da ist sich Armarius sicher.

Der Alchimist rappelt sich auf und erblickt Frey, der sich entgegen aller bisheriger Erfahrung vor panischer Angst an der Wand entlang in Richtung Fenster schiebt, während Sayila erst dem inzwischen grotesk lächelnden Tiuri und anschließend Frey versucht zu helfen. Was beim Namen Grindobols ist mit den denn plötzlich los?

Ohne weiter darüber nachzudenken ist ihm klar, dass er die Gruppe um jeden Preis erst einmal beruhigen muss. Egal, was geschah, einiges ist ihm ja entgangen, Panik oder geistige Eskapaden helfen sicher nicht weiter.

"Verdammt, ihr vermaledeiten Schwachköpfe...", der Alchimist reist die Augen auf, dass sie beinah kreis rund werden. Was hab ich da gerade gesagt? Der Atem stockt, denn was er gesagt hat passt beim besten Willen nicht zu dem was er sagen will. Doch aus irgend einem Grund versucht er es noch einmal, vermutlich in dem hoffnungserfüllten Glaube, es wäre nur ein ein Versehen.

"Verdammt und zum Donnerdrummel, bei allen Göttern der Immerlande, hört auf euch wie Asgrims wilde Horden zu benehmen", ruft er aus, wobei die Stimmlage einem verkrampft, freundlichen Gewimmer gleicht, dass jedoch von einer zornigen Wut verdrängt wird.

Armarius wird erst kreidebleich und anschließend läuft er rot an, dass man meinen könnte, er wäre gerade aus der eisigen Kälte der Eislande in die warme Stube gekommen. Wie, was? schwirren ihm Gedanken durch den Kopf so als suchten sie den Schuldigen, für das, was er gar nicht sagen wollte. Völlig verwirrt steht der Weißbart im Raum und starrt unbewusst in Richtung Frey, der jedoch zu sehr mit Sayila beschäftigt zu sein scheint, als dass er es bemerken würde.

Das Buch... dieser merkwürdige Reim... aber warum bei allen Neunen benehmen sich die Übrigen dann so anders, denkt er mit einem leichten Anflug von panischer Verzweiflung. Er hatte schon seit langer Zeit nicht mehr geflucht und erst recht keinen mit diesem Fluch beleidigt. Einen klaren Gedanken kann er im Moment jedenfalls nicht fassen, so steht er wie die steinerne Statue eines Helden mitten im Raum und starrt weiter zum Fenster hinüber.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Atevora am 18. Mai 2008, 19:10 Uhr
<--- Das Haus der Bücher

                     Nebelfrost 507 bis Grünglanz 508


In der Harfe, während Lilith eingegliedert, der Informationsstand gegenseitig aktualisiert und die weitere Vorgangsweise untereinander besprochen wird, wandert Atevoras Blick mehrmals abschätzend zu Tiuri. Nun da sie nicht mehr ihren Nacken verrenken muss und auch die notwendige Zeit dafür vorhanden war ihn intensiver zu begutachten, fällt ihr auf welch schmuckes Kerlchen er doch eigentlich ist. Ein hübsches Gesicht, der Körper ansehnlich durchtrainiert, die Haare gepflegt und doch niedlich zerzaust, also durchaus ein sehr netter Blickfang. Er war eventuell noch etwas jung, aber das war kein Grund nicht trotzdem ein wenig gustieren zu können.

In den folgenden Wochen geht Atevora nach der Spurensuche nach dem Mörder natürlich auch ihrem natürlichen bzw. üblichen Betätigungsfeld nach. Schließlich kann man nicht von Luft leben, vor allem nicht wenn man ein – wenn auch vergünstigt – Zimmer in der Harfe „angemietet“ hat.
Als so einfach erweist sich das ganze Unterfangen logischerweise nicht. Denn da waren nicht nur der wachsame Späherhauptmann welcher verstärkt seine gelben Äuglein auf sei warf, der Wuschelbärtige dem gegenüber sie ihr leidiges Versprechen - zumindest in Dingen Mordfallermittlung – bestmöglich einhielt, eine aus Kostenspartechnischen Gründen gewerbebezüglich hinderliche Feuermagierzimmergenossin, sondern auch noch die übrigen kleinen und großen Probleme die sich ganz verständlicherweise bei ihren Aufgaben und der verstärkten Überwachung der Stadt durch die Blaumäntel ergaben. Ganz so als wäre es nicht eigentlich bereits nervenaufreibend genug wochenlange logistische Planung binnen eines Tages gänzlich umzuwerfen und neu zu organisieren.
Zusätzlich – wohl um Atevoras Zeitmanagementkünste noch zusätzlich auszutesten - vereinbarten die drei Magierinnen sich verstärkt ihren Magierstudien zu widmen und zusammen zu üben um im Falle des Falles besser gewappnet zu sein. Dies war natürlich auch nicht unbedingt das leichteste Unterfangen. Nicht nur aufgrund der Charakterbeschaffenheit der drei, denn mitunter gab es da auch noch einige kleine Zwischenfälle mit missglückten Zaubern, aufgrund dessen zB. Atevora die gute Lilith mit einem momentanen Wasserschwall beinahe ersäuft hätte, Aurians Schuhsohlen unerklärlicherweise einmal an den Holzdielen der Bibliothek festfroren, und auch Atevora musste sich eines schönen Tages einmal sehr rasch die Haare löschen. Nein, zudem erforderte es auch noch durchaus einiges an Kreativität um die unterschiedlichen Magieausrichtungen für eine verstärkte Schlagkraft sinnvoll zu kombinieren.

Um dem Ganzen schließlich noch ein Kröhnchen aufzusetzen, merkt auch noch Tane eines Tages bei dem wöchentlich üblichen Teigtaschentreffen am Morgen im eher beifällig mahnenden Ton an, dass es dem Kredithai eventuell nicht gefallen könnte, wenn bekannt würde, dass sie verstärkt mit Steinfaustangestellten gesichtet wird.
Für diese Erwähnung hätte Atevora den kleinen langfingrigen Taugenichts mit dem rotgoldenem Haar am liebsten durch den Fleischwolf gedreht, ihn geküsst, erwürgt, umarmt und sonstiges. Ja er hatte recht, sie waren ein durchaus zu auffälliger Trupp. Kaney und der Faun vielen auf wie die pinken Pudel und auch sie sowie Armarius waren von sehr markanter Erscheinung. Nun gut, sie war sich dessen bereits im ersten Augenblick bewusst gewesen und hatte es entweder mit einer stillschweigenden Zustimmung akzeptiert oder vielleicht vielmehr wehement ignoriert. Nun aber wurde sie wie mit einem Hammerschlag wieder darauf hingewiesen wie unverkennbar und auffällig sie und somit auch ihre unbeholfene Schnüfflerei sein musste. Nun gut, so spielen sie eben den Lockvogel für den Mörder, und sterben jung. Man soll Positiv denken heißt es, sodenn, dann hatte Atevora eben bald nicht mehr das leidige Problem mit der Sonnenflucht. Der Sommer kam ohnedies viel zu schnell immer näher...
Egal.
Jedenfalls konnte sie Tane unumstößlich von dem Irrsinn seines Gedankenganges überzeugen. Warum auch nicht. Würde sie Prämy und seine ganze Truppe in den Kerker verfrachten wollen, so hätte er dies mittlerweile sehr sicher und deutlich am eigenen Leibe erfahren. Denn eines wusste sie nun genauer als zuvor: der Lord Commander und seine Blaugewandeten Dienstnehmer waren kompetent, schnell und gründlich.

Die Monate ziehen zähe dahin, die Spuren verlieren sich im Nichts und fast keimt bei all der Unzufriedenheit und Zermürbtheit so etwas wie Zuversicht und Hoffnung nach „Normalität“ auf, nur um – wie es immer kommen muss – grausam zerschlagen zu werden.
Am Morgen des zweiten Eisfrostes wird eine neue Leiche aufgefunden. Äußerst entmutigend dabei war, dass das Mordopfer direkt vor der Nase der Gesetzlichkeit der Stadt „abgeladen“ wurde, kein Detail wirklich zusammen passte und das, sollte das ein wichtiger Teil des Puzzels sein, nur noch ein Weg aus der Stadt führte, der von unvollständigen toten Leibern verschont blieb. Genaugenommen war also alles äußerst zermürbend.
Ein kleiner – wenn auch noch so kleiner – Trost blieb: die Tote ist voraussichtlich schmerzfrei gestorben.
Atevora hatte sich schließlich beileibe lange genug mit diesen Dingen beschäftigt um beim gefundenen Mageninhalt auf ein entsprechendes zweifelhaftes Mixgetränk schließen zu können, auch wenn sie selbst den Gewerbezweig zu dem dies gehörte nach einem kleinen Unterstadtzwischenfall sehr schnell wieder ruhen ließ.

Die Tage nach dem dritten Leichenfund verlaufen äußerst geschäftig.
Zum einem trifft sie sich mit ihrem Lieblingslangfinger, welcher bei entsprechender Bezahlung ohne groß Fragen zu stellen auch einmal – wie er es bei Atevora eigentlich bereits gewohnt war – ungewöhnlichere Aufträge entgegennahm. Der sommersprossengesichtige junge Bursche gehörte zwar noch zu Prämys kleiner Beutelschneidertruppe, doch war er mittlerweile vielmehr ihr persönlicher Handlanger. Das gründete nicht minder darauf, dass Tane ein sehr profanes Interesse an Atevora hatte und es ihr somit relativ leicht fiel sich ein wenig mit ihm zu spielen. Dass er äußerst umsichtig, gründlich sowie verlässlich, und auch sehr gut im Schweigen war, kam ihr zudem nur zu gelegen.
Natürlich fragte sich Tane im speziellem Fall doch weshalb er bei diversen Kräutermixern, vor allem in der Unterstadt, unauffällig beobachten solle ob diese ein Warenbuch oder ähnliches führen, dieses stehlen und ihr bringen sollte. Allerdings konnte Atevora ihn erfolgreich an ihr Abkommen:“ Ich bezahle dich gut, und du stellst keine Fragen und hältst dicht.“ erinnern.

Nach dem offiziellen bekanntwerden des Entschlusses, dass Inari abgesagt werden soll, stöhnt auch die Unterstadt nicht gelinde auf. Schließlich bedeutete es für viele zu den bereits zusätzlichen Geschäftsaufwendungen durch die verstärkte Überwachung einen in vielen Bereichen doch nicht unbedingt unerheblichen Verdienstentgang.
Somit wendet sich schlussendlich zumindest Prämy, welcher auch mit den Ergebnissen ihres letzten größeren Auftrages – der sich um eigenwillige Gerüchte wie: stinkende Dämonen, rothaarige Samariter und von außen hereindringende Machtströme drehte - und die schließlich alle bei ein und der selben Person endeten, recht zufrieden war, vertrauensvoll an Atevora. Der Kredithai war mitunter Atevoras bester Kunde. Sie konnte sich noch recht gut an ihren ersten wirklichen Auftrag erinnern.. Wie sich dazumals herausstellte waren des Kredithais Bedenken durchaus begründet. Seither stehen als Mahnung einige ausgelöste Körperteile schwimmend in Behältnissen mit hochprozentigem Alkohol auf einem Regal und zieren Präyms Geschäftsraum. Atevora war diese Art von Zimmerdekoration stehst aufs neue viel zu morbide, doch über Geschmack ließ sich schließlich nicht streiten.
Die Magierin vereinbart aufgrund des offensichtlichen Risikoreichtums des Auftrages das Zusatzabkommen auch seine „Angestellten“ entgeltlos für ihre Ermittlungen zweckentfremden zu dürfen.

Schon bald hat Tane, wie ihm aufgetragen, die ersten gewünschten Aufzeichnungen der Magierin übergeben. Wissbegierig blättert Atevora natürlich alsbald die Aufzeichnungen in Anrakis Kämmlein in der Unterstadt durch. Für die eigentlichen Ermittlungen waren keine sonderlichen Anhaltspunkte zu finden, doch es war wahrlich interessant was sonst noch so alles in den Büchern zu lesen war. Einige redliche und gut betuchte Bürger ließen sich beispielsweise, den gekauften Tinkturen zu urteilen, gegen unschöne Krankheiten behandeln, und auch so war einiges hochinteressantes auf den Blättern zu lesen was sich eines Tages gewiss hervorragend einsetzen lies. Sie hätte wahrlich schon früher auf die Idee kommen sollen diese Art Aufzeichnungen entwenden zu lassen. Somit notiert Atevora feinsäuberlich alles wovon sie denkt es könnte sich in Zukunft noch als nützlich erweisen. Anschließend benutzt sie, wie mit Prämy vereinbart, einige seiner Leute um, wenn nötig auch mit etwas Nachdruck, diverse Befragungen bei den bestohlenen Kräuterkundigen bezüglich der gesuchten Zutaten anzustellen. Was sich jedoch daraus ergab, damit hatte Atevora nicht gerechnet. Die Bestohlenen gaben Prämys Leute Kund, dass ihnen etwas entwendet wurde, dessen Wiederbeschaffung ihnen die entsprechenden gewünschten Informationen und oder einiges an Barem wert war. Prämy witterte natürlich sogleich bare Münze und nahm sich der Interesse der Bestohlenen an. Da seine Leute selbst für diverse Schnüfflerarbeiten relativ ungeeignet waren, wendet er sich diesbezüglich an Atevora die sich schließlich in Vergangenheit für dieserlei Angelegenheiten als recht zuverlässig erwiesen hatte.
Atevora muss beim Gespräch alle Kraft aufwenden ein bereites Grinsen zu unterdrücken und als sie in den zusätzlichen Auftrag einwilligt und sich zurückzieht überlegt sie sichtlich erheitert wie lange sie wohl warten sollte bis sie die Bücher „wiederfindet“ und Prämy überreicht.

Die nächsten Wochen übt sie wie gehabt mit den anderen drei Magierin diverse Arkane Praktiken, führt mit ihrer Truppe Befragungen bezüglich der Mordfelle durch und seilt sich so oft wie möglich ab um sich ihren übrigen Aufgaben – zB den Befragungen zur fingierten Büchersuche - zuzuwenden. Lilith fällt natürlich nur all zu deutlich auf, wie oft Atevora erst nach dem Morgengrauen wieder das Zimmer betritt, ungemein früh bereits aufbricht oder ab und an eine ganze Nacht lang verschwunden bleibt. Doch sie ist entweder taktvoll, desinteressiert oder selbst mit Geheimnissen vorbelastet genug um dem nicht näher nachzugehen und auch nicht versucht Atevora näher dazu auszufragen.

Nach mehreren Siebentagen ergibt sich schließlich eine perfekte Möglichkeit.
Atevora war gerade dabei für ihren Lehrmeister ein Buch aus seiner kleinen Unterstadtzuflucht zu holen, da registriert sie, oder wird vielmehr zufällige Zeugin eines Raubmordes. Elegant verschwindet sie umgehend rasch in einer der vielen vorhandenen dunklen Ecken und Winkeln des abgelegenen Unterstadtabschnittes und beobachtet aus den Schatten heraus wie der Mörder nach getaner Arbeit nervös förmlich die Beine in die Hand nimmt und das Weite sucht.
Als der Mann verschwunden ist schlüpft Atewora zurück in den hier nur noch karg flackernden Lichtkegel einer weiter entfernten brennenden Fackel. Behende schleicht sie - sich zuvor versichernd, dass sie tatsächlich alleine ist - lautlos auf den Unbekannten zu, dessen Blut aus einer großen Stichwunde im Brustbereich in die nicht gerade schäbigeste Kleidung sickert. Am Boden liegen die Scherben eines am Stein zerschellten Öllichtes und rings davon am Gestein sowie zum erheblichen Teil über die über der Leiche verteilt ist das restliche Öl zu erkennen. Atevora überprüft zur Sicherheit den Puls und untersucht anschließend den regungslos daliegenden Mann, dessen Arme übersät von tiefen Schnittwunden – eindeutig Abwehrverletzungen - sind, ob er etwas bei sich trägt woraufhin er identifiziert werden könnte. Während seine Augen starr und leblos zur Höhlendecke starren, renkt sie mit einem unangenehmen knacken zwei Finger des Toten aus, nimmt eines ihrer scharfen Wurfmesser aus der Haltevorrichtung an ihrem Unterarm, schneidet dem armen Tölpel – er möge in Frieden ruhen – die zwei Finger ab und wickelt diese schließlich in eine der Stoffbinden die sie ansonsten im Sommer zum Schutz gegen die Sonne sorgsam um die Arme bindet, und bugsiert das Bündel in die Tasche zu Anrakis Buch.
Danach geht sie vor zur Fackel, nimmt diese, entzündet den praktischerweise Ölüberschütteten Leichnam und macht sich dann, im Rücken den langsam hell auflodernden Toten, auf dem Weg zurück in Anrakis Unterstadtunterkunft um die abgängigen Warenbücher der Kräuterkundigen zu holen.
Dort reißt sie, um eine falsche Spur zu legen, nicht wenige Seiten, teilweise zusammenhanglos, teils mit einem irgendwie gemeinsamen Nenner, aus den verschiedenen Büchern und verbrennt sie. Einige Stunden später übergibt sie schließlich die derart bearbeiteten Bücher mitsamt dem blutigem Stoffbündel und den Worten“ ich bin mir äußerst sicher, dass so ein Fall in nächster Zeit nicht mehr auftreten wird“ Herrn Prämy, kassiert die Belohnung und wendet sich dem nächsten Tagespunkt zu.

Mittlerweile war wieder einiges an Zeit vergangen und im Moment sitzt sie mit den übrigen inoffiziellen Mordfallermittlerin wie so oft in ihrem speziellem Zimmerchen in der goldenen Harfe und besprechen abermals die weitere Vorgangsweise.
Atevora entgehen natürlich die teilweise sehnsüchtigen Blicke einiger Angehöriger hinaus ins Sonnige nicht. Glücklicherweise hatte sie zumindest in Lilith, die ihr noch in einigen anderen Belangen nicht einmal so unähnlich war, eine verbündete in Dingen Abneigung gegenüber dem Sonnenlicht gefunden. Aber auch die anderen Beteiligten hatte sie erstaunlicherweise die Zeit über äußerst zu schätzen gelernt.
Tiuri bei dem sie das erste mal das Inarifest recht willkommen geheißen hätte. Die teilweise ruppige, aber verlässliche und engagierte Schmiedin, Faron in dessen Gegenwart man einfach nicht anders konnte als sich wohl zu fühlen, der leider noch nicht anwesende Weißbart, bei dem einem – wäre Atevora emotional nicht derart abgestumpft – des öfteren das Bedürfnis überkommen konnte ihn einfach kräftig zu umarmen, und so fort.

Atevora tauscht jedenfalls gerade vielsagende Blicke mit Lilith zum offensichtlichem Drang der anderen das Treffen ins Freie zu verlegen, da öffnet sich die Tür des Gastzimmers und Borgil gefolgt von einem dreckbesudeltem Alchimisten mit zerzaustem Bart betreten die Stube.

Die Wasser/Eismagierin staunt nicht schlecht als der rothaarige Zwerg – dem sie niemals im Leben begegnen möchte wenn er in Rage gerät – unliebsam mit den schlichten Worten >“das ist gerade für euch abgegeben worden“< ein Buch auf dem Tisch ablegt welches nur so von magischer Energie zu vibrieren scheint.
So ohne Informationen von wem das eigenwillige, seltsam kostbare und sie wie eine Motte das Licht anziehende Buch wohl stammen kann, steht sie dem ganzen etwas skeptisch gegenüber. Atevora wusste mit magischen Gegenständen, ganz gleich wie einladend freundlich sie wirkten, sollte man äußerst bedacht umgehen sofern man nicht eindeutig wusste ob sie von Freund oder Feind stammten.
Kurz bevor Armarius und co. daran sind das Buch neugierig zu öffnen gibt Atevora ihren außerordentlichen Protest Kund, und möchte vorschlagen das Teil zuerst von fachkundigeren Augen begutachten zu lassen, oder es dem magieressistenten Oger in die Pranken zu drücken. Doch da ist es auch schon zu spät.
Wissbegierig beugen sich Kaney, Frey, Aurian ,Tiuri, Lilith und Armarius über die erste Seite des Buches, schrecken mit einem Mal wie von der Hummel gestochen erschrocken zurück und das Buch klappt wie von Geisterhand augenblicklich wieder zu.

Atevora ist gar seltsam mulmig zumute, doch bevor sie dieses unangenehme Gefühl noch vollends auskosten kann beginnt das Buch plötzlich zu beben und zu zittern, der Einband verfärbt sich, ein Blatt löst sich aus dem Buch und verformt sich zu einer Fratze und das Dämonenwerk schwebt plötzlich furchteinflößend über dem Tisch.

Verdammt, ich wusste doch warum ich wollte, dass das Buch nicht geöffnet wird.
Doch Atevoras Gedanken gehen mit den grausamen Stimmen, von Pergament oder Buch herrührend, unter, welche sie als unwürdig titulieren, ihnen grausame Flüche entgegenspucken und schlussendlich melodramatisch mit einem „Plopp“ verschwinden.

Kurz darauf Bricht bereits schier das Chaos aus.
Faron steht auf und beginnt dämlich im Raum herumzuhüpfen und stößt dabei versehentlich den Tisch und Sessel beiseite, Lilith fährt ihn bissig an und schlägt sich erschrocken die Hände vor dem Mund. Atevora möchte gerade etwas antworten da beginnt Tiuri neben ihr halbe Entschuldigungssonette zu rezitieren. Die Magierin möchte Kundgeben, dass er doch diesen Humbug sein lassen soll, doch stattdessen, überkommen sie dumpf die Gefühle von Scham und sie blickt mit erröteten Wangen bloß seltsam peinlich berührt zu Boden und fängt an dümmlich zu kichern. Was zum Kuckuck!? Was mach ich da? Ich kichere? Ich kichere NIE wie ein kleines verschämtes GÖR! Doch als wär sie bloß ein leidiger Beobachter ihrer selbst und jeglicher eigenständigen Handlung entmachtet, schlägt sie die Hände vor der Brust ineinander, kratzt sich mit den Fingern der Linken nervös und verschämt am Handrücken der Rechten, sieht zu Tiuri aus großen niedlichen Kulleraugen hoch und Antwortet schließlich weiterhin mit zuckersüßem Kichern „oh, das war aber Lieb, und auch noch mit so einem netten Reim. Ich muss im übrigen gestehen, ich fand euch auch schon immer sehr süß.“.
Die Worte werden allerdings von einem - was sie niemals erwartet hätte - plötzlich wild losfluchenden Alchemisten übertönt.
Entrüstet möchte Atevora ihm entgegenwerfen, dass er sich doch bitte bei allen guten Geistern zusammenreißen soll, als sie plötzlich wieder dumpf, als wären es nicht ihre eigenen, eine Gefühlswelle aus Entrüstung und „Angerührtheit“ förmlich ertränkt. Abermals hat sie keine Kontrolle über sich selbst, und sie verzieht schockiert und beleidigt die Mundwinkel während ihre Augen tränenfeucht zu glitzern beginnen. Himmel, Arschloch und Zwirn.. wo ist bitte das nächste Messer in das ich mich freudig glucksend hineinwerfen kann?

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lilith am 18. Mai 2008, 20:17 Uhr
Entgeistert beobachtet Lilith das Verhalten ihrer Freunde. Kaney scheint sich anscheinend prächtig mit einem Blumenstrauss zu unterhalten, währenddem Faron noch immer durch den Raum tanzt und dabei einen Heidenlärm veranstaltet. Plötzlich fängt Tiuri an sich bei allen Frauen im Raum zu Entschuldigen und das auch noch in Reimen, was Lilith äusserst missfällt. Als er dann noch auf sie zukommt und beginnt sich bei ihr zu entschuldigen kann sie sich nicht mehr zurück halten und wirft ihm einen giftigen Blick zu. „Du Tollpatsch solltest einfach dein vorlautes Mundwerk halten, es interessiert mich einen Dreck, was du von mir denkst.“ Tiuri scheint dies allerdings gar nicht zu hören, was Lilith äusserst entgegenkommt und wendet sich einfach an Sayila, welche dem jungen Mann einen Fussel von der Kleidung zu zupfen, im Gesicht den Ausdruck einer besorgten Mutter.

Währenddessen der Fluch auch bei den Anderen anfängt zu wirken, beobachtet Lilith den Seefahrer, der wie ein Verrückter versucht aus dem Fenster zu gelangen. Er scheint geradezu Panik vor diesem Raum zu haben, doch den Grund dafür kann Lilith nicht genau erkennen, ausser dass er irgendwas von Weibsvolk faselt. „Anscheinend haben alle einen anderen Fluch abbekommen. Wohl etwas passendes, wenn ich da so an mich denke.“ Genervt verdreht Lilith die Augen und beobachtet wie Sayila den verängstigten Frey davon abhaltet aus dem Fenster zu springen und ihn ruhig an den Tisch führt. Plötzlich fängt der Alchimist an zu fluchen, was so überhaupt nicht zu ihm passt und dazu mischt sich noch der fürchterlich falsche Gesang von Aurian. Lilith legt sich die Hände auf die Ohren und schaut sich nach Shin um, welche mit glitzernden Augen und geröteten Wangen wie ein schüchternes Feenhütchen in der Ecke steht und etwas hilflos drein blickt.

„Jetzt nehmt euch doch mal alle zusammen!“ Ruft Lilith aus, was aber nicht wirklich viel bringt und schüttelt recht barsch an Shins Arm. Diese schaut aber nur verschüchtert, anstatt sich lauthals zu wehren, wie sie es sonst tun würde und Lilith wendet sich darauf hin an Armarius. „He du fluchender alter Sumpftroll wir müssen uns wirklich zusammen nehmen und versuchen die Gruppe irgendwie von diesen Flüchen zu befreien. Ausserdem stinkt das hier ganz Gewaltig nach unserem gesuchten Mörder, wer würde uns sonst so ein vermaledeites Buch schicken? Wir brauchen den Boten, der das verdammte Ding gebracht hat und zwar auf der STELLE!“ Lilith versucht verzweifelt auch die anderen irgendwie zum Verstand zu bringen, auch wenn sie dabei Gemeinheiten austeilt, welche ihr mehr als peinlich sind. „Du meine Güte, ich muss wirklich aufpassen. Es gibt Dinge die sollte ich nicht einmal in einer solch wirren Situation erzählen, auch wenn die Hoffnung besteht, dass sich danach niemand mehr erinnern kann.“


Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Meripihka am 18. Mai 2008, 22:33 Uhr
~Anfang Taumond~


Einige quälende Augenblicke geschieht nichts. Meripihka lauscht aufmerksam ins Innere des Gasthauses, ob irgendwo eine Holzdiele knarrt oder Kleidung raschelt. Endlich dringen träge Schritte an ihr Ohr und kurz darauf öffnet sich die Tür ein Stückweit. Das leicht mürrische Gesicht eines Mannes kommt zum Vorschein, allerdings ist der Mann ein gutes Stück kleiner als Meripihka. Seinen roten Bart trägt er kurz gehalten und die gleichfarbigen Haare sind bis auf einen Streifen völlig wegrasiert. Eine übel aussehende Narbe zieht sich komplett über die eine Hälfte seines Gesichts und seine schwarzen Augen blicken noch leicht verschlafen und etwas missmutig zu Meripihka auf.

„Ja bitte?“, brummt er mit tiefer Stimme und scheint mit seinen Augen unter ihre Kapuze dringen zu wollen.
„Spreche ich mit Borgil?“, fragt Meripihka und mustert den Zwerg aufmerksam.
„Höchstpersönlich“, lautet die grummelige Antwort, „was führt Euch zu dieser frühen Stunde hierher?“
Meripihkas Augen huschen kurz hinauf zum Himmel, der noch hinter den diesigen Nebelschwaden verborgen liegt. Dann wendet sie sich wieder ihrem Gegenüber zu und senkt die Stimme beinahe zu einem Flüstern:
„Was vereint Tatze, Kralle und Schwinge?“
Sofort verändert sich der Gesichtsausdruck des Zwerges vor ihr. Die Augen wirken mit einem Mal kein bisschen müde, sondern ausgenommen wachsam. Er wirft ihr einen durchdringenden Blick zu, bevor er ebenso leise erwidert:
„Sie alle sind Jäger und Gejagte, im Dienste es Lichtes.“
Erleichterung durchströmt Meripihka, als sie den korrekten zweiten Teil der Losung hört. Borgil öffnet nun die Tür vollständig und lässt sie mit einem Kopfnicken eintreten.

Im Inneren des Gebäudes fühlt sie sich gleich viel wohler – hier ist sie zumindest vorerst sicher vor den ersten Sonnenstrahlen. Rasch huschen ihre rot schimmernden Augen durch den düsteren Raum. Er ist ziemlich groß, nimmt wohl beinahe die gesamte Grundfläche des Hauses ein. Eine Vielzahl robuster Holztische, Bänke und Stühle füllt die Schankstube, an denen sich in den Abendstunden vermutlich etliche lachende und grölende Gäste tummeln. Nun jedoch ist der Raum verständlicherweise leer und nur der penetrante Geruch nach Qualm, verschüttetem Bier und menschlichen Ausdünstungen, der sich im Laufe der Jahre in den Holzbalken unter der Decke und dem Mobiliar eingenistet hat, kitzelt Meripihka ein wenig in der Nase. Irgendwo hinten im Dunkel des Raumes kann sie eine Treppe ausmachen, die in die oberen Stockwerke führt.

„Verzeiht die unangekündigte Störung“, wendet sich Meripihka an den Zwerg und streift nun langsam ihre Kapuze ab, sodass die roten Locken ihr wild über die Schultern fallen und ihre rot glühenden Augen deutlich zu sehen sind, „aber ich benötige dringend eine Unterkunft auf unbestimmte Zeit. Mein Name ist Meripihka, ich komme von den Achyuta.“ Mit einer raschen Bewegung streift sie ihren Umhang ein Stück zur Seite, sodass der Zwerg den Armreif mit dem katzenförmigen Mundusherz sehen kann, „ich verfolge eine Mundustochter der Neala, die sich wahrscheinlich seit ein paar Tagen in der Stadt herumtreibt.“ Sie hält einen Moment inne und sieht den Zwerg abwartend an.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kaney am 18. Mai 2008, 22:40 Uhr
Neugierig begutachtet Kaney das Buch, das der Zwerg hereingebracht hat. Es sieht einerseits interessant aus, andererseits sträuben sich dem Wargenmischling die Nackenhaare.
Er hat ein ungutes Gefühl, kann es aber nicht genau festmachen, woran es liegt, und dann öffnet auch schon jemand das Buch - später kann Kaney nicht genau sagen, wer es war.
Überrascht sieht der Wargenmischling, wie eine Schrift entsteht, die er wunderbar lesen kann, denn meistens hat er so seine Probleme mit besonders verschnörkelten Buchstabengebilden...

Unter Birken, unter Linden,  
wirst du viele Blumen finden,  
Sprich zu ihnen jederzeit  
auf dass dich nicht der Tod ereilt!
An diesen Reim wirst du gebunden,  
übersteh' ein Dutzend Stunden
und du sollst es nicht bereuen,
darfst dich an einem Kleinod freuen!

Langsam, sorgfältig, grübelnd ob er alles richtig liest... und um ihn herum bricht Trubel aus.
Faron bewegt sich auf einmal, als würde er auf einer heißen Sandfläche laufen... nur um im nächsten Moment von Lilith angeschnauzt zu werden. Tiuri spricht plötzlich in Reimen, Frey versucht aus dem Fenster zu klettern, Sayila zupft Fusseln von ihrer Schulter und zieht den kletternden Frey wieder ins Zimmer hinein, Amarius betitelt die gesamte Gruppe als Schwachköpfe, und Shin kichert wie blöde.
Was bei allen Göttern...
Urplötzlich kommt Kaney der Spruch in dem Buch wieder vor Kaneys innere Augen..

Unter Birken, unter Linden,  
wirst du viele Blumen finden,  
Sprich zu ihnen jederzeit  

Kaney versucht das Gewirr um ihn herum auszuschalten, und es gelingt ihm, während ihm einIch soll mit Blumen sprechen? Häh? als Gedanke kommt.
Er ignoriert auch weiterhin das Chaos, als sein Blick auf eine kleine Pflanzschale mit ganz vielen Blaukissen am Fenster des Raumes fällt, ...
"Mit euch soll ich also reden, ahja!" kommt dem Wargenmischling recht spöttisch über den Kopf, er schüttelt den Kopf... und hört dann die Worte von Lilith.
> Jetzt nehmt euch doch mal alle zusammen! He du fluchender alter Sumpftroll wir müssen uns wirklich zusammen nehmen und versuchen die Gruppe irgendwie von diesen Flüchen zu befreien. Ausserdem stinkt das hier ganz Gewaltig nach unserem gesuchten Mörder, wer würde uns sonst so ein vermaledeites Buch schicken? Wir brauchen den Boten, der das verdammte Ding gebracht hat und zwar auf der STELLE!"

Kaney reagiert blitzschnell. Er reißt die Tür auf, sprintet zur Tür, rennt dabei beinahe Borgil über den Haufen, nur um im letzten Moment auszuweichen, hinunter zur Tür, einige Gäste streifend.
Draußen angekommen sieht er eine viele Personen, alle ziemlich langsam gehend, sich normal verhaltend... und er sieht die mächtigen Buchen vor der Harfe.
"Danke, dass ihr uns im Sommer Schatten spendet
...
Nein, das habe ich jetzt nicht gesagt"
Kaney bleibt wie versteinert stehen, starrt in die Menge, in der ihn eine oder zwei Personen verwirrt betrachten, schluckt und dreht sich dann um... soviele Weinpflanzen an den Wänden des Gasthauses...
"Wie ihr euch an der Wand festankert...
Das gibt es nicht..."
Ein leises Wimmern kommt aus Kaneys Kehle, während er die Götter anflehend zur Seite blickt, mitten auf den Garten der Harfe mit den ganzen Kräutern blickt...
"Ihr müsst noch gut wachsen..."
Kaney schnaubt kurz, schließt die Augen, seufzt lang und vor allem laut aus.
Einen Moment lang muss er sich vorstellen, wie er im Larisgrün unterwegs ist, und dort allen möglichen Bäumen, Sträuchern, Pilzen und Büschen begegnet... und die alle anspricht.
"Ich glaube..." sagt der Wargenmischling, erstaunlich ruhig für seine Situation "ich glaube, ich wenn das alles vorrüber ist, werd ich Vegetarier... weil ich dann bestimmt alle Pflanzen HASSEN werde..."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aurian am 19. Mai 2008, 09:15 Uhr
Gedankenverloren greift Aurian nach einem Becher cofea als sie sich mit einem Teil der Ermittlungsgruppe dem Buch nähert, das Borgil auf dem Tisch hinterlassen hatte. Der Zwerg hatte brummelnd den Raum verlassen, irgend etwas von dreckigen Dielen und verlausten Gassenjungen genuschelt und dass die Boten früher wenigstens saubere Ohren hatten und das das Zeiten seien… Die Halbelbe hatte nur mit einem Ohr hingehört. Eben nimmt sie einen Schluck, als die Worte „Lies mich…“ auf dem Einband erscheinen. Vor Schreck verschluckt sie sich und nur mit Mühe bekommt sie wieder etwas Luft. Noch immer japsend sieht sie Amarius zu, wie er die erste Seite aufschlägt. IN Gedanken formuliert sie einen Schutzzauber. Ihre Sorge scheint jedoch unbegründet, denn die erste Seite ist leer.  Erleichtert will Aurian schon durchatmen, als sich vor ihren Augen Zeichen, Buchstaben bilden.


Wo man singt, da lass dich ruhig nieder,  
böse Menschen kennen keine Lieder...  
An diesen Reim wirst du gebunden,  
übersteh' ein Dutzend Stunden
und du sollst es nicht bereuen,
darfst dich an einem Kleinod freuen!

Ungläubig starrt sie auf die Zeilen, ahnungslos, was ihr das sagen soll. Lange kommt sie aber nicht dazu, darüber nachzudenken, denn in diesem Moment schnappt das Buch mit einem Rumps zu. Aurian macht, ebenso wie Amarius, Lilith, Tiuri, Kaney und Frey einen Satz zurück in Richtung Wand, eine Aktion die den restlichen Cofea Bekanntschaft mit dem Boden machen läßt. Das ist aber noch nicht das Ende der ganzen Sachen. Vor den Augen aller nimmt das Buch eine bedrohlich rote Färbung an, spuckt quasi eine Seite Pergament aus, die sich nun zetternd an diejenigen Ermittler wendet, die es vorgezogen hatten, sich im Hintergrund zu halten Und sei das alles noch nicht genug, löst es sich nach der Schimpftriade einfach in Luft auf.
„Was war denn das?“ denkt Aurian doch nun geht das Chaos erst richtig los: Während Faron sich hüpfend und tanzend durch das Zimmer bewegt, von Lilith in einer Art gemaßregelt wird, die sogar für die Magierin etwas heftig ist, sieht sich Aurian mit einem Mal einem reimenden Tiuri gegenüber der sich mit Dackelblick bei ihr für Dinge entschuldigt, an die sie nicht mal mehr gedacht hatte. Frey wiederum versucht aus dem Fenster zu springen während die Schmiedin ihn in einer Art davon abhalten will, die an eine Mutter und ihren kleinen Sohn erinnert. Und Aurian? In ihr wird der  unüberwindliche Drang wach zu singen, etwas, was sie nie tut, weil sie es einfach nicht kann, ihre Stimme ist dafür nicht geschaffen und nun….

„Mein Vater war ein reicher Herr,
Der fragt mich, was mir wichtig wär´,
Wenn ich ein´ Mann mir nehmen wollt´,
Darauf ich ihm berichten sollt´,
Welch´ Männlein ich nicht fände schlecht,
Ich dachte an ein lang´ ...Gedicht,
Worauf man besser nicht verzicht.
Worauf man besser nicht verzicht!“

Aurian schlägt sich dir Hand vor den Mund. Es klingt grauenhaft, laut, falsch, kratzig. Aber sie kann nicht anders.

„Ach Vater, sprach ich, mit Bedacht,
Die Mannen, die ich nicht veracht´,
Sind edle, stolze Recken,
Die voller Tugend stecken
Und nach den alten Sitten
Fest halten mir die ...Treue,
Damit ich nichts bereue.
Damit sie nichts bereue!“
kommt es hinter ihrer vorgehaltenen Hand hervor. Etwas gedämpft aber um nichts falscher!

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Achim am 19. Mai 2008, 16:58 Uhr
In aller Eile trabt Achim Richtung Harfe – eilig nicht unbedingt wegen der Ermittlertruppe, die er dort abholen soll, sondern hauptsächlich, weil er hofft, sich in der Wirtsstube nebenbei noch schnell einen kleinen Mittagsimbiss hinter die Kiemen schieben zu können, bevor er mit Maester Kar'Shei und seinen Schäfchen wieder zum Sithechhain aufbrechen muss. Mit all den Morden und den dazugehörenden Aufregungen, die die Stadt in letzter Zeit heimsuchen, ist an geregelte Dienstzeiten und vor allem an geregelte Essenszeiten überhaupt nicht mehr zu denken, eine Tatsache, die Achims Magen mit einem lautstarken Knurren quittiert, das die verschreckten Passanten, an denen er vorüberdonnert, an ein hungriges Wolfsrudel denken lässt. Während der Oger seine ausladenden Körpermassen in haarsträubenden Kurven um die Buden und Marktstände auf dem Platz vor der Harfe manövriert, zwischen denen jetzt zur Mittagszeit dichtes Gedränge herrscht, formuliert er in Gedanken schon seine nächste Beschwerde an den Lord Commander, die in erster Linie die unzumutbaren Dienstzeiten und die geradezu verantwortungslose Mangelernährung der Gardisten zum Thema hat. "Das ist doch kein Zustand", grollt er und scheucht eine Gruppe Marktweiber beiseite, die über die unerwartet grobe Behandlung empört aufkreischen. "'Ich hatte ja schon kein ordentliches Frühstück, nur zwei Laib Brot, ein Dutzend Eier, und der Schinken ... das können allerhöchstens eineinhalb Pfund gewesen sein - Verzeihung, die Damen – wie soll man denn so seine Arbeit erledigen können? Wenigstens ein anständiges Frühstück muss einem doch als Soldat vergönnt sein, noch dazu, wenn man den halben Tag wegen irgendwelcher idiotischer Botengänge durch die Stadt hetzen muss. Wenn das so weitergeht, werde ich demnächst einen Dienstelefanten beantragen, das hat Olyvar dann davon. Aus dem Weg da!"

Vor ihm in der schmalen Gasse zwischen zwei Reihen Marktständen hat sich ein kleiner Stau gebildet, der sein Fortkommen behindert, wie er mit missmutiger Miene zur Kenntnis nimmt. "Was ist denn hier schon wieder los? Macht' mal Platz!" Ungeduldig drängelt er sich durch das Passantengrüppchen, bis er zum Grund dieser Blockade gelangt: einem halbwüchsigen Jungen, der sich mit zwei offensichtlich ziemlich bockigen Eseln herumplagt, die sich quer in der Gasse aufgepflanzt haben und in aller Seelenruhe einem lauthals zeternden Gemüsehändler die Rüben wegfressen, die er vor seinem Stand in geflochtenen Körben zum Verkauf anbietet. Der Junge flucht und schimpft was das Zeug hält, und schiebt und zerrt dabei hektisch an den beiden starrsinnigen Langohren herum, doch die bewegen sich nicht einen Sekhelrin und denken gar nicht daran, sich von den leckeren Möhren wegziehen zu lassen. Aber Achim ist ein Oger mit einer Mission, und vor allem ist er ein Oger mit Hunger und hat nicht vor, sich jetzt, zehn Schritte von der Eingangstür zur Goldenen Harfe entfernt, von seinem wohlverdienten Essen abhalten zu lassen. Ohne weitere Umschweife oder lange Erklärungen bückt er sich und klemmt sich kurzerhand unter jeden Arm eines der störrischen Grautiere, die sich plötzlich erschrocken i-a-end in luftigen Höhen wiederfinden. "Goddodin-Esel, was? Höllisch sture Viecher .... warte, Kerlchen." Ein paar Schritte weiter und in sicherer Entfernung zu jeglichen Rüben oder anderen eselbetörenden Leckerbissen setzt er die Tiere wieder ab und nimmt schnurstracks seine Pflugbahn durch den überfüllten den Marktplatz wieder auf, während ihm der Junge sprachlos hinterher starrt.

"Sigrun, hast du was zu Essen für mich?" flötet der Oger in Richtung Küche, kaum dass er die Wirtsstube betreten hat. "Und ist Borgil da? Oder jemand, der mich zu Maester Kar'Shei führen kann? Wo steckt der denn?" Die angesprochene Sigrun, ihres Zeichens wohlbeleibte Köchin der Goldenen Harfe und Achims allerbeste Freundin, wenn es um die Erhaltung seines stattlichen Bauchumfangs geht, streckt den Kopf aus der Küchentür und deutet mit einem Nicken in die Richtung, in der die hinteren Zimmer und Borgils private Räume liegen. "Die sind da hinten. Borgil ist gerade nicht da, aber geh einfach den Gang runter, die letzte Tür. Du hast's eilig, was? Ich pack dir eine Kleinigkeit für unterwegs ein." Mittlerweile kennt die Köchin den Oger recht gut, vor allem seinen überaus gesunden Appetit – immerhin lässt Achim es sich nicht nehmen, ihr bei jedem Harfenbesuch einen Besuch in der Küche abzustatten, neugierig und mit zuckender Nase in jeden Topf zu spähen, sich von Sigrun dafür auf die Finger klopfen zu lassen und ihr Kochrezepte für Wildschweinpastetchen, Mandelcreme und diverse andere Leckereien für seine private Sammlung abzuschwatzen. "Schnuckelchen, du bist ein Goldstück – ohne dich wäre ich längst verhungert! Ich komme gleich wieder, ich hole nur schnell die Leute von der Steinfaust."

Er bückt sich unter dem niedrigen Türsturz durch, quetscht seine Leibesfülle und seine knapp drei Schritt hohe Statur durch den schmalen Gang und bleibt vor besagter Tür stehen, hinter der deutlich vernehmbar gerade höchst lautstarke geheime Ermittlungsarbeiten betrieben werden – der Krach, der aus dem Raum dringt, scheint allerdings eher auf ein mittelschweres Kriegsgemetzel zu deuten. "Jetzt bin ich aber mal gespannt .... ich habe noch nie offizielle Ermittler bei ihrer Arbeit beobachten dürfen. Das ist alles so geheimnisvoll und aufregend und so furchtbar ... ernst." Ein paar der Leute kennt der Oger ja schon aus der Steinfaust, Faron und Aurian und Kaney natürlich, auch Maester Kar'Shei, den Alchemisten, der Rest der Truppe ist ihm jedoch nur vom Sehen bekannt. Aber es müssen ausnahmslos seriöse, fähige und vertrauenswürdige Leute sein, da ist er sich sicher, denn sonst hätte Olyvar sie bestimmt nicht mit einer so schwierigen und verantwortungsvollen Aufgabe betraut. Vorsichtig klopft er an die Tür, und als niemand darauf reagiert, wagt er ein zartes Wummern – er weiß ja, dass Borgils Türblätter stabil sind - , doch auch daraufhin erfolgt keine Reaktion. "Hm, na so was ... die sind wohl gerade ziemlich in ihre Arbeit vertieft ...." Bedächtig öffnet er die Tür und wagt einen Blick in den Raum, blinzelt verwirrt, schließt sie wieder, blinzelt noch einmal, kratzt sich unsicher das struppige Haupthaar, öffnet die Tür erneut und zweifelt allmählich an seinem Sehvermögen – denn dieser augenscheinlich völlig durchgedrehte Haufen kann unmöglich die Ermittlertruppe der Steinfaust sein. Und wenn sie es doch sind, dann haben sie allesamt den Verstand verloren ....

Aber sie müssen es sein, denn er erspäht einen Weißbart mit Spitzhut, der unzweifelhaft Maester Kar'Shei ist, auch wenn er gerade einen so bösartigen und fluchgetränkten Wortschwall hervorspuckt, dass Achim den sonst so liebenswürdigen Alchemisten nur mit offenem Mund fassungslos anstarren kann. Was bei allen neun Höllen ist denn in den gefahren?? Auch Kaney kann er entdecken: der Wargenmischling ist allerdings gerade in ein intimes Zwiegespräch mit einem Strauß welkender Margeriten verwickelt. Er scheint jedoch mit seinen Flirtversuchen bei den Blümchen keinen Erfolg zu haben, denn auf einmal wendet er sich ruckartig um und rauscht, irgend etwas Unverständliches vor sich hin murmelnd, zur Tür hinaus, ohne Achim auch nur eines Blickes zu würdigen. . "Was... was... was ... äh?" Völlig konsterniert und am Rande absoluter Ratlosigkeit starrt der Oger hinter dem davonstapfenden Kaney her und wird dabei von einem hufeklappernden und hochgradig verzweifelt dreinschauenden Faun in einer Art Stepptanz umrundet. Eine dunkelhaarige Magierin in schwarzem Umhang springt gerade Tiuri, Borgils Ziehsohn, wie eine durchgedrehte Furie an die Gurgel, eine andere junge Frau ist gerade dabei, einen völlig verängstigt aussehenden Kerl zu betüddeln, der als einzigen Ausweg, ihren aufdringlichen Bemutterungsversuchen zu entgehen, offenbar nur die kopflose Flucht durchs Fenster sieht, und zu allem Überfluss schmettert die sonst so stille Mistress de Winter einen so grauenerregend falschen (dafür aber äußerst lautstarken) Gesang durchs Zimmer, dass es dem Oger schier die Fußnägel hochrollen will. DAS ist Olyvars vielgepriesene Ermittlertruppe? Na, prost Mahlzeit – kein Wunder, dass der Mörder noch frei herumläuft. "Ähem ...." Sein Räuspern geht in dem herrschenden Tohuwabohu und in Aurians ohrenquälendem Gesang völlig unter. Borgil muss ihnen wohl irgendwelche Haschmich-Pilze ins Bier gemischt haben ... was ist mit denen denn nur los? Nachdem auch beim dritten Räuspern keine Reaktion erfolgt, reißt Achim endgültig der Geduldsfaden. "RUHE JETZT, VERDAMMT NOCH MAL! ES GIBT EINEN VIERTEN MORD, ALSO REISST EUCH GEFÄLLIGST MAL ZUSAMMEN, LEUTE!"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lilith am 19. Mai 2008, 21:40 Uhr
Lilith will sich gerade noch mehr am Alchemisten austoben, als Kaney das Zimmer verlässt und an seiner Stelle der grosse Oger von der Steinfaust hinein tritt. Die Magierin hat Achim schon einmal gesehen, doch sie erschrickt trotzdem ob dessen Aussehen und lässt von Armarius ab um etwas Abstand zu dem Höllenvieh zu bekommen. Anscheinend bemerkt niemand sonst sein Ankommen, was auch nicht weiter verwunderlich ist, da jeder mit seinem eigenen Fluch beschäftigt ist. Achim versucht derweilen sich mit einem Räuspern Gehör zu verschaffen was aber erfolglos bleibt. So nimmt er einen tiefen Atemzug und schreit bis die Wände wackeln: >"RUHE JETZT, VERDAMMT NOCH MAL! ES GIBT EINEN VIERTEN MORD, ALSO REISST EUCH GEFÄLLIGST MAL ZUSAMMEN, LEUTE!"<

Erschrocken wenden sich alle Gesichter zu dem Neuankömmling. Lilith starrt den Oger verdutz an und stottert beinahe als sie das Wort an ihn richtet, so will sie sich zurückhalten wieder was Falschen zu sagen. „Was hast du eben gesagt du stinkendes Riesenvieh?“ Lilith verdreht genervt ab sich selber die Augen und lächelt entschuldigend, was aber eher einer gequälten Fratze ähnelt. „Wir…nun wir sind verflucht worden…von einem verdammten Buch, deswegen das Chaos.“ Meint sie mit einer entschuldigenden Geste zu den anderen und blickt zu Achim hinauf. „Vergiss einfach was wir tun und sagen und bring die Gruppe so schnell wie möglich aus diesem verdammten Zimmer raus…sonst passiert wohl bald noch ein grösseres Unglück.“ Meint die Feuermagierin mit einem Blick auf Frey, welcher sich verzweifelt versucht aus Sayilas mütterliche Gewalt zu befreien.

Lilith stiefelt an dem verdutzten Achim vorbei, versucht so ruhig wie möglich zu wirken, als sie durch den Gastraum geht und verlässt die Harfe. Draussen steht Kaney, immer noch in ein tiefes Gespräch mit einigen Pflanzen verwickelt und dadurch völlig abgelenkt. „Kaney du Trottel! Hör endlich auf mit dem Grünzeug zu sprechen, die werden dir auch in 1000 Jahren keine Antwort geben.“ Barsch zieht Lilith am Arm des Wargenmischlings und wartet mit ihm zusammen auf die Anderen, welche nach und nach aus der Harfe purzeln.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Achim am 20. Mai 2008, 10:10 Uhr
Der orkanartige Brüller, den Achim durch das Zimmer röhren lässt, bringt die Fensterscheiben zum Klirren und die Cofeabecher auf dem Tisch zum Hüpfen, und er erzielt genau die Wirkung, die er sich erhofft hat: schlagartig herrscht Stille im Raum und acht Augenpaare richten sich erschrocken auf den Oger. Das wird auch Zeit. Gerade öffnet er den Mund und will zu einer Erklärung ansetzen, als die kleine schwarzhaarige Magierin auf ihn zutritt und sich entschlossen vor ihm aufbaut. >Was hast du eben gesagt, du stinkendes Riesenvieh?< Achims Mund klappt unverrichteter Dinge wieder zu und er starrt einen Augenblick lang völlig perplex auf die junge Frau hinab. "Stinkendes ... Riesenvieh?", echot er und seine borstigen Augenbrauen schieben sich bedrohlich wie Gewitterwolken auf seiner Stirn zusammen. "Stinkendes Riesenvieh?" Ein gewaltiger Ogerschädel senkt sich langsam aus luftiger Höhe hinab, als Achim sich zu ihr hinunterbeugt, bis er sich Aug in Aug mit diesem schwarzgewandeten weiblichen Charmebolzen befindet. Sein Näschen beginnt in ihre Richtung zu schnuppern, als würde ein Bluthund eine Spur aufnehmen. "Also, wenn ich nicht ein so gutherziges Kerlchen wäre, dann wäre ich jetzt direkt beleidigt. Stinkendes Riesenvieh .... pffff! Du riechst übrigens auch nicht gerade nach Rosenblüten, Mädel." Sie verzieht das Gesicht, aber was ein Lächeln werden sollte, sieht so gequält aus, als hätte sie üble Zahnschmerzen. Mit einer entschuldigenden Geste weist sie auf ihre erstarrten Kameraden und erklärt: >Wir…nun wir sind verflucht worden…von einem verdammten Buch, deswegen das Chaos. Vergiss einfach was wir tun und sagen und bring die Gruppe so schnell wie möglich aus diesem verdammten Zimmer raus…sonst passiert wohl bald noch ein grösseres Unglück <

"Verflucht?" Achim hievt sich ächzend wieder in die Senkrechte. "Das beruhigt mich. Ich dachte schon, Ihr benehmt Euch immer so. Jetzt aber los, wir müssen schnellstens zum Knochenacker. Rhordri, also der Kastellan der Steinfaust, hat mich geschickt, Euch abzuholen. Heute morgen haben die Totengräber eine Leiche auf dem Friedhof gefunden." Verwirrt kratzt er sich den Schädel. "Also, äh ... auf dem Sithechhain gibt's natürlich viele Leichen, aber DIE gehört dort eindeutig nicht hin." Während die kleine Magierin – an sich hat sie für eine Frau ja eine recht ordentliche Größe, aber Achim reicht sie trotzdem nicht einmal bis zur Brust - an ihm vorbei nach draußen stapft, blickt er sich nach ihren Kameraden um, die sich inzwischen wieder ein wenig von ihrem Schreck erholt haben. "Wir sollten uns wirklich beeilen. Ich kann Euch unterwegs erzählen, was ich weiß."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kaney am 20. Mai 2008, 12:21 Uhr
Kurz kommt Kaney der ernsthafte Gedanke, ein Gelübte an Garr den Wolfsgott und Anukis zu leisten, dass er drei Wochen lang nur Pflanzen fressen wird, sobald alles vorrüber ist… aber dann schiebt er den Gedanken zu Seite, im Moment gibt es Wichtigeres zu tun.
Alle Passanten, die ihm von Marktplatz aus beobachten können, ignorierend, lässt er sich in menschlicher Gestalt auf den Boden nieder, begutachtet den Weg, schnüffelt dabei auf dem Boden herum…
„Oh, ihr seid aber klein, ihr Moospflänzchen…“ kommt ihm dabei über die Lippen, als er die kleinen Gewächse zwischen den Fugen des Steinwegs registriert…
Dann kommt ihm ein besonders intensiver Lehmgeruch unter die Nase… frischer als die anderen…  Lehm?
Kaney springt wie von einer Riesenhornisse gestochen auf, sprintet in die Harfe zurück, wo er beinahe wieder in den Wirt reinrennt… er hört gerade noch wie der Zwerg etwas von >Aufwischen…<  und >Vermaledeit< sagt…
„Borgil! Wer hat das Buch hergebracht? Schnell?“ unterbricht er schnell, schafft es eine besondere Dringlichkeit in seiner Stimme mitschwingen zu lassen…
Der Zwerg brummelt etwas von einem Laufburschen der das Buch gebracht hat, und der dazu noch den gesamten Boden mit seinen Fußabdrücken verunreinigt hat…
Ein Blick auf den Lehmverdreckten Boden… Kaney hockt sich nieder, nimmt mit einem Finger etwas von dem Dreck auf, schnuppert wieder… „Danke Borgil…“
Und schon ist Kaney wieder draußen vor der Tür, wieder auf allen vieren auf dem Boden… „Oh, nur ein dreiblättriges Kleeblatt“ spricht er die nächste Pflanze an…
Ja, genau, dort… Lehm, dieser Geruch… ungewaschene Füße, Dreck… noch mehr Dreck, dort, etwas weiter auf dem Boden…
„Niedliches kleines Gänseblümchen…“

Unsanft wird Kaney am Ärmel hochgezogen, ein keifendes  >Kaney du Trottel! Hör endlich auf mit dem Grünzeug zu sprechen, die werden dir auch in 1000 Jahren keine Antwort geben.< klingt schmerzhaft hoch in sein Ohr.
Der Wargenmischling hat einfach nicht die Geduld um freundlich zu sein. Er hat etwas gefunden, und nun…
„Lass mich los!“ knurrt er, laut und deutlich, wie ein Wolf allzu deutlich die Zähne zeigend, die Lippen stark gekräuselt…
Dann reißt er seinen Ärmel los, rennt zurück in die Harfe, vorbei an Tiuri, der sich anscheinend gerade reimenderweise bei einer der Schankmägden der Harfe entschuldigt… vorbei an Achim, der überraschenderweise neben TIuri steht..
„Wartet nicht auf mich, ich finde euch…“ Während der Wargenmischling dies in die Richtung der anderen brüllt, zieht er sich schon halb das Hemd aus das er anhat, hüpft dabei einbeinig herum um den Stiefel aus zu bekommen… ein Wunder dass er nicht auf die Nase fällt
Er spürt die Blicke der Gäste, die zu dieser Zeit in der Harfe sind…
Borgil wird mich töten, wenn ich diese dadurch verschrecke, dass ich mich vor ihren Augen verwandle… und somit schiebt sich Kaney einfach an der Schankdame hinter dem Tresen vorbei, Richtung Küche, schließt die Tür soweit es geht, nur einen Spaltbreit bleibt sie offen…
und dann, sobald er den zweiten Stiefel auch ausgezogen hat, sobald die Hose zur Hälfte ausgezogen ist, wandelt Kaney. (Zum Glück kommt genau in diesem Moment KEINE der Küchenhilfe hier vorbei, die wären wohl ebenso wie die Gäste überrascht gewesen, einen nackten Mann mit heruntergelassener Hose zu sehen, der sich in einen Wolf verwandelt).
Kaney wandelt schnell. Sehr schnell. Schmerzen gehören zu jeder Verwandlung dazu, sicher… aber bei einer schnellen Verwandlung sind diese Schmerzen noch heftiger.
Außerdem versucht Kaney im Normalfall, dass er sich so verwandelt, dass er sich niederkniet, um den Höhenunterschied auszugleichen… dafür bleibt keine Zeit.
Seine Hände verwandeln sich in Pfoten, knallen relativ hart auf den Holzboden auf… Kaney jault schmerzerfüllt auf Zu schnell   … dann ist er schon ein Wolf, schwarzfellig, groß… und mies gelaunt, als ein „Arwuff“ über seine Lefzen kommt.
Könnte jemand Canidae, die Sprache der Hunde und Wölfe… so könnte er aus diesem Laut ein „Oh, Lecker Grünzeug für Fressen“ übersetzen… denn Kaneys Blick fällt genau in diesem Moment auf einen einzelnen Stiel Petersilie, den wohl irgendeiner von Borgils Angestellten hat fallen lassen.
Selbst jetzt muss er noch mit Pflanzen reden…. Ein Winseln, ein entnervter Blick ist Kaneys Antwort auf diese Erkenntnis.

Dann schiebt er sich durch den Spalt der Tür, geht so ruhig und unauffällig wie möglich Richtung Ausgang der Harfe (was dadurch schon mal nicht funktioniert, weil ALLE, wirklich ALLE Gäste, Harfenangehörigen und Ermittler ihm hinterher gucken), und beginnt dann nochmal die Dreckspuren auf dem Holzboden zu beschnüffeln.
So gut es geht speichert er diesen Geruch ab, schnüffelt weiter, inhaliert den Duft, versucht ihn sich so gut es geht zu merken… und schiebt sich dann einfach an Mistress Shin vorbei, die nur ein >Ach was für ein hübscher Wolf< von sich gibt.
Draußen knurrt er kurz in die Richtung von Lilith, die ihn ziemlich entgeistert anguckt… Wehe FeuerFrau pfotet nochmal zu mir Dann schnüffelt er weiter der Spur nach, trottet dabei seine Nase weiterhin am Boden mitten auf dem Marktplatz. Dass der Marktplatz zu dieser Zeit sehr gut besucht ist, dass unzählige Menschen, Elben, Mogbars und Zwerge diesen gerade im Moment betreten, und es vermutlich unmöglich ist, der Spur zu folgen… das ganze ignoriert Kaney mit seinem wölfischen Starrsinn und verschwindet schnüffelnd in der Menge.

Ein Aufschrei kommt an die Ohren der übrigen Ermittler… auch wenn Wölfe als Haustiere in Talyra nichts Ungewöhnliches waren… ein großer Schattenwolf, ohne irgendeinen erkennbaren Besitzer… Das sorgte dann doch für Aufregung auf dem Marktplatz.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 20. Mai 2008, 16:54 Uhr
Mitten im größten Chaos - Frey versucht aus dem Fenster zu steigen, Sayila redet beruhigend auf ihn ein, Lilith schnauzt Tiuri an und Aurian singt so falsch, dass Tiuri sich nicht sicher ist ob er nicht von jetzt an immer einen pfeifenden Ton im Ohr haben wird – öffnet Achim der Oger die Türe und brüllt die Chaostruppe an um sie für einen kurzen Moment zum Schweigen zu bringen und ihre Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.
Lilith, charmant wie eine Lady, faucht den riesigen Oger an und nennt ihn ein stinkendes Riesenvieh, was Tiuri angesichts der Tatsache, dass Lilith Achim ja noch gar nicht kennt ganz schön mutig fände, hätte er nicht mittlerweile begriffen, dass da der Fluch aus ihr spricht. Zum Glück erklärt sie auch sofort, dass sie alle verflucht worden sind, was der Oger, im Gegensatz zu Tiuri scheinbar beruhigend findet und froh ist, keinen der Anwesenden ernst nehmen zu müssen.
Tiuri findet die ganze Angelegenheit rein gar nicht beruhigend, ganz im Gegenteil, sie sind verflucht worden und das ist wirklich kein gutes Gefühl, auch wenn dieser überaus seltsame Fluch in seinem Fall nur 12 Stunden andauert, da bleiben immer noch Faron, Shin und Sayila bei denen der Fluch wohl anhält.
Ein weiteres Mordopfer hat ihnen in dieser Situation gerade noch gefehlt. Wie sollen sie sich in diesem Zustand ernsthaft mit irgendjemandem unterhalten? Aber um darüber nachzudenken bleibt einfach gerade keine Zeit, sie würden sich etwas einfallen müssen damit Lilith nicht die halbe Blaumantelbelegschaft beleidigt hat und Aurian sie mit ihrem Gesang dann endgültig in die Flucht schlägt, ehe sie auch nur eine sinnvolle Frage gestellt haben.

Götterergeben seufzt Tiuri, schiebt Sayila vor sich her damit sie sich endlich von Frey fern hält und packt den Seemann am Ärmel um ihn hinter sich her aus der Harfe in Richtung Sithechacker zu zerren. Lilith ist schon vorgelaufen und auch Aurian hält endlich die Klappe und folgt ihnen zusammen mit Achim und Amarius die Treppe hinunter. Sie sind kaum im Schankraum angekommen, da biegt auch schon Sigrun um die Ecke, ein gigantisches Fresspaket für Achim unterm Arm, das sie dem Oger mit einem freundlichen Lächeln und einem „Guten Appetit“ überreicht.
„Bin selten stumm, doch manchmal sehr dumm,
Es tut mir leid, muss mich entschuldigen
Und sollte deinem Essen öfter mal huldigen!“
Bricht es aus Tiuri beim Anblick der Köchin auch sofort heraus, welche ihn darauf hin ansieht als wäre er jetzt von allen guten Geistern verlassen. >Geht’s dir gut Junge?< fragt sie etwas besorgt und Tiuri lächelt nur gequält. „Mir geht es großartig! Einwandfrei… Lasst und schnell verschwinden!“
>Wartet nicht auf mich, ich finde euch…< plötzlich stürzt Kaney an ihnen vorbei, sich das Hemd vom Körper reißend, was Shin verlegen erröten lässt, stürzt an Sigrun vorbei in die Küche und kommt dann gemächlich wieder in seiner Wolfgestalt zum Vorschein, trabt schnüffelnd aus der Harfe und das letzte was die Gruppe von ihm mitbekommt ist der Aufschrei der Passanten draußen am Marktplatz.

---> Sithech-Hain

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Atevora am 20. Mai 2008, 18:50 Uhr
Innerlich über dieses vermaledeite Buch und diese neugierigen Nasen im Raum fluchend steht Atevora eben wie ein buchstäbliches Mauerblümchen tatenlos in einer Ecke, unfähig laut die Stimme zu erheben um zu versuchen die anwesenden zur Ordnung zu Rufen oder sich sonst irgendwie bemerkbar zu machen.

Plötzlich wird sie von Lilith gepackt und mit den Worten  >„Jetzt nehmt euch doch mal alle zusammen!“< wild durchgeschüttelt. Nimm gefälligst die Griffeln von mir zu bissiges Weibsstück. Was glaubst du was hier die ganze Zeit versuche? Etwa Socken stricken?! „Seid doch bitte nicht so grob“ Ist allerdings das Einzige was sie im verschüchtert zarten Mäuschenpiepslaut über die Lippen bekommt als sich Lilith bereits von ihr abwendet. Nur kurzfristig schafft sie zumindest ihre Mimik ihrer genervten Gefühlswelt anzupassen, um kurz darauf gesamtheitlich wieder in schier sittsamer Lethargie zu verfallen und mit herzerweichend niedlich wirrem Gesichtsausdruck Kaney dem Späherhauptmann hinterher sieht wie er aus dem Raum stürzt als wäre ein ganzer Wespenschwarm hinter ihm her. Und das ganze geschieht während Aurian Arien trällert die niemand bei klarem Verstand oder gesunden Gehörgängen hören möchte.
Zumindest hatte es ganz entfernt einen kleinen positiven Aspekt. Der Faun hüpfte somit nicht ganz ohne – sofern man es denn ansatzweise als so was bezeichnen konnte – musikalischer Begleitung wie dämlich herum.
Atevora ist gerade dabei sich schweigsam wie eine fromme Maid einen kleinen Überblick über das Chaos zu verschaffen, als sie die laute Basstimme Achims, die einem Erdbeben gleich den Raum erschüttern lässt, beinahe von den Füßen reißt.

Die donnernde Stimme schafft es endlich Atevora aus ihrer Handlungsunfähigkeit zu lösen, und sie trippelt Lilith und den anderen hinterher in den Schankraum wo Tiuri just neuerdings anfängt einer weiblichen Person ein irrwitziges Entschuldigungsgedichtlein vorzutragen und Kaney nach kurzer Dreckbegutachtung am Boden tatsächlich beginnt einen Strip hinzulegen. Verdammt, bist du von Sinnen? Du kannst dir doch nicht vor allen Leuten hier die Kleider vom Leib reißen! Abermals kommt nichts als ein niedliches Kichern über Atevoras Lippen, und ihr entfleucht schongleich ein „Kann ich dir irgendwie helfen?“ als sich der Wargmischling ungelenk auf einem Bein hopsend des Schuhwerks entledigt und zum Glück schnell genug in Richtung Küche verschwindet.
Während sie noch dabei ist etwas verdutzt Kaneys Abgang nachszuchauen fällt ihr Blick unwillkürlich auf den im Vergleich zum Raum mächtig überdimensionierten Oger. Passt bloß auf, dass ihr mit euren ruderbootgroßen Latschen nichts kaputt macht.
„Ohweh! Ihr habt ja kaum Platz.. Ich finde die Räumlichkeiten der goldenen Harfe könnten wirklich viel Ogergerechter eingerichtet und konzipiert sein.“ Fast keimt ein Funkte von Belustigung über die vom Fluch verursachten Worte in ihr auf, da spaziert etwas Schwarzfelliges vorbei. Huch, was zum Dunklen?! „Ach, was für ein hübscher Wolf.“
Atevora überkommt momentan das dringende Bedürfnis den lieben Wolf, der nur Kaney sein kann, zu streicheln, kraulen und kuscheln, und so folgt sie - innerlich von dem Vorhaben so gar nicht begeistert - der Flauschkugel ins Freie.
Bevor sie dazu kommt dem Späherhauptmann zu Nahe zu kommen, hüpft Faron seltsam an ihr vorbei und tanzt dabei beinahe eine Bäuerin mit einem Korb voll Radieschen nieder. Die Bäuerin kann gerade noch ausweichen, stolpert augenblicklich über ihre Schürze und leert ihr Gemüse versehentlich fast vollständig aus. Haha. Tollpatschige Alte. „Oh weh, wehrte Frau, ich darf euch doch helfen“ Ohne noch die Antwort abzuwarten bückt sich Atevora um der Bäuerin mit einem liebevollem Lächeln beim aufsammeln zu helfen und wird schließlich von Lilith grob mit den Worten „Dafür ist jetzt keine Zeit“ auf die Beine gezerrt und förmlich bis zum Totenacker hinter sich hergeschleift.

--------->Der Sithech-Hain

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 24. Mai 2008, 11:55 Uhr
Noch im Taumond

Mit verklärtem Blick sitzt Azra in einer stillen Ecke des Harfengartens im Schatten von Efeu umrankten Mauern, beobachtet die ersten, noch etwas verschlafen wirkenden Gäste und flicht mit geübten Fingern Blumengirlanden. Dazu ist sie bereits frühmorgens mit Halla zusammen aufgestanden und zum Smaragdstrand gelaufen, wo die schönsten wilden Margeriten und roter Mohn nah beieinander wachsen. Drei ganze Körbe voll hatten sie gepflückt, um dann heiter unter dem noch zarten, blassgoldenen Sonnenlicht den Rückweg anzutreten.
Azra hat vor die Fenster der Harfe ein wenig zu schmücken. Vor allem den neueren Teil des Gebäudes, der noch kahl und kalt wirkt, und sich damit deutlich vom Rest abhebt. Leise summt sie dabei ein Lied vor sich her und lächelt selig, obschon es genug Gründe gäbe sich vor Angst zu verstecken und sich nur noch in Begleitung von Borgil oder Tiuri vor die Türe zu wagen. Noch immer ist der grausame Mörder nicht gefasst worden und obschon Talyra für einen Aussenstehenden so ruhig und friedlich wirken mag, wie immer, hat eine ungewisse Furcht die Bewohner erfasst. Vor allem auf dem Markt spürt Azra das Misstrauen, das plötzlich von allen ausgeht und ziellos in alle Richtungen schlägt. Verdächtigungen, Anschuldigungen, über Borgil erfährt Azra hie und da, dass die Steinfaust ein einziger Hexenkessel ist, seit die dritte Frauenleiche gefunden wurde.
Azra selbst fürchtet sich auch. Sie hat sogar panische Angst, aber diese resultiert vor allem aus der Tatsache, dass Tiuri sich, trotz all ihrer Einwände und Proteste, zum Rächer der Getöteten ernannt hat und seither mit einigen zwielichtigen Gestalten auf Mörderjagd geht. Mit Argwohn verfolgt Azra diese Torheit und verheimlicht auch nicht, wie wenig sie davon hält. Nicht, dass sie nicht stolz ist auf Tiuri und seinen Heldenmut, mit dem er für die gerechte Sache kämpft, aber die Sorge überwiegt. Vor allem dann, wenn er sich des Nachts – aufgrund „wichtiger“ Hinweise, wie er es nennt – noch draussen in den Gossen herumtreibt. Dann kann sie fast nicht einschlafen vor lauter Sorge, ihm könnte etwas passieren. Was wenn er dem Mörder direkt in die Arme läuft? Oder wenn der Mörder sich seiner ungelernten Verfolger überdrüssig ist? Was wenn die Jäger längst zu den Gejagten geworden sind? Azras Fantasie spinnt die schlimmsten Horrorgeschichten und Borgil hat alle Hände voll damit zu tun seine aufgrund der Schwangerschaft übersensible Frau regelmässig zu beruhigen und sie vor einem hysterischen Anfall zu bewahren.
Heute aber fühlt sie sich ausgeglichen und ruhig. Auch weil Tiuri versprochen hat für diesen einen Tag Mörder Mörder sein zu lassen und sich seinen Aufgaben in der Harfe zu widmen. Das heisst Stall- und Werkarbeit, ausserdem Schwerttraining. Azra ist sich zwar nicht sicher, ob er das freiwillig tut, oder aber Borgil ihm ins Gewissen geredet hat, aber sie ist froh und gibt sich damit zufrieden, zumindest für ein paar Stunden nicht um sein Leben bangen zu müssen. Geschickt windet sie den roten Mohn zu einem kleinen Kranz und setzt diesen Brenainn, der direkt neben ihr auf einer Wolldecke auf dem Boden mit Bauklötzen spielt, auf das kupferrote Haar. Er greift kreischend danach, betrachtet das Gewinde dann nachdenklich für einen Moment und lässt es dann mit einem desinteressierten: „Blumen“, fallen. Kichernd angelt Azra nach ihrem Sohn, hält jedoch abrupt inne, als ein schwaches Ziehen sich von ihrem Kreuz her ausbreitet. Langsam atmet sie ein und wieder aus und wartet, bis jeglicher Nachhall des unangenehmen Gefühls vergangen ist, bevor sie Brenainn – der fragend zu ihr aufgeschaut hat – ein Lächeln schenkt und ihn ermuntert weiter zu spielen.
Bereits seit einigen Tagen wurden die Zeichen der bevorstehenden Geburt immer deutlicher und Azra hatte sich bereits einige Gedanken darüber gemacht, ob und wie es dieses Mal von Statten gehen würde. Und vor allem hat sie sich überlegt, wie sie es anstellen kann, um ihren Mann davor zu bewahren als nervliches Wrack zu enden. Eine Lösung zu finden, war nicht einmal schwer, vor allen Dingen, da sie selbst dieses Mal sehr viel gelassener an die ganze Sache herangeht. Zumindest jetzt noch. Mal sehen, wie lange das so bleibt, denkt sie und lächelt still in sich hinein. Derweil hat sie die Blumen beiseite gelegt und ist aufgestanden. Mit erhobenem Zeigefinger mahnt sie ihren neugierigen und überaus erkundungsfreudigen Sohn zu bleiben wo er ist, während Mami kurz etwas erledigen muss. Brenainn zeigt ihr mit einem unschuldigen Grinsen seine lückenhafte Zahnreihe und widmet sich dann wieder eingehend seiner Burgkonstruktion, die er in Folge des Morgens bereits mehrmals wieder dem Erboden gleich gemacht hat.
Azra watschelt derweil, eine Hand im Rücken, die andere auf dem riesigen Bauch, zur Tür, wo sie beinahe mit Halla zusammenprallt. Gerade noch rechtzeitig kann die Mogbar ausweichen und so ein grösseres Unglück verhindern.
„Ah, Halla, hast du einen Moment Zeit?“, fragt Azra hastig und nimmt ihrer Freundin rasch eines von drei Tabletts mit Tellern voll von herrlich duftendem Speck und Eiern ab. Halla unterlässt es Azra darauf hinzuweisen, dass sie das lieber sein lassen soll. Die Erfahrung hat der Harfengemeinschaft längst gezeigt, dass Azra sich nicht mit ein paar Worten davon abhalten lässt, zu helfen. Dicker Bauch, geschwollene Knöchel, schmerzender Rücken hin oder her. „Was ist denn?“, fragt Halla schliesslich, als sie den Gästen ihr Essen gebracht haben, und wischt sich die Hände an ihrer Schürze sauber. Azra beginnt so plötzlich zu strahlen, dass Halla mitten im Schritt innehält und skeptisch eine Augenbraue hochzieht.
„Es hat angefangen.“
Halla Miene erhellt sich schlagartig, dicht gefolgt von einem breiten Grinsen und einem schweren Seufzen: „Das heisst ich warne am besten schon einmal die Gäste vor, dass gleich ein…“ Hastig lenkt Azra ein und wedelt mit den Händen vor Hallas Gesicht herum, wie immer, wenn sie aufgeregt ist: „Nein! Nein! Kein Wort zu ihm! Noch nicht! Lass ihn… ähm... weiter mit dem Händler diskutieren. Ja. Das wird das Beste sein. Es wird noch genug Zeit bleiben, ihn wahnsinnig zu machen.“ Dabei denkt sie mit Entsetzen an die verschreckten Frühaufsteher, die bei Brenainns Geburt lediglich freundlich um Einlass gebeten und von einem fürchterlich aufgebrachten Zwergen von der Schwelle verwiesen worden waren. „Ja, besser er weiss es noch nicht. Besser für ihn und vor allem für alle anderen“, nickt sie bekräftigend und Halla kichert nur wissend, um dann zu versprechen, es noch für sich zu behalten, sofern Azra sich sofort melde, wenn es an der Zeit sei Wasser aufzusetzen und Tücher bereit zu legen.

Da aber bis dahin noch Stunden vergehen werden, begibt Azra sich zurück in ihre private Sitznische, um dort mit den Girlanden fort zu fahren. Zumindest hat sie das vor, aber als sie zurückkommt ist von Brenainn nichts mehr zu sehen. Die Bauklötze liegen in einem wilden Durcheinander um den ganzen Tisch herum verstreut, dazwischen ein paar Blumen, von einem quäkenden, brabbelnden Bündel Halbzwergen aber keine Spur.. „Oh nein“, entfährt es Azra und obwohl es ein sinnloses Unterfangen ist, versucht sie sich auf die Zehenspitzen zu stellen, um den Harfengarten besser überblicken zu können. „Brenainn! Brenainn!“ Ihre Stimme verhallt ungehört, oder aber gekonnt ignoriert. Azra tippt auf Letzteres, rafft seufzend die Röcke und macht sich auf die Suche, wie so oft in letzter Zeit. Der Entdeckungsdrang ihres naseweisen, zweijährigen Sohnes ist mittlerweile in himmlische Sphären geklettert und mit Ausflügen in die nahe gelegene Bäckerei um Süssigkeiten zu naschen kann Brenainn seine Eltern schon längst nicht mehr in Aufruhr versetzen. Dahin führt Azras Weg auch jetzt, mit Umweg über das Steinhäuschen am Llarelon, wo Njucon mittlerweile wohnt. Aus welchen Gründen auch immer, Brenainn hat einen Narren an dem Albino gefressen, was vielleicht an dem Kästchen voller Kohlestifte liegt, die Njucon Brenainn vor einiger Zeit grosszügig überlassen hat. Sehr zum Missfallen der Eltern, die daraufhin Tage damit verbrachten Brenainns künstlerische Erzeugnisse von den Wänden zu schrubben.
Schnaufend wie ein Walross und immerhin dunkelrosa im Gesicht vor lauter Anstrengung wackelt sie, die Hände fest auf ihren grossen, runden Bauch gepresst, um den Seitenanbau der Harfe hinaus auf die Nebengasse, um von dort zielstrebig Njucons kleines Häuschen anzusteuern. Es liegt direkt am Ufer des Llarelon, im Schatten zweier grosser Kastanien und ist dabei so unauffällig wie ein bunter Hund. Denn bunt ist es allemal. Leuchtend rot um genau zu sein. Aber geräumig und mit einem kleinen Stall versehen, der Platz genug bietet für eine Menge Kleinvieh oder ein einzelnes, grosses Tier. Sie kennt das Häuschen beinahe auswendig, hat sie doch jede Nische und Ecke eigenhändig aufgeräumt und geputzt, denn der Vorgänger hatte es wissen die Götter in einem erbärmlichen Zustand hinterlassen. Zwar hatte Njucon diese Hilfe zuerst nicht akzeptieren wollen, sich aber geschlagen gegeben, als Azra es als Bezahlung für das Bild, dass er von ihr gefertigt hatte, ausgelegt hat. Das sie Borgil übrigens zu seinem Geburtstag geschenkt hatte, in der vagen Hoffnung ihm dieses eine Mal nichts zu schenken, was er nicht schon hat.
Bereits von weitem erkennt Azra, dass niemand zu Hause ist, oder Njucon noch schläft, denn die kleinen, dunklen Holzfensterläden sind geschlossen und kein temperamentvoller Thunderländer streckt seinen Kopf über die halb offene Stalltüre. Seufzend gönnt sich Azra eine kurze Verschnaufpause, bevor sie sich wieder auf den Rückweg macht, mit Umweg über die Bäckerei. Aber auch dort hat niemand Brenainn gesehen. Zwei weitere leichte Wehen sind vorübergegangen und Azra mässigt ihren Schritt, um kein Unglück zu provozieren. Das Laufen an sich fühlt sich gut an. Besser als dumm in der Gegend zu sitzen und auf das Unvermeidliche zu warten.
Irgendwann hat sie den Marktrand, direkt vor der Goldenen Harfe wieder erreicht und dackelt höchst unelegant noch auf einen nahe gelegenen Stand zu. Der Duft süsser Beeren liegt hier in der Luft und sie kann noch nicht einmal protestieren, da hält ihr Eleas, ein blasser, blauäugiger Jüngling mit Pockennarben im Gesicht, und dem strahlendsten Lächeln dies- und jenseits des Wolkenthrons, bereits eine Handvoll dunkelroter Preiselbeeren unter die Nase. „Süss und saftig, sie zergehen einem auf…“ Er stockt, als er sie erkennt, wird rot und nuschelt rasch eine Entschuldigung, denn er kennt Azra mittlerweile gut genug, um zu wissen, dass seine theatralischen Ausrufe und Anpreisungen bei ihr überhaupt nichts bringen. Im Gegenteil. Obschon Azra es sich nach all der Zeit in Talyra – und nach dem Markt der Tausend Farben sowieso – gewohnt sein sollte, sich tagtäglich mit lauter Brüllaffen auseinander zu setzen, bevorzugt sie noch immer die stilleren Plätze, wo nicht geifernd bis aufs Blut gelobt, geheiligt und geschwärmt wird von den ausgelegten Waren.
„Oh, Madame Blutaxt, schön sie zu sehen. Was ma…“ Sie unterbricht die freundlichen Floskeln des Jungen, indem sie abwehrend die Hände hebt und keucht: „Brenainn! Hast du Brenainn gesehen, Eleas?“ Der Junge, der nur wenig jünger ist, als sie selbst, mustert sie einen Augenblick lang fragend, schüttelt dann aber zögerlich den Kopf: „Nein. Ich habe ihn nicht gesehen, aber…“ Er bricht ab und zuckt hilflos mit den Schultern: „Ich habe auch nicht auf die Gasse geachtet, weil ich gerade damit beschäftigt war Madame Enscheide…“ Erneut bricht er ab, dieses Mal aber weil Azra sich dezent räuspert. „Nein, bei mir war er nicht. Ist er wieder davongelaufen?“, sagt er schliesslich und beobachtet aus den Augenwinkeln scharf wie zwei Halbwüchsige sich die halbreifen Sonnenbeeren eine Spur zu gierig anschauen. Azra nickt leidlich, bedankt sich rasch und blickt dann in die Masse von Menschen, die sich träge von Stand zu Stand schiebt. Es herrscht ein dichtes Gedränge, trotz der frühen Stunden und Azra weiss genau, dass sie Brenainn in diesem Durcheinander nicht finden würde. Wenn er denn überhaupt auf den Markt gelaufen ist. Dumme Kuh! Anstatt Panik zu schieben, solltest du besser erst IN der Harfe nachsehen. Hmpf. Der Gedanke kommt ihr so selbstverständlich vor, dass sie gar nicht mehr weiss, warum sie sofort losgelaufen ist, anstatt zuerst bei Borgil nachzusehen. In letzter Zeit hängt sein Sohn ihm, wann immer der werte Papa mal Zeit hat, am Hosenbein und beobachtet genau, was in der Harfe alles vor sich geht. Dabei hat er, sehr zum Missfallen Azras, vor allem eins gelernt: das Fluchen. Wörter wie „Silverdammterscheissendreck“ oder „Herrgötterdonnernochmals“ oder „Byfandarryachyislinn“ kommen so fliessend über Brenainns Lippen, dass Azra sich die Nackenhaare sträuben und sie ihrem Sohn bereits wahrhaftig einmal den Mund mit Seife gewaschen hat. Ihrem Mann gleich mit, wenn auch weniger erfolgreich. Die Seife war in hohem Bogen ihm Wasser gelandet und sie beide samt Kleidung gleich dazu, was Brenainn nur mit einem gelangweilten „Hmpf“ quittiert hatte.

Jetzt schiebt sie ihren dicken Bauch durch den offenen Eingang der Harfe, vorbei an einem Paar, das höchst verliebt und blind für die Umgebung gerade im Gehen begriffen ist, hin zu ihrem Mann, der hinter dem Tresen steht und mit mürrischer Miene Humpen poliert. Gleich daneben, auf einem Stuhl hinter dem Tresen, eingemümmelt in eine Decke, liegt Brenainn und nuckelt schläfrig und vollkommen unschuldig an seinem Daumen, im Arm eine paar ihrer Blumen sowie einen halb gegessenen Keks. „Also, das ist ja…“, will Azra schon zu einer Schimpfrede ansetzen, als Brenainn sie unter dunklen Wimpern müde anblinzelt und ein herzzerreissendes: „Mama“, von sich gibt. Azras Ärger verfliegt auf der Stelle angesichts dieser glänzenden Kinderaugen und mit einem immerhin angedeutet mahnend erhobenen Zeigefinger streichelt sie ihrem Sohn über den rostroten Haarschopf. Es ist noch immer ganz weich und kringelt sich in sanften Löckchen in alle Richtungen. „Du kleiner Frechdachs. Mach das nie wieder.“ Der besorgte Tonfall straft den vorwurfsvollen Worten Lügen und kurzerhand bittet sie Halla den Kleinen in ihre privaten Schlafgemächer zu tragen. Sie würde es selbst tun – wäre ihr da nicht etwas im Weg. Auch nicht mehr lange, grinst sie dabei innerlich, küsst Borgil zärtlich den kräftigen, breiten Nacken und drängt sich seitlich an seinen Rücken, um dann, bevor er die Möglichkeit hat sich zu revanchieren oder überhaupt den gerade gewaschenen Becher beiseite zu legen, wieder in den Harfengarten hinaus zu treten. Immer mehr Gäste kommen zusammen. Einige grüsst sie nur freundlich, bei anderen bleibt sie kurz stehen, um sich nach dem Befinden zu erkundigen und lässt sich dabei nicht anmerken, dass eine nächste Wehe kommt und geht. Regelmässig, wie sie eine Spur erleichtert feststellt, in Erinnerung an Brenainns Geburt, die noch nicht so problemlos verlief. Damals hatte ich auch Angst. Ach was, Angst! Panik! Ausserdem war ich sicher, sterben zu müssen. Ein nervöses Kribbeln in ihrem Magen hat sich zwar schon bemerkbar gemacht, aber ansonsten bleibt Azra bisher gelassen. Ruhig und ohne Eile räumt sie die Blumen zurück in die Körbe, sammelt Brenainns Klötze ein, wischt die letzten Blütenblätter vom Tisch und von den Bänken und gesellt sich dann zu ihrem Sohn ins Schlafzimmer. Ein leises Schnarchen, das dem väterlichen Erbe bisher noch nicht gerecht wird, bestätigt, dass der kleine Ausreisser in der Zwischenzeit selig schlummert, und Azra hat vor diese seltene Zeit, in der sie keinem Windelhintern hinterher rennen muss, für noch ausstehende Arbeiten zu nutzen. Ich könnte endlich Borgils Hemd nähen. Oder die Kissen stopfen. Der Saum an Brenainns Mäntelchen lässt nach. Habe ich die Blumen schon gegossen? Ohje, die Vorhänge sind ja noch gar nicht fertig. Die Fensterscheiben gehören dringend mal wieder geputzt. Was ist denn das? Eine Spinne?! Raus! Hier hast du nichts zu suchen. Hm, vielleicht doch besser erst die Vorhänge. Wo Tiuri wohl gerade ist? Ob Borgil die Bücher schon nachgetragen hat? Nein, ich bleibe bei den Vorhängen!
Mit dem festen Willen, es hierbei zu belassen, sucht sie Stoff, Nadel und Faden und macht es sich im Sessel vor dem Kamin bequem. Die Zeit vergeht, und nur einmal schneit Halla flüchtig vorbei, um sich nach Azras Zustand zu erkundigen, die aber nur grinsend zu Protokoll gibt, dass das Ungeborene ganz nach seinem grossen Bruder käme.
Irgendwann erwacht Brenainn und verlangt nach einer Geschichte, was Azra gerade recht kommt, die sich dank der stärker werdenden Wehen kaum mehr auf die Näharbeit konzentrieren kann. Also erzählt sie ihrem Ältesten in allen Farben und Formen die Geschichte von dem gierigen Bären, der versuchte einem Schwarm Bienen ihren Honig zu stehlen und dabei jämmerlich den Kürzeren zog. Danach gesellen sie sich zu Halla, Grid und Sigrun in die Küche und Brenainn hilft mit seinem stumpfen, an der Spitze abgerundeten Kindermesser begeistert dabei mit das frisch gelieferte Fleisch zu zerteilen, währendem er Grid gleichzeitig eine Frage nach der anderen stellt. Azra überfliegt lediglich kurz die in der Küche vorhandenen Vorräte und hilft einem der jüngeren Mädchen, einem verschreckten jungen Ding von vierzehn Sommern, einen Stapel sauber gewaschener Teller sicher in den oberen Kästen zu verstauen. Eine weitere Wehe folgt, in regelmässigem Abstand zur letzten, und Azra wirft einen Blick aus dem Fenster. Nach dem Sonnenlicht zu urteilen ist es früher Nachmittag. Vielleicht etwa fünf Stunden, schätzt Azra und zieht nachdenklich die Stirn in Falten. Das letzte Mal hatte sie innert fünf Stunden gerade mal sechs Wehen gehabt. Jetzt sind bereits ein Dutzend voll.
Mit diesem Gedanken zieht sie sich wieder in die Gemächer zurück, um die Vorhänge aufzuhängen und sich danach einem Buch zu widmen, das sie sich für eine Weile von Tiuri ausgeliehen hat. „Fundins Chronik der Großen Waffenkunde“, murmelt sie den Titel und schlägt das Vorwort auf, derweil sie sich aufmacht in ihrem Zimmer umher zu gehen und so den Schmerzen, die allmählich zunehmen, entgegen zu wirken. Obschon sie niemals mit einem Schwert würde kämpfen können – Geschweige denn mit irgendeiner Waffe, die mehr als ein Stein wiegt – erscheint es ihr doch sinnvoll, über die verschiedenen Waffenarten, ihre Herstellung, ihre Herkunft, ihre bedeutendsten Schaffer und das dazu benötigte Material Bescheid zu wissen. Nur einen Moment lang zögert sie, denn eigentlich ist es völlig unnötig. Schliesslich ist Borgil eine wandernde Bibliothek wenn es um waffenspezifische Fragen geht. Es dauert eine Weile, bevor sie die Unsinnigkeit dieser Gedanken erkennt, denn es geht im Grunde genommen lediglich um ihre Neugierde. Sie will Wissen. Ob es etwas nützt oder nicht, ist doch völlig gleichgültig, entscheidet sie und fängt noch einmal von vorne zu lesen.
Als sie bei dem zweiten Kapitel – Waffengattungen – angekommen ist, muss sie das Buch beiseite legen, um sich am Fussende des Bettes abzustützen. Tief atmet sie ein und aus, zwingt sich gerade zu stehen und sich auf den azurianischen Teppich vor ihren Füssen zu konzentrieren. Als ob Hallas innere Alarmglocken angeschlagen hätten, steht diese plötzlich in der Tür und mustert Azra besorgt. Azra lächelt ihr verkrampft zu… und erstarrt prompt, als sie über den braunen Haarschopf der Mogbar hinweg Borgil erblickt. „Oh, Borgil… Ich… ah… tja… das Kind…“ Sie gibt auf: „… ist unterwegs.“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 02. Juni 2008, 11:43 Uhr
Noch im Taumond


An einem wirklich frühen Tauglanzmorgen, gerade kurz vor der Dämmerung, öffnet Borgil die Harfentür einer vermummten Gestalt, deren Klopfen ihn aus der Küche, wo er Azra gerade einen Krug Malzbier - am Ende ihrer Schwangerschaft trank sie das süße, gehaltvolle Zeug fast gallonweise - holen wollte, aufgeschreckt hatte. Die Frau vor ihm - er nimmt an, dass es eine ist, aber unter dem Umhang und seinen weiten Falten kann er das gar nicht so genau sagen - will als erstes wissen, ob sie mit Borgil spräche. Gibt's noch einen vernarbten Zwerg, der in Talyra ein Gasthaus betreibt?
"Höchstpersönlich", knurrt er und nimmt die Fremde aus schlaftrunkenen Augen genauer ins Visier. "Was führt Euch zu dieser frühen Stunde hierher?"
Die verhüllte Gestalt hebt kurz den Kopf und wirft einen prüfenden Blick gen Himmel, wo sich gerade die Morgendämmerung anschleicht, dann neigt sie sich ihm ein wenig zu und aus den Schatten unter der Kapuze wispert es verschwörerisch: >Was vereint Tatze, Kralle und Schwinge?<
Ach herrje! Borgil ist schlagartig hellwach. Es ist lange her, dass er diese Worte gehört hat, aber er hat sie nicht vergessen und er kennt - Götterlob! - auch die korrekte Antwort: "Sie sind alle Jäger und Gejagte im Dienste des Lichts. Kommt herein, Jüngerin. Mein Haus sei Euer Obdach und gewähre Euch Schutz."
Gefasst, aber mit unverkennbarer Erleichterung betritt die Sithechjüngerin die Harfe und blickt sich im halbdunklen Schankraum um.
>Verzeiht die unangekündigte Störung, aber ich benötige dringend eine Unterkunft auf unbestimmte Zeit. Mein Name ist Meripihka, ich komme von den Achyuta.< Die Frau, es ist tatsächlich eine, nimmt ihre Kapuze ab und zum Vorschein kommen ein unbestreitbar hübsches Gesicht, eine Flut wirrer, roter Locken und ein Paar rötlich schimmernde Augen. Sie hätte Borgil noch weitaus besser lebendig und nicht so geisterhaft blass gefallen, aber da sie tot - oder besser gesagt untot - ist, ist an diesen Tatsachen wohl kaum etwas zu ändern.  >Ich verfolge eine Mundustochter der Neala, die sich wahrscheinlich seit ein paar Tagen in der Stadt herumtreibt.<
"Hmm," brummt Borgil. "Schon das ein oder andere gehört, dass es wieder eines von den Biestern hierher verschlagen hat. Am besten Ihr geht in die Unterstadt und sucht dort in den Spelunken rund um den Wolfsmarkt nach Krätze... in der Oberstadt Talyras halten sich kaum Munduskinder, ist ihnen zu ungemütlich mit all den Blaumänteln auf den Straßen und die wenigsten werden gern von Lady Niniane gegrillt." Als Sithechjüngerin wird ihr der Name Ninianes, die schließlich Jägerin ist, bestens vertraut sein, nimmt Borgil an.

"Der Kerl - also Krätze - ist ein Idiot, aber ein guter Führer dort unten und er sieht und hört fast alles... normalerweise nimmt er Gold und lässt sich seine Kenntnisse teuer bezahlen, aber ich denke Ihr dürftet keine Schwierigkeiten haben, ihm genug  Angst einzujagen, dass er Euch sein umfassendes Wissen völlig umsonst zur Verfügung stellt. Aber erst einmal kommt herein und erholt Euch nach Eurer Reise. Ich habe ein paar sonnensichere Räume - Verstecke, von denen niemand außer mir, meiner Frau und Euresgleichen etwas weiß. Dort seid ihr sicher... folgt mir, ich zeige Euch den Weg. Ach ja und... frisches Blut gibt es erst morgen, schließlich ist man nicht auf Sithechjüngerbesuch eingerichtet... Huhn oder Hase, was ist Euch lieber? Ich habe jedoch ganz sicher noch irgendwo den einen oder anderen Krug Blutwein, das sollte Euch über Nacht auf jeden Fall vor dem Verhungern bewahren..." Borgil nimmt eine brennende Laterne vom Tresen, wo er sie vorhin abgestellt hatte und führt die junge - oder alte oder wie auch immer - Frau dann aus der Schankstube die Treppen hinauf durch den ersten und zweiten Stock des großen Gasthauses und über die schmälere Speicherstiege dann hinauf auf denselben. Hier oben herrscht dank der hohen Dachsparrenfenster noch kaum Licht außer einer diffusen, grauen Helligkeit und selbst wenn die Sonne hoch am Himmel stünde, würde die meiste Fläche des Harfendachbodens in angenehmem Halbdunkel liegen. Wie schlafende Wesen einer anderen Welt dämmern hier oben alte Möbelstücke, das reinste Labyrinth von Körben, Truhen und Schränken, stapelweise Kisten und anderes Gerümpel vor sich hin. In diesem geheimnisvollen Irrgarten, hinter einer Wand von hölzernen Regalen, in denen sauber gespülte Einmachgläser und eine Armee irdener Krüge fein säuberlich auf reinem Linnen und gut abgedeckt mit sauberen Tüchern der Dinge harren, die da im Herbst zur Erntezeit wieder kommen würden, findet sich ein behagliches Lager zwischen einem alten Schrank und der Giebelwand. Viel Komfort bietet es nicht, aber es ist sauber und so gemütlich wie ein Versteck auf einem Speicher eben sein kann - ein Stuhl, ein Tisch, eine Öllampe, ein sauber bezogenes Bett und ein kleiner, bunter Flickenteppich, der dem ganzen einen etwas wohnlicheren Anstrich gibt... abgesehen davon ist der Dachboden der Harfe dank Azras, Grids und Hallas Putzfimmel wohl der sauberste ganz Talyras und nicht ein Staubkörnchen würde sich hier herauf wagen, geschweige denn eine Spinnwebe oder gar etwas so profanes wie Schmutz. "Hier ist es. Es ist nicht gerade das Fürstengemach, aber es ist sauber und Tageslicht dringt nicht ein. Außerdem könnt Ihr, wenn Ihr ungesehen kommen und gehen wollt, nachts die Dachluke benutzen." Mit diesen Worten und einem freundlichen Nicken lässt Borgil die Vampirin allein, bringt ihr kurz darauf noch den versprochenen Blutwein und kehr anschließend in sein Bett zurück, um sich noch eine Stunde wohlverdienten Schlaf zu gönnen, ehe er sein Tagwerk beginnen würde.

Ein paar Tage später - Meripihka ist ein äußerst unauffälliger Gast und die Ermittlertruppe trifft sich zwar mit schöner Regelmäßigkeit in ihrem Nebenraum, hat jedoch noch keine brauchbaren Ergebnisse vorzuweisen - ist in der Harfe und vor allem im Harfengarten dank des schönen Wetters sprichwörtlich die Hölle los. Schon am frühen Morgen waren zwei größere Reisegruppen - ein paar Mogbarhändler und einige Azurianer mit zuviel Geld - über die Harfe hergefallen und hatten sich praktisch im gesamten ersten Stock einquartiert, am Mittag waren die Passagiere der Kormoran in der Harfe abgestiegen, da das Schiff Kapitän Isaios im Perlenhafen dringend eine Reparatur am Mast vonnöten hatte und das schöne Wetter lässt den Harfengarten zur Mittagszeit aus allen Nähten platzen. Borgil weiß bald nicht mehr, wo ihm der Kopf steht, doch allen Göttern sei Dank ist der Trubel was die Essensgäste angeht nur von kurzer Dauer und der ganze Spuk am frühen Nachmittag wieder vorbei, so dass er Zeit findet, kurz nach seiner Frau zu sehen, die sich in den letzten Stunden auffällig rar gemacht hatte. Wahrscheinlich hat sie sich wieder irgendwelche Arbeiten gesucht, die absolut nichts mehr für sie sind... Auf dem Weg in sein Schlafgemach begegnet er Halla, die hier eigentlich wenig zu suchen hat und auf Borgils fragenden Blick hin sogar zusammenzuckt und rot um die runde Knubbelnase wird, weshalb es ihm spontan auch sämtliche Nackenhaare aufstellt und irgendwo hinter seiner Schläfe eine leise Alarmglocke beginnt zu bimmeln. "Was ist hier..." hebt er an, kommt aber nicht einmal mehr dazu "los?" zu fragen, denn im Schlafzimmer steht Azra, erwürgt das Fußende ihres schönen, breiten Bettes, lächelt Halla an, erstarrt, als sie ihn entdeckt, schnauft wie ein Blasebalg und erklärt dann japsend: >Oh, Borgil... Ich... ah... tja... das Kind... ist unterwegs.<
"Unterwegs? Wie unterwegs?" Erwidert der Zwerg in hilfloser Verwirrung, dann dämmert es ihm: "Wie, du meinst es kommt? Jetzt?!" Azra beißt sich auf die Lippen vor Belustigung über seinen ganz offensichtlichen Schrecken und Borgil schüttelt wild den Kopf. "A... aber du hast gesagt, es dauert noch mindestens einen Siebentag!"
Azra murmelt etwas davon, dass man das nie so genau sagen könne und kichert dann in hilfloser Belustigung. "Oh... Hebamme..." Borgil macht auf dem Absatz kehrt, kommt aber nach zwei, drei Schritten schon wieder zurück und verkündet schreckensbleich, es sei ja gar keine Hebamme da... Niniane wäre irgendwo im Larisgrün, Morgana sonst wo verschollen und Riaril auch nicht da - und Morna, Rhordris Frau und selbst Mutter einer vielköpfigen Kinderschar, sei ihre Schwester in Sternfels besuchen. "Du hast dir den einzigen Tag ausgesucht, an dem nicht eine fähige Hebamme in Talyra oder sonst wo in erreichbarer Nähe ist," verkündet er in komischer Verzweiflung. "Kannst du's nicht noch eine Weile bei dir behalten? Wenigstens so lange, bis ich Niniane in diesem verflixten Wald aufgetrieben habe?"

Azras Kichern wird zu einem leisen Prusten, weil schon die nächste Wehe sie überrollt, dann watschelt sie an seine Seite, tätschelt ihm beruhigend den sehnigen Unterarm und schüttelt einfach nur gelassen den Kopf. Gelassen! Borgil zwinkert perplex und fasst seine Frau, die vollkommen ruhig versichert, dass man eine Geburt nun einmal nicht aufhalten könne, wenn es einmal begonnen hätte, aber er solle sich keine Sorgen machen, es ginge viel leichter als bei Brenainn, genauer ins Auge. Sie sieht tatsächlich entspannt aus, sie lächelt sogar. "Wa...?" Wo war das entsetzte, flatternde Nervenbündel, das seinen Erstgeborenen zur Welt gebracht hatte? Er erinnert sich nur zu gut an jene endlosen Stunden voller Angst, Sorgen und Schmerzen, die Azra sich geschunden und geschunden hatte, doch jetzt steht sie vor ihm und lächelt, und bei der nächsten Wehe... Schon wieder?!... tätschelt sie sogar nur beruhigend ihren Bauch, der sich krampfartig zusammenzieht und gibt nichts als ein leises "Puh!" von sich. "Puh?! Wie kannst du so ruhig sein?" Platzt es aus ihm heraus, denn Borgil, sonst die Unerschütterlichkeit in Person, war beim Anblick seiner Frau in Wehen schlagartig zu einem zappeligen Nervenbündel mutiert. Dennoch nimmt er sie in den Arm und geht ein paar Schritte mit ihr, während Halla hinter ihnen geschäftig das Bett bezieht und die Kissen bequem aufschüttelt. "Ich sehe zu, dass ich einen der Maester ho... hoppla!" Er kommt nicht mehr dazu, die Flucht zu ergreifen, um irgendetwas Sinnvolles zu tun, er kommt noch nicht einmal mehr dazu, seinen Schrecken zu einer handfesten Panik werden zu lassen, denn in diesem Moment verkrampft sich Azras zierlicher Körper noch viel stärker als vorher. Sie schnappt nach Luft, auf ihrem Rock breitet sich ein dunkler Fleck und zu ihren Füßen eine aprikosenfarbene Pfütze aus, das Schlafgemach füllt sich mit dem durchdringenden Geruch nach Fruchtwasser und Halla stürzt mit einem erheiterten "Du lieber Himmel!" hinaus, um nach Tüchern und Wasser zu eilen. Mag sein erster Sohn sich endlos lange Zeit gelassen haben, das Licht dieser Welt zu erblicken, der zweite hat es furchtbar eilig. Das Kind lässt Borgil gerade noch Zeit genug, seine Frau ins Bett zu verfrachten, in die Kissen zu lehnen und sie hastig aus den hinderlichen Röcken zu befreien, es ist sogar für Hallas flinke Beine zu schnell und kommt gänzlich ohne heißes Wasser, Tücher oder eine Hebamme zur Welt, von einem Heiler ganz zu schweigen. Zwei kurze, heftige Presswehen und ein paar angestrengte Grunzlaute und einen bitterbösen Blick Azras in Borgils Richtung später wird sein Sohn geboren - zappelt mit einem weiteren Schwall Fruchtwasser auf das noch hastig unter Azra ausgebreitete Geburtsleder in diese Welt, gibt kleine, empörte Quäklaute von sich und boxt schon jetzt energisch mit den winzigen Fäustchen in die Luft.

Borgil ist schlicht und einfach sprachlos und kann es weder fassen noch irgendetwas tun, denn sowohl Azras angestrengtes Lächeln und ihr schweißnasses Gesicht, als auch der Anblick seines Sohnes und diese ganze vollkommen unerwartet rasche und leichte Geburt - seit er sein Schlafgemach betreten hatte, um nach ihr zu sehen, kann doch höchstens eine Viertelstunde vergangen sein - hatten ihm nicht nur alle Worte genommen, sondern ihn auch noch auf der Stelle festgehext... selbst wenn er gewollt hätte, er hätte keinen Muskel rühren können, einen langen Moment kann er noch nicht einmal atmen. Als Halla, bewaffnet mit Windeln, einer weichen Flanelldecke, einem Kessel warmen Wassers und dem ausgepolsterten Babykörbchen unter dem freien Arm hereinächzt, hat Borgil das Baby bereits abgenabelt, in eines seiner Hemden gewickelt und Azra in die Arme gedrückt - die Harfenmagd kann nur noch die Nachgeburt in Empfang nehmen, das Bett neu beziehen (zu welchem Zweck Borgil seine Frau samt seinem Kind einfach hochhebt so lange es dauert) und der kleinen Familie im Namen aller Harfenmägde und Knechte, der Schankmaiden, Spüljungen und Köche alles Gute wünschen. Zwei Stunden später ist der Kleine gebadet, ordentlich gewickelt, duftet herzzerreißend gut nach Baby und trinkt an der Brust seiner Mutter als gelte es das liebe Leben. Brenainn, ein wenig eifersüchtig, aber hochinteressiert, hat sich in Azras freien Arm gekuschelt, beäugt seinen Bruder und lauscht zufrieden den leisen Schmatzgeräuschen des Babys. Das hat das gleiche rote Haar wie er, nur dass es bei Borgil Junior dem Zweiten vorerst noch ein kükenzarter Flaum ist. Aber seine Haut ist dunkler als Brenainns, wenn auch lange nicht so dunkel wie der wettergegerbte Firniston seines Vaters, und seine Augen sind vorerst von einem trüben, dunklen Grau - Borgil hegt allerdings die leise Befürchtung, dass sie so pechschwarz wie seine werden würden. Ansonsten ist sein Sohn klein, aber ein properes Kerlchen. Wenn Borgil schätzen müsste - er hatte ihn im Arm gehalten, als Halla Azra gewaschen und ihr ein frisches Hemd übergestreift hatte und war gurrend wie eine verliebte Taube mit ihm durchs Zimmer spaziert - würde er sagen ein satter Siebenpfünder. Jetzt sitzen sie zusammen, Azra stillt das Baby, hat sich ihrerseits in seinen Arm gelehnt und betrachtet hingerissen das kleine Gesicht ihres Sohnes - und sie probieren den Klang der verschiedenen Namen aus, die sie sich in den letzten Wochen ausgesucht hatten, denn ganz schlüssig konnten sie sich keineswegs werden. "Findest du, er sieht aus wie ein Breoan?" Fragt Azra zweifelnd und streicht dem Baby über das runde Köpfchen. "Zuviele Vokale hintereinander," wirft Borgil ein und sein knorriger Zeigefinger berührt die winzige Stupsnase. "Nein, er sieht nicht aus wie ein Breoan. Aber wie ein Braneor vielleicht." Azra blinzelt wie ein verschrecktes Käuzchen und drückt das Baby schützend an ihre Brust. "Sieht er nicht... Wie hieß der Schmied in der "Legende der Schwerter"? Der Schüler von Brogr?"
"Bræn." Rollt Borgil den alten Zardakh-Namen hervor, so wie ein Zwerg ihn aussprechen würde, was in etwa klingt wie "Brrrayan". "Du meinst Bræn Schwarzauge, den Meisterschmied. Das ist ein guter, starker Name, Azraschatz." Er drückt einen Kuss auf ihre weiße Stirn. "Dann soll er Bræn heißen."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kaney am 05. Juni 2008, 13:16 Uhr
Wieder im Grünglanz

Sie begeben sich also zur Harfe, und je näher sie dem Gasthaus kommen, desto unwohler fühlt sich der Wargenmischling.
Wäre er als Wolf unterwegs, er würde wohl die Ohren anlegen und den Schwanz einkneifen, und sehr geduckt gehen... er befürchtet, dass Borgils Laune nach dem ganzen Theater in der Harfe nicht gerade gut ist, und wenn der Zwerg sauer ist... aber zum Glück ist er im Moment ein Mensch, und somit sieht man dem Wargenmischling seine Gefühlslage nicht so eindeutlich an.

Und dann betreten sie schon die Harfe (zum Glück hat Kaney die Gewächse um die Harfe herum schon angesprochen, so dass er dies nicht wiederholen braucht).
Der Zwerg steht hinterm Tresen, kümmert sich gerade anscheinend um irgendeine Liste...
Misstrauisch schaut Kaney, ob bei dem Zwergen irgendwo eine Ader verdächtig pocht, oder ob die Augenbrauen sich verdächtig sträuben... aber bisher sieht der Wirt relativ gelassen aus..
"eh.. Borgil.. Hallo.. entschuldigt bitte das.. eh.. Chaos das wir vorhin verursacht haben... ich hoffe ihr hattet nicht zuviele Unannehmlichkeiten durch uns... Hättet ihr vielleicht eben einen Moment Zeit für uns, wir bräuchten eben eure Hilfe, wegen dem Burschen... wegen dem Burschen, der euch das Buch für uns gegeben hat.."

Nur mühsam kann Kaney sich zusammen reißen, um nicht unruhig von einem Fuß zum anderen zu tippeln. Misstrauisch wirft er stattdessen immer wieder einen unauffälligen Blick auf die Augenbrauen, beobachtet, ob sie sich in sich windende Raupen verwandeln, und macht sich dennoch auf ein DonnerWetter des Zwerges gefasst..

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 05. Juni 2008, 22:27 Uhr
"Hrrrmhmmmmpf!" Ist erst einmal alles, was Borgil auf Kaneys hervor gestotterte Entschuldigung erwidert, aber er bleibt - für seine Verhältnisse - schon geradezu stoisch ruhig. Seine narbige Stirn verzieht sich nicht zu einer drohenden Kraterlandschaft, seine Brauen schnappen nicht über der Nase zusammen und sein dichter Schnurrbart zittert zwar erwartungsvoll, sträubt sich aber nicht sonderlich. Kaney bietet aber auch ein Bild des Jammers, wie er da vor ihm steht, aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen auf einen Punkt auf seiner Stirn irgendwo unter der Narbe und über den Augen starrt und aussieht, als könne er jeden Moment die Flucht ergreifen. Gut so! Haben mich genug Nerven gekostet... Borgil hakt zwei weitere Punkte auf der Inventarliste des Weinkellers ab, die er heute aufgestellt hatte und schreibt die Bestellungen für die nächsten Wochen zusammen. "Unannehmlichkeiten? Ich weiß gar nicht, was ihr meint," grollt er. "Doch nicht etwa das gute Dutzend Gäste, das Hals über Kopf aus der Harfe gerannt ist und etwas von einem Schattenwolf geschrieen hat oder doch?"
Kaney besitzt wenigstens den Anstand rot zu werden, stammelt dann aber etwas von einem Moment Zeit und Hilfe und einem Burschen.
"Hä?"
>... wegen dem Burschen, der euch das Buch für uns gegeben hat...
"Der Botenjunge? Warum, was ist mit dem? Ich meine, außer dass er aussah, als hätte er gerade ein Staubbad genommen? Der ist hier reingeschneit, hat euren Alchemisten fast umgerannt und mir das Buch für euch gegeben, sonst nichts."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lilith am 06. Juni 2008, 09:07 Uhr
Schweigend wie sie es sich vorgenommen hat, folgt Lilith dem schwarzhaarigen Hauptmann zu der Harfe zurück. Die beiden betreten das Wirtshaus und der Geruch von Essen weht ihnen entgegen, als sie die schwere Holztür aufstossen. „Was zu essen wäre wirklich nichts verkehrtes.“ Lilith spürt wie ihr Magen knurrt und wirft einen sehnsüchtigen Blick auf das gut gefüllte Tablett, welches gerade von einem der Schankmaiden an ihr vorbeigetragen wird. Sie schlägt ihre Kapuze zurück, schüttelt das schwarze Haar aus und folgt Kaney durch den Schankraum zu Borgil, welcher gerade über eine Liste gebeugt steht und die Beiden erste bemerkt, als Kaney anfängt sich zu entschuldigen. Lilith steht schweigend daneben, hört sich die gestammelte Erklärung des Hauptmanns an und die gar nicht so schlimme Reaktion des Zwerges. „Ihr habt nicht vielleicht eine Idee wer dieser Junge sein könnte und wo wir ihn finden können?“ Mischt sich Lilith nun auch in das Gespräch ein und schaut den Wirt fragend an.

„Es wäre hilfreich, wenn wir eine kleine Beschreibung von dem Jungen kriegen könnten, denn wir sollten herausfinden von dem dieses verdammte Buch gekommen ist. Ist Euch vielleicht etwas Spezielles an ihm aufgefallen Meister Borgil?“ Versucht es Lilith weiter. „Wenn ich den kleinen Bastard nämlich in die Finger kriege kann er etwas erleben.“ Zischt Lilith zwischen den Zähnen hervor und ballt die Fäuste. Ihre grünen Augen werden dunkler und ihre Gesichtszüge verhärten sich. So schnell wie diese Veränderung in ihrem Gesicht gekommen ist geht sie auch wieder und die Feuermagierin beruhigt sich wieder etwas. Lilith schaut zu Kaney welcher erleichtert zu sein scheint, dass Borgil keinen Wutanfall bekommen hat und wendet dann wieder ihren Blick zu dem Zwergen, der weiterhin auf seinem Pergament rumkritzelt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kaney am 06. Juni 2008, 12:02 Uhr
>Unannehmlichkeiten? Ich weiß gar nicht, was ihr meint, doch nicht etwa das gute Dutzend Gäste, das Hals über Kopf aus der Harfe gerannt ist und etwas von einem Schattenwolf geschrieen hat oder doch?<

...
Kaney wird knallrot.
So rot, dass Borgil eine Menge Kerzen und Lampenöl einsparen könnte, wenn es dunkel wäre, denn dann wäre der gesamte Gastraum in einem angenehm schummerigen Rot erleuchtet worden...
Die nächsten Worte für die Erklärung, warum sie den Burschen suchen, bleibt ihm wortwörtlich im Hals stecken, diese Pause nutzt Lilith um ihren Frust los zu werden...
>Es wäre hilfreich, wenn wir eine kleine Beschreibung von dem Jungen kriegen könnten, denn wir sollten herausfinden von dem dieses verdammte Buch gekommen ist. Ist Euch vielleicht etwas Spezielles an ihm aufgefallen Meister Borgil? Wenn ich den kleinen Bastard nämlich in die Finger kriege kann er etwas erleben.<

Kaney versucht sich und seine Röte währenddessen unter Kontrolle zu kriegen, flucht innerlich über das zweiSchneidige Schwert seiner Verwandlung.
Einerseits wollte er nicht, dass jedermann wusste, dass er sich verwandeln konnte... die Tatsache, dass er als Wolf fast überall herumlaufen konnte, ohne dass man ihm die gleiche Aufmerksamkeit schenkte wie einem Menschen...
Andererseits, in Situationen wie in der Harfe, hasste er es, dass die Leute davon nichts wussten, dass sie Angst hatten wenn sie ihn als Wolf sahen...  oder dass sie ihn als Wolf sehen und ihn dann als Zielscheibe benutzen...  

Aber dann beendet Lilith ihre Ansprache zu Borgil, dieser schaut höchst verwirrt drein, als hätte er keine Ahnung davon, dass die Ermittler der Steinfaust verflucht worden sind.... Moment mal, vielleicht HAT er keine Ahnung, dass wir verflucht worden sind..
Der Wargenmischling räuspert sich, kriegt sich wieder etwas unter Kontrolle...
"Borgil.. ich weiß nicht ob Ihr es mitbekommen habt... aber in eurem Gasthaus wurde FluchMagie gewirkt"
Und damit hat der Wargenmischling die Aufmerksamkeit von Borgil - der eine Kaney bekannte Abneigung von gewirkter Magie in seinem Haus hat.
Dieser lässt seine InventarListe kurzerhand InventarListe sein und zieht sich mit dem Wargenmischling und der Feuermagierin in einem anderen Raum zurück, wo sie ungestört und ungehört miteinander reden können...

Und so berichtet Kaney von dem Buch, dem Fluch, und den unterschiedlichen Auswirkungen, dass er immer wieder mit den unterschiedlichsten Pflanzen sprechen muss, und Lilith  einen sehr interessanten Wortschatz hat, den sie im Moment aber kontrollieren kann... Wieso auch immer
Und davon, dass er der Spur des Burschen verfolgt und anschließend verloren hat... und von dem seltsamen Geruch an der Brücke und am letzten Tatort

"Wir müssen also den Burschen finden, der uns das Buch übergeben hat.. vielleicht finden wir so das, was auch am Grab gewesen ist... Wir brauchen also eine Beschreibung..."
Kaney runzelt die Stirn, stockt kurz... und blickt dann Borgil noch mal an...
"Besteht vielleicht die Möglichkeit, dass wir die Laufburschen und Mädchen der Stadt um Hilfe bitten, nach dem kleinen Burschen Ausschau zu halten? Gegen eine kleine Belohnung? Ich glaube, so ein Kind findet ein anderes Kind eher, als ein Erwachsener ein Kind..."

Fragend blickt Kaney von Lilith zu Borgil, was die beiden zu dieser Idee meinen...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 07. Juni 2008, 09:00 Uhr
Bevor Borgil auf die Fragen der Feuermagierin auch nur irgendetwas antworten kann, bevor er auch nur "Hoppla" knurren kann oder die Adern an seinen Schläfen auch nur die Chance bekommen, bedrohlich anzuschwellen ob der Tatsache, dass irgend so ein Hundsfott von dämlichem Mörder ein verfluchtes Buch in seine Harfe hat schicken lassen, wird er auch schon von Kaney in einen Nebenraum genötigt und bekommt dort viel mehr zu hören, als ihm lieb ist. Von dem verdammten "Lies mich" ist die Rede, von den Flüchen, welche die Ermittler getroffen hatten, von dem Botenjungen, dessen Geruch Kaney wohl eine Weile verfolgt und dann verloren hat und von den jüngsten Ereignissen am Knochenacker.
>Wir müssen also den Burschen finden, der uns das Buch übergeben hat.. vielleicht finden wir so das, was auch am Grab gewesen ist... Wir brauchen also eine Beschreibung...< Schließt der Hauptmann der Spähergarde, dann scheint ihm noch etwas einzufallen. >Besteht vielleicht die Möglichkeit, dass wir die Laufburschen und Mädchen der Stadt um Hilfe bitten, nach dem kleinen Burschen Ausschau zu halten? Gegen eine kleine Belohnung? Ich glaube, so ein Kind findet ein anderes Kind eher, als ein Erwachsener ein Kind...<
Borgil schweigt eine Weile - eine lange Weile, ehe er sich zunächst an Lilith wendet. "Wenn Ihr den "kleinen Bastard" in die Finger kriegt, wird er gar nichts erleben," erklärt er vollkommen ruhig, aber unmissverständlich. "Der Kleine ist ein Botenjunge, der mit eurem Mörder überhaupt nichts zu tun haben muss, er hat nur seine Arbeit erledigt. Das Buch war eingepackt, er wusste höchstwahrscheinlich nicht einmal, was er euch gebracht hat. Alle Boten, auch die kleinen, stehen unter Ama'auts persönlichem Schutz und an Eurer Stelle würde ich mich nicht mit einem Archonen anlegen. Ihr werdet dem Bengel - falls ihr ihn aufspürt - also nicht ein einziges Haar krümmen, klar soweit? Gut." Von der blassen Magierin schweift Borgils kohleschwarzer Blick zu Kaney. "Klein, schmächtig, wahrscheinlich älter als er aussieht, furchtbar dreckig, braunes Haar, braune Augen, etwa einen Schritt und einen Fuß groß, ärmliche Kleidung, keine Schuhe," schnarrt er hervor. "Außerdem ein tropfenförmiges Muttermal auf der Wange." Damit hat er eine so genaue Beschreibung des Knirpses wie möglich abgeliefert, schließlich sieht er jeden Tag Dutzende von Botenkindern. "Was eure Flüche angeht... ich weiß nicht viel über Fluchmagie, aber ihr solltet wirklich eine Priesterin oder so aufsuchen... " Borgil verschränkt die ledrigen Zwergenpranken hinter dem breiten Rücken und beginnt nachdenklich im Raum auf und ab zu gehen. "Aber gut, das wisst ihr sicher selbst. Was die Idee mit den Botenkindern angeht... könnte funktionieren, wenn ihr nicht zu harsch auftretet. Die Kinder, die Nachrichten überbringen, sind meist Waisen, Straßenkinder und ähnliches... sie gehen lieber arbeiten, als betteln und sie halten zusammen wie Pech und Schwefel. Wenn die Belohnung stimmt und sie nicht das Gefühl bekommen, ihr wolltet einem der ihren ans Leder könnte es klappen."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kaney am 09. Juni 2008, 12:47 Uhr
Kaney schüttelt den Kopf... "Nein, dem Burschen wird nichts getan, wenn er keine Ahnung hatte was er da tut... aber derjenige, der das Buch verschickt hat, der wird bestimmt wissen was er tut... und vielleicht wird er auch wissen, was da am Grab geschehen ist..."
>Klein, schmächtig, wahrscheinlich älter als er aussieht, furchtbar dreckig, braunes Haar, braune Augen, etwa einen Schritt und einen Fuß groß, ärmliche Kleidung, keine Schuhe. Außerdem ein tropfenförmiges Muttermal auf der Wange.<

Innerlich zählt Kaney die Beschreibung die ihm der Harfenwirt da vorgibt noch einmal auf, und nocheinmal, nur um sie sicher abzuspeichern...
tropfenförmiges Muttermal... dass sollte man doch irgendwie finden können...
>Was die Idee mit den Botenkindern angeht... könnte funktionieren, wenn ihr nicht zu harsch auftretet. Die Kinder, die Nachrichten überbringen, sind meist Waisen, Straßenkinder und ähnliches... sie gehen lieber arbeiten, als betteln und sie halten zusammen wie Pech und Schwefel. Wenn die Belohnung stimmt und sie nicht das Gefühl bekommen, ihr wolltet einem der ihren ans Leder könnte es klappen.<
Kaney kratzt sich erneut hinter dem rechten Ohr... Wieviel braucht man damit die "Belohnung stimmt"?

"Würde eine Summe von drei... vier... hmm.. fünf Silber wohl ausreichen? Und.. eh... dazu ... ein reichlich gedeckter  Tisch hier in der Harfe, an dem derjenige der mir die Information bringt die ich brauche, soviel Essen kann wie er... oder sie.. will... Ich bezahle das, Borgil..."
Jetzt kratzt sich der Wargenmischling hinter dem anderen Ohr, überlegt, was er eigentlich genau will, wie er an die Botenkinder wohl herankommt ohne sie zu verscheuchen...
"Borgil.. ich denke, ihr könnt besser mit Ihnen umgehen.. und besser sprechen als ich... würdet ihr die Suche einleiten? Ich will dem Kleinen wirklich nichts antun, wenn er wirklich nicht gewusst hat, was er da liefert, und von mir aus kriegt er die gleiche Summe und auch eine ordentliche Mahlzeit wenn er mit uns redet... aber wir müssen ihn finden..."
Der Wargenmischling blickt in die schwarzen Augen... und hofft dass der Wirt diese Aufgabe übernehmen würde...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lilith am 10. Juni 2008, 08:41 Uhr
Lilith zuckt unter dem strengen Blick des Zwerges fast unmerklich zusammen. >"Wenn Ihr den "kleinen Bastard" in die Finger kriegt, wird er gar nichts erleben,"< Lilith seufzt und nickt dann. „Ja Meister Borgil, Ihr habt natürlich Recht, wenn er wirklich nichts von seiner Unheil bringender Aufgabe weiss, dann werde ich ihm natürlich nichts tun.“ Gespannt hört sich die Magierin die Beschreibung des Botenjungen an. >"Außerdem ein tropfenförmiges Muttermal auf der Wange."< Liliths Stirn legt sich in Falten, was immer passiert, wenn sie angestrengt über etwas nachdenkt und sie hört den weiteren Gesprächsverlauf nur halbherzig mit. “Ein tropfenförmiges Muttermal…das hab ich doch schon irgendwo mal gehört.“ In Liliths Kopf rattert es. Irgendjemand hatte bei einer der vielen Versammlungen in der Harfe mal etwas von einem Jungen mit einem tropfenförmigen Muttermal gesagt und zwar im Bezug auf das dritte Opfer. “Genau…Tiuri oder Sayila haben doch diese Händler befragt und eine von ihnen hatte doch erzählt, dass ein Botenjunge das dritte Opfer gesucht hatte…bei den Göttern…das kann doch kaum ein Zufall sein.“

Lilith, welche dem Gespräch endgültig nicht mehr gefolgt ist blickt zwischen den zwei Herren hin und her und fällt Borgil beinahe ins Wort. „Entschuldigt, mir ist bei Eurer Beschreibung wieder etwas in den Sinn gekommen.“ Lilith blickt zu Borgil und dann wieder zu Kaney. „Als wir damals die Ermittlungen aufgenommen haben zu der dritten Toten, haben Tiuri und Sayila die Händler der Karawane befragt und den Beiden wurde gesagt, dass ein Botenjunge mit einem tropfenförmigen Muttermal das Opfer gesucht hatte. Wieso wusste meines Wissens niemand, aber ich bin mir sicher, dass die Beiden erzählt haben, das der Botenjunge ein tropfenförmiges Muttermal hatte.“ Die Wangen der Feuermagierin haben sich vor Aufregung leicht gerötet und ihre grünen Augen glänzen. Sie konnte sich schon immer gut Dinge merken, da sie in ihrer Schulzeit viel auswendig lernen musste. Das sich diese Fähigkeit mal bei einer Mordfallermittlung als nützlich erwiesen würde, hätte sie aber wohl nie gedacht.  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 11. Juni 2008, 07:17 Uhr
>Würde eine Summe von drei... vier... hmm.. fünf Silber wohl ausreichen? Und.. eh... dazu ... ein reichlich gedeckter Tisch hier in der Harfe, an dem derjenige der mir die Information bringt die ich brauche, soviel Essen kann wie er... oder sie.. will... Ich bezahle das, Borgil...<
Fünf Silber? "Häh?" Borgil klappt schlicht und ergreifend die Kinnlade nach unten. "Ich bezahle das, Borgil?" Hört er sich ungläubig echoen, dann schnappt er erst einmal vernehmlich nach Luft und seine Brauen sträuben sich wild in alle Richtungen - ebenso wie seine Nackenhaare, aber die kann ja keiner sehen. Sicher hat er sich da gerade verhört, er muss sich verhört haben - doch er hat nicht, wie er gleich darauf feststellen darf, denn Kaney faselt fröhlich weiter Quatsch mit Soße. >Borgil.. ich denke, ihr könnt besser mit Ihnen umgehen... und besser sprechen als ich... würdet ihr die Suche einleiten? Ich will dem Kleinen wirklich nichts antun, wenn er wirklich nicht gewusst hat, was er da liefert, und von mir aus kriegt er die gleiche Summe und auch eine ordentliche Mahlzeit wenn er mit uns redet... aber wir müssen ihn finden...<

"Och, jetzt hört doch mal mit eurem wenn er nicht gewusst hat auf! Botenkinder wissen in den allermeisten Fällen nicht, was sie liefern und das Kerlchen sah mir auch nicht gerade aus, als sei es sehr belesen. Abgesehen davon - zeigt mir einen Zwölfjährigen, der lesen kann, ein magisches Buch in die Finger bekommt, auf dessen Deckel "Lies mich!" steht und dann NICHT hineinsieht!" Auf Borgils narbiger Stirn beginnt eine Ader verräterisch zu pochen, doch er zwingt sich mit geradezu heroischer Anstrengung zu Ruhe und Geduld. "Die Suche einleiten? Ich?! Wunderbar, ich habe auch nichts Besseres zu tun, als eure Arbeit zu erledigen! Ihr müsst ihn finden? Sehr schön - viel Erfolg beim Suchen. Ich helfe euch immer gern mit Informationen und ich gebe euch auch sofort Bescheid, wenn ich etwas höre, aber ich werde ganz sicher nicht alle meine Arbeiten und Pflichten als Stadtratsmitglied und als Harfenwirt, von meiner Familie ganz zu schweigen, stehen und liegen lassen, um Talyra nach einem lausigen Botenbengel mit einem Muttermal auf der Backe zu durchkämmen! Das ist eure Aufgabe, nicht meine, schließlich sollt ihr euch die Belohnung auch verdienen, nachgetragen bekommt ihr sie nämlich nicht. Und jetzt raus hier, ich habe noch anderes zu..." er ist noch mitten im Satz, als Lilith, die Feuermagierin sich plötzlich zu Wort meldet:

>Entschuldigt, mir ist bei Eurer Beschreibung wieder etwas in den Sinn gekommen. Als wir damals die Ermittlungen aufgenommen haben zu der dritten Toten, haben Tiuri und Sayila die Händler der Karawane befragt und den Beiden wurde gesagt, dass ein Botenjunge mit einem tropfenförmigen Muttermal das Opfer gesucht hatte. Wieso wusste meines Wissens niemand, aber ich bin mir sicher, dass die Beiden erzählt haben, das der Botenjunge ein tropfenförmiges Muttermal hatte.<
"Na bitte," schnappt Borgil zufrieden. "Sie hat's kapiert! Und eine Spur habt ihr auch schon. Wenn ihr mich jetzt entschuldigen wollt..." immer noch kopfschüttelnd über den Versuch, der Ermittler ihm eine Ermittlung aufs Auge zu drücken - sie sollten lieber froh sein, dass die Harfe ihnen nach diesem Fluchdebakel noch als Hauptquartier zur Verfügung steht, von der Kost und Logis ganz umsonst für all die Zeit ganz zu schweigen! - wendet Borgil sich wieder seinen Inventurlisten zu.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lilith am 11. Juni 2008, 09:35 Uhr
„Wie Ihr meint Meister Borgil. Vielen Dank für die Auskunft.“ Der Zwerg verlässt den Raum und die beiden Ermittler bleiben alleine zurück. Lilith dreht sich mit halb amüsierten halb endtäuschten Gesichtsausdruck zu Kaney und zuckt mit den Schultern. „Sieht so aus als müssten wir das erledigen. Wir sollten herausfinden wo diese verlausten Kinder zu finden sind. Ich werde mich aber wohl am besten von denen fernhalten. Ich mag keine Kinder und wäre da nur hinderlich.“ Zusammen mit Kaney verlässt die Feuermagierin den Raum und bedeutet dem Hauptmann zu warten. „Ich muss noch kurz etwas auf mein Zimmer holen gehen. Bin gleich zurück.“ Mit eiligen Schritten verlässt Lilith den Schankraum und steigt die Treppe hinauf zu ihrem und Lady Shins Raum.

In der kleinen Kammer herrscht wie immer etwas Unordnung, doch schnell hat Lilith ihren Trinkbeutel gefunden und füllt ihn mit Wasser, welches in einem Krug auf der kleinen Holzkommode steht. Lilith zieht unter ihrem Bett eine kleine Holzkiste hervor, in der sie einige wichtige Dinge lagert und klaubt noch einige Münzen daraus hervor. Mit Sorgenfalten auf der Stirn stellt sie fest, dass nicht mehr viele Münzen in der Kiste sind und sie verschliesst diese schnell wieder. Mit dem vollen Trinkbeutel  über der Schulter, verlässt Lilith ihre Kammer wieder, verschliesst diese und steigt dann wieder die Treppe hinunter in die Gaststube, wo Kaney noch immer wartet. „So, ich wäre fertig hier. Was habt Ihr jetzt vor Kaney? Ich habe gedacht ich könnte noch in die Stadthalle um dort die Dokumente zu dieser Diardra Alin einzusehen.“

Kaney will gerade etwas antworten, als die Türe zur Harfe aufgestossen wird und Lady Shin herein kommt. Ihre Haut ist krebsrot und scheint zu schmerzen, doch sie gibt keinen Ton von sich, sondern begrüsst freundlich alle Gäste in der Harfe und will beinahe einer Magd das schwere Tablett aus den Händen nehmen um ihr zu helfen. Lilith kann dies aber noch gerade verhindern und zieht die Eismagierin mit sich zu Kaney.>“Oh Lilith wie schön dich und Kaney wieder zu treffen.“< Mit einem Lächeln begrüsst sie die Beiden und Lilith grinst amüsiert. „Hallo Shin, du siehst gar nicht gut aus. Du solltest doch nicht so lange an der Sonne sein.“ Die Magierin übergibt ihrer Freundin den Trinkbeutel und diese trinkt dankbar einige Schlucke. >“Kommt, ich habe noch Informationen zu unserer speziellen Sache.“<

Immer noch lächelnd wie eine Honigbiene führt Shin die Beiden wieder in ihren Besprechungsraum und schliesst die Türe hinter sich. >“Wir sind mit den Ermittlungen auf dem Knochenacker fertig. Ich, Sayila und Faron werden zu Lady Niniane gehen, da diese vielleicht die Macht hat uns vom Fluch zu befreien. Armarius und Aurian sind auf dem Weg zur Steinfaust, damit die Leiche begutachtet werden kann und Frey und Tiuri versuchen einige Informationen zu der Toten zu bekommen.“< Erklärt die Weisshaarige mit lieblicher Stimme.

„Gut, dann werde ich mich jetzt auf zur Stadthalle machen. Du, Shin solltest dir zuerst deinen Umhang umlegen, damit du dich nicht noch mehr verbrennst.“ Shin nickt lächelnd, verabschiedet sich von den Beiden und verlässt den Raum. „Also, wir sehen uns dann wohl später hier oder in der Steinfaust. Ich werde so viele Informationen wie möglich zusammen suchen und wenn die Anderen erst mal entflucht sind, wird es uns sicherlich schon besser gehen. Wir selber haben auch nur noch einige Stunden damit zu kämpfen.“ Lilith verabschiedet sich von Kaney und verlässt dann mit eiligen Schritten die Harfe. Sie ist froh alleine zu sein, damit sie mit niemandem sprechen muss. Sie hat furchtbare Angst davor, dass die anderen herausfinden könnten, was genau ihr Fluch ist und so sucht sie die Einsamkeit.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kaney am 11. Juni 2008, 15:59 Uhr
>Die Suche einleiten? Ich?! Wunderbar, ich habe auch nichts Besseres zu tun, als eure Arbeit zu erledigen! Ihr müsst ihn finden? Sehr schön - viel Erfolg beim Suchen. Ich helfe euch immer gern mit Informationen und ich gebe euch auch sofort Bescheid, wenn ich etwas höre, aber ich werde ganz sicher nicht alle meine Arbeiten und Pflichten als Stadtratsmitglied und als Harfenwirt, von meiner Familie ganz zu schweigen, stehen und liegen lassen, um Talyra nach einem lausigen Botenbengel mit einem Muttermal auf der Backe zu durchkämmen! Das ist eure Aufgabe, nicht meine, schließlich sollt ihr euch die Belohnung auch verdienen, nachgetragen bekommt ihr sie nämlich nicht. Und jetzt raus hier, ich habe noch anderes zu...<


Kaney wünscht sich in irgendeiner Ritze im Fußboden der Harfe verschwinden zu können.
Die Abfuhr war eindeutig, leider.
Kaney seufzt, also müssen er und Lilith sich doch damit auseinander setzen, müssen den Kontakt mit den Botenkindern herstellen, müssen mit ihnen sprechen...
>Sieht so aus als müssten wir das erledigen. Wir sollten herausfinden wo diese verlausten Kinder zu finden sind. Ich werde mich aber wohl am besten von denen fernhalten. Ich mag keine Kinder und wäre da nur hinderlich. Ich muss noch kurz etwas auf mein Zimmer holen gehen. Bin gleich zurück.<
Doch bevor Lilith das Zimmer verlassen kann, kommt Shin herein, rot wie eine Tomate, die Haut völlig verbrannt...
"Shin... Götter..."
Der Wargenmischling will die einstmals bleiche Frau am liebsten zum nächsten Heiler schleppen, aber diese erzählt nur davon dass sie sich jetzt entfluchen lassen wollen, nimmt den Umhang den ihr Lilith anbietet, ignoriert den verdutzten Hauptmann beinahe... und ist schon wieder verschwunden.
"Äh..."
Er kann kein einziges weitere Wort sagen, dann ist die Feuermagierin auch verschwunden, schnell aus der Tür raus.. und der Wargenmischling bleibt alleine zurück.

Großartig. Wirklich Großartig. Götter, habt ihr euch gegen mich verschworen?
"Aargh!"
Mehr kann Kaney dazu gerade nicht sagen, er fühlt sich gerade ziemlich allein gelassen, dazu raucht sein Kopf und am liebsten würde Kaney sich für einige Zeit alleine in den Wald zurück ziehen... was aber aufgrund von zwei Tatsachen nicht geht....
Einmal würde er ziemlich schnell ziemlich verrückt werden, wenn er jeden einzelnen Baum, jeden einzelnen Strauch, jede Blume, jeden einzelnen, beschissenen Pilz ansprechen muss... und außerdem hat er dafür keine Zeit, immerhin läuft der Mörder noch frei rum...
Aber was soll er jetzt tun? Pflanzensprechenderweise kann er den Laufburschen kaum gegenübertreten, die würden zurecht denken, dass er eine an der Klatsche hat...
Außerdem brauchte er jetzt erstmal einen klaren Kopf, der Wargenmischling hat das Gefühl, heute schon einigen Leuten irgendwie vor dem Kopf geschlagen zu haben... UND er hat das Gefühl, dass er irgendwas übersehen hat...
Außerdem juckt und brennt die Nase die gesamte Zeit, sie prickelt und ist völlig überlastet vom ständigen herumschnüffeln...

"ich werde mir nochmal die Akten durchsehen... bis die Leichenschau fertig ist..." beschließt er, verlässt dann die Harfe in die Richtung der Steinfaust (vorher holt er - passend errötet - seine Kleidungsstücke ab, die irgendjemand sorgfältig beiseite gelegt hat )um dort nochmal alle Fakten durchzulesen und um herauszufinden, was er seinem Gefühl nach wohl übersehen haben soll...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lilith am 11. Juni 2008, 16:06 Uhr
Stadthalle <--

Unschlüssig steht Lilith vor der Stadthalle und denkt nach. Eigentlich könnte sie jetzt  in die Steinfaust gehen, darauf hoffen, dass Olyvar ihr ein Schreiben für die Stadthalle ausstellt und wieder zurückkommen, doch was wenn sie gar nicht viele Informationen zu der Frau dort findet? “Dann laufe ich durch die Stadt für nichts und verschwende nur meine Zeit. Woher könnte ich aber sonst noch zu Informationen über diese Dame bekommen? Hm…“ Das Borgil ein bekanntes Urgestein in Talyra ist, weiss Lilith, doch nach der Abfuhr von vorhin hat sie eigentlich keine Lust mehr, dem Zwerg nochmals gegenüber zu stehen. Doch ihr kommt sonst niemand in den Sinn, der ebenfalls noch so viel über die Bewohner der Stadt weiss und darüber informiert ist, was die Gruppe eigentlich genau macht und ihr wiederstrebt es, noch mehr Leute über ihre Ermittlungen zu informieren. “Na dann auf… nochmals in die Höhle des Drachens.“

Lilith betritt wieder die Harfe, welche immer noch rappelvoll ist. Die Magierin drängt sich an den Leuten und Mägden vorbei um zu Borgil zu gelangen, der noch immer über seiner Liste brütet.  „Meister Borgil, ich muss Euch nochmals stören.“ Lilith blickt den Zwerg etwas unsicher an und fährt gleich fort, damit er sie nicht gleich wieder fortschickt. „Ich habe noch einige wichtige Fragen.“ Sie bedeutet ihm mitzukommen und geht zusammen mit dem Zwerg wieder in den Besprechungsraum, damit sie ungestört sind und niemand mithören kann. „Nun…also…es gab heute eine vierte Tote und zwar oben auf dem Totenacker. Die Tote sass auf einer Grabplatte, welche mit dem Namen ‚Diardra Ailín‘ beschriftet ist. Diese ist genau heute vor 100 Jahren gestorben, im Alter von 19 Jahren. Ich kann mir schlecht vorstellen, dass der Mörder die Tote nur per Zufall genau auf diese Grabplatte gestellt hat. Ausserdem stand auf der Platte: Und dem Tod soll kein Reich bleiben.“

Lilith schaut den Zwerg aufmerksam an währendem sie ihr Frage hervorbringt und versucht so sachlich wie möglich zu sprechen. „Wisst Ihr vielleicht etwas über die Tote? Oder vielleicht sogar etwas über diese Inschrift?“ Gespannt betrachtet die Magierin ihr Gegenüber und spielt dabei nervös mit ihren Fingern. Sie weiss, dass der Zwerg sie wohl nicht so sehr mag, da er mit Magie nichts am Hut hat und anscheinend auch keine Magie im Haus haben will. Doch sie hat schon oft gehört, dass er eigentlich ein herzensguter Kerl ist, auch wenn es vielleicht nicht den Anschein hat, wenn man ihn sieht.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Atevora am 11. Juni 2008, 19:00 Uhr
<---- Der Sithech-Hain

Der Weg durch die Straßen der Stadt ist eine pure Nervenprobe. Ständig muss sie alle freundlich begrüßen und vielen gar helfend zur Hand gehen. Das schlimmste dabei ist, dass nun keiner dabei ist der sie mit kühlem Kopf davor bewahren und sie weiter zerren konnte, denn Faron ist zu genüge damit beschäftigt mit seinem nervtötendem herumgetanze keinem auf die Füße zu treten und die Schmiedin ist ständig dabei lästig an den Männern die ihren Weg kreuzen herum zu zupfen. Obwohl Atevora und Sayila versuchen wehement nur noch auf den Boden zu starren kommen die Drei nur sehr langsam voran. Nach schier einer halben Ewigkeit taucht doch noch die erste Etappe ihres Weges vor ihnen auf.

Atevora hat schon seit längerem einen enormen Durst und so kämpft sie im ersten Moment mit der Versuchung sich augenblicklich Hals über Kopf in die Pferdetränke unweit des Einganges zur Harfe zu stürzen. Nur mühsam sammelt sie wieder ihre Gedanken und konzentriert sich auf das wesentliche.
„Wartet ihr hier bitte auf mich? Ich muss noch etwas aus meinem Zimmer im Gasthaus holen. Ich werde auch gleich für Kaney und Lilith eine Nachricht hinterlassen wo wir und die anderen zu finden sind.“
Mit dem Vorhaben schnurstracks in ihr Zimmer zu eilen betritt sie die Gaststube und muss entgegen ihren Willen gleich einmal die Gäste freundlichst liebevoll begrüßen und wird dann sofort von dem Drang gepackt einer Magd das schwere Tablett abzunehmen.
Plötzlich packt sie jemand am Arm. Obwohl sie sofort eine Welle von Schmerzen überrollt – Sonnenbrand und ein harter Griff vertragen sich einfach nicht - könnte die Magierin nicht in Worte fassen wie erfreut sie darüber ist Lilith zu sehen welche ihren ungewollten und sowieso zum Scheitern verurteilen Versuch der Magdt zu Helfen vereitelt.
Während sie Kaney und Lilith freundlich begrüßt fällt ihr Blick sehnsüchtig auf Liliths Trinkbeutel. Der Feuermagierin ist das scheinbar nicht entgangen und überreicht Atevora den Wasserbeutel, woraufhin sie die Bemerkung über Sonne uns deren Auswirkungen großzügig überhört und ein paar kräftige schlucken vom erfrischenden Nass nimmt.
Lieblich grinsend wie ein Honigkuchenpferdchen ignoriert sie Kaneys sorgenvollen Blicke verschließt den Beutel sorgfältig wieder und gibt ihn der Feuermagierin zurück. Danach kommt sie ohne weitere Umschweife auf das eigentliche Thema zu sprechen, geht voran in den Besprechungsraum und erzählt den Beiden wo sich die anderen befinden.

>„Gut, dann werde ich mich jetzt auf zur Stadthalle machen. Du, Shin solltest dir zuerst deinen Umhang umlegen, damit du dich nicht noch mehr verbrennst.“< Oh tatsächlich? Meinen Umhang soll ich nehmen, darauf wäre ich im leben nicht gekommen Eifrig nickend und noch immer freundlich grinsend nimmt Atevora ihren Umhang, danach die Bandagen mit denen sie ihre Hände von der Sonne möglichst schützt und die sie heute Früh lieblos auf ihre Sitzgelegenheit geschmissen hat und verabschiedet sich anschließend nett von den Beiden.
Schnellen Schrittes und mit schmerzverzerrtem Gesicht damit beschäftigt den Stoff um ihre mittlerweile roten und geschwollenen Arme zu wickeln eilt Atevora aus der Harfe zurück zum Faun und der Schmieden.
„Ich habe Lilith und Kaney zufällig in der Harfe getroffen. Also dann, ich denke wir können los.“
Erklärt Atevora den Zweien knapp während sie den Arm fertig bandagiert und ohne ein weiteres Wort setzen sie ihren Weg fort.

-----> Der Baum am Smaragdstrand

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 12. Juni 2008, 10:36 Uhr
Borgil hakt gerade die letzten Punkte auf seiner Liste ab und säubert den Gänsefederkiel von Tinte, immer noch hinter dem Tresen zugange, und sehr darum bemüht, den Schankmaiden, die hin und her eilen, nicht im Weg herumzustehen, als sich durch das Gedränge vor dem Tresen der Harfe schon wieder Lilith, die Feuermagierin, quetscht. "Hum?"
>Meister Borgil, ich muss Euch nochmals stören,< beginnt sie eindringlich, aber tatsächlich höflich, was Borgil ein wenig - wenn auch durchaus angenehm - verwundert. Er hatte schon das ein oder andere von ihr und über sie gehört und selbst mitbekommen, und eine umgängliche Person scheint sie sonst eigentlich nicht unbedingt zu sein. Na wenigstens hat sie so etwas wie gute Manieren... und hervorgeholt hat sie sie auch, also beschwer dich nicht! Jetzt steht Lilith vor ihm, blickt ein wenig unschlüssig drein und winkt ihm dann hastig, ihr in den Nebenraum zu folgen, wo sie ungestört wären und das Stimmengewirr, das Geschirrklappern und Füßescharren der vielen Gäste nicht ohnehin jede leisere Unterhaltung unmöglich machen würden. "Wie, Ihr wollt schon wieder mit mir ins Nebenzimmer?" Erwidert Borgil im süffisanten Plauderton, aber er kommt hinter dem Tresen hervor und folgt ihr. "Tz, wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich glatt vermuten, Ihr plant einen Anschlag auf meine Tugend."
Lilith wird möglicherweise noch ein wenig blasser um die Nase und bringt ein hastiges  >Ich habe noch einige wichtige Fragen,< hervor, ehe sie ihn in die lauschige Zweisamkeit nötigt. Hier ist es still, der Geräuschpegel des Schankraums dringt nur gedämpft durch die dicken Wände und die massive Holztür. Hier in diesem Zimmer hatte sich die kleine Ermittlertruppe seit Wochen zusammengefunden, hier waren sie ganz für sich gewesen und entsprechend sieht es auch aus: Notizen über Sternzeichen und Listen, was noch zu erledigen ist, und kleine, persönliche Gegenstände eines jeden Einzelnen liegen herum, Steinkrüge mit Wasser, Wein und Bier stehen bereit, ebenso wie Becher - das benutzte Geschirr vom Morgenmahl hatte er natürlich längst abgeräumt, ebenso den Imbiss, den er ihnen eigentlich gebracht hatte, der im allgemeinen "Wir-stecken-unsere-neugierigen-Nasen-in-ein-verfluchtes-Buch-Durcheinander" jedoch völlig in Vergessenheit geraten war. Hmpf. Wenn die Bande wüsste, dass ich nur wegen ihnen sogar eines meiner größten Tabus gebrochen habe! In Anbetracht der Tatsache, dass alles, was in diesem Raum besprochen, gesagt und beredet wurde oder herumlag, möglichst nicht nach Außen dringen sollte, war Borgil schon als Olyvar ihn gebeten hatte, den Ermittlern ein sicheres Plätzchen zur Verfügung zu stellen, umgehend zu Niniane marschiert und hatte sie geholt, um dieses Zimmer magisch versiegeln zu lassen - nur er selbst, Azra und die Ermittler, sowie Olyvar, Pumquat, Achim und Rhordri waren überhaupt in der Lage, es zu betreten. Ich werd' den Dunklen tun und ihnen auch nur ein Sterbenswörtchen davon verraten, ha!

Als er sich mit Lilith an den alten, runden Mooreichentisch mit seinem glatten, narbigen Holz setzt, fällt Borgils Blick zufällig auf ein paar Stadtkarten, in die jemand scheinbar wahllos dicke rote Linien gemalt hatte. Was soll denn das sein? Oh... Erst beim zweiten Mal hinschauen sieht er, dass die Linien wohl die Fundorte der Leichen verbinden... markieren oder wie auch immer. Was soll das werden? Schnitzeljagd nach toten Weibern? Außerdem macht das so doch gar keinen Sinn, es sei denn, man würde... hoppla.
Liliths Worte reißen ihn abrupt aus seinen Gedankengängen. >Nun…also…es gab heute eine vierte Tote und zwar oben auf dem Totenacker. Die Tote saß auf einer Grabplatte, welche mit dem Namen ‚Diardra Ailín‘ beschriftet ist. Diese ist genau heute vor 100 Jahren gestorben, im Alter von 19 Jahren. Ich kann mir schlecht vorstellen, dass der Mörder die Tote nur per Zufall genau auf diese Grabplatte gestellt hat. Außerdem stand auf der Platte: Und dem Tod soll kein Reich bleiben.<
"Hab schon gehört, dass wieder eine gefunden wurde," murmelt Borgil und schenkt sich einen Becher Bier ein, süffiges Verder Kupfer, genau nach seinem Geschmack. "Dieser irre Hundsfott hat wirklich makabren Humor. Und dem Tod soll kein Reich mehr bleiben? Möchte mal wissen, was Sithech dazu sagt..."
>Wisst Ihr vielleicht etwas über die Tote? Oder vielleicht sogar etwas über diese Inschrift?<
"Die Tote?" Einen Moment ist Borgil verwirrt. "Ihr meint jetzt aber nicht die Leiche, sondern die im Grab, oder?" Lilith nickt und Borgil kratzt sich den narbigen Schädel. "Diardra Ailín... wartet mal. Die Ailíns sind eine alte talyrische Adelssippe... früher waren sie recht einflussreich, heute leben nicht mehr allzu viele von ihnen... Diardra... Diardra..." sinniert er. "Da klingelt was." Er nimmt einen kräftigen Schlug Verder Kupferbier und schnaubt wie ein amüsiertes Walross. "Vor hundert Jahren... lasst mich einen Moment nachdenken... ah ja, jetzt fällt es mir wieder ein." Er rutscht mit seinem steinharten Zwergenhintern auf dem Stuhl hin und her (der ein wenig knirscht), beugt sich vor, stützt die sehnigen Unterarme auf die Tischplatte (die leise ächzt) und beginnt dann im bedächtigen Tonfall eines Zwergen, der eine gute Geschichte zu erzählen hat, zu reden. "Diardra Ailín war vor hundert Jahren die schönste und begehrteste Jungfrau Talyras, der ganze Stolz ihres Vaters Dermot Ailíns, eines Landadligen aus dem Umland. Sie war wirklich eine Augenweide, ich kann mich gut erinnern - jung, eine Haut wie Milch und Blut, rotblonde Locken, grüne Augen und ein liebliches Gesicht. Sie hatte die schmalste Taille, die schönsten Brüste, die aufregendsten Beine, die Ihr Euch vorstellen könnt - natürlich waren alle heiratsfähigen jungen Männer Talyras hinter ihr her wie die Maus hinter dem Speck, aber sie hat keinen erhört.

Ritter haben Turniere um sie ausgefochten, Abenteurer haben ihr Schätze zu Füßen gelegt und selbst die Barden haben sie in ihren Liedern besungen. Sie hatte selbst eine recht schöne Stimme und war eine gute Lautenspielerin, manchmal hat man sie singen hören, vor allem in der Abenddämmerung... die "Nachtigall Talyras" hat man sie auch oft genannt. Wie auch immer, die Zeit ging ins Land und Diardra, längst im heiratsfähigen Alter, musste sich irgendwann einen Mann nehmen. Sie war die einzige Tochter ihres Vaters und obwohl der alte Dermot sie endlos verwöhnt hat, war sie nicht eingebildet, sondern ein liebes Mädel... das war sie wirklich. Recht zart, aber das Herz am richtigen Fleck und kein bisschen arrogant. Vor etwa hundertfünf Jahren oder so, ich weiß es nicht mehr genau, kam ein junger Elbenkrieger in die Stadt. Damals waren die Spitzohren hier noch nicht so häufig, also fiel er auf. Ich kann mich nicht mehr so genau an seinen Namen erinnern, Tianterirgendwas... ein Hochelb auf jeden Fall. Wie auch immer, er logierte hier in der Harfe und es kam, wie es kommen musste - die zwei begegneten sich auf dem Sommerfest und verliebten sich unsterblich ineinander. Der Elb war zwar ein Elb, aber er war schnell mit dem Schwert, gut aussehend und wohlhabend, so dass auch Dermot nicht allzu viel gegen ihn einzuwenden hatte und Diardra war überglücklich. Den ganzen Herbst und Winter über sah man sie zusammen und es ging einem das Herz auf bei diesem Anblick. Die Hochzeit sollte am 19. Grünglanz stattfinden, das weiß ich noch ganz genau, denn das Festessen hatten die Ailíns bei mir bestellt. Es sollte das Ereignis des Jahres werden, zwei Siebentage lang taten wir hier in der Harfe nichts anderes als backen, kochen, braten, brauen, elbische  Gäste reisten aus dem fernen Grünen Tal von Erryn an, die Stadt war festlich geschmückt, alles war bereit... doch die Hochzeit fand nie statt. Einen Tag, bevor sie mit ihrem Spitzohr vor den Traualtar treten sollte, starb Diardra. Sie lag am Morgen tot in ihrem Bett - das Herz, sagten die Heiler. Sie war immer schon zart und von schwacher Gesundheit gewesen, es habe die ganze Aufregung nicht verkraftet. Wie Ihr Euch denken könnt, war das ein schwerer Schicksalsschlag für die Ailíns, besonders für Dermot, der sein einziges Kind sehr geliebt hatte. Zwei Wochen nach ihrem Tod hat er sich in seiner Halle erhängt. Und ihr Verlobter, der Elb... er verließ Talyra halb wahnsinnig vor Trauer und kehrte nie wieder zurück." Borgil leert seinen Becher und grinst ein wenig schief. "Das war die Geschichte von Diardra Ailín und ihrem viel zu frühen Tod... ich kann mir nur denken, dass die Inschrift auf dem Grab sich darauf bezieht... stammt soweit ich weiß aus irgendeinem Gedicht, aber ich weiß nicht mehr welchem. Aber das hier..." er angelt über den Tisch nach einer der Stadtkartenkritzeleien, die irgendjemand der Ermittler angefertigt haben musste. Sie zeigt drei der Leichenfundorte, markiert als rote Punkte - Opfer Nummer vier ist noch nicht eingetragen, wie auch - also das Nordtor, den Leuchtturm im Hafen und den Weg vor dem Waldtor der Steinfaust. "Wenn Ihr mich fragt, was natürlich wieder keiner tut, sind das die Eckpunkte eines Dreiecks."  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lilith am 12. Juni 2008, 14:42 Uhr
Lilith setzt sich neben den Zwerg an den Tisch, zupft nervös an ihrem Kleid herum und konzentriert sich dann auf die Geschichte, welche Borgil zum Besten gibt. Ihr entgeht sein interessierter Blick in Richtung der Stadtkarten nicht und deswegen wirft sie selber ebenfalls einen Blick darauf und erkennt, dass irgendjemand darauf herumgekritzelt hat. Sie will jedoch nicht unhöflich sein und wendet sich wieder dem Zwergen zu, welcher anfängt über die Adelige zu sprechen. Während Borgil spricht, hüpfen seine buschigen Augenbrauen immer wieder auf und ab und der Bergkristall in seinem linken Ohrläppchen glitzert im Sonnenlicht, welches durch die Fenster scheint. Lilith hatte schon ein paar Mal mit Zwergen zu tun, da sie lange in Immerfrost gelebt hat und sie bewundert insgeheim immer, wie stark und stolz dieses Volk sein kann. Borgil jedoch war anders, als viele Zwerge die sie bis jetzt getroffen hatte, schon alleine seine Grösse war aussergewöhnlich und auch die verrückte Haarpracht entsprach nicht gerade dem typischen Bild eines Zwerges.

…Hm, ein wahnsinniger Hochelb also…interessant… Lilith hört sich weiter die Geschichte an und in ihrem Kopf rattert es wie in den Bergwerken Immerfrosts. …diese ganzen Parallelen zu den Opfern ist doch kein Zufall…eine begnadete Sängerin, Lautenspielerin, Jungfrau und dazu noch so schöne Beine….ob wohl etwas mit ihren Augen besonders war? Aber wieso diese Sternzeichen? Lilith versucht weiter die Details, welche der Zwerg ihr auftischt mitzuhören und gleichzeitig ihre Gedanken dazu zu machen. So viele Hinweise…und dann noch der Hochzeitstag der morgen ist…die Sache mit dem schwachen Herzen ist sicherlich auch kein Zufall…bei den Göttern…. Liliths Gesicht erblasst noch etwas mehr, bei dem Gedanken an diesen Verrückten der sich da durch die Stadt schleicht und dabei seine ehemalige Traumfrau wieder zusammenbastelt.  

Borgil hat seine Geschichte beendet und greift sogleich quer über den glatt polierten Mooreichentisch und zieht die Karte, welche er schon vorher begutachtet hat hervor und hält sie Lilith unter die Nase. >Wenn Ihr mich fragt, was natürlich wieder keiner tut, sind das die Eckpunkte eines Dreiecks.< Lilith folgt Borgil’s breitem, lederhäutigen Finger und zieht in Gedanken die Linien zwischen den eingezeichneten Punkten. „Ihr habt absolut Recht Meister Borgil. Das ist wirklich ein Dreieck...“ Lilith setzt ihren schlanken, weissen Finger neben die Pranke von Borgil und markiert mit ihrer Fingerspitze den neusten Fundort. „Und hier würde der vierte Punkt sein.“ Mit gerunzelter Stirn begutachtet die Magierin die Karte. „Was wenn….“ Sie zieht mit der anderen Hand über die Karte, so dass der fünfte Punkt ebenfalls auf der Stadtmauer aber im Nordwesten liegt. „Könnte es sein, das der Mörder einen Stern ‚zeichnen’ will? Er scheint ja von Astrologie besessen zu sein...“ Lilith schaut sich die Karte weiter genau an und erklärt dem Zwerg dann ihre Schlüsse, welche sie aus der Geschichte gezogen hatte.

„Seht Ihr, irgendwie ergeben sich zwischen den Opfern und dieser Diardra Ailín viele Parallelen. Es scheint, als würde der Mörder, die Opfer nach ihren Begabungen und ihrem Aussehen auswählen, welche ähnlich zu Diardra sind. Ich kann es mir nicht anders erklären und an solche Zufälle glaube ich einfach nicht. Könnte es denn wirklich sein das dieser verrückte Hochelb wieder zurück in der Stadt ist und sich seine Verlobte zurückholen will?“ Ungläubig schaut Lilith den Zwergen an, in ihren Augen sieht man echte Besorgnis. Sie blickt wieder auf die Karte und kaut gedankenverloren auf ihrer Unterlippe herum. „Hat der Stern in Talyra eine spezielle Bedeutung?“ Fragend schaut die Feuermagierin wieder zu Borgil, welcher selber ziemlich in Gedanken zu sein scheint.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 15. Juni 2008, 09:54 Uhr

>Ihr habt absolut Recht Meister Borgil. Das ist wirklich ein Dreieck...< Die Magierin tippt auf die Karte, dort, wo der Knochenacker eingezeichnet ist. >Und hier würde der vierte Punkt sein.< "Hm," brummt Borgil, "ziemlich genau gegenüber dem Nordtor, dem ersten Fundort. Hätte Talyra ein Südtor, wäre es wohl dort... " Lilith beugt sich ein wenig vor und studiert die Karte, die Punkte, die Linien, so dass man wirklich kein Hellseher sein muss, um zu wissen, wie es hinter ihrer weißen Stirn rattert. >Was wenn…< Ihre Finger wandern über das knisternde Pergament. >Könnte es sein, das der Mörder einen Stern ‚zeichnen’ will? Er scheint ja von Astrologie besessen zu sein...<
"Einen Stern?" Wenn Borgil von irgendetwas wenig bis gar keine Ahnung hat, dann von Astrologie, daher kann er Liliths Finger, die auf einen imaginären Punkt im Nordwesten in der Nähe der Pfeffermühle tippt, auch nur verwirrt anblinzeln. "Ihr meint wie ein Hexagramm?" >Seht Ihr, irgendwie ergeben sich zwischen den Opfern und dieser Diardra Ailín viele Parallelen. Es scheint, als würde der Mörder, die Opfer nach ihren Begabungen und ihrem Aussehen auswählen, welche ähnlich zu Diardra sind. Ich kann es mir nicht anders erklären und an solche Zufälle glaube ich einfach nicht. Könnte es denn wirklich sein das dieser verrückte Hochelb wieder zurück in der Stadt ist und sich seine Verlobte zurückholen will?< Es dauert einen Herzschlag lang, bis Borgil dämmert, worauf die Feuermagierin hinaus will. "Woah... hohoho, immer langsam mit den jungen Pferden. Erstens habe ich nicht gesagt, dass der Elb, also Diardras Verlobter, nicht mehr alle Scheite im Feuer hatte, sondern halb wahnsinnig vor Trauer war und das ist ja auch nur zu verständlich. Zweitens hat der Kerl sich meines Wissens nach seither nie wieder in Talyra blicken lassen und drittens sucht ihr doch, nach allem, was ich bisher gehört habe, nach einem der - in welcher Form auch immer - gewisser Zauberkräfte kundig ist oder? Und ganz abgesehen davon, seine Verlobte zurückholen? Diardra ist seit hundert Jahren tot - was will er da zurückholen, einen Haufen staubiger Knochen? Mädel, man kann Sithech ein Schnippchen schlagen, ihm vielleicht ein paar Jahre abtrotzen oder seine Seele in einen Seelenstein bannen lassen, sofern man über das nötige Wissen, die Priester, das Wohlwollen des Gottes von Tod und Winter und das nötige Gold verfügt, aber vom Tod ins Leben zurückgeholt zu werden, das ist nicht möglich... es gibt eine alte Legende, die erzählt, dass nur ein einziges Ding auf Rohas weitem Rund dazu in der Lage wäre, einen Toten wieder lebendig zu machen, und das auch nur, wenn der Leichnam unversehrt bleibt, so dass die Seele in ihren Körper zurückkehren kann... und das haben wir hier ja nicht... das Ei eines Phönix. Ich glaube, in der langen Geschichte der Immerlande gab es überhaupt nur zwei Sagen, die davon berichten, dass es je gelungen wäre, eines zu beschaffen und so eine Seele aus den Hallen des Vermummten zurückzuholen."
Ob seine Worte Wirkung zeigen oder nicht, kann Borgil nicht sagen, auch wenn Lilith ziemlich ungläubig dreinblickt und nachdenklich die Stirn furcht. >Hat der Stern in Talyra eine spezielle Bedeutung?<
"Der Stern? Beim Atem Sils, nein, mir ist nichts bekannt."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lilith am 15. Juni 2008, 14:20 Uhr
>…und das auch nur, wenn der Leichnam unversehrt bleibt, so dass die Seele in ihren Körper zurückkehren kann... und das haben wir hier ja nicht…< Tut der Zwerg ihre Überlegung ab und schaut sie durch dringlich an. Beinahe etwas enttäuscht darüber, dass ihr Gedankengang bei Borgil nur Kopfschütteln auslöst seufzt Lilith und nickt. „Ja ihr habt Recht, ich habe die Magie selber gespürt…wenn auch nur sehr schwach. Es war böse Magie und ich bin mir ziemlich sicher, dass sie vom Mörder stammt. Vielleicht sind es aber auch mehrere…“ Gedankenverloren kaut Lilith weiter auf ihrer Unterlippe herum, die Augen auf einen nichtvorhandenen Punkt im Raum gerichtet.

„Aber Ihr müsst zugeben, dass der Mörder sich allem Anschein nach eine Person zusammen baut. Was sollte er sonst mit den ganzen Körperteilen? Und was wenn jemand wirklich ein solches Ei hat? Ich meine sicherlich…es ist recht unwahrscheinlich, aber dennoch…100 Jahre sind eine lange Zeit wenn man nur Etwas im Sinne hat.“ Die Feuermagierin atmet erschöpft durch und nestelt an ihrem Ledergürtel, an welchem auch ihre, beinah leere Geldkatze hängt. In den letzten Wochen hat sie nur schlecht geschlafen und sie weiss nicht weshalb. Beinahe jede Nacht erwacht sie wegen seltsamen Träumen und kann dann lange nicht wieder einschlafen und auch diese Ermittlungen machen ihr irgendwie zu schaffen. Das jetzt auch noch ein Fluch auf ihr lastet, welcher sie jederzeit in schlimme Bedrängnis bringen könnte, macht die Sache nicht besser und Lilith fühlt sich alles andere als wohl. Jedes ihrer Worte hat sie bis jetzt mit grossem Bedacht gewählt und sie ist froh, wenn dieser Tag endlich vorbei ist.

„Ich denke ich sollte diese Neuigkeiten den Anderen mitteilen. Ich bin mir sicher, dass diese Diardra Ailín etwas mit den Morden zu tun hat. So viele Zufälle gibt es nicht…und wenn der Mörder sich mit den Opfern einen neuen Körper erschaffen will, der Diardra so ähnelt, das er vielleicht trotzdem mit Hilfe eines solchen Eis ihre Seele wieder zurückbringen kann? Ihr müsst doch sehen, dass es sich bei diesen Parallelen nicht um Zufälle handelt?“ Mit ungläubigem Blick aus ihren smaragdgrünen Augen schaut die Magierin den Wirt an und eines ihrer seltenen Lächeln erhellt ihr Gesicht und verschwindet sogleich wieder. „Wisst Ihr, vielleicht möchte ich auch nur glauben, dass wir endlich einen Schritt näher an den Täter gekommen sind. Sogar mich plagen diese Morde und das soll was heissen.“  

Lilith erhebt sich von ihrem Stuhl und rollt die Stadtkarte zusammen, welche sie sorgfältig in ihrer Tasche verstaut. „Meister Borgil ich danke Euch nochmals für Eure Zeit. Ich werde mich jetzt auf zur Steinfaust machen und den Rest der Truppe über diese Geschichte informieren. Ich bin mir sicher, die anderen werden es genauso interessant finden wie ich.“ Die Feuermagierin schiebt ihren Stuhl mit einem knarren zurück an den Tisch und wartet ab, ob der Zwerg noch etwas zu sagen hat, bevor sie sich samt neuer Informationen auf zu der Steinfaust macht.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 16. Juni 2008, 12:29 Uhr
>Ja ihr habt Recht, ich habe die Magie selber gespürt…wenn auch nur sehr schwach. Es war böse Magie und ich bin mir ziemlich sicher, dass sie vom Mörder stammt. Vielleicht sind es aber auch mehrere…<
Stimmt die Magierin seinen Bedenken fast widerstrebend zu und Borgil hebt fragend eine Braue. "Aber?"
>Aber Ihr müsst zugeben, dass der Mörder sich allem Anschein nach eine Person zusammen baut. Was sollte er sonst mit den ganzen Körperteilen? Und was wenn jemand wirklich ein solches Ei hat? Ich meine sicherlich…es ist recht unwahrscheinlich, aber dennoch…100 Jahre sind eine lange Zeit wenn man nur Etwas im Sinne hat.<
Lilith ist anzusehen, dass irgendetwas sie umtreibt und Borgil stellt mit leisem Erstaunen fest, dass er fast so etwas wie Mitgefühl für die sonst so kratzbürstige kleine Feuermagierin aus Barsa zu empfinden beginnt. So verkehrt ist sie ja gar nicht... wenn sie ausnahmsweise einmal verflucht ist, heißt das, was natürlich nicht zum Dauerzustand werden kann, aber...
>Ich denke ich sollte diese Neuigkeiten den Anderen mitteilen. Ich bin mir sicher, dass diese Diardra Ailín etwas mit den Morden zu tun hat. So viele Zufälle gibt es nicht…und wenn der Mörder sich mit den Opfern einen neuen Körper erschaffen will, der Diardra so ähnelt, das er vielleicht trotzdem mit Hilfe eines solchen Eis ihre Seele wieder zurückbringen kann? Ihr müsst doch sehen, dass es sich bei diesen Parallelen nicht um Zufälle handelt?< Große, grüne Augen blinzeln fragend in seine und Liliths Mundwinkel verziehen sich mit einem Mal ziemlich freundlich, wenn auch viel zu kurz, was Borgil selbst grinsen lässt. >Wisst Ihr, vielleicht möchte ich auch nur glauben, dass wir endlich einen Schritt näher an den Täter gekommen sind. Sogar mich plagen diese Morde und das soll was heißen.<

"Potzblitz, war das gerade ein Lächeln auf deinem Gesicht, Mädel?"
Als Antwort steht die Magierin abrupt auf, verstaut die verkritzelte Karte in ihrer Tasche und macht Anstalten, sich zu verabschieden. Eieiei...
>Meister Borgil ich danke Euch nochmals für Eure Zeit. Ich werde mich jetzt auf zur Steinfaust machen und den Rest der Truppe über diese Geschichte informieren. Ich bin mir sicher, die anderen werden es genauso interessant finden wie ich.<
"Auf ein Wort noch, Lilith." Die junge Frau schiebt den wuchtigen Stuhl ordentlich an den Tisch zurück, verharrt dann aber doch und wartet ab, was er zu sagen hat. Auch Borgil erhebt sich, bedächtig und nachdenklich. "Ich denke, es könnte eine gute Spur sein... diese Diardra Ailín Geschichte. Aber in einem Fall wie diesem - und ich kann wirklich nicht behaupten, dass ich viel Erfahrung in der Ermittlung von Mordfällen hätte, aber in einem Fall wie diesem sollte keine Spur außer Acht gelassen werden und ihr habt, wissen die Götter, wenig genug, wenn ich mich nicht irre. Ich glaube, mit strenger Logik kommt man hier vielleicht am ehesten ans Ziel. Überleg doch einmal, du hast einen klugen Kopf auf deinen Schultern sitzen. Zufälle? Nein, das glaube ich nicht. Aber ist es eine richtige Spur... oder eine, die euch nur ablenken soll? Wie viele Spuren habt ihr? Was gibt es für Indizien, was für Beweise? Was wisst ihr, was ist reine Spekulation? Was sagen die Fakten und, und das ist das wichtigste - was ergeben alle Fakten zusammengenommen für ein Bild? Was ist die wahrscheinlichste Erklärung?

Es ist möglich, dass der Mörder ein Phönixei hat, ja. Absolut unwahrscheinlich, aber möglich. Doch was für einen Sinn würde das machen? Ein Phönixei bringt Leben zurück, sofern man einen möglichst unversehrten Körper hat, den man wiederbeleben kann. Hat der Mörder das? Und selbst wenn - er hätte einen Körper mit einem schwachen Herzen und was ist mit Diardras Seele? Auf die käme es doch wohl an, oder? Es gibt zahllose Schauergeschichten von verrückten Gelehrten, Magierin, Alchemisten und Scharlatanen, die schon versucht haben sollen, den Tod zu betrügen, aber meines Wissens nach ist es noch keinem gelungen... gut, das heißt natürlich nicht, dass es nicht wieder einer versuchen könnte. Mir schwirrt jetzt schon der Schädel... herrje. Lasst mich einmal den Advokaten des Dunklen spielen. Vier Leichen, vier Herzen, jedes Mal ein blutiges Symbol, doch die Zeichen ergeben keinen sinnvollen Zusammenhang, sie bilden aber auf der Stadtkarte ein Dreieck... und jetzt vielleicht den Versuch, einen Stern zu zeichnen, was immer das heißen soll... und das Wichtigste an der ganzen Sache ist doch, ganz gleich wer oder was der Mörder letztlich ist, er muss aufgehalten und dingfest gemacht werden. Oder nicht? Also, tragt alle Indizien zusammen, listet alle Fakten auf und arbeitet nach dem Ausschlussverfahren...  das ist der beste Rat, den ich euch geben kann."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lilith am 17. Juni 2008, 16:54 Uhr
Aufmerksam hört sich Lilith die Worte von Borgil an, welcher sich ebenfalls von seinem Stuhl erhoben hat, und nickt bedächtig, während er spricht. Natürlich hat er mal wieder Recht, wie immer und die Feuermagierin ist sich dem bewusst. >Also, tragt alle Indizien zusammen, listet alle Fakten auf und arbeitet nach dem Ausschlussverfahren...  das ist der beste Rat, den ich euch geben kann.< Der Zwerg schaut Lilith freundlich an und diese erwidert den Blick. „Vielen Dank Meister Borgil…Ihr habt natürlich Recht…ich werde sogleich in die Steinfaust gehen und mit den Anderen zusammen die Indizien zusammentragen und aufschreiben. Wir werden dieses Monster fangen…egal was es kostet.“ Liliths Gesichtszüge nehmen wieder die Eiseskälte an, welche man sich von ihr gewohnt ist und ihre Stimme klingt hart und kalt, wie der Nordwind. Sie nickt dem Zwerg noch einmal zu bevor sie die Türe zum Schankraum öffnet und mit dem Zwerg zusammen aus dem Zimmer tritt.

Am Tresen bestellt sich Lilith etwas Brot, Käse und Trockenwurst bei Sigrun, welche ihr das auch sogleich, eingewickelt in ein Tuch aus der Küche holt. „Danke Sigrun, ich bringe dir das Tuch heute Abend wieder mit.“ Lilith übergibt ihr einigen Münzen und verstaut den erhaltenen Proviant in ihre Tasche. Ihr Magen knurrt schon so laut, dass sich die Magierin umschaut, ob es jemand hört, doch niemand scheint sich davon beirren zu lassen. Nach dem sie alles sorgfältig verpackt hat, verabschiedet sich Lilith von Sigrun und Borgil und verlässt die Harfe in Richtung Steinfaust.  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 24. Juni 2008, 18:05 Uhr
Ende Grünglanz

„Uio“, wiederholt Azra lächelnd den Namen des Jungen. Passt zu dir, kleiner Wildling. Doch die Worte bleiben ihr in der Kehle stecken, als er frisch und fröhlich fortfährt, ohne zu merken, was er im Begriff ist anzurichten. „Na, ich komme aus der Unterstadt. Aber ich bin viel lieber hier oben. Hier ist es hell und bunt…“ Für einige Augenblicke setzt ihr Herz aus und findet nur schwer zum Rhythmus zurück und als er von seiner Herkunft mit einer Leichtigkeit erzählt, die jeden glauben lässt, es mache ihm nichts aus, kann Azra den Schrecken in ihrem Gesicht nur noch schwer verbergen. „Aus… der Unterstadt?“, echot sie beinahe ängstlich und bekommt ein leises Kichern, ein heftiges Nicken und ein breites Grinsen von dem Jungen geschenkt, der ihr Nachhaken als Neugierde interpretiert und sofort weiter ausholt. Dabei lässt er sich nicht nur über die Zustände in dem verruchten Teil Talyras, sondern auch über seine Freunde und seinen Aufpasser aus. Er zählt an einem Stück fast ein Dutzend Namen auf, wobei er jeden ausgiebig kommentiert und Abneigungen wie Sympathien gleichermassen offen darlegt. „Ruan, der ist lustig, der kann mit seinen Ohren wackeln, aber er ist auch ein ganz schlimmer Angsthase. Der hat sogar vor den Ratten Angst. Dabei machen die gar nichts. Sitzen nur da und fressen. Manchmal klauen sie uns das Brot. Dann fangen wir sie… naja, zumindest versuchen wir es, meistens klappt es halt doch nicht. Janik kann sie am besten fangen. Der ist sooooo schnell. Das geht „wusch“ und schon hat er sie am Schwanz gepackt. Oh, einmal! Einmal hat ihn eine in die Hand gebissen. Da musste man ihm den Finger abschneiden, jetzt hat er nur noch vier. Der hat ja aber zum Glück nur einen Finger weniger. Dem Ean, das ist der Kleinste, der hat immer Hunger, dem fehlt ein ganzer Arm. Dem ist ein ganzes Haus auf den Kopf gestürzt, aber er hats geschafft. Naja, bis auf seinen Arm, aber der sagt immer, das macht ihm nichts, weil…“ Und in diesem Tempo geht es weiter. Von Haeri, über Pet, Daerin, Lughe, Owen bis in zu Raska, nur über den Mann namens Gero, der, Uios Aussage nach auf sie alle aufpasst, mag der junge nicht allzu viel erzählen. „Wenn nur nicht die vielen Blaumäntel hier wären. Vor denen muss man sich in Acht nehmen!“, knüpft er irgendwann wieder an ihre Frage an und sieht verstohlen zu ihr hinüber, als befürchte er, sie könnte ihm diese Aussage übel nehmen. Azra selbst weiss überhaupt nicht mehr, was sie dazu sagen soll und ist überaus froh, als Uio ihr diese Entscheidung abnimmt, von dem düsteren Thema ablenkt und sie nach der Sprache fragt, die Brenainn benutzt hat. Denn alles was ihr bei der Unterstadt in den Sinn kommt, ist Borgils völlig zerschundener Anblick, Calyras Leiche und die Verzweiflung in den Gesichtern der Zurückgebliebenen.
„Das ist doch bestimmt Elbensprache!“
Obwohl ihr nicht danach zumute ist, beginnt sie angesichts dieses kaum fünf Fuss grossen hüpfenden Naseweisses aufs Neue zu grinsen. „Oh, nein“, erwidert sie mit einem kehligen Lachen, dass ihre Bestürzung nur schwer überspielt: „Das ist nicht Shidar. Also keine Elbensprache. Das ist Zardakh, die Sprache der Zwerge. Brenainns Vater, Borgil, ist ein Zwerg. Vor allem wenn er flucht, nimmt er dazu das Zardakh. Das klingt gleich doppelt so einschüchternd." Jetzt lacht sie wirklich. Das schlechte Gefühl in ihrem Magen, wo Mitleid und Furcht miteinander ringen, verschwindet zwar nicht, aber der Gedanke an ihren Mann stärkt und wärmt sie. Gespielt genervt verdreht sie die Augen und fügt seufzend hinzu: “Leider lernt auch Brenainn das Fluchen damit umso schneller. Manchmal rollen sich mir die Zehennägel hoch, wenn Borgil einmal mehr zu fluchen anfängt und Brenainn ihn dann frisch und fröhlich imitiert." Nicht wahr, kleiner Mann?, denkt sie dabei und küsst Brenainn zärtlich die helle, weiche Stirn. Der ist mittlerweile schläfrig an ihrer Schultern zusammengesunken und kann seine Augen kaum noch offen halten, obwohl er darum kämpft wach zu bleiben, denn dieser fremde Junge ist ja doch sehr interessant. „Ja fluchen, ich kenne auch jemanden der sehr gut fluchen kann! Wenn der flucht, dann wird es ungemütlich! Besser man ist dann nicht in der Nähe, oder der Grund warum er flucht und tobt!“ Da Uio in diesem Moment ein wenig nach vorne eilt, um einer dicken Matrone ausweichen zu können, bekommt Azra mit, wie er sich flüchtig an die Wange fasst. Du bist wohl keine Ausnahme, geht es ihr durch den Kopf und Verständnislosigkeit, die sich sehr rasch in Mitleid und Verärgerung wandelt, macht sich in ihr breit. Wie kann man einfach so ein Kind schlagen? Ich meine, wenn er es verdient hätte. Sofort registriert ihre Vernunft nüchtern: Vielleicht hatte er es ja verdient. Doch ihr mütterlicher Instinkt wehrt sich auf der Stelle: Einen leichten Schlag zur Mahnung vielleicht, oder aber auf den Hintern, aber doch nicht ins Gesicht. Obwohl es ihm anscheinend nichts ausmacht, kann Azra sich nur schwer zurückhalten, diesen Geron zur Rede zu stellen. Natürlich. In die Unterstadt spazieren und einem dieser Halunken die Leviten lesen. Was für eine glorreiche Idee. Fast schon preisverdächtig!, spöttelt ihr Verstand und betrübt belässt sie es dabei Uio aufmunternd anzulächeln, obwohl ihr Gewissen ihr keine Ruhe lässt. Da muss man doch etwas tun können. Diese Kinder können doch nicht in der Unterstadt hausen. Das ist doch kein Leben. Als ihr bewusst wird, dass sie sich darüber früher nie Gedanken gemacht hat, fühlt sie sich mit einem Male unglaublich schuldig. Was hätte ich denn schon tun können? Nichts. Ich meine, einfach die Unterstadt aufsuchen und alle Kinder einsammeln, das geht ja nicht. Das stimmt zwar, vermindert ihre Schuldgefühle aber kein Stück. Uio aber schert sich nicht weiter drum und wechselt zum zweiten Mal das Thema.

So abrupt, dass Azra seine Frage zuerst gar nicht hört und er sie noch einmal wiederholen muss. „Hm… ihr seid eine Elbe oder? Eine Schneelbe sicher! Zwerge sind doch nicht so…so hübsch!“ „Eine Schneeelbe?“, kichert Azra und schüttelt sichtlich erheitert den Kopf: „Nein. Das gibt es gar nicht, soweit ich weiss. Ich bin eine Halbelbe. Mein Vater war…“ Flüchtig stockt sie, unsicher, ob es klug ist, dem Jungen von ihrer Herkunft zu erzählen, springt dann aber über ihren Schatten: „…ein Blutelb, meine Mutter ein Mensch." Neugierig, wie Uio darauf kommt, sie als Schneeelbe zu betiteln, fragt sie zurück: „Wie kommst du auf Schneeelbe?“
Unter seiner Schutzschicht an Dreck und Staub wird der Junge plötzlich knallrot und verlegen senkt er den Blick zu Boden: “Nun ich dachte, weil ihr so weiß seid wie Schnee, da dachte ich, ihr seid bestimmt eine Schneeelbe oder gar eine Prinzessin!“ Jetzt ist es an Azra immerhin rosa anzulaufen und Uio aus grossen Augen ungläubig anzuschauen. Unsicher, ob der Junge nur einen Scherz mit ihr treibt, mustert sie ihn für einen Moment, kann aber nichts ausser kindlicher Ehrlichkeit in seinem Blick erkennen. Er meint es ernst, geht ihr auf, woraufhin die Röte auf ihren Wangen noch deutlicher wird. „Ich…“, bringt sie stotternd hervor, und übersieht beinahe die Kiste voller Lauch vor ihren Füssen. Nur knapp entgehen sie einem Unglück, weil Uio sie gerade noch rechtzeitig warnt und etwas verdattert entschuldigt sie sich bei dem Gemüsehändler, bevor sie weiter spricht: „Ich... also ich bin doch keine Prinzessin. Ich bin höchstens eine drittklassige Schankmaid." Unsicherheit liegt in ihrer Stimme, dazu eine Spur Wehmut und ein Hauch von ehrlicher Freude über dieses kleine Kompliment. "Nein, eine Prinzessin bin ich mit Sicherheit nicht“, bestimmt sie nach einer Weile ernst, wedelt dann aber mit der Hand durch die Luft, als ihr etwas einfällt: „Wobei... einmal war ein alter Geschichtenerzähler aus Hochwald in der Harfe einquartiert. Dort gab er für ein paar Münzen eine Geschichte aus seiner Heimat zum Besten. Sie handelte von einem armen Jungen, der in den Strassen lebte und sich sein Essen zusammen stahl. Eigentlich wäre er aber ein Prinz gewesen, doch weil seine Mutter um sein Leben fürchtete, hatte sie ihn gleich nach der Geburt bei einer Kräuterfrau in Obhut gegeben." Die Zuschauer hatten dem älteren Mann mit den gütigen, braunen Augen hingebungsvoll gelauscht. Nicht einer hatte es gewagt, ihn zu unterbrechen, sei es nun gewesen um nachzufragen, oder aber um sich etwas für die durstige Kehle zu bestellen. Sehr gut kann sie sich an die gespannte Stille erinnern, kurz bevor der kleine Held Intrigen und Anfeindungen zum Trotz seinen Platz verteidigte und zum König gekrönt wurde.
Mit einem sanften Schimmer in den Augen wendet sie sich wieder Uio zu und meint mit einem verschwörerischen Achselzucken: „Wer weiss, vielleicht bist auch du ein Prinz.“ Uio sieht sie daraufhin so verdutzt an, dass sie breit grinsen muss und ihm flüchtig die dreckigen Zotteln aus der schmutzigen Stirn streicht.
Den restlichen Weg zum Weissen Ruben schweigen sie, aber sie kann aus den Augenwinkeln mitverfolgen, wie der Junge immer mal wieder die Stirne kraus zieht, den Mund öffnete und schelmisch zu grinsen anfängt, als ob er ganz weit weg, irgendwo zwischen seidenen Bettdecken und Bergen von Kandis und Pudding umherschwebt. Sie lässt ihn träumen, warnt ihn nur hin und wieder, wenn er mal wieder nicht auf seine Füsse achtet, bis sie beim Bauer angekommen sind.
Uio hebt die Säcke zwar nicht ohne Mühe, dafür ohne Murren in die Höhe und Arza nickt ihm dankbar zu. Sie hätte die Säcke nach Hause liefern lassen und überlegt sogar einen Moment Uio einfach so zur Harfe zu nehmen, doch als sie den Enthusiasmus sieht, mit dem er sich seiner nicht unschweren Last widmet, vergisst sie die Idee ganz schnell. Zwar achtet sie darauf immer mal wieder eine Pause einzulegen auf dem Weg zum Drechsler und fragt mindestens ein Dutzend Mal nach, ob es auch wirklich ginge, es nicht zu schwer wäre und sie nicht vielleicht doch helfen solle, aber Uio schüttelt nur tapfer den Kopf. Sie machen den Abstecher zum Drechsler und kehren dann auf direktem Weg zur Harfe zurück. Brenainn ist mittlerweile eingeschlafen, Bræn dafür aufgewacht und kräht quietschmunter durch die Gegend.
Um sich nicht erst durch die ganzen Gäste drängen zu müssen, die den Harfengarten in grosser Zahl belagern, führt Azra Uio zum Hintereingang und von dort rasch in die Küche, wo er das Mehl einem der Küchenmädchen übergeben kann. Halla ist schon lange zurück und mustert Azras Mitbringsel mit hochgezogenen Augenbrauen, verliert aber kein Wort drüber und Azra ist klug genug Uio aus Sigruns Heiligtum zu ziehen, bevor diese den Schmutzfink entdeckt. Uio reckt und streckt seinen Hals, schnuppert mit geschlossenen Augen in der Luft und Azra erinnert sich rechtzeitig noch etwas zu Essen zu besorgen, damit der Junge ihr nicht gleich vom Fleisch fällt. Sie bittet Halla etwas Brot, Butter, Honig Käse, Fleisch und einen Teller von dem leckeren Eintopf in ihre privaten Gemächer zu bringen. Diese sieht zwar nicht überzeugt aus, kommt der Bitte aber nach. Azra atmet erleichtert auf und dank zudem allen Göttern gleichzeitig, dass Borgil gerade im Harfengarten beschäftigt ist und sie noch nicht auf ihr äusserst schmutziges Mitbringsel ansprechen kann. Zwar weiss sie genau, dass er den Kleinen nicht mehr wegschicken würde, ohne ihn zumindest einmal richtig gefüttert zu haben, aber ob er es auch dulden würde, wenn dieser sich in ihrem Schlafzimmer rumtobt, da hegt sie berechtigte Zweifel.

„Na komm schon“, flüstert Azra Uio ins Ohr und kichert leise, als dieser sich nur schwer von der Küche und den darin enthaltenen Schätzen lösen kann. Nachdem sie ihm aber versichert hat, dass er gleich etwas von all den Köstlichkeiten kriegen würde, lässt er sich doch dazu bewegen. Im Schlafzimmer bettet Azra Brenainn behutsam im grossen Bettund schält Bræn aus Körbchen und Decken. Ihr kaum zwei Monde alter Sohn fängt bereits an neugierig sein Köpfchen zu drehen, wenn sie ihn hochhebt. Aus glänzenden, dunkelgrauen Augen betrachtet er seine Umgebung, strampelt und kräht, um seine Zufriedenheit auszudrücken. Azra betrachtet das winzige Gesichtchen und küsst es zärtlich, bevor sie ihn neben seinem grossen Bruder aufs Bett legt und nach einem Wickeltuch greift.
„Du bekommst gleich erst einmal etwas zu essen. Ich muss derweil kurz weg“, erklärt Azra, ohne auf Uio zu achten. In der Harfe ist Mittagszeit und dementsprechend die Hölle los. Obwohl Halla mit Sicherheit eines der freien Harfenmädchen aufbieten würde, hätte Azra das Bedürfnis sich ein wenig Ruhe zu gönnen, doch das ist ihr zuwider. Selbst mit zwei Kindern hätte sie ohne Arbeit viel zu wenig zu tun. Als sie Uios fragenden Blick bemerkt, winkt sie ihn zu sich und deutet auf den schlafenden Brenainn, der sich wie eine kleine Katze zwischen den Kissen eingekringelt hat und leise schnarcht. „Würdest du bitte solange ich weg bin, auf ihn aufpassen?“ als sie Uios verdatterte bis entsetzte Miene sieht, streicht sie ihm lächelnd durchs Haar und beruhigt ihn schnell: „Keine Sorge. Brenainn schläft immer um diese Zeit. Wenn er wach wird, kommt er zu mir. Du kannst ja in der Zwischenzeit essen und, wenn du willst, auch ein wenig schlafen. Ich bin im Schankraum, falls du mich suchst. Frage einfach nach mir. Und solltest du einem grimmigen Zwergen in die Arme laufen… das ist mein Mann.“ In diesem Moment schneit Halla herein, schüttelt abermals den Kopf über dieses Häufchen Dreck und stellt ein Tablett mit den gewünschten Dingen auf den Tisch vor dem Kamin. Azra bedankt sich und deutet an, gleich nachzukommen, wobei sie sich bereits auf einen Ansturm von Fragen und Belehrungen einstellt. Sie weiss genau wie unvernünftig es ist, den Jungen hierher zu bringen, und trotzdem kann sie ihn noch viel weniger zurücklassen in dem Wissen, dass er danach wieder in die Unterstadt muss.
„Wirst du das für mich tun?“ Geduldig wartet sie auf eine Antwort, bereit ihm den Silberling auch einfach so in die Hand zu drücken, wenn er gehen möchte. Uio aber versichert ihr gut auf Brenainn aufzupassen und sofort zu ihr zu kommen, wenn etwas nicht stimmen sollte. Bewachen werde er ihn, als wäre es sein eigener Bruder, versichert er vielsagend und reckt sich zu seinen stolzen fünf Fuss auf.
Azra glaubt ihm, wickelt sich rasch das Tuch um den Oberkörper und lässt Bræn hineingleiten, so dass er seitlich etwas sehen kann, ohne mit seinen ruckartigen Bewegungen etwas vom Tablett zu stossen. Dann geht sie, nicht ohne einen Blick zurück zu werfen, der ihr versichern soll, dass Uio seinem Versprechen nachkommt. Dieser hat keine Sekunde gezögert. Zufrieden sitzt er auf einem der Sessel und schlingt das Essen regelrecht in sich hinein, wobei sie erleichtert bemerkt, dass er doch hin und wieder zu Brenainn hinüberlinst.

Die Harfe ist zum Brechen voll und es dauert nicht lange, bis Azra sich überhäuft sieht mit Arbeit. Zusammen mit Halla, Grid und all den anderen Mädchen serviert sie Humpen für Humpen, wagt riskante Balanceakte, nimmt Bestellungen entgegen, verteilt, rechnet ab und hat immer noch Zeit für ein kleines Schwätzchen mit den Gästen.
Gegen Nachmittag lässt der Strom der Besucher nach, gerade rechtzeitig, denn kaum hat Azra alle Tische gewischt tapert ihr ein völlig verschlafener Brenainn entgegen, im Schlepptau einen nicht minder verschlafenen Uio, der sich die Augen reibt und gähnt. „Habganschgenauauinaufgepascht“, murmelt er fast ein wenig stolz und zeigt ihr ein Spitzbubengrinsen. Lachend geht Azra in die Hocke und drückt Brenainn an sich, wobei sie darauf achtet Bræn nicht zu erdrücken: „Na mein Zyar, hast du gut geschlafen? Komm, jetzt gehen wir dich mal baden, damit du die Schokolade im Haar loswirst. Und dein Aufpasser den ganzen Dreck.“ Brenainn grummelt wie sein Vater, wenn dieser gerade erst aufgewacht ist, nickt dann aber leidig und folgt seiner Mutter brav wieder zurück ins Schlafzimmer. Ebenso Uio, der es sich aber nicht entgegen lässt, hie und da noch ein wenig stehen zu bleiben, um etwas genauer unter Augenschein nehmen zu können.
Mit Uios Hilfe ist der kleine Bottich, den sie lediglich dazu verwendet ihre Kinder zu baden, rasch gefüllt. Aber er ist hoch und breit genug, als dass sie selbst noch dazu sitzen könnte und Uio ist noch ein wenig schmaler. Sorgfältig breitet sie eine Wolldecke auf dem Boden aus und legt Bræn darauf nieder. Aufgeregt dreht dieser das Köpfchen hin und her und grabscht nach einem Holzring, dem sie ihm hinhält, um sofort vergnügt darauf herumzukauen. Sie hofft Brenainn und Uio im Bad zu haben, bevor ihr Jüngster Hunger bekommt. Das geht dann allerdings noch viel schneller, als sie erwartet hat. Kaum hat sie Bürste und Seife bereit gelegt, die Ärmel hochgekrempelt und Uio gesagt, er könne sich doch schon ausziehen, um dann mit Brenainn ein Bad zu nehmen – sitzt dieser auch schon splitterfasernackt im Wasser und grinst sie fröhlich an. Azra blinzelt einen Moment lang verdattert, schält Brenainn dann aber kichernd aus seiner kleinen Tunika und den Hosen und hebt ihn ins Wasser zu Uio: „Du musst ihn festhalten, dass Wasser ist zu tief, als das er sitzen könnte.“ Uio tut wie ihm geheissen, aber so vorsichtig und unbeholfen, dass Azra ein amüsiertes Grinsen nur sehr schwer unterdrücken kann. „Viel hast du wohl nicht mit kleinen Kindern zu tun, was?“, spöttelt sie sanft und schnappt sich die Kleidung, die Uio achtlos auf den Boden hat fallen lassen. Bei allen Göttern! Schnaufend mustert sie die löchrigen Stoffteile, die Uio Kleidung schimpft und die Grid nicht einmal mehr als Wischlappen verwenden würde. Zwar verschwendet sie einen Moment damit in Gedanken verschiedene Nähte anzusetzen, gibt dann aber auf und entschliesst dem Jungen etwas Neues herauszusuchen. Erhat wohl ungefähr meine Grösse. Und ich hab wahrlich genug. Ein Hemd, vielleicht zwei, eine Hose, ach und die alten Sandalen. Hatte ich nicht irgendwo noch einen Gürtel? Und die Tunika, die Borgil nicht mehr trägt. Ist ihm wahrscheinlich viel zu gross, aber er kann ja darin schlafen, und... Wohlweislich, weil sie nicht weiss, wie sehr Uio an seinem Hemd und seiner Hose hängt, faltet sie beides jedoch vorerst einfach nur sauber zusammen und legt es auf den Tisch neben das Tablett. Dann hebt sie Bræn hoch und setzt sich mit ihm in einen der Sessel, nahe des  Bottichs, löst sie die Schnürung ihres Hemdes und gibt ihrem Jüngsten die Brust. „Uio? Würdest du Brenainn ein wenig einseifen und ihm vorsichtig die Haare waschen?" Nach einem kurzen Blick auf Uios verfilzte Zotteln fügt sie hinzu:"Und seif dich am besten gleich selber auch ein. Wenn ich hier fertig bin, wasch ich dir die Haare. Oh, und erzähl. Wie bist du nun genau an diesen Gero geraten? Ich meine… wie bist du in die Unterstadt gekommen? Hast du Geschwister?“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Ieras am 02. Juli 2008, 00:45 Uhr
Anfang Goldschein
Westflügel der Steinfaust, Marktplatz und Goldene Harfe


Da es noch früher Vormittag ist, beschließen Kea und Ierás, zu Fuß zur Goldenen Harfe zu gehen. >Da können wir vorher noch auf dem Marktplatz vorbei schauen, vielleicht finden wir ja etwas schönes.> Mit einem nachsichtigen Lächeln steckt Ierás die Geldkatze zurück an den Gürtel; Kea war seit sie von Guthric dem Tischler zurück gekommen sind, kaum vom Thema Inneneinrichtung abzulenken gewesen. Sie haben sich noch einmal umgezogen, um einen möglichst guten Eindruck auf die Lady Darragh zu machen und Kea trägt das Kleid, das er ihr in Lair Draconis gekauft hatte. Es spannt zwar über ihrem runden Bauch und der Brust, aber es steht ihr so gut, wie er es sich damals vorgestellt hatte. Meine Frau.. Aus dem Lächeln wird ein breites Grinsen, als er Kea kurz an sich zieht um sie zu küssen. Die Halbelbin schmiegt sich an ihn und es bedarf einiger Willenskraft, um sich von ihr zu lösen. "Lass uns lieber gehen, sonst kommen wir noch zu spät..."

Auf dem Marktplatz hat sich das Bild in all der Zeit nicht viel verändert; bunte Baldachine überspannen die Holzgestelle der Stände und ebenso bunte Tücher verbergen die Holzplatten, auf denen die Ware ausgebreitet da liegt. Sie schlendern die Reihen entlang, bleiben an mehreren Ständen stehen und frischen alte Kontakte auf. Einige der Händler kennen sie noch von früher und so bekommen sie rasch einen Überblick über den talyrischen Klatsch und Tratsch der letzten zwei Jahre. Aber auch ihre eigenen Neuigkeiten finden einigen Anklang und Kea kann schon nach dem zweiten Stand nicht mehr aufhören zu strahlen. Da keiner der Händler eine Ahnung vom Erbe dieses Kindes hat, fallen die Gratulationen und Glückwünsche natürlich völlig unbelastet aus. Außerdem haben wir jetzt einen Ring und ein Gelübde vorzuweisen...
Die Harfe ist erstaunlich leer und so haben sie beinahe freie Platzwahl. Sie suchen sich, da Lady Darragh noch nicht da ist, einen Tisch an einem der Fenster und werden dann auch schon freudig von Halla begrüßt. >Borgil ist momentan zwar nicht in der Harfe, aber er freut sich bestimmt, zu hören dass ihr zwei heil wieder da seid!< Als sie Keas Babybauch gewahr wird, werden die Augen der Mogbar rund vor Überraschung, aber sie gratuliert ihnen genauso unvoreingenommen wie die Händler auf dem Markt. Rasch gibt sie die Getränkebestellung an ein Schankmädchen weiter und setzt sich dann kurz zu ihnen. Sie erzählen der obersten Magd der Harfe ein wenig von ihrer Reise und ihren Plänen, als auch schon Lady Darragh die Harfe betritt. Jetzt gilt es.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tantchen am 02. Juli 2008, 19:17 Uhr
Lady Caitrin Darragh betritt die Goldene Harfe an einem sonnigen Goldscheinmorgen, flankiert von zwei Wachen ihres Hauses und begleitet von einem jungen Skriptoren namens Voldrin sowie von zwei langbeinigen Jagdhunden, die aufmerksam, aber zurückhaltend wie Katzen um ihre raschelnden Röcke streichen. So früh am Morgen ist bei Borgil noch nicht allzu viel los, was ihr ganz gelegen kommt, und als sie das junge Paar - die Einzigen, die als Urheber der Botschaft, die sei erhalten hatte, infrage kommen - an einem der Fenstertische entdeckt, schickt sie ihre beiden Leibwächter hinaus. "Genießt eine Weile die Morgensonne. Hier brauche ich euch nicht und wir wollen die beiden doch nicht verschrecken. Die Hunde nehme ich mit mir." Die Wächter verabschieden sich mit einem Nicken und Caitrin Darragh nimmt sich einen Moment Zeit, das Pärchen am Tisch zu betrachten. Noch unterhalten sie sich mit Borgils draller, kleiner Mogbarmagd, deren  Namen sie immer vergisst, und die Aufregung leuchtet ihnen aus den Augen, aber alles in allem machen sie einen netten Eindruck. Ierás von Tarascon... das muss der junge Mann sein, den der Lord Commander praktisch... nun ja, adoptiert hat. Der Sohn seiner ersten Frau, dieser Elbin. Sie mag ein schlechtes Gedächtnis für Namen haben, aber nicht für Gesichter und so erinnert sie sich sofort an die geheimnisvolle, rothaarige Schönheit mit den graublauen Augen, die sie vor einigen Jahren auf einem Inarifestbankett in der Stadthalle an Olyvar von Tarascons Seite gesehen hatte. Ihr Sohn sieht ihr nicht ähnlich, stellt sie fest, auch wenn er ihre Grübchen hat. Der junge Mann ist allerdings durchaus als gut aussehend zu bezeichnen, zumindest, sofern man weniger markante, dafür hübsche, etwas feinere Gesichtszüge bei Männern anziehend findet. Die Frau an seiner Seite ist klein, viel kleiner als er, und hat etwas Leichtes, dennoch Geschmeidiges an sich, obwohl sie nicht zierlich wirkt. Außerdem ist sie hochschwanger, hat langes, schwarzes Haar und die opalhell schimmernde Magnolienhaut, für welche die Herzländerinnen aus dem südlichen Ildorien so berühmt sind, auch wenn die ihre in den letzten Monden eindeutig zuviel Sonne abbekommen zu haben scheint. Mit einem leisen Räuspern macht sich Lady Darragh bemerkbar und die beiden blicken auf, während sich die Mogbarmagd hastig beeilt aufzustehen und zu knicksen. "Bring mir eine gekühlte Mandelmilch und den Hunden eine Schüssel Wasser, sei so gut." Die kleine Mogbar nickt so heftig, dass ihr Häubchen ein wenig verrutscht und der junge Mann erhebt sich, verbeugt sich leicht, aber höflich und bietet ihr galant einen Stuhl an. "Behaltet ruhig Platz, meine Liebe," wendet sich Caitrin an die junge Frau, die ebenfalls Anstalten macht, aufzustehen. "Ich habe sechs Kinder geboren und kann mich gut erinnern, wie es war, mit ihnen schwanger zu sein. Fairerweise sollte man Schwangerschaft mit zwei "F" schreiben, nicht nur mit einem." Sie ordnet ihre Röcke um sich und die Hunde legen sich hechelnd zu ihren Füßen ab. "Seid gegrüßt, Ihr seid dann wohl Ierás und Keandra von Tarascon - ich bin Lady Caitrin Gwenllian Darragh von Sarria, aber bitte, ein einfaches Lady Caitrin genügt vollkommen, wir sind ja nicht bei Hofe." Dunkelblaue Augen, die strahlen können wie Saphire und auch nach sechzig Jahren nichts von ihrem Charme verloren haben, glitzern belustigt und amüsiert, aber durchaus freundlich. "Wenn ich Euer Schreiben richtig verstanden habe, dann seid ihr daran interessiert, den Waldhof zu kaufen, nicht wahr? Nun, wer immer euch verraten hat, und ich denke, ich weiß, wer," sie wirft Ierás einen listigen, aber keineswegs berechnenden Blick zu, "dass ich die größten Anteile von Schuldscheinen auf dem Anwesen halte, der hat fraglos den richtigen Zeitpunkt gewählt. Ich trage mich schon länger mit dem Gedanken daran, den Hof herzugeben, aber die richtigen Käufer sind mir bisher noch nicht begegnet."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Uio am 02. Juli 2008, 20:15 Uhr
Die Zeit vergeht wie im Fluge. Eben noch als bettelnder Junge auf dem Marktplatz von Talyra auf ein paar Heller aus, sitzt der ca. 10 Jahreswechsel alte Junge aus der Unterstadt in einem kleinen Wasserzuber mit warmen Wasser und grinst bis über beide Ohren. Nach einigen Verrenkungen, bekommt es der nicht mehr ganz so dreckige und müffelnde Junge hin, sich und den ältesten Sohn Azras über Wasser zuhalten.  
>„Viel hast du wohl nicht mit kleinen Kindern zu tun, was?“< Das kann Uio mit einem breiten Grinsen und heftigen Nicken nur bestätigen.

Nach einer Weile hat Uio aber alles im Griff und patscht und planscht mit Brenainn herum.
> „Uio?“< Uio schaut zu Azra, die ihren Jüngsten auf dem Arm hält. „Hn?“  
> „Würdest du Brenainn ein wenig einseifen und ihm vorsichtig die Haare waschen?" <
„Mach ich Madame Azra!" … Ich weiß zwar nicht genau wie, aber ich mach das schon!
Und Uio gibt sich wahnsinnige Mühe den kleinen Brenainn zu waschen und zwar von Kopf bis Fuß. Dabei hat er keine besondere Vorgehensweise… es ist mehr ein kreuz und queres Einseifen und Patschen, dabei wieder Grinsen und mit dem Jungen faxen machen und sich gegenseitig mit der Seife auf dem Kopf schrubben…

>"Und seif dich am besten gleich selber auch ein. Wenn ich hier fertig bin, wasch ich dir die Haare. Oh, und erzähl. Wie bist du nun genau an diesen Gero geraten? Ich meine… wie bist du in die Unterstadt gekommen? Hast du Geschwister?“<

„Ich wasche mir schon die Haare Madame, ihr braucht das nicht!“, ruft Uio laut, als er und Brenainn die Seife durch den Bottich flutschen lassen. Kurz darauf schwappt das Wasser über und die beiden Jungen verschwinden mit einem riesigen Klatschen im Wasser, dass sich jetzt weitspritzend im ganzen Raum verteilt. Als beide auftauchen, lachen und quietschen beide vor Vergnügen laut und beginnen sich wieder mit Seife einzuschäumen.
„Geschwister habe ich nicht Madame Azra! Ich habe auch keine Eltern und bin seid ich denken kann bei Gero in der Unterstadt und er sagt, wo es lang geht und was zu tun oder zu lassen ist!“, plappert er gerade heraus.

Nach einer weile fröhlichen Geplantsche, hebt Uio den Brenainn aus dem Bottich und ehe Azra auch nur „papp“ sagen kann, hat Uio seine zerlumpte Kleidung wieder übergestreift. Mit tropfenden Haaren und noch einiges an Schaum in den Zotteln, steht er dann vor ihr und legt den Kopf schief.
„Bekomme ich nun meine Silbermünze, Madame Azra?“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kea am 03. Juli 2008, 18:42 Uhr
Als Lady Caitrin die Harfe betritt, bekommen Ierás und Kea das im ersten Moment gar nicht so mit, da sie noch im Gespräch mit Halla vertieft sind. Erst als sich die ältere Dame ihnen gegenüber räuspert um auf sich Aufmerksam zu machen zucken zumindest Kea und Halla ein wenig zusammen. Die Mogbar eilt auch sofort davon um der Lady ihre Bestellung zu bringen, Ierás steht auf und bietet Caitrin einen Stuhl an, was Kea ein wenig schmunzeln lässt. Bei ihren eigenen Anstalten zur Begrüßung aufzustehen winkt die eiserne Lady nur verständnisvoll ab und erklärt, dass sie selbst sechs Kinder zur Welt gebracht habe und nur zu gut weiß wie anstrengend so eine Schwangerschaft ist. Lächelnd kann ihr Kea nur zu stimmen, obwohl jetzt der Bauch immer größer, schwerer und unpraktischer wird, waren aber die mühseligsten Zeiten wohl die zwischen Lair Draconis und Vinnar, wo sie oft nicht mal ein Bett zum Übernachten hatten und ständig unter der Furcht waren gefunden zu werden.
>Wenn ich Euer Schreiben richtig verstanden habe, dann seid ihr daran interessiert, den Waldhof zu kaufen, nicht wahr? Nun, wer immer euch verraten hat, und ich denke, ich weiß, wer, dass ich die größten Anteile von Schuldscheinen auf dem Anwesen halte, der hat fraglos den richtigen Zeitpunkt gewählt. Ich trage mich schon länger mit dem Gedanken daran, den Hof herzugeben, aber die richtigen Käufer sind mir bisher noch nicht begegnet.<
Lady Caitrin reißt Kea mit ihren Worten aus den Gedanken von harten Steinen in ihrem Rücken und Versteckspiel vor den Sturmschwertern. Die Schmiedin ist froh, dass Lady Caitrin den Hof auch hergeben möchte und sie ist sich sicher, dass sie genau die richtigen Käufer dafür sind und hofft, dass auch Lady Caitrin daran nicht zweifeln wird. Während Kea zu einer Antwort ansetzt eilt Halla wieder an den Tisch, in der einen Hand Trinkschüsseln für die Hunde mit der anderen balanciert sie geschickt auf einem Tablett balanciert die Mandelmilch für die Lady und einen Becher Fliederblütensaft, von dem Kea seit ihrer Ankunft in der Steinfaust nicht genug bekommen kann. Kea wartet bis Halla alles abgestellt hat, nimmt einen kleinen Schluck von ihrem Getränk ehe sie sich lächelnd wieder Lady Caitrin zuwendet.
„Es ist schön zu hören, dass Ihr auch tatsächlich daran denkt den Hof zu verkaufen, denn ehrlich gesagt haben wir uns sofort in das Anwesen verliebt. Es hat genau die richtige Lage und Größe für uns und wir planen ja auch Pferde zu züchten so wie es schon früher auf dem Waldhof gewesen ist.“
Na großartig, wahrscheinlich habe ich mit meiner Schwärmerei gerade den Preis ins Unermessliche getrieben!
Schnell überschlägt Kea noch einmal ihre letzten Ausgaben und ihre restlichen Ersparnisse damit sie genau weiß wie viel der Waldhof sie kosten darf. Natürlich vergisst sie dabei nicht, dass auch noch etwas übrig bleiben muss um die Handwerker und auch ihr Leben in der ersten Zeit zu bezahlen. Schnell wirft sie einen Blick in Richtung Ierás, ihr Mann war immer schon besser im Verhandeln gewesen als sie, denn Kea fehlt es an der notwendigen Härte. Auch jetzt würde sie am liebsten sagen: Nennt einfach einen Preis, ich würde euch sowieso alles geben! Aber sie lässt es natürlich, denn das wäre wohl wirklich wenig hilfreich. Stattdessen fährt sie fort über ihre Zukunftspläne mit dem Hof zusprechen, auch wenn sie nicht weiß ob sich Lady Caitrin überhaupt dafür interessiert oder einfach nur ein Angebot von ihnen hören möchte. So berichtet sie nur kurz, dass sie gedenken schwerere aber temperamentvolle Pferde zu züchten die besonders für den Dienst in der Steinfaust geeignet wären. Ihre Augen bekommen schon wieder dieses begeisterte Funkeln, das immer dann auftaucht wenn sie von ihren Pferden spricht und sie muss sich hüten nicht abzuschweifen, sondern nur kurz und klar ihr Vorhaben zu erklären. Ierás wirft nur ab und zu etwas ein, aber es ist schließlich er der das Gespräch wieder auf den eigentlichen Grund ihres Treffens lenkt. >Was habt Ihr Euch denn für einen Preis für Euren Teil des Anwesens vorgestellt?<

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tantchen am 14. Juli 2008, 22:03 Uhr
>Was habt Ihr Euch denn für einen Preis für Euren Teil des Anwesens vorgestellt?< Dieser Satz des jungen Mannes zu ihrer Rechten reißt Lady Caitrin nach einer Weile aus ihren Gedanken, denn Keandra von Tarascon erzählt so begeistert und eindringlich von den Pferden, die sie auf dem Waldhof züchten möchte, dass selbst sie, sonst sehr bodenständig, für einen Moment vollkommen abgelenkt war. Ierás' Worte holen sie auf den Boden der Tatsachen zurück und ihr wird, im Gegensatz zu den beiden schwärmerischen jungen Leuten neben ihr, sofort klar, dass Tallard, der ja den Rest der Schuldscheine am Waldhof hält, diesen Enthusiasmus augenblicklich für seine widerwärtige Habgier ausnutzen würde. "Hm, nun ja. Ich werde natürlich nicht unter Wert verkaufen, Eure Träume in Ehren. Aber ich kann euch sicherlich einen guten Preis machen. Voldrin..." sie wendet sich an ihren Skriptoren, der in dem mitgebrachten, ledergebundenen Stapel Pergamenten zu wühlen beginnt wie ein Trüffelschwein auf der Suche nach Leckereien. "Der Haken ist nur... ich bin nicht die einzige Gläubigerin des alten Eamon. Aber Tallard und seine lächerlichen Anteile an dem Anwesen überlasst getrost mir," sie lächelt Ierás an, aber  ihre Augen blicken ernst. Kommt bitte nicht auf den Gedanken, ihn selbst aufzusuchen. Schon gar nicht mit einer jungen, hübschen, schwangeren Frau und dem Namen Tarascon, das reicht schon völlig, um das alte Wiesel vor Wut in die Luft gehen zu lassen... "Ich mache euch einen Vorschlag. Ich setze einen Preis fest, der Tallards Anteile schon beinhaltet und sorge dafür, dass er sie mir überlässt, so dass ich sie an Euch weitergeben kann." Der Schreiber reicht ihr dezent einen Bogen Pergament, auf den eine zugegebenermaßen beeindruckende Summe niedergeschrieben ist, und Lady Caitrin schiebt das Papier an Ierás und Keandra weiter ohne es auch nur anzusehen. Es ist amüsant, die Gesichter der beiden zu beobachten, als sie des Betrages ansichtig werden, doch Caitrin Darragh verbietet sich jedes Schmunzeln, Geschäft ist schließlich Geschäft, auch wenn sie hofft, dass die zwei den Waldhof kaufen werden - nicht weil sie ihn unbedingt loswerden müsste, sondern weil es wirklich die richtigen Leute für das alte Anwesen zu sein scheinen und sie Eamon, der ganz begeistert von ihnen gewesen war, ungern jemand anderen vor die Nase gesetzt hätte. Außerdem kann ich Tallard auf diese Weise eins auswischen, allein das ist es wert.

Die junge Frau scheint in Gedanken hastig die Zahlen und ihre Reserven zu überschlagen, während Ierás eher blinzelt wie ein verschrecktes Käuzchen, doch nach einem getauschten Blick scheinen sie sich einig zu sein. "Gekauft, wir nehmen es, danke."
"Oh." Kein Feilschen? Kein Handeln? Du lieber Himmel, irgendjemand muss ihnen das bei Gelegenheit beibringen!
"Nun gut. Das freut mich natürlich. Dann lasst uns den Kauf per Handschlag besiegeln und mein Schreiber Voldrin hier wird gleich einen Vertrag aufsetzen, wenn Ihr einverstanden seid?" Zweiköpfiges heftiges Nicken ist die einzige Antwort und so schenkt Lady Caitrin dem jungen Paar ein strahlendes Lächeln und tut etwas sehr undamenhaftes: sie spuckt leicht in ihre rechte Handfläche und hält dem völlig verdutzten Ierás von Tarascon dieselbige dann unter die verwirrt gekräuselte Nase. Seine Frau allerdings scheint mit der alten Handschlagstradition unter Händlern weit besser vertraut, denn nach einem kurzen Moment springt sie beherzt ein, tut es Lady Caitrin nach und die beiden Frauen schütteln sich kräftig die Spuckehände. "Abgemacht."
Sie lassen sich, um den freudigen Anlass auch gebührend zu feiern, noch etwas zu trinken bringen und stoßen so mit Milch, dem obligatorischen Fliederblütensaft und einem, vielleicht etwas frühen - aber verdienten - Bier an. Lady Caitrin erkundigt sich währenddessen noch, wann denn die Geburt des Kindes erwartet wird und wünscht ihnen schließlich, nach dem der Vertrag fertig aufgesetzt und unterschrieben worden ist, und sie ihnen diesen, sowie die Schuldscheine ausgehändigt hat, noch viel Glück und Freude mit dem eben neu erworbenen Heim. Die Verabschiedung fällt wesentlich entspannter aus, als die Begrüßung, denn das junge Ehepaar ist sichtlich erleichtert, dass alles so gut geklappt hat, während sie Caitrin herzlich die wieder speichelfreie Hand schütteln und bis über beide Ohren lächelnd ihres Weges gehen. Auch Lady Darragh erhebt sich, hinterlässt ausreichend Münzen und ein großzügiges Trinkgeld für Halla und verlässt, die Hunde und den Schreiber im Schlepptau die Harfe. Ihre beiden Wachen lehnen am Tor des Harfengartens und erwarten sie bereits, doch sie behält nur einen der Männer bei sich und schickt den Schreiber samt der Abschriften des Kaufvertrages und einen ihrer beiden Leibwächter nach Hause. Der Tag ist schön und der Marktplatz herrlich bunt und einladend mit seinen vielen Buden und Ständen, dem wimmelnden Chaos des Feilschens und Handelns zwischen den Auslagen und Verkaufszelten, und dem lautstarken Anpreisen der Waren durch Marktschreier und Bauersfrauen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 21. Juli 2008, 22:46 Uhr
Ende Grünglanz

Er tut, wie ihm geheissen. Aber so vorsichtig als bestuende Brenainn aus hauchduennem Rauchglas. Der hat wiederum nichts besseres zu tun, als es Uio so schwer wie nur irgendwie moeglich zu machen. Er huepft und planscht herum, dass innert kuerzester Zeit die Haelfte des Badewassers AUSSERHALB des Zubers ueber den Boden schwappt. Mit einem indignierten Seufzen mahnt sich Azra gleich erstmal Tuecher zu holen um die Dielen aufzuwischen. Kurzum, die beiden Jungen haben einen Heidenspass miteinander und Azra selbst geniesst es ihnen dabei zuzuschauen. Irgendwann sieht man von den beiden nur noch wilde Schaumkroenchen, dann flutscht mit einem Male die Seife ueber den Bottichrand hinaus und zwei voellig verdatterte Kindergesichter tauchen aus dem Wasser aus. "Hui!", gluckst Brenainn und macht Anstalten aus dem Zuber zu krabbeln. Uios raschem Eingreifen ist es zu verdanken, dass der Kleine nicht kopfvoran zu Boden stuerzt, trotzdem hoert Azra ihr Herz laut schlagen. Dankbar laechelt sie Uio an, der Brenainn erstmal haarklein darin belehrt, wie man eigentlich aus einem Badezuber steigt, ohne sich die Knochen zu brechen. Seine ausschweifenden Erklaerungen klingen dabei so abenteuerlich, dass Azra sich sicher ist, dass er noch nicht allzuoft gebadet hat - und erst recht nicht in einem richtigen Bottich. Wie auch, wenn er aus der Unterstadt kommt, schimpft sie mit sich selbst und betrachtet das friedliche Gesichtchen ihres Juengsten, der laengst pappsatt eingeschlafen ist. Vorsichtig hebt sie ihn ein wenig hoeher und schnuerrt ihr Hemd wieder zu. Uio ermahnend kurz zu warten, legt sie Braen in die robuste Holzwiege am Ende ihres eigenen Bettes und deckt ihn vorsichtig mit der duennen Wolldecke zu, die sie von Halla zur Geburt geschenkt bekommen hat.
"So, komm kleiner Mann, das Wasser ist ja schon lange kalt." Damit schnappt sie sich eines der bereit gelegten weichen Leinentuecher und hebt Brenainn aus dem Zuber. Der quietscht und strampelt vor lauter Vergnuegen und, kaum hat er wieder Boden unter den Fuessen, flitzt kichernd davon. Lachend rennt Azra ihn hinterher, faengt ihn ein, kitzelt ihn und laesst ihn dann wieder laufen. Eine ganze Weile tollt sie mit ihrem Sohn durch das Zimmer und kann gerade noch verhindern, dass er voellig nackig in den Schankraum watschelt, um bei seinem Vater Schutz zu suchen. "Nichts da", kichert Azra und haengt sich Brenainn mit einiger Muehe unter den rechten Arm: "Jetzt trocknen wir dich erstmal ab und dann darfst du zu Papa." Mit dem Anziehen ist Brenainn nicht wirklich einverstanden, weswegen Azra ihn gehen laesst, als er immerhin die kleine Tunika anhat - zwar verkehrt, aber besser als nichts. Noch immer erheitert ob der Ausgelassenheit ihres Sohnes haengt sie das nasse Tuch zum Trocknen auf und widmet sich dann Uio... der aber schon lange aus dem Zuber ausgestiegen ist und sich seine alte Kleidung wieder uebergestreift hat. Mit einem Hundeblick bittet er um die versprochene Silbermuenze, ernet jedoch nur Schweigen. Denn Azra, als Ehefrau eines rauflustigen Zwergen den Anblick von Prellungen, Quetschungen und blauen Flecken gewoehnt, hat es glatt die Sprache verschlagen. Jetzt wo Wasser und Seife Dreck, Staub und Schmutz von der Haut und aus dem Haar des Jungen gewaschen haben, erkennt man erst, wie mager der Bengel wirklich ist. Und ausserdem sieht er aus, als waere er erst kuerzlich unter die Hufe eines wild gewordenen Hengstes geraten. In einem groben Ueberblick zaehlt Azra nicht weniger als zwoelf blaue Flecken, zwei Prellungen und eine groessere Schramme, die sich ueber sein knochiges Knie zieht und noch sehr frisch wirkt. Dabei geben ihr vor allem die Schwellung unter Uios linkem Auge, sowie ein paar dunkle abdruecke an seinem Hals und seinen Oberarmen zu denken. "Setz dich", bestimmt sie mit einem flatternden Tonfall, der aber keinen Widerspruch duldet: "Und zieh sofort diese Lumpen wieder aus. Du bist sauber! Also bekommst du auch saubere Kleidung. Aber erstmal..." Damit tritt sie auf ihn zu und tastet mit ihren Fingern ueber die weiche, heisse Haut seiner Wange, wo ihn ganz deutlich jemand geschlagen hat: "werde ich mir deine blauen Flecken ansehen und Nein! Das ist SEHR wohl etwas! Und das tut auch weh, ich weiss das! Also spar dir deine Ausfluechte und setz dich. Hopphopp." Sie laesst ihm nicht die Zeit zu widersprechen, sie laesst ihm nicht mal die Zeit selber zu entscheiden, ob er sich jetzt hinsetzen moechte, denn bevor er ueberhaupt irgendetwas tun kann, hat sie ihn ploetzlich in die Arme gezogen und streicht ihn ueber sein nasses und voellig wirres Haar. Als sie bemerkt, wie naerrisch sie sich benimmt, weicht sie hastig zurueck und laechelt ihn sanft an. "Entschuldige... setz dich einfach schonmal. Ich hole nur kurz ein paar Sachen."
Aus ein paar Sachen werden zwei Beutelchen mit Arnika und Brennnesseln, drei Toepfchen mit gruenlichen Salben, etwas frisches, warmes Wasser, drei Tuecher und eine handvoll Mulden. Azra spart sich jegliche Erklaerung. Fuer sie ist es selbstverstaendlich die verschiedenen Wunden des Jungen - der jetzt, wo er nichts mehr traegt, wirklich aussieht wie ein Kratzbaum fuer junge Zicklein - zu behandeln. "Hmpf", schnaubt sie, nur halb so energisch, wie sie es gerne gehabt haette und betrachtet das leicht geschwollene Auge des Jungen einen Moment laenger als noetig. "War das Gero?", fragt sie schliesslich und taucht eines der Tuecher ins Wasser, um die Schramme an seinem Knie sauber auszuwaschen. Uio nickt eifrig und gibt auch offen und ehrlich Antwort, als sie ihn nach dem Grund fuer die Schlaege fragt. Mist gebaut habe er, und sich mit den Jungs gerauft, aber das sei alles nicht so schlimm. Wenn man eben nicht folge, kassiere man Strafe, das sei ganz einfach. Azra empfindet seine Lage nicht ganz als so einfach, wie er sie beschreibt, unterdrueckt aber das Gefuehl von Aerger ueber besagten Gero. Stillschweigend säubert sie die Kratzer und Schrammen, macht ihm einen festen, aber nicht zu dicken Wickel um sein geschwollenes Knie und bestreicht die blauen Flecken an seinen Rippen, Schultern und seinem Hals mit etwas Salbe. "So, das laesst du jetzt bis morgen. Dann kannst du auch deine Kleider wieder abholen. Bis dahin habe ich sie naemlich gewaschen und geflickt." Als sie seinen erschrockenen Blick bemerkt fuegt sie mit einem amuesierten Schmunzeln rasch hinzu: "Oh, keine Sorge, hier, das kannst du tragen und auch behalten." Mit diesen Worten dreht sie ihm den Ruecken zu und laeuft zu dem wuchtigen Eckschrank, wo ihre und Borgils Kleidung haengt und liegt. Sie braucht nicht lange um die aussondierten Stuecke, die sie sich ueberlegt hatte, zu finden, und Uio, dem vor Begeisterung fast die Augen aus den Hoehlen quellen, braucht noch viel weniger lang um in Hemd und Hose zu schluepfen und sich die Sandalen ueberzustreifen. Die sind ihm zwar eine Spur zu klein, aber fuer diesen Sommer wuerden sie mit Sicherheit noch reichen. "Oh, und hier, falls es mal kaelter wird." Hastig steckt Azra ihre Nase noch etwas tiefer in die Dunkelheit des Schrankes und zieht gleich darauf einen leichten Wollumhang hervor: "Waehrend der warmen Sommermonde sollte er genuegen." Und im Winter sehen wir dann weiter. "Ach, fast haette ichs vergessen." Zum dritten Mal verschwindet sie halb zwischen Hemden, Hosen, Tuniken und Kleidern, dann streckt sie Uio eine zweite Biege Stoff entgegen: "Wahrscheinlich muss ich die Sachen ein wenig einnehmen fuer dich, aber sie passen tiuri sowieso nicht mehr und ich erst recht nicht , also ist es besser wenn du sie hast. Es sind nur ein paar Dinge. Eine zweite Hose, eine Tunika, ein Guertel und zwei Hemden, wobei eines leider ein Loch hat. Ach, hol das besser morgen mit deinen eigenen Sachen ab, dann ist es gestopft."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Uio am 27. Juli 2008, 18:22 Uhr
Uio legt was die Gegebenheiten in seinem genannten zuhause, die Unterstadt, angehen kein Blatt vor den Mund. Madame Azra lässt sich  nicht davon abhalten seine Wunde oder die vielen anderen Blessuren zu versorgen. Ihm ist das ganze etwas unangenehm, da er es nicht kennt das sich jemand so um ihn kümmert. Der einzige der ihn versorgt ist Gero und dass ist nicht mit dem zu vergleichen was die weiße Halbelbe nun für ihn tut und schon getan hat. An sich kümmert sich Uio schon ganz gut um sich selbst, jedenfalls findet er das. Schließlich ist Azra fertig. Uio betrachtet sich nachdenklich, bewegt prüfend das Bein und kratzt sich am Kopf. Gerade setzt er an sich kleinlaut zu bedanken als schon die nächste Überraschung auf ihn wartet.
>"So, das lässt du jetzt bis morgen. Dann kannst du auch deine Kleider wieder abholen. Bis dahin habe ich sie nämlich gewaschen und geflickt." <
Uio schaut erschrocken auf „ Meine …Kleider?“

>"Oh, keine Sorge, hier, das kannst du tragen und auch behalten."< Und schon verschwindet Azra in einem großen Eckschrank und legt dem verwirrt dreinschauenden Uio ein Kleidungsstück nach dem anderen auf die Arme. Hemd, Hose und sogar Sandalen… der junge fackelt nicht lange und wirft sich die Sachen gleich über. Die Größe, oder besser gesagt, dass sie nicht ganz passen interessiert Uio nicht im Geringsten. Breit grinsend sieht er an sich herunter. Wie lang ist das her das er ein neues Hemd, eine neuen Hose bekommen hat und ja Schuhe hat er noch nie besessen. Wenn er mal ein Kleidungsstück ab bekam war es schon getragen und in einem weitaus schlechteren Zustand wie diese hier.

Doch nicht genug, fördert Madame Azra noch mehr aus dem Schrank hervor.  >"Oh, und hier, falls es mal kälter wird. Während der warmen Sommermonde sollte er genügen. Ach, fast hätte ichs vergessen. Wahrscheinlich muss ich die Sachen ein wenig einnehmen für dich, aber sie passen Tiuri sowieso nicht mehr und ich erst recht nicht , also ist es besser wenn du sie hast. Es sind nur ein paar Dinge. Eine zweite Hose, eine Tunika, ein Gürtel und zwei Hemden, wobei eines leider ein Loch hat. Ach, hol das besser morgen mit deinen eigenen Sachen ab, dann ist es gestopft."<

Uios Augen werden immer größer, soweit das noch möglich ist. Hatte sie gesagt er sollte wieder kommen? Seine alten Sachen und dann noch weitere neue Abholen? Vielleicht gäbe es dann auch wieder etwas leckeres zu Essen… die anderen würden Staunen…
Uio erschrickt kurz bei dem Gedanken. Die Anderen Jungs… was würden sie sagen? Schnell geht er im Kopf durch ob es nicht besser wäre einige Dinge vor ihnen zu verheimlichen. Er müsste nur… aber gut. Darüber macht er sich dann Gedanken wenn es an der Zeit ist.

Etwas beschämt und unsicher was er denn nun dazu sagen soll schaut Uio zu Boden auf seine sauberen Füße die nun in den Sandalen stecken. Er lächelt und bewegt die Zähen. „ Habt dank…ich… ich… Madame Azra … so viel und das alles nur für mich. Danke…“ Uio fehlen einfach die Worte und er schaut mit seinen dunklen Augen unter seinen langen Zotteln her. „ Wenn ihr, jemand braucht zum…ähm…Säcke tragen… oder… egal was… ich würde das machen!“


Soviel wie Uio schon bekommen hat ist es erstaunlich, dass er diesen Schatz in den Händen hält. Einen Silberling! Unfassbar noch heute Morgen und nun …
Uio seufzt schwer. In seinen Gedanken geht es ziemlich wild zu und er muss sich zusammenreißen nicht alles zu erzählen das ihm widerfahren ist. Einige besondere Dinge will er für sich behalten! Für sich ganz allein.
Sanft fährt der warme Wind durch seine getrockneten Haare und zieht ein paar Strähnen mit. Noch einmal schaut er auf, zum wunderschönen blauen Himmel über Talyra bevor er sich an den Abstieg in die Unterstadt macht.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lyall am 27. Juli 2008, 21:13 Uhr
~von Mitte Grünglanz bis Ende Sonnenthron ~


Kleine Blasen steigen aus dem trüben, dunkelbraunen Sud auf, welcher in einem Kessel über dem Feuer langsam vor sich hin köchelt. Ein scharfer aber nicht unangenehmer Geruch breitet sich im Zimmer aus und kitzelt Lyall in der Nase. Ihre Arme um die Knie geschlungen sowie eingehüllt in eine Decke, sitzt sie am Fenster und beobachtet wie die Stadt langsam erwacht. Hinter den ersten Fenstern wird Licht angezündet und es werden Nachttöpfe auf die Straße entleert. Auf den ersten Hausdächern kann sie einen leichten silbernen Schimmer der Dämmerung ausmachen.Ein neuer Tag… was mag er wohl bringen?
Ein Husten schreckt sie aus ihren Gedanken auf, sie zuckt kurz zusammen, schaut dann jedoch zum Bett. In den weißen Laken liegt ihr Begleiter. Seine Stirn ist mit kleinen Schweißperlen benetzt, welche im Schein des Feuers leicht funkeln. Mit einem Seufzen steht sie auf, faltet die Decke zusammen und legt sie auf den Stuhl, auf dem sie zuvor gesessen hat. Ihre etwas müden Schritte lenken sie zum Feuer und dem kleinen Kessel darüber. Eine Kelle vom Kaminsims nehmend, füllt sie einen Holzbecher zur Hälfte mit der fast schon zähen Flüssigkeit. Die Zutaten für diesen Sud, hatte sie im Wald und am Feld gesammelt, als sie ihre wenigen Habseligkeiten aus dem Larisgrün geholt hatte. Auch waren ein Paar getrocknete Kräuter aus ihrem Beutel in das Gebräu mit eingeflossen waren. So zum Beispiel getrocknete Maiglöckchen, um seinem rasenden Herzen etwas Beruhigung zu gönnen.

Sanft setzt sie sich auf den Bettrand neben Aegnor. Besorgt sieht sie ihn an, schiebt dann jedoch ihren Arm unter seinen Oberkörper und hilft ihm so sich etwas aufzurichten. „Hier, trink das. Ich weiß es schmeckt nicht besonders aber ich denke es wird helfen. Zumindest hoffe ich das…Schlaf jetzt noch etwas.“ Langsam lässt sie ihn zurück in die Laken gleiten, steht dann jedoch auf um den Rest des Gebräus in eine Flasche zu füllen, welche sie dann in ein Regal am hinteren Ende des Raumes verstaut.
Nachdem sie etwas Holz im Kamin nachgelegt hat, begibt sie sich zurück an ihren Fensterplatz.
Von dort aus lässt sie ihren Blick über Aegnors schlafende Gestalt wandern. Als erstes hatte sie gedacht, er hätte sich an einer Pelznadel gestochen und wäre auf Grund dessen fiebrig geworden.
In der vergangenen Zeit hatten sie sich ihren Unterhalt mit dem Verkaufen von Fellen und Häuten verdient. Sie hatte die kleinen Pelztierchen gejagt und er hatte von ihr gelernt wie man Felle abzieht und sie weiterverarbeitet. So hatten sie sich die Arbeit geteilt. Bis jetzt. Vom einen auf den anderen Tag hatte er Fieber bekommen und sie kümmerte sich nun um ihn. Doch ihre Fähigkeiten waren schon fast erschöpft und sein Zustand besserte sich nur langsam.
In Gedanken versunken richtete sie ihren Blick wieder nach draußen auf die Straße unter dem Fenster.
Warum bin ich hier? Warum helfe ich ihm eigentlich? Ich kenne ihn ja fast nicht wirklich… Ich hätte doch im Nachtwald bleiben sollen…Ob ich mich jemals an die Stadt gewöhnen kann? Mit einer Hand fährt sie sich über ihr Gesicht und reibt ihre Augen. Sie hält ihre Augen geschlossen und lehnt ihren Kopf gegen die Wand hinter sich. Auch wenn das selbst für sie komisch klingt, muss sie sich eingestehen, dass sie sich an seine Anwesenheit gewöhnt hat. Er ist im Gegensatz zu den meisten anderen Menschen eher still und zurückhaltend. Sie schätzt ihn als Gegenstück zur Hektik der Stadt. Viel war sie zwar noch nicht auf den Straßen unterwegs gewesen, wenn nur nachts, doch war sie schnell verunsichert und auch noch nicht mit den ganzen Gerüchen und Geräuschen vertraut.
Um das Abliefern der Häute und Pelze hatte er sich gekümmert. Vielleicht sollte sie doch etwas öfter ihre Pfoten vor die Wirtshaustür setzen.Ihr endgültiges Ziel hat sie noch nicht erreicht, doch ihr kamen langsam Zweifel ob sie ihre Reise wirklich fortsetzen sollte.
„ Ob der Stamm meiner Mutter mich überhaupt aufnimmt? Was habe ich mir nur gedacht…“, sagt sie leise in den Raum hinein.
Mit einem Seufzen hüllt sie sich wieder in ihre Decke ein. Durch halb geschlossene Augenlider beobachtet sie seinen unruhigen Schlaf noch eine Weile bis auch sie leicht einnickt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Frey am 29. Juli 2008, 21:39 Uhr
Da Frey sich nicht imstande gefühlt hat, die Steinfaust zu betreten, um sich dort mit den anderen der Truppe – vor allem den anwesenden Frauen - zu treffen, zu beraten und dann gemeinsam zur Goldenen Harfe zu pilgern, haben sich Tiuri und er kurzfristig entschlossen, schon zum Gasthaus vor zu gehen und dort auf Armarius und Konsorten zu warten. Auch der Bursche ist ganz offensichtlich froh, vorerst keiner Frau zu begegnen, dem er seine obligatorische Entschuldigungen in Versen vortragen muss, solange er hier in dem Raum hockt. Der Weg über den Marktplatz, um auf den kürzesten Weg zur Harfe zu kommen, war wiedermal der reinste Spießrutenlauf gewesen. Tiuri und Frey haben sich abwechselnd und gegenseitig wie zwei gehetzte Flüchtlinge weiter gezerrt, ehe sie dann völlig atemlos und verschwitzt im Gasthaus angekommen sind und sich mit jeweils einem kalten Bier, mit denen sie sich jetzt die Wartezeit vertreiben und vor allem die Nerven beruhigen, aufs Zimmer verzogen haben.
Unter dem Vorwand an diesem recht warmen Tag frische Luft ins stickige Zimmer zu lassen, hat der Pirat eine Fensterseite geöffnet und lehnt dort in der Nähe nun am Fensterbrett und hält die Arme vor der breiten Brust verschränkt, wobei dabei der Tisch ihn ein wenig vom Rest des Raumes abschirmt, so dass er nur noch zu seinen Seiten verhindern muss, dass ihm jemand – damit sind natürlich die Ermittlerinnen unter ihnen gemeint – zu nahe kommt und ihm wieder versucht Fussel von der Schulter aufzulesen oder gar mütterlich mit einem mit Spucke angefeuchteten Daumen einen angeblichen Fleck von der Wange zu rubbeln. Zur Not würde er nochmal versuchen aus dem Fenster zu flüchten, besonders hoch ist es ja nicht und die Büsche des Harfengartens unter dem Sims würden seinen Fall schon abfangen. Ganz sicher. Borgil, sowie auch Kaney – der neuerdings ein Blumenfreund zu sein scheint -, werden es ihm zwar nicht unbedingt danken, wenn er da einige der Blumen zerdrückt, aber um ehrlich zu sein, wird er in diesem Moment wohl kaum Rücksicht darauf nehmen
Bei Ealara, das muss doch irgendwann mal ein Ende haben... Innerlich seufzend beugt er sich zum Tisch vor und nimmt seinen Krug erfrischend kühles Verder Kupfer auf, um einen gehörigen Schluck zu nehmen. Zwölf Stunden... nur zwölf Stunden... und die sind bald vorbei!, ruft er sich immer wieder ins Gedächnis und streicht sich mit den Fingern den Schaum aus dem kurzen Bart, den er sich mittlerweile hat stehen lassen. Und diese zwölf Stunden, so kommt es ihm vor, sind die wohl unerträglichsten seines ganzen Lebens. Er überlegt schon, was er tun wird, wenn das vorbei ist. Dem Inaritempel doch nochmal einen Besuch abstatten? Wohl kaum. Sie werden ihn eher auslachen und wieder versuchen, mit ihm 'Fangt den Kapitän ' zu spielen. Angesichts dessen, dass dieses Spiel seines Fluchs wegen erfunden wurde und er wohlmöglich nun in der Frauenwelt eher als Kapitän Hasenfuß bekannt ist, kränkt ihn das als Mann schon ziemlich. Eine Frage, die er sich während des Wartens immer wieder stellt ist, wie lange es wohl dauern wird, bis sein merkwürdiges Verhalten dieses Tages wohl in Vergessenheit gerät.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Stormgrimm am 01. Aug. 2008, 14:31 Uhr
Mit einem ungesunden Ächzen erwacht Aegnor aus seinem Halbschlaf. Die Sonnenstrahlen, die durch das teilweise von der Leinengardine abgedunkelte Fenster blitzen, werfen ein nahezu symmetrisches Raster auf die Bettkante und den Rest des Raumes. Er fährt um sich, nach der Karaffe Wein ausschau haltend, und erblickt dabei seine Begleiterin.

Den Stuhl, zur einzig nicht abgedunkelten Stelle, die durch die Sonne auch grell beschienen wird, gerichtet, blickt sie nahezu ausdruckslos in die Leere der sich vor ihr erstreckenden Stadt. Die Sonne leuchtet stark, sie durchbricht auch die letzten Wolkenfetzen des ansonsten wolkenlosen Vormittages, jedoch scheint sich die unangenehme Hintergrundkälte, die einem kleinen Teil der Tage ihre Grundierung verleiht, an diesem Vormittag wie ein Parasit festgesaugt zu haben.

Das Rascheln der dunkelgrünen Blätter der Harfe umliegender Eichen unterstreicht die Stille der spätmorgentlichen Bequemlichkeit, die einzig und allein durch das Raunen und Geschrei, der sich am Marktplatz befindlichen Menschenmassen in eine Disharmonie abstüzt. Aegnors Hustenanfälle scheinen sich mit jedem annahendem Mond zu verschlechtern. Die letzten Monde waren aber dennoch gut für ihn verlaufen. Lyall und er verkaufen Felle und Leder und kommen so über die Runden. Ihm wurde viel beigebracht.

Sie hatte ihn eine andere Art des Spurenlesens gelehrt, eine, die mehr auf Gegebenheiten vertraute, als auf die obskure Verbindung zur Natur die Aegnor oftmals hegte. Er hatte ihr wiederum das Gerben beigebracht, welches sie, zu seinem Erstaunen, schnell zu begreifen vermochte.
Die Müdigkeit aus seinen Augen reibend, mustert Aegnor seine Gefährtin. Eine Leinendecke um sich gehüllt, blickt sie immer noch mit derselben Ausdruckslosigkeit auf die ab und an vorbeitrottenden Menschenmengen, während sie mit einer Hand fest ihr Holzamulett umfasst.

Ihr schwarzes, etwas befeuchtetes Haar glänzt in etwas gräulicheren Ton im Licht der Sonne. Sie ist...so...wunderschön. Ich weiß, warum sie immer noch bei mir bleibt, ich denke zum Einen, will sie das ich ihr folge. Zum Anderen, denke ich, dass sie mit mir hier bleiben möchte. In mir drin fühle ich eine...tiefe Verbundenheit zu ihr. Sei es, wie es sei.
Langsam richtet er sich auf, in dessen Folge ihn ein schmerzendes Knacken willkommenheißt.

Mit langsamen, schmerzvollen Schritten schreitet Aegnor zum Kaminfeuer, seine bereitliegende Schüssel mit einem Handgriff in den warmen, duftenden Suppenkessel tauchend und diese mit einem großen, herzerwärmenden Schluck glucksend genießt. Danach befördert er sie mit einem beherzten Wurf wieder auf das Kaminsims. Mit weniger schmerzvollen, jedoch deutlich unangenehmeren Schritten begibt er sich hinüber zu Lyall, um sie mit einem gefühlvollen Griff um die Hüft zu begrüßen.

Leicht saugt er ihren Geruch mit der Nase ein.
"Hast du denn geschlafen?" Mit einem kurzen Anschmiegen an Aegnors Arm erwidert sie ein kühles "Wölfe schlafen nie...Wir wachen über die, die uns bedeutsam sind...". Den Schemel hinter sich mit seiner Fußspitze zu sich ziehend, nimmt er neben Lyall Platz. "Es geht dir besser, Aegnor?" "Ja, tut es, einigermaßen zumindest...Deine Kräuterkunde hat mir sehr geholfen..." Die immer weiter zunehmende körperliche Nähe Lyalls und Aegnors, die durch etwas vorsichtige Streicheleinheiten ihre Auslebung findet, findet abrupt durch ein lautes Magenknurren und ein darauf folgendes Kichern Abbruch. "Gehen wir in den Schankraum" erwidert sie, immer noch mit einem verschmitzten Lächeln ins Gesicht geschrieben.

Aegnor erhebt sich, dreht Lyall den Rücken zu und tauscht sein verschwitztes Leinenhemd gegen ein neues und schlüpft in seine Stiefel. Anschließend verlassen Er und seine Gefährtin das Zimmer und schreiten die Treppe hinab.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kaney am 05. Aug. 2008, 12:54 Uhr
Von dem Chaos vor dem Tor der Steinfaust hatte Kaney nichts mitbekommen.
Irgendwie hatte er es kartenbepackt geschafft, aus der Steinfaust zu kommen, bevor sich die Gruppe um Amarius dort zur Diskussion versammelt hatte, und hatte sich auf dem Weg zur Harfe gemacht, wo er hoffte, auf die anderen zu treffen...
Aber leider trifft er erstmal auf eine Gruppe von Frauen, alle schwatzend, lachend... und Körbe mit ihren Einkäufen tragend. Körbe, voll mit Gemüse, Blumen, Kräutern...
Na toll...
"Wohl bekommts euch in der Suppe, blöde Petersilie, Kartoffel, schrumpelige Tomate, heulende Zwiebel,hoffentlich verdorrst du in der Sonne, dummes Stiefmütterchen... eh.. anderes Kraut, dessen Namen ich nicht weiß, du sollst auch verdorren..."

Es dauert seine Zeit, bis er alle Pflanzen die ihm auf dem Weg von der Steinfaust begegnen, ausreichend verfluchen  und beschimpfen kann, und so hat der Wargenmischling eine recht schlechte Laune, als er endlich in die Harfe ankommt...
Er schafft es mit der passenden Röte so schnell wie in ihr Zimmer, öffnet die Tür... und sieht dort nur Frey und Tiuri sitzen.
Er seufzt... eigentlich hat er darauf gehofft, dass die anderen schon da sind...
Wieder sieht er die Pflanzschale mit Blaukissen, er starrt dieses Gewächs an, knurrt dann "Mit dir hab ich schon gesprochen", und legt dann das Zeugs das er mit sich herumträgt auf den Tisch.
"Eh... ich glaub, ich brauch nicht zu fragen, wie es euch beiden geht..."
Frey sieht wirklich geschafft aus... ziemlich müde, entnervt... die ständige Angst scheint an seinen Kräften zu zerren.
Tiuri sieht etwas besser aus, weniger geschafft, mehr genervt...
"Wir sollten auf die anderen warten, ansonsten erzählen wir alles doppelt und dreifach..."

Und so warten die Männer, schweigend, und schließlich tauchen auch die anderen auf...
Zuerst hört man ein einem Rumpeln ähnliches Geräusch auf dem Flur, gefolgt von einem "Autsch,mist, verdammt!" und dann kommen nach einiger Zeit Faron und Mistress Shin ins Zimmer, wobei sich Shin den Schädel reibt... anscheinend hatte sie sich den Kopf an der Wand gestoßen (Keine Ahnung wie sie das geschafft hat)
Aber immerhin tanzt Faron nicht mehr weiter durch den Raum, und Shin kichert nicht wie ein kleines Mädchen vor sich hin... anscheinend hatte das Entfluchen geklappt - ein Fortschritt.
Der gleich darauf wieder aus Kaneys Blickfeld wandert, denn Frey bekommt wieder eine Panikattacke und rutscht mit seinem Stuhl so weit wie möglich von der Magierin weg. Na toll

Sie warten weiter, und dann tauchen die anderen nacheinander auf. Sayila, mit einem "Ah, da seid ihr ja" auf den Lippen und eine Fluse auf dem Mantel von Kaney ignorierend. (Frey versucht währenddessen, weiter in die Wand hineinzuklettern, nur weg von den Frauen...)
Und schließlich kommen die letzten Ermittler - und eine Ihnen unbekannte Frau.
Die rechte Augenbraue des Wargenmischlings wandert in die Höhe, während er den letzten Teil der Gruppe mustert, die ihm bekannten Personen, die ebenfalls ziemlich genervt und gestresst aussehen... und dann die ihm Unbekannte Frau, mit auffälligen orangeroten Hosen, einer rötlichgelben Bluse, perlenbestickten Schlappen... einen moment lang zittert sein Augenlid.
"Wer ist das, und was macht sie bei euch?" fragt er, so beherrscht wie möglich.

Lilith antwortet, kaum dass er die Frage gestellt hat... >Dieser Paradiesvogel hier ist Aishalanea Yashalaran. Durch unseren dussligen Alchemisten hat sie die Rolle mit unseren Aufzeichnungen gefunden und weil ich mal wieder meinen Mund nicht halten konnte, habe ich ihr auch noch erzählt das wir wegen den Mordfällen ermitteln. Wir mussten sie wohl oder übel also mitnehmen, damit sie nicht noch auf die dumme Idee kommt irgendwem davon zu erzählen.<

Die nächsten, leiseren Worte versteht Kaney nicht so ganz, nur etwas von "verdammter Fluch", und "so ein Mist.."
Kaney muss an Lilith denken, die auf ähnliche Weise zu Ihnen gestoßen ist... Götter, hoffentlich ist das alles bald vorbei.
"Komm mit rein..." knurrt er, lässt Lilith dann alles den anderen erzählen.. er ist so müde und hat die Nase voll...

Und so sitzen sie kurz danach alle zusammen, die ganze Gruppe samt neuer Ermittlerin Aishalanea an dem Tisch (die Frauen in der einen, Frey in der anderen Ecke), und versuchen die Ergebnisse ihrer Ermittlung kund zu tun.
Dieses Zusammentragen verursacht teilweise sehr interessante Blicke auf dem Gesicht der Frau, die Lilith passenderweise als ParadiesVogel bezeichnet hat... Immerhin entkommt Amarius ab und an ein Fluch, der allen die Ohren klingeln lässt, Aurian singt ein oder zwei Strophen, dann besinnen sich die beiden wieder darauf, mit Hilfe von Pergament und Tintenkiel ihre Ergebnisse kund zu tun, Tiuri dichtet ebenfalls einige Strophen zur Entschuldigung bei den anwesenden Damen während Frey zitternd auch ab und an ein Wort einwirft.
Nur Faron (der auch einige seltsame Blicke von Aishalanea zugeworfen bekommt, wann hat man schon einmal die Gelegenheit neben einem ausgewachsenen Faun zu sitzen), Shin, Lilith, Sayila und Kaney verhalten sich relativ normal, der Entfluchung sei dank, und der Tatsache, dass sich im moment keine neuen Pflanzen im Zimmer befinden und dass Lilith recht höflich die Wahrheit sagen kann.

Trotzdem ist alles ein recht langanhaltendes Durcheinander.

Und so bekommt keiner wirklich mit, wie die Zeit des Fluches immer mehr abläuft, wie die Zeit der Erlösung immer näherkommt... und wie dann plötzlich, von einem Herzschlag zum nächsten, die zwölf Stunden seit dem Fluch des Buches vergangen sind...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Erzähler... am 06. Aug. 2008, 18:45 Uhr
Die gesamte Ermittlertruppe sitzt in ihrem Raum in der Harfe beisammen, obwohl es schon tief in der Nacht ist, als plötzlich über ihren Köpfen ein kleines, pulsierendes regenbogenfarbiges Licht erscheint... aus dem sanften Leuchten wird ein wirbelnder Lichtstrudel und mitten darin erscheint plötzlich ein ihnen allen wohl vertrautes dickes, ledergebundenes Buch. Es ist immer noch abgewetzt und abgegriffen, und aus dem großen, rund geschliffenen Stein in der Mitte des Buchdeckels, strömt das vielfarbige Licht und wirft einen zauberhaften Schein auf die Gesichter aller Versammelten. In den Lichtstrudeln beginnt das Lies mich sich zu drehen, klappt auf wie ein übergroßer, beschwingter Schmetterling und tanzt bald hier hin, bald dorthin, bis es schließlich über Kaney zum Halten kommt und eine Stimme verkündet:


Für die Birken, Blumen, Linden
musstest Du die Worte finden.
An meinen Reim warst du gebunden,  
vorbei ist nun das Dutzend Stunden.
Verwahre diesen Beutel gut!
Denn Feenstaub, sei auf der Hut,
ist ein äußerst selt'nes Gut,
macht unsichtbar wie manche Feen,
keiner kann Dich dann mehr sehen.


Mit einem leisen Rascheln wie von pergamentenen Seiten erscheint wie von Geisterhand hervorgebracht in Kaneys Händen ein kostbar bestickter Beutel mit weichem, puderigem Inhalt.

Das Buch flattert weiter zu Frey und hinterlässt eine glitzernde Spur orangegelben Leuchtens in der Luft.
 

Jede Frau hast heut' gemieden,
Angst war Dir vor ihr beschieden.
An meinen Reim warst Du gebunden,
vorbei ist nun das Dutzend Stunden.
Zeit ließ Deine Ängste heilen,
kannst nun wieder ruhig verweilen.
In diesem Glas hier ist ein Trank,
da bleibt keiner wund und krank.


Mit einem leisen Rascheln wie von pergamentenen Seiten erscheint wie von Geisterhand hervorgebracht in Freys Händen eine kleine Phiole aus geschliffenem Kristallglas, deren Inhalt ein blutrot glänzender Trank zu sein scheint.

Mit einem fröhlichen kleinen Wirbel und einer Pirouette in der Luft schwebt das Lies mich weiter zu Armarius dem Alchemisten und verharrt auch über diesem.


Verflucht, verdammt, vermaledeit,
zum Glück war's keine Ewigkeit.
An meinen Reim warst Du gebunden,
vorbei ist nun das Dutzend Stunden.
Dieses Würfelspiel sei Dein,
magisch sind sie, klein und fein,
fallen manchmal wie sie sollen,
aber meistens wie sie wollen.


Mit einem leisen Rascheln wie von pergamentenen Seiten erscheint wie von Geisterhand hervorgebracht in Armarius Händen ein kostbar aussehender Würfelbecher. Er ist ganz schwarz und mit fremdartigen, blutroten Runen und wundersamen Zeichen bedeckt. Sein Inneres ist dunkel, doch in seiner Tiefe glänzen drei silberne Würfel in Form einer dreiseitigen Pyramide.

Kaum hat das Lies mich den Würfelbecher abgeliefert, flattert es weiter zu Aurian und kleine, bunte Lichtexplosionen begleiten seinen Flug, bis es über dem Kopf der Magierin kreist wie ein Raubvogel über seiner Beute.



Lieder machen ist nicht schwer,
Lieder singen manchmal sehr.
An meinen Reim warst Du gebunden,
vorbei ist nun das Dutzend Stunden.
Bewahr Dir dieses Pergament,
denn wer diesen Zauber kennt,
kann sich und andern sehr viel nützen,
und sie vor aller Magie beschützen.


Mit einem leisen Rascheln wie von pergamentenen Seiten erscheint wie von Geisterhand hervorgebracht in Aurians Händen eine sehr alte und zweifellos schrecklich kostbar aussehende Schriftrolle mit seltsamen magischen Siegeln und Symbolen, die im weißen Licht der Energie schimmern.

Weiter wirbelt das Buch, diesmal zu Lilith, der Feuermagierin und das Regenbogenlicht wird zu butig-rotem Schein. Auch über ihr verharrt das Lies mich reglos in der Luft und die Stimme ertönt von neuem mit einem weiteren Reim.



Keine Lüge hat Bestand,
egal wie oft sie wird verwand.
An meinen Reim warst Du gebunden,
vorbei ist nun das Dutzend Stunden.
Feuer ist Dein Element,
und wer diesen Zauber kennt,
Feuerwesen rufen kann,
stellt sie unter seinen Bann.


Mit einem leisen Rascheln wie von pergamentenen Seiten erscheint wie von Geisterhand in Liliths Händen eine weitere Schriftrolle, nicht minder alt oder kostbar aussehend wie die erste, doch anstatt mit weißen Symbolen und dem Zeichen für Energie versehen, mit leuchtend roten Malen und dem magischen Zeichen für Feuer.


Eine weitere Pirouette später hängt das Lies mich über Tiuri, verharrt dort, kreiselt einen langen Moment auf der Stelle und umgibt sich schließlich mit goldgelbem Dunst.




Brav hast du den Frau'n gehuldigt
Und dich tausendmal entschuldigt
An meinen Reim warst du gebunden
Vorbei ist nun das Dutzend Stunden
Für diesen Beutel voll mit Nüssen
Wirst du mir die Füße küssen
Denn sie wachsen, wuchern, winden
So dass dich kein Feind kann finden



Mit einem leisen Rascheln wie von pergamentenen Seiten erscheint wie von Geisterhand in Tiruis Händen ein grüner Samtbeutel, der mit feinen goldenen Rankenstickereien versehen ist, die sich ineinander schlingen und verworrene Muster bilden. Im Beutel sind 8 harte kleine, rundliche Gegenstände zu ertasten - Zaubernüsse mit zartgoldener Schale.

Keine 30 Sekunden, nachdem das magische Buch verstummt ist und die Belohnungen für all jene abgeliefert hat, welche das Lies mich nicht ignorierten, verschwindet aller Lichthokuspokus und das Buch klappt sich still zusammen, schwebt auf den Tisch und bleibt dort stumm und scheinbar harmlos liegen. Für dies Mal ist die Kraft des Lies mich gebannt und wird erst wieder erwachen, wenn man das Buch für kostbares Silber und Gold verkauft oder aber verschenkt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aishalanea am 10. Aug. 2008, 19:23 Uhr
In der Harfe gelangt die Gruppe in ein kleines, abgeschiedenes Zimmer, in dem man offenbar bereits auf sie wartet. Aishalanea ist ein wenig nervös und drückt sich möglichst unauffällig hinter den anderen durch die Tür, denn dass sie hier nicht allzu willkommen ist, daran kann kaum ein Zweifel bestehen. Bei der Unauffälligkeit sind ihr allerdings weder die klimpernden Armreifen, noch die leuchtende Farbe ihrer Kleidung behilflich, und so wird sie nach ihrem Eintreten von mehreren Augenpaaren angestarrt. Das beunruhigendste von ihnen ist merkwürdig gelb, weniger menschlich als tierisch… der dazugehörige junge Mann ist auch der erste, der seine Worte wiederfindet.

>"Wer ist das, und was macht sie bei euch?"
Da Aisha selbst nicht angesprochen ist und sich überhaupt angesichts des Tonfalls vorkommt wie etwas mehr oder weniger Ekliges, das die Ermittler von der Straße aufgelesen haben, überlässt sie die Erklärung Lilith.
>Dieser Paradiesvogel hier ist Aishalanea Yashalaran. Durch unseren dussligen Alchemisten hat sie die Rolle mit unseren Aufzeichnungen gefunden und weil ich mal wieder meinen Mund nicht halten konnte, habe ich ihr auch noch erzählt das wir wegen den Mordfällen ermitteln. Wir mussten sie wohl oder übel also mitnehmen, damit sie nicht noch auf die dumme Idee kommt irgendwem davon zu erzählen.<  

Paradiesvogel? Ich? Das findet Aisha jetzt doch ein wenig ungerecht angesichts der merkwürdigen Gesellschaft, in der sie sich gerade befindet: eine unnatürlich bleiche junge Frau mit gestreiftem Haar, ein Faun, ein junger Mann, der sich an die Wand drückt und Aisha ansieht, als sei diese eine Ausgeburt der Hölle, nicht zuletzt der junge Mann mit den unheimlichen Wolfsaugen… Fluch oder nicht, ich scheine hier noch die Normalste von allen zu sein!
Einen Kommentar verkneift sie sich dennoch, angesichts ihrer unsicheren Stellung in dieser Gesellschaft wäre eine bissige Bemerkung ihrerseits wohl kaum angebracht, und so nickt sie auf das geknurrte >„Komm mit rein…“< des Gelbäugigen nur und setzt sich schweigend an eine Ecke des Tisches.

Die folgende Zusammenfassung der Geschehnisse, insbesondere des letzten Mordes, hat etwas ausgesprochen Skurriles, gelegentlich unterbrochen von Flüchen, gereimten Entschuldigungen oder unerträglich falschem Gesang, der selbst Aishas nicht gerade musikalisch verwöhnte Ohren klingen lässt.
Das ungewöhnlichste Ereignis aber steht ihnen noch bevor. Weitgehend unbemerkt ist derweil der Abend, dann die Nacht herangekrochen, es ist dunkel geworden in dem kleinen Raum, als plötzlich aus dem Nichts ein Licht über ihnen erscheint und regenbogenfarbig pulsierend die Gesichter der Runde erhellt. Es wird stetig heller, ein wirbelnder Strudel, der ihre Blicke in seinen Bann zieht, bis in seiner Mitte ein ledergebundenes Buch auftaucht, das allen Anwesenden – bis auf Aisha – leidvoll vertraut ist. Atemlos beobachtet diese, wie der schwere Band durch den Raum tanzt wie ein schwereloser Schmetterling, um nacheinander vor dem Einen oder Anderen stehenzubleiben, wo eine Stimme aus dem Nichts einen merkwürdigen Reim von sich gibt und wie selbstverständlich diverse Gegenstände in den Händen der Betroffenen auftauchen.

Noch nie hat die Händlerin etwas Vergleichbares erlebt, und womöglich wird sie es auch nie wieder, doch die Situation hat nichts Bedrohliches, ein merkwürdiger Zauber geht von dem schimmernden Licht aus, der den kleinen, einfachen Raum und die müden, erschöpften Gesichter der Versammelten zu verwandeln scheint.
Schließlich sinkt das Buch auf den Tisch zwischen ihnen, das Licht erlischt, als sei es nie dagewesen, und es bleibt liegen, bewegungslos, still und dunkel wie man es von einem Buch erwarten würde, sieht es nun schäbig, abgewetzt und harmlos aus.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lilith am 11. Aug. 2008, 17:19 Uhr
Mit Armarius, Aishalanea und Aurian im Schlepptau marschiert Lilith durch die Stadt in Richtung Harfe. Sie hat es eilig, denn schon bald würde der Fluch beendet sein und ausserdem sollten die Anderen endlich erfahren, was sie herausgefunden hat. Ihr schwarzes Haar wird durch den Abendwind zerzaust, doch die Magierin kümmert sich nicht darum. Ihr Blick wandert immer wieder an den Horizont, welcher sich langsam rötlich färbt. Shenrah wird bald dahinter verschwinden und dann wären sie alle wieder frei…frei das zu sagen und zu tun was sie wollen. Das war wohl der längste Tag in meinem Leben. Seufzend erblickt Lilith die Harfe, welche in weiches Licht getaucht ist. Die Magierin stösst die schwere Holztür auf und lässt die anderen vorgehen. Die Harfe ist voller Leute und Lilith nimmt noch einen letzten Atemzug an der reinen Luft draussen, bevor sie ebenfalls dieses Bienennest betritt. Die Gruppe schlängelt sich zwischen den Tischen durch, bis sie ihren Raum erreichen und Lilith nickt kurz Borgil zu, welcher mit steilen Sorgenfalten auf der Stirn die Fremde mustert.

Armarius öffnet die Türe zum Ermittlungszimmer und Aurian, Aisha und Lilith folgen ihm rein in den Raum. Kaney, welcher die fremde Frau als erster erblickt steht sofort auf und mustert diese mit zusammen gekniffenen Augen. Lilith zieht die Augenbraue hoch und zuckt mit den Schultern, als der Wargenmischling sie mustert. >"Wer ist das, und was macht sie bei euch?"< Fragt er beherrscht, doch seine Augen verraten den Unmut, den er wohl beim Anblick der Fremden verspürt. „Dieser Paradiesvogel hier ist Aishalanea Yashalaran. Durch unseren dussligen Alchemisten hat sie die Rolle mit unseren Aufzeichnungen gefunden und weil ich mal wieder meinen Mund nicht halten konnte, habe ich ihr auch noch erzählt, dass wir wegen den Mordfällen ermitteln. Wir mussten sie wohl oder übel also mitnehmen, damit sie nicht noch auf die dumme Idee kommt irgendwem davon zu erzählen.“ Kaney blickt bloss säuerlich und lässt sie nun ganz eintreten und schliesst die Türe hinter den letzten Ermittlern zu.

Lilith erklärt die Sache kurz den Anderen was geschehen ist und schon bricht wieder das schon beinahe gewohnte Chaos aus. Während Aurian ab und an etwas dazwischen Trällert, flucht Armarius vor sich hin und Frey sitzt noch immer zitternd wie Espenlaub in der hintersten Ecke des Raumes. Die Zeit verstreicht weiter und plötzlich taucht eine regenbogenfarbene Lichtkugel über ihren Köpfen auf. Alle verstummen und schauen wie gespannt das kleine Licht an, welches sich pulsierend und wabernd vergrössert, bis es zu einem Lichtstrudel wird. Darin erscheint plötzlich das ihnen schon wohlvertraute Buch mit dem geschliffenen Stein auf und wirft ein Licht auf die staunenden Gesichter.  Das Buch flattert von Ermittler zu Ermittler und bei jedem lässt es, nach einem kurzen Reim, etwas Kostbares fallen. Als das Buch vor Lilith stehen bleibt, hält diese ihren Atem an und schaut gebannt zu was passiert.


Keine Lüge hat Bestand,
egal wie oft sie wird verwand.
An meinen Reim warst Du gebunden,
vorbei ist nun das Dutzend Stunden.
Feuer ist Dein Element,
und wer diesen Zauber kennt,
Feuerwesen rufen kann,
stellt sie unter seinen Bann.



Eine kostbare Schriftrolle mit roten Zeichen fällt in Liliths Schoss. Die Magiern nimmt die Schriftrolle sorgfältig in die Hand und ein Lächeln ziert ihre Lippen. Nach dem der ganze Spuk vorbei ist und jeder, welcher dem Lies mich gefolgt ist, seine Belohnung bekommen hat, fällt das Buch auf den Tisch und bleibt reglos liegen. Einen Moment lang ist alles still und keiner rührt sich. Lilith, welche sich mit Magie auskennt und keine Furcht davor hat, kommt als erste wieder zu sich. Sie nimmt das Buch in ihre Hände und schaut in die Runde. „Wir sollten dieses Buch sicher verwahren und untersuchen lassen, damit wir wissen von wem es kommt und es uns nicht noch einmal in die Quere kommt.“


Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Armarius-Kar-Shei am 11. Aug. 2008, 17:21 Uhr
Armarius harrt der Dinge die dort kommen mögen, während Lilith ihrer neuen Begleiterin auch die letzten Details kund tut. Viel zu geschafft, ist er von den fluchenden Strapazen, als dass er jetzt noch zu großen Leistungen in der Lage ist. Viel zu sehr hat der Fluch ein seiner Vernunft genagt. Es würde wohl noch eine gewisse Zeit dauern, bis seine Tiraden und wilden Beschimpfungen vergessen sind, da ist er sich sicher.

Erledigt und ein wenig auf einem der Stühle im Raum der Goldenen Harfe zusammen gesunken, leise vor sich hin fluchend, bemerkt er plötzlich einen eigenartigen Lichtschein im Augenwinkel. Anfangs ist er noch bunt und schwach, so als hätte jemand eine alchemistische Flamme entzündet. Doch mit der Zeit werden die Farben immer chaotischer, scheinen um einen Punkt zu wirbeln den kein sterbliches Auge erfassen kann, bis sie sich schlussendlich zu etwas formen, dass ihm und den meisten anderen wohl bekannt ist.

Das "Lies-Mich"-Buch! schießt es dem Weißbart durch den Kopf. So als würde sein Körper sich gegen das was geschehen ist noch einmal aufbäumen wollen, fühlt Armarius die Anspannung in jedem Muskel. Selbst seine Gedanken kreisen unkontrolliert um das, was jetzt wohl geschehen könnte.

Wunderschön... geistert es auf einmal durch die Gedanken des Alchemisten. Es ist mehr ein Gefühl, etwas das ihm sagen will, dass es nun endlich eine Erlösung geben könnte, als das Buch wie von Geisterhand sich öffnet und beinah anmutig von Kopf zu Kopf springt.

Über jedem der es gelesen hatte, spricht es einen Reim, ohne Mund oder dass er bestimmen könnte woher die Worte stammen. Als Dritter ist er an der Reihe:

Verflucht, verdammt, vermaledeit,
zum Glück war's keine Ewigkeit.
An meinen Reim warst Du gebunden,
vorbei ist nun das Dutzend Stunden.
Dieses Würfelspiel sei Dein,
magisch sind sie, klein und fein,
fallen manchmal wie sie sollen,
aber meistens wie sie wollen.


Ohne das er darauf vorbereitet ist, hält er plötzlich einen eigenartigen Würfelbecher in den Händen. Völlig schwarz mit eigenartigen Runen und drei silbernen Würfeln im Innern, fesselt er des Alchemisten Gedanken, dass er fast den Reim bei Lilith verpasst.

Der Reim bestätigt, was er vermutet hat. Gewiss gab es genügend Hinweise, aber es gab nie eine Bestätigung seiner Vermutung. Irgendwie ist er froh, dass er recht hat, andererseits hofft er, dass sich keiner der Übrigen zu genau überlegt, was dieser Reim nun eigentlich bedeutet.

Als auch Tiuri mit einem Reim und Geschenk bedacht ist, verstummt und erlischt das Buch. Ein Gefühl der Erleichterung auf der einen, des Misstrauens und der Neugier auf der anderen Seite erfüllen den Raum.

Es ist vorbei, oder? Was wird jetzt aus diesem Buch, kann es uns vielleicht helfen jenen zu finden, der es abgeliefert hat? Und was hat das mit den Geschenken auf sich. Ich kann mir kaum vorstellen, dass uns der Mörder überhaupt die Gelegenheit gäbe die Flüche zu überleben. Aber was soll das ganze dann, knobelt Armarius, als ihm plötzlich einige Worte entfleuchen.

"Wa..., wa..., was bei allen Göttern war das? Was soll der ganze Hokuspokus, das ergibt doch überhaupt keinen Sinn?"

Sein Blick wandert zwischen den übrigen Anwesenden hin und her. Ratlos, erhofft er sich eine Antwort, doch so wie es aussieht, scheint keiner so recht eine Idee zu haben. Er selbst ist einfach nur froh über seine Worte, so als hätte ein kleines Kind zum ersten mal zu ihm Papa gesagt. Kein Fluch, kein wildes Schimpfen, sondern genau das, was er sagen wollte, hat auch seinen Mund verlassen. Er ist so erleichtert, dass er gar nicht bemerkt, wie er Lilith über den Mund gefahren ist.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aurian am 12. Aug. 2008, 08:18 Uhr
In den letzten Stunden seiner Gültigkeit scheint der Fluch sich noch so richtig austoben zu wollen und Aurian kann sich kaum noch beherrschen. Immer wieder kommt unmelodischer Gesang über ihre Lippen, falsch und laut. Mittlerweile ist ihr Hals ganz rau und kratzig und ihre Stimme klingt noch heiserer als zuvor. Trotzdem

Er war ein frischfreier Reitersmann,  
Clengane einst wurde er genannt,  
ritt zu Talyra aus und ein,  
war einst Talyras angesagter Feind,  
ja, angesagter Feind...  

Führt' an den blut'gen Mummenschanz,  
der bat die reichen Herren feist zum Tanz,  
hielt heimlich stets sich im Larisgrün,  
und alle Weiber, sagt man, liebten ihn,  
ja, alle Weiber liebten ihn....  


Vielleicht sollt ich besser so tun als wär ich betrunken und ein wenig herum taumeln, würde weniger verrückt wirken als das Gejaule, was ich von mir gebe… denkt die Halbelbe bei sich, verwirft die Idee aber wieder. Auch noch als Trunkenbold gelten, der am frühen Abend schon blau ist…nein nicht das auch noch!
Mittlerweile ist die Truppe bei der goldenen Harfe angelangt und marschiert zielstrebig ins Ermittlerzimmer, jedoch nicht ohne dass Amarius einen bereits angeheiterten Gast wüst beschimpft, weil er ihm im Weg steht. Eine im Raum stehende Prügelei kann nur verhindert werden, weil Aurian und Lilith den Alchemisten weiter bugsieren und Halla dem Beleidigten einen weiteren Krug Bier vor die Nase setzt.

Sie sind die Letzten, der Rest des Teams ist bereits da, und einige, nämlich jene die nicht ins Buch gesehen hatten, scheinen ihre Flüche auch schon los zu sein – jedenfalls hüpft Faron nicht unmotiviert durchs Zimmer.
Ihr Neuzugang Aishalanea wird mehr als nur kritisch beäugt und Aurian liest in Kaneys Augen denselben missbilligenden Ausdruck, der auch ihr eigenes Gefühl bei der Sache beschreibt. Der Lord Commander würde alles andere als begeistert sein.

Mittlerweile ist die Sonne hinter den Dächern von Talyra verschwunden und die Lichtverhältnisse in dem Raum werden immer düsterer. Aurian will soeben eine Kerze entzünden, als sich ein farbenfroher Regenbogen aus Licht und Energie über ihnen manifestiert. Im Zentrum dieses Farbwirbels zeigt sich ihnen ein wohlbekanntes Buch. Im ersten Moment will die Magiernovizin selbiges schon mit einem Energiestoss zum Fenster hinausbefördern, doch sie lässt es bleiben, da irgendwie ein ruhiges, gar nicht bedrohliches Gefühl von dem magischen Artefakt ausgeht. Dennoch beäugt sie den Wälzer misstrauisch, als er vor ihr in der Luft schwebend stehen bleibt, wie schon zuvor auch bei Kaney, Frey und Amarius.

[color=blau-grün]
Lieder machen ist nicht schwer,
Lieder singen manchmal sehr.
An meinen Reim warst Du gebunden,
vorbei ist nun das Dutzend Stunden.
Bewahr Dir dieses Pergament,  
denn wer diesen Zauber kennt,
kann sich und andern sehr viel nützen,
und sie vor aller Magie beschützen.
[/color]

Das Dokument, das sich in Gestalt einer uralten Schriftrolle in ihren Händen manifestiert, sprüht regelrecht vor Energie, die Runen, die es zieren leuchten in strahlensten weiß. Ehrfürchtig streicht Aurian mit den Fingern über die Rolle. Sie kann die Kraft des innewohnenden Zaubers förmlich spüren. Vorsichtig verstaut sie das Geschenk in ihrer Tasche.

Mittlerweile hat das Buch seine Runde beendet und landet mit einem leisen ‚Plumps‘ in der Mitte des Tisches. Alles Leuten und Glitzern ist verflogen und so sieht das Ding eigentlich ganz harmlos aus, einfach ein altes Buch. Neugierig beäugen sich die Ermittler den Gegenstand, der ihnen in den vergangenen Stunden so viel Ärger bereite hat. Lilith ergreift als erste das Wort >Wir sollten dieses Buch sicher verwahren und untersuchen lassen, damit wir wissen von wem es kommt und es uns nicht noch einmal in die Quere kommt.< Aurian nickt zustimmend „Ich bin deiner Meinung, aber im Moment haben wir dank unseres ‚Freundes‘ wichtigeres zu tun, als dieses Buch einer genauen Untersuchung zu unterziehen…es sei denn wir kämmen damit dem Täter eine Spur näher. Für den Anfang sollten wir es ins Haus der Bücher schaffen, dort ist es am sichersten und ich bin mir fast sicher, dass Maester Aberthol uns etwas dazu sagen kann. Vielleicht reicht das dann schon, um festzustellen ob es eine brauchbare Spur ist!“ Fragend blickt sie in die Runde, allerdings mit einem kleinen, zufriedenen Lächeln auf den Lippen…kein einziger schräger Gesangeston war über ihre Lippen gekommen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kaney am 12. Aug. 2008, 13:31 Uhr
Dem Wargenmischling raucht der Schädel. Soviele Informationen in so kurzer Zeit...
Müde reibt er sich den Nasenrücken und die Stirn. Seine Nase  kribbelt immer noch von dem anstrengenden Herumschnüffeln, er hat leichte Kopfschmerzen, und so langsam auch übermüdet.
Dass so ein bisschen Luft durch die Nase einziehen und daraus dann Informationen zu gewinnen so körperlich anstrengend ist... das würden ihm die wenigsten Menschen glauben.

Er versucht noch etwas durchzuhalten, während er sich weiter den Nasenrücken reibt... als es plötzlich hell wird über ihren Köpfen.
Ein Licht, wie von einem Regenbogen, aber das mitten in der Goldenen Harfe.
Kaney blinzelt, einmal, zweimal... die Farben verschwinden nicht... stattdessen taucht plötzlich, aus dem Nichts, das "Lies mich" Buch auf...
Kaney will aufspringen, zeigt fletschend die Reißzähne - doch dann flattert das Buch auch schon über seinen Kopf.


Für die Birken, Blumen, Linden
musstest Du die Worte finden.
An meinen Reim warst du gebunden,  
vorbei ist nun das Dutzend Stunden.
Verwahre diesen Beutel gut!
Denn Feenstaub, sei auf der Hut,
ist ein äußerst selt'nes Gut,
macht unsichtbar wie manche Feen,
keiner kann Dich dann mehr sehen.


Dann befindet sich plötzlich ein kostbar bestickter Beutel in Kaneys Händen, dessen Inhalt sich irgendwie.. puderig anfühlt. Im ersten Momen möchte der Wargenmischling den Beutel wegwerfen, aber er kann es nicht.
Stattdessen beobachtet er, wie das Buch weitere Sprüche ablässt, wie es weitere Gegenstände aus dem Nichts ausspuckt, nur um dann wie ein toter Schmetterling zu Boden zu sinken...
Kaney wartet darauf, dass irgendetwas geschieht, dass das Buch weitere Flüche heraufbeschwört, dass die Gegenstände in ihren Händen wie eine Sack Mehl der einem Feuer zu nahe kommt explodieren... Aber nichts geschieht.
Stattdessen greift sich sich Lilith das Buch.
>Wir sollten dieses Buch sicher verwahren und untersuchen lassen, damit wir wissen von wem es kommt und es uns nicht noch einmal in die Quere kommt<
Amarius unterbricht die Feuermagierin, indem er unfluchenderweise: >Wa..., wa..., was bei allen Göttern war das? Was soll der ganze Hokuspokus, das ergibt doch überhaupt keinen Sinn?< sagt...
> Ich bin deiner Meinung, aber im Moment haben wir dank unseres ‚Freundes‘ wichtigeres zu tun, als dieses Buch einer genauen Untersuchung zu unterziehen…es sei denn wir kämmen damit dem Täter eine Spur näher. Für den Anfang sollten wir es ins Haus der Bücher schaffen, dort ist es am sichersten und ich bin mir fast sicher, dass Maester Aberthol uns etwas dazu sagen kann. Vielleicht reicht das dann schon, um festzustellen ob es eine brauchbare Spur ist!<
Und bevor Kaney noch einen klaren Gedanken fassen kann, nimmt Shin Lilith das Buch aus der Hand.
>Ich weiß, was ich mit dem Buch machen werde... ich werde jetzt zu dieser Magierschule reisen, das Buch mit Chillipaste einreiben und es einem dieser vermaledeiten MagierKobolden in sein Rektum schieben.<
Das Funkeln in ihren Augen lässt den Wargenmischling die Augenbraue hochheben. Er hat inzwischen die Geschichte des LiesMich gehört, er weiß also, wen die Magierin mit "Magierkobolden" meint...
"Du willst einem magisch begabten Kobold, einem ERZMAGISCHEM KOBOLD, das Buch in den Hintern schieben... dass.. eh... ist..."
Ihm fehlen die Worte.
>Ich gebe mich hier meinen phantasievollen Genugtuungsplänen hin und du kommst mir mit Logik?<

Kaney beschließt, zum Wohle von Mistress Shin, dem Kobold, und auch zum Wohl des Buches, dieses erst einmal an sich zu bringen, und entnimmt es aus Shins Händen - nicht ohne den herbeigezauberten Beutel dabei fest fest zu halten...
"Ich werde es gleich sofort in das Haus der Bücher bringen, dort ist es mit am besten aufgehoben..."
Er gähnt, reißt den Mund dabei auf, die Fangzähne sind deutlich zu sehen...
"Ich bin müde, und heute zu nichts mehr zu gebrauchen... Also, Aurian, du sprichst mit den Botenkindern, ob die uns helfen können... Wenn das klappt, wäre ich dir wirklich sehr dankbar. Amarius, Ihr geht zu Olyvar, Ich schau mich an diesem.. eh.. Sternenpunkt… um.“
Kaney hofft, in der Nähe der Pfeffermühle irgendetwas zu finden… zusammen mit Liliths Aussage, dass die Tatorte wohl zwei Dreiecke formen, und seiner Erkenntnis, wo wohl die nächsten Fundorte sein könnten, haben die Ermittler die Vermutung aufgestellt, dass man sich die Pfeffermühle wohl genauer anschauen sollte…
Kaney reibt sich wieder den Nasenrücken… „Ihr anderen wisst, was ihr morgen macht? Ja? Gut… dann bring ich das „LiesMich“ jetzt erst zum Haus der Bücher, leg mich ne Runde aufs Ohr, und bin morgen früh dann wieder hier, bevor ich zur Pfeffermühle aufbreche…“

Müde, naselaufenderweise, verlässt Kaney zusammen mit dem Beutel und dem Liesmich die Harfe… um den Beutel wird er sich morgen kümmern, das Buch heute noch…
Götter, raucht mir der Schädel…

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lilith am 12. Aug. 2008, 21:20 Uhr
Lilith will gerade etwas auf Aurians Aussage erwidern, als Shin ihr das magische Buch aus der Hand reisst und es an sich nimmt. Die Feuermagierin öffnet wütend den Mund, doch Lady Shin posaunt schon laut in die Runde was sie mit dem Buch anstellen will. >Ich weiß, was ich mit dem Buch machen werde... ich werde jetzt zu dieser Magierschule reisen, das Buch mit Chillipaste einreiben und es einem dieser vermaledeiten MagierKobolden in sein Rektum schieben.< Die Feuermagiern schaut, genau wie Kaney, ziemlich schockiert, fasst sich jedoch wieder und schüttelt bloss den Kopf. Langsam aber sicher kennt sie ihre Freundin und so nimmt sie den Spruch auch gar nicht mehr so ernst.

Während Kaney die Anderen aufklärt was sie tun sollen, grübelt Lilith weiterhin über einige Dinge nach, welche sie an diesem Abend erfahren hat. Vor allem die Sache mit diesem magischen Umhang bereitet ihr Kopfzerbrechen und so hört sie gar nicht zu was der Hauptmann erzählt und kriegt auch nicht mit wie dieser den Raum verlässt.
„Komm, wir gehen rauf in unsere Kammer. Ein wenig Schlaf würde uns auch nicht schaden, wir haben morgen einiges zu tun.“ Meint Lilith zu ihrer Zimmergenossin und verabschiedet sich auch von den Anderen. „Gute Nacht miteinander. Wir treffen uns morgen Abend wieder hier.“

Und mit diesen Worten verlässt die Feuermagierin zusammen mit Lady Shin den Raum. Auf dem Weg nach Oben erklärt Lilith ihrer Freundin, was genau sie geplant hat. „Ich hab mir gedacht, dass wir uns am Besten um diesen magischen Umhang kümmern sollten. Im Haus der Bücher würden wir bestimmt etwas darüber erfahren und wir könnten auch gleich noch Meister Silberbart zum Vergessenszauber befragen.“ Die beiden Magierinnen betreten ihre Kammer und Lilith beginnt sich langsam bis auf ihre Unterkleider auszuziehen. Sie ist genau wie die anderen erschöpft und angeschlagen von den ganzen Untersuchungen und ihr Kopf fühlt sich an, als hätte sie den ganzen Tag in den Studierzimmern verbracht.

„Ich wünsche dir eine gute Nacht. Falls ich morgen nicht erwache, dann wecke mich doch bitte.“ Lilith nickt Shin, welche ebenfalls schon im Bett liegt, zu und bläst die Kerze aus, bevor sie sich ins Bett legt und nach wenigen Atemzügen eingeschlafen ist.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 14. Aug. 2008, 18:03 Uhr
Es ist schon einiges nach der zwölften Stunde als Tiuri endlich in sein Bett fällt. Der ganze Tag war schon fast zu viel für ihn gewesen. Sein Kopf brummt ihm von all der Magie und noch schlimmer all der schlechten Poesie die ihn den ganzen Tag so umgeben hat. Das Säckchen mit den Zauberbohnen hat er unter seinem Kopfkissen versteckt, nicht, dass plötzlich irgendein fliegendes Buch vorbei kommt und sie ihm einfach wieder wegnimmt.
Wenn ihm vor einem Siebentag irgendjemand gesagt hätte, dass er bald den Kopf auf Bohnen betten würde, die ihm ein verfluchtes Koboldsbuch geschenkt hat, er hätte nicht einmal gelacht, sondern die Person bestenfalls bemitleidet.
Aber da liegt er nun und obwohl er todmüde ist, kann er doch nicht gleich einschlafen. Zu viele Gedanken schwirren ihm im Kopf herum… Schon wieder ein neues Mitglied in der Ermittlergruppe, wie wir das bloß erklären sollen. Wer schickt uns ein Buch, das uns erst verflucht und dann beschenkt? Doch sicher nicht der Mörder, außer er merkt wie aussichtslos unsere Lage ist und hofft, ein bisschen mehr Spaß mit uns zu haben falls wir ihm doch irgendwann mal auf die Schliche kommen sollten.
Diese und ähnliche Gedanken halten den müden Möchtegernhelden noch einige Zeit wach, führen aber zu nicht mehr wirklich viel. Während er immer wieder darüber nachdenkt was sie übersehen haben, versucht sein malträtierter Kopf seine Gedanken noch in Reimform zu verpacken, bis Tiuri irgendwann genervt von sich selbst aufsteht, den Kopf in die Waschschüssel steckt und dann mit tropfenden Haaren und Gesicht wieder in sein Bett steigt, wo er dann endlich einschläft. (Nicht ohne davon zu träumen, dass er von einem fliegenden Buch durch die Straßen Talyras gejagt wird, das von ihm einen Reim nach dem anderen verlangt.)

Am nächsten Morgen ist es für Tiuri ganz schön hart aus dem Bett zu kommen. Seine Arme sind schwer wie Blei, die Beine bekommt er beim Gehen kaum vom Boden weg und es ist nur ein Glück, dass er nicht weiß wie er aussieht. Die Haare stehen ihm noch wirrer als sonst vom Kopf ab und er hat Ringe unter den Augen, als hätte er die ganze Nacht nichts besseres zu tun gehabt als durch die Stadt zu ziehen und Uisge in sich hinein zu schütten. Unausgeschlafen schlurft er in den Schankraum, wo er zum Glück nicht lange auf ein ordentliches Frühstück warten muss. Eier, Speck, Käse, Brot und vor allem Cofea, schwarz, so stark, dass der Löffel darin stehen könnte. Er brummt Azra ein „Guten Morgen“ zu als sie das erste Mal mit Bræn auf dem Arm an ihm vorbei kommt und nimmt Götterergeben den Kamm den sie ihm reicht aus ihren Händen, als sie das zweite Mal an ihm vorüber geht. Das Frühstück füllt seinen Magen und der Cofea tut sein Bestes, vor allem in dem er sich brennend heiß auf Tiuris Oberschenkel ergießt. „Byfandarryachyislinn!“ flucht er laut und fängt sich dabei sofort einen finsteren Blick von Azra ein. Als er gerade vom Umziehen aus seinem Zimmer kommt, steht Halla vor ihm, reicht ihm seinen halbvollen Cofeabecher und deutet nach unten in Richtung Schankraum. „Achim ist gerade gekommen.“ Tiuri nickt nur, immer wieder kommt jemand vorbei um bei ihnen nach dem Rechten zu sehen, gelegentlich sogar der Lord Commander selbst, aber Achim war gestern zum ersten Mal bei ihnen gewesen. Vermutlich kommt er heute um sich davon zu überzeugen, dass wir alle wieder normal im Kopf sind.
Tiuri nimmt dankbar einen Schluck lauwarmen Cofea und geht zurück in den Schankraum, wo auch Achim schon mit einem ordentlichen Frühstück versorgt wird.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Achim am 14. Aug. 2008, 18:58 Uhr
Obwohl Achim beileibe kein Frühaufsteher ist und Rhordri ihn brutalerweise schon kurz nach Sonnenaufgang mit donnernden Faustschlägen aus dem Tiefschlaf und seiner Schlummertonne gewummert hatte, ist der Oger allerbester Laune, als er an diesem Morgen mit reichlich Schwung die schwere Eingangstür zur Goldenen Harfe aufstößt. Zwar war er anfangs ziemlich ungehalten über die frühe Störung gewesen und hatte in seinem schlafumnebelten Delirium den armen Kastellan so herrisch angeschnauzt, dass Rhordri der Bart förmlich um die Ohren geflattert war, aber als er gehört hatte, dass der Auftrag ihn in die Harfe führen würde, war er sofort wieder mit der Welt (und der unzumutbaren Uhrzeit) versöhnt gewesen. "Harfe" ist in diesem Fall nämlich gleichbedeutend mit "reichhaltigem Frühstück", was wiederum gleichbedeutend ist mit einem "glücklichen, zufriedenen und satten Oger", dem Bewusstseinszustand, den Achim unermüdlich zu erreichen bestrebt ist. Besser kann ein Tag eigentlich gar nicht anfangen, und selbst die Tatsache, dass er in offizieller Mission unterwegs ist und in Rhordris Auftrag die Ermittlertruppe aufsuchen und einen Lagebericht aufnehmen soll, kann ihn nicht weiter stören oder ihm die gute Laune vermiesen. Ein fröhliches Liedchen auf den Lippen (irgendwas mit ... die Ogerjungfer Adelgunde, breiter Hintern, reichlich Pfunde...), wuchtet Achim seine gut fünfhundert Stein Lebendgewicht über die ausgetretene Schwelle und ordert bei Halla, die mit Schrubber und Putzhadern bewaffnet gerade geschäftig durch die noch leere Gaststube eilt, sogleich ein bescheidenes Frühstück, bestehend aus einem Vierpfünder Brot, einem Dutzend Eiern, zwei Pfund geräucherten Schinken, gebratenem Speck, verschiedenen Würsten, Haferbrei, jeweils einem Humpen Met, Starkbier und Cofea, sowie diversen anderen kleinen Häppchen.

Halla, die seinen Appetit mittlerweile kennt, zuckt mit keiner Wimper, sondern heißt ihn nur, sich zu setzen und gibt seine Bestellung durch die offene Tür an die Küche weiter. "Wo sind denn die Leute von der Steinfaust heute?", will er wissen, während er versucht, seine gewaltigen Körpermassen auf einer der Bänke unterzubringen. "Sind die schon unterwegs?" Die Antwort erübrigt sich, denn kaum dass er den Mund wieder zuklappt, taucht Borgils Ziehsohn in der Schankstube auf. Selbst für diese unverschämt frühe Morgenstunde sieht Tiuri reichlich derangiert aus – sein dunkler Haarschopf sträubt sich in sämtliche Himmelsrichtungen, seine Augenringe erinnern an einen versoffenen Waschbären und überhaupt sieht er aus, als hätte er gerade erfolgreich ein achtundvierzig Stunden dauerndes Uisge-Trinktraining absolviert. "Auweia", grinst Achim und wackelt mitfühlend mit den struppigen Brauen, als Tiuri sich mit einem gemurmelten Morgengruß zu ihm an den Tisch setzt und der Oger seinen alles andere als taufrischen Zustand aus der Nähe betrachten kann. "Du meine Güte, was ist denn mit dir passiert? Du siehst ja aus, als wärst du unter ein Fuhrwerk gekommen. Kommt der Rest der Truppe auch noch? Rhordri will nämlich einen ausführlichen Bericht darüber haben, was ihr inzwischen herausgefunden habt. Den Mörder habt ihr nicht zufällig schon gefangen?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 18. Aug. 2008, 09:21 Uhr
Mit einem mehr gebrummten, als gesprochenen „Guten Morgen“, setzt sich Tiuri zu Achim an den Tisch. Er kann ja nicht wissen, dass auch Achim heute Morgen schwer aus seinem Bett zu bekommen war und nur angesichts des reichhaltigen Harfenfrühstücks seine Laune wieder gefunden hat. Der Oger kommt Tiuri auf jeden Fall viel zu gut gelaunt vor, ganz so als hätte er schon rein zufällig heute Nacht den Mörder gefangen und freut sich jetzt darüber sich mit ihnen einen Spaß zu erlauben.
>Du meine Güte, was ist denn mit dir passiert? Du siehst ja aus, als wärst du unter ein Fuhrwerk gekommen. Kommt der Rest der Truppe auch noch? Rhordri will nämlich einen ausführlichen Bericht darüber haben, was ihr inzwischen herausgefunden habt. Den Mörder habt ihr nicht zufällig schon gefangen?<
„Den Mörder? Doch doch“, antwortet Tiuri und nimmt seelenruhig noch einen Schluck aus seinem Cofeabecher. „Der sitzt doch schon längst unten im Keller und wartet drauf, dass ihn jemand von euch abholt!“ Achim geht gar nicht so richtig auf den Scherz ein, zuckt nur mit den Mundwinkeln und versteht, nach einem kurzen Moment in dem Tiuri glaubt, dass er gleich Wirklich? rufen wird, dass Tiuri das auf keinen Fall ernst gemeint haben kann. Auf die Frage wie Tiuri denn aussähe, geht wiederum der junge Mann nicht ein, denn dass er sich nicht in ein Wettsaufen mit Borgil begeben hat, sollte klar sein.
„Nein, die anderen? Kaney ist gestern Nacht noch fort, der schläft ja nicht hier, einige sind glaub ich schon unterwegs, falls noch jemand hier ist, werden sie sicher bald auftauchen, bis dahin musst du mit mir vorlieb nehmen.“ Während er sich im Schankraum umsieht, versucht Tiuri noch einmal ein paar Haarsträhnen glatt zu streichen, aber ein vorwitziges Büschel steht ihm ständig wie ein Horn vom Kopf ab. In der Harfe ist nicht nur Halla am arbeiten, sondern auch Grid und Sigrun in der Küche und auch Azra kehrt gerade hinter Brenainn her, der sein Frühstück lieber im Raum verteilt als in seinen Mund zu befördern. Auch ein Gast ist eben eingetroffen, holt sich zum Frühstück sein erstes Bier und setzt sich an einen Tisch nicht weit von ihnen.
„Lass uns erst mal nach oben gehen, dein Frühstück kannst du ja mitnehmen“, schlägt Tiuri vor und hilft dem Oger auch schon, alles auf einem Tablett zu sortieren, den Laib Brot unter den Arm zu klemmen und alles nach oben zu balancieren. Sie finden sich in dem, eigenes für sie vorgesehenen Hinterzimmer ein, von dessen magischer Versiegelung Tiuri und auch die anderen Ermittler immer noch nichts wissen. Achim füllt den Platz auf einer der breiten Holzbänke ganz alleine aus und Tiuri setzt sich ihm auf einem Stuhl gegenüber. Kommt mir vor wie ein Verhör…

„Also gut, pass auf, nach dem wir gestern vom Sithechacker weg sind, haben wir doch noch einiges heraus gefunden. Aber vorher sollte ich vielleicht noch erzählen, dass wir ein neues Mitglied in unserer illustren Runde haben. Eine junge Frau - Aishalanea irgendwas, frag mich nicht, ich habs mir wirklich nicht gemerkt – Maester Kar Shei’ hat irgendetwas verloren und dank dem Fluch hat Lilith, die bei ihm war, sofort heraus geplaudert was wir hier eigentlich tun und da haben sie Aishalanea schließlich mitgebracht. Soviel dazu, nicht, dass du dich wunderst, sollte sie eben hier mal hinein schneien.“
Der Cofea bringt schön langsam das Blut in Tiuris Adern wieder zum Zirkulieren und so tauscht er langsam kreidebleich gegen seine ihm eigene gesunde Hautfarbe. Endlich so gut wie wach, steht Tiuri auf und holt die Karte, auf der sie die möglichen Orte für einen neuen Leichenfund eingezeichnet haben. Er schiebt Bier und Fleisch ein wenig zur Seite, sodass er die Karte Talyras vor Achim ausbreiten kann, dann deutet er auf die Orte an denen schon Leichen gefunden worden sind.
„Hier, diese drei Orte ergeben auf der Karte ein Dreieck, während der neueste Fundort der Beginn eines neuen Dreieckes sein könnte und damit kämen wir auf die Form eines Sternes. Natürlich kann das Zufall sein, aber an den freien Zacken des Sternes erwarten wir die nächste Leiche zu finden. Außer natürlich es gelingt uns ihn vorher zu fassen.“ Bei dem letzten Satz versucht Tiuri seine Stimme nicht zu zweifelnd klingen zu lassen, aber bis jetzt kann er es sich kaum vorstellen. Wenn Aurian den Botenjungen nicht finden sollte, haben sie nur wenige Anhaltspunkte um weiter zu machen.
„Kaney wird sich diese Orte auch schon einmal näher ansehen, vielleicht kann er irgendetwas entdecken. Das letzte Opfer, die Tänzerin, haben wir ja auf dem Grabstein von Diardra Aílin gefunden und mittlerweile wissen wir auch, wer das gewesen ist. Sie war wohl mal die schönste Frau der Herzlande und verlobt mit einem Elben, an dessen Namen sich aber Borgil nicht mehr genau erinnert, bei denen war auch alles in bester Ordnung, aber leider ist die Gute am Tag vor der Hochzeit verschieden, an einem Herzleiden. Der Elb hat daraufhin die Stadt verlassen, der Vater hat sich zwei Wochen später erhängt. Wir denken der Elb könnte dahinter stecken und sich versuchen seine Geliebte wieder zusammen zu bauen. Das Herz lässt er ja vorsichtshalber auch schon aus. Außerdem wurde an dem Abend an dem die Bardin ermordet wurde, ein rothaariger elbenblütiger Mann im Gasthaus gesehen. Andererseits können wir, dank der Hilfe von Lady Niniane sicher sagen, dass sich der Mörder auf das Grab teleportiert hat, dass er sehr mächtig ist und vermutlich ein Nekromant hohen Ranges. Normalerweise müsste Niniane so jemanden allerdings spüren können, die Tatsache dass sie das nicht kann, weist darauf hin, dass der Mörder vermutlich ein magisches Artefakt besitzt, von dem Niniane vermutet, dass es sich um Sauuras Schattenmantel handelt. Dieser Mantel schirmt die magischen Tätigkeiten des Mörders so ab, dass kein anderer Magiebegabter ihn spüren kann.“
Tiuri spricht nicht zu schnell um dem Oger immer wieder Zeit für Einwürfe oder Fragen zu lassen, immerhin hat er schon so viele Male über diesen Fall diskutiert, dass er nicht mehr sicher ist, nicht einfach irgendetwas zu vergessen, dass für ihn völlig logisch ist.

„Im Übrigen sind wir alle entflucht worden, gestern“, macht er einen Gedankensprung, weil ihm gerade der Botenjunge eingefallen ist, der das Lies mich gebracht hat. „wir sind soweit also wieder normal und einsatzfähig. Das Buch, das uns verflucht hat, ist ein Lies mich gewesen, ein altes Artefakt, von den Kobolden hergestellt, da darf man sich dann nicht mehr wundern. Es dient wohl mehr dazu eine Lehre zu sein, als ernsthaft Schaden anzurichten und im Endeffekt hat es uns sogar geholfen, weil nach dem die 12 Stunden des Fluches um waren, haben alle die das Lies mich gelesen haben, eine Belohnung dafür erhalten. Was natürlich nicht dafür spricht, dass dieses Buch von unserem Mörder kommt, allerdings wer weiß, vielleicht ist er ein Kobold mit verquerem Humor. Aurian ist wohl gerade auf der Spur des Botenjungen der uns das Buch gebracht hat, vielleicht hat er seinen Auftraggeber ja zu Gesicht bekommen und erinnert sich zufällig auch noch daran. Außerdem hatte dieser Junge ein auffälliges tropfenförmiges Muttermal und so ein Junge ist auch im Zusammenhang mit dem dritten Mordopfer gesehen worden und das sind schon wieder zu viele Zufälle auf einmal. Ja, so sieht es auf jeden Fall gerade aus. Wir wissen nicht wer er ist, außer, dass er vielleicht der Hochelb sein könnte, der Verlobte von Diardra. Wir wissen nicht wo er ist, aber wir kennen seine Art sich fortzubewegen und die, wird ihm Lady Niniane wohl… stoppen, magisches Schnickschnack, er kann wohl bald nicht mehr teleportieren. Das heißt er müsste seine Opfer zu Fuß durch die Stadt tragen und so blutig wie die aussehen, denk ich ist das ein großes Hindernis.“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lilith am 18. Aug. 2008, 11:57 Uhr
Lilith erwacht bereits vor dem Morgengrauen, da wirre Träume sie die ganze Nacht verfolgt haben. Unruhig wälzt sie sich in ihrem Bett hin und her, wirft ab und an einen Blick in Richtung des Fensters um zu sehen ob Shenrah bereits ihre ersten Strahlen auf die Stadt wirft. Als es langsam hell wird, hält es die Magierin nicht mehr länger im Bett aus und sie steht auf. Leise zieht sich Lilith ihre rote Magierrobe an, welche mit einigen Runenzeichen bestickt ist. Da sie heute in die Bibliothek wollen, will Lilith gleich ihren Stand durch ihre Kleidung bekannt geben und so bürstet sie geduldig ihr Haar, flechtet es zu einem Zopf und weckt dann mit einem leichten Schütteln Lady Shin, welche immer noch tief schläft. „Aufwachen du Schlafmütze. Wir sollten uns so bald wie möglich auf den Weg in das Haus der Bücher machen.“ Während Shin aufsteht und sich ebenfalls bereit macht, rollt Lilith ihre Unterlagen sorgfältig zusammen und steckt diese in einen zylinderförmigen, ledrigen Beutel. Als auch Shin fertig ist, verlassen die beiden Frauen ihr Zimmer und gehen nach unten in den Schankraum. Dieser ist beinahe leer und nur wenige Frühaufsteher sind bereits munter genug um sich ein Frühstück zu genehmigen.

Lilith und Shin setzen sich an einen Tisch welcher weit genug vom Fenster weg ist, damit keine Sonnenstrahlen auf ihre Plätze fallen und bestellen bei einem der Mägde einen halben Leib Brot, Tee, Wurst und etwas Käse. „Ich könnte glatt ein ganzes Gur verschlingen.“Meint Lilith zwischen zwei Bissen und bestellt sich noch ein Rührei. „In den letzten Tagen sind wir kaum zum Essen und Schlafen gekommen und wenn das so weiter geht, werden wir ausgehungert und todmüde diesem Bastard begegnen, dabei sollten wir ihm mit allen verfügbaren Kräften entgegentreten.“ Sie verdreht etwas die Augen und seufzt. Der Gedanke, dass sie vielleicht schon bald einem fertig ausgebildeten Nekromanten begegnen, lässt ihren Magen auf Erbsengrösse schrumpfen. Nicht nur das sie Angst davor hat was dieser wohl mit ihnen machen wird, sondern sie hat auch Angst davor sich ihrer Vergangenheit zu stellen. Doch so wie die äusserlich immer kühle Formorag ist, lässt sie sich nichts anmerken und spielt die Gelassene.

Nach dem die Beiden fertig gegessen haben, bezahlt Lilith das Essen und die beiden Frauen verlassen zusammen die Harfe. Die Kapuzen tief ins Gesicht gezogen, damit die Sonnenstrahlen nicht zu sehr auf die empfindliche Haut trifft, fällt das Magiergespann ziemlich auf in den Strassen der Stadt. Doch diese kümmert die Beiden nicht und sie gehen ungehindert der Blicke durch die Gassen in Richtung Bibliothek.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Atevora am 18. Aug. 2008, 22:23 Uhr
<--- Der Sithech-Hain



Atevora schläft nicht gut diese Nacht.
Die Träume jagen sie von einem Schreckenszenario zum nächsten. Keine Ruhe, kein Frieden, keine Erholung. Noch einmal wälzt sie sich im Bett herum, kommt auf ihrer Hand zu liegen, und gerade als sie von den Reizen der Wirklichkeit inspiriert im Traum daran ist schmerzgepeinigt, hilflos und wimmernd dabei zuzusehen wie ihr von dieser das Fleisch vom Knochen brennt, erwacht sie endlich.
Das  im verzögerten Rhythmus zu ihrem Herzen schmerzhafte heiße Pochen ihrer Hände zerstreuen Herzschlag um Herzschlag die letzen Bilder des Traumes bis nur noch das wirbelnde Dunkel des Zimmers zurückbleibt.
Nicht weit entfernt kann sie neben dem viel zu lautem Rauschen ihres Blutes in ihren Ohren das unruhige Atmen von Lilith erahnen. Sie träumt ebenfalls schlecht. rollt träge der Gedanke durch den schon wachen Teil ihres Gehirns.
Unendlich langsam setzt sich Atevora auf die Kante ihres Bettes und verharrt einige Sekunden, oder gar Minuten. Schließlich wankt sie schlaftrunken zum Fenster und öffnet es in der Hoffnung , dass die kühle Morgenluft die stickige Luft im Zimmer etwas vertreiben, sich kühlend auf ihre Haut legen und ihr etwas Linderung bringen möge.
Die Luft wurde frischer, doch Erleichterung bringt sie ihr keine, ganz im Gegenteil. Die mildkühle Sommerbrise und der sanfte Schein der Nachtlichter auf den stillen Straßen vertreiben den letzen dumpfen Hauch der bleiernen Benommenheit aus ihrem Geist und bringt den Schmerz auf ihrer Haut mehr zu tragen. Nur die Trägheit die auf ihren Glieder lastet sitzt wohl zu fest um sich derart leicht vertreiben zu lassen. Noch einige Augenblicke verharrt Atevora dort am Fenster, lässt ihren Blick über die vielen Häuser rings schweifen, die beinahe friedlich und träumerisch erstarrt im zeitlosen Nichts erscheinen könnten. Atevora hoffe, dass der Friede sie nicht bloß täuscht und diese Nacht nicht wieder eine junge Frau auf makabere Art durch die Hand oder den Fingerzeig eines verwunschenen Nekromanten ihr Leben lassen musste.
Als der kaum merklich heller werdende Himmel hinter den Hauserdächern im Osten die schwelenden Sterne zu verschlucken beginnt und langsam die Morgenröte ankündigt, schließt Atevora das Fenster wieder vorsichtig, legt sich zu Bett und versucht mit dem Gedanken hoffentlich kein MorgenGrauen doch noch ein wenig Schlaf zu finden.

Weit gefehlt. Kaum ist das graue Dämmern vorüber treibt es Lilith aus dem Bett. Atevora versucht es zu ignorieren, die Geräusche aus ihrem Bewusstsein zu bannen und mit ruhigen gleichmäßigen Atemzügen zurück in den erschöpft traumlosen Dämmerzustand zwischen Schlaf und wach werden zurückzukehren.
Als es ihr doch noch zu Gelingen beginnt rüttelt und schüttelt diese dreiste Feuermagieradeptin sie wieder heraus. Atevora murrt leise, möchte sich demonstrativ umdrehen und weiter mit den Bettlaken kuscheln, doch Lilith ist gnadenlos. Überlaut wummert ihre Stimme in Atevoras momentan so erschreckend überempfindlichen Ohren. „Aufwachen du Schlafmütze.“ Noch bevor Atevora sie dafür im Geiste verfluchen kann fügt die Formorag hinzu: „Wir sollten uns so bald wie möglich auf den Weg in das Haus der Bücher machen.“, aufdass Atevora ihrer Argumentation nur kraftlos beipflichten kann.

In Ruhe absolviert Atevora die obligatorische Morgenwäsche und kleidet sich ohne Hektik – aufdass jeder Voyeur seine diebische Freude daran gehabt hätte – an.  Sie vergisst auch nicht ihr Gesicht, die Arme und Hände mit der Ringelblumen-Salbe - die in einer Schublade in der Nähe des Bettes immer für sie bereit liegt – einzuschmieren und ihre Hände nachher sorgfältig mit ihren Bandagen zu umwickeln. Die Salbe hatte sie gestern Nacht außen vor gelassen, was sie bereits kurz vor dem morgendlichen Dämmern und auch jetzt wieder schmerzlich bereute.

Trotz den verständlichen Protesten ihrer Haut gegen die unfeine Behandlung am Vortag, und des kalten Wassers vorhin in der Waschschüssel im Zimmers, ist Atevora noch immer nicht vollends wach. Kaum haben sie sich an einen Tisch möglichst weit weg von einem jeden Fenster im Raum hingesetzt und ihr Frühstück bestellt, merkt Atevora wie sie langsam wie in Zeitlupe nach vorne zu kippen beginnt, schließlich mit der Stirn auf dem Tisch zu liegen kommt und wieder beinahe am einschlafen ist. Das laute Klappern, als die Bestellung abgestellt wird, lässt Atevora wieder hochschrecken.
Appetitlos und entsprechend antriebslos greift Atevora nach dem Käse. Lilith hingegen beginnt eifrig in sich hineinzuspachteln und irgend etwas von einem Gnur zu schwafeln. Die Fauermagierin erscheint ihr mit dem heutigen Tag auf einmal so mitteilsam und vor allem, so schrecklich wach! Nungut, zumindest sehr wach im Gegensatz zu ihr, doch dazu brauchte es eigentlich auch nicht all zu viel.
So hat Atevora nicht viel mehr als ein schwaches Zucken der Mundwinkeln über, das wohl ein anerkennendes Lächeln hätte werden sollen.

>“„In den letzten Tagen sind wir kaum zum Essen und Schlafen gekommen und wenn das so weiter geht, werden wir ausgehungert und todmüde diesem Bastard begegnen, dabei sollten wir ihm mit allen verfügbaren Kräften entgegentreten.“<
Haha, als würde das irgend etwas nützen. „Ja da hast du wohl recht.“ Atevora seufzt affektiert „Doch was soll man groß machen? Dazu müssten wir Lakaien einstellen die anstatt uns von Ort zu Ort hetzen. Nungut es würde wahrscheinlich auch schon reichen wenn ein Gewitter aufzieht und dieser Vermaledeite vom Blitz getroffen zusammensackt oder schlichtweg einfach auf einmal auf der Stelle tot umfallen würde.“ Als Antwort verdreht Lilith mit einem vielsagenden Seufzer die Augen.

Dank Liliths tatsächlichen Heißhunger ist das Morgenmahl alsbald Geschichte und die beiden jungen Magierinnen begeben sich auf den Weg zur Bibliothek.


----> Das Haus der Bücher

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Faron am 20. Aug. 2008, 09:56 Uhr
Endlich wieder fluchfrei und darüber ausgesprochen erleichtert, trifft Faron an der Seite von Lady Shin in der Goldenen Harfe ein, wo sich schon der Rest der immer noch stetig anwachsenden Ermittlergruppe versammelt hat. Die unbekannte Frau, offenbar südländischer Abstammung, fällt dem Faun sogleich auf, doch bevor er etwas sagen kann, ergreift Kaney das Wort. »Wer ist das, und was macht sie bei euch?«, wendet er sich an Lilith und lässt seinen Blick zwischen ihr und der Unbekannten hin und her schweifen. Die Feuermagierin antwortet prompt. »Dieser Paradiesvogel hier ist Aishalanea Yashalaran. Durch unseren dussligen Alchemisten hat sie die Rolle mit unseren Aufzeichnungen gefunden und weil ich mal wieder meinen Mund nicht halten konnte, habe ich ihr auch noch erzählt das wir wegen den Mordfällen ermitteln. Wir mussten sie wohl oder übel also mitnehmen, damit sie nicht noch auf die dumme Idee kommt irgendwem davon zu erzählen.«
Faron zieht eine Augenbraue in die Höhe, erspart sich aber jeglichen Kommentar. Im ist im Augenblick nicht sonderlich nach Reden zumute. Die Angelegenheit mit dem mittlerweile ja glücklicherweise überstandenen Fluch ist ihm immer noch ausgesprochen unangenehm und peinlich, und eigentlich will er derzeit nur so schnell wie möglich in die Steinfaust zurück, um dort in den Ställen nach dem Rechten zu sehen. Verdammt, denkt er. Hoffentlich stellen die Burschen nicht zu viel Unfug an, während ich hier meine Zeit mit dem brechen lächerlicher Flüche und ergebnislosen Diskussionsrunden vergeude ... Er seuzt.

Und zieht zischend die Luft ein, als über ihren Köpfen mit einem Mal ein kleines, pulsierendes regenbogenfarbiges Licht erscheint, dessen sanftes Leuchten sich allmählich zu einem Strudel aus Licht entwickelt bis schließlich das allen vertraute magische Buch vor ihnen erscheint. Ein leises Grollen kommt über die Lippen des Fauns, am liebsten würde er das Lies mich jetzt, gleich, hier und auf der Stelle in der Luft zerfetzen, auch wenn dieser kindische Wunsch vermutlich nicht sonderlich erfolgreich sein würde bzw. nur neue Schwierigkeiten mit sich brächte. So beschränkt sich Faron darauf das Lederbuch finster anzustarren, den reimen zuzuhören, die das magische Objekt von sich gibt und den den übrigen Spuk grimmig zu mit zu verfolgen.
Der Oberste Stallmeister der Steinfaust entspannt sich erst wieder, als der ganze Zauber schließlich vorüber ist und Kaney verkündet: »Ich bin müde, und heute zu nichts mehr zu gebrauchen... Also, Aurian, du sprichst mit den Botenkindern, ob die uns helfen können... Wenn das klappt, wäre ich dir wirklich sehr dankbar. Amarius, Ihr geht zu Olyvar, ich schau mich an diesem... eh... Sternenpunkt... um.« Faron lächelt schwach und fügt an Amarius gewandt hinzu: „Wenn Ihr nichts dagegen habt, dann begleite ich Euch zum Lord Commander, Maester Kar' Shei.“ Er nickt dem Weißbart zu und erhebt sich dann, um sich zu verabschieden. „Treffen wir uns morgen in der Steinfaust. Ihr wisst ja wo Ihr mich dort findet. Jetzt muss ich mich erst einmal um meine übrigen Pflichten kümmern ...“ Der Stallmeister verabschiedet sich höflich von allen Anwesenden, und verlässt die Goldene Harfe anschließend, um sich in die Stallungen der Steinfaust zu begeben.

Die Steinfaust »

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Achim am 21. Aug. 2008, 11:23 Uhr
Es behagt Achim zwar nicht unbedingt, mitsamt seinem gerade aufgetragenen Frühstück gleich wieder umziehen zu müssen, kaum dass er sich auf der Bank niedergelassen hat, aber dafür haben sie in dem abgeschiedenen Raum, in den Borgils Ziehsohn ihn bugsiert, dann auch ihre Ruhe und werden weder von schrubberschwingenden Mägden noch von Kleinkindern gestört, die freudig quietschend ihr Essen auf dem frisch gewienerten Fußboden verteilen. Während der Oger sich nun endlich ausgiebig seinem leiblichen Wohl und all den Leckereien widmen kann, die Halla ihm aufgetischt hat hat, klammert Tiuri sich unausgeschlafen an seinen Cofeabecher und beginnt von den Ermittlungen und von all den merkwürdigen Begebenheiten der letzten Tage zu berichten. Zunächst lauscht Achim noch ziemlich ungerührt und sieht fast ein wenig desinteressiert aus, während er sich an Räucherspeck und dicken Scheiben knusprig frischen Brotes gütlich tut, aber je mehr sein Gegenüber erzählt, desto länger werden die Ohren des Ogers und desto größer seine Augen. Als Tiuri schließlich zwischen angeknabberten Speckschwarten, Bierhumpen und Brotkrumen eine Karte der Stadt auf dem cofeafleckigen Tisch ausbreitet und bestimmte Markierungen zu erklären beginnt, lässt Achim seine riesige Pranke mit dem angebissenen Schinkenbrot sinken und kann den jungen Mann nur völlig entgeistert anstarren. "Ihr wisst, dass es weitere Leichen geben wird und ihr wisst sogar, wo sie gefunden werden?" ächzt der Oger so perplex, als hätte ihm Tiuri gerade erzählt, dass ab morgen die Lebensmittelversorgung der Stadtgarde gestrichen werden soll. "Ihr wisst das? Und wieso weiß dann Olyvar nichts davon? Oder Rhordri? Oder überhaupt irgend jemand in der Steinfaust?"

Achim ist so schockiert, dass ihm beinahe das Essen wieder aus dem Gesicht fällt angesichts dieser naiven Sorglosigkeit. "Wenn ihr wisst, wo die Leichen auftauchen werden, dann bedeutet das doch, dass ihr wisst, wo der Mörder auftauchen wird, oder nicht? Und dass wir ihn dort vielleicht erwischen können!" Bei diesen seinen Worten setzt sich allmählich knirschend das Mahlwerk im ogerschen Oberstübchen in Bewegung und Achim dämmert so langsam die Tragweite dessen, was Tiuri da eben so unbekümmert von sich gegeben hat. "Bei Tante Hildegunds heiliger Kohlsuppe", japst er, "ich hab mich da doch hoffentlich gerade verhört, oder? Du willst mir jetzt nicht sagen, dass ihr zwar wisst, wo man den Mörder schnappen kann, aber dass ihr dafür noch nicht einen Finger gerührt habt? Und dass ihr die Steinfaust davon nicht verständigt habt? Junge ... ihr spielt mit Menschenleben! Ihr könntet vielleicht verhindern, dass noch mehr unschuldige Mädchen sterben müssen .... ist euch das schon mal in den Sinn gekommen? Meine Güte .... könnt ihr euch vorstellen, was Olyvar mit euch macht, wenn er erfährt, dass ihr das noch nicht gemeldet habt? Er wird euch vierteilen, eure Köpfe auf einen Bratspieß stecken und euch in Fischöl frittieren ... oder wissen die Götter was noch mit euch anstellen! Ich hoffe doch sehr für euch, ihr wisst das erst seit fünf Minuten .... habt ihr wenigstens schon Wachposten dorthin geschickt? Späher? Priester? Irgend jemanden?"

Der Oger hat noch nicht einmal ausgesprochen, als schon der nächste Hammer herniedersaust und Tiuri, der gerade mächtig in Fahrt ist bei seiner Erzählung, ihm fröhlich offenbart, dass es sich bei dem Mörder sehr wahrscheinlich um einen hochrangigen Nekromanten handelt, der zu allem Überfluss auch noch überaus mächtige Artefakte in seinem Besitz zu haben scheint. Vollkommen sprachlos starrt der Oger sein Gegenüber an und kann nicht glauben, was er da gerade gehört hat. "Ein Ne ...? Ein Ne...ne...ne.... wir haben einen Ne ....nekromanten in der Stadt? Und wann wolltet ihr DAS dem Lord Commander mitteilen? Wenn der Kerl ein Dämonenheer heraufbeschworen und die Stadt in Schutt und Asche gelegt hat?" Es gibt auf dieser Welt wahrlich nicht viele Dinge, vor denen ein ausgewachsener Oger Respekt hat – ein mächtiger Schwarzpriester gehört jedoch eindeutig ziemlich weit oben auf diese Liste, und sogar ein so unerschrockenes Kerlchen wie Achim weiß, dass mit so einem nicht zu spaßen ist. Vor allem kann er nicht verstehen, dass Tiuri dabei so absolut gelassen bleiben kann und in aller Seelenruhe an seinem Cofea herumschlürft, während er erzählt, dass sie einem hochstufigen Nekromanten auf den Fersen sind, ganz so, als würde der Ermittlertrupp in seiner Freizeit ein paar harmlose Karnickel jagen. "Ähhhm...." Achim ist sichtlich verwirrt über die lässige Unbekümmertheit, die Tiuri an den Tag legt, während er selbst schon allein bei dem Gedanken daran, dass ein Schwarzpriester hier sein Unwesen treiben könnte, am liebsten kreischend auf und davon gelaufen wäre. Allmählich ist er überzeugt davon, dass dieses kleine zusammengewürfelte Grüppchen von Detektiven irgendeine mächtige magische Geheimwaffe besitzen muss, die sie einzusetzen gedenkt – anders kann Achim sich diese Ruhe und Sorglosigkeit jedenfalls nicht erklären.

"Ähhhh, ihr seid also hinter einem hochrangigen Nekromanten her", fasst der Oger noch einmal zusammen. "Einem hochrangigen Nekromanten im Besitz von mächtigen Artefakten, einem Nekromanten, der sich offenbar unsichtbar machen kann, einen magischen Schutzschild benützt und sich munter in der Stadt herumteleportiert, ohne gesehen oder bemerkt zu werden, einem Nekromanten, der reihenweise junge Mädchen abschlachtet und ausweidet, und sich vermutlich seine Ex-Frau aus Leichenteilen zusammenbasteln will, der die komplette Stadtgarde an der Nase herumführt, brave Bürger in Panik und Schrecken versetzt und sich augenscheinlich nebenbei ein bisschen mit verfluchten Büchern amüsiert ... klingt wirklich nett! Seid ihr eigentlich schon mal auf den Gedanken gekommen, dass ihr in Gefahr sein könntet, also du und der Rest der Truppe? Bis jetzt spielt der Kerl wohl nur mit euch, aber ich möchte nicht wissen, was er tut, wenn ihm jemand wirklich ernsthaft in die Quere kommt. Wenn ich einen Vorschlag zur Güte machen dürfte: ihr solltet euch schleunigst in die Steinfaust begeben und das alles melden und zwar jetzt und sofort und auf der Stelle!"


Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 21. Aug. 2008, 13:42 Uhr
„Hey, immer langsam! Willst du uns jetzt alle in Panik versetzen?“ Eben hat der Oger sich noch an Brot und Schinken gütlich getan und Tiuri hat eher das Gefühl gehabt, dass er nur mit halbem Ohr seinen Ausführungen lauscht und plötzlich starrt er in zwei völlig entgeisterte Augen. Achim steht der Mund noch offen und auch das halbe Frühstück hängt ihm dabei zwischen den Zähnen.
„Natürlich ist uns klar wie gefährlich die ganze Sache ist, keiner hier hält das für ein Spiel! Glaub mir, selbst als wir noch nichts davon wussten, dass wir hinter einem Nekromanten her sind, war das schon gefährlich genug, aber wenn wir uns jetzt aus der Ruhe bringen lassen brauchen wir es erst gar nicht mehr zu versuchen. Was die Standpunkte der nächsten Morde angeht, erst einmal wissen wir gar nichts, wir vermuten, und zweitens wissen wir das erst seit wirklich kurzem und außerdem ist Maester Kar Shei’ schon unterwegs in die Steinfaust um alles mit Olyvar zu besprechen. Natürlich muss der Lord Commander von allem in Kenntnis gesetzt werden und auch, dass wir hier endlich eine Möglichkeit haben dem Mörder auf die Schlichte zu kommen. Späher, Wächter, Priester haben wir leider keine in unserem Repertoire, aber wie gesagt, Kaney ist erst mal unterwegs und auch jemand zu Olyvar. Aber du hast recht, vermutlich sollten wir Priester verständigen, denn alleine haben wir wohl keine Chance gegen so einen Gegner.“
Müde fährt sich Tiuri mit den Fingern durch die strubbelige Frisur. Schon längst scheint im die ganze Situation aussichtslos zu sein. Wie sollten sie gegen einen Nekromanten ankommen? Selbst ein Säckchen Zauberbohnen würde ihm da wohl wenig helfen können.
„Ich fürchte nur der Mörder ist schon längst auf uns aufmerksam geworden und wenn er merkt, dass wir zu auffällig an seinen nächsten Orten postieren, könnte er sich einfach andere aussuchen. Ich weiß ja nicht wie wichtig diese speziellen Orte für ihn sind, aber möglicherweise sind sie nicht notwendig und er geht einfach wo anders hin, dann haben wir unsere Chance verspielt. Außerdem sollten wir gut vorbereitet sein wenn wir ihm entgegen treten, es gibt da noch andere Spuren die wir verfolgen sollten, auch falls es nicht so einfach ist ihn zu fangen. Ich weiß es scheint manchmal als würden wir keinen Finger rühren, aber wir tun hier unser Bestes, wir versuchen nicht mit Absicht die Steinfaust zu sabotieren.“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Achim am 22. Aug. 2008, 18:38 Uhr
"Ich habe auch nicht angenommen, dass ihr die Steinfaust absichtlich sabotiert", erwidert Achim unwirsch und schiebt mit einem angewiderten Naserümpfen die Reste seines Frühstücks beiseite. Er hat zwar noch nicht einmal die Hälfte seines Essens verdrückt, aber der Appetit ist ihm reichlich vergangen. "Und das möchte ich euch auch nicht geraten haben. Aber ich habe auch nicht unbedingt den Eindruck, dass ihr euch hier ein Bein ausreißt, um den Mörder zu finden. Genau dafür bezahlt euch Olyvar aber, und mit ihm die Bürger dieser Stadt. Und dafür, dass ihr – eine Truppe von inzwischen zehn Leuten, zehn! – seit letztem Herbst damit zu Gange seid, diesen Kerl ausfindig zu machen, habt ihr wirklich bemerkenswert wenig vorzuweisen. Und das wenige sind noch nicht einmal Tatsachen, sondern nur Vermutungen. Ich glaube euch ja gern, dass solche Nachforschungen schwierig sind, aber es kann doch nicht sein, dass ihr nicht mehr herausfinden könnt." Achim stößt einen resignierten Seufzer aus und legt die Stirn unter den strohfarbenen Haarbüscheln in Falten, so tief wie der Ginnungagap. "Der Kerl muss doch irgendwo in der Stadt wohnen, er muss schlafen, er muss essen ... also hat er hier irgendwo ein Versteck oder er hat sich irgendwo eingemietet. Er bringt mitten in der Stadt Frauen um ... er schneidet ihnen die Kehle durch und reißt ihnen das Herz raus, das gibt eine Menge, Menge Blut, so etwas kann doch nicht verborgen bleiben. Und selbst wenn er ein paar neumodische Artefakte sein Eigen nennt oder gar so einen "Sauren Schattenmantel" hat ... er kann den Kram ja nicht ständig benutzen. Irgend jemand muss ihn gesehen haben!" Allmählich redet Achim sich richtig in Fahrt, und je mehr er über die ganze Sache nachdenkt, desto mehr Fragen schießen ihm durch den Kopf, mit denen er prompt den verwirrten Tiuri bombardiert.

"Habt ihr denn die Gasthäuser durchsuchen lassen und die Wirte oder das Personal nach verdächtigen Personen befragt? Habt ihr leerstehende Gebäude durchkämmt? Oder in der Stadthalle nach kürzlich verkauften Häusern und Grundstücken gefragt, oder nach neu in die Stadt gezogenen Leuten? Also, ich will mich ja nicht in eure Ermittlungen einmischen, aber das sind Sachen, die ihr mit Leichtigkeit klären könnt, vielleicht bringt es euch ja weiter. Dann sagst du, es wurde ein rothaariger Elb im Aal gesehen, der sich offenbar verdächtig gemacht hat – habt ihr den inzwischen ausfindig gemacht und befragt? Und die restlichen Gäste aus der Schänke, ist denen nichts aufgefallen? Habt ihr inzwischen nach dieser verschwundenen Laute geforscht, die das arme Bardenmädel dabei hatte? Kann ja sein, dass die inzwischen bei irgend einem Händler aufgetaucht ist, wenn's ein wertvolles Instrument ist, das ein paar Münzen einbringt. Und was ist mit diesen Leichenteilen? Wenn ihr glaubt, dass der Mörder sich daraus etwas basteln will .... wo lagert er das alles denn? Entweder gibt es hier in der Stadt einen Ort, an dem es inzwischen fürchterlich stinkt, oder er konserviert diese Teile, und dazu braucht er ja irgendwelche Mittel, es sei denn, er legt das Zeug in Spucke ein. Habt ihr wenigstens schon mal in diese Richtung nachgeforscht? Und was ist mit diesem Grab da auf dem Sithechhain, das von dieser Schönheitskönigin? Wenn ihr glaubt, dass es etwas mit dem Mörder zu tun haben könnte ... habt ihr es denn wirklich ganz genau untersucht? Dann diese Orte hier..." Angestrengt stiert der Oger auf die Karte der Stadt, die noch immer ausgebreitet auf dem Tisch vor ihnen liegt. "Mag ja sein, dass ihr nicht sicher wisst, ob sie eine Bedeutung haben. Mag auch sein, dass ihr den Mörder dadurch vertreibt, wenn ihr dort auftaucht ... aber nur so könnt ihr erfahren, ob diese Stellen wichtig für ihn sind oder ob er sie einfach nach Lust und Laune auswählt. Und wenn ihr euch fürchtet, ihm dort zu begegnen, dann nehmt euch Hilfe mit, Niniane, Borgil, oder mich oder sonst irgend jemanden."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aishalanea am 01. Sept. 2008, 20:39 Uhr
Schwimmender Laden ->

Es ist noch recht leer in der Goldenen Harfe, als Aisha am frühen Morgen dort auftaucht, doch aus der Küche ist bereits eifriges Töpfeklappern zu vernehmen. Außer der Händlerin ist erst ein Gast dort, der es offenbar vorzieht, sein Frühstück in flüssiger Form aus einem Humpen einzunehmen. Von den Ermittlern ist keiner zu sehen, fast macht sich Aishalanea Sorgen, sie trotz der frühen Stunde bereits alle verpasst zu haben, immerhin haben sie keine Zeit zu verlieren. Kurz erwägt sie, einfach das Hinterzimmer aufzusuchen, in dem am gestrigen Abend das Zauberbuch erschienen ist, entscheidet dann aber, dass es keine so gute Idee ist, dort ungefragt aufzukreuzen.

Statt dessen bestellt sie etwas Haferbrei und einen schwarzen Cofea und setzt sich an einen der Tische. Eigentlich drehen ihr so starke Getränke am frühen Morgen eher den Magen um, aber so wie ihr Gesicht mit den tiefen Schatten unter den Augen eben im Spiegel ausgesehen hat, beschließt sie, dass sie das Zeug heute dennoch brauchen kann. Mit dem Haferbrei zusammen ist es immerhin einigermaßen zu ertragen, auch wenn die Südländerin die graue Masse recht lustlos und geistesabwesend in sich hineinlöffelt, dabei immer die Treppe im Auge behaltend, falls einer der Ermittler herunterkommt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lyall am 15. Sept. 2008, 20:47 Uhr
Kalt tropft die Suppe mit einem leisen Geräusch zurück in den Teller. Geistesabwesend schiebt sich Lyall einen leeren Löffel in den Mund und schluckt die imaginäre Suppe herunter, während sie einige Staubflocken beobachtet, welche im unter der Tür hindurchscheinenden Licht zaghaft tanzen.
Ihre glasig werdenden Augen scheinen in eine weite Ferne zu blicken, ihre Ohren zucken nervös.

Als Aegnor sie mit dem Ellenbogen sachte anstößt, eine neckische Bemerkung murmelt, lächelt sie mechanisch zurück und senkt dabei ihren Blick wieder in den Teller.
Gedanken schwirren in ihrem Kopf umher, kein klarer Gedanke will sich formen. Mit einem lauten
Seufzer wendet sie sich Aegnor zu.
„Ich weiß nicht was ich machen soll… Ich… habe eigentlich nicht vorgehabt mich hier in einer…Stadt niederzulassen.“ Kurz rümpft sie bei dem Wort Stadt die Nase. „Ich liebe den Wald und die Freiheit, doch… ich möchte nicht als verschrecktes Wesen gelten, welchem man mitleidige Blicke zuwirft.
Auf den Straßen habe ich viele nichtmenschliche Wesen gesehen und… ich denke ich sollte über meinen Schatten springen. Ich glaube ich werde mich etwas in dieser Stadt umsehen. Es ist immer einfacher etwas zu verdammen was man nicht kennt, als sich die Mühe zu machen herauszufinden, ob man sich nicht doch anfreunden kann.“
Kurz umwölkt sich ihr Blick, ihre Fingerknöchel treten weiß hervor als sie den Löffelstiel umklammert. Jedoch ist der Moment so schnell wieder vorbei wie er gekommen ist. Kurz lächelt sie ihn an.
„Du kennst die Stadt schon etwas besser als ich. Der Handel mit den Fellen hat mich in den Wald geführt, aber dich doch auf die Straßen nicht wahr? Nun, vielleicht sollte ich mich auch etwas tiefer in die Stadt wagen. Air do shlàinte!“ Mit einem Ruck greift Lyall nach dem kleinen Becher vor ihr auf dem Tisch und leert ihn in einem Zug. In ihrem Hals hinterlässt der Uisge eine Spur aus Flammen und kurz verzieht sie ihr Gesicht und ihre Ohren legen sich flach an ihren Kopf an, doch der anfängliche Schmerz wird zu einer wohligen Wärme.
Während sie ihre kalte Suppe zu ende isst, schaut sie sich im Gasthaus um. Zu dieser Zeit ist die Harfe recht leer und die Gäste sind ausschließlich mit sich und ihrem mehr oder weniger üppigen Mahl beschäftigt. Kurz gerät ihr der Harfenwirt ins Blickfeld, doch sein imposantes Äusseres sowie das goldene Aufblitzen seiner Ohrringe und diversem Gesichtsschmuck, schüchtert sie etwas ein und lässt sie ihren Blick schneller als beabsichtigt abwenden.
Kurz überlegt sie, ob der Schmuck eine Art Kriegsbeute ist. Die Narbe in seinem Gesicht würde zumindest für eine Auseinandersetzung mit Waffengebrauch sprechen.
Vielleicht hat er ihnen die Ohrringe mitsamt Ohr entrissen… Und eine Ohrenkette daraus gemacht?
Kurz blickt sie wieder in seine Richtung. Denk nicht solch einen Quatsch! Was er wohl von dir halten mag mit deinen Ohren? Reumütig streicht sie das Fell auf ihren Ohren glatt und wendet sich wieder Aegnor zu.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 18. Sept. 2008, 10:21 Uhr
Dann mach’s doch alleine… ist das was Tiuri bei Achims wütendem Wortschwall schlussendlich einfällt. Erst wird er aber bei jedem Wort des Ogers selbst zunehmend zorniger, seine wilden Haarbüschel sträuben sich noch ein wenig mehr, besonders bei der Erwähnung von Geld, das Tiuri nun wirklich völlig egal ist und nie auch nur annähernd ein Antrieb für ihn gewesen ist und schließlich würden sie die Belohnung ja auch erst bekommen, wenn der Mörder gefangen ist und so gäbe es für sie wirklich keinen Grund sich auf die faule Haut zu legen. Der Vorwurf geldgierig zu sein, wäre ja aber auch noch nicht so schlimm für den Jungen, aber das er sich hier kein Bein ausreißt ist beinahe zu viel. Seit Monden denkt er über nichts anderes mehr nach, krabbelt zwischen Leichen und Gräbern, befragt alle möglichen Leute von denen nie auch nur irgendjemand etwas sinnvolles gesehen hat und gestern war er auch noch für einen halben Tag lang aufs übelste verflucht. Wenn die Stadtgarde also so unzufrieden mit ihrer Arbeit ist, warum sich noch mit ihnen aufhalten? Wieso Tipps wie diese nicht schon früher geben, wenn hinter vorgehaltener Hand doch schon alle über ihr Versagen sprechen. Wieso nicht selbst die leeren Häuser durchsuchen, denn die Steinfaust ist schließlich eine Gruppe von viel mehr Mann als nur zehn. Kurz ist er versucht einfach zu schreien und zu fluchen, aber das würde nun wirklich auch nichts bringen und vor allem schlägt sein Zorn dann doch in Frustration um. Er hatte zu beginn noch darüber nachgedacht wo dieser Mörder die Stadt betreten hat, ob man dort nicht mehr Wachen postieren hätte können, was sich schließlich als unnötig erwiesen hätte, denn er hat sich ja eindeutig teleportiert. Er müsste deswegen trotzdem noch lange nicht innerhalb der Stadt wohnen, aber was wenn? Warum sind tatsächlich niemals Blutflecken aufgetaucht? Die Leute der Stadt haben doch jeden schiefen Blick an ihren Nachbarn gemeldet, wieso ist niemandem so etwas aufgefallen, warum ist ihm nie so etwas auf gefallen?
Irgendwann ist Achim bei Hilfe mitnehmen angelangt, kratzt damit aber nur wage an Tiuris letztem Rest falschem Stolz und Ehrgefühl. Wer wäre denn eine gute Hilfe? Borgil ist natürlich der erste an den Tiuri denkt, aber keine Axt Rohas ist scharf genug um gegen die Magie eines Nekromanten anzukämpfen und Azra würde ihn umbringen wenn Borgil etwas zustößt nur weil Tiuri sich nicht allein getraut hat seiner Arbeit nachzukommen.
Anstatt nun alles hinzuschmeißen wie ein trotziges Kind dem jemand auf die Finger geklopft hat, reißt sich Tiuri ausnahmsweise einmal zusammen. Jetzt sei mal ein Mann und steh zu deinen Fehlern! Also sagt er nichts von alle dem was ihm so in den Sinn gekommen ist, beantwortet auch nicht die hundert Fragen des Ogers, denn schließlich kann der sich selbst schon eine Antwort darauf geben. Auch wenn Tiuri die letzten Fragen mit reinem Gewissen beantworten kann, denn darüber hatten sie sehr wohl nachgedacht.
„Du hast recht“, sagt er und hat das Gefühl gerade noch ein wenig müder geworden zu sein. Was mach ich hier eigentlich, ich bin Stallbursche, warum hab ich gedacht einen Mörder fangen zu können? Warum hat irgendjemand anderes gedacht ich könnte einen Mörder fangen?
„Noch etwas wichtiges, oder ein paar Ratschläge, denn sonst muss ich endlich los, wie du selbst grad gesagt hast, wir haben noch eine Menge Arbeit vor uns.“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von KaliMaya am 22. Sept. 2008, 13:35 Uhr
« Tränke und Tinkturen Nevisyol
Erntemond

Als Kali schließlich zur Goldenen Harfe anbricht, nährt sich der Tag bereits der neunten Stunde, der besten Zeit für ein ordentliches Frühmahl also. Die Azadoura trägt eines ihrer üblichen wallenden Gewänder, an diesem Morgen eines in tiefem Dunkelrot. Und die Spuren der vergangenen Nacht, hauptsächlich hässliche Augenringe, hat sie gekonnt unter ihrer üblichen exzentrischen Schminke verborgen. Ihre Peitsche trägt sie im Moment, dank sich immer mehr rundendem Babybauch, nicht wie einen Gürtel um die Hüfte geschlungen, sondern hat sie vorerst im Nevisyoli zurückgelassen. Bei einem Besuch im Gasthaus und in der Stadt- und Zeremonienhalle, würde sie die Waffe gewiss ohnehin nicht brauchen. Stattdessen hat sie nur ihren kläglich gefüllten Münzbeutel, das sicher verstaute Nevisyoli-Dokument und den jungen Löwentamarin, dessen ständige Gesellschaft längst selbstverständlich für sie geworden ist, bei sich.
Vor dem Eingang zur Goldenen Harfe bleibt sie stehen und mustert den Gasthof einen Augenblick lang. Sie befindet sich in einem kleinen Garten, in welchem Herbstblumen blühen und diverse Kräuter wachsen. Drei mächtige Buchen stehen dort und darunter einige leere Tische und Bänke. Die Harfe selber besteht aus weiß getünchtem Flussstein, der über und über mit wildem Wein überwuchert, dessen Blätter der Herbst allmählich rot und braun färbt. Über der eisenbeschlagenen Eingangstür aus massivem Holz schaukelt ein Eichenholzschild im sachten Morgenwind. Und auf diesem Schild kann die Azadoura eine mit goldener Farbe gemalte Harfe erkennen – nichts besonderes, aber aussagekräftig genug, immerhin ist der große Gasthof stadtbekannt. Entschlossen geht Kali Maya schließlich auf die Eingangstür der Harfe zu, drückt die Klinke herab, öffnet die Tür und betritt das Innere des Gasthauses. Hinter ihr fällt die schwere Tür wieder in ihr Schloss, während sie sich umsieht.

Selbst zu dieser frühen Stunde ist die Harfe schon gut bekannt. Auch das Harfenfrühstück scheint einen gewissen Ruf zu genießen, der so manchen Gast bereits zum Frühmahl hierher führt. Zudem ist Talyra nicht gerade eine kleine Stadt und so verschlägt es so manchen Reisenden in einen der ansässigen Gasthöfe. Auch die meisten der derzeitig anwesenden Gäste im Schankraum dürften Fremde sein, Wanderer, fahrende Händler, der eine oder andere Seemann und sonstiges Volk. Kali sieht einige Elben, mehrere Zwerge und Mogbar, einen Troll sowie eine handvoll Männer und Frauen, die möglicherweise aus den Rhaín-, Drachen- und Ostlanden stammen. Die meisten Anwesenden beachten sie kaum, doch die, die es tun, werfen der Azadoura misstrauische Blicke zu. Kali Maya zieht es daher vor, sich etwas abseits der übrigen Gäste zu halten und wählt schließlich einen freien Tisch im hinteren Teil des Schankraums – nahe der Treppen – aus, um sich daran niederzulassen.
Auch die Schankmaid, die kurz darauf zu ihr herüber kommt, mustert die Azadoura argwöhnisch. Ihrem wachen Blick ist offenbar keineswegs entgangen, dass die Gewänder der Azadoura unter den Strapazen der zurückliegenden Reise arg gelitten haben. Es wundert daher nicht, dass Kali bei den meisten Leuten nicht unbedingt den Eindruck erweckt, ausgesprochen wohlhabend zu sein und so fragt sich die Schankmaid möglicherweise bereits insgeheim, ob die düstere  Unbekannte überhaupt in der Lage ist, später die Zeche zu zahlen. Kali kann der Frau die Zweifel an der Nasenspitze ablesen, erwidert den Blick der Bedienung grimmig und fordert die Frau in barschem Tonfall auf ihr zu sagen, was man in der Harfe für ein ordentliches Frühmahl so alles bestellen kann. Kalis Ton gefällt der Schankmaid offensichtlich nicht und so bleibt ihre geschäftliche Freundlichkeit distanziert und kühl, aber das kümmert die Azadoura nicht weiter. Schweigend hört sie der Bedienung zu und entscheidet sich schließlich für eine Portion Arme Ritter mit gebratenem Speck und Spiegelei, zwei krummen Krapfen sowie eine Schale mit süßem Kirschbrei und dazu einen Becher stark verdünnten Gewürzwein.  

Die Schankmaid eilt hurtig davon, nachdem sie die Bestellung aufgenommen hat und Kali schaut sich gelangweilt im Schankraum um, während sie sich die pochenden Schläfen reibt. Verdammt, was hat dieser verflixte Priester angestellt, überlegt sie mürrisch, aber so sehr sie auch grübelt, ihr will nicht recht in den Sinn, wie sie dem alten Scriptor nachweisen soll, dass nur er für dieses dreimal verfluchte Gewisper in ihrem Kopf verantwortlich sein kann. Und dann ist da noch dieser eigenartige Traum der vergangenen Nacht. Nur ungern erinnert sich Kali daran, aber die Bilder der merkwürdige weiße Landschaft und das eigenartige Gesicht in der Schneedüne kommen ihr immer wieder ungebeten in den Sinn. Vage fühlt sich die Azadoura von dem teilweise verhüllten Antlitz an die Sithechstatue im Sithechtempel erinnert und diese Vorstellung behagt ihr ganz und gar nicht. Missmutig fragt sie sich, was dies wohl zu bedeuten hat und die Idee möglicherweise noch einmal in den Tempel zurückzukehren, um dort nach einer Antwort zu suchen, behagt ihr nicht sonderlich.
Abrupt holt sie die Schankmaid aus ihren düsteren Überlegungen ins Hier und Jetzt zurück. Geschickt balanciert sie ein Tablett auf dem Arm, von dem sie nun das von Kali bestellte Frühmahl nimmt und auf dem Tisch abstellt. Die Azadoura dankt ihr mit einem knappen Nicken und die Frau entfernt sich hastig wieder. Kali schaut ihr noch kurz nach, widmet sich dann aber lieber ihrem Essen, während sich der Löwentamarin auf ihrem Schoss zusammenrollt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von KaliMaya am 24. Sept. 2008, 10:30 Uhr
Das Gasthaus macht seinem Ruf alle Ehre wie Kali feststellt, ihr Frühmahl schmeckt wirklich ausgezeichnet und sie genießt jeden einzelnen Bissen davon. Wer weiß schon, wann ich wieder so etwas gutes zwischen die Zähne bekomme, denkt sie grimmig und sogleich ist ihre gute Laune dahin. Angestrengt denkt sie nach wie sie in ihrem _Zustand_ an Geld kommen soll. Kleinere Taschendiebstähle und dergleichen gelingen ihr nach wie vor gut, zumindest auf großen Plätzen voller Menschenmengen wie beispielsweise dem Marktplatz. Sollte allerdings doch irgendetwas schief gehen, würde sie nicht schnell genug verschwinden können. Außerdem ist sie sich durchaus bewusst, dass sie auffällt. Selbst wenn sie sich so unauffällig benimmt wie die unscheinbarste Bauernmagd Talyras, wie viele schwangere, shebarucgleiche Frauen mag es schon in der Stadt geben? Irgendjemand würde sich garantiert an sie erinnern. Sie runzelt leicht die Stirn und legt nachdenklich eine Hand auf den gewölbten Bauch, unwillkürlich huscht ein überraschend sanftes Lächeln über ihr Gesicht. Mittlerweile kann sie die Bewegungen in ihrem Leib deutlich spüren und hin und wieder hat sie so wie jetzt das Gefühl das ungeborene Leben würde sich regelrecht in ihre Hand schmiegen, wenn sie diese auf ihrem Bauch ruhen lässt. Ich werde alles tun, damit es dir gut geht, versichert sie stumm. ALLES!
Schließlich hebt sie die Hand wieder und bedeutet einer vorbei eilenden Schankmaid, dass sie gerne zahlen würde, wobei _gerne_ eigentlich nicht die richtige Umschreibung ist. Sorgfältig zählt sie der Frau die Münzen in die Hand – Trinkgeld gibt sie selbstverständlich ... nicht. Besorgt mustert sie schließlich den Inhalt des schmalen Lederbeutels, als die Schankmaid sich wieder entfernt. Bleibt nur zu hoffen, dass die verbleibenden Münzen ausreichen, um ihre Angelegenheiten in der Stadt- und Zeremonienhalle zu regeln. Und eigentlich, überlegt sie sehnsüchtig, wäre auch ein Besuch in den Badehäusern nötig. Ein wenig verstimmt schaut sie an sich herab, während sie ihre Sachen zusammenrafft, den Löwentamarin auf ihre Schulter springen lässt und sich zum gehen wendet. Im Nevisyoli hat sie zwar auch die Gelegenheit, ein einfaches Bad zu nehmen, aber bisher ist sie nicht so recht dazu gekommen. Außerdem ist es viel mühsamer – und weniger angenehm – wenn man selbst für das Wasser in seinem Badezuber sorgen muss, anstatt es sich in einem Badehaus so richtig gut gehen zu lassen. Etwas wehmütig denkt sie an ihren Besuch im Roten Hamam von Mar'Varis zurück. Auch wenn sie sich mittlerweile mit ihrer Lage abgefunden hat, es fällt ihr nicht immer leicht zu akzeptieren fortan auf all den Luxus, den sie in ihrem bisherigen Leben genossen hat, verzichten zu müssen. Früher hatte sie sich einfach genommen, was sie wollte, ohne sich weiter darüber Gedanken machen zu müssen, heute bleibt ihr nichts anderes übrig, als sich über sämtliche Konsequenzen ihres Handelns klar zu werden, bevor sie zur Tat schreitet, den die Herzlande sind nun einmal nicht die Rubinküste und Talyra ist eindeutig nicht Agutrot – die beiden Städte lassen sich nicht einmal annähernd miteinander vergleichen. Kali schaut sich noch einmal kurz in der Harfe um, drückt dann die Klinke der Eingangstür herunter und verlässt den Gasthof schnellen Schrittes.

Stadt- und Zeremonienhalle »

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 28. Sept. 2008, 18:39 Uhr
Bevor Tiuri die Treppe zur Gaststube heute zum dritten Mal hinunter steigt, geht er noch einmal in seine eigene Kammer. Er schnappt sich geschwind Fahl um es wie üblich an seinen Platz an Tiuris Hüfte zu gurten und verliert dann keine weitere Zeit mehr. Das Grundbuch wollten Shin und Lilith einsehen, das müssten sie nicht übernehmen, aber die Gasthäuser könnte er absuchen. Außerdem sollten wir bei dem Anwesen der Familie Aílin vorbei schauen, wer weiß, haben die jemand ungewöhnlich ums Haus streifen sehen.
Die Goldene Harfe würden sie ebenfalls nicht durchsuchen müssen, denn schließlich wäre ihnen der Mörder hier vermutlich aufgefallen. Und wenn nicht können wir uns sowieso gleich auf der Stelle eigenhändig das Messer in die Brust rammen.
Im Schankraum trifft Tiuri auf Aishalanea, der er freundlich lächelnd zu nickt. Er ist froh sie nicht mit Namen ansprechen zu müssen, denn sonst hätte er sich vermutlich einen Knoten in die Zunge gemacht. „Guten Morgen!“ sagt er statt dessen und schiebt sie ein Stück zur Seite, sodass sie ungestört reden können. Dabei wäre es natürlich schön, wenn es nicht so auffällig wäre, dass die beiden sich flüsternd unterhalten, doch damit Aishalanea ihn versteht muss Tiuri sich ganz schön zu ihr nach unten beugen, bleibt er aber aufrecht stehen, muss er wiederum lauter sprechen. Zum Glück sind auch jetzt noch kaum Leute in der Harfe, außer denen, die sowieso immer hier sind und die dürfen ihn auch gerne flüstern sehen.
Als ob es nicht egal wäre, immerhin weiß sowieso jeder, dass ich der Ermittlergruppe angehöre.
Trotzdem weiterhin um Diskretion bemüht, erklärt Tiuri schnell den neuen Stand der Dinge und auch den alten, denn schließlich ist die Aishalanea erst am vorigen Abend zu ihnen gestoßen und er kann sich nur denken, dass all die Informationen die sie plötzlich erhalten hat etwas zu viel waren um sich alle zu merken. Nach dem er ihr also noch einmal erklärt hat warum sie eine Schneiderei aufsuchen würden und ihr dann eine knappere Version von seinem Gespräch mit dem Oger dar gelegt hat, wobei er ganz automatisch nicht umhin kann gelegentlich Achims leicht schockierten Tonfall nach zu ahmen, erklärt er schlussendlich auch noch seinen endgültigen Plan.
„Ich möchte zwar weiterhin so wie gestern Abend ausgemacht noch zu einer Schneiderei gehen, aber wir sollten auch noch die Gasthäuser durchsuchen, immerhin muss der Mörder ja auch schlafen und essen und wenn er in der Nacht des zweiten Mordes die Bardin im Grünen Aal gesehen hat, geht er vielleicht öfter dort ein und aus. Aber eben auch die anderen Gasthäuser sollten wir nicht außer acht lassen. Der Kupferkessel ist ja nicht weit von hier, danach können wir Richtung Grüner Aal gehen und auf dem Weg im Handwerkerviertel eine Schneiderei aufsuchen. Danach können wir noch zum Pfirsich hinüber laufen, wer weiß, sucht der Mörder auch wenn er nicht gerade Frauen zerstückelt weibliche Gesellschaft. Außerdem denke ich sollten wir herausfinden wo die Familie Aílin lebt und nachfragen ob vielleicht in der letzten Zeit ein Verrückter um ihr Haus schleicht.“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aishalanea am 30. Sept. 2008, 21:09 Uhr
Aishalanea hat Glück, sie ist gerade fertig mit ihrem Frühstück, hat gezahlt und steht unschlüssig im Schankraum herum, da kommt ein Mitglied der Ermittlertruppe um die Ecke und nickt ihr freundlich zu. Die Händlerin erinnert sich an den Namen des großgewachsenen jungen Burschen ebenso wenig wie er sich an ihren (das waren einfach zu viele fremde Gesichter und neue Namen am vorigen Abend, um sich alle zu merken, mal ganz abgesehen davon, dass ihr Verstand mit Flüchen, fliegenden Büchern, wahnsinnigen Elfen und finsteren Ritualen auch ansonsten genug zu tun hatte), also erwiedert sie einfach sein „Guten Morgen!“.

Auf die Ermittlungen muß sie ihn gar nicht mehr ansprechen, er schiebt sie augenblicklich beiseite und beugt sich etwas zu ihr hinunter, um ihr im Flüsterton den Stand der Dinge noch einmal zusammenzufassen: >„Ich möchte zwar weiterhin so wie gestern Abend ausgemacht noch zu einer Schneiderei gehen, aber wir sollten auch noch die Gasthäuser durchsuchen, immerhin muss der Mörder ja auch schlafen und essen und wenn er in der Nacht des zweiten Mordes die Bardin im Grünen Aal gesehen hat, geht er vielleicht öfter dort ein und aus. Aber eben auch die anderen Gasthäuser sollten wir nicht außer acht lassen. Der Kupferkessel ist ja nicht weit von hier, danach können wir Richtung Grüner Aal gehen und auf dem Weg im Handwerkerviertel eine Schneiderei aufsuchen. Danach können wir noch zum Pfirsich hinüber laufen, wer weiß, sucht der Mörder auch wenn er nicht gerade Frauen zerstückelt weibliche Gesellschaft. Außerdem denke ich sollten wir herausfinden wo die Familie Aílin lebt und nachfragen ob vielleicht in der letzten Zeit ein Verrückter um ihr Haus schleicht.“<

Aisha ist zunächst etwas überrascht, dass er sie bereits so selbstverständlich mit in die Untersuchungen einbezieht, aber da sie fürchtet, er könne sich das anders überlegen, wenn er es bemerkt, stimmt sie ihm rasch zu und schickt sich auch gleich an, mit ihm gemeinsam das Gasthaus zu verlassen – um keine weitere Zeit zu verlieren, und vor allem: damit er gar nicht erst eine Gelegenheit bekommt, nun doch noch allein gehen zu wollen. „Also zuerst eine Schneiderei, dann die Gasthäuser?“

->(ja wohin nun, Schneiderei Lenach?)

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aurian am 03. Okt. 2008, 09:15 Uhr
<-- Der Marktplatz

Um die Mittagszeit

Im Inneren des Gasthauses herrscht wie immer dichtes Gedränge doch im hinteren Eck, verborgen vor allzu neugierigen Blicken, ist noch ein Tisch frei. Zu diesem dirigiert sie Jure und seine Freunde während si im Vorbeigehen Grid zuwinkt und ihr deutet, sie möge Essen für sie und ihre Gäste bringen. Gleichzeitig blickt sie sich suchend um. Sie will unbedingt mit Borgil reden und ihn bitten, ein Auge auf die drei Bengel zu haben. Irgendwie fühlt sie sich verantwortlich, denn ihrem Gefühl nach könne ein wenig Schutz den dreien nicht schaden…auch wenn die es nie zugeben würden.
Als schließlich das Essen vor ihnen steht, fallen die drei drüber her, als hätten sie seit Tages nichts mehr gegessen…ein Umstand der nicht zu sehr aus der Luft gegriffen ist. Obwohl es der Halbelbe unter den Fingern brennt, beherrscht sie sich, bis der erste Hunger gestillt ist. Dann aber wendet sch die Magierin erneut an Jure: „Du hast vorhin gesagt, du hast schon mehr Aufträge für den Herrn erledigt. Was war das denn alles?“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Erzähler... am 03. Okt. 2008, 13:37 Uhr
Die drei Jungen können ihr Glück kaum fassen, als Aurian sie allen Ernstes in die Goldene Harfe zum Mittagessen einlädt – keiner der drei kann sich auch nur entfernt daran erinnern, wann er die letzte warme Mahlzeit in einem Gasthaus eingenommen hat, so lange scheint dies schon her zu sein. Nachdem sie tatsächlich noch einen freien Tisch gefunden und sich dort, in einer stillen, ungestörten Ecke etwas abseits des mittäglichen Trubels niedergelassen haben, dauert es auch nicht lange, bis eine Schankmaid herbei geeilt kommt und ihnen zu essen und zu trinken bringt. Bald drängen sich auf der blankgescheuerten Tischplatte Teller, Schüsseln, Krüge und Brotkörbe, und die drei futtern, als ginge es um ihr Leben. Die junge Frau, die sie so großzügig eingeladen hat, sieht ihnen währenddessen nur ungeduldig zu und Jure kann ihr förmlich an der Nasenspitze ansehen, dass sie mit ihrer Fragerei noch lange nicht am Ende ist. Ein wenig unheimlich ist ihm die Frau schon, obwohl er nicht sagen könnte, warum. Sie macht einen schrecklich nervösen Eindruck und schon als sie den Marktplatz überquert hatten, hatte sie sich ständig umgesehen, so als hätte sie Angst, verfolgt zu werden. Und auch hier in der Wirtsstube lässt sie den Blick unablässig über die Gäste schweifen, und ihre grünen Augen sind wachsam wie die einer Katze.

Obwohl sie ihre Neugier offenbar kaum noch bezähmen kann, wartet sie, bis die drei Botenkinder ihr Mahl beendet haben und nur noch ein paar einsame Krümel auf ihren Tellern zurückgeblieben sind, bis sie den Faden wieder aufnimmt: >Du hast vorhin gesagt, du hast schon mehr Aufträge für den Herrn erledigt. Was war das denn alles?< will sie von Jure wissen. Während er mit einem Stück Brot die letzten Überreste des Eintopfs aus seiner Schale wischt, überlegt er angestrengt, welche Botengänge er für den hochgewachsenen Fremden schon unternommen hat. Es sind nicht wenige gewesen, an die er sich erinnert, denn er arbeitet schon eine ganze Weile für den vornehmen Herrn. "Das waren schon ziemlich viele", verkündet er. "Ich hab' schon oft für ihn gearbeitet. Zum ersten Mal im vergangenen Winter, glaub' ich, da hab' ich für ihn etwas abgeholt, in den Tausendwinkelgassen, in so einem Almichie-Laden oder wie das heißt. In den Tausendwinkelgassen war ich für ihn schon öfters, und einmal auch am Platz der Händler draußen, da musste ich jemandem eine Nachricht bringen. Und einmal hat er mich ins Larisgrün hinausgeschickt, zu einem alten Haus, das war vielleicht ein weiter Weg, kann ich dir sagen! Ich wüsste gar nich', ob ich da noch hinfinden würde, war ein ganzes Stück von der Stadt weg. Ganz verfallen war das, 'ne richtige Ruine, und ziemlich gruselig dazu. Wohnen kann da bestimmt keiner mehr. Aber als ich dort war, waren da auch Männer, die mit Fässern rumgemacht haben – keine Ahnung, was da drin war und wo sie die hingebracht haben ... aber sag mal, warum willst'n du das alles überhaupt wissen? Was ist an dem Kerl denn so wichtig?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Stormgrimm am 05. Okt. 2008, 18:25 Uhr
Ein ruhiger Morgen in der Speisekammer der Harfe. Nicht mehr als sechs oder sieben Bürger stillen, gut verteilt auf den ansonsten so überfüllten, und vom Vorabend noch etwas krümelübersäten Tischen ihren Durst und / oder ihren Hunger. Nur eine Schankmaid macht ihre kleinen Runden und nimmt die Wünsche mancher entgegen. Der Harfenwirt steht wie immer an seiner üblichen Position und es macht sogar den Eindruck, als würde er sich nie wegbewegen. Hastig schlürft Aegnor seine Brennsuppe, während er sich vorsichtig an seinem vernarbten Auge kratzt. Dabei richtet sich sein Blick, teils beabsichtigt, auf Lyall. Etwas beklommen sitzt sie wieder da, wird von so manch (eingebildeten) verachtenden Blicken erdrückt. Aegnor drückt beruhigend ihre Hand, während er aus seinem Metkrug trinkt. „Du kennst die Stadt schon etwas besser als ich. "Der Handel mit den Fellen hat mich in den Wald geführt, aber dich doch auf die Straßen nicht wahr? Nun, vielleicht sollte ich mich auch etwas tiefer in die Stadt wagen. Air do shlàinte!“sagt sie. "Vielleicht solltest du das tun, niemand wird mit dem Finger auf dich zeigen, du solltest dir darüber nicht allzu große Gedanken machen.", entgegnet er ihr, während er sich im Geiste den Kopf über die tamarischen Worte Lyalls Gedanken macht.

Sein Blick wendet sich von Lyall ab. Geistesabwesend blickt er in den Speiseraum. Ein leichter Dunst, der aus der oberen Etage zu kommen scheint, durchdringt alle Tischreihen in Form kleiner Schwaden. Feine Lichtstrahlen sorgen für ein gedämpftes, jedoch ausreichend helles Licht. Welch ein schöner Tag... Aegnor gibt einen leichten Seufzer von sich. Lyall duftet unvergleichlich...Sie verwirrt mich so sehr... Aegnor öffnet wortbereit den Mund, um seine unklaren Gedanken wieder zu bannen. "Ich denke wir sollten ein wenig durch die Straßen gehen, denkst du nicht auch?" Sich noch einmal an seiner Narbe kratzend, erhebt er sich, während er der umherwandernden Schankmaid einen Deut gibt und die Zeche auf dem Tisch lässt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lyall am 06. Okt. 2008, 12:01 Uhr
"Vielleicht solltest du das tun, niemand wird mit dem Finger auf dich zeigen, du solltest dir darüber nicht allzu große Gedanken machen." Leicht nickt sie Aegnor zu, sie selbst ist jedoch nicht so überzeugt und zuversichtlich wie er es scheint. Mit einer fließenden Handbewegung schiebt sie ihren leeren Teller von sich und stellt den ebenso leeren Krug hinein. Die Mahlzeit ist nahrhaft und reichlich gewesen und nun breitet sich ein nicht so leicht abzuschüttelndes Müdigkeitsgefühl in ihren Gliedern aus. Geistesabwesend schnipst sie einen Krümel vom Tisch und folgt seiner Flugbahn mit den Augen bis er unter einem der anderen Tische aus ihrem Sichtfeld verschwindet. Ihr Blick wandert wieder zu ihrem Gefährten, welcher mit glasigen Augen vor ihr am Tisch sitzt. Seine Gedanken scheinen sich an einem anderen Ort zu befinden und seine Augen schauen an ihr vorbei zum Treppenaufgang der Harfe. Kleine Falten bilden sich an seinem Augenlied als dieses kurz zuckt und als Reaktion darauf hebt er die Hand zum Auge um daran zu reiben. Erst jetzt fällt ihr die Narbe an seinem Augenrand auf. Es ist nicht so als hätte sie sie vorher nicht bemerkt, doch nun fragt sie sich zum ersten Mal woher diese alte Verletzung wohl stammt. Bevor sie jedoch das Wort an ihn richten kann, steht er ruckartig auf und winkt der Schankmaid zu. "Ich denke wir sollten ein wenig durch die Straßen gehen, denkst du nicht auch?" Münzen klirren leise als Aegnor sie auf den Tisch fallen lässt und sich hastig in Richtung Tür begibt.
Eine vom Tisch rollende Münze kann Lyall gerade noch auffangen als diese über die Tischkante gleitet. Lächelnd übergibt sie das glänzende Metall dem Schankmädchen, welches sich errötend bei ihr bedankt. Dann steht auch sie auf und folgt ihrem Begleiter zur Tür.
Licht flutet kurz den Schankraum und ein frischer Wind fegt um die Beine der Harfenbesucher.
Als sie aus dem Halbdunkel der Schenke ans Tageslicht tritt, muss sie kurz die Hand heben um ihre Augen etwas zu beschatten. Doch es dauert nicht lange, dann hat sie sich an die Helligkeit gewöhnt. Ihre pelzgefütterten Stiefel knirschen leise auf der Straße, vor ihr erstreckt sich der Marktplatz. Aufmerksam gleitet ihr Blick über die Fassaden der Häuser. Fast alle Gebäude sind in guten Zustand, nur an einzelnen bröckelt hier und dort der Putz ab. Ein Luftzug weht ihr eine Strähne ins Gesicht, welche sie gedankenverloren mit der Hand fortwischt. Ein kurzes Hüsteln ist zu hören. Aus dem Augenwinkel blickt sie kurz zu Aegnor herüber. Er schaut sie fragend an. Kurz seufzt Lyall, sieht sich auf dem großen Platz um. Ihre Gestalt strafft sich als sie Aegnor zunickt und in Richtung Mitte des Platzes schaut.
„Zeig mir wo du die Pelze immer verkaufst. Damit ich weiß wo ich dich finde, falls ich dich suchen sollte.„ Sie würde ihn finden, egal wo er sich aufhalten sollte. Die Verstärkung der Sinne als Wolf  überraschte sie immer wieder. Dagegen kommt ihr die menschliche Gestalt plump und taub vor, so gut wie nicht empfänglich für Gerüche oder feine Geräusche. Sie hatte einfach nur die Stille durchbrechen wollen welche sich zwischen ihnen ausgebreitet hat, als sie vor der Harfe standen. Kurz lächelt sie ihm zu während sie langsam den Marktplatz überqueren.


--- >  Der Marktplatz Talyras

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aurian am 08. Okt. 2008, 08:14 Uhr
Was Jure da noch zu erzählen hat, lässt Aurian fast die Luft anhalten. >Zum ersten Mal im vergangenen Winter, glaub' ich, da hab' ich für ihn etwas abgeholt, in den Tausendwinkelgassen, in so einem Almichie-Laden oder wie das heißt. In den Tausendwinkelgassen war ich für ihn schon öfters, und einmal auch am Platz der Händler draußen, da musste ich jemandem eine Nachricht bringen. Und einmal hat er mich ins Larisgrün hinausgeschickt, zu einem alten Haus, das war vielleicht ein weiter Weg, kann ich dir sagen! Ich wüsste gar nich', ob ich da noch hinfinden würde, war ein ganzes Stück von der Stadt weg. Ganz verfallen war das, 'ne richtige Ruine, und ziemlich gruselig dazu. Wohnen kann da bestimmt keiner mehr. Aber als ich dort war, waren da auch Männer, die mit Fässern rumgemacht haben – keine Ahnung, was da drin war und wo sie die hingebracht haben ...< Das waren einige Anhaltspunkte, vielleicht kämme man dem Täter so etwas näher. Jures Frage holt sie allerdings ziemlich schnell in die Realität zurück. >Was ist an dem Kerl denn so wichtig?< Was sollte sie jetzt sagen? Die Wahrheit? Der Commander hatte zwar Stillschweigen geboten aber Aurians Gefühl nach stecken der Junge und nun auch seine Freunde einfach zu tief drinnen.
Noch einmal sieht sie sich um. Nichts Auffälliges. Aurian sieht zu Borgil hinüber. Der Wirt steht hinter der Schank und scheint ihren Blick zu verstehen, denn der Zwerg nickt. Aurian sieht die Jungen an. „Kommt mit. Ich muss euch einiges sagen, aber nicht hier!“ Mit diesen Worten führt sie die drei ins Ermittlerzimmer. Hier sind sie sicher, jedenfalls relativ. Als die Tür hinter ihr ins Schloss fällt, lässt sie sich mit einem Seufzer auf einen der Stühle fallen. „Also, der Mann, für den du die Aufträge erledigt hast, steht im Verdacht, etwas mit den Morden in der Stadt zu tun zu haben. Wenn ich richtig liege, bist du in eine gefährliche Sache gerutscht Jure. Mit dem Kerl ist nicht zu spassen, wie du dir denken kannst. Jetzt weißt du auch, warum es so wichtig ist, dass du mir alles erzählst woran du dich erinnern kannst. Einfach alles! Ich verspreche dir, dass dir und deinen Freunden nichts geschehen wird. Aber wie vorher schon gesagt, du musst mir helfen. Also, diese Nachricht, an wen hast du die übergeben?“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Erzähler... am 09. Okt. 2008, 18:00 Uhr
Auf seine Frage hin, warum sie das alles wissen will, schaut Aurian sich schon wieder mit einem so gehetzten (und auch irgendwie ziemlich entsetzten) Blick um, als erwarte sie, dass jeden Moment ein getarnter Spion aus dem Wandschrank springen könnte. Sie wirkt so nervös, als würde sie am liebsten laut schreiend davonlaufen, und jetzt wird Jure die ganze Sache allmählich wirklich unheimlich. Wo sind er und die anderen Jungs da nur hineingeraten? Jetzt scheucht Aurian sie auch noch in ein verborgenes Zimmer, weit abseits vom Schankraum und von jeglichen Gästen. Dort angekommen, bricht sie förmlich auf einem der Stühle zusammen und gibt einen abgrundtiefen Seufzer von sich. Jure, Fäustl und Torik stehen derweil herum wie bestellt und nicht abgeholt, und haben keine Ahnung, was sie hier sollen, wozu diese Kammer dient, in der ein heilloses Durcheinander aus allerlei persönlichen Gegenständen, Schreibkram, Pergamenten, Karten und leeren Bechern und Krügen herrscht, und warum Aurian überhaupt so eine Geheimniskrämerei veranstaltet. Was sie den Botenkindern dann aber gleich darauf flüsternd und mit drängender Stimme offenbart, lässt die drei vor Schreck zusammenzucken und ihre Gesichter blass wie saure Milch werden: >Also, der Mann, für den du die Aufträge erledigt hast, steht im Verdacht, etwas mit den Morden in der Stadt zu tun zu haben. Wenn ich richtig liege, bist du in eine gefährliche Sache gerutscht Jure. Mit dem Kerl ist nicht zu spaßen, wie du dir denken kannst. Jetzt weißt du auch, warum es so wichtig ist, dass du mir alles erzählst woran du dich erinnern kannst. Einfach alles!<

Jure und seinen beiden Freunden rutscht das Herz nicht nur in die Hosen, sondern schnurstracks bis in die Fußsohlen. Morde? Gefährliche Sache? Meint sie am Ende wirklich diesen ... diesen ... diesen Mörder? Mein Auftraggeber ist wirklich und wahrhaftig dieser Frauenmörder? Götter steht mir bei! Da hatte er völlig ahnungslos Botengänge für diesen Kerl erledigt, während der junge Mädchen umgebracht hatte – der Junge erschauert vor Entsetzen von der Nasenspitze bis hinunter zu den schmutzigen Zehen. >Ich verspreche dir, dass dir und deinen Freunden nichts geschehen wird<, fährt Aurian eindringlich fort. >Aber wie vorher schon gesagt, du musst mir helfen. Also, diese Nachricht, an wen hast du die übergeben?< Jure ist so eingeschüchtert und verschreckt, dass er zuerst keinen Ton herausbringt. Er öffnet zwar den Mund, um etwas zu sagen, doch die Worte bleiben ihm im Hals stecken und er starrt Aurian nur mit großen Augen an. Es dauert einen Moment, bis er sich soweit gefasst hat, dass sein Verstand wieder halbwegs brauchbar funktioniert und er all die Erinnerungen hervorkramen kann. "Die Nachricht hab' ich einer Frau gegeben, draußen auf dem Platz der Händler. Die war von einer Karawane, hat die Esel dort versorgt. Der Herr hat mich hier auf dem Markt angesprochen und hat mir ein zusammengerolltes Pergament gegeben. Er hat gesagt, ich soll zum Platz der Händler gehen und dort nach der Mulitreiberin fragen. Ich wollt' wissen, wie sie heißt, aber da meinte er nur, das sei unwichtig, ich würde sie schon erkennen, weil sie grasgrüne Augen hätt'. Er hat mir ein ganzes Silberstück dafür gegeben, und dann bin ich losgelaufen und hab das Pergament abgegeben. Mehr war da nicht, und ich weiß auch nicht, was auf dem Pergament stand. Selbst wenn ich's hätt' sehen können ... ich kann ja nich' lesen."

Jetzt lässt Jure sich doch auf einen der Stühle sinken, denn seine Knie sind so wacklig wie weichgekochte Grütze. Torik und dem dicken Fäustl scheint es nicht viel besser zu gehen und auch sie lassen sich auf Schemeln nieder. "Ich weiß wirklich nich' mehr über die Frau", beteuert der Kleine, "das müsst Ihr mir glauben, Fräulein Aurian. Ich hab' sie auch nur ganz kurz gesehen, sie hat mich ja gleich wieder davongejagt. Ich weiß bloß noch, dass sie hässlich war wie die Nacht finster und dass ihre Haare ausgesehen haben wie das Stroh, auf dem ihre Esel gestanden hab'n. Und von den anderen Aufgaben hab' ich auch nich' wirklich was mitgekriegt", versucht er sich zu erinnern. "Ab und zu hab' ich für ihn was in der Tausendwinkelgasse abgeholt, hab' ich ja schon gesagt. Aber das waren wohl ganz normale Sachen, nichts Besonderes, glaub' ich, er hat mich da einfach zu verschiedenen Händlern geschickt, dort hab' ich Pakete abgeholt und ihm dann zur Brücke gebracht, weiter nichts, ehrlich! Und die Ruine im Wald, zu der würde ich nich' mal mehr hinfinden, so versteckt war das. Er hat's mir erklärt, erst ein Stück am Llarelon entlang und dann irgendwann nach Norden, aber das ist schon so lange her, war schon letzten Herbst.... ich weiß den Weg wirklich nich mehr', Fräulein Aurian. Und da war ja auch nichts Besonderes, nur Steine, ein eingefallener Turm und so altes Gerümpel. Ich bin da hin und hab dem einen von den Kerlen mit den Fässern einen verschnürten Beutel gegeben, und dann bin ich wieder abgehauen, weil es dort im Wald so unheimlich ist. Mehr weiß ich nich' mehr. Glaubt Ihr, der Herr wird uns jetzt ... wird uns jetzt ... töten?" Jures Stimme ist ganz piepsig, und Fäustl und Torik sagen sicherheitshalber überhaupt nichts mehr, doch ihre bleichen Gesichter sprechen Bände.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aurian am 10. Okt. 2008, 08:40 Uhr
Aurian tut es leid, die drei so erschreckt zu haben. Aber es gibt keine andere Möglichkeit. Als der Junge ihr aber offenbart, wem er das Dokument übergeben hat, zuckt die junge Magierin zusammen. Ein Puzzelstein scheint sich zum nächsten zu fügen. Mit einem Mal hat sie das Gefühl sie muss ersticken. „Bleibt hier!“ schärft sie den Jungen noch ein, ehe sie den Raum verlässt. Im Schankraum trifft sie auf Borgil, den sie bittet, ein Auge auf die drei zu haben und sie auf keinen Fall raus zu lassen. Zur Not soll er sie in eines der Zimmer sperren. Der Zwerg brummt irgendwas von wegen Kindermädchen für Rotzlümmel vor sich hin, nickt aber dann doch. Wenigstens ein Problem gelöst…fürs erste!
Aurian verlässt die Harfe und holt tief Luft. Mittlerweile ist es früher Nachmittag. Suchend blickt sie sich um. Soll sie zur Steinfaust gehen oder doch erst mit Besenreiser und dem Fischhändler sprechen?

--> Der Marktplatz

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 12. Okt. 2008, 20:16 Uhr
Die Harfe ist gut besucht an diesem sonnigen Grünglanztag, vor allem der Harfengarten vor dem altehrwürdigen Gasthaus von Meister Borgil, und sämtliche Mägde rennen wie die Hasen mit schweren Tabletts oder Bierhumpen aus und ein. Borgil steht hinter dem Tresen und zapft was das Zeug hält, Grid und ihre Helferschar brät, bäckt, brutzelt und kocht, dass die Küche nur so raucht, die Spüljungen flitzen umher und sammeln Geschirr ein oder verschwinden bis zu den Schultern in den Wannen mit dem heißen Seifenwasser... kurzum: der Laden brummt, wie man so schön sagt. Er hatte Aurian natürlich bemerkt, als diese mit den Straßenbengeln hier hereingeschneit war und sich dabei umgesehen hatte, als wäre der Leibhaftige hinter ihr her, aber dann hatte das Mädel die Botenkinder mit hinauf genommen, und da die Harfe dank Niniane und ihm selbst höchst sicher ist vor allen dunklen Mächten und irren Mördern, macht Borgil sich erst einmal keine Gedanken mehr. Wahrscheinlich verfolgt die kleine Truppmagierin irgendeine Spur und will nicht, dass man in der Schankstube davon etwas mitbekommt, vielleicht will sie den Jungs auch nur die Löffel lang ziehen oder sonst etwas. Er wird erst hellhörig, als Aurian nach einer Weile plötzlich wieder in der Schankstube auftaucht und ihn eindringlich bittet, auf die Jungen oben aufzupassen, sie nicht aus der Harfe zu lassen und sie notfalls sogar einzusperren. "Häh? Warum das denn, haben sie was angestellt?" Will er wissen, doch Aurian gibt keine Antwort, sondern eilt hinaus und Borgil kann nur schicksalsergeben nicken und seufzen, er hätte wirklich was Besseres zu tun, als für ein paar blöde Rotzgören den Aufpasser zu spielen. Wie viele waren das überhaupt? Zwei? Vier? Drei? Er hat keine Ahnung. Und jetzt sitzen sie oben und tatschen mit ihren dreckigen Schmutzfingern bestimmt die frisch geweißten Wände an, bohren in der Nase und pissen in die Blumenkübel, weil sie noch nie einen Abtritt von innen gesehen haben!

"Byfandarryachyislinn! Na schön! Verschwinde, ich sorge schon dafür, dass sie hier bleiben..." Er hofft nur, dass Azra die drei - oder waren es doch zwei? Oder einer mehr? - Kinder nicht zu Gesicht bekommt, sonst hätte er noch ein paar Mäuler mehr zu stopfen. Vorerst kommt Borgil jedoch zu gar nichts außer dem Zapfen von schätzungsweise drei Dutzend Krügen Verder Kupfer und Verder Dunkel auf einmal, denn seine Schankmägde schießen Bestellungen auf ihn ab wie Erbsen aus einem Blasrohr. Und als er ein paar Augenblicke später endlich nach den Jungen in der Kammer der Ermittler sehen will, bricht draußen am Marktplatz das reinste Hölleninferno los - dem Krach und Geschrei nach zu urteilen jedenfalls, die ins Gasthaus dringen. Borgil lässt alles stehen und liegen und drängt ins Freie, so wie alles andere, das Beine hat und auch wenn sie dank der Entfernung fast nichts sehen, es spricht sich rasch bis zur Harfe herum, dass ein Pferdefuhrwerk vollkommen grundlos durchgegangen war und am nördlichen Marktplatz oben für eitel Chaos und Zerstörung gesorgt hatte. Beklagenswerterweise gab es auch eine Tote und zwei Dutzend niedergetrampelte Schafe - und eine Menge Aufruhr obendrein. Bis Borgil wieder in sein Gasthaus kommt vergeht somit eine ganze Weile, bis ihm ob all des Durcheinanders die Jungen wieder einfallen noch einmal ein Moment und bis er nach ihnen sehen kann ein weiterer - dass klein Jure Aurian hinterher gerannt war, um ihr noch etwas zu sagen und nun mit ihr verschwunden ist (und bleibt), fällt dem Zwergen also erst auf, als es längst zu spät ist. (Doch an eine Entführung denken weder er, noch die anderen beiden Jungen).

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lilith am 19. Okt. 2008, 14:04 Uhr
--> Steinfaust

Hm…Tiuri und Aisha wollten doch in diese Schneiderei gehen…wo war die nochmals? In Gedanken eilt Lilith durch die Strassen der Stadt, bis ihr in den Sinn kommt, dass die Schneiderei im Handwerkerviertel liegt. Sie biegt um die nächste Ecke und marschiert mit fliegenden Roben durch die Gassen. Viele Leute tummeln sich um diese Tageszeit in den auf dem Platz und den Strassen der Handwerker und die Magierin drängt sich mit etwas genervtem Gesichtsausdruck an den Ständen und Leuten vorbei. Gerade will sie jemanden fragen, wo diese Schneiderei ist, als sie Tiuris wuschligen Haarschopf in der Menge erblickt. Was für ein Glück das der Junge so riesig ist. Die Feuermagierin geht weiter, bis sie zu Tiuri und Aisha gelangt und zupft kurz am Ärmel von Borgils Ziehsohn. „Hallo ihr zwei.“ Sie begrüsst die Beiden mit einem leichten Lächeln und nickt ihnen freundlich zu. „Kommt, wir müssen uns alle in der Harfe treffen. Es gibt etwas Neues….zu Essen dort.“ Sie verdreht ein wenig die Augen, schaut dann aber bedeutungsvoll und geht den beiden voraus in Richtung Harfe.

Jetzt fehlen nur noch Kaney, Sayila, Frey und Aurian. Faron, Shin und Armarius wissen, dass sie in die Harfe kommen sollen. Lilith eilt mit grossen Schritten weiter und so erreichen sie in kurzer Zeit den Marktplatz. Was sie dort erwartet, lässt die drei sofort verstummen. Geschockt schaut sich Lilith das Chaos an; die zerstörten Stände, die toten Schafe, welche nur noch aussehen wie blutrote, wollige Bälle und sie sieht gerade, wie eine Tote abtransportiert wird. „Bei den neuen Höllen! Was ist denn hier passiert?“ Schnell bringen sie in Erfahrung, dass ein Pferdefuhrwerk grundlos durchgebrannt ist und zwei Leute und einige Schafe in den Tot gerissen hat. Plötzlich taucht Kaney neben ihnen auf, etwas ramponiert aussehend und Lilith informiert ihn ebenfalls in die Harfe zu kommen, wenn er mit seiner Arbeit fertig ist. Die Feuermagierin bahnt sich einen Weg durch die Menschenmasse und die Trümmerhaufen, bis sie in die Harfe gelangt, welche nur so Summt und Brummt vor lauter Geschwätz.

Müde schleppt sich Lilith zum Ermittlerraum, in welchem schon Frey wartet und setzt sich mit einem Seufzer hin. Sie wischt sich ein paar Schweissperlen aus dem Gesicht und trinkt erst einmal einen Schluck Met, welcher in irdenen Tassen auf dem Tisch steht. „Frey, weiss du wo Sayila und Aurian sind?“ Der gutaussehende Mann nickt, kramt eine Nachricht hervor und legt sie auf den Tisch. „Sayila wird ausfallen für einen Moment. Wie es aussieht, ist sie eine Weile ans Bett gefesselt. Von Aurian hingegen habe ich nicht gehört.“ Lilith nickt mit düsterer Mine und liest kurz die Nachricht durch, welche mit krakeliger Handschrift auf ein Stück Pergament gekritzelt ist. „Na wunderbar…gerade in dem Moment wenn wir die Leute brauchen, werden sie krank.“ Murmelt sie wütend und trinkt einen weiteren Schluck aus ihrer Tasse.  

Gedankenverloren spielt Lilith mit dem Medaillon, welches glänzend auf ihrer weissen Haut liegt und in allen Farben der Sonne schimmert. Sie bemerkt gar nicht, wie nach und nach auch der Rest der Truppe herein kommt, bis nur noch Shin, Aurian und Armarius fehlen.  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aishalanea am 20. Okt. 2008, 00:04 Uhr
Schneiderei Lenach -->

Als die drei allerdings zum Marktplatz kommen, empfängt sie dort das reine Chaos. Zertrümmerte Stände, tote Tiere, ein umgestürztes Fuhrwerk… überall stehen Marktfrauen, Händler und Passanten in aufgeregt schnatternden Grüppchen beisammen, und einige Blaumäntel transportieren auf einer Trage eine mit einem Laken verdeckte Gestalt ab.
>„Bei den neuen Höllen! Was ist denn hier passiert?“<
Lilith spricht aus, was sie sich alle fragen – nun doch ein neuer Mord, vielleicht, aber warum sieht dann der Marktplatz aus, als hätte sich wieder ein Rudel Höllenhunde hier ausgetobt?

Es ist nicht schwer, einen Obsthändler zu finden, der nur zu bereitwillig erzählt, wie das Pferdefuhrwerk grundlos durchgegangen ist, und der die Geschichte wohl auch noch mit fantasievollen Details und effektvollen Pausen angereichert hätte, wenn ihn nicht Liliths eisiger Blick eines Besseren belehrt hätte. Kurz darauf treffen sie dann auch auf einen reichlich ramponierten Hauptmann Kaney, der ihnen verspricht, in die Harfe nachzukommen, sobald er seine Pflichten hier erfüllt hat.

Im Ermittlerraum der Harfe erwartet sie bisher nur Frey, sowie die schlechte Nachricht, dass Sayila durch eine Grippe in nächster Zeit erst einmal ausfällt. Während sie warten und Met trinken, trudeln nach und nach auch die meisten übrigen Ermittler ein, doch einige lassen auf sich warten…

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 20. Okt. 2008, 19:59 Uhr
<---- Schneiderei Lenach

Sie sind noch gar nicht so weit gekommen, dass Tiuri auch nur seinen Vorschlag anbringen kann sich dieses Haus doch gleich einmal näher anzusehen, da werden sie plötzlich von Lilith aufgegabelt. Die davon spricht, dass es etwas neues zu Essen in der Goldenen Harfe für sie gibt. Natürlich weiß er, dass es hier nicht wirklich ums Essen geht, aber wenn sie sich nun ohnehin in die Richtung aufmachen und nun auch schon zu dritt sind, könnten sie doch gleich dieses Haus ansehen. Mit den verschiedensten Essensmetaphern versucht er die beiden Frauen davon zu überzeugen ihm zu der vermeintlich unterirdischen Schmiede zu begeben, was nicht nur nicht einfach ist, sondern auch völlig fehlschlägt… „Könnte… ungenießbar sein!“
Schließlich fügt er sich seinem Schicksal, zumal der Befehl zum Essen scheinbar vom Lord Commander höchst persönlich kommt. Im Vorbeigehen sehen sie sich das Häuschen natürlich unauffällig an, ohne stehenzubleiben, aber etwas Besonderes kann Tiuri auf den ersten Blick nicht entdecken.
Am Marktplatz angekommen überrascht sie das Chaos. Stände sind gewaltsam in ihre Einzelteile zerlegt worden und liegen jetzt quer über dem Marktplatz verteilt. Tierkadaver und Blutlacken bilden als makabere Farbtupfer Abwechslung. Am Rande des Platzes sieht Tiuri gerade noch wie zwei Blaumäntel eine mit einem Leichentuch verdeckte Person aus dem Gewirr tragen. Der ganze Platz ist in Aufruhr, aber es fällt ihnen nicht schwer jemand dazu zu bringen ihnen zu erzählen was gerade hier vorgefallen ist. In Tiuris Kopf spielen sich die Erinnerungen an den Dämonenangriff nacheinander ab und er ist mehr als überrascht als sie erfahren, dass es sich hier „nur“ um die Folgen eines durchgehenden Pferdegespanns handelt. Die Tatsache allerdings, dass sich niemand auch nur im Ansatz erklären kann was die Pferde dazu gebracht hat plötzlich durchzudrehen macht ihn doch etwas stutzig. Da aber sonst scheinbar nichts Auffälliges passiert ist, folgt er den beiden Frauen und Kaney der eben zu ihnen stößt, in die Räume der Goldenen Harfe, wo auch schon Frey vom Hafen zurück gekehrt ist. Mit dem Erzählen ihrer neuen Erkenntnisse wartet Tiuri noch auf die fehlenden Ermittler.


Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Faron am 21. Okt. 2008, 08:22 Uhr
« Der Sithech-Hain
~ 20. Grünglanz 508 d5Z ~

Auf schnellstem Wege begibt sich Faron zur Goldenen Harfe – Klagwehs penetrantes Gezetter immer noch im Ohr. Dem hutzeligen Männlein kann man es einfach nicht Recht machen, einfach weil es das nicht will. Der Faun hat den nicht unbegründeten Verdacht, dass der Totengräber nur dann glücklich ist, wenn er nach Herzenslust zetern, meckern, schimpfen und den Anschein größten Ach und Wehs verbreiten kann. Krötenaug tut dem Faun aufrichtig leid, während er zum Marktplatz unterwegs ist, beschäftigen ihn allerdings andere Sorgen. Immerhin, der Verdacht, die begrabenen Herzen könnten aus den Ruhestätten der Mordopfer entfernt worden sein, hat sich nicht bestätigt, aber die sterblichen Überreste Diardra Ailíns ruhen eindeutig nicht mehr dort, wo sie ruhen sollten – und das ist bei weitem schlimm genug.
Grübelnd hastet Faron durch die Straßen. Bleibt nur die Frage, wann ihre Gebeine aus dem Sarkophag entfernt wurden, überlegt er. Der Faun kann nicht umhin sich einzugestehen, dass der Gedanke, die Tote könnte zu Klagwehs Dienstzeiten vom Sithech-Hain „entwendet“  worden sein, in ihm ein für ihn sonst eher untypisches Gefühl der Schadenfreude weckt, aber wenn man die Angelegenheit ganz realistisch betrachtet, dann könnten Diardras Gebeine wer-weiß-wann aus ihrem Grab geholt worden sein, und das muss nicht erst gestern oder vor ein paar Tagen gewesen sein. Wenn es sich bei dem Nekromaten, dem sie offenbar auf der Spur sind, tatsächlich um Diardras einstigen Verlobten handelt, dann sind die Ereignisse der letzten Zeit ohnehin von seeehr langer Hand geplant worden. Und nach allem was Faron mittlerweile weiß, traut er dem Kerl mittlerweile so ziemlich alles zu – auch, sich Hunderte von Jahren Abend für Abend neben den bleichen Gebeinen seiner Toten Geliebten zur Ruhe zu betten. Bei dieser Vorstellung verzieht er angewidert das Gesicht. Da lob' ich mir doch unsere Feuerbestattungen ..., sagt er sich und überquert eilends den Markt.

Es geht bereist auf den Abend zu, als Faron sich der Goldenen Harfe nähert, weshalb er von dem Chaos, welches zur Mittagszeit auf dem Marktplatz geherrscht hat, nicht mehr viel zu sehen bekommt. Hier und dort sind noch ein paar Leute damit beschäftigt, wieder Ordnung zu schaffen, aber viel ist längst nicht mehr zu sehen, sodass Faron sich keine großen Gedanken macht, als er das Gasthaus am Marktplatz schließlich betritt und die Kammer aufsucht, in der sich die mittlerweile arg zusammengeschrumpfte Ermittlertruppe nach wie vor trifft.
Allem Anschein ist er der letzte, auf den die Versammelten gewartet haben, er sieht Lilith, Aishalairgendwas, Tiuri, Frey und Kaney, wird darüber informiert das Lady Shin offenbar unglücklich gestürzt und die Schmiedin ernsthaft erkrankt ist und fragt sich schließlich, wo eigentlich Aurian abgeblieben ist. Fragend schaut er in die Runde, den Lederbeutel mit dem Brautschuh, hält er dabei ungeöffnet in den Händen und nimmt ihn gedankenverloren von einer Hand in die andere.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kaney am 22. Okt. 2008, 19:50 Uhr
Die Ereignisse auf dem Markt sind seltsam. Angeblich hat niemand gesehen, was die Pferde in eine solche Panik versetzt hat.
Aber nunja, es sind Pferde, wer weiß schon warum die austicken..., sind die einzigen Gedanken des Wargenmischlings dazu, seine Abneigung gegen die Huftiere hält ihn davon ab sich noch mehr Gedanken über die Tiere zu machen... aber dafür denkt er noch an die Auswirkungen des Durchgehens nach.
Es war wirklich tragisch...

Der Hauptmann der Späher hatte sich zunächst einen Überblick verschafft, hatte mit seinen Blaumänteln gesprochen, aber nachdem fest stand dass er nicht weiter helfen kann, war er zu den anderen in die Goldene Harfe gegangen.
Die Stimmung ist gedrückt. Einmal durch den Vorfall draußen auf dem Marktplatz, dann durch die Nachricht, dass Sayila durch eine Grippe erst einmal flach gelegt war, dazu wurden die Ermittler ungeduldig, immerhin fehlten Mistress Shin, der Alchemist und auch von Aurian ist noch nichts zu sehen...
"Götter,wo bleiben sie nur?" flucht Kaney herum, als genau in dem Moment ein Botenmädchen der Steinfaust hereinstürmt und mit hektischen Sätzen berichtet, dass Mistress Shin in der Steinfaust gestürzt ist, sich wohl mehrere Knochen gebrochen hat (so genau ist sich das Mädchen nicht sicher), und von Maester Ballabar zu strenger Bettruhe verdonnert worden ist. Und, fügt das Mädchen noch schnell hinzu, Maester Amarius ist irgendwo in den Bibliotheken verschwunden, um irgendeiner Spur dort nachzugehen, und dass er später auf die Ermittler stößt, wenn er fertig ist, die anderen sollen nicht auf ihn warten, sondern alleine weitermachen.

Fehlt nur noch Aurian.
Und die Zeit vergeht weiter, unaufhörlich...
Die Ermittler teilen zwar schon die Informationen aus, die sie in der Zwischenzeit gesammelt haben, aber sie sind doch ziemlich neugierig, was Aurian so herausgefunden hat...
Wo bleibt sie nur? Sie kann doch nicht den ganzen Tag herumlaufen, um mit diesen Botenburschen zu sprechen... grübelt Kaney nach, während er so langsam nervös werdend mit seinen Fingern auf seinem Oberschenkel herumtippt...
Hoffentlich ist ihr nichts geschehen? Nicht dass sie...
Mit Schrecken muss Kaney daran denken, dass Aurian vielleicht auf dem Marktplatz gewesen ist, als die Pferde durchgegangen sind, dass sie vielleicht unter die Hufe der Tiere gekommen ist... aber nein, dass kann nicht sein. Die Blaumäntel, die sich um das Chaos gekümmert haben, haben ihm erzählt, dass nur eine Frau umgekommen ist, eine Gewürzhändlerin, und keine Magierin der Steinfaust.
"Aurian weiß doch, dass wir uns hier treffen wollten, oder?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 23. Okt. 2008, 11:06 Uhr
>Aurian weiß doch, dass wir uns hier treffen wollten, oder?<
Diesen Satz Kaneys bekommt Borgil gerade noch mit, als er den Nebenraum betritt, den er der Ermittlertruppe zur Verfügung gestellt hatte. Er hatte sie nach und nach alle in der Harfe eintrudeln sehen, die meisten von ihnen im Schankraum schon mit einem kurzen Nicken begrüßt, war aber einfach nicht dazu gekommen, auch nur ein Wort mit ihnen zu wechseln, denn die Harfe ist mittlerweile sogar noch besser besucht, als heute Mittag. Schließlich muss man das Unglück mit dem durchgegangenen Pferdegespann lang und breit erzählen, wiederholen, ausschmücken, durchkauen und noch mal erzählen (nur falls es irgendjemand noch nicht gehört hat) und jede Mogbarmagd, jeder Spüljunge, jede Schankmaid und sämtliche Küchenhelfer samt allen Köchen sind daher am Schnaufen und Rennen um der Lage Herr zu werden. Dennoch hat Borgil sich in dem ganzen Tohuwabohu dieses dreimal verfluchten Tages von seinem Tresen losgerissen, um nach den Ermittlern zu sehen, die alle mit bierernsten und gewichtigen Mienen hereinmarschiert waren und ausgesehen hatten, als läge ihnen allen mehr oder minder Wichtiges auf der Zunge. Außerdem sollte er vielleicht von Aurian und den Jungen zu erzählen, wo immer die kleine Magierin so eilig hin verschwunden ist - und er kommt just im rechten Augenblick, wie es scheint.
"Ah... Aurian war schon hier," brummt er. "Heute Mittag schon. Aber nur für eine Schrecksekunde. Hat mir ein paar Lümmel von Botenkindern da gelassen, die sich jetzt durch meine Speisekammer fressen wie die Maden durch den Speck, und auf die ich aufpassen soll, und ist gleich wieder auf und davon - mitsamt einem von den Bengeln, der ihr nach ist, weil er vergessen hatte, ihr etwas zu sagen, warum?" Fragend blickt Borgil in die Runde und sieht in angespannte Gesichter. "Herrje... ihr seht aus, als würdet ihr alle gleich platzen, wisst ihr das?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Faron am 23. Okt. 2008, 12:30 Uhr
Während die kleine Truppe auf Aurian wartet, berichtet Faron von seinen Untersuchungen auf dem Knochenacker. „Das Grab von Diardra Ailín war leer, wann ihre sterblichen Überreste entfernt wurden, ist nicht klar. Gestern, vor einem Siebentag, einem Mond oder vor wer weiß wie vielen Götterläufen.“ Der Oberste Stallmeister zuckt die Achseln. „Wie auch immer. Außer ein paar Leichentüchern und Totenkissen haben wir nichts gefunden ... ach, abgesehen von dem hier.“ Er hebt den Beutel, den er noch immer in Händen hält und wendet sich Aishalanea und Tiuri zu. „Hier, Tiuri – fang!“ Mit einem gezielten Wurf schmeißt er den Lederbeutel zu dem jungen Mann hinüber. „Ihr zwei wart doch in der Schneiderei Lenach, womöglich könnt ihr damit ja etwas anfangen – ein einzelner Schuh.“ Nachdem der lederne Beutel geöffnet ist, können sich alle von diesen Worten überzeugen: Zum Vorschein kommt ein altmodischer, silberbestickter Brautschuh, der ein wenig muffig nach kaltem Knochenackersarkophag riecht, merklich vom Zahn der Zeit angenagt ist – und vielleicht auch noch von etwas anderem. „Die Gräber unserer Mordopfer wurden glücklicherweise nicht angerührt“, merkt der Faun zu guter Letzt noch an und schaut dann in die Runde in der er nur sorgenvolle Gesichter erblicken kann.

Die Abwesenheit der kleinen Gardemagierin scheint die Anwesenden im Augenblick mehr zu beschäftigen, als  die verschwundenen Gebeine von Diardra Ailín. Immerhin ist die bereits seit einigen Götterläufen tot und ihre Überreste können wer weiß wann aus dem Steinsarkophag auf dem Knochenacker entfernt worden sein. Aurian hingegen ist jetzt verschwunden – und sie ist eine aus ihrer Mitte.
Schließlich ist es Kaney, der ausspricht, was sich alle schon insgeheim so oder so ähnlich fragen: »Aurian weiß doch, dass wir uns hier treffen wollten, oder?« Stummes Nicken ist die Antwort, als sich plötzlich die Tür öffnet und der Harfenwirt die Kammer betritt. »Ah ... Aurian war schon hier«, erklärt er, ganz offensichtlich hat er Kaneys Frage ebenfalls mitbekommen. »Heute Mittag schon. Aber nur für eine Schrecksekunde. Hat mir ein paar Lümmel von Botenkindern da gelassen, die sich jetzt durch meine Speisekammer fressen wie die Maden durch den Speck, und auf die ich aufpassen soll, und ist gleich wieder auf und davon - mitsamt einem von den Bengeln, der ihr nach ist, weil er vergessen hatte, ihr etwas zu sagen, warum?« Die Ermittler wechseln hastig ein paar besorgte Blicke. „Hat sie eine Nachricht da gelassen oder zumindest gesagt, wo sie hin wollte?“, erkundigt sich Faron schließlich. „Eigentlich sollte sie nur mit diesen _Lümmeln_ reden, mehr nicht.“ Der Faun runzelt die Stirn. „Vielleicht können uns die Botenkinder ja sagen, wo Aurian und ihr Freund hin sind“, brummt er und sieht erst Borgil und dann Kaney an.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 24. Okt. 2008, 11:40 Uhr
Nach einiger Zeit sitzt die plötzlich allzu kleine Ermittlergruppe immer noch in ihrem Zimmer in der Goldenen Harfe und wartet. Zwei der Leute fallen bei ihrer Suche weitgehend aus, während Amarius scheinbar etwas Wichtigeres zu tun hat, als sich mit ihnen über die neuesten Ereignisse auszutauschen. Mit deutlich widergespiegeltem Ekel hört sich Tiuri Farons Bericht darüber an was er auf dem Sithechacker erlebt hat. Der Verrückte sammelt also nicht nur frische Leichenteile, er hat auch ein hundert Jahre altes Skelett daheim versteckt. Was ihm allerdings nicht klar ist, wofür, außer für die Befriedigung seiner Perversion, der Mörder die Leiche von Diardra behält, wenn er doch scheinbar vorhat sich eine neue Braut zu bauen. Er fängt den Beutel den Faron ihm zu wirft und holt einen modrigen, alten, mit Silberborten bestickten Schuh hervor und dreht ihn einige Male in seinen Händen. Er ist zwar in der Schneiderei gewesen, aber deswegen ist er jetzt noch lange kein Spezialist für Stoffe. Das ist nachdem was wir so erfahren haben auch kaum noch notwendig, immerhin wissen wir von einem ganzen Hochzeitskleid, da ist ein Schuh selbst wenn er aus dem gleichen Material hergestellt worden ist nur noch ein kleiner Hinweis.
Er will gerade ansetzen zu erzählen was sie heraus gefunden haben, als Kaney ihm zuvor kommt und in die Runde fragt ob sie sich sicher sind, dass Aurian auch weiß, dass sie sich hier treffen wollen. In ziemlich genau diesem Augenblick betritt Borgil den Raum und erzählt in seinem tiefen Bass, dass Aurian heute Mittag schon hier war und danach gleich wieder mit einem der Botenjungen verschwunden ist.
Sie hat ihn also tatsächlich gefunden, aber was hat sie erfahren, dass sie gleich wieder alleine los gegangen ist?
>Herrje... ihr seht aus, als würdet ihr alle gleich platzen, wisst ihr das?< Tiuris Antwort ist ein leises Grunzen, denn er blickt nun schon seit einiger Zeit in die sorgenvollen Gesichter und er kann sich schon denken, dass auch er nicht anders drein schaut und sich irgendwann die steile Sorgenfalte auf seiner Stirn in seine täglichen Gesichtszüge einbrennen wird.
Aber die Spannung in ihnen steigt noch etwas an als Faron feststellt, dass Aurian ja eigentlich nur mit den Botenjungen hätte sprechen sollen und als Borgil auch noch verneint was eine eventuelle Nachricht von der Magierin betrifft.
„Ich denke auch, dass wir die Botenjungen sprechen sollten, wer weiß was sie Aurian erzählt haben, so dass sie gleich auf und davon ist. Außerdem solltet ihr vorher noch hören was wir so raus gefunden haben. Wir hatten ziemliches Glück, dass wir gerade in der Schneiderei Lenach gelandet sind, denn als wir nach diesen speziellen Stoffen gefragt haben, hat die Gehilfin dort erzählt, dass sie gerade erst ein Hochzeitskleid daraus angefertigt haben, dass der Kunde niemals seine Braut zu einer Anprobe gebracht hat und dafür wollte, dass sehr alte Borten auf das Kleid genäht werden. Aber und das war dann doch wenig überraschend, sie kann sich nicht mehr an das Gesicht des Kunden erinnern. Sie hat das Kleid aber selbst an einen vereinbarten Treffpunkt geliefert, ein kleines Haus, das früher wohl mal eine Schmiede gewesen sein soll, die einem Zwerg mit einer Silberhand gehört hat und die wohl ein unterirdisches Labyrinth verdeckt.“ Mit diesen Worten wendet er seinen Blick hauptsächlich an Borgil dem er immer noch locker zutraut einfach alles zu wissen was es über Talyra so zu wissen gibt. „Hast du davon schon gehört?“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 25. Okt. 2008, 20:12 Uhr
>Hat sie eine Nachricht da gelassen oder zumindest gesagt, wo sie hin wollte?< Will der Faun besorgt wissen und fügt noch grummelnd hinzu: >Eigentlich sollte sie nur mit diesen _Lümmeln_ reden, mehr nicht. Vielleicht können uns die Botenkinder ja sagen, wo Aurian und ihr Freund hin sind...<
Borgil schüttelt den Kopf und öffnet den Mund, um etwas zu erwidern, doch Tiuri ist schneller - und platzt auch gleich mit allem heraus, was Aishalanea und er selbst in der Schneiderei herausgefunden hatten, so dass Borgil wieder nicht zu einer Antwort kommt. >Ich denke auch, dass wir die Botenjungen sprechen sollten, wer weiß was sie Aurian erzählt haben, so dass sie gleich auf und davon ist. Außerdem solltet ihr vorher noch hören was wir so raus gefunden haben. Wir hatten ziemliches Glück, dass wir gerade in der Schneiderei Lenach gelandet sind, denn als wir nach diesen speziellen Stoffen gefragt haben, hat die Gehilfin dort erzählt, dass sie gerade erst ein Hochzeitskleid daraus angefertigt haben, dass der Kunde niemals seine Braut zu einer Anprobe gebracht hat und dafür wollte, dass sehr alte Borten auf das Kleid genäht werden. Aber und das war dann doch wenig überraschend, sie kann sich nicht mehr an das Gesicht des Kunden erinnern. Sie hat das Kleid aber selbst an einen vereinbarten Treffpunkt geliefert, ein kleines Haus, das früher wohl mal eine Schmiede gewesen sein soll, die einem Zwerg mit einer Silberhand gehört hat und die wohl ein unterirdisches Labyrinth verdeckt,< rattert er in Höchstgeschwindigkeit herunter und blinzelt dann hoffnungsvoll wie ein hungriges Käuzchen seinen zwergischen Ziehvater an. >Hast du davon schon gehört?<
"Hmph," macht Borgil. Er versteht zwar wirklich nicht gerade viel von dem, was Tiuri da von Kleidern, Borten und vergesslichen Schneidereigehilfinnen faselt, aber er weiß wenigstens sofort welches Haus und welcher Zwerg gemeint sein müssen. "Natürlich," erwidert Borgil also im Brustton der Überzeugung. "Der Zwerg ist niemand anderes als Sol der Schmied und das Haus seine alte Felsenschmiede. Stand eine ganze Weile leer, wurde aber im letzten Herbst wieder verpachtet - jedenfalls war das das letzte, das ich gehört hatte, ich weiß aber nicht an wen. Oberirdisch ist es ein sehr kleines Haus, kann nicht mehr als ein Raum sein... alles andere, und das ist kein Labyrinth, mein Junge, sondern eine zwergische Schmiede, liegt unter der Erde. Ich war aber nie dort, als Sol noch in Talyra gelebt hat und kenne es selbst nur vom Hörensagen. Aber zurück zu Aurian - mit den beiden Jungen reden zu wollen könnt ihr euch sparen, das habe ich schon getan. Sie wissen nicht viel, und warum Aurian und ihr Kumpel dieser Juri... oder Jure oder so ähnlich... auf und davon sind, wissen sie erst recht nicht. Aber sie haben eine Heidenangst, dass euer Schwarzer Mann sie holt, das kann ich euch sagen," fügt Borgil schnaubend hinzu. "Sie bestehen darauf, hierzu bleiben, weil Aurian ihnen angeblich Schutz versprochen hat. Kann mir mal jemand erklären, was das zu bedeuten hat, hä?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lilith am 29. Okt. 2008, 11:40 Uhr
Lilith hört sich ruhig die Erklärungen der anderen an, macht einige Notizen und verbindet in Gedanken, die einen Puzzelteile mit den anderen. So langsam aber sicher scheint das Ganze einen Sinn zu ergeben… Ihre Gedanken werden von der polternden Stimme des Zwergenwirts unterbrochen und sie blickt Borgil interessiert an, während dieser über die Schmiede und Aurian spricht. Na was für ein Zufall, dass die Schmiede wieder verpachtet wurde. Ist sicherlich ein praktisches Versteck so eine Zwergenschmiede. >“Sie bestehen darauf, hierzu bleiben, weil Aurian ihnen angeblich Schutz versprochen hat. Kann mir mal jemand erklären, was das zu bedeuten hat, hä?“< Lilith nickt langsam und seufzt dann. „Ich nehme an, dass Aurian den Boten des Buches gefunden hat und ihm so einiges entlocken konnte. Was genau, ist die Frage…. Vielleicht hat sie den Kindern gesagt, dass sie in Gefahr sind und deswegen wollen die Rotzbengel jetzt hier bleiben… naja wohl sicherlich auch wegen Eurer wohlgefüllten Speisekammer.“ Meint sie mit einem verschmitzten Blick zu Borgil.


„Wir können jetzt davon ausgehen, dass es sich beim Mörder wohl um den Elben handelt, der seine Verlobte aus Körperteilen, welche ihr ähneln, herstellen will. Vielleicht besitzt er einen Seelenstein und kann so den Körper beseelen.“ Bei diesen Worten wirft die Magierin einen Blick zu Borgil, da sie mit diesem ja bereits diese Theorie angesprochen hatte. „Ausserdem hat er ihr ein Hochzeitskleid anfertigen lassen und dieses zu dieser Schmiede bringen lassen. Er benutzt wohl einen Zauber, der nichtmagisch begabte Leute sein Gesicht vergessen lässt und trägt auch noch diesen vermaledeiten Umhang. Irgenwo an ihm baumelt vielleicht auch noch ein Seelenstein in der Grösse eines Taubeneis“ Die Magierin schaut in die Gruppe und verdreht leicht die Augen. „Nun, es scheint so, als würden wir dem Täter langsam aber sicher auf die Spur kommen. Wir sollten jetzt aber genau unsere nächsten Schritte planen. Ich denke wir sind ihm jetzt gefährlich nahe und ich nehme an, dass er es bereits weiss.“ Angst leuchtet kurz in den smaragdgrünen Augen der Feuermagierin auf und sie fingert nervös an ihrer neuen Halskette herum. „Wir müssen dringend Aurian finden, sie muss uns die fehlenden Informationen geben können, falls die Botenjungen wirklich nichts über das Gespräch zwischen ihr und diesem anderen Kind wissen. Ausserdem brauchen wir ihre Hilfe ganz dringend, falls wir dem Nekromanten gegenübertreten müssen. Eine Magiern mehr kann nicht schaden, bei den ganzen Ausfällen die wir momentan haben.“  Fragend schaut Lilith in die Runde und wartet darauf, welche Ideen ihre Freunde haben.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Faron am 31. Okt. 2008, 17:02 Uhr
Statt Kaney ist es schließlich Tiuri, der auf Farons Feststellung reagiert und erklärt: »Ich denke auch, dass wir die Botenjungen sprechen sollten, wer weiß was sie Aurian erzählt haben, so dass sie gleich auf und davon ist. Außerdem solltet ihr vorher noch hören was wir so raus gefunden haben. Wir hatten ziemliches Glück, dass wir gerade in der Schneiderei Lenach gelandet sind, denn als wir nach diesen speziellen Stoffen gefragt haben, hat die Gehilfin dort erzählt, dass sie gerade erst ein Hochzeitskleid daraus angefertigt haben, dass der Kunde niemals seine Braut zu einer Anprobe gebracht hat und dafür wollte, dass sehr alte Borten auf das Kleid genäht werden. Aber und das war dann doch wenig überraschend, sie kann sich nicht mehr an das Gesicht des Kunden erinnern. Sie hat das Kleid aber selbst an einen vereinbarten Treffpunkt geliefert, ein kleines Haus, das früher wohl mal eine Schmiede gewesen sein soll, die einem Zwerg mit einer Silberhand gehört hat und die wohl ein unterirdisches Labyrinth verdeckt.« Der Faun hört dem jungen Mann interessiert zu und blickt dann abwartend zu Borgil, als Tiuri den Harfenwirt fragt, ob er von dieser Schmiede schon gehört habe.
Der Zwerg runzelt die Stirn. »Hmpf«, brummt er schließlich. »Natürlich. Der Zwerg ist niemand anderes als Sol der Schmied und das Haus seine alte Felsenschmiede. Stand eine ganze Weile leer, wurde aber im letzten Herbst wieder verpachtet - jedenfalls war das das letzte, das ich gehört hatte, ich weiß aber nicht an wen. Oberirdisch ist es ein sehr kleines Haus, kann nicht mehr als ein Raum sein... alles andere, und das ist kein Labyrinth, mein Junge, sondern eine zwergische Schmiede, liegt unter der Erde. Ich war aber nie dort, als Sol noch in Talyra gelebt hat und kenne es selbst nur vom Hörensagen. Aber zurück zu Aurian - mit den beiden Jungen reden zu wollen könnt ihr euch sparen, das habe ich schon getan. Sie wissen nicht viel, und warum Aurian und ihr Kumpel dieser Juri... oder Jure oder so ähnlich... auf und davon sind, wissen sie erst recht nicht. Aber sie haben eine Heidenangst, dass euer Schwarzer Mann sie holt, das kann ich euch sagen. Sie bestehen darauf, hierzu bleiben, weil Aurian ihnen angeblich Schutz versprochen hat. Kann mir mal jemand erklären, was das zu bedeuten hat, hä?« Fragend schaut Borgil in die Runde. Lilith begegnet nachdenklich seinem Blick, nickt und erklärt bedächtig: »Ich nehme an, dass Aurian den Boten des Buches gefunden hat und ihm so einiges entlocken konnte. Was genau, ist die Frage…. Vielleicht hat sie den Kindern gesagt, dass sie in Gefahr sind und deswegen wollen die Rotzbengel jetzt hier bleiben… naja wohl sicherlich auch wegen Eurer wohlgefüllten Speisekammer.«

Die Magierin schaut in die Ermittlerrunde und fährt fort: »Wir können jetzt davon ausgehen, dass es sich beim Mörder wohl um den Elben handelt, der seine Verlobte aus Körperteilen, welche ihr ähneln, herstellen will. Vielleicht besitzt er einen Seelenstein und kann so den Körper beseelen.“ Bei diesen Worten wirft die Magierin einen Blick zu Borgil, da sie mit diesem ja bereits diese Theorie angesprochen hatte. „Außerdem hat er ihr ein Hochzeitskleid anfertigen lassen und dieses zu dieser Schmiede bringen lassen. Er benutzt wohl einen Zauber, der nichtmagisch begabte Leute sein Gesicht vergessen lässt und trägt auch noch diesen vermaledeiten Umhang. Irgendwo an ihm baumelt vielleicht auch noch ein Seelenstein in der Größe eines Taubeneis.« Sie verdreht leicht die Augen. »Nun, es scheint so, als würden wir dem Täter langsam aber sicher auf die Spur kommen. Wir sollten jetzt aber genau unsere nächsten Schritte planen. Ich denke wir sind ihm jetzt gefährlich nahe und ich nehme an, dass er es bereits weiß.«
Faron nickt zustimmend, in diesem Punkt stimmt er der Magierin voll und ganz zu und diese spricht weiter: »Wir müssen dringend Aurian finden, sie muss uns die fehlenden Informationen geben können, falls die Botenjungen wirklich nichts über das Gespräch zwischen ihr und diesem anderen Kind wissen. Außerdem brauchen wir ihre Hilfe ganz dringend, falls wir dem Nekromanten gegenübertreten müssen. Eine Magiern mehr kann nicht schaden, bei den ganzen Ausfällen die wir momentan haben.« Der Oberste Stallmeister nickt abermals. „Vielleicht sollten wir uns diese Felsenschmiede einmal näher ansehen“, erklärt er schließlich langsam. „Bisher scheint das ja unsere beste Spur zu sein.“ Er schaut zu Kaney hinüber. „Die Frage ist, was uns dort möglicherweise erwartet“, brummt er. „Wir sollten auf keinen Fall unvorbereitet losziehen und die Steinfaust unbedingt über unsere Pläne informieren bevor wir aufbrechen ...“ Er unterbricht sich kurz, und fügt dann etwas beklommen hinzu:  „... nicht das es uns am Ende so ergeht wie Aurian.“ Dann fällt ihm noch etwas ein: „Was ist eigentlich mit den Dingen, die Ihr durch den Zauber des Lies mich! erhalten habt? Kaneys magisches Unsichtbarkeitspulver, Freys ominöser Heiltrank, Tiuris Zaubernüsse und dein Feuerzauber – bei diesen Worten schaut der Faun Lilith an – könnten sich womöglich als sehr nützlich erweisen. Bedauerlich, aber auf die Geschenke an Maester Kar'Shei und Aurian müssen wir wohl verzichten, so wie die Dinge gerade liegen ... also dann, lasst uns rasch besprechen, wie wir vorgehen wollen und keine Zeit mehr verlieren.“ Erwartungsvoll schaut er in die Runde. „Borgil, könntet Ihr einen Boten in die Steinfaust schicken, sobald wir alles besprochen und aufgebrochen sind?“ Gedankenverloren tatstet der Faun nach dem Griff seiner Axt, die er seit dem Fortschreiten der Ermittlungen nun ständig mit sich führt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 01. Nov. 2008, 00:01 Uhr
Interessiert hört Tiuri sich Borgils Ausführungen über die Zwergenschmiede an. Es gibt sie also tatsächlich! Die Tatsache, dass es kein echtes Labyrinth ist sondern einfach eine unterirdische Schmiede ist Tiuri recht angenehm, denn bei dem Wort Labyrinth kommt ihm ein ganz anderes Gewirr von Gängen in den Sinn und das liegt ebenfalls tief unter Talyra verborgen. Lilith, die einzige verbleibende Magierin der Gruppe, erklärt, während Tiuri die Erinnerungen an die Kanalisation aus seinem Kopf verbannt, Borgil was es mit Aurian und den Botenjungen auf sich hat. Genau kann sie es natürlich auch nicht sagen, aber auch Tiuri denkt, dass Aurian durch Jure etwas heraus gefunden hat, dass den Jungen mit dem Mörder in Verbindung bringt und sie deswegen die Kinder zum Schutz in die Harfe gebracht hatte.
Aber dann ist er ihr hinter her gelaufen und jetzt sind sie beide fort. Dass sie es sich sparen können die verfressenen Boten zu befragen will Tiuri nur widerwillig annehmen, in diesem Augenblick ist ihm eher danach alles was sich auch nur im hintersten Winkel ihres Hirnes befindet durch heftiges Schütteln zum Vorschein zu bringen. Wieso kann sich hier eigentlich nie irgendjemand an irgendetwas erinnern was diesen verdammten Mörder betrifft?
Tiuri ist ebenfalls Liliths Meinung als diese feststellt, dass sie Aurian finden müssen und auch, dass sie langsam einen Mangel an Magiebegabten haben.
>Vielleicht sollten wir uns diese Felsenschmiede einmal näher ansehen. Bisher scheint das ja unsere beste Spur zu sein. Die Frage ist, was uns dort möglicherweise erwartet. Wir sollten auf keinen Fall unvorbereitet losziehen und die Steinfaust unbedingt über unsere Pläne informieren bevor wir aufbrechen... nicht, dass es uns am Ende so ergeht wie Aurian. Was ist eigentlich mit den Dingen, die Ihr durch den Zauber des Lies mich! erhalten habt? Kaneys magisches Unsichtbarkeitspulver, Freys ominöser Heiltrank, Tiuris Zaubernüsse und dein Feuerzauber könnten sich womöglich als sehr nützlich erweisen. Bedauerlich, aber auf die Geschenke an Maester Kar'Shei und Aurian müssen wir wohl verzichten, so wie die Dinge gerade liegen ... also dann, lasst uns rasch besprechen, wie wir vorgehen wollen und keine Zeit mehr verlieren.<
An die seltsamen Geschenke hat Tiuri kaum noch gedacht, denn irgendwie ist er sich noch nicht völlig sicher ob er etwas vertrauen möchte, das aus einem Buch gefallen ist dem er 24 Stunden poetische Höllenqualen zu verdanken hat. Andererseits wäre ein Unsichtbarkeitspulver wirklich gerade das Richtige, um einen Ort zu erkunden an dem sie besser nicht gesehen werden sollten. Bei dem Gedanken, dass dieses Pulver tatsächlich funktioniert und sie einfach so in das Versteck des Mörders spazieren könnten ohne, dass der sie sieht, muss Tiuri schmunzeln. Die Sache ist auf jeden Fall schon zu Gut um Wahr zu sein – oder auch nur reibungslos abzulaufen.
„Die Geschenke sollten wir auf jeden Fall mit nehmen, ich hoffe nur sie funktionieren auch so wie das Buch es gesagt hat und uns wächst nicht einfach allen eine große Nase oder so etwas.“ Oder wir fallen auf der Stelle tot um… „Ich würde aber gerne so vorbereitet wie möglich dort hingehen.“ Kurz denkt Tiuri darüber nach was ihnen helfen würde wenn sie es über die Schmiede wissen würden und dann wendet er sich wieder an Borgil. „Auch wenn du nie dagewesen bist, weißt du vielleicht wie groß diese Schmiede unter der Erde ist? Oder ob sie einen zweiten Eingang oder so etwas hat?“
Am liebsten hätte Tiuri jetzt einen Grundriss von dem elenden Gebäude oder noch besser, Sol den Schmied sofort auf der Stelle hier in ihrer Mitte, damit er ihnen jeden Winkel seines vermaledeiten Hauses beschreiben kann. Zwerge…

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 01. Nov. 2008, 10:14 Uhr
"Woah... woah...langsam. Schön langsam. Immer langsam mit den jungen Pferden, hm? Seelenstein, was?" Borgil sieht die Feuermagierin an und zieht eine unbehagliche Grimasse. "Das wäre schon der zweite Seelenstein in Talyra in den letzten vierhundert Jahren, aber was soll's... Zufälle soll es ja auch geben, Sil-an-seiner-Esse-so-ein-verdammter-Schei...ach! Byfandarryachyislinn!" Flucht der Zwerg schon zum zweiten Mal an diesem Tag und rauft sich den kurz geschorenen, aber nichtsdestotrotz prächtigen roten Bart. Ihm schwirrt der Schädel - seit hundert Jahren tote Schönheiten, Körperteile, Seelensteine, ein leeres Grab, durchgeknallte Spitzohren, ein vermoderter Brautschuh, tote Weiber, die nicht mehr da sind, wo sie eigentlich sein sollen, Botenjungen, die vor Angst schlottern (was ihnen aber nicht auf den Magen schlägt), blutige Symbole, seltsame Rituale (oder auch nicht), tote Weiber, die glücklicherweise noch da sind, wo sie sein sollen samt ihrer Herzen, verschwundene Magierinnen, Sols alte Schmiede, Brautkleider und eindeutig viel zu viel Magie für seinen Geschmack... das alles ist ziemlich verwirrend und obendrein auch noch höchst beunruhigend, wenn man ihn fragt, was natürlich wieder keiner tut. Durch sein ohnehin schon reichlich mit dem ganzen Aufruhr beschäftigtes Hirn, in dem langsam die Erkenntnis heraufdämmert, dass die verbliebene Ermittlertruppe hier tatsächlich und wahrhaftig eine Spur gefunden zu haben scheint, geistern zusammenhanglose, aber ziemlich erschreckende Wortfetzen. "...Außerdem brauchen wir ihre Hilfe ganz dringend, falls wir dem Nekromanten gegenübertreten müssen..."
"Borgil, könntet Ihr einen Boten in die Steinfaust schicken, sobald wir alles besprochen haben und aufgebrochen sind..."
"Auch wenn du nie da gewesen bist, weißt du vielleicht wie groß diese Schmiede unter der Erde ist? Oder ob sie einen zweiten Eingang oder so etwas hat?"

"Hä?" Borgil blickt entgeistert vom einen zum anderen und blinzelt in die Gesichter Farons, Liliths und Tiuris, als redeten sie alle gerade von fliegenden rosa Kühen am Himmel oder ähnlich seltsamen Erscheinungen. Dann wird ihm klar, was sie vorhaben. "Nekromanten? Bote in die Steinfaust? Moment mal, ihr habt wohl nicht mehr alle Scheite im Feuer! Ein hochrangiger Nekromant mit einem mächtigen Artefakt? Und dem wollt ihr gegenübertreten? ALLEIN? Wunderbar! Warum stürzt ihr euch nicht gleich alle vom Branturm, das hätte in etwa denselben Effekt! Ihr..." Borgil ist gerade dabei, sich in Fahrt zu reden und diesen anscheinend plötzlich völlig unzurechnungsfähig gewordenen Ermittlern den Marsch zu blasen, als er mitleidlos unterbrochen wird und zwar von einem seiner eigenen Spüljungen. "'Tschuldigung, Meister Borgil." Ein schlaksiges braunhaariges Elend von vielleicht fünfzehn Sommern mit unzähligen Sommersprossen auf der runden Nase und einem langen Gesicht wie ein Schaf streckt seinen strubbeligen Haarschopf zur Tür herein, in beiden noch seifenschaumfeuchten Händen einen Schließkorb so groß wie eine Hutschachtel.

"Was ist denn, Wat?" Borgil müht sich zur Geduld, aber in seinem brummigen Zwergenbass schwingt sowohl die Sorge über die plötzliche Entwicklung dieser vermaledeiten Mordgeschichte, als auch der Ärger dieses ganzen Tages mit und außerdem ein deutlicher Unterton von: "Spüljungen-haben-in-Ermittlergemächern-gar-nichts-verloren". Wat weiß das offenbar selbst auch sehr gut, denn er druckst herum, als habe er eine Elritze quer im Hals sitzen und stolpert fast, weil er den Blick so krampfhaft auf die Spitzen seiner Holzschuhe gerichtet hält. "Noch mal 'tschuldigung, Meister Borgil. Ich weiß ja, das ich nich' hier reinplatzen soll, aber da ist grad eben was abgegeben worden. Am Gesindeeingang bei der Küche. Für die da." Wat nickt flüchtig in Richtung der Ermittler und schielt fast im Bemühen, einerseits höflich zu nicken und andererseits seine Schuhe nicht aus den Augen zu verlieren. "Äh ja. Stell es doch da irgendwo ab, sei so gut."
"Das geht nich'."
"Was? Warum nicht?"
"Meister Borgil, der Bote, der's gebracht hat, also der hat drauf bestanden, dass sie's gleich kriegen, wisst Ihr? Ich musste rauskommen zu ihm, wollt die Harfe nich' betreten der Mann. War so 'n unheimlicher Kerl, ziemlich groß und ganz... komisch. Und pechschwarz angezogen. Irgendwie gruselig, aber ich kann mich gar nich' mehr erinnern, wie er aussah..."
Schlagartig misstrauisch starrt Borgil und mit ihm wohl jeder im Raum den armen Spüljungen an, der puterrot anläuft und beinahe einen Schritt rückwärts stolpert. "Was? Hab' ich was falsch gemacht, Meister Borgil?"
"Äh... nein, Wat. Nein, hast du nicht. Komm, gib mir das und geh zurück an deine Arbeit. Mach dir keine Sorgen, es ist alles in Ordnung."
Mit gemischten Gefühlen nimmt Borgil den Korb entgegen und schickt seinen Spüljungen wieder in die Küche. "Dreimal dürft ihr raten," murmelt er an niemand bestimmten gerichtet und hat eine schreckliche Ahnung, dann stellt er das sperrige Ding auf dem Tisch ab und öffnet behutsam den Deckel. Blinde, tote Augen starren ihn aus einem schmalen Kindergesicht an und das Muttermal auf der Wange lässt keinen Zweifel. Die Haut ist wächsern, das Haar verschmiert, die Wundränder am Hals sind ausgefranst und rot verklumpt, die Lippen weiß und blutleer und dazwischen steckt ein zusammengerolltes Pergament wie der Apfel im Mund eines Spanferkels. Borgils schwarze Augen verraten nichts von seinen Gefühlen, ebenso wenig wie es sein vollkommen regloses Gesicht tut, als er mit spitzen Fingern die Botschaft aus dem Mund des toten Jungen nimmt und wortlos an den reicht, der ihm am nächsten steht. "Hier. Für euch."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lilith am 01. Nov. 2008, 16:15 Uhr
Faron und Tiuri ergreifen ebenfalls das Wort und Lilith ist froh, dass ihre Freunde gleich denke wie sie auch. Nur Borgil scheint nicht so ganz ihrer Meinung zu sein. >"Nekromanten? Bote in die Steinfaust? Moment mal, ihr habt wohl nicht mehr alle Scheite im Feuer! Ein hochrangiger Nekromant mit einem mächtigen Artefakt? Und dem wollt ihr gegenübertreten? ALLEIN? Wunderbar! Warum stürzt ihr euch nicht gleich alle vom Branturm, das hätte in etwa denselben Effekt! Ihr..."< Der Zwerg wird von einem Klopfen an der Tür unterbrochen und schon steht auch ein schlaksiger, sommersprossiger Junge im Raum. In seinen Armen trägt er einen grossen Weidenkorb und er stammelt mit hochrotem Gesicht irgendwelche Entschuldigungen. >"Noch mal 'tschuldigung, Meister Borgil. Ich weiß ja, das ich nich' hier reinplatzen soll, aber da ist grad eben was abgegeben worden. Am Gesindeeingang bei der Küche. Für die da."< Liliths Stirn legt sich augenblicklich in Falten. Schon wieder ein Geschenk für uns? Auf Borgils Bitte, den Korb abzustellen, schüttelt der Junge sein Haupt. >"Meister Borgil, der Bote, der's gebracht hat, also der hat drauf bestanden, dass sie's gleich kriegen, wisst Ihr? Ich musste rauskommen zu ihm, wollt die Harfe nich' betreten der Mann. War so 'n unheimlicher Kerl, ziemlich groß und ganz... komisch. Und pechschwarz angezogen. Irgendwie gruselig, aber ich kann mich gar nich' mehr erinnern, wie er aussah...<

Lilith springt wie von einer Wespe gestochen aus dem Stuhl, doch Borgil nimmt den Korb an sich und jagt den Jungen wieder nach draussen. „Aber….“ Da öffnet der Zwerg auch schon das zwielichtige „Geschenk“. Sein Gesicht verzieht sich um keinen deut, doch trotzdem scheint etwas nicht in Ordnung zu sein. Borgil fingert kurz in dem Korb herum, zieht eine Pergamentrolle heraus und überreicht sie Lilith. >"Hier. Für euch."< Die Magierin schaut auf das Pergament, als wäre es aus glühenden Kohlen. „Ich….soll ich das wirklich aufmachen? Wir wissen doch alle noch ganz genau, was beim letzten Mal passiert ist.“ Zischt sie ärgerlich und nimmt das Pergament entgegen. Besorgt schaut sie in die Runde und rollt das Pergament dann langsam auseinander. Wie gebannt starrt sie auf die Zeilen, wirft einen Blick zu Borgil, schluckt dann schwer und liest laut vor:

Kommt allein. Ihr solltet wissen, wohin. Sonst gehört der nächste Kopf, den ich verschicke, eurer Magierin.

„Borgil….wer….wessen…..wessen Kopf ist in diesem Korb?“ versucht Lilith so ruhig wie möglich zu sagen, doch vor Aufregung geben ihre Hände eine solche Hitze ab, dass das Pergament in schwarzen Flocken zu Boden rieselt. „Oh….“ Die Feuermagierin schaut erstaunt auf das kleine Aschehäufchen, denn sie verlor schon lange nicht mehr  die Kontrolle über ihre Magie, und blickt dann wieder zu Borgil, welcher immer noch mit versteinerten Gesichtszügen an seinem Platz steht. Die Magierin drängt sich an dem Zwerg vorbei, welcher sich keinen Sekhel von seinem Platz bewegt. Ihr Blick trifft auf den des toten Jungen und sie zieht erschrocken die Luft ein. „Dieser Bastard…in allen Höllen soll er schmoren.“ Flüstert Lilith in eiskaltem Ton, ihr Gesicht einer Statue gleich, nur in ihren Augen brennen nun zwei wütende Feuer.  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kaney am 01. Nov. 2008, 17:15 Uhr
Böse Erinnerungen kommen in Kaney hoch, als immer klarer wird, dass Aurian wohl nicht auftauchen wird, dass niemand genau weiß wo sie ist - dass sie vermisst wird.
Böse Erinnerungen an die Geschichte mit den Kanalratten, in deren Verlauf Aurian entführt worden war... Kaney hatte die Geschichten gehört...
Dann die Geschichte mit dem Dämonenangriff von vor 3 Sommern... auch da war Aurian entführt worden.. und jetzt...
Götter... wenn Aurian noch einmal unangemeldet verschwindet, dann....
Ja, was dann?
Würde er sie dann nie mehr außer Augen lassen? In Panik geraten, wenn sie nochmal verschwinden würde? Was dann?

Der Wargenmischling merkt nur zu deutlich, wie sich seine Haare aufrichten, wie er eine Gänsehaut bekommt, und dieses Gefühl verstärkt sich noch mehr, je mehr Lilith erzählt.
Ein Jahrhunderte Alter ElbenMöder, der wohl die Nekromantie beherrscht... er muss wieder an den Dämonenangriff denken, an die Untoten die von dem SithechAcker auf erstanden sind, durch Nekromantie - und die nur mit bestimmten Waffen zu vernichten waren... Feuer und... Rubinwaffen? Nein... Türkis? Stahl?
OBSIDIAN... Da fällt es ihm wieder ein... Obsidianwaffen konnten Untote töten..
Die gesamte IndigoGarde mit Obsidianschwertern bewaffnet, ob dass einen so hochrangigen Nekromanten stürzen könnte? Was, wenn sie dort alleine auftauchen würden, in Sols Schmiedehöhle... Wie lange würden sie wohl überleben?
Kaney weiß in Momenten wie diesem wieder, warum er Magie nicht leiden kann... viel zu unsicher, viel zu viele "Obs" und "Was wenns"...

Borgil ist wohl der gleichen Meinung wie Kaney, er poltert los: >...Ein hochrangiger Nekromant mit einem mächtigen Artefakt? Und dem wollt ihr gegenübertreten? ALLEIN? Wunderbar! Warum stürzt ihr euch nicht gleich alle vom Branturm, das hätte in etwa denselben Effekt! Ihr...<
als er von einem hereintretenden Harfenburschen unterbrochen wird.
Kurz spricht Borgil mit dem Burschen, und Kaney ist ziemlich in Gedanken vertieft, als ihm dennoch dieser eisenhaltige Geruch langsam in die Nase dringt...
"Was..?" Der Wargenmischling dreht sich um, starrt auf den Korb den der Zwergenwirt in den Händen hält...
Der Geruch kommt eindeutig aus dem Korb... und als der Zwerg den Korb öffnet, sehen die Ermittler auch, was da drin ist...
Aus toten Augen starrt sie der Bursche an, der ihnen das LiesMich überreicht hatten. Ziemlich blutleer, das Bürschchen, abgesehen vom Hals, an der Wunde befindet sich genug geronnenes, verklumptes Blut...
Der Kopf eines toten Jungen mit einem Zettel im Mund...

Kommt allein. Ihr solltet wissen, wohin. Sonst gehört der nächste Kopf, den ich verschicke, eurer Magierin. liest Lilith vor... und im nächsten Moment verbrennt der Zettel zu Asche.
>Dieser Bastard…in allen Höllen soll er schmoren.<
Kurz blickt Kaney zu Borgil, wie dieser wohl reagieren wird, darauf, dass Lilith offensichtlich Magie in seiner Harfe nutzt...
"Ich glaub, damit sind unsere Entscheidungsmöglichkeiten etwas eingegrenzt.
Wir können versuchen, Aurian zu retten, und stehen dabei ganz alleine einem hochrangigen Nekromanten gegenüber, oder aber wir informieren den Lordcommander, warten auf Unterstützung, und bekommen noch so einen... Geschenkkorb..."
Kaneys Stimme klingt wenig hoffnungsvoll...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Faron am 03. Nov. 2008, 11:15 Uhr
Borgil scheinen ihre Worte allesamt nicht zu gefallen und Faron merkt rasch, dass der Zwerg gerade erst dabei ist sich so richtig in Rage zu reden, als er zu sprechen beginnt. »Hä? Nekromanten? Bote in die Steinfaust? Moment mal, ihr habt wohl nicht mehr alle Scheite im Feuer! Ein hochrangiger Nekromant mit einem mächtigen Artefakt? Und dem wollt ihr gegenübertreten? ALLEIN? Wunderbar! Warum stürzt ihr euch nicht gleich alle vom Branturm, das hätte in etwa denselben Effekt! Ihr...« Wäre es nicht absolut sinnlos den Redeschwall des Harfenwirts stoppen zu wollen, Faron würde ihm bedächtig zustimmen. Ihre Worte müssen in der Tat ein wenig überstürzt und schier wahnwitzig geklungen haben. Allerdings hat der Faun nun wirklich nicht gemeint, dass sie jetzt sofort und auf der Stelle alles stehen und liegen lassen sollen, um zu dieser dubiosen Felsenschmiede zu marschieren. Anmerkungen wie „Wir sollten auf keinen Fall unvorbereitet losziehen und die Steinfaust unbedingt über unsere Pläne informieren bevor wir aufbrechen ... “ und „.. nicht das es uns am Ende so ergeht wie Aurian.“ sollten durchaus darauf hinweisen, dass es, bevor man aufbrechen kann, noch so einiges zu planen und zu bedenken gibt, sofern man sich nicht Hals über Kopf in die Arme des Grauens werfen will. Er verzieht das Gesicht und will gerade versuchen Borgil doch irgendwie zu unterbrechen, als dieses überraschenderweise statt seiner von einem der Spüljungen übernommen wird, die in der Harfe arbeiten. »Tschuldigung, Meister Borgil.« Ein sommersprössiges Gesicht erscheint in der geöffneten Zimmertür und bringt Borgils heftige Triade zu einem abrupten Ende.
Erfreuliche Nachrichten hat Wat, der Spüljunge, allerdings nicht zu überbringen. Bereits nach seinen ersten Worten ist klar, wer den schlaksigen Burschen da mit einer Botschaft ins Ermittlerzimmer geschickt hat und die Anspannung im Raum wird geradezu unerträglich. »Meister Borgil, der Bote, der's gebracht hat, also der hat drauf bestanden, dass sie's gleich kriegen, wisst Ihr? Ich musste rauskommen zu ihm, wollt die Harfe nich' betreten der Mann. War so 'n unheimlicher Kerl, ziemlich groß und ganz ... komisch. Und pechschwarz angezogen. Irgendwie gruselig, aber ich kann mich gar nich' mehr erinnern, wie er aussah ...« Farons Miene wird starr wie Stein. Ein ungutes Gefühl breitet sich in seiner Magengegend aus, während er zusieht wie der Harfen wird seinem Spüljungen den Korb abnimmt, den dieser in die Kammer geschleppt hat, und den Burschen dann hastig fort schickt. Borgils Stimme verrät nicht die geringste Regung, als er den Korb schließlich öffnet, langsam hineingreift und brummt: »Hier. Für euch.«

Lilith, die wie von einer Wespe gestochen aufgesprungen ist, nimmt zögernd die Pergamentrolle entgegen, die Borgil ihrn entgegenstreckt. »Ich… soll ich das wirklich aufmachen? Wir wissen doch alle noch ganz genau, was beim letzten Mal passiert ist.« Besorgt schaut die Magierin in die Runde, bevor sie das Schriftstück schließlich öffnet, entrollt, einen Blick darauf wirft, schluckt und dann laut vorliest: Kommt allein. Ihr solltet wissen, wohin. Sonst gehört der nächste Kopf, den ich verschicke, eurer Magierin. »Borgil….wer….wessen…..wessen Kopf ist in diesem Korb?«, keucht die Magierin, aber Faron kennt die Antwort auf diese Frage bereits, bevor er auch nur einen einzigen Blick in den Korb geworfen oder der Harfenwirt die Frage beantwortet hat. Der kleine Botenjunge, der, der mit Aurian verschwunden ist ... wer sollte es sonst sein? Als Lilith vor Zorn unbeabsichtigt mit ihren Kräften das Pergament in ihren Händen zu einem kleinen Häufchen asche verbrennt, an Borgils Seite eilt, in den Korb schaut und herzhaft zu fluchen beginnt, weiß der Oberste Stallmeister, dass er richtig vermutet hat.
Damit haben sich die Einwände des Harfenwirts eindeutig erledigt und ihre Möglichkeiten drastisch reduziert. Kaney bringt es auf den Punkt: »Ich glaub, damit sind unsere Entscheidungsmöglichkeiten etwas eingegrenzt. Wir können versuchen, Aurian zu retten, und stehen dabei ganz alleine einem hochrangigen Nekromanten gegenüber, oder aber wir informieren den Lord Commander, warten auf Unterstützung, und bekommen noch so einen ... Geschenkkorb ...« Der Wargenmischling klingt alles anderes als hoffnungsvoll und Faron nickt langsam. „In der Tat. Unsere Möglichkeiten haben sich dadurch ziemlich ... verringert“, brummt er düster. „Aber die Tatsache das wir alleine kommen sollen, bedeutet noch lange nicht, dass wir uns nicht in anderer Form Unterstützung holen dürfen, oder?“ Fragend schaut er in die Runde. „Ich verstehe nichts von Zauberei, aber vielleicht kann Lady Niniane uns ja auch irgendwie helfen ohne uns zu begleiten“, erklärt er und blinzelt dann, als ihm noch ein anderer Gedanke kommt. „Es ist nur eine Idee, und sie ist verdammt riskant, aber womöglich könnte uns ja doch jemand begleiten ... getarnt mit Hilfe dieses magischen Pulvers ... Eine ganze Einheit Blaumäntel wird sich kaum unbemerkt mit in den Unterschlupf des Nekromanten schmuggeln lassen, selbst wenn sie unsichtbar ist ... aber eine einzelne Person? Und der Lord Commander könnte eventuell eine kleine Schar Männer in sicherer Entfernung bereithalten ...“ Er schaut grübelnd in die Runde. „Außerdem“, ihm ist der selbe Gedanke gekommen wie Kaney, „ist es vielleicht hilfreich, wenn wir Obsidianwaffen mitnehmen.“ Der Faun schaut den Wargenmischling an. „Damals, bei dem Dämonenangriff, wurde die Indigogarde da nicht mit solchen Waffen ausgerüstet, weil man damit Untote ins Jenseits befördern kann? ... womöglich bekommen wir es mit irgendwelchen untoten Dienern zu tun, da könnten uns solche Waffen sehr dienlich sein, oder?“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 03. Nov. 2008, 14:11 Uhr
Geduldig wartet Tiuri Borgils Ausbruch ab, das ist wirklich nicht die erste Predigt die er von dem Zwergen erhält. Er nimmt sie alle ernst, aber es lässt ihn längst nicht mehr wie ein Häufchen Elend in sich zusammen sinken. Der arme Spüljunge der dann Borgils Redeschwall unterbricht sieht allerdings mehr als betreten drein und hampelt nervös von einem Fuß auf den nächsten. Er übergibt einen Korb an Borgil, den der Zwerg erst annimmt als der Junge erwähnt, dass er ihn von einem gruseligen großen Kerl hat, an dessen Gesicht er sich nicht mehr erinnern kann. Schlagartig wird auch Tiuri misstrauisch, aber aus Borgils Gesicht lässt sich nicht ablesen was darin zu finden ist, dass es allerdings nichts Gutes sein wird, kann sich Tiuri auch so denken. Was die Person angeht deren Kopf im Korb liegt, braucht er dann wie Faron nicht lange darüber nach zu denken und er nickt nur als sich seine Vermutung bestätigt.
>Dieser Bastard…in allen Höllen soll er schmoren.< stellt Lilith fest und Tiuri fragt sich was sie bis her mit dem Mörder vorgehabt hatte.
Mit beiden Händen fährt sich Tiuri durch die ohnehin schon verwuschelten Haare. Natürlich hat Kaney recht als er feststellt, dass sie jetzt kaum noch Möglichkeiten haben. Wobei für Tiuri eigentlich nur eine einzige über bleibt, denn die Frage ob sie versuchen würden Aurian zu retten stellt sich für ihn wirklich nicht.
>Aber die Tatsache das wir alleine kommen sollen, bedeutet noch lange nicht, dass wir uns nicht in anderer Form Unterstützung holen dürfen, oder? Ich verstehe nichts von Zauberei, aber vielleicht kann Lady Niniane uns ja auch irgendwie helfen ohne uns zu begleiten. Es ist nur eine Idee, und sie ist verdammt riskant, aber womöglich könnte uns ja doch jemand begleiten ... getarnt mit Hilfe dieses magischen Pulvers ... Eine ganze Einheit Blaumäntel wird sich kaum unbemerkt mit in den Unterschlupf des Nekromanten schmuggeln lassen, selbst wenn sie unsichtbar ist ... aber eine einzelne Person? Und der Lord Commander könnte eventuell eine kleine Schar Männer in sicherer Entfernung bereithalten... Außerdem, ist es vielleicht hilfreich, wenn wir Obsidianwaffen mitnehmen. Damals, bei dem Dämonenangriff, wurde nicht die Indigogarde nicht mit solchen Waffen ausgerüstet, weil man damit Untote ins Jenseits befördern kann? ... womöglich bekommen wir es mit irgendwelchen untoten Dienern zu tun, da könnten uns solche Waffen sehr dienlich sein, oder?<
Stillschweigend hört sich Tiuri Farons Ausführungen über Pulver und Niniane und Obsidian an und eigentlich klingt der Plan in seinen Ohren gar nicht verkehrt, aber eigentlich glaubt er so gar nicht, dass es funktionieren würde.
„Natürlich wäre es schon angenehm jemanden wie Niniane mit in dieses Haus zu schmuggeln, aber ehrlich gesagt ich glaube nicht, dass es funktioniert. Der Kerl beobachtet uns doch, der weiß was wir tun und wir können sie bestimmt nicht für eine Ewigkeit unsichtbar machen. Mal ganz abgesehen davon, dass Magie von magisch begabten scheinbar spürbar ist und Niniane kommt mir verdammt magisch begabt vor, das entgeht ihm doch nicht, nur weil er sie gerade nicht sehen kann. Ich finde das Risiko einfach zu groß, immerhin geht es hier um Aurians Leben. Ich denke, alleine heißt in diesem Fall auch alleine. Aber wir haben trotzdem noch die Geschenke aus dem Lies mich, wobei wir auch nachsehen sollten ob Maester Kar Shei’ sein Geschenk nicht vielleicht in der Harfe gelassen hat. Obsidian Waffen klingen gut, aber gegen Untote hilft uns auch… äh… Feuer.“ Allein bei dem Gedanken mit einem ganzen Haufen an Fackeln in einen unbekannten Keller zu steigen und dort vielleicht die halbe Hütte in Brand zu stecken, läuft Tiuri ein Schauer über den Rücken. „Außerdem Weihwasser, was wesentlich ungefährlicher ist und auch die nicht so kampferprobten unserer Truppe gut benutzen können!“ Bei diesen Worten sieht er kurz zu Lilith herüber, denn er hatte sie in all der Zeit nie eine Waffe tragen sehen. Auch bei Faron ist er sich nicht sicher, denn der Faun ist zwar groß und trägt nun seit geraumer Zeit eine Axt mit sich herum, aber er weiß nichts davon, dass der Stallmeister der Steinfaust auch eine richtige Kampfausbildung genossen hat.
„Außerdem brauchen wir mehr Waffen, wir haben hauptsächlich Nahkampfwaffen, zum Teil lange Schwerter, aber wir täten gut daran verschiedene Dinge mit uns dort hinunter zu nehmen. Armbrüste zum Beispiel, aber auf jeden Fall brauchen wir Rüstungen… Ich fürchte, dass wird der einzige Schutz sein den wir mit uns nehmen können.“ Mit diesen Worten wendet er sich Borgil zu, ein verschmitztes Grinsen auf seinem Gesicht, denn er erinnert sich daran, dass der Zwerg ihm schon zu Beginn dieses Abenteuers angeboten hat sich in seiner Waffenkammer zu bedienen und genau das hat Tiuri jetzt vor. „Auf jeden Fall sollten wir unsere und Aurians Zeit nicht damit verbringen hier herum zu sitzen und vor uns her zu brüten.“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lilith am 05. Nov. 2008, 11:32 Uhr
>Obsidian Waffen klingen gut, aber gegen Untote hilft uns auch… äh… Feuer. Außerdem Weihwasser, was wesentlich ungefährlicher ist und auch die nicht so kampferprobten unserer Truppe gut benutzen können!< Lilith spürt den Blick des jungen Mannes auf sich und sie blickt ihn ungläubig an. Denkt er vielleicht ich habe so viele Jahre in der Universität gesessen um dann mit Weihwasser um mich zu schmeissen und mich hinter den starken Männern zu verstecken? Sie hält aber ihren Mund und hört ihm weiter zu. Die ganze Sache mit den Waffen geht sie aber eigentlich nichts an. Ihre Waffe liegt in ihrem Blut. In den letzten Monaten hat Lilith einige Fortschritte gemacht und sie hat sich vorgenommen, dass wenn diese Sache hier beendet hat, mit Maester Silberbart ihr Studium wieder aufzunehmen und die Prüfungen zur nächsten Stufe abzulegen. Dann wäre ich endlich eine fertig ausgebildete Magierin… Ein zufriedenes Lächeln huscht einem Schatten gleich über ihre kirschroten Lippen und verschwindet dann wieder. >„Auf jeden Fall sollten wir unsere und Aurians Zeit nicht damit verbringen hier herum zu sitzen und vor uns her zu brüten.“< Mit einem nicken steht Lilith auf und räuspert sich. „Tiuri hat ganz recht, wir sollten uns beeilen und dennoch nichts überstürzen. Ich werde mich kurz auf mein Zimmer zurückziehen um meine Sachen zu packen und mich vorzubereiten. Wir sollten uns alle so schnell wie möglich wieder hier treffen.“ Die Magierin dreht sich um und will gerade die Tür öffnen, als sie sich noch einmal umdreht. „Und wagt es ja nicht mir eine Waffe in die Hand zu drücken. Ich bin eine Magierin und kein Knappe. Meine Waffe ist das Feuer und ausserdem wäre es eher gefährlich wenn ich versuchen würde mit einer Waffe umzugehen…das könnte böse enden.“ Sie grinst amüsiert und verschwindet dann aus dem Raum.

In ihrem Zimmer angekommen, wirft sie einen reumütigen Blick auf das leere Bett ihrer Zimmernachbarin und rafft sich dann auf um ihre Dinge zusammen zu packen. Aus ihrer Kommode, welche sie mit Magie verschlossen hat,  nimmt sie die wertvolle Schriftrolle hervor und steckt sie in den kleinen Beutel, welcher an ihrem Gürtel hängt. Was brauche ich sonst noch? Suchend blickt sie sich im Raum um und beschliesst dann, sich umzuziehen. Ihre Magierrobe ist nicht gerade das praktischste in einem Kampf und ausserdem wäre sie viel zu wertvoll um zerstört zu werden. Aus der untersten Kommodenschublade nimmt Lilith eine schwarze Hose hervor und ein weites, rotes Hemd. Eigentlich zieht sie nie Hosen an, doch ein Paar hat sie sich einmal gekauft, als sie in der Universität gelernt hat, ein Pferd zu reiten. Schnell schlüpft sie aus der roten Magierrobe, zieht die Hose an und steckt die Enden in ihre hohen Lederstiefel. Das Hemd, welches nicht allzu weit und tiefrot ist knöpft sie sich bis oben zu, damit die Kette um ihren Hals nicht mehr zu sehen ist. Ihr Haar flechtet sie zu einem langen Zopf und dann wirft sie sich noch ihren schwarzen Umhang über die Schultern. Mit dem Magierstab in der Hand, wirft sie einen letzten Blick ins Zimmer, um sich zu vergewissern, dass sie alles dabei hat, was sie braucht und verlässt dann ihren Raum um wieder nach unten zu gehen. Anstatt in den Ermittlerraum zurück zukehren, geht die Feuermagierin in die Schankstube um sich ein letztes Mal zu stärken. Hallea welche am Tresen steht mustert Lilith mit grossen Augen. „Na Mädel, was treibt dich denn dazu plötzlich Hosen zu tragen? Du siehst fast so aus, als möchtest du auf einen Ausflug gehen.“ Die Mogbar lächelt amüsiert und Lilith schluckt schwer. „Nun, ich hab mir gedacht, dass ich es ja mal ausprobieren könnte. Könnte ich bitte eine Kartoffelsuppe, Brot, etwas Käse und Wurst und einen grossen Krug Kräutertee bekommen? „ Halla nickt, geht in die Küche und kommt nur wenige Augenblicke später mit einem Tablett zurück. „Steht dir aber gut muss ich sagen. Hier und verdreck nicht dein schönes Hemd damit.“

     


Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 06. Nov. 2008, 01:32 Uhr
Borgil kann einfach nicht glauben, was er da zu hören bekommt, denn offenbar hatten die Götter oder sonst wer Kaney, Faron und Tiuri eigenhändig das Hirn aus den Ohren gepult. Aber sie müssen es wohl ernst meinen, denn sie reden von nichts anderem - und er muss ja selbst zugeben, dass ihnen wohl kaum eine andere Wahl bleibt, silverdammtnochmal, es sei denn natürlich, sie würden auf Aurians Leben pfeifen, was keiner von ihnen tut (er auch nicht). Dennoch will Borgil verdammt sein, wenn er Tiuri, seinen Ziehsohn den er liebt wie sein eigen Fleisch und Blut, einfach so mir nichts dir nichts und mutterseelenallein ins Visier eines Nekromanten spazieren lassen würde - oh nein, nicht er, nicht so lange auch nur ein Atemzug noch seine Lungen füllt, und das sind ein paar gewaltige Lungen, oder ein Tropfen Blut durch seine Adern rinnt. Azra bringt mich um... Mit dieser ziemlich resignierenden Erkenntnis, aber nichtsdestotrotz wild entschlossen, klappt Borgil den Mund auf, um etwas zu sagen, als Tiuri ihm zuvor kommt - und was er zu sagen hat, verschlägt dem Zwergen erst einmal ein wenig die Sprache, wenn auch im besten Sinne. Borgil ist gewiss nicht leicht zu überraschen und Tiuri hatte sehr viel gelernt in den letzten Jahren... dennoch, sich vom haarsträubend naiven Tunichtgut und Lausebengel mit nichts als Flausen, Weibergeschichten und viel zu viel falschem Heldenmut im ansonsten ziemlich leeren Schädel in einen jungen Krieger zu verwandeln, der mit Entschlossenheit, aber auch berechendem Kalkül und vor allem Verstand und Umsicht an eine so gefährliche Sache herangeht, das ist nicht gerade wenig. >Außerdem brauchen wir mehr Waffen, wir haben hauptsächlich Nahkampfwaffen, zum Teil lange Schwerter, aber wir täten gut daran verschiedene Dinge mit uns dort hinunter zu nehmen. Armbrüste zum Beispiel, aber auf jeden Fall brauchen wir Rüstungen. Ich fürchte, dass wird der einzige Schutz sein den wir mit uns nehmen können.< Fährt Tiuri fort und sieht ihn an, plötzlich wieder das jungenhafte Grinsen auf dem Gesicht, das Borgil so gut kennt.  Der Junge muss gar nicht aussprechen, was er vor hat, Borgil weiß es auch so und seine schwarzen Augen beginnen zu leuchten. >Auf jeden Fall sollten wir unsere und Aurians Zeit nicht damit verbringen hier herum zu sitzen und vor uns her zu brüten.<
"Aye!" Knurrt er. "Das ist mal ein Wort. Ah... bevor ich's vergesse, das Würfelspiel von dem Alchemisten steht hier noch irgendwo herum, hat's hier gelassen, der Spitzhut! Ha! Und ich werde..." Diesmal ist es Lilith, die Feuermagierin, die ihn unterbricht, und zwar mit ihrem hastigen Aufbruch.

"Hum?" Macht Borgil nur verwirrt, als die junge Frau aus dem Raum huscht und dabei - gelinde gesagt - die größte Bullenscheiße von sich gibt, die er seit langem gehört hat: >Und wagt es ja nicht mir eine Waffe in die Hand zu drücken. Ich bin eine Magierin und kein Knappe. Meine Waffe ist das Feuer und außerdem wäre es eher gefährlich wenn ich versuchen würde mit einer Waffe umzugehen&#8230;das könnte böse enden.< Das lässt ihm dann doch die Kinnlade auf die Brust sinken, ehe er sich wieder fängt - die Worte, die er ihr aufgebracht hinterher ruft, treffen allerdings nur noch die massive Eichenholztür, die hinter ihr ins Schloss fällt: "Ein Magier, kein Knappe?" Echot er und schüttelt ungläubig den Kopf. "Keine Waffe?" Immer noch ziemlich perplex blinzelt er von Tiuri zu Faron und wieder zurück, doch sowohl sein Ziehsohn, als auch der Faun können nur hilflos mit den Schultern zucken. "Mmmmpfffffff!" Zischt Borgil verächtlich und äfft dann mit nasaler Stimme: "'Meine Waffe ist das Feuer'... ja-ha... schon klar. Und wenn dir dein Mana ausgeht und du keinen Zauber mehr sprechen kannst, dann tust du was, hä? Glaubst du ein paar Widergänger lassen sich von deinem unnachahmlichen Charme becircen...?" Mit entnervt verdrehten Augen über soviel überhebliche Magierignoranz stapft Borgil zur Tür und winkt den Ermittlern, ihn zu begleiten. "Dummes Huhn! Aber bitte... wenn sie sterben will, ich halte sie nicht auf. Und ihr anderen... kommt mit mir. In meine Privatgemächer. So kann ich euch auf gar keinen Fall gehen lassen... und in der Nachricht stand auch nichts von: kommt gefälligst nackt und unbewaffnet, oder? Na also... Tiuri, geh voran, du weißt ja wohin..."
Während Lilith also wissen die Götter allein was tut, führt Tiuri den Rest der arg geschrumpften Truppe in Borgils alte Privatgemächer, die jetzt nur noch als Kontorräume und für... nun ja... geheime Besprechungen des Stadtrats dienen. Borgil verriegelt sorgfältig die Tür, prüft mit ein paar raschen Blicken und Handgriffen, ob alle Siegel noch intakt sind und rollt dann den dicken azurianischen Teppich beiseite, unter dem die schwere Luke verborgen liegt. Ein paar Laternen sind rasch entzündet, an Tiuri, Faron und Kaney verteilt und dann steigt der Zwerg hinab in die tiefen Gewölbe unter der Harfe und führt die Ermittler an einen Ort, den nur wenige Auserwählte zu Gesicht bekommen.

Denn Borgils privater Keller beherbergt Seltenheiten und kostbare Kleinode der Vergangenheit, ebenso wie allerlei nützlichen Abenteurerkrimskrams und eine Sammlung edler und besonderer Waffen, mit der man vermutlich eine kleine Armee ausstatten könnte - zusammengetragen von einem leidenschaftlichen zwergischen Sammler und ehemaligen Abenteurer, der jahrhundertelang nichts anderes getan hatte, als genau solchen Schätzen nachzujagen. Hier lehnt in einem schmalen Keil aus Licht, der von der Luke über ihnen herunter fällt, ein mächtiger, silbern schimmernder Zweihänder mit blauen Saphiren in den breiten Parierstangen an der Wand, auf dessen langer Schneide zwergische Runen eingraviert sind. "Berührt es nicht," warnt Borgil, verliert jedoch sonst kein Wort über die Waffe. Eine archaisch aussehende Peitsche mit neun Riemen hängt an einem Haken, ebenso wie verschiedene Äxte in hölzernen Halterungen, Schwerter, Speere, Dolche, Säbel und Lanzen und ein Stück kostbarer als das andere, wie es scheint. Schimmernde Kettenhemden und Harnische jeder Form, Farbe und Größe glitzern im Schein der Laternen auf hölzernen Puppen vor sich hin, in Regalen liegen Helme, Arm- und Beinschienen, aufgereiht an den Wänden stehen Schilde der verschiedensten Völker, Stile und Zeitalter, in Körben stecken Froschspeere, in Truhen lagern verborgene Schätze und schimmernde Fläschchen, Tiegel, Krüge und Phiolen glänzen auf hohen Wandborden.

"Mal sehen, mal sehen..." Borgil stellt seine Laterne ab und blickt sich um. "Was ihr so brauchen könnt... habt ihr einen oder mehrere Schützen... oder kann jemand mit einer Schleuder umgehen? Sehr schön! Ich hätte da auch... ah, Faron. Ihr seid ein Axtkämpfer, nicht wahr? Hier. Erst einmal ein Kettenhemd... ich habe keinen Harnisch und erst recht keine Vollrüstung für einen Faun, aber ein gutes Kettenhemd mit verstärktem Leder, Schulter- und Armstücken, sehr gute Qualität. Zwergenarbeit, versteht sich. Wurde für einen Nordmann gemacht, dessen Statur Ihr in etwa ausfüllt. Schon lange tot. Der Nordmann, meine ich. Egal. Hier... probiert es. Und dann habe ich da noch etwas..." So liebevoll wie ein Vater sein Kind nimmt Borgil eine schwere, zweihändige Schlachtenaxt von der Wand, grau wie Schiefer, aber mit seltsam hellen, silbrigen Schlieren auf Schaft und Schneide. Wundersamerweise scheint die Waffe jedoch nicht aus Stahl gefertigt zu sein, sondern besteht aus einem einzigen Stück Irgendwas, das sich glatt und hart wie polierter Granit anfühlt, aber auch nicht schwerer, sondern eher leichter ist, als eine geschmiedete Axt vergleichbarer Größe. "Das mein Freund," raunt Borgil, als er die Waffe dem Faun reicht, "ist Roeskva - eine der wenigen Waffen aus Eisenholz, welche Motsognir je schmiedete. Ich habe sie selbst jahrelang getragen und sie hat mich nie im Stich gelassen. Im Gegensatz zu gewöhnlichen Stahlwaffen wird sie niemals schartig oder stumpf werden, und sie ist leicht zu führen... genau richtig für jemanden mit Euren äh... Maßen. Aber ihre wichtigste Eigenschaft ist folgende... wer immer Roeskva führt, so heißt es, wird niemals den Mut verlieren, ganz gleich, wie aussichtslos eine Lage auch sein mag. Passt gut auf die Kleine auf, Faron, aye? Ist nur eine Leihgabe!" Mit funkelnden Augen wendet Borgil sich Kaney zu. "Hier. Mehrere Lederschleudern, einfach zu bedienen, solltet ihr ja alle können...

Dann die Munition. Ah... normale Schleuderkugeln im Sack zu zwanzig Stück... eins, zwei, drei.. na, sagen wir vier Beutel. Und dann noch diese hier. Vorsicht! Sie sind mit Loas Öl gefüllt! Es sind nur zwanzig Stück, mehr habe ich nicht, aber dafür setzen sie selbst Wasser in Brand! Sie müssen in diesem heugefüllten Kästchen transportiert werden und gnaden euch die Götter, wenn ihr sie fallen lasst! Obsidiandolche... lasst mich mal sehen. Habe ich, aber nicht allzu viele. Dort hinten in de Truhe, oh... es sind nur drei. Aber soll ich euch etwas sagen? Es tut auch eine gute Pechfackel, davon habe ich jedenfalls genug! Dann ein paar Seile... hier. Varynnagras. Absolut reißfest, leicht elastisch und fängt nur sehr, sehr schwer Feuer. Zwei Stück mit zwanzig Schritt Länge... herrje, ich muss meine Vorräte aufstocken, das sehe ich schon. Vier Phiolen mit Loas Öl.. am besten ihr lasst sie in dem Korb, dort sind sie gut aufgehoben. Verbandslinnen, Weißmoos, eine Phiole Rochwasser... das ist heilendes Wasser aus den Aniraquellen von Tober Roch im alayzer Land. Es fördert und beschleunigt die Heilung von schweren Verletzungen... aber es bewirkt kein Wunder, also gebraucht es weise... und bitte, trinkt es nicht, sondern behandelt die Wunde damit, aye? Was habe ich hier noch... ah... ein paar Shuriken aus Drachenstahl... oh, ich vergas!" Borgil wirft einen "Götter-werft-etwas-vom-Himmel- Blick" an die gewölbte Steindecke und schnarrt erbost: "Sie ist ja eine Magierin und kein Knappe. Also keine Shuriken. Weiter... wo war ich stehen geblieben? Ach ja... Kaney, wollt Ihr irgendwelche Waffen oder eine Rüstung oder geht Ihr als Wolf? Und was ist mit den anderen... wollt ihr noch etwas mitnehmen? Zu dir, Tiuri, komme ich gleich. Ich habe da noch etwas für dich. Verdammt... ich würde am liebsten mit euch kommen, aber ich will Aurians Leben nicht in Gefahr bringen. Nur... also wenn ich in den nächsten zwölf Stunden nichts von euch höre, dann komme ich euch holen, aye? Und jetzt Beeilung, wir haben nicht die ganze Nacht Zeit!"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Faron am 06. Nov. 2008, 11:31 Uhr
Schweigend folgt Faron Tiuri und Borgil mit den anderen in die alten Privatgemächer des Harfenwirts. Der Zugang ist gut gesichert und wird von dem Zwerg sorgsam geprüft und verschlossen, nachdem alle hindurch sind. Der Grund für diese Vorsicht wird dem Faun schnell klar: Borgils geheime Kellergewölbe beherbergen seltene Kostbarkeiten von denen manch einer ein Leben lang nur zu träumen vermag. Mit einer entzündeten Laterne in der erhobenen rechten Hand schaut sich der Oberste Stallmeister staunend um, während er Borgil weiter in die Tiefe der unterirdischen Gewölbe folgt. Dem schimmernden Zweihänder, vor dem der Harfenwirt seine Begleiter nur mit einem klappen »Berührt es nicht« warnt, schenkt der Faun nur kurz Beachtung. Ihn interessieren viel eher die verschiedenen Äxte, Messer und Dolche, die der Zwerg während seines jahrhundertelangen Abenteuerlebens angesammelt und nun hier unten sicher verstaut hat.
»Mal sehen ...«, verkündet Borgil, stellt die Laterne in seiner Hand ab und sieht sich mit nachdenklich gerunzelter Stirn um. »Was ihr so brauchen könnt... habt ihr einen oder mehrere Schützen... oder kann jemand mit einer Schleuder umgehen? Sehr schön! Ich hätte da auch... ah, Faron. Ihr seid ein Axtkämpfer, nicht wahr?« Der Faun nickt und deutet auf die schwere Doppelaxt, die er bei sich führt. »Hier«, entgegnet Borgil ihm. »Erst einmal ein Kettenhemd... ich habe keinen Harnisch und erst recht keine Vollrüstung für einen Faun, aber ein gutes Kettenhemd mit verstärktem Leder, Schulter- und Armstücken, sehr gute Qualität. Zwergenarbeit, versteht sich. Wurde für einen Nordmann gemacht, dessen Statur Ihr in etwa ausfüllt. Schon lange tot. Der Nordmann, meine ich. Egal. Hier... probiert es.«
Wortlos nimmt der Oberste Waffenmeister das Kettenhemd entgegen, er hält es nicht für sonderlich ratsam den Zwerg gerade jetzt darauf hinzuweisen, dass sein Volk für gewöhnlich nur gestärkte oder normale Lederpanzer trägt, wenn es überhaupt einmal Rüstung anlegt. Die Vorstellung sich in kaltes Metall kleiden zu müssen, behagt Faron nicht sonderlich. Aber er will Borgil keinesfalls beleidigen und das Kettenhemd scheint wirklich meisterlich gearbeitet zu sein, weshalb er schließlich seinen inneren Widerwillen überwindet und es auf Geheiß des Harfenwirts anlegt. »Und dann habe ich da noch etwas ...«, verkündet Borgil ihm und die Stimme des Wirts wird weich. Liebevoll wie ein stolzer Vater nimmt der Zwerg eine zweihändige Schlachtenaxt von der Wand. Die Waffe ist, wie Faron erkennen kann, grau wie Schiefer und weist an Schaft und Schneide eigentümliche silberhelle Schlieren auf. Überrascht registriert der Faun, dass die Axt aus einem einzigen Stück und nicht aus Stahl gefertigt wurde. Woraus sie wohl besteht?, fragt sich Faron insgeheim und bekommt, auch ohne die Frage laut ausgesprochen zu haben, sogleich die Antwort geliefert. »Das, mein Freund«, raunt Borgil ihm zu, »ist Rœskva - eine der wenigen Waffen aus Eisenholz, welche Motsognir je schmiedete. Ich habe sie selbst jahrelang getragen und sie hat mich nie im Stich gelassen. Im Gegensatz zu gewöhnlichen Stahlwaffen wird sie niemals schartig oder stumpf werden, und sie ist leicht zu führen... genau richtig für jemanden mit Euren äh... Maßen. Aber ihre wichtigste Eigenschaft ist folgende... wer immer Rœskva führt, so heißt es, wird niemals den Mut verlieren, ganz gleich, wie aussichtslos eine Lage auch sein mag. Passt gut auf die Kleine auf, Faron, aye? Ist nur eine Leihgabe!« Der Oberste Stallmeister nickt. „Das“, entgegnet er ernst, „versteht sich von selbst, ... mein Freund.“

Nun wendet Borgil sich Kaney zu. Er stattet den Werblütigen mit Schleudern aus (»Hier. Mehrere Lederschleudern, einfach zu bedienen, solltet ihr ja alle können...«), die dieser unter Tiuri, Aisha und Frey (Faron lehnt ab) verteilt. Zusätzlich zu seiner eigen behält der Wargenmischling auch noch für Lilith eine Schleuder zurück und der Harfenwirt holt derweil vier Beutel mit Munition, gewöhnliche Schleuderkugeln, hervor. Anschließend überreicht er Kaney noch ein schlichtes Kästchen. »Und dann noch diese hier. Vorsicht! Sie sind mit Loas Öl gefüllt! Es sind nur zwanzig Stück, mehr habe ich nicht, aber dafür setzen sie selbst Wasser in Brand! Sie müssen in diesem heugefüllten Kästchen transportiert werden und gnaden euch die Götter, wenn ihr sie fallen lasst!«, brummt er. Als nächstes schaut sich der Zwerg nach Obsidianwaffen um, erklärt ihnen aber gleich, dass er davon nicht allzu viele besitzt. Drei Dolche lassen sich dann allerdings doch finden, dazu etliche Pechfackeln, zwei Seile aus Varynnagras (»Absolut reißfest, leicht elastisch und fängt nur sehr, sehr schwer Feuer. Zwei Stück mit zwanzig Schritt Länge... herrje, ich muss meine Vorräte aufstocken, das sehe ich schon.«), vier Phiolen mit Loas Öl und dazu Verbandslinnen, Weißmoos und eine Phiole Rochwasser (»... das ist heilendes Wasser aus den Aniraquellen von Tober Roch im alayzer Land. Es fördert und beschleunigt die Heilung von schweren Verletzungen... aber es bewirkt kein Wunder, also gebraucht es weise... und bitte, trinkt es nicht, sondern behandelt die Wunde damit, aye?«).
Geschäftig holt der Zwerg die verschiedensten Dinge heran und verteilt sie unter den Anwesenden. »Weiter... wo war ich stehen geblieben? Ach ja... Kaney, wollt Ihr irgendwelche Waffen oder eine Rüstung oder geht Ihr als Wolf? Und was ist mit den anderen... wollt ihr noch etwas mitnehmen?« Faron überlegt. „Hm, für Schleudern habe ich nicht viel übrig. Aber im Gegensatz zu unserer Magierin hätte ich gegen ein paar Wurfsterne, die Ihr vorhin erwähnt habt, und ein paar Krähenfüße, falls Ihr welche habt, nichts einzuwenden“, erklärt er, während Borgil sich seinem Ziehsohn zuwendet. »Zu dir, Tiuri, komme ich gleich. Ich habe da noch etwas für dich. Verdammt... ich würde am liebsten mit euch kommen, aber ich will Aurians Leben nicht in Gefahr bringen. Nur... also wenn ich in den nächsten zwölf Stunden nichts von euch höre, dann komme ich euch holen, aye? Und jetzt Beeilung, wir haben nicht die ganze Nacht Zeit!« Mit dieser letzten Feststellung hat der Harfenwirt eindeutig Recht und so sehen alle zu, dass sie sich tatsächlich beeilen.

Während die anderen die letzten Vorbereitungen treffen und Borgil Tiuri beiseite nimmt, hält Faron Rœskva prüfend in Händen. Die schwere Schlachtenaxt aus Eisenholz ist wirklich ein herrliches Stück. Seine alte Doppelaxt, die der Oberste Stallmeister einst während des Dämonenangriffs irgendeinem namenlosen Toten abgenommen hat und seither führt, ist damit absolut nicht zu vergleichen. Der Faun begutachtet Rœskva eingehend und ist nun erst recht dankbar dafür, dass Vareyar ihn nach der schrecklichen Schlacht mit dem Dämon zu regelmäßigen Waffengängen überredet hat. So ist der Waffenmeister der Steinfaust längst einer der engsten Freunde des Fauns geworden – und in eben diesem Moment ist Faron dem Hauptmann der Indigogarde wie bereits gesagt mehr als dankbar, dankbar dafür, dass dieser ihm beigebracht hat eine Axt so geschickt zu führen und so effizient einzusetzen wie möglich. Er überlegt kurz, dann versieht er sowohl die Klinge seines Jagdmessers als auch die Schneide der Schlachtenaxt mit Diulares-Gift.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 06. Nov. 2008, 23:49 Uhr
>Keine Waffe?< Borgils Blick und seine äußerst verständnislosen Worte lassen Tiuri einfach nur mit den Schultern zucken. Auch er kann nicht nachvollziehen was Lilith da so eben von sich gegeben hat. Und wenn wir dort unten mit Feuer aus irgendeinem Grund nicht weit kommen sollten? Gedanklich nimmt er sich vor auch für Lilith irgendetwas spitzes und scharfes aus Borgils Keller mitzunehmen, auch wenn der Zwerg gerade drein sieht, als würde er die Magierin aufgrund dieses Frevels niemals eines seiner wertvollen Stücke auch nur  ansehen lassen.
Die Siegel am Schloss der Waffenkammer hätte Tiuri dann langsam auch wirklich selbst überprüfen können, denn es ist bei den Göttern nicht das erste Mal, dass er hier unten steht. Nicht nur einmal hat der junge Mann sich des Nachts mit einem der dicken Wälzer die Borgil ihm zu lernen gegeben hat hier hinunter geschlichen und Zeichnungen mit Realität verglichen. Er kann nur schmunzeln als Borgil angesichts des großen Zweihänders mit den Saphiren im Griff nur kurz anmerkt, dass keiner ihn anfassen soll und er erinnert sich nur zu gut an den Tag an dem Azra und er hier „sauber gemacht“ hatten und Borgil mit sich beinahe überschlagender Stimme gerufen hat: >Vorsichtig mit dem Zweihänder! Das ist Schattenfluch, verstehst du? DER Schattenfluch!<
Seit dem hat Tiuri einiges gelernt und obwohl es ihn jedes Mal wenn er das wertvolle Schwert sieht in den Fingern juckt, er hängt doch an seiner Hand und er kennt die Worte aus Rumriks Almanach der großen Helden und ihrer Waffen nur zu gut, die von rauchenden und brennenden Händen handeln. An seinen Händen hängt Tiuri dann doch, nicht nur körperlich, versteht sich und so hat er der Versuchung Schattenfluch von seinem Ehrenplatz an der Wand zu nehmen immer widerstanden.  
Geduldig (und mit bei jeder Waffe die Borgil hervor holt, leuchtenden Augen) sieht Tiuri zu wie Borgil Äxte, Kettenhemd, Phiolen, Schleudern, Dolche, Verbandslinnen und anderes praktisches Zeug verteilt, greift wie Faron ebenfalls zu als Borgil erbost die Wurfsterne wieder an ihren Platz zurück legen will. Mit Lilith, die von Waffen eindeutig nichts zu halten scheint, und ein paar Wurfsternen in ihrer Hand in seinem Rücken, hätte er sich ohnehin nicht allzu wohl gefühlt, aber er sucht während der Zwerg Kaney fragt ob er eine Rüstung möchte oder nicht, einen einfachen, aber guten Dolch für Lilith heraus. Sie wird ihn schon nehmen… hofft Tiuri einfach einmal auf das Einsehen der Magierin und steckt sich seinerseits sowohl einen Dolch, als auch eine Schleuder an den Gürtel. Danach greift er nach zwei verschiedenen Armbrüsten, von denen er zugegebener Maßen wenig - da er bisher nur davon gelesen hat - Ahnung hat und legt sie beide einmal an. „Was denkst du?“ fragt er in Richtung Borgil und schwenkt vorsichtig die beiden Waffen. Selbst wenn er noch nie mit einem solchen Ding geschossen hat, wie schwierig kann es schon sein und die Vorstellung einen Bolzen in einen Raum zu schicken bevor er ihn selbst betreten muss, behagt ihm durchaus. Von den Armbrüsten fällt sein Blick auf einen mächtigen Morgenstern und bei diesem Anblick fällt ihm Caewlin ein, der ein solches Ding mit in die Kanäle getragen hat. Einen solchen Nordmann und Anführer könnten wir jetzt gut gebrauchen.
>… Zu dir, Tiuri, komme ich gleich. Ich habe da noch etwas für dich. Verdammt... ich würde am liebsten mit euch kommen, aber ich will Aurians Leben nicht in Gefahr bringen. Nur... also wenn ich in den nächsten zwölf Stunden nichts von euch höre, dann komme ich euch holen, aye? Und jetzt Beeilung, wir haben nicht die ganze Nacht Zeit!<
Bei dieser Bemerkung sieht Tiuri von seinen Armbrüsten hoch, vergisst die Schwärmerei über die Drachenstahl Shuriken, denkt nicht mehr an Nordmänner die ihm ohnehin gerade nicht helfen können und blinzelt nicht einmal mehr zu Schattenfluch hinüber. „Sag mir, dass du in den Tiefen deines Kellers eine Rhashan-Klinge verborgen hältst!“ Doch schon als er es ausspricht fällt ihm ein, dass Nekromanten nun mal einfach keine Schwarzmagier sind, sondern ihre Kräfte durch ihre priesterlichen Fähigkeiten erlangen und er weiß nicht, ob das Rashan dagegen helfen würde. Am Ende würde es nur unseren Magiern die Kräfte entziehen und der Nekromant würde aus uns einfach Hackfleisch machen. Keine gute Idee… Kopfschüttelnd und „vergiss es“ murmelnd, verwirft er den Gedanken wieder und wartet ab was Borgil für ihn bereit hält.
Was der Zwerg dann für ihn hervor holt lässt Tiuri für einen guten Moment einfach den Mund offen stehen. „Ist das…“ Vorsichtig greift er nach dem matt schimmernden Kettenhemd das Borgil ihm entgegen hält. Tatsächlich ist es noch leichter als Tiuri erwartet hat und ehrfurchtsvoll blickt er zwischen Borgil und dem Kettenhemd hin und her. Auf dem Gesicht des Zwerges liegt ein etwas grimmiges Lächeln (aber das ist bei Borgils Lächeln meistens so) und etwas das Tiuri als Stolz interpretieren würde, als er zustimmend nickt. „Yalaris...“ stellt Tiuri also fest und sieht noch einmal prüfend zu Borgil ob ihn dieser jetzt nicht kopfschüttelnd einen Dummkopf schelten würde. Doch nichts dergleichen passiert und Tiuri erlaubt sich das wertvolle Stück von allen Seiten zu betrachten – so viel Zeit muss sein. Die Kettenglieder gehen schon fast fließend ineinander über und an seinem Halsausschnitt ist es mit feinen elbisch anmutenden Linien verziert, die sich in der Mitte des Ausschnittes zu einem kleinen Phönix vereinigen. Der Rest des Kettenhemdes spricht für sich selbst und benötigt keinen weiteren Firlefanz um von seinem Wert zu zeugen. Der junge Krieger lässt es sich natürlich nicht nehmen sofort hinein zu schlüpfen, noch ein bisschen voller Angst, dass es eventuell zu klein ist, denn die paar Elben die er bis jetzt so kennen gelernt hat waren zwar groß, aber doch schmaler als er. Aber auch diese Angst ist unbegründet, denn das Hemd passt ihm wie eine zweite Haut. „Das ist…“ schon wieder bringt er nichts Intelligentes hervor, sondern breitet die Arme aus, streckt und dreht sich in die verschiedensten Richtungen und ist einfach begeistert von der Tatsache, dass er damit gut vor Waffen geschützt ist, aber nichts von der ihm eigenen Wendigkeit eingebüßt hat. Doch damit nicht genug, aus einer etwas abseits stehenden Truhe holt Tiuris Adoptivvater jetzt auch noch Arm- und Beinschienen für den Jungen hervor und Tiuri sieht sofort, dass auch diese ihm haargenau passen werden. Damals in Nemur ist Tiuri mehrere Monde neben Borgil in der Schmiede gestanden und hat ihm bei der Arbeit zugesehen, die Handschrift des Zwerges erkennt er also sofort an diesen Stücken. „Die hast du gemacht, nicht wahr?“ Sowohl Arm- als auch Beinschienen sind ohne übertriebene Verzierungen und sehen aus wie aus einer Reihe großer Drachenschuppen zusammengesetzt, die an den Enden spitz zulaufen und so auch noch Knie und Ellenbögen schützen, ohne Arme und Beine in ihrer Beweglichkeit einzuschränken. Die Innenseiten sind natürlich mit weichem Leder gepolstert, so dass nichts drückt und reibt denn keiner kann im Kampf gebrauchen, dass die eigene Ausrüstung sich gegen ihn wendet. Auch diese Rüstungsteile sitzen, wie erwartet, angegossen als Tiuri sie anlegt und wenn es nicht völlig unmännlich gewesen wäre, wäre er Borgil in diesem Augenblick, wie ein kleines Kind seinem Vater, um den Hals gefallen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Kaney am 07. Nov. 2008, 19:40 Uhr
Ein Glänzen schimmern in den bestiengelben Augen des Wargenmischlings, als er diese geheime Waffenkammer unter der Harfe betrachtet.
Gut, mit den meisten Waffen kann er persönlich wenig anfangen, aber allein die Anzahl beeindruckt ihn.
Und während Faron schon mit einer beeindruckenden Schlachtaxt ausgerüstet wird, blickt Kaney noch von einer Waffe zur nächsten.
Peitschen, Äxte, verschiedene Schwerter mit verschiedenen Längen, Speere, Lanzen, Dolche...
In diesem Kriegerherz schlägt bestimmt jedes Kriegerherz höher und schneller.
Doch dann lenkt Kaney seine Gedanken auf das, was Borgil ihnen zur Hilfe geben kann, und ein zufriedenes, tierisches Grinsen taucht in Kaneys Gesicht auf, als er das weiche Leder der Schleuder berührt.
Die Schleuder war die erste Waffe die er zu meistern gelernt hatte, und somit war dieses einfache Stück Leder und ein einfacher, gut geformter Kieselstein immer noch seine Lieblingswaffe... und diese Schleuderkugeln flogen garantiert noch besser als ein normaler Kieselstein.
Nur allzugerne würde er einen Probeschuß wagen - lässt es aber aus mehreren Gründen doch sein.
Wer weiß, was für Geheimnisse hier herumstehen, die er mit einem Stein vernichten könnte, wer weiß, wie der Zwerg reagieren würde wenn irgendeine Vollrüstung plötzlich eine Delle hat... und letztendlich bekommt Kaney wohl schneller als ihm lieb ist die Möglichkeit, die Schleuder und die Kugeln auszuprobieren.
Als Borgil die mit Loas Öl gefüllten Schleuderkugeln übergibt, zieht der Wargenmischling eine Augenbraue hoch... er muss gerade daran denken, wie Lilith aus Wut über den Tod des Botenbuschens dass Blatt Papier in Feuer hat aufgehen lassen... derjenige, der Loas Öl mit sich herumträgt, sollte sich von der Feuermagierin lieber fernhalten.
Sicher ist Sicher...

Kaney ist etwas enttäuscht als er nur drei ObsidianDolche sieht, aber immerhin, drei dieser Dolche sind besser als keinerlei Dolche.
So greift Kaney zu, wiegt den schwarzen, glänzenden Dolch in seinen Händen... eine wunderbare Waffe...
>...Ach ja... Kaney, wollt Ihr irgendwelche Waffen oder eine Rüstung oder geht Ihr als Wolf?<
Kurz überlegt Kaney, schüttelt dann den Kopf.
"Ich werde erst einmal ein leichtes Kettenhemd brauchen...  ich denke, ich bin zuerst in dieser Gestalt von größeren Nutzen..."
Und so packt auch Kaney seine Sachen zusammen, zieht wie Faron ein mit Leder verstärktes Kettenhemd an, bewaffnet sich mit einem einfachen Kurzschwert und einem Langdolch, dann steckt er noch einen weiteren, dünnen Dolch in seinen Stiefel...
Und dann packt er noch eine Umhängetasche mit anderen Sachen, die durchaus nützlich sein könnten... Feuerstein und Zunder natürlich, wie sonst sollen sie die Pechfackeln anzünden (gut, sie könnten auch Lilith als Feuerzeug benutzen, aber das wäre auf Dauer doch problematisch), Verbände und Weißmoos kommen ebenso dazu, genauso ein länglicher Dolch für Mistress Lilith und wenn ich ihr den Dolch an die Hand FESTBINDEN muss, sie kriegt einen...

Was fehlt noch? Oh, ganz wichtig....
"Eh.. Borgil.. könntet ihr mir auch etwas Proviant einpacken?"
Kaney errötet leicht. Bei seinen Männern war er berühmt und berüchtigt dafür, dass er jederzeit Unmengen essen konnte... ein Überbleibsel aus der Zeit, als er vagabundierend durch die Lande gezogen ist und manchmal Tagelang gar nichts zu essen hatte, so dass er sich - sobald sich die Möglichkeit bot - immer vollstopfte.
Und Kaney wusste jetzt schon, dass schon bald über den eingepackten Proviant dankbar sein würde - mit leeren Magen war er manchmal wirklich unausstehlich.

Dann überlegt der Wargenmischling.
Theoretisch würde er am liebsten noch eine Schlafrolle mitnehmen... aber da es sich nach Borgils Aussage ja nur um eine Zwergenschmiede handelt, und kein Labyrinth, werden sie dort wohl kaum nächtigen, wozu allso zusätzliches Gewicht mitnehmen?
Dann packt Kaney doch lieber noch einige Kleinigkeiten, wie Lederriemen und einen Kerzenstummel ein.

>...Nur... also wenn ich in den nächsten zwölf Stunden nichts von euch höre, dann komme ich euch holen, aye?<
"Zwölf Stunden... gut... am besten bringt ihr dann die gesamte IndigoGarde mit, oder wer euch sonst immer noch einfällt" murmelt der Wargenmischling, seufzt, springt dann einige Male mit seinem Gepäck auf und ab um ein Gefühl für das Gewicht zu bekommen... und erklärt dann mit fester Stimme: "Ich bin bereit."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aishalanea am 08. Nov. 2008, 22:26 Uhr
Der Harfenwirt ist gar nicht erbaut von den Plänen der Ermittler, sich das unterirdische Labyrinth einmal anzusehen (Aisha, um ganz ehrlich zu sein, auch nicht) und hält ihnen gerade einen Vortrag, daß sie wohl allesamt den Verstand verloren hätten, da platzt ein Küchenjunge herein, stammelt rot vor Verlegenheit etwas herum und drückt dem Zwerg einen Weidenkorb in die Hand, bevor er eiligst wieder verschwindet. Einen Moment lang gestattet Aishalanea sich und ihrem knurrenden Magen die Hoffnung, daß es sich um ein Freßpaket für hungrige Ermittler handelt, doch als der Junge dann einen dunkel gekleideten Fremden erwähnt, an dessen Gesicht er sich beim besten Willen nicht erinnern kann, verwandelt sich das leere Gefühl in ihrem Bauch unversehens in einen quaderschweren Stein.

Borgil, der den Korb öffnet und hineinsieht, läßt sich nichts anmerken, und auch sonst geschieht nichts Spektakuläres, während er mit spitzen Fingern einen Zettel herausnimmt und ihn an Lilith weiterreicht, damit diese ihn vorliest: >"Kommt allein. Ihr solltet wissen, wohin. Sonst gehört der nächste Kopf, den ich verschicke, eurer Magierin."<
Stille senkt sich über den Raum, während alle Blicke bang auf den Korb gerichtet sind und das Blatt in Liliths Händen zu Asche zerfällt, dann ergreift die Magierin als erste das Wort: >„Borgil….wer….wessen…..wessen Kopf ist in diesem Korb?“< Sie drängt sich an dem Zwerg vorbei, um hineinzusehen, und was immer sie dort erblickt, entlockt ihr einen Fluch: >„Dieser Bastard…in allen Höllen soll er schmoren.“<

Aishalanea fällt es schwer, den Blick von dem Behältnis abzuwenden, aber sie verspürt nicht das geringste Bedüfnis, sich seinen Inhalt anzusehen.
>"Ich glaub, damit sind unsere Entscheidungsmöglichkeiten etwas eingegrenzt. Wir können versuchen, Aurian zu retten, und stehen dabei ganz alleine einem hochrangigen Nekromanten gegenüber, oder aber wir informieren den Lordcommander, warten auf Unterstützung, und bekommen noch so einen... Geschenkkorb..."< fasst Kaney zusammen, und Aisha muß ihm zustimmen, auch wenn ihr der Gedanke nicht gefällt.
Um sie herum brechen die anderen Ermittler in hektische Planung aus, die Rede ist von Weihwasser, Feuer, Obsidian... Wir ziehen gegen Untote in die Schlacht, wird es Aisha plötzlich bewußt, und das hier ist keine Gruselgeschichte...

Lilith lehnt es hochmütig ab, eine Waffe anzunehmen, und verschwindet hinauf in ihr Zimmer, während Tiuri die verbliebenen Ermittler in einen geheimen Kellerraum führt. Verwundert sieht Aisha zu, wie unter dem dicken Teppich eine Luke zum Vorschein kommt, noch sprachloser ist sie angesichts der Schatzkammer, die sich ihnen gleich darauf im Schein ihrer Fackeln darbietet. Mit fachmännischem Blick erkennt sie die kostbaren Materialien und die feine Verarbeitung so manchen Stücks, am liebsten würde sie die eine oder andere Waffe prüfend in die Hand nehmen.
"Berührt es nicht", hört sie Borgils Stimme neben sich - seine Worte beziehen sich auf einen wahrhaft atemberaubenden, edelsteinbesetzten Zweihänder, der wie eines jener Schwerter aus den alten Legenden wirkt, das sich irgendwie in den Keller dieses Gasthauses verirrt hat - und Aishalanea verschränkt wie ein ertapptes Kind die Hände auf dem Rücken, obgleich sie dem kostbaren Zweihänder noch nicht einmal nahe gekommen ist.

Borgil überreicht Faron eine gewaltige Axt und ein Kettenhemd, Krähenfüße und Wurfsterne, und auch Tiuri erhält eine prachtvolle Rüstung, darüber hinaus werden sie von dem Zwerg reihum mit Ausrüstungsgegenständen beladen: Munition, Verbandszeug, Fackeln, Seile…
Aishalanea wickelt sich das zweite Varynnagras-Seil um den Oberkörper, steckt eine der Schleudern in ihren Hosenbund, schnappt sich eine der Fackeln und schiebt den dritten und letzten Obsidiandolch in ihren Stiefelschaft. Dann füllt sie eine kleine Gürteltasche mit dem Säckchen Schleudermunition und der Phiole Rochwasser, sorgfältig abgepolstert mit Verbandszeug und Weißmoos, damit das kostbare Gefäß nicht zerbricht. Soweit, so gut.
Suchend gleitet ihr Blick über Waffen, Kettenhemden, Flaschen und Munitionskisten. „Ehm, Borgil, Ihr habt nicht zufällig noch eine leichte Lederrüstung, die mir passen könnte? Ich würde mich ungern in einer seidenen Bluse auf einen Kampf einlassen...“
Wäre fast ein Wunder, falls nicht – das ist ja der reinste Drachenhort hier…
„Ach ja, was ist jetzt eigentlich mit Armarius’ Geschenk, nehmen wir das mit, falls wir es finden? Wenn niemand was dagegen hat, wäre in meiner Tasche gerade noch Platz dafür…“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 09. Nov. 2008, 10:04 Uhr
Natürlich hat Borgil nichts dagegen, Faron statt der Feuermagierin die Shuriken aus Drachenstahl zu überlassen und er findet in einer Truhe sogar ein paar Krähenfüße für den Faun, wenn es auch nur vier Stück und die obendrein von vollkommen gewöhnlicher Art sind. Auch Tiuri bedient sich bei den Wurfsternen, nimmt aber zusätzlich noch eine Schleuder an, während Kaney ein ähnliches Kettenhemd wie Faron überstreift und sich ebenfalls bewaffnet. Für Proviant verspricht der Zwerg ebenfalls zu sorgen, ebenso wie er versichert, sie nicht im Stich zu lassen, und für Aishalanea wird noch eine leichte Rüstung aus verstärktem Leder aus einer Truhe gefischt, die sich weich und anschmiegsam wie Samt trägt, bestehend aus einem Harnisch, Schulterstücken, Arm- und Beinschienen, sowie einem leichten, ledernen Helm. Die Farbe ist im Dämmerlicht der Laternen nur schwer genau zu bestimmen - es könnte sowohl blau, als auch schwarz oder dunkelgrau sein, jedenfalls ist es matt und dunkel, und scheint alles Licht zu schlucken. "Pedwarlarleder," schnarrt Borgil. "Verstärkt und gehärtet. Steht Euch gut. Tarnt hervorragend. Schwärzt euch noch das Gesicht und Ihr seid mit eurem dunklen Haar in einem unbeleuchteten Keller so gut wie unsichtbar... natürlich nur, wenn Euch nichts riecht, das dort möglicherweise herumkraucht."

Dann wird Tiuri ausgerüstet - eigentlich hatte Borgil noch damit warten wollen, bis sein Ziehsohn sich vielleicht für einen möglichen Zukunftsweg entschieden hätte, doch da die Dinge nun einmal sind wie sie sind, bekommt der Bengel seine Rüstung eben jetzt. Tiuris im wahrsten Sinne des Wortes sprachlose Begeisterung lässt Borgil glühen vor Zufriedenheit - er weiß, dass er ein guter Schmied ist, natürlich kein Vergleich zu einem wahrhaft großen zwergischen Meister, aber immer noch besser als jedes Langbein - und in diese Schienen und in das Kettenhemd hatte er seine ganze Kunstfertigkeit gesteckt. Jetzt blinzelt er also mit väterlichem Stolz im goldenen Licht der Laternen seinen baumlangen Ziehsohn an, der, von Kopf bis Fuß in schimmerndes Yalaris gehüllt ein wahrhaft beeindruckendes Bild abgibt, das Borgils altes, kaltes Zwergenherz prompt höher schlagen lässt. >Die hast du gemacht, nicht wahr?<  
Borgil reißt in gespieltem Entsetzen die Augen auf, grinst aber breit, als er erwidert: "Nein, der Feenkönig Noisin Feuerflügel - natürlich hab ich die gemacht! Und sie stehen dir ganz ausgezeichnet. Hier... rutscht das noch? Nein... ah gut, brauchen wir keine zusätzlichen Löcher für die Schnallen. Du kannst sie so einstellen... und so und so... und diese Schuppenklappen hier sind für die Knie, die Scharniere gehen butterweich, siehst du..." so und so ähnlich fachsimpeln Borgil und Tiuri und passen dem Jungen dabei seine Rüstung an, die dank des kostbaren Materials besonders leicht, aber nahezu unzerstörbar ist und ihren Träger dennoch nicht beengt oder ihn gar unbeweglich macht. "Sehr schön," murmelt Borgil nach einer Weile. "Freut mich, dass sie dir gefällt..."  Die kleine Truppe wird viel zu schnell fertig mit dem Zusammensuchen ihrer Ausrüstung und als alles bereit ist und jeder hat, was er braucht, verlassen sie den Keller wieder, verschließen die Luke, rollen den Teppich an Ort und Stelle und wenden sich schnurstracks in Richtung Küche, wo Borgil seine Mägde anweist, der Truppe Proviant und Wasser für zwei Tage (sicher ist sicher) zusammenzupacken. Dann ist tatsächlich alles getan und die Ermittler sind, soweit Borgil das beurteilen kann, gerüstet und bereit aufzubrechen. Sie sammeln die Magierin ein und was sonst noch an nützlichem herumliegt, wie etwa des Alchemisten Würfelbecher, dann kommt die Stunde des Aufwiedersehensagens. "Nur keine langen Abschiedszenen," murmelt der Zwerg. "Hab' ich noch was vergessen, hum? Nein, oder? Na dann hinaus mit euch und holt Aurian zurück! Möge Sil mit euch sein und euch beschützen..."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Tiuri am 09. Nov. 2008, 18:59 Uhr
Da stehen sie nun und sind von oben bis unten verpackt und bis auf die Zähne bewaffnet, gerade so, dass keiner von ihnen durch das Tragen von etwaigen Klingen behindert wird. Sie sehen sich noch einmal um und besorgt lässt Tiuri seinen Blick noch einmal musternd über seine Mitstreiter schweifen. Gibt es etwas, dass sie noch brauchen könnten, etwas praktisches, dass Tiuri einfach vergessen hat, sind sie wirklich auf alle Eventualitäten vorbereitet? Nein, und das werden wir ohnehin niemals sein. Es bringt nichts die Sache noch länger vor sich her zu schieben, also streckt sich der Junge, bewegt sich noch einmal prüfend in seiner Rüstung und verlässt dann zusammen mit den anderen Borgils Waffenkeller.
Gedanklich geht er die Waffen durch, die sie damals in den Kanälen mit sich hatten, denkt an jeden Schritt und steht plötzlich vor einer verschlossenen Tür. Faraday und ich haben damals die Türe geknackt… Es ist ganz schön lange her, seit Tiuri das letzte Mal dem Diebeshandwerk nach gegangen ist, seit dem ist er weit gekommen, aber er zweifelt nicht daran, dass er auch jetzt noch zur Not ein einfaches Schloss würde knacken können.
„Ich bin gleich wieder da!“ ruft er den andern zu und läuft die Stufen nach oben, noch immer fasziniert darüber wie leicht die Rüstung ist die er gerade trägt. In seinem Zimmer angekommen reißt er wild und hektisch alle Schränke und Schubladen auf, durchwühlt seine Sachen schlimmer als jeder Einbrecher, bis er tatsächlich den alten Dietrich findet, den er früher stets am Körper getragen hat.
Du hast mir viele gute Dienste geleistet, wer weiß wozu du jetzt gut bist!
Das kleine Metallteil sicher verstaut, blickt er sich auch hier noch einmal prüfend um, sieht nach ob er seine Zauberbohnen auch tatsächlich bei sich hat und dabei fällt ihm ein, dass Amarius Würfelspiel vielleicht noch irgendwo in der Harfe herum liegt. Tatsächlich hat er dieses Mal auch Glück und findet das Würfelspiel sogleich in der kleinen Kammer in der sie ihre täglichen Ermittlunggespräche geführt hatten.
Auf dem Weg nach unten trifft Tiuri auf Azra, der beinahe das Herz stehen bleibt als sie ihn in voller Montur sieht. Natürlich versucht sie ihn von seinem Vorhaben abzubringen, obwohl Tiuri mit keinem Sterbenswörtchen erklärt was er tatsächlich vor hat. Würde er das nämlich tun, würde ihm Azra vermutlich mit einem gewaltigen Satz mitten ins Gesicht springen und ihn an den Haaren am Treppengeländer festbinden, wenn ihr denn keine andere Möglichkeit bleibt. „Mach dir keine Sorgen, ich bin bald wieder da!“ klingt auch in seinen Ohren wie ein leeres Versprechen und wenig hoffnungsvoll, aber es ist die einzige Möglichkeit die kleine Harfenwirtin irgendwie zu beruhigen.
Bei den übrigen Ermittlern angekommen, reicht er Aishalanea als erstes das Würfelspiel und hofft, dass die junge Frau einen guten Riecher dafür haben würde wann es an der Zeit wäre es einzusetzen, denn er kann sich bei den Göttern noch nicht einmal erklären wofür das Ding eigentlich gut sein soll.
Als nächstes geht er auf Lilith zu, vorsichtig, um nicht zu wirken als würde er ihr den Dolch aufzwingen wollen. (Was er zur Not natürlich schon tun wollen würde, aber lieber wäre es ihm, sie würde ihn von alleine annehmen.)
„Ich weiß, du bist kein Knappe und schon gar kein Krieger, aber wer weiß was uns dort unten passiert und naja…“ Mit einem spitzbübischen Grinsen streckt er ihr den Dolch entgegen, etwas abwartend ob sie ihn auch annehmen würde und atmet dann erleichtert aus als sie das tatsächlich tut. „Stich sie mit dem spitzen Ende!“ sagt er augenzwinkernd und dreht sich dann zu Halla um, die auf Borgils Geheiß eine ganze Ladung an Proviant bringt und zusätzlich einige kleinere und größere Phiolen, Wasserschläuche und sogar ein Trinkhorn, das sie zur im Tempel mit Weihwasser befüllen können.
Die sollten das Zeug schon handgerecht verpacken und verkaufen, so wie das hier gebraucht wird!
>Nur keine langen Abschiedszenen. Hab' ich noch was vergessen, hum? Nein, oder? Na dann hinaus mit euch und holt Aurian zurück! Möge Sil mit euch sein und euch beschützen...<
Sie wissen ohnehin nichts intelligentes, dass man in so einer Situation zum Abschied sagen könnte. Hals- und Beinbruch, vielleicht. Nickend und Borgil noch einmal für seine Hilfe dankend, verlassen sie also die Goldene Harfe. Tiuri nicht ohne sich noch einmal kurz nach Borgil umzusehen ohne dessen Hilfe er in den letzten Zwölfmonden überhaupt nicht viel getan hat und ohne den er jetzt in die Arme des Nekromanten laufen muss. Jetzt sei ein Mann und kein Kleinkind, was würde Borgil sagen wenn er wüsste was du da denkst!
Mit Schwung öffnen sie die Türe ins Freie, wo sie ein strahlend schöner Grünglanztag erwartet, der so überhaupt nicht zu Tiuris düsterer Stimmung passen will.

Anstatt den direkten Weg zur Felsenschmiede einzuschlagen, machen sie den, zugegeben etwas längeren Umweg, nach Norden, wo der Anukis-, der Inari- und der Faêyristempel gleich nebeneinander stehen. Sie teilen sich auf die drei Tempel auf und plündern mit so wenigen Erklärungen wie möglich die Weihwasservorräte der heiligen Stätten. Fertig beladen treffen sie sich wieder auf der Straße vor den Tempeln, verteilen ihre Vorräte und machen sich nun endgültig auf den Weg zur Schmiede des Zwerges Sol.

----> Felsenschmiede

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lilith am 10. Nov. 2008, 09:21 Uhr
Nach dem Lilith schweigend ihr Mahl verspeist hat, geht sie zurück in den Ermittlerraum, welcher jetzt leer ist. Sie werden doch hoffentlich nicht ohne mich gegangen sein? Ein wenig beunruhigt, nimmt Lilith noch eine Pergamentrolle und ein Kohlestift vom Tisch und steckt diese sorgfältig in ihren grossen Leinenbeutel, welchen sie von einem Hacken hinter der Türe nimmt. Plötzlich hört sie Schritte und die ganze Ermittlertruppe kommt zur Tür hinein, ausgerüstet und bewaffnet bis an die Zähne. Erstaunt zieht die Magierin die Augenbrauen in die Höhe sagt aber nichts und schon steht Tiuri vor ihr. >„Ich weiß, du bist kein Knappe und schon gar kein Krieger, aber wer weiß was uns dort unten passiert und naja…“< Er streckt ihr einen einfachen, aber scharfen Dolch in einer Lederscheide entgegen und schaut sie mit einem spitzbübischen Grinsen an. Die Magierin will erst protestieren, schluckt dann aber ihre Worte runter, seufzt und nimmt den Dolch entgegen. >„Stich sie mit dem spitzen Ende!“< Meint der grosse Junge noch mit einem Augenzwinkern, worauf sich Lilith ein Lachen nicht verkneifen kann. „Ich werde versuchen mir keinen Finger abzuschneiden, versprochen.“ Meint sie verschmitzt und befestigt den Dolch an ihrem Gürtel.

Während Halla Proviant verteilt, welchen Lilith dankbar annimmt und ihren Beutel verstaut, kommt Kaney zu ihr und überreicht ihr noch Verbandszeug, ein Seil und zwei Pechfackeln. Die Magierin bedankt sich und steckt alles in ihren Beutel und Kaney hält ihr noch eine kleine Holzschachtel entgegen. Fragen blickt sie den Wargenmischling an und dieser erklärt ihr, dass es sicher hierbei um Loas Öl handelt. >“Falls du merkst, dass du die Kontrolle verlieren solltest, gibt das Öl besser mir. Wir wollen ja nicht die ganze Truppe in Flammen aufgehen sehen.“< Lilith nickt schweigend und packt die Truhe vorsichtig in ihren Beutel. Das Seil hängt sie sich quer über die Schulter und erhält dann von Halla noch einen kleineren, leeren Wasserschlauch. „Für das Weihwasser.“ Erklärt die Mogbar leise und die Feuermagierin hängt den leeren Schlauch ebenfalls über die Schulter. >Nur keine langen Abschiedszenen. Hab' ich noch was vergessen, hum? Nein, oder? Na dann hinaus mit euch und holt Aurian zurück! Möge Sil mit euch sein und euch beschützen...< Brummt Borgil grimmig und ohne viel Worte zu verlieren, verlässt die Gruppe die Harfe.

Draussen scheint fröhlich die Sonne und Lilith zieht mit einem unzufriedenen Ausdruck in den Augen, ihre Kapuze tief ins Gesicht. Ihre Finger zittern leicht, doch sie will die Angst und die Nervosität vor den anderen verbergen und umfasst ihren Magierstab so fest, dass ihre Knöchel weiss hervortreten. Sie weiss, dass sie hier wohl die Einzige ist ohne Kampferfahrung, doch sie hat sich fest vorgenommen ihr Bestes zu geben. Angst vor dem Tod hat sie nicht, doch sie will nicht, dass jemand durch ihre Fehler leiden muss. Die Truppe macht einen kleinen Umweg, um bei den Tempeln ihre Phiolen und Wasserschläuche mit Weihwasser zu füllen und dann geht es geradewegs zur Felsenschmiede.


--> Felsenschmiede

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Faron am 10. Nov. 2008, 10:24 Uhr
Faron verstaut die Wurfsterne und Krähenfüße, die Borgil ihm reicht, befestigt eines des Seile aus Varynnagras neben seinem Seil aus gewöhnlicher Pflanzenfaser am Gürtel und füllt die am Gurt baumelnden Beutel, in denen sich u. a. schon ein paar Münzen, eine Zunderbüchse und ein Tontöpfchen mit Diulares-Gift befinden, mit Verbandslinnen und Weißmoos. Der Faun holt sein Jagdmesser hervor, versieht die Klinge mit Diulares und steckt es anschließend wieder hinten in den Gürtel neben den Falknerhandschuh. Anschließend nimmt er die Shuriken zur Hand und versieht auch Borgils Schlachtenaxt Rœskva mit dem Gift, bevor er das Diulares-Töpfchen wieder in einem der Beutel verstaut.
Frey, der neben ihm steht, überprüft sein Breitschwert, steckt sich einen der Obsidiandolche in den Waffengurt, befestigt eine Schleuder an seinem zweiten Gürtel, füllt zwei daran baumelnde Beutel mit Verbandslinnen und Weißmoos, lässt sich ein paar Schleuderkugeln reichen, streift ein gewöhnliches Kettenhemd über und erhält von Borgil zu guter Letzt wie alle anderen auch zwei Pechfackeln.

Schließlich sind alle fertig ausgerüstet und verlassen gemeinsam Borgils ganz privates Reich, um sich wieder zurück in den Ermittlerraum zu begeben, wo Lilith bereits etwas unruhig auf sie wartet. Faron stellt seine schwere Doppelaxt in einer Ecke des Zimmers ab, während Borgil seine Mägde anweist ihnen Proviant und Wasser für zwei Tage zu bringen und sie zusätzlich mit leeren Wasserschläuchen und Phiolen zu versorgen, die später mit Weihwasser befüllt werden können. Zwar bedauert der Oberste Stallmeister es ein wenig, die Waffe zurückzulassen, aber mehr als eine Axt wird er kaum brauchen und die Schlachtenaxt, die Borgil ihm überlassen hat, ist zweifellos besser als seine eigene dafür geeignet, um gegen einen Nekromanten ins Feld zu ziehen. Sein Blick wandert zu Frey hinüber, der drei überflüssige Beutel von seinem Gürtel löst und auf dem Tisch zurück lässt. Die zwei Männer lächeln einander kurz und flüchtig zu, dann nimmt der Faun zwei der herbeigeschafften leeren Wasserschläuche an sich, einen großen und einen kleinen, und reicht einen dritten großen Wasserschlauch an Frey weiter, welcher sich dazu noch zwei kleine Phiolen nimmt.
Tiuri, der für einen kurzen Augenblick hinaus auf sein Zimmer geeilt war, kehrt zurück, reicht Aisha das Würfelspiel des Alchemisten und drückt der Feuermagierin anschließend einen Dolch in die Hände. »Stich sie mit dem spitzen Ende!«, erklärt er ihr, was Lilith mit einem verschmitzten »Ich werde versuchen mir keinen Finger abzuschneiden, versprochen.« quittiert. Kaney überreicht ihr die Holzschachtel mit Loas Öl, anschließend lässt sich die Magierin von Halla noch einen kleinen, leeren Wasserschlauch für Weihwasser geben, dann sind alle bereit. Und so verkündet Borgil schließlich: »Nur keine langen Abschiedszenen. Hab' ich noch was vergessen, hum? Nein, oder? Na dann hinaus mit euch und holt Aurian zurück! Möge Sil mit euch sein und euch beschützen...«

Die kleine Schar nickt dem Harfenwirt zum Abschied schweigend zu, dann verlasstn sie sein Gasthaus und begibt sich auf den Weg zur Felsenschmiede. Dabei nehmen die "Ermittler" einen längeren Umweg in Kauf, um ins Tempelviertel zu gelangen, wo sie die Tempel von Inari, Anukis und Faêyris aufsuchen, um ihre leeren Wasserschläuche und Phiolen sowie das Trinkhorn mit Weihwasser zu füllen, bevor sie zu ihrem eigentlichen Ziel aufbrechen.

Die Felsenschmiede »

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 24. Jan. 2009, 12:52 Uhr
Gegen Mittag des 21. Grünglanz 508



Die Sonne steht hoch und warm an einem lichtdurchfluteten, strahlend blauen Grünglanzhimmel  über Talyra und am Marktplatz herrscht reges Feilschen und Handeln – ein frei herumlaufender Mörder hin oder her, die Leute müssen Essen, brauchen Seife, Wachs und Kerzen, Butter und Eier, Wolle, Setzlinge und Leder, Töpferwaren und andere nützliche Gerätschaften. Abgesehen davon lässt sich bekanntlicherweise nirgendwo so gut tratschen wie auf einem vollen Marktplatz  und zu reden gibt es wissen die Götter ja genug.  In der Harfe herrscht jedoch tiefes Schweigen und gähnende Leere – nur ein verbittert und undsagbar müde aussehender Wirt sitzt am Tresen und ertränkt seinen Frust, seine Wut und seine Sorgen in einem Fass fünfzehn  Jahre alten Feuerweins aus Myrme. Nachdem er den ersten Botenjungen, den Olyvar kurz nach Sonnenaufgang geschickt hatte, noch erfolgreich abwimmeln konnte mit seiner Frage nach den Ermittlern, hatte es die zweite Nachricht des Lord Commanders in sich gehabt – drei weitere Tote in einer einzigen Nacht und eine von ihnen, Fluch über die grausamen Ränke der Götter, Dancy!  Dancy Feuerhaar, Dancy der Drache, Dancy, Herrin des Pfirsichs…

Vor langer Zeit war sie für Borgil einmal mehr gewesen als nur eine Vertraute und er hatte sie, auch nachdem sich ihre Wege wieder getrennt hatten,  immer sehr gemocht. Ihr Tod hat ihn tief getroffen, mehr als er gedacht hätte, und nun sitzt er hier im düsteren Halbdunkel einer leeren Harfe und ertränkt seine Trauer in Feuerwein.  Er will niemanden sehen und mit niemandem sprechen, nicht einmal mit Azra. Das hier berührt einen Teil seines Lebens, den er lange hinter sich gelassen zu haben glaubt, doch nun holt ihn so einiges ein, das er lieber unberührt und verborgen im Dunkeln und in den hintersten Winkeln seiner Seele gelassen hätte. Er würde Dancys Tod rächen – das zumindest war er ihr schuldig. Er hatte die Herrin des Pfirsichs gekannt wie keiner sonst in dieser Stadt, er hatte gewusst, was für eine warmherzige Frau sie gewesen war, er hatte sie einmal geliebt, götterverdammt, auch wenn es lange her war - und wie ein räudiger Hund auf der Straße erschlagen zu werden hatte sie gewiss nicht verdient. In solche und ähnlich finstere und grauschwarze Gedanken versunken brütet Borgil in der Harfe vor sich hin, während draußen auf dem Marktplatz das Leben weitergeht – nicht so, als wäre nichts geschehen, schließlich hatte es in der Nacht drei Frauenleichen gegeben, aber es geht doch weiter.  

Und bei dir wird es auch weitergehen, Alter. Reiß dich zusammen und flenn hier nicht herum wie ein Welpe, der nach den Zitzen seiner Mutter schreit! Trotzdem hatte er die Harfe geschlossen – er kann heute beim besten Willen nicht den stets gelassenen Wirt mimen. Abgesehen davon wird er sich bald auf die Suche nach den anderen machen – zwölf Stunden hatte er ihnen gegeben und die waren  fast schon vorbei.  Den Morgen hatte er im Pfirsich verbracht – zusammen mit Varin und ein paar Männern der Steinfaust, die versucht hatten, eine Schar aufgebrachter, jammernder Huren zu beruhigen, die jetzt nicht mehr aus noch ein wissen, weil Dancy ihre Sicherheit und ihr Zuhause gewesen war… im Augenblick weiß noch niemand, wie es mit dem Pfirsich weitergehen wird und darum kann Borgil sich beim besten Willen nicht kümmern. Er würde seiner Frau schon irgendwie beibringen müssen, dass er dafür gesorgt hatte, dass Dancy ein anständiges Begräbnis und die Lieder und Fürsorge der Schweigenden Schwestern erhalten würde… wenn die Maester der Steinfaust ihre Leiche freigegeben hatten.  Borgil schenkt sich zwei Fingerbreit Feuerwein nach und murmelt einen zwergischen Fluch, als Halla, die den freien Tag für Einkäufe auf dem Markt  genutzt hatte, hereinplatzt, im Schlepptau einen von Kopf bis Fuß verstaubten, ziemlich mitgenommen aussehenden Frey.

„Meister Borgil, Meister Borgil!“ Japst seine Oberste Magd atemlos und schiebt den schwankenden Laiginer resolut in die leere Schankstube.  „Schnell, einen Heiler! Ich habe ihn auf dem Marktplatz aufgelesen, kam von Süden herauf und irrte durch den Rosssteinpark! Er ist völlig verwirrt, Meister Borgil,  brabbelt etwas von „alter Felsenschmiede“ und „Goblins“, von „Magie“ und „Einsturz“. Ich glaube, er hat tatsächlich was auf den Kopf gekriegt, was Schweres! Er blutet aus den Ohren und er hat schon ein bisschen Aufmerksamkeit auf sich gezogen da draußen… es sind allerlei Leute auf den Straßen, und in dem Aufzug… mmpf!“
„Byf…“ beginnt Borgil, schnappt dann aber nur nach Luft. Der Laiginer ist weiß um die Nase und sieht aus, als könne er jeden Moment zusammenklappen. Außerdem sind seine Augen trüb und glasig. Dann jedoch scheint er den Zwergen zu erkennen.  „Borgil… in die Felsenschmiede. Die anderen… schnell.  Haben mich zur Steinfaust geschickt, aber ich schaffe das nicht… zu weit. In meinem Kopf dreht sich alles und mir ist so übel, dass ich ständig kotzen könnte.  Sagt dem Lord Commander Bescheid… holt… die…“ Dann ist er weg, kippt einfach um, als wäre er völlig knochenlos geworden und Borgil kann das Langbein gerade noch auffangen. So behutsam wie möglich nimmt er den Laiginer, der bestimmt kein kleiner oder leichter Mann ist, auf die knotigen Zwergenarme und trägt ihn die Treppe nach oben ins Bett im nächstgelegenen freien Zimmer.

„Halla, schick nach einem Heiler, aber nach einem ordentlichen. Hol Grid und die Mädchen, sie sollen sich solange um ihn kümmern. Wascht ihn… unter all dem Staub und Dreck sieht man ja gar nicht, was er alles hat. Dann läufst du und…“ Borgils Stirn furcht sich bedenklich, als wäge er eine schwere Entscheidung ab, dann nickt er unmerklich und zwischen seinen schwieligen Zwergenfingern erscheint wissen die Götter allein woher eine alte Eisenmünze. Sie ist schmucklos und abgegriffen, entstammt aber nicht der Allgemeinwährung.  „Geh in den Brantempel und such den Buckligen.  Sein Name tut nichts zur Sache. Du wirst ihn sofort erkennen. Sag ihm, ich schicke dich und gib ihm das hier. Nur ihm, niemandem sonst. Er wird dir keine Fragen stellen und nicht mit dir Reden. Bring ihn einfach hierher. Gib ihm Speis und Trank, und behandle ihn mit Respekt. Stell keine Fragen. Sag ihm nur, Borgil braucht ihn. Er soll die beiden Botenkinder und diesen närrischen Kapitän hier beschützen, falls ein böser schwarzer Mann an die Tür klopft und sie alle umbringen will. Ich werde eine Weile weg sein.  Zu Azra sagst du kein Wort, kein einziges Wort, wenn dir dein Leben lieb ist und das meine ich ernst!  Wenn sie fragt, ich bin etwas erledigen, etwas…äh… Geschäftliches.“

Es dauert keine Viertelstunde, bis Borgil am späten Vormittag die Harfe verlässt und nach Süden eilt… einen dicken Umhang um die Schultern geworfen, der seine Rüstung und die vielen Waffen, die er bei sich hat, ebenso verbirgt wie das lederne Bündel auf seinem Rücken all die nützlichen Dinge, die er sonst noch mit sich führt. Er ist auf dem Weg zur Felsenschmiede und sein Herz schlägt vor lauter Sorge um Tiuri wie eine Trommel in seiner breiten Zwergenbrust. Die Obrigkeit in Kenntnis zu setzen hatte er sich nicht getraut – wer weiß, was sonst mit Aurian geschehen würde und von den Ereignissen in Sols alter Schmiede hat er ja noch nicht die leiseste Ahnung. Alles, was er weiß, ist, wie übel zugerichtet Frey in der Harfe aufgetaucht war und so geistern Schreckensvisionen von einem verwundeten Tiuri durch seinen narbigen Schädel.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sigourny am 25. Feb. 2009, 12:05 Uhr
Die Nacht ist klar und mild, als Sigourny über den Platz vor der Harfe geht. Anders als sonst trägt sie heute nicht ihre schwarzen Hosen und das schwarze Hemd, sondern ein schlichtes, moosgrünes Kleid, dass ihre schlanke Figur und die weiße Haut betont. Ihr Ziel ist die Harfe und ihr Anliegen ist klar: Informationen zum Lies mich und vor allem seinen Aufenthaltsort finden. Und es ist ihr auch klar, wer ihr die Informationen geben kann: der Novize, den sie am Vorabend beobachtet hat. Jener, der, seit ihm die Frau davon gelaufen war, nun vermehrt dem Alkohol zuspricht. Und Alkohol löst bekanntlich die Zunge.

Als die junge Frau die Harfe betritt, richten sich einige Augen auf sie. Vor allem männliche Augen. Manch einer von ihnen rechnet sich wohl aus, welche Chancen er bei der schönen Unbekannten hat, den hier in der Harfe hat sie noch niemand zuvor gesehen. Sig sieht sich um. Hinten in einer Ecke entdeckt sie den Gesuchten: Trübselig blickt der Novize in seinen Bierhumpen. Eine Flasche Uisge steht neben ihm. Rasch taxiert die Diebin die Lage: Die Harfe ist ziemlich voll, sodass sie ausser der Suche nach einem freien Platz keinen Grund braucht, um sich zu ihm zu setzen. Ein Umstand, der ihr sehr entgegen kommt.

Im Vorbeigehen bestellt sie ein leichtes Bier und tritt dann mit der Frage „Ist hier noch frei?“ an den Tisch. Rotunterlaufene Augen sehen sie aus einem nicht mal so hässlichen Gesicht an und für einen Moment hat Sig fast ein schlechtes Gewissen, den armen Kerl und seine Probleme für ihre Zwecke zu missbrauchen. Aber sie schiebt den Gedanken rasch zur Seite: Es ist die einzige Möglichkeit, die kleine Fee zu retten, obgleich sie sich noch immer nicht sicher ist, warum sie das eigentlich tut.
Der Mann vor ihr nickt nur knapp und widmet sich wieder seinem Bier. Mittlerweile hat die Schankmaid auch Sig ihr Getränk gebracht und sich mit einem verständnislosen Blick in Richtung des Novizen wieder hinter den Tresen verzogen. Eine Weile schweigen beide, dann blickt der junge Mann auf, sieht Sig an und lallt:“ Gu…guten Abend meine Schöne. Was …was bringt so eine Wesen wie Euch sich zu einem Säufer wie mir zu setzen? Hicks. Darf ich mich vorstell…stellen: Ti..Tiberius Stein...Steinhausen!“ Er versucht aufzustehen und sich zu verbeugen, wäre dabei aber beinahe umgefallen. Schnell stützt Sig ihn und bugsiert ihn wieder auf die Bank. „Mein Name ist Arelia Silberstern, ich bin neu in der Stadt. Ich suche Arbeit und da ihr wie ein gelehrter Mann wirkt“, sie weißt auf die Schriftrollen neben ihm, „dachte ich ihr könnt mir helfen.“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Njucon am 08. März 2009, 20:43 Uhr
- Kurz nach dem Besuch auf dem Ulmenanwesen -

Zufrieden lehnt sich Njucon zurück und betrachtet die geschäftigen Mägde der goldenen Harfe bei ihrer Arbeit. Wie fleißige Bienen schwirren sie von Tisch zu Tisch, bringen den Gästen Getränke oder ihr Frühstück, kassieren deren gut verdiente Münzen und halten hier und da einen kleinen Plausch. Schon den ganzen Morgen hat der junge Albino nach der Herrin des Hauses Ausschau gehalten, doch diese scheint sich rar gemacht zu haben. Jedenfalls ist sie hier in der Harfe bisher nicht aufgetaucht. Njucon seufzt, zu gern hätte er ein paar Worte mit Lady Blutaxt gewechselt.

>“Darf es noch etwas sein der Herr?“<,
eine der Schankmaiden steht lächelnd an seinem Tisch und räumt das Geschirr des verzehrten Frühstückes ab.
„Danke, nein“, sagt er ruhig und mir einem freundlichem Lächeln. „Es war wie immer sehr gut und reichlich. Bestellt der Köchin meinen Gruß und sagt ihr, sie solle sich ja nicht einfallen lassen jemals ihren Beruf zu wechseln.“
Oh Njucon, wollt ihr etwa auch mit der Köchin das Bett teilen? Ein einfaches: ja, es hat vorzüglich geschmeckt, hätte doch wohl gereicht. Meint Ihr nicht? zischt Ilai provokativ in seinem Kopf.
Die junge Magd lächelt und balanciert geschickt das Geschirr auf einem Arm. Sie bemerkt nicht Njucons räuspern, das der Stimme gilt die sie ohnehin nicht hören kann, und wartet geduldig auf die Bezahlung.

Njucon verlässt die Harfe nicht bevor er der jungen und dazu noch hübschen Maid einige Komplimente und ein gutes Trinkgeld gegeben hat. Zielstrebig macht er sich auf zum Haus der Bücher um seine Arbeit, sofern welche für ihn bereit liegt, zu beginnen.



Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Stormgrimm am 31. März 2009, 17:58 Uhr
Mit einem lauten Knarzen öffnet sich die Pforte der Harfe. Begleitet vom fahlen Licht der Abendröte, welches sich - vergleichbar mit einem Raubtier - schnell, aber dennoch schleichend über die Stadt gelegt hat, treten Aegnor mitsamt seiner Gefährtin in den wohligen Schankraum ein. Eine der Magden heizt gerade ächzend den Kamin an, welcher aber wirkt, als brannte er schon mehrere Stunden. Im Schankraum herrscht schon reger Betrieb. Die Schankfrauen flitzen unübersichtlich, aber anmutig synchron durch die Tischreihen und verteilen ihre Bestellungen, welche von Tisch zu Tisch entweder mit einem einfachen "Danke" oder einem ebenso allessagenden Grunzen angenommen werden. Alles unter dem eisigen, trotz allem freudigen Blick des Wirten Borgil, welcher scheinbar immer noch an der selben Stelle zu stehen scheint wie die Stunden davor.

Vom diesem Bild fasziniert und zugleich desillusioniert, bemerkt Aegnor nicht, daß sich seine Gefährtin schon längst ihren Tisch herausgepickt hat. Erstaunlich...Obwohl alles so ziemlich genauso wie jeden Tag abläuft, erkennt man doch immer wieder Feinheiten... Mit einem hörbar hungernden "Aegnor" wird er wieder in das Hier und Jetzt katapultiert. Noch ein wenig das Panorama betrachtend, lässt er sich auf dem von Lyall ausgewählten Tisch in der Ecke der Beraumung mit einem müden Seufzer nieder.

"Freust du dich...wegen der Stelle und allem...?" fragt er leicht zögernd, erkennt aber die Sinnlosigkeit der Frage, als er der Gefährtin grinsendes Gesicht betrachtet. Normalerweise ist sie nervös in der Harfe...meint, jeder scheint sie zu beobachten...Ich freue mich sehr, wenn es ihr gut geht... Von den klirrenden, schleifenden Geräuschen der sich wetzenden Bestecke des Schankraums ungestört, betrachtet er das schöne, ab und an fragil wirkende Gesicht seiner Gefährtin. Lyall nimmt die Hand des Mannes und drückt sie, während sie sich seinen Blicken hingibt und auch versucht, diese zu deuten. "Was denkst du gerade...?" fragt sie ihn mit einem ruhigen, subtil anklagenden Unterton.

"Ziemlich viel...Ich weiß nicht genau...Ich freue mich einfach, daß es dir gut geht und...Momentan scheint ein Geist in meinem Kopf sein Unwesen zu treiben...Ich kann es dir nicht erklären" erwidert er ein wenig aggressiver, beißender, versucht scheinbar von diesem Thema abzulenken. Mit einem leicht getroffenen Blick akzeptiert sie ihres Gefährten ausflüchtende Mimik. "Das weiß ich doch..."

Ein lautes Poltern einer sich in ihrer verkalkurierenden Schankmaid unterbricht den Augenkontakt der Beiden.
"Zwei Humpen Met und zwei Eurer heutigen Suppen mit Brot" brüllt er eben dieser Maid im Vorbeigehen entgegen, die Gelegenheit ausnutzend. "Wir sollten uns dann an diese Großbestellung heranwagen, das Geld wird knapp..." stößt Aegnors Gefährtin von sich, während sie auf seine Hand einen etwas festeren Druck ausübt - teils, um seine Aufmerksamkeit wiederzuerlangen, teils um ihm etwas zu vermitteln und um die abstrahlende Wärme ein wenig zu genießen. "Ja, du hast Recht...aber so schlecht steht es nicht um uns, und die letzte hat uns ziemlich geschafft findest du nicht..." Kurz starrt sie ihn bejahend an, versucht aber ein wenig Ablenkung zu finden, bevor ihr Blick wieder in einen Status der Verlorenheit und Verwirrung verfällt.


Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lyall am 09. Apr. 2009, 23:48 Uhr
"Freust du dich...wegen der Stelle und allem...?" Zuerst weiß Lyall nicht was sie genau auf diese Frage antworten soll, doch dann lächelt sie ihr Gegenüber an, teils um ihm zu zeigen das sie seine Hilfsbereitschaft in Bezug auf ihre Selbstständigkeit in der Stadt schätzt, zum anderen Teil jedoch um ihrer eigene Nervosität zu überspielen. Innerlich hat sie immer noch Zweifel gegenüber der Sache mit der Stelle als Haushalterin. Vielleicht war diese Aurian de Winter ja eine Dame oder eine höhere Persönlichkeit, wie diese Leute in den aufwendig verzierten Kutschen oder von Pagen getragenen Vorrichtungen. Ein solch großes Haus wie sie sich das einer Dame vorstellte, würde sie sicher nicht alleine instand halten können. Und wie würde die besagte Person überhaupt reagieren wenn sie wüsste, dass Lyall noch nie irgendwo Erfahrungen im Putzen eines Hauses gesammelt hat? Was habe ich mir da wirklich nur gedacht? Ich kann nie im Leben ein Haus alleine zusammenhalten… Ich habe quasi ja schon Probleme damit mein eigenes Körbchen ordentlich zu halten. Vielleicht kann man mich ja als Wachhund gebrauchen… ,denkt sie etwas verbittert und seufzt in Gedanken laut.

In diesem Moment bemerkt sie, dass Aegnor sie immer noch ansieht. Kurz legen sich ihre Ohren aggressiv an doch ihr Misstrauen verraucht schnell.
"Was denkst du gerade...?" frag sie zögernd um die Stille zu überbrücken. Doch seine Antwort fällt undurchsichtig aus und aggressiver als sie es erwartet hat. Etwas vor den Kopf gestoßen zuckt sie kurz zurück. Seine Augen glitzern zornig und wirken abwesend und mit Dingen beschäftigt, die er lieber nicht mehr in sein Gedächtnis gerufen hätte. Beide haben seit ihrem Treffen im Wald nicht viel von der eigenen Vergangenheit erzählt. Eigentlich weiß sie nur seinen Namen und aus welcher Richtung er ungefähr aufgebrochen sein musste. Zugern will sie wissen worum es sich handelt, belässt es jedoch bei einem leichten Kopfnicken und einem leisen "Das weiß ich doch...". Jeder hat schließlich seine Geheimnisse und ich mache da keine Ausnahme, denkt sie bei sich.

Als eine Magd an den Tisch tritt um ihre Bestellung aufzunehmen sieht sie kurz hinter Aegnor und bemerkt ein paar Leute die anscheinend hinter vorgehaltener Hand über sie tuscheln. Eingeschüchtert schaut sie auf die zerfurchte Tischplatte und zählt fast schon die Rillen um sich abzulenken. So wirklich weiß sie nicht warum sie die Blicke anderer so schnell aus der Fassung bringen, aber es ärgert sie das dem noch so ist. Es ist ja nicht ihr erster Tag in Talyra und unter Menschen. Immerhin rennen sie mir nicht mit brennenden Pechfackeln und Mistgabeln hinterher, das könnte man schon eine Steigerung der Situation zum Guten nennen. Manche Orte dort draußen sind wirklich gefährlich…. Bei diesen Gedanken durchläuft sie ein leichtes Frösteln, welches wie mit tausend feinen Beinchen ihren Nacken heraufkriecht.
Kurz drückt sie Aegnors Hand bevor sie sie endgültig loslässt und sich kurz zurücklehnt um sich zu strecken. Mit leisen Worten eröffnet sie ihm, dass das Geld nicht mehr allzu lange reichen wird doch er lächelt nur und sagt: "Ja, du hast Recht...aber so schlecht steht es nicht um uns, und die letzte hat uns ziemlich geschafft findest du nicht...". Dies kann sie nicht verleugnen und nickt zögerlich. Vielleicht würde das Geld ihrer Stelle sie etwas unterstützen können, vorausgesetzt man würde sie annehmen. Etwas betrübter als noch vor ein paar Minuten lässt sie ihre Gedanken etwas schweifen und betrachtet währenddessen ihre Hände und Arme. Kurz bildet sich feiner schwarzer Flaum auf ihren Unterarmen und Handrücken als sie sich auf sie konzentriert. Aus ihren Augenwinkeln beobachtet sie die Personen um sich herum doch niemand scheint etwas bemerkt zu haben. Seit langem war sie nicht mehr auf Pfoten gewandelt und diese Erkenntnis versetzt ihr einen kleinen Stich.
„Du hast doch nichts dagegen wenn ich heute… nicht auf einer Matratze schlafe, oder?“ fragt sie ihn mit einem leichten Grinsen, welches in dem Schatten den ihre Haare auf ihr Gesicht werfen fast nicht zu erkennen ist.  


Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Stormgrimm am 12. Apr. 2009, 16:50 Uhr
„Du hast doch nichts dagegen wenn ich heute… nicht auf einer Matratze schlafe, oder?“ entgegnet sie Aegnor mit einem sinistren Schmunzeln, während ihre Haare durch das fahle Licht in der Stube einen fahlen, aber dezenten Halbschatten auf Lyalls Gesicht werfen. Ich bin erstaunt, wie lange sie es geschafft hat, das alles zu unterdrücken "Natürlich" erwidert er ihr gegenüber, unterlegt von einem bejahenden Blick und einem sanften Händedruck. Er beobachtet einige Zeit lang, wie sich der Halbschatten in ihrem Gesicht von den wechselnden Reflexionen in kleine Bruchstücke aufteilt, welche wie zwei Adlige in einem Ballsaal um Nase und Wangen tanzen.

Von einem partiell gestellten Lächeln begleitet, blickt sie in seine Augen, in denen er einen Hauch Zweifel, Ängste... und vermutlich auch Konfusion herausliest. "Die hinter uns? Die sind bloß von der neuen Schankmaid amüsiert, und unterhalten sich über irgendwelchen Firlefanz...Dich jedoch haben sie nicht einmal erblickt..." stößt er von sich, versucht sie mit einer Prise inszenierten Zynismus abzulenken und beruhigen. Die eben erwähnte Schankmaid drängt sich mit einem beherzten, teilweise unbeholfenem Rempeln ihrer Füße wider den Tischbeinen in die Szenerie, stellt, vergleichbar mit dem Charme, mit dem ein Hund sein Essen bekommt, gestresst die Schüsseln und Humpen auf den Tisch und entfernt sich mit einem guten Appetit wünschenden Murren.

Seine Gefährtin zögert nicht und schlingt das beiliegende Brotende herunter, als hätte sie Tage nichts gegessen, was der Beiden Jagden in den umliegenden Wäldern Talyras vermutlich auch entspricht. Aegnor, unbekümmert ihres "Essverhaltens" tut Lyall dies gleich, beginnt jedoch zuerst mit der etwas, matschigen, aber dennoch herzhaft duftenden Einbrennsuppe. Noch einmal drückt er ihre Hand, entfernt diese dann um sich vollständig seinem Mahl zu widmen. Von einem beherzten Herumklopfen auf seinem Brustkorb, welches ihn vor einem bevorstehenden Verschlucken bewahrt, untermalt, hält er einen Moment inne.

Den gesamten Schankraum erhellend, streiten sich das sich verabschiedende, fahle Abendlicht und das künstliche, aber scheinbar umso fahlere Licht der Kerzen und des Kamins um die Vorherrschaft, an alte Kriege erinnernd. Mit einem unbeabsichtigten Grunzen weckt Lyall ihn aus seinem tranceförmigen Zustand, blickt Aegnor kurz lächelnd an, mampft wieder weiter. Nach einigen Sekunden ächzt sie voller Zufriedenheit, gähnt kurz, lehnt sich von einer leeren, mit Brotkrumen übersäten Schale und einem leeren, am Boden mit Restschaum bedeckten Humpen zurück. "Das hat gut getan! Ich bin müde..." Aegnor erwidert ihren gesättigten Gemütszustand mit einem Nicken, zieht einen kleinen Beutel aus seinen festen, innen jedoch durch das flaumige Futter mit reichlich Platz gesegneten Stiefeln hervor und legt die Zeche synchron mit einem Rülpsen auf den Tisch, welcher von seiner Gefährtin mit einem Lachen aufgenommen wird.

Die beiden erheben sich und schreiten langsam in Richtung Treppe voran, während sie sich am über die Abendröte siegreich seienden Kerzen- und Kaminlicht ergötzen. Mit einem Knarzen der einzelnen Stufen scheint sich der Schankraum von den beiden zu verabschieden. Oben angekommen, öffnen sie die Tür zu deren sehr spartanisch beleuchteten Zimmer. Nur die Ecke mit dem Bett scheint in voller Stärke ausgeleuchtet. Mit einem Ächzen wirft Aegnor sich ins Bett, während seine Gefährtin sich auf den kalten Boden setzt, an das Bett und das mit einem Leinen überdeckte Stroh, welches als Unterlage fungiert lehnt. Mit einigen beherzten Griffen öffnet Aegnor die Säumel seiner Stiefel, welche er anschließend mit einem kräftigen Wurf in die andere Ecke des Zimmers katapultiert. "Was ist das hier? Ich meine...Vergiss es..." stößt Lyall, ihren Blick in das Blickfeld ihres Gefährten richtend, von unlesbaren Gedanken gestraft, von sich.

Seinen Blick kurz in eine andere, Hauptsache von Lyall entfernte Richtung schweifend, gibt er nur ein bestätigendes, aber ebenso Fragen aufwerfendes "Hm" von sich. Mit einer warmen Handfläche kurz über ihre Schulter streichend gibt er nur noch ein "Gute Nacht" von sich und dreht sich dann mit seinem Kopf und wohl auch mit seinen Gedanken und Emotionen in Richtung Wand.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lyall am 13. Apr. 2009, 17:25 Uhr
Lyall kann die Sterne nicht sehen, als sie aus der Kammer heraus durch das kleine Zimmerfenster in den wolkenverhangenen Himmel blickt. Wie lange sie genau vor dem Bett sitzt, weiß sie nicht zu sagen.
Eine halbe Stunde, vielleicht auch eine ganze sitzt sie nun auf dem kalten Boden, die Arme um die angezogenen Beine geschlungen und mit dem Kinn auf den Knien aufgestützt. Sie lauscht dem Atem ihres Zimmergenossen bis sie sicher ist das, dass leise ein- und ausatmen auf sanften Schlaf hindeutet. Dann versucht sie langsam aufzustehen, was ihr Mühe bereitet. Zu lange hat sie in ein und derselben Position verharrt, ihr kalter Körper antwortet auf ihren Befehl zum Aufstehen mit Gelenkknacken und ungewohnter Steifigkeit.

Als sie sich versucht zu strecken, fällt ihr Blick auf Aegnors scheinbar tief schlafende Gestalt.
Vorsichtig tritt sie neben das Kopfende des Bettes und zieht die verrutschte Überdecke hoch, bis sie Aegnors Schultern damit bedecken kann. Sein Gesicht betrachtend kniet sie sich hin, was mit einem lauten Knacken ihrer Knie honoriert wird und einem kurzen stechenden Schmerz, der ihr ein schmerzerfülltes „Uff...“ entringt. Jedoch kann sie es sich nicht entgehen lassen zu testen ob ihr Gefährte auch wirklich schläft. Sie bringt ihren Kopf ungefähr auf die Höhe des seinen und schnipst ihm kurz aber kräftig mit ihren Fingern gegen die Nase.
Schnell duckt sie sich um einem eventuellen Faustschlag zu entgehen, er jedoch grunzt nur, kratzt sich mit der linken an der Nase und dreht sich von ihr weg.
Ein amüsiertes Lächeln umspielt Lyalls Lippen während sie sich ihrer Kleider entledigt. Knöpfe sind in Wolfsgestalt fast nicht zu öffnen und zerbissene Knöpfe hielten nach Lyalls Erfahrung nicht allzu lange. Geschweige denn das Beseitigen der schwarzen Haare…
Ihn lässt sie dabei jedoch nicht aus den Augen. Noch keiner hatte ihrer Verwandlung beigewohnt oder sie gesehen und wenn es nach ihr geht, kann dies auch noch lange so bleiben.
Kurz bricht der Mond durch das schmierige graublau der Wolken und entsendet einen milchigtrüben Strahl durch das Kammerfenster. Er trifft Lyalls rechte Körperseite und als sie auf ihre erhellte Seite blickt, den Ärmel ihres halbausgezogenen Leinenhemdes hochschiebend, wird ihr Tattoo auf der Schulter in fahles Licht getaucht.
Ein gutes Omen…
Sie kann es kaum abwarten wieder ganz Wolf zu sein, legt ihre Habseligkeiten sowie ihre Amulette und Ketten auf den Wäschehaufen und setzt sich im Schneidersitz vor das Fußende des Bettes.

Ihren Atem beruhigend, schließt sie die Augen und konzentriert sich auf ihr Inneres. Sie spürt Pelz, Zähne und unbändige Freude sowie den Drang nach Freiheit, viel stärker als in menschlicher Form. Als sie dies alles zu überwältigen droht, flieht sie mit ihrem Geist in einen kleinen Raum in ihrer Seele, in dem sie der Schmerz nicht überspülen kann sondern nur ein dumpfes Pochen ist.
Dies ist für sie der anstrengendste Teil des ganzen Prozesses und braucht vollkommene Konzentration sowie innere Ruhe. Viel musste sie üben, bis sie dies beherrschte doch es hat sich gelohnt. Nun läuft die Verwandlung schneller und unkomplizierter von statten als früher. Als sie jünger war, hatte sie dies noch nicht richtig beherrscht. In Situationen, in denen sie sich schnell verwandeln musste um zu fliehen hatte sie nicht die Möglichkeit sich in diesen „Raum“ zu verkriechen. Der Schmerz traf sie mit voller Wucht und nach manchen Hetzjagden mit Dorfbewohnern wurde sie bewusstlos oder musste sich übergeben. Doch daran will sie nun nicht denken.

Langsam bricht sich das Tier in ihr Bahn, und übernimmt ihren Körper. Dumpf hallt das Brechen ihres Kiefers in ihrem Kopf nach. Ihr Gesicht streckt sich, wird kleiner und länglicher. Ihre langen Haare bilden sich zurück und werden durch weichen schwarzen Pelz ersetzt, bis ihr ganzer Körper damit bedeckt ist. Ihre Wirbel im Rücken brechen und schrumpfen, aus ihrem Steiß bricht eine lange Knochenkette hervor, die sich flink mit Haut und Fell überzieht.
Hände und Füße bilden schwarze Krallen, ihre Knie drücken sich nach hinten durch und Lyall fällt auf alle Viere.
Kurz leckt sie sich mit der langen Zunge über die Schnauze und hechelt kurz. Sich nach hinten umblickend vergewissert sie sich, dass sich auch alles am richtigen Platz befindet und sich verwandelt hat. Auch sie kennt die Schauermärchen von Gestaltwandlern die es irgendwann nicht mehr geschafft haben alles richtig zurück zu verwandeln und ob dessen verrückt geworden sind. So will sie nicht enden.

Ihren Kopf schüttelnd und sich kurz die Lefzen am Bein kratzend sieht sie sich im Zimmer um. Jeder Schatten, und sei er noch so klein zeigt winzige Nuancen in seiner grau-schwarzen Beschaffenheit. Vom Tisch dringt ein süßlicher Duft zu ihr herab, klebrig und schwer wälzt er sich über die Tischkante. Wenn sie es nicht besser wüsste, würde sie sagen es ist der betäubende Duft der Anarshunja, doch das kümmert sie jetzt nicht weiter. Sie ist überwältigt und erfreut über die Düfte und Eindrücke die allein dieses Zimmer für ihre feine Nase und ihre Augen bereithält. Schnuppernd zieht sie mit gebeugtem Kopf durch das Zimmer. An der Tür angekommen, drückt sie ihre Nase dicht an den Türspalt und saugt die Luft ein.
Ruß der Fackeln, Essen, Schweiß, Nachtluft…. und… Aegnors Stiefel…
Mit einem niesenden Geräusch wendet sie sich von der Türschwelle und der Ecke mit den Stiefeln, die von Aegnor so unsanft an ihren derzeitigen Standort katapultiert wurden, ab.
Ihre Krallen erzeugen ein klickendes Geräusch auf dem Boden des Zimmers während sie sich dem Bettende nähert. Mit einem Satz ist sie leise und sanft auf der Strohmatratze gelandet.
Mit ihren Krallen kurz unter sich scharrend um den Lageplatz gemütlicher zu machen, legt sie sich neben Aegnor und beobachtet ihn. Sie genießt die Stille und einfach wieder Wolf sein zu dürfen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Stormgrimm am 14. Apr. 2009, 13:06 Uhr
Es ist schon früher Morgen, als die feinen Sonnenstrahlen sich ihren Weg durch das dunkle Zimmer bahnen. Sanft beleuchten die feinen Strahlen das bärtige Gesicht Aegnors, während sich dieses in einzelne kleine Schatten aufsplittet, die sich des Mannes feinen Bewegungen hingeben. Ein selbst für einen Bären furchteinflößendes Brummen verlässt ihn, als die Stärkeren der vielen Strahlen sich mit derselben Stärke und Enschlossenheit, mit der Krieger einen Burgwall erklimmen, ihren Weg durch die zarte Haut des Augenlides erkämpfen. Mit benebeltem Blick inspiziert er die nur sporadisch belichtete Kammer, deren heimelige Stille nur von tiefen Atemgeräuschen und einigen sich Draußen vergnügenden, zwar unästhetisch, dafür jedoch harmonisch singenden Vögeln jeglicher Abart gestört.

Was für eine Nacht...ich fühlte mich...beobachtet...merkwürdig... Sein Blick schweift über das Panorama des Fensters, in dem sich eine Eiche oder Buche erstreckt, deren Kontrast zwischen Erkahlung und Spross dem Sinnbild von Leben und Tod gleichen. Mit beherztem Schwung schnellt Aegnor ein Stück in die Höhe, stützt sich mit seinen Händen ab, befördert sich in eine sitzende Position. Seine Augen reibend, versuchend, die Müdigkeit aus ihnen zu bannen, ändert sich seine verschlafene Mimik zu einer erstaunten, als er beim Versuch seine nicht anwesenden Stiefel zuzubinden bloß struppiges, im Ansatz ergrautes Beinhaar zu fassen bekommt. Durch Streckbewegungen seiner Zehen wird die weiche Haut schmerzhaft von feinem, schwarzen Fell durchbohrt.

Seltsam...nicht meine Haare...muss wohl von draußen oder von meinem Stiefel kommen...Stiefel...Stieeeefel...wo sind die Drecksdinger eigentlich... Sein Blick schweift in die gegenüberliegende Ecke, welche sich durch einen matschigen, profilierten Abdruck auf dessen Wand von allen anderen Ebenen des Raumes abhebt. Unter diesem liegen zwei in die Zwölfmonde gekommene, schwere und auf den ersten Blick unbequem erscheinende Lederstiefel. Bordeauxfarben. Das kannst du vergessen, Aegnor...Du kannst ja nichmal aufstehen denkt er sich gähnend. Erst als sein sich ständig änderndes Blickfeld den ehemals toten Winkel ausfüllt, erblickt er Lyall. Sie liegt in einer Position, welche der Säuglingen gleicht, am Rande des größeren Bettes, ihre Bettdecke krampfhaft um Teile ihres Körpers gehüllt.

Seltsam...wie klein sie sich gemacht hat, ich hab sie nicht gespürt... Erst bei näherer Betrachtung bemerkt Aegnor, daß sie völlig entkleidet ist, welches ihm ein zartes Rot auf sein Gesicht zaubert. Ich denke, ich werde sie schlafen lassen...Sie hat viel gearbeitet in letzter Zeit... Aegnor erhebt sich vorsichtig, nach seinen Stiefeln und Hemd greifend. Mit einem Satz ist er in den doch bequemen Stiefeln und schließt sie mit einigen präzisen Handgriffen, während er in seine restliche Kleidung schlüpft. Noch einmal setzt er sich neben seine schlafende Gefährtin. Vorsichtig, und auch leicht zögernd schiebt er störendes Haar aus ihrem Gesicht und streichelt kurz ihre durch Kälte errötete Wange, was von einem unscheinbar starken Zucken ihres anmutigen, felligen Wolfsohres und einem kurzen, müden Stöhnen erwidert wird.

Na komm...So kann man doch nicht schlafen... Mit Leichtigkeit, jedoch von einem Ächzen und dem Knacken von Knochen untermauert, hievt er Lyall in seine Arme, versucht nur das Laken zu berühren. Einen Schritt später setzt er sie wieder ab, sie in eine Position legend, in der ihr die volle Fläche des Bettes zuteil wird. Abschließend zieht er ihr Laken weiter in Richtung Schulter, damit sie nicht friert. Ich denke ich werde auf den Markt...Brot und Wurst kaufen... Erst als er sich in Richtung Tür bewegt, bemerkt er den fahlen Duft von...nassem Hund...oder ähnlichem. Das Holz knarzt, die Harmonie störend, als er vor dem Türrahmen steht, welchen er vorsichtig öffnet. Vom Flur drängt bereits ein lautes Lachen des Schankraumes herein, welches er durch ein schnelles, vorsichtiges Schließen der Türe nicht in die Kammer dringen zu lassen versucht.

Anschließend bewegt er sich auf die Treppe zu, lässt den zu dieser frühen Stunde prall gefüllten Schankraum desinteressiert hinter sich, und schreitet durch die Pforte der Harfe.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Stormgrimm am 14. Apr. 2009, 19:13 Uhr
Leise öffnet sich die Tür zur Kammer, von einem Knarzen der Scharniere und Dielen unterlegt, während hereinfallende Lichtstrahlen den schmalen, immer weiter werdenden Spalt durchbrechen und einen Weg in eine der Ecken zeichnen. Obwohl es schon kurz vor Mittag ist, ist der Raum nur von einigen Lichtsäulen belichtet, ansonsten umnachten ihn deren Schatten. Vorsichtig ertapst Aegnor sich einen Weg über den Boden, dessen Bretter sich mit einem Quietschen und Poltern mit dem selben Charme alter, weiser Männer beklagen.

Sie schläft noch...Ich denke ich bereite ihr ein dürftiges Mahl zu... An einer, mit einem verwitterten, aber dennoch kunstvollen Stuhl möblierten Ecke der Kammer angekommen, nimmt er auf diesem Platz und zieht einen starren, harten Lederbeutel von seinem Rücken. Aegnor kramt ächzend in ihm, versucht jedoch das harmonische Zusammenspiel aus Vogelgesängen, morgentlichem Stadtgeschrei und der eigentlichen Stille nicht weiter zu belasten. Ein befriedetes "Ahhh" verlässt seine Lippen, als er drei Objekte im Zwielicht aus dem Beutel hervorhieven kann. Neben sich fassend, die etwas mottenzerfressene, aber dennoch dekorative Gardine zur Seite schiebend, versucht der in die Zwölfmonde gekommene Mann ein wenig mehr Beleuchtung zu erfahren.

Der Kamin ist schon seit den frühen Morgenstunden nicht mehr befeuert. Mit seiner blassen Hand einige Handgriffe in Richtung seiner Stiefel tätigend, zieht er aus diesen ein in Leder gehülltes Säckchen hervor, zieht ein kleines, mit Gravuren an dessen Kupferschaft übersätes, Taschenmesser hervor. Mit der Anderen einige Handgriffe in der Horizontalen tätigend, enthüllt er eine, in billige, vom Inhalt dezent blutgetränkte Lederfetzen gehüllte Stange Wurst sowie drei Karotten hervor. Leder, Leder, Leder...manchmal hat sie Recht, also bis auf meine Stiefel und so manch anderem Gerät könnte ruhig vieles..."waldfreundlicher" gestaltet sein...Mmmhhh...eine schöne, blutige Kalbswurst...Aber der Händler hätte sie ruhig getrennt von den Karotten einwickeln können...Was solls... denkt er, während er an den Waren riecht.

Zuletzt zieht er eine ältere, hart aussehende Stange Brot aus dem Beutel, welchen er auf den Boden ablegt, um das Brot anschließend mit vollen Kräften und beidhändig an der Stuhlkante zu zerbrechen. Wo war dieses Holzbrett... Sein Blick schweift über den gesamten restlichen Raum, in dem er eine in Laken gehüllte Silhouette - Lyall - und auf das von ihm gesuchte, am Boden kauernde hölzerne Brett, welches bei genauerer Betrachtung ein Abschnitt aus einem Baumstamm entspricht. Einen Satz nach vorne tätigend schnappt er es sich und nähert sich dann leise dem vom Licht erwärmten Bett. Vorsichtig setzt er sich an die Kante, sieht seiner schlafenden Gefährtin bei ihrer Rast zu. Irgendwie...unglaublich... Vorsichtig legt er einen Arm um den unverhüllten, jedoch von Laken bedeckten Körper, während er störendes Haar aus ihrem Gesichtsfeld um eines ihrer befellten Wolfsohren legt. Obwohl schon merklich weit fernab der Tiefschlafphase scheint sie immer noch Dinge zu träumen, was durch feines Murmeln in der Welt der Wachen verlautbart wird. Ein sinistres Lächeln macht sich in Aegnors Gesicht breit, untermalt von einem zarten Rotton.

Vorsichtig legt er eine Hand auf ihr Schulterblatt und beginnt, seine Gefährtin mit sanften, periodischen Bewegungen zu wecken. Ein müdes "Mhhhhh" verlässt sie, während sie, von den Augenstrahlen geblendet kräftige Lidschläge tätigt. Anschließend fällt ihr überraschenderweise nervöser Blick auf Aegnor, für ihn scheint es, als schiene sie...auf eine gewisse Art und Weise im falschen Körper. "H-h-hallo..." stößt sie stotternd von sich, während sie mit ihrer Hand in ihrem Tun sicher über Aegnors um sie gelegten Arm streicht. Erst jetzt bemerkt sie ihre Unbedecktheit, was ihren blassen, gut durchbluteten Hautton in Sekundenschnelle in ein glühendes Rot verwandelt. "Keine Sorge...Du hast einen ruhigen Schlaf...das wundert mich...Hier ich habe dir Frühstück erstanden, ich hoffe du magst Wurst, Karotten und Brot" gibt er mit einem selbstbewussten, Lyall zu beruhigen versuchenden Ton von sich, streckt seiner Gefährtin das mit Speise belegte Holz, in dem auch das Messer steckt entgegen, während er von ihr noch ein undefinierbares Streicheln auf seiner Wange erhält. "Lass es dir schmecken...Danach gehen wir arbeiten..."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lyall am 15. Apr. 2009, 22:30 Uhr
Bedächtig das Wurststück kauend, sitzt Lyall mit angewinkelten Beinen auf dem Bett.
In der einen Hand hält sie ein Stück Brot und Wurst, in der Andern einen Zipfel vom Bettlaken, welches ihre bloße Haut bedeckt. Mit den Gedanken woanders sieht sie Aegnor beim herumräumen in der kleinen Kammer zu. Er scheint irgendwas zwischen seinen Habseligkeiten zu suchen, was sie jedoch nur halb mitbekommt, da sie voll und ganz damit beschäftigt ist kleinen, durch den Lichtstrahl des Fensters tanzenden Staubpartikeln zuzusehen. Scheinbar aus dem Nichts tauchen sie auf, werden hell bis sie fast zu glühen scheinen um sich im nächsten Moment auch schon wieder zu verdunkeln, da sie während ihrem  schwerelosen Tanz aus dem Lichtstrahl geraten sind. Kurz schüttelt sie ihren Kopf
um sich wieder in das Hier und Jetzt zu befördern und greift flink nach den Karotten.
Kurz riecht sie an ihnen, rümpft die Nase ob des Wurstgeruchs zuckt jedoch dann die Schultern und beißt ein großes Stück ab. Obwohl das Gemüse nicht das aller frischeste ist, ertönt ein lautes Knacken bei dem Aegnor gehörig zusammenfährt. Ihr erst einen seltsam verschleierten bösen Blick zuwerfend, fängt er sich schnell wieder und lächelt sie an,
worauf sie ihm ebenso ein mit Krümeln und Gekautem garniertes Lächeln schenkt.

Die letzten Bissen runterschlingend, klopft sie sich die Hände am Bettlaken ab und schwingt ihre Beine über die Bettkante. „Würdest du… ich meine… drehst du dich bitte mal kurz um? Ich.. na ja… „ Ihm einen entschuldigenden Blick zuwerfend deutet sie auf ihren Kleiderhaufen. Warum ich mich zurückverwandelt habe ist mir immer noch ein Rätsel.
Wie damals… Hmm… Ich sollte wieder öfters Gestaltwandeln. Einfach nur um sicherzugehen.

Ihr zunickend brummt er nur etwas wie „Ich warte vor der Tür…“, rafft seine Arbeitsutensilien zusammen und ist auch schon aus der Tür heraus. Lyall will ihm noch ein „Danke für das E… Essen…“ hinterher rufen welches jedoch scheinbar ungehört an der sich schließenden Tür abprallt. Seufzend zieht sie sich ihre Lederkleidung über, wobei sie behutsam über die stickereiverzierten Schäfte ihrer Stiefel streicht.
Ein letztes Mal tritt sie vor den angelaufenen kleinen Spiegel in der Zimmerecke und sieht sich an. Ihre Haare glatt kämmend und vorsichtig das Fell auf den empfindlichen Ohren glatt streichend, versucht sie ihr Haupthaar etwas über den Ohren zu drapieren, lässt dieses Vorhaben jedoch alsbald fallen da es sich als wenig erfolgreich erweist.
Ein leises „Dann eben nicht…“ murrend, streckt sie sich selbst die rosa Zunge entgegen und eilt zu Tür hinaus.

Draußen wäre sie fast mit Aegnor zusammen gestoßen , welcher doch verdächtig nahe an der Tür stand. „Ich muss noch schnell abschließen..“, stößt er hervor und nestelt auch schon am Schloss herum. Während dessen blickt sich Lyall im Korridor des oberen Stockwerkes um. Viel ist im Halbdunkel nicht zu erkennen, schwere Türen aus denen kein Laut dringt und erloschene Pechfackeln an der Wand. „Nun denn wir können. Auf zur Arbeit.“ Kurz nickt Lyall ihm zu. Die Dielen und Treppenstufen knarren unter ihren Schritten während sie sich in das Erdgeschoss begeben. Sich durch die Leiber in der schon recht gut besuchten Harfe manövrierend, verlassen sie die Harfe mit dem Larisgrün als Ziel.



----->  Das Larisgrün

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Avila am 16. Mai 2009, 11:54 Uhr
---> Anwesen de Winter

Mit großen Augen steht Avila in sicherem Abstand zur Goldenen Harfe und schaut, den Korb mit ihren Einkäufen in der der rechten Hand und jede Menge dumpfen Widerwillen im Bauch, das imposante Gebäude hinauf. Natürlich kennt die junge Frau das Gebäude, sie ist schließlich regelmäßig auf dem Marktplatz und leicht zu übersehen ist es nicht gerade, es wirklich betrachtet hat sie allerdings noch nicht. Wozu auch? Wenn sie all ihr Geld zusammenkratzen würde, könnte sie sich vielleicht eine Nacht in der Besenkammer der Harfe leisten, mehr aber vermulich nicht. Ob jemand, der sich leisten kann hier zu übernachten, wirklich an einer Anstellung bei uns interessiert sein wird? Aurian kann ihr ja schließlich keinen allzu hohen Lohn bieten, weil die Erneuerung des Anwesens so viel Geld benötigt… Wie Avila feststellt, ist dieses Gebäude zweifellos mehr als einen Blick wert, mit seinen weißgetünchten Wänden, an denen sich dicke Efeuranken winden und mit großen, überquellenden Blumentöpfen vor den halbrunden Fenstern. Auch der Harfengarten ist wunderschön, im Schutz der gewaltigen Buchen stehen dutzende Tische und Bänke, einige davon sind schon jetzt am Nachmittag besetzt. Dennoch verspürt sie Unbehagen, wenn sie daran denkt, dieses Gebäude betreten zu müssen, vollgestopft mit zu vielen Menschen auf zu engen Raum und all den dazugehörigen Gerüchen. Warum war ich nur so dumm und habe Aurian gesagt, dass ich das mache? Ich war noch nie in so einem guten Gasthaus! Wie gerne würde Avila sich drücken, aber versprochen ist versprochen und außerdem muss man sich seinen Ängsten stellen, so heißt es jedenfalls in den Geschichten. Auch wenn es zugegebener Maßen etwas anderes sein mag, sich einem wütenden Bär in den Weg zu stellen oder dem besten Gasthaus der Stadt einen Besuch abzustatten! Es sei denn, es ist jemand darin, der etwas gegen so einfache Leute wie sie hat… Ach, das ist doch Unsinn, Galit hat gesagt, dass man da auch für wenig Geld essen kann und er sein ganzes Leben lang nur freundlich  behandelt wurde. Der alte Obsthändler, bei dem Avila jede Woche einkauft, hatte rasch bemerkt, dass sie nicht ganz bei der Sache war und ihr ihre Sorge im Handumdrehen aus der Nase gezogen. Warum sollten sie dann zu mir herablassend sein? Gepflegter als Galit bin ich allemal!

Entschlossen setzt sie einen Fuß vor den anderen und erlebt eine Überraschung, als sie über die Schwelle tritt: Das Innere der goldenen Harfe ist vollkommen anders, als sie es erwartet hat. Die Einrichtung ist nicht ansatzweise überkandidelt, protzig oder verschwenderisch, so wie sie sich das vorgestellt hat, sondern schlicht, massiv und gut gepflegt. Beim Betreten des Raums fällt der Blick als erstes auf eine lange Theke, um die herum einige freistehenden Tischen angeordnet sind, es gibt aber auch sehr viele Nischen und Ecken, in die man sich zurückziehen kann, wenn man seine Ruhe haben möchte. Außerdem riecht es hier viel besser, als in den wenigen Gasthäusern, die Avila bisher zu Gesicht bekommen hat, man merkt sofort, dass die Mägde hier viel Wert auf Sauberkeit und Ordnung legen. Aus der Küche zieht schon der erste verführerische Hauch herüber, vermutlich wird dort gerade mit den Vorbereitungen des Abendessens begonnen. Alles in allem wirkt der Schankraum viel gemütlicher und einladender, als sich Avila hätte träumen lassen. Dass hier manch einer gerne seinen wohlverdienten Feierabend verbringt, wundert sie nicht, da der Raum eine so angenehme Atmosphäre verströmt. Noch ist es hier relativ leer, die meisten Gäste halten sich draußen auf, doch zum Abend hin würde es hier gewiss voll werden. Suchend schaut sich die Gärtnerin um und ihr erster Blick fällt auf eine dunkelhaarige Mogbar, die hinter dem Tresen gerade Bier zapft. „Entschuldigt…“, wendet sich Avila zögernd an die Frau, die ihren Blick gleich von dem großen Fass auf den neuen Gast richtet und sie freundlich fragt: >„Wie kann ich helfen? Kommt doch näher, ich beiße nicht!“< Die letzten Worte unterstreicht sie mit einem aufmunternden Lächeln und einer auffordernden Handbewegung, woraufhin die Gärtnerin leicht verschämt an die Theke herantritt. So viel zum Thema angebrachtes Verhalten… „Aurian de Winter schickt mich“, erklärt sie und sofort leuchtet in den Augen der Magd Erkenntnis auf. >„Ah, Aurian! Ich habe sie schon länger nicht mehr gesehen. Geht es ihr gut?“<, erkundigt sich Avilas Gegenüber interessiert. So nette Schankmägde, die ihre Gäste beim Namen kennen, gibt es bestimmt auch nicht wie Sand am Meer… „Ja, sie ist sehr beschäftigt, aber es geht ihr gut“, antwortet Avila und nennt dann den eigentlichen Grund ihres Besuchs beim Namen: „Ich suche eine Frau namens Lyall, sie soll hier ein Zimmer haben, kann das sein? Sie hat sich bei meiner Herrin gemeldet und ich soll sie hier abholen.“ Sofort nickt die Mogbar bestätigend. >„Ja, das stimmt, eine Frau namens Lyall wohnt zusammen mit ihrem Freund hier. Leider sind sie gerade nicht da, aber wenn Ihr warten möchtet, schicke ich sie zu Euch, wenn ich sie sehe?“<, fragt sie hilfsbereit. „Oh…“ Auf die Idee, dass die Gesuchte gar nicht hier sein könnte, ist Avila überhaupt nicht gekommen, weshalb sie einen Moment lang überlegt, was sie jetzt machen soll. Es wartet eine Menge Arbeit daheim auf sie, so wie immer, und sie möchte  sich nicht am nächsten Tag wieder auf die Suche machen. „In Ordnung. Ich setze mich so lange in den Garten, wenn das in Ordnung ist?“ >„Natürlich. Kann ich Euch etwas zu trinken bringen?“<, fragt die Magd geschäftig und für einen Moment ist Avila versucht, sich ein Verder Dunkel bringen zu lassen, hält sich aber zurück und bestellt nur ein Honigbier. Daraufhin macht sie sich auf die Suche nach einem stillen Plätzchen im Harfengarten, von wo aus sie einen Blick auf den vor Leben übersprudelnden Marktplatz hat, und wartet.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Njucon am 17. Juni 2009, 18:13 Uhr
---> Haus der Bücher

Ein gutes Stück Zeit ist schon vergangen seid sich Njucon in den Harfengarten gesetzt hat und seinen Wein bestellte. Die Flasche ist nun fast geleert, genug für Heute. Betrinken war noch nie eines seiner Eigenschaften gewesen. Wobei es immer auf den Betrachter ankommt, was er unter betrinken versteht. Nach einer Flasche Wein ... Njucon ist nicht mehr ganz nüchtern aber auch nicht so betrunken wie es einige andere sind, die dann von ihrem Weib oder Kumpanen Heim geschleift werden. Nein, er kann noch selbst gehen und ist weitestgehend Herr seiner Sinne. Vielleicht einen Eigenschaft die er von seinem alten Herren vererbt bekommen hat. Trinkfest, ja sein Vater war und ist, sollte er noch leben, Trinkfest.

Genau in diesem Augenblick bleibt sein Blick an einer Frau hängen. Sie schaut ihn ebenfalls an und Njucon lächelt. Vielleicht doch keine so abwegige Idee, eine schöne Maid nach zu begleiten, warum nicht!

Zunächst ein paar Blicke, ein lächeln und schließlich ein Gespräch über dies und das. Die Schöne namens Varuna, nur wenige Jahreswechsel älter aber um einige kleiner als er selbst lässt sich gern zu einem Wein einladen und ist sehr interessiert an Njucons Talent. Der Albino lächelt. Ja Aktmalerei hat ihm schon immer gelegen. Sanft streicht er ihre dunklen Locken aus ihrem Gesicht welches leicht errötet. Ein bezauberndes Lächeln schenkt sie ihm und legt ihren Kopf schief während sie spricht.
"Währt ihr so freundlich mich nach Hause zu begleiten Njucon Aleris?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Yasraena am 19. Juni 2009, 17:17 Uhr
------------> Der Marktplatz Talyras

Endlich hat Yasraena ale’Hanrael den Marktplatz halb umrundet und findet sich vor der Taverne wieder. Unsicher bleibt sie vor dem großen Torbogen stehen, welcher direkt in den Innenhof des Gasthauses führt. Hinter dem Bogen erspäht sie das Gasthaus selber, einen kleinen Garten und einen Stall.
Ob ich Shunj’anar kurz dort unterstellen kann? fragt sich die Elbe skeptisch. Ein solches Gasthaus wird sicher teuer sein fachsimpelt sie weiter. Doch dann fasst sie den Entschluss, dass Zögern und Grübeleien sie nicht weiter bringen und führt den Hengst durch den Torbogen in Richtung der Ställe. Immerhin möchte sie ihn ja nicht gleich ganz hier einquartieren. Erst einmal möchte sie sich lediglich nach Arbeit erkunden und während sie in der Taverne nach den Besitzern sucht und das Gespräch führt, wird sie das Pferd sicher hier unterstellen können. Und bestimmt wird sie an den Ställen auch jemanden finden, den sie diesbezüglich fragen kann.

An den Ställen angelangt erfüllt sie sogleich der Duft nach frischem Stroh und Heu und auch Shunj’anar scheint über den Duft sichtlich erfreut, zumindest lässt er ein freudiges Wiehern ertönen. Yasraena blickt sich um, kann jedoch niemanden finden, doch dann taucht aus einer der Boxen ein Kopf auf und mit einem Grinsen wird Yasraena von einem der Stallburschen, der gerade dabei war diese Box zu reinigen, begrüßt. Yasraena lächelt erfreut: „Seid gegrüßt. Sagt, kann ich meinen Hengst vielleicht für einen Augenblick hier unterstellen?“ fragt Yasra den Stallburschen. Als sie jedoch merkt wie blöde die frage klingt fügt sie noch eilig hinzu: „Es wird nicht lange dauern, ich wollte kurz ins Gasthaus und mit den Besitzern reden. Leider habe ich derzeit nicht sonderlich viel Geld dabei.“  Yasraena ist sichtlich nervös. Doch der Stallbursche winkt schon ab: „Lass mal gut sein, wir haben derzeit einige Boxen frei und solange dein Pferd nicht über Nacht hier bleibt sondern lediglich wenige Stunden bleibt und euch ohnehin hier im Gasthaus aufhaltet ist das schon in Ordnung.“ Mit einem interessierten Blick mustert er den schwarzen Hengst. Dann eilt er an Yasraena vorbei und zeigt ihr gleich, in welcher Box sie ihn am Besten unterbringt.

„Habt vielen Dank.“ Sagt Yasra noch, der Bursche hat sich längst wieder seiner Arbeit zugewandt. Nachdem Yasraena ihr Pferd von Zügel und Sattel befreit hat, schließt sie das Tor zu seiner Box und macht sich auf in Richtung Gutshaus.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lyall am 21. Juni 2009, 19:43 Uhr
Es dämmert bereits, als Aegnor und Lyall die Goldene Harfe erreichen. Viel haben sie auf ihrem Streifzug nicht erbeutet, abgesehen von ein paar Nüssen, Feldfrüchten und Brennholz. Alle beide hängen ihren eigenen Gedanken nach und Lyall streicht gerade ein paar verirrte Blätter aus ihrem Haar als sie kurz und kräftig am Hemdärmel gezogen wird.
Vor lauter Schreck stolpert sie fast über die Türschwelle und wäre um ein Haar gegen ihren Begleiter geprallt, doch in letzter Sekunde kann sie sich noch am Türrahmen festhalten.
Mit vor Aufregung klopfendem Herzen sieht sie sich um und erblickt im ersten Moment... nichts.
Dann erhebt sich eine kleine Hand in ihr Blickfeld so dass sie herunterschaut. Eine Mogbarmagd steht lächelnd vor ihr und deutet einen Knicks an.
„Entschuldigt das ich euch übersehen habe...nun... ich... stehe etwas erhöht hier.. auf der Türschwelle...“, versucht sich Lyall errötend zu entschuldigen während sich ihre Ohren demütig an den Kopf anlegen. „Passiert mir öfters“, bringt die Magd keck heraus und ihre dunklen Locken wippen fröhlich mit als ihr ganzer Körper vor lachen bebt. „Doch nun kommt mit. Jemand wartet schon geraume Zeit auf euch. Folgt mir doch bitte“.
Kurz sieht Lyall zu Aegnor rüber, welcher ihr nur kurz mit dem Kopf zunickt und dann im Zwielicht des Schankraums verschwindet. Etwas allein gelassen steht Lyall da und reißt sich erst aus ihrer Starre los als die Tür vor ihrer Nase zufällt. Kurz seufzt sie, nickt der Mogbar dann jedoch zu und folgt ihr in den Harfengarten.

Alle Tische sind restlos belegt, obwohl es langsam kälter wird, während die Schatten der Häuser immer länger werden. Geschickt manövriert sich die Magd durch die Menge, ab und zu wird ihr eine Bestellung zugerufen die sie mit einem Nicken und Lächeln beantwortet.
Je weiter sie in den Garten vordringen, umso aufgeregter wird Lyall. Ihre Ohren wollen sich am liebsten unter ihren Haaren verkriechen, beäugt von so vielen Menschen und, was sie wieder rum etwas beruhigt, Nicht- Menschen.
Fast am Rand des Harfengartens angelangt, bleibt die kleine Mogbar vor einem Tisch stehen an dem nur eine einzelne Frau sitzt.
„So da wären wir! Bitte setzt euch doch. Etwas zu trinken oder zu essen die Damen?“, fragt sie Magd freundlich doch Lyall kann nur verneinend den Kopf schütteln und lässt sich dann vorsichtig auf den Stuhl gegenüber ihrer Tischnachbarin nieder. Ihr Gegenüber ist schlicht aber modisch gekleidet, so dass sie ihre etwas abgescheuerten Hemdärmel schnell unter dem Tisch verschwinden lässt. Aufmerksam wird sie von der Frau beobachtet, bis sie die Stille nicht mehr aushält und etwas sagen muss. „Ihr wolltet mich sprechen? Seid ihr Aurian? Ich bin Lyall wie ihr wohl bereits wisst.“ Zur Begrüßung legt sie ihre geballte Faust auf ihre Herzgegend und deutet eine Verbeugung an.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Avila am 21. Juni 2009, 23:14 Uhr
Die Sonne ist ein ganzes Stück gewandert, seit Avila sich in den Harfengarten gesetzt hat und allmählich macht sich selbst bei der geduldigen Gärtnerin Frustration breit. Warum gibt jemand eine Nachricht ab, dass man ihn in der Harfe erreichen kann und taucht dann stundenlang nicht auf? So sehr sie sich auch bemüht, der jungen Frau will schlichtweg keine Antwort darauf einfallen. Es gäbe so viel zu tun… Ohne Frage, für eine Weile ist es sehr schön, in dem Harfengarten zu sitzen und dem emsigen Treiben auf dem Marktplatz zuzusehen, gerade weil sie hier nichts erledigen kann. Auf Dauer ist es trotzdem ein wenig nervenaufreibend, vor allem, wenn am Tisch nebenan zwei Klatschweiber erster Güte sitzen, die lautstark die neusten Gerüchte verbreiten, damit sie auch bloß niemandem entgehen. Dabei ist das Letzte, was Avila interessiert, wie viele uneheliche Kinder irgendein Adliger hat, welcher Bürgervertreter sich ein Bein gebrochen hat und wessen untreuer Ehemann auf frischer Tat ertappt wurde. Sehr bald wünscht sich Avila nur noch irgendwas, mit dem sie die beiden Frauen knebeln kann und sie ist mehr als dankbar, als sich ein Gast von einem anderen Nachbartisch irgendwann lauthals beschwert. Nach einem kurzen Wortgefecht  schrauben die beiden dann ihre Lautstärke wenigstens so weit herunter, dass man sie ohne größere Probleme überhören kann. Kaum ist dieses Problem behoben, setzt sich ein junger Mann an den gegenüberliegenden Tisch und beginnt Avila vielsagende Blicke zuzuwerfen. Ein wenig überfordert mit der Situation versucht sie ihm mit Kopfschütteln verständlich zu machen, dass sie nicht interessiert ist, was ihn aber nicht weiter zu interessieren scheint. Erst als sie auf sein Angebot, sie zum Essen einzuladen, mit einem sehr klaren „Nein!“ antwortet, lässt er locker und sucht nach einer leichteren Beute.  Zu diesem Zeitpunkt ist Avila schon bei ihrem zweiten Honigbier angekommen und sie will das Warten gerade aufgeben und sich auf den Weg nach Hause machen, als eine Mogbar gefolgt von einer schwarzhaarigen Frau auf ihren Tisch zusteuern. > „So da wären wir! Bitte setzt euch doch. Etwas zu trinken oder zu essen die Damen?“<, werden sie sofort eifrig gefragt, worauf Avila mit einem freundlichen Lächeln antwortet: „Für mich nicht, vielen Dank.“

Daraufhin richtet sie ihren Blick auf die vermeintliche Lyall, eine schlanke Frau, die etwas größer als sie selbst ist, mit hübschen braunen Augen und wunderschön glänzendem Haar, aus dem allerdings etwas herausschaut, was dafür sorgt, dass es Avila einiges an Überwindung kostet, nicht die Augen aufzureißen. Seitdem sie in Talyra lebt, hat sie schon viel gesehen: Elben, Zwerge, Mogbars, Kobolde, Feen, Faune, Zentauren und Gnome. Aber ein Mensch, der Ohren wie ein großer Hund oder ein Wolf hat, das ist ihr noch nicht untergekommen. Und ich dachte, mich überrascht nichts mehr! Um die Frau nicht noch unsicherer zu machen, als sie ohnehin schon zu sein scheint, gibt sich Avila alle Mühe, die Ohren nicht anzuschauen, sondern ihrem Gegenüber in die Augen zu sehen.  Die Weltenstadt hat doch immer etwas Neues zu bieten! So wird das Leben immerhin nicht langweilig… Den Gefallen, ein Gespräch anzufangen, tut sie ihrem Gegenüber dann aber trotzdem nicht, wer sie so lange warten lässt, sollte dann immerhin den ersten Schritt tun. Nach einiger Zeit tut das Lyall dann auch, allerdings auf eine Art und Weise, die Avila ein sanftes Lächeln entlockt. >„Ihr wolltet mich sprechen? Seid ihr Aurian? Ich bin Lyall wie ihr wohl bereits wisst.“< Um ihren Worten noch mehr Gewicht zu verleihen, legt Lyall die Faust aufs Herz und beugt sich vor, als wolle sie sich verneigen. Eine merkwürdige Geste für eine Vorstellung, ich bezweifle, dass sie aus den Herzlanden kommt. „Mein Name ist Avila, ist bin sozusagen Aurians Haus- und Hofmagd.“ Mit anderen Worten: Das Mädchen für alles. „Sie ist sehr beschäftigt und hat daher mich gebeten, nach Euch zu suchen und mit Euch über die Anstellung zu sprechen. Bevor wir aber über Lohn und Unterbringung sprechen, wäre erst einmal interessant, als was genau Ihr arbeiten wollen würdet. Momentan bin ich allein für das Anwesen und das nicht gerade kleine Gelände darum herum zuständig. Ganz schön viel Arbeit für eine Person, das könnt Ihr mir glauben!“ Bei diesen Worten lacht sie leise und hofft damit das Eis ein wenig zu brechen, damit sich Lyall etwas entspannt, da sie momentan wirkt, als ob sie sich nicht gerade wohl fühlen würde. „Ich kann also letztlich an allen Ecken und Enden Hilfe gebrauchen. In welchem Bereich würdet Ihr gerne arbeiten?“ Ob in der Küche, im Haus, im Garten oder bei den Tieren, ich würde schon genug zu tun für sie finden, aber wer weiß, vielleicht hat sie klare Vorstellungen… Aufmerksam schaut Avila in ein Paar Bernsteinaugen, wohlweißlich darauf bedacht, den Blick nicht Lyalls Kopf hinauf wandern  zu lassen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 22. Juni 2009, 15:17 Uhr
Im Hier und Jetzt

Azra schrubbt. Und schrubbt. Und schrubbt. Und flucht dabei sogar für einmal stumm vor sich her. Über Bier, Met, Schnapps, Wein, Männer, die den Becherboden sogar dann nicht mehr erkennen, wenn sie mit der Nase dagegen stossen und im Besonderen über Männer, die dann auch noch meinen sich mit der Tischkante anlegen zu müssen. Als sie aber aufgrund ihres beschränkten Fluchvokabulars – und die zardakischen Äquivalente lassen dann doch selbst ihr die Haare zu Berge stehen – zum fünften Mal bei „gemeiner Rüpel“ angekommen ist, gibt sie auf. Leise seufzend betrachtet sie das Ergebnis ihrer Mühen. Es ist keineswegs zufrieden stellend, denn es bleibt ein dunkler Fleck, dort wo der Kerl mit der Nase auf die Holzdiele aufgeschlagen ist. Zu schnell hat das Holz das Blut aufgesogen. Etwas unwirsch wirft sie den Lappen in den Eimer zurück, schnappt sich diesen und erhebt sich. Zum Glück ist nicht allzu viel los und die Schankmädchen müssen nicht ständig über sie hinwegkrabbeln – auch wenn das bei ihrer Grösse keine grosse Anstrengung wäre.
Noch kurz wirft sie einen Blick auf den betrunkenen Tropf, dem die Beine des Nachbarn zum Verhängnis geworden waren. Er hat den Kopf in den Nacken gelegt und wird von Halla liebevoll umsorgt. Sprich, sie drückt ihm zerschlagenes Eis in einem Leinentuch fest auf die malträtierte Nase und hält ihm eine Moralpredigt, die sich gewaschen hat. Fast schon tut er Azra leid, so wie er da sitzt, bleich wie Sithech persönlich und vor Schmerzen wimmernd.
Ach was, er hat es verdient! Bevor ihr Mitgefühl ausbricht und sie doch noch dazu bringt den Fleck, den der Kerl auf dem Boden hinterlassen hat, einfach zu vergessen, verschwindet sie rasch in der Küche, wo sie den Eimer ausleert und den Lappen auswringt.
Als sie in den Schankraum zurückkehrt, hört sie gerade noch das charakteristische Knarren der Tür. Neugierig linst sie über die Theke in Richtung des Eingangs und greift sich automatisch nebenbei ein Tablett mit schmutzigen Humpen.
Herein tritt eine hochgewachsene, schmale Gestalt, von der unter dem schwarzen Umhang nicht viel mehr als eine helle Nasenspitze und feingliedrige, lange Finger zu erkennen sind. Eine Elbe, mutmasst Azra und stellt den ersten Humpen ab, gerade als die Fremde ihre Kapuze nach hinten streift.
Azra trifft beinahe der Schlag. Unbewusst weicht sie einen Schritt zurück und lässt beinahe den fein gearbeiteten Weinkrug fallen, den Grid ihr im Vorbeigehen in die Finger gedrückt hat. Bei allen Göttern und ihren Archonen, die sieht ja aus wie ich. Unsicher hält sie Ausschau nach Borgil. Der hatte sich vor kurzem seine Söhne geschnappt und sich in ihre Gemächer zurückgezogen, um sich der Buchhaltung zu widmen. Dort sitzt er ganz offensichtlich immer noch, denn weder von ihm, noch von Brenainn oder Bræn ist auch nur eine einzelne rote Haarspitze zu sehen.
Rasch blickt sie wieder zurück zu der Elbe, die immer noch unschlüssig vor dem Eingang herumsteht und sich suchend umschaut. Azra hat sich zwar mittlerweile an den Anblick von Njucon gewöhnt, aber der ist immerhin ein Mensch. Die Frau dort ist eindeutig elbischer Herkunft, auch wenn ihre milchigweisse Haut, das im Kerzenlicht silbern schimmernde, feine Haar und die sehr hellen, blauen Augen nicht unbedingt typisch scheinen. Ob sie auch… Azra beendet den Gedanken nicht, aus Angst, es könnte so sein. Und wenn es so ist… ja… was dann? Ach, du dumme Kuh. Jetzt geh schon und frag, was sie möchte! Sie wird dir schon nicht gleich den Kopf abreissen… Zumindest hofft Azra das sehr, aber ein Funke an Unsicherheit hält sich hartnäckig.
Um ihre Nervosität etwas zu verbergen, vergräbt sie ihre zitternden Finger in der Schürze, umrundet dann hoch erhobenen Hauptes die Theke und bahnt sich einen Weg zu der Fremden.
„Die Götter seien mit euch“, grüsst sie freundlich und lächelt warm zu der Elbe hinauf. „Kann ich euch behilflich sein?“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Yasraena am 23. Juni 2009, 16:36 Uhr
Noch einmal atmet Yasraena tief durch, dann öffnet sie die Tür zur goldenen Harfe. Entschlossen tritt sie ein,  hält jedoch wieder inne und streift ihre Kapuze zurück.
Wenn ich hier tatsächlich Arbeit finden möchte, werde ich mein Aussehen ohnehin nicht verbergen können. Man stellt sich nicht bei einem möglichen Arbeitgeber mit verhülltem Gesicht vor.
Suchend lässt die Elbe ihren Blick durch den Schankraum gleiten.
Ja, nun bin ich hier… Ob ich eine der Schankmädchen ansprechen soll um nach dem Besitzer zu fragen? überlegt Yasra, als sie auch schon eine Stimme vernimmt. >Die Götter sein mit euch< ertönt es freundlich neben ihr. Sich der Stimme zuwendend lächelt sie bereits und erwidert: „Mögen die Götter auch mit euch s….“  Vor Schreck beendet sie den Satz nicht, als sie auf die kleine Gestalt herab blickt. Die Ohren der Fremden sind eindeutig elbischer Natur, doch ihre Gestalt ist zu klein und viel zierlicher. Aber weder die Größe noch die Elbenohren sind es, was Yasraena so erschreckt hat. Vielmehr ist es das Gesamtbild dieser Frau. Ihre Haut ist porzelanweiß und auf eine leicht durscheinende Art noch ein wenig heller als die von Yasraena selbst. Auch die Augen der Fremden sind pupillenlos weiß. Einzig ein etwas dunkler Ring trennt die Iris von dem restlichen Auge. Und als Yasra dann noch unter der Haarhaube der schmalen Elbe einige weiße Stähnen herausschauen sieht, ist sie gänzlich schockiert.
Diese Ohren… Diese helle Haut… Das kann doch nicht… Sie ist doch nicht… schießt es ihr durch den Kopf, ohne dass sie auch nur einen ihrer begonnen Gedanken weiter verfolgt. Würde sie ihr nicht so verdammt ähnlich aussehen, wäre Yasraena niemals auf diese Idee gekommen, weißes Haar mit blutelbischem Erbe in Verbindung zu bringen. Doch, da auch sie selbst weißes Haar hat und ihr bisher niemand sonst mit einem solchen Aussehen begegnet ist, drängt sich ihr dieser Gedanke geradezu auf. Ach was, sie ist viel zu klein, vermutlich handelt es sich einfach um eine Halbelbe, welche dieses Aussehen nur rein zufällig trägt. Wie wahrscheinlich ist es denn schon, dass eine Blutelbe nicht ihr schwarzes Haar vererbt sondern helles? Wenn sie wäre wie ich, dann könnte sie doch nicht so klein sein…. Oder? beruhigt sie sich selbst und drängt diese Gedanken beiseite. Einen winzigen Moment später hat sie ihre Fassung wiedererlangt, als die kleine elbenähnliche Person warm und freundlich zu ihr hinauflächelt.
> Kann ich euch behilflich sein?<  fragt die Fremde freundlich und auch Yasraena hat sich wieder unter Kontrolle: „Das könnt ihr in der Tat.“ antwortet sie mit einem dankbaren Lächeln. Dann fügt sie noch schnell hinzu: „Vielleicht könnt ihr mir sagen, wo ich den Eigentümer dieses Gasthauses finden kann?“ Und schon keimt in Yasraena wieder Nervosität auf.
Was mache ich nur, wenn ich keine Arbeit finde? Wo komme ich unter und wo bei den Göttern kann ich Shunj’anar unterbringen? keimt die Sorge in ihr auf. Doch schnell lenkt sie dagegen. Es wird hier sicher noch andere Möglichkeiten geben, diese Stadt ist so groß, da muss es einfach Möglichkeiten geben. Auch wenn ihr eigentlich keine andere Möglichkeit so sehr gefällt, wie in diesem Gasthaus direkt am Markt zu arbeiten. Du kannst Gerüchte aufschnappen und einige der Einwohner kennen lernen. Ein guter Ausgangspunkt um ein neues Leben zu beginnen. Aber zu diesem Ausgangspunkt musst du erstmal kommen, also reiß dich gefälligst zusammen und hör auf immer gleich vom Schlimmsten auszugehen sagt sie sich selbst und beruhigt sich wieder.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lyall am 23. Juni 2009, 18:38 Uhr
Innerlich schrumpft Lyall unter dem Blick ihrer Tischnachbarin immer weiter zusammen und die Zeit scheint für sie wie eine Schnecke zu kriechen, bevor ihr Gegenüber das Wort an sie richtet. >„Mein Name ist Avila, ist bin sozusagen Aurians Haus- und Hofmagd. Sie ist sehr beschäftigt und hat daher mich gebeten, nach Euch zu suchen und mit Euch über die Anstellung zu sprechen. Bevor wir aber über Lohn und Unterbringung sprechen, wäre erst einmal interessant, als was genau Ihr arbeiten wollen würdet. Momentan bin ich allein für das Anwesen und das nicht gerade kleine Gelände darum herum zuständig. Ganz schön viel Arbeit für eine Person, das könnt Ihr mir glauben!“<
Ein Lächeln breitet sich auf dem Gesicht von Avila aus und automatisch muss auch Lyall selber etwas lachen. Verlegen führt sie ihre rechte Hand an ihr Ohr und streicht kurz über das Fell, bevor sie sie wieder unter den Tisch sinken lässt.

>„Ich kann also letztlich an allen Ecken und Enden Hilfe gebrauchen. In welchem Bereich würdet Ihr gerne arbeiten?“< Avila sieht sie interessiert an, anscheinend gespannt auf die Antwort die nun eigentlich folgen soll. Doch Lyall zögert. Sie hat natürlich damit gerechnet, dass solch eine Frage auf sie zukommen würde doch wirkliche Gedanken hat sie sich bis jetzt nicht gemacht. Aus dem einfachen Grund, weil sie nicht genau wusste was auf einem großen Anwesen alles an Arbeit anfällt. Kochen, putzen, waschen, Kleidung flicken... viele Möglichkeiten doch in keinem bin ich nennenswert gut... Kurz überlegt sie und antwortet dann wahrheitsgemäß: „Ich muss euch leider sagen, das ich nicht wirklich weiß, was es alles an Arbeiten zutun gibt auch wenn ich sicher bin, dass ihr mir alles beibringen würdet. Kochen kann ich eher schlecht als recht, beim Nähen und Stricken... nun, am Ende müsst ihr mich noch aus einem Garnknäuel befreien oder ich nähe mich gleich mit ein. Doch ich hoffe trotzdem, dass ihr für mich eine Anstellung und Verwendung habt. Ich lerne schnell und bin zuverlässig. Ich kann gut mit Tieren umgehen, jagen, Bogenschießen und beherrsche den Dolchkampf etwas. Für die zwei letzten Dinge werdet ihr vielleicht keine Verwendung finden doch hoffe ich, dass ihr mir eine Chance gebt um mich zu beweisen.“, sagt sie leiser werdend und sieht Avila an. Ihre gestaltwandlerischen Fähigkeiten lässt sie erst einmal außen vor auch wenn die äusserlichen Anzeichen dafür quasi nicht zu übersehen sind.

Sie hofft wirklich auf diese Anstellung, auch wenn es etwas vorschnell gehandelt war sich ohne Vorkenntnisse in Haus- und Gartenpflege auf solch eine Arbeit zu melden. Inbrünstig hofft sie, dass Avila wirklich jede helfende Hand gebrauchen kann, auch wenn sie diese erst etwas anlernen muss.


Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 24. Juni 2009, 21:25 Uhr
Es ist eine Weile her, seitdem Azras äussere Erscheinung jemandem glatt die Sprache verschlagen hat. In Talyra weiss inzwischen ein Jeder, dass der Wirt der Goldenen Harfe einen Blutelbenmischling zur Frau hat – immerhin sind sie seit über drei Jahren miteinander verheiratet - und nicht wenige kennen auch ihren Namen. Was auch daran liegt, dass mindestens die Hälfte der taylirischen Einwohner schon mindestens einmal in der Goldenen Harfe zu Besuch war.
Diese Elbe aber stockt mitten in ihrem Satz und mustert sie aus grossen Augen. Die Verwirrung steht ihr ins Gesicht geschrieben. Sie muss hier völlig fremd sein. Sonst wüsste Borgil bestimmt von ihr. So wie sie aussieht, ist sie ja auch nicht gerade unauffällig, auch wenn man sie von Weitem vielleicht mit Njucon verwechseln könnte. Aber nur von weitem. Immerhin ist der Albino noch ein ganzes Stück grösser und ausserdem ein Mensch. Von den rubinroten Augen, die Azra immer wieder aufs Neue faszinieren, ganz zu schweigen. Etwas mulmig wird Azra bei der genauen Musterung durch die Fremde allerdings schon zumute. Was wenn sie wirklich auch ein Blutelbenmischling ist? Die Befürchtung, es könnte so sein, macht Azra Angst. Noch niemals zuvor ist sie einem der Ihren begegnet. Ganz im Gegenteil. Immer hat sie versucht die Gedanken daran, was sie ist, so weit es geht aus ihrem Leben zu verdrängen, und nur hie und da hat es noch seltene Momente gegeben, wo sie durch einen Blick, oder eine Geste daran erinnert wurde.
Nur ganz langsam dämmert ihr, was sie im Begriff ist zu tun und für den Bruchteil eines Augendblicks wird ihr ganz schwer ums Herz. Wie kann ich nur… Wenn sie ist wie ich, dann müsste ich doch gerade am Besten wissen, wie unangenehm es sein kann, mit Vorurteilen konfrontiert zu werden! Verflixt und zugenäht, ich sollte mich was schämen. Reumütig ob ihrer schlechten Gedanken senkt sie hastig den Blick und zieht den Kopf zwischen die Schultern, wie ein kleines Mädchen, das Schelte erwartet.
Derweil hat die Fremde ihre Stimme wieder gefunden. „Das könnt ihr in der Tat. Vielleicht könnt ihr mir sagen, wo ich den Eigentümer dieses Gasthauses finden kann?“
Azra weiss gar nicht mehr, wie oft sie diese Frage schon gehört hat und findet prompt ein wenig zu ihrer nicht sonderlich ausgeprägten Selbstsicherheit zurück. „Natürlich kann ich das“, erwidert sie und bringt sogar, ermuntert durch die Unsicherheit der Fremden, zu einem halbwegs anständigen Lächeln zurück. „Borgil Blutaxt, der Wirt, ist gerade mit den Abrechnungen und seinen Söhnen beschäftigt. Aber vielleicht kann ich Euch helfen. Mein Name ist Azra und ich bin Borgils Frau. Was möchtet ihr denn wissen? Oh, und seid ihr hungrig oder durstig? Ihr seht müde aus. Wartet kurz, ich bringe euch etwas, und dann können wir in aller Ruhe über euer Begehr sprechen.“ Azra lässt der Fremden gar keine Zeit zu widersprechen. Bevor diese sich versieht, hat Azra ihr sanft die Hand auf den Arm gelegt und führt sie zu einem Tisch etwas weiter hinten, wo nicht so viel los ist. „Entschuldigt mich nur einen Moment. Ich bin gleich wieder da.“
Schon ist Azra verschwunden, nur um gleich darauf mit einem Becher verdünntem Wein, zwei Scheiben Brot, etwas Käse und einer frischen Milch für sich selbst an den Tisch zurückzukehren. „Soooo“, meint sie etwas gedehnt, stellt die Sachen vor der Elbe ab und schickt ihr ein herzliches Lächeln über Tisch- und Becherrand hinweg, bevor sie sich dazusetzt. Dass sie Halla über die Anwesenheit der Fremden in Kenntnis gesetzt hat und sie doch bitte ein Auge auf das Gespräch haben soll, verschweigt sie. Sie fühlt sich nur einiges sicherer, wenn sie weiss, dass ihre Zusammenkunft mit einem möglichen Blutelbenmischling von Hallas Argusaugen genau überwacht werden. So kann diese im Notfall auch Borgil zu Hilfe holen, sollte irgendetwas schief gehen. Aber was soll denn schon schief gehen. Ich sitze ja nur zum ersten Mal in meinem Leben überhaupt möglicherweise einer Blutelbe gegenüber… und wenn dir nur halb so verrückt ist wie ich, dann… Aber darüber will Azra jetzt gerade wirklich nicht nachdenken, dazu schmerzt es noch immer viel zu sehr eben gerade nicht zu wissen, was sie getan hat. Auch wenn es schon sehr lange her ist.
„Also, was möchtet ihr denn genau wissen, … ah… wie ist denn euer Name? Und woher kommt ihr? Es sieht aus, als wärt ihr ein ganzes Stück gereist?“ Zumindest wären dadurch der Staub auf dem Mantel und der Dreck an den Stiefeln zu erklären.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Yasraena am 25. Juni 2009, 18:10 Uhr
Im Schankraum der Harfe

Die Fremde wirkt ebenso unsicher wie Yasraena selbst. Ob auch sie bisher keinen kannte, der ihr so ähnlich sah? fragt sich Yasra im Stillen. Fast zeitgleich schießen ihr noch andere Gedankenfetzen in den Kopf: Das hast du es. Sie hat auch was zu verbergen. Bestimmt ist sie doch wie du. Diese Ideen flammen jedoch nur kurz auf und werden sogleich wieder von Yasraena beiseite geschoben. Einfach aus dem Grunde, weil sie zu absurd sind. Die Frau ist viel zu klein, als dass sie tatsächlich eine Elbe sein könnte. Wenn überhaupt, dann ist sie eine Halbelbe und selbst diese sollten eigentlich deutlich größer sein, zumal Yasraena auch keine so kleinen Menschen kennt. Aber wer weiß schon wie viele Menschenarten es gibt? Vermutlich hat sie ihre weiße Haut einfach von einem sehr kleinwüchsigen Menschenvolk geerbt. Oder aber sie ist ob ihrer so geringen Größe eine Mischung aus ganz anderen Völkern. Wer weiß was es noch so alles gibt?

Yasraena ärgert es ungemein, dass diese Gedanken immer wieder hochkommen. Ein solcher Zufall wäre einfach nur absurd. Ein Shebaruc-Mischling sollte dunkle Haare haben. Nur weil die Götter bei ihr selbst anders entschieden haben, heißt es ja nicht, dass gleich jeder, der helles Haar und helle Haut hat ein solcher Mischling sein muss. Das ist wirklich zu absurd und der netten Frau gegenüber wirklich nicht fair. Während Yasraena sich einige Vorwürfe macht, scheint die Fremde ihre Unsicherheit überwunden zu haben und erklärt ihr, dass der Eigentümer ein Wirt namens Borgil Blutaxt ist, dieser aber mit seinen Söhnen beschäftigt sei und sie selbst Azra heiße und sicher weiterhelfen könne, da sie seine Frau sei.

Borgil Blutaxt. Ein wirklich befremdlicher Name. Einen solchen Namen hatte Yasraena noch nie gehört. Alleine schon der Rufname Borgil klingt in ihren Ohren wirklich merkwürdig. Doch der Nachname Blutaxt ist es, der ein leichtes Schaudern auslöst. Für einen Moment kann sie sich dem Gedanken, dass es wohl ein Shebaruc-Name sein könnte, nicht erwehren. Doch gleichzeitig fällt ihr auf wie dumm dieser Einfall ist und dass sie schon Gespenster sieht, welcher Shebaruc würde sich schon dazu herablassen seinen Namen in einen der Allgemeinsprache zu ändern und Blutaxt ist eindeutig nicht die Sprache der Shebaruc. Nein, völlig ausgeschlossen, ihr Mann muss einer gänzlich anderen Art angehören und Yasraena meint auch sich zu erinnern in einem Buch einst über ähnliche Namen gelesen zu haben. Namen wie Turgor Eisenhammer und  Volgar Feuerschild schießen ihr durch den Kopf und sie erinnert sich, in einer Abenteuergeschichte über eine kleine Reisegruppe, in der unter dem Namen zwei Zwerge gereist waren, gelesen zu haben. Das Buch war in der Allgemeinsprache verfasst und sie hatte es bei der Familie ihrer Mutter gelesen, als sie sich diese Sprache beizubringen versuchte. Die letzten Worte der Nachnamen der Buch-Zwerge erinnern irgendwie auch an den von Borgil.
Hammer, Schild und Axt passen doch recht gut zusammen, stellt Yasraena fest. Auch wenn es nichts weiter, als bloßes Mutmaßen ist, findet Yasraena Gefallen an diesem Gedanken. Das würde auch erklären, warum Azra so klein ist. Zugegeben, eine Zwergenfigur hat sie nicht gerade, aber weibliche Zwerge gibt es doch auch gar nicht oder doch? Zumindest sie selbst hat nie auch nur von einem einzigen weiblichen Zwerg gehört, wer kann daher schon sagen, wie diese aussehen? Aber von Zwergen mit Elbenohren hat sie auch noch nichts gehört, daher ist wohl auch diese Idee nicht recht zutreffend. Sie meint auch sich zu entsinnen, dass es tatsächlich keine Zwergenfrauen gibt, aber dies hält sie ganz einfach für ein Märchen, wo sonst sollten kleine Zwerge wohl schon herkommen?

>Oh, und seid ihr hungrig oder durstig? Ihr seht müde aus. Wartet kurz, ich bringe euch etwas, und dann können wir in aller Ruhe über euer Begehr sprechen.< bricht jetzt ein kleiner Redeschwall aus Azra hervor und noch ehe Yasraena weiß wie ihr geschieht wird sie von der kleinen Gestalt sacht am Arm genommen und zu einem Tisch geführt. Yasraena war viel zu überrumpelt, um widersprechen zu können und noch bevor Yasraena Azra davon abhalten kann, ist diese schon mit den Worten > Entschuldigt mich nur einen Moment. Ich bin gleich wieder da.< verschwunden.  
Mist flucht Yasraena in ihren Gedanken. Sie hatte Azra, so unangenehm es ihr selbst auch war, noch erklären wollen, dass sie kein Geld für Speis und Trank hat. Jetzt ist es zu spät. Azra ist längst hinter die Theke und in die Küche verschwunden und Yasraena verspürt zwar tatsächlich deutlichen Hunger, hat jedoch auch ein schlechtes Gewissen. Klar, sie selbst hat nichts bestellt, daher wird es sich vermutlich tatsächlich um eine Einladung Azras handeln. Dennoch, es wäre nur unhöflich nicht wenigstens ein Trinkgeld zu geben. Aber Yasraena hat nicht einmal mehr die kleinste Münze und das wo sie doch unbedingt einen guten Eindruck machen muss, wenn sie hier unter kommen mag.

Schon taucht Azra wieder auf und stellt mit einem warmen herzlichen Lächeln, ein Glas Wein, sowie etwas Brot und Käse vor der Elbe auf den Tisch. Sogleich bedankt sich Yasraena für Speis und Trank. Während dessen setzt sich Azra mit einem Glas Milch in der Hand zu der Elbe und schon verwirft Yasraena ihren Geistesblitz wieder. Sie hatte davon gehört, dass Zwerge nichts lieber als Bier tranken, aber Milch? Das passte so gar nicht in das Bild, dass ihr Erzählungen und eben dieses Buch über Zwerge vermittelt hatten. Wahrscheinlich gibt es tatsächlich keine Zwergenfrauen und Azra ist irgendwas gänzlich anderes. Aber darüber sollte ich nicht weiter fachsimpeln. Sie könnte alles Mögliche sein, das Einzige was zählt ist, dass sie wirklich sehr freundlich und nett zu sein scheint. und damit hakt sie diese Gedanken endgültig ab. Auch Azra scheint für einen kurzen Moment eigenen Gedanken nachzugehen. Für einen winzigen Moment wirkt ihr Gesicht ausdruckslos und starr, doch bevor Yasraena sich versieht ist dieser Moment vorbei und Azra hat ihre Sorgen, wenn es denn welche waren, wieder hinter einem freundlichen Lächeln verborgen und wendet sich nun neugierig der Elbe zu:  >Also, was möchtet ihr denn genau wissen, … ah… wie ist denn euer Name? Und woher kommt ihr? Es sieht aus, als wärt ihr ein ganzes Stück gereist?<
Gleich so viele Fragen auf einmal. Yasraena macht sich mit einem warmen Lächeln, dass ihre hellblauen Augen wie Eiskristalle funkeln lässt, daran sie alle zu beantworten: „Mein Name ist Yasraena.“ Den Nachnamen lässt sie bewusst weg. Zum einen ist er hier nicht von Bedeutung zum anderen ist sie sich noch nicht sicher, welche ihrer zig Ausreden zu ihrem Aussehen sie hier in der Stadt nutzen mag. Davon ist jedoch abhängig ob sie überhaupt einen weiteren Namen nutzen wird und wenn dem so ist, ob sie einen erfinden muss.  
Ich hätte mich direkt bei der Begrüßung vorstellen müssen. Wie unhöflich von mir schießt es Yasraena blitzartig durch den Kopf und langsam befürchtet sie, dass sie es sich wirklich immer mehr verbaut und das wo Azra wirklich so freundlich und bemüht wirkt.
Nach diesem kurzen Moment des Zögerns, macht sich Yasraena, dank eines aufmunternden Lächelns der Wirtsfrau wieder daran die anderen Fragen zu beantworten: „Ich habe in der Tat eine weite Reise hinter mir. Zuletzt habe ich zwischen den Liedbergen und den Mondtoren auf einem kleinen Gestüt gelebt und gearbeitet. Dies ist schon eine ganze Weile her, seitdem bin ich auf der Reise.“ Besonders die Mondtore wollte Yasraena unbedingt erwähnt haben, nur für den Fall, auch wenn sie es selbst inzwischen ausschließt, die andere Frau könnte tatsächlich wie sie ein Shebaruc-Mischling sein, so würde sie gleich ein wenig in die Richtung lenken, dass die Andere diese Idee bezüglich Yasraena wieder verwirft. Yasraena weiß selbst wie unwahrscheinlich es ist, dass Azra wie sie selbst ist. Dennoch ist es ihr lieber einmal zu vorsichtig zu sein, als einmal zu wenig.
„Ich kannte außer dem Gestüt nur die Elbenlande. Von einem fahrenden Händler habe ich dann von Talyra gehört und mich entschlossen, hierher zu reisen.“ Für einen kurzen Moment wirkt ihr Blick ein wenig düster. Nicht aufgrund der Lüge, sie würde nur die Elbenlande kennen. Da sie stets über ihre wahre Herkunft schweigt und sich bereits einige Geschichten zu ihrem Aussehen hat ausdenken müssen, fällt ihr das Lügen nicht mehr sonderlich schwer. Und da es ihr so leicht und locker über die Lippen geht, fällt es auch nicht weiter auf.
Vielmehr verdüstert sich ihr Blick, aufgrund einer Vergangenheit, die sie stets von anderen Personen unterscheidet.

Nur einen Moment später ist der Schatten aber wieder aus ihren Augen verschwunden und ein freundliches, wenn auch etwas unsicheres Lächeln kehrt zurück. „Jedenfalls bin ich heute erst angekommen und habe weder eine Bleibe für mich, noch für mein Pferd. Daher suche ich wirklich dringend eine Arbeitsstelle.“  Als sie merkt wie falsch diese Aussage klingt und sie vielleicht nicht damit hätte anfangen sollen, warum sie Arbeit sucht, sondern vielleicht damit, was sie zu bieten hat und warum sie die perfekte Besetzung für ein Gutshaus ist, fügt sie hastig hinzu: „Auf dem Gestüt habe ich mich um alles gekümmert, was angefallen ist. Ich habe mich um die Kinder des Eigentümers gekümmert, das Essen zubereitet, ab und an Reisende bewirtet. Wir hatten auch Gästezimmer, die ich immer neu hergerichtet habe. Um die Wäsche und das Geschirr habe ich mich auch gekümmert. Selbst die Pferde habe ich mitunter versorgt. Gut, es gab auch Garten- und Feldarbeit, dergleichen wird in der Stadt wohl eher bedingt ausfallen. Später hatten wir mehr Mägde, die mich unterstützt hatten. Aber es gab keine Aufgaben auf dem Hof, bei denen ich nicht auch schon mit angepackt hätte. Zum Schluss war ich die rechte Hand des Eigentümers.“ Sie erwähnt nicht, wie seine Frau starb und sie sich sowohl um die Kinder als auch um ihn kümmerte, wie sie den Hof  führte, Arbeiten zuteilte und verantwortungsbewusst alles am Laufen hielt, während die kleine Familie dem Schmerz unterlag. Für einen Moment kommt ein Hauch von Schuldgefühl hoch, weil sie den Bauern im Stich gelassen hat. Doch sie ist sich sicher, dass Jenna, seine zweite Magd, ihre Aufgaben inzwischen souverän übernommen hat. Außerdem, war es nicht der Bauer selber, der sie zum Aufbruch ermutigt hatte?
„Auch wenn wir sicher nie so viel Betrieb hatten, wie es in einer Stadt der Fall ist, lerne ich wirklich schnell und bin mir sicher euch hier eine große Hilfe zu werden.“ beendet Yasraena ihre Ausführung. Ihre Allgemeinsprache ist inzwischen, dank der langen Reise und ihrer Arbeit auf dem Gestüt deutlich besser geworden. In die Satzstellung schleicht sich nur noch selten ein Fehler ein. Einzig ihre Aussprache hat einen sonderbaren Klang, der im ersten Moment zwar elbisch klingt, darüber hinaus jedoch bei genauem Hinhören noch andere, eher unbekannte Akzente zu enthalten scheint.

Unruhig und erwartungsvoll blickt sie zu Azra hinüber. Vermutlich hat die Wirtsfrau keinen Bedarf an weiteren Kräften und wird sie höflich aber bestimmt von dannen schicken, Andererseits gibt es sicher gerade in einem Gasthaus direkt am Marktplatz immer etwas zu tun und vielleicht, ja ganz vielleicht, könnte sie sogar tatsächlich hier bleiben. Ein kleiner warmer Funken bereitet sich in ihr aus. Ein Funken den man wohl als aufkeimende Hoffnung bezeichnen kann. Ja, in einer Stadt-Taverne zu arbeiten wäre einfach zu schön. Die Arbeit selbst wird zwar sicherlich umfangreicher, aber ansonsten wird sie sich nicht groß von dem bisher gekannten unterscheiden. Sie würde Gäste bewirten oder vielleicht einige Zimmer herrichten, putzen und vielleicht spülen. Vielleicht würde sie auch in der Küche helfen und selbst wenn sie im Stall arbeiten würde, wäre es für sie nichts gänzlich Fremdes. Sie könnte einige Bewohner kennen lernen, würde viel über die Stadt erfahren und könnte sich erst einmal richtig einleben ohne sich Gedanken um ein Dach über ihrem Kopf machen zu müssen und so wartet sie, von ihrem Wein nippend, ein wenig angespannt auf das, was Azra wohl sagen würde.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Avila am 25. Juni 2009, 19:39 Uhr
Der Plan geht auf, Lyall erwidert Avilas Lächeln und scheint sich zumindest ein wenig zu entspannen. Auf die Frage, wo genau sie arbeiten wollte, muss die Gärtnerin allerdings einige Zeit lang warten, ihr Gegenüber scheint hin und her zu überlegen. Als sie antwortet, tut sie das sehr offen und freimütig: >„Ich muss euch leider sagen, das ich nicht wirklich weiß, was es alles an Arbeiten zutun gibt auch wenn ich sicher bin, dass ihr mir alles beibringen würdet.“< Diese Antwort verrät einiges über die junge Frau, scheinbar hat sie bisher noch nie etwas mit Menschen zu tun gehabt, die es sich leisten können, Angestellte in ihre Diensten zu nehmen. Kann gut sein, dass Talyra die erste größere Stadt ist, in der sie lebt. Kein Wunder, dass sie dann im erstbesten Gasthaus gelandet ist. Lyall fährt fort: >„Kochen kann ich eher schlecht als recht, beim Nähen und Stricken... nun, am Ende müsst ihr mich noch aus einem Garnknäuel befreien oder ich nähe mich gleich mit ein.“< Bei diesen Worten muss Avila grinsen, auch wenn sie versucht es zu unterdrücken. Die Vorstellung, Lyall mit einem Messer aus einem Wollwirrwarr befreien zu müssen, ist einfach zu lustig. >„ Doch ich hoffe trotzdem, dass ihr für mich eine Anstellung und Verwendung habt. Ich lerne schnell und bin zuverlässig.“< Das ist wichtiger, als dass du einen formvollendeten Spitzenbesatz herstellen kannst, stellt Avila für sich fest. Ihr gefällt die Ehrlichkeit der jungen Frau und dass sie kein Problem damit hat, zu mangelnden Fähigkeiten zu stehen. Manch anderer hätte in ihrer Lage einfach gelogen, um die Anstellung zu bekommen. Nachdem Lyall bisher nur erzählt hat, was sie alles nicht kann, beginnt sie nun zu berichten, welche Fähigkeiten sie besitzt: > „Ich kann gut mit Tieren umgehen, jagen, Bogenschießen und beherrsche den Dolchkampf etwas. Für die zwei letzten Dinge werdet ihr vielleicht keine Verwendung finden doch hoffe ich, dass ihr mir eine Chance gebt um mich zu beweisen.“< Was Lyall da aufzählt, lässt darauf schließen, dass sie bisher ein Leben fern der Zivilisation geführt hat. Von der Jägerin zur Magd ist schon ein großer Schritt.

Nun bleibt abzuwägen: Dagegen Lyall einzustellen spricht, dass es zunächst ein großer Aufwand sein wird, ihr Dinge beizubringen, die Avila schon von klein auf gelernt hat und die für sie selbstverständlich sind. Dafür spricht hingegen, dass sie, wenn sie auf Dauer so eifrig ist, wie sie jetzt wirkt, nach einiger Zeit des Lernens eine große Entlastung wäre. Außerdem ist sie nett! Für einen Moment erwägt Avila, erst die Erlaubnis Ihrer Herrin einzuholen, verwirft die Idee dann jedoch wieder. Solange ich das Haus nicht verwahrlosen lasse und Lyall unter meine Fittiche nehme, wird sie nichts dagegen haben. Das ist das Schöne an Aurian, sie lässt Avila einen großen Freiraum und die Entscheidungsgewalt in vielen alltäglichen Dingen. „Nun, ich denke, dass wir genug Aufgaben finden werden, die nichts mit Nadel und Faden zu tun haben“, stellt sie mit einem Augenzwinkern fest. „Ihr könnt Euch um die Hühner kümmern und mir in der Küche helfen, ich kann Euch einiges zeigen und Ihr könnt für Feuerholz sorgen. Außerdem würde ich Euch auch beim Hausputz und beim Wäschewaschen mit einspannen, sowie bei der Ernte. Ihr würdet einfach überall mit anpacken, wo Hilfe gebraucht ist und vielleicht stellt sich dabei ja heraus, dass Euch etwas besonders liegt.“ Wenn ich ihr ein paar Mal gezeigt habe, wie man Wäsche wäscht, schafft sie das bestimmt auch alleine. „Dann und wann hätte ich auch nichts gegen einen Wildbraten einzuwenden“, fügt sie mit einem Lächeln hinzu. So kann sie ihre Fähigkeiten auf diesem Gebiet sinnvoll einbringen. „Ich will es nicht beschönigen: Es gibt viel zu tun. Aurian de Winter ist eine sehr freundliche Herrin, die sich darauf verlässt, dass sich um Haus und Garten gekümmert wird. Als Gegenleistung für die Arbeit gibt es Unterkunft und Essen umsonst, außerdem erhalten wir im Jahr 18 Silberstücke, also im Monat ein Silberstück und 5 Kupferlinge. Ihr könnt Euch monatlich, vierteljährlich oder jährlich bezahlen lassen, ganz wie es Euch gefällt. Zur Unterkunft gibt es ein Gesindehaus mit vier großen Zimmern, in dem auch ich wohne.“ Kurz überlegt sie, ob sie irgendwelche Bedingungen vergessen hat, aber ihr fällt nichts mehr ein. Also fragt sie: „Stimmt ihr dem zu?“ und streckt die rechte Hand aus, damit Lyall einschlagen kann.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Njucon am 26. Juni 2009, 12:56 Uhr
--- > Straßen der Stadt


Njucon betritt die goldene Harfe und schaut sich um. Was haben wir denn da? Sein Blick fällt auf Lady Blutaxt und sein lächeln wird noch breiter als es ohnehin schon ist, wenn er an sie und ihren herrlich unpassenden Familiennamen denkt. Da ist noch etwas. Lady Arza ist vertieft in ein Gespräch mit einer jungen Frau. Amüsiert betrachtet er die beiden Ladys die gerade gemeinsam zu Speisen scheinen. Die Fremde hat ihm den Rücken zugekehrt, so dass er ihr Gesucht nicht sehen kann. Doch eindeutig ist ihre schlanke Hochgewachsene Gestalt, bleiche Haut und weiße Haare. Schon kurios. In Laigin war ich etwas Besonderes und hier gibt es Bleichgesichter wie Sand am mehr. Ein verschmitztes lächeln zeichnet sich auf seinem Gesicht ab. Ich glaube, ich sollte die Gelegenheit nutzen mir die fremde Lady etwas genauer anzusehen.

Gedacht getan. Njucon bahnt sich seinen Weg zu dem Tisch an dem sie sitzen, ergreift die auf dem Tisch liegende Hand von Lady Blutaxt, küsst diese und sagt mit seinem charmanten Stimme:“ Lady Blutaxt. Wie schön euch zu sehen. Ich wusste gar nicht, dass ihr eine so bezaubernde Schwester habt. Wollt ihr uns nicht vorstellen?“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 26. Juni 2009, 19:25 Uhr
Höflich bedankt sich die Elbe für Brot und Wein. Das sie angestrengt an sich halten muss, um nicht wie ein ausgehungerter Sagoralöwe darüber herzufallen kann Azra ihr an der Nasenspitze ablesen – hungrige Mäuler erkennt sie mittlerweile auf hundert Schritt Entfernung – und mit einem einladenden Lächeln fordert sie die Elbe auf zuzugreifen. „Esst nur. Das geht aufs Haus. So wie ihr ausseht, könnt ihrs vertragen.“ Das bei Azra öfters als einmal etwas aufs Haus geht, eigentlich so gut wie immer, wenn jemand hereinschneit der auch nur halbwegs hungrig oder mittellos aussieht, hat Borgil schon mehrmals Kopfzerbrechen bereitet.  Aber da es der Elbe zu schmecken scheint, macht sich Azra um verschenktes Brot erstmal keine Sorgen. Ausserdem ist Borgil gerade nicht da. Und wenn er da wäre, würde sie ihn aus grossen, runden Augen anblinzeln, etwas nuscheln von „Ich habs ja nur gut gemeint“ und ihm versprechen, dass es nie wieder vorkommt, woraufhin er mit einem schweren Seufzen resignieren würde.
Auf den Frageschwall hin blinzelt die Elbe erst einmal etwas verdattert und lächelt dann amüsiert, was Azra ein peinlich berührtes Kichern entlockt. „Ach, entschuldigt. Ich wollte nicht so über euch herfallen, aber hin und wieder geht meine Neugierde mit mir durch.“ Die Augen der Elbe funkeln vergnügt wie Eiskristalle in der Sonne als sie zum Antworten ansetzt: „Mein Name ist Yasraena.“ „Oh“, fiept Azra ganz entzückt und strahlt die Elbe über den Rand ihres Milchbechers hinweg an: „Das ist aber ein schöner Name. Ist er elbischer Herkunft? Und woh… ach, entschuldigt, ich fange schon wieder an.“ Lachend schüttelt Azra den Kopf, entschuldigt sich noch einmal und deutet der Elbe dann mit einer vagen Geste an doch bitte fortzufahren. Yasraena erzählt frei heraus, dass sie längere Zeit auf einem Gehöft zwischen Liedberg und den Mondtoren gearbeitet hat. Das sei aber schon eine geraume Weile her und seither sei sie weit gereist, hätte aber ausser den Elbenlanden und den Herzlanden noch nicht viel gesehen. Elbenlande? Dann kann sie unmöglich ein Shebarucmischling sein. Oder? Ich meine, wenn dort nur eine Elbe wie Niniane herumläuft… oder Arwen. Nein, wahrscheinlich laufen da eine ganze Menge Elben rum, die den Untergang der Himmelsinseln noch persönlich miterlebt haben und sich noch zu gut an die schlimmen Taten der Shebarucs erinnern können. Also ist sie wohl doch keine. Sicher ist sich Azra allerdings nicht. Ganz im Gegenteil. Trotzdem behält sie diese eine Frage weiterhin für sich. Hier, inmitten einer Schar von Gästen, mit so einer Frage herauszuplatzen, wäre mehr als unangebracht.
Als Yasraenas Miene sich kurzzeitig verfinstert und ihr Blick in weite Ferne schweift, trifft es Azra wie ein Schlag aus heiterem Himmel. Sie kennt diesen Blick. Und sie weiss sofort, dass die Elbe nicht die ganze Wahrheit erzählt. Also doch!, ist der erste Geistesblitz. Der zweite: Himmelhilf, was mach ich denn jetzt! Und der dritte kriecht im Schneckentempo hinterher: Natürlich gar NICHTS! Sie ist dir noch nicht an die Kehle gegangen und hat sich auch sonst nur benommen, wie du dich am Anfang auch. Nein, warte, sie benimmt sich geradezu mustergütig im Gegensatz zu deinem peinlichen Erstauftritt. Die Erinnerung daran lässt Azra erblassen. Hastig schiebt sie jeden Gedanken an ihre wilde Ich-schmeiss-mich-dem-Zwergen-vor-die-Füsse-Tragödie in mindestens zwei Dutzend Akten weit von sich, um sich wieder der Elbe zu widmen. Die gerade davon erzählt, dass sie eine Arbeitsstelle sucht und gleich obendrauf auch noch hinunterleiert, was sie kann, was sie könnte und was sie noch nicht kann.

Azra hört konzentriert zu, nickt hin und wieder und erwürgt währenddessen ihren Milchbecher. Als Yasraena geendet hat, richtet Azra ihren Blick auf den noch immer vollen Teller der Elbe und denkt darüber nach, was sie jetzt tun soll. Bisher gibt es nichts an der Elbe auszusetzen, und Arbeit gibt es in der Harfe immer. Gerade jetzt, wo die alte Freda aufgrund ihrem Rückenleiden ihren täglichen Arbeiten mit dem Kleinvieh und im Stall nur noch bedingt nachgehen kann und zwei der jungen Mädchen im späten Mond schwanger sind.
„Hmmmm“, macht Azra und nimmt dann all ihren Mut zusammen. Mit einem sanften Lächeln schiebt sie der Elbe den Teller noch ein wenig näher – sie hat ja noch immer nichts angefasst – und meint dann in einem offenen und ehrlichen Tonfall, ohne den Versuch ihre Unsicherheit zu verbergen: „Arbeit haben wir immer. Und ich bin sicher, wir finden auch etwas für euch. Aber… ähm… also… ich meine… ihr seid doch…“ Grosse Klasse. Wunderbar. Noch zwei, drei Worte mehr, und ich hab sie erfolgreich verscheucht. Tief atmet Azra ein und reisst sich dann sichtbar  zusammen: „Entschuldigt… ich möchte euch damit nicht zu nahe treten, aber für euer Shebarucerbe müsst ihr euch hier nicht schämen. Ich bin schliesslich auch ein Shebarucmischling und die Leute hier haben sich längst an mich gewöhnt. Und mir gegenüber müsst ihr euch sowieso nicht verstellen… also, ich meine… das heisst nicht, dass ihr alles erzählen müsst, das… ah… war nicht so gemeint… ich meinte nur… äh… ich meinte nur, dass es euch nicht verstellen müsst… Weil ich ja auch so bin. Deswegen versteh ich das schon, wenn ihr nicht alles erzählen wollt, aber hier braucht ihr auch überhaupt keine Angst zu haben. Wirklich… ich… ihr habt ja noch immer nichts gegessen!“ Dass sie sich gerade um Kopf und Kragen geredet hat, ist ihr deutlich anzusehen und etwas hilflos ringt sie die Hände und linst betreten zu Yasraena hinauf. Jetzt weiss ich wieder, warum Borgil normalerweise diese Gespräche führt.
Ob Glück im Unglück, oder Pech sei dahingestellt: Als Njucon plötzlich auftaucht kann Azra ihre Erleichterung mehr schlecht denn recht verbergen. Nicht weil sie froh ist, nicht mehr mit Yasraena alleine zu sein, sondern weil Njucon sehr darin bewandert ist auswegslos scheinende Situationen meisterhaft zu umgehen und für alle in Wohlgefallen aufzulösen. Als er aber ihre Hand nimmt und einen Kuss auf ihre Finger haucht, wird sie erst quietschrot – oder eben dunkelrosa – und kneift dann verlegen bis über beide Ohren die Augen zusammen. „Aaah, Njucon, das kannst du doch nicht machen. Hör auf damit und nenn mich nicht Lady Blutaxt!“ Das er sie damit in Verlegenheit bringen kann, weiss der Albino schon lange und er nutzt es wann immer möglich schamlos aus. Einen Augenblick später ist der etwas peinliche Auftritt aber auch schon vergessen und Azra hat sich erhoben, um ihn in eine herzliche Umarmung zu ziehen. „Ach herrje, tut das gut dich mal wieder zu sehen. Wo hast du denn die ganze Zeit gesteckt? Brenainn fragt ständig nach dir. Oh, bist du dünner geworden? Du hast abgenommen! Wann hast du das letzte Mal richtig gegessen, hm?“ Njucon lässt alles seelenruhig über sich ergehen. Er hat in der Zwischenzeit gelernt, dass es rein gar nichts bringt sich dagegen zu wehren und noch viel weniger sich dagegen zu sträuben. Das endet nur damit, dass Azra in heilloser Sorge die gesamte Küche mobilisiert und er überfressen und mit Bauchschmerzen im Bett endet.
Mit einem charmanten Lächeln schafft  er es dann aber doch, ihren Redeschwall zu unterbrechen und sich nach der Dame am Tisch zu erkundigen. “Lady Blutaxt. Wie schön euch zu sehen. Ich wusste gar nicht, dass ihr eine so bezaubernde Schwester habt. Wollt ihr uns nicht vorstellen?“ „Oh, natürlich, ach verflixt, wo hab ich denn nur meinen Kopf. Yasraena, darf ich euch vorstellen, Njucon. Njucon, das ist Yasraena. Sie wird vielleicht bei uns arbeiten… oh, und nein, sie ist nicht meine Schwester. Ich hab doch gar keine Schwester. Das weißt du. Solltest du wissen… oder? Egal. Äh, Njucon, könntest du uns kurz entschuldigen, das ist ein… denkbar schlechter Augenblick, so… irgendwie… warte, ich hol dir was zu essen, und danach komm ich dann zu dir. Oder du zu uns. Ah, das sehen wir dann noch. Yasraena, ich bin gleich wieder da, versprochen!“ Womit Azra auch schon wieder verschwunden ist.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Yasraena am 28. Juni 2009, 12:45 Uhr
Yasraena hat noch immer nichts von dem Essen angerührt. Es ist nicht so, als hätte sie keinen Hunger. Auch duftet das Brot, wie nur frisch gebackenes duftet und der Käse lächelt sie gerade zu schmackhaft an. Doch auch, wenn Azra ausdrücklich darauf hingewiesen hat, dass es sich um ein Geschenk des Hauses handelt, erscheint es Yasraena einfach nur unhöflich während des Gesprächs um eine mögliche Arbeitsstelle mit vollem Mund dort zu sitzen und nicht antworten zu können. Dann schiebt Azra jedoch den Teller noch etwas näher an Yasraena heran. Und diese kommt zu dem Schluss, dass es wohl noch unhöflicher wäre, das Essen auszuschlagen. Doch noch bevor Yasraena den ersten Bissen nimmt, setzt Azra zu einer Antwort an und so bleibt das Brot weiterhin unangerührt.
>Arbeit haben wir immer. Und ich bin sicher, wir finden auch etwas für euch.< Der Tonfall der kleinen Frau wirkt ehrlich, doch dann, als sie ihre Ausführung fortsetzt, wird sie deutlich unsicherer: >Aber… ähm… also… ich meine… ihr seid doch…<
Sie weiß bescheid. schießt es der Elbe durch den Kopf. Yasraena spürt wie sich sämtliche Muskeln in ihrem Körper zusammenziehen und war sie eben noch entspannt, so sitzt sie jetzt völlig steif und starr dort. Auch ihr Gesicht, zeigt ihre Anspannung deutlich. Hätte sie jetzt etwas von dem Essen im Mund gehabt, hätte sie sich sicher vor Schreck daran verschluckt und es hustend und spuckend wieder aus ihrem Hals befördern müssen. Azra, die Yasraenas Unmut richtig zu interpretieren scheint, ergänzt schnell: >Entschuldigt… ich möchte euch damit nicht zu nahe treten, aber für euer Shebarucerbe müsst ihr euch hier nicht schämen. Ich bin schließlich auch ein Shebarucmischling und die Leute hier haben sich längst an mich gewöhnt. Und mir gegenüber müsst ihr euch sowieso nicht verstellen…< Bei dem Wort Shebarucmischling verspürt Yasraena für einen kurzen Moment den starken Drang ihre Hand unter den Umhang und auf den Griff ihres Kurzschwertes zu legen. Mit Mühe kämpft sie diesen Drang beiseite, indem sie ihre Hand einfach ein Stück Umhang umschließen lässt und diese sich dort krampfhaft in den Stoff gräbt um ihn fest zu umklammern. Nur langsam sickert der Sinn Azras Worte durch den Nebel purer Panik.
>also, ich meine… das heißt nicht, dass ihr alles erzählen müsst, das… ah… war nicht so gemeint… ich meinte nur… äh… ich meinte nur, dass es euch nicht verstellen müsst… Weil ich ja auch so bin. Deswegen versteh ich das schon, wenn ihr nicht alles erzählen wollt, aber hier braucht ihr auch überhaupt keine Angst zu haben. Wirklich… ich… ihr habt ja noch immer nichts gegessen!<

Nach Essen ist Yasra jetzt ob dieses Schocks gar nicht mehr zu Mute. In ihrer Heimat wusste man, was sie war. Dies blieb ja auch gar nicht aus. Was blieb ihrer Mutter übrig, als ihrer Familie die Wahrheit zu erzählen? Dennoch wurde Yasraena stets eingebläut ihr Erbe für sich zu behalten. Vor Allem während ihrer Reise. Fremde würden da nicht so gut mit umgehen können, hatte man ihr stets verdeutlicht. Yasraena hatte aber auch nicht das Gefühl, dass die Elben damit gut umgegangen wären. Klar, sie hatten versucht es nicht zu zeigen, waren ihr gegenüber auch stets freundlich. Dennoch gab es auch viel Misstrauen.

Ich bin hierher gekommen um weniger aufzufallen. Stattdessen begegne ich gleich an meinem ersten Tag in dieser Stadt einem anderen Shebarucmischling und werde erkannt.
Yasraena weiß nicht recht was sie fühlen soll. Azra mag ja behaupten, dass sich die Leute hier schnell an sie gewöhnt haben. Aber dass muss nicht zwingend heißen, dass es Yasraena genauso ergehen wird. Zudem ist Azra ja auch mit dem Wirt verheiratet, was ihr die Sache sicher leichter macht. Dennoch birgt das Wissen, dass es andere wie sie gibt durchaus auch eine Art Reiz und irgendwie ist da in dem Gefühlschaos, das Yasraenas Innerstes aufwühlt, auch eine gute Portion Neugier enthalten. Während Yasraena noch versucht ein wenig Ordnung in ihre Gefühle zu bekommen und bisher nicht einmal zu einer Antwort angesetzt hat, taucht eine weitere Person auf. Zuerst hat Yasraena nicht einmal bemerkt, dass sich jemand nähert, zu mal sich besagte Person hinter ihrem Rücken befindet. Doch dann für die noch leicht unter Schock stehende Elbe zu plötzlich taucht eine Gestalt auf, ergreift Azras Hand und haucht einen Kuss darauf. Am Rande bekommt Yasraena noch gerade so mit, wie Azra rot wird und sich darüber beschwert, dass er sie mit Lady Blutaxt anspricht. Doch dann gehört Yasraenas Aufmerksamkeit einzig dem hochgewachsenen, schlanken Mann. Noch einer? … Kann das denn sein? Aber hatte sie nicht bei Azra auch angenommen, dass es eben einfach nur unwahrscheinlich war und letzten Endes ist sie doch ein Shebarucmischling wie Yasraena selbst. Auch wenn der Fremde eindeutig menschlich scheint, ist sich Yasraena bezüglich seiner Herkunft wirklich unsicher. Azra selbst erschien ihr zu klein, um ein Shebarucmischling zu sein. Der Mann hingegen hat eine stattliche Größe, auch die Figur erinnert ein wenig an einen Elb. Einzig die Ohren passen nicht recht. Aber was hatte das schon noch zu bedeuten?

>Lady Blutaxt. Wie schön euch zu sehen. Ich wusste gar nicht, dass ihr eine so bezaubernde Schwester habt. Wollt ihr uns nicht vorstellen?< vernimmt sie die Worte des Fremden.
Azra macht sich sofort daran, die Beiden einander vorzustellen: >Oh, natürlich, ach verflixt, wo hab ich denn nur meinen Kopf. Yasraena, darf ich euch vorstellen, Njucon. Njucon, das ist Yasraena. Sie wird vielleicht bei uns arbeiten…< Dann erst scheint ihr so richtig bewusst zu werden, dass Njucon sie für Schwestern zu halten scheint und stellt dies rasch richtig. Nur um Njucon dann mitzuteilen, dass sie sich vielleicht später unterhalten sollten: >Äh, Njucon, könntest du uns kurz entschuldigen, das ist ein… denkbar schlechter Augenblick, so… irgendwie… warte, ich hol dir was zu essen, und danach komm ich dann zu dir. Oder du zu uns. Ah, das sehen wir dann noch. Yasraena, ich bin gleich wieder da, versprochen!<
Yasraena weiß nun gar nicht mehr wo ihr der Kopf steht und als sie nun endlich wieder Worte findet, hat sie ihre Stimme nicht mehr unter Kontrolle und diese nimmt einen kalten Klang an, der einem Zischen schon recht nahe kommt, als sie flüstert: „Wie viele von uns gibt es hier?“ Obgleich die Frage eindeutig geflüstert wurde, will sie in den Geräuschen der wenigen anderen Gäste nicht recht untergehen und ist zumindest an ihrem Tisch gut hörbar. Auch Azra dreht sich noch einmal kurz um, ehe sie wieder in die Küche verschwindet und Yasraena mit dem weißhäutigen Mann mit den roten Augen allein lässt. So unglaublich es Yasra auch scheint, dass sie an nur einem Tag gleich zwei Shebaruc-Mischlingen begegnet, dass es sich bei Njucon um einen normalen Menschen handelt, ist für sie nach den heutigen Erlebnissen völlig ausgeschlossen.

Obgleich Yasraena noch immer deutlich angespannt ist, scheint sie sich langsam wieder zu fangen. Es bleibt ihr auch nichts, als zu akzeptieren, dass die Bewohner dieser Stadt tatsächlich so völlig anders sind, als sie es erwartet hat. Helle Haut und helle Haare scheinen in dieser Stadt tatsächlich nicht so ungewöhnlich zu sein und diese Tatsache bietet durchaus auch einige Vorteile. Inzwischen funkelt Neugier in Ihren Augen, als sie Njucon genauer mustert. Er scheint wie sie selbst die Farbe schwarz bei seiner Kleidung zu bevorzugen, was einen deutlichen Kontrast zu seiner weißen Haut und dem weißen Haar bietet. Die Gesichtszüge des Mannes wirken fein, auch scheint er jung zu sein, wenngleich sie sich nicht sicher ist, ob man das bei einem Shebaruc-Mischling überhaupt einfach so sagen kann. Vielleicht ist er das gar nicht überlegt sie kurz, als ihr wieder deutlich auffällt, dass er doch recht menschlich wirkt. Doch andererseits, vielleicht war einer seiner Elternteile ein solcher Mischling, wie Azra oder sie selbst. Der Gedanke dass er kein Erbgut der Blutelben in sich trägt, erscheint ihr einfach zu absurd. Immerhin ist ihm die Ähnlichkeit zu Azra und ihr  sehr deutlich anzusehen. „Sagt, lebt ihr schon lange hier in der Stadt?“ fragt Yasraena freundlich und ihre Stimme hat ihren gewöhnlichen Klang wiedererlangt, von dem Zischen ist nichts mehr zu vernehmen.
Inzwischen hat sie sich auch wieder gänzlich beruhigt. Immerhin hat keiner eine Waffe gezogen oder sonstwie feindlich reagiert, dass ist doch dafür, dass ihre Herkunft aufgeflogen ist viel Wert. Jetzt nimmt Yasraena auch endlich das Brot und zusammen mit dem Käse schmeckt der erste Bissen wirklich vortrefflich.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Stormgrimm am 28. Juni 2009, 19:14 Uhr
Zwei Stunden schon sitzt und beobachtet Aegnor alle Ecken und Kanten der Harfe, immer mit Blick auf seine Gefährtin. Er hätte nicht erwartet das das Gespräch zwischen der vermeindlichen Frau de Winter und Lyall so lange dauern würde, hat es sich mittlerweile schon bequem gemacht. Lyalls Mimiken und Gestiken entlocken ihm immer wieder ein feines - wenn auch oft mitfühlendes - Schmunzeln. Ihre Unsicherheit steht ihr ins Gesicht geschrieben, und auch ihrer Gesprächspartnerin fällt es sichtlich schwer, ihr das ein oder andere Lächeln oder zumindest ein Zeichen der Gelassenheit ins Gesicht zu zaubern. Es erfreut Aegnor jedoch, das sie mit zunehmender Gesprächsdauer auch ein wenig lockerer wird. Einige feine, von Aegnors Messer in die Tischplatte geritzte Kratzer verdeutlichen des Mannes eigene Angespanntheit.

In Gedanken bemerkt er die auf eine Bestellung wartende Schankmagd kaum und schickt sie mit einem, von der Situation beunruhigten, "Zwei Humpen Bier und die Suppe des Tages" weg, sieht ihr noch ein wenig belustigt nach, wie sie sich durch die Menschen- und Tischmassen hindurchzwängt. Oft fällt sein misstrauisch ausfallender Blick auf die Personen der um Lyall umliegenden Tische. Die Arme...Ich hoffe niemandem missfallen ihre Ohren, besonders dieser Frau nicht...Was haben die Leute bloß?...Ich finde ihre Ohren...wunderschön... denkt er sich und seufzt in Trance, wird aber vom stechenden Geruch des Erjagten, welches sich in seiner Tasche neben ihm befindet, ins Hier und Jetzt zurückkatapultiert. Geduldig wartet er noch aufmerksam auf das Essen sowie den Ausgang des Gespräches.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lyall am 28. Juni 2009, 20:02 Uhr
Eine Zeit lang scheint ihr Gegenüber nachzudenken und abzuwägen ob die Gestaltwandlerin den Anforderungen, die ein großes Anwesen mit sich bringt, gewachsen ist. Vielleicht entspreche ich auch einfach nicht den Vorstellungen von ihrer Herrin Aurian. Das kann ich sogar verstehen... Wer will schon jemanden mit Wolfsohren zu seinen Gästen schicken, um sie zu bedienen... Innerlich seufzt sie laut auf.
Kurz huscht ein leiser Zweifel über Avilas Gesicht und innerlich macht sich Lyall gefasst darauf eine Absage zu bekommen. Doch ebenso schnell wie er gekommen ist, verfliegt der Zweifel auch wieder und macht Freundlichkeit platz.
Avila zwinkert ihr kurz zu mit den Worten:>>„Nun, ich denke, dass wir genug Aufgaben finden werden, die nichts mit Nadel und Faden zu tun haben. Ihr könnt Euch um die Hühner kümmern und mir in der Küche helfen, ich kann Euch einiges zeigen und Ihr könnt für Feuerholz sorgen. Außerdem würde ich Euch auch beim Hausputz und beim Wäschewaschen mit einspannen, sowie bei der Ernte. Ihr würdet einfach überall mit anpacken, wo Hilfe gebraucht ist und vielleicht stellt sich dabei ja heraus, dass Euch etwas besonders liegt.“<<
Erfreut über diese unerwarteten Worte nickt Lyall bejahend und ohne es zu merken, entspannt sie sich zusehends. Leicht beugt sie sich mit dem Oberkörper über den Tisch um aufmerksamer zuhören zu können, trotz überragend guter Ohren.
Bei der Ernte hatte sie auch schon im Clan helfen müssen und dies war ihr immer recht leicht von der Hand gegangen. Das Brennessel- und Brombeerblätter sammeln in dornigen Hecken für den Tee ihrer Mutter hatte sie quasi abgehärtet. Ihre Mutter... Kurz setzt sich ein fester Kloß in ihrem Hals fest und sie muss kräftig schlucken um diesen wieder los zu werden. Tha thu bhuam…

Ein leichter Wind kommt auf und streift die Blätter der Bäume in ihrer Nähe sacht. Ein leises Rauschen erhebt sich um sie herum. Ein losgelöstes Blatt schwebt auf ihren Tisch herunter, welches Lyall geistesabwesend in die Hand nimmt um mit den Fingerspitzen darüber zu streichen, Avila jedoch unentwegt anschauend.
>>„Dann und wann hätte ich auch nichts gegen einen Wildbraten einzuwenden.“<<, gibt Avila freimütig mit einem verschmitzten Lächeln preis bei dem auch Lyall leise auflacht. Das lässt sich einrichten!, denkt sie amüsiert. Kurz wird Avila jedoch wieder etwas ernster. >>„Ich will es nicht beschönigen: Es gibt viel zu tun. Aurian de Winter ist eine sehr freundliche Herrin, die sich darauf verlässt, dass sich um Haus und Garten gekümmert wird. Als Gegenleistung für die Arbeit gibt es Unterkunft und Essen umsonst, außerdem erhalten wir im Jahr 18 Silberstücke, also im Monat ein Silberstück und 5 Kupferlinge. Ihr könnt Euch monatlich, vierteljährlich oder jährlich bezahlen lassen, ganz wie es Euch gefällt. Zur Unterkunft gibt es ein Gesindehaus mit vier großen Zimmern, in dem auch ich wohne.“<<
Vor lauter Zahlen schwirrt Lyall kurz der Kopf. Rechnen ist nicht gerade ihre Stärke.

>>„Stimmt ihr dem zu?“<< Lyall wird die rechte Hand entgegengestreckt und ein erwartungsvoller Ausdruck ergreift von Avilas Gesicht besitz. Mit einem Kopfnicken und einem Lächeln von einem pelzigen Ohr zum andern, ergreift sie Avilas rechten Unterarm und willigt so der Abmachung ein.
„'S màth sin! Habt vielen Dank! Ich hätte mir schon fast nicht erträumen lassen, dass ich diese Anstellung doch bekomme. Ich werde euch nicht enttäuschen Herrin!“ Kurz drückt sie noch einmal fest den Unterarm der Frau bevor sie ihn loslässt. „Ich nehme das Angebot mit der Unterkunft gerne an. Dieses freundliche Haus kann ich mir leider bald nicht mehr leisten.“ Etwas traurig deutet sie mit einer Bewegung ihres Kopfes auf das Harfen- Gebäude schräg neben ihnen.
„Doch das mit der Bezahlung... ja nun... wie drücke ich dies aus... mir ist die Bedeutung der glänzenden Stücke durchaus bewusst. Viel wandert für ein solch rundes Stück über die Theken dieser Stadt. Doch ganz genau auskennen tue ich mich mit diesem Vorgang noch nicht. Mein Begleiter bezahlt für uns.“ Wie sie an ihr erstes Gold in dieser Stadt gekommen sind, welches sie so lange über Wasser gehalten hat, lässt sie jedoch lieber unerwähnt. „Das einzige was mir jedoch schon früh begreiflich wurde ist dies: Genauso schnell wie man Geld in der Hand hat, ist es einem auch schon wieder durch die Finger geronnen. Aber ich denke auch dabei werdet ihr mir helfen können. Es soll Euch nicht zum Nachteil gereichen Zeit in mich zu investieren. Ich werde euch treu zur Seite stehen.“ Eine geballte Faust auf ihr Herz legend verbeugt sie sich vor Avila. „ Nur eins noch... Wo ist das Anwesen eigentlich genau?“, fragt sie wieder etwas schüchtern während ihre Wolfsohren sich entschuldigend senken.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 28. Juni 2009, 23:34 Uhr
Es ist nur ein feines, scharfes Zischen, das über Yasraenas Lippen kommt, aber es lässt Azra mitten im Schritt innehalten und jagt ihr einen unangenehmen Schauer den Rücken hinunter. Als fröstle sie, kreuzt sie die Arme vor der Brust und wirft einen verunsicherten, fast schon ängstlichen Blick über die Schulter zurück zum Tisch. „Nur… nur wir zwei… denke ich…“ Und sie weiss bei allen vier Dämonen jetzt nicht, ob das gut ist oder schlecht. Yasraenas Gesicht ist zu Stein erstarrt und von dem netten Lächeln, dass sie eben noch so sympathisch hat erscheinen lassen, ist nichts mehr übrig. Azra hat noch nie viel auf ihre Menschenkenntnis gegeben und gerade jetzt plagen sie ernsthafte Zweifel, ob es klug war diese Elbe einfach so mit offenen Armen und einer einladenden Mahlzeit zu empfangen. Die Entscheidung, was jetzt zu tun ist, fällt nicht schwer. Ich muss Borgil dazuholen, bevor noch etwas passiert.
Etwas zu eilig wirbelt sie herum und stürzt Kopf voran in die Küche, vorbei an einer sehr alarmiert dreinblickenden Halla und in einem Rutsch in den Gang, der zu ihren Privatgemächern führt. In ihrer Hast vergisst sie, wie so oft, dass die Tür zu ihrem Wohnraum seit dem Umbau nach aussen aufgeht, und läuft direkt dagegen. Ein Rumpeln und ein „Aua“ später, steht sie dann aber doch vor Borgil und reibt sich die schmerzende Stirn.
Der sitzt hinter seinem schweren Eichenholztisch und brütet konzentriert über dem Vorratsbuch, derweil Bræn zu seinen Füssen hingebungsvoll mit seinen bunten Bauklötzchen spielt und Brenainn, mit seinem Holzschwert bewaffnet, in grimmiger Entschlossenheit den grossen Sessel attackiert. „Kämpfe du feiger Hundffott! Fei ein Mann! Lof!“ Dadurch, dass ihm zwei Zähne fehlen und das ‚s’ deswegen regelmässig zu einem ‚f’ mutiert, lässt er sich nicht davon abhalten, seinen selbsterwählten Gegner mit einem Haufen an Fluchwörtern einzudecken. Als er seiner Mutter gewahr wird, piekst er den armen Sessel noch einmal kräftig in den Rücken und grummelt dann ganz der Vater: „Keine Angft, ich hab ihn befiegt.“
„Sehr gut, ma smala dvar, aber wie wärs wenn du deinem Bruder beibringst, wie man eine Burg baut, derweil ich deinen Vater mal eben entführe. Und, ähm, schön hierbleiben. Liza bringt euch gleich etwas zu essen.“ Brenainn nimmt sich die Aufgabe zu Herzen, steckt das Schwert in seinen Gürtel und stampft dann zu seinem Bruder, um diesem im vollkommenen Ernst die Bauweise einer guten und starken Burg zu erklären.
Azra derweil huscht um den Tisch herum und greift nach Borgils Hand. Der hat längst gemerkt, dass etwas im Busch ist, aber bevor er dazu kommt, nachzufragen, bricht die Nachricht bereits aus Azra heraus. „Da sitzt eine Elbe, also eine Halbelbe, ich meine ein Shebarucmischling in unserem Schankraum und fragt bei uns nach Arbeit und zuerst dachte ich auch, sie wäre wirklich freundlich, aber jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher und ich glaube es wäre besser, wenn du selbst mir ihr reden würdest, weil ich mich irgendwie vor ihr fürchte, obwohl das ja vielleicht gar nicht nötig ist und ich weiss ja, dass ich ein Angsthase bin, aber bevor noch etwas passiert… naja… du weißt schon…“ Unruhig hüpft sie dabei von einem Fuss auf den anderen und wirft immer mal wieder einen gehetzten Blick zur Türe, als würde Yasraena vielleicht doch noch auf den Gedanken kommen ihr an die Gurgel zu wollen. Grund dazu hätte sie allemal, schliesslich habe ich sie regelrecht überfallen, ach was, erschlagen mit meiner Offenheit. Ach verflixt, ich bin doch ein Hornochse, und ein Dummkopf und ein feiges Ding obendrein! Leider ändert das überhaupt nichts daran, dass Azra ein Stein vom Herzen fällt, als Borgil sie zu sich auf den Schoss zieht und ihr beruhigend den Rücken tätschelt. Erst dann bittet er sie noch einmal ganz ruhig zu wiederholen, was sie gerade in einem wirren Durcheinander von sich gegeben hat. Tief holt Azra Luft und sucht seinen Blick, um sich daran festzuhalten. „Im Schankraum sitzt ein Shebarucmischling mit Namen Yasraena, die bei uns um Arbeit anfragt. Zuerst dachte ich, sie wäre sehr nett… also das heisst, wahrscheinlich ist sie auch sehr nett und ich hab sie nur… oh, na ja, also auf jeden Fall habe ich sie darauf angesprochen, dass sie sich hier in Talyra für ihr blutelbisches Erbe nicht schämen müsste, ich sei ja schliesslich auch eine Blutelbe und mein Kopf sitzt noch immer da, wo er sitzen soll. Und dann…“ Azra erzittert unwillentlich, rutscht von Borgils Knien und verwirft die Arme über dem Kopf. „Sie hat mich angezischt… so… so… so szzzzzz, also so ganz kalt, dabei wollte ich ihr doch gar nichts Böses. Ich wollte ihr doch nur zeigen, dass ich sie verstehe und sie keine Angst zu haben braucht. Ich meine, ich weiss doch wie es ist. Irgendwohin zu kommen, und sich nicht sicher zu fühlen. Sich immer zu verstecken. Auch wenn es schon lange her ist. Ich dachte wirklich, es wäre… Aber vielleicht hätte ich sie wirklich nicht so überrumpeln sollen. Ach verflixt, bestimmt hab ich sie jetzt verscheucht, oder sie will nicht mehr mit mir reden. Oder… Oder… Herrje…“ Mit einem traurigen Seufzen lehnt sich Azra mit der Stirn an Borgils steinharte Schulter und nuschelt in sein Hemd: „Was hab ich bloss wieder angerichtet.“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Njucon am 30. Juni 2009, 12:51 Uhr
Nicht nur die Worte Azras, >„Äh, Njucon, könntest du uns kurz entschuldigen, das ist ein… denkbar schlechter Augenblick, so… irgendwie…“<  , zeigen ihm, dass er da wirklich in ein ziemlich ernstes Gespräch hineingeplatzt ist. Njucon nickt einfach gelassen. Hat er doch kein Interesse daran zu stören oder ähnliches. Die weiße Lady, dessen Name Yasraena ist und wie er auch schon vorher wusste nicht Azras Schwester ist, wirkt auf den jungen Albino recht unentspannt als sie mit mehr einem zischen spricht. >„Wie viele von uns gibt es hier?“< Njucon hebt kurz eine Augenbraue und überlegt was sie genau damit meinen könnte, da bleibt Azra stehen, dreht sich um und antwortet  ihr kurz und knapp.  > „Nur… nur wir zwei… denke ich…“<

HA! Njucon Aleris  da seid ihr ja in eine herrliche Situation hineingeplatzt, köstlich, wirklich. Das seid ihr ja in eine herrliche Situation hereingeplatzt. Das ändert meinen entschluß heute zu ruhen.“
Eine Sonderbare Situation für war, doch nichts was mich abschrecken würde.
Njucon seufzt, setzt sich an den Tisch schaut Lady Azra nach und lächelt. Wäre auch zu schön gewesen, wenn Ilai einen Tag sich ganz und gar aus dem Geschehen heraushalten könnte. Aber er hat sich schon daran gewöhnt und beendet das Gespräch bevor es beginnt. Später könnte er noch lange genug mit Ilai über diese Situation sinnieren. Jetzt sollte er so freundlich wie nur möglich auf sein Weibliches gegenüber eingehen und versuchen die Situation etwas zu entspannen, sogut es möglich ist.

>„Sagt, lebt ihr schon lange hier in der Stadt?“< richtet sich Yasraena an ihn. „ Nun, Lady Yasraena, eine Weile ist es schon her! Erst vorhin auf dem Weg hier her habe ich darüber nachgedacht, wie lang es schon her ist. Habe dann beschlossen, es ist mir unwichtig. Wichtig ist, dass ich noch hier bin und … nun ja, meine Reise ein Ende gefunden hat. Ich komme aus Amber und bin lange auf der Suche gewesen.“ Njucon betrachtet sein Gegenüber genauer. Kristallklare blaue Augen. So hat doch jeder seine Unterschiede. Ihr Alter vermag er nicht zu schätzen. Elben sind was das angeht ein rotes Tuch für ihn, obwohl er viel über sie gelesen hat. Sicher haben sie und Azra eine Menge zu bereden. Sie beide tragen Elbenblut in sich und wer weiß vielleicht sind sie gleicher Abstammung.
Für einen Moment wird Njucons Ausdruck auf seinem Gesicht ernster, aber immer noch freundlich und höflich.
„ Verzeiht Lady Yasraena. Ich wollte Euer Gespräch mit Lady Blutaxt, “ ein Schmunzeln kann Njucon nicht verbergen, „nicht stören. Ein Frühstück in interessanter Gesellschaft lag mir im Sinn, doch ist dafür wohl heute nicht der richtige Tag. Ich entschuldige mich… und hoffe wir können dies irgendwann einmal nachholen. “

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Yasraena am 01. Juli 2009, 22:27 Uhr
Die Worte Azras, welche besagen, dass es wohl nur sie beide gäbe, beruhigen Yasraena, wenn auch nur wenig.
Also ist Njucon tatsächlich ein Mensch und trägt kein Erbe der Dunklen in sich… Eigentlich hätte ich da auch selbst drauf kommen können. Bin mal wieder echt gut darin mir alle möglichen Dinge einzureden.
Aber allein die Situation auf eine ihrer Art zu treffen und auch noch der erstaunliche Zufall dass diese genau wie sie hellhaarig und -häutig ist, hat sie aus der Bahn geworfen. Mit einem leichten Stirnrunzeln lässt Yasraena die Situation noch mal in ihrem Kopf durchlaufen. Sie kann sich erinnern, wie ihre Stimme diesen Ton angenommen hatte, einen Ton, der in dieser Sprache nicht ganz so bedrohlich ist wie in der Sprache ihres Vaters. Dennoch kann sie sich nicht recht entsinnen, ob ihre Stimme früher schon einmal einen solchen Klang angenommen hat und für einen kurzen Moment ist Yasraena sich unsicher, ob sie sich nicht vielleicht vor sich selbst fürchten sollte.
Das ist nur die Anspannung. Diese ganze Situation. Wenn ich mich erstmal all das hier verdaut habe, dann werde ich auch ganz sicher nie wieder die Kontrolle verlieren. versucht Yasraena sich selbst zu beruhigen. Dann kommt ein anderer Gedanke auf: War das Panik in Azras Blick und ihre Stimme, so brüchig… Ich habe sie doch nicht etwa verschreckt? Doch diese Frage braucht Yasraena sich eigentlich nicht einmal stellen. Der Blick Azras war eindeutig verschreckt gewesen und zudem hat sie sich viel zu schnell wieder abgewandt. Hoffentlich beruhigt sie sich wieder. Das letzte was ich will ist jemanden Angst einjagen. Sie ist es gewohnt misstrauische Blicke auf sich ruhen zu haben. Während ihrer reise haben viele hinter ihrem Rücken über sie getuschelt. Sie hat gelernt eine Mauer um sich zu ziehen. Ist geübt darin ihre Gefühle zu verbergen, wenn es um Fremde geht. Aber nie zuvor ist ihr einer begegnet, die ihr Schicksal teilt.
Einen kurzen Moment sinnt Yasraena noch mit abwesendem Blick darüber nach, dann jedoch ist sie voll und ganz bei dem interessanten jungen Mann, der sich zwischenzeitlich längst hingesetzt hat.

>Nun, Lady Yasraena, eine Weile ist es schon her!< beantwortet dieser ihre Frage.
Lady. Lange ist es her, dass man sie tatsächlich als Lady bezeichnet hat…
Ein amüsiertes Blitzen erfüllt  Yasraenas Augen, als sie erwidert: „Nicht Lady, werter Herr.“ Doch gleichzeitig fällt ihr auf, wie er Azra, als Lady Blutaxt bezeichnet hat und diese sich dagegen gesträubt hat so genannt zu werden. Vermutlich hat er sie nicht das erste mal so genannt und es ist ihm einfach ein Spaß Azra damit ein wenig zu necken. Vermutlich hat er es auch jetzt nicht ernst gemeint.

>Erst vorhin auf dem Weg hier her habe ich darüber nachgedacht, wie lang es schon her ist. Habe dann beschlossen, es ist mir unwichtig. Wichtig ist, dass ich noch hier bin und … nun ja, meine Reise ein Ende gefunden hat. Ich komme aus Amber und bin lange auf der Suche gewesenfährt er fort.
Seine Suche… Ob auch er nach einem Leben gesucht hat, in dem man weniger auffällt? Was wohl die Gründe dafür sind. Nur sein Äußeres?
Aber was sollte es sonst sein? Bis zum heutigen Tage hat niemand ihr Aussehen mit den Shebaruc in Verbindung gebracht und dennoch fiel sie wo sie auch war auf, wie ein bunter Hund. Der erste Tag in dieser Stadt… und schon treffe ich zwei Geschöpfe, welche mir ähnlich sehen… Und wieder ist sie beim alten Thema. Bestimmt schiebt sie ihre Gedanken erneut beiseite. Aber ein sehr leises Gegrummel huscht ihr dabei über die Lippen. Dies klingt jedoch alles andere als bedrohlich, eher so, als wenn sie sich ein wenig ärgere. Mit einem entschuldigenden Lächeln wendet sie sich wieder Njucon zu: „Verzeiht mir… “ Einen Moment hält sie inne. Was soll’s? Er weiß, was es heißt durch sein Aussehen aufzufallen. Also ergänzt sie: „Es ist mein erster Tag in der Stadt. Bis heute war mir nicht klar, dass es Andre gibt, welche mir so ähnlich aussehen.“ Für einen Moment verstärkt sich ihr Lächeln und es scheint, als würde sie gleich tatsächlich Lachen, doch kein solcher Laut erklingt. Stattdessen fährt sie mit einem fröhlichen Funkeln in den Augen fort: „Ich bin es schon so gewohnt immer und überall aufzufallen, dass es tatsächlich ungewohnt ist, an nur einem Tag zwei Personen zu treffen, welche mir so ähnlich sehen." Yasraena schüttelt leicht den Kopf. Das klingt in ihren eigenen Ohren so lächerlich. Aber genau so ist es und sie ist sich sicher das Njucon, ob seines Äußeren, versteht was sie damit sagen will. Für eine schwarzhaarige ist es normal mehrfach am Tag andere Schwarzhaarige zu sehen. Meist haben solche Haartypen dunkle Augen, auch das wäre normal. Aber für jemanden, der  solch auffallend helle Haut und ebenso helles Haar hat und zudem noch eine merkwürdige Augenfarbe sein eigen nennt, ist es ganz sicher nichts Alltägliches. Zumindest nicht außerhalb dieser Stadt und zumindest Njucon muss seiner Antwort nach von Außerhalb kommen und diese Blicke durchaus gewohnt sein, auch wenn es bei ihm lange her ist.

Mit den Worten >Verzeiht Lady Yasraena. Ich wollte Euer Gespräch mit Lady Blutaxt, nicht stören. Ein Frühstück in interessanter Gesellschaft lag mir im Sinn, doch ist dafür wohl heute nicht der richtige Tag. Ich entschuldige mich… und hoffe wir können dies irgendwann einmal nachholen.< verabschiedet sich Njucon auch schon wieder. Ja, in der Tat Azra hatte ihm mitgeteilt, dass der Zeitpunkt Ungelegen ist, doch andererseits ist Azra im Moment nicht hier. Sollte sie nicht längst zurück sein? kommt es Yasraena in den Sinn, doch zeitgleich kommt ihr der Gedanke, dass Njucon und Azra sich gut zu kennen scheinen und diese ihm vielleicht ein warmes Mahl zubereitet, auch wenn das zu dieser Uhrzeit eher unüblich wäre.

„Es war mir eine Freude eure Bekanntschaft zu machen.“ Setzt nun auch Yasarena zu einer Verabschiedung an. „Ich würde mich freuen, wenn sich unsere Wege erneut kreuzen.“ Nach kurzer Pause fährt sie fort „Aber wieso habt ihr es so eilig? Azra kümmert sich derweil um euer Essen und ihr wollt euch von dannen stehlen?“ mit einem schelmischen Grinsen ergänzt sie: „Findet Ihr nicht, dass dies eine wahrhaft unhöfliche Geste ist?“ Alleine ihr Grinsen, zeigt deutlich, dass sie das nicht ganz so ernst meint. Dennoch, tief in ihrem Innern empfindet sie es tatsächlich als unhöflich. Aber selbst wenn, was geht sie das an? vermutlich kennen sie sich so lange, dass es schon seine Richtigkeit haben wird.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Avila am 02. Juli 2009, 13:39 Uhr
In Lyalls Augen liegt freudige Überraschung, als Avila sie nicht abwimmelt und mit ihrer ganzen Körperhaltung zeigt sie Aufmerksamkeit, endlich keine Anspannung mehr. Kurz scheint sich ein trauriger Schleier über ihre Augen zu legen, der ist aber so schnell wieder verschwunden, dass sich die Herzländerin nicht sicher ist, ob sie es sich nicht doch nur eingebildet hat. Auf die hingehaltene Hand hin, macht sich auf Lyalls Gesicht jedenfalls ein glückliches Grinsen breit und sie umfasst mit ihrer Hand Avilas Unterarm. Einen Moment lang blinzelt die Magd überrascht, sie hatte eigentlich erwartet, dass sie sich einfach die Hände schütteln würden, diese Geste ist ihr fremd und sie hätte sie eher als einen Handgriff zwischen Kriegern eingeschätzt. Der gute Wille dahinter ist dennoch nicht zu verkennen, weshalb sie ihre Hand auch nicht wegzieht. Ich glaube, sie wird noch einiges über herzländische Gewohnheiten lernen müssen. >„'S màth sin!“<, sagt Lyall strahlend und so weit, dass das Worte auf Tamar sind, kommt dann immerhin auch Avila, aber sie könnte beim besten Willen nicht sagen, mit welchem Akzent ihr Gegenüber spricht. >„ Habt vielen Dank! Ich hätte mir schon fast nicht erträumen lassen, dass ich diese Anstellung doch bekomme“<, fährt Lyall fort und Avila lächelt gutmütig. „Nichts zu danken…“ >„Ich werde euch nicht enttäuschen Herrin!“<, verspricht die junge Frau voller Inbrunst, da muss ihr Avila dann aber doch entgegnen: „Na, ich bin keine Herrin, ich bin auch nur eine Magd, auch wenn ich bei dieser Arbeit etwas mehr Erfahrung habe als Ihr.“ Noch einmal drückt Lyall Avilas Unterarm – es steckt ganz schön viel Kraft in dieser Hand! – dann lässt sie los. >„Ich nehme das Angebot mit der Unterkunft gerne an. Dieses freundliche Haus kann ich mir leider bald nicht mehr leisten.“< Ein wenig Bedauern schleicht sich in Lyalls Stimme, was Avila gut verstehen kann, die Goldene Harfe ist wirklich schön. „Na ja, hiermit können wir zwar nicht mithalten“, stellt sie mit einem Kopfnicken in Richtung Gasthaus fest, „aber wir machen es uns schon schön. Außerdem gibt es im Anwesen de Winter mehr als genug Platz.“ Manchmal hat man sogar das Gefühl, dass es mehr Platz gibt, als man jemals füllen könnte, wenn Aurian nicht irgendwann eine Familie gründet.
Nun wechsel Lyall das Gesprächsthema: >„Doch das mit der Bezahlung... ja nun... wie drücke ich dies aus...“< Na wunderbar, sie will mehr Geld!, ahnt Avila, wird aber überrascht: >„…mir ist die Bedeutung der glänzenden Stücke durchaus bewusst. Viel wandert für ein solch rundes Stück über die Theken dieser Stadt. Doch ganz genau auskennen tue ich mich mit diesem Vorgang noch nicht.“< Avilas Lippen bilden ein erstauntes O, als sie das hört, sie hätte im Leben nicht damit gerechnet, dass Lyall so gar keine Ahnung von Geld hat und es verschlägt ihr im wahrsten Sinne des Wortes die Sprache. >„Mein Begleiter bezahlt für uns. Das einzige was mir jedoch schon früh begreiflich wurde ist dies: Genauso schnell wie man Geld in der Hand hat, ist es einem auch schon wieder durch die Finger geronnen. Aber ich denke auch dabei werdet ihr mir helfen können.“< „Gewiss…“, murmelt Avila. Von einem Begleiter hat sie bisher noch gar nichts gesagt! Ihre verhaltene Reaktion scheint Lyall gar nicht zu bemerken, zu sehr ist sie damit beschäftigt zu bekräftigen: >„Es soll Euch nicht zum Nachteil gereichen Zeit in mich zu investieren. Ich werde euch treu zur Seite stehen.“< Immer langsam mit den jungen Pferden… Mit der Faust auf dem Herz verbeugt sie sich dieses Mal wirklich vor Avila, was die leicht rosa anlaufen lässt. > „Nur eins noch... Wo ist das Anwesen eigentlich genau?“<, fragt Lyall als letztes mit gesenkten Wolfohren, was sie ein wenig wie einen Welpen aussehen lässt, der etwas angestellt hat und auf Ärger wartet.
„Jetzt aber noch einmal der Reihe nach“, stellt Avila ruhig fest und versucht, sich ihre Verwirrung nicht ansehen zu lassen. „Selbstverständlich kann ich Euch helfen zu lernen, mit Geld richtig umzugehen und ich verspreche Euch: Wenn man ein wenig Erfahrung damit hat, zerrinnt es einem auch nicht zwischen den Fingern. Es kommt einfach darauf an, was für einen Lebensstandard man pflegen möchte. Dieser muss an den eigenen Lohn angepasst sein, sonst stürzt man sich in Schulden. Am besten ich nehme Euch einfach mit zum Markt, dann werdet Ihr es am einfachsten verstehen.“ Und gleich lernen die Tricks zu erkennen, mit denen einem die Händler versuchen das Geld aus den Taschen zu ziehen. „Was aber Euren Begleiter angeht, ich weiß nicht, ob Ihr geplant habt, dass er auch im Anwesen de Winter wohnen soll? Dann muss ich Euch leider sagen: Ob die Herrin damit einverstanden ist, weiß ich nicht, da müsst Ihr sie selber fragen. Um ehrlich zu sein bezweifle ich, dass sie jemanden in ihrem Gesindehaus haben will, der nicht für sie arbeitet.“ Nachdenklich legt Avila den Kopf schief. Wenn sie andererseits ein Paar sind, ist es mir lieber, wenn er offiziell kommt und nicht irgendwann nachts im Dunklen herein schleicht. Hm… „Allerdings hat sie ein großes Herz, also wird sie Lebenspartner bestimmt nicht trennen wollen. Fragt sie einfach selber und legt die Situation dar, dann kann sie entscheiden.“ Auf die Idee, dass dieser Begleiter nur ein Bekannter oder Freund sein könnte, kommt sie nicht. Er scheint Lyalls volles Vertrauen zu genießen, sich bisher um ihre Unterkunft gekümmert zu haben und sie aus einem fernen Land, in dem man kein Geld braucht, hergebracht zu haben. „Wenn Ihr wollt, kann ich Euch das Anwesen noch heute Abend zeigen, dann seht Ihr auch Eure zukünftige Unterkunft. Ansonsten hole ich Euch morgen ab, ganz wie Ihr mögt.“ Kurz zögert Avila, dann bietet sie an: „Da wir in Zukunft zusammen arbeiten werden, wie wäre es wenn wir uns duzen?“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Njucon am 03. Juli 2009, 09:48 Uhr
Njucon bleibt es nicht verborgen, das Blitzen in ihren Augen als er sie freundlich mit Lady anspricht. Fast zeitgleich sieht er aber auch ihre Zweifel oder etwas wie Unbehagen?  > „Nicht Lady, werter Herr!“<
Aber ohne etwas dazu zu sagen, fährt er fort und auch sie beginnt etwas aufzutauen und über sich zu erzählen.
>„Es ist mein erster Tag in der Stadt. Bis heute war mir nicht klar, dass es Andre gibt, welche mir so ähnlich aussehen. Ich bin es schon so gewohnt immer und überall aufzufallen…“ <
Njucon nickt zustimmend. Ja, er weiß genau wovon sie spricht. Auffallen, bekannt sein… > „Mach mir ja keine Schande Sohn!“ < Hallt die fast vergessene Stimme durch seinen Kopf. Wie sehr hat er es gehasst, wie sehr sich dagegen gewehrt bis dahin, dass er mit Absicht Schande über seinen Vater brachte. Vorbei!
>„ …dass es tatsächlich ungewohnt ist, an nur einem Tag zwei Personen zu treffen, welche mir so ähnlich sehen."<

Als er dann seine wohl höflichst formulierte Entschuldigung für sein Hereinplatzen vorträgt, reagiert die Lady nicht ganz wie erwartet. >„Es war mir eine Freude eure Bekanntschaft zu machen.“<  Erstaunt blickt er auf Lady Yasarena. Hat sie da wohl etwas falsch verstanden oder habe ich nun etwas verpasst? >„Aber wieso habt ihr es so eilig? Azra kümmert sich derweil um euer Essen und ihr wollt euch von dannen stehlen?“< Oh, ja sie hat mich falsch verstanden. Schießt es ihm durch den Kopf und er beginnt ihr schelmisches Grinsen zu erwidern. Ich habe mich heute schon einmal davon gestohlen, ein weiteres Mal habe ich es nicht vor. >„Findet Ihr nicht, dass dies eine wahrhaft unhöfliche Geste ist?“<

Der junge Albino stützt seinen Linken Arm auf den Tisch und bettet sogleich sein Kinn in seine Hand.  „Ich bin so einiges Lady Yasaera“, spricht er ruhig und gelassen, „aber wahrlich nicht unhöflich. Würdet ihr mich etwas besser kennen, wüstet ihr auch, dass ich kein Frühstück von Lady Azra ausschlagen würde. So dann, werde ich euch noch eine weile Gesellschaft leisten, wie es euch beliebt. “ Grade als er wieder diesen Blick von eben wahrnimmt, als er sie das erstmal Lady nannte, hakt er dort  noch einmal ein.
„Lady Yasaera? Gefällt Euch diese Anrede nicht?“, wirft er schnell ein, lächelt dabei und seine blutroten Augen sehen genau ihn ihre. „Ihr seid in meinen Augen eine Lady und solltet auch als solche benannt werden, doch wenn es euch Unbehagen bringt….wartet wie wäre es mit:
Wehrte Yasraena oder Holde Maid, nein, meine Dame? Misstress? Madame? …Hm…. Meines Erachtens passt Lady Yasraena ganz vorzüglich zu Eurer Person."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Yasraena am 03. Juli 2009, 13:23 Uhr
Schon allein die Situation, wie Njucon ihr mit in die Hand gestütztem Kopf gegenüber sitzt und sie prüfend betrachtet, lässt sie ein wenig unsicher werden.
Habe ich was falsch gemacht?
Doch da sie inzwischen ihre Beherrschung wiedergefunden hat, ist ihr noch nichts anzumerken.

>Ich bin so einiges Lady Yasaera“, aber wahrlich nicht unhöflich. Würdet ihr mich etwas besser kennen, wüstet ihr auch, dass ich kein Frühstück von Lady Azra ausschlagen würde.<
Jetzt ist Yasraena jedoch gänzlich verwirrt und mit entschuldigendem Ton murmelt sie „Verzeiht, ich wollte euch Derartiges nicht unterstellen.“
Jetzt habe ich ihn auch noch beleidigt, indem ich ihm solche Unhöflichkeit vorwarf. Was gibt es denn bitte an den Worten >Ich entschuldige mich… und hoffe wir können dies irgendwann einmal nachholen< falsch zu verstehen? fragt sie sich mit einem Stirnrunzeln. Doch dann wird ihr bewusst, dass es wohl noch zu der Entschuldigung bezüglich seines Hereinplatzen in diese ungünstige Situation, gehört. Wieder einmal stellt sie fest, dass es, obgleich sie nun schon eine ganze Weile die Allgemeinsprache spricht, nicht leicht ist sich damit immer missverständnisfrei zu verständigen. Ich entschuldige mich. Ja – für wahr, eine Entschuldigung für Fehlverhaben. Aber sagt man es nicht ebenso, wenn man auf sehr höfliche Art mitteilt, dass man gehen muss? … Oh, er hat es schon wieder getan… Wieso nur meint er mich als Lady bezeichnen zu müssen? An mir ist wahrhaft nichts mehr, was einer Lady würdig ist. Die Kleider, in denen sie sich ohnehin nie so recht wohlgefühlt hat, hatte sie schon vor langer Zeit gegen schwarzes Leder getauscht. Ihre Haare sind ein wenig fransig und haben so rein gar nichts von den aufwendigen Frisuren hoher Damen, die man zu Recht als Ladies bezeichnet.

Njucon muss ihren Missmut richtig erkannt haben, denn er setzt gleich noch nach:
>Lady Yasaera? Gefällt Euch diese Anrede nicht?<. Langsam wird ihr das wirklich ein wenig zu bunt, aber Azras vorherige Situation betrachten, scheint Njucon ohnehin nicht viel darauf zu geben, ob man so genannt werden mag oder nicht. Gerade schon will sie dennoch zu einer etwas spitzen Bemerkung ansetzen, als er mit einem charmanten Lächeln, genau in ihre Augen blickt. Diese Augen…Nie zuvor hat sie Menschen mit solch roten Augen gesehen. Doch es ist nicht einmal die Farbe, die ihr in diesem Moment zu schaffen macht. Vielmehr ist es die Situation an sich.
Derweil fährt Njucon fort: >Ihr seid in meinen Augen eine Lady und solltet auch als solche benannt werden, doch wenn es euch Unbehagen bringt….wartet wie wäre es mit:
Wehrte Yasraena oder Holde Maid, nein, meine Dame? Misstress? Madame? …Hm…. Meines Erachtens passt Lady Yasraena ganz vorzüglich zu Eurer Person<

Jetzt wird es Yasraena wirklich zu bunt. Holde Maid? Sie ist so einiges aber ganz sicher nicht hold. Yasraena hat bisher nie viel auf Komplimente gegeben, auch hat sie nicht sonderlich oft welche zu hören bekommen. Zugegeben, einige Menschen haben sich schon zu ihrem Aussehen geäußert, aber meist hinter ihrem Rücken und nicht direkt ihr gegenüber. Für einen kurzen Moment fühlt sie wie das Unwohlsein in ihr anschwillt. Es ist doch an ihrer gesamten Erscheinung offensichtlich, dass sie eine ganz einfache Person und keine Lady ist. Zumindest sollte es das sein, denn Ihre Erscheinung lässt wahrhaft keine edle Dame vermuten. Zugegeben, ihre Haltung wirkt schon ein wenig zu aufrecht und auch ein wenig steif, aber dennoch ist sie sich sicher, dass man ihr nicht ansehen kann, dass sie aus gutem Hause stammt. Ja, die Familie ihrer Mutter kann man für wahr als wohlhabend und anerkannt bezeichnen, auch wenn Yasraena selbst darauf eher wenig gibt.

Njucon scheint sie jedoch nicht deswegen so zu bezeichnen, weil er wahrhaft eine Lady vermutet. Vielmehr erweckt es in Yasraena den Eindruck, dass er sich hieraus genauso einen Spaß zu machen scheint, wie er ihn mit Azra treibt, indem er sie damit, wie heute, zur Verlegenheit bringt.
Ich selbst würde sich daran schon gewöhnen und nicht jedes Mal unsicher werden, nur weil er meint mich so nennen zu müssen beschließt sie.
Ein wenig arrogant reckt sie das Kinn empor als sie erwidert: „Wir ihr beliebt. Ihr scheint euch da ja ohnehin nicht von abbringen zu lassen. … Zumindest scheint es Azra  nicht gelungen zu sein. … Und mir ist es ehrlich gesagt einer Diskussion nicht wert.“ Trotz des arroganten Ausdrucks der sich zu Anfang ihrer Antwort auf ihrem Gesicht breit gemacht hat, muss sie gegen Ende doch ein wenig Lächeln.

Danach übergeht Yasraena das Thema einfach und beschließt, es auf sich beruhen zu lassen. Erneut fragt sie sich wo Azra so lange steckt und diesmal scheint ihr, als ob wirklich schon viel Zeit vergangen ist, seit diese in die Küche ging. Nicht, dass es doch mit meiner Herkunft zutun hat und sie die Stadtwache oder sonst wen holt? schießt es ihr in den Kopf. Auch wenn dieser Gedanke lächerlich ist und Yasraena diesen schnell wieder abtut, eine Restunsicherheit bleibt und so wendet sie sich ein wenig nachdenklich an Njucon: „Azra, hätte längst zurück sein müssen, meint ihr nicht?“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 06. Juli 2009, 12:54 Uhr
In Borgils Privatgemächern/Im Schankraum der Harfe


"Na,na,na… jetzt tu nicht so, als hättest du sie im Schankraum geköpft oder so etwas," brummt Borgil beruhigend und klingt dabei ein bisschen wie ein sehr großer, sehr kräftiger schnurrender Kater mit chronischer Bronchitis. "Sie war bestimmt nur überrascht und das würde ja wirklich niemanden verwundern, oder? Ich meine, ich weiß, dass Talyra schon immer der reinste Magnet für alle möglichen seltsamen Wesen, Mischblütige und Sonderlinge war, aber jemand der hier noch fremd ist, weiß das nicht, selbst wenn er von der… Außergewöhnlichkeit dieser Stadt schon gehört hat. Etwas dann mit eigenen Augen zu sehen, ist immer noch etwas anderes." Er stupst Azras winzige Nase mit seinem knorrigen Zeigefinger und hebt ihr Kinn dann leicht an, so dass sie ihm in die Augen sehen muss. "Och! Oi, nun mach kein solches Gesicht, mein Schneemädel. Kein Brei wird so heiß gegessen, wie er gekocht wird. Komm, zeig mir ein Lächeln, ja?" Azras Mundwinkel verziehen sich bei diesen Worten ganz unweigerlich ein wenig nach oben, auch wenn der Zweifel in ihren Augen bleibt. "Na also, das ist mein Mädchen! Und jetzt gehen wir und sehen uns diese Bluthalbirgendwaselbin einmal aus der Nähe an." Er stellt Azra auf die Füße und nimmt ihre Hand, die völlig in seiner ledrigen Zwergenpranke verschwindet. "Du wirst sehen, du hast gar nichts angerichtet." Azra neben sich verlässt Borgil seine Privatgemächer, schickt Halla zu den beiden Jungen, die, allein gelassen, vermutlich den ganzen Neubau auseinander genommen hätten, und geht mit seiner Frau in den Schankraum hinüber.

Doch an dem Tisch, den Azra ihm weist, sitzt nicht nur ein schlohweißer Schopf, sondern gleich zwei. Das Rotauge… na, der hat mir gerade noch gefehlt zu meinem Glück. Borgil weiß, dass Azra Njucon aus irgendeinem ihm unerfindlichen Grund gern hat und im Grunde hat auch er nicht wirklich etwas gegen die Weißhaut, aber eine endgültige Meinung hat er sich auch noch nicht gebildet. Irgendwie wird er nicht schlau aus dem farblosen Kerl. Noch bevor sie sich den beiden jedoch auch nur nähern, dreht Azra allerdings abrupt wieder um und nuschelt hochrot etwas von: "Verflixt, Njucons Essen!" nur um postwendend in der Küche zu verschwinden. Borgil wartet kopfschüttelnd auf sie, was nicht lange dauert, doch das schwer beladene Tablett, mit dem sie wieder an seiner Seite erscheint, lässt ihn dann doch entgeistert die Brauen heben. All die Speisen darauf hätten ausgereicht, um ein halbes Regiment Blaumäntel satt zu bekommen. "Herzblatt, Njucon ist nicht Achim der Oger. Er schafft keinen ganzen Laib Brot, ein Dutzend Eier, ein Rad Käse und einen Krug Honig, von dem ganzen Pfund Butter, dem Pökelfleisch, dem Apfelkuchen und der Räucherwurst ganz zu schweigen…"

"Papperlapapp," erwidert Azra nur in bester Niniane-Manier und verkündet, er – also Njucon – sei schon wieder dünner geworden und wenn er so weiter mache, ende er noch als Strich in der Landschaft. Das ist er doch schon. Borgil hütet sich, etwas in der Richtung verlauten lassen, sonst würde seine kleine Frau den armen Kerl wirklich noch mästen, und folgt Azra nur mit einem ergebenen Seufzen, wobei er sich allerdings ihr zu liebe bemüht, möglichst wenig furchterregend auszusehen (was ihm jedoch - wie immer - kaum gelingt). Die Frau am Tisch ist  tatsächlich so hellhäutig und weißhaarig wie Azra, ihre Augen sind jedoch ganz anders und ihre Statur ist das ebenfalls. Sie ist groß und dünn, und ihre vollkommen schwarze Kleidung lässt sie womöglich noch bleicher wirken, als sie es ohnehin schon ist. Ihr Haar ist farblos weiß und glänzt ein wenig silbrig, wenn sie den Kopf dreht. Unter ihrem Umhang scheint sie ein Kurzschwert zu tragen, jedenfalls sieht der Umriss, der sich unter dem Stoff an ihrer Seite abzeichnet, verdächtig danach aus. Während Borgil die Fremde eingehend, aber nicht unfreundlich mustert und ihr dabei ebenso Zeit gibt, ihn in Augenschein zu nehmen (und sich dabei von der Vorstellung eines netten, vielleicht etwas beleibten und polternden, aber im Grunde liebenswerten Zwergenwirt zu verabschieden), räuspert sich Azra neben ein wenig nervös, lädt das Tablett ab und stellt sie ihm kurz vor. "Das ist Yasraena, die bei uns Arbeit sucht."

"Aye. Ich bin Borgil Blutaxt, Wirt der Harfe." Sie sieht eher aus wie eine Elbin, als eine Shebaruc… obwohl, das hat vermutlich nichts zu sagen. Azra sieht auch eher aus wie ein Alabasterfigürchen, als wie ein Blutelbenmischling… "Ich rede nicht lange um den heißen Brei herum, Yasraena, also sage ich es, wie es ist. Wir könnten durchaus noch jemanden gebrauchen. Das hier ist ein großes Gasthaus, in dem es immer etwas zu tun gibt. Nur kenne ich Euch nicht und weiß nicht, was ihr könnt oder nicht." Einfach und robust sieht sie nicht gerade aus. Und ihre Kleidung entspricht kaum einer Magd, aber das muss nichts heißen. Er lächelt kurz, um seine Worte ein wenig zu mildern. "Also, was könnt Ihr denn? Meine Frau hat gesagt, Ihr hättet auf einem Gestüt gearbeitet. Hattet Ihr mit Pferden zu tun?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Njucon am 06. Juli 2009, 16:41 Uhr
>„Wir ihr beliebt. Ihr scheint euch da ja ohnehin nicht von abbringen zu lassen. … Zumindest scheint es Azra  nicht gelungen zu sein. … Und mir ist es ehrlich gesagt einer Diskussion nicht wert.“< Njucon nickt einfach und unterdrückt ein schmunzelt. Sie versteht die wirklich ehrliche Absicht von ihm nicht und so lässt er es auch auf sich beruhen. Man wird sich mehr als noch einmal treffen, besonders wenn sie, wie Azra vorhin kurz erwähnte, in der Harfe beabsichtigt zu arbeiten.
>„Azra, hätte längst zurück sein müssen, meint ihr nicht?“<, wechselt sie dann das Thema und schaut ihn fragend an. „ Ich befürchte sie meint es mit meinem Frühstück etwas zu gut“, sagt er ebenfalls nachdenklich und lacht dann kurz auf. „ Sehe ich etwa so hungrig aus?“ Und wie zur Bestätigung taucht nun die Lady des Hauses auf und zwar nicht allein.  Ihren Mann neben sich und mit einem Tablett, dass bis zum Rand mit herrlichen Leckereien gefüllt ist, kommt Lady Azra an ihren Tisch zurück. „Nun, daran kann ich wahrhaftig lange speisen, meint ihr nicht?", sagt Njucon in Yasaeras Richtung und grinst breit. Azra räuspert sich kurz, stellt das Tablett von Njucon ab und sagt: >„Das ist Yasraena, die bei uns Arbeit sucht."< Njucon untersucht sogleich das Tablett und muss festellen, dass die weiße Dame es wohl sehr sehr gut mit ihm meint. Davon werden mehr als nur eine Person satt.

>"Aye. Ich bin Borgil Blutaxt, Wirt der Harfe"<, erklingt auch schon die tiefe Zwergenstimme. Der junge Albino nickt Borgil freundlich zum Gruße und lässt ihn weiter reden. > „Ich rede nicht lange um den heißen Brei herum, Yasraena, also sage ich es, wie es ist. Wir könnten durchaus noch jemanden gebrauchen. Das hier ist ein großes Gasthaus, in dem es immer etwas zu tun gibt. Nur kenne ich Euch nicht und weiß nicht, was ihr könnt oder nicht."< Nein um den heißen Brei reden ist nicht seine Art. Es wäre eher Njucons Art, aber der hält sich erstmal zurück und betrachtet die Situation. > „Also, was könnt Ihr denn? Meine Frau hat gesagt, Ihr hättet auf einem Gestüt gearbeitet. Hattet Ihr mit Pferden zu tun?"<

Njucon räuspert sich kurz und richtet sich auf.
„Ähm, ich möchte nicht unhöflich sein Lady Azra, Meister Borgil. Ich denke es ist an der Zeit, wie ihr sagtet...“,  dabei nickt er Azra zu, „...dass ich euch euren wichtigen Gesprächen überlasse und mich anderem widme. Wie zum Beispiel einem kleinen Bissen von diesem leckeren, doch recht reichlichem Frühstück. Habt vielen Dank. Ich werde sehn wie viel ich von diesem reichlichen Mahl verzehren kann.“ Und wieder legt sich dieses charmante Lächeln auf sein Gesicht.
" Und ihr Lady Yasarea, war mir eine freude Euch kennen zulernen!"


----> Marktplatz

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Yasraena am 07. Juli 2009, 14:27 Uhr
Als Yasraena den Zwergenwirt erblickt wäre sie wohl bleich geworden, wenn dies bei ihrer Hautfarbe überhaupt noch erkennbar wäre, Vielleicht wäre sie auch zurückgewichen, wenn sie denn nicht gesessen hätte. Einen Zwergenwirt hatte sie sich irgendwie ganz anders vorgestellt. Der Bart erscheint erstaunlicher Weise kurz und gepflegt, aber seine Haare sind zu einem recht interessanten Irokesen frisiert, der ihn irgendwie barbarisch erscheinen lässt. Dieses Bild wird von seinem vielen Ohrschmuck noch unterstrichen. Selbst durch die Haut, an seiner Nasenwurzel hat er eine Art gold glänzenden Stift gezogen. Die lange Narbe, welche sich tief durch seine rechte Gesichtshälfte zieht, lässt eine Vergangenheit als Krieger erahnen. Während Yasraena und Borgil sich gegenseitig mustern, stellt Yasraena erleichtert fest, dass der Zwerg trotz seines bedrohlichen Aussehens nicht unfreundlich wirkt. Auch lässt er ihr einen Moment Zeit sich zu fassen, ehe er sich vorstellt: >Aye. Ich bin Borgil Blutaxt, Wirt der Harfe<
Nun erhebt sich Yasraena schnell von ihrem Stuhl um sich ebenfalls vorzustellen: „Seid mir gegrüßt. Ich bin Yasraena ale’Hanrael.“ Normalerweise hätte sie sich nur ungern mit Nachnamen vorgestellt, aber seine Frau wird ihm vermutlich ohnehin erzählt haben, dass sie ein Shebaruc-Mischling ist. Was soll sie da ihren Namen verbergen?

Borgil fährt fort: >Ich rede nicht lange um den heißen Brei herum, Yasraena, also sage ich es, wie es ist. Wir könnten durchaus noch jemanden gebrauchen. Das hier ist ein großes Gasthaus, in dem es immer etwas zu tun gibt. Nur kenne ich Euch nicht und weiß nicht, was ihr könnt oder nicht. Also, was könnt Ihr denn? Meine Frau hat gesagt, Ihr hättet auf einem Gestüt gearbeitet. Hattet Ihr mit Pferden zu tun?<

Ein Räuspern ertönt, noch ehe Yasarena zu einer Antwort ansetzen kann. So wendet sie sich kurz zu Njucon um. > Ähm, ich möchte nicht unhöflich sein Lady Azra, Meister Borgil. Ich denke es ist an der Zeit, wie ihr sagtet... dass ich euch euren wichtigen Gesprächen überlasse und mich anderem widme. Wie zum Beispiel einem kleinen Bissen von diesem leckeren, doch recht reichlichem Frühstück. Habt vielen Dank. Ich werde sehn wie viel ich von diesem reichlichen Mahl verzehren kann. Und ihr Lady Yasraena, war mir eine Freude Euch kennenzulernen!"<
Mit einem freundlichen Lächeln, verabschiedet sich nun auch Yasraena von dem weißen Mann: „Auch mir war es eine Freude eure Bekanntschaft zu machen. Auf ein bald.“

Dann wendet sie sich wieder Azra und ihrem Mann zu um Borgils Frage zu beantworten: „Ja, ich hatte in der Tat auch mit Pferden zu tun, wenngleich wir dafür größtenteils Stallburschen hatten und ich mehr für die Arbeiten im Haus verantwortlich war.“
Klar, ich suche Arbeit und notfalls würde ich auch Stallarbeit verrichten. Aber wenn ich es mir aussuchen könnte… Verdammt… Hauptsache ich komme irgendwie zu ein wenig Geld um für mich und Nachtschatten zu sorgen. Ich sollte froh sein, wenn ich überhaupt Arbeit finde.
Dennoch ergänzt Yasraena noch: „Wir hatten sicher nicht so regen Betrieb wie hier, aber es kamen des Öfteren Reisende oder fahrende Händler vorbei. Wir hatten auf dem Gestüt Gästezimmer – müsst ihr wissen. Diese habe ich auch mit hergerichtet, Essen zubereitet, serviert und die Gäste mit Getränken versorgt.“ Yasraena hält es nicht für nötig, zu erwähnen, dass es allesamt einfache Getränke waren. Sie hatte erwähnt, dass es sich um ein Gestüt und kein Wirtshaus gehandelt hat und daher schloss sie, dass Borgil durchaus bewusst ist, dass es keine rechte Karte mit einer großen Auswahl an Speis und Trank gab. Sondern eher aufgetischt wurde, was sich ohnehin im Haus befand. Meist hatten sie ihren Vorräten nach einige wenige Gerichte zur Wahl.
Auch weiß Yasraena nicht recht, ob sie noch erwähnen soll, dass sie für die Kindererziehung verantwortlich war, denn was hat das schon mit der Arbeit in einem Wirtshaus zu tun? Aber mit Vertrauen hat es zu tun schießt es ihr in den Kopf und so lässt sie auch da nicht unerwähnt: „Nachdem die Frau meines Arbeitsgebers - Die Götter mögen ihrer gnädig sein -  verstarb…“ Für einen Moment sieht man tiefe Trauer auf Yasraenas Gesicht. „… habe ich das Haus fast alleine geführt. Er war in tiefer Trauer versunken, so dass ich mich um seine Kinder gekümmert, die anderen Mägde betreut, Arbeiten aufgeteilt und ihn bei allem was anfiel bestmöglich unterstützt habe.“ Erst wollte sie diese Geschehnisse nicht erwähnen, doch was soll es. Es zeigt, dass sie eine durchaus verantwortungsbewusste Aufgabe übernommen hatte und auch Vertrauen genoss.
Einen Moment sinniert sie noch kurz darüber nach, ob sie es besser unerwähnt gelassen hätte, doch beschließt dass es schon in Ordnung sei. So ergänzt sie nur noch kurz: „Ich denke, dass ich mich sehr schnell einarbeiten kann und mich auch schnell an neue Tätigkeiten gewöhne.“ Mit einem erwartungsvollen Schimmer Hoffnung in den Augen, wartet sie, was der Zwergenwirt dazu zu sagen hat. Zu gerne würde sie im Schankraum helfen. Ein wenig nervös ist sie schon, aber immerhin hat sie auf ihn innerlich nicht so panisch reagiert wie auf seine Frau. Sie wird sich in dieser Stadt an einiges gewöhnen müssen. Aber wo könnte sie besser lernen, all die verschiedenen Einwohner als normal hinzunehmen, als hier wo sie in ständigen Kontakt zu anderen Städtlern und Reisenden stehen würde.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 15. Juli 2009, 20:40 Uhr
Borgil braucht nur mit seinem knorrigen Zeigefinger gegen Azras Nasenspitze zu stubbsen und sie um ein Lächeln zu bitten, schon sieht Roha gleich wieder viel freundlicher aus. Die Zweifel, ob sie nicht vielleicht doch etwas zu harsch reagiert hat, halten sich zwar hartnäckig, aber jetzt, wo Borgil sich erhebt, um ihr Beistand zu leisten, fürchtet sie sich nicht länger davor, alles noch schlimmer zu machen. Zusammen verlassen sie die Privatgemächer in Richtung Schankraum, wobei Azra auf halbem Weg noch in den Sinn kommt, dass Njucon ja auf sein Essen wartet.
Borgils Augen rollen hilfesuchend zur Decke, als sie, beladen mit einem Tablett, dass sich unter drei Dutzend verschiedener Köstlichkeiten durchbiegt, zurückkehrt. "Herzblatt, Njucon ist nicht Achim der Oger. Er schafft keinen ganzen Laib Brot, ein Dutzend Eier, ein Rad Käse und einen Krug Honig, von dem ganzen Pfund Butter, dem Pökelfleisch, dem Apfelkuchen und der Räucherwurst ganz zu schweigen…" Unwirsch schüttelt Azra den Kopf. „Papperlapapp“, meint sie, „Njucon ist schon wieder viel dünner geworden. Wenn er so weitermacht, endet er noch als Strich in der Landschaft, oder er verhungert sogar!“ Darüber, dass für Azra eh alles, was nicht mindestens die Ausmasse eines Normanders oder sogar eines Zwergens hat, zu dünn ist, lässt sich streiten. In ihren Augen reichen die Sachen gerade mal für EINEN halbwegs hungrigen Herzländer und fast ist sie versucht noch einmal auf den Hacken kehrt zu machen, um sicherheitshalber doch noch einen halben Brotlaib, drei Eier und etwas Pökelfleisch mehr zu holen. Nur, damit Njucon auch auf jeden Fall genug hat.
Die Frage, ob sie vielleicht noch mehr holen sollte, wird aber unwichtig, als sie den Tisch erreichen, wo Yasraena und Njucon schon warten. Etwas verlegen – zwischenzeitlich tut es ihr schon wieder leid, so einen Aufstand gemacht zu haben – räuspert sie sich leise, schiebt Njucon mit einem süssen Lächeln das Tablett zu und deutete dann auf die weissharige Elbin: „Das ist Yasraena, die bei uns Arbeit sucht.“ Borgil nickt und stellt sich seinerseits vor, in einem sachlichen, aber keineswegs unfreundlichen Tonfall, der Azra ein verliebtes Blinzeln entlockt – gerade sie weiss genau, was für ein goldenes Herz unter der harten Schale schlägt. Neugierig, wie Yasraena auf die dargelegten Fakten reagieren wird, schaut Azra sie an. Njucon aber unterbricht das Gespräch kurzzeitig, indem er sich wortgewandt verabschiedet, natürlich nicht, ohne sich für das Essen zu bedanken. „Schau zu, dass du wieder öfters vorbeikommst. Oh, und bist du in zwei Tagen am Abend zu Hause? Ich wollte dir doch noch die neuen Setzlinge vorbeibringen.“ Njucon lacht auf, nickt und zieht sich dann samt Essen in eine etwas stillere Ecke zurück. Zufrieden wendet Azra sich wieder Yasraena zu.
Offen, wenn auch hie und da stockend, erzählt diese, dass sie weniger auf dem Gestüt und mit den Pferden selber, als im Haus und mit Gästen gearbeitet hätte. Auch hätte sie nach dem Tod der Frau ihres Arbeitgebers auf dessen Kinder aufgepasst und überhaupt eigentlich den ganzen Haushalt alleine geführt. Unwillentlich überlegt Azra, ob Yasraena sich damit indirekt als Kindermädchen anbieten möchte, schiebt den Gedanken aber rasch wieder von sich. Ausserdem, und Azra kann nicht genau sagen, woran das eigentlich liegt, sperrt sich einiges in ihr dem Shebarucmischling Brenainn und Bræn anzuvertrauen. Vielleicht gerade weil sie ist wie ich? Oder es liegt an ihrer Erscheinung... ooooder an ihrem Schwert. Das Azra erst jetzt auffällt, aber da es für sie keine Seltenheit ist bewaffnete Gäste zu bedienen, bleibt der Schrecken aus. Eigentlich spielt es ja überhaupt keine Rolle. Sie wird sich erst an die gegebenen Umstände gewöhnen müssen, aber sie hat sich gut erklärt und scheint auch ehrlich gewesen zu sein. Zumindest glaubt Azra das, schielt aber vorsichtshalber noch zu Borgil hoch, dessen Menschenkenntnisse zehnmal besser sind als ihre. Da er jedoch weder aussieht, als hätte er in einen sauren Apfel gebissen, noch Yasraena schon am Schlafittchen gepackt und achtkant rausgeschmissen hat, wähnt sich Azra vorerst auf der sicheren Seite und schenkt Yasraena ein aufmunterndes Lächeln. „Das klingt doch alles schon sehr gut, Yasraena. Nur haben wir im Moment genug Schankmädchen. Dafür fehlt uns jemand, der sich um das Kleingetier und den Hinterhof kümmert. Hin und wieder, bedingt durch Krankheitsfälle oder Schwangerschaft, könntest du sicherlich auch einmal hier drin, oder in der Küche aushelfen. Allerdings...“ Irgendwie ist es Azra peinlich, Yasraena darauf anzusprechen, aber sie möchte auch keine verschreckten Gäste, die sich durch entsprechendes Auftreten und ein Schwert genötigt fühlen, etwas zu bestellen. Ganz zu schweigen davon, dass Yasraena sicherlich nicht bei jedem zweiten Gast auf die Frage: "Wieviel kostet´s denn?"erwidern möchte, dass sie kein verirrter Pfirsich sei. „...müsste du dich anders kleiden.“ Kurz überlegt sie und fügt dann hastig noch hinzu: „Oh, keine Sorge, dafür müsstest du nicht aufkommen. Die Arbeitskleidung wird gestellt. Ach, und das Gehalt. Das würde sich auf ungefähr 23 Silberlinge im Jahr belaufen, zusätzlich zu einer kleinen Kammer und drei Mahlzeiten am Tag. Ob du dein Geld in Mondraten, Dreimondraten, Halbjahresraten oder einer Jahresrate ausbezahlt haben möchtest, steht dir frei. Wäre das für dich so in Ordnung?“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Yasraena am 16. Juli 2009, 12:06 Uhr
Nachdem Yasarena aus ihrem Leben am Hof erzählt hat, bietet Azra ihr tatsächlich eine Arbeitsstelle an: >Das klingt doch alles schon sehr gut, Yasraena. Nur haben wir im Moment genug Schankmädchen. Dafür fehlt uns jemand, der sich um das Kleingetier und den Hinterhof kümmert. Hin und wieder, bedingt durch Krankheitsfälle oder Schwangerschaft, könntest du sicherlich auch einmal hier drin, oder in der Küche aushelfen. Allerdings...< Yasarena ahnt schon, was jetzt kommt und bereut es nicht gleich auf ihr Erscheinungsbild eingegangen zu sein. Es ist nicht nur so, dass man die lange Reise an dem Zustand ihrer Kleidung unschwer erkennen kann, vielmehr ist es so, dass ihre schwarze Kleidung von der ganzen Art her so gar nicht recht zu einer Arbeitskraft in einem Gasthaus passen will. Daher nickt Yasraena wissend. Gerade will sie vorschlagen, dass sie von ihrem ersten Gehalt andere Kleidung kaufen wird, doch da kommt Azra ihr auch schon zuvor: >Oh, keine Sorge, dafür müsstest du nicht aufkommen. Die Arbeitskleidung wird gestellt. Ach, und das Gehalt. Das würde sich auf ungefähr 23 Silberlinge im Jahr belaufen, zusätzlich zu einer kleinen Kammer und drei Mahlzeiten am Tag. Ob du dein Geld in Mondraten, Dreimondraten, Halbjahresraten oder einer Jahresrate ausbezahlt haben möchtest, steht dir frei. Wäre das für dich so in Ordnung?<
Yasraena ist einen Moment richtig perplex. Sie würde einen Platz zum Schlafen haben, Essen bekommen und bräuchte dafür schon nicht mehr aufkommen, zusätzlich hätte sie etwas Geld. Nicht viel, zugegeben, wenn man bedenkt, dass sie in den Elbenlanden bei einer wohlhabenden Familie aufwuchs, dennoch ist es mehr als sie auf dem Hof bekommen hatte. Und so beginnen ihre Augen vor Freude zu Glitzern und mit einem strahlenden Lächeln antwortet sie: „Natürlich ist das Ordnung! Wie könnte ich da nicht zustimmen… Und ja, Mondraten wären perfekt.“ Das Strahlen will gar nicht mehr weichen. Sie hat es tatsächlich geschafft, die erste Anfrage in der Stadt und schon hat sie einen Platz, wo sie bleiben kann und sogar Essen bekommt. Nie hätte sie zu träumen gewagt, dass sie die Sache mit der Bleibe und der Arbeit so schnell regeln könnte.
Damit auch nicht der falsche Eindruck von ihr entsteht, stellt sie noch schnell richtig: „Ihr müsst wissen, ich bin wirklich lange gereist und während der Reise hat mir diese Kleidung gute Dienste erwiesen. Auch die Waffen hielt ich für notwendig. Schließlich war ich alleine unterwegs, da kann man nie vorsichtig genug sein.“ Die Blicke der Beiden, welche kurz auf ihrem Umhang ruhen, wo die Umrisse der Waffe erkennbar sind, sind der Elbe nicht entgangen. „Ich werde hier natürlich nicht bewaffnet meiner Arbeit nachgehen,“ ergänzt sie daher noch. Auf dem Hof, hat sie ihre Waffe auch in einer Truhe aufbewahrt und einfache Leinenkleidung getragen, daher sieht sie hier nun wirklich das kleinste Problem.
„Es ist nur so. Man fühlt sich auf weiten Reisen sicherer, wenn man etwas dabei hat, um sich notfalls zu verteidigen. Hier wird es ganz sicher nicht mehr nötig sein. Zudem, ich weiß was für ein Bild ich derzeit bin…“ Das Haar ist zerzaust, die Kleidung beschmutzt. Die weite Reise hat einfach ihre Spuren hinterlassen. „…daher werde ich mich bevor ich meiner Arbeit nachgehe auch darum noch kümmern. Gibt es einen Brunnen, an dem ich mich waschen kann?“ Dann setzt sie, noch immer mit einem Strahlen, eifrig an: „Oh und wann kann ich beginnen? Wer zeigt mir, was es alles zu tun gibt und worauf ich besonders achten soll?“ Gut, wie man Vieh versorgt ist ihr sehr wohl bewusst, dennoch hat ja jeder seine eigenen Sitten. Bei dem Bauer z.B. war es vieles genau festgelegt, z.B. welches Tier wann sein Futter bekommt und sogar in welcher Reihenfolge.

Dann huscht für einen kurzen Moment ein anderer Gedanke durch ihren Kopf. Was wird aus Shunj’anar? Ob das Geld reicht, ihm irgendwo einen Stall zu mieten? Da sie sich nicht recht mit den Gegebenheiten und Möglichkeiten welche diese Stadt bietet auskennt, beschließt sie Azra direkt danach zu fragen: „Ach so, bevor ich es vergesse. Ich bin mit einem Pferd angereist. Einer der Stallburschen war so nett mir zu erlauben, Shunj’anar in eurem Stall unterzustellen.“ Zwar weiß sie um den Wert dieses Hengstes genau Bescheid, kann sich aber nicht vorstellen, dass ihn jemand gestohlen haben sollte.  „ich bräuchte eine Bleibe für ihn. Wisst ihr vielleicht, wo ich einen Stall mieten kann und wie viel ein solcher hier kostet? Ich würde ihn nur zu ungern hergeben wollen. Auch ist es mir wichtig, dass er gut untergebracht ist und nicht gar gestohlen wird.“

zu ungern hergeben… Das trifft es nicht ganz. Genau genommen hat sie sich inzwischen so an das schwarze Temperamentbündel gewöhnt, dass sie sich gar nicht mehr vorstellen kann, ihn überhaupt wieder herzugeben. Ihr ist bewusst, dass sie hier in der Stadt wohl nicht sonderlich viel zu Pferd erledigen wird, dennoch hat er sie die lange Reise über treu begleitet und obgleich sie im Normalfall schon auf ihr Geld guckt und unnötige Kosten scheut, kann sie sich nicht damit anfreunden dieses Tier herzugeben. Stattdessen ist sie sogar bereit die Kosten einer Unterbringung auf sich zu nehmen. Ihr ist durchaus bewusst, dass das Tier den Wert übersteigt, welches sie bei 23 Silberlingen im Jahr, nach 20 Jahren verdient hätte und es somit wirklich einfach nur klüger wäre das Tier zu verkaufen, dennoch will sie sich nicht von dem Schwarzen trennen und hofft, dass zra eine Idee hat, wo sie ihn unterstellen kann.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lyall am 22. Juli 2009, 11:44 Uhr
Lyalls überschwänglicher Redefluss wird sanft von Avila gebremst, die etwas verwirrt dreinschaut. >>„Jetzt aber noch einmal der Reihe nach. Selbstverständlich kann ich Euch helfen zu lernen, mit Geld richtig umzugehen und ich verspreche Euch: Wenn man ein wenig Erfahrung damit hat, zerrinnt es einem auch nicht zwischen den Fingern. Es kommt einfach darauf an, was für einen Lebensstandard man pflegen möchte.“<< Kurz schaut auch Lyall verwirrt aus und ihre Augenbrauen ziehen sich nachdenklich zusammen. Lebensstandard? Was wohl damit gemeint ist… Ich glaube das mit dem Geld wird noch eine komplizierte Sache…, überlegt sie etwas erschöpft hört Avila jedoch weiter aufmerksam zu.
>>„Dieser muss an den eigenen Lohn angepasst sein, sonst stürzt man sich in Schulden. Am besten ich nehme Euch einfach mit zum Markt, dann werdet Ihr es am einfachsten verstehen. Was aber Euren Begleiter angeht, ich weiß nicht, ob Ihr geplant habt, dass er auch im Anwesen de Winter wohnen soll? Dann muss ich Euch leider sagen: Ob die Herrin damit einverstanden ist, weiß ich nicht, da müsst Ihr sie selber fragen. Um ehrlich zu sein bezweifle ich, dass sie jemanden in ihrem Gesindehaus haben will, der nicht für sie arbeitet.“<< Darüber wo ihr Begleiter sich aufhalten würde während sie im Anwesen war, hatte sie sich noch keine Gedanken gemacht. Ihr Gefährte ebenso wenig da sie beide insgeheim wohl nie daran geglaubt hatten, dass Lyall wirklich das Glück haben würde die angebotene Stelle zu bekommen. Vielleicht könnte sie mit dem Geld auch ein Zimmer für Aegnor in der Harfe bezahlen? So richtig wusste sie nicht was er eigentlich in dieser Stadt noch vorhatte. Darüber hatten sie in all den Monaten nie wirklich gesprochen. Alles in Allem war er ein recht stiller Zeitgenosse, was Lyall nicht störte. Doch nun wusste sie auf diese Frage keine Antwort.

Ihre Ohren richten sich wieder auf Avila, als diese weiter spricht.>>„Allerdings hat sie ein großes Herz, also wird sie Lebenspartner bestimmt nicht trennen wollen. Fragt sie einfach selber und legt die Situation dar, dann kann sie entscheiden. Wenn Ihr wollt, kann ich Euch das Anwesen noch heute Abend zeigen, dann seht Ihr auch Eure zukünftige Unterkunft. Ansonsten hole ich Euch morgen ab, ganz wie Ihr mögt.“<< Nach kurzem Zögern bietet ihr Avila sogar das „Du“ an.
Zustimmend nickt Lyall lächelnd mit den Worten: „Ich würde das Anwesen gern heute noch sehen. Ich glaube ich bin viel zu Aufgeregt um bis morgen zu warten! Wartet hier einen Augenblick…“ Langsam steht sie auf um sich nach einer Schankmagd umzusehen. Am anderen Ende des Harfengartens erspäht sie eine der kleinen Mogbar, welche wohl gerade an einem großen Tisch die Bestellungen entgegennimmt. Mulmig ist Lyall schon zwischen den ganzen Tischen hindurch zulaufen und die Blicke zu spüren welche sich wie glühende Dolche in ihren Rücken rammen. Übertreib es nicht… sie schauen ja nur. Und das nicht mal lange… du wirst dich daran gewöhnen müssen… , seufzt sie innerlich.
Sie wartet höflich ab bis die Magd an dem Tisch ihrer Arbeit nachgegangen ist und sich zu ihr umdreht. Lyall bittet sie ihrem Begleiter etwas auszurichten und beschreibt ihn der Mogbar kurz. Nachdenklich legt sich die Stirn der kleinen Person in Falten während sie sich mit dem rechten Zeigefinger ans Kinn tippt. Dann nickt sie um zuzustimmen, dass sie sich an die betreffende Person erinnert.
Knapp erklärt Lyall, ihr Begleiter solle sich keine Sorgen machen und das sie heute schon das Anwesen de Winter besichtigen wird. Wenn ich wiederkomme, werde ich ihm alles ausführlich erzählen. Dann werden wir entscheiden wie es weitergeht und wohin ihn seine Wege führen werden. Kurz Dankt sie der Schankmagd und wendet sich wieder dem Tisch zu an dem Avila sitzt und auf sie wartet.

„Entschuldigt, ich habe nur eine Nachricht an meinen Begleiter ausrichten lassen.“ Etwas unbehaglich ist ihr schon als sie die Worte an ihr Gegenüber richtet: „ Wir…ähm… sind keine Lebenspartner. Ich bin nicht mit ihm über das Feuer gesprungen, wenn ihr das meint. Ich habe ihn im Winter im Wald vor Talyra gefunden. Halb erfroren… Wir waren uns einig, dass wir das gleiche Ziel hatten… nun… sind wir hier… Wir sind sozusagen Weggefährten.“ Kurz lacht sie leise um über ihre Unsicherheit hinwegzutäuschen. So richtig wusste sie nicht was sie waren. Sie mochte ihn und hatte sich an seine Gesellschaft gewöhnt. Ihm schien es nicht anders zu gehen. Sie waren Freunde geworden doch an manchen Tagen waren sie beide recht reserviert dem Anderen gegenüber.
Sie würde ihn einfach Fragen was er noch vorhatte oder ob er weiterziehen würde. Vielleicht würde sie das auch… aber erstmal brauchte sie wohl Geld, so wie sie das verstanden hatte. Und sie konnte nicht leugnen, dass ihr Talyra anfing auf eine seltsame Art zu gefallen. Sie wollte mehr über das Stadtleben wissen. Avila schien die richtige Ansprechpartnerin dafür zu sein und noch dazu war sie sehr nett und zuvorkommend zu ihr gewesen.

Ihre Hände auf die Tischplatte gestützt steht Lyall mit einem Lächeln auf, während ihre Ohren aufgeregt zucken. “Ich bin bereit wenn ihr bereit seid.“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Avila am 31. Juli 2009, 10:12 Uhr
>„Ich würde das Anwesen gern heute noch sehen. Ich glaube ich bin viel zu Aufgeregt um bis morgen zu warten!“<, stellt Lyall überschwänglich fest. So viel Begeisterung ist doch auch mal etwas Schönes. Ich glaube es wird angenehm, mit ihr zu arbeiten. >„Wartet hier einen Augenblick…“<, bittet sie und macht sich auf die Suche nach einer Schankmagd. Nachdenklich schaut Avila ihr nach, Lyalls Körperhaltung macht den Eindruck, dass sie sich zwischen all den anderen Menschen nicht so ganz wohl fühlt. Ich glaube, da gibt es noch ein paar Geheimnisse zu ergründen, nicht zuletzt, wie sie zu diesen Ohren kommt. Lange dauert es nicht, dann ist sie wieder am Tisch und sagt, dass sie eine Nachricht an ihren Gefährten hat ausrichten lassen. Verständnisvoll nickt Avila, es wundert sie ohnehin, dass der Herr nicht persönlich aufgetaucht ist, um sie unter die Lupe zu nehmen. Da beginnt Lyall plötzlich herumzudrucksen, als wäre es ihr sehr unangenehm: >„Wir…ähm… sind keine Lebenspartner.“< Jetzt ist es an Avila leicht rosa anzulaufen. „Oh, bitte entschuldige meine Voreiligkeit!“ >„Ich bin nicht mit ihm über das Feuer gesprungen, wenn ihr das meint.“<, fährt Lyall fort. Was für eine merkwürdige Redewendung, sie muss wirklich von weit weg kommen. Vielleicht kennt sie ein paar spannende Geschichten… Dieser Gedanke gefällt der Herzländerin, sie liebt schon seit jeher Sagen und Legenden aus fernen Ländern. >„Ich habe ihn im Winter im Wald vor Talyra gefunden. Halb erfroren… Wir waren uns einig, dass wir das gleiche Ziel hatten… nun… sind wir hier… Wir sind sozusagen Weggefährten.“< „Oh, achso“, ist alles, was Avila darauf einfällt, denn als Lyall auflacht, hat sie den Eindruck, dass ihr Gegenüber eigentlich nicht so wirklich klar darüber ist, was für eine Beziehung sie zu diesem Stormgrimm eigentlich hat. So, so, es würde mich nicht wundern, wenn der nicht irgendwann auftaucht um zu schauen, ob es seiner Weggefährtin bei uns auch wirklich gut geht. Avila führt zwar jetzt schon seit längerer Zeit keine Beziehung, allerdings wäre sie vor ein paar Jahren beinahe verheiratet worden, ein wenig Ahnung hat sie also schon von Männern. [i]Es gibt nur wenige Männer, die mondelang mit einer Frau zusammen wohnen, sich um sämtliche Geldgeschäfte kümmern und wirklich nur mit ihr befreundet sein wollen. Es kränkt nur bestimmt seinen männlichen Stolz, dass sie ihn damals gerettet hat. Wohlweißlich verliert die Herzländerin darüber kein Wort, sie wird ja sehen, ob sich ihre Vermutung bestätigen wird, oder nicht. >“Ich bin bereit wenn ihr bereit seid“<, verkündet Lyall frei heraus und ihr ist ihre Aufregung anzusehen. „Von mir aus gerne, ich bezahle nur schnell.“ Eine flinke Magd nimmt ihr Lächelnd die Münzen ab und wünscht noch einen schönen Tag, was Avila erwidert, dann greift sie sich ihren Korb mit den Einkäufen und winkt Lyall hinter sich her.

---> Anwesen de Winter

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 31. Juli 2009, 18:16 Uhr
Yasraenas Gesicht erhellt sich schlagartig und die Freude in ihren Augen ist ansteckend. „Natürlich ist das Ordnung! Wie könnte ich da nicht zustimmen… Und ja, Mondraten wären perfekt.“ Azra nickt, lächelt, nickt noch mehr und strahlt gleich darauf wie ein Stern. Vergessen sind das ungewöhnliche Auftreten und das Zischen ihres Gegenübers und die letzten Zweifel lösen sich in Luft auf. Schon will Azra sich kurz mit Borgil über die Unterbringung Yasraenas unterhalten, um ihr gleich einen Einblick in das Innenleben der Harfe zu bieten, als diese auch schon munter weiter plappert und sich in einem einzigen, langen Wortschwall für ihre Erscheinung und ihre Waffe rechtfertigt, fragt, ob es einen Brunnen gibt, wann sie denn anfangen könne und wer sie einweisen wird. So viel Begeisterung hat Azra angesichts des eher unvorteilhaften Arbeitsangebots nicht erwartet, aber es wärmt ihr das Herz und lässt ihre Wangen rosa glühen. Und irgendwie ist sie auch ein kleines bisschen stolz. Auf das was sie alles hat und was sie bieten kann. Borgil, ihre Söhne, die Harfe... „Oh, ich glaube“, beginnt sie und sieht zu ihrem Mann: „das du sofort anfangen kannst, wenn du denn willst.“ Borgil nickt zustimmend, drückt Azra dann einen Kuss auf die Schläfe und meint brummend, dass sie die Formalitäten ja auch ohne ihn klären könnten, er würde sich dann weiter den Büchern widmen. „Mhm“, meint Azra, stiehlt ihm aber doch noch einen richtigen Kuss, Kundschaft und Fremde hin oder her.
Sie wartet, bis Borgil hinter dem Tresen verschwunden ist, und nimmt dann Yasraena gegenüber Platz. Kurzum greift sie auf, was Yasraena so breitwillig erzählt hat, um keinen schlechten Eindruck zu hinterlassen. „Keine Sorge, ich weiss wie gefährlich das Wandern sein kann. Borgil war bis an die Zähne bewaffnet, als wir durch Sûrmeras Wälder gereist sind. Was den Brunnen angeht. Ja, haben wir, aber ich glaube ein Bad würde dir gut tun.“ Fachmännisch begutachtet Azra an dieser Stelle die staubige, stellenweise vor Dreck starrende Kleidung, die schlammbespritzten Stiefel und das wirre Haar. Ja, ein Bad wäre mitunter sicher nicht die schlechteste Lösung. „Und wie gesagt, du könntest sofort anfangen. Einweisen werde ich dich, da Freda, die sich bisher um das Kleinvieh gekümmert hat, schon sehr alt ist und unter starken Rückenschmerzen leidet. Sie wird sich freuen, Hilfe zu bekommen. Sollte sie am Anfang etwas harsch sein, nimm es nicht persönlich, eigentlich hat sie ein Herz aus Gold. Und eine Zunge aus gewetztem Eisen, aber ich glaube, damit kommst du schon zurecht.“ Zumindest in diesem einen Punkt ist sich Azra sicher: Yasraena ist nicht auf den Mund gefallen.

Dafür fallen ihr gewisse Dinge reichlich spät ein. „Ein Pferd?“, hakt Azra unsicher nach, als Yasraena ihre Ausführungen beendet hat und zieht eine zweifelnde Miene. „Ich weiss nicht so recht…“ Kurz geht Azra sämtliche Möglichkeiten durch, die ihr einfallen, aber darunter ist keine, die mit einem Lohn von nur 23 Silberlingen im Jahr konform geht. Vielleicht könnte er sich seinen Platz durch Feldarbeit verdienen, überlegt sie und fragt Yasraena, um was für ein Tier es sich denn handle. Azra hat zwar nur wenig Ahnung von den immerlandschen Pferderassen, aber als Shunj’anar sich als waschechter, pechschwarzer, und obendrein temperamentvoller Culyah-Hengst entpuppt werden ihre Augen doch gross und rund. „Ein Cul-Hengst?“ Es fällt Azra schwer ihr Erstaunen zu verbergen. Sie hat noch nicht oft ein Feuerblutpferd zu Gesicht bekommen. Einmal auf dem Tiermarkt in Sûrmera und für das Geld, dass der Verkäufer für den Wallach verlangt hatte, hätte eine grosse Familie sich ein ganzes Jahr gut ernähren können... ein hartes, von Missernten geplagtes Jahr mit einem trockenem Sommer und eiskaltem Winter.
„Also nur mit deinem Lohn“, gibt Azra schliesslich ehrlich zu bedenken: „kannst du dir keine Unterkunft für deinen Hengst leisten. Allerdings, ich meine… ich schätze einige von Talyras Pferdebesitzer würden gute Summen für ihn als Deckhengst zahlen. Damit liessen sich die grössten Kosten mit Sicherheit decken. Und wenn du wirklich gut reiten kannst, äh, was du wohl können musst, bei so einem Pferd, dann würde ich dir empfehlen am Shenrarennen teilzunehmen, das alle zwei Jahre stattfindet. Das Preisgeld ist nicht zu verachten. Weißt du was? Ich rede darüber noch einmal mit Borgil. Dann kann ich dir auch gleich sagen, wen du, sofern du ihn als Deckhengst einsetzen möchtest, kontaktieren kannst. Borgil kennt ganz Talyra und die Umgebung obendrein. Dann liesse es sich sicherlich auch einrichten, dass Shunj’anar in unserem Stall stehen bleiben kann… vielleicht nur nicht ganz so nah bei Njördyr… äh… das ist Tiuris Hengst, also der Hengst von Borgils Ziehsohn, ein wahres Ungeheuer… also… nicht wirklich, aber ich gehe davon aus, dass die beiden sich nicht verstehen würden. Wie gesagt, ich rede heute Abend mit Borgil darüber und dann kannst du dich morgen ja entscheiden.“ Das sie das Tier ansonsten wohl oder übel verkaufen muss, sofern sie wirklich hier arbeiten will, erwähnt Azra lieber nicht. Irgendwie geht sie davon aus, dass Yasraena das selbst weiss.
„Und nun hol dein Gepäck, derweil ich den Tisch kurz abräume. Dann zeig ich dir dein Zimmer und dann kümmern wir uns um deine Kleidung. Sag Link, dem Stallburschen, dass du ab sofort hier arbeitest und du dein Pferd vorerst hier unterstellen darfst. Er soll sich um dein Tier kümmern.“
Gesagt getan. Derweil Yasraena in Richtung Stallungen verschwindet, macht Azra den Tisch sauber, informiert Halla, Sigrun, Marthea und Grid über die gegebenen Umstände und ordnet an den Badezuber vorzubereiten. Kurz darauf steht Yasraena auch schon wieder im Schankraum, beladen mit zwei grossen Beuteln, einer Satteltasche und einer zusammengerollten Decke. Lächelnd deutet Azra ihr an zu folgen, führt sie dann die Treppe hinauf und fängt an munter zu erzählen. „Hinter dem Tresen geht es direkt in die Küche. Den Gang, den du vielleicht hinter der Treppe gesehen hast, führt zu Borgils und meinen Privatgemächern. Du kannst jederzeit anklopfen, sollte etwas sein. Ach, und erschrick nicht, solltest du hier regelmässig zwei rothaarige Jungen herumtollen sehen, das sind meine.“ Deutlich schwingt an dieser Stelle der Stolz in ihrer Stimme mit, bevor sie die Stille bemerkt und rasch fortfährt: „Die Treppe führt zu den Gastzimmern, weiter hinten liegen die Gesindekammern. Du wirst ein Zimmer noch einen Stock weiter oben beziehen. Es ist zwar nicht gross, aber gemütlich und sogar im kältesten Winter immer warm. Wir haben erst vorletzten Sommer angebaut, um mehr Platz zu schaffen. Du wirst aber im alten Teil der Harfe wohnen. Im dem neuen Anbau finden sich noch ein paar Gastzimmer, sowie zwei weitere private Zimmer, darunter das von Tiuri. Den wirst du auch noch kennen lernen. Die Mädchen und die Verantwortlichen stelle ich dir aber erst morgen vor. Es ist besser, wenn du dich jetzt erst einmal einrichtest und dich ausruhst. So, jetzt hier noch die Treppe rauf und dann…“ Flink rafft Azra ihre Röcke, erklimmt die steile Stiege und steht gleich darauf mit Yasraena zusammen in dem Zimmer, dass einmal Tiuri bewohnt hatte. Die Dachschrägen verhindern zwar, dass man ausser in der Mitte des Zimmers aufrecht stehen kann – sofern man nicht Azra heisst -, aber es ist durchaus geräumig. In einer Ecke steht ein robustes Bett aus Eichenholz mit einer strohgefüllten Matratze und einer Wolldecke, daneben eine grob gehauene, aber durchaus grosse Holztruhe, direkt gegenüber ein kleiner, schlichter Tisch und ein Stuhl und abgerundet wird die eher spärliche Einrichtung durch eine hübsche, kleine Eichenholzkommode mit Eisenbeschlägen. „Ich bringe dir noch einen Kerzenhalter und ein paar Kerzen, damit es hier etwas gemütlicher wird. Seit Tiuri hier ausgezogen ist, wurde es nicht mehr bewohnt, entschuldige daher den Staub. Das wird natürlich noch geputzt. Und das Stroh in der Matratze noch gewechselt. Und ich werde auch die Vorhänge wieder anbringen. Und… nun ja, morgen Abend, wart es ab, sieht es gleich ganz anders aus.“ Damit lässt sie Yasraena etwas Zeit sich umzusehen – und wippt dabei angespannt wie eine Sprungfeder von den Zehen zu den Fussballen. „Naaa?“, fragt sie irgendwann neugierig: „Gefällt es dir? Ich weiss ja“, fügt sie hastig hinzu und wird etwas rot um die Nase: „es ist bestimmt nichts Besonderes, aber wir geben uns immer Mühe, damit die Leute sich hier wohlfühlen. Hm, mach es dir doch einmal gemütlich, Liza, eines der Zimmermädchen, wird dich holen, sobald der Badezuber gefüllt ist. Falls es dir nichts ausmacht, komm ich dann mit der Kleidung kurz zu dir, damit wir schauen können, ob dir etwas passt, oder wir noch etwas ändern müssen.“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Yasraena am 04. Aug. 2009, 11:16 Uhr
Nachdem Yasraena nach einem Brunnen gefragt hat, erklärt Azra ihr, dass ihr ein Bad wohl besser tun würde.
Ein Bad… Ein richtiges Bad… An ein solches hat Yasraena nicht zu träumen gewagt. Sie weiß nicht einmal mehr wie lang ihr letztes Bad her ist. In letzter Zeit mussten Fluss- und Bachwasser zum Waschen reichen. Die Freude, welche in ihren Augen glitzert will kein Ende mehr finden. Während dessen erklärt Azra, dass sie von ihr selbst und Freda eingewiesen werden wird und warnt davor, dass Freda vielleicht anfangs etwas harsch sein könnte, doch damit kann Yasra leben.

Danach kommt jedoch die Sprache auf Shunj’anar und aus Azras grübelnden Gesichtsausdruck schließt Yasra, dass diese selbst nicht recht zu wissen scheint, wo man das Pferd günstig unterbringen könnte. Nach kurzem Schweigen erklärt Azra, Yasraena, dass ihr Gehalt alleine für die Unterbringung des Pferdes nie und nimmer reichen wird. Irgendwie hatte sie dergleichen schon befürchtet. Aber ein Verkauf ist für sie keine Option. Daher muss sich einfach eine Lösung finden lassen. Azra erzählt weiter, dass das Pferd als Deckhengst gutes Geld einbringen könnte. Yasraena ist gleich von der Idee begeistert. Auch das Shenrarennen von dem Azra erzählt klingt sehr interessant. Vielleicht, wenn er einen guten Platz macht, würde er bekannt und neben dem Preisgeld würden sicher viel mehr Interessenten ihre Stuten von ihm gedeckt haben wollen. Ein Grinsen zieht sich über Yasraenas Gesicht, ja das wäre eine gute Option. Azra fährt während dessen unbeirrt fort: >Ich rede darüber noch einmal mit Borgil. Dann kann ich dir auch gleich sagen, wen du, sofern du ihn als Deckhengst einsetzen möchtest, kontaktieren kannst. Borgil kennt ganz Talyra und die Umgebung obendrein.< noch immer ein strahlendes Lächeln im Gesicht antwortet Yasraena: “Darüber wäre ich überaus dankbar.“

Nach dem Gespräch mit Azra holt Yasraena schnell ihre Sachen aus dem Stall und spricht kurz mit dem Stallburschen Link. Er scheint sehr überrascht zu sein, dass jemand, der sich ein solches Pferd leisten kann, künftig hier arbeiten wird. Doch einem kurzen skeptischen Gesichtsausdruck des Burschen, nimmt er es zur Kenntnis und scheint sich auch nicht weiter dafür zu interessieren. Stattdessen versorgt er, wie Azra ihm durch Yasraena aufgetragen das Pferd. Eilig schleppt Yasraena ihre Sachen zurück in die goldene Harfe, wo sie sogleich von Azra empfangen wird. Diese erklärt der Elbe auch gleich, in welchen Gängen sich welche Räume befinden und verschafft ihr einen groben Überblick über das Gebäude. Den Stolz in Azras Stimme, als sie kurz ihre Söhne erwähnt, hört Yasraena gleich heraus und ein Lächeln huscht über ihr Gesicht. Kinder hatte sie irgendwie immer schon gern. Auch wenn sie selbst nicht recht weiß was sie an ihnen faszinierend fand. Die unbekümmerte Art, mit der Kinder die Welt sahen? Die blühenden Fantasien mit der sie ihre Spiele auslebten? Oder war es einfach der Traum einer Kindheit wie Yasraena selbst sie nie hatte? Doch das sind Dinge, über die sich die Elbe keine Gedanken machen möchte, und die sie schon vor langer Zeit aus ihren Grübeleien verbannt hat.

Inzwischen führt Azra sie weiter durch das Gebäude und erzählt von dem Zimmer, das Yasraena bewohnen soll. Mit den Worten > Die Mädchen und die Verantwortlichen stelle ich dir aber erst morgen vor. Es ist besser, wenn du dich jetzt erst einmal einrichtest und dich ausruhst. So, jetzt hier noch die Treppe rauf und dann…< schließt sie ihre Ausführungen. Ja, nach der reise würde ihr es tatsächlich gut tun, wenn sie erst morgen mit der Arbeit beginnt und sich stattdessen etwas erholt, auch würde sie sich gerne noch etwas umsehen und vielleicht gegen Nachmittag oder frühen Abend einen kleinen Spaziergang unternehmen.

Inzwischen öffnet Azra die Tür zu dem Dachzimmer und Yasraena raubt es glatt die Sprache. Zugegeben es ist ein wenig verstaubt, aber das würde sich mit einigen Lappen und einem Eimer Wasser schnell ändern lassen. Die Dachschrägen verhindern, dass man im größten Teil des Raumes aufrecht stehen kann, aber das sind Kleinigkeiten, welche Yasraena nicht weiter kümmern. Der Raum ist gemütlich und das ist alles was zählt. Yasraena lässt den Blick weiter durch den Raum schweifen und kommt zu dem Schluss, dass sie es sich hier durchaus gemütlich einrichten kann. Nicht gleich, aber das eilt ja auch nicht. Dann bleibt ihr Blick auf dem Bett hängen und ihre Mundwinkel verziehen sich schon wieder zu einem Lächeln.
Ein Bett… schießt es ihr durch den Kopf. Endlich keine Nächte mehr im Freien, wo sich einem Wurzeln und ähnliches in den Rücken bohren. Und obgleich das Bett aus einer einfachen Strohmatratze besteht, erschient es Yasraena derzeit wie der größte Luxus auf Rohas Rund. Dann erblickt sie die Holztruhe, in der sie ihre wenigen Sachen verstauen kann. Selbst eine kleine Sitzecke ist vorhanden. Yasraena ist von dem Zimmer, ihrem Zimmer, richtig begeistert und als Azra noch erwähnt, dass dieses noch geputzt wird, murmelt Yasraena glücklich: „Mach dir keine Umstände, wenn man mir sagt wo ich Eimer und Lappen finde, kümmere ich mich selber darum.“  Doch Azra scheint sie nicht gehört zu haben, zumindest plappert sie ungehindert weiter: >Und das Stroh in der Matratze noch gewechselt. Und ich werde auch die Vorhänge wieder anbringen.<
Vorhänge? Das alles klingt zu schön um wahr zu sein und als Azra noch fragt wie es ihr gefällt findet Yasraena noch immer keine rechten Worte, weshalb Azra auch gleich weiter redet: >Es ist bestimmt nichts Besonderes, aber wir geben uns immer Mühe, damit die Leute sich hier wohlfühlen. Hm, mach es dir doch einmal gemütlich, Liza, eines der Zimmermädchen, wird dich holen, sobald der Badezuber gefüllt ist. Falls es dir nichts ausmacht, komm ich dann mit der Kleidung kurz zu dir, damit wir schauen können, ob dir etwas passt, oder wir noch etwas ändern müssen.<

Nun hat Yasarena auch endlich ihre Worte wieder gefunden und gerührt ob des wunderhübschen Zimmers bedankt sie sich mit leicht zittriger Stimme bei Azra: „Es ist wirklich wunderhübsch. Danke.“ Mit einer Handbewegung zeigt sie, dass sie das ganze Zimmer meint. „Und natürlich kannst du mit der Kleidung zu mir kommen. Ich würde mich freuen, diese gleich anzuprobieren, denn ich denke wenn ich nach dem Bad meine Reisekleidung wieder anziehe war das Bad fast schon umsonst.“ Yasraena deutet auf die stellenweise wirklich dicken Dreckkrusten, welche ihre Kleidung beschmutzen. „Diese werde ich erst einmal waschen müssen.“

Nachdem Azra wieder gegangen war, womöglich um einige Kleidungsstücke herauszusuchen, packt Yasraena erstmal ihre Reisetaschen aus und verstaut diese in der Holztruhe auch ihre Waffen legt sie nach kurzem Zögern dort hinein. Dann legt sie auch ihren Umhang ab und breitet diesen über den Waffen aus. Vorerst wird sie die Klingen wohl hier lassen, auch wenn sie sich ohne ein wenig nackt vorkommt.
[i]Auf dem Gehöft bist du auch sehr gut ohne ausgekommen, da wirst du dich hier auch dran gewöhnen. Außerdem kannst du sicher anfangs, wenn du in der Stadt noch unsicher bist auf Spaziergängen den Stiefeldolch mit nehmen,“ versucht sie sich selbst zu überzeugen. Dann klopft es auch schon an der Tür und eines der Zimmermädchen kommt herein. „Ich bin Liza und ihr müsst Yasraena sein,“ stellt sich das Zimmermädchen vor, ehe es Yasraena zum Zuber führt. Lächelnd bedankt Yasarena sich. Nachdem das Zimmermädchen wieder gegangen ist, legt die Elbe ihre schwarze Lederkleidung ab und steigt in das warme Wasser. Seifen und Bürsten liegen bereits bereit und Yasraena beginnt sich gründlich den Schmutz der Reise von der Haut zu schrubben und ihr Haar zu waschen. Auch eine Haarbürste liegt bereits bereit und so beginnt Yasraena ihr Haar zu entwirren und von Knoten und Filz zu befreien, so dass es kurz darauf glatt und nass auf ihren Schultern liegt. Nach einem ausgiebigen Bad, das nicht nur ihren Körper reinigt sondern nach der langen Reise einfach wohltuend ist, wickelt sie sich in einige der bereitgelegten Handtücher und beginnt sich sorgsam abzutrocknen, als es auch schon klopft und nachdem Yasarena Azra  hereingebeten hat, schlüpft diese auch schon mit den Armen voll Kleidern durch die Tür.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 08. Aug. 2009, 17:48 Uhr
Azras schlimmste Befürchtung, Yasraena könnte sich nicht wohl fühlen, oder gleich auf dem Absatz kehrt machen, bleibt unbestätigt. Ganz im Gegenteil. Die Elbe sieht sich mit grossen Augen um und bedankt sich dann mit zittriger Stimme für das wunderhübsche Zimmer. „Oh“, fiepst Azra ganz verlegen und spürt, wie ihr die Röte über die Wangen kriecht. Sie scheint gar keine grossen Ansprüche zu haben. Ob sie es sich nicht gewohnt ist? Aber woher dann die Kleidung und das Schwert? Die sehen nämlich gar nicht nach schlechter Herkunft aus, auch ist die Aufmachung gewöhnungsbedürftig. Azra beschliesst Yasraena einfach später nach ihrer Herkunft und dem Grund für ihre lange Wanderung zu fragen. Aber erst nach dem Bad, sonst erstickt mir das arme Ding noch in dem ganzen Schmutz. „Komm, gib mir doch schon einmal den Umhang. Heute Abend steht noch eine Wäsche bevor und es dauert immer so lange, bis der dicke Stoff trocknet.“ Mit diesen Worten schnappt Azra sich das dicke, schwarze Stoffbündel und stiefelt gekonnt wieder die Treppe hinunter. Erst einmal wieder unten angekommen, schafft sie den Umhang zum Rest der Wäsche, kontrolliert im Schankraum kurz die anwesenden und neu eingetroffenen Gäste, grüsst hier und da, versichert sich dann, dass der Badezuber in Arbeit ist, schneit noch einmal kurz bei ihren Söhnen und Borgil vorbei, drückt allen drei einen herzlichen Kuss auf Wange beziehungsweise Mund und macht sich dann auch schon daran in der Holztruhe im Allesnichts Raum, wo sie, wie der Name schon sagt, Alles und Nichts aufbewahren, die gesammelte Schankmädchenkleidung gefühlter zweihundert Jahre zu durchwühlen. Azra selbst ist nicht wählerisch, was ihre Kleidung angeht. Solange sie den turbulenten Alltag in einem vielbesuchten Gasthaus durchhält, ist ihr eigentlich alles recht. Aber in dieser Truhe finden sich Kleidungsstücke, die wahrscheinlich noch aus der Zeit Tamarlons stammen. „Oder dem Imperium von Ur“, nuschelt Azra fast schon entsetzt und hebt mit spitzen Fingern eine Art Unterhose in die Höhe, in die Yasraena gleich dreimal hineinpassen würde.
Schwer beladen mit einem ganzen Haufen an Röcken, Kleidern, Hemden, Blusen, Strümpfen, Tüchern und Unterwäsche begibt sich Azra zum Waschzimmer. Da es sich mit vier Dutzend Lagen Stoff auf den Armen nur schwer anklopfen lässt, tritt sie zweimal mit dem Fuss gegen die Tür: „Yasraena, ich bin es, Azra. Kann ich hereinkommen?“ Ein gedämpftes „Ja“ dringt durch das Holz. Erleichtert stösst Azra den Eingang mit der Schulter auf, schiebt ihm mit dem Rücken wieder zu und blinzelt über den Kleiderhaufen zu Yasraena auf. Das Bad hat der Elbe offensichtlich gut getan. Ihre Haut ist wieder makellos weiss, das Haar hängt ihr wie flüssiges Silber über die Schultern und auf ihrem Gesicht liegt ein entspanntes Lächeln.

Zufrieden nickt Azra und lässt den Kleiderstapel auf den Stuhl neben der Kommode mit der Waschschüssel fallen. „Du siehst schon viel besser aus“, merkt sie mit Wohlwollen an, nur um sich gleich darauf auf die Zunge zu beissen und mit sich überschlagender Stimme hinterherzusetzen: „Also, ich meine, das war jetzt nicht, also, du sahst vorher schon nicht schlecht aus, es ist nur, also, sauber, Dreck weg... und so... ich meinte, jetzt sieht man endlich wie hübsch du eigentlich bist.“ Ha!, triumphiert Azra innerlich und atmet erleichtert die angehaltene Luft aus, Gerettet! „Hier“, wechselt sie rasch das Thema, um nicht vielleicht doch noch ein Fettnäpfchen zu erwischen. Vorsichtig nimmt sie das erste Kleid vom Stapel – ein einfaches, hellblaues Leinenkleid – und reicht es an Yasraena weiter: „Die Sachen müssten dir passen, aber wie gesagt: einige Dinge können wir auch noch einnehmen. Probier sie einfach mal an. Wenn es dich nicht stört“, und prompt schleicht sich wieder ein Hauch von Rosa auf Azras Wangen, den sie aber bewusst ignoriert – ein altes Leiden, dass sie wohl nie loswerden wird -, „bleibe ich dabei und merke mir gleich, welche Stücke noch geändert werden müssen. Es sind alte Kleidungsstücke von ehemaligen Schankmädchen, alle gewaschen und geflickt. Vielleicht riechen sie noch ein bisschen verstaubt. Ich hänge sie morgen über den Tag noch hinaus an die Sonne, danach kannst du sie tragen.“
Yasraena scheut gar nichts und probiert das Kleid sofort an. Azra hilft ihr dabei die Bänder im Rücken zu schnüren und reicht ihr dann noch einen schlichten Ledergürtel, der, nach seinem Aussehen zu urteilen, schon einiges mitgemacht hat. Die Farbe des Kleides harmoniert wunderbar mit Yasraenas hellem, klarem Blick und seltsamerweise scheint es perfekt zu passen. „Hier“, schiebt Azra noch hinterher und lässt die Elbe noch in einen dazu passenden Unterrock, Strümpfe und ein Paar halbhoher Schuhe schlüpfen. Fachmännisch begutachtet sie das Werk und strahlt gleich darauf wie ein Keks: „Das sieht wundervoll aus. Denk aber daran, dass du die Sachen, solltest du sie verlieren, selbst ersetzen musst. Vor allem die Schuhe sind noch ziemlich neu, gerade mal ein halbes Jahr alt. So, jetzt das hier.“
Und in diesem Ton geht es weiter und Yasraena zeigt Geduld und probiert auch brav alles an. Einige Dinge passen gut, andere sind viel zu weit oder viel zu klein und der Haufen herumliegender Kleider wächst und wächst und wächst. Irgendwann, sie sind gerade bei einem grauen Überwurf, einem weissen Hemd und bequemen, schwarzen, wenn auch etwas zu losen Lederhosen angekommen, als Azra all ihren Mut zusammenkratz und sich scheu erkundigt: „Sag Yasraena, woher kommst du eigentlich? Also... ich meine, wo hast du gelebt, bevor du auf dem Gestüt gearbeitet hast?“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Yasraena am 11. Aug. 2009, 11:58 Uhr
>Du siehst schon viel besser aus< teilt Azra mit. Kurz darauf scheint ihr jedoch erst richtig bewusst geworden zu sein, was sie da gesagt hat und sie versucht sich sogleich wieder herauszuwinden: >Also, ich meine, das war jetzt nicht, also, du sahst vorher schon nicht schlecht aus, es ist nur, also, sauber, Dreck weg... und so... ich meinte, jetzt sieht man endlich wie hübsch du eigentlich bist.< Alleine schon die Art mit der sich Azra versucht herauszureden und die Röte, die ihr nicht gerade selten ins Gesicht zu steigen scheint, wirken irgendwie niedlich und Yasraena muss regelrecht Grinsen ob der Verlegenheit ihres Gegenübers. Mit einem Schmunzeln und einem fröhlichen Glitzern in den Augen erwidert Yasra: „Du brauchst dich nicht rechtfertigen. Ich weiß ja selber welch einen Anblick ich geboten habe und wie ungepflegt und schmutzig ich hier aufgetaucht bin.“ Obgleich Yasraena Azra erst vor wenigen Stunden kennengelernt hat, kann sie jetzt schon nicht mehr verstehen, wie sie anfangs überhaupt ein solches Misstrauen gegenüber dieser herzensguten Seele hegen konnte. Azra versucht währenddessen schnell vom Thema abzulenken und reicht das erste Kleid zur Anprobe. Kurz mustert Yasraena das hellblaue Leinenkleid, dann schlüpft sie auch schon hinein. Azra scheint begeistert und reicht ihr auch gleich noch Unterrock, Schuhe und Strümpfe. Auch Yasraena selbst gefällt das blau des Kleides sehr gut. Natürlich, es ist etwas zu hell für ihren Geschmack, aber dennoch scheint es mit der weißen Schnürung sehr gut zu ihrer hellen Haut zu passen. Überhaupt sitzt dieses Kleid wirklich sehr gut. Mit einer weißen Schürze würde es sicher sehr passend aussehen und vor Allem würde sie nicht mehr so bedrohlich wirken, wie in all ihrem Schwarz. Ihre totenbleiche Haut und das Schneeweiße Haar wirken einfach auf schwarzer Kleidung noch weit fremder und gefährlicher als wenn sie helle Farben trägt.

Yasraena und Azra arbeiten sich so durch immer mehr Kleidungsstücke. Inzwischen gibt es einen ganzen Berg voll Kleidung welche nicht in Frage kommt und einen kleineren Haufen mit Kleidungsstücken, welche in die engere Auswahl kommen. Darunter auch das blaue Leinenkleid, eine Leinenhose in beige, eine weiße kleine Schürze, ein einfaches hellblaues und ein sandfarbenes Tuch, das sich Yasraena sowohl um die Schultern legen könnte, als auch für den Kopf nutzen könnte, um ihre weiß-silbrigen Haare da drunter zu verbergen.
Als sie bei einem weißen Schnürhemd angelangt sind, welches hervorragend sitzt und Yasraena ebenfalls sehr gefällt und in Kombination mit der Leinenhose richtig gut passen würde, ergreift Azra das Wort: >Sag Yasraena, woher kommst du eigentlich? Also... ich meine, wo hast du gelebt, bevor du auf dem Gestüt gearbeitet hast?<
Yasraena hatte sich für diese Fragen so viele Halbwahrheiten zu Recht gelegt. Klar, dass sie in den Elbenlanden gelebt hat, daraus braucht sie kein großes Geheimnis machen, nichts desto trotz hat sie sich für alle möglichen Fragen bereits passende Antworten vorbereitet. Doch ob Azras freundlicher Art und der Tatsache, dass sie sich selbst um ein Mischlingskind mit Shebaruc-Erbe handelt, bleibt Yasra einfach bei der Wahrheit als sie offen und gerade heraus zu erzählen beginnt: „Nun, ich will ehrlich sein, ich hatte nicht vor überhaupt jemals über meine Vergangenheit zu reden, aber ich hatte auch nicht erwartet, dass ich hier jemanden treffen würde, in dessen Adern ebenfalls das Blut der Shebaruc fließt.“ Yasraena lächelt ein wenig unsicher. Leicht darüber zu reden fällt es ihr nicht, aber auch sie selbst ist sehr neugierig woher Azra stammt und wie sie gelebt hat, bevor sie in diese Stadt kam. Bei den Göttern, vielleicht werde ich niemals wieder solch einen Mischling wie mich selbst treffen. Yasraena hat so viele Fragen, dass auch sie bereit ist ein wenig über sich zu erzählen und so fährt sie nach einer Pause fort: „Meine Mutter ist eine Shida’ya. Aber, wie du richtig vermutet hast fließt in mir auch das Blut eines Shebarucs.“ Ein eisiger Schatten legt sich über den Blick Yasraenas als sie kurz auf ihren Vater zu sprechen kommt, ohne jedoch das Wort Vater tatsächlich zu benutzen. Auch scheint es, dass ihr Blick auf etwas ruht, was in weiter Ferne liegt und sowohl einer anderen Zeit als auch einem ganz anderen Ort betrifft. Ihre Gesichtszüge, die gerade noch freundlich wirkten, verhärten sich ein wenig. Obgleich Yasraenas Mine starr und unfreundlich wirkt, ist es eindeutig, dass dies einzig mit ihrer Vergangenheit zu tun hat und nicht auf ihr Gegenüber zu beziehen ist. „Wir haben bei IHM gelebt, also meine Mutter und ich.“ Alleine an der Art wie sie ihn betont und seinen Namen nicht einmal nennt oder gar das Wort Vater benutzt, lässt sich leicht schließen, dass sie nicht sonderlich viel von ihm und dem Erbe das sie in sich trägt hält. „Später konnten meine Mutter und ich fliehen. Wir zogen in die Elbenlande zu ihrer Familie zurück. Aber… Nun, versteh mich nicht falsch, ihre Familie war nett zu mir und hat es mir an nichts fehlen lassen. Dennoch habe ich mich nie wirklich richtig heimisch gefühlt. Ich bin anders und so sehr man sich bemüht hat mich normal zu behandeln, war es doch offensichtlich dass ständig irgendjemand fürchtete, irgendetwas von IHM könnte auch in mir sein und irgendwann durchkommen. Kurz, ich habe mich nie wirklich wohl gefühlt unter all den reinblütigen Elben und so entschloss ich mich anderswo mein Glück zu suchen. So kam ich auf den Hof und als der tragische Tod die Bauersfrau ereilte, kümmerte ich mich so gut ich konnte um alle möglichen Dinge. Aber auch dort gehörte ich nicht recht hin. Die anderen Leute auf den Hof waren nett und haben nie zu viele Fragen über meine Herkunft gestellt. Sie haben mich akzeptiert, mochten mich irgendwo sogar.“ Für einen kurzen Moment huscht ein wehmütiges Lächeln über Yasraenas Gesicht, ehe sie fortfährt: „aber dennoch war es nicht immer leicht. Manchmal waren es Reisende, manchmal waren es Bürger der anliegenden Orte, welche mir diese Blicke zuwarfen. Hinter mir wurde getuschelt. Aber das ist dir sicher nicht unbekannt.“ Yasraena hält wieder einmal inne und betrachtet die Rektion Azras prüfend, ehe sie ihre Erzählungen weiterführt: „Eines Tages kam dieser fahrende Händler mit seinem Karren. Er erzählte so viel von Talyra und was er dort alles schon für Gestalten gesehen hätte. Nun, ich habe nicht lange darüber nachgedacht und der Entschluss war schnell gefasst. So gab ich mein letztes Gold für Shunj’anar aus. Ich weiß, ein einfaches Reitpferd hätte es auch getan. Dann hätte ich auch noch Münzen gehabt um mir hier etwas aufzubauen. Einfache Arbeitstiere hatte der Hof genug. Diese wurden dort auch gezüchtet. Aber Nachtschatten, wie der Schwarze ursprünglich in der Allgemeinsprache hieß, gehörte der Frau des Bauern und er brauchte es nach ihrem Tod kaum noch über sich, das Tier auch nur anzusehen. Aber ihn einfach irgendwohin verkaufen, das brauchte er auch nicht über sich. Sie hing so an dem Tier. Nun, da ich mich ohnehin viel um den Hengst gekümmert hatte, habe ich ihm das Tier dann abgekauft. Er war sich sicher, dass ich mich gut um ihn kümmern würde und brauchte durch ihn nicht immer an seine Frau erinnert werden. So kam es, dass ich mich dazu entschloss den Schwarzen mit zu nehmen und mit dem Gedanken an ein Talyra, indem ich laut dem Händler nicht einmal auffallen sollte, kam ich hierher um ein neues Leben anzufangen. Ich bin schon eine Weile in den Umlanden unterwegs und hätte schon vor einigen Tagen hier sein können. Doch irgendwie war ich dann, als mein Ziel direkt vor mir lag doch etwas unentschlossen.“ Man könnte es auch als Angst bezeichnen. Aber zuzugeben, sich wirklich zu fürchten fällt der Elbe einfach schwer. Zu viele furchtsame Dinge hatte sie erlebt, zu viele Grausamkeiten gesehen und dann fürchtete sie sich einzig davor, dass ihre Träume und Ideen von einem Talyra, in dem sie sich wohlfühlen könnte, einer Stadt in der sie ein normales Leben führen könnte, nicht der Realität entsprechen könnten. Das war einfach zu absurd. „Hätte ich nicht den Zentaur  – was für imposante Wesen das doch sind – mit seiner menschlichen Begleitung getroffen…“ Und für einen Moment leuchten und funkeln ihre Augen, wie das eines kleinen Kindes, welche sich über solch einfache Dinge wie einen bunten Schmetterling zu freuen vermag. „…ich wäre wohl noch heute in den Umlanden“ Einen kurzen Moment schweigt Yasraena und wartet ab, wie Azra ob dieser doch etwas längeren Geschichte reagieren mag. Das Leben bei ihrem Vater hat sie absichtlich nicht näher erwähnt. Sollte Azra diesbezüglich Fragen haben, so soll sie diese ruhig stellen, aber vermutlich brauche ich ihr hierüber ohnehin nichts erzählen. Auch in ihren Adern fließt das Blut der Dunklen. Sie wird selbst genug wissen… Ob vielleicht ihre Mutter eine Shebaruc war? Hat sie bei ihnen gelebt? Oder war es bei ihr auch der Vater. Vielleicht waren die Götter ihrer gnädiger und sie kannte diesen nicht einmal. Dann fragt sie ihrerseits: „Was ist mit dir? Du hast sicher auch eine recht interessante Geschichte über deine Vergangenheit zu erzählen. Woher stammst du ursprünglich und was hat dich hierher verschlagen?“ und woher stammt bei dir das Shebaruc-Erbe? fügt sie in Gedanken hinzu. Am meisten brennt sie darauf zu erfahren, was es damit bei Azra auf sich hat, wo sie gelebt hat und wie sie aufwuchs.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Keeshar am 15. Aug. 2009, 23:55 Uhr
Vor der Goldenen Harfe

Keeshar gähnte, riss dabei seinen Mund weit auf, so dass man einen guten Blick auf seine Zähne werfen konnte, die alle in mehr oder weniger gutem Zustand noch vorhanden waren (Eine Tatsache, auf die Keeshar etwas stolz war) - wenn sich denn jemand für diesen gähnenden rothaarigen Kerl interessiert hätte.
Aber die Leute auf dem Marktplatz vor dem Gasthaus haben besseres zu tun, sie kümmern sich schon seit den frühen Morgenstunden darum, dass der Markt aufgebaut wird, dass die Waren auf die Stände kommen, und sie nehmen ihren Kunden auch immer wieder Münzen ab. Sie haben zuviel zu tun, um sich um einen einzelnen, eine Kapuze tragenden Mann zu kümmern.
Keeshar gähnt noch einmal.

Nachdem ihm dieser wandelnde Farbtopf verlassen hatte, hatte er sich eine ruhige Ecke gesucht in der er schlafen konnte...
Dies hatte er dann lieber doch in einer seiner anderen Gestalt getan. Niemand mit gesundem Menschenverstand käme darauf, diesem grimmig aussehenden, einäugigen Hund (der eine verdammte Ähnlichkeit mit einem Wolf hatte) den Platz streitig zu machen oder ihn zu verscheuchen. Und außerdem käme auch kein gesunder Mensch darauf diesem Untier die Kleidungsstücke wegzunehmen, auf dem es gerade liegt.
So hatte Keeshar recht gut genächtigt, auch wenn es ihm viel zu kurz vorkam.
Denn er war dann recht früh wieder aufgestanden, hatte sich dann in einem unbeobachteten Moment zurückverwandelt und wieder angezogen, und war dann zur nächsten öffentlichen Wasserstelle marschiert.

Dort wusch sich der Rothaarige, soweit es ihm möglich war.
Ja, er hatte dreckige, stinkende Kleidung an (die, nachdem er als Wolf drauf geschlafen hatte, nun auch nach Tier rochen), und baden und duschen konnte er in den nächsten Tagen wohl auch nicht. Aber trotzdem wollte der Einäugige wenigstens ein Mindestmaß an Hygiene einhalten, und wenn er sein Gesicht und seine Achseln nur mit etwas Wasser benetzen konnte.
Besser als Nichts waren seine Gedanken dazu, und Wenn ich wieder zu Hause bin, werde ich ein ordentliches Bad brauchen.

Danach hatte sich Keeshar auf den Markt begeben, hier hatte sich von einem Bäcker ein Brot erklaut und einen reichen Pfeffersack um seinen Geldbeutel erleichtert - eine Gelegenheit die Keeshar nicht einfach so vorbeiziehen lassen konnte, er kann das Geld zur Zeit gebrauchen, und außerdem blieb er so in Übung.

Und nun wartet er hier, vor der Goldenen Harfe, beobachtet wer ein und ausgeht, während er stückchenweise das trockene Brot zum Frühstück verspeist.
Und dann, irgendwann zwischen der achten und der neunten Stunde, taucht wirklich Maester Farbtopf auf.
"Den Göttern zum Gruße." begrüßt der Rothaarige seinen "Arbeitskollegen", schiebt sich danach sofort noch ein Stückchen von dem Brot in den Mund, nur um dann kauenderweise weiter zu erzählen:
"Bisher hat Maester Njucon Weißhaut die Harfe weder betreten, noch verlassen. Wir müssen jetzt also etwas Geduld haben. Oder wollt ihr Euch vielleicht einmal drinnen nach ihm umschauen?"
Keeshar hatte keine Lust das Gasthaus zu betreten. Für so ein Auskundschaften war Ånderdalen viel besser geeignet.
Mit einem wiedermal zuvorkommenden Lächeln beobachtete Keeshar die Reaktion seines Gegenübers - und fragte sich wieder, was genau an dieser Gestalt so seltsam war, dass sich ihm die Haare auf dem Rücken leicht aufstellten. Ein untrügerisches Zeichen dafür, dass irgendetwas vor sich ging, das er nicht einordnen konnte...
Ich werde schon noch herausfinden, was mit dir nicht stimmt.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Jorun am 19. Aug. 2009, 11:20 Uhr
« Die Straßen der Stadt

Hinter Jorun liegt eine ereignislose Nacht, eine Nacht wie so viele andere auch auf der Rabenschwinge, wenn das Schiff sich nicht auf See befindet bzw. kurz zuvor in einem Hafen angelegt hat oder bald wieder ablegen will. Die Normanderin hat ein karges Abendmahl zu sich genommen, noch ein paar ausstehende Arbeiten erledigt, Absprachen für die kommenden Tage getroffen, einige ihrer Kleider (soweit nötig) geflickt und etwas passendes für den nächsten Morgen herausgesucht. Schließlich hat sie sich Schlafen gelegt, nur um in aller Frühe wieder aufzustehen und ihren Morgenpflichten nachzukommen, bevor sie sich auf den Weg zur Goldenen Harfe gemacht hat, wo sie bereits von Keeshar erwartet wird.

Der rothaarige Mann steht etwas abseits und beobachtet den Eingang des Gasthauses, während er nebenher ein kleines Brot verspeist. Ein ausgesprochen opulentes Frühstück, denkt Jorun spöttisch und schlendert gemächlich zu Kees hinüber, welcher sie mit den Worten »Den Göttern zum Gruße« empfängt. Die Normanderin ncikt knapp und erwidert den Gruß kurz angebunden, während ihr Gegenüber die Gelegenheit nutz um sich noch rasch einen weiteren Bissen Brot in den Mund zu schieben. »Bisher hat Maester Njucon Weißhaut die Harfe weder betreten, noch verlassen. Wir müssen jetzt also etwas Geduld haben. Oder wollt ihr Euch vielleicht einmal drinnen nach ihm umschauen?« Die Normanderin nickt. "...wenn Ihr nicht mitkommen wollt", entgegnet sie Keeshar gedehnt, der ganz offensichtlich nicht sonderlich erpicht darauf ist das Wirtshaus zu betreten. Soll mir recht sein, sagt sie sich, je weniger man Keeshar und sie zusammen sieht, um so besser. "Also dann", meint sie, "bin gleich wieder zurück." Jorun nickt Kees noch einmal zu, dann geht sie zur Eingangstür des Wirtshauses hinüber um sie zu öffnen und den dahinter liegenden Schankraum zu betreten.

Im Inneren der Harfe angelangt schaut sich die Normanderin unauffällig um, gerade so als halte sie nach einem geeigneten freien Platz Ausschau. Sie muss nicht lange suchen, bis sie fündig wird, denn die kleine Versammlung an einem der Tische ist schwer zu übersehen. Freundlich bittet sie eine hurtig herangeeilte Bedienung ihr etwas Brot und Käse zu bringen und nimmt unweit der Tür an einem einzelnen Tisch Platz, während sie das kleine Grüppchen unauffällig in Augenschein nimmt. Drei der vier Personen sind ihr zumindest dem Namen nach bekannt, der recht furchteinflössend wirkende Zwerg ist offenkundig der Wirt der Goldenen Harfe, Borgil Blutaxt höchstpersönlich, und die zierliche kleine Frau an seiner Seite, die soeben ein voll beladenes Tablett auf dem Tisch abgestellt hat, dürfte vermutlich Azra sein, seine Frau. Die dritte Gestalt, die Jorun erkennt, ist ganz offenkundig Njucon - der Grund für Joruns eigene ANwesenheit. Die vierte Person in der Runde, eine Frau mit ebenso bleicher Haut und schlohweißem Haar wie Azra Blutaxt und Njucon Aleris hat die Normanderin noch nie zuvor gesehen.

Was ist das? Eine offizielle Versammlung der Winterkinder?, denkt sie überrascht, während sie die vier weiter im Auge behält. Rasch zahlt sie der Magd, die ihr gleich darauf ihr Frühstück an den Tisch bringt, ein paar Münzen in die Hand und nimmt sich anschließend etwas von dem Brot und dem Käse. Njucon Aleris hat sich derweil von seinen drei Bekannten verabschiedet (»Ähm, ich möchte nicht unhöflich sein Lady Azra, Meister Borgil. Ich denke es ist an der Zeit, wie Ihr sagtet...“,  dabei nickt er Azra zu, „...dass ich euch euren wichtigen Gesprächen überlasse und mich anderem widme. Wie zum Beispiel einem kleinen Bissen von diesem leckeren, doch recht reichlichem Frühstück. Habt vielen Dank. Ich werde sehn wie viel ich von diesem reichlichen Mahl verzehren kann. Und ihr Lady Yasarea, war mir eine Freude Euch kennen zulernen!«) und mit seinem reichlich beladenen Frühstückstablett an einen anderen Tisch zurückgezogen hat. Offenbar ist er mit der Hausherrin recht gut bekannt, stellt Jorun mit Blick auf Njucons Frühstücksmahl fest. Frisches Brot, Butter, Eier und ein Rad Käse. Dazu einen Krug Honig wie mir scheint, außerdem Pökelfleisch... und was ist das? Apfelkuchen und Räucherwurst? ...nicht schlecht, Herr Specht!

Im Gegensatz zu Njucons Mahl ist Joruns eigenes Frühstück schnell verspeist. Und da sie ihre Zeche bereits bezahlt hat, fällt es ihr nicht schwer die Goldene Harfe rechtzeitig vor dem weißhäutigen, rotäugigen Mann wieder zu verlassen. Gesättigt und zufrieden schlendert sie zu Keeshar zurück, der schon ungeduldig vor dem Wirtshaus auf sie wartet. "Unser Freund muss schon im Gasthaus gewesen sein, bevor Ihr hier angekommen seid", erklärt die Normanderin ihrem rothaarigen Begleiter, nachdem sie sich neben ihn gestellt hat, um einen besseren Blick auf die Tür der Harfe zu haben. "Ihr habt da drinnen wirklich etwas verpasst", meint sie schließlich spöttisch. "Unser weißhäutiger Freund, die schneeweiße Harfenwirtin und eine bleiche Unbekannte namens Yasraella, Yasranera oder so ähnlich an einem Tisch... Nun, wie auch immer. Es hat ganz den Anschein, als sei dieser Njucon recht gut mit Azra Blutaxt bekannt." Jorun grinst. "Hm, er müsste eigentlich jeden Moment herauskommen, falls er nicht gerade geplatzt ist." Die Normanderin lacht leise. "Das Frühstücksmahl, welches sie ihm aufgetischt hat, hätte gut und gerne für mindestens drei Männer ausgereicht. Aaah, seht..." Sie deutet zur Tür des Gasthauses hinüber. "...da ist unser Freund ja endlich."

Die Straßen der Stadt »

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 23. Aug. 2009, 14:43 Uhr
Kaum hat Azra die Frage nach Yasraenas Vergangenheit gestellt, verteufelt sie ihre unangebrachte Neugierde auch schon wieder, denn es kommt keine Antwort. Die Elbe nestelt mit gesenktem Kopf etwas an ihrem Hemd herum und scheint nicht gewillt auf die Frage einzugehen. Es breitet sich Schweigen aus, dass Azra mehr als unangenehm ist und schon will sie Yasraena zu verstehen geben, dass es in Ordnung sei, wenn sie nicht darueber sprechen wolle, als diese ploetzlich doch zu erzaehlen beginnt.
„Nun, ich will ehrlich sein, ich hatte nicht vor überhaupt jemals über meine Vergangenheit zu reden, aber ich hatte auch nicht erwartet, dass ich hier jemanden treffen würde, in dessen Adern ebenfalls das Blut der Shebaruc fließt.“ Azra zuckt unmerklich zusammen und dreht Yasraena hastig den Ruecken zu, als ob sie den bereits gesammelten Kleiderhaufen zum wiederholten Male auf seine Tauglichkeit pruefen wolle. Es liegt nicht daran, dass die Elbe sie an ihr eigenes Shebarucerbe erinnert, sondern viel eher darum, dass dieser Satz sie an jemand anders erinnert. An jemanden, dem sie bei allen vier Daemonen auf keinen Fall je wieder begegnen moechte. Schwer nur laesst sich das Bild von einem hochgewachsenen, spindelduerren, blinden Elben aus ihrem Kopf verdraengen, der ihr moeglicherweise helfen wollte, aber nur das Gegenteil erreicht hat. Das er es auch war, der nur ein Dutzend Monde nach ihrer Begegnung in der Harfe, halb Talyra in Schutt und Asche gelegt hat, weiss sie bis heute nicht. Und das ist moeglicherweise auch besser so.
Derweil Yasraena von ihrer Mutter, eine Shida’ya, also einer Hochelbin, erzaehlt, beginnt Azra damit die untauglichen Kleidungsstuecke sorgfaeltig wieder zusammenzufalten und auf einen Stapel zu legen. Hin und wieder nickt sie, manche Worte lassen sie inne halten und sehr oft laechelt sie Yasraena aufmunternd zu. Sie weiss genau, wie schwer es der Elbe fallen muss, ehrlich zu sein, aber sie ist sehr froh, dass Yasraena es immerhin versucht.
Das die Elbe von ihrem Vater nicht viel haelt, ist unschwer zu erkennen. Es hoert sich nicht unbedingt so an, als haetten ihr Vater und ihr Mutter in Liebe zueinander gefunden. Bei dieser Ueberlegung schaudert es Azra und hastig konzentriert sie sich wieder auf ihre Arbeit. Darueber hinaus uebersieht sie Yasraenas Blick, der kurzzeitig in weiter Ferne zu ruhen scheint, irgendwo auf einem Punkt, weit in der Vergangenheit, wo Freiheit noch ein Fremdwort gewesen sein musste.
Als die Elbe auf ihr Reittier, den Culhengst Shunja’nar zu sprechen kommt, hoert Azra aus deren Tonfall deutlich heraus, wie sehr sie an dem Pferd haengt. Sie hatte ihr gesammtes Vermoegen fuer ihn geopfert, ohne dabei an sich oder an ihre Zukunft zu denken. Schoen, wispert der vertraeumte Teil von Azras Wesen. Ihr Verstand hingegen murrt leise etwas von: Und ziemlich dumm. Natuerlich war es nicht unbedingt klug, aber Azra kann sich vorstellen, wie Yasraena sich gefuehlt haben muss und wie wichtig es ihr gewesen ist, etwas von dem Platz, an dem sie sich lange Zeit wohlgefuehlt hat, mitzunehmen.Manchmal sind Gefuehle eben naerrisch. Und mit Vernunft haben sie nur schlechterdings etwas am Hut.
Als Yasraena ihr den Shidarnamen des Hengstes uebersetzt schmunzelt Azra und nickt erneut, um zu zeigen, dass sie das gewusst hat. Zwar beherrscht sie nur wenige Brocken der Elbensprache, aber diese zwei Worte, Schatten und Nacht, gehoeren eindeutig zu ihrem Grundrepertoir. Vor allem, weil sie die Legende um Mordren Shunjanar beinahe in- und auswendig kennt.

«Einen Zentaur?», platzt es ziemlich ueberrascht aus Azra heraus, als Yasraena von ihrer Zufallsbekanntschaft in den Umlanden erzaehlt. «Na sowas. Von einem Zentaur habe ich hier schon eine ganze Weile nichts mehr gehoert. Ich weiss nur von einem Faun, der bei der Stadtwache arbeitet. Faron. War in letzter Zeit haeufig hier, als dieser schreckliche… dieser schreckliche Moerder in Talyar umherging. Vielleicht hast du davon gehoert?» Es liegt nun schon eine Weile zurueck, aber in den Koepfen der Talyrer sind die vielen Naechte voller Angst und Ungewissheit noch mehr als praesent. Die wachsende Panik, wenn der Morgen eine neue Frauenleiche mit sich brachte, die Hysterie, als man Dancy, die Pfirsichbesitzerin fand. Azra selbst kann sich noch sehr gut erinnern. Vor allem an den Tag, als die Nachricht von Dancys Tod die Harfe erreichte. Das Entsetzen in Borgil Gesicht, wie er sich auf dem Tisch abgestuetzt und sich dann in seine Privatgemaecher zurueckgezogen hatte. Es tut ihr heute noch weh, und selbst der Gedanke, dass der Moerder dieses Vergehen schwer bereut haben muss, ist nur wenig troestend. Es bringt all die Toten nicht zurueck. Fluechtig bewegen sich Azras Lippen, als sie ein kleines Gebet fuer all die ermordeten Maedchen und deren Hinterbliebenen spricht, dann blickt sie wieder zu Yasraena auf und laechelt. Ein kleines Laecheln, aber immerhin.
Sie ist allerdings nicht darauf gefasst, die selbst gestellten Fragen auch beantworten zu muessen und guckt dementsprechend erschrocken, als Yasraena nun ihrerseits nachfragt. „Was ist mit dir? Du hast sicher auch eine recht interessante Geschichte über deine Vergangenheit zu erzählen. Woher stammst du ursprünglich und was hat dich hierher verschlagen?“
“Oh”, ist vorerst alles was Azra von sich gibt, derweil sie, bewaffnet mit Nadel und Faden, die Leinenhose an den etwas zu losen Stellen enger einnimmt. Etwas unsicher, was sie Yasraena ueberhaupt erzaehlen soll, geht sie in Gedanken all die Dinge durch, die sie ueberhaupt noch weiss. Seit langer Zeit, eigentlich seit Brenainn geboren war, hat sie nicht mehr mit ihrer Vergangenheit beschaeftigt. Nur noch in ganz seltenen Augenblicken, wenn sie am Strand spazieren waren oder sie in der Stadt einem schlanken, jungen rothaarigen Mann mit blauen Augen begegnet war, hatte sie im Stillen ihrem Ziehvater gedacht.
Im Grunde genommen will sie nicht darueber reden. Es ist lange her und, was noch viel wichtiger ist, sie ist sich selbst nicht sicher, was davon eigentlich der Wahrheit entspricht, und was sie sich selbst zusammengereimt hat, um besonders schreckliche Ereignisse zu verdraengen oder sogar zu vergessen. Nur bei Borgil hat sie einmal ernsthaft versucht, sich ihrer gesammten Vergangenheit zu entsinnen, wobei seltsame Widersprueche zu Tage getreten waren, die sie sich selbst nicht hatte erklaeren koennen. Es waren keine Luegen gewesen, sie hatte es nur nicht besser gewusst. An jenem Abend hatte Borgil sie sanft in den Arm genommen und zu ihr gesagt, dass es vielleicht besser so war. Wenn der eigene Geist einem die Erinnerungen nahm, dann nur, um einem vor sich selbst zu schuetzen. Sie hatte ihn gefragt, ob die Geschehnisse mit Liselle und auf dem Marktplatz vielleicht mit schwarzen Loechern in ihrer Erinnerung zu tun haben koennten und er hatte ein “Vielleicht” in seinen Bart gegrummelt.

“Ich will auch ehrlich sein”, unterbricht Azra das Schweigen nach einer geraumen Weile, ohne aber von ihrer Arbeit aufzusehen. “Ich weiss nicht mehr viel, von den Tagen, bevor ich nach Talyra kam. Und von den Dinge, an die ich mich noch erinnen kann, oder an die ich mich zu erinnern glaube, kann ich nicht mit Ueberzeugung sagen, ob sie stattgefunden haben, oder nur erfunden sind. Nur in einem Punkt bin ich mir sicher: Der junge Menschenmann, den alle den Wanderer nannten und der mich aufzog, liebte mich, wie ein Vater seine Tochter. Was davor war, wie lang die Zeit davor ueberhaupt war, oder ob meine Mutter mich wirklich kurz nach der Geburt zu ihm gab, wie er es mir immer erzaehlt hat, das weiss ich nicht. Ich kann mich nicht an meine Eltern erinnern, weder an eine Mutter, noch an einen Vater, aber da er nie von meinem Vater sprach, nehme ich an, dass dieser ein Shebaruc war.” An dieser Stelle erhebt sie sich vom Boden und haelt Yasraena die Hose hin: “Hier, probier nochmals.” Pruefend betrachtet Azra das Ergebnis und gibt Yasraena sichtlich zufrieden zu verstehen, dass sie nun noch das letzte Kleidungsstueck, einen einfachen, aber robusten Wollrock fuer die etwas kaelteren Tage anprobieren soll.
Erst als sie die Hose wieder in Haenden halt, faehrt sie fort. Und waehrend ihre Stimme immer leiser wird, fuellen sich ihre Augen mit Traenen, gegen die sie sich an dieser Stelle der Geschichte noch nie erwehren konnte. Gar nicht erwehren koennen will. “Nach Talyra reisten wir aus demselben Grund wie du. Der Wanderer hatte gehoert, dass es sich dort selbst fuer Wesen, die sonst keinen Platz fanden, gemuetlich leben liess. Naechtelang schwaermte er mir vor, wie es sein wuerde, wenn wir dort ankaemen und endlich ein Zuhause haetten. Ich habe seinen Geschichten immer gern gelauscht.” Sie muss kurz innehalten und Luft holen, denn die nachfolgenden Ereignisse treiben ihr einen sperrigen Balken in die Kehle. “Er…”, wispert sie und obwohl es Jahre her ist, faellt es ihr noch immer genauso schwer wie am Anfang darueber zu reden, “In Brioca wurde er von einer Meute aufgebrachter Bauern erschlagen, als er versuchte mich vor ihnen zu beschuetzen. Ich konnte fluechten. Ich war verletzt und allein, aber immerhin noch am Leben. Ich weiss noch genau, dass ich damals nicht dankbar darum war. Lieber waere ich mit ihm gestorben, als mich durch Regen und Kaelte bis nach Talyra zu schleppen. Heute aber”, und nun verfaengt sich ein seidenfeines Laecheln in ihren Mundwinkeln und ihren Augen, “bin ich mehr als froh, dass die Goetter mein Flehen nicht erhoert haben.”
In diesem Moment klopft jemand vorsichtig gegen die Tuer. Bevor Yasraena oder Azra dazu kommen, zu fragen, wer da ist, dreht sich der Knauf auch schon. Die Elbe hat gerade noch genug Zeit um ihre Bloesse mit einem Schultertuch zu verdecken, als sich auch schon zwei lachende, rothaarige Energiebuendel durch den Tuerspalt zwaengen und  auf Azra zustuermen. Zumindest Brenainn stuermt, derweil Bræn etwas holprig hinterherstolpert. Bei diesem Anblick wird es Azra ganz warm ums Herz und fuerchterlich stolz drueckt sie ihrem Juengsten einen dicken Kuss auf die weichen Loeckchen, die ihm wild nach allen Seiten abstehen. Seit gerade mal etwa einem Mond hat er angefangen zu laufenund macht seitdem so schnell Fortschritte, dass man das Gefuehl haben koennte, er uebt schon fuer das naechste Sommerrennen.
In einem wilden Durcheinander erzaehlen Brenainn und Bræn gleichzeitig, dass sie den groessten und schoensten Turm aller Zeiten gebaut haben. So gross, wie kein anderer Turm in den ganzen Immerlanden. Sogar groesser als Serathie!
Azra staunt und lacht, lauscht interessiert und wirft irgendwo dazwischen hastig einen entschuldigenden Blick in Yasraenas Richtung, die sich aber zwischenzeitlich schon wieder etwas uebergezogen hat. Als die beiden Jungen, wackere dreieinhalb und knappe eineinhalb Sommer alt, endlich innehalten, weil ihnen die Luft ausgegangen ist, nutzt Azra die Chance und steht auf. “Das habt ihr sehr gut gemacht Jungs. Und das ganz alleine?

“Eiiin!”, kraeht Bræn mit gluehendem Gesichtchen.
“Ja, ganz allein”, versichert Brenainn mit absolut ernstem Gesichtsausdruck, der ihn wie eine Miniaturausgabe von seinem Vater wirken laesst.
“Atha machen!”, haengt Bræn strahlend hinterher.
“Aber nur ein bisschen”, versichert Brenainn schnell mit einem argwoehnischen Seitenblick auf seinen kleinen Bruder, der alles zu verraten droht.
Kichernd streicht Azra ihrem Aeltesten ueber den Kopf und dreht sich dann zu Yasraena um. “Brenainn, Bræn, das ist Yasraena. Sie wird ab morgen oder uebermorgen bei uns arbeiten. Sie wird der alten Freda ein wenig zur Hand gehen.”
Brenainn hebt ganz professionell eine Augenbraue und betrachtet Yasraena mit dem Blick, den auch Borgil aufsetzt, wenn er Fremde mustert, bevor er erst nur nickt und dann, unter dem mahnenden Blick seiner Mutter ein: “Guten Tag” hinterherhaengt. Bræn hingegen drueckt sich etwas enger an Azras Beine und versteckt sich scheu hinter ihrem Rock. Lachend schuettelt Azra den Kopf und hebt ihn hoch: “Na, jetzt tu mal nicht so, min zyar. Sie beisst nicht. Und wenn, werdet ihr es verdient haben. Und jetzt wieder runter mit euch. Yasraena muss sich noch fertig umziehen und es ist nicht hoeflich einer Dame zuzusehen, wenn sie das tut.”
“Nicht?”, fragt Brenainn und zieht verwirrt die Stirn kraus: “Tiuri sagte immer…” “Aah, ja mein Schatz, warum lauft ihr nicht zu… zu… aeh… ah, zu der alten Marga. Vielleicht hat sie noch einen suessen Kringel fuer euch uebrig. Na?” Die Aussicht auf einen Honigkringel laesst Brenainn zum Glueck verstummen und kurz darauf sind die beiden Frauen wieder allein. Erleichtert stoesst Azra geraeuschvoll die Luft aus ihren Lungen, sieht dann zu Yasra auf und beginnt leise zu lachen. “Entschuldige. Das ist… ich meine… Beim Inaritempel gibt es ein Fenster, dass Einblick bietet in die Zimmer der Novizinnen. Dort liegen jedes Inarifest die Sommerburschen auf der Lauer. Vielleicht hat Tiuri das frueher einmal gemacht, aber jetzt ganz bestimmt nicht mehr. Dafuer ist er viel zu alt.” Glaube ich zumindest. Nein, das hat er gar nicht mehr noetig. Die Inarimaedchen laufen ihm ja in Scharen hinterher, so er denn will.
Um nicht weiter auf dieses Thema eingehen zu muessen, kuepft Azra einfach dort wieder an, wo sie von ihren Soehnen unterbrochen wurde. “Diese beiden sind uebrigens der Grund, warum ich nicht gerne an frueher denke. Ich hab hier soviel wofuer ich mich gluecklich schaetzen kann und worauf ich mehr als stolz bin, dass es das Truebsal eigentlich nicht wert ist. Ich kam als verbittertes, egoistisches Kind hier in Talyra an und bin prompt auf Borgil getroffen. Eigentlich bin ich eher ueber ihn gestolpert und was damals alles passiert ist, ist mir bis heute peinlich. Ich habe mich schlimmer benommen, als Koenigin Assuatany hoechstpersoenlich. So lange, bis Borgil mir einmal gehoerig den Hintern versohlt hat.” Wieder muss sie lachen, auch wenn ihr die Erinnerung an diesen Tag noch immer die Verlegenheitsroete in die Wangen treibt. Das Lachen und Johlen der Gaeste, der verdutzte Blick Tarans und wie Borgil ihren Hintern danach mit schmerzlindernder Salbe eingestrichen hat.
Noch immer leise kichernd faehrt Azra fort: “Und ich glaube, er hat noch nicht einmal wirklich fest zugeschlagen. Haette er, koennte ich wahrscheinlich heute noch nicht sitzen. Aber wie gesagt. Er hat es getan und danach… wurde alles besser. Er hat auch dafuer gesorgt, dass ich mich frei in Talyra bewegen kann und irgendwann, ich weiss nicht me…” Dieses Mal stockt sie abrupt. Eigentlich hat sie sagen wollen, dass sie nicht mehr genau weiss, wann sie angefangen hat sich in ihn zu verlieben, aber das waere gelogen. Sie erinnert sich sehr, sehr genau an den Tag, die Stunde, die Sekunde, wo ihr aufgegangen war, dass sie fuer ihn weitaus mehr empfand, denn fuer jemand anderen. Tie atmet sie ein und aus, schliesst kurz die Augen und gibt Yasraena dann die Kleidung, die sie vorerst anziehen soll, bis alle anderen Sachen sauber sind. “Es war in einer Sithechnacht. Einer sehr schrecklichen Sithechnacht, als… Sagen wir, im Angesicht des Todes ist mir eigentlich erst bewusst geworden, wie sehr ich Borgil mochte. Ein paar Monde darauf wurde ich seine Frau. Spaetestens ab diesem Zeitpunkt wagte es niemand mehr, mich zu beleidigen oder hoerbar hinter meinem Ruecken zu tuscheln. Viel zu schnell stopfte Borgil ihnen den Mund.” Sie will nicht prahlen, aber es ist eine Tatsache, dass sein Einfluss in Talyra und auch ueber die Stadtgrenzen hinaus sehr gross ist und es eine Dummheit waere, es sich mit ihm zu verscherzen oder sich sogar offen mit ihm anzulegen.
Rasch wechselt sie das Thema: “Unsere Soehne sind unser ganzer Stolz. Er hofft ja immer noch, dass er auch noch eine Tochter zu Gesicht bekommt, aber ich bin mir da nicht so sicher. Ich weiss noch, dass er zu der Zeit, als ich mit Brenainn schwanger war, sagte, besser kein Junge, das wuerde nur schief gehen, das saehe man ja an ihm. Prompt bekam er einen Sohn.”
Langsam blickt Azra auf, als Yasraena wieder komplett angezogen ist und hebt die nicht brauchbare Kleidung auf. “So, wir sind hier fertig. Die Sachen, die dir noch nicht passen, lasse ich einnehmen, den Rest verstaue ich wieder im Allesnichtsraum. Moechtest du gerade noch etwas wissen, oder willst du dich lieber ein wenig in der Stadt umsehen. Es waere gut, wuerdest du die Strassen ein bisschen kennenlernen, damit du dich auch auf dem Marktplatz und in der Winkelgasse zurecht findest. Es ist immer gut die Stadt zu kennen, in der man arbeitet, denn viele Leute schneien auch nur kurz herein, um sich nach einem Haus oder einem Namen zu erkundigen. Hast du dich schon etwas ueber die wichtigen Persoenlichkeiten Talyras informiert. Einige von ihnen wirst du hier antreffen. Olyvar zum Beispiel. Der Lord Commander der Blaumaentel, wie wir die Stadtgardisten nennen. Oder auch Lystrato, der Muenzmeister. Ein, aehm, sehr eleganter Mann… der etwas zu viel Puder benutzt, wuerde ich sagen.” Dabei grinst sie schelmisch und bietet Yasraena mit gehobenen Haenden an, ihr einen Zopf zu flechten.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Yasraena am 27. Aug. 2009, 12:49 Uhr
Dass Azra zusammenzuckt, als das Wort Shebaruc fällt, entgeht Yasras Aufmerksamkeit, nicht jedoch entgeht ihr, dass Azra sich hastig umdreht und zwanghaft versucht den inzwischen mehrfach durchkämmten Kleiderstapel erneut durchzusuchen. Auf Yasraena wirkt es tatsächlich so, als habe Azra Probleme mit ihrem eigenen dunklen Erbe der Blutelben. Woher sollte Yasraena auch wissen, dass der Satz Azra an jemand anderen erinnert? Yasraena schenkt Azras Reaktion keine weitere Beachtung, außer aus dem Augenwinkel heraus beobachtet sie. Sie möchte die freundliche Halbelbe nicht weiter verschrecken und so tut Yasraena einfach so, als ob sie Azras Reaktion gar nicht bemerkt hat. Dies scheint Azra ihrerseits zu helfen, denn schnell fasst sie sich wieder, nickt und lächelt hier und da sogar.

Als Yasraena auf Feydor, den Zentauren, zu sprechen kommt, kann auch Azra sich nicht zurückhalten und erstaunt fragt sie: >Einen Zentaur?< Doch noch ehe Yasraena auf diese Einwurf eingehen kann, fährt Azra fort: >Na sowas. Von einem Zentaur habe ich hier schon eine ganze Weile nichts mehr gehört. Ich weiß nur von einem Faun, der bei der Stadtwache arbeitet. Faron. War in letzter Zeit häufig hier, als dieser schreckliche… dieser schreckliche Mörder in Talyra umherging. Vielleicht hast du davon gehört<.
Erstaunt wendet sich Yasraena um: „Ich bin erst seit heute hier in der Stadt und von den Morden habe ich noch nichts vernommen. Vielleicht kannst du mir später mehr darüber erzählen? Und was den Zentauren anbelangt, sein Name ist Feydor und vielleicht ist er noch in der Stadt. Er wollte auf den Markt. Nie zuvor habe ich ein Wesen wie ihn gesehen, außer in den Büchern und auf den Bildern im Hause der Familie meiner Mutter.“ Dass es sich hierbei auch um ihre eigene Familie handelt, scheint sie selbst trotz der vielen Jahre, die sie dort verbracht hat, nicht recht verinnerlicht zu haben.

Als Yasraenas Ausführungen über ihre Vergangenheit enden und sie sich nach Azras Herkunft und Vorgeschichte erkundet, scheint die Halbelbe mit dieser Frage nicht wenig überfordert.
Wer Anderen solch’  Fragen stellt, sollte auch selbst bereit sein diese zu beantworten. schießt es Yasraena durch den Kopf. Doch gleich darauf ist ihr dieser Gedanke auch schon unangenehm, denn sie selbst weiß nur zu gut, dass es keinesfalls leicht fällt diese Frage ehrlich zu beantworten, nicht für ein Shebaruc-Mischling, wie sie es beide sind. Yasraena kann sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass es auch nur einen solchen Mischling gibt, welcher ein angenehmes Leben geführt hat. Daher läst sie Azra die Zeit, sich Gedanken über die Frage und ihre möglichen Antworten zu machen. Auf den Gedanken, ihr mitzuteilen, dass sie nicht zu antworten braucht, kommt Yasraena nicht. Schließlich hat sie selbst auch Teile ihrer Geschichte offenbart. Während Azra sich Gedanken über eine mögliche Antwort macht und die Stille schon fast greifbar wird, geht nun Yasraena ihrerseits den Kleiderstapel noch einmal durch. Nicht, weil sie noch etwas zu finden erhofft, sondern einfach, um Azra Zeit zu geben und das Gefühl zu vermitteln, sie nicht erwartungsvoll anzustarren. Als Azra dann jedoch das Wort ergreift, lässt Yasraena von dem Kleiderstapel ab und lauscht ihren Worten. Als Azra beginnt ihr Leben bei dem Wanderer zu schildern, in deren Obhut sie aufwuchs und der sie wahrhaft geliebt zu haben scheint, muss Yasraena sich zusammen reißen, sie kann sich nicht an Liebe erinnern. Vaterliebe gab es für sie nicht und die Liebe ihrer Mutter war zumindest in der Anfangszeit stark hinter der Angst versteckt. Klar, hat sie ihre Tochter geliebt, doch meist hat sie sich nicht getraut, sie vor ihrem Vater zu schützen. Wie auch? Sie war ihm ja selbst hoffnungslos ausgeliefert. Erst in den Elbenlanden hat Yasraena etwas erfahren, was für sie interpretiert einer Liebe nahe kam. Es war keine Liebe, wie sie die anderen Kinder von ihren Eltern und Verwandten genossen. Selbst ihr als Kind ist schnell aufgefangen, dass es mehr Mitleid war als alles andere. Auch Misstrauen war vorhanden, wenngleich sie sich bemüht haben, es ihr nicht zu zeigen. Aber ist as Liebe? Selbst ihre eigene Mutter hatte oft Schwierigkeiten mit ihr umzugehen. Egal wie sehr sie ihre Tochter auch geliebt hat. Sie hatte auch Angst vor ihr. Als Yasraena sich an einem Tag mit ihrer Mutter gestritten hat, ist das mit ihrer Stimme zum ersten Mal passiert. Damals jedoch, hat die Stimme nicht nur diesen schneidenden Tonfall angenommen, welcher einem bedrohlichen Zischen gleich kam, sondern Yasraena selbst ist in die Sprache der Dunklen gewechselt hat. Sie kann zwar nicht mehr viel dieser Sprache, doch Schimpfen bzw. im Zorn Bedrohungen und Verwünschungen loswerden, kann sie darin recht passabel. Ihr selbst ist nicht aufgefallen, wie sie Sprache und Stimmlage gewechselt hat, doch ihre Mutter ist kreidebleich geworden und Yasraena kann sich noch lebhaft an die anschließenden Gespräche erinnern. Doch all das gehört einer anderen Zeit an, einer Zeit die vergangen ist und zum Glück nicht wiederkehren wird. Einzig ein Gefühl von Sehnsucht und Wehmut erinnert kurz daran, während Yasraena sich ausmalt, bei jemandem aufgewachsen zu sein, der sie wahrhaft und unvoreingenommen geliebt hätte. Wie vieles doch anders verlaufen wäre. Azra wusste nicht einmal wer ihrer Elternteile der/die Shebaruc war, doch geht sie ebenfalls davon aus, dass es sich um den Vater gehandelt haben muss. An ihre Eltern erinnert sie sich nicht und sie wuchs fern der Dunklen auf. Für einen Moment schleicht sich so etwas wie Neid in Yasraenas Gefühlswelt, doch verbissen schiebt sie das Gefühl beiseite. Ihr steht es nicht zu, so zu empfinden. Immerhin ist Azra so gütig, sie hier aufzunehmen und ihr Arbeit zu geben. Im Ganzen scheint Azra die freundlichste Person zu sein, der Yasraena je begegnet ist. Vielleicht trügt dieser Schein auch, aber Yasra kann sich dies beim besten Willen nicht vorstellen.

Azra unterbricht ihre Erzählungen kurz und hält Yasraena die Leinenhose entgegen, welche sie kurz enger genäht hat. Yasraena schlüpft aus dem Rock, den sie an hat und statt dessen in die Hose. Azra scheint dieses Handwerk wahrhaft zu verstehen. Nähen kann Yasraena gar nicht gut. Denn selbst ihrer Mutter liegt das nicht. Kaputte Kleidung wurde zumindest, als sie noch in den Elbenlanden lebte, weggegeben oder wenn es leichtere Schäden waren, von den Angestellten genäht. Zudem wurde ihre dortige Kleidung stets maßangefertigt und auf sie zu geschneidert, so dass
Yasraena hat zwar bei dem Bauern einiges von den anderen Mägden gelernt, so dass sie Löcher notdürftig flicken kann, aber wirklich ansehnlich ist ihre Nähkunst nicht. Umso erstaunter ist sie, dass man die Naht von Azra kaum sieht. Auch beim Nähen selbst haben sich Azras Finger so geschickt bewegt, dass Yasraena nur staunen konnte. Und tatsächlich, die Hose passt und sitzt perfekt. Auch Azra scheint sehr zufrieden und reicht ihr das letzte Kleidungsstück, einen Wollrock für kältere Tage. So schlüpft Yasraena wieder aus der Hose und reicht sie Azra zurück. Während Yasraena nun in den Rock schlüpft, fährt Azra fort.

Sie war aus demselben Grund wie Yasraena hierher gekommen. Sie hatte gehört, das das Leben in Talyra für solche Leute wie sie einfacher sei. Doch plötzlich wird Azras Stimme immer leiser und Yasraena wendet sich ihr zu, nur um Schmerz und Trauer in Azars Gesicht vorzufinden, als sie erzählt, wie der Wanderer starb. Yasraena wollte etwas erwidern, wollte der Halbelbe mitteilen, dass es nicht ihre Schuld sei, auch wenn er sie schützen wollte, war es doch seine Entscheidung. Doch noch ehe Yasraena zu einer tröstenden Antwort ansetzen konnte, klopft es und schon öffnet sich, ohne ein herein abzuwarten, die Tür. Erschrocken greift Yasra sich eines der Tücher um sich zu bedecken. Zwei kleine Kinder kommen herein, welche den Haaren nach eindeutig an den Vater erinnern. Ausgelassen plaudern die Beiden über einen Turm den sie gebaut haben und wie Yasraena Azra nebst ihren beiden Kleinen beobachtet, huscht ihr ein Lächeln auf das Gesicht. Wie immer, wenn sie Kinder sieht, welche die Liebe und Geborgenheit ihrer Eltern genießen und ausgelassen und fröhlich sein können, erwärmt es Yasraenas Herz. Auch wenn sie selbst ein solches Leben nie gekannt hatte und es soeben sogar noch Neid verspürt hat ob der Liebe, die Azra durch ihren Ziehvater empfunden hat, bei Kindern empfindet die Elbe dergleichen nie. Im Gegenteil, sie freut sich, wann immer sie Kinder ausgelassen und fröhlich sieht. Etwas, dass in ihrer eigenen Kindheit gänzlich gefehlt hat.
Nachdem die Kinder ihrer Mutter stolz von dem Turm erzählt haben, stellt Azra ihnen Yasraena vor. Yasra lächelt den Beiden aufmunternd zu, doch der Ältere scheint sehr damit beschäftigt zu sein, seinen Vater zu imitieren, während der Kleinere sich ängstlich bei seiner Mutter versteckt. Yasraena wünscht beiden dennoch lächelnd einen Guten Tag und nach einer Ermahnung seiner Mutter, antwortet der Ältere, Branainn, auch. Der Kleinere scheint noch nicht recht zu wissen, was er von der fremden halten soll, doch Yasraena ist sich sicher, dass sich das mit der Zeit legen wird. Azra scheucht die Kinder wieder hinaus und erklärt, dass man eine Dame nicht beim Umziehen beobachten dürfe, was ihr Großer, wenn man bei dem Kleinen schon von Groß sprechen kann, dies gar nicht so recht zu verstehen scheint. Der Name Tiuri taucht auf und Yasraena erinnert sich, dass Azra ihr erklärt hat, dass dieser Borgils Ziehsohn sei und ihr Zimmer vorher bewohnt habe. Während ihre Kinder wieder verschwunden sind, beginnt Azra zu erzählen, woher seine Söhne solche Flausen haben könnten. Azra mag jedoch nicht weiter darüber reden zu wollen und auch Yasraena weiß nicht recht was sie dazu sagen soll. Sie weiß, dass die Kinder des Bauern auch mitunter recht neugierig waren und sehr viel Unsinn aufgeschnappt haben und Azras Söhne sind ja wirklich beide noch sehr klein. Daher kümmert es sie nicht weiter und sie lauscht wieder Azras Worten. Die Halbelbe führt aus, dass sie wegen ihren Kindern nicht gern an früher denkt und Yasraena kann das gut nachvollziehen.
Als Azra jedoch erzählt wie Borgil ihr den Hintern versohlt hat, verdüstert sich Yasraenas Blick. Sie kann nicht verstehen, warum Azra darüber lachen und es so offen erzählen kann. Unwillkürlich muss Yasra an ihren Vater denken und mit einem Mal wird ihr Borgil sehr unsympathisch. Doch würde Azra lachen, wenn er sie tatsächlich geschlagen hätte?
Noch immer kichert die Halbelbe und auf Yasraena macht sie einen recht fröhlichen und ausgelassenen Eindruck. Mit einem kopfschütteln nimmt Yasraena es hin, dass es wohl so schlimm nicht gewesen sein kann. Sympathischer macht es Borgil in ihren Augen jedoch nicht. Nun, mit der Zeit werde ich schon sehen, was ich von ihm zu halten habe.

Inzwischen sind sie mit der Kleidungsanprobe fertig und Yasraena atmet erleichtert aus. Inzwischen wurde das ganze in-die-Kleidung-rein und Aus-der-Kleidung-raus wirklich anstrengend. Ein letztes Mal reicht Azra ihr Kleidung an, doch bei dieser handelt es sich um keine weitere Anprobe, sondern viel mehr um Kleidung, die sie vorerst tragen soll. Erleichtert legt sich Yasraena diese Kleidung an. Azra fährt inzwischen fort und erzählt, wie sie sich in Borgil verliebt hat und dass nach ihrer Hochzeit alles besser wurde, denn niemand wagte mehr hinter ihrem Rücken zu tuscheln.
Also, sind auch die Bürger hier nicht anders… schießt es Yasraena unwillkürlich durch den Kopf. War die weite Reise etwa umsonst? Doch soweit wollte Yasra nicht einmal denken, vielmehr wollte sie die Dinge auf sich zukommen lassen und abwarten, wie man auf sie reagieren würde. Da sie bereits an ihrem ersten Tag in dieser Stadt zwei Personen kennengelernt hat, welche über eben solch bleiche Haut, wie sie selbst verfügen, kann es so schlimm ja nicht werden. Kurz schweifen ihre Gedanken zu Njucon, noch immer weiß sie nicht recht, was sie von ihm zu halten hat.
Azra plappernd unterdessen munter weiter, erzählt davon, dass Borgil sich noch eine Tochter wünscht. Yasraena weiß nicht recht, was sie dazu sagen soll, entgegnet aber mit einem freundlichen Lächeln: „Ach wer weiß, vielleicht schenken euch die Götter tatsächlich noch ein Mädchen.“

Inzwischen ist Yasra wieder vollständig angekleidet und Azra bestätigt, dass sie jetzt hier fertig sind. Azra erkundigt sich, ob Yasraena noch etwas wissen mag, doch ohne eine Antwort abzuwarten plappernd die kleine Halbelbe auch schon weiter, erzählt wie wichtig es sei, dass Yasraena die Stadt kennen lernt und stellt prompt die nächste Frage: >Hast du dich schon etwas über die wichtigen Persönlichkeiten Talyras informiert?< Doch auch hier wartet sie keine Antwort ab und beginnt sofort über einige wenige bedeutende Personen zu erzählen. Erst als Azra fertig ist, kommt Yasraena zu einer Antwort: „Nein. Ich habe bisher kaum etwas von der Stadt gesehen, daher wollte ich selbst auch noch einen Spaziergang machen und mich ein wenig umsehen. Auch von bedeutsamen Personen ist mir bisher nichts weiter bekannt. Doch ich denke, dass ich diesbezüglich schnell lernen werde. Auf dem Markt wird man sicherlich allerlei zu hören bekommen und ganz bestimmt werde ich auch hier in Gesprächen mit den anderen Mägden, vielleicht sogar Gästen und natürlich in Gesprächen mit dir einiges erfahren.“ Die einzigen bedeutenden Personen, die Yasraena wirklich brennend und sogleich interessieren, sind Gestütbesitzer, welche vielleicht für Shunj’anars Dienste gut zahlen würden. Doch, dass weiß Azra bereits und Yasraena möchte nicht so unhöflich sein, darauf erneut aufmerksam zu machen, daher spricht sie diesen Gedanken auch nicht weiter aus. Andere bedeutende Personen wird Yasra schon mit der Zeit kennen lernen und alsbald werden ihr diese Namen nur allzu geläufig sein. Jetzt auf einmal könnte sie sich die ganzen neuen Namen ohnehin nicht merken und so beschließt sie, sich diese nach und nach anzueignen. Erst einmal ist es wichtiger, die Straßen und Gassen zu kennen und sich in der Stadt zurecht zu finden.

Azra bietet der Elbe derweil an, das Haar zu flechten. Yasraena muss bei der Vorstellung kichern, immerhin ist ihr Haar nicht sonderlich lang und fällt glatt und ein wenig fransig gerade mal bis über die Schultern. Einige Strähnen sind mitunter kürzer als Andere und Yasra kann sich nicht vorstellen, dass man ihr Haar zu einem ordentlichen Zopf flechten kann. Dennoch nickt sie Azra lächelnd zu. Immerhin hat diese bereits mit Nadel und Faden ein solches Geschick bewiesen, dass Yasraena durchaus neugierig ist, ob Azra  das Haar tatsächlich gebändigt bekommt. Jetzt direkt nach dem Bad, stehen die Chancen jedenfalls nicht schlecht, immerhin ist das Haar noch feucht und liegt daher glatt an, ohne wie sonst in widerspenstigen Fransen hier und da ein wenig abzustehen. Vielleicht gelingt es tatsächlich. Yasraena erinnert sich, dass sie in den Elbenlanden oftmals Hochsteckfrisuren und geflochtenes Haar trug, doch damals war ihr Haar auch länger. Sie hatte es selbst abgeschnitten und dann immer wieder nachgeschnitten, da es so pflegeleichter war und bei der Arbeit auf dem Hof nicht so gestört hat. Yasraena kommt der Gedanke, dass sie es vielleicht wieder wachsen lassen könnte und erneut muss sie lächeln. Während Yasraena für einen Moment ihren Gedanken nachgeht, bürstet Azra Yasraena die Haare und unwillkürlich fühlt sich die Elbe wohl. In dieser Geste liegt, obgleich sich die Beiden noch nicht lange kennen, etwas sehr vertrautes und Yasraena fühlt sich im Moment wirklich glücklich, Azra kennengelernt und bei ihr auch gleich Arbeit gefunden zu haben. Arbeit… Azra hatte gerade eine Andeutung gemacht, dass mein erster Arbeitstag durchaus erst Übermorgen beginnen könnte[i].
Während Azras filigrane Finger sich geschickt durch das Haar arbeiten, fragt Yasraena bezüglich des  Punktes noch einmal nach: „Vorhin, sagtest du deinen Söhnen, dass ich morgen oder übermorgen mit der Arbeit beginne und diesbezüglich wollte ich noch mit dir sprechen. Vielleicht wäre ein freier Tag wirklich nicht schlecht, dann habe ich genug Zeit mich umzusehen und ein wenig über die Wege zu lernen. Zudem könnte ich dann morgen auch schon nach einigen Gestüten schauen und mit den Besitzern sprechen.“ Yasraena hofft wirklich, dass sie ihren Hengst untergebracht bekommt und das ist ja einzig eine Frage der Münzen, welche ihr derzeit wirklich fehlen und welche sie nur mit dieser Tätigkeit auch weiterhin fehlen werden. Für einen kurzen Moment denkt sie reumütig an das Leben, welches sie in den Elbenlanden geführt hat, an teuren Wein, gute Kleider und ein Anwesen, welches keine Wünsche offen lässt. Auch die Weiden und Ställe der Pferde waren perfekt. Aber was nutzt all der Reichtum, wenn man sich nicht wohl fühlt. Hier in der Stadt würde sich das ändern, davon ist sie überzeugt.
[i]Erst einmal ist es wichtig, dass ich mich hier einfinde und Leute kennen lerne. Wenn ich nur genug Münzen zum Leben und für die Unterbringung Shunj’anars bekomme, soll es genug sein. Später kann ich mir immer noch Gedanken machen, wie ich hier in der Stadt zu einem gewissen Wohlstand kommen kann. Bestimmt werden sich Möglichkeiten bieten, man muss nur bereit sein diese auch gleich zu ergreifen.


Inzwischen ist Azra mit dem Zopf fertig und Yasraena betrachtet Azras Werk im Spiegel. Der Zopf ist wahrhaft hübsch anzusehen, zudem ist er nicht nur einfach schlicht geflochten, sondern auch an den Seiten, am Haaransatz bildet er einen geflochtenen Kranz, welcher dann hinten mit dem übrigen Haar weiter verflochten wurde. Yasraenas Augen leuchten vor Begeisterung als sie den Zopf im Spiegel erblickt: „Ich hätte nicht gedacht, dass man dieses kurze fransige Haar zu solch einem hübschen Zopf flechten kann! Danke!“ Und es scheint als sei Freude ansteckend, denn auch Azra scheint sich über die Freude, die sie der Elbe bereitet hat zu freuen.

Nachdem Yasraena nun sauber, angekleidet und hübsch frisiert ist, hilft sie Azra noch beim Aufräumen des Kleiderberges. Der größte Teil geht zurück in die Rumpelkammer, während Azra die anderen, ausgewählten Stücke mitnimmt um sie, wie auch Yasras eigene Lederkleidung, zu reinigen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 22. Sept. 2009, 11:34 Uhr
Yasraenas Haar ist nicht sonderlich lang, aber dick und weich. Sorgfaeltig buerstet Azra Straehne fuer Straehne, bis sie wie eine Flut fluessiges Silber Yasraenas schmalen Nacken umspielen. Mit einem sehnsuechtigen Seufzen faehrt Azra mit ihren schmalen Fingern hindurch und beobachtet fasziniert, wie das Sonnenlicht schimmernde Gold- und Silberfaeden in Yasraenas weisses Haar zaubert. “So schoen”, wispert sie vertraeumt und geniesst das seidenweiche Gefuehl, als sie die Haare zu flechten beginnt und die duennen Straehnen durch ihre Finger gleiten. Bereits jetzt, wo der Zopf kaum einen Finger lang ist, kann Azra sehen, dass er spaeter sehr dick werden wird. Nicht so ein duennes Ding, wie wenn sie ihr weisses Gespinnst an Wollfaeden flicht.
“Du solltest dein Haar wachsen lassen, Yasraena”, murmelt sie leise, derweil ihre Finger flink ein Band um das Ende des Zopfes winden, “Das wuerde dir sicherlich stehen.” Rasch steigt Azra vom Stuhl, auf den sie aufgrund der gravierenden Groessenunterschiede geklettert war, wieder hinunter und fordert die Elbe auf, sich zu drehen. Eifrig nickend und mit einem herzlichen Laecheln auf den Lippen versichert sie: “Du siehst sehr huebsch aus.” Das tut die Elbe wirklich, und Azra wird dumpf bewusst, dass die einfache Kleidung einer Schankmagd nicht recht zu der anmutigen, hellen Gestalt passen will. Ein Diamant im Kohlesack, geht es ihr durch den Kopf, aber bewusst behaelt sie den Gedanken fuer sich. Immerhin ist sie Yasraena mit ihrer Fragerei schon genug auf die Nerven gegangen und sie will nicht noch mehr Salz auf alte Wunden streuen. Trotzem ist Azra, als sei Yasraena sich einen gaenzlich anderen Standard gewohnt. Oder war es zumindest einmal. Aber ihre Haende sind rau und ihre Statur drahtig. Sie kann hart arbeiten, also woher sie den Reichtum auch immer gekannt hat, es ist lange her. Und Gruende, um dergleichen hinter sich zu lassen, gibt es genug… vor allem wenn man ein Shebarucmischling ist. Einen Moment lang kommt ihr Blick auf ihren eigenen Fingern zu ruhen und ganz sanft stubbsd das Glueck gegen ihr Herz. Die Goetter meinten es wirklich gut mit mir. Azra weiss das sehr genau und sie huetet das erhaltene Geschenk – ein unbeschwertes, glueckliches Leben mit einem wundervollen Ehemann und zwei ganz besonderen Kindern – wie einen Schatz und dankt den Goettern tagtaeglich mehrmals fuer ihre Grosszuegigkeit. Und ihre Gnade, denn Azra hat auch miterlebt, dass die Goetter unerbittlich und grausam sein koennen. Fluechtig gedenkt sie Calyra, der Bardin, Phelan, dem Waldlaeufer, Dancy, der Pfirsichmutter und noch vielen anderen, die in den letzten, unruhigen Jahren ihr Leben gelassen haben.
Yasraena unterbricht sie in ihren duesteren Gedanken, indem sie den Rest der Kleider zusammensucht. Hastig beeilt sich Azra der Elbe zu helfen. Schnell sind die unbrauchbaren Stuecke wieder im Allesundnichtsraum verschwunden, derweil sie mit dem anderen Haufen in die Gaststube zurueckstiefeln. Auf dem Weg hinunter erklaert Azra noch mit einem Blick auf die vorbeihuschenden Maedchen und die freundlich gruessenden Gaeste: “Die Arbeit hier ist schoen, Yasraena. Schoen, aber anstrengend. Es wird Tage geben, wo du mitten in der Nacht aufstehst und mitten in der Nacht wieder ins Bett gehst, ohne einen einzigen Sonnenstrahl gesehen zu haben. Und die Gaeste sind auch nicht immer einfach. Meistens sind sie freundlich – nur ein wirklich Betrunkener, ein Dummkopf oder ein Unwissender legt sich mit Borgil in dessen eigenem Haus an -, aber wenn mehr Met oder Bier fliesst, kann es auch schon einmal etwas laut zu und her gehen… aeh… sehr laut.” Dabei laechelt sie verlegen, denn allein schon die Erinnerung an eine Bande besoffener Jungzwerge, die lautstark, nur leider voellig schief sehr… interessante… Lieder zum Besten gegeben hatten, treibt ihr die Roete auf die Wangen.
Gerade am Ende der Treppe angekommen fuegt Azra ein wenig atemlos hinzu: “Eigentlich rede ich voelligen Unsinn. Ich bin mir sicher, du wirst dich hier rasch einfinden. Mach dir einfach keinen Kopf um verwirrte Gesichter, fragende Blicke oder misstrauisches Verhalten. Sei nachsichtig mit jenen, die dir skeptisch gegenueber treten und uebe dich in Geduld, dann werden die Talyrer schnell merken, dass du… du… nunja… so bist, wie wir alle.” Und kein blutruenstiges, dem Dunklen untertaeniges, boesartiges, von Hass zerfressenes Monster.

Noch am gleichen Nachmittag informiert sich Azra bei Borgil ueber die ansaessigen Gestuetsbesitzer, die moeglicherweise Interesse an einem Cul-Deckhengst bekunden koennten, und laesst sich auch noch ueber moegliche Preisforderungen aufklaeren. Beides gibt sie an Yasraena weiter, die sich flugs aufmacht besagte Maenner und Frauen zu finden.
Azra derweil kuemmert sich um die Dreckwaesche. Weil das Jahr das Herbstlied angestimmt hat und es draussen sehr viel kuehler geworden ist, haben sie die Waschzuber drinnen aufgestellt. Einen ganzen Morgen lang vergnuegen sich ein Dutzend junger und alter Weiber damit, sich klatschend und tratschend ueber Wasser und Waschbrett zu beugen und dem Schmutz mit hochgekrempelten Aermeln an den Kragen zu gehen. Azra wuselt zwischen den Frauen hindurch, hilft hier, hilft dort, haelt dort ein Kaffeekraenzchen und da ein Plaeuschchen und sucht dabei fleissig die sauberen Kleidungstuecke zusammen, um sie ueber die quer durch den Raum gespannten, Waescheleinen zu haengen. Es ist ein ausgelassenes, froehliches Treiben und Azra geniesst das Durcheinander, sorgt im Nachhinein aber auch dafuer, dass alles wieder sauber und trocken ist.
Zwei Tage nach Yasraenas Erscheinen macht sie sich nach getaner Arbeit, wie mit Njucon vereinbart, belagen mit zwei kleinen Kisten voller Kraeutersetzlinge auf zum roten Steinhaus. Es ist ein kuehler Erntemondabend und der Wind pfeift leise durch die leeren Gassen. Auf dem Weg zu dem markanten, kleinen Haeuschen am Llarelon begegnet sie lediglich zwei wachhabenden Gardisten, die sie freundlich gruessen und sich erkundigen, ob das Geruecht, dass die Herbstkarawane auch wieder etwas von dem beruehmt beruechtigten Hamadatschnapps mitgebracht haette, wahr sei. Lachend bestaetigt Azra selbiges und laedt die beiden jungen Maenner ein, nach ihrer Schicht noch vorbei zu sehen.
Als sie aber die Strasse, die direkt zu Njucons Behausung fuehrt, erreicht, erkennt sie bereits, das es verlassen ist. Kein Lichtschein faellt durch die kleinen holzgerahmten Fenster auf die Pflastersteine und es ist voellig still im Inneren. Verunsichert, weil Njucon von ihrer Verabredung gewusst hatte, huscht sie rasch ueber das Kies zur Tuer und klopft zaghaft gegen das alte Holz. Nichts regt sich.
“Njucon?”, ruft Azra leise, erhaelt aber keine Antwort. Verwirrung macht sich in ihr breit – und bereits meldet sich ein Hauch von Enttauschung, dem sie aber noch vehement entgegen wirkt. Bestimmt schlaeft er nur und hoert mich nicht. Ja, das wird es sein. Das dem nicht so ist, ahnt sie laengst, aber eigentlich kann und will sie sich nicht vorstellen, dass Njucon sie versetzt hat. Einfach so. Ohne ein Wort der Erklaerung. Hastig geht Azra im Kopf saemtliche Optionen durch, die ihr noch bleiben. Moeglicherweise kommt er einfach nur ein wenig spaet, weil er aufgehalten wurde. Besser ich warte noch kurz. Aus dem kurz wird ueber eine Stunde, in der Azra nichts weiter tut als froestelnd neben den abgestellten Kisten von einem Fuss auf den anderen zu huepfen, um bei jedem Geraeusch hoffnungsvoll aufzublicken. Aber Njucon kommt nicht und sie muss einsehen, dass er es entweder wirklich vergessen, oder sie aber im vollen Bewusstsein versetzt hat.
Oder… ihm ist etwas passiert. Mit kalten, steifen Gliedern, voller Sorge und verletzt gleichermassen kehrt sie daraufhin mit den Kisten wieder in die Goldene Harfe zurueck.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Yasraena am 23. Sept. 2009, 11:49 Uhr
Das Wort „schön“ wurde bisher noch von Niemand mit Yasraenas Haar in Verbindung gebracht umso verdutzter ist die Elbe, als Azra doch tatsächlich eben dieses Wort benutzt, während sie Yasraenas Haare bürstet.
Ich habe mich bestimmt verhört… überlegt Yasra noch, da teilt ihr Azra auch schon mit, dass sie ihr Haar wachsen lassen solle und nun errötet Yasra sogar ein wenig. Solche Komplimente sind ihr fremd und so klingt auch ihr leises „Danke“ sehr verlegen und unsicher. Obgleich sie, zumindest der Mutter nach aus gutem Hause stammt, gehörte sie nie zu denjenigen, welche Komplimente kannten. Da war immer dieses unterschwellige Misstrauen oder aber Mitleid. Jemand der wirklich Interesse an ihr hatte oder sie gar als hübsch bezeichnet hätte… Ihre Haut war zu bleich und erinnerte zu sehr an das Erbe der Shebaruc und ihr weißes Haar war selbst für eine Hochelbe zu hell. Sie war irgendein Mischmasch, nicht reinblütig und obgleich ihr das bei den Hochelben nie vorgeworfen worden war, ist ihr diese Tatsache doch stets bewusst gewesen. Es gab keinen Elben, der sich je für sie interessiert hätte. Sie war ein Makel. Nicht mehr und nicht weniger. Und egal wie sehr sich andere auch bemüht haben, sie völlig normal zu behandeln. Sie selbst hat sich immer so gesehen. Es liegt nahe, dass ihr Vater zu dieser Ansicht beigetragen hat. Doch nun steht sie hier mit ihrem geflochtenen Zopf und sie fühlt sich zum ersten Mal tatsächlich normal, so aufrichtig und ehrlich klingen Azras Worte.

Nachdem sie aufgeräumt haben und Azra sie noch gewarnt hat, dass die Arbeit schön, aber auch mühsam wird und ihr noch den Tip gegeben hat nachsichtig mit Vorurteilen umzugehen, zieht sich Yasra erst einmal in ihr Zimmer zurück um sich zu erholen. Doch als Azra ihr wenig später mitteilt welche Gestüte sie aufsuchen könnte und welche Gelder sie dort verlangen könnte, macht sich Yasraena gleich auf den Weg diese Aufzusuchen.
Shunj'anar hat sich zwar seine Pause verdient und zu gerne würde ich ihn hier im Stall lassen, aber vermutlich ist es nur von Vorteil, wenn ich ihn dort gleich zeigen kann. Daherkommen und behaupten einen Cul-Deckhengst zu haben kann ja ein jeder.
Und so begibt sich Yasraena gleich zum Stall, sattelt und zäumt den Schwarzen auf und führt ihn vom Gelände des Gasthauses.



---------> Der Marktplatz Talyras

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Yasraena am 09. Okt. 2009, 00:11 Uhr
---> die Straßen der Stadt

Nachdem Yasraena nun einige Adelsfamilien besucht hatte, macht sie sich wieder auf den Rückweg zur Schänke. Eigentlich wollte sie Shunj’anar nur zurück bringen und dann noch etwas ohne ihn spazieren gehen. Doch letzten Endes ist sie so erschöpft, dass sie es dabei belässt, lediglich ihr Pferd noch versorgt um dann anschließend auf ihrem Zimmer zu verschwinden.

Völlig geschafft, lässt sie sich auf das Bett sinken. Ein wenig denkt sie noch über den Tag nach und vor Allem die Begegnung mit dem Kind hat ihr sehr gut getan. Dort ist ihr erst so richtig bewusst geworden, dass die Menschen gar nicht ausschließlich wegen ihr selbst und ihrem Haar zu starren und tuscheln. Wieso war sie nur nicht früher darauf gekommen, dass ihr Pferd so auffällig ist, dass alleine deswegen schon viele Blicke auf ihr ruhen.

Was für ein Bild ich abgegeben haben muss? und unwillkürlich schleicht sich ein Schmunzeln auf das Gesicht der Elbe, als sie daran denkt, wie sie in einfacher Kleidung durch die Straßen geht und solch ein teures Pferd hinter sich herführt. Ja, vermutlich hat nicht einmal ein Viertel der Leute wirklich auf sie selbst und ihr weißes Haar und die bleiche Haut geachtet, sondern vielmehr wegen des edlen Tieres an ihrer Seite irritiert. Ein letztes Kopfschütteln macht sich auf dem Gesicht der Elbe breit, dann schlummert sie auch schon für einen Moment ein…

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Cinaed am 26. Okt. 2009, 08:05 Uhr
« Glyn-y-Defaid

Der Nachmittag neigt sich schon fast dem Ende zu, als Cináed schließlich vor der Goldenen Harfe ankommt. Er stellt sein Gespann in der Nähe der Stallungen ab und winkt einen der Stallburschen herbei. „He, Junge, hol' mir Halla oder Sigrun herbei“, ruft er dem Stallburschen zu, „oder den Hausherrn persönlich, wenn er gerade abkömmlich ist... Sag' ihnen, ich bringe ein paar Kleinigkeiten für die Harfenküche.“ Bei diesen Worten deutet der Elb beiläufig auf seinen Karren, der tatsächlich gut beladen ist. Der Junge folgt der Handbewegung, nickt und eilt sogleich davon. „Selbstverständlich, Herr Cináed“, versichert er dem Elb und ist im nächsten Augenblick auch schon verschwunden. Cináed sieht ihm kurz nach und wendet sich dann wieder seinem Gespann zu. Ein paar schnelle geübte Griffe und die fünf mit Obst gefüllten Säcke (drei voller Äpfel, zwei voller Birnen) sind rasch vom Karren gehoben. Auch das Fass mit Mondaugen ist rasch vom Wagen gerollt, die Käseräder liegen griffbereit, selbiges gilt für die fünf Kürbisse und das mitgebrachte Fleisch (hauptsächlich Schinken und Würste, aber auch etwas Leberwurst und Sülze).
Der Elb begutachtet alles noch einmal prüfend und wartet dann geduldig, bis endlich jemand zu ihm heraus kommt. Er selbst hat absolut keine Eile. Das Abladen seiner Waren nimmt, wie bereits angedeutet, nicht sonderlich viel Zeit in Anspruch (in die Speisekammern der Harfe werden sie ohnehin von anderen geschafft) und auf Glyn-y-Defaid erwartet man ihn nicht so bald zurück. Insgeheim hat Cináed sogar vielmehr den Verdacht, dass er sich von Cath und Rhona eine lange Predigt würde anhören müssen, falls er zu zeitig heimkehren sollte. Ja, irgendwie kann er sich nicht ganz des Eindrucks erwehren, dass eher alle mehr als heilfroh sind, wenn er den Hof mal verlässt, um z.B. für ein paar Stunden in der Harfe oder im Aal einzukehren oder in der Stadt dem einen oder anderen Geschäft nachzugehen – Rhona spricht in diesem Zusammenhang mit Vorliebe von 'sich mal wieder unter Leute begeben'. Cináed runzelt die Stirn. Ich hätte vielleicht noch rasch im Sithechhain vorbeischauen können, überlegt er, verwirft den Gedanken aber gleich wieder. Nein, nicht mit so voll geladenem Karren.

Gedankenverloren klopft sich der Elb sich etwas Staub von seiner dunklen, aus Leder gefertigten Hose. Auch seine restliche Kleidung ist praktisch und zweckmäßig, eben die Kleidung eines gewöhnlichen, hart arbeitenden Gutshofbesitzers: Qualitativ durchaus besser als die der einfachen talyrischen Landbevölkerung, davon ansonsten aber nicht groß zu unterscheiden. Cináeds Hemd besteht aus grobem Linnen, außerdem trägt er zur Hose passende Stiefel und, wie immer, Armschienen sowie lederne Handschuhe (heute einmal welche ohne Fingerkuppen). Schmuck trägt der Elb selten und danach einen seiner zahlreichen Kilts anzulegen (seine verstorbene Frau vertrat stets die Ansicht dieses laiginische Kleidungsstück würde einfach wunderbar zu ihm passen, er selbst hält es lediglich für recht bequem) war ihm heute irgendwie nicht zumute.
An seinen Karren gelehnt beobachtet er das Kommen und Gehen der Harfengäste. Schließlich taucht auch der Stallbursche wieder auf. Der schlaksige Bengel, der offenbar mitten im schlimmsten Stimmbruch steckt, verkündet, dass gleich jemand herauskommen werde, und erkundigt sich, ob er sich derweil um Cináeds Kaltblut kümmern solle. Der Elb nickt. „Ja, ich habe vor auf ein oder zwei Bier zu bleiben, also nur zu“, erklärt er und wirft dem Jungen ein Kupferstück zu. „Über ein wenig Extrahafer freut sich der Vielfrass hier immer.“ Cináed lacht herzlich. Er blickt wieder zum Torbogen hinüber, der in den Innenhof des Harfenanwesens führt. „Scheint mal wieder viel los zu sein...“

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 26. Okt. 2009, 22:02 Uhr
Eine Woche vor Allerseelen, gegen Ende des Blätterfallmonds, platzt die Harfe aus allen Nähten und bis auf das allerletzte Dachkämmerlein sind sämtliche Zimmer ausgebucht, so dass man meinen könnte, Inaris Hochtag stehe vor der Tür und nicht das Samhainfest zu Ehren Sithechs und der Toten. Borgils arme Schankmaiden und alle Harfenmägde und Knechte rennen wie die Hasen, um all den Bestellungen und Wünschen der Gäste nachzukommen, oder sie würden es jedenfalls, wenn sie im Gedränge nur könnten. "Man könnte meinen", brummt er irgendwann, während er mit fliegenden Fingern einen um den anderen Bierhumpen füllt, "man könnte meinen, es gäbe kein anderes Gasthaus in der Stadt als meines!" Eine Reisegesellschaft von blurraenter Kaufleuten hat sich im Westflügel einquartiert, ein Templertrupp aus Ildala ist auf dem Weg in die Grenzgebiete Draingarads und des Verdlandes, wo es schon den ganzen Sommer über beunruhigende Nachrichten über Überfälle von Gesetzlosen, nein, keine Narge, aber möglicherweise umherstreifende Banden wildgewordener Amazonen aus dem Dunkelwald, gegeben hatte und eine ganze Reihe lediger, heißblütiger  Weyrs aus den Sonnenhügeln samt Pagen, Knappen und Leibdienern (nicht gerade, dass die Herren auch noch ihre Lieblingshuren im Gepäck hatten) ist ebenfalls angerückt, hat den Ostflügel der Harfe in Beschlag genommen und streitet sich Abend für Abend mit den blurraenter Händlern - selbstredend nur um eines. Borgil ist nahe daran, beiden Parteien einen Zollstock zu bringen und die Beweise für die großspurigen Behauptungen an Ort und Stelle einzufordern - mit seinen sämtlichen Schankmaiden als Preisrichterinnen, die sich bestimmt köstlich amüsiert hätten. Der Rest seiner Gäste ist weit weniger anstrengend und eine bunte Mischung aus Reisenden, Besuchern der Stadt aus dem näheren und weiteren Umland, die zum Festtag hierher gepilgert sind, Abenteurern, Kriegern, Glückssuchenden und Wanderern, die schon länger in der Harfe weilen oder hier in Talyra ohnehin Fuß fassen wollen. Borgil rotiert also zusammen mit Halla und Yasraena, ihrer neuen Magd, hinter dem Tresen und durch die Küche wie ein bärtiger Brummkreisel und fragt sich bestimmt zum zwanzigsten Mal an diesem Tag, wo beim Donnerdrummel eigentlich Azra steckt, doch in Wahrheit gefällt es ihm so (natürlich nicht Azras Fehlen, sondern das vorherschende Gedränge) und nicht anders – alles andere wäre ja auch denkbar schlecht fürs Geschäft. Außerdem ist da ja auch noch die, gelinde gesagt ziemlich schockierende, Nachricht der Heilerin Riaril, die samt Kind und Kegel die Stadt verlassen hat, erst gestern. Sie hatte ihm eine Botschaft zukommen lassen, er möge während ihrer Abwesenheit - wobei sie offen gelassen hat, wie lange dieses abwesend genau sein soll, aber es klingt verdächtig nach "für immer" – doch ein Auge auf Cerynitis Cerua haben. So lange bis ihr Sohn, der es erben würde, entscheiden kann, was er damit zu tun gedenkt. Herrje. Als würde ich ewig leben. Und überhaupt, Talyra kann es sich gar nicht leisten, noch eine so gute Heilerin zu verlieren. Bald bleiben für alle fünfzigtausend oder mehr Bürger dieser Stadt nur noch die Maester der Steinfaust, und die haben wissen die Götter genug zu tun!

Als der Nachmittag sich seinem Ende neigt wird es dann auch allmählich ruhiger und auch die Harfe bekommt ihre wohlverdiente Atempause. Just zu dem Zeitpunkt, als Borgil seinen harten Zwergenhintern also an den wuchtigen Tisch neben dem Tresen pflanzen kann (immer noch ohne Azra, die tatsächlich irgendwo verschollen gegangen zu sein scheint), vor sich köstliches Wildbret und einen Krug Verder Kupferbier, hetzt einer der Stalljungen herein, der kleine Envel, seit letztem Sommer in der Harfe und gerade schrecklicherweise im Stimmbruch, weswegen er wahlweise brummt wie der alte Grymauch oder quietscht wie eine rostige Türangel. Borgil muss auch dreimal nachfragen, ehe der Knirps halbwegs verständlich "Cináed von Glyn-y-Defaid" herausquetschen kann. Einen Moment lang blickt der Zwerg trotzdem perplex drein, aber dann fällt der Groschen. "Aaah, die Lieferung! Holt ihn rein, holt ihn rein, ach lass, ich mach es selbst." Auf dem Weg in den Innenhof oder besser gesagt eigentlich Nebenhof der Harfe, zwischen dem alten Gasthof selbst und den Stallungen und Nebengebäuden gelegen, schnappt Borgil sich im Vorbeigehen zwei Knechte und eine kräftige Magd und weist sie an, ihm zu folgen. Als sie draußen vor dem gemauerten Torbogen anlangen, ist Envel schon damit beschäftig, das kräftige Zugpferd vor dem kleinen Karren zu versorgen und der Elb wendet sich gerade zu ihnen um. Borgil hört ihn eben noch etwas von "scheint viel los zu sein" murmeln und kann nur nicken. "Die neun Höllen, so wie es aussieht, aber ah, Euch schickt der Himmel, Azra liegt mir schon seit Tagen nach Euren Kornäpfeln in den Ohren. Joran, Klervi, Tudal, ladet den Wagen ab. Was habt Ihr Schönes mitgebracht?" Borgil beäugt mit Kennermiene Mondaugen im Fass, schmackhafte Käselaibe, Schinken und Würste, sowie die Säcke mit Birnen und Äpfeln. "Hervorragend. Sieht gut aus, wie immer. Kommt alles in die Keller", raunt er den Knechten zu, die nicken und sich an die Arbeit machen. "Bis auf die Kornäpfel, die kommen in meine private Speisekammer, Azra will Kompott daraus machen. So… ich wollte gerade einen Happen essen und mir einen Schluck gönnen. Leistet mir doch ein wenig Gesellschaft, wenn Ihr Zeit habt, aye?" Der Elb, mit dem Borgil schon eine ganze Weile kleinere Geschäfte macht, weil er ein angenehmer Handelspartner ist und seine Waren stets von bester Qualität sind, scheint tatsächlich etwas Zeit übrig zu haben, denn er nickt und schließt sich dem Zwergen an. Borgil kann wirklich nicht behaupten, ihn gut zu kennen, aber natürlich weiß er das ein oder andere über das Langbein, so wie er das ein oder andere über so gut wie jeden bekannteren Bürger Talyras weiß und ihm ist ohnehin gerade danach, sich mit ein wenig Klatsch und Tratsch die Zeit zu vertreiben.

Außerdem gefällt mir das Lächeln von dem Kerl. Scheint ein anständiger Mann zu sein, und von denen kann man, wissen die Götter, gar nicht genug kennen… ist nicht vor ein paar Jahren seine Frau gestorben? Borgil kramt eine Weile in seinem Gedächtnis herum, doch dann fällt es ihm wieder ein. Cináed, der ewig junge, ewig gutaussehende Elb, der Tara, die Menschenfrau, die alt wurde und starb wie alle Menschen es tun, so sehr geliebt hat… zu ihrer Zeit waren die beiden immer wieder Gesprächsstoff der Marktweiber (und nicht nur der) in der Stadt gewesen und beinahe drei Generationen von Frauen hatten zumindest während ihrer Backfischzeiten von der Romantik und dem Herzeleid Cináeds und Taras geträumt. Ich nehme an so entstehen die Lieder der Barden… "Kommt herein und setzt Euch zu mir. Halla, ein Gedeck und einen Krug, bitte. Greift zu, wenn Ihr hungrig seid, aye? Es reicht leicht für zwei und wenn nicht, in der Küche ist noch mehr. Wie steht's auf Glyn-y-Defaid, seid Ihr und die Euren wohlauf?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Cinaed am 27. Okt. 2009, 14:25 Uhr
»So… ich wollte gerade einen Happen essen und mir einen Schluck gönnen«, verkündet Borgil nachdem er die beiden Knechte und die Magd angewiesen hat, was sie mit Cináeds Lieferung tun sollen. »Leistet mir doch ein wenig Gesellschaft, wenn Ihr Zeit habt, aye?« Bei diesem 'Angebot' muss der Elb nicht lange überlegen. „Mit Vergnügen“, entgegnet er gut gelaunt. „Zeit habe ich genug, schätze ich.“ Er grinst. „Ja, es ist vielmehr sogar so, dass ich mich, sollte ich zu früh zurückkehren, vermutlich schneller in des Dunklen Küche wiederfinde, als mir lieb ist...“ Der Wirt nickt verständnisvoll schmunzelnd und stimmt in Cináeds Lachen ein. »Kommt herein und setzt Euch zu mir«, fordert er den Elben auf. »Halla, ein Gedeck und einen Krug, bitte. Greift zu, wenn Ihr hungrig seid, aye? Es reicht leicht für zwei und wenn nicht, in der Küche ist noch mehr. Wie steht's auf Glyn-y-Defaid, seid Ihr und die Euren wohlauf?« Cináed lächelt, folgt dem Zwergen ins Gasthaus und setzt sich neben ihn auf einen freien Stuhl. Auf jemanden, der Borgil Blutaxt nicht kennt, mag der für einen Zwerg groß geratene Harfenwirt, eher abschreckend wirken, doch Cináed macht lange genug Geschäfte mit ihm, um zu wissen, dass sich unter der rauen Schale ein ausgesprochen freundlicher Zeitgenosse verbirgt.

„Oh ja, auf Glyn-y-Defaid steht alles zum besten“, entgegnet er dem Harfenwirt. „Amitari hat uns in diesem Zwölfmond wahrlich reich beschenkt.“ Zufrieden greift er nach dem Krug, den Halla kurz zuvor vor ihm abgestellt hat. „Ihr sagtet, Eure Frau wolle Kompott kochen?“ Der Elb lächelt. „Nun, davon wird auf meinem Hof derzeit auch mehr als genug hergestellt – nicht zu vergessen all die Marmeladen, die Rhona pausenlos zusammenrührt, das Dörrobst, und natürlich die Obstbrände und -weine, die Owyn und Emrys im Augenblick ständig zusammenpanschen.“ Der Gedanke lässt Cináed schmunzeln. Und nicht zum ersten Mal fragt er sich, ob eine Verkleinerung des Obst- und Gemüsegartens nicht vielleicht doch sinnvoll wäre. Andererseits, der ganze eingekochte und gebrannte Kram bringt einen recht hübschen Nebenverdienst ein. Und so gut wie der zurückliegende Zwölfmond es diesmal mit Gly-y-Defaid gemeint hat, würden sie tatsächlich Mühe haben, alles selbst zu verbrauchen. „Also, wenn Ihr auch an Marmeladen oder Obstbränden interessiert seid“, bietet er dem Harfenwirt an, „wir ersticken vermutlich bald an dem Zeug... Sogar der Wein hat so viele Trauben getragen, dass es womöglich endlich einmal wieder für fünf, sechs kleine Fässer reicht.“ Er streicht sich ein paar vorwitzige Haarsträhnen aus dem Gesicht. „Und mit meinen Herden kann ich ohnehin zufrieden sein. Wirklich viele Lämmer dieses Mal... Tatsächlich spiele ich ernsthaft mit dem Gedanken, ob ich noch zusätzliches Weideland pachten oder gar zukaufen soll.“

Gut gelaunt bedient sich der Elb an den aufgetischten Speisen. Das Essen in der Harfe besitzt einen ausgezeichneten Ruf, sodass es Cináed stets eine Freude ist, dort zu Gast zu sein. „Und wie steht es mit Euch? Wie geht es Eurer Frau und den Jungs?“, erkundigt er sich bei Borgil und wechselt auf diese Weise ganz beiläufig das Thema. „Brenainn und Bræn, richtig?“ Der Elb nimmt einen Bissen vom Brot und spült diesen anschließend mit etwas Bier hinunter. „Ihr könnt Euch wahrlich glücklich schätzen“, meint er vollkommen aufrichtig. Das Tara und er nie eigene Kinder vergönnt waren, war stets der einzige wunde Punkt in ihrer Beziehung gewesen. Und Cináed zweifelt nicht eine Sekunde lang daran, dass ihr Vater sich im Grabe umdrehen täte, wenn er wüsste, dass seine Linie mit ihr geendet hat. Es ist kein Geheimnis, dass Tara damals zwei Brüder im Krieg und einen aufgrund einer tückischen Krankheit verloren hat. Sie selbst war zu Cináeds unendlicher Freunde zwar wieder genesen, doch zu einem sehr hohen Preis. Llaerons Gespinste sind unergründlich... Er schaut sich im Gasthaus um. „Man merkt, dass Allerseelen vor der Tür steht“, meint er beim Gedanken an seine verstorbene Frau und in Hinblick auf die gut gefüllte Schankstube. „Und ich vermute, danach werdet Ihr auch nur wenig Ruhe finden, was? Mittwinter ist ja auch nicht mehr allzu fern...“ Der Elb lächelt. „...die Zeit der Geschichten ist wieder angebrochen.“

Aus den Augenwinkeln bemerkt er eine Bewegung und entdeckt ein paar bekannte Gesichter. Die Männer haben gerade mit etwas Glück einen Tisch ergattert und sich daran niedergelassen. Der Elb grüßt kurz in ihre Richtung, vielleicht gesellt er sich später noch zu ihnen, vorerst fühlt er sich in Borgils Gesellschaft jedoch sehr wohl. Cináed betrachtet die Fünf – allesamt Herzländer, der Jüngste um die 30, der Älteste um die 60 Zwölfmonde alt – als Freunde. Doch sollte er sich zu ihnen setzen, dann weiß er schon jetzt, welche Richtung ihre Unterhaltung früher oder später einschlagen wird: Eine gute Partie für.... IHN. Dabei ist es immer das selbe. Hier versucht jemand seine Töchter unter die Haube zu bringen, dort lebt eine einsame, gutbetuchte Witwe; in der Stadt schwirren ständig so allerlei Gerüchte. Nach derlei Unterhaltungen steht dem Elben im Augenblick allerdings nicht unbedingt der Sinn, und von Borgil hat er in dieser Hinsicht vermutlich nicht allzuviel zu befürchten... Also wartet Cináed interessiert, was der Harfenwirt ihm so alles erzählen wird und trinkt noch einen Schluck von dessen vorzüglichem Bier.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 28. Okt. 2009, 13:14 Uhr
Der Elb gesellt sich gern zu ihm und so überlassen sie das Abladen der Waren und das Versorgen des Pferdes getrost dem Gesinde und kehren gemeinsam an Borgils Tisch zu Bier und Wildbret zurück. >Oh ja, auf Glyn-y-Defaid steht alles zum Besten. Amitari hat uns in diesem Zwölfmond wahrlich reich beschenkt.< Wird Borgil auf seine Nachfrage beschieden und er Zwerg nickt. "Dann hattet ihr Glück, wie die meisten talyrischen Bauern. In Ildala, Brioca und Sûrmera war der Sommer viel zu trocken, nach allem was man so hört. Die Ernten waren längst nicht so ertragreich, wie sie hätten sein können, jedenfalls was das Korn angeht. Sûrmera und Ildala kaufen in den Häfen der Nebrinorthares Getreide zu, jedenfalls was dort zu haben ist, aber Unterhändler aus Brioca haben schon bei uns angefragt und auch beim alten Navarr im Verdland. Es war nun nicht unbedingt eine Missernte, aber gerade in Sûrmera hält man die Kornspeicher gern voll, wenn Ihr versteht, was ich meine." Borgil nimmt einen tiefen Schluck und lächelt bei den Gedanken an die guten Erträge, die alle talyrischen Bauern, die mehr hatten, als sie selbst brauchten und etwas davon an Händler aus dem Süden verkaufen konnten, machen würden, wie an Azras unvergleichliches Kornapfelkompott gleichermaßen. Sie macht es nur für ihn, das weiß er genau, weil er so versessen darauf ist wie seine Söhne auf Honigfinger. "Aye, sie will", antwortet er also auf die  Nachfrage Cináeds. "Aber naja, eigentlich kocht sie es wohl hauptsächlich für mich. Schmeckt köstlich." Der Elb lächelt, aber ob über das Kompott oder über die Emsigkeit des Gesindes auf seinem Gut kann Borgil nicht sagen, doch bei der Erwähnung von Marmeladen und Obstbränden wird er hellhörig. Die Harfe hat zwar Stallungen und Kleinvieh zur Eigenversorgung, aber beim besten Willen keinen Platz für einen Garten, einen Obstgarten schon gar nicht. "Hmja", brummt er nachdenklich. "Wenn Ihr soviel übrig habt, nehme ich Euch gern alles ab, was Ihr liefern könnt, für uns selbst wie für die Gäste. Mit Wein bin ich gut versorgt, aber dennoch danke für das Angebot."

> Und mit meinen Herden kann ich ohnehin zufrieden sein,< fährt Cináed fort und nimmt sich Wildscheinbraten, gefüllt mit frischem Ziegenkäse und dunklen Pflaumen ebenso wie eine Stück geschmorter Rehkeule in dunkler Sauce. Dazu gibt es frischgebackenes Brot und gebackene Kartoffeln. > Wirklich viele Lämmer dieses Mal... Tatsächlich spiele ich ernsthaft mit dem Gedanken, ob ich noch zusätzliches Weideland pachten oder gar zukaufen soll.<
Borgil kaut und schluckt, um den Mund freizubekommen und seinem Gast antworten zu können und spült kurzerhand mit einem kräftigen Schluck Bier nach. "Ja, das Frühjahr war schön. Hätte es im Sonnenthron, Beerenreif und Erntemond auch ab und zu geregnet, hätten sie im Süden nicht mit einer leichten Dürre zu kämpfen, aber wir sind hier wohl wirklich verschont worden, Sils Gattin zum Segen und Dank. Weideland pachten… hm… lasst mich nachdenken, ich habe doch…" Borgil schwenkt eine höchst neumodische, aber trotzdem recht einfache zweizinkige Gabel wie einen Zollstock vor seinem Gesicht herum im Versuch, den abhanden gekommenen Gedanken einzufangen. "Aaah, jetzt. Aurian de Winter würde wohl Land verpachten, wenn Ihr welches sucht." Der Elb lebt lange genug schon in der Gegend, um das ganze Drama dieses Frauenhelden Lestat und die daraus entstandenen Schwierigkeiten der ehemals alteingesessenen und wohlhabenden Familie mitbekommen zu haben, die schließlich in ihrem Untergang – nun ja, beinahe - gipfelten. Auch von Aurians auftauchen, ihrer Anerkennung als letzte Erbin der de Winters und ihrem Gesuch vor dem Stadtrat dürfte er wissen, schließlich war das eine ganze Weile das Gesprächsthema auf allen Straßen und Plätzen gewesen und der alte Tallard sorgt mit seinem ewigem Gezänk deswegen schon dafür, dass seine schmähliche Niederlage niemand so schnell vergessen wird.

"Ich weiß aber nicht genau, um welche Ländereien ihrer Familie es sich handelt. Viel kann es nicht mehr sein, gemessen an dem, was die de Winters früher ihr eigen nannten, aber einige Morgen sind es mit Sicherheit und ich meine mich zu erinnern, dass recht gutes Weideland darunter war. Sogar mit eigenen Quellen, aber das kann ich jetzt nicht beschwören. Sprecht doch bei Gelegenheit mit Aurian selbst, Ihr findet sie entweder in der Steinfaust, sie dient dort als Gardemagierin, oder im alten Stadthaus ihrer Familie im Seeviertel." Der Elb scheint recht zufrieden mit dem Gehörten oder damit, überhaupt einen Hinweis in diese Richtung erhalten zu haben und Borgil lächelt leise in seinen Bart. Freut mich immer, guten Handelspartnern weiterhelfen zu können.
>Und wie steht es mit Euch? Wie geht es Eurer Frau und den Jungs? Brenainn und Bræn, richtig?<
"Aye. Wachsen wie Unkraut, stellen jede Menge Unfug an und fressen mir die Haare vom Kopf," erwidert Borgil amüsiert, aber auch voll väterlichen Stolzes auf seine beiden Jungen und deutet mit einem knorrigen Finger zu seinem bis auf den (inzwischen wieder beeindruckend langen) feuerroten Irokesen völlig kahlrasierten, narbigen Schädel. "Da, das ist alles, was noch übrig ist."
Der Elb lächelt warm und sehr ehrlich. >Ihr könnt Euch wahrlich glücklich schätzen.<
"Aye", seufzt Borgil noch einmal, ungewohnt weich. "Schätze, das tue ich auch."
Eine Weile herrscht Schweigen am Tisch, wenn auch kein unangenehmes, doch Borgil ahnt oder glaubt zu ahnen, wohin Cináeds Gedanken wandern, wenn er auch keine konkreten Vorstellungen hat. Aber da ist diese leise Wehmut in den Augen seines Gegenübers und in seiner Stimme war so ein Klang, dass es nicht schwer ist, zu erkennen, dass er einem Mann gegenüber sitzt, der sehr allein auf Rohas weitem Rund ist, auch wenn der es selbst vielleicht nicht so sehen mag oder nicht in solche Worte fassen würde. Borgil mag wenig einfühlsam sein, das ist er wirklich nicht, aber er ist trotzdem ein ganz guter Menschen- oder Elbenkenner, das muss er auch sein.
>Man merkt, dass Allerseelen vor der Tür steht. Und ich vermute, danach werdet Ihr auch nur wenig Ruhe finden, was? Mittwinter ist ja auch nicht mehr allzu fern… die Zeit der Geschichten ist wieder angebrochen.<

"Ah… ich mag den Winter. Obwohl nein, das ist eigentlich gelogen. Was ich mag ist die Gewissheit, gegen ihn gefeit zu sein. Ein warmes Dach über dem Kopf und genug Vorräte zu haben, um ihm zu trotzen. Dennoch… ich mag den Schnee und die Lichter, die frühe Dunkelheit und die Kälte. Ich mag sogar den Frost, auch wenn er mir den Bart erstarren lässt. Und Azras rotes Näschen, wenn sie eine Schneeballschlacht mit den Stalljungen und Brenainn veranstaltet, das mag ich besonders." Borgil streckt die stämmigen Beine unter dem Tisch aus und wackelt mit den Zehen, als könne er schon die verheißungsvolle Wärme eines hell lodernden Kaminfeuers an den Füßen spüren, während draußen dicke weiße Flocken die Stadt mit einem glitzernden Mantel überziehen. "Aber erst einmal Allerseelen. Was dieses Jahr los ist, weiß ich auch nicht, alle Welt scheint in die Tempel pilgern zu wollen. Auf den Straßen sind aber auch so noch viele Reisende unterwegs, der Herbst bisher war ja recht mild. Vielleicht auch noch ein Echo vom Schrecken letztes Jahr, als dieser verrückt gewordene Finstere hier herumschlich und all diese Mädchen und Frauen ermordet hat, nach so etwas kommen immer viele Gläubige. Und Mittwinter… ach, da fällt mir ein, wir brauchen auch dieses Jahr im Langschnee, im Silberweiß und Eismond wieder etwa zwei Schlachthammel im Siebentag, eher sogar noch drei, ich hoffe, Ihr könnt soviel Fleisch liefern? Sigruns Hammelbraten mit Bohnen und erst ihr in Wein geschmortes Fleisch, und dann dieser gefüllte Schafsmagen sind ein Gedicht… wir kommen oft überhaupt nicht mehr mit dem Zubereiten hinterher."    

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aurian am 28. Okt. 2009, 14:13 Uhr
Der Schankraum ist wie meist gut besucht und freie Plätze sind Mangelware. Aurian stellt sich auf die Zehenspitzen, um sich einen Überblick zu verschaffen und hält auch gleich nach Borgil Ausschau. Und tatsächlich, hinten hockt er, vor sich Bier und eine reichhaltige Mahlzeit, gemeinsam mit einem Mann. Flüchtig ist ihr der gutaussehende Elb vom Sehen bekannt, doch sie kann ihn nicht zuordnen. Geschickt schiebt sie sich zwischen den Tischen hindurch und wie so oft zieht sie die Blicke einiger Anwesender auf sich. Die einen, die sie nicht kennen, sehen in ihr eine hübsche junge Frau in Uniform, das lange schwarze Haar zu einem Zopf geflochten, aus dem sich einige Strähnen gelöst haben, die ihr nun ins Gesicht hängen. Einige sind fasziniert von den ausdrucksstarken, grünen Augen, in denen sich eine leichte Wehmut spiegelt. Wer genau hinsieht (aber wer von den Männern tut das schon) erkennt leicht spitze Ohren, nur unmerklich und kann so erahnen, dass in ihren Adern Elbenblut fließt.

Andere, die wissen, wer sie ist, betrachten sie mit einer Mischung aus Interesse, Respekt und auch ein wenig Unbehagen. Auch diese Blicke kennt sie zur Genüge: Nur zu gut ist ihre Abstammung von Lestat de Winter bekannt und ihr Kampf mit Tallard um ihr Erbe, seine Anfeindungen haben bis dato kein wirkliches Ende genommen. Nie würde der Alte verzeihen, dass Lestat eine Affäre mit seiner Frau Mara hatte. Der Skandal hatte Talyra erschüttert und Lestat hatte bei Nacht und Nebel fliehen müssen. Der Rest der Familie war, gequält von Tallards Rachsucht, aus Talyra weggegangen, nachdem Aurians Großmutter an gebrochenem Herzen gestorben und ihr Großvater im Krieg gefallen war.

Auch weiß man um ihre magischen Kräfte, ebenso bekannt sind ihre Abenteuer im Dienst der Garde: seien es Kanalratten, Dämonen oder die Jagd auf Nekromanten, Aurian scheint Aufregung regelrecht anzuziehen. Auch wird gemunkelt, sie hätte eine intensivere Freundschaft zu Cleyron, jenem Vampir im Dienst der Garde, unterhalten, der so plötzlich verschwand. Innerlich seufzt die Halbelbe. Sie mag die Harfe, immerhin war das ihr erstes Ziel als sie nach Talyra gekommen war aber wenn so viele Leute hier sind, fühlt sie sich immer ein wenig unwohl, beobachtet. Sie ist froh, dass ihr die Uniform einen gewissen Schutz verleiht und zielstrebig steuert sie auf Borgil zu. Im Vorbeigehen begrüßt sie Halla und bestellt gleich ein Bier. Neugierige Blicke hin oder her, sie hat es sich heute verdient.

Die beiden Männer sehen ihr entgegen, als sich die Magierin an den letzten Tischen vorbei schiebt und nun weiß sie auch wieder wer Borgils Gesprächspartner ist: Cinead, der Elb und Herr von Glyn-y-Defaid.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 28. Okt. 2009, 14:59 Uhr
Borgil ist mitten im Gespräch mit Cináed, als Aurian die Harfe betritt, doch eine ganze Weile bleibt ihr Auftauchen von den beiden noch unbemerkt, denn der Schankraum ist immer noch gut besucht und es herrscht reges  Treiben. Als die junge Magierin sich jedoch zum Tresen durchkämpft, entdeckt sie ihn wohl und kommt direkt auf ihn zu, und so sieht Borgil sie, während sie noch Schlangenlinien um Schankmaiden und Stuhlbeine läuft. Im Gegensatz manchen bedenkt er sie keineswegs mit irgendwelchen auffälligen Blicken, auch nicht mit Unbehagen und mit übertriebenem Interesse schon gar nicht. Für ihn ist Aurian einfach Aurian, ein nettes, hübsches Mädel, das bei der Stadtgarde als Magierin dient und das ist sie auch für viele andere, ganz gleich, wie ihr Name lauten mag oder was ihr alter Herr zu seiner Zeit alles angestellt oder nicht angestellt hatte. "Na Potzblitz, wenn das nicht die kleine de Winter ist. Wir haben gerade von dir gesprochen", begrüßt er sie daher auch freundschaftlich und zwanglos wie immer, schließlich kennen sie sich schon eine ganze Weile. "Komm doch heran, und setz dich  zu uns. Wie der Zufall so will, hätte ich da vielleicht jemanden, der an deinen Weiden interessiert sein könnte." Er wirft einen Blick zu Cináed ihm gegenüber und stellt dann vor: "Aurian de Winter, das ist Cináed von Glyn-y-Defaid, ein alter Bekannter und langjähriger Geschäftspartner. Cináed, das ist Aurian de Winter, Gardemagierin im Dienst der Steinfaust. Seine Kornäpfel sind die allerbesten westlich des Ildorel, glaub mir. Halla, bring mir noch einen Krug Kupferbier, sei so nett, aye?"

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Cinaed am 29. Okt. 2009, 12:14 Uhr
Als Borgil ihm erzählt, dass Aurian de Winter möglicherweise Land zu verpachten hat, nickt Cináed langsam. Die tragische Geschichte der Familie de Winters ist ihm geläufig, schließlich lebt er lange genug auf Glyn-y-Defaid. Und auch wenn der Hof ein gutes Stück von Talyra entfernt liegt, verbreiten Gerüchte sich nicht nur schnell, sondern auch weit. »Ich weiß aber nicht genau, um welche Ländereien ihrer Familie es sich handelt. Viel kann es nicht mehr sein, gemessen an dem, was die de Winters früher ihr eigen nannten, aber einige Morgen sind es mit Sicherheit«, erklärt ihm der Harfenwirt,  »und ich meine mich zu erinnern, dass recht gutes Weideland darunter war. Sogar mit eigenen Quellen, aber das kann ich jetzt nicht beschwören. Sprecht doch bei Gelegenheit mit Aurian selbst, Ihr findet sie entweder in der Steinfaust, sie dient dort als Gardemagierin, oder im alten Stadthaus ihrer Familie im Seeviertel.« Cináed schaut schaut erstaunt von seinem Bier auf. Soweit er sich erinnert, war Lestat de Winter ein angesehenes Mitglied der Stadtgarde, dass seine  Tochter nun seine Stapfen getreten ist, ist im jedoch neu – noch dazu als Gardemagierin. Eine Magierin... Er weiß nicht recht wie er auf diese Neuigkeit reagieren soll und sieht erst einmal einfach darüber hinweg. Borgil lässt ihm auch gar keine Zeit groß weiter darüber nachzudenken. Stattdessen berichtet der Zwerg voller Stolz von seinen Jungs und Cináed kann nicht anders als sich von der guten Laune des Harfenwirts anstecken zu lassen. Er lächelt warm, auch wenn seine Gedanken für einen Moment abschweifen, als er an die Kinder denkt, die Tara und ihm nicht vergönnt waren: An der Seite seiner Frau hatte er sich niemals einsam oder verlassen gefühlt. Und so war die erste Zeit nach ihrem Tod mehr als hart. Aber auf Glyn-y-Defaid ist er von vielen Menschen umgeben, die ihn lieben, sodass das Gefühl der völligen Verlassenheit bald wieder verflogen ist. Trotzdem, wäre da ein Kind, ein für jeden sichtbares Zeichen der Liebe zweier Personen, vielleicht wäre es leichter als es ist, wie es jetzt nun einmal ist.

»Ah… ich mag den Winter. Obwohl nein, das ist eigentlich gelogen. Was ich mag ist die Gewissheit, gegen ihn gefeit zu sein. Ein warmes Dach über dem Kopf und genug Vorräte zu haben, um ihm zu trotzen«, brummt Borgil und der Elb stimmd ihm nickend zu. „Ja, ich verstehe was Ihr meint“, erklärt er lachend. „Mir geht es ganz ähnlich.“  »Dennoch…«, sinniert der Harfenwirt, »ich mag den Schnee und die Lichter, die frühe Dunkelheit und die Kälte. Ich mag sogar den Frost, auch wenn er mir den Bart erstarren lässt. Und Azras rotes Näschen, wenn sie eine Schneeballschlacht mit den Stalljungen und Brenainn veranstaltet, das mag ich besonders.« Seine Worte lassen den Elb abermals nicken. „Auch das kann er gut verstehen“, erwidert er lächelnd. „Meine Frau liebte den Winter stets... Als Kind konnte sie gar nicht genug davon bekommen sich in den Schnee fallen zu lassen und Seharim zu zaubern.“ Mit jedem einzelnen Wort taucht die Erinnerung klar wie ein Bild vor seinem inneren Auge auf. Und überraschenderweise schmerzt es nicht im Mindesten darüber zu sprechen. „Auch liebte sie es sehr, wenn der Raureif die Bäume bedeckte und sich sich der zugefrorene See auf unserem Land in eine Wiese voller Eisblumen verwandelte. Wenn Tara dann aus der Kälte zu mir ins Warme hereinkam, das Haar voller Schneeflocken, die sich von einem Augenblick auf den anderen in tausend kleine Silbertropfen verwandelten... Das waren nicht selten die schönsten Momente im Winter.“ Er nickt langsam und bedächtig. Ja, das waren sie wirklich. Dann wurde meist ein saftiger Braten oder ein duftender Kuchen aufgetischt und hinterher, bei einem Becher heißen Honigweins, wurden vor dem Kaminfeuer reihum Geschichten erzählt. Ein warmes Gefühl macht sich in Cináed breit.

»Aber erst einmal Allerseelen«, erklärt Borgil und schüttelt bedächtig den Kopf. »Was dieses Jahr los ist, weiß ich auch nicht, alle Welt scheint in die Tempel pilgern zu wollen. Auf den Straßen sind aber auch so noch viele Reisende unterwegs, der Herbst bisher war ja recht mild. Vielleicht auch noch ein Echo vom Schrecken letztes Jahr, als dieser verrückt gewordene Finstere hier herumschlich und all diese Mädchen und Frauen ermordet hat, nach so etwas kommen immer viele Gläubige.« Cináeds Miene wird für einen kurzen Moment sehr ernst. Ja, die blutigen Taten eines (wie gemunkelt wurde) elbischen Nekromanten, hatten Talyra und den Bewohnern des näheren Umlandes einen heftigen Schrecken eingejagt. Auch auf seinem Hof war man von der dadurch ausgelösten Angst und Sorge nicht verschont geblieben. In der Stadt wurde viel darüber geredet und hinter vorgehaltener Hand getuschelt: Der Finstere habe seine verstorbene Menschenbraut wieder zum Leben erwecken wollen, so erzählte man sich. Cináed selbst hatte dazu nicht viel gesagt. Immer wenn er in der Nähe war, waren die Gespräche ohnehin häufig sehr schnell verstummt. Er ist ein Elb und der Tod seiner Frau liegt erst ein paar Zwölfmonde zurück – er konnte es den Leuten damals nicht einmal übelnehmen, wenn sie für einen Augenblick darüber nachzudenken schienen, ob er nicht ganz ähnliche Wünsche hegen könnte, bevor sie beschämt den Kopf senkten. Ja, das hätte den Geschichten, die man sich über ihn und Tara erzählt, eine ganz neue Wendung gegeben... »Und Mittwinter…«, reißt Borgil den Elben aus seinen Gedanken, »ach, da fällt mir ein, wir brauchen auch dieses Jahr im Langschnee, im Silberweiß und Eismond wieder etwa zwei Schlachthammel im Siebentag, eher sogar noch drei, ich hoffe, Ihr könnt soviel Fleisch liefern? Sigruns Hammelbraten mit Bohnen und erst in Wein geschmortes Fleisch, und dann dieser gefüllte Schafsmagen sind ein Gedicht… wir kommen oft überhaupt nicht mehr mit dem Zubereiten hinterher.« Über die Antwort auf diese Frage muss Cináed nicht lange nachdenken. „Ja, ich denke das sollte in diesem Winter wirklich kein Problem darstellen. Nicht nach dem Glück, das wir diesen Zwölfmond hatten“, entgegnet er zufrieden. Es ist bekannt, dass das eigentliche Geschäft von Gly-y-Defaid nicht das Schaffleisch, sondern die -wolle ist. Tatsache ist, dass die Goldene Harfe zu den wenigen Kunden, die Cináed regelmäßig mit größeren Mengen Fleisch versorgt. Die Marktgeschäfte einmal im Mond finden eher in kleinem Rahmen statt.

Im Schankraum ist es angenehm warm. Es riecht nach Bier und Wein, der Duft von gutem Essen hängt in der Luft und der würzige Geruch von Tabakrauch breitet sich langsam immer weiter aus. Die beiden Männer sind gerade mitten im Gespräch, als Borgil plötzlich »Na Potzblitz, wenn das nicht die kleine de Winter ist. Wir haben gerade von dir gesprochen« ruft und äußerst freundschaftlich eine junge Frau begrüßt, die sich gerade mit etwas Mühe durch die Menge bis zu ihnen herüber gekämpft hat. Cináed hat sie kurz beim Betreten des Schankraums bemerkt (hauptsächlich weil ihm die Uniform der Stadtgarde aufgefallen war) sich aber nichts weiter beim Anblick der schwarzhaarigen Frau gedacht. »Komm doch heran, und setz dich zu uns«, fordert Borgil die junge Lady de Winter auf.  Der Zwerg deutet in die Richtung des Elben. »Wie der Zufall so will, hätte ich da vielleicht jemanden, der an deinen Weiden interessiert sein könnte«, verkündet er und macht die zwei miteinander bekannt. »Aurian de Winter, das ist Cináed von Glyn-y-Defaid, ein alter Bekannter und langjähriger Geschäftspartner. Cináed, das ist Aurian de Winter, Gardemagierin im Dienst der Steinfaust. Seine Kornäpfel sind die allerbesten westlich des Ildorel, glaub mir. Halla, bring mir noch einen Krug Kupferbier, sei so nett, aye?« Erfreut sieht Cináed der jungen Frau entgegen, zögert aber ihr die Hand zum Gruß zu reichen, als Borgil abermals erwähnt, dass besagte Lady de Winter Gardemagierin sei. Um nicht unhöflich zu erscheinen, sagt er rasch: „Welch' eine Freunde Euch gerade heute hier zu treffen.“ Er lächelt, um seine Worte noch zu unterstreichen. „Wie Borgil eben schon erwähnt hat, spiele ich tatsächlich mit dem Gedanken im kommenden Zwölfmond vielleicht zusätzliches Land zu pachten oder gar zu kaufen.“ Er zieht einen weiteren Stuhl heran und bittet die junge Frau mit einer höflichen Handbewegung sich doch setzen. „Es würde mich freuen, mehr über Euer Ländereien zu erfahren.“ Jetzt wo Aurian direkt vor ihm steht, ist ihre Verwandtschaft mit Lestat de Winter auch für Cináed zu erkennen, obwohl er sie bisher noch nicht persönlich kennen gelernt hat – zumindest kann er sich nicht erinnern. Ja, abgesehen von ihren Augen und dem dunklen Haar sieht Aurian ihrem Vater wirklich frappierend ähnlich. Kein Wunder das der alte Tallard nach wie vor keine Gelegenheit ungenutzt lässt, ihre Familie durch den Dreck zu ziehen, denkt der Elb und erinnert sich an das Aufsehen, für welches die Verhandlungen um den de-Winter-Besitz seinerzeit – Herbst 506, wenn ihn nicht alles täuscht – gesorgt haben. Verbohrter, alter Kleingeist. Er fischt geschickt den Bierkrug von dem Tablett, welches Halla soeben gebracht hat, und reicht ihn Aurian mit einem freundlichen Lächeln. „Zum Wohl!“ Cináed greift nach seinem eigenen Krug und prostet damit sowohl Borgil, als auch der Gardemagierin gut gelaunt zu.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 29. Okt. 2009, 19:24 Uhr
Der Elb blickt auf und mustert Aurian, die zu ihnen an den Tisch tritt, mit einem raschen, durchaus freundlichen Blick. >Welch eine Freude, Euch gerade heute hier zu treffen,< erwidert er, als Borgil die beiden einander vorgestellt hat und lächelt gewinnend, so dass sich sein markantes, eher ernstes Gesicht mit einem Mal verwandelt. Tausend feine Lachfältchen erscheinen um seine Augen und vertiefen sich, als seine Mundwinkel sich nach oben verziehen und die jadegrünen Augen eine Spur dunkler werden. Es ist ein durch und durch freundliches Lächeln und sicher ohne jeden Hintergedanken, aber harmlos ist es nicht. Seinerzeit hat es vermutlich einmal eine erkleckliche Anzahl gebrochener Herzen hinter sich gelassen und Borgil vergräbt seine Nase mit einem amüsierten Schniefen in seinem Bierkrug. >Wie Borgil eben schon erwähnt hat, spiele ich tatsächlich mit dem Gedanken im kommenden Zwölfmond vielleicht zusätzliches Land zu pachten oder gar zu kaufen.< "Hmja," brummt er, während der Elb Aurian einen Stuhl heranrückt und sie mit einer Geste bittet, sich doch zu setzen. "Ich hab getan, worum du gebeten hast, Aurian, und mich ein bisschen umgehört. Ich will mich ja nicht einmischen und das werd' ich auch nicht, aber ich glaube, du könntest es wesentlich schlechter treffen  mit deinen Ländereien." So, das muss wirklich genügen, um dem Elben ein klein wenig Starthilfe zu verschaffen, aber vermutlich braucht er die ohnehin nicht, denn er bemerkt freundlich, dass es ihn sehr freuen würde, mehr über ihre Ländereien zu erfahren und wirkt dabei zwar ehrlich interessiert, aber keineswegs aufdringlich. Die beiden werden sich schon einigen. Kurz wägt er ab, doch am Tisch sitzen zu bleiben, um vielleicht Aurian ein wenig unter die Arme zu greifen, schließlich hat die kleine Magierin zwar reichlich viel Erfahrung mit allerlei fürchterlichen, finsteren Abenteuern, mit Dämonen und Nekromanten, Labyrinthen, Katakomben und Verliesen, aber kaum mit so etwas wie Pachtverhandlungen, doch Cináed scheint ihm so gar nicht die Art von Mann zu sein, die Unerfahrenheit zum eigenen Vorteil ausnutzen würde. "Ich äh…" grollt er sacht und schiebt den längst leeren Teller von sich. Sehr richtig, außerdem gehen dich ihre Geschäfte miteinander gar nichts an, also mach, dass du weg kommst. "Ich lass euch dann mal allein und gehe meine Frau suchen, irgendwo muss sie ja stecken." Damit steht er auf, verabschiedet sich von Cináed mit einem freundlichen Nicken. "Eure Bezahlung liegt wie immer am Tresen für Euch bereit, Halla wird Euch dann ausbezahlen, wenn Ihr gehen möchtet." Er grinst Aurian so harmlos an, wie ein narbengesichtiger Zwerg wie er eben harmlos sein kann, und stapft dann in Richtung Küche, wo er sich von Sigrun, Halla oder Grid ein paar Auskünfte über Azras Verbleib erhofft. Die bekommt er auch prompt: hat sich den Kleinen geschnappt und ist zu dem Weißhaar gegangen, mit ein paar Setzlingen. Setzlinge im Herbst, das kann auch nur seinem Schneemädel einfallen, aber was weiß er schon von Grünzeug. Das Weißhaar hatte er heute an der Harfe vorbei kommen sehen, noch gar nicht allzu lange her, mit samt seinem rabenschwarzen Gaul, nass wie eine getauchte Ratte und von oben bis unten schlammbespritzt und voller Dreck.

Hmpf. Es hat ihm noch nie gefallen, wie dieser… dieser… immer um Azra herumscharwenzelt wie ein Kater um einen sonnigen Mauerpfosten. Zu seinem Trost hatte der Kerl es mit jedem halbwegs hübschen weiblichen Wesen genauso gehalten und keine Grenze, die der Anstand gebietet, je überschritten, zumindest was Azra angeht. Trotzdem hatte es ihm nicht gefallen. Hmhm… überhaupt nicht. Er hatte sich nichts anmerken lassen und Azra auch nie deswegen gegängelt oder auch nur darauf angesprochen. Sie mag den Weißbauch und er weiß genau, dass sie nie… niemals. Also… nein. Würde sie nicht. Es ist nur so, dass der Kerl, rote Augen und farblose Haut hin oder her, so verflixt gut aussieht. Und er ist jung, ein Langbein und er…er ist auch weiß wie Schnee! Es ist tatsächlich so, dass Borgil bisher noch nie ernsthaft Grund gehabt hätte, eifersüchtig zu werden. Grmpf. Das ist auch verdammt nochmal gut so! Ein dreihundert Pfund schwerer Eisenzwerg, der nur aus steinharten Knochen und ebensolchen Muskeln besteht, den die Eifersucht übermannt, ist auch in etwa so leicht zu handhaben wie ein durchdrehendes Wollnashorn, nämlich gar nicht mehr. Borgil ist kein Mann, der leicht aus der Ruhe zu bringen wäre, nicht, wenn es darauf ankommt. Er hat schon sehr, sehr lange nicht mehr die Beherrschung verloren, aber er weiß genau, wenn es geschieht, dann ist ein handfester Berserkerrausch ein sachtes Tänzchen dagegen. Das letzte Mal, als er völlig ausgerastet war und noch nicht einmal Niniane ihn mehr aufhalten konnte, hatte einen ganz anderen Hintergrund, aber es war nicht  weniger verheerend. Das war als Ohneherz fiel… Einen Moment lang in sehr, sehr düstere Erinnerungen versunken, verharrt er reglos mitten in der Küche, so dass Sigrun und alle ihre Helfer, die Spüljungen und die Mägde um ihn herum kreiseln und ihm ausweichen müssen. Dann schüttelt er sich wie ein nasser Hund und erkundigt sich nach Brenainn. "Oh, im Stall beim Kleinvieh.  Er hilft Wella mit den Gänsen. Sie holen sie herein, ehe es dunkel wird." Borgil nickt knapp, immer noch unschlüssig. Er will ihr nicht… nun ja… nicht hinterher spionieren, aber aus irgendeinem Grund macht er sich wirklich Sorgen und er weiß nicht einmal warum. Es geht nicht einmal um den Mann an sich, sondern zielt in irgendeine andere Richtung, und er weiß, er würde keine Ruhe haben, wenn er sich nicht höchstpersönlich davon überzeugt, dass es ihr gut geht. Er muss sie sehen, jetzt, auf der Stelle. Er könnte vorbei schauen und einfach den Kleinen holen, schließlich ist es schon spät. Ja, genau das würde er tun. Gerade dabei sich noch zu seiner Karriere als Ränkeschmied zu gratulieren, holt ihn die Ernüchterung auch schon wieder ein. Guter Plan. Sie durchschaut dich doch sofort.  Er geht in seine Gemächer, tauscht das Leintuch in seinem Gürtel gegen ein handliches Beil, steckt eine Geldkatze ein, wirft sich den schweren Bärenpelz um die Schultern und verlässt die Harfe. Soll sie davon doch halten, was sie will.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Atevora am 29. Okt. 2009, 23:41 Uhr
<--- Der Platz der Händler


21. Amitar 509


Im trödelndem Schneckentempo führt der Weg zum vorläufigen Ziel: Die Goldene Harfe.
Tane tritt mit überragendem Elan vor, öffnet die Tür und gibt mit einer schwungvollen eleganten Geste, ganz so wie er es wohl schon des öfteren bei äußerst gut betuchten Bürgern in Begleitung von hübscher weiblicher Gesellschaft beobachtet hatte, Sonera und Atevora zu verstehen den Vortritt zu nehmen.

Sogleich als Atevora die Harfe betritt stellt sie beim ersten flüchtigen Rundblick fest, dass diese nahezu bist zum letzten Sitzplatz voll ist. Wohin man auch schauen mochte, fröhliche Gesichter an jedem Tisch, die Saufgelage waren bereits im vollem Gange, und der Lärmpegel überwältigend. Die Magierin hatte bereits am Hinweg befürchtet, dass für Tane und sie kaum noch ein Platz frei sein würde. Eigentlich hatte sie nämlich mit dem Gedanken gespielt sich in der Harfe noch kurz hinzusetzen, eventuell noch einen Happen zu Essen, und den Tag gemütlich ausklingen zu lassen bevor sie sich alle verabschiedeten und sie sich wieder an einen anderen Ort der Stadt begibt an dem die Gesellschaft weniger freundlich ist und die Gerüche alles andere als appetitfördernd waren. Da Atevora allerdings nicht sonderlich der Sinn danach steht sich einer bestehenden Gesellschaft versehentlich aufzudrängen verwirft sie den Gedanken etwas widerwillig wieder.

Mit einem zweiten raschen Blick ist auch der Herr des Gasthauses entdeckt. Atevora wendet sich kurzum an Sonera und deutet mit ausdrucksloser Mimik in Richtung des Hafenwirtes: “Seht ihr dort den furchteinflößend wirkenden Zwerg mit dem roten Haar und der kreativen Frisur? Gut, das ist Borgil, der Wirt der Harfe.“
Sonera reagiert bei Borgils Anblick wie erwartet. Es ist auch kein großes Wunder, ihr selbst ging es nicht anders, auch wenn ihre Reaktion unter einer gewählten starren Maske nur nach innen gerichtet war, denn der Harfenwirt entspricht äußerlich nun wirklich nicht unbedingt dem gängigem Bild von einem vollbärtigem fröhlich zechenden Zwerg. Atevora möchte gerade fortsetzen als ihr Tane mit seiner gewohnt frechen Art das Wort abschneidet:>„ Ja Borgil. Lass dich nicht von seinem Aussehen beeindrucken Sonera. Auch wenn er aussieht als würde er zum Frühstück kleine Kinder verputzen...“<
Das hat er jetzt nicht wirklich gesagt, oder?
„Tane?“ Unterbricht Atevora den jungen Burschen mit einem nicht besonders ernst gemeinten vorwurfsvollem Tonfall: „Kleine Kinder zum Frühstück verspeisen?“
>“Ja, was denn? Also ich finde die Beschreibung stimmig. Aaalso, wo war ich? Ja, genau, ich wollte sagen: das täuscht.“<
Atevora unterdrückt den Impuls dem Nächstbesten in ihrem Umfeld den Stuhl unterm Gesäß wegzuziehen, darauf zu steigen und Tane eine Wendeltreppe ins Genick zu beißen und reißt sachlich den Dialog wieder an sich: „Danke für deine Erläuterungen. Jedenfalls, bei ihm kannst du dich bezüglich einer Unterkunft für die Nacht erkundigen. Ich denke..“
Wieder ist Tane die Höflichkeit in Person und unterbricht Atevora mitten im Satz:
>“Wir warten derweilen hier. Sollte kein Schlafplatz mehr frei sein gibt es noch ein weiteres Gasthaus nicht all zu weit von hier, wir begleiten dich auch gerne dorthin, nicht wahr?.“<
Abermals überkommt Atevora das vorhergehende Bedürfnis, ihr gelingt es allerdings weiterhin freundlich zu bleiben: „Natürlich.“

---> die Straßen der Stadt

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aurian am 30. Okt. 2009, 08:29 Uhr
~Kurz vor Allerseelen~

„Danke!“ Aurian erwidert Cineáds Lächeln und setzt sich auf den ihr angebotenen Stuhl. Halla erscheint soeben mit einem vollen Tablett und der Elb reicht ihr einen Bierkrug! „Zum Wohle!“ sie prostet den beiden ungleichen Männern zu: der eine vernarbt, klein und stämmig, eben ein richtiger Zwerg, der andere attraktiv, groß unverkennbar ein Elb. >Ich hab getan, worum du gebeten hast, Aurian, und mich ein bisschen umgehört. Ich will mich ja nicht einmischen und das werd' ich auch nicht, aber ich glaube, du könntest es wesentlich schlechter treffen  mit deinen Ländereien.< Aurian lächelt ihm dankend zu.  Borgil war seit ihrer Ankunft in Talyra irgendwie so etwas wie ein heimlicher Schutzengel, immer da wenn sie Probleme oder Sorgen hatte. Bei ihrer Auseinandersetzung mit Tallard war er neben dem Lord Commander und Niniane ihr stärkster Fürsprecher gewesen und er hatte all seinen Einfluss in die Waagschale geworfen, um ihr zu ihrem Recht zu verhelfen.

Der Wirt schiebt seinen Teller von sich und steht auf. >Ich lass euch dann mal allein und gehe meine Frau suchen, irgendwo muss sie ja stecken.< Noch kurz spricht er mit Cináed über dessen Bezahlung ehe er sich Richtung Küche trollt. Aurian nimmt einen weiteren Schluck Bier während sie ihm nachsieht. Dann wendet sie sich wieder ihrem vielleicht zukünftigen Geschäftspartner zu. Ganz wohl fühlt sie sich nicht in ihrer Haut, hat sie doch so gar keine Erfahrungen was Geschäfte und Grundstücksangelegenheiten angeht. Aber wie hatte Borgil gesagt? >…Du hättest es wesentlich schlechter treffen können...< „Also ihr habt eventuell Interesse daran mein Land zu pachten?“ beginnt sie und versucht einen möglichst sicheren Eindruck zu machen. „Ich weiß nicht was Borgil euch bereits gesagt hat darum will ich das wichtigste kurz umreißen: Die Ländereien liegen ein Stück außerhalb der Stadt, nahe der großen Südstrasse, zwischen Krötenhügel und Nachtschatten.  Es handelt sich zum einen um Weideland, zum anderen um Wald. Hauptsächlich suche ich jemanden, der sich der Weideflächen annimmt. Es gibt zwei Quellen, die einen kleinen Bach speisen, der nahezu das gesamte Landstück quert.“ Aurian sieht Cináed fragend an während sie einen Schluck Bier nimmt. Der Elb macht einen sehr sympathischen Eindruck, ruhig und doch charmant und die Lachfalten um seine Augen zeugen von einem gesunden Sinn für Humor.  Bisweilen hatte sie noch nie mit ihm oder einem seiner Leute zu tun, gehört hat sie allerdings schon von ihm und seiner Liebe zu Tara, der  Menschenfrau. Eine Geschichte, die nach wie vor bei den Klatschweibern in aller Munde ist, mal mehr mal weniger, je nachdem was das Tagesgeschehen sonst zu bieten hat. Aurian gibt nicht sonderlich viel darauf. Was er wohl schon für Geschichten über mich gehört hat? Genug Gerede gibt es ja!

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Cinaed am 30. Okt. 2009, 11:37 Uhr
~ Eines Abends kurz vor Allerseelen ~

»Hmja«, leistet Borgil Cináed Hilfestellung, als sich die junge Lady de Winter zu ihnen gesellt. »Ich hab getan, worum du gebeten hast, Aurian, und mich ein bisschen umgehört. Ich will mich ja nicht einmischen und das werd' ich auch nicht, aber ich glaube, du könntest es wesentlich schlechter treffen mit deinen Ländereien.« Der Harfenwirt schiebt seinen leeren Teller von sich und räuspert sich. »Ich äh…«, brummt er freundlich. »Ich lass euch dann mal allein und gehe meine Frau suchen, irgendwo muss sie ja stecken.« Mit diesen Worten erhebt sich der Zwerg und verabschiedet sich höflich. »Eure Bezahlung liegt wie immer am Tresen für Euch bereit, Halla wird Euch dann ausbezahlen, wenn Ihr gehen möchtet.« Cináed erwidert den Abschiedsgruß. „Habt Dank für das Essen, Borgil“, meint er. Lächelnd fügt er hinzu: „Und grüßt mir Eure Frau, wenn Ihr sie gefunden habt.“ Der Elb wartet bis der Wirt in Richtung Küche davon stapft, dann wendet er sich der jungen Stadtgardistin zu, die gerade ihren Krug Bier wieder vor sich abstellt und ihm erwartungsvoll entgegen blickt.

Dass die junge Frau mit den ausdrucksstarken Katzenaugen und dem rabenschwarzen Haar elbischer Abstammung ist, entgeht einem aufmerksamen Betrachter (wie Cináed es ist) nicht und Dank dem alten Tallard ist ihre Herkunft ohnehin lange Zeit in aller Munde gewesen. Überhaupt kursieren so einige Gerüchte. Und vollkommen gleichgültig was von dem Gerede wahr ist und was nicht, so sagt der Tratsch Cináed zumindest, dass er einer Frau gegenüber sitzt, die, trotz ihrer Jugend, schon so manches gesehen und erlebt hat.
Er sieht Aurian an und da ist es wieder, dieses vollkommen arglose Lächeln, welches selbst Eisberge zum Schmelzen bringt. Cináed weiß davon nichts. Tatsächlich gehört der Herr von Glyn-y-Defaid zu jener selten gewordenen Sorte Mann, die absolut keine Ahnung hat, welch' verheerende Wirkung ihr Lächeln auf die holde Weiblichkeit ausüben kann. Die Bilanz von mittlerweile 128 Zwölfmonden Lebenszeit: Ein paar kleinere und größere Tändeleien ohne ernsthafte Bedeutung (die sich an einer Hand abzählen lassen) und insgesamt 70 treue Ehejahre. Und wüsste Cináed, wie viele gebrochene Herzen tatsächlich den Weg hinter ihm pflastern, er täte sie vermutlich allesamt einsammeln und würde sein Möglichstes versuchen, um sie wieder zusammenzusetzen.

Der Herr von Glyn-y-Defaid lehnt sich leicht auf seinem Stuhl zurück und hört Aurian aufmerksam zu, während sie zu sprechen beginnt. »Also Ihr habt eventuell Interesse daran mein Land zu pachten?«, versichert sich die junge Lady de Winter noch einmal. Der Elb nickt schweigend und die Halbelbe spricht weiter. »Ich weiß nicht was Borgil Euch bereits gesagt hat darum will ich das wichtigste kurz umreißen«, erklärt sie. »Die Ländereien liegen ein Stück außerhalb der Stadt, nahe der Großen Südstraße, zwischen Krötenhügel und Nachtschatten. Es handelt sich zum einen um Weideland, zum anderen um Wald. Hauptsächlich suche ich jemanden, der sich der Weideflächen annimmt. Es gibt zwei Quellen, die einen kleinen Bach speisen, der nahezu das gesamte Landstück quert.«
Cináed nickt abermals, er weiß sofort, welche Ländereien Aurian meint. Die Weideflächen liegen äußerst günstig und grenzen praktischerweise direkt an die Ländereien von Glyn-y-Defaid. Aufgrund der ganzen Tallard-und-de-Winter-Sache war in den vergangenen Zwölfmonden aber niemandem so recht klar, wem was und wie viel davon jetzt eigentlich genau gehört. Er denkt kurz nach, dann sagt er: „Ja, ich kenne das Land von dem Ihr sprecht... Wie viele Morgen davon gehören Euch genau und wie viele wollt Ihr verpachten?“ Fragend sieht er die junge Frau an. „Mich interessiert nur der Weidegrund, für das Waldland habe ich keine Verwendung...“

Cináed schenkt der Halbelbe ein aufmunterndes Lächeln. Er hat keine Ahnung wie gut sie sich mit Geschäften dieser Art auskennt. Da sie als Gardistin in der Steinfaust dient, vermutet er nicht so gut, obschon sie natürlich einer einstmals sehr angesehenen Familien angehört. Sie wirkt auf ihn ruhig und sanft, vielleicht ein wenig distanziert. Wie ihr Leben ausgesehen hat, bevor ihre Herkunft bekannt wurde und man ihr die Besitztümer der de Winters zuerkannte, weiß Cináed nicht. Was der Elb allerdings weiß, ist, dass er nicht vorhat Aurian in irgendeiner Weise übers Ohr zu hauen und ihre sicherlich nicht ganz einfache Situation zum eigenen Vorteil auszunutzen. Wirklich gute Geschäfte sind seiner Meinung nach nur jene, die für alle beteiligten Handelspartner gleichermaßen gewinnbringend sind. Seine regelmäßigen Geschäfte mit der Harfe bestehen schon so lange, weil Borgil sich sicher sein kann, dass auf Cináeds Wort verlass ist und dass der Elb hält, was er verspricht. Und umgekehrt ist es nicht anders.
Damals, kurz nach Taras Ableben, hatten bösen Zungen behauptet, Cináed haben sich den Besitz ihrer Familie auf hinterhältige Art und Weise erschlichen. Einige gingen sogar soweit, die Kinderlosigkeit seiner Ehe als Absicht hinzustellen. Dies alles ist dem Elben sehr wohl bekannt. Er weiß aber auch, dass diesen Stimmen bis heute kein Glauben geschenkt wird, weil seine Taten und Worte für ihn sprechen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aurian am 02. Nov. 2009, 12:39 Uhr
Der Elb lehnt sich zurück und hört entspannt zu, was Aurian ihm über das Land erzählt. Sein Lächeln lässt der Halbelbe eine Gänsehaut über den Rücken rinnen. Ob er weiß, wie gut er aussieht? Sicher, Männer wissen das doch immer… oder?! Hintergedanken kann sie in seinen Augen nicht erkennen. In Gedanken schüttelt sie den Kopf. Sie will sich nicht von solchen Gedanken ablenken lassen, wie kommt sie nur darauf, dass er sie sympathisch finden könnte, nämlich Sympathie, die übers Geschäft hinaus geht. Bis dato hat sie nur schlechte oder enttäuschende Erfahrungen mit Männern gemacht: Cleyron, Cedric und als Krönung Blutaxt und ihr Martyrium in der Kanalisation. Danach waren nur noch einige Tändeleien, die die junge Magierin entweder beendete, bevor es ernst wurde oder die beendet wurden, weil sie den jungen Männern doch zu unheimlich und eigenständig war.

>Ja, ich kenne das Land von dem Ihr sprecht... Wie viele Morgen davon gehören Euch genau und wie viele wollt Ihr verpachten?  Mich interessiert nur der Weidegrund, für das Waldland habe ich keine Verwendung...“< Cineáds Worte reißen sie aus ihren Gedanken. Gedankenverloren streicht sie sich eine Strähne aus dem Gesicht und schiebt sie hinters Ohr. Eine Geste, die sie so  zart und zerbrechlich wirken lässt, dass es kaum jemanden gibt, der dieses kleine Persönchen nicht auf der Stelle beschützen und tröstend in den Arm nehmen möchte. Es ist keinerlei Berechnung in dieser Geste, keinerlei Koketterie und doch wirkt sie in diesem Moment ungemein süß und verletzlich. „Es handelt sich in etwa um 60 Morgen Weideland und ca. 30 Morgen Wald.  Wie bereits gesagt, primär geht es mir um die Weidegründe, den Wald würde ich ohnehin gerne sich selbst überlassen.  Das hat sich in den letzten Jahre ja ganz gut bewährt.“ Kurz denkt sie zurück an ihren letzten Besuch, an all die kleinen und großen Tiere, die sich in der Unberührtheit angesiedelt hatten. Aurian nimmt einen Schluck Bier, auch um ihre Unsicherheit zu kaschieren und da ist es wieder, dieses Lächeln, dass einem die Schmetterlinge in die Magengrube treiben kann, ein Gefühl, dass sie in den letzten Monden nicht mehr verspürt hat. Scheu erwidert sie es, nicht wissend, was sie davon halten soll: Ist er nur am Geschäft interessiert? Was man so hört, war er seiner Frau immer treu, bis zu ihrem Tod vor einigen Jahren und auch so ist sein Ruf untadelig, wenn man den Klatsch und Tratsch als das betrachtet, was er ist: Klatsch und Tratsch eben!

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Cinaed am 02. Nov. 2009, 20:00 Uhr
Aurian zuckt bei seinen Worten leicht zusammen, gerade so als reiße er sie mit seiner Fragen nach der Größe ihrer Ländereien aus einem gänzlich anderen Gedankengang heraus. Die Halbelbe sieht wirklich hinreißend aus (wie sie sich nachdenklich eine Haarsträhne aus dem Gesicht streicht) und erklärt: »Es handelt sich in etwa um 60 Morgen Weideland und ca. 30 Morgen Wald. Wie bereits gesagt, primär geht es mir um die Weidegründe, den Wald würde ich ohnehin gerne sich selbst überlassen. Das hat sich in den letzten Jahre ja ganz gut bewährt.« Einen Moment lang schaut Aurian recht nachdenklich drein, doch dann erwidert sie Cináeds aufmunterndes Lächeln. Der Elb spürt ihre Unsicherheit und leichte Verwirrung zwar, kann diese Empfindungen aber nicht so recht zuordnen. Er hat absolut keine Ahnung, wie oder wodurch er die Halbelbe derart verunsichert oder gar verwirrt haben könnte. Dass ein einziges Lächeln von ihm bereits genügt, um Herzen ein bisschen schneller schlagen zu lassen, kann er sich beim besten Willen nicht vorstellen.
Stattdessen denkt Cináed eine kleine Weile über Aurians Worte nach. „Ein Königshuf Weideland ist mehr als genug für meine Zwecke,“ erklärt er dann. Abwesend trommelt er mit seinen Fingern auf die Tischplatte. „Hm“, schlägt der Elb schließlich vor, „was haltet Ihr davon, wenn wir uns morgen oder übermorgen treffen... oder wann immer es Euch passt... damit ich das Weideland Eurer Familie genauer in Augenschein nehmen kann, um zu prüfen, ob es für mein Vorhaben geeignet ist?“ Fragend sieht er Aurian an. „Ich könnte Euch beispielsweise abholen, wenn ich alle meine Lieferungen abgegeben habe“, bietet er der jungen Gardemagierin höflich an.

Cináed nippt nachdenklich an seinem letzten Rest Bier, während sein Blick ziellos durch den Schankraum wandert. Seine Freunde sitzen nach wie vor einige Tische weiter und unterhalten sich scheinbar prächtig. Dabei entgeht dem Elben allerdings völlig, dass die Fünf immer wieder lachend in seine Richtung hinübersehen. Ja, Cináed kommt nicht einmal ansatzweise in den Sinn, dass sich ein Teil ihrer Gespräche möglicherweise um ihn und Aurian drehen könnte. Tatsächlich müsste schon jemand auftauchen und mit einem riesigen Zaunpfahl vor ihm herumwinken, um Cináed begreiflich zu machen, dass die hübsche, dunkelhaarige Halbelbe eben genau eine von jenen guten Partien ist, über die die Männer die ganze Zeit reden: Schön, unverheiratet und noch dazu in Besitz eines recht ansehnlichen Anwesens sowie einiger Ländereien.
Die Tür des Gasthauses geht auf und für einen kurzen Augenblick weht eine frostige Nachtbrise bis zu ihm und Aurian herüber. Ein paar schwatzende und lachende Musikanten kommen herein. Sie haben Geigen und Flöten dabei und zahlreiche kleine Glöckchen klimpern bei jedem ihrer Schritte. Fröhlich mischen sie sich unter das Volk in der Schankstube und geben eine Weise nach der anderen zum Besten, um sich auf diese Art ein paar Münzen für eine warme Mahlzeit, einen Krug Bier und vielleicht auch eine Unterkunft für die Nacht zu erspielen. Lächelnd sehen Cináed und Aurian ihnen zu und lauschen aufmerksam ihren Liedern – hauptsächliche erheiternde Trinkballaden und muntere Tänze. Doch als die bunte Truppe eine schaurige Weise anstimmt, wird es mit einem Mal einige Atemzüge lang mucksmäuschenstill ringsumher.

Gebt acht!
Das Wesen lauert in der Nacht!
Es ist wieder aufgewacht!
Es ist versteckt irgendwo hier!
Vielleicht gerade hinter Dir...

Wenn's dunkel wird, rat' ich: gebt acht!
Bringt euer Weib in Sicherheit!
Es schleicht umher in finsterer Nacht,
hört Ihr, es ist nicht mehr weit...

Gebt acht!
Das Wesen lauert in der Nacht!
Es ist wieder aufgewacht!
Es ist versteckt irgendwo hier!
Vielleicht gerade hinter Dir...*


Schweigend sehen sich die Leute an, aber es dauert nur einen Moment bis die Schrecksekunde vergangen ist und der Lärm im Schankraum so laut ist wie eh und je. Cináed schiebt seinen leeren Bierkrug und seinen Teller etwas beiseite und lacht. „Puuuh, was für ein unheimliches Lied, findet Ihr nicht?“, meint er. Erst jetzt wird ihm bewusst wie spät es mittlerweile geworden ist. Bei gutem Essen, einem Krug Bier und netten Gesprächen verfliegt die Zeit schneller als man denkt. Ein Blick aus den Gasthausfenstern genügt, um dem Elben zu sagen, dass es draußen auf den Straßen mittlerweile stockduster geworden ist. Cináed schaut Aurian fragend an. „Es ist spät geworden“, stellt er schließlich unbeholfen fest, da er nicht weiß, was er sonst sagen soll. „Ich denke, ich werde wohl bald nach Glyn-y-Defaidaufbrechen. Insgeheim schmunzelnd denkt der Elb bei sich: Allmählich dürfte ich lange genug fort gewesen sein... An Aurian gewandt bietet er an: „Wenn es Euch nichts ausmacht, bringe ich Euch gerne Heim.“ Er lächelt freundlich und fügt vollkommen ohne Arg hinzu: „Zu solch' später Stunde solltet Ihr nicht mehr alleine durch die Stadt laufen müssen.“ Als Mitglied des Stadtgarde ist Aurian vermutlich sehr gut in der Lage selbst auf sich acht zugeben, das ist dem Elben durchaus bewusst. Zudem stellt ihre Uniform, die sie (für jedermann sofort ersichtlich) als Angehörige der Blaumäntel kennzeichnet, ein Schutz dar über den andere Frauen ihres Alters nicht verfügen. Dennoch erscheint es Cináed überaus unhöflich, wenn er ihr seine Begleitung nicht wenigstens anbieten täte. Ausschlagen kann Aurian sein Angebot schließlich jederzeit, falls sie dies möchte. „Ich denke“, meint er zu guter Letzt, „alles weitere können wir noch besprechen, nachdem ich Euer Weideland gesehen habe...“

Die Straßen der Stadt »

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*Schandmaul, Gebt acht!

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aurian am 02. Nov. 2009, 21:25 Uhr
>Was haltet Ihr davon, wenn wir uns morgen oder übermorgen treffen... oder wann immer es Euch passt... damit ich das Weideland Eurer Familie genauer in Augenschein nehmen kann, um zu prüfen, ob es für mein Vorhaben geeignet ist? Ich könnte Euch beispielsweise abholen, wenn ich alle meine Lieferungen abgegeben habe. < Aurian nickt. „Morgen würde sich gut treffen, da habe ich dienstfrei! Und euer Angebot mit dem Abholen…gerne!“ Die Halbelbe lächelt, freundlich wenn auch ein wenig zurückhaltend.

Eben kommt eine Gruppe Musikanten herein und während der Hut herumwandert, geben sie fröhliche Lieder zum Besten. Einige kennt Aurian und gemeinsam lauschen sie der Musik und lassen sich von der guten Laune anstecken. Fast scheint es, als wollten die Musikanten die Nebel, die nun in der Stadt aufsteigen und das Grau, das mit der Jahreszeit einher geht, vertreiben. Doch dann wechseln sie schlagartig ihren Stil und spielen ein Lied, das die Anwesenden verstummen lässt.

Gebt acht!
Das Wesen lauert in der Nacht!
Es ist wieder aufgewacht!
Es ist versteckt irgendwo hier!
Vielleicht gerade hinter Dir...

Wenn's dunkel wird, rat' ich: gebt acht!
Bringt euer Weib in Sicherheit!
Es schleicht umher in finsterer Nacht,
hört Ihr, es ist nicht mehr weit...

Gebt acht!
Das Wesen lauert in der Nacht!
Es ist wieder aufgewacht!
Es ist versteckt irgendwo hier!
Vielleicht gerade hinter Dir...*

Aurian rinnt es eiskalt über den Rücken. Zu frisch sind noch die Erinnerungen an die Mordserie im vergangenen Zwölfmond. Sie scheint nicht die einzige zu sein, die so denkt,  denn Grid wirft den Musikanten einen bösen Blick zu und Halla steuert überhaupt gleich auf sie zu, bereit ihnen ihren Marsch zu blasen, sollten sie mit ihren düsteren Klängen die Gäste verkraulen. Tatsächlich ist das nächste Lied wieder ein wenig fröhlicher und die gute Stimmung unter den Gästen kehrt zurück. >…Ich denke, ich werde wohl bald nach Glyn-y-Defaid aufbrechen…< Aurian nickt zustimmend. Auch für sie wurde es allmählich Zeit, aufzubrechen auch wenn das Anwesen nur wenige Strassen von der Harfe entfernt liegt.  Aber der Tag war anstrengend gewesen, wenn auch zum Teil erheiternd, vor allem wenn sie an die beiden Möchtegernmagier mit ihrer vertrockneten Hühnerklaue denkt! Sie trinkt aus und drückt der vorbeieilenden Halla einige Münzen in die Hand. Die Magd nickt ihr zu ehe sie weiter eilt, viele durstige Kehlen wollen versorgt werden.

>Wenn es Euch nichts ausmacht, bringe ich Euch gerne Heim. Zu solch' später Stunde solltet Ihr nicht mehr alleine durch die Stadt laufen müssen.< Aurian schaut leicht verdattert ob dieses Angebotes. Die meisten gingen davon aus, dass sie als Mitglied der Stadtgarde sehr wohl auf sich allein aufpassen konnte (was auch der Fall ist). Irgendwie freut sie sich über das Angebot, dennoch antwortet sie vorsichtig: „Das ist sehr nett von euch, aber ihr müsst euch keine Mühe machen, mein Haus ist nicht weit weg….allerdings, wenn ihr den Umweg machen wollt, könnte ich euch zeigen, wo ihr mich morgen abholen könnt. Oder ich kann es auch beschreiben, wie gesagt, es sind nur wenige Strassen.“ Cineád nickt und gemeinsam stehen sie auf und bahnen sich ihren Weg Richtung Tür.  Das  ihnen einige Leute nachsehen, in dem Glauben etwas zu ahnen, bemerken sie beide nicht. Der Elb hilft Aurian in ihren Umhang, ehe sie in den Hof der Harfe hinausgehen.

Die  Nebel haben Talyra bereits fest in ihrer Umklammerung und dämpfen die Lichter, die durch die Fenster auf die Strasse fallen. Zwei Stallburschen sind dabei, Cineáds Wagen anzuspannen
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*Schandmaul, Gebt acht!  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sonera am 03. Nov. 2009, 15:56 Uhr
Sonera geht hinunter in den Schankraum der um diese Zeit fast schon überfüllt ist. Erst vor kurzem war sie hier eingekehrt und bezog nun ein Zimmer in der Harfe was für sie luxus bedeutete im Vergleich zu den letzten Tagen und Wochen die sie im Wald verbrachte um die Stadt zu erreichen.

Der Abend mit Atevora und Tane blieb ihr immer noch gut im Gedechtnis und immer wieder denkt sie an den hochgewachsenen, jungen Mann. Abends hat sie zuerst gedacht, garnicht einschlafen zu könne, doch als sie das Bett erblickt hatte und sich probeweise drauf legte, war sie sofort eingeschlafen. Seit dem geht es ihr wieder besser, der Rücken tut nicht mehr weh und morgens ist ihr auch nicht mehr kalt.

Das Geld, um sich den Aufenthalt in der Goldenen Harfe leisten zu können, verdient sie durch kleine Aushilfsarbeiten wie Botengänge und Hilfe beim Ernten von Früchten. Doch es reicht immer noch nicht und so muss Sonera gucken, was sie sich zu essen bestellt um auch am nächsten Morgen gut frühstücken zu können.

Nun schaut sich die Halbelbe genauer um um einen kleinen, freien Platz in der Schänke zu bekommen und sie hat Glück. Gerade wird unweit von ihr ein kleiner Tisch frei und mit ein paar Schritten ist sie auch schon dort angelangt und setzt sich. Ein Mann wollte wohl auch den Tisch haben, lächelte Sonera dann aber an und sah sich nach einem anderen Platz für sich und seine Freunde um. Selten das die Leute doch noch freundlich sind wenn man ihnen den Platz vor der Nase weg nimmt.
Als die Schankmagd kommt und sie fragend ansieht, bestellt Sonera sich ein Stück Brot und Pökelfleisch mit einem Krug Bier dazu. Da sie das Frühstück schon meist rahr ausfallen lässt, möchte sie wenigstens mit gut gefülltem Bauch ins Bett gehen.

Neugierig mustert Sonera die anderen Gäste der Schänke und erblickt eine Gruppe Musikanten die gerade wieder ein Lied anstimmen. Mmh... die Geschichten singen? Wäre eigentlich keine schlechte Idee... wenn ich singen könnte. Fröhlich und in Gedanken versunken, lauscht sie der Musik und wartet auf ihr Essen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Yasraena am 03. Nov. 2009, 19:35 Uhr
Inzwischen sind einige Tage vergangen und Yasraena hat tatsächlich einen Gutsherrn gefunden, welcher seine Zuchtlinie mit dem Blut von Shunj’anar veredeln möchte. Der Hof Rossstein hat ihr eine beachtliche Summe in Silbermünzen für den Deckakt gegeben, allerdings nicht ohne Erfolgsgarantie. Etwas dergleichen hat die Elbe bisher noch nie gehört, wie sollte sie garantieren, dass es tatsächlich zu einer Trächtigkeit und demzufolge einem Fohlen kommen wird? Doch als man ihr erklärt hat, dass es vielmehr darum ging, dass sie sich verpflichtet bei einem Misserfolg, ihren Hengst erneut zur Verfügung zu stellen, war sie beruhigt und willigte ein.

Yasraena könnte alleine von der Decktaxe die sie bekommen hat eine ganze Weile leben, denn diese ist gut und gerne so hoch wie ein Zwei-Jahres-Lohn.  Doch sie wäre nicht sie selbst, wenn sie sich damit zufrieden geben würde. Es hilft ihr weiter, um die Miete für den Stall zu zahlen und sich vielleicht morgen auf dem Markt oder in einem der Geschäfte etwas Schönes zu kaufen, denn morgen ist ihr freier Tag. Den Großteil des Geldes wird sie für schlechtere Zeiten aufbewahren und auf alle Fälle möchte sie noch weitere Anwesen wie den Waldhof besuchen, das ist für morgen geplant. Sie wollte ohnehin noch einen längeren Ausritt mit dem Hengst machen, so dass sie den Besuch  dieser Pferdezucht, einfach mit einbauen wird. Es gab doch noch ein Anwesen, wo sie anschließend vorbei schauen wollte. Die Wegbeschreibung hat sie noch vor Augen, doch der Name ist ihr entfallen.


Man könnte sich fragen, weshalb sie nun noch in der Taverne arbeitet, doch die einfache Arbeit erscheint ihr sicher. Sie hat ein Dach über den Kopf und wird mit Speis und Trank versorgt, zudem empfindet sie es als sehr angenehm in der Taverne zu arbeiten, da sie so in kürzester Zeit schon recht viele von Talyras Bürgern gesehen oder mit ihnen gesprochen hat. Insgesamt hat sie sich richtig eingelebt und fühlt sich nach der langen Reise in dem nun wieder einkehrenden Alltagstrott richtig wohl. Einzig dass die Leute hier, ihr weißes Haar kaum beachten, weil sie dieses durch Azra schon gewöhnt sind, konnte sie sich noch nicht ganz verinnerlichen. Noch immer trägt sie es gerne unter einem Kopftuch oder ähnlichem verborgen. Doch am Liebsten trägt sie in ihrer Freizeit noch immer ihre schwarze Ledergewandung und so schlüpft Yasra heute, nach Feierabend in diese und legt sich auch den Umhang um. So eingekleidet begibt sie sich in den Schankraum, wo sie in einer dunklen Ecke einen winzigen Tisch bezieht. Die Ecke ist wie geschaffen um selbst kaum bemerkt zu werden. Und dennoch bietet sie einen guten Überblick über die meisten anderen Tische. Entspannt lehnt sich Yasra zurück und lässt ihren Blick über den vollen Raum schweifen, als auch schon Grid herbeieilt und ihre Bestellung aufnimmt, kurz darauf ist diese auch schon hinter dem Tresen verschwunden. Yasra betrachtet erneut das rege Treiben im Raum, als sich eine bekannte Gestalt zwischen den Tischen hindurch schiebt und den letzten freien Tisch ergattert. Es handelt sich um die blonde Geschichtenerzählerin vom Marktplatz. Yasraena hat sie in den letzten Tagen öfters gesehen, da sich diese in der Harfe einquartiert hat.

Doch die blonde Halbelbe scheint Yasraena nicht zu bemerken und Yasra ist gerade absolut nicht nach Gesellschaft weswegen sie auch nicht auf sich aufmerksam macht sondern einfach weiterhin dem Treiben zuschaut und der Musik lauscht.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Yasraena am 05. Nov. 2009, 15:12 Uhr
Während Yasraena weiter den Klängen der Barden lauscht, sucht sich Grid mit voll beladenem Tablett ihren Weg zwischen den vollen Tischen und Gästen hindurch zurück zu der Elbe, um anschließend die Teller und den Krug vor Yasraena aufzustellen. Mit einem Lächeln bedankt sich die Elbe und steckt Grid ein kleines Trinkgeld zu.

Jetzt kann ich mir auch ein wenig Großzügigkeit erlauben, überlegt sie sich fröhlich und macht sich sogleich daran das schmackhafte Mahl zu vertilgen. Anschließend gönnt sie sich noch ein Gläschen verwässerten Wein – es ist nicht so, als könne sie sich keinen guten Wein leisten, doch möchte sie nicht gleich all ihr Geld durch ihre Finger rinnen lassen.

Nachdem Yasraena gesättigt ist, zieht sie sich in ihr Zimmer zurück, schlüpft in ihr Nachtgewand und legt sich so gleich nieder. Immerhin hat sie am morgigen Tag noch so einiges vor.

Am nächsten Morgen erwacht die Elbe bereits sehr zeitlich und schwingt sich fröhlich aus dem Bett. Heute will sie dem Waldhof und diesem Anwesen einen Besuch abstatten.

Wie hieß es gleich noch? ... Ah ja de Winter. Aber erst zum Waldhof, denn hat Azra doch besonders empfohlen, soll eine Pferdezucht sein.
Vielleicht, so hofft die Elbe, lässt sich auch hier noch ein gutes Sümmchen verdienen. Von den Rossteins hatte sie 40 Silbermünzen bekommen. Laut Borgil hätte sie gut etwas mehr nehmen können, doch obgleich Yasraena das schon vor dem Besuch des Gestüts wusste, hat sie mit sich handeln lassen. Immerhin brauchte sie die Münzen um Shun’janars Unterkunft zu finanzieren.
Jetzt mit dem kleinen Finanzpolster im Rücken, lässt sich doch ganz anders verhandeln überlegt sie sich und ein Schmunzeln macht sich auf ihren Lippen breit. Außerdem – wenn ich darauf achte, dass ich Shun’janar nur zum Aufwerten anderer Rassen als Deckhengst einsetze und nicht mit einem reinblütigen Cul-Pferd verpaare - so kann ich die Konkurrenz schön flach halten. Das Schmunzeln wird zu einem Grinsen und nach einem schnellen Frühstück macht sie sich auf zu den Ställen, putzt den Schwarzen heraus, sattelt ihn und zäumt ihn auf und macht sich sogleich auf den Weg über den Marktplatz, durch die Straßen der Stadt und reitet durch das Verder-Tor in Richtung Waldhof.

------> Waldhof

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sonera am 07. Nov. 2009, 17:20 Uhr
Sonera bekommt doch recht schnell ihr Abendmahl und verschlingt es heißhungrig. Als sie den letzten Bissen hinunter spült kommt die Gesangstruppe auf sie zu und beenden ihr Lied.
"Das kann ich ja auch mal probieren.", schnell hällt sie sich die Hand vor den Mund und schaut sich um. Einer der Sänger hat Sonera gehört und macht eine einladende Geste doch ihre Stimme zu erheben.
Leicht wurde sie rot und will schon ihre Kaputze über den Kopf ziehen, als sie sich zusammen reißt und aufsteht. Leichtfüßig macht sie einen satz und stand auf dem Stuhl neben ihr.
"Meine Damen und Herren....", Sonera macht einen knicks und dreht sich einmal, sodass jeder sie von vorne sehen kann.

Ne alte Dame,
sie fühlte sich jung,
bekam Besuch und witzelte rum.

Den Besuch,
zwei Fremde Jungen,
bewirtete sie Herzig
und unbefangen.

Doch die Jungen,
sie waren nicht dum,
...


Sonera dreht sich noch einmal kurz, sie weiß nicht weiter und versucht es durch die Pause zu verbergen. Sie Sang noch nicht mal, es war mehr ein Sprachgesang.

bestahlen die Dame,
und schlichen sich fort.

Doch die Dame,
bemerkte sofort,
den Verlust ihres Hundes
und machte sich fort.

Die Jungs kamen nicht weit...
die Dame war fixer,
hatte ein Pferd,
ein Schwert,
und entpuppte sich als ....

RITTER!


Unter großem Beifall steigt Sonera von dem Stuhl und zieht sich nun doch die Kaputze über den Kopf. Der Sänger, der sie aufforderte ihr können zu zeigen, zwinkert ihr zu >"Naja, das Erzählen liegt Ihnen wohl mehr als das Singen?"< Sonera nickt und lächelt herzlich:" Da haben Sie recht, ich mag meine Stimme nicht wenn ich singe.

Schnell schleicht sie sich aus dem Raum und geht nach Oben in ihr Zimmer. Aufmerksamkeit fand sie ja gut, aber nicht, wenn sie etwas nicht konnte.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sonera am 11. Nov. 2009, 17:34 Uhr
Gut ausgeschlafen betritt Sonera Morgens den Schankraum und sieht sich um. Leer ist es geworden, gut ist ja auch früh am morgen, aber es waren gestern wohl viele noch lange wach und haben gefeiert.
Man war das gestern Abend peinlich. Gut das ich es kurz und schmerzlos gehalten habe und das Tane oder Atevora nichts davon mitbekommen haben. Gerade als Sonera denkt, dass es wohl nicht viele mitbekommen haben, kommt ein junger Bursche auf sie zu:>"Netter Auftritt gestern Abend."< Elegant verbäugt er sich vor der Halbelbe und lächelt sie an:>" Mein Name ist John und mit wem mache ich die Bekanntschaft?"< Sonera lächelt ihn verlegen an:" Mein Name ist Sonera und ich danke dir, aber der Aufrtitt gestern war alles andere als nett."
John schüttelt den Kopf und entblöst schöne weiße Zähne. Er ist größer als Sonera, hat grau bis weißliche Augen und braunes, kurzes Haar. Seine Haut ist rein, doch Sonnengebräunt. Sonera legt den Kopf schief:" Mir scheint in euch steckt ein Elb, aber ich könnt es nicht ganz glauben."
Nun wird John ernster:>" Ich bin eher ein Halbelb, wobei meine menschliche Seite nur durch mein Äußeres zu sehen ist. Sonst bin ich durch und durch Elbe und mir scheint bei dir das gleiche zu sehen?"< Die Halbelbe ist nun garnicht mehr verlegen und nickt, doch bevor sie was sagen kann, knurrt auch schon ihr Magen.
>"Hunger?<", mit einer Hand auf Soneras Rücken geleitet er sie zur Teke und bestellt ein ordentliches Frühstück für sie beide. "Ich danke dir. Sag mal, wo kann ich Arbeit her bekommen?", sie setzt sich auf einen Baarhocker und schaut John an. Dieser deutet auf Borgil und winkt ihn herbei:>" Da fragst du besser Borgil ob es irgendwo Arbeit für ein so zartes Wesen gibt?"<
Sonera sieht Borgil an und begrüßt ihn freudig, kurz blickt sie wieder zu John "Wenn du wüsstest wie zart ich bin...

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Cinaed am 25. Nov. 2009, 12:00 Uhr
« Die Stadt- und Zeremonienhalle
Kurz vor Allerseelen
Abends

Die Sonne steht bereits sehr tief und versinkt gewiss bald vollständig am Horizont, als Cináed und Aurian die Stadt- und Zeremonienhalle wieder verlassen und auf den Marktplatz hinaustreten. Bis zur Goldenen Harfe ist es nur einen Steinwurf weit und so schlägt die junge Lady de Winter gut gelaunt vor: »Ich denke wir sollten diesen erfolgreichen Tag feiern. Wollen wir noch einen Sprung in die Harfe machen und auf unsere Partnerschaft anstoßen? Außerdem sollte ich Borgil wohl Bescheid geben, dass er sich nicht weiter umhören muss wegen eines Pächters!« Die Gardemagierin lacht und Cináed nickt ihr zustimmend zu. „Das klingt nach einem guten Vorschlag“, meint er lächelnd und so schlendern die zwei frisch gebackenen Geschäftspartner gemächlich zur Taverne hinüber.
Erst am vergangenen Abend haben sie dort beisammen gesessen, nachdem Borgil sie miteinander bekannt gemacht hat und schon heute sind sie dabei den soeben offiziell abgeschlossenen Pachtvertrag zu 'begießen'. Erstaunlich wie schnell sich die Dinge doch manchmal entwickeln, denkt der Hochelb im Stillen. Wer hätte gedacht, dass ich so schnell passende Ländereien für mein Vorhaben finden würde? Sein Blick fällt auf Aurians, als diese vor ihm auf die Eingangstür des Gasthauses zusteuert, sodass er sich eilen muss, um ihr gerade noch rechtzeitig die Tür aufhalten zu können, bevor sie ihm zuvorkommt. Wir hätten es beide schlechter treffen können, stellt der Herr von Glyn-y-Defaid und hat damit sicherlich Recht.

Warme Luft schlägt ihnen entgegen, als sie den Schankraum betreten, der wie immer gut besucht ist. „Man merkt, dass Allerseelen näher rückt“, meint Cináed und sieht sich suchend nach einem geeigneten freien Tisch für seine Begleiterin und sich um. Die beiden haben Glück. Grid, die soeben von einem der Tische zurück in Richtung Theke bzw. Küche eilt, sieht sie im Eingangsbereich stehen und winkt sie zu sich heran. Direkt in der Ecke zwischen Kamin und Treppenaufgang sind noch ein paar gemütliche Plätzchen frei, und Aurian und Cináed lassen sich nicht lange bitten. Am Tisch angekommen hilft der Hochelb seiner Begleiterin aus dem Mantel, hängt diesen an einen nahen Kleiderhaken und legt dann selbst ab.
„Was darf es sein?“, erkundigt Grid sich höflich und sieht die zwei erwartungsvoll an. Der Herr von Glyn-y-Defaid wechselt einen raschen Blick mit Aurian, bevor er antwortet. „Bringt uns fürs Erste zwei Kupfer, Grid“, meint er. „Und was Ihr heute als Abendgericht führt... Dazu noch eine kleine kleine Platte mit frischem Brot, etwas Butter und Käse.“ Cináed überlegt kurz dann nickt er. „Ja, ich denke das wär's erst einmal“, sagt er lachend und die Schankmagd nickt. „Kommt sofort“, erwidert sie freundlich und eilt auch schon davon. Aurian und Cináed lehnen sich derweil zufrieden auf ihrem Stuhl bzw. der bequemen Sitzbank zurück. Sie sehen sich nach Borgil um, können den Harfenwirt allerdings gerade nirgends entdecken, was jedoch kein großes Problem darstellt – sobald Grid zu ihnen zurückkehrt, können sie die Schankmagd immer noch bitten, dem Zwergenwirt mitzuteilen, dass die Lady de Winter und der Herr von Glyn-y-Defaid gerne kurz mit ihm sprechen täten.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 25. Nov. 2009, 15:21 Uhr
Am Morgen vor Allerseelen

"Lass die Finger von dem Mädel, alter Schwerenöter und geh in den Pfirsich, aye? Dort haben sie mehr etwas in deiner Kragenweite", kommentiert Borgil, als er zu Sonera und ihrem neuesten Verehrer tritt. Freundlich, aber bestimmt genug, um "John" wissen zu lassen, dass er ein Auge auf seine weiblichen Gäste hat, auch wenn sie nicht mit ihm verwandt, verschwägert oder sonstwie seiner Obhut anempfohlen sind. Borgil hat gerade einen ganzen Verder Schinken und ein kleines Fass goldenen Bernsteinweins aus dem Keller geholt und lädt beides hinter dem Tresen ab. Der Schinken wandert umgehend in die Küche, der Bernsteinwein (kein Wein, sondern etwas weitaus Hochprozentigeres und ziemlich Teures obendrein) wird in einem der Fächer hinter der Theke mit ihren uralten und verschlungenen Holzschnitzereien verstaut. "So, junge Mistress, was kann ich für Euch tun, eh? Wieder unter den Lebenden? Gestern wart Ihr so rasch verschwunden, dass ich schon dachte, Ihr habt Euch ein Mäuseloch gesucht, in das Ihr Euch verkrochen habt. Soooo schlecht habt Ihr dann wirklich nicht gesungen, war doch ein lustiger Abend. Also… Ihr sucht Arbeit? Was könnt Ihr denn?"

OT: @Cin und Aurian: Borgil kommt einfach zu euch, wenn ihr ihn braucht

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sonera am 25. Nov. 2009, 21:15 Uhr
Sonera grinst als John empört Borgil anschaut, sagt aber nichts als Sonera ihm zunickt:" Ich danke dir John, aber ich scheine jetzt doch in guten Händen zu sein." John verabschiedet sich knapp und verschwindet dann, anscheind lässt er sich durch den Wirt beeindrucken. So wendet sich Sonera nun an ihn und lacht verlegen. Sie hatte eigentlich gehofft das der gestrige Auftritt nicht so sehr bei den anderen im Gedächtnis blieb.
"Danke, aber mir liegt eher das Geschichten erzählen als das singen." Verlegen senkt sie den Blick, schaut aber sofort wieder auf und streift sich eine Strähne aus dem Gesicht:" Was ich kann? Ich bin geschickt mit meinen Händen, zuverlässig und arbeite ruhig und sauber. Dabei tue ich eigentlich alles was mir Geld einbringt." Wieder denkt sie nach, was sie schon alles für Jobs angenommen hatte. Wirklich in allen Bereichen hatte sie bisher gearbeitet: Als Schankmagd, im Stall, Geburtshilfe bei vielen Wesen und Tieren, Geschichtenerzählerin zum Geburtstag, Reisebegleiterin und zum Hühnerfüttern. Wahrscheinlich ist es auch noch vieles mehr gewesen, aber das waren auch Arbeiten die in diesen Bereich gingen.
"Außerdem kann ich mir gut Dinge merken und behalte alles für mich was ich sehe und Höre, außer es ist wichtig dies zu äußern. Wüsstet Ihr da was?"
Erwartungsvoll sieht sie Borgil an und wartet ab.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aurian am 30. Nov. 2009, 13:32 Uhr
Kurz vor Allerseelen
Abends

Der Tisch, den Grid den beiden zuweist, ist Aurians Lieblingsplatz: Ein wenig geschützt vor der Masse hat man doch das gesamte Lokal im Blick. Cináed bestellt auch gleich zu essen und zu trinken und Grid, freundlich und gut gelaunt wie immer, marschiert sogleich Richtung Küche davon, um das Gewünschte zu holen. Von Borgil fehlt im Moment jede Spur, aber weit wird der Harfenwirt sicher nicht sein. Aurian vermutet, dass er sich entweder in seiner Kammer über den Büchern oder in der Küche aufhält, jederzeit bereit, nach dem Rechten zu sehen.

Der Kamin, neben dem die beiden sitzen, verströmt eine wohlige Wärme und vertreibt die kalte Novemberluft aus den Knochen. Grid kommt auch schon mit den Getränken. >Das Essen wird noch einen Moment dauern, aber ihr seht ja was hier los ist< entschuldigt sie sich. Aurian winkt beruhigend ab. „Keine Sorge. Aber Grid, sag wiest Ihr wo Borgil ist? Wir hätten etwas mit ihm zu besprechen!“  Die Schankmagd nickt. >Der hockt hinten über den Büchern. Ich sag ihm Beschei...He hört auf da hinten!!“ Energisch ist Grid mit wenigen Schritten an einem der benachbarten Tische, an denen sich zwei junge Burschen, schon ziemlich betrunken, wegen eines Mädchens in die Haare bekommen haben. Die Kleine weiß gar nicht wie ihr geschieht, als die beiden sich wegen ihr zu prügeln beginnen und sucht schleunigst das Weite. Aus dem Hinteren der Harfe hört man ein Rumpeln und einen dröhnenden Zwergenbass  >Was zum verlausten Nargenhintern ist hier los?< Und dann stapft der Herr des Hauses auch  schon zum Ort des Geschehens, wo Grid gerade einem geworfenen Bierkrug ausweichen kann. „Auftritt Borgil!“ Aurian grinst Cináed an. „Jetzt seht ihr den Guten mal in Aktion, wenn ihr das noch nie gesehen habt!“ Die Magieriin ist froh, außer Dienst zu sein, sonst müsste sie jetzt dazwischen gehen. So aber kann sie das Schauspiel aus sicherer Distanz verfolgen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Cinaed am 02. Dez. 2009, 10:12 Uhr
Kurz vor Allerseelen
Abends

In der Ecke, in der Cináed und Aurian sitzen, ist es aufgrund der Nähe zum großen Kamin besonders angenehm mollig warm und so strecken die zwei zufrieden die Beine unter dem Tisch aus. Dankend nehmen sie die Getränke entgegen, die Grid ihnen schon recht bald herüberbringt. Die Schankmagd lächelt und erklärt entschuldigend, dass das Essen noch etwas auf sich wird warten lassen. Doch Cináeds Begleiterin winkt ab. »Keine Sorge«, beruhigt Aurian die Frau freundlich. »Aber Grid, sag wiest Ihr wo Borgil ist? Wir hätten etwas mit ihm zu besprechen!« Die Frage wird von der Schankmagd mit einem Nicken quittiert. »Der hockt hinten über den Büchern. Ich sag ihm Beschei... He hört auf da hinten!« Energischen wirbelt Grid herum, als sie den plötzlichen Tumult am Nachbartisch bemerkt, und auch der Hochelb und die Gardemagierin blicken hinüber.

Zwei bereits reichlich angetrunkene Burschen scheinen es mit dem Wettstreit um die Gunst ihrer jungen Begleiterin etwas zu ernst zu nehmen und geraten immer mehr einander. Das hübsche Objekt ihrer Auseinandersetzung schaut ziemlich panisch drein und nutzt die kurze Ablenkung, für die Grid Einmischung sorgt, zur raschen Flucht. Ängstlich bringt sie sich hinter dem Rücken der Schankmagd in Sicherheit, als sich aus dem hinteren Teil der Harfe ein beunruhigendes Rumpeln vernehmen lässt. Sowohl Grid, Aurian als auch Cináed und diverse andere Stammgäste der Harfe wissen sogleich, was dies zu bedeuten hat. Die beiden Trunkenbolde, die mittlerweile eine handfeste Prügelei anzuzetteln drohen, begreifen allerdings erst was ihnen die Stunde geschlagen hat, als ein äußerst tiefer Zwergenbass ein beunruhigendes »Was zum verlausten Nargenhintern ist hier los?« von sich gibt.

Cináed, der gerade drauf und dran war der guten Grid zu Hilfe zu kommen, hält unvermittelt in der Bewegung inne. Er lässt sich wieder auf seinen Stuhl zurücksinken, während Aurian an seiner Seite amüsiert verkündet: »Auftritt Borgil!« Die Gardemagierin grinst und der Hochelb vermutet, dass sie (genau wie er) nur aus zwei Gründen bisher nicht in das Geschehen eingegriffen hat: Zum einen ist sie nicht im Dienst, zum anderen ist der Harfenwirt besser als jeder Stadtgardist in der Lage Zwist in seinem Gasthaus zu unterbinden – auf seine ganz spezielle Zwergenart. Und in der Tat. Borgils Auftritt lässt die beiden Streithähne sogleich völlig ernüchtern. Unter dem finsteren Blick des Zwergenwirten verwandeln sie sich in zwei verlegene Trauergestalten mit denen man sogar Mitleid haben könnte, wenn die Situation nicht so erheiternd wäre – und die Burschen sich diese Misere nicht selbst eingebrockt hätten. Ohne lange zu fackeln bereitet Borgil der Szene ein Ende. Schließlich trollen sich die Unruhestifter, während sich ihre Begleiterin mit roten glühenden Wangen verlegen bei Grid und dem Harfenwirt für ihre Hilfe bedankt und sich dann ebenfalls eilends entfernt.

Als endlich wieder Ruhe eingekehrt ist – oder was man in der Harfe eben so unter Ruhe versteht – winkt Aurian Borgil gut gelaunt zu sich und Cináed an den Tisch herüber. „Guten Abend“, begrüßen die zwei frisch gebackenen Geschäftspartner den Zwerg höflich, dann überlässt der Hochelb der Gardemagierin das Wort.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Lyall am 04. Dez. 2009, 20:38 Uhr
Kalter Wind schleicht flüsternd um die Häuserecken und lässt Nebel vom Ufer des Ildorel her heraufziehen. Als Lyall ein Windstoß erfasst, bekommt sie kurz eine Gänsehaut und schüttelt sich innerlich ob der nächtlichen Kälte.
Sich die verirrten Haare aus dem Gesicht streichend, biegt sie in eine Seitengasse ab, wo sie etwas vor dem Wind geschützt ist und obendrein eine kleine Abkürzung zur Harfe nimmt. Dumpf hallen ihre Schritte in der schmalen Straße, das Geräusch von den hoch über ihr aufragenden Wänden der Fachwerkhäuser hin und her geworfen.
Etwas unwohl wird ihr schon, ganz allein in einer langen, spärlich beleuchteten Gasse auch wenn sie ihrem überdurchschnittlich guten Gehör vertraut, welches ihr kein verdächtiges Geräusch meldet, wird ihr doch etwas flau in der Magengegend.
Fast unbewusst beschleunigt sie ihre Schritte und verspürt sogar so etwas wie Erleichterung als sie aus dem Gässchen heraustritt und nur noch um eine Ecke biegen muss, bevor sich auch schon das wuchtige Bauwerk der Schänke in ihr Sichtfeld schiebt.
Nach den Monaten, die sie nun schon in dieser Stadt war, kennt sie die meisten Gassen und größeren Straßen um den Marktplatz relativ genau, jedoch ist ihr die nächtliche Stadt immer noch etwas unheimlich und fremd. Tagsüber eine Stadt zu kennen hieß noch lange nicht dies auch bei Nacht zu tun. Soviel hatte sie gelernt. Sie bevorzugte die stille Friedlichkeit eines dunklen Waldes, in der andere sich verlieren würden jedoch nicht sie.

Hell beleuchtet sind die Fenster der Harfe und werfen ein einladend honiggoldenes Licht auf das Pflaster der Straße. Musik und Stimmengewirr dringen an Lyalls Wolfsohren, während sie sich dem Gebäude nähert.
Die Schänke scheint gut besucht zu sein und sie muss sich schon fast drängelnd durch die Eingangstür schieben, um ins Innere zu gelangen.
Die verschiedensten Geruchsnuancen hängen in der Luft, nicht unangenehm aber doch etwas erdrückend. Langsam lässt sie ihren Blick über die Gäste schweifen, in der Hoffnung unter ihnen ihren Begleiter Aegnor zu entdecken. Doch einen wirklichen Überblick gewinnt sie nicht. Es sind einfach zu viele Personen im Raum und der leichte Dunst über den Köpfen macht die Suche nicht einfacher. Da sie fast mitten im Raum steht und dort recht oft von den Schankmägden und anderen Gästen angerempelt wird, welche sich wie ein Ballett drehen und tanzen während die Musik und die Stimmen wie das rauschen des Meeres mal lauter und leiser an ihr Gehör branden, beschließt sie einen etwas geschützteren Ort aufzusuchen.
Der Aufgang zu den Gästezimmern scheint der ideale Ort zu sein, da er etwas erhöht liegt und nur wenige Personen in diese Richtung gehen oder aus ihr kommen.

Leicht lehnt sie sich an den Türrahmen und mustert die Gesellschaft vor ihr. Ab und zu muss sie sich auf die Zehenspitzen stellen um über sehr große Gäste zu schauen oder sich bücken wenn ein voll beladenes Tablett an ihr vorbei getragen wird, doch ihr Begleiter ist nicht auszumachen.
Schulterzuckend begibt sie sich in das obere Stockwerk. Hierher dringen die Laute des Schankraumes nur noch gedämpft zu ihr vor und auch die Luft ist kühler und angenehmer. Wo ist nur der Schlüssel? Ich habe ihn wohl auch bei Aegnor gelassen oder im Zimmer selbst… Um die Zeit wird er doch schon auf dem Zimmer sein. Es ist doch etwas später geworden als ich dachte., grübelt Lyall, während sie durch den holzvertäfelten Korridor läuft.
Vor der Tür angekommen drückt sie die Klinke hinunter, mehr um sich selber davon zu vergewissern das die Tür verschlossen ist als dass sie wirklich damit gerechnet hätte sie unverschlossen vorzufinden. Den Widerstand verspürend, klopft Lyall vorsichtig an die Holztür und tritt einen Schritt zurück.
Polternd öffnet sich in diesem Moment eine Nebentür und ein laut lachendes Pärchen fällt fast über sich selber in den Gang. Kichernd zieht die Frau ihren Partner am Hemd in Richtung Treppe, welcher laut auflacht, der Tür einen Tritt versetzt und diese krachend ins Schloss fällt.
Etwas überrumpelt steht Lyall,  von den Beiden unbemerkt, im Gang, ihr Blick folgt den Zweien bis zum Treppenaufgang wo diese außer Sicht verschwinden.
Sich bewusst werdend, dass sie immer noch vor einer verschlossenen Tür steht, klopft die nochmals jedoch etwas energischer. Doch nichts tut sich. Er wird doch wohl nicht schon schlafen? Lauter und auch etwas länger klopfend bemüht sie sich noch einmal um ihres Begleiters Aufmerksamkeit, doch niemand öffnet ihr obwohl sie sogar ein paar mal seinen Namen ruft.

Seufzend tritt sie den Rückweg in den Vorraum der Harfe an um eine Magd zu suchen, welche ihr das Zimmer aufschließen kann. Sicherlich werden sie mehrere Schlüssel für die Zimmer besitzen…Durch das Fenster einsteigen könnte sich als schwierig erweisen.
Etwas peinlich ist es ihr dann doch eine Magd aus dem Getümmel zu greifen und ihr über den Lärm der Gäste hinweg verständlich zu machen, dass sie wohl ausgeschlossen wurde und nun nicht ins Zimmer kommt. Doch die kleine Mogbar nickt nur verstehend, zwinkert ihr zu und wuselt schon in Richtung Theke. Kurz verliert Lyall sie aus den Augen doch zielsicher steuert die Schankmaid wieder auf sie zu, den keinen blitzenden Ersatzschlüssel in der Hand.
Winkend gibt sie Lyall zu verstehen ihr zu folgen. Energisch drängt sich das kleine Wesen durch die Massen, mit einer Routine und einem Elan dem die Schankgäste nichts entgegen zu setzen haben.
Die Gestaltwandlerin hat noch keinen Fuß auf die knarrende Holztreppe gesetzt, da ist die Mogbar auch schon oben und verschwindet im Halbdunkel des Ganges.
Zwei Stufen auf einmal nehmend erreicht sie die Magd trotzdem erst, als diese vor dem Zimmer ankommt und den Schlüssel das erste Mal im Schloss umdreht.
Auch ein zweites Mal muss sie ihn drehen, bevor sie eintreten können. Verschlossen war die Tür also, nicht nur zugezogen. „Euer Freund scheint wohl ausgeflogen zu sein. Und wohl schon etwas länger. Brrrr… hier ist es vielleicht kalt! Ich werde erstmal Feuer im Ofen machen wenn es Recht ist.“ Ohne eine Antwort abzuwarten, schichtet sie Holzscheit um Holzscheit auf  und nach kurzer Zeit brennt ein Feuerchen im kleinen Ofen in der Zimmerecke. „Schließt bitte die Tür damit die Wärme nicht ungenutzt auf den Gang zieht. Danke so ist es Recht. Ich bringe euch gleich noch Holz herauf.“ Mit diesen Worten öffnet sie die, eben von Lyall geschlossene, Tür und tritt auf den Gang hinaus, die Tür wieder hinter sich zu ziehend.

Sie muss der kleinen Frau Recht geben. Es ist wirklich kalt in dem Zimmer. Alles sieht unbenutzt aus, so wie sie es früh verlassen hatte. Den einzigen Anhaltspunkt, dass Aegnor sich in diesem Zimmer aufgehalten haben musste, bildete ein benutzter Teller auf der kleinen Anrichte unter dem Fenster. Schnuppernd hebt sie den Teller hoch.
Das Geschirr verströmt einen leicht aromatischen Gewürzduft, sowie den Geruch von Räucherfleisch und Käse. Warm hatte er also nicht gegessen.
Die Bewegung der Tür in ihrem Augenwinkel lässt sie aufschrecken und kurz zusammen zucken. „Keine Sorge, ich bin es nur! Ich habe das Holz dabei… ihr wollt es doch sicherlich warm haben!“ Lächelnd hebt sie den Leinensack mit Holzscheiten hoch. Dann fällt ihr Blick auf den Teller vor Lyall. „Den kann ich mit hinunter nehmen, oder braucht ihr ihn noch? Vielleicht habt ihr ja Hunger?“, sagt die Mogbar während sie sich hinunterbückt um die Holzscheite zu einem kleinen Wall neben der Feuerstelle aufzutürmen. „Nein danke, ich habe bereits gut gegessen. Lasst das nur, ich räume die Scheite schon weg. Ich werde gleich nachheizen.“ Dankend nickt ihr die kleine Frau zu, sich den Ruß vom Kleid klopfend.
„Kann ich sonst noch etwas für euch tun?“ Mit schief gelegtem Kopf schaut sie fragend zu der Gestaltwandlerin empor.
Kurz überlegt Lyall und ihre Ohren zucken dabei ab und zu als müsste sie Fliegen verscheuchen. „Danke, ich glaube nicht… oh wartet! Wäre es möglich jetzt noch ein Bad zu bekommen? Ich würde natürlich extra dafür bezahlen.“ Ihre rechte Hand umfasst den schmerzlich leeren Geldbeutel, in dem sich nicht mehr allzu viele Geldstücke befinden. All  ihr Geld hatte sie bei Aegnor gelassen. Er kannte sich trotz allem besser mit den glänzenden Stücken aus. Und auch jetzt ist sie sich nicht genau bewusst wie viel sie für solch einen zusätzlichen Arbeitsaufwand entrichten soll. Unschlüssig wiegt sie den Beutel in ihrer Hand als die Magd das Wort ergreift. „Nun, das Badehaus ist schon geschlossen. Aber ihr habt Glück! Unten wurde vor ein paar Minuten ein Kessel mit heißem Wasser aufgesetzt. Ich denke ihr könnt davon etwas für euer Bad haben. Wir haben hier keine großen Zuber wie im Badehaus aber ihr solltet hineinpassen. Wenn auch nur sitzend.“ Dankend drückt Lyall ihr ein paar Münzen in die Hand, welche die kleine Frau als erstes ablehnt aber auf das Drängen Lyalls dann doch einsteckt. „Wartet hier. Ich hole rasch den Badezuber sowie Seife und ein paar Tücher zum abtrocknen.“ Mit trippelnden Schritten wuselt das kleine Persönchen aus dem Raum, die Tür hinter sich nur anlehnend. Glücklich mit der Aussicht auf ein warmes Bad, lehnt sich die schwarzhaarige Frau gegen den Fenstersims des Sprossenfensters und schaut hinunter in das Halbdunkel der Straße. Viel lässt sich nicht erkennen und so verliert sie auch schon bald das Interesse.

Langsam schlendert sie zum Bett um sich darauf zu setzen. Raschelnd zieht sie die große Oberdecke hinunter, faltet sie ein paar Mal und legt sie an das Fußende des Bettes.
Einladend liegt das Bett vor ihr und sie will auch schon müde hineingleiten als die Tür zum wiederholten Mal aufschwingt aber diesmal zwei Mogbar eintreten. Beide kennt sie nicht, doch sie lächeln ihr freundlich zu, den Zuber in ihrer Mitte tragend. Kaum kann sie glauben, dass die Zwei diesen Zuber auch nur anheben können, doch sie stellen den Zuber ebenso leicht und elegant ab, wie sie ihn auch schon ins Zimmer getragen haben. Als letztes betritt die Mogbar, welche Lyall im Schankraum angesprochen hat, den Raum. Ein großes Leinenhandtuch, Pferdehaarbürste sowie ein großes Stück Seife in den Armen tragend, gesellt sie sich zu den beiden anderen Frauen, ihr „Gepäck“ auf einen Stuhl legend, welchen sie nahe an den Holzbottich heran rückt. „Wir kommen gleich mit dem Wasser. Habt ihr sonst noch einen Wunsch?“ Errötend schüttelt Lyall ihren Kopf, sie hat den Frauen des kleinen Volkes schon genug Mühe um diese Zeit gemacht. „Nein, wirklich das war alles, vielen Dank! Nur…könntet ihr mir den Ersatzschlüssel da lassen? Ich habe sonst nichts womit ich das Zimmer des Nachts abschließen könnte. Ich bringe ihn euch morgen früh wieder, versprochen.“ Etwas mit sich ringend überlegt die Schankmaid bevor sie nickt und den Schlüssel aus ihrer Schürzentasche zieht und auf den Badeutensilienstapel auf dem Stuhl legt.
Fröhlich tratschend begibt sich das Trio auf den Flur um das Badewasser zu holen.

Derweil kämmt sich Lyall das Haar und ebenso das kurze Fell auf den Ohren, wozu die Pferdehaarbürste bestens geeignet scheint. Als dies beendet ist, fällt ihr Blick auf eine kleine Kerze auf dem Fenstersims. Kurzerhand schnappt sie sich die Kerze sowie einen dünnen Span des Feuerholzes und zündet diesen in den Flammen des kleinen Feuers an. Pustend versucht sie den Span am brennen zu halten um damit die Kerze anzuzünden. Rot leuchtet die Spitze des kleinen Hölzchens, als sie es an den Docht der Kerze hält. Erst bildet sich nur ein dünner Rauchkringel, doch unter ihrem vorsichtigen Pusten entflammt bald darauf der Docht. Die brennende Kerze stellt sie wieder zurück auf den Fenstersims. Durch das warme Licht wird die Fensterflucht erhellt und Lyall muss sich unweigerlich an ein Lied erinnern, welches ihre Mutter ihr an stürmischen Abenden vorgesungen hat. Es handelte von einer einsamen Frau in einem Häuschen am großen Wasser, welche an stürmischen und regnerischen Nächten eine Kerze in ihr meerwärts gerichtetes Fenster stellte, um ihrem verschollenen Mann ein Zeichen zu geben in welche Richtung er sich wenden müsse, um in das geliebte Heim zu gelangen. Traurig war das Lied gewesen und sie erinnert sich nur bruchstückhaft an den Text.

Ihr Gedankengang wird unterbrochen, da die Mägde mit dampfenden Eimern ihr Zimmer betreten. So voll wie möglich sind diese und mit jedem Schritt der kleinen Frauen schwappt es bedrohlich hin und her. Flink entleeren sie ihre Eimer in den Zuber und man kann praktisch zusehen, wie sich dieser unter dem geschäftigen Zutun der Frauen füllt.
Ein paar Eimerfüllungen später ist der Zuber gut gefüllt und die Mägde entfernen sich leise, die Tür hinter sich zuziehend.
Langsam tritt Lyall an den Bottich heran, ihr Spiegelbild ist auf der dunklen Wasseroberfläche nicht erkennbar. Eine Hand eintauchend, fährt sie mit den Fingern über die spiegelnde Fläche, sodass diese sich glucksend kräuselt.
Mit einem Seufzen wendet sie sich ab, um die Tür mit dem Ersatzschlüssel abzuschließen. Erst überlegt sie ihn wieder auf die Anrichte zu legen, entscheidet sich jedoch dagegen und hängt ihn an einen kleinen Nagel an der Wand neben der Tür.

In der sich langsam aufwärmenden Kälte des Zimmers, dampft das Wasser wie eine heiße Quelle im Winter. Kräuselnd, wie tanzende kleine Kobolde aus Dampf steigen die Wasserdampffäden knapp über der Wasseroberfläche empor um sich kurze Zeit später in Nichts zu zerfasern.
Sich am Rand des Zubers festhaltend, taucht Lyall erst den großen Zeh ihres rechten Fußes hinein bevor sie hinein steigt um sich in das wohlig warme Wasser zu setzen.
Gegen die Holzdauben und streckt sich so weit wie möglich aus. Ihre Knie ragen jedoch wie kleine Inseln über das Wasser und auch ihr Dekoltee wird nur zur Hälfte bedeckt. Das stört sie jedoch nicht im Geringsten und etwas verspielt planscht sie kurz mit den Händen, kleine Wellen produzierend. Bald macht sie sich ein Spiel daraus das Wasser so hoch zu schaukeln, bis es fast über den Rand schwappt. Alsbald ist ihr dies jedoch zu eintönig und so greift sie zu dem würzig duftenden Seifenstück. Hart ist es, mit spröden Bruchkanten als wäre es aus einem sehr großen Seifenblock heraus gebrochen worden und kleine Stücke von einem Kraut sprenkeln das Objekt weiß –grün. Lyall identifiziert es als Rosmarin während sie die Seife mit der Bürste zum schäumen bringt. Kleine weißliche Streifen laufen in das Wasser, wo die Seifenlauge sie berührt und bald ist der ganze Bottich milchig weiß gefärbt. Prustend und leise singend wäscht sich die Gestaltwandlerin indes die Haare, immer wieder ihren Kopf nach hinten eintauchend, sodass ihre Knie über den Wannenrand ragen. Durch das Schrubben mit der Bürste ist ihre Haut rosig wie ein Ferkelchen und prickelt, als hätte sie sich in einen Ameisenhaufen gesetzt und das erfrischte, saubere Gefühl erfreut Lyall sehr.
Das warme Wasser sowie der süßlich- herbe Duft der Ingredienzien der Seife entspannen ihre müden Muskeln und mehrmals muss sie müde gähnen.
Schläfrig und zufrieden lehnt sie ihren Kopf gegen den Wannenrand und beobachtet die hypnotischen Spiele des Feuers in der Feuerstelle an der gegenüberliegenden Wand. Lauwarm ist das Wasser nur noch, doch sie will noch die letzten wärmenden Atemzüge des erkaltenden Wassers genießen. Den Luxus eines Komplettbades konnte sie sich in letzte Zeit nicht allzu oft leisten.
Rhythmisch tanzend und leise knackend lullt sie der Feuerschein bald ein und mehr als einmal fallen ihr die Augen zu während ihr Geist sich versucht in Traumwelten zu stehlen.
Doch um nicht vollends einzuschlafen, streckt sie sich, setzt sich gerade auf und greift nach dem bereitliegenden Handtuch um damit zu beginnen, sich die Haare zu trocknen.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 09. Dez. 2009, 21:11 Uhr
Am Morgen vor Allerseelen


>Ich danke dir John, aber ich scheine jetzt doch in guten Händen zu sein.< "Hmpf!" Macht Borgil und sieht "John" lange nach, als der hochmütig davon stakst, diesmal ohne ein horizontales Opfer. Das Mädel dagegen kichert ein bisschen verlegen, als er sie auf ihr gestriges Gastspiel als Gelegenheitsbardin anspricht.  >Danke, aber mir liegt eher das Geschichten erzählen als das singen. Was ich kann? Ich bin geschickt mit meinen Händen, zuverlässig und arbeite ruhig und sauber. Dabei tue ich eigentlich alles was mir Geld einbringt.<
"Soso," brummt Borgil, schnappt sich einen der irdenen Bierkrüge und beginnt, ihn zu polieren. Er lässt die junge Frau erst einmal reden ohne sie zu unterbrechen und wartet ab, was er da so alles zu hören bekommt, doch sie scheint ein wenig nachdenklich, ehe sie bemerkt, dass sie ein gutes Gedächtnis habe und sehr verschwiegen sei. Potzblitz, will sie sich vielleicht als Ohrenbläserin bewerben? Ihr Blick ist offen und ziemlich aufmerksam, als sie ihn schließlich ansieht und fragt, ob er denn etwas wüsste. "Arbeit? Nun, eine fähige Schankmagd kann ich immer gebrauchen… aber ob Ihr dafür geeignet seid, weiß ich nicht so genau. Könnt Ihr denn viele Humpen schleppen, mit Gästen scherzen und harte Arbeit aushalten? Hier in der Harfe ist immer furchtbar viel los. Ansonsten sucht auch der alte Humperknie im Aal immer nach fleißigen Mädchen, genauso wie Euron oben im Kupferkessel. Da ist nicht ganz so viel zu tun und die Gäste sind eher äh… ein bisschen obskur. Ein Mädel, das weiß, was es will und kann sollte in dieser Stadt allerdings überall Arbeit finden."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Aurian am 10. Dez. 2009, 09:35 Uhr
~Kurz vor Allerseelne, abends~

Als Borgil seinen Zwergenhintern auf den Stuhl plumpsen lässt, kann Aurian sich ein Grinsen kaum  verkneifen. Sie kennt den brummeligen, polternden Wirt der Harfe schon lange genug, um zu wissen, dass ihm so ein bischen Geraufe und Gerangel eigentlich Spass macht – auch wenn es mitunter auf Kosten des einen oder andern Kruges oder Stuhles geht. Und zu oft kommt es den Göttern sei Dank ja nicht vor.
Grid bringt soeben einen Laib duftenden Brotes und einen Bierhumpen für ihren Chef. „Rest kommt gleich!“ meint sie, ehe sie wieder in Richtung Küche verschwindet. „Borgil, wir wollen deine Zeit nicht zu lange in Anspruch nehmen, aber da du uns als Geschäftspartner…“ bei diesem Wort muss die Halbelbe grinsen, zu ungewohnt klingt es noch in ihren Ohren, „…zusammengebracht hast, haben wir uns gedacht, wir stossen gemeinsam darauf an!“ Die Magierin nickt Cináed zu. „Wir haben soeben den Vertrag in der Stadthalle offiziell gemacht, die Ländereien der de Winters an der Südstrasse sind an Cináed verpachtet. Und darauf lasst uns anstossen! Prost!“ Mit einem Klirren treffen die drei Krüge zusammen und alle drei nehmen einen kräftigen Schluck. „Ausserdem wollt ich mich bei dir mal für deine Unterstützung bedanken Borgil. Nicht nur jetzt für die Suche nach einem Pächter generell…“ Sie lässt den Satz in der Luft stehen, der Zwerg weiß was sie meint, da ist sie sich sicher. Seit ihrer Ankunft war der bärbeissige Wirt immer ein wenig ein Beschützer gewesen, sei es unmittelbar nach ihrer Ankunft oder bei ihrer Suche nach einer Stelle, die sie dann in die Steinfaust geführt hatte, bei diversen Auseinandersetzungen mit Dämonen und ähnlichem und nicht zu vergessen bei der Verhandlung um ihr Erbe.  

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Sonera am 10. Dez. 2009, 13:07 Uhr
Am Morgen vor Allerseelen


Borgil muss etwas lauter sprechen, da es doch schon ziemlich voll in der Harfe ist >Arbeit? Nun, eine fähige Schankmagd kann ich immer gebrauchen… aber ob Ihr dafür geeignet seid, weiß ich nicht so genau. Könnt Ihr denn viele Humpen schleppen, mit Gästen scherzen und harte Arbeit aushalten? Hier in der Harfe ist immer furchtbar viel los. Ansonsten sucht auch der alte Humperknie im Aal immer nach fleißigen Mädchen, genauso wie Euron oben im Kupferkessel. Da ist nicht ganz so viel zu tun und die Gäste sind eher äh… ein bisschen obskur. Ein Mädel, das weiß, was es will und kann sollte in dieser Stadt allerdings überall Arbeit finden.<
Sonera überlegt kurz und lässt ihren Blick durch den Laden schweifen. Schankmagd? In so einem Getümmel? Sie schüttelt den Kopf und schaut den Zwerg wieder an:" Als Schankmagd hier wohl eher weniger. Ich bin eine ruhige Person und kann es mir nicht vorstellen hier zu arbeiten." Mit einer ausschweifenden Geste deutet sie über die Köpfe der Gäste hinweg und erblickt an der Tür eine Person. In einen Mantel gehüllt steht dort ein Rotschopf, doch ganz genau kann sie ihn nicht erkennen, da gerade eine Schankmagd an ihm vorbei läuft. Als sie weg ist, ist an der Tür niemand mehr.
Sonera schaut zurück zu Borgil der sie fragend anschaut. Doch sie tut so als hätte sie eine Idee und schaut ihn mit einem freundlichen und leicht kessen Blick an:" Also, ich suche mir meine Aufmerksamkeit lieber selber und hier könnt ich mich wohl nicht einfach zurück ziehen, sobald ich mal Ruhe haben möchte? Ne, das glaube ich nicht, aber Ihr habt mich auf eine gute Idee gebracht."
Als Borgil mit dem Einwand kommt, dass die Halbelbe doch schonmal als Schankmagd gearbeitet hat, zwinkert sie ihm zu:" Das war nen paar Nummern kleiner als hier. Aber wie gesagt,", schon springt sie auf und zieht sich die Kaputze über den Kopf," Ihr habt mich auf eine Idee gebracht. Bis heute Abend, wenn wir uns dann vielleicht sehen." Mit einer leichten Handbewegung dreht Sonera sich um, bahnt sich einen Weg zur Tür vor und tritt hinaus.

Im Garten der Harfe bleibt sie kurz stehen und lässt ihre Augen an das Sonnenlicht gewöhnen. Schon ein Unterschied zu drinnen... wo steckt er denn nun? Genau in diesem Augenblick erblickt sie wieder den Rotschopf, kann aber wiederum das Gesicht kaum erkennen. Er steht dort an einen Baum gelehnt und als er bemerkt, dass Sonera ihn gesehen hat, dreht er sich um und läuft auf den Marktplatz zu. Er dreht sich noch nicht mal um um zu schauen ob Sonera ihm folgt.
Langsam läuft sie durch den Garten und lässt den Rotschopf nicht aus den Augen. Selbst unter dem Mantel kann sie seine schlanke und sehnige Gestalt erahnen, aber ganz sicher ist Sonera sich noch nicht. Kann das wirklich Tane sein? Im Schatten eines Baumes bleibt sie stehen und schaut, ob der Kerl sich doch nochmal nach ihr umschaut. Tatzächlich, er bleibt stehen, dreht sich um und streckt sein Gesicht der Sonne entgegen.
Sonera bleibt fasst die Luft weg. Ich hatte recht... Tanes Haare sahen in der Sonne aus wie Flammen die auflodern. Seine Augen strahlen selbst über diese Entfernung grün und sein schelmisches Lächeln sagte so viel wie Folge mir!
Das lässt sich Sonera nicht entgehen und schnell setzt sie sich wieder in Bewegung. Jedoch hat Tane wohl den gleichen Gedanken und verschwindet fast in der Menge auf dem Marktplatz. Schnell folgt Sonera ihm.

--> Der Marktplatz

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Cinaed am 20. Dez. 2009, 15:38 Uhr
Kurz vor Allerseelen
Abends

Gut gelaunt und freundlich, ganz so wie es nun einmal ihre Art ist, bedankt sich Aurian überschwänglich für Borgils kleinen Beitrag zu ihrem Geschäftsabschluss mit Cináed, und der Hochelb stimmt ihr lächelnd zu. Gemeinsam stoßen sie mit dem Harfenwirt an und lassen sich dann das bestellte Essen schmecken, welches Grid ihnen kurz darauf an den Tisch bringt. Lachend und schwatzend sitzen sie beisammen und lassen es sich gut gehen. Irgendwann wird Borgil allerdings wegen eines dringenden 'Notfalls' in die Küche gerufen und verabschiedet sich höflich von der Gardemagierin und ihrem Begleiter. „Auf bald“, entgegnet Cináed dem Zwergen und auch Aurian schließt sich diesen Worten an.

Nachdem der Harfenwirt fort ist, sitzen die junge Lady de Winter und er Herr von Glyn-y-Defaid noch eine Weile beisammen, leeren ihre Bierkrüge und Teller und unterhalten sich angeregt. Irgendwann ist es aber auch für sie Zeit zum Aufbruch und so winken sie Grid heran um zu zahlen, schlüpfen wieder in ihre Mäntel und verlassen das Gasthaus. Cináed begleitet Aurian noch bis zu ihrem Anwesen, holt sein Pferd und verabschiedet sich höflich von der Halbelbe. „Lebt wohl“, erklärt er lächelnd. „Ich lasse wieder von mir hören.“ Der Hochelb nickt Aurian noch einmal kurz zu und schwingt sich anschließend auf Áeds Rücken, um vom Hof zu reiten und nach Glyn-y-Defaid zurückzukehren.

Glyn-y-Defaid »

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Yasraena am 20. Jan. 2010, 12:50 Uhr
<---   Der Waldhof

Herbst 509 d5Z


Eigentlich hatte Yasraena geplant heute noch bei diesem de Winter Anwesen vorbei zuschauen, doch nachdem Kea ihr den ganzen Hof gezeigt und Shunj’anar auch noch beschlagen hat, ist es so spät geworden, dass die Elbe nur noch nach Hause wollte und den Besuch bei der Lady de Winter vorerst verschoben hat. Überhaupt war der Tag recht erfolgreich gewesen, so dass sie keine Notwendigkeit darin sieht, jetzt noch nach diesem Anwesen zu suchen.

Der Rückritt dauert etwas länger als der Hinweg, da sie den größten Teil des Weges im Schritt zurücklegt, damit sich der Hengst an die neuen Eisen gewöhnen kann. Erst nahe der Stadt wagt sie einen kurzen Trab um dann  in der Stadt selbst ihren Weg wieder im Schritttempo fortzusetzen.

Inzwischen ist es deutlich kälter geworden. Ein Spätherbsttag wie er im Buche steht und als Yasraena die goldene Harfe erreicht hat, kümmert sie sich noch kurz um ihren Hengst ehe sie sich in einem heißen Bad etwas Ruhe gönnt und anschließend auf ihr Zimmer verschwindet. Wenig später hat sie sich auch schon zur Ruhe gelegt, die Tage beginnen früh und es gibt immer viel zu tun.





Am Tag nach dem Julfest
22. Langschnee 509 d5Z


Die letzten Tage liefen sehr ereignisreich. Zum Julfest selbst hat Yasra ganz normal gearbeitet – freiwillig. Sie wollte nicht an den Feierlichkeiten teilnehmen und die Arbeit als gute Ausrede genutzt, die sie vorschieben konnte. Nachgehakt hat niemand, im Gegenteil die anderen Mägde haben sich gefreut und die Zeit genutzt ein wenig über den Festplatz zu schlendern. Yasraena konnte sich ihrerseits gar nicht dafür begeistern. Zugegeben, es wäre schon interessant gewesen, aber alleine die Vorstellung eines solch überfüllten Festplatzes weckten in ihr keinerlei Gefühle die einer Vorfreude oder gar Spaß gleich kamen und so blieb sie einfach dankbar zurück und kümmerte sich um die anfallenden Dinge.

Heute, einen Tag nach dem Julfest hat sie dafür frei und das ist ihr sehr Recht, denn sie hatte geplant einen längeren Ausritt in die Umlande zu machen. Shunj’anar wurde die letzte Zeit so wenig bewegt, dass es ihm sichtlich gut tun würde und so zieht sich Yasraena ihre neuen Wintersachen an, welche sie kürzlich auf dem Markt erworben hat und macht sich dick eingepackt daran, Shunj’anar zu striegeln und für den geplanten Ausritt vorzubereiten. Während sie dort vor den Ställen, ihren Hengst versorgt, summt sie eine fröhliche Melodie vor sich her.

Kurz darauf ist Shunj’anar gesattelt und der Ausritt kann beginnen. Yasraena gibt ihm einen langsamen Schritt vor, da der Boden glatt sein könnte. Die Wege wurden zwar vom Schnee frei gefegt, doch will Yasra nicht riskieren, dass sich ihr Nachtschatten doch verletzt, nur weil er auf dem glatten Pflaster womöglich ausrutscht.

--->   Das Larisgrün

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Yasraena am 10. Feb. 2010, 12:30 Uhr
Irgendwann im letzten Quartal 509


Heute war Yasraena fast die ganze Nacht auf, denn irgendein Eierdieb scheint in den Kleintierställen der Harfe sein Unwesen zu treiben. Diese Nacht hat sich Yasra auf die Lauer gelegt, um dem gemeinen Dieb zu erwischen. Doch leider hat sich Yasraena die Nacht umsonst um die Ohren geschlagen, denn der Dieb tauchte nicht auf. So hat Yasraena das Kleintier heute etwas früher gefüttert und sich anschließend erstmal aufs Ohr gehauen. Die anderen Mägde haben ihr nur zu bereitwillig den Rest der Tagesarbeit abgenommen, damit Yasra ihren Schlaf nachholen kann. Doch obgleich die Elbe nun alle Zeit der Welt hat, findet sie nach wenigen Stunden bereits keinen Schlaf mehr und steht wieder auf. Nachdem sie eine Kleinigkeit gefrühstückt hat, erkundet sie sich bei den anderen Tavernenangestellten, ob sie ihnen noch Arbeit abnehmen könne, aber alle lehnen Yasras Angebot dankend ab, da sie die Arbeit größtenteils schon erledigt und den Rest bereits unter sich aufgeteilt hatten. So hat Yasra nun einen ungeplanten freien Tag, den sie mit Shunj’anar verbringen will. Nachdem sie dem Hengst die Hufe gesäubert, das Fell geputzt, sowie Mähne und Schweif gebürstet hat, sattelt sie ihn und verlässt den Hof der Taverne.

--->  Das rote Steinhaus am Llarelon

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Azra am 15. Feb. 2010, 21:05 Uhr
Noch im Herbst/Winter 509

Azras Blick wandert gehetzt die Strasse hinauf, und wieder hinunter und jeder Herzschlag, der vergeht, ohne, dass sich Borgil zeigt, wird sie unruhiger. Längst hält sie es nicht mehr aus, still zu stehen und geht ein paar Schritte nach vorne, dann wieder zurück und schliesslich im Kreis. Es dauert entschieden zu lange, bevor sie die gedrungene, kräftige Gestalt ihres Mannes im fahlen Mondlicht ausmachen kann. Erleichterung bricht über ihr zusammen und mit einem leisen Schluchzen stürzt sie ihm entgegen, schlingt einen Arm um seinen Hals und drückt ihr Gesicht gegen den weichen Bärenpelz. Bræn tut es ihr gleich. Er hat aufgehört zu weinen, dafür plagt ihn jetzt ein hartnäckiger Schluckauf und sein Gesicht ist ganz rot und aufgeschwollen von all den Tränen und dem Geschrei. Azra ihrerseits drückt sich fest an Borgils breite Brust und spürt, wie mit der Ruhe auch die Tränen wiederkommen…. Und die Frage, ob… "Nein, ist er nicht", stellt Borgil sachlich fest, sucht ihren Blick und hält ihn fest. Unsicher, zerknirscht, beschämt und traurig zugleich weiss sie nichts zu erwidern und schluckt nur leer. Zuzugeben, dass sie Angst um Njucon hat, würde die ganze Situation nur verschlimmern. Davon geht sie zumindest aus und  obwohl ihre Schuldgefühle sie drängen sofort einen Heiler zu Njucon zu beordern, bleibt sie einfach an Borgils Seite stehen und wartet. "Gehen wir. Und wenn wir zu Hause sind, könntest du mir erklären, was da gerade passiert ist." Ein kleinlautes und sehr, sehr geknicktes „Ja“, ist ihre ganze Antwort, dann trottet sie wie ein geschlagener Hund neben ihm her, Bræn fest an sich gedrückt. Die Harfe, gross und rustikal, ist bereits in Sicht, als Azra auffällt, das etwas fehlt. Es dauert allerdings geschlagene fünf Herzschläge, bevor sie bemerkt, dass sie ausser ihrem dünnen Leinenkleid nichts mehr am Leib trägt und ihre Zähne deswegen im Stakkato klappern. Mein Mantel!, schiesst es ihr durch den Kopf und entsetzt schlägt sie die Hand vor den Mund. „Borgil, ich… mein Mantel.“ Borgil schaut sie an, schaut an ihr hinunter, packt sie schliesslich wortlos unter seinen schweren Bärenpelz und nuschelt etwas von „Botenjunge.“ Azra, die allein bei dem Gedanken noch einmal umdrehen zu müssen, schon das Flattern bekommen hat, schnieft und nickt hastig, um dann dichtgedrängt an ihren Mann die letzten Schritt hinter sich zu bringen.
Sie kehren durch den Hintereingang in ihr Zuhause ein, machen einen möglichst grossen Bogen um alle neugierigen Nasen und bringen Halla, die als Einzige ihre Wiederkehr wirklich bemerkt, mit einem stummen Blick zum Schweigen. Im Vorbeigehen ordert Borgil eine Wanne und heisses Wasser, ausserdem einen ganzen Stapel warmer Tücher und einen der Küchenbengel in sein Schlafgemach. Halla, die bei ihrem Anblick scharf die Luft einzieht, aber den Mund unverrichteter Dinge wieder schliesst, als Borgil eine Braue hebt, tut sofort wie ihr geheissen. Azras Wangen sind dick und rot von all den Tränen, ihre linke Gesichtshälfte blutverschmiert, ebenso ihre Hände und auch Borgil duftet nicht unbedingt nach Rosen und Veilchen. Zusammen betreten sie ihre privaten Gemächer, wo Borgil seinen Pelz, seine Axt und seinen Wams ablegt, derweil Azra Bræn aus seinem Mäntelchen und seinen Strümpfen schält und ihn unter die Decken ihres eigenen Bettes stopft. Schon auf dem Heimweg war er, erschöpft von all den Strapazen der letzten Stunde, in tiefen Schlaf gefallen, und als sie ihm nun einen sanften Kuss auf die immer noch warmen Bäckchen drückt, gibt er lediglich ein leises Schmatzen von sich. Flüchtig verharrt sie noch etwas an der Seite ihres Sohnes, eine seiner kleinen Hände zwischen ihren schmalen Fingern, und betrachtet sein friedliches Gesicht. Hinter sich hört sie Borgil mit den Stiefeln rumoren, dann geht die Tür auf und wieder zu und es herrscht bis auf die regelmässigen Atemzüge ihres Sohnes Stille. Etwas überrascht dreht sie sich um, aber Borgil ist gegangen. Er kommt bestimmt gleich wieder, beruhigt sie sich selbst, wobei ihr seine Axt ins Auge springt. Ein kurzes, abgehacktes, aber durch und durch befreites Lachen ringt sich aus ihrer Kehle, als sie das fehlende Blut bemerkt. „Oh ihr Götter, danke. Danke“, murmelt sie und schlägt die Hände vors Gesicht, als neue Tränen sie übermannen. In haltlosen Bahnen rinnen sie über ihre Wangen und tropfen von ihrem Kinn auf ihr Kleid, wo sie kleine, dunkle Flecken hinterlassen.
Und dann steigt ihr der metallene Geruch nach Blut in die Nase und fast schon ruckartig streckt sie die Arme von sich. Angewidert und erschrocken gleichermassen rümpft sie die Nase, erhebt sich rasch und hat mit weniger als drei Schritten die Distanz zwischen sich und der Waschschüssel aus der schweren Eichenholztruhe überwunden.
Hastig giesst sie etwas Wasser in die Schüssel, nimmt sich einen Lederlappen, taucht ihn ins kalte Nase und beginnt damit sich das Blut vom Gesicht zu waschen. Ihre weissen Locken färben sich in einem zarten Rosa, derweil Azra schrubbt und schrubbt und schrubbt, den Lappen auswäscht und wieder schrubbt und schrubbt und schrubbt… und noch immer schrubbt, als der letzte Blutstropfen längst verschwunden ist. Aus dem Spiegel heraus starrt ihr ein blasses Ebenbild aus grossen, rotgeränderten Augen entgegen, doch der Blick geht durch sie hindurch, wie der ihre durch den Spiegel und die dahinterliegende Wand. Sie sieht den Schmutz längst nicht mehr. Sie fühlt ihn nur noch. Überall dort, wo seine Finger gewesen sind. Seine Berührung war sanft, beinahe liebevoll… und in Kombination mit seinen Worten schändlich und demütigend. Wut, Trauer und auch Angst sind längst verschwunden, alles was ihr Herz noch fest umklammert ist eine hässliche Mischung aus Scham, Ekel und bitterer Enttäuschung. Sie hatte Njucon vertraut, sich ihm anvertraut, und er hatte dieses Vertrauen dreist missbraucht. Es mag ausgesehen haben, als hätte er sich keines besonderen Verbrechen schuldig gemacht, aber selbst als die Tür wieder aufschwingt und Borgil zurückkehrt… kratzt Azra noch immer längst nicht mehr vorhandenes Blut von ihrer Wange und ihrem Ohr.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Borgil am 21. Feb. 2010, 11:30 Uhr
Noch im Herbst/Winter 509

"Vergiss den blöden Mantel. Du hast Gold wie Heu, dir ein Dutzend neue zu kaufen", knurrt Borgil ungehalten, als sie die Harfe erreichen. Es ist das erste, das er überhaupt sagt, seit er Azra und seinen Sohn auf dem Rückweg von diesem weißhäutigen Feigling aufgelesen hat. Aber er hüllt sie in seinen, ein Umhang aus einem einzigen Stück weich gegerbten, ansonsten jedoch völlig unbearbeiteten Bärenpelz, in dem sie  völlig versinkt und der elend schwer auf ihren schmalen Schultern liegen muss. "Und untersteh dich, einen Botenjungen danach zu schicken. Ich will diesen kleinen Hundsfott mit den Karnickelaugen nicht einmal mehr in Sichtweite der Harfe sehen, verstanden?"
Sie betreten die Harfe durch den Hof und den Hintereingang und als Halla, die offenbar schon auf ihre Rückkehr gelauscht hat, im schmalen Gang von der Gaststube her auftaucht, schüttelt Borgil nur den Kopf. "Richte ein Bad, bring gewärmte Tücher und schick einen Küchenjungen mit etwas zu Essen zu uns. Eine Menge Essen. Dann geh wieder an die Arbeit. Und falls Tiuri auftaucht, sag ihm heute nicht, aye?"
Im Anbau, den sie nun schon eine ganze Weile bewohnen, der aber immer noch das "Neue Haus" heißt, legt Azra Bræn gleich in ihr Bett, weil der Junge schon auf dem Marktplatz hicksend an der Schulter seiner Mutter eingeschlafen war und beginnt, ihn aus seiner Kleidung zu schälen. Borgil legt nur seine Waffen ab und streift die schweren Stiefel von den Füßen, dann geht er ebenso wortlos, wie er sie hergebracht hatte. Er sieht nach Brenainn, der tief und friedlich in seinem Bett schnarcht, schürt das Feuer im großen Kamin des Hauptraumes nach, steht eine Weile am Fenster und starrt in die kalte Spätherbstnacht hinaus, kratzt sich nachdenklich die lange Narbe auf seinem Schädel, weiß nicht was er sagen oder denken soll und nimmt schließlich dem Küchenjungen, der gerade aus der Harfe herüber schnauft, das schwere Tablett mit ihrem Essen ab. "Geh wieder, ich mach das." Der Küchenjunge verschwindet mit einem knappen Nicken wieder, doch Borgil rührt sich nicht von der Stelle, nicht einmal, als eine kleine Armada Mägde Eimer um Eimer heißes Wasser für ein Bad hereinschleppt. Erst als einer der Knechte fragt, wo sie die Wanne hinstellen sollen, blickt Borgil auf. "Direkt hier, vor dem Feuer." Hört er sich selbst sagen, stellt das Tablett ab, das er immer noch in den Händen gehalten hat, und kehrt in sein Schlafgemach zurück. Azra ist ihm immer noch eine Erklärung schuldig, und ob er sie hören will oder nicht, er muss es wissen.

Er findet sie vor der Waschschüssel, wo sie wie eine Irre nicht mehr vorhandenes Blut von ihrer Wange schrubbt, die schon ganz rot und wund vom ewigen Reiben mit dem rauen Lappen ist. Ihr Blick geht ins Leere und sie scheint meilenweit fort mit ihren Gedanken, doch die Tränen rinnen unaufhörlich. So ist das also. Ws soll er auch anderes denken bei diesem Anblick? Borgil drückt die Tür hinter sich ins Schloss und ihr leises, metallisches Klick lässt Azra aufblicken. "Dein Bad ist fertig. Hör auf  dein  Gesicht zu verunstalten, du hast ja bald keine Haut mehr auf dem Kiefer. Ich bringe Bræn ins Bett." Er weiß, das er davonläuft, höchstwahrscheinlich zum allerersten Mal in seinem Leben - doch auch wenn es nur eine kleine Galgenfrist ist, die er sich so erkauft, er braucht noch einen Moment. Ein paar Augenblicke in der friedlichen Stille des Zimmers seines Jungen, ehe er sich dem stellen kann, was sie ihm wohl zu sagen hat. Diese Tränenflut angesichts der Geschehnisse spricht ja wohl Bände, schließlich hätte sie den Mistkerl auch einfach ohrfeigen und gehen können. Hätte sie? Wir reden hier von Azra, schon vergessen? Sie wird nur mit Besen oder Nudelhölzern angriffslustig. Er trägt seinen Sohn in dessen eigenes Bett, zieht ihm die warmen Pelzdecken bis unter das kleine Kinn und bleibt noch eine ganze Weile an Bræns Bett stehen. Fünf Jahre, zwei Söhne und ich dachte, sie wäre zufrieden und glücklich. So kann man sich täuschen… "Hmpf!" Wut hätte er verstanden. Empörung. Enttäuschung vielleicht auch, er weiß ja, dass sie Njucon gut leiden hatte können (was bei ihm nie der Fall gewesen ist. Er mag ja nicht viel über die Weißhaut wissen, aber er erkennt eine falsche Natter, wenn er sie vor der Nase hat). Nach einem letzten Blick auf das schlafende Gesicht des Jungen macht er kehrt, holt tief Luft und geht den Tatsachen ins Auge sehen, wie man so schön sagt. Er findet Azra in der Wanne, bis zum Kinn vergraben in Wolken schäumenden Seifenkrauts, ihre Kleidung ein unordentlicher Haufen auf dem Boden daneben. "Also?" Er nimmt einen tiefen Schluck aus dem Bierkrug und mustert sie dann aus schmalen Augen. "Willst du mir nicht sagen wie sein Blut in dein Gesicht kommt? Was hattest du überhaupt dort zu suchen?" Noch ein Schluck, dann schüttelt Borgil den Kopf, noch bevor Azra überhaupt geantwortet hat. "Nein, vergiss es. Sag mir zuerst: Warum die vielen Tränen? Weil Njucon ein paar Schläge hat einstecken müssen, ist es deswegen? Er wird es überleben." Borgil leert den Bierkrug und schenkt aus der Kanne nach. "Ich habe dir prophezeit, dass es eines Tages so kommen würde, weißt du noch? An dem Morgen, als… Der Bleichfisch ist vielleicht kein Rosenbengel aus Verd, aber…" Er zuckt mit den Schultern und beobachtet Azras Gesicht (in dem die unterschiedlichsten Wandlungen bei seinen Worten vorgehen) sehr genau aus seinen schwarzen Augen.

"Du hast gekreischt wie eine verbrühte Katze. Ich habe nicht alles verstanden, was du gesagt hast, aber ein paar Worte schon. Zum Beispiel: 'Wie kannst du es wagen!' und etwas von 'Niemals hintergehen'. Ich hätte nicht die Hand gegen ihn erhoben, wenn du seine Gegenwart wünscht. Nay, versteh mich nicht falsch. Ich hätte ihm vorhin liebend gern sein falsches Schrumpelherz aus der Brust gequetscht. Aber… wenn… du ihn willst, dann geh zu ihm und ich werde ihm nicht ein einziges Haar mehr krümmen."

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Yasraena am 24. Feb. 2010, 12:21 Uhr
Noch im Herbst/Winter 509


<--- Das rote Steinhaus am Llarelon

Den Rückweg nach Hause zur Harfe legt die Elbe zügig zurück. Sie hat keinen Blick mehr für die schönen Bauten, die kleinen liebevollen Vorgärten oder die Passanten auf den Wegen, Gassen und Straßen, so aufgewühlt ist sie. Was als schöner Ausritt begann endete in einem Desaster…

Warum lag Azras Mantel bei Njucon?
Diese Frage kreist schon während des ganzen Rittes in ihren Gedanken. Unter anderen Umständen, hätte sie sich die Frage nicht einmal gestellt. Immerhin sind Azra und Njucon gut befreundet. Doch die Verletzungen des Menschen, der verwüstete Wohnraum und die zerstörte Eingangstür ergeben ein ganz anderes Bild. Zudem hat Azra trotz des kalten Wetters ihren Mantel zurück gelassen.

Aber warum?
Für Yasraena kommen nicht viele mögliche Erklärungen in Frage. Am Wahrscheinlichsten ist es ihr, dass Azra zu Besuch war, als Njucon überfallen wurde.
Konnte sie fliehen und hat in aller Eile ihren Mantel zurückgelassen?
Zu abwegig, dann hätte sie ganz gewiss Hilfe geschickt und die hätte selbstredend nicht aus einem zerlausten Straßendieb bestanden.

Ist Azra von den Angreifern verschleppt worden? Galt der Überfall vielleicht nicht einmal Njucon sondern gar Azra selbst?
Yasraena wüsste nicht wer etwas gegen die freundliche Halbelbe haben könnte. Doch andererseits zählt ihr Mann zu den reichsten Bürgern der Stadt, daher könnte es durchaus sein, dass man sie tatsächlich entführt hat um ihn zu erpressen.
Ob Borgil schon davon weiß? überlegt sie weiter.
Wenn Azra wirklich entführt wurde, vielleicht kann Njucon helfen sie zu finden. Er muss die Täter identifizieren können…. Hat man ihn deswegen zum Sterben zurückgelassen?
Doch dann wäre man ganz gewiss sicher gegangen, dass er nicht überlebt und hätte es wohl kaum dem Zufall zu überlassen. Daher erscheint auch diese Möglichkeit, wenngleich sie wahrscheinlicher ist, als Yasraenas vorheriger Einfall, keinesfalls zutreffend.

Es sei denn, jemand wollte Azra etwas anhaben weil sie eine halbe Blutelbe war. Kann das sein?
Der Hass auf die Dunklen ist bei vielen Leuten groß genug, so dass Yasraena diese Möglichkeit tatsächlich in Betracht zieht. Njucon könnte versucht haben ihr zu helfen und deswegen so zugerichtet worden sein.

Doch hätte ich dann nicht ihre Leiche vorgefunden? Oder wurde diese weggeschafft?
Doch auch diese Idee kann nur wieder verworfen werden: Am helllichten Tage? Das hätte jemand bemerkt…
Und so scheinen diese Optionen alles Andere als plausibel. Doch was könnte es sonst gewesen sein?

Oder hatte gar Njucon selbst Azra bedroht. Doch wer sollte ihn dann so zugerichtet haben? Azra wohl kaum…
Und da war doch noch die zertrümmerte Tür… Es musste ein Angreifer von außen gewesen sein, jemand anderer als Njucon oder Azra.
Vielleicht wusste derjenige, dass Azra zu Njucon wollte oder war ihr gar gefolgt… Ein eifersüchtiger Ehemann? Gab es mehr zwischen Azra und Njucon als bloße Freundschaft?
Doch Yasraena kann sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass Azra ihren Mann betrügt.
So eine ist sie nicht.
Also kann auch diese Theorie nicht der Wahrheit entsprechen. Was könnte es sonst noch gewesen sein? Yasraena spekuliert in ihren Gedanken weiter:
Vielleicht hat Azra Njucon gar nicht besucht. Vielleicht war er es, der sie verschleppt hatte und jemandem war es nicht entgangen, hatte die Tür eingetreten, ihn überwältigt und Azra befreit.
Doch andererseits welcher Passant wäre im Stande diese Tür so einzutreten, dass Holz splittert und zerbarst. Borgil könnte durchaus so kräftig sein. Oder auch der eine oder andere der Stadtwache. Doch es wäre schon ein enormer Zufall wenn ausgerechnet Azras Mann oder gar die Stadtwache in der Nähe wären. Damit ist auch diese Möglichkeit einfach nur unplausibel. Zudem hätte die Stadtwache njucon sicher festgenommen und nicht so zurückgelassen. Es sei denn jemand hatte die Entführung mit bekommen, es gar nicht der Stadtwache sondern direkt Borgil gemeldet. Er wäre sicher gleich los gestürmt um seine Frau zu retten.

Also, war Njucon wirklich auf Borgils Gold aus? Wollte er ihn mit Azra erpressen und war zurecht so zugerichtet worden?
Möglich wäre es durchaus. Immerhin ist es sehr bekannt, dass der Harfenwirt zu den reichsten Bürgern der Stadt zählt. Außerdem würde diese Theorie erklären, warum sich Njucon nicht recht an die Angreifer erinnern wollte. Doch letzten Endes war auch das nur eine von vielen Spekulationen und so weit hergeholt, dass sie einfach nur unglaubhaft erscheint. Was wirklich geschehen ist, würde Yasraena wenn überhaupt erst in der Harfe erfahren. Zumindest in einem Punkt ist sie sicher, dass Azra etwas passiert sein muss, denn sonst wäre sie nicht ohne ihren Mantel gegangen… Nicht bei dem Wetter.

Als Yasraena die Harfe erreicht ist sie ihren Gedanken unzählige Möglichkeiten durchgegangen, von welchen Eine abwegiger war als die Andere. Eine Ahnung was wirklich vorgefallen ist, hat sie jedoch nicht, überhaupt hat sie den Eindruck, dass keine ihrer Überlegungen der Wahrheit entspricht. Aber nun wird sie bald erfahren was los ist und so steigt sie zügig ab und führt Shunj’anar in den Stall. Normalerweise kümmert sie sich selbst um ihr Tier, doch heute reicht sie die Zügel wortlos an einen der Stallburschen weiter. Diesem genügt ein kurzer Blick in Yasras Miene, um zu erkennen, dass irgendetwas so gar nicht stimmt und so nimmt er ihr Pferd entgegen und kümmert sich darum, während Yasraena sich abwendet und in Richtung Haupthaus geht und tief in ihrem Innern hofft, dass Azra zuhause und in Ordnung ist.

Titel: Re: Die Goldene Harfe
Beitrag von Atevora am 11. März 2010, 19:22 Uhr
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